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Nele Tuscher "extrafruity" (Düsseldorf)
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Titos Brille: Die Geschichte meiner strapaziösen Familie
Titos Brille: Die Geschichte meiner strapaziösen Familie
von Adriana Altaras
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas einseitig, 31. Oktober 2011
Adriana Altaras erzählt die Geschichte ihrer "strapaziösen Familie" - zum Inhalt ist ja schon genug gesagt worden, daher hier nur meine Meinung zum Buch.

Die autobiografische Erzählung ist unterhaltsam geschrieben, wenn ich auch teilweise den Faden verlor, um wen sich die Handlung gerade drehte - Mutter, Tante oder doch die Autorin selbst? Es gab durch die Erzählweise eben viele Zeitsprünge. So habe ich relativ lange gebraucht, um in das Buch hineinzufinden. Auch die Geschichte der Familie, um die es laut Untertitel ja hauptsächlich gehen soll, spielt meiner Ansicht nach nur eine etwas nebensächliche Rolle, die meiste Zeit geht es um die Gegenwart. Aber da auch die Geschichte in der Gegenwart ganz interessant ist, störte das nicht so sehr.

Was mich aber wirklich gestört hat, das waren die teilweise für mich übertriebenen Aussagen über "uns Juden" gegenüber "den Deutschen" oder einfach "den anderen". Mir ist schon klar, dass es in diesem Buch um Erlebnisse geht, die teils ausschließlich dadurch passiert sind, dass die Akteure jüdisch waren. Und natürlich haben sie eigene Bräuche, Wörter etc. und diese gehören auch dazu. Aber ständig Aussagen zu hören wie "Die Deutschen sind zu 80 % antisemitisch" und ob man "die Juden" als Nicht-Jude überhaupt verstehen kann, das wird irgendwann anstrengend (auch wenn es, das muss ich dazusagen, nicht immer die Meinung der Autorin ist). Bei mir kam beim Lesen ein "Wir gegen die anderen" an, und das war nicht auf die Vergangenheit bezogen. Sätze wie "Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass sich auch jüdische Haare derart toupieren lassen" vs. "als gute Arier haben sie eine zahlreiche Nachkommenschaft" mögen witzig gemeint sein, sind für mich aber leider völlig sinnentleert. Den zweiten Satz habe ich nicht einmal verstanden. So wird unterschwellig ein Weltbild gezeichnet, mit dem ich so gar nichts anfangen kann. Das hat mich über das ganze Buch hinweg gestört und nach den ersten hundert Seiten war ich auch nicht sicher, ob ich es zu Ende lesen möchte. Dabei ist die Autorin selbst nicht einmal sonderlich religiös. Ich lebe eigentlich in dem vielleicht naiven Glauben, dass es heutzutage Wurscht sein sollte, welche Religion jemand hat, auch wenn es die jüdische sein sollte. Was nicht heißt, dass man seine Religion verstecken, ignorieren oder sonstwas sollte - sondern man sollte sie mit einer Selbstverständlichkeit behandeln, an der dieses Buch teilweise gescheitert ist (teilweise hat es auch hervorragens funktioniert, weshalb ich es doppelt schade fand).

Fazit: Eine interessante Familiengeschichte, in der mich die nicht chronologische Erzählweise teils verwirrt hat und in dem mich die Selbstsicht der Autorin und einiger anderer Charaktere ziemlich angestrengt hat. Keine Ahnung, ob ich jetzt eher Gutmensch, Antisemit, vielleicht auch jemand, der das Vergessen propagiert oder was ganz anderes genannt werde, aber eine politisch korrekte Rezension ist auch ganz schön schwierig! ;) Ich bin gespannt auf potenzielle Kommentare.


Mein Leben ohne Gestern: Roman
Mein Leben ohne Gestern: Roman
von Lisa Genova
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

121 von 124 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beklemmend, traurig, faszinierend, 11. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Mein Leben ohne Gestern: Roman (Taschenbuch)
Alice ist 50 und erfolgreiche Harvard-Professorin. Auch ihr Mann John ist dort Professor. Die 3 Kinder sind inzwischen alle aus dem Haus, Alice geht gerne Laufen, liest Bücher und liebt Ihre wissenschaftliche Arbeit mit Kollegen und Studenten über alles.

