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Monsieur Matou

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Nier - [PlayStation 3]
Nier - [PlayStation 3]
Wird angeboten von games.empire
Preis: EUR 39,95

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Konzept ist doch wichtiger als die Anzahl an Polygonen!, 5. Mai 2011
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Nier - [PlayStation 3] (Videospiel)
(basierend auf der US-Fassung)

Halten wir mal etwas gleich zu Beginn fest: Nier ist KEIN Spiel von Square(Enix), sondern von Cavia, dem Studio das zum Beispiel "Biohazard - Heroes never Die" (Dead Aim), "Biohazard - Darkside Chronicles" oder gar die KORG DS-Ableger zur Welt gebracht hat. Square hingegen ist nur der Publisher!

Das soll nun keine Ausrede sein um auf die Grafik von Nier zu sprechen zu kommen, aber man muss das auch mal klarstellen! Natürlich ist es da dann für viele nicht mehr verwunderlich wieso das Spiel so aussieht, wie es nunmal aussieht. Allerdings bewegt sich Nier Meilen von einem PS2 oder gar PSX-Look entfernt.

Ja, die Welt ist leer - das nennt sich aber Konzept! Es ist gewollt dass das alles recht karg daherkommt und überwiegend minimalistisch anmutet, egal ob nun Menüs oder eben Spiel alleine. Wer sich zudem etwas mit der Materie auskennt und nicht so verblendet ist eine karge Welt direkt als "Last Gen" zu betiteln wird sehen, dass man viele der Effekte, diverses Bumpmapping und durchaus viele Polygone der Bossgegner so nicht auf einer PS2, geschweige denn einer PSX hätte hervorbringen können.
Natürlich sind die Geschmäcker verschieden und man kann gewiss nicht wirklich über das Aussehen des Helden hinwegsehen, aber Nier punktet gerade durch diese kargen Designs, was schon eine Kunst für Sich ist.

Gerade das Spiel aus Licht und Schatten weiß zu gefallen, egal ob es nun die Tatsache ist dass der Ladebildschirm schwarz ist, wenn ich in einen dunkleren Ort gehe (in ein Haus oder eine Höhle hinein), oder eben weiß, wenn ich in das Licht laufe. Auch bemerkenswert ist das Lichtspiel, ebenfalls wieder hell oder dunkel, je nachdem wie ich die Kamera drehe. Steht die Kamera zum Beispiel genau in Richtung der Sonne, so ist alles wohlig warm, drehe ich diese damit die Sonne irgendwie verdeckt ist, so sieht alles kalt und bläulich aus. Dieses reale Phänomen durfte man bisher in kaum einem Spiel begutachten und ist Nier hoch anzurechnen!

Die Figuren in dieser Welt sind ein kleines Highlight für sich. Sie sind herrlich absurd, muten durchaus etwas fantasievoll wie aus einem Ghibli-Film an (von der Optik her aber eher nur die Monster und ein gewisse Völkchen) und vor Allem die englischen Sprecher wissen auf ganzer Linie zu überzeugen und jeder Figur ihren eigenen Charme einzuhauchen. Was wie ein kleiner Stilbruch wirken mag entpuppt sich zudem wieder als genial, denn die Figuren haben durchaus einen recht ruppigen Humor, was immer wieder nett zum anschauen, oder eher hören ist.

Wo wir übrigens gerade bei den Figuren sind ' Es gibt ja eigentlich zwei Versionen von Nier. Gestalt und Replicant. Eigentlich gestaltete sich das Spiel so: Japanische PS3 Version = Replicant, japanische 360-Version = Gestalt. Die Unterschiede liegen lediglich im Aussehen des Protagonisten und an seinem Verhältnis zu dem weiblichen "Hauptteil" der Geschichte - dem kranken Mädel. Während es bei Replicant der junge Bruder ist und man somit eher auf den japanischen Geschmack abzielen wollte hat man bei Gestalt den Vater daraus gemacht um eher dem Westen zu gefallen. Etwas konfus, aber man sollte das ja gewohnt sein von denen.

Nun denn, wieso erwähne ich das? Um zu zeigen dass man Replicant nie um Westen veröffentlicht hat? Nein, ich will hiernach bei dem Design bleiben, denn das Design aus Replicant passt meiner Meinung nach einfach eher in das Gesamtbild als der Grendel-Verschnitt, der sich Vater nennt. Das Problem ist ganz einfach: Alle Figuren wirken sehr japanisch und animehaft und genau das hätte auch der Held aus Relicant verkörpert. Dürrer, femininer Kerl mit strubbeligen Haaren. Hätte mir einfach eher wegen dem kompletten Look and Feel des Titels getaugt, aber was soll's. Spielen wir halt mit dem Fleischberg der nicht ganz in's Bild passt und ein Gesicht hat, das wohl nur eine Mutter lieben kann. Gemein? Ja ist es, aber wenn man sonst keine Kritik üben kann muss man auch mal zu so einem Mittel greifen.

Inhaltlich bleiben beiden Versionen übrigens sonst gleich. Man sucht ein Heilmittel für die mysteriöse Krankheit, kämpft sich durch Schatten und so weiter.

Genug der langen Ausführung und zum Gameplay. Nier ist hier schon eher ein klassisches Hack'n'Slay mit RPG-Elementen, Missionscharakter und Jump'n'Run-Einlagen. Dazu kommt eine gewisse Portion an Life-Sim und anderem Huppifluppi, damit man möglichst viel Abwechslung einbringen kann.
Nun ist es gewiss monoton immer von A nach B zu rennen um seine Missionen zu erhalten, aber der Mix bekommt es durchaus hin es nicht langweilig wirken zu lassen. Gekonnt wird hier zum Beispiel zwischen Seitenansicht oder Vogelperspektive gewechselt, so dass der Spieler während einer Mission zum Beispiel ein normales 3rd-Person-Spiel bestreitet, dann die Kamera aber immer so gekonnt wechselt dass daraus ein altes Zelda oder ein Super Mario wird.

Die einzelnen Puzzle oder Jump'n'Run-Aufgaben lassen sich sehr gut lösen und werden nie wirklich unfair. Anders kann das bei Kämpfen aussehen, besonders bei Bossgegnern. Generell gestaltet sich das Kampfsystem auch als simpel und hier gibt es nicht was man nicht schon gesehen hätte. Was alles aber etwas verkompliziert ist die Tatsache dass der Held bei manchen Treffern wohl das Gesetz der Schwerkraft verlässt und etwas unschön weit durch die Gegend fliegt. Damit kann man sich jedoch arrangieren und die Tatsache dass man verschiedene Waffen und damit Schnelligkeiten der Angriffe ganz nach eigenem Gusto anlegen kann sorgt dafür, dass jeder hier etwas findet um sich durchaus gut durch die Welt zu schlagen.

Wer ganz arge Probleme mit dem Kämpfen hat, der kann noch immer auf die Macht der Sonne hoffen. Einfach so lange die Gegner in Schach halten bis die Wolken sich verzogen haben und kaum fallen die warmen Strahlen auf die Schattenkrieger lösen diese sich auf. Das Konzept funktioniert nicht überall und bei Bossgegnern gleich zweimal nicht, aber es macht durchaus Spaß die Umgebung zu seinem Vorteil zu nutzen.

Wer zu vielen Kämpfen aus dem Weg geht, der kann natürlich auch seinen Helden nicht aufstufen. Interessant hierbei ist dass man nicht nur die obligatorischen Erfahrungspunkte kassiert, sondern je nachdem wie hoch ein Combo-Angriff ist auch immer wieder Worte, die man in seinem Begleiter, dem Buch "Grimoire Weiss", einsaugen kann. Diese Worte dienen einfach dazu Zauber oder Waffen mit vereinzelten Attributen zu versehen und dadurch zu stärken. Das System dürfte bekannt sein, aber es ist so herrlich abstrahiert dass das wie die Neuerfindung des Rad daherkommt.

Mehr will ich auch nicht beim Gameplay ausschweifen, denn wir nähern uns ohnehin wieder der Schmerzgrenze für so manch einen "Amazon-Leser". Eines darf man jedoch nicht vergessen: Die Musik! Die Kurzfassung wäre ein schlichtes "Fantastisch", aber ich möchte dabei noch erwähnen dass die Musik gewiss nicht jeden Geschmack treffen wird. gerade bei den ruhigeren Stücken, die eher so klimpernd im Hintergrund daherdümpeln könnte ich mir vorstellen dass der eine oder andere Zocker durchaus mal den Ton abstellen will. Der starke Kontrast zwischen den Musikstücken kann auch übel aufstoßen, aber hier sehe ich persönlich wieder das Konzept aus den beiden Gegensätzen wie Licht und Schatten prima eingefangen.

Nier spielt optisch unter einigen Titeln die es aktuell so zu ersteigen gibt, aber das war's dann auch schon. Story, Gameplay, Inszenierung, Präsentation - Alle diese Punkte spielen in einer hohen Liga mit und zeigen dass sowas der ausschlaggebende Grund für Spielspaß ist. Selbst die an "Pen and Paper" erinnernden Level, bei denen man nur Text vor schwarzem Bildschirm hat fügen sich gekonnt ein und wirken nicht langweilig, weil sie nett geschrieben sind. Wer offen für etwas ist, das nicht zwingend dem ganzen Mainstream folgt und auch gerne etwas eigene Wege bestreitet, der sollte bedenkenlos zugreifen! Freunde von opulenten Grafikblendern dürfen Abstand nehmen.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 22, 2012 3:38 PM CET


Ghost Trick: Phantom-Detektiv
Ghost Trick: Phantom-Detektiv
Wird angeboten von games.empire
Preis: EUR 17,95

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Who you gonna call?, 8. April 2011
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Ghost Trick: Phantom-Detektiv (Videospiel)
Es ist Nacht, der Geruch von nahendem Regen und eine seltsame Spannung liegen in der Luft. Es ist dunkel - Zappenduster. Plötzlich: Zwei Lichtkegel, die jeweils eine junge Dame und einen düsteren, blauen Mann, mit schlaksigen Beinen und dürren Armen beleuchten. Und du? DU bist TOT! Die seltsam anmutende Position deines leblosen Körpers wird nicht das einzig skurrile Ereignis in dieser Nacht bleiben. Wer du bist? Wie du zur Müllhalde gekommen bist? Wer die Menschen um dich sind? Und warum dieses seltsame Intro bei der Rezension? Die Antwort liegt irgendwo da draußen und du hast nur bis zum Morgengrauen Zeit den Fall zu lösen!

