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Beiträge von Heinz Abler
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Rezensionen verfasst von
Heinz Abler "habler" (Winterthur, Schweiz)
(REAL NAME)   

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Longitude
Longitude
Preis: EUR 18,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Alterweisheit in Sicht, 22. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Longitude (Audio CD)
Obwohl der französische Pianist Martial Solal seit dem Ende der 40er Jahre des vorigen Jahrhundert auf der Jazzszene präsent ist, blieb ihm die grosse Anerkennung ausserhalb Frankreichs weitgehend versagt. Er ist gewissermassen bis heute ein Geheimtipp geblieben. Es mag daran liegen, dass Solal wenig Lust verpürte, sich irgendwann irgendwo irgendwie anzubiedern. Vielmehr blieb er sich stets treu und zeigt auch auf dieser Einspielung sein eigenwilliges Profil. Er lotet, wie es der Titel andeutet, seine künstlerischen Koordinaten zusammen mit den Moutin Zwillingen (François b, Louis dm), kongenialen Partnern, die sich blind auf Solals musikalische Formensprache verstehen, aus. Wie ein Jungspund fegt Solal über die Tasten, kaum aufzuhalten in seinem Forscherdrang, wobei es irrelevant ist, ob er sich in eigenen Kompositionen oder Standards tummelt. Der Sturm legt sich leider schon nach knapp 45 Min. Doch man bedenke, der Mann ist über 80 Jahre alt und lässt wenig Altersweisheit durchscheinen, jedoch ohne zu spätpubertieren. Ein Glück.


Leben und Schicksal
Leben und Schicksal
von Vasilij S. Grossman
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein langer Gang durchs Minenfeld, 18. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Leben und Schicksal (Gebundene Ausgabe)
Es gibt Lebensbücher, die aus einem Autor herausdrängen, die geschrieben werden müssen, weil der Autor nur so weiter leben kann und will. Wassili Grossman bezeichnete sein Buch 1962 in einem Brief an den ehemaligen sowjetischen Parteichef N.S.Chruschtschow, als sein Kind. Es wurde ihm weggenommen, weil die Zeit für dieses Buch im Sowjetimperium noch nicht reif und sein Erscheinen anderswo nicht erwünscht war. M.A.Suslow, der damalige Parteiideologe, meinte anlässlich einer Unterredung mit Grossman, es müsse noch 200 Jahre auf seine Veröffentlichung warten. Das Sowjetimperium zerfiel und das Buch gelangte schliesslich auf abenteuerlichem Weg weit vor dem suslowschen Zeithorizont in unsere Hände.
Der 1964 mit knapp 60 Jahren verstorbene Grossman orientiert sich bei der Anlage dieses epischen Werks an seinem Vorbild Tolstoi (Krieg und Frieden), mit dem wesentlichen Unterschied allerdings, dass dieser die von ihm beschrieben Zeit nicht unmittelbar erlebte, während jener mit voller Wucht zu spüren bekam, wovon er schrieb. Auf über tausend Seiten werden wir in eine Welt eingeführt, die von zwei totalitären Systemen, dem hitlerschen auf der einen und dem stalinistischen auf der anderen Seite bestimmt war.
Stalingrad im Winter 1942/43, das Zentrum des Romans, wurde zur Menschenmühle, wo in Eiseskälte das Blut der Betroffenen beider doch so ähnlichen Systemen in Strömen vergossen wurde. Das überlegene Ariervolk kämpft gegen den "Untermenschen", den "neuen Menschen" stalinscher Prägung. Der Kampf dient der Rassen- bzw. Klassenhygiene. Da die Verunreinigung immer droht, muss permanent gesäubert werden. Der Mensch muss zurecht gebogen und, wenn er sich nicht zurecht biegen lässt, vernichtet werden.
Da wir es mit einem "klassischen" russischen Roman zu tun haben, müssen wir uns auf ein gewohnt umfangreiches, deutsches und russisches Personal einstellen. Wir begegnen sowohl denen oben, Stalin, Hitler mit Heerführern bzw. Kommissaren als auch denen unten, Frauen und Männern in in den Rattenlöchern des verbrannten, zertrümmerten Stalingrad, in Lagern, Gefängnissen, in Güterzügen, in Fabriken , Labors, Wohnungen, kämpfend, debattierend, liebend und leidend, und seltener, sich freuend. Der Autor zwingt uns, selbst die Todgeweihten auf dem Weg in die Gaskammer zu begleiten. Wir verfolgen gewissermassen von einer philosophischen Metaebene aus die Auseinandersetzungen über wesentliche Fragen des Menschseins, des Lebens in der Versuchsanordnung eines totalitären Systems, wo Wille und Wahn verschmelzen, wo Täter zu Opfern und umgekehrt werden. Möge uns - so hören wir den Ruf - die Kraft zum rechtzeitigen Widerstand gegen das Aufkommen jedweden totalitären Systems jedweder Provenienz erhalten bleiben. Dieser lange literarische Gang durchs Minenfeld der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Werk sollte uns dabei helfen.
Die Mehrschichtigkeit von Grossmans Epos lässt sich durchaus mit Tolstois "Krieg und Frieden", welches der Autor während der Kriegszeit stets auf sich trug, vergleichen. Der Roman ist ein Jahrhundertwerk und zum Glück endlich zugänglich, wenngleich die Lektüre zufolge des geschilderten Geschehens nicht immer leicht fällt.


