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Rezensionen verfasst von
Herbert Huber (Wasserburg am Inn, Germany)
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Galgenheck
Galgenheck
von Madeleine Giese
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

4.0 von 5 Sternen Unsere kleine Vorstadtsiedlung, 21. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Galgenheck (Gebundene Ausgabe)
Der Galgenheck ist eine deutsche Vorstadtsiedlung mit ein paar ganz „normalen” Paaren und Familien und ein paar Außenseitern. Im Laufe einer Woche kommen sich die Bewohner näher (eine Art Siedlungsfest wird geplant und durchgeführt). Jeden plagen andere Sorgen, wohl dosiert passiert Außerordentliches und Ungeheuerliches, aber am Ende der Woche läuft alles wie gewohnt. Die Scheiben müßten zerspringen, die Erde sich auftun, aber es regnet nur.
Bis die Personen eingeführt sind und vor allem, bis sie Konturen gewinnen, dauert es. Manche Charaktere bleiben holzschnittartig. Die Vorortkarawane nimmt nur allmählich Fahrt auf.
Der Trick mit wechselnden Erzählperspektiven ermöglicht es den Lesern sich ihre eigenen Urteile über die Darsteller zu bilden. Unzusammenhändende Bilder verdichten sich und zeigen ein Netz von Freundschaften, Ressentiments und Abneigung.
Dazwischen fügt die Autorin Ansichten des Kater Satans ein, der anscheinend niemandem gehört, zwischen den Häusern umher schleicht und die Leute beobachtet.
Die Einschübe aus der Innensicht eines Katers mögen noch angehen, zusammen mit den lehrsamen Tageseinleitungen übertrieb es die Autorin aber und schadete dem Fortgang des Romans.
Ab der Mitte des Romans verfolgt man den deutschen Siedlungsalltag mit seiner Alltäglichkeit und Absonderlichkeit mit steigendem Interesse und will erkunden wie letztlich alles zusammenhängt und ausgeht. Wem Thornton Wilder: „Unsere kleine Stadt” (bekam immerhin den Pulitzer-Preis) zusagte, kann „Galgenheck” zum Vergleich lesen.


Zur Geschichte des politischen Denkens: Denkweisen von der Antike bis zur Gegenwart
Zur Geschichte des politischen Denkens: Denkweisen von der Antike bis zur Gegenwart
von Dirk Lüddecke
  Broschiert
Preis: EUR 49,95

4.0 von 5 Sternen Gut gelungen, aber für lesende Laien zu speziell, 21. November 2014
Der vorliegende Sammelband ist dem politischen Denker und akademischen Lehrer Henning Ottmann gewidmet. Er lehnt sich an dessen neunbändige Geschichte des politischen Denkens an und will sie ergänzen. Das ist gut gelungen: aus ganz verschiedenen Perspektiven werden Aspekte des politischen Denkens von Platon bis heute ausgeleuchtet.
Viele der elf Beiträge sind historisch und ideengeschichtlich orientiert. Sie greifen verschiedene Darstellungsformen auf, wie z.B. Satire, Reiseberichte und Autobiographie auf.
Markus Schütz zeigt in „Social Media vs. Wahlzettel: Demokratie als Institution” die stärkste Relevanz zur Gegenwart. Als wichtige Komponenten einer wirklichen Demokratie arbeitet Schütz heraus:
* Macht– und Herrschaftsbegrenzung
* Rechts- und Sozialstaatlichkeit
* Pluralismus
* Volkssouveränität
* Bürgerschaftliche Partizipation
Fehlen diese Merkmale ist der Staat nicht demokratisch. Jeder Leser mag selbst beurteilen, welche Merkmale in den modernen Demokratien fehlen oder nur noch rudimentär ausgeprägt sind. Auf die im Aufsatztitel versprochenen Social Media geht der Beitrag aber kaum ein.
Für Politikwissenschaftler werden sicher viele neue Sichtweisen und Zusammenhänge aufgezeigt. Für lesende Laien sind die meisten Beiträge wohl zu speziell und damit nur selektiv aufschlussreich.


