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Rezensionen verfasst von
Stefanie (Bern)

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Die innere Sonne - Plotins Lehre vom Einen
Die innere Sonne - Plotins Lehre vom Einen
von K.O. Schmidt
  Sondereinband
Preis: EUR 12,30

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Plotins Lehre vom Einen, 15. Oktober 2011
Ich habe das Buch über den Neuplatoniker und Mystiker Plotin sehr interessant gefunden. Im ersten Teil erfährt der Leser etwas über das Leben und den Werdegang Plotins, über seine Lehrer, seine Vorbilder, über seine Lehrtätigkeit... Im zweiten Teil wird dem Leser in verständlicher Sprache Plotins Lehre erläutert.
Für Plotin ist der Mensch als Mikrokosmos ein Spiegelbild und Ebenbild des Makrokosmos, des Alls. Im Ursprung war er eins mit dem All. Sein Geist senkte sich dann in die Materie und löste sich vom Göttlichen. Nun sollte er sich wieder auf den Heimweg begeben: "Der Mensch, wie er jetzt geworden ist, hat aufgehört, das All zu sein. Wenn er aber aufhört, ein vom All losgelöstes Individuum zu sein, schwingt er sich wieder auf und durchdringt die ganze Welt..." (S.63) "... Wenn dieser Aufstieg zum Einem gelungen ist, gibt es keine anderen Gedanken, keine Leidenschaften, keine auf materielle Dinge gerichtete Wünsche mehr. Alles Äussere tritt gänzlich zurück. Über alles Irdische emporgehoben und vom Göttlichen erfüllt, ruht der Eingeweihte unbewegt in vollkommener Stille: er ist zur Stille, zum Frieden selbst geworden." (S.66)
Seine Schüler lehrte Plotin die Kunst der Lebensmeisterung durch Bejahung des Schicksals und bewussten Einsatz ihrer eingeborenen göttlichen Kräfte und Fähigkeiten. Diesen Geist positiver Lebenshaltung atmet auch das Gebet, das er sie lernte: "Von jeder Arglist und unangemessenen Betriebsamkeit frei geworden, möge meine Seele sich im Schweigen sammeln und sich gelassen in die Betrachtung des Göttlichen versenken! Ruhig und entspannt sei mein Körper in dieser Stunde. Gestillt seien die Unruhe und der Unfriede der Welt. Göttlicher Friede senke sich auf alles. Freude und Stille breite sich über Erde, Luft und Meer, so wie der Himmel selbst Friede ist! Möge meine gestillte Seele erfahren, wie sich der göttliche Geist in den schweigenden inneren Himmel ergiesst! Möge der Friede und das Licht der Gottheit meine Seele erfüllen und mich erleuchten!" (S.21-22)
Der Kern von Plotins Lehre ist die Erkenntnis, dass das Höchste das EINE und URGUTE ist, die absolute Gottheit (bei Laotse: TAO), und dass das Ziel aller Seelen das Freiwerden von der Stoffgebundenheit ist und die Rückkehr zum Göttlichen.