Coltrane: Siegeszug eines Sounds
Coltrane: Siegeszug eines Sounds
von Ben Ratliff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was war und was bleibt von John Coltrane ?, 5. August 2008
40 Jahre nach John Coltranes Tod im Juli 1967 legt der Jazzkritiker der New York Times, Ben Ratliff, ein Buch über den Tenorsaxofonisten mit dem Untertitel "Siegeszug eines Sounds" vor. Der Untertitel deutet an, worum es dem Autor geht, nämlich nicht um eine Biografie des Musikers, sondern um die Nachzeichnung der Entwicklung dessen, was Ratliff für das Wesentliche in Coltranes Musik hält, den Sound. Ob dies jedoch ein Siegeszug war, lässt sich angesichts der oft kontrovers diskutierten musikalischen, indes von tiefer spiritueller Einsicht geprägten Eruptionen in der Spätphase von Coltranes Schaffen bezweifeln.
Dieses lässt sich in etwa 4 Phasen einteilen:
1. Frühphase bis etwa 1955:
Coltrane spielt zunächst Altsaxofon mit Johnny Hodges als Vorbild, Engagements in Big Bands wie etwa Dizzy Gillespie oder Earl Bostic. Wechsel zum Tenorsaxofon.
2. Phase des Suchens bis etwa 1960:
Mitglied des ersten. klassischen Miles Davis Quintetts/Sextetts; dazwischen für einige Monate Engagement im Thelonious Monk Quartett. Zahlreiche Aufnahmen für die Labels Prestige, später Atlantic (vor allem Giant Steps). Drogenentzug und Beginn von Coltranes Spiritualität.
3. Phase des "klassischen" Coltrane Quartetts (mit McCoy Tyner p, zunächst Steve Davis, dann James Garrison b, sowie Elvin Jones dm) bis 1965.
Einspielung von "My Favourite Things" (Atlantic) mit Einführung des Sopransaxofons in den zeitgenössischen Jazz. Danach Wechsel zu Impulse Records, Coltranes eigentlichem Heim, mit Bob Thiele als idealem Betreuer.
4. Spätphase bis zum Tod.
Zunehmende Bedeutung der spirituellen Aspekte in Leben und Werk mit "Love Supreme" (Impulse; Dez. 64) aus Ausgangspunkt. Neues Quintett mit Pharoah Sanders ts,fl Alice Coltrane p, Garrison b und Rashied Ali dm. Abkehr von tradierten Harmonie-, Klang- und rhythmischen Mustern.
Ratliff gliedert sein Buch in zwei Teile:
Zum ersten zeigt er die eigentliche musikalische Entwicklung Coltranes und deren Auswirkungen auf die damals aktuelle Szene auf. Umgekehrt vermerkt er die Eindrücke die Coltrane seinerseits von aussen aufnahm und in seine Musik einfliessen liess.
Der zweite Teil ist der Bedeutung der musikalischen Hinterlassenschaft Coltranes, ausstrahlend bis in die Gegenwart, gewidmet. Darin eingebettet nimmt die Diskussion um die insbesondere vom Chefideologen Wynton Marsalis eingeführte und zu Recht umstrittene Kanonisierung des Jazz einen gewissen Raum ein. In Marsalis' Wahrnehmung ist der Schlusspunkt in Coltranes Werk ohnehin spätestens mit "Love Supreme" gesetzt.
Das Buch endet in einem Interview mit dem Saxofonisten Marcus Strickland (Jg. 1979) darüber, wie in einem jungen Jazzmusiker Coltrane nachklingt.
Leider ist es in Details (Namensschreibung u.ä.) etwas schlampig geraten. Schwerer wiegt das Fehlen jedweder Diskografie, zumindest jener Alben, auf die im Text näher eingegangen wird.
Dennoch gehört es in die Bibliothek eines jeden, der sich einigermassen ausführlich mit dem Werk eines der grössten Musikers des 20. Jahrhunderts befasst. Es wäre zu wünschen, dass auch die an eine eurozentrische Sicht auf die kulturelle Welt gewöhnten Europäer dies in grosser Zahl täten.