Alle Galgenlieder
Alle Galgenlieder
von Christian Morgenstern
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 28,00

5.0 von 5 Sternen Die Galgenlieder in der ultimativen Ausstattung, 18. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Alle Galgenlieder (Gebundene Ausgabe)
Dieser Gedichtsammlung setzte der Autor das Motto „Im ächten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen“ voraus. Viele Galgenlieder spielen mit Begriffen und Spache allgemein.
Die Sammlung erschien im März 1905 und erhielt sich großenteils ihre Frische, ja man schätzte den Wert im Laufe der Jahrzehnte immer höher. Was für den Zeitenlauf allgemein gilt kann man auch an sich selbst feststellen. Wann immer man sich ein Gedicht daraus vorliest, wird man sich erfreuen und oft neue Gedanken und Ideen schöpfen. Das gilt sogar für diejenigen Leute, die ansonsten mit Gedichten nichts am Hut haben.
Die Galgenlieder findet man auch in zahlreichen anderen Ausgaben und natürlich auch im Web. Warum dann diese Ausgabe? Sie wurde mit lustigen und ebenso nachdenklichen Zeichnung von Hans Ticha illustriert. Die Ausstattung mit Leinenrücken und Leseband ist für den Kenner und Liebhaber. Dazu gibt es keine Alternative.
Wer Morgensterns Galgenlieder kennt wird diese Ausgabe hoch schätzen.
Wer sie noch nicht kennt, hat hier die Gelegenheit und zwar in der ultimativen Ausstattung.
Das Buch enthält nicht nur Gedichte, es ist selbst eines.


Epistemic Norms: New Essays on Action, Belief, and Assertion
Epistemic Norms: New Essays on Action, Belief, and Assertion
von Clayton Littlejohn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 54,28

5.0 von 5 Sternen Zum Verständnis ist intellektueller Aufwand unabdingbar: es lohnt sich., 18. September 2014
Die Aufsätze dieser Sammlung antworten auf die Fragen: Was müssen wir beachten um den Normen für Glauben, Abwägung und Zusicherung gerecht zu werden? Welche Normen sind für daraus folgende Handlungen maßgeblich?
Der Sammelband beginnt mit einer Einführung in die Problematik durch die beiden Herausgeber Clayton Littlejohn und John Turri. Sie stellen jeden der folgenden Beiträge inhaltlich kurz vor. Es folgen dreizehn Aufsätze, die ganz unterschiedliche Positionen beziehen:
Clayton Littlejohn & John Turri: Introduction
1 Berit Brogaard: Intellectual Flourishing as the Fundamental Epistemic Norm
2 E. J. Coffman: Lenient Accounts of Warranted Assertability
3 Juan Comesaña and Matthew McGrath: Having False Reasons
4 Jonathan Dancy: On Knowing One's Reason
5 John Gibbons: Knowledge versus Truth
6 Jonathan L. Kvanvig: Epistemic Normativity
7 Clayton Littlejohn: The Unity of Reason
8 Duncan Pritchard: Epistemic Luck, Safety, and Assertion
9 Ernest Sosa: Epistemic Agency and Judgment
10 John Turri: You Gotta Believe
11 Matt Weiner: The Spectra of Epistemic Norms
12 Daniel Whiting: Reasons for Belief, Reasons for Action, the Aim of Belief, and the Aim of Action
13 Sarah Wright: The Dual-Aspect Norms of Belief and Assertion: A Virtue Approach to Epistemic Norms
Ein Index erschließt die Beiträge.
Für das Verständnis der Beiträge reicht die kurze Einführung nicht aus. Man sollte zumindest das Kapitel „Assertion” (S. 238–269) in Timothy Williamson (2000): „Knowledge and Its Limits” durchgearbeitet haben, besser das ganze Buch, damit man Williamsons Argumentationsgang überblickt. Vorbereitend empfehle ich noch Patrick Greenough, Duncan Pritchard, Hg. (2009): „Williamson on Knowledge”.
Alle Beiträge haben ein anspruchsvolles Niveau. Das sollte niemand von der Lektüre abhalten, da die übergreifende Frage: „Was soll ich glauben?” wirklich alle angeht, man denke nur an die Flut von Verschwörungstheorien im Web und anderen Medien. Ganz nebenbei wird dem Leser vorgeführt, wie kontrovers im philosophisch–akademischen Bereich diskutiert wird. Es gilt immer: Lasst die Argumente sprechen!
Wer an der neuesten epistemischen Forschung interessiert ist findet hier dreizehn einzeln lesbare, aufschlussreiche Beiträge. Zum Verständnis ist allerdings einiger intellektueller Aufwand unabdingbar: es lohnt sich.