Plotin, der in einer ähnlich haltlosen Zeit lebte wie wir heute, hat gezeigt, wie man mitten im Alltag aus einer raum- und zeitlosen Welt schöpfen kann, die den Hintergrund der Bühne bildet, auf der wir uns für eine kurze Zeitspanne bewegen, um schweigend wieder abzutreten. Nach Plotin kann kein Verlust, kein Unglück den inneren Menschen, unser wahres Selbst, treffen. Die wirkliche Welt (das Tao) ist ein Reich des Friedens und der Sicherheit, der Kraft und der Fülle. Diese unsere geistige Heimat ist uns überall und allzeit nahe, denn sie ist in uns. Wie man dorthin gelangt, beschreibt Plotin folgendermassen: "Dorthin führt der Weg der Abkehr vom Äusseren und die Hinwendung nach innen. Die Seele, die sich von der Sinnestäuschung löste..., gelangt...in einen Zustand der Sammlung, in der ihre Körperhülle samt Sinnlichkeit und Umwelt zur Ruhe gekommen ist..." (S.61)
"Ich rede und schreibe nur, um auf den Höhenweg der Kontemplation hinzuweisen, auf dem man sich mit der Seele zum Göttlichen erhebt. Doch nur bis zum Wege selbst reicht alle Belehrung, die man hier geben kann. Die Schau muss dann selbst vollbringen, wer das Göttliche erkennen will." (S.119)
Nach Plotin besitzt jeder Mensch das Wahrnehmungsvermögen für das Transzendente, Numinose, Göttliche. Plotin vergleicht das Leben mit einem Schauspiel. Man muss sich immer bewusst sein, dass Gott der Dichter des Lebensspiels ist, dem Schuld und Schicksal, Leid und Glück als Mittel des Fortschrittes der Handlung und der Wesen dienen, weshalb nach Plotin gilt, aus der einmal gegebenen Rolle das Bestmögliche zu machen. Denn alles, was geschieht, entspricht der zugeteilten Rolle und ist zur Vollendung des Lebensschauspiels notwendig.
Der Weise bejaht die Welt und alle Dinge und Geschehnisse in ihr als so vorgesehen und gut. Alles, was geschieht, dient der Veredelung des Menschen und dem Wohl des Ganzen.
Über die Erleuchtung: Alle religiöse Praxis zielt auf die höchste Glückseligkeit, die ein Mensch zu erreichen vermag, auf die Erleuchtung, das heisst die Weisheit, die in der kontemplativen Hingabe in der Seele aufflammt. Doch lässt sich die Erleuchtung nicht absichtlich, von aussen her herbeiführen, weder durch psychotechnische oder magische Mittel, noch durch bestimmte Meditationspraktiken... Wir können nur die Voraussetzungen für das Erleuchtetwerden schaffen; sein Kommen ist ein Geschenk - als Antwort Gottes auf das Sehnen der Seele. (S.121 und 125)
Das griechische Wort "myein" (= schliessen, verschliessen), das die Wurzel von "Mystik" und "Mysterien" bildet, weist auf das Schliessen des Mundes, der Augen und der anderen Sinnesorgane nach aussen hin, da erst danach das Sichöffnen nach innen möglich wird. Nur wer sich vom Aussen abscheidet und löst, vermag sich über seine Ichheit (Ego) zu erheben und zu sich selbst heimzukehren. (S.128) Das bedeutet nicht Abkehr vom Leben, sondern die Erhöhung des Daseins durch bewusstes Leben aus dem Geiste...(S.121)
Wer die äussere Welt lässt, um die innere zu gewinnen, erringt beide und wirkt das Wunder, dass das innere und das äussere Leben sich zu einem einzigen Sein verbindet. (S.124)
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Der Weg durchs Feuer: Tagebuch einer spirituellen Schulung durch einen Sufi-Meister
Der Weg durchs Feuer: Tagebuch einer spirituellen Schulung durch einen Sufi-Meister
von Irina Tweedie
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,00