Shu Takumi, der kreative Kopf hinter der Ace Attorney-Serie hat wieder zugeschlagen und bleibt dabei der Anwalts-Soap doch irgendwie treu. Ich muss zu Beginn sagen dass ich Ace Attorney nur durch eine Demo kenne, aber bei Ghost Trick sehe ich doch sehr viele Parallelen, denn das Spiel gestaltet sich auch hier wie ein Mix aus seichten Point'nClick-Funktionen und Textadventure. Ansonsten unterscheidet sich der Titel aber ganz klar durch Optik und Setting!

Wie in der Einleitung schon zu erahnen ist beginnt das Spiel einfach so. Man wird in's kalte Wasser geworfen und erfährt nicht was passiert ist - das ist nämlich Eure Aufgabe. Als Geist des "Detektivs" Sissel, der mitten auf einer Müllhalde seinen Tod gefunden hat, gilt es Euren Mord aufzuklären und, sofern möglich, diesen gar ungeschehen zu machen. Dabei helfen Sissel seine neuen Fähigkeiten - die Ghost Tricks. Mittels dieser Fähigkeiten ist es ihm möglich vier Minuten in der Zeit zurückzureisen oder Objekte zu manipulieren. Objekte Manipulieren mag ja noch verständlich sein, aber wie sollen vier Minuten Zeitreise helfen? Ganz einfach, Sissel begegnet auf seiner Aufklärungstour immer wieder Personen die von diversen Bösewichten bedroht oder gar ermordet werden. Manchmal darf es sogar ein putziger Unfall sein, der durch eine ungeschickte Verkettung diverser Ereignisse ausgelöst wurde. Wie es das Drehbuch so will kommt er auch immer genau dann an, wenn so ein Fall aktuell passiert ist und durch die vier Minuten in der Vergangenheit kann er die Szene zurückspulen und dann ihren Verlauf abändern. Auch fest verankert im Drehbuch ist die Tatsache dass alle Personen denen er begegnet irgendwie dabei helfen seinen Fall zu lösen.

Hier kann man schon zwei Punkte ausmachen die mir nicht so ganz gefallen. Das Spiel ist sehr linear und alles passiert so, wie es nunmal vorgeschrieben ist. Da wäre wirklich viel mehr Spaß dahinter, wenn man durch das Manipulieren der Gegenstände verschiedene Aktionen ausführen könnte die auch zu verschiedenen Lösungen des jeweiligen Levels führen. Auch dass Sissel immer zu dem Zeitpunkt an einem Tatort ankommt an dem just in diesem Moment etwas passiert wirkt etwas aufgezwungen. Der zweite Punkt wäre die Zeitreise. Ein nettes Gimmick und passend, aber das Ganze läuft immer nach dem gleichen Schema am. Man kommt am Tatort an, sieht was passiert ist, dreht die Zeit zurück, sieht wie es zu der Tat gekommen ist, dreht die Zeit nochmal zurück und sieht diesmal, während man spielen muss, alles nochmal ablaufen. Soweit ist das noch okay, denn würde man zuvor nicht gesehen haben wie die Tat abgelaufen ist könnte man kaum reagieren und die Objekte so manipulieren dass diese den Ablauf abändern. ABER! Ähnlich wie bei Zack and Wiki (auch von Capcom) bekommt man nicht zwingend gesagt, wenn man eine Aktion falsch ausgeführt hat, denn man muss genau die richtige Reihenfolge und das richtige Timing erwischen. Merkt man, oder sagt das Spiel, irgendwann dann doch dass man in einer Sackgasse angekommen ist, so muss man die Zeit erneut zurückdrehen und alles, was man gemacht hat nochmal ausführen. Das kann zu unschönen Wiederholungen führen. Natürlich gibt es Checkpoints, man muss also nicht zwingend das ganze Level erneut spielen, aber manche "Kettenreaktion" die man so ausführen soll ist schon recht lang und gerade wenn es nur am Timing scheitert wird das etwas ärgerlich. Da kommen wir auch wieder auf den PUnkt dass es eben nur diesen einen Weg gibt eine Aufgabe zu lösen. Schöner wäre es, auch einen anderen Weg einzuschlagen, sofern man einen anderen Weg versemmelt hat.

An der Stelle sei auch gleich angemerkt dass es gewiss nicht mehr die Zeiten sind in denen man nur einen Speicherplatz anbieten darf! Zwei wären gewiss angenehmer gewesen, aber in Anbetracht der Tatsache dass man nichts freispielen kann und das Spiel nach ca. 10 Stunden beendet ist hebt die Kritik daran fast wieder auf.

Abgesehen davon macht das Spiel aber alles richtig. Herrlich schräge Figuren und eine Geschichte die langsam, fast zäh beginnt, dann aber an Spannung mehr und mehr zunimmt und einfach nur fesselt ziehen Spieler in den Bann. Die einfache Steuerung via Touchscreen oder Buttons kommt ebenfalls entgegen und die Möglichkeit fast immer zu speichern ist gerade für Unterwegs-Spieler sehr zuvorkommend.

Grafisch verfolgt Ghost Trick seinen eigenen Stil, der deutlich zu gefallen weiß. Die Level bestehen jeweils aus einem Querschnitt der Szenerie, sind also zweidimensional gehalten. In einem Haus kann man so die Kabel zwischen den Wänden sehen, oder gar durch die Wände in einen anderen Raum gelangen. Das macht auch Sinn, denn Sissel kann sich in seiner Geisterform nur in einem gewissen Radius bewegen, indem er von Objekt zu Objekt springt und davon Besitz ergreift. Will er also von einem Raum in den anderen, so kann er ein Kabel zwischen der Wand besetzen und von dort in ein Objekt im nächsten Raum schlüpfen. Größere Distanzen werden übrigens frei nach dem Ghostbusters-Motto "Who you gonna call" per Telefon getätigt. Dieser Querschnitt der Level trägt jedenfalls dazu bei sehr viele Details mit einzubringen. Aber nicht nur in der Umgebung ist das der Fall, sondern auch bei den Figuren. Die genial überzeichneten, wenn auch sehr japanischen Figuren haben alle ihre Eigenarten, sind bis in's kleinste Detail animiert und begeistern einfach auf ganzer Linie. Da ist es auch nicht weiter schlimm dass die Figuren etwas grobe Kanten haben und man oft durch deren Größe bedingt keine Gesichter erkennt. Auch Effekte wie der "Zeittunnel" indem Sissel sich immer wieder befindet wirken gut gestaltet und animiert, regelrecht plastisch.

Musikalisch plätschert seichte Musik im Hintergrund die nicht zwingend über GameBoy-Niveau kommt. Wer episch orchestrierte oder arrangierte Musik erwartet wird enttäuscht, aber die manchmal jazzig anmutenden Stücke fügen sich gut in das Konzept ein und runden es gekonnt ab. Soundeffekte sind etwas mau vorhanden, Sprachausgabe bis auf einige Laute der Figuren sogar gar nicht. Der Pseudo-Dolby-Sound des DS ist jedoch gut benutzt worden. Egal ob mit oder ohne Kopfhörer, man kann an Geräuschen gut festmachen wo ein Objekt ist. Ein kleines Detail was man durchaus mal erwähnen sollte!

Um es kurz zu halten: Ghost Trick leidet meiner Meinung nach an der strengen Linearität und daran dass alles irgendwie zusammengehört. Man trifft nur Personen die man treffen soll, man kommt nur an Orte an die man soll und man darf nur die Objekte so manipulieren wie es gewollt ist. Da wäre mehr möglich gewesen, daher nicht ganz die volle Wertung. Dennoch darf der Titel sehr empfohlen werden! Wer textlastige Adventures mit Point'n'Click-Steuerung und Puzzleanteil nicht scheut wird hier bestens bedient. Grafisch spielt das Teil eh in einer sehr hohen Liga, denn diese vielen Details sieht man kaum noch in der heutigen Zeit. Eine ganz große Empfehlung an dieses nette Adventure.


The 3rd Birthday - Twisted Edition
The 3rd Birthday - Twisted Edition

9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schade, 1. April 2011
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Aya Brea ist nach vielem Hick-Hack wieder da. Erst ein Rechtsstreit um den Namen "Parasite Eve", dann konzipiert für Mobiltelefone nur für Japan, letztendlich dann doch für die PSP und in allen Regionen erschienen. Die Freude ist gewiss groß, gehört Parasite Eve doch zu den den exotischen Genrevertretern des RPGs durch den Mix aus Fantasy, Realität und Horror, allerdings blieb bei Fans des Erstlings schon beim zweiten Teil ein fader Beigeschmack, denn man hat sich offenbar eher an dem Resident Evil Hype orientiert und alles eher in die Richtung von Survival Horror geschoben.