Die Länder des Islam: Geschichte, Tradition und der Einbruch der Moderne
Die Länder des Islam: Geschichte, Tradition und der Einbruch der Moderne
von Arnold Hottinger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 38,90

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aufklärung gegen Angst und Unwissen, 27. Juli 2008
Gelegentlich befallen einen Zweifel, ob das gegenwärtige Führungspersonal der sogenannten westlichen Zivilisation, wie etwa die Herren Bush, Berlusconi, Sarkozy, oder der Herr des katholischen Erdkreises, Benedikt XVI u.ä,. sich jemals ernsthaft die Mühe nahmen, ein halbwegs kohärentes Bild der islamischen Welt zu gewinnen. Dieses Buch würde ihnen helfen, sich von Vorurteilen und einfältiger Einteilung in "Schurkenstaaten" und andere zu verabschieden. Besonders wenn sie noch glauben, mit Waffengewalt die Einführung eines westlichen Demokratiemodells erzwingen zu müssen, fällt die Bilanz, wie im Irak, besonders desaströs aus. Zumal es, kaum verhüllt, um die Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen geht; Stichwort Öl. Hier ist es besonders erhellend, sich von einem Kenner wie Arnold Hottinger aufzeigen zu lassen, dass die kulturellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen für ein solches Modell weder bestehen noch auf die Schnelle zu installieren sind. Vielmehr handelt sich vielerorts um ein komplexe und über sehr lange Zeit gewachsene Klientelsysteme an deren Spitze ein einzelner Machthaber steht. Zudem ist, wie etwa im Libanon, ein ethnisch-religiös aufgegliedertes Staatsvolk nur schwer in einem äussert fragilen Gleichgewicht zu halten. Die Gefahr eines Bürgerkrieges lauert sozusagen an jeder Ecke. Somit kann sich ein Parteiensystem, nach westlichen Muster nur schwer herausbilden. Ironischerweise vermögen fast nur weltanschaulich-religiös fundierte Gruppierungen, wie die Islamisten ein übergreifendes politisches Angebot, insbesondere an die armen und verarmten Schichten zu machen. Die schiitische Hizb-Allah (Partei Allahs) im Libanon mag als Beispiel dienen. Viele solcher "Parteien" gehen auf die "Muslimbrüder" zurück, die in einigen Ländern der Region verbreitet waren und noch sind (z,B. Ägypten). Hottinger ortet als Quelle der Unrast weitgehend einen Identitätsverlust bei diesen Völkern, der im 19. Jahrhundert mit der Kolonisierung durch die damaligen imperialen Mächte England und Frankreich einher ging. In der nachkolonialen Vergangenheit sollte dieser Verlust mittels nationalistisch eingefärbten panarabischen Konzepten (Nasserismus) ausgeglichen werden, was zum einen an divergierenden kulturellen Voraussetzungen und zum anderen an verlorenen Kriegen (Beispiel Sechstagekrieg 1967) scheiterte. Zudem gerieten die Länder der Region im einsetzenden Kalten Krieg in die Lage von Stellvertretern der Vormächte USA und Sowjetunion. Besonders unheilvoll wirkte sich dies im Falle Israels aus, das naturgemäss als Fremdkörper empfunden, jedoch von den USA zu einem besonders mächtigen Stellvertreter aufgebaut und in die Lage versetzt wurde, die Palästinenser und umliegenden Länder ein übers andere Mal zu demütigen. Dass nach dem Zusammenbruch des bipolaren Systems eine neue Identifikationsfläche gesucht und im angeblich streng korantreu (fundamentalistisch) ausgelegten Islam gefunden wurde, lag insbesondere auch nach dem Hinauswurf der Sowjets aus Afghanistan nahe. Doch auch hier wurden Zauberlehrlinge, wie die Taliban von den USA, mit Hilfe des pakistanischen Geheimdienstes herangezüchtet. Das Resultat ist sattsam bekannt.
