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Rezensionen verfasst von
Miroslav Mamic (Köln)
(REAL NAME)   

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Siren Song / I Am the Mountain
Siren Song / I Am the Mountain
Preis: EUR 1,29

5.0 von 5 Sternen Eine zwanzigminütige Achterbahnfahrt, 23. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Siren Song / I Am the Mountain (MP3-Download)
So wirkt der Song, wenn man ihn hinter sich hat. Das sofortige Gefühl das sich einstellt: nochmal hören!

Sehr präsente Abmischung. Sehr rauhe Komposition. Ingesamt sehr gut!


Der Weg der Könige: Roman
Der Weg der Könige: Roman
von Brandon Sanderson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,99

13 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Warum man heutzutage mehr von Fantasy erwarten sollte, 5. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
„Die Welt hat sich soeben verändert, Gaz“, sagte Kaladin und beugte sich zu ihm vor. „Ich bin in der Kluft gestorben. Jetzt musst du dich mit meinem rachedurstigen Geist abgeben“
[…]
„Von jetzt an will ich meinen Lohn ausbezahlt bekommen“, sagte Kaladin, „Aber du darfst jede fünfte Mark für dich behalten.“

So ähnlich wie in diesem kurzen Abschnitt, so verhält es sich mit dem ganzen Buch. Brandon Sanderson schafft es eine Welt in den Raum zu stellen, sie mit allerhand Ideen auszuschmücken und teilweise reich zu gestalten. Aber das essentiellste und wichtigste fehlt ihr immer: Das Drama.

Zunächst einmal vorneweg: Hier wurde nur das erste Buch von zwei rezensiert. Im Original ist die Geschichte nochmal doppelt so lang, da in Deutschland das Buch in zwei Teile geteilt wurde.
Doch: Ein Buch muss als solches für sich allein funktionieren. Schließlich zahlt man jeweils einen Preis für jedes Buch. Und bevor man sich Buch 2 (2te Hälfte der Geschichte 1) kauft, möchte man doch erst mal wissen ob es sich überhaupt lohnt. Und das erfahrt ihr hier:

Es gibt unterschiedlichste Schreibstile. Es gibt Schriftsteller die schreiben emotional, welche die Worte und Sätzen formulieren die einen innerlich aufwühlen und wütend machen können. Es gibt Schriftsteller die mit Worten so umgehen wie mit einem Pinsel. Ihre Beschreibungen sind farbig und belebt, aber oft nur Andeutungen und Abstraktionen. Andere wiederum schreiben sehr schön und poetisch. Ihre Worte sind verschlungen und haben eine einprägende Melodie. Auch gibt es Schriftsteller die sehr abstrakt schreiben, sich teilweise schwierig lesen. Ihre Worte lassen bewusst Lücken zu um den Leser zu überraschen oder herauszufordern.
Dann gibt es Schriftsteller wie Sanderson. Sie schreiben nüchtern, rational und behäbig. Ihr Stil fühlt sich an wie eine trockene Aneinanderreihung von Fakten. Das ist nicht zwingend schlecht. Natürlich nicht! In Genres wie Geschichtserzählungen, Sachbüchern oder einigen wenigen Krimis und Thrillern kann das sehr gut funktionieren. Da braucht man keinen „künstlerischen“ Schriftsteller. Dieser würde nur unglaubwürdig und aufgesetzt wirken. Doch es handelt sich hier um Fantasy! Hier geht es um Farben, um Poesie und schlussendlich um das Drama. Nüchternheit ist nirgendwo so weit entfernt wie von der Fantasy. Schließlich geht es hier um „Schöpferisches“.