Schuldlos tot. Ein Hamburg-Harburg-Krimi
Schuldlos tot. Ein Hamburg-Harburg-Krimi
von Angela L. Forster
  Broschiert
Preis: EUR 13,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zahlreiche handwerkliche Schwächen, 8. August 2014
In einer Hamburger Tierarztpraxis wird Regine Carlsen tot aufgefunden, bestialisch ermordet. Ihr Mann, der Tierarzt Volker Carlsen und seine Kollegin Brigitte Made wurden schwer zusammengeschlagen leben aber noch. Auf einer Trennglasscheibe in der Praxis steht „S. Sine Culpa”. Petra Taler, aus Bayern zugezogene Kommissarin, registriert im Umfeld der Praxis heftige Demonstrationen gegen Landverbrauch. Sie stößt auch auf abscheuliche Tierexperimente.
Hervorragendes Umfeld für einen spannenden Krimi. Der sich allmählich enthüllende Hintergrund des Falls ist ja auch einigermaßen gut konstruiert. Doch Spannung kommt nur selten auf.
Die Einteilung in kurze Schnitte (148 Kapitel und Prolog und Epilog) will Tempo erzeugen, doch das gelingt nicht: die Schnitte sind oft willkürlich. Das Schneckentempo der Ermittlungen kann damit kaum kaschiert werden. Man stimmt am Ende der Lektüre Petra zu, der klar wurde, dass der Fall ebenso kompliziert endet, wie er angefangen hat (S. 284).
Das hat zahlreiche Gründe, von denen hier nur wenige genannt werden.
Die Krimihandlung verzettelt sich in zu viele Nebenschauplätze. Sie wird durch viele überflüssige oder gar unglaubwürdige Kapitel weiter zerdehnt. So wird in einem (wenn auch nur zweiseitigen) ganzen Kapitel beschrieben, wie Petra ihr Haus verläßt.
Viele Verhördialoge werden detailliert wörtlich wiedergegeben. Das erzeugt keine Spannung sondern ermüdet den Leser. Beispiele erspare ich dem Leser dieser Besprechung.
Ich weiß nicht, wie man in Hamburg alltagssprachlich redet. Mir erschienen viele Dialoge ziemlich verquer. Hierzu gebe ich ein Beispiel. Petra zu ihrem Assistenten: „Ich denke, die Täter kannten Carlsen und Made und wussten der abendlichen Machenschaften.” Selbst wenn man in Hamburg so gestelzt redet (ich bezweifle es): Petra zog vor kurzem aus Bayern zu. Das wird als lokalfremder Kolorit oft hervorgehoben. Kaum jemand in Bayern würde so reden.
Die Konstruktion des Krimifalls in bester Hamburger Gegend ist kompliziert aber gut ausgedacht. Doch zahlreiche handwerkliche Schwächen lassen den Erzählstrom zerfließen. Wenige treffende Stegreif-Szenen retten nicht.