Das Buch beginnt damit, dass John seine Brille nicht findet - wie üblich. Alice ist genervt bis amüsiert, typisch Mann eben, nie finden die etwas. Doch dann erinnert sie sich daran, wie sie selbst neulich das Ladegerät für ihr Blackberry verlegt hat - sie hatte schließlich ein neues gekauft, nur um das alte abends an seinem gewohnten Platz in der Steckdose zu finden.

So geht es los, und es wird nicht besser. Alice fallen plötzlich einfache Wörter nicht mehr ein, und beim Laufen findet sie den Heimweg nicht mehr, obwohl sie genau benennen kann, wo sie gerade ist. Sie schiebt es auf die Wechseljahre und geht erst zum Arzt, als es nicht besser wird und sogar vergisst, zu einem Seminar zu fliegen. Die niederschmetternde Diagnose: Alice hat Alzheimer, eine früh einsetzende Form der schrecklichen Krankheit.

In der Folge muss nicht nur sie mit dem Verlust ihres Gedächtnisses leben, sondern auch ihr Ehemann, ihre drei Kinder und ihre Arbeitskollegen und Studenten. Denn obwohl sie die Krankheit vor letzteren zunächst verbirgt, ist es doch offensichtlich, dass sie nicht mehr unterrichten kann. Ihr Mann, John, selbst ja Wissenschaftler und äußerst intelligent, fällt es sehr schwer, seine Frau so zu sehen - er sucht fieberhaft nach neuen Behandlungsmethoden. Die Kinder wissen nicht, ob sie die Krankheit geerbt haben (und treffen unterschiedliche Entscheidungen). Und Alice selbst hat das Gefühl, den Verstand zu verlieren, wenn sie die Toilette im eigenen Haus nicht mehr findet, den Blackberry ins Tiefkühlfach legt oder das Thema der Vorlesung vergisst, auf die sie sich gerade eine Stunde vorbereitet hat. Sie weiß - das ist erst der Anfang. Eines Tages wird sie vergessen, wer ihr Mann ist, wird sie ihre Kinder nicht mehr erkennen - ja, wird sie sich selbst vergessen.

Das Buch habe ich mir nur wegen der guten Rezensionen bei Amazon ausgesucht. Das klappt nicht immer, aber irgendwie muss man ja in der Bibliothek aus den Hunderten von Exemplaren etwas heraussuchen. Dieses hier war ein Treffer. Es ist nicht hochliterarisch geschrieben und hätte es ein anderes Thema behandelt, wäre ich sicher nicht so gefesselt gewesen. So aber habe ich wirklich Rotz und Wasser geheult. Die Vorstellung, plötzlich nicht mehr zu wissen, wer man ist, und so vieles nicht mehr zu wissen, von dem man aber wiederum noch weiß, dass man es wissen müsste... Schrecklich, wirklich fürchterlich!

Das Buch war perfekt passend nüchtern geschrieben. Und vor allem: Es ist durchgehend aus Alice' Sicht geschrieben. So werden ihre Handlungen, die den anderen Menschen wirr erscheinen, für den Leser völlig nachvollziehbar. Da gibt sie einen wissenschaftlichen Rat, der anerkannt wird - sie ist stolz auf sich und denkt sich, so schlimm kann es doch gar nicht um mich stehen, auch wenn ich Alzheimer habe, kann ich immer noch logisch und analytisch denken. Und wenige Minuten später gibt sie den selben Rat noch einmal und ärgert sich darüber, dass sie nicht richtig ernst genommen wird (niemand macht sich Notizen etc.) - obwohl sie doch noch immer logisch und analytisch denken kann und ihr Rat ganz offenbar richtig ist. Diese Perspektive hat mir sehr gut gefallen, denn sie zeigte, dass es nicht nur für das Umfeld des Menschen schwer ist, sondern dass es auch für den Patienten selber unglaublich schwierig ist, zu verstehen, was da gerade passiert. Es erklärt damit meiner Ansicht nach auch, wieso Alzheimer-Patienten häufiger aggressiv werden. Aus ihrer Perspektive sind nicht sie die "Komischen" - sondern die anderen.

