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Rezensionen verfasst von
SaraSalamander
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MindNapping 16: Vier Köpfe
MindNapping 16: Vier Köpfe
von Simon X. Rost
  Audio CD
Preis: EUR 8,90

4.0 von 5 Sternen Experimentell und ungewöhnlich, 18. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: MindNapping 16: Vier Köpfe (Audio CD)
Zu Autor und Inhalt bitte die Infos bei Amazon entnehmen.

Und wieder eine sehr experimentelle Folge, genau das macht MINDNAPPING aus. Dieses Mal liegt das Experiment darin, die Geschichte rückblickend mit einem kleinen Jungen als Ich-Erzähler zu präsentieren. Etwas ist passiert (was genau, erfährt man natürlich erst am Ende), und nun soll Timothy der Polizei schön der Reihe nach erzählen, was sich ereignet hat und wie es zu diesem tragischen Vorfall kommen konnte.

Der Sprecher Philip Draeger, der den Protagonisten verkörpert, macht seine Sache hervorragend. Er glänzt besonders in den Dialogen des Hörspiels, agiert wie selbstverständlich mit den Erwachsenen und passt hervorragend zu seiner Rolle. Als Ich-Erzähler dagegen klingt er für meinen Geschmack leider etwas hölzern. Das liegt allerdings nicht an seinen Fähigkeiten sondern daran, dass kein Kind dieses Alters die Sätze so sagen würde. Es klingt, als läse ein Erwachsener einen Roman vor, die Sätze und Worte sind zu wohlgewählt, zu erwachsen.

Das ist leider der Punkt, wo ich mich frage "wie hätte man es besser machen können", und ich kann es offen gesagt nicht beantworten. Denn würde er reden, wie ein Junge diesen Alters, würde es sehr schnell anstrengend werden, auch würde dann der Erzähleffekt, der hier ja getestet wird und ein wichtiger Teil der Story ist, nicht mehr zünden. So aber greift ständig der Korrekter, den ich in mir trage (ich kann ihn leider nicht ausstellen, sosehr ich mir das oft wünsche) und sagt "woher kennt er dieses Wort" oder "der Satz ist zu lang für gesprochene Rede" oder "würde ein Kind niemals sagen". Ich konnte mich aus diesem Grund nie wirklich auf das Hörspiel einlassen.

Die anderen Sprecher machen ihre Sache im Hörspiel ebenfalls klasse, allen voran Luise Lunow, die ich schon mehrere Male im DARKSIDE PARK oder hier bei MINDNAPPING hören durfte und die ich als alte Dame einfach unschlagbar finde. Sie hat diese vordergründig freundliche Art, hinter der etwas Tiefes, Düsteres schlummert, ihre Darstellung der verwirrten (ist sie das wirklich?) Frau trägt sehr zur unheimlichen Stimmung von VIER KÖPFE bei.

Auch Uve Teschner als der anstehende Erbe, Kerstin Draeger als Altenpflegerin und Holger Löwenberg als indianischer Gärtner liefern die gewohnte Leistung, Piedesack und Petruo als Officer sind so routiniert, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Besonders in dieser Folge empfand ich das Miteinander der Akteure sehr harmonisch.

Die Story selbst bleibt lange unklar. Mutter und Sohn kommen an - hier ein Gespräch mit dem Indianer, dort eine lebhafte Szene mit der alten Dame, dann die Turteleien zwischen der Mutter und dem Mitbewohner, dazwischen immer wieder Timothys Erzählungen. Hier hätte man meiner Ansicht nach etwas straffen müssen, zu langsam baut sich die Spannung auf, und einige Male hätte der Autor mich fast auf halbem Weg verloren. Andeutungen gibt es einige, etwa die Frage, ob es mit dem Indianer und alten Mythen zu tun haben könnte. Die Frage, was nun der Folge den Titel gab. Reale Ursachen, vielleicht ein Einbrecher nachts? Warum die Unstimmigkeiten im Verhalten der alten Dame?

Erst ganz am Ende, quasi in den letzten Minuten, erfährt man worauf es hinausläuft, und wie üblich für Mindnapping in wortwörtlich allerletzter Minute zack noch ein Twist. Alles erscheint in neuem Licht. Ich gebe zu, dass ich in dieser Form nicht unbedingt damit gerechnet hatte, die Richtung mir aber klar war, weil (neeeee, kein Spoiler, seid unbesorgt. Aber ich analysiere eben gerne das, was ich konsumiere, und da gibt es eben doch ein paar Grundregeln, und auch Mindnapping hält sich da an bewährte Rezepte). Aber ich denke, dass es für die meisten Hörer sehr überraschend kommen wird, also seid auf der Hut, denn nicht immer sind die Dinge, wie sie scheinen ;-)

Dann kommt noch der Aspekt mit Hitchcock hinzu. "Der unsichtbare Dritte" ist ein Film, auf den hier immer wieder Bezug genommen wird. Ich kann da leider gar nicht mitreden, denn ich habe den Film nie gesehen. Auch historisch und kulturell gibt es einiges zu erkennen. Vielleicht liegt mein Problem mit dieser Folge nicht nur an dem kindlichen Ich-Erzähler sondern auch daran, dass ich vieles nicht verstanden habe und so einige Momente einfach unentdeckt an mir vorbeigerauscht sind, ich hatte nicht einen einzigen Aha-Moment. Vermutlich hat VIER KÖPFE weit mehr zu bieten, als ich darin erkennen konnte, zumindest entnehme ich das anderen Kritiken.

Ein Fazit fällt mir diesmal schwer. Ich selbst konnte, wie gesagt, wenig damit anfangen. Der Anfang zog sich für mich zu lang, beim Erzähler habe ich gedanklich immer korrigiert, und ich bin hier und da immer wieder ausgestiegen, weil es mich einfach nicht packen konnte, mir auch der Background zum Verständnis der feineren Pointen fehlte. Das sind aber Dinge, die ich nur begrenzt dem Hörspiel anlasten möchte. Denn im Grunde haben Simon und MINDNAPPING alles richtig gemacht:

Krachbumm kann jeder, die leisen Untertöne dagegen beherrschen nur wenige. In diesem Fall geschieht dies vor allem durch eine dichte Atmosphäre, eine dezente und umso intensivere Musikuntermalung, äußerst gelungene Sprecher und die anfangs absolute Unwissenheit des Hörers. Auch die Idee mit Timothy als rückblickendem Erzähler ist etwas Neues, das von der Grundidee her genial ist. Mein Mann hat die Folge gehört und war ziemlich begeistert, wie sich die Handlung schrittweise annähert, wie Vergangenheit und Gegenwart nun aufeinander hinarbeiten, bis hin zur Fortführung der Geschichte und der darin enthaltenen Überraschung. Der Autor hat die Möglichkeiten, die sich durch Timothy als Erzähler ergeben, hervorragend genutzt!