God's Country
God's Country
von Ilija Trojanow
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaubwürdig und damit glaubwürdige Westernpersiflage, 8. August 2014
Rezension bezieht sich auf: God's Country (Gebundene Ausgabe)
Es beginnt wie in einem typischen Westernfilm. Jock Marder beobachtet aus der Ferne, wie Banditen, die sich als Indianer verkleidet hatten, sein Haus niederbrennen, seine Frau kidnappen und seinen Hund töten.
Es wird ein „running gag”, dass er – wann immer er die Geschichte später erzählt – wegen des getöteten Hunds bedauert wird.
Jock Marder will nicht so sehr seine Frau wiederfinden als die Banditen bestrafen. Dazu heuert er den besten Fährtensucher an, den Afroamerikaner Bubba. Jock erweist sich als Hasadeur: beim Pokern verliert er sein Landstück, das er eignetlich Bubba als Preis für seine Dienste versprochen hatte.
Es folgt eine Road Movie Jahrgang 1871 auf Pferden, auf Mulis und zu Fuss, sehr turbulent und mit witzigen Dialogen. Es tauchen so ziemlich alle aus dem Western bekannten Stereotypen auf.
Natürlich baut der Englisch Professor an der University of Southern California Percival Everett jede Menge literarische und historische Bezüge ein. So wird Jock Marder gezwungen, für sich und sein Pferd zwei Gruben auszuschaufeln, darin werden sie bis zum Hals eingegraben: Becketts „Happy Days” aus dem Jahr 1960 läßt grüßen.
Dem Zweigespann Jock und Bubba schließt sich der angeblich sechzehnjährige Jake an, der sich als Bub ausgibt, sich aber später als Mädchen herausstellt: ein Topos bekannt aus Film und Roman.
Die historische und schillernde Gestalt des Colonel George A. Custer gibt sich im Roman die Ehre. Das Indianerproblem formuliert er so: „Der Barbar als solcher achtet den Grundbesitz nicht, will meinen, wir eignen uns das Land an, und die wollen es zurück, lassen nicht locker.”. Die Leser lachen, aber das Lachen sollte im Hals stecken bleiben, wenn man sich an ähnliche zeitgenössische Vorurteile und Rassismen erinnert, so gab die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis in einer TV-Show bei Michel Friedmann noch im Jahre 2010 kund: "Der Schwarze schnackselt gerne!" und deshalb sollte man die Frauen besser wegsperren, wenn Bubba in der Nähe ist.
Immerhin bringt Colonel Custer seinem Gast Jock Marder das Schachspielen bei. Ein Mann von solch hoher Kultur adelt natürlich auch seine rassistischen Vorurteile. Auch das ein Stereotyp: der moralische Barbar pflegt höchste Kultur.
Wer sich auf einen echten Western eingestellt hat muss schon nach wenigen Seiten umdenken. Wem das nicht gelingt muss zum nächsten Kiosk gehen. Da gängige Western selten glaubwürdig sind ist es auch diese Persiflage konsequenterweise nicht.
Bubba ist die einzige integre Figur des Westernspektakels. Alle anderen sind allenfalls Maulhelden. Bubba ist aber der einzige, der „dank” seiner Hautfarbe kein Held sein kann. Das bringt Percival Everett in der Schlussszene auf die Spitze. Diese verrate ich hier nicht, obwohl God's Country nicht davon abhängt. Sie ist aber ein bizarres Sahnehäubchen nach vergnüglichen Lesestunden.
Es wird ständig beklagt, dass es an humorvollen Romanen mangelt. Hier ist ein kurzweiliger, witziger Klamauk im besten Sinne, hervorragend übersetzt, der zudem bewirkt, dass die Leser über das Verhältnis der unterschiedlichen Menschen, ihren Umgang miteinander und die „political correctness” in Romanen, die in der Vergangenheit spielen, nachdenken.


Max Weber-Handbuch: Leben - Werk - Wirkung
Max Weber-Handbuch: Leben - Werk - Wirkung
von Hans-Peter Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 59,95

5.0 von 5 Sternen Eine Fundgrube für Laien und Studierende, 13. Juli 2014
Zum 150. Geburtstag von Max Weber erschienen etliche Biografien, neue Bände der Max Weber-Gesamtausgabe und das Max Weber-Handbuch in der bewährten Reihe zu großen Persönlichkeiten im Verlag Metzler. Gemäß deren Anspruch darf man einen fundierten Sammelband über das Leben, Werk und Bedeutung Max Webers erwarten. Der Anspruch wird voll eingelöst.
Die beiden Herausgeber Dr. Hans-Peter Müller, Professor für Allgemeine Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Dr. Steffen Sigmund, Mitarbeiter im Max-Weber-Institut für Soziologie in Heidelberg und vertretender Professor für empirische Makrosoziologie sind ausgewiesene Max Weber-Kenner. Sie haben über 40 Autorinnen und Autoren für Beiträge gewonnen.
Der Sammelband gliedert sich in fünf Abteilungen
I Zur Biografie: Person und Werk (4 Beiträge)
II Begriffe (41 Beiträge von „Arbeit und Beruf” bis „Wirtschaft”)
III Werke und Werkgruppen (31 Beiträge)
IV Diskussion (10 Beiträge)
V Anhang (mit Zeitafel und Registern)
Die Themen des Weberschen Werks umspannen eine gewaltige Breite: Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Politik, Wissenschaftslehre, Religionssoziologie, Recht, Ethik, Nationalstaat, Kultur, Wirtschaft, Globalisierung, Säkularisierung, Kapitalismus, um nur die wichtigsten zu nennen. Weber hat sich einen enormen Wissensvorrat angelesen und verfügte über ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Das ermöglichte es ihm zahlreiche Verknüpfungen seiner Interessensgebiete zu ziehen, die er dann fleißig zu Papier brachte.
Hervorragend für interessierte Laien ist die Abteilung II mit zahlreichen Einführungen in die wichtigen Begriffe im Werk Max Webers.Sie sind zum Verständnis unumgänglich, da Begriffe dem zeitlichen Wandel unterliegen.
Jeder Beitrag hat ein eigenes Literaturverzeichnis., im Anhang wird dies durch eine umfangreiche Bibliografie ergänzt.
Die Max Weber-Gesamtausgabe und die Max Weber-Studienausgabe liegen in zahlreichen Bänden inzwischen fast vollständig vor. Sie bleiben Studierenden, Forschern und Spezialisten vorbehalten.
Das Max Weber-Handbuch dagegen ist für diejenigen bestens geeignet, die über die Biografien hinausgehend eine Gesamtdarstellung zu Mensch, Werk und Wirkung auf dem neusten Forschungsstand studieren wollen. Es ist sorgfältig aufbereitet, eine Fundgrube für Laien und Studierende zugleich.