22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Weg der Sufis, 23. Dezember 2010
Das Buch von Irina Tweedie hat mich tief berührt und ich finde es sehr empfehlenswert. Da es schon genug Rezensionen zu diesem Werk gibt, möchte ich hier nur einige Stellen, die ich mir herausgeschrieben habe, zitieren:

"Es ist mein kleines Selbst (= Ego), o Herr, und es kennt keine Scham, doch ich schäme mich, in seiner Begleitung zu Deiner Tür zu kommen." (Seite 115)

"...Ich fühlte mich verletzt von ihm (dem Guru)... Er hatte meine Worte verdreht und mich einer Sache beschuldigt, die ich gar nicht getan hatte...und er begann immer wieder von vorn, bis ich in absolute Verzweiflung geriet und schmerzlich meine abgrundtiefe Enttäuschung herausweinte...Und dann war mir der Gedanke gekommen: Wer fühlt sich verletzt? Das kleine Selbst, mein Ego natürlich. Lass es los! Ich tat es...und Friede kehrte ein." (Seite 761/762)

"Sobald die Wünsche, jegliche Art von Verlangen, aufhören, hat auch das Leiden ein Ende. Das ist die Essenz von Buddhas Lehre." (Seite 873)

(Der Guru): "Sie reden zu viel, das wissen Sie. Die Leute reden und reden...Und die Absicht dahinter ist: «Seht, wie klug ich bin, wie ich verstanden habe!». Und der Meister denkt: «Oh, wie zurückgeblieben er noch ist.»" "Wie recht er hat, sagte ich mir. Auch ich spreche, weil ich mit meiner Klugheit brillieren will, und mein kleines Selbst (= Ego) ist weiter voller Stolz..." (Seite 519)

"Wir müssen das Böse hinauswerfen. All das Böse ist im Ego...Seien Sie immer freundlich. Auf diese Weise wird das Ego gehen. Wenn sie sich des Egos entledigen wollen, werfen Sie es hinter sich." (Seite 701)

"Vergesst nicht, Gott ist in allen Menschen, aber nicht alle Menschen sind in Gott." (Seite 939)

"Warum, oh, warum ist auf einmal dieser Schmerz in meinem Herzen? Aber ist nicht alles SEIN Wille? Also biete ich DIR meinen Schmerz dar. Solange ich nicht fähig bin, IHM alles darzubieten, habe ich noch nicht die völlige Hingabe erreicht..." (Seite 1006)

"Ich weiss, dass Gott das Schweigen ist, die Stille, und nur in der Stille erreicht werden kann..." (Seite 1018)


Tempel des Tao: Der geheimnisvolle Weg zur Chi-Lebenskraft
Tempel des Tao: Der geheimnisvolle Weg zur Chi-Lebenskraft
von Chao-Hsiu Chen
  Taschenbuch

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Lebenskraft Chi, 25. April 2010
Dies ist ein sehr schönes, wohltuendes Buch. Es besteht aus 81 kurzen Kapiteln (in Anlehnung an Lao Tses "Tao Te King"), die in klarer, schlichter Sprache verfasst sind.
Das Anliegen der Autorin ist es, aufzuzeigen, wie es gelingen kann, den geheimen Weg zur Chi-Lebenskraft einzuschlagen.
Als Chi bezeichnet man im Taoismus die Lebenskraft, die die zwei Gegenpole alles Existierenden (Yin und Yang) harmonisch miteinander verbindet.
Alles, was geschieht, beruht auf dem ewigen Wechselspiel dieser Polaritäten. Als Yin bezeichnet man das "weibliche Prinzip" der Welt (Erde, Mond, Einhalt, Trauer...), wohingegen Yang mit dem "männlichen Prinzip" (Himmel, Sonne, Bewegung, Glück...) assoziiert wird.
Bei einem geglückten Leben geht es darum, diese Polaritäten miteinander in Harmonie zu bringen, damit keine der beiden Seiten die andere dominiert. Wenn dann Yin und Yang miteinander in Einklang sind, kann sich positives Chi entwickeln.
Bei uns, im Westen, ist die Lehre vom Chi oft mit dem Vorzeichen des Esoterischen versehen; für das chinesische Volk dagegen ist das Wissen über Chi seit etwa 2 500 Jahren etwas völlig Selbstverständliches. "Wer sein Chi entwickelt, wird den rechten Weg finden. Dieses Chi ist die grösste und stärkste Energie, die es gibt. Chi ist überall" (Men Tse).
Ohne Chi sind wir nicht lebensfähig. Das wussten auch schon andere Völker und gaben ihm andere Namen: Ki (Japaner), Mana (Polynesier), Prana (Inder), Pneuma (alte Griechen), Odem (Germanen), Atem des Lebens (alle Mystiker).