Nun hat das Fantasy Genre ein Problem. Es ist noch relativ jung. Definiert wurde es durch Tolkien. Dieser hatte zwar auch seine Schwierigkeiten mit der Dramaturgie, hatte aber wenigstens das Privileg Innovationen zu schaffen, und etwas zu kreieren was es bis dato nicht gegeben hat. Nun hat das Genre sich allerdings weiter entwickelt, ist älter geworden, reifer. Es muss sich nun der Tatsache stellen dass eine gute Geschichte nicht nur daraus besteht eine völlig neue Welt, samt Rassen, Völkern, Flora, Fauna und Magie, zu schaffen, sondern in sich selbst auch Realistisch zu sein! Ja Realismus ist auch ein Thema in der Fantasy. Ein besseres Wort dafür ist vielleicht - „Glaubwürdigkeit“. Denn gerade an Glaubwürdigkeit mangelt es so vielen Werken in diesem Genre.
Zwar erschaffen sie wunderbare Welten und füllen diese mit allerhand Kram, aber diese Welten wirken oft nicht als würden sie tatsächlich existieren. Ihnen fehlt die Seele.

Der Weg der Könige hat das gleiche Problem: Sandersons Schreibstil beschreibt jeden Ort, jede Person, jeden Charakter und jede Handlung aus einer distanzierten nüchternen und behäbigen Warte heraus. Man hat das Gefühl neben der Szenerie zu stehen, nicht an ihr teil zu haben. Es wird kein Gefühl vermittelt, keine Ahnung, kein Geruch, kein Gedankenfetzen, keine Illusion, keine Philosophie. Alles wirkt wie auf dem Reisbrett vorskizziert und gedruckt.
Jeder Ort der Geschichte ist wie aus einem Fantasykatalog entnommen, mit den typischen Eigenschaften, die man von vorneherein dort als erstes erwartet. Wenn es sich um eine düstere Bibliothek handelt, dann ist es eine düstere Bibliothek, mit vielen Büchern und … nun… das war es. Handelt es sich um eine Stadt auf den Klippen, mit vielen verschiedenen Völkern. Nun dann leben dort viele Völker, natürlich ist es eng und voller Basare, natürlich stinkt es da und ist voller Diebe. Natürlich ist es so wie man es schon hunderte Male gelesen hat. Was erwartet man auch? Richtig! Nicht viel. In der Fantasy nimmt man alles als „aha“-Effekt hin, weil es ja neu ist und nichts mit unserer Realität zu tun hat.
So ähnlich beschreibt Sanderson auch seine Handlung. Es gibt kein „suspense“ , keine Überraschung oder irgendwas was einen rausreißen könnte. Man begibt sich in einen monotonen Lesefluss wo man einfach alles herunterliest. Jede Handlung wird ellenlang vorbereitet und passiert dann genau so wie man es zu Beginn schon erwartet hat, oder verpufft ganz plötzlich genau dann in dem Moment wo es spannend werden könnte zu einer drögen und ellenlangen Alltagserzählung.
Nein, es ist teilweise sogar noch schlimmer! Ähnlich wie in dem Eingangs Beispiel, so haben die Figuren oft eine unglaubwürdige, behäbige, fast schon lethargische, Ambition. Ihre Motivation ist oft nicht zu verstehen, da sie nicht durchdacht ist und Alternativen völlig außer Acht lässt. Auch haben sie meist keinen glaubwürdigen „Hintergrund“. Sie haben zwar eine Vorgeschichte, aber diese fängt den Leser an keiner Stelle wirklich ein, ist teils arg emotionslos geschrieben. Das vermeintliche „Drama“ der Vergangenheit liest sich wie ein Steckbrief. Es erheitert, freut, verärgert und schmerzt nie!
Und so erwischt man sich dann nach einer Weile dabei, dass man das erste Mal überrascht ist und sich denkt „Hm, wie geht das wohl aus?“, bis man dann mit Entsetzen feststellt dass man schon auf Seite 600 angekommen ist! Nur um dann kurz danach mit einer behäbigen und nüchtern beschrieben Actionszene genervt zu werden, die so beschrieben ist als wenn sie ein Protokollant geschrieben hätte. Gerade in der Action kann man doch Beschreibungen weg lassen, sie mehr wie „Informationsfetzen“ und „Ahnungen“ beschreiben, Herr Sanderson!
Eines muss man ihm aber mal lassen: Er schafft es eine Welt zu erfinden die an einigen Stellen durchaus Innovationen hat. So besteht in der Welt eine Konstante Gefahr von großen und gefährlichen Stürmen heimgesucht zu werden. Dann gibt es Kugeln, welche einerseits als Währung fungieren, und andererseits dann mit „Sturmlicht“ aufgeladen auch für die Magie eingesetzt werden können. Auch gibt es einige tolle Ideen in der Tierwelt und in der Fauna.
Aber diese Ideen werden dann zum Überfluss an allen Ecken und Enden erwähnt, sind immer und überall. Man kann an keiner Location vorbeigehen (wie beispielsweise einem Dorfladen) ohne dabei WIEDER erzählt zu bekommen dass dort mit Sturmlicht aufgeladene Kugeln von der Decke hängen die den Raum beleuchten. Überhaupt gibt es keinen Ort mehr der „normal“ ist. Oft wünscht man sich einfach eine Fackel an einer Natursteinwand. Punkt.