Tortillas, Tapas und Toxine: Eine kulinarische Krimi-Anthologie
Tortillas, Tapas und Toxine: Eine kulinarische Krimi-Anthologie
von Ingrid Schmitz
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für Freunde skurriler Kurzkrimis sehr zu empfehlen, 13. Juli 2014
In „Tortillas, Tapas und Toxine”, Untertitel „Eine kulinarische Krimi-Anthologie” präsentiert die Herausgeberin Ingrid Schmitz nach „Muscheln, Mousse und Messer” und „Porridge, Pies and Pistols” zum dritten Mal nach bewährtem Muster sechzehn Kurzkrimis. Schauplatz sind das spanische Festland und die spanischen Inseln. Hauptakteure sind meist ausgewanderte Deutsche oder deutsche Urlauber.
Nach prallem Auftakt durch „Die Pilgerreise” von der Krimiautorin Lilo Beil, etwas konstruiert, aber vergnüglich und mit einem lesenswerten Schluss, folgte für mich ein Reinfall. „Rompeculos” von Raoul Biltgen war mir zu herbeigeholt und abgefahren. Auch die Hippieszenerie im folgenden „Tamborranda” fesselte mich nur mäßig. Doch bloß nicht weglegen!
Es folgen drei erlesene Krimiköstlichkeiten und ein Höhepunkt der Anthologie: Henrike Madest: „Der Ziegenbaron“. Roald Dahl rotiert im Grab vor Freude. Auch die beiden folgenden Erzählungen: Heidi Moor-Blank: „Pinchos de Pollo” und Renate Müller-Piper: „Besuch von Bubo” unterhalten kurzweilig und überraschend. Eine erstklassige Pointe bietet dann wieder – nach etwas langem Erzählanlauf – „Das Formentera-Schwein” von Niklaus Schmid. Der Kurzkrimi der Herausgeberin „All inclusive” und das folgende „Spanien sehen – und sterben?” gefielen mir gut. Am Ende folgt der zweite Höhepunkt dieser Sammlung: Klaus Stickelbroeck empfiehlt sich mit „Malheur auf Mallorca” für weitere Lektüre aus seiner Feder.
Die jeweils bei jeder Story angeführten Rezepte interessierten mich nicht die Bohne.
Im Anhang folgen Kurzporträts aller Autor(inn)en. Dort suchte ich mir einige Folgekrimis aus, ganz oben auf der Liste Henrike Madest und Klaus Stickelbroeck, sowie Marcus Imbsweiler, Tatjana Kruse, Jens Luckwaldt.
Bei sechzehn Kurzkrimis können nicht alle für jeden Leser erste Sahne sein. Immerhin elf überzeugten.
Für alle Krimifreunde sehr zu empfehlen. Liebhaber von auserlesenen Rezepten haben noch einen weiteren Grund diese Kurzkrimisammlung zu durchschmökern.


The Aim of Belief
The Aim of Belief
von Timothy Chan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 59,97