Alles in allem: eine sehr ungewöhnliche Folge, die vielleicht nicht jeden Geschmack trifft, dafür aber wieder einmal neue Maßstäbe setzt und anderen Hörspielen zeigt, wie man die plattgetretenen Pfade verlässt und sich einen eigenen Weg durch den Audiodschungel schlägt. Ich bin gespannt, was wir mit MINDNAPPING noch alles entdecken werden ...


Elbenthal-Saga: Die Eisige Göttin
Elbenthal-Saga: Die Eisige Göttin
Preis: EUR 17,99

5.0 von 5 Sternen Würdiger Abschluss, 29. Juni 2014
Mit DIE EISIGE GÖTTIN legt Ivo Pala uns nun den dritten Band der ELBENTHAL-SAGA vor. Die ersten beiden Teile >DIE HÜTERIN MIDGARDS< und >DER SCHWARZE PRINZ< habe ich in meinem Blog bereits ausführlich und begeistert vorgestellt (bzw habe die Beiträge auch hier bei Amazon veröffentlicht). Eine Inhaltsangabe zum Buch möchte ich nicht schreiben, denn es schließt nahtlos an den Cliffhanger des zweiten Buches an, sodass alles Weitere nur ein Spoiler wäre. Die Bücher hängen als eine fortlaufende Handlung zusammen, sodass ein anderes Lesen als in der korrekten Reihenfolge nicht möglich ist. Ich richte die Rezension also ausschließlich an die Leser der Vorgänger, alle anderen verweise ich auf Band 1 der Reihe.

Auch möchte ich mich ungern wiederholen. Der actionreiche Schreibstil, die das Verweben von Technik und Tradition, die Tiefgründigkeit der nordischen Mythologie, die leichtgängige Sprache, der Autor bleibt sich selbst treu und greift in jeder Hinsicht so richtig in die Vollen. Was ich lobend hervorheben möchte: oft erkennt man an Mehrteilern, wie ein Autor den Stil im Laufe der Jahre des Schaffens änderte, die Bücher wirken abgehackt und teilweise nicht stimmig, daher lese ich nur sehr ungern Fortsetzungsromane.

Inzwischen ist klar: Hier ist das nicht der Fall. Ivo Pala wusste von Beginn an, wohin die Reise seiner Helden gehen soll, er hatte ein durchgängiges Konzept, und alle Bücher sind "wie aus einem Guss", als hätte er sie binnen weniger Monate am Stück geschrieben, auch sein Stil und Vorgehen behält er bei. Jedes Zahnrädchen passt millimetergenau, es gibt im letzten Band viele Verweise auf den ersten, und rückblickend ergeben sehr viele Szenen des ersten Buches nun einen neuen Sinn. Es erfordert viel Vorarbeit und vor allem eine straffe Konsequenz, eine Saga auf diese Weise umzusetzen. Pala hat mit dieser Geschichte eine Welt geschaffen, die ihresgleichen sucht und definitiv zu den Favoriten des Genres gezählt werden darf.

Auch freue ich mich, dass das Ende nicht in einem enttäuschenden Sumpf endet, in dem alles vermatscht wird, was bisher geschah (manchen Autoren merkt man an, dass sie endlich Schluss machen wollen). Vielmehr steigert sich die Handlung zum Ende hin, verdichtet sich immer mehr (was bereits im zweiten Band kaum möglich schien) und endet in einem der Serie würdigen Showdown, der seinesgleichen sucht. Einzig schade: ich hätte mir nach einem solch epischen Geschehen doch einen etwas längeren Ausklang gewünscht, um langsam mit den inzwischen liebgewonnenen Freunden etwas herunterzukommen und noch ein wenig bei ihnen zu verweilen, bevor es nach dem großen Knall alles vorbei ist. Das war mir doch etwas zu abrupt.

Trotzdem - alle Fragen sind geklärt, nichts bleibt offen, und ich schließe die Reihe zufrieden und "satt" ab, ohne noch irgendwelchen Gedanken nachzuhängen, die mich nicht loslassen. Der Autor hat es geschafft, den Leser von der ersten zur letzten Seite an die Hand zu nehmen und ihn durch eine wilde Achterbahnfahrt durch Raum, Zeit, Welten, Gefühle und Äonen schicken. Puh, durchatmen, Luft holen, vorbei ...

Ein Abschlussband, der die Fans der Reihe auf jeden Fall begeistert. Danke an den Autor für viele Stunden spannende Unterhaltung :-)


In Teufels veganer Küche: Die besten Rezepte aus anderthalb Jahren Veganchallenge
In Teufels veganer Küche: Die besten Rezepte aus anderthalb Jahren Veganchallenge
Preis: EUR 2,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So müssen Kochbücher sein: kreativ, abwechslungsreich und simpel, 29. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ui, was für ein Glücksgriff! Kürzlich bei Amazon gratis, habe ich sofort zugegriffen: >IN TEUFELS VEGANER KÜCHE< von "Vegan Challenger". Die Autorin ernährt sich seit 2012 vegan und schreibt Rezepte und Ideen im Blog.

Ich erwartete ein simples Büchlein, wie es eben typisch für viele Indies in Eigenregie ist, voller Tippfehler und mit wenig appetitlichen Fotos, dafür aber jeder Menge Rechtschreibfehlern. Aber vielleicht könnte ich ja doch zwei, drei Rezepte umsetzen, geschenkt ist geschenkt. Was ich dann allerdings sah, hat mich verblüfft, da hat jemand wirklich tolle Arbeit geleistet!

Die Fotos sehen prima aus. Man merkt, dass es kein Profi ist, aber mich stören die aufgehübschten Bilder in Profi-Kochbüchern sowieso, denn das kann ich niemals nachmachen, das ist entmutigend. Trotzdem hat der Autor sich große Mühe gegeben beim Anrichten und Fotografieren. Mit wenigen Handgriffen wurden die Gerichte aufgewertet und dekoriert, sodass es richtig Appettit macht und trotzdem realistisch bleibt, sodass man Lust bekommt, es gleichzutun.

Die Zutaten sind für ein veganes Kochbuch recht simpel, das ist ideal für Einsteiger oder die schnelle Küche. Ohne große Vorbereitung, ohne aufwändiges Suchen in zig verschiedenen Biomärkten, fast alle Zutaten hat man als Pflanzenköstler zu Hause oder weiß sie ohne Umstände zu beschaffen.

Die Zubereitung geht schnell und einfach. Man sollte dafür einen Mixer im Haus haben. Da der Autor selbst einen ESGE-Zauberstab nutzt, genügt also ein guter Pürierstab oder ein günstiger Mixer Marke Mr Magic, auch hierfür einen Pluspunkt, weil es nicht haufenweise teure Küchengeräte braucht, die eh nur der Profi daheim hat.

