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Beiträge von Herbert Huber
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Rezensionen verfasst von
Herbert Huber (Wasserburg am Inn, Germany)
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Erkenntnistheorie: Lehrbuch Philosophie
Erkenntnistheorie: Lehrbuch Philosophie
von Baumann Peter Baumann Peter
  Broschiert
Preis: EUR 24,95

5.0 von 5 Sternen Reduziertes Lob, 1. August 2015
Autor und Verlag legen hier die dritte aktualisierte Auflage des Einführungswerks zur Erkenntnistheorie vor. Das Lob für die Erstauflage aus dem Jahre 2002 gilt unvermindert. Die Druck– und Flüchtigkeitsfehler wurden weitgehend ausgemerzt.
Beim erneuten Vertiefen fiel mir besonders das aufschlussreiche Kapitel „Der Begriff des Begriffs” auf. Damit kann man nicht nur Außenstehende verblüffen oder gar verärgern, sondern es ist andrerseits eine wichtige Grundlegung für die philosophische Diskussion, die in anderen Werken meist zu kurz kommt.
Für viele Lernende ist es vorteilhaft, dass Peter Bauman auf einen formalen Apparat weitgehend verzichtet. Er wird dadurch an kaum einer Stelle ungenau.
Allerdings fehlt in der Neubearbeitung ein Beitrag zur Formalen Erkenntnistheorie, die in den letzten Jahren mächtig an Bedeutung gewann. Ebenso fehlt ein Abschnitt über die „Wissen zuerst”–Richtung, die seit Timothy Williamson: Knowledge and Its Limits (2000) die erkenntnistheoretische Diskussion beherrscht. Dieses epochale Werk wurde zwar im Literaturverzeichnis berücksichtigt, Baumann bezieht sich aber nur einmal kurz darauf (S. 35).
Das überschwängliche Lob der Erstauflage gilt daher nur reduziert, für fünf Sterne langt es aber.


Relictio: Das Vermächtnis des Ketzers
Relictio: Das Vermächtnis des Ketzers
von Jacob Nomus
  Broschiert
Preis: EUR 15,90

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Beschreibung des Ablaufs eines Computerspiels für den, der's mag, 1. Juni 2015
Vier Hauptpersonen: Philipp Smiddlethorp und Daniel Treaghus in der Gegenwart und Giordano Bruno und Dante Alighieri in der Vergangenheit. Es beginnt sehr verstörend mit einer Vermenschlichung oder Beseelung von Philipps Oberlippenbehaarung, die seit Generationen das Spiegelproblem diskutierte. Das muss man schlucken, damit der Roman starten kann.
Der Start – nach kurzer Fehlzündung – ist dann verheißungsvoll: Philipp und Daniel sollen eine Hausarbeit über Giordano Bruno und Dante Alighieri schreiben. Doch die Verheißung läßt auf sich warten, Als die vom Autor gezündeten Vernebelungskerzen sich verflüchtigten und die Handlung allmählich Fahrt gewinnt wird Daniel das Computerspiel Relictio vorgeschlagen und er willigt (leider) ein. Nun folgt seitenweise die Beschreibung der Action innerhalb des Computerspiels. Sie enthält vieles, was ich an Computerspielen dieser Art nicht mag und so manche Science Fiction für mich schlecht macht:
– haufenweise neue Namen wie Ba'ak, Thorg, Achairon, ...
– ständig werden neue Regeln nachgeschoben
– alles dreht sich um gewaltsame Auseinandersetzung.
Quantität kaschiert beim Spiel Relictio fehlende Qualität: die Kriegsgeräte treten in hoher Stückzahl auf, z.B. 10 Millionen Kriegsschiffe.
Die Beschreibung des Schlachtengetümmels wird unterbrochen durch ausgiebige Zitierung der das Spiel Relictio begleitenden Forumseinträge mit „geistreichen” Einträgen. Die Belegung dieser Einschätzung durch ein Zitat (besprochenes Werk, S. 166) fällt bei amazon unter "unangemessener Ausdruck" und unterbleibt daher.
Auch die übrige Sprache des Autors ist mehr als gekünstelt (der künstlichen Umgebung angepasst?). Beispielsweise die Personenbeschreibung eines der beiden Gegenwarts-Protagonisten: „zweifelsfrei kann gesagt werden, dass das Konstrukt »Philipp Smiddlethorp« in puncto Nahrungsaufnahme wesentlich vorteilhafter war als hinsichtlich der Ästhetik” (S. 23). Wenn ich diesen verschnörkelten Satz richtig verstehe, dann wollte der Autor sagen: Philipp aß aus der Chipstüte gekonnter (besser, schöner) als er aussah.
Weit über der Mitte des Buchs setzte ich dem langweiligen Treiben ein Ende und klappte das Buch enttäuscht zu.