Hottinger zieht, ausgehend von den Altkulturen der grossen Flusstäler Nil, Euphrat und Tigris einen geographisch wie historisch-kulturellen Bogen bis in die Maghreb-Staaten am westlichen und Pakistan am östlichen Ende. Dazu wirft er einen genaueren Blick auf Länder wie den Iran (schiitischer Gottesstaat) und die Türkei (Atatürks Laizismus).
Er beleuchtet ebenso spannend wie kenntnisreich auch die aktuellen politischen Entwicklungen. Allen die sich ein differenzierteres Bild von der heutigen islamischen Welt ausserhalb Südostasiens und Schwarzafrikas machen wollen, sei das Buch ans Herz gelegt.


Live
Live
Preis: EUR 13,99

20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Meister und die Zeit, 18. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Live (Audio CD)
Im August 1997 spielte der damals 27-jährige Brad Mehldau mit seinen Triopartnern Larry Grenadier b und Jorge Rossy dm im New Yorker "Village Vanguard" (The Art Of The Trio, Volume Two) die Coltrane Nummer "Countdown", ein harmonisch vertracktes Vehikel. Gut neun Jahre später, im Oktober 2006 tut er dasselbe, am selben Ort, im etwa selben Tempo an derselben Stelle am Schluss des Programms. Ist es jedoch dasselbe ? In diese neun Jahre müsste naturgemäss so etwas wie Entwicklung eingelagert sein, abgesehen davon, dass nun Jeff Ballard an Stelle Rossys am Schlagzeug sitzt.
1997 stellt das Trio das Thema vor, bricht ab und Mehldau zerpflückt die Vorlage solo. Danach setzten seine Partner wieder ein, es folgt eine flüssige, virtuose Improvisation Mehldaus, gefolgt von einem luftigen Schlagzeugsolo Rossys, schliesslich mündet das Stück in einen sanft groovigen Abgang in den der Leader auch seine Absage einbettet.
2006 gestaltet er das Stück etwas um. Er nähert sich dem Thema ohne Begleitung, dieses wird dann vom ganzen Trio vorgestellt, bevor der erste Teil der Improvisation Mehldaus in ähnlicher Weise wie 97 folgt, vom zweiten, wesentlich freieren Teil durch ein den Spielfluss brechendes Basssolo Grenadiers abgetrennt. Schliesslich Nachstellung des Themas, das Schlagzeugsolo entfällt, Absage Mehldaus ohne musikalische Einrahmung.
Zu erkennen ist, dass Mehldau sein Triokonzept nicht weiter entwickelt hat. Ballard spielt zwar etwas anregender als der vor seinem Weggang ermüdete Rossy, wogegen Grenadier am Bass - leider - gewohnt solide aber defensiv agiert. Will heissen, dass ein Interplay gleichberechtigter Partner angesichts des Meisters Eigensinn kaum stattfindet.
Dies zieht sich durch das ganze Programm hindurch, welches im Gegensatz zu 1997 nun fast zur Hälfte mit Eigenkompositionen durchsetzt ist.
Dennoch schleicht sich der Eindruck ein, dass der einst in den Neunzigern als vielversprechendes Junggenie angetretene Pianist irgendwie nicht recht vom Fleck kommt.
Die gute Nachricht lautet indes: man erwirbt für relativ wenig Geld etwas mehr als. 2 1/2 Stunden insgesamt doch gute Musik.
Bleibt die Frage, wohin die Reise Mehldau nach weiteren neun Jahren geführt haben wird. Der "Countdown" jedenfalls läuft.