Neben den Rezepten finden sich auch Tipps fürs freie Gestalten. Deswegen schreibt er statt "Banane" oder "Erdbeeren" manchmal einfach nur "Obst". Was eben zu Hause ist, worauf man Appetit hat. Finde ich klasse! So, dass Küchenfeen kreativ werden können, Anfänger aber immer noch genügend Sicherheit haben, das Rezept genau zu befolgen, diese Mischung ist sehr gut gelungen und soll mir für meine Rezepte hier ein Vorbild sein (weil ich vor lauter Freestyle gerne mal die Mengenangaben vergesse).

Ebenfalls ein Plus: die Mengenangaben sind für eine Person. Wer mag, kann jederzeit hochrechnen. Das ist leichter als Rezepte für vier Personen, die man dann erst umständlich runterrechnen muss.

Und im Anschluss an jedes Rezept folgt entweder ein Tip, eine Info oder eine kurze Anekdote. Das lockert den sachlichen Stil sehr schön auf, macht das Buch persönlich, so als würde man sich mit dem Kumpel über die Lieblingsrezepte unterhalten. Gefällt mir sehr.

Das Beste sind aber die Rezepte selbst. Manche davon sind entdeckte Schätze, an die ich mich gerne zurückerinnere. Mensch, ich habe früher so oft Grießsuppe gegessen, wie konnte ich das vergessen? Champignoncremesuppe, die sollte ich auch mal wieder machen! Und andere tolle Ideen, die mächtig was hermachen, etwa die Rote-Bete-Türmchen auf dem Cover oder das hübsch dekorierte Eis, lecker geschichtete Auberginen-Lasagne und viele Anregungen mehr.

Über die Hälfte der Rezepte habe ich mir abgetippt und auf meinen To Do Stapel gelegt, wenn ich statt Eigenkreation mal wieder Rezepte zubereiten möchte. Auch, wenn ich noch keines davon nachgekocht habe - anhand der Rezepte und weil ich ähnliche Dinge schon selbst oft zubereitet habe ist mir klar, dass sie auf jeden Fall gelingen werden und köstlich schmecken. Es wurde hier nicht das vegane Rad neu erfunden. Und gerade DAS macht es für mich so sympathisch. Es könnten Rezepte aus meiner Küche sein, wie ich sie Freunden vorsetze. Und das werde ich demnächst tun, mit Baba Ganoush und dem Bananen-Erdnuss-Eis werde ich anfangen ;-)

Das Lektorat ist okay. Dafür, dass es BoD ist und von einem privaten Blog stammt, hatte ich etwas anderes erwartet. Aber da hat man sich wirklich Mühe gegeben. Ich habe nicht alles exakt gelesen, als würde ich es korrigieren, sondern flink die Rezepte überflogen. Aber dabei fiel mir kein nennenswerter Fehler ins Auge, den ich bemängeln könnte (und das will wirklich was heißen, denn ich finde immer Fehler, auch ohne es darauf anzulegen).

Hut ab, ein tolles Projekt! Und auch, wenn das Buch inzwischen 2,99 Euro kostet - ich finde es unterstützenswert und das Geld auf jeden Fall gerechtfertigt. Greift zu ;-)


Schwarze Lügen
Schwarze Lügen
Wird angeboten von Audible GmbH
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Großartiges Hörbuch nicht nur für Jugendliche, 9. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Schwarze Lügen (Hörbuch-Download)
Ein Jugendthriller von Kirsten Boie. Ich bewundere die Vielseitigkeit dieser Frau, die zwischen Jugend- und Kinderliteratur wechselt und dabei immer wieder neue gesellschaftskritische und interkulturelle Themen aufgreift. Keines ihrer Bücher ist wie das andere, sodass die Vorfreude jedes Mal groß ist, wenn ich eine Neuerscheinung von ihr in der Hand halte. Diesmal also SCHWARZE LÜGEN.

Melody soll in der Schule ein Solo auf der Klarinette spielen. Doch "der Arsch" (wie sie und ihre Geschwister den neuen Ehemann ihrer Mutter nennen) zerbricht sie im Suff. Melody schämt sich, verschweigt die Sache und geht trotzdem auf das Konzert, um ihre Mutter nicht zu enttäuschen. Doch dann verlässt sie der Mut nach Hause zurückzukehren, und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Ihr Bruder wird unschuldigerweise eines Bankraubes beschuldigt, sie wird als Mitwisserin gesucht, sie hat einen schicksalhaften Zusammenstoß auf der Straße und landet als vermeintlich erwarteter Gast in einer fremden Familie. Nur der Täter weiß um die Zusammenhänge, Melody und ihre Familie geraten in tödliche Gefahr.

Melody ist eindeutig der Hauptcharakter, der Leser begleitet sie und erlebt das Geschehen so intensiv durch ihre Augen, dass man stellenweise meinen könnte, es sei ein Ich-Erzähler. Doch die Perspektive wechselt, auch die Sicht des Täters wird beschrieben, die des Polizisten sowie die von Melodys neuen Bekanntschaften. Dadurch ist es dem Leser möglich, das Geschehen als Ganzes zu erfassen, während jedem der Beteiligten nur Bruchstücke bekannt sind.

Die einzelnen Figuren sind sehr gut ausgearbeitet, die Motive nachvollziehbar. Manchmal möchte man vor allem als Erwachsener die Hände über dem Kopf zusammenschlagen über das, was da nun geplant wird, man möchte Melody zurufen "tu das nicht", möchte ihr vorschlagen was zu tun wäre. Aber dennoch ist dem Leser klar, dass sie in ihrer Situation und mit ihrem Wissen nicht anders hätte handeln können, man kann sich sehr gut in ihre Lage hineinversetzen.

Der Aufbau ist wie üblich von Kirsten Boie geschickt gestaltet. Man lernt Melodys Familie kennen, erfährt von ihren täglichen Sorgen, und dann beginnt die Geschichte, die erste Spannung baut sich auf, es ist zwar ein Verwechslungsspiel aber noch nicht schlimm, nur ungemütlich, bis es dann immer schlimmer wird bis hin zu einem atemlosen Showdown, der möglicherweise das Leben einzelner Beteiligter kosten könnte. Danach lässt sie sich viel Zeit, wieder zurückzukommen, die Fäden wieder zusammenlaufen zu lassen. Und wie es für Boie üblich ist lässt sie ihre jungen Leser nicht mit den schweren Themen alleine sondern gibt einen Hoffnungsschimmer, der ohne Kitsch aber mit viel Herz alles abrundet.

Ich hatte mit einem normalen Jugendkrimi oder Jugendthriller gerechnet, daher war ich erstaunt, wieviel Gesellschaftskritik auch hier steckt. Aber gut, es hat mich nicht verwundert, kenne ich die Autorin ja inzwischen. Armut, Ausländerpolitik, Ausgrenzung aus der Gesellschaft, Vorurteile, die Schere aus Arm und Reich, häusliche Gewalt, Drogen, Kriminalität. Sie lässt diese Themen nebenbei einfließen, teils auch ohne sie auszusprechen, und sie spielt selbst mit den Vorurteilen der Leser, indem sie Dinge überraschend erwähnt, sodass sich plötzlich die Sichtweise auf eine Situation oder Person sofort ändert.