Mit 3rd Birthday scheint Square dem Pfad erneut zu folgen und verschreibt sich eher auf eine "stupide Shooterorgie" die Resident Evil auch geworden ist. Wirklich viel vom damaligen RPG darf man also nicht mehr erwarten. Generell ist das aber auch schon der größte Minuspunkt für mich, denn ansonsten ist das Spiel von der Produktion doch sehr hochwertig ausgefallen.

Um es kurz zu halten hier die Übersicht meiner Punkte:

- Leider kein Weg zurück zum Erstling - Rollenspielfans finden nur einige wenige Elemente aus diesem Genre
- Sehr gute Optik, egal ob InGame oder in den Vorgerenderten-Sequenzen
- ...leider finde ich dass das zu austauschbar aussieht. Man hätte auch Final Fantasy draufschreiben können. Es hat nicht zwingend einen eigenen Stil.
- Gutes Monsterdesign, auch wenn es sich eher nur auf Tentakel bezieht.
- Gute Steuerung, egal ob man nun Aya steuert oder ein Vehikel (Panzer, Flugzeug)
- Geschichte ist gut, aber letztendlich nur Mittel zum Zweck. Sie ist nicht ganz so interessant und "episch" wie in Teil 1, scheint an manchen Stellen eher etwas arg überdreht und zu kurios. Am Anfang wird zu viel verbraten, man hat keinen ansteigenden Spannungsaufbau wie in Teil 1 und man streckt die Geschichte eher durch etwas kuriose Dinge die nicht ganz passend erscheinen. Mag allerdings mein persönliches Empfinden sein.
- Vorkenntnisse sind nicht nötig, auch wenn bekannte Gesichter vorkommen.
- Gute Balance der Schwierigkeit
- Gute Musik und Sprecher (sogar die Stimme von Maeda passt in meinen "Ohren") - viele alte Melodien in neuem Gewand zu finden. Generell aber keine zeitlosen Ohrwürmer wie noch in Teil 1.
- Spiel komplett in englischer Sprache, lediglich die Anleitung ist deutsch. Das Englisch ist mit Schulenglisch gut zu verstehen, lediglich diverse "pseudo-medizinische Texte" könnten etwas konfus erscheinen
- könnte länger sein und etwas mehr Abwechslung bieten

Letztendlich gebe ich nur 3 Sterne die bei Amazon bekanntlich für ein "Es ist okay" stehen. Dabei muss ich gestehen dass durchaus viel eigenes Gusto einfließt, denn ich persönlich würde es besser finden hätte man sich am Erstling orientiert. Square kann in meinen Augen wirklich bei RPGs punkten, aber abgesehen davon sind deren Spiele immer etwas halbgar. Bouncer, Ehrgeiz und eben 3rd Birthday - alle technisch sehr hochwertig produziert, aber nicht ganz Fleisch und nicht ganz Fisch. Fans von Aya sollten sich überlegen ob sie blind zugreifen, weil es eben ein neues Abenteuer mit Aya ist. Ein Anspielen rate ich also zwingend an.
Kommentar Kommentare (14) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 8, 2011 5:13 PM MEST


The Last Remnant
The Last Remnant
Wird angeboten von Atlantide Videogames
Preis: EUR 29,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterbewertet - kann man aber verstehen!, 30. März 2011
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: The Last Remnant (Videospiel)
Okay, nach Jahren ist es dann doch an der Zeit. Das Spiel erscheint eher nicht mehr für die PS3, den PC werde ich wegen dem einen Spiel gewiss nicht aufrüsten, also greifen wir zur 360 Fassung. Ich war mit der technischen Mängel bewusst, ich habe sie gleich in den ersten Minuten geballt zu spüren bekommen, aber um es mal derb zu sagen: S***** DRAUF! Das Spiel macht Spaß, es sieht hübsch aus - wenn die Texturen mal geladen sind - es klingt gut und es hat einen eigenen Charme!

Die Geschichte darf man gekonnt als Lachnummer abstempeln. Junge sucht Schwester die entführt wurde. WOW! Hat man noch NIE gesehen. Okay, normal geht es immer um den Bauerntrampel und hier geht es um die Kinder von renommierten Wissenschaftlern. Trotzdem ist Rush - unser Held - irgendwie auch genau das Klischee was man bei der Geschichte und dem Hersteller so erwartet. Er sieht aus wie das, was man seit einigen Jahren gerne als Emo betitelt, er ist ein Trampel und Kindskopf, er hat diverse Probleme... Junge, Junge. Schön dass die anderen Figuren, obwohl durchaus auch klischeebehaftet, nicht ganz so "überdreht" dargestellt werden.
Allgemein muss man aber ein großes Plus an den Figuren attestieren, denn sie sehen NICHT nach FInal Fantasy aus. Ein Problem, was ich bei vielen Spiele von Square (Enix) so habe. Sei es nur 3rd Birthday oder Kingdom Hearts, der Stil ist irgendwie immer gleich. Kann man es bei Kingdom Hearts noch verstehen wirkt es bei Spielen wie 3rd Birthday etwas fehl am Platz. Bei Last Remnant hingegen sehen die Figuren zwar durchaus auch "squareartig" aus, aber deutlich realer.
Was gar nicht geht sind aber einige Animationen der Figuren, gerade bei Menschen. Wenn diese laufen oder rennen, dann wirkt es als wären die Schulten nach oben gezogen. Hinzu kommt eine Laufbewegung die an kleine Äffchen erinnert, oder so als ob die Figuren permanent dringend auf's Örtchen müssen. Das aber nur am Rande.

Wirklich schlimm wird es optisch nur bei der Framerate und bei Texturproblemen. Gerade im Hauptteil des Spiels, den Kämpfen, ruckelt es gerne und die Texturen kommen oft nicht mit dem Laden nach, weshalb viele Szenen erst matschig aussehen und dann plötzlich gestochen Scharf daherkommen. Bei letzterem kann man sich noch etwas eingewöhnen, bei der Framerate ist es aber schon sehr ärgerlich. Man kann einige Framerateinbrüche hingegen durch Installation auf der Festplatte bändigen - die Texturen poppen trotzdem auf.

Musikalisch und von den Sounds als auch der Sprache her gibt es nichts Negatives zu berichten. Die Sprecher sind aus anderen Titeln bekannt (z.B. Star Ocean) und erfüllen ihren Job wirklich hervorragend, die Soundeffekte sind recht real und kommen auch über eine Anlage sehr gut zur Geltung. Die Musik ist etwas untypisch für ein RPG, fast schon als "fetzig" zu betiteln. Dennoch passen die modernen Klänge auch optimal in das Geschehen. Sie tragen die recht dynamischen Kämpfe, unterstreichen düstere Ruinen oder fremde Kulturen. Ohrwurmcharakter wie in anderen Titeln ist aber nicht gegeben. Die Musik verfliegt doch sehr schnell - schade.

Kommen wir aber zum Hauptteil, den Kämpfen. Last Remnant ist quasi als Dungeon-Crawler mit Strategie-Kämpfen zu betiteln und da liegt es nunmal nahe dass man eher in Kämpfen versauert als durch opulente Level zu schlendern. Hier blüht das Spiel wirklich auf, denn die Kämpfe sind wirklich grandios. Es würde zu lange dauern hier wirklich alle Details zu erwähnen und das ist durchaus ein Problem am Spiel, denn das Kampfsystem wirkt abschreckend, unübersichtlich und wird kaum richtig gut erklärt. Klemmt man sich aber dahinter, dann hat man ein wirklich cleveres und sehr dynamisches "Gemetzel" vor sich.
Dabei werden immer diverse Einheiten gesteuert die sich alle eine Energieleiste teilen. Wird ein Mitglied der Gruppe angegriffen so nimmt die ganze Gruppe Schaden. Selbiges ist auf Gegner anzuwenden. Ansonsten unterscheidet sich die Eingabe von Befehlen nicht von anderen JRPGs. Heilen, Angreifen, Zaubern... alles da. Was wirklich den Unterschied macht ist die Tatsache dass die Kombination von Mitgliedern innerhalb einer Gruppe verschiedene Befehle freischaltet. Scheitert man in einem Kampf hat man einfach eine schlechte Zusammenstellung als eine schlechte Taktik, denn die wird mehr oder weniger nicht direkt durch Befehle beeinflusst, sondern durch die Mitglieder innerhalb einer Party.
Eine Eigenheit die vielleicht manchen RPG-ler aufstößt: Nach jedem Kampf wird man automatisch wieder voll geheilt. Das ist aber auch gut so und stellt eine Balance zwischen doch recht langen und manchmal schweren Kämpfen dar. Da ist es also auch löblich so gut wie immer über das Party-Menü speichern zu können.

Ich will bewusst keinen Roman verfassen, denn Last Remnant würde alles bisherige von mir sprengen. In Kürze: Das Spiel hat unglaubliche Schwächen an der Technik, die man jedoch mit etwas weniger verbohrten Blicken und Installation auf Festplatte reduzieren kann. Abgesehen davon hat das Spiel nette Figuren, eine etwas trübe, aber schöne Welt und wirklich belohnende Kämpfe bei denen man nicht zwingend einfach so durchmarschieren kann. Wer FInal Fantasy und die ganzen "Look-Alikes" nicht mehr sehen kann sollte mal einen Blick riskieren! Ausleihen würde ich aber anraten, dann jedoch für einen längeren Zeitraum. Ansonsten kann man nicht wirklich in das Kampfsystem einsteigen und auch kaum etwas von dem 60 - 80 Stunden Epos mitbekommen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 26, 2011 11:02 AM MEST


Der Schattenläufer und die Rätsel des Dunklen Turms
Der Schattenläufer und die Rätsel des Dunklen Turms
Wird angeboten von Hauseinkauf - mit Sicherheit schneller Versand
Preis: EUR 19,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Licht und Schatten, 28. März 2011
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
(basierend auf der US-Fassung)

Neue Konzepte braucht das Land - da kommt "Lost in Shadow", oder auch "Der Schattenläufer", gerade richtig. Ganz im Stil von ICO und anderen "Konzeptspielen" wird hier auf Einsamkeit und Athmosphäre gesetzt in die der Spieler einfach geworfen wird. Geschichte und alle anderen Dinge entwickeln sich nach und nach.