Die Geschichte von Alice' Kampf gegen die Krankheit (sie will nicht aufgeben, sie hat sich sogar einen Plan dafür zurechtgelegt, was passiert, wenn sie sich an bestimmte Dinge wie die Anzahl ihrer Kinder nicht mehr erinnern kann) hat mich berührt und beeindruckt. Also spreche ich hier gerne eine Lese-Empfehlung aus für alle, die sich für menschliche Schicksale interessieren. Wirklich viel "Handlung" hat das Buch nicht, es beschreibt den ganz normalen Alltag, der nicht mehr normal sein kann. Ich habe es an einem Abend durchgelesen und konnte nicht ins Bett gehen, bis es zu Ende war. Danach habe ich mich ganz komisch gefühlt und alles um mich herum mit ganz anderen Augen betrachtet. Ich musste meine Teetasse noch in die Spülmaschine stellen - was, wenn ich eines Tages nicht mehr weiß, wo die Spülmaschine ist? Oder wenn ich morgens aufwache und keine Ahnung habe, wo ich bin? Gruselig...

Sehr bezeichnend fand ich einen Satz von Alice, als es schon ziemlich schlimm war mit der Krankheit: "Ich vermisse mich". Sehr traurig. Fünf Sterne von mir.


Die Wette: 42.000 km, 2 Männer, 1 Globus, keine Flugzeuge
Die Wette: 42.000 km, 2 Männer, 1 Globus, keine Flugzeuge
von Steve Hely
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aberwitzige Reise um die Welt, 12. November 2010
Wenn ich heute früh schlecht aus dem Bett kam, kann ich dafür nur Steve und Vali die Schuld geben. Das Buch hat mich tatsächlich bis tief in die Nacht festgehalten, weglegen kam gar nicht in Frage! Dabei habe ich sicherlich die meiste Zeit breit vor mich hingegrinst, häufig gekichert und ab und an laut aufgelacht. Zwischendurch habe ich meinem Freund einige Passagen vorgelesen, am liebsten hätte ich ihm ALLES vorgelesen, aber nach meiner Begeisterung möchte er das Buch jetzt auch noch lesen... ;-)

Steve und Vali reisen um die Wette rund um die Welt, ohne Flugzeuge (naja - das ist der Plan), einer nach Osten, einer nach Westen. Ihre Erlebnisse schildern sie in diesem Buch, und ab und an sind sogar sie so beeindruckt von Natur, Geschichte oder Menschen, dass sie sich kurzfristig die Witze sparen. Zum Glück aber nur selten, denn die meisten Begegnungen werden äußerst amüsant geschildert. Natürlich ist das Buch kein Reiseführer (auch wenn er bei uns in der Stadtbücherei unter diesen geführt wurde), die Protagonisten verbringen jeweils nur kurze Zeit in den verschiedenen Ländern und handeln einiges mit einem einzigen Satz ab. Aber als solches will das Buch ja auch nicht verstanden werden. Aber gerade die Tatsache, dass sie offen zugeben, mit zahlreichen Klischees unterwegs zu sein, macht die Geschichte besonders amüsant und interessant. Denn mal ehrlich, die meisten dieser Klischees hat doch jeder von uns irgendwo im Hinterkopf. Oder denken Sie bei der Mongolei im ersten Moment an mehr als Dschingis Khan und vergorene Stutenmilch? Bei Schweden an hübsche Frauen, bei Dubai an moderne Hochhäuser und bei Italien an chaotische Autofahrer und Pasta? Diese Vorurteile finden die beiden vor Ort bestätigt oder widerlegt, in den meisten Fällen sind sie aber zunächst etwas irritiert, wie das Land wirklich ist. Das ganze schildern sie dann so amüsant, dass ich das Buch wirklich nicht mehr aus der Hand legen wollte.

Wie man an den stark auseinandergehenden Meinungen hier sehen kann, ist es offenbar kein Humor, der jedermann gefällt. Am besten macht man sich eine eigene Meinung... Ich werde das Buch jedenfalls weiterempfehlen und überlege jetzt schon, wem ich es zu Weihnachten schenken kann!


Der Trakt: Psychothriller
Der Trakt: Psychothriller
von Arno Strobel
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Thriller im guten Mittelfeld, 26. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Trakt: Psychothriller (Taschenbuch)
Eine Frau wacht in einem fensterlosen Raum, scheinbar einem Krankenhauszimmer, auf. Ein Arzt kommt und fragt sie, woran sie sich erinnern kann - tatsächlich kann sie sich auch an alles erinnern, sie heißt Sybille Aurich, erzählt von Details aus ihrem Leben und von ihrem Sohn Lukas. Da wird der Arzt stutzig - Sohn? Nein, einen Sohn habe sie nie gehabt.