Sprecher des Hörbuches ist Hans Löw. Für >Sachtexte< fand ich ihn bereits herausragend, als Sprecher eines >Jugendromanes< dagegen sagte er mir wenig zu. Das muss ich hier leider wieder bestätigen. Er hat eine angenehme Stimme und kann gut lesen, ja. Aber seine Art, Emotionen auszudrücken wirkt etwas träge. Wenn ein Charakter etwas sagt klingt das durch die erhobene Stimme am Ende des Satzes eher wie eine Frage. Dadurch wirkt alles sehr unruhig, unsicher. Er variiert auch nicht zwischen den Figuren, sodass die von der Autorin geschickt herausgearbeitete Charakterisierung etwas untergeht und sowohl die anfangs zickige reiche Teenager, der tumbe Neffe, die sympathische Heldin, der alte kraftlose Mann und der Gangsterboss alle gleich klingen. Da der Schwerpunkt zudem auf Melody liegt, ist es ungünstig, dass ein Mann als Sprecher gewählt wurde, da hätte ich mir entweder eine Frau gewünscht oder aber mindestens zwei Sprecher für verschiedene Erzählperspektiven.

Abgesehen vom ungünstig gewählten Sprecher ist SCHWARZE LÜGEN auf jeden Fall wieder ein großartiges Hörbuch, das man sowohl Jugendlichen als auch Erwachsenen sehr gut empfehlen kann. Spannend, mitreißend und dabei so herzlich, dass man die Charaktere wie gute Freunde nur ungern nach dem Hören gehenlassen möchte ...


Es Gibt Dinge,die Kann Man Nicht Erzählen
Es Gibt Dinge,die Kann Man Nicht Erzählen
Wird angeboten von toysmania
Preis: EUR 12,12

5.0 von 5 Sternen Harte Kost kindgerecht verpackt, 25. Mai 2014
ES GIBT DINGE, DIE KANN MAN NICHT ERZÄHLEN von Kirsten Boie liegt schon etwas länger in meinem Regal. Grund ist, dass ich schon einiges von der Autorin gelesen habe und weiß, dass sie nicht zimperlich ist, die Wahrheit zwar in kindgerechte Worte zu packen, sie aber dennoch unverblümt zu beschreiben. Mit den Geschichten um Geschichten aus Swasiland greift sie viele Themen auf, die harte Kost sind und für die ich mir auch entsprechend Zeit nehmen wollte, statt sie nebenbei zu konsumieren.

Thulani hat keine Eltern mehr und lebt bei seiner Großmutter. Er dürfte in der nahegelegenen Stadt in die Schule gehen, wenn er den Totenschein seiner Eltern vorlegt. Doch der Oberste im Dorf wird ihn nicht in die große Stadt begleiten, also bekommt Thulani keine Ausbildung. Sipho freut sich, dass diesmal er das Ei gefunden hat und wird wütend, als er es nicht selbst essen darf. Bei dem nachfolgenden Streit bricht ein Brand aus, doch Sipho hatte aus Trotz zuvor kein Wasser geholt. Sonto und ihre Geschwister sind Waisen und machen sich auf eine lange Reise, während der Sonto den jüngeren Kindern aus dem Erinnerungsbuch der Mutter vorliest. Und Thuli möchte neue Schuhe für die kleine Schwester kaufen, weil diese Voraussetzung für den Schulbesuch sind. Niemand möchte ihre handgefertigte Ware kaufen, doch die Trucker haben Arbeit für ein junges Mädchen ...

Puh, noch immer läuft es mir kalt den Rücken herunter, gebe ich zu. Als ich mich mit meinem Mann über den Inhalt der Geschichten austauschte, war auch er erschrocken und fragte sich, wie man solche Dinge in ein Kinderbuch packen kann. Doch, "man" kann, und Frau Boie gelingt das hervorragend.

Wir wurden groß mit Wölfen, denen man den Bauch aufschneidet, mit glühenden nagelbesetzten Schuhen, mit Hexen im Backofen. Das war nicht minder brutal und oft wenig pädagogisch erzählt. Die Autorin dagegen begibt sich auf die Höhe der Kinder und berichtet von Dingen, die traurig und ungerecht sind, die aber nicht ohne Hoffnung bleiben. Auch im Nachwort geht sie auf einige Fragen ein, etwa ob die Geschichten real oder fiktiv sind. Sie hat in Swasiland viele Menschen kennengelernt, Gruppenstunden besucht und Erfahrungen gesammelt, die sie in diesem Buch verarbeitet.

Ich denke, aus Sicht des Erwachsenen sind die Geschichten wesentlich schmerzvoller als für Kinder. Ein Erwachsener weiß, dass es nicht bei diesem einen Mal Prostitution bleibt, dass hier sehr viel mehr geschieht als nur berührt zu werden und was überhaupt hinter dieser schrecklichen Krankheit steckt. Doch kindgerecht beschreibt Boie lediglich, dass der Mann Thuli berührt (was man in vielen Kinder-Aufklärungsbüchern zu diesem Thema lesen kann), und im Hinblick auf Aids schreibt sie als wiederkehrendes Mantra des Mädchens, dass die anderen es auch tun und der liebe Herr Jesus sie beschützen wird. Für Kinder ist dies ein Trost, sie fühlen sich geborgen in Thulanis Sichtweise und dem "Wissen", dass es wohl gut ausgehen wird. Dennoch begreifen sie, dass Thulani etwas tun muss, das sie nicht möchte und das nicht in Ordnung ist. Sie erfahren, wie Kinder in anderen Ländern leben und was ihren Alltag prägt. Wichtig ist dabei, dass die Kinder nicht mit der CD, dem Buch alleine gelassen werden sondern die Möglichkeit haben, ausführlich mit dem Lehrer oder den Eltern darüber zu reden, Fragen zu stellen, sich damit auseinanderzusetzen.

Die Geschichten sind sehr detailreich, man spürt sofort, dass die Autorin eine Ahnung hat, wovon sie erzählt. In vielen kleinen Erwähnungen fließen Informationen ein, die spannend sind. Über das Schulsystem, die medizinische Versorgung, das soziale Umfeld, die Landschaft, Vegetation, das Klima, vor allem aber auch die klaffende Schere der reichen Touristen und armen Bewohner.

Zwischen den Erzählungen sind Gesänge zu hören, die den Hörer nach Afrika entführen und die Texte etwas auflockern. Ich habe zwischen den einzelnen Passagen jeweils eine Pause gemacht, bevor ich zum nächsten Kind überging, und die Musik ist eine deutliche Überleitung, ein Signal "drück mal auf Pause".