Wo wir wieder bei Sandersons Schreibstil ankommen. Egal was Rezensionen hier teilweise beschreiben aber: Brandon Sanderson schreibt langweilig! Nach 500 Seiten gewöhnt man sich dran, merkt aber schnell wieder dass es nix taugt, sobald man ein anderes besseres Buch zur Hand genommen hat.

Folgende Erzählung hätte von Sanderson sein können:

>> Kaladin stand auf der Klippe und schaute herab. Der Stein war schwarz und kalt. Die Klippe gehörte zu einer Felsformation die sich in Zackenformen nach oben zu einem richtigen Gebirge formte. Die Klippe ragte seitlich neben den Bergen hervor und ragte über einen Abgrund. Über den zackigen Bergen war der Himmel bereits grau, denn die Sonne hatte sich bereits hinter den Bergen gesenkt, und ein starker Regen hatte begonnen. Kaladin hatte nur einen dunklen dreckigen Fetzen an, welcher an seinem dünnen Körper in vielen Falten lose herabhing. Er war so abgemagert dass der Wind ihn von der Klippe zu fegen drohte. <<

Viele Details ohne besonderen Mehrwert. Ein anderer Schriftsteller hätte vielleicht nur geschrieben:

>> Schwarze felsige Zacken zerstachen das abendliche Grau, als Kaladins zarte Gestalt zitternd und wackelig wie ein Zahnstocher auf der Klippe stand, bereit jeden Moment vom eisigen nassen Wind in die Tiefe gefegt zu werden. <<

Nur ein schlechtes Beispiel (da ich kein Schriftsteller bin), aber zeigt für mich warum sich die Geschichte über die weitesten Strecken dröge anfühlt.Ich weiß nicht warum es so hoch gelobt wird. Ich habe große Geduld mit Geschichten. Ich muss nicht nach 10 Seiten schon viel erlebt haben, kann durchaus damit leben dass sich nach 50 Seiten noch nicht viel getan hat. Aber wenn „Fantasy“ sich hier eher wie ein Tatsachenbericht liest, dann kann ich mit bestem Willen keine Empfehlung für Band 2 abgeben!

Zugegeben: Ich weiß nicht wie die Handlung in Band 2 weitergeht, erwarte mir da aber nicht viel. Außerdem habe ich aber bereits 900 Seiten hinter mir, und habe immer noch nicht das Gefühl dass ich die Charaktere „kenne“ oder sogar mag. Was soll dann noch nach weiteren 900 Seiten passieren? Oder was hätte längst schon passieren müssen?
Sanderson will ja sogar 10 Bücher schreiben, die dann in Deutschland jeweils zweitgeteilt werden. Das macht ganze 20 Bände a 900 Seiten!!! Eine ganz schön lange Geschichte! Wenn davon allerdings über große Strecken nichts passiert, das was passiert behäbig und distanziert beschrieben und nie wirklich glaubwürdig und emotional packend wird, dann ergibt das tausende von Buchseiten die keine Epik oder Drama haben, sondern nur noch eines sind: teuer.

Im Nachhinein fühle ich mich wie nach einem Brückenlauf auf der zebrochenen Ebene: Leer


Weather Systems
Weather Systems
Preis: EUR 8,97

32 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lass das alte los! Neue Pfade in der sich die Band offensichtlich sehr wohl fühlt., 11. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Weather Systems (Audio CD)
Um es vorneweg kurz zu machen: Das neue Album entfernt sich noch weiter von den Wurzeln der Band. Also können alle die immer noch hoffen dass Anathema zu alten Tagen zurückkehrt, endlich abschalten, sich abwenden, gehen und nach einer anderen Band suchen.