Das eigentliche Gameplay ist schnell erklärt. Als Schatten, der von seinem Körper gerissen wurde, gilt es einen Turm zu erklimmen und eben zum Körper au der Spitze zu gelangen. Dabei kann der Schatten sich eben nur auf Schatten der Umgebung bewegen. Die eigentliche Aktion spielt sich also im Hintergrund ab und genau dort, wo die Dinge aus dem Vordergrund ihre Schatten werfen. Das führt zu manchen optischen Täuschungen und netten Kniffen, die sich aber schnell wiederholen. Mal kann man Lichtquellen beeinflussen und so auch die Schatten um z.B. eine Brücke zu bauen, dann wiederum kann man an bestimmten Portalen die komplette Welt drehen und so neue Schatten erstellen. Die ersten Stunden sind wahrlich nett, aber eben auch schnell sättigend. Da nützt es auch recht wenig, wenn man Portalen einfügt den den Schattenjungen zu einer Lichtgestalt werden lassen um für kurze Zeit außerhalb der Schattenwelt zu laufen und das 2D-Gameplay durch 3D-Gameplay zu ersetzen. Ansonsten funktionieren die kurzen Level nach Schema F. Drei Schlüssel einsammeln, zum Ausgang gehen, Tor öffnen, nächstes Level starten.

Auch die eingebauten Kämpfe sind nicht wirklich das Highlight, denn manchmal scheinen Steuerung und Kollisionsabfrage doch etwas schwammig. Manchmal trifft man Gegner, manchmal nicht, obwohl man nichts anders macht. Da stellt sich dann schnell etwas schlechte Stimmung ein, vor Allem wenn man immer an der gleichen Stelle stirbt und das ganze Level dann nochmal machen muss. Checkpoints dazwischen gibt es nicht wirklich, gespeichert bleiben aber Erfahrungspunkte die man durch Kämpfe sammelt, was ein minimaler Lichtblick ist. RPG-typisch wird die Figur nämlich stärker, wenn auch nur im Angriff, indem man Gegner besiegt und die dadurch freigesetzten Erfahrungspunkte einheimst. Die Lebensenergie steigt hingegen durch das Lesen von "Erinnerungen" die sich in den einzelnen Leveln verstecken.
Manche Gegner können sogar überhaupt nicht besiegt werden, sondern müssen durch die im Turm versteckten Fallen ausgelöscht werden. Hier ist viel Potenzial versteckt, aber ganz ausgeschöpft wird das leider nie. Zu schnell wiederholen sich die Fallen und deren Aktivierung. Schade!

Gesteuert wird der Schattenjunge via Nuchuck und Wiimote, wobei die Bewegungssteuerung quasi nicht existent ist. Springen und Angreifen, wie auch Lesen von Dingen ist gut auf alle Knöpfe verteilt, die Wiimote selbst hat auch noch eine Pointerfunktion in Form einer kleinen Fee bekommen, die mit Objekten interagieren kann die dann in Schattenspielen enden. Die kann Gitter kippen, Lichtquellen verschieben und mit all den Dingen interagieren die außerhalb der Schatten liegen. Man kann darüber streiten, aber die Steuerung ist so deutlich besser als eine aufgezwungen Bewegungssteuerung. Bemängeln könnte man dass die anderen Eingabemethoden der Wii, wie Classiccontroller, nicht beachtet wurden, aber der Pointer ist nunmal fest implementiert, was es mit den anderen Varianten doch etwas verkomplizieren würde.

Optisch darf man keinen HD-Titel erwarten und auch für Wii-Verhältnisse hält sich Lost in Shadows durchaus zurück. Doch die eingefangene Athmosphäre durch die Architektur und Farbwelten ist wirklich grandios. Der Hauptpunkt, die Schatten, sehen auf einem großen TV allerdings etwas arg ausgefranst aus. Kann man jedoch verkraften, denn oft sieht man diese nicht sehr nah.
Musikalisch und Soundtechnisch wird alles stimmig begleitet. Dezente Musik, die eher als Klangwelt zu betiteln ist und dumpfe, düstere Geräusche begleiten den Spieler und unterstreichen die mystische Optik kekonnt. Man kann getrost attestieren dass das Spiel um Welten besser wäre, würde vor Allem beim Gameplay auch so ein hoher Qualitätsstandard abgeliefert werden.

Lost in Shadow ist gewiss an so manchen Ecken und Kanten nicht gerade der Überflieger, aber es ist im Gesamtpacket als Erlebnis zu betiteln, welches sich jeder wirkliche Gamer durchaus antun sollte, sofern er nicht den Tunneblick hat und die obligatorischen Spiele benötigt. Von einem künstlerischen Gesichtspunkt aus haben wir es hier nämlich schon mit einer oberen Liga zu tun, aber das kann von manchen technischen Problemen und schneller Monotonie nicht ganz ablenken. Wer etwas experimentellere Titel skeptisch beliebäugelt sollte wohl zu einem Leih über's Wochenende tendieren. Was übrigens auch für den Titel spricht ist die Tatsache dass er immer wieder zwischendurch gespielt werden kann, denn die kurzen Level lassen ein gemütliches "Dann und Wann mal reinschnuppern" zu jeder Zeit zu. Vom Preis her gesehen kann man auch nicht viel falsch machen. Trotz Mängel also 3,5 Sterne für ein "It's OK" und "I like it".


Radiant Historia [US Import]
Radiant Historia [US Import]
Wird angeboten von VGP_VideoGamesPlus
Preis: EUR 24,99

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Täglich grüßt das Murmeltier, 28. Februar 2011
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Radiant Historia [US Import] (Videospiel)
(basierend auf der US-Fassung)

Radiant Historia ist entgegen mancher Vermutung nicht der Nachfolger von Radiata Stories, sondern ein völlig eigener Titel aus dem Hause Atlus. Zwar haben einige Mitarbeiter von Radiata Stories hier erneut ihr Können gezeigt, aber damit enden die Parallelen dann auch schon.

Ihr übernehmt die Rolle des "Agenten" Stocke, der innerhalb der Stadt Alistel ein hochrangiges Mitglied einer speziellen Organisation ist. Innerhalb der Lande von Alistel herrscht nicht nur ein Krieg, sondern auch die "Sand Plage" - eine Krankheit die Menschen zu Sand zerfallen lässt und zudem auch das Land selbst mehr und mehr in eine Wüste verwandelt. Es dauert auch nicht lange bis Stocke das Kernelement des Spiels erfährt, denn sein etwas zwielichtiger Mentor überlässt ihm ein Buch - die weißen Chroniken. Nur auserwählte können die Macht des Buches nutzen und durch die Zeit reisen um die Geschichte zu zu beeinflussen wie sie eigentlich gedacht war. Stocke - natürlich ungläubig - darf diese Macht auch sehr schnell austesten, behält es aber vorerst geheim dass er offenbar der auserwählte zu sein scheint und versucht nunmal die Welt wieder ihrer eigentlichen Geschichte zu überlassen. Ohne Krieg und Seuche.

Zeitreisen sind ja ein Thema, was viele RPG- und Adventure-Fans mögen und gerade mit der Chrono-Serie ausgiebig haben erleben dürfen. Vor allem in Chrono Trigger durfte man zu den Dinosauriern reisen oder in die ferne Zukunft. Ganz so ist es bei Radiant Historia allerdings nicht. Die weißen Chroniken ermöglichen es nur zu gewissen "Knoten" innerhalb der Geschichte zu reisen und die ziehen sich von dem Erhalt der weißen Chroniken des Mentors bis hin zum Ende der Geschichte. Nun liegt es ja aber in der Natur des Menschen bei einer Entscheidung mindestens immer zwei standardisierte Auswahlmöglichkeiten zu haben - Ja und Nein. So ist es auch hier. Genau solch eine Auswahl markiert einen der Knoten innerhalb der weißen Chroniken, denn jeweils eine Auswahl führt die alternative Geschichte oder die Standardgeschichte fort. Natürlich beeinflussen beide Geschichten sich untereinander, daher muss man immer wieder wechseln und genau hier kommen sowohl Knoten als auch die weißen Chroniken explizit zum Einsatz. Kommt man an einer Stelle nicht weiter, so benutzt man die Chroniken um zu einem Knoten vor dem aktuellen Kapitel zu reisen und wählt die vorher ausgelassene Entscheidung aus. Hat man zuerst "JA" gewählt, entscheidet man sich nun für ein "NEIN" und erlebt so andere Wege innerhalb der Geschichte. So wechselt man also zwischen Standard und Alternativ immer hin und her. Es gibt kein "ich folge nur einer Geschichte".
Das hat natürlich so seinen faden Beigeschmack. Man erlebt zum Beispiel alle Konversationen eines "Knotens" wieder und wieder. Kann übersprungen werden, aber kann angesichts der Unmengen an Text sehr zäh wirken. Und dann hat man natürlich nicht ganz so viel Freiraum wie bei einem Chrono Trigger. Natürlich muss man gerade für Sidequests sehr viel hin und herreisen, aber wie gesagt macht man keine Sprünge um mehrere Jahre bis hin zu den Dinosauriern, etc. Dafür gibt es 236 (!) einzelne "Szenen" innerhalb des Zeitstrangs - also massig zum Spielen und erforschen! Kleines Manko an der Stelle: Die Welt ist recht überschaubar und man besucht viele Orte öfters. Einen kompletten Erdball darf man nicht erwarten, eher nur einen großen Kontinent welcher über ein Menü bereist wird. Dieser ist aber mit fast allem gespickt was man in jedem RPG findet.