Live
Live
Wird angeboten von classicscddvd-L&P Classics Berlin
Preis: EUR 18,90

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Arbeit am Denkmal, 28. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Live (Audio CD)
Zum Jahresende 2006 trat das McCoy Tyner Quartet, bestehend aus dem Leader am Piano, Joe Lovano ts, Christian McBride b und Jeff "Tain" Watts dm im "Yoshi's" in Oakland, CA auf. Die Gruppe spielte ausschliesslich Kompositionen Tyners, die schon von früheren Einspielungen des Pianisten bekannt sind. Gleich vorweg: Dies ist eine ausserordentliche Scheibe, denn in diesen Zeiten, wo die Stromlinie ein marktgängiges Gestaltungsprinzip ist, liefern die vier Herren Jazz auf der höchstmöglichen Intensitätsdichte; vor allem in den vier ersten Stücken. Dazu trägt naturgemäss die Live-Atmosphäre wesentlich bei. Insbesondere der damals 68-jährige Tyner spielt zuweilen orchestral-perkussiv auf einem Intensitätslevel, jenseits dessen nurmehr Cecil Taylor auszumachen ist. Der jüngere Lovano und die noch jüngeren Watts und McBride halten indes wacker mit. Lovano führt hier einmal mehr überzeugend sein eigenwilliges Spiel vor und lässt sich nicht dazu verführen, allzu sehr bei Coltrane Anleihen aufzunehmen. McBride trägt das Ganze mit fetten Bass und zeigt in seinen Soli hohen Einfallsreichtum und Virtuosität, während Watts auf der Entwicklungslinie von Elvin Jones sein Powerdrumming einbringt. McCoy Tyner gehört wohl seit den frühern 60ern zu den fünf wesentlichsten Pianisten des Jazz. Der Grundstein zum Denkmal ist gesetzt.


Hammerstein oder Der Eigensinn: Eine deutsche Geschichte
Hammerstein oder Der Eigensinn: Eine deutsche Geschichte
von Hans Magnus Enzensberger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 6,99