Im Folgenden flieht Sybille aus dem Krankenhaus und macht sich auf die Suche nach Lukas. Dabei tauchen diverse Probleme auf - ihr eigener Mann behauptet, sie nicht zu kennen, ebenso wie ihre beste Freundin. Sie trifft verschiedene Menschen, die ihr helfen wollen oder es zumindest vorgeben. Der Autor schafft es dabei, die Spannung wirklich bis zum Schluss aufrecht zu erhalten - sehr spät wird klar, wer wirklich auf welcher Seite steht. Das verspricht ein Lesevergnügen bis zu den letzten Seiten.

Das Buch hat mich stark an "Splitter" von Sebastian Fitzek erinnert - nur mit einem komplett anderen Ende, natürlich. Ich hatte es allerdings extrem schnell durchgelesen - innerhalb von ca. 3 Stunden war ich schon durch und etwas überrascht. Das Ende ist überzeugend, selbstverständlich etwas an den Haaren herbeigezogen, aber dennoch in sich schlüssig (und wir wollen ja schließlich kein Sachbuch lesen). Während der Schreibstil mir wirklich gut gefallen hat (nicht umsonst habe ich das Buch schließlich an einem Abend komplett gelesen), blieben die Personen doch recht oberflächlich. Für einen Thriller ein gutes Mittelfeld, würde ich sagen.


Finstere Orte: Thriller
Finstere Orte: Thriller
von Gillian Flynn
  Gebundene Ausgabe

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Top-Spannung in Gegenwart und Vergangenheit, 11. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Finstere Orte: Thriller (Gebundene Ausgabe)
Als ich das Buch in der Hand hielt, war ich überrascht: Der Einband ist wirklich schön gestaltet mit kleinen "3D"-Elementen und -Buchstaben, an denen ich beim Lesen die ganze Zeit rumspielen konnte, wenn es besonders spannend wurde. Und ich hatte oft die Gelegenheit, rumzuspielen - "Finstere Orte" gehört nämlich mit Sicherheit zu den besten Thrillern, die ich in der letzten Zeit lesen durfte.

Libby war 7, als ihre Familie brutal abgeschlachtet wurde, während sie sich im Schrank versteckte. Sie beschuldigte anschließend ihren großen Bruder Ben, damals 15, der dann auch zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Heute ist Libby 31 Jahre alt, nicht gerade selbstständig lebensfähig und langsam pleite. Um an Geld zu gelangen, lässt sie sich auf ein Gespräch mit dem "Kill Club" ein, der sich mit ungelösten Morden beschäftigt. Aber der Mord an Libbys Familie ist doch geklärt? Langsam kommen ihr selbst Zweifel, auch wenn sie das nicht möchte. Teils aus Neugier, teils aus Geldnot lässt sie sich immer tiefer in Ermittlungen zu den Geschehnissen ihrer Vergangenheit hineinziehen. Was ans Licht kommt, bringt sie selbst in Gefahr...

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Libby in der Gegenwart sowie ihrer Mutter bzw. ihrem Bruder Ben jeweils am Tag vor den Morden erzählt. So erfahren wir als Leser deutlich mehr als Libby, was die Geschichte nur noch spannender macht. Wieso leugnet beispielsweise Ben (den Libby im Gefängnis besucht), jemanden zu kennen, wenn wir doch aus der Erzählung aus seiner Vergangenheit genau wissen, dass er die Person kennt? Diese Ungereimtheiten regen zum Nachgrübeln an und machen das Buch äußerst spannend, denn natürlich wollen wir wissen, wie es nun weitergeht oder am Ende ausgeht. Libby sucht nach und nach die Personen auf, die wir schon aus den Einschüben aus der Vergangenheit kennen, und es ist äußerst interessant zu sehen, was aus ihnen geworden ist.

Darüber hinaus wartet das Buch mit einem Schreibstil auf, der äußerst angenehm zu lesen ist. Der Übergang zwischen den unterschiedlichen Personen ist deutlich gekennzeichnet (ab und zu tauchen auch noch Episoden aus der Sicht Dritter auf, aber nur selten) und fällt daher beim Lesen sehr leicht. Als I-Tüpfelchen gibt es die spannende Story mit einem äußerst überraschenden Ende. Ich bin begeistert!!!