Ansonsten muss man durchweg positive Dinge attestieren. Das Kämpfen ist simpel und unheimlich strategisch zugleich und ist schon fast als Mix aus Puzzle und SRPG zu umschreiben. Innerhalb eines 3x3 Feldes stehen die Gegner und durch besondere Fähigkeiten, die Magiepunkte kosten, kann man diese von Feld zu Feld schubsen. Ziel ist es durch geschickten Einsatz der Fähigkeiten Linien zu "bauen" oder die Gegner, soweit möglich, auf nur ein Feld zu platzieren, denn dann greift man alle zusammen an. Das ist etwas schwer zu umschreiben und an Anfang nicht nur durch die minimalen Fähigkeiten schwer, aber es wächst definitiv am Spieler und ist immer wieder Spaß. Die schnellen Kämpfe haben durchaus Tiefgang und Planung ist hier wirklich entscheidend, denn Faktoren wie der Einsatz seiner Magiepunkte als auch die Position der Gegner - in den hinteren Reihen fügen sie dem Spieler weniger Schaden zu - müssen stets bedacht werden. Auch darf man mehr oder weniger über den Befehl des "Tauschens" die Reihenfolge der Angriffe selbst bestimmen. Das Betrifft nicht nur Gruppenmitglieder untereinander, sondern auch Gegner. Um das Visuell darzustellen wird während einem Kampf eine Art Historie wie bei Final Fantasy X dargestellt die anzeigt wer wann am Zug ist. Hier darf man munter die kleinen Bildchen vertauschen und so eine Runde kreieren in der man 9mal hintereinander angreifen darf. Das kommt aber zu einem Preis, denn jede Figur die einen Tausch vollzieht ist vorübergehend deutlich anfälliger gegen Angriffe. Wer allerdings geschickt plant bekommt Boni im Sinne von mehr Erfahrung und Geld. Da lohnt es sich manchmal den Gegner zuerst angreifen und dann große Kombinationen vom Stapel zu lassen.
Zu schwer fallen die Kämpfe jedoch nie aus, was auch daran liegt dass man recht schnell aufstuft und selbst Personen die aktuell nicht im Kampf stehen einen Teil der erbeuteten Erfahrungspunkte erlangen. Gegner sind übrigens immer in den Leveln sichtbar und können umgangen werden. Einen Präventivschlag kann man erzielen indem man die Gegner vor dem eigentlichen Kampf zusätzlich mit Schwerthieben betäubt.

Technisch ist der Titel sehr atemberaubend. Alleine die Grafik, ein Mix aus 2D-Sprites und 3D-Welt weiß zu gefallen und wirkt permanent aus einem Guss. Das 3D ist so gut umgesetzt dass es regelrecht mit den Sprites verschmilzt und den Unterschied nicht so stark vermuten lässt wie bei manch anderen Spielen die diese Darstellung verwenden. Zudem ist zu erwähnen dass man sich permanent in die SNES-Zeit versetzt fühlt und man so aufwändige Gestaltung sieht wie zum Beispiel bei Secret of Mana oder Chrono Trigger. Die Farbpalette ist stimmig zum Steampunk- und Endzeitsetting und die Charakterportrait, welche auch in Gesprächen eingeblendet werden haben harte, schwarze Akzente, was alles sehr düster wirken lässt. Schade dass man den Lauf-Animationen und den Charakterportraits manchmal fehlende Animationen unterstellen mag, aber dafür sind die Kampfanimationen um so reichhaltiger.

Der Sound - wohl das absolute Highlight. Ohrwürmer wohin man hört, Musik die die Dramatik und die Steampunkwelt unterstreicht und dennoch nie zu mechanisch oder destruktiv wirkt. Die Soundeffekte werden von dem OST regelrecht untergebuttert, jedoch können die sich auch hören lassen. Die permanenten Laufgeräusche mögen nicht jedem Geschmack taugen, klingen aber satt und passend. Sprachausgabe hingegen ist nicht zu finden.

Steuerungstechnisch hat man den guten Schritt aus "entweder' oder" gewählt. Man kann komplett mit Knöpfen spielen oder mit den Stylus. Der Stylus ist an einigen Stellen etwas friemelig und fühlt sich nicht ganz so genau an, aber man ist dem lästigen Wechsel aus Stylus und Knöpfen, den manche Spiele ja leider sehr unausgereift präsentieren, entkommen. Großes Lob an der Stelle! Die Tasten lassen sich, aber nicht auf Linkshänder umstellen.

Radiant Historia ist wirklich ein grandioses Spiel geworden, was man sowohl alten Hasen als auch jüngeren RPG-Freunden empfehlen kann. Zwar hat man im Punkt der Zeitreise so seine Abstriche zu machen, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Präsentation, Sound, liebevolle Figuren und eine gute Geschichte, wenn auch sehr, sehr textlastig, trösten darüber hinweg. Auch wenn der Titel durch die manchmal weit auseinanderliegenden Speicherpunkte und das Fehlen eines Quicksaves nicht zwingend für den Handheld optimiert scheint sollte es in keiner DS-Sammlung fehlen. Wer nichts mit RPGs anfangen kann, oder einfach die ständigen Wiederholungen durch das Zeitreisen nicht mag sollte es aber zumindest antesten.

Nachtrag zur beiliegenden Soundtrack CD:

Die CD umfasst natürlich nicht alle Tracks des genialen OST, sondern fünf Stück (wenn ich mich richtig erinnere). Dabei handelt es sich auch nicht um die 1:1 Musik aus dem Spiel, sondern um Piano-Varianten, welche in einem kleinen Pappschuber auf einer normalen CD geliefert werden. Also kein Sonderformat, wie etwa eine Mini CD. Generell ist das ein netter Bonus, doch die Stücke kommen überhaupt nicht an die Klasse und Athmo des richtigen OST heran. Hier wäre es wünschenswerter gewesen eine Aktion wie bei Knights in the Nightmare zu machen und den kompletten OST, wie er im Spiel zu finden ist, beizupacken. Dennoch ein Lob an Atlus, denn von diesem Service können sich einige andere Hersteller eine Scheibe abschneiden.
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 12, 2014 2:32 PM MEST


Knights Contract
Knights Contract
Wird angeboten von PreisCompany Deutschland
Preis: EUR 28,53

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gebrüder Grimm treffen Castlevania, 28. Februar 2011
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Knights Contract (Videospiel)
(basierend auf der US-Fassung)

Castlevania Freunde aufgepasst! War euch Lords of Shadow zu Mainstream? Zu viel Hollywood und Pan's Labyrinth? Hat es trotz der guten Erzählung bei Euch den Spanungsbogen überspannt? Dann dürfte Knights Contract aus dem Hause (Namco) Bandai vielleicht ein Leckerli für euch sein, denn hier trifft man genau auf den "So stellt sich Japan Europa" und Gothic-Kitsch an, der den Charme der Vampirhatz durchaus immer unterstrich. Gepaart mit gewissen Elementen an denen man die Gebrüder Grimm erkennen kann liegt hier also ein kleines Juwel, mit mancher Macke im Regal - dennoch dürfen Freunde der seichten Action-Metzel-Kost hier voll auf ihre Kosten kommen.

Die Helden, der Henker Heinrich und die Hexe Gretchen (Hänsel und Gretel lassen dezent, um gewisse Ecken grüßen) treffen in einer schicksalhaften Begegnung erneut aufeinander. Erneut? Ja, denn der Heinrich hat die werte Hexe bei der ersten Begegnung hingerichtet, obwohl sie unschuldig war und damit begann seine Misere. Ein Fluch wurde ihm auferlegt, der ihn nunmal unsterblich macht. Genau hier sind wir auch schon bei dem Gameplay, denn man selbst übernimmt eher die Rolle des unsterblichen Henkers und muss die werte Gretel hüten, welche auf Knopfdruck mit ihren Zaubern aushilft, sonst aber überwiegend vom Computer gesteuert wird. Übrigens sei hier angemerkt dass der werte Heinrich zum Beispiel schon sterben kann - wenn er in einen Graben fällt. Ein generell fehlendes GameOver wie bei einem Kirby's Epic Yarn gibt es also nicht. In der Regel muss man sich aber eher um Gretchen kümmern, welche mit einer Energieanzeige ausgestattet ist und zu gerne das Ziel der feindlichen Angriffe darstellt.
Das Prinzip ist irgendwie aus Ico, Majin und Enslaved bekannt, also nicht neu. Auch gestaltet sich der sonstige Ablauf als bekannt. Wer God of War, Castlevania und all die anderen Actiongames der letzten Jahre kennt wird sich sofort heimisch fühlen. Ein Combo-System ala Devil May Cry ist auch anzutreffen, selbst diverse "Transformationen" der Helden dürften keinerlei Neuerung versprechen, auch wenn Gretchens ultimative Angriffe schon gewisse Reize haben, die man höchstens bei Bayonetta bisher bewundern durfte. Sie setzt sich zum Beispiel in überdimensionierter Form mit nacktem Hintern auf die Gegner. Habe ich bis hierhin schon erwähnt dass das Spiel deutlich japanisch daherkommt?
Wie dem auch sei, so zieht man jedenfalls in diesem Action-Potpourri los den finsteren Dr. Faust und seiner Armee von Homuncului, wie auch den Reinkarnationen anderer hingerichteter Hexen den Gar auszumachen.