Knowledge First? (Palgrave Innovations in Philosophy)
Knowledge First? (Palgrave Innovations in Philosophy)
von Aidan McGlynn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 91,38

5.0 von 5 Sternen Gute Argumente für die Schwimmer gegen den gegenwärtigen Strom, 1. Juni 2015
Gute Argumente für die Schwimmer gegen den gegenwärtigen Strom

Seit dem Erscheinen von Timothy Williamson: Knowledge and Its Limits (2000; alle folgenden Zitate von Williamson beziehen sich darauf) gibt es zahlreiche Verfechter der These, dass Wissen die grundlegende propositionale Einstellung ist. Konsequent wird dann auch die Wissensnorm der Versicherung (Behauptung) vertreten:
„(The knowledge rule) One must; assert that p only if one knows that p.” (Williamson S. 243, auch S. 238-269)
Aidan McGlynn argumentiert dagegen und rannte bei mir offene Türen ein. Das erschwert eine objektive Besprechung von Knowledge First? Ich hoffe, es gelang mir trotzdem. Die wichtigsten Standpunkte der Pro-Wissen-zuerst-Verfechter sind:
1.Wissen als die unerklärte Erklärung („unexplained explainer”, Williamson S. 10). Wissen ist der Ausgangspunkt und nicht ein zusammengesetzes Produkt. Es kann nicht weiter erklärt und nicht analysiert werden. Die zahllosen Versuche Wissen als gerechtfertigte, wahre Überzeugung zu analysieren sind verfehlt.
2.Wissen ist die grundlegende propositionale Einstellung, ein grundlegender mentaler Zustand. Wissen hat deshalb Vorrang vor Glauben und Überzeugung als andere mentale Zustände. Glauben und Überzeugung sind Arten von verkorkstem Wissen (”botched knowledge”, Williamson S. 47).
Wenn ich es richtig sehe, sind das keine sich gegenseitig ausschließende Positionen, sondern zwei verschiedene aber kompatible Sichtweisen.
Entsprechend gliedert McGlynn seine Argumentation:
Teil 1 Wissen als die unerklärte Erklärung: Kap. 2–6
Teil 2 Wissen als grundlegender mentaler Zustand: Kap. 7–8
McGlynn geht auf die Argumente der Pro-Wissen-zuerst-Verfechter ein und zeigt, dass sie nicht plausibel sind. Die Wissensnorm der Versicherung erweist sich als verfehlt.
Der Autor strukturiert den Stoff gut nachvollziehbar. Er formuliert oft Gedanken und Einwände gegen die Pro-Wissen-zuerst-Position, die man selbst beim Studieren von Aufsätzen der Verfechter hat. Nicht nur das, auch die Kritiken an dieser Position werden klarer.
Wie ich eingangs erwähnte hoffe ich, dass mir meine Voreingenommenheit für McGlynns Position nicht den Blick verstellt hat. Andrerseits kommt man sich derzeit schon als Schwimmer gegen den Strom vor, wenn man eine der tradionellen Positionen vertritt und weiterhin Wissen als komplexe, zusammengesetzten Zustand ansieht. Man hat keinen Sinn dafür, wahre Aussagen von unwahren an sich zu unterschieden und braucht deshalb andere Hilfsmittel, wie eine angemessene Rechtfertigung, um Wissen zusprechen zu können.
Aufgrund des sehr speziellen Themas sollte man vor der Lektüre von Knowledge First? mit Williamson 2000 vertraut sein. Das Werk richtet sich an fortgeschrittene Studierende der Philosophie und Kognitionswissenschaften und an Forscher, auf dem Gebiet der Erkenntnistheorie. Für sie gibt McGlynn zahlreiche gut formulierte und überzeugende Argumente gegen die Wissen-zuerst Position.