Textbeispiele:
Kapitel 3: Das Chi hat keine Form, keinen Klang, keine Farbe, keinen Geruch. Es kann nicht berührt werden. Doch es ist die Kraft, der Beginn und das Ende aller Wesen. Das Chi und das Tao formen einander - wie der Himmel die Erde bedeckt und wie die Erde den Himmel trägt.
Aus Kapitel 15: Doch wie gelangt man zur Mitte des Tao? ... Man findet den Weg nur, wenn man andere Menschen und Wesen achtet. Wer andere zu achten weiss, weiss auch sich selbst zu achten. Und nur wer mit dieser Achtung lebt, wird Liebe und Fürsorge bei anderen verbreiten. Dann wird auch die Mitte des Tempels des Tao gefunden.

(Zur Ergänzung: Tao = "die einzige Wirklichkeit", das Numinose, das Göttliche.)


Mystik: Den inneren Raum entdecken (HERDER spektrum)
Mystik: Den inneren Raum entdecken (HERDER spektrum)
von Anselm Grün
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

41 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Christ der Zukunft, 20. April 2010
Das Buch ist sehr interessant für Menschen, die sich einen Überblick über die christliche Mystik verschaffen wollen.
Viele Menschen, die Gott "erleben" möchten, aber mit der christlichen Kirche nichts anfangen können, wenden sich oft den mystisch geprägten östlichen Religionen zu und wissen vielleicht gar nicht, dass auch der christliche Glaube den Gottsuchenden, die Sehnsucht nach innerer Verwandlung und Heilung haben, verschiedene Wege anbietet.
Wer Gott erfährt, erfährt Freiheit. Er wird frei von der Abhängigkeit von Menschen, von ihrem Urteil und von ihren Erwartungen. Das war für die frühen Christen eine wesentliche Erfahrung.
Die Weisheit der christlichen Mystik findet man auch in der buddhistischen Zen-Tradition und im chinesischen Taoismus. Auch hier erfährt man: Wer sich auf das Gewöhnliche, Alltägliche einlässt, ohne sich selber interessant zu machen oder sich über andere zu stellen, der ist wahrhaft frei, da er mit Gott und mit sich selbst im Einklang ist.
Die mystischen Erfahrungen aller Weltreligionen (Buddhismus, Hinduismus, Islam, Judentum und Christentum) sind einander sehr ähnlich; sie unterscheiden sich lediglich durch die Interpretationen des jeweiligen Kulturkreises. Die mystische Erfahrung des Einswerdens mit Gott verbindet alle Gläubigen der Welt: "Die Mystik ist daher ein ökumenisches Thema" (Karl Rahner).
Das Buch beschäftigt sich in klarer Sprache mit verschiedenen westlichen Mystikern, wie zum Beispiel Bernhard von Clairvaux, Meister Eckehart, Johannes Tauler, Theresa von Avila, Karl Rahner... Ausserdem wendet es sich auch der kritischen Einstellung der Psychologie gegenüber der Mystik zu (Sigmund Freud).
C. G. Jung war aber der Meinung, dass die eigentliche Heilung des Menschen erst dann geschieht, wenn er den Zugang zum Numinosen, zum Göttlichen findet. Ohne die Beziehung zum Göttlichen heilen die Wunden nicht wirklich.
Nur wenn Gott in mir wohnt, komme ich wirklich in Berührung mit dem wahren Selbst.
Zum Schluss ein Zitat von Karl Rahner: "Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein oder er wird nicht sein".
Das Buch ist sehr empfehlenswert.