Julia Nachtmann ist mir bereits von Poznanskis Hörbüchern bekannt, sie spricht mit ruhiger Stimme und legt sehr viel Emotion in den Text. Ich mag ihren Vortrag. Aleksandar Radenkovic hat inzwischen ebenfalls viele Erfahrungen in Kinderhörbüchern gesammelt, so habe ich letztens in >Nikos Reise durch Zeit und Raum< über ihn berichtet. Katja Danowski mit ihrer weichen Stimme schafft es wunderbar, junge Zuhörer zu verzaubern, und sie gehört inzwischen zu meinen weiblichen Lieblingssprechern. Jürgen Uter war mir bisher kein Begriff, doch auch er spricht seinen Part einfühlsam, ruhig und eindringlich.

Trotz der schweren Thematik ist dieses Werk für Kinder geeignet. Kirsten Boie hat wieder einmal bewiesen, dass man Kindern auch anspruchsvolle Lektüre vorsetzen kann, ohne sie zu überfordern.


Bluthatz: Kriminalroman
Bluthatz: Kriminalroman
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Knüpft nahtlos an den Vorgänger, 25. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Bluthatz: Kriminalroman (Kindle Edition)
Inga "Jägerin" Jäger und Kai "Rübezahl" Gebert werden kurz nach Abschluss des letzten Falles bereits in den nächsten verwickelt. Ein einflussreicher Mitarbeiter aus Eltvilles Rathaus wird grauenvoll hingerichtet. Schnell zeigt sich, dass er viele Feinde hatte und die Zahl der Verdächtigen nicht gerade klein ist. Doch die weiteren Geschehen machen deutlich, dass mehr dahinter stecken muss als eine persönliche oder politische Feindschaft. Was spielt sich hinter den Türen des Rathauses ab?

BLUTHATZ ist der zweite Band des Ermittlerduos und knüpft nahtlos an >IHR UNSCHULDIGES HERZ< an. Ich weise vor allem auch deswegen auf meine alte Rezension hin, weil vieles, das dort steht, auch 1:1 auf diesen Band übertragbar ist hinsichtlich Sprache, Charakteren und anderen relevanten Merkmalen.

Band eins ist bereits eineinhalb Jahre her, die Leser hatten viel Zeit, einige der Inhalte zu vergessen. Der Autor (Richard Hagen ist ein Pseudonym von Ivo Pala) geht also gelegentlich in Anspielungen auf die Vorgeschichte ein, sodass man sich schnell wieder in das Setting einfindet. Ich fand es schön, den Freunden wieder zu begegnen, vor allem Falkenberg ist wieder auf ihre ganz eigene Weise mitten im Geschehen. Eine detaillierte Charakterisierung möchte ich also gar nicht weiter ausführen, sondern verweise auf meine alte Rezension ;-)

Sprachlich wie auch schon im ersten Band und wie diesmal auch im >ersten Satz< des Prologes und ersten Kapitels erkennbar: die Sätze sind gelegentlich ziemlich lang und verschachtelt. Vor allem, wenn der Autor erklärt oder längere Szenen beschreibt, werden die Sätze immer länger. Trotzdem fällt es nach einigen Seiten nicht schwer, sich in dem Buch fallenzulassen und den Protagonisten zu folgen. Denn die Sprache an sich ist eher einfach gehalten und lässt sich angenehm lesen, sodass man an spannenden Stellen ziemlich über die Seiten rast.

Gebremst wird der Lesefluss gelegentlich von zahlreichen Erklärungen rund um Rezepte, medizinische Hintergründe, die historische Geschichte des Ortes, Kriminalstatistik und andere recherchierten Informationen. Wer solche detaillierten Beschreibungen mag, wird begeistert sein, da sie gut in die Dialoge und Handlung integriert sind.

Insgesamt empfinde ich auch den zweiten Band wieder als Pageturner, den ich in kürzester Zeit gelesen hatte. Gelegentliche Szenen habe ich allerdings überflogen, diesmal gab es sehr viel "literarisches Bullet-Time". Die Handlung erstreckt sich von der ersten bis zur letzten Seite nur über eine sehr geringe Zeitspanne, die jedoch durch extrem viele Details sehr gestreckt wird, sodass neben der Handlung auch sehr viel Input, Charakterisierung, Innenansicht, Hintergrundinformation gepackt wird, um einen kurzen Moment zu füllen.

Auch, wenn BLUTHATZ für sich stehen kann, empfehle ich zuerst die Lektüre des Vorgängers, um beide Bücher entsprechend zu genießen ;-)


Stella Menzel und der goldene Faden
Stella Menzel und der goldene Faden
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Mehr als nur die Geschichte eines kleinen Mädchens, 11. Mai 2014
STELLA MENZEL UND DER GOLDENE FADEN ist vordergründig die Geschichte vom Aufwachsen eines jungen Mädchens zwischen den Kulturen. Dahinter ist es die Geschichte einer Großfamilie, verstreut über Russland, Amerika und Deutschland mit jüdischen Wurzeln. Kultur, Tradition, Kulinarisches, Sprachliches, eine kleine Reise durch Zeiten und Länder. Kindgerecht erzählt, ohne pädagogischen Zeigefinger, dafür mit viel Liebe, Herz und Wärme.

CHARAKTERE

Heldin der Geschichte ist Stella. Der Leser begleitet sie von ihrer Zeit als Kleinkind hin bis zu ihrer ersten Liebe. Sie ist sympathisch, weil die Autorin sie menschlich darstellt, unperfekt und liebenswert durch und durch. Neugierig, aufgeschlossen, manchmal auch quenglig und in späteren Jahren dann auch gerne einmal frech und rebellisch. Sie ist neidisch auf eine Klassenkameradin, ihr passieren Missgeschickte, sie erlebt kleine und große Abenteuer, und immer hat sie hinter sich ihre Familie:

Die alte Oma, eine typische Bilderbuchoma, die Besonnene, Ruhige, die Geschichtenerzählerin. Die "weise Alte", die selbst aus nichts noch etwas machen kann. Die Mutter, liebevolle aber strenge Erzieherin, stets ein wenig skeptisch gegenüber der großmütterlichen Gelassenheit und dem Humor des Vaters. Der Vater, Künstler und immer ein wenig anders, mit schelmischem Grinsen und einem witzigen Spruch, oft amüsiert er sich, wenn seine Frau wieder einmal viel zu ernst ist. Dazu all die anderen Familienmitglieder, die man im Laufe der Geschichte kennenlernt und ins Herz schließt. Nein, es ist keine perfekte Familie, und gerade deswegen mag man sie sosehr.

SPRACHE

Während Stella sich ebenso wie ihre Geschwister entwickelt und verändert, als Identifikationsfigur für die jungen Leser, bleibt die erwachsene Kernfamilie gleich. Ihnen legt die Autorin Schlüsselsätze in den Mund, die sich häufig wiederholen, sich nur selten verändern und erst zum Schluss auch von anderen Personen übernommen werden. Sie sind einer der vielen Fäden, die sich symbolisch durch die Geschichte ziehen. Der Leser kann sich an ihnen festhalten, freut sich über die Wiederholung. Auch, wenn alles im Leben sich ändert - manche Dinge bleiben gleich, und diese Dinge bedeuten Geborgenheit, Gewissheit und Zusammenhalt.