Die Steuerung gestaltet sich als standardisiert. Hier ist eigentlich nichts zu erwähnen was man nicht schon gesehen hätte. Hier würde ich lediglich anmerken dass die Kamera nicht in allen Szenen, überwiegend sogar frei beweglich ist. Manch eine ungünstige Kameraposition muss also verzeichnet werden und manuelles nachjustieren.

Technisch gesehen hängt Knights Contract klar aktuellen Titeln nach, dennoch ist es nicht zwingend unschön. Besonders hervorheben muss man die Designs der Kreaturen und auch einige der Level sind wirklich gut durchdacht. Rapunzel kann man zum Beispiel in einem recht großen Level auf eine völlig neue Art bewundern und so manch ein Bossfight ist herrlich japanophil. Die etwas dröge Farbgebung, die eher in erdigen und grauen Tönen angesiedelt ist kann auch überzeugen und die dann und wann auftauchenden Farbtupfer, überwiegend Gretchens Zaubersprüche, runden gekonnt das stimmige Bild ab. Wie gesagt, technisch nicht das absolute Highlight, aber stimmungsvoll ist es auf alle Fälle. Besonderes Lob gilt aber den gerenderten Zwischensequenzen. Astrein animiert, gestochen scharf, wunderschöne Modelle... WOW!
Nett ist auch die Erzählung, welche in manchen Szenen als Buch präsentiert wird. Hat man zwar auch schon oft gesehen, aber das wirkt bei der Gebrüder Grimm Hommage irgendwie passender als zum Beispiel bei Lords of Shadow - zumindest meine ich das.

Der Sound weiß ebenfalls zu überzeugen. Die Sprachausgabe, wenn auch manchmal etwas Overacting zu attestieren ist, wirkt durchaus auch stimmungsvoll. Das Geblubber der Gegner und die Gore-, als auch Waffensounds fügen sich gut ein. Besonders großartig: Der Soundtrack! Bombastische und epische Orchesterklänge verwöhnen die Ohren. Da kann sich manch ein Spiel eine Scheibe von abschneiden.

Richtig unschön hingegen sind manche Designentscheidungen wie zum Beispiel bei Bossfights. Hier sind die schon als obligatorisch zu betitelnden Quick Time Events zu erwähnen. Einmal versemmelt bekommt der Boss allerdings Energie zurück, was erstmal kein Beinbruch ist, jedoch bekommt er unverschämt viel Energie zurück und die QTEs sind lang und stellenweise etwas unverzeihlich. Manchmal muss man quasi in die Zukunft blicken können, denn die Eingabezeit ist an vielen Stellen schon sehr kurz.
Auch Ladezeiten sind an einigen Stellen etwas fragwürdig, doch durch Installation sind diese durchaus zu bändigen.

Kommen wir zum Fazit ehe ich doch noch einen Roman verfasse. Knights Contract macht nichts zwingend neu, hängt optisch überwiegend der Konkurrenz nach, aber hat dennoch seinen eigenen Charme und weiß zu überzeugen. Hier und da etwas mehr Feinschliff wären wünschenswert gewesen, aber Fans japanischer Metzeleinlagen, die sich durchaus NICHT zurückhalten was Blut angeht, kommen hier ganz bestimmt auf ihre Kosten.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 16, 2012 8:07 AM CET


Kirby und das magische Garn
Kirby und das magische Garn
Wird angeboten von toysmania
Preis: EUR 43,46

20 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Flicken, Fusseln und Fäden, 25. Februar 2011
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Kirby und das magische Garn (Videospiel)
(basierend auf der US-Fassung)

Kirby's Epic Yarn ist wohl - trotz des dämlichen Titels inklusive meinem Anwärter auf das Unwort der letzten Jahre "Epic" - der Kandidat für das Spiel 2010 (zumindest in Japan und den USA). Nicht etwa wegen revolutionärer 3D-Technik, realistischem Aussehen oder gar gigantischen Umfang, sondern eher weil es zeigt wie simpel und doch genial ein Videospiel sein kann - ganz auf seine eigene Art!

Viel Kritik musste Nintendos rosane Knutschkugel im Vorfeld einstecken, waren die ersten Bilder zum epischen Garn wirklich nicht das, was man sich vielleicht als Kirby-Veteran gewünscht hätte. Alles besteht überwiegend aus farbigen Konturen, man kann die Fähigkeiten der Gegner nicht mehr annehmen, und so weiter. Tja, sie haben alle Recht mit solchen Argumentationen, aber wer es einmal gespielt hat wird sehen wie viel Kirby in dem Titel steckt und es ist gewiss einer der besten Titel der Serie, was an viel neuem und doch bekannten Kontent liegt.

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Der Rote Faden im Wollknäul

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Die Geschichte ist eigentlich zum Haare raufen und eher nur ein klägliches Mittel zum Zweck. Um es kurz zu fassen: Durch seine Obsession zu Nahrungsmitteln passiert Kirby ein kleiner Fauxpas welcher ihn in seine "Garn-Form" verwandelt und in das dazu passende Universum katapultiert. Hier ist so ziemlich alles im Argen und natürlich startet der personifizierte Airbag durch dies zu richten. Die Geschichte zieht sich nicht wie ein kompletter roter Faden durch das textile Wunderland, sondern ist gespickt mit einzelnen Schicksalen dessen Bewohner, oder durch private Abenteuer die der Held mit seinem neuen Freund - Prinz Fluff, den ein zweiter Spieler steuern kann - so erlebt. Da gibt es eine Suche nach Nahrung, die zum Beispiel nichts zur Geschichte beiträgt, aber durchaus zum Spaß beitragen kann.

Die Storyhappen werden in minimal animierten Standbildern erzählt und permanent von einem Erzähler begleitet, welcher alles in der dritten Person spricht. Dabei verstellt er auch gerne seine Stimme um diversen Figuren Persönlichkeit einzuhauchen, wird aber nie peinlich dabei. Man folgt seinen Texten durchaus gerne und vergnügt sich an den minimalen Animationen, aber einen Preis für die beste Erzählung wird es wohl nicht gewinnen, geschweige denn bei älteren Spielern groß Anklang finden.
Texte und Sprache sind in der US-Fassung natürlich englisch - in der deutschen Fassung soll deutsche Sprache vorliegen. Wohl einer der Gründe wieso es so lange bis zum release gedauert hat.

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Katzen stehen auf Wollknäule - Und ich weiß jetzt auch warum

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Spielerisch überzeugt das digitale Textil voll. Zwar ist es nicht mehr ganz so schnell inszeniert wie alte Kirbys - der Protagonist läuft zum Beispiel merklich langsamer - aber das tut dem Spaß gewiss keinen Abbruch. Ganz klassisch läuft man hier von einer Bildschirmseite zur Nächsten und versucht möglichst heil das Ziel zu erreichen. Während man ein Level bestreitet gilt das fast schon übliche Prozedere, angefangen vom Sammeln versteckter Schatzkisten (drei in jedem Level) bis hin zu der Möglichkeit eine Bestwertung durch das horten möglichst vieler Kristalle zu erreichen. Schwer ist das gewiss nicht und fast schon zu leicht, bei Bosskämpfen kann die Bestwertung jedoch durchaus "etwas" dauern und vielleicht gemein sein, aber zu keiner Zeit frustrierend. Als extreme Ausnahme fallen mir hier jedoch drei Level ein die unter die Kategorie "Wettrennen" fallen, bei der man als Schlitten, Auto oder surfender Pinguin eine Piste heruntersaust. Hier kommt es oft auf ein Auswendiglernen der Strecke an, will man wirklich die goldene Medaille am Ende einsacken - und das kann mehr als zwei Anläufe dauern, vorallem wenn man für die größte Anzahl an Kristallen als erster in das Ziel einfahren muss.

Was natürlich extrem aus dem Rahmen bisheriger Kirby-Spiele fällt ist die Tatsache dass man die Fähigkeiten der Gegner nicht mehr annehmen kann, sondern unser Dickerchen schwingt ein Stück seines Garns wie eine Art Peitsche, mit der er Gegner auseinandernimmt und zusammenrollt, was dann wiederum als Wurfgeschoss dienen kann. Das erinnert ein bischen an den Ring aus Klonoa, mit dem man auch Gegner an sich ziehen und dann werfen konnte. Dennoch sind Verwandlungen im Titel anzutreffen und so transformiert Kirby sich je nach Aktion einfach direkt, oder indem er spezielle Objekte einsammelt die es in manchen Situationen gibt. Die standardisierten Formen sind zum Beispiel ein Auto, in das sich die Knutschkugel verwandelt wenn man rennt, ein U-Boot wenn er schwimmt, oder einen Fallschirm wenn man langsam zu Boden segeln will. Die Spezialformen sind dann Panzer, Eisenbahn, Feuerwehrauto und andere lustige Dinge. An dieser Stelle darf ein Déjà-vu zu Yoshi's Island 1 erwähnt werden.

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Handbetrieb auf die klassische Variante

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Gespielt wird nur mit quer gehaltenen Wiimote, was ich persönlich wieder ungeschickt finde. Es ist in meinen Augen etwas fraglich nur diese Steuerung anzubieten, denn gerade mit der Schutzhülle und WM+-Aufsatz liegt die Wiimote nicht so gut in der Hand wie sie das eben ohne den ganzen Schnickschnack macht. Hier sieht man klar dass die Wiimote eben nicht dafür designt wurde und das ganze Gedöns eine Nachlieferung ist. Mir geht es zumindest so, dass ich das Ganze zu klobig und ungemütlich mit Aufsätzen finde und diese abnehmen muss. Wieso kann man hier keine Alternative mit Wiimote und Nunchuck oder gar Classiccontroller anbieten? Wegen der lächerlich wenigen Bewegung- und Pointer-Einsätze? Das kann es nicht sein. Ich kann mich damit arrangieren, verstehe die Designentscheidungen dahinter aber nicht.