5.0 von 5 Sternen Kontroverse Diskussion um das Ziel der Überzeugungen, 29. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: The Aim of Belief (Gebundene Ausgabe)
Wahre Überzeugungen und das Vermeiden falscher sind die Ziele der Erkenntnis. Dies gilt besonders in der Wissenschaft. Es gilt aber auch grundsätzlich. Weit verbreitet wird es als das epistemische Ziel angesehen, wahre Aussagen anzunehmen und falsche zu vermeiden, wenn die zugrundeliegenden Aussagen uns betreffen.
Das Ziel der Überzeugung ist daher wohl die Wahrheit. Oder doch nicht?
In zehn extra für diesen Sammelband verfassten Aufsätzen wird dieser Frage nachgegangen. Die Einleitung des Herausgebers Timothy Chan führt hilfreich in die Fragestellung ein. Er muss zunächst den Lesern klarmachen, dass es dazu eine Vielzahl von Problemen gibt. Nicht nur das „zielen” kann man unterschiedlich auffassen. Im zweiten Teil seiner Einführung stellt Chan jeden einzelnen der Beiträge kurz vor.
Die Aufsätze:
1 Timothy Chan: Introduction: Aiming at Truth
2 Paul Horwich: Belief-Truth Norms
3 Pascal Engel: In Defense of Normativism about the Aim of Belief
4 David Papineau: There Are No Norms of Belief
5 Kathrin Glüer & Åsa Wikforss: Against Belief Normativity
6 Krister Bykvist & Anandi Hattiangadi: Belief, Truth and Blindspots
7 Ralph Wedgwood: What is The Right Thing to Believe?
8 Jonathan Adler & Michael Hicks: Non-Evidential Reasons to Believe
9 Andrew Reisner: Leaps of Knowledge
10 Daniel Whiting: Nothing but the Truth: On the Norms and Aims of Belief
11 Asbjørn Steglich-Petersen: Truth as the Aim of Epistemic Justification
Da die Überzeugung eng mit Wissen und verbaler Äußerung einer Behauptung zusammenhängt, werden neben Problemen der Erkenntnistheorie auch solche der Sprachphilosophie, der Handlungstheorie, der Meta-Ethik und der theoretischen Philosophie behandelt. Die 14 Autorinnen und Autoren sind kompetente Vertreter ihres Fachs. Alle Aufsätze sind tiefschürfend, argumentativ aufgebaut und beantworten die Fragen sehr kontrovers.
In gewisser Hinsicht stimmen fast alle Autoren überein: Ein Subjekt S sollte von p nur dann voll überzeugt sein, wenn p wahr ist. In anderer Hinsicht sollte S aber nur dann von p überzeugt sein, wenn er für p ausreichende Gründe hat. Und entspricht beides zusammen nicht der Wissensnorm für Überzeugungen, nach der S von p nur dann voll überzeugt sein soll, wenn er p weiß?
Wen die angesprochenen Fragen interessieren und wer dazu unterschiedliche Standpunkte kennenlernen will, der greife zu diesem ausgezeichneten Sammelband. Zurecht steht er bereits auf der Leseliste zahlreicher philosophischer Seminare.


Richard Strauss-Handbuch
Richard Strauss-Handbuch
von Walter Werbeck
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 79,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rundum gelungenes Fachbuch, 14. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Richard Strauss-Handbuch (Gebundene Ausgabe)
Zum 150. Geburtstag von Richard Strauss gab der Musikwissenschaftler Walter Werbeck ein Handbuch über den umstrittenen Komponisten und seine Werke heraus. Zusammen mit dem Herausgeber haben 26 Musikwissenschaftler dazu beigetragen. Obwohl der Spagat zwischen neuester Forschung und Handreichung für den interessierten Musikfreund etwas zugunsten der Forschung ausfiel kommen alle auf ihre Kosten.
Die 26 Beiträge im Hauptteil gliedern sich in diese Abteilungen:
* Dirigent, Standesvertreter, Geschäftsmann
* Ästhetische Positionen
* Kompositorische Arbeit
* Opern und Ballette
* Vokalmusik
* Instrumentalmusik
* Wirkung
Die in der Handbuchreihe des J.B. Metzler Verlags üblichen akribischen Verzeichnisse und Register runden das Werk ab.
Schon in der Einleitung wird ein vielseitiges Bild des Komponisten und Dirigenten gezeichnet. Zu seinen Lieblingsbeschäftigungen zählte das Kartenspiel. Vom Sport hielt er nicht offensichtlich nicht zu viel, das Skifahren hielt nur für norwegische Landbriefträger geeignet. Diese Vielseitigkeit Strauss' zieht sich durch das gesamte Handbuch.
Zu jedem Werk des Tondichters Strauss findet sich eine ausführliche Beschreibung. Die Opern nehmen dabei den breitesten Raum ein. Doch auch die Informationen zu den Liedern, Tondichtungen und anderen Instrumentalwerken sind umfangreich.
Gelegentlich bringt es die Sache mit sich, dass der Nichtmusikologe kurz aussteigen muss. In verschiedenen Beiträgen wird über die Verstrickung des Komponisten mit der nationalsozialistischen Politik aufgeklärt.
Leider gibt es nur zu den Opern knappe diskographische Hinweise ohne Nennung der Kriterien für die Auswahl. Das ist aber das einzige verschmerzbare Manko des rundum gelungenen Handbuchs.
Beim Anhören der Werke Strauss', vor oder nach dem Konzert– oder Opernbesuch wird man das Handbuch gerne wieder zu Rate ziehen.


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