Kampuchea
Kampuchea
von Patrick Deville
  Broschiert
Preis: EUR 22,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Viele zeitliche Sprünge erschweren das Gesamtbild, 23. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Kampuchea (Broschiert)
Während der Erzähler in den Jahren 2010-2011 den Mekong befährt und in vielen Episoden auf die Geschichte Indochinas zurückblickt, läuft der Prozess gegen den Genossen Duch, ein wichtiges Mitglied der Roten Khmer. Die maoistisch-nationalistische Guerillabewegung der Roten Khmer übernahm ab 1975 in Kambodscha die Macht und herrschte mit Schrecken, Folter und Tod.
In über fünfzig kleinen Kapiteln mäandert Autor Patrick Deville durch die Geschichte Indochinas, die für den Autor damit beginnt, dass der Franzose Henri Mouhot 1860 die Ruinen von Angkor entdeckt. Er skizziert dabei zahllose Biografien, die sich nur mit viel geistiger Eigenarbeit zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Nur ein Beispiel für die Sprünge: das Kapitel „In Ventiane” beginnt im Jahr 2010, springt in den März 1867, dann nach Ende 1975, wieder in die Erzählgegenwart, dann nach 1896 und dann noch mehrmals hin und her.
Seine Absicht benennt Deville so: ich möchte „den Prozess gegen die Roten Khmer aus der Perspektive eines Zeitraums von etwa eineinhalb Jahrhunderten betrachten, angefangen bei Mouhot, der sich bei der Verfolgung eines Schmetterlings den Kopf anstößt, aufblickt und die Tempelanlagen von Angkor entdeckt”.
Den Lesern ergeht es dabei ungefähr wie Nali, der Übersetzerin des Erzählers: sie blättert in einem Bildband, der von einem Thema zum anderen springt.
Es hilft, wenn man einige der literarischen Vorläufer kennt, auf die der Autor immer wieder zurückkommt:
Joseph Conrad: Lord Jim, 1900, Herz der Finsternis [Heart of Darkness] 1899
Graham Greene: Der stille Amerikaner [The Quiet American] 1955
Pierre Loti: Eine Pilgerfahrt nach Angkor, 1926
André Malraux: Der Königsweg [La Voie royale] 1930
Trotz farbiger Schilderungen ergab sich für mich nur bedingt ein schlüssiges Gesamtbild. Wer schon mehr von der Geschichte Indochinas kennt, findet vielleicht neue Aufschlüsse.


Die Reise des Engels (Conte Krimi)
Die Reise des Engels (Conte Krimi)
von Lilo Beil
  Broschiert
Preis: EUR 11,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anregend, kurzweilig, mässig spannend, 22. April 2015
Bei windigem Regenwetter passiert ein Mord auf dem Friedhof von Schwanweiler in der Pfalz. Wieder einmal ist der pensonierte Kriminaler Friedrich Gontard zur Stelle und beginnt mit seinem einstigen Mitarbeiter, dem jetzigen Kommissar Manfred Berberich, die Ermittlungen. Die beiden (schwerpunktmäßig aber Gontard) fördern zunächst verzweigte und komplizierte Familienaffären zu Tage. Viele im Ort erinnern sich an Jahrzehnte zurückliegende Ereignisse, aber auch an Namen oder Merkmale – die Leser merken es längst – die kurz zuvor erwähnt wurden.
Ungeklärte Mordfälle aus der Vergangenheit stehen im Mittelpunkt und erschweren durch ihre zeitliche Ferne, dass in der Erzählgegenwart wirklich Spannung aufkommt. Allmählich rundet sich das Bild und Gontard liegt wieder einmal mit seinen Vermutungen richtig.
Wie bei allen Gontard-Krimis erhält das Umfeld der Kriminaler breiten Raum. Damit sich die gezogenen Strippen zusammenfügen muss die Autorin gelegentlich stark nachhelfen.
Manchmal hackt Gontard solange nach, bis sich die Leute an das erinnern, was er schon längst vermutet hatte. Nach Jahrzehnten kann sich der Befragte nicht erinnern, welche Person er in einer diffusen Szene gesehen hat. Doch Gontard befragt ihn nochmals und plötzlich flutscht es: „Die Person war, glaube ich, eine Frau.” „Sie sind sich sicher?” (Ist er nicht, er sagte doch: „glaube ich”). „Ja, jetzt, wo sie [sic] mich so direkt fragen, muss ich sagen: ja.” Das müssen die Leser schlucken.
Ganz dick wird es bei der Interpretation eines uralten kolorierten Gruppenfotos. Dreimal erkennt Gontard Fallentscheidendes aus den Blicken und Augen der Fotografierten. Mit so hoch auflösenden Fotos, die sogar die geheimen Befindlichkeiten und sexuellen Vorlieben der Fotografierten festhalten, wird die Lösung einfach: „Fotos lügen nicht”. Das scheint mir doch etwas weit herbeigeholt.
Die Reise des Engels besticht – wie alle Krimi um Friedrich Gontard – durch ein klug ausgedachtes Netz an Beziehungen und Antipathien des Romanpersonals und durch das Regionalkolorit. So erwartet die Leser ein anregende, kurzweilige Lektüre. Mitfiebern werden wohl nur die Wenigsten.