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Wer früher stirbt ist länger tot? Stimmt, aber wer gar nicht stribt hat mehr Zeit zum Spielen.

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Generell gestaltet sich das Spiel, wie schon erwähnt, als recht simpler Spaß. Man kann nicht sterben, verliert bei Treffern nur gesammelte Kristalle die dann jedoch schnell wieder aufgenommen werden können, weil sie eine gewisse Zeit liegen bleiben, und kann so ziemlich einfach durch jedes Level schlendern. Wer jedoch Schatzkisten sammeln und jeweils eine goldene Medaille als Bestwertung ergattern will, der wird durchaus mehr in den Level agieren und damit auch mehr von der Raffinesse der textilen Welt zu sehen bekommen. Flicken im Hintergrund kann man zum Beispiel abziehen und neue Wege dadurch öffnen, auch lassen sich Knöpfe oder lose Schnüre ziehen, die dann die komplette Welt zusammenzurren und auch wieder Neues preisgeben, etc. Es ist kaum eine Grenze gesetzt. Selbst Klassiker, wie das Versinken im Treibsand (Genial! Ein Strickmuster an dem die Fäden gezogen werden und das sich so in einer Endlosschleife auflöst) können zu neuen Wegen führen, die man sonst vielleicht nicht gesehen hätte. Gerade in diesen Experimenten und Kombinationen mit verschiedenen Dingen liegt der eigentliche Reiz von "Epic Yarn". Leider muss man auch attestieren dass das alles so neu nicht ist. der Garn-Stil von Kirby selbst war so in einer seiner ersten Werbetrailern überhaupt in Japan zu bewundern - ich glaube beim NES-Titel, eine Welt aus Stoff kennt man aus Yoshi's Story und der Effekt der weggerissenen Flicken erinnert schon stark an das Wegpusten oder Wegfalten von Papier aus Paper Mario.

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Revolution! Motioncapture zum ersten Mal an Garn getestet!

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Ein ganz großes Lob, wenn nicht sogar der Pluspunkt schlechthin für mich, geht an die Animation. Egal was sich bewegt, es sieht real aus! Keine Ahnung wie es gemacht wurde, aber egal welche Formen das Garn so annimmt, sei es nun Kirby, ein gigantischer Drache oder bekannter Erzfeind, es bewegt sich wie ein richtiges Stück Garn. Richtig genial wird es, wenn man sieht wie diverse Bewegungen umgesetzt wurden. Schmetterlinge zum Beispiel! Das kann man nicht in Worte fassen, man muss sehen wie sich die Fäden offenbar verknoten und dadurch einen durchaus akzeptablen Schmetterling erzeugen der mit den Flügeln flattert. Und diese lieblichen und vokalem sehr flüssig animierten Gags ziehen sich permanent durch den Titel. Manchmal kommt sich der Garneffekt aber auch durchaus in die Quere, vorallem wenn er sehr große Objekte darstellt die vor einem sehr feinteiligen Hintergrund stehen. Gleich der Erste Endgegner sieht zum Beispiel nicht ganz so schön aus, einfach weil er auch nur aus Konturen besteht. Hier hätte man vielleicht einige Elemente, oder gar den kompletten Boss als Flicken darstellen sollen, damit er nicht transparent wirkt und zu sehr mit allen verschmilzt, eben so wie es bei der Einleitung eines Bosskampfes kurz zu sehen ist. Die Kritik mag jetzt etwas kleinkariert sein, aber ich denke man darf auch mal erwähnen dass es durchaus nicht ganz so optimale Passagen gibt. Was aber ohne Frage stehen bleibt ist die Kreativität die eben vorallem durch die Animation und Interaktion des Garns so entsteht. Der erzeugte 3D-Effekt bei Animationen bedarf auch einer Erwähnung, denn auch wenn die Figuren nur aus Konturen bestehen scheinen sie zugleich wirklich dreidimensional zu sein, wenn sie sich bewegen. Einfach klasse!

Serientypisch dürfen bunte Farben und sonstiger Knuddellook natürlich nicht fehlen. Wer also "ach so erwachsen" ist wird alleine deshalb eher keinen Spaß finden. Spätestens wenn Filz-Blumen und andere Handarbeiten der Art als Levelobjekte dienen kann ich mir schon den einen oder anderen verzweifelten Schrei diverser Gamergruppen vorstellen.

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Dieser Knödel schlägt nicht auf die Hüften, sondern auf die Ohren

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Der Sound steht dem Knuddellook in nichts nach. Das sich etabliert habende Kirby-Geblubber, bekannt aus z.B. Smash Bros, ist wieder zu hören und fast im Minutentakt zu vernehmen. Nervig wird es jedoch nicht, da gibt es weit schlimmere Geräusche in Spielen (Maria aus Castlevania Judgment). Ansonsten ploppt, hupt, zischt, klatscht und ratscht es in jeder Ecke und das immer sehr passend und gut eingebaut. Heißt: Die Effekte wirken nicht blechern oder unpassend.
Musikalisch bewegt man sich ebenfalls im typischen Kirby-Gefilde. Niedliche Melodien die nie zu dramatisch oder zu actionlastig/rockig wirken, aber dennoch durchaus Schnelligkeit durch jazzartige Musik vermitteln können. Überwiegend wird man es aber mit eher ruhigen Melodien zu tun haben, die manchmal vielleicht zu ruhig wirken mögen. So quirlig wie in bisherigen Titeln mag es nicht zugehen, man erkennt die Melodie aber deutlich als Kirby und das ist die Hauptsache. Zudem laden viele Musiken durchaus zum Mitsummen ein, was ja ein deutliches Zeichen für Qualität ist. Der Status eines Meta Knight Themas oder eines König Nickerchen (Dedede finde ich doof) Themas wird aber wohl nicht erreicht.

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Typisch Wollknäul - eine runde Sache

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Kirbys Epic Yarn weiß voll und ganz zu überzeugen. Es gibt kleine Schnitzer die man gerne verzeiht, sei es nun manchmal der Grafikstil der sich im Wege zu stehen scheint, oder die Ladezeiten die jedoch akzeptabel sind. Wer Kirby bisher immer mochte wird sich hier sofort heimisch fühlen, der Multiplayer mit einem zweiten Mitstreiter ist spaßig, viele Minispiele strecken den Umfang erheblich - auch wenn deren Belohnung, wie bei den Schatzkisten, nicht jedes Gamers Geschmack ist - und überhaupt und sowieso ist es ja soooooooooo niedlich zu sehen was man alles mit dem Garn so machen kann.
Kreativität und Spielspaß in einem kleinen Päckchen und das ohne Kriegsthema, Blut und Ballerei (mal vom Panzer abgesehen). Absolut empfehlenswert und endlich wieder ein Spiel, das trotz vielen bekannten Dingen nicht dem Alltagstrott verfällt wie viele Spiele dieser Generation!!!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 2, 2011 8:53 AM CET


Dragon Quest IX: Hüter des Himmels
Dragon Quest IX: Hüter des Himmels
Preis: EUR 32,39

6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Rollenspiel mit grinsendem Schleim,..., 14. Januar 2011
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
...von mir rezensiert in einem Reim.

Wer die Serie nicht kennt,
hat das Genre wohl verpennt.
Vor der finalen Fantasie's erstem Streich,
zog man schon durch des Schleims Reich.
Gilt nur für Japan, man muss es sagen,
sonst gehen manche sehr schnell klagen.
Deutlich später erschien's im Westen,
mauserte sich schnell zu den Besten.

Im neuesten Teil, der Nummer Neun,
kann man sich über Altes freu'n.
Schleim und Gurke altbekannt,
geben sich die Klinke in die Hand.
Neue Figuren darf man auch nicht missen,
deren Rollen sind jedoch arg verschlissen.
Bauerntrampel, holde Maid,
ein Ritter mit geschworenem Eid.
Ist soweit alles sehr bekannt,
in dem weiten Rollenspiel-Land.

Neu ist hier der Onlinefokus,
manchmal jedoch für den Lokus.
Spielt man alleine, muss man sagen,
kann man über Tiefgang klagen.
Die Helden zu denen man sich gesellt,
werden alle selbst erstellt.
Haben weder Kopf noch Seele,
hören plump nur auf Befehle.
Kann man die im Kampf noch lenken,
muss man sich deren Story denken.

Die Charaktererstellung ist vom Feinsten,
sehr simpel, das verstehen die Kleinsten.
Nicht alle Klassen gibt's jedoch zum Start,
die Entscheidung finde ich nicht sehr smart.
Auch startet man beim Wechsel wieder auf Level eins,
sorry, aber das ist nicht so meins.
Online geht auch nicht lokal,
jeder braucht ein Modul - was für ne Qual!

Computergesteuerte Figuren jedoch,
erfeuen dann schon eher - DOCH!
Wie gesagt haben die viel Klischee,
doch deren Geschichten sind schon "schee".
Mal albern, manchmal traurig, luftig, heiter,
so geht es immer wieder weiter.
Leider ist der Plot fast immer gleich,
so geht's jeweils um das Totenreich.
Eine Arme Seele zu erlösen,
durch das Besiegen von dem Bösen.

Klassische Kost und rundenbasiert,
ist der Kampf - doch was ist passiert?
Zu jedem Zeitpunkt kann man sie sehen,
die Gegner und zu ihnen gehen.
Kein Zufall mehr, man muss es loben,
und nicht mehr vor dem Bildschirm toben.

Nur einen Speicher muss man beklagen,
das ist nicht gut, muss man schon sagen.
Speichern ist auch allgemein
wieder eine rechte Pein.
Geht nur in Kirchen, nicht im Land,
raubt so manchmal den Verstand.
Man kann zwar in der Bahn kurz zocken,
sich daheim erneut dranhocken.
Denn Quicksave ist eine Option,
beim Laden gelöscht - was nützt das schon?
Häufigere Punkte zum abspeichern,
würden das Spiel jedoch bereichern.