Die Übersetzerin sowie die Autorin haben sehr gute Arbeit geleistet, um Stellas Geschichte und die ihrer Familie nicht nur in Worten zu präsentieren, sondern auch zwischen den Zeilen zu vermitteln. Metaphern wie "es löste ein Kichern in ihrem Herzen aus" oder Wortspiele wie "Das Fundbüro war anscheinend auch verlustig gegangen und nirgends zu finden" lösen ein Lächeln beim Leser aus und erzählen viele kleine weitere Geschichten. Als Stellas Eltern sich das erste Mal begegnen, "stieß er zufällig absichtlich mit ihr zusammen", diese wenigen Worte in ihrer widersprüchlichen Kombination sind so beredet, dass jeder sofort eine komplexe Handlung vor Augen hat, ohne dass diese erst erklärt werden muss.

Trotz ihrer Feinsinnigkeit ist die Geschichte für junge Leser ebenso geeignet wie auch zum Vorlesen. Kinder müssen nicht jedes Detail verstehen, um die Geschichte zu mögen. Sie werden STELLA MENZEL aus anderen Gründen lieben als die Erwachsenen, und das macht auch den Reiz dieses Buches aus.

>Hier< und >hier< habe ich bereits geschrieben, wie allein der erste und letzte Satz sowie die Kapitelüberschriften das Buch zu etwas Besonderem machen.

AUFMACHUNG DES BUCHES

Nicht nur die Geschichte, auch das Buch ist ein Erlebnis. Dezent und unaufdringlich, aber Ton in Ton zur Geschichte illustriert und gestaltet. Ein goldenes Bändchen als Lesezeichen. Auch auf den Seiten windet sich überall ein goldener Faden auf dem Papier, verbindet alles und hält die Geschichte zusammen, mal oben, mal unten, mal diagonal oder nur in der Ecke. Die Blätter auf der Innenseite der Deckel sind geschmückt mit dem blauen Stoff, um den es im Buch geht. Vereinzelt finden sich in warmen Farben gehaltene Bilder, gleich Fotos, in denen das Geschehen in einem besonderen Moment festgehalten wurde für den Leser. Alles sehr schön aufeinander abgestimmt und passend.

PERSÖNLICHE MEINUNG ZUM SCHLUSS

STELLA MENZEL ist eines der Kinderbücher, wie ich sie liebe: kindgerecht, aber mit Hintersinn und so erzählt, dass auch Erwachsene ihre Freude daran haben. Kinderbücher lassen mich den Alltag vergessen und für einen Moment selbst wieder Kind sein. Abtauchen in ein Universum, in dem andere Dinge gelten als für "die Großen". Lachen und Weinen können über Dinge, die älteren Menschen unbedeutend und klein geworden sind. Das Staunen des Kindes spürt man beim Lesen in sich, und es tut gut, beim Lesen das Herz zu öffnen, wenn die Oma wieder einmal mit ihrer Geschichte ansetzt. Ich habe das Buch geliebt :-)


Rocky und seine Bande, Bd. 3: Enzo hat Geburtstag
Rocky und seine Bande, Bd. 3: Enzo hat Geburtstag
von Stephan Valentin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 5,90

5.0 von 5 Sternen Ein weiteres wundervolles Büchlein in der Reihe, 27. April 2014
Als ich den neuen Teil der Reihe ROCKY UND SEINE BANDE in der Hand hielt, war ich etwas überrascht: ENZO HAT GEBURTSTAG heißt der dritte Band. Wie würde der Autor dieses Thema verarbeiten, würde sich da wirklich so viel herausholen lassen, dass es den ersten beiden Geschichten gerecht würde und die Reihe auf gleichem Niveau fortsetzen könnte?

Enzo möchte dieses Jahr eine ganz besondere Geburtstagsparty feiern und all seine Klassenkameraden einladen. Doch ein beliebter Mitschüler legt seine Party auf exakt das gleiche Datum. Nun fragt sich Enzo, ob er überhaupt beliebt ist. Seine Eltern und die Eltern der Freunde haben derweil mit ganz anderen Problemen bezüglich Enzos Feier zu kämpfen. Am liebsten möchte er gar nicht mehr feiern.

Schon auf den ersten Seiten war ich überrascht, wie treffend Stephen Valentin die Sorgen der Kinder eingefangen hatte: Enttäuschung des Kindes, wenn ein gewünschtes Geschenk nicht möglich ist. Das Problem, dass die Eltern sich eine solch große Feier nicht leisten können. Eltern, die nicht nur Geschenke kaufen wollen sondern anregen etwas Eigenes zu basteln. Die Frage nach der Beliebtheit unter den Freunden als auch im Klassenverband. Der Schmerz, nicht zu einer Feier eingeladen zu werden und sich benachteiligt zu fühlen. Und am Ende eine sinnvolle und herzliche Lösung, mit all diesen Dingen umzugehen und trotzdem etwas ganz Besonderes an diesem Tag zu erleben.

Jean-Claude Gibert steuert wieder die Bilder zu diesem Büchlein bei. In treffsicheren Darstellungen zeigt er, was in den Freunden vorgeht und wie sie sich fühlen. Besonders Enzo ist herrlich getroffen, am liebsten möchte man den Kleinen packen und knuddeln. Es bewegt richtig, ihn leiden zu sehen. Und auch, wenn meine Zeit der Kindergeburtstage schon sehr lange um ist, konnte ich mich sofort hineinversetzen, fühlte mit Enzo mit und erinnerte mich an eigene Erlebnisse. Gerade für Kinder in der Grundschule sind der einfache Text, die schlichten aber treffenden Bilder und die alltägliche Handlung ideal. Welches Kind hatte noch nicht mit diesem Problem zu kämpfen und wird sich in Enzo und seinen Freunden wiedererkennen?

Doch, ich wurde nicht enttäuscht, der dritte Band passt hervorragend in die Reihe und macht neugierig auf weitere Abenteuer der Freunde. Der vierte Band heißt "Wer wählt Mia". Ich vermute, dass es wohl um eine Wahl zum Klassensprecher gehen wird und bin tatsächlich schon neugierig, wie Valentin und Gibert das umsetzen werden. Die Serie ist eine Perle unter den Kinderbüchern. Und ich schäme mich auch als Erwachsener nicht zu sagen, dass sie mein Regal ziert und ich immer mal wieder einen Blick hineinwerfe ;-)


Die Gottespartitur
Die Gottespartitur
Preis: EUR 16,71

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ungewöhnlicher Roman mit interessanter Idee, 25. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Gottespartitur (Audio CD)
VORAB

von Edgar Rai habe ich noch nichts gelesen, jedoch schon einige Titel von ihm gesehen, hatte schon immer mal geplant etwas von ihm zu mir zu nehmen. WENN NICHT, DANN JETZT oder SONNWENDE, VATERLIEBE und einige anderen Bücher. DIE GOTTESPARTITUR ist nun also mein erstes, der Titel sprach mich von der Beschreibung der Geschichte her sosehr an, dass ich sofort neugierig wurde.