Guerra: Eine Reise im Schatten des Spanischen Bürgerkriegs
Guerra: Eine Reise im Schatten des Spanischen Bürgerkriegs
von Jason Webster
  Broschiert
Preis: EUR 16,90

3.0 von 5 Sternen Reisebericht zum Spanischen Bürgerkrieg, 5. März 2015
Dem Reisebericht gelingt es einige Fakten und Facetten dieses Bürgerkriegs zu transportieren, wirklich gepackt hat er mich nicht.
Jason Webster, ein kalifornischer Krimiautor, bereiste wichtige Orte des Bürgerkriegs und schrieb darüber 2006 den Bericht Guerra!. Er wechselt kapitelweise Szenen der Reise mit Szenen aus dem Bürgerkrieg. So besuchte er das Grab García Lorcas und Guernica, besonders für uns Deutsche eine unrühmliche Stadt.
Die zeitgeschichtlichen Kapitel zeigen, dass die Schatten des Kriegs in Spanien noch präsent sind, dass aber eine Aufarbeitung anscheinend noch nicht erfolgte. Unter der bis 1975 andauernden Diktatur Francisco Francos galt der Krieg als ein Befreiungskrieg nationaler Kräfte gegen den internationalen Kommunismus.
Der Leser erfährt einiges über die Unterstützung oder Nichtunterstützung der Putschisten unter Francisco Franco und der Republikaner, über Ernest Hemingway und seine Einsätze als Kriegsberichterstatter, über das Ende des spanischen Dichters Federico García Lorca und einiges mehr.
Leider ließ weder die Konstruktion des Berichts, noch die Sprache, noch der Inhalt den zündenden Funken bei mir springen. Ich habe einiges über diesen vielleicht ersten Stellvertreterkrieg erfahren, über seine Grausamkeit und Nachwirkung bis heute. Grossen Eindruck hinterließ die Lektüre jedoch nicht.


Kleist-Handbuch: Leben - Werk - WirkungSonderausgabe (Neuerscheinungen J.B. Metzler)
Kleist-Handbuch: Leben - Werk - WirkungSonderausgabe (Neuerscheinungen J.B. Metzler)
von Breuer Ingo Breuer Ingo
  Broschiert
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Grundlegende Informationen zum Autor Kleist und seinem Werk, 3. März 2015
Das Kleist-Handbuch will grundlegende Informationen zu Autor und Werk geben, gleichzeitig auch wissenschaftliche Ergenisse dazu präsentieren. Aus meiner Sicht des lesenden Laien gelang das hervorragend.
Der Sonderausgabe gliedert sich in diese Kapitel:
I. Leben und Werk
II. Werke
III. Konfigurationen: Epochen und Autoren
IV. Kontexte: Quellen, Diskurse, kulturelle Codes
V. Konzeptionen: Denkfiguren, Begriffe, Motive
VI. Forschungsansätze
VII. Rezeption und Wirkung
VIII. Anhang mit 1. Auswahlbibliographie, 2. Archive, Nachlässe, Institutionen, 3. Die Autorinnen und Autoren, 4. Personenregister
Die beiden ersten Kapitel sprechen für sich, ebenso VI. – VIII. Die drei dazwischen liegenden Kapitel sollen Leben und Werk aus unterschiedlichen Perspektiven weiter erschließen.
Dazu wird in III. Kleist Stellungen innerhalb bestimmter Epochen dargestellt, dazu die Einflüsse anderer Autoren. Eigene Personenabschnitte haben Kant, Wieland, Goethe und Schiller.
Im IV. Kapitel geht es um die für Kleist relevanten Diskurse seiner Zeit. Es hat folgende Abschnitte:
1. Adel und Adelskultur
2. Anthropologie
3. Ästhetik
4. Bildende Kunst
5. Medien
6. Militärwesen
7. Moralistik
8. Musik
9. Naturwissenschaften
10. Politik
11. Recht und Justiz
12. Religion und Kirche
13. Rhetorik
14. Sozietäten
15. Theater
Im V. Kapitel schließlich geht es um Begriffe und Motive, die für Kleists Werke wichtig sind.
Diese Gliederung schaut auf den ersten Blick umständlich aus, ist aber zum Nachschlagen hervorragend geeignet.
Die Kleist-Leser greifen zuerst wohl nach den Erörterungen zu den Einzelwerken in Kapitel II. Diese Artikel sind gut strukturiert und informieren ausreichen zu Entstehung, Hintergründe und Themen. Jeder Werkartikel schließt mit einer guten Detailbibliografie.
Germanisten werden ohne dieses Kleist-Handbuch nicht mehr auskommen. Doch auch für Lesefreunde bietet das Handbuch nahezu alles, das man als Hintergrund und zum Verständnis der gut konstruierten und oft rätselhaften Werke Kleists wissen will. Es macht darüberhinaus auch Laien mit der Forschung bekannt. In ihr geht es manchmal um die Aufschlüsselung und Interpretation einzelner Sätze wie diesem aus Das Bettelweib von Locarno: „Der Marchese, der, bei der Rückkehr von der Jagd, zufällig in das Zimmer trat, wo er seine Büchse abzusetzen pflegte, befahl der Frau unwillig [...] sich hinter den Ofen zu verfügen”.Genauer geht es um das eine Wort „zufällig”. Die Diskussion dazu wird vom Autor des Artikels (35. Zufall) Peter Schnyder so lebendig dargeboten, dass auch ich als Laie gefangen wurde.
Die Sonderausgabe hat ein kaum schlagbares Preis/Leistungsverhältnis.