Für alle Anderen die sich, genauso wie die Band, im Leben weiterentwickeln und bereit sind Änderungen zuzulassen, können dabei bleiben und ein neues Album genießen dass noch weiter definiert wo Anathema nun steht:

Irgendwo zwischen Bekannt und Anders, zwischen schnell und langsam, zwischen Kopf und Herz. Und mein Gott.. fühle sie sich dabei wohl. Das merkt man an fast jedem Song.

Während 'We're here because we're here' noch wie ein 'Suchen' nach einer neuen Richtung klingt und die Songs stellenweise mit der Ambivalenz zwischen Rhythmik und sphärischen Klängen zu kämpfen haben, fließt bei 'Weather Systems' alles in eine kohärente Richtung. Am beeindrucktesten dabei ist der 'Flow' den das Album beim Durchhören ausstrahlt. Die Songs liegen in perfekter Reihenfolge aneinander:

1. Untouchable, Part 1: Ein grandioser Auftakt zum Album und gleichzeitig Bekenntnis zu der neuen Philosophie der Band: Melancholische Fröhlichkeit. Die fast verträumte Gitarre unterstreicht das lauthalse Rufen nach Liebe. Der Song beginnt langsam und poppig, zieht einen aber immer tiefer hinein in den bekannten Anathema Strudel und bereitet damit ein notwendiges Stilmittel um für den Rest des Albums bereit zu machen. Man fühlt sich 'unantastbar'' bereit jeder Gefahr zu trotzen.
2. Untouchable, Part 2: Langsamere Version der vorigen Melodie. Diesmal mit einer anderen Message: Die nicht sterbende Hoffnung verloren geglaubtes immer noch um sich zu haben. Jetzt wo man durch Part 1 schon emotional hinein gezogen wurde, trifft einen dieser Song tief ins Herz.
3. The Gathering of the Clouds: Dann wird man direkt mit einem schnellen Song getröstet. Eine kleine Erinnerung an das Vorgänger Album. Wir sind hier weil wir hier sind. Und deswegen traut sich die Band noch weiter klar zu machen wer sie geworden sind, und mit Nachdruck zu Streichern zu wiederholen. Ein Song der den starken Auftakt wie eine Brücke beschleunigt und in die gewünschte Richtung lenkt: Lebe dein Leben und achte nicht auf unwichtige Zweifel.
4. Lightning Song: Jetzt wo man sich in der 'Tiefe' des Albums befindet, wird es ganz einfach und klar. Die spirituelle Ausrichtung der Band zeigt sich hier am stärksten. Und sie scheut sich nicht davor alte Fans abzuschrecken. Was zählt ist die eigene Ausrichtung der Seele. Der Song steigert sich von der Einfachheit hin zu großer, fast filmischer, rockiger Emotion. Der ausschließlich weibliche Gesang unterstreicht das.
5. Sunlight: Jetzt ist man in der Mitte des Albums angelangt. Alles löst sich im Sonnenlicht auf. Sowohl musikalische Stilmerkmale, als auch eine klare Melodie. Eine durch einen immer lauter werdenden Rhythmus begleitete Steigerung die wie eine Wende in einem Film anmutet, läutet auch die Wende im Album ein'
6. The Storm before the Calm: ..die dann prompt folgt. Man wird sofort aus der vermeintlichen Sicherheit herausgezerrt. So schön die spirituelle Ansicht des Lebens ist, so schwer ist sie immer spürbar zu bleiben. Denn oft trifft einen mitten im schönsten Gefühl eine Kühle die man so nicht erwartet hat. So ist dieser Song, der als einziger nicht von Danny geschrieben ist, ein musikalisches und thematisches Herausreißen aus der Gewohnheit. Ein Mahnmal nie auf gewohntes hoffen zu können. Es folgt ein 'Sturm' der im Titel bereits angekündigt ist. Wirre Klänge und Geräusche reißen das Stück in zwei Teile. Nun beginnt der letzte große Akt. Der Höhepunkt des Theaterstücks. Das große erwärmende der ersten Hälfte, wird nun nochmal auf den Kopf gestellt. Der Konflikt mit sich selbst wird stark emotional, mit Piano Klängen und einem Orchester begleitet, thematisiert.
7. The Beginning and the End: Nach den zwei emotionalen Höhepunkten, wird man nun quasi allein gelassen. Der Song findet sich selbst wie abseits stehend, allein auf weiter Flur. Keine große Emotion, mehr ein klassischer Song. Wo sind die sphärischen Klänge hin? Ist das Album schon vorbei? Warum gibt es keinen Abschluss? Wo ist die Quintessenz? Diese musikalische Frage wird in der Lyrics ebenso gestellt.
8. The Lost Child: Und in dieser Stille beginnt der vorletzte Song des Albums. Nun vollkommen allein gelassen, gibt es fast nur noch das Piano... und das verlorene Kind das man im Traum immer wieder begegnet. Wohl eine Erinnerung an ein früheres Ich. Es ist auch eine Erinnerung an die alten Tage Anathemas, welche auch textlich an vergangene Lyrics der Band erinnert. Eine Erinnerung an vergangenen Schmerz und an vergangene Ängste, die nie verschwunden sind. Diese gipfelt höchst dramatisch mit den Worten 'Save me, save me, save me'.' Letztendlich ist die Hoffnung doch nur eine Hoffnung geblieben. Ängste kehren aus der Kindheit immer wieder zurück. Doch wovor eigentlich? Vor dem Tod?
9. Internal Landscapes: Die Antwort findet man letztendlich nur in den 'inneren Landschaften', in einem Selbst. Alle Philosophien, alle Gedanken und Emotionen.. sind letztendlich nur Strukturen, die je nach Lebensabschnitt an Bedeutung gewinnen, aber auch verlieren können. Erinnerungen reißen einen immer zurück, werfen einen um und zeigen einem dass man ganz und gar nicht 'unantastbar' war. Als Mensch bleibt man an seine Begrenzungen gebunden, und den damit verbundenen Wahrheiten. Doch das Lied gibt auch Hoffnung. Mit der Geschichte zum Start und dem Ende des Songs wird auch eine Wahrheit in den Vordergrund geschoben. Dass wir nie sterben können, wir immer da sein werden und Verlust nur eine Veränderung des Seins ist, und kein tatsächliches Verschwinden von etwas. Also gibt es Hoffnung, doch diese kann nicht gelehrt werden, sondern muss erfahren werden.