Anders von Gott reden
Anders von Gott reden
von Willigis Jäger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das wahre Wesen des Menschen erkennen, 2. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Anders von Gott reden (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch von Willigis Jäger sehr schön und tröstlich gefunden. Es werden verschiedene Stellen aus der Bibel (auch aus den mystisch getönten apokryphen Evangelien) zitiert und aus der zen-buddhistischen Weltsicht erläutert.
Die Aufgabe der Religionen wäre es, den Menschen das Erkennen ihres göttlichen Wesens zu vermitteln. Das heisst, das Erkennen, dass sich das göttliche Urprinzip in allen Formen der Schöpfung manifestiert. Es offenbart sich im Baum als Baum, im Tier als Tier und im Menschen als Mensch. Dieses unwandelbare Urprinzip, das wir "Gott" nennen, lebt in allen Formen.
Nur wenn sich der Mensch mit dem zeit- und raumlosen göttlichen Urgrund allen Seins als eins erfährt, ist er befreit von der Last der Zeit, von seinen Sorgen und der Angst vor dem Tod. Nur die Erfahrung dieser Einheit befreit wirklich. Es geht um die Entbindung aus der fast symbiotischen Einheit mit unserer Ego-Struktur (Die Mystik in Ost und West nennt dies "Absterben").
Wer sein tiefstes Wesen wahrnimmt, fühlt, dass es Geburt und Tod nicht gibt. Das ist die Kernaussage jeder echten mystischen Erfahrung. Das Sterben bedeutet nur Übergang in eine neue Existenzform. Eine solche Erkenntnis setzt den "Ich-Tod" (Ego-Tod) voraus - was heisst: Wir müssen aus unserem Inneren alle Gedanken und Regungen wie Gier, Habsucht, Neid, Zorn, Rache, Stolz, Trägheit, Lieblosigkeit herausschneiden.
Unser Leben ist das Leben dieses göttlichen Prinzips.
Ein wichtiges Kapitel des Buches ist dem Thema "Leid" gewidmet: Das Leiden und die Unsicherheiten in unserem Leben, so schmerzhaft und bedrückend sie auch sind, lehren uns und führen uns zur Reife. Sie sind die Voraussetzung für unser Wachsen. "Leid ist das schnellste Pferd zu Gott" (Meister Eckehart).
Ich finde das Buch empfehlenswert.


Die Welle ist das Meer: Mystische Spiritualität (HERDER spektrum)
Die Welle ist das Meer: Mystische Spiritualität (HERDER spektrum)
von Willigis Jäger
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mystische Spiritualität - verständlich erläutert, 31. Januar 2009
In seinem Buch weist Willigis Jäger auf den Unterschied zwischen der konventionellen Theologie und der Mystik hin. Er wendet sich an Menschen, die zwar im christlichen Kulturkreis stehen, sich aber der Kirche nicht zugehörig fühlen, sich nicht an eine Konfession gebunden wissen, vielleicht auch nicht getauft worden, wohl aber tief religiös sind.
Willigis Jägers Bestreben geht dahin, bei einem Grossteil unserer alltäglichen Verrichtungen die ihnen innewohnende Spiritualität wieder zu entdecken und ernst zu nehmen. Denn erfahrbar ist Gott "beim Herdfeuer oder im Stalle" (wie Meister Eckehart sagt) und nicht im Korsett der Konfessionen. Das eigentliche Ziel der Religionen wäre eine Spiritualität, die über das Konfessionelle hinausführt, die auf der eigenen mystischen Erfahrung und nicht auf einem Glaubensbekenntnis beruht.
Die mystische Erfahrung (= das Eintauchen in das kosmische, transmentale und transpersonale Eine) ist aber nur durch die Zurücknahme des Egos möglich (= der "mystische Tod"). Ein echtes Verstehen der Wirklichkeit (= des Göttlichen) setzt das Überwinden der Fixierung auf die "Ich-Individualität" voraus, wobei sich das Ich bloss als ein Organisations- und Funktionszentrum für unser irdische Leben erfährt.
Wie sich die dogmatischen Religionen den Menschen, die das Göttliche erfahren möchten, in den Weg stellen und ihnen so die Sicht versperren können, beschreibt Willigis Jäger sehr eindrücklich in einer Metapher (Seite 60, unten):
"Eine Religion ist zu vergleichen mit dem Mond, der die Erde bei Nacht erleuchtet, sein Licht aber von der Sonne erhält. Wenn der Mond zwischen Sonne und Erde tritt, gibt es eine Sonnenfinsternis. Ähnlich ist es mit der Religion. Die Sonne ist das Göttliche. Es strahlt die Religionen an, damit sie dem Menschen auf seinem Weg leuchten. Wenn sich aber eine Religion zu wichtig nimmt und sich zwischen Gott und den Menschen schiebt, verdunkelt sie Gott. Es gibt eine Gottesfinsternis. Dazu tendieren alle Religionen..."
Das Buch ist sehr aufschlussreich und empfehlenswert.