INHALT

Gabriel Pfeiffer ist Literaturagent. Auf der Messe reicht ein junger Mann ihm ein Manuskript ein, das angeblich jede Menge Zündstoff enthält: der Junge glaubt tatsächlich in den alten Schriften eines Reisenden einen Gottesbeweis gefunden zu haben. Natürlich glaubt Pfeiffer ihm nicht. Doch als sein Kunde tot in einer Kirche aufgefunden wird, beginnt der alternde Agent Nachforschungen anzustellen. Er glaubt nicht an Gott, aber was könnte sonst hinter diesem geheimnisvollen Manuskript stecken?

AUFBAU

Die Handlung selbst lässt sich genaugenommen in wenigen Sätzen komplett erzählen. Fleisch der Geschichte sind die Ansichten und Gedanken Pfeiffers rund um den Verlag, seine Nachforschungen und seine Erinnerungen daran, wie er seinen Glauben an Gott verlor.

DIE GOTTESPARTITUR beginnt sehr langsam, erst nach und nach baut sich die Handlung auf. Mit Spannungsbögen ist der Autor ungewohnt sparsam. Zugegeben, bei obiger Inhaltsbeschreibung hatte ich doch mit etwas mehr Tiefe oder Action gerechnet, je nachdem. Das Buch wird vielfältig gepriesen als von philosophischer Tiefe. Vielleicht ließ ich mich da etwas irreleiten in meinen Erwartungen. Ja, es gibt einige Ansätze über biologische, psychologische und religiöse Ansätze der Erkenntnis Gottes, aber nichts, das wirklich bahnbrechend oder tiefschürfend wäre meiner Ansicht nach. Vielleicht liegt es an der gekürzten Version des Hörbuchs, wer weiß.

Aber das war auch nicht der Grund, warum ich es mir anhörte. Es ist klar, dass Rai nicht wirklich einen Gottesbeweis liefern oder innovative Konzepte aufweisen kann, sonst wäre das Buch anders vermarktet worden, es ist eben ein Unterhaltungsroman. Und in dieser Sparte kann der Autor auf jeden Fall punkten und einen Roman präsentieren, der für Unterhaltung dann doch etwas unterhalb der Oberfläche schürft und gelegentlich für einen nachdenklichen Moment sorgt. Indem viele Dinge unausgesprochen bleiben, ist es die Aufgabe des Lesers / Hörers, diese Lücken zu füllen und eigene Ansichten einzubinden. Ob das Werk also gefällt oder nicht hängt zu einem großen Teil davon ab, was der Leser selbst einbringen möchte an Erfahrungen, Phantasien und Meinung.

Das Ende kommt überaus abrupt. Mit offenen Enden habe ich kein Problem, mag sie gerne und freue mich, wenn der Autor mir die Verantwortung überträgt. Doch ein offenes Ende ist etwas anderes als ein abruptes. DIE GOTTESPARTITUR endet abrupt. Erstmals steigt der Spannungsbogen drastisch an, Kontrahenten treffen aufeinander, ein großer Showdown, und dann - zack, aus. Als die CD endete, habe ich erst einmal das Case geholt und überall gesucht, ob ich vielleicht eine fünfte CD übersehen haben könnte, auf der die Geschichte nun fortgesetzt wird. Ein wenig überstürzt, so als hätte dem Autor die Idee für einen Epilog oder einen vernünftigen Abschluss gefehlt. Schade, denn mit einem zwar offenen aber etwas runderen Ende wäre das Buch wohl deutlich stimmiger gewesen.

CHARAKTER

Der Roman ist erzählt aus der Perspektive des Gabriel Pfeiffer. Sein sarkastischer Grundton prägt die Geschichte, bringt Würze und sorgt dafür, dass der Leser gerne dem Fortgang folgt, selbst wenn sich die Geschichte gelegentlich zieht.

Gabriel Pfeiffer ist müde, seine Krankheit lähmt ihn, und oft denkt er daran, den Verlag aufzugeben und an seine Mitarbeiterin und rechte Hand zu übergeben, für vieles hat er nur Spott übrig, er trägt seinen Sarkasmus vor sich wie ein Schild. Er hat Bestseller erschaffen, Autoren bis ganz an die Spitze gebracht, und nun blickt er zurück. Es scheint, als sei ihm alles zuviel. Durch die Jagd nach der Gottespartitur (was ich einen sehr unglücklich gewählten Titel finde, weil er bereits einiges von der eh schon eher geringen Spannung vorwegnimmt) erwacht neues Leben in ihm, er hat eine Aufgabe, die ihm etwas Neues bietet und vielleicht sogar Erfüllung verspricht.

Er ist es, der die Geschichte trägt. Einige weiteren Charaktere des Werkes hätten weitere Beachtung verdient, so finde ich zB die Figur seiner Mitarbeiterin sehr faszinierend. Schade, dass sie rein aus Pfeiffers Sicht betrachtet wird und der Leser wenig Einblick in ihr tatsächliches Innenleben erhält. Ansonsten tauchen nur wenige Personen auf, sie lassen sich problemlos an zwei Händen abzählen und haben größtenteils nur sehr kurze, wenn auch ziemlich relevante, Auftritte.

SPRECHER

Achim Buch als Sprecher war mir bis dahin neu. Er stand bisher vor allem auf der Bühne und wirkte in TV-Produktionen mit, kein Wunder also, dass ich bisher nicht auf ihn aufmerksam wurde. Seine Stimme wirkt im ersten Moment etwas träge, und ich war fast enttäuscht, aber schon nach zwei, drei Tracks wurde mir klar, wie perfekt er für die Figur des Gabriel Pfeiffer gewählt wurde. Der erschöpfte Tonfall, die innere Trägheit. Und je mehr Gabriel sich ereifert und der Spur der Partitur folgt, desto lebendiger und wacher wird auch der Sprecher. Er fängt den eigenwilligen Ton des Protagonisten hervorragend ein, und die Zeit während des Hörens verging wie im Fluge.

Als Buch hätte mich DIE GOTTESPARTITUR möglicherweise wenig gereizt. Nicht aufgrund der fehlenden Handlung sondern aufgrund der Erzählweise, welche meinen Nerv nicht unbedingt getroffen hat. Doch durch Achim Buch konnte ich die CD am Ende nicht mehr beiseite legen, hörte alles hintereinander weg. Seine Stimme überzeugt, und ich hoffe ihn bald in weiteren Produktionen zu hören.