Alles Fleisch ist Gras: Roman
Alles Fleisch ist Gras: Roman
von Christian Mähr
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wir wollen Dornbirn doch nur besser machen, 5. Februar 2010
Anton Galba, Leiter der Abwasseranlage in Dornbirn, hat ein Verhältnis mit seiner Mitarbeiterin Helga. Seinem Mitarbeiter Mathis, stark rechts-ideologisch angehaucht, geht das gegen den Strich - schließlich sei Galba ein slawischer Name und dieser solle keine "Rassenschande" betreiben. Er versucht, Galba zu erpressen, wobei nie klar wird, was er eigentlich wollte - denn Galba schubst ihn weg, Mathis fällt unglücklich und ist tot. Ein Glück, dass die Abwasseranlage so einen praktischen Häcksler hat...

Polizist Nathanael Weiß, ein alter Schulkollege von Galba, zieht bald die richtigen Schlüsse. Doch bevor er Beweise hat, kommt seine Ex-Frau zu ihm und klagt über ihren neuen Mann. Er liebt sie noch immer - und will sie beschützen. Ihr neuer Mann ist ein "böser Mann" - Weiß beschließt, dass alle Welt besser dran ist, wenn er verschwindet. Dazu benötigt er die Hilfe von Galba, der keine andere Wahl hat, als ihm zu helfen. Und so beginnt ein Kreislauf, der schwer zu durchbrechen ist. Weiß will Dornbirn "besser machen" und entfernt mehr oder weniger systematisch "verkommene Subjekte" mit Hilfe des Häckslers.

Die Geschichte ist bitterböse und meist amüsant geschrieben. Die Personen sind nicht sympathisch, aber das ist auch nicht nötig. Es bleibt spannnd, auch wenn es viele Abschweifungen gibt. Die Gedankengänge der verschiedenen Protagonisten sind in allen Details wiedergegeben - meistens ist das interessant, manchmal etwas nervig, weil die Gedanken teilweise auch etwas absurd sind. Auch die Geschichte fand ich in der Mitte des Buchs etwas ins Abstruse gleitend - da die Geschichte aber von den überraschenden Wendungen lebt, will ich hier nicht zu viel verraten. Das Ende kam für mich sehr überraschend und noch mal sehr überzeugend!

Ich gebe dem Buch vier von fünf Sternen, weil ich es sehr gut lesen konnte und die Geschichte spannend und interessant war. Die zahlreichen Abschweifungen und die teilweise mir zu abstruse Geschichte verhindern aber den letzten Punkt!


Die Lebküchnerin: Historischer Roman (Lebkuchen-Reihe, Band 25447)
Die Lebküchnerin: Historischer Roman (Lebkuchen-Reihe, Band 25447)
von Sybille Schrödter
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Geheimnis der Benedicten-Lebkuchen, 23. Oktober 2009
Die junge Benedicta muss nach dem Tod ihres Vaters ins Kloster - gegen ihren Willen, weil ihre Stiefmutter es so möchte. Dort kann sie sich schlecht einfügen und sehnt sich weiter nach dem Leben außerhalb der Klostermauern. Sie freundet sich mit der Köchin Agnes an. Gemeinsam entwickeln sie ein Rezept für äußerst schmackhafte Lebkuchen, das auch bei den damit belieferten Mönchen sehr gut ankommt. Beinahe sieht es aus, als könnte Benedicta sich doch noch mit dem Klosterleben abfinden, zumal der Mann, den sie liebt, das Kloster verlässt und nie wiederkommen soll. Doch dann wird den beiden Unzucht vorgeworfen und sie müssen fliehen...

Nachdem Julian, der Fechtmeister, bei der Flucht schwer verletzt wird, schlagen sich Benedicta und Agnes allein durch. Dabei gilt es auf dem Weg zum Happy End für Benedicta viele Abenteuer zu bestehen. Das Buch ist gut und flüssig geschrieben, die Geschichte ist spannend - wenn auch stellenweise etwas kitschig und über-romantisch, wie z.B. Julian sich in Benedicta unsterblich verliebt, weil er in ihren Augen den Drang zur Freiheit erkennt, obwohl sie kaum miteinander geredet haben. Gefühle kommen und gehen schnell in diesem Roman. So ist Benedicta erst unsterblich in den einen, dann in den anderen verliebt, über diverse Todesfälle geht man schnell hinweg. Diverse Stolpersteine werden Benedicta in den Weg gelegt, doch alle können relativ problemlos beiseite geräumt werden. Das mutet manchmal etwas unwahrscheinlich an.