Die ewige Philosophie: Philosophia perennis
Die ewige Philosophie: Philosophia perennis
von Aldous Huxley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

54 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die immerwährende Philosophie, 27. Dezember 2008
Die Philosophia perennis (= die immerwährende Philosophie) beschreibt die Beziehung zwischen den Menschen, der Natur und der "einzigen Wirklichkeit" (= dem Numinosen = dem Göttlichen).
Die immerwährende Wahrheit kann man mit der Ratio und der Logik nicht direkt erreichen, sie beruht auf einer Seins-Erfahrung, die von den grossen spirituellen Lehrern, Religionsgründern, Mystikern, Philosophen und einigen Naturwissenschaftern wahrgenommen wurde. Sie wird "immerwährend", "ewig", "universell", "absolut" genannt, weil diese Seins-Erfahrung praktisch in allen Kulturen und Zeiten zu finden ist.
Das Buch "Die ewige Philosophie" von Aldous Huxley beinhaltet vor allem Zitate von grossen Denkern aus verschiedenen Zeitepochen (zum Beispiel: Buddha, Meister Eckhart, Franz von Sales, Johannes von Kreuz, Theresa von Àvila, Thomas von Aquin, William Shakespeare, L. Tolstoi, Krishnamurti, Lao-Tse und viele andere). Es werden auch Zitate aus der Bibel, Bhagavadgita, Dhamapada, Nachfolge Christi, Theologia Deutsch usw. zitiert, kommentiert und erläutert.
Die Philopophia perennis will uns zeigen, dass wir in dieser Welt leben und sterben, ohne uns des aussergewöhnlichen Potentials bewusst zu sein, mit dem wir ausgestattet sind: "Gott will nur eines von dir: dass du als Geschöpf aus dir hinaustrittst und Gott in dir sein lässt" (Meister Eckhart).
Wir sind als Menschen durch unsere Aktivitäten so abgelenkt und so in sie verfangen, dass wir dem Göttlichen in uns verschlossen bleiben, anstatt uns zu öffnen und auf die Natur der Dinge zu horchen: "Gott hat dir nicht das Wirken Seiner Liebe entzogen, sondern du hast Ihn deiner Mitarbeit beraubt" (Franz von Sales).
Huxley zitiert aus verschiedenen Quellen und entwirft ein Bild vom Ziel, zu dem wir hinstreben sollten. Wir erfahren, dass die höchste Gnade in einem ununterbrochenen vollständigen Kontakt mit unserem tiefsten Selbst, unserem wirklichen Ich (dem Tao, dem Atman) liegt, so dass wir über uns hinauswachsen und Teil eines grösseren Bereichs von Bewusstsein, des Göttlichen Urgrunds werden. Dies ist nach der Philosophia perennis die eigentliche Bestimmung des Menschen.
Das Buch ist gut und verständlich geschrieben. Einige Abschnitte behandeln komplizierte, tiefgründige, philosophische Gedanken, so dass man etwas langsamer lesen muss, um folgen zu können. Das einzige, was mich gestört hat, waren die relativ vielen Fremdwörter - man muss deshalb ab und zu zum Fremdwörterbuch greifen.
Insgesamt halte ich es für ein sehr gutes, faszinierendes Buch, das ich jedem an Spiritualität interessierten Leser empfehlen kann.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 20, 2011 9:59 PM MEST


Aufbruch in ein neues Land: Erfahrungen eines spirituellen Lebens (HERDER spektrum)
Aufbruch in ein neues Land: Erfahrungen eines spirituellen Lebens (HERDER spektrum)
von Christoph Quarch
  Taschenbuch