Das stellt auch das Statement der Band dar. Man kann der Band nun entweder folgen oder sich seine eigene Wahrheit wo anders suchen. Die Band serviert kein Dinner an die Fans, sie entwickelt sich und verändert sich, und tut das aufrichtig und ehrlich, egal wer dabei auf der Strecke bleibt oder wer gerade deswegen dazu einsteigt.

Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden ob er sich mit auf die Reise machen will, oder doch an vergangenen Dingen festhalten will.
Wenn man sich bei diesem Album aber drauf einlässt, dann findet man sich am Ende vom Wind umweht, von der Sonne gewärmt, vom Regen durchnässt und vom Sturm durchschüttelt wieder. Auf jeden Fall lässt es einen nicht kalt zurück.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 25, 2014 10:54 PM MEST


Die Enden der Parabel
Die Enden der Parabel
von Thomas Pynchon
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der nicht-rote Faden, aus dem die Welt gemacht ist, 21. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Enden der Parabel (Taschenbuch)
Während klassische Prosa aus einer Reihe von Handlungs- "Paketen" besteht, die sich immer weiter fortsetzen und am Ende ein großes Ganzes ergeben, so folgt "Gravity's Rainbow" oder in Deutsch "Die Enden der Parabel" einem anderem Schema: Man begegnet Handlungspartikeln die chaotisch verstreut, zersplittert, zerbröselt und grundsätzlich strukturlos im Buch verteilt sind.