Fazit: Das Buch zählt eher zur leichten Lektüre, lässt sich aber bei einem gemütlichen Lebkuchen auf dem Lesesessel mit Kuscheldecke hervorragend "weglesen" und unterhält dabei durchaus. Auch wenn an vielen Stellen relativ schnell klar ist, wie es weitergeht, gibt es immer wieder kleinere Überraschungen (nie etwas außergewöhnliches, was die Story komplett umdrehen würde, aber trotzdem!).


Stadt, Land -- Schluss: Weit weg von zu Hause, drei kleine Kinder. Und der Ehemann nie da.
Stadt, Land -- Schluss: Weit weg von zu Hause, drei kleine Kinder. Und der Ehemann nie da.
von Judith O'Reilly
  Taschenbuch

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Triefend vor Selbstmitleid, 13. September 2009
Vom Stil her hat mir "Stadt, Land - Schluss" gut gefallen. Ein Buch in Blogform ist genau das richtige für mich, da ich auch sehr gerne Blogs lese. Aber nach der Hälfte des Buchs habe ich es einfach mal hochgehalten und nachgesehen, ob es vielleicht tropft - so viel Selbstmitleid kam drin vor...

Die Ich-Erzählerin zieht mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern (+1 im Bauch) aus London in den ländlichen Norden Englands - das ist sein Traum, nicht ihrer. Dennoch lässt sie sich darauf ein, widerwillig, weil sie ihn liebt. Soweit schön und gut, nur ist Männe dann die ganze Zeit zum Arbeiten in London, während sie mit den Kindern auf dem Land bleibt. Da schüttelt man schon mal den Kopf. Die Protagonistin gibt sich nicht viel Mühe, sich in Northumberland wohlzufühlen, sondern leidet ein bisschen. Und noch ein bisschen. Und noch ein bisschen mehr. Das ist einerseits verständlich, andererseits möchte man sie nach kurzer Zeit packen und durchschütteln und rufen "Meine Güte, dann änder es doch, wenn es dir sooo schlecht geht!" Ich-bezogen jammert sie darüber, dass sie immer älter aussieht, dass es im Norden nur seltsame Menschen gibt, dass sie in London jetzt dies und das machen könnte... Das mag ja alles stimmen, aber es liegt in ihrer Hand.

Vorher dachte ich "Na das ist ja romantisch, sie liebt ihn so sehr, dass sie Kompromisse eingeht, und auch seinen Lebenstraum erfüllen will". Na gut, das finde ich sogar immer noch romantisch. Aber dann erwarte ich auch, dass man wenigstens versucht, sich im neuen Lebensentwurf wohlzufühlen, und nicht nur rumzujammern, wie furchtbar alles ist. Ok, dafür mag ein Blog da sein, aber es macht nicht unbedingt Spaß, das zu lesen.

Und noch ein Tipp an alle hilflosen und völlig überforderten Frauen unter uns: Einmal mit dem Auto liegenzublieben, weil Männe nicht getankt hat, kann passieren. Ein zweites Mal ist schon etwas dämlich. Und spätestens beim dritten Mal sollte man einen Reservekanister im Kofferraum haben... FÜNF MAL passiert das halbwegs intelligenten Menschen jedenfalls nicht (und dann noch grundsätzlich die Schuld auf den Mann schieben...)!!!


Messias: Thriller
Messias: Thriller
von Ralf Isau
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Es kann nicht sein, was nicht sein darf, 31. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Messias: Thriller (Gebundene Ausgabe)
In Irland steigt der Messias vom Kreuz. Er spricht nur Hebräisch, nennt sich Jeschua, hat Löcher in Händen und Füßen und eine blutige Dornenkrone auf dem Kopf. Er bringt Büsche zum Blühen und erweckt Totkranke aus dem Koma. Und ein Lügendetektortest stellt fest, dass er die Wahrheit sagt...

Es kann nicht sein, was nicht sein darf - Hester McAteer wird von der katholischen Kirche aus Rom in sein irisches Heimatdörfchen geschickt, um das von den Medien und Menschen schnell propagierte "Wunder" zu widerlegen, wie er es schon mit zahlreichen anderen Erscheinungen getan hat. Doch das Wunder scheint überzeugend - und darüber hinaus geschehen plötzlich mehrere Morde an "sündigen" Menschen, die schwer nach dem "jüngsten Gericht" aussehen. Andererseits gibt es aber auch zahlreiche Fragen - was hat die Witwe auf dem Friedhof gesehen, wo besteht die Verbindung zwischen dem Dorfpfarrer und dem Medienmogul? Der Grat zwischen Wunder und Betrug scheint schmal zu sein.