23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verschiedene Wege zum gleichen Gipfel, 26. Oktober 2008
Dies ist das erste Buch von Willigis Jäger, das ich gelesen habe, und es hat mich sehr angesprochen. Dem Benediktinermönch und Zenmeister Willigis Jäger wurde von Rom das Rede- und Schreibverbot auferlegt und ihm vorgeworfen, dass er seine persönlichen mystischen Erfahrungen über die "Glaubenswahrheiten der Kirche" stelle. Dieser Vorwurf ist aber unberechtigt. Jede Religion beruht auf zwei Säulen: der Theologie und der Mystik. Nun steht die theologische Säule (= Dogmatik) im Glaubensgebäude der Christenheit sehr fest, die Mystik (= religiöse Erfahrung) kommt jedoch zu kurz. Es wäre aber wichtig, dass beide Säulen korrespondieren und sich wechselseitig stärken; wo das geschieht, nutzt es dem gesamten Gebäude, und es kann wachsen. Die mystischen Erkenntniswege sind das wesentliche Element jeder Religion.
Willigis Jägers Anliegen ist es, dem Menschen von heute die alten Wahrheiten neu zu erschliessen. Sehr viele haben der Kirche den Rücken gekehrt, da die Dogmatiker und Fundamentaltheologen mit einem grossen Wortaufwand und einer immer künstlicher werdenden Sprache an den Menschen vorbeireden.
Durch die Dominanz des Ich kam es zu einer Abspaltung von unserem wahren Wesen. In Wirklichkeit gibt es kein von Gott getrenntes Ich. Ein wichtiger Schritt in der Evolution des Bewusstseins der Menschen ist die Erfahrung der Einheit und der Ganzheit. Das nennt die Mystik das "Sterben des Ich". Dies ist nur über die Zurücknahme der Ich-Abspaltung möglich.
Willigis Jäger geht es darum, dass der Mensch die Wirklichkeit, das heisst, die Einheit erkennt, in die er eingebettet ist: Wenn ich erfahre, wer ich wirklich bin, dann erkenne ich meine Einheit mit der Urwirklichkeit, die wir Gott nennen. Ich bin wie die Masche eines Netzes. Eine Masche allein macht keinen Sinn, erst in der Einheit und der Aufgehobenheit mit den anderen Maschen bildet sich ein sinnvolles Netz.
Jenseits der Konfessionen wird die "eine Wahrheit" erfahren, die von den einzelnen Religionen zwar verschieden benannt wird, aber letztlich die "eine Wahrheit" ist, die am Ende jeder Suche steht. Die Religionen gleichen so den Aufstiegsrouten an einem Berg: Man kann den Berg "Religion" von verschiedenen Seiten angehen. Es gibt steile Aufstiege und gemächliche. Aber alle führen auf den Gipfel. Wer oben angekommen ist, wird nicht sagen, er oder andere hätten eine falsche Route genommen.
Dies und viele weitere Themen behandelt das Buch, das sich aus Rundbriefen an die Schülerinnen und Schüler aus den Jahren 1992 - 2003 zusammensetzt.


Bhagavadgita: Der Gesang Gottes. Eine zeitgemäße Version für westliche Leser
Bhagavadgita: Der Gesang Gottes. Eine zeitgemäße Version für westliche Leser
von Jack Hawley
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