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom erzieherischen Wert der Faulheit, 25. März 2008
Hans Magnus Enzensberger erzählt die Geschichte der Adelsfamilie von Hammerstein-Equord, deren Oberhaupt Kurt von 1930-1934 Chef der Heeresleitung der Deutschen Reichswehr war. Damit nahm er zur Zeit der Machtergreifung Hitlers Ende Januar 1933 eine Schlüssselstellung ein. Zudem war er ein persönlicher Freund des letzten Reichskanzlers der sterbenden Weimarer Republik, General Kurt von Schleicher. Die Geschichte kennt man, der senile Feldmarschall Hindenburg machte, kraft der ihm von der Verfassung gegebenen Autorität den "österreichischen Gefreiten" zum Kanzler, u.a. auch gegen den Willen des Generalobersten von Hammerstein. Dessen Frau Marie war eine geborene von Lüttwitz, deren Vater, gleichfalls General, beim sogenannten Kapp-Putsch von 1920 als Chef eines Freikorps die eigentliche Hauptrolle spielte und seinen Schwiegersohn vorübergehend in Haft nehmen liess. Da in der Weimarer Republik zufolge des Versailler Vertrages die Reichswehr auf eine Truppenstärke von 100'000 Mann zurückgestutzt blieb (ohne Generalstab, Luftwaffe und Marine), nahm sie inoffiziell und illegal Verbindung zur Roten Armee der ebenfalls geächteten Sowjetunion auf, die schliesslich in eine für beide Seiten zweckdienliche Zusammenarbeit mündete. Anlässlich dieser Kooperation reiste auch von Hammerstein in die SU und lernte dabei verschiedene führende Köpfe der Roten Armee, wie etwa die Marschälle Tuchatschewski oder Woroschilow kennen, deren einige der säuberungswütige Stalin später rollen liess.
Die Familie von Hammerstein, kinderreich wie im Adel nicht unüblich, bestand aus zudem aus vier Töchtern und drei Söhnen, deren Lebensläufe Enzensberger ebenfalls nachzeichnet. Während die älteren Töchter durch Beziehungen sich im Dunstkreis der abgetauchten KPD und somit Moskaus bewegten, kamen die älteren Söhne auch unter dem Einfluss des Vaters mit dem Widerstand in Berührung. Es gelang ihnen jedoch, zum Teil mit einigem Glück, im Nachgang zum 20. Juli 1944 sich der tödlichen Schlinge zu entziehen. Der Vater, der schon zu Beginn und nach persönlichen Begegnungen mit Hitler hellsichtig das katastrophale Ende des "Tausendjährigen Reiches" voraussah, verstarb, gewissermassen rechtzeitig, im April 1943 an Krebs.

Formal bedient sich der Autor bei der Erzählung dieser Familiengeschichte dreier Elemente, nämlich der eigentlichen Erzählung, der Glosse (Essay) und des Totengesprächs mit Beteiligten. Das Verfahren soll nicht bewertet werden, hingegen befriedigt das Resultat leider nur beschränkt. Einerseits setzt es einige Kenntnis der zeitgeschichtlichen Zusammenhänge jener Zeit voraus und erweckt anderseits leider die Protagonisten trotz der eingesetzten Mittel nicht wirklich zum Leben. Eigensinn wird schon im Buchtitel als Markenzeichen gesetzt, dessen Ausprägung das Oberhaupt, trotz seiner militärischen Herkunft in keiner Weise behinderte. So wird uns letztlich ein Erzieher als Modell vorgeführt, dessen Faulheit gepaart mit scharfem Verstand die jeweils eigene Entwicklung zum mündigen und couragierten Menschen zulässt, ja erst ermöglicht. Das ist schon sehr viel, wenn wieder einmal die Kraft zum Widerstand aufzubieten ist.