Doch was will uns Pynchon damit sagen? Welches Konzept lenkte seine Schreibwut?
Auf diese Frage lässt sich keine klare Antwort geben, und so wird jeder Leser das Gefühl haben nur etwa 30-50% des Buches wirklich gelesen zu haben, geschweige denn verstanden! So wie es den Protagonisten oft ergeht, dass sie von den Strömungen des Lebens hin und her geworfen werden, von ihren Neigungen, Wünschen, Trieben zerteilt, von ihren Gedanken zerstreut und vom Leben grundsätzlich fast zufällig behandelt, so ergeht es dem Leser in den fast 1200 Seiten des Buches sehr ähnlich.

Dieses Handlungspartikel-Spektrum erlaubt, trotz seiner sperrigen scheinbaren Zufälligkeit von Gedankensprüngen, Handlungsumrissen und Charakterstudien, eine Tiefe... die sich aber erst beim langsamen, aufmerksamen und vor Allem geduldigem Lesen offenbart. So kann eine banale Handlung zu einem plötzlichen "Erinnern" an vergangene Gefühle, und damit an menschliche Unklarheiten, führen, die wir alle selbst kennen und selbst wahrnehmen, aber niemals auf die Idee kommen würden sie in einem Zusammenhang zu sehen, geschweige denn in ein Buch zu schreiben. Es ist wie das Leben selbst dass an allen Ecken und Enden, an allen Zeiten, Worten, Blicken, Ahnungen, Bildern, Geräuschen, Regungen, Begegnungen, schlussendlich an allem erdenklichen, in sich selbst verknüpft und verstrickt ist, dass wir gar nicht mehr sagen können was eigentlich wirklich geschehen ist, welches Ereignis ein anderes ausgelöst hat, was wirklich real war und was nicht, welche Begegnungen entscheidend waren, welche Schalter umgelegt wurden oder welche Kugeln aneinander geklackt haben, damit die Dinge so passieren konnten wie sie passiert sind.

So kann man Gravitiy's Rainbow entweder so lesen dass man nur die Handlungsspitze der Informationsberge entlang tänzelt, stets auf der Suche nach der eigentlichen voran schreitenden Handlung, dabei die Tiefe der Berge, ihr Gestein, ihre Wucht ignoriert, und mit großer Wahrscheinlichkeit aufgibt... ODER man kann sich auf den Abstieg wagen, den Weg nach unten. Man verlässt damit ganz klar die Handlung, und taucht hinab in das Leben selbst, in die Tiefen der menschlichen Seele, mit all ihren Abgründen und all ihren Lichtflecken. Und vielleicht entdeckt man etwas mit dem man was anfangen kann, vielleicht aber auch nicht. Jeder wird das Buch anders lesen, es anders verstehen, die Zeichen anders Deuten, das gewobene Netz an unterschiedlichsten Stellen versuchen zu erkennen und schlussendlich seine eigene persönliche Paranoia entwickeln, die Leitthema des Buches zu sein scheint. Wo ist der Zusammenhang? Wo ist der Sinn? Gibt es einen Sinn überhaupt? Warum erkenne ich Zeichen wieder, und bin mir dann nicht mehr sicher ob ich sie überhaupt gesehen habe?

Am Ende wird man aus den Handlungsbergen auftauchen, sich bewusst werden dass man in einen Strudel hinab gezogen wurde, und sich schmerzlich klar werden dass die Handlung auf den Spitzen der Berge nicht wirklich voran geschritten ist. Doch man begegnete auf dieser anstrengenden und müde machenden Reise... dem Glück, der Trauer, dem Hass, der Freude, der Liebe, der Abscheulichkeit, den Trieben, dem Leben, dem Tod... schlussendlich dem Mensch an sich. Und so beendet man das Buch ohne wirklich das Gefühl zu haben es verstanden zu haben. Doch das ist auch nicht der Sinn. Es ist durchaus gewollt dass man manchmal nur noch mit ausgeschaltetem Kopf weiterliest, dass man ignoriert und fort fährt, auf jeden Fall nicht aufgibt.

Denn wenn der letzte Satz gelesen ist weiß man worum es die ganze Zeit ging: Um einen selbst.


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