EIGENE MEINUNG

Es fällt mir sehr schwer, das Buch einem Genre zuzuordnen, da es für alles "ein bisschen zu wenig" oder "etwas zuviel" hat, in keine Schublade möchte es so wirklich passen. Das verwirrt mich, stört mich aber nicht unbedingt und macht es umso interessanter. Für diese Rezension habe ich mir bewusst einige Tage Zeit gelassen, weil ich nachspüren wollte, wie lange Gabriel Pfeiffer und die Gedanken um die Partitur in mir arbeiten. Während des Hörens hatten Autor und vor allem Sprecher mich gefangen, ich habe mich hervorragend unterhalten und hing in den Pausen auch der Handlung gut nach. Doch in der vergangenen Woche dachte ich außer im Rahmen der Rezension nicht mehr näher über das Buch nach. Die Gedanken hatten, obwohl einige von ihnen im Ansatz interessant waren, wenig in mir gewirkt. Der Protagonist, obwohl mit interessantem Hintergrund, hatte mich nicht mehr im Alltag begleitet.

Ich denke nicht, dass es das Ziel des Autors war, langfristig etwas Bewegendes zu erschaffen. Daher sehe ich es nicht grundlegend als Mangel, wenn DIE GOTTESPARTITUR mich lediglich für den Moment unterhalten hat. Vermutlich war das sein Ziel, und das ist ihm größtenteils gelungen.

FAZIT

Mit DIE GOTTESPARTITUR hat Edgar Rai ein Werk geschaffen, das sich nur schwer einordnen lässt. Abwechslungsreich und interessant erzählt er von Pfeiffers Suche nach dem endgültigen Gottesbeweis. Durchaus empfehlenswert :-)


Todestrieb
Todestrieb
von Nora Schwarz
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,80

5.0 von 5 Sternen Spannender Thriller, 1. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Todestrieb (Taschenbuch)
Mit TODESTRIEB schreibt sie nun ihren ersten düsteren Thriller unter dem Pseudonym Nora Schwarz. Ein berühmter Skandal-Fotograf wird unter brutalen Umständen ermordet aufgefunden. Hanna Mantolf und ihr Kollege Tom Krohne ermitteln. Es gibt ebensoviele Motive wie mögliche Täter, der Mann hatte sich viele Feinde gemacht in seinem Leben. Doch je tiefer die beiden in die Welt des Künstlers abtauchen, desto mehr werden auch Hannas Verwicklungen in diesen Fall offenbar.

Eine der Stärken der Autorin ist die greifbare und überaus menschliche Darstellung ihrer Protagonisten, aber auch aller auftretenden Nebencharaktere. Mit Fingerspitzengefühl beschreibt sie ihre Figuren, lässt sie zerbrechlich wirken, verletzbar. Die Art und Weise, wie die Menschen in ihren Büchern miteinander umgehen, wie sie sich verhalten, was sie tun und denken, das geht über eine reine Charakterisierung hinaus, vermittelt einen Inhalt zusätzlich zur Handlung des Buches. Es schwebt viel Ungesagtes zwischen den Figuren, das den Fortgang der Geschichte maßgeblich beeinflusst, und der Leser kann viele Ereignisse eher erspüren als tatsächlich begreifen, das Lesen erfordert sehr viel Initution, wodurch der Leser sich der Geschichte weit mehr verbunden fühlt als würde der Plot auf klassische Weise erzählt werden.

Auch das Spiel der Charaktere untereinander ist sehr gut abgestimmt. Die beiden Dominas, die aufeinandertreffen, sich umkreisen, belauern. Der "unschuldige kleine Junge" Tom Krohne vs die pralle erotische Welt der Latexdomina im Studio. Die enttäuschte Ehefrau trifft auf die Geliebte ihres Mannes. Der Alltag ihrer Figuren strotzt nur so von Begegnungen, dynamischen Interaktionen, Entscheidungen.

Besonderes Augenmerk legt die Autorin auf ihre Protagonistin Hanna Mantolf, deren Rollenkonflikte sehr lebendig beschrieben werden. Energische Ermittlerin, unnahbare Kollegin, enttäuschte Tochter, alleinerziehende Mutter. Dazu eine Vergangenheit, an der sie schwer trägt und die sie im Laufe ihres Buches zu verarbeiten beginnt. Aber keine Sorge, den Leser erwartet keine depressive Persönlichkeit a la skandinavischer Krimi, auch keine billige Möchtegern-Powerfrau, sondern eine selbständige, realistische und in allen Punkten menschliche, durch und durch normale Frau.

Wie schon in ihrem Roman >DAS STERBEN DER BILDER< zeigt Nora Schwarz auch ein Gespür für geschicktes Storytelling. Die Handlung ist perfekt getimed, kein Wort zieht das Buch in die Länge, niemals wird es hektisch oder rasant. Der Leser ist anfangs im Unklaren, erst nach und nach entrollt sich das Geschehen. Oft glaubt man etwas zu wissen, nur um kurz darauf eines Besseren belehrt zu werden. Wie mit der Karotte am Bindfaden lockt sie den Leser, immer ein Stück voraus, man muss nur danach schnappen, es ist greifbar, sichtbar, und doch unerreichbar. Sie genießt es, den Leser zappeln zu lassen, bis alles in einem gewaltigen Showdown endet. Doch bis es soweit ist, muss man sich auf einige Twists und Überraschungen gefasst machen.

Nora Schwarz kann hervorragend mit Worten spielen. Ich empfinde ihre Bücher nicht als reine Unterhaltung sondern genieße auch ihren Umgang mit der Sprache. In diesem Fall hat der Verlag leider einiges zerstört, sei es der schwierige Lesefluss durch fehlende Absätze, inflationärer Gebrauch von Kommata oder schlechtes Korrektorat. Das ist jedoch nichts, was ich einem Autor ankreide, der Punktabzug geht eindeutig an den Verlag.

Sie selbst dagegen nutzt ihre Worte als Werkzeug, sie umschmeichelt den Leser, führt ihn mal sanft, mal brutal an der Leine, und im passenden Moment schafft sie es, mit nur einem Satz, einem Wort wie ein Donnerschlag zu schockieren. So punktgenau zu treffen ist nur möglich, wenn Sprache über den reinen Gebrauch von Worten hinausgeht, wenn sie bewusst eingesetzt wird.

Passend dazu eine Aussage, die sie auf Facebook gepostet hat (danke, dass ich das hier verwenden darf): "Es gibt für mich nichts Erfüllenderes als so eine Lesung. Egal wie viele Menschen da vor mir sitzen, allein die Situation ist wunderschön. Ich bin zum Geschichtenerzähler geboren, das merke ich immer wieder. Und in solchen Momenten fühle ich eine solche Macht .... eine viel größere Macht als damals in der Zeit, als ich noch als Domina gearbeitet habe....Dann fühle ich, dass ich genau auf dem richtigen Weg bin." Dem kann ich nichts hinzufügen und damit möchte ich meine Rezension abschließen ;-)


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