Die Optik ist wirklich grandios,
ja, für den DS wahrlich famos.
Das Universum wurde gut eingefangen,
man muss also nicht darum bangen.
Die Musik, ich habe noch gehofft,
wiederholt sich jedoch sehr oft.
In Leveln ist das noch zu verschmerzen,
in Städten sticht es arg im Herzen.
Zwei Polkas gibt 's für Dorf und Stadt,
in der Wüste klingt's albern, ich hab es satt.
Die passende Athmo lässt es dann missen,
ich finde es jedoch nicht zu be'.en.
Muss es dennoch kritisieren,
als suboptimal attestieren.

8-Bit Sounds aus alten Zeiten,
hier auch sind und mir Freud' bereiten.
Ich hoff jedoch man ist bereit.
diese mal zu erneuern - es wäre Zeit.
Wirken manchmal fehl am Platz,
doch nun genug mit der Sound-Hatz.

Akzente in Konversationen,
den Spieler erneut nicht verschonen.
In Englisch funktioniert das wunderbar,
in Deutsch stellt's gerne auf die Haar`.
Platt, Kölsch, Bayerisch, man kann's kaum glauben,
sähe man's nicht mit eignen Augen.
Sieht ein Amerikaner aber ebenso,
daher sind wir einmal froh,
dass man es wenigstens versucht hat,
auch wenn es in Deutsch wirkt recht platt.

Genug getextet, sonst wird geklagt,
hier ist was ich zum Titel sag:
Die typische Kost hat man portiert,
einen Top-Titel damit kreiert.
Greift zu, denn wie ein Wels an der Angel,
ist es ein Jackpot, trotz manchem Mangel.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 30, 2011 8:19 PM CET


Donkey Kong: Country Returns
Donkey Kong: Country Returns
Wird angeboten von Catvertrieb
Preis: EUR 36,70

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Harte Nuss, 3. Januar 2011
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Donkey Kong: Country Returns (Videospiel)
...wobei es dabei eher um das komplette Urteil geht als um das Spiel (Schwierigkeitsgrad). Damit will ich freilich auch nicht sagen Donkey Kong Country Returns (DKCR) wäre Pipifax - ist es nämlich nicht! Vorallem wer alles will wird in's Schwitzen kommen und jeder der behauptet es wäre (zu) simpel ist in meinen Augen wirklich eher ein Blender. Ich will niemanden beleidigen, aber so viele gute Spieler wie sich gerade bei DKCR wieder mit dem Titel schmücken gibt es gewiss nicht. Und das sage ich ohne jemanden auf den Schlips treten zu wollen! Aber fangen wir mal langsam an.
Die RetroStudios haben sich ohne Frage mit den Metroid Prime-Titeln einen wahren Namen gemacht, wenn nicht sogar ein Denkmal gesetzt. Mit DKCR hingegen scheint das nicht ganz zu funktionieren. Den Multiplayer klammer ich hier übrigens aus, denn den habe ich noch nicht gespielt.

Versteht mich auf alle Fälle nicht falsch, denn obwohl der Weg zurück zum Sidescroller und vielen alten Elementen gekonnt ist kann ich mich dem Titel nicht so ganz warm werden. Woran liegt's? Nun, ganz vorne wäre da die Geschichte. Klar, die Bananen werden wieder geklaut und das war auf dem SNES auch nicht zwingend anders, aber hier möchte ich eher auf die Gegner abzielen. Sie sind irgendwie einfach da, wirken auf mich nicht so ausgefeilt wie die Kremlins damals. Die haben nicht wirklich die Persönlichkeit der schrägen Krokodile. Und die Nebenrollen? Ich sage es mal mit den Worten der Vogeldame Kazooie - die ja auch wie damals die DKC-Serie von RARE entwickelt wurde: "Die neuen Figuren wirken alle unsympathisch" und genau das muss ich zum Beispiel über alberne Schweine im Urwald sagen. Nicht dass die Biber mit Überbiss von SNES-Zeiten der Knuddelfaktor schlechthin wären, aber die waren doch irgendwie sympathischer.

Das Gameplay? Nun, wie gesagt ist es klassisch, also ein simpler Sidescroller bei dem man von Start zu Ziel hüpft. Aber irgendwas ist komisch daran. Ich möchte hier nichtmal die Entscheidung des Wegfallens des bekannten "Abklatschens" bemängeln und auch nicht das Fehlen von Unterwasser-Leveln, sondern eher die Tatsache dass das Gameplay recht unfair daherkommt. Sind wir so ehrlich und sagen dass vor jedem schweren Part ein Extraleben wieder und wieder auftaucht, aber dann müssen wir auch so ehrlich sein und sagen dass das Spiel durchaus schon in der ersten kompletten Welt einfach einen zu hohen Stressanstieg hat. Hat man sich in den alten Teilen langsam hochgeschaukelt geht man hier gleich in die Vollen. Das mag durchaus auch gut sein, denn es gibt sehr viele Luschen-Spiele und das in Europa noch erscheinende Kirby's Epic Yarn ist gewiss das krasse Gegenteil zu einem DKCR, aber man hätte selbst bei einer harten Nuss langsam hinführen können. Da nützt auch der eingebaute SuperGuide nichts, der sich meldet wenn man zu oft gestorben ist, denn der bewältigt zwar das Level und man kommt im Hauptspiel weiter, will man aber alles sammeln muss man es wirklich selber machen, oder es bleibt nur ein ernüchternder Blick auf die nicht gefundenen Boni. Und auch hier muss man ehrlich sein: Wer will sich denn schon ein Spiel kaufen und dann überwiegend nur zuzugucken? Das ist ja nicht Metal Gear, wobei das Zugucken dort ja mit der Inszenierung zu tun hat!

Die Steuerung ist auch so eine Sache. Man hat die Wahl zwischen Wiimote only (quer gehalten) und Wiimote und Nunchuck. Auch hier ist der Ansatz gut, aber zwei große Probleme sehe ich dennoch. Da haben wir die Doppelbelegung von diversen Eingaben (Schütteln) und dann das Steuern von Raketen. Ich weiß nicht was hier der größere Patzer ist, aber eine Doppelbelegung von einer Eingabe ist schon immer sehr spektakulär gewesen. Da rollt man zum Beispiel plötzlich, obwohl man sich ducken und pusten möchte, etc. In Anbetracht des schnell steigernden Schwierigkeitsgrades dürfte es einfach nicht passieren dass das Spiel nicht so schnell reagieren kann, wie man seine Befehle eingibt und dann eben genau die falsche Aktion ausführen, welche gerne mal zum Tod führen kann. Raketensteuern ist auch etwas speziell. Je schneller man den A-Knopf drückt (oder je länger), desto höher fliegt man, lässt man den Knopf los sinkt man. Kann man machen, aber für das was man manchmal fliegen soll scheint dieser Variante zu ungenau zu sein.

Optisch und musikalisch bekommt man sehr viel geboten. Viele kleine Details, alte Anspielungen und sogar den einen oder anderen versteckten Gag mit Hinweisen auf Metroid. Dennoch finde ich hätte man gerade von Retro etwas mehr erwarten können. Fell-Effekt zum Beispiel war schon wirklich grandios auf dem GameCube möglich - Donkey und Diddy hingegen sind einfach nur "glatt". Natürlich ist das nur ein Detail, aber die Jungs und Mädels aus dem Studio haben wirklich gigantisches aufgefahren als es um Metroid ging, wieso also nicht hier doch noch mehr Details herauskitzeln? Gut, da gibt es Level in denen man quasi als schwarze Silhouette mit wenigen Farbakzenten herumhüpft, was auch spektakulär aussieht, aber schon oft gemacht wurde. Auch gibt es wie oben erwähnt viele andere Details, aber ein bischen schade ist es schon dass gerade Retro manch ein Objekt oder eine Figur offenbar zu simpel gestaltet hat. Dafür haut man mit den vorgerenderten Filmsequenzen wieder viel heraus und der Übergang zur InGame-Grafik ist wirklich auf den ersten Blick kaum zu sehen.
Die Musik und Soundeffekte auch noch kurz erwähnt: Musik wirklich gut, wobei etwas zu monoton. Da fehlt die Abwechslung und viele Dinge klingen zu ähnlich. Soundeffekte durchaus klasse, wobei ich persönlich keinerlei Fan von Donkeys oder Diddys Stimme bin. Da wäre dann doch lieber etwas mehr affiges Geblubber als ein wirklich zu erkennender Synchronsprecher, der versucht wie ein Affe zu klingen.

Ich kann es nur nochmal betonen: Ich will das Spiel nicht schlecht machen oder als zu schwer betiteln, als grafisch unausgegoren oder konzeptfrei, aber irgendwie scheint dieser Diamant zu roh auf den Markt gekommen zu sein. Ich sehe selber gerne über die von mir genannten Mängel hinweg, aber ich will sie nicht totschweigen. Etwas mehr Feinschliff hätte nicht geschadet, dennoch kann man den Titel für Jump'n'Run'Fans empfehlen. Man sollte sich aber bewusst sein dass der Titel einen sehr schnellen und vorallem steilen Anstieg hat was die Schwierigkeit angeht. Gehe ich nach der Amazon-Wertung, so muss ich 4-Sterne für "I like it" abgeben. Tja, ich mag es trotz manch unschönen Flecken auf der sonst so weißen Weste, daher vier Sterne - auch wenn ich deutlich Luft nach oben sehe!
Kommentar Kommentare (15) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 10, 2011 9:20 AM CET


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