84 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitlose Wahrheit, 14. März 2008
Die Bhagavadgita ist eine der zentralen Schriften des Hinduismus. Sie besteht aus drei Teilen von je 6 Kapiteln.
1. Teil: Erkennen des wahren inneren Selbst und selbstloses Handeln.
2. Teil: Das wahre Wesen Gottes.
3. Teil: Hier und jetzt Befreiung erlangen.
Die Bhagavadgita schlägt nicht vor, sich aus der Welt zurückzuziehen, um in einer entlegenen Höhle zu meditieren. Sie ist vielmehr eine Ratgeberin, mit deren Hilfe man hier und jetzt ein spirituelles Leben führen und dabei zugleich ganz aktiv in der Welt verbleiben kann. Beim Lesen pendelt man hin und her zwischen dem Weltlichen und dem Spirituellen, um dabei eine Brücke zu schlagen zwischen dem Erlangen von Erkenntnissen und deren Anwendung in der heutigen Welt.
Die ganze Schrift ist ein Dialog zwischen Krishna (Avatar, Gott) und seinem Freund Arjuna, einem Prinzen, der in den Krieg ziehen soll, aber mutlos ist. Krishna probiert, Arjuna zu überzeugen, dass er kämpfen muss, wobei der Leser bald merkt, dass der Krieg metaphorisch zu verstehen ist: als eine innere Schlacht mit den eigenen inneren "Dämonen". Wir erfahren, dass unsere wirklichen Feinde nicht draussen, sondern in unserem Inneren sind: unser Verlangen, unser Zorn und alle unsere Begierden; sie gilt es zu bekämpfen.
Diese Version der Bhagavadgita ist sehr angenehm zu lesen, da sie in Prosa verfasst und somit für westliche Leser leichter verständlich ist; die Sprache ist aber trotzdem poetisch geblieben.
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Jesus - der  Zenlehrer: Das Herz seiner Lehre
Jesus - der Zenlehrer: Das Herz seiner Lehre
von Kenneth S Leong
  Taschenbuch

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine echte Bereicherung, 29. Februar 2008
Dieses Buch ist eine grosse Bereicherung für alle Menschen, die in unserer leistungsorientierten Welt Halt suchen.
Der Autor beschreibt auf eine bescheidene, nicht rechthaberische, Art verschiedene Aspekte des Lebens und zeigt dem Leser die vielen Entsprechungen zwischen dem Zen-Buddhismus und der Spiritualität Jesu auf.
Sowohl Jesus als auch Zen betonen die Wichtigkeit der Ausrichtung der Aufmerksamkeit nach innen und machen einem klar, dass das spirituelle Leben nichts mit dem Zurschaustellen von Äusserlichkeiten zu tun hat.
Die Religionen werden oft mit einem bestimmten System von Dogmen, Überzeugungen, Regeln und Ritualen gleichgesetzt. Als solche neigt die offizielle Religion dazu, formal, institutionell und politisch zu werden, was die Abkehr vieler heutiger Menschen zur Folge hat.
Die Spiritualität dagegen befasst sich mit dem, was in die Tiefe reicht und individueller Natur ist. Bei ihr geht es nicht um etwas, das uns von aussen auferlegt wird, sondern das wir von innen nach aussen tragen. Sie hat mehr mit dem Alltagsleben als mit dem Aussergewöhnlichen zu tun, mehr mit dem Gewöhnlichen als mit dem Besonderen.
Spiritualität ist Harmonie mit sich selbst, Harmonie mit anderen, Harmonie mit der Welt, Harmonie mit Gott.
Beim Zen und auch bei Jesus geht es darum, das Überflüssige und Vordergründige zu überwinden und zum wirklich Wichtigen vorzudringen: zur Selbsterkenntnis. Deshalb hat Jesus gesagt, das Reich Gottes sei in uns: man kann es aber nur im Zustand der Leere schauen, wenn das Herz nicht blockiert ist durch alle möglichen Fixierungen auf materielle, sinnliche, psychische, intellektuelle und sogar spirituelle Dinge. Hier zeigt sich die grösste Übereinstimmung zwischen den Lehren Jesu und dem Zen.
Der Autor erklärt an Hand verschiedener Gleichnisse aus den Evangelien, dass Jesus eine Zen-Buddhistische Denkweise und Lebenseinstellung hatte.
Ich kann das Buch ohne Einschränkung jedem spirituell interessierten Menschen empfehlen. Ich selbst habe es schon dreimal gelesen und jedes Mal fühlte ich mich danach innerlich reicher.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2011 1:54 PM CET


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