Der Thriller ist spannend, die Handlung fesselt sehr schnell - ein wahrer "Pageturner". Die Personen sind sympathisch, die Hauptcharaktere sind detailliert beschrieben und wirken deutlich und plastisch. Die Kirche wird kritisiert, aber nicht verteufelt. Am Ende bleiben zwar noch einige wenige Fragen offen (Stichwort: Gefängnis), aber im großen und ganzen ist die Auflösung der doch sehr verstrickten Geschichte schlüssig und nachvollziehbar. Bis kurz vor Schluss hat man nur Ahnungen, wie es ausgeht - und ob die stimmen, soll hier nicht verraten werden...

Der Stil ist flüssig und gut geschrieben, allerdings doch teilweise sehr flapsig. In der ersten Hälfte des Romans hatte ich den Eindruck, der Autor müsse eine Wette gewinnen - wie viele unlustige Witze kann ich auf wie vielen Seiten unterbringen? Wortspiele á la "Die Upper Main Street wurde zum Upper Main Stream" oder ähnliches haben mich einfach nur genervt. Alle paar Seiten tauchte allerdings dann doch wieder ein Spruch auf, über den ich herzlich lachen konnte. Und nach etwa der Hälfte des Buchs hörten die albernen Witze entweder auf oder ich habe sie nicht mehr wahrgenommen... Was auch immer die Lösung sein mag, dafür bekommt das Buch leider einen Stern Abzug von mir. Ansonsten fand ich es super.


Das Leben der Wünsche: Roman
Das Leben der Wünsche: Roman
von Thomas Glavinic
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,50

7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Verwirrende Geschichte, seltsames Ende, 27. August 2009
Die Leseprobe fand ich sehr vielversprechend - leider war dieses Buch überhaupt nicht mein Fall. Jonas trifft auf einer Bank im Park einen Fremden, der ihm verspricht, dass seine Wünsche von nun an in Erfüllung gehen. Was passiert? Seine Aktien steigen, es passieren seltsame Unglücke auf der Welt (die sein Sensationsbedürfnis befriedigen) und schließlich stirbt sogar seine Frau in der Badewanne. Er kann endlich mit Marie, seiner Geliebten, zusammen sein, und tut dies auch ausgiebig.

Die Geschichte ist gut geschrieben und flüssig zu lesen, wobei die fehlenden Anführungszeichen bei wörtlicher Rede auch gegen Ende des Buches immer noch stören und irritieren. Man macht sich durchaus beim Lesen darüber Gedanken, was sich Jonas wünscht und was man sich selbst in seinem tiefsten Inneren eigentlich wünscht. An dem Buch gestört haben mich aber die vielen Elemente, die mich wahnsinnig irritiert haben und deren Sinn ich einfach nicht erkannt habe. Da klingelt ständig Jonas' Handy bzw. Telefon und die Gespräche kann ich nicht nachvollziehen, da sieht er irgendwelche Illusionen im Wald oder schwebt plötzlich neben dem Mond. Wie bitte? Der Herr mit den Wünschen taucht nie wieder auf (vermutlich ist er der Anrufer?), Jonas steht langsam völlig neben sich und hört die Gebete von Leuten in der Kirche, aber seine Geliebte bzw. jetzt Freundin Marie findet das alles kaum seltsam oder irritierend.

Das Ende des Buches (zu dem ich mich gezwungen habe, denn so nach etwa 2 Dritteln hätte ich am liebsten aufgehört, weil die - Verzeihung, jetzt kommt Literatur-Unverständnis - bekloppten Elemente langsam Überhand nahmen) fand ich dann besonders abstrus, obwohl ich es natürlich nicht verraten kann. Das war nun wirklich nicht zufriedenstellend. Zudem war mir Jonas überhaupt nicht sympathisch, viel zu egozentrisch - aber das war vermutlich Absicht vom Autor.

Das Buch bekommt von mir 2 Sterne, da ich die erste Hälfte gern gelesen habe (bis auf die Anführungszeichen natürlich) und die Geschichte und die Idee interessant waren. Mehr allerdings nicht, weil ich Bücher, die ich nicht verstehe, einfach nicht mag.


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