Stalin: Am Hof des roten Zaren
Stalin: Am Hof des roten Zaren
von Simon Sebag Montefiore
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Fleissarbeit, 17. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Stalin: Am Hof des roten Zaren (Taschenbuch)
Man kann S.S.Montefiore bei Gott nicht mangelnden Fleiss vorwerfen. Dessen Resultat ist ein opulenter Wälzer von ca. 750 Seiten in dem uns das Leben am Hofe des sogenannten Roten Zaren Josef Wissarionowisch Dschugaschwili, eines Georgiers, besser unter dem Namen Stalin bekannt, ausgebreitet wird. Da der Autor Brite ist, darf vorausgesetzt werden, dass er mit den Shakespeareschen Königsdramen vertraut ist. Damit sind Form und Ingredienzien gegeben.Die Form: Der Kampf um Macht und damit Nähe zum Autokraten, der dermaleinst zu beerben ist. Die Ingredienzien: Macht-und Blutgier, Intrige, Korruption, wechselnde Männerbünde, Mätressenwesen, Schleimerei, Fress-und Sauforgien, n.b. während Untertanen in Massen verhungern, usw. Das Problem: Will uns der Autor ein Königsdrama vorführen oder eine historisch fundierte Abhandlung vorlegen ? Da hat er eine immense Faktenmenge zusammengetragen und weiss nun nicht recht, wie das alles verpackt werden soll. Für's Drama halten wir uns besser an die einschlägigen Dramatiker und als historische Abhandlung ist das Werk, weil zuwenig strukturiert und wegen des geringen Neuigkeitswertes ebenfalls von beschränktem Interesse.
Historische Ereignisse werden wohl gestreift, jedoch nicht erläutert und in einen Zusammenhang gestellt; deren Kenntnis muss vorausgesetzt werden. Die Schilderungen verlieren sich zu oft im Anekdotischen, die handelnden Charaktere und das monströse Ausmass der Grausamkeit ihres Handelns sind weitgehend bekannt. Dass dergleichen totalitäre Systeme nicht die edlen sondern, mit Ausnahmen, eher die schäbigen Eigenheiten des Menschen zu Tage fördern, wurde schon in unzähligen Schriften aufgezeigt. Ob ein solches System rot, schwarz, braun oder sonstwie eingefärbt ist, spielt keine Rolle. Insofern ist das Böse banal.
Das vorliegende Buch erscheint wie eine gigantische Fussnote und kann jenen empfohlen werden, die, mit zeitgeschichtlichem Interesse ausgestattet, sich an derlei nicht stossen.


January
January
Preis: EUR 11,99

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Feine Triomusik, 29. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: January (Audio CD)
Gewiss, die hier eingespielte Musik des "Begleittrios" von Tomasz Stanko mit Marcin Wasilewski p, Slawomir Kurkiewicz b und Michal Miskiewicz dm unterscheidet sich nicht wesentlich von jener des vorangegangenen Erstlingsalbums (Trio) und ist der bekannten Klangkultur des Labels ECM geschuldet. Dass dieses Trio neben dem unter derselben Flagge fahrenden Trio der Übergrösse Jarrett bestehen kann, liegt an der Unaufdring-lichkeit des Gebotenen die zum aufmerksamen Zuhören anregt. Dies schon deshalb, weil das nunmehr seit Bill Evans bei Pianotrios zum Standard gewordene Interplay der beteiligten Musiker auf höchstem Niveau betrieben wird und ohne die gelegentlich anbiedernde Geste etwa eines e.s.t. (Esbjörn Svensson) auskommt. Dennoch wünschte man sich hier und dort einen etwas zupackenderen Ansatz zur dramaturgischen Belebung. Man darf gespannt sein, in welcher Richtung sich das Trio entwickeln wird; jeder Januar endet einmal.


January
January
Preis: EUR 11,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wintermusik, 7. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: January (Audio CD)
Gewiss, die hier eingespielte Musik des Begleittrios" von Tomasz Stanko mit Marcin Wasilewski p, Slawomir Kurkiewicz b und Michal Miskiewicz dm unterscheidet sich nicht wesentlich von jener des vorangegangenen Erstlingsalbums (Trio) und ist der bekannten Klangkultur des Labels ECM geschuldet. Dass dieses Trio neben dem unter derselben Flagge fahrenden Trio der Übergrösse Jarrett bestehen kann, liegt an der Unaufdringlichkeit des Gebotenen die zum aufmerksamen Zuhören anregt. Dies schon deshalb, weil das nunmehr seit Bill Evans bei Pianotrios zum Standard gewordene Interplay der beteiligten Musiker auf höchstem Niveau betrieben wird und ohne die anbiedernde Geste etwa eines e.s.t (Esbjörn Svensson) auskommt. Dennoch wünschte man sich ab und an einen etwas zupackenderen Ansatz zur dramaturgischen Belebung. Man darf gespannt sein, in welcher Richtung sich das Trio entwickeln und ob die Introversion zum bleibendes Programm wird. Jeder Januar endet einmal.


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