Wie gewiss ist unser Wissen? Alles nur eine Mode der Zeit?
Wie gewiss ist unser Wissen? Alles nur eine Mode der Zeit?
von Helmut A. Müller
  Broschiert
Preis: EUR 36,00

4.0 von 5 Sternen Beiträge zu den Grenzbereichen verschiedener Fachgebiete, 3. März 2015
Dieser Sammelband entstand nach einer Vortragsreihe im Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart.
Das Ziel war es anhand konkreter Beispiele zu zeigen, dass sich Wissenschaft manchmal revolutionär, d.h. mit rigorosem „Bruch mit den Perspektiven, die zum Vorwissen geführt haben” vollzieht.
Die einzelnen Vorträge tragen unterschiedlich zur Beantwortung der Titelfragen bei. Meist wird indirekt eine Antwort gegeben. Aus zahlreichen Fachdisziplinen werden Grenzgebiete des jeweiligen gegenwärtigen Kenntnissstands diskutiert. Im Mittelpunkt der Diskussion steht dann wie sich das Wissen des Fachs erweiterte und wandelte und wo derzeit Vermutungen oder Lücken auftreten. Ob der pessimistischen Metainduktion der Wissenschaftstheorie zu folgen ist (wie es die Titelfragen andeuten) bleibt offen.
Argument der pessimistischen Meta-Induktion (PMI)
Das Argument der pessimistischen Meta-Induktion (PMI) geht von der folgenden Prämisse aus:
(1) Die meisten Theorien, die in der Vergangenheit für wahr gehalten wurden, gelten heute als falsch – sie wurden widerlegt.
Sie folgert:
(2) Daher sind vermutlich auch die Theorien, die wir heute für wahr halten, falsch.
Inhaltsverzeichnis
Reinhard Brandt: Die Zeitenwende der Neuzeit
Kurt Wuchterl: Kontingenz als religionsphilosophischer Schlüsselbegriff zur Klärung von Grenzen zwischen Naturwissenschaft und Religion
Armin G. Wildfeuer: Ab wann ist der Mensch ein Mensch? Das Problem der Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens von Anfang an
Ulrich Lüke: Der Mensch – planlos zufällig oder zufallsreich geplant? Anthropologie jenseits von Evolutionismus und Kreationismus
Christoph Klein: Seltene Erkrankungen. Neue Hoffnung für Patienten und eine Chance für die Medizin
Jean-Christophe Ammann: Vereinheitlichungsbestrebungen und deren Scheitern
Bernulf Kanitscheider: Über die Grenzen des Naturerkennens
Christian Hesse: Gewissheit und Schönheit am Beispiel der Mathematik
Hans Peter Nilles: Was ist Gravitation? Über die Einheit fundamentaler Wechselwirkungen
Hans Jörg Fahr: Was ist Trägheit? Anfänge und Reife des Inertialprinzipes der Mechanik
Wilhelm Kley: Was bewegt der Mond?
Auguste Meessen: Ufos und andere erstaunliche Phänomene
Hans Jörg Fahr: Die Welt der Realitäten – nur ein Spiel der Zahlen? Warum sich mit der Mathematik unsere Welterkenntnis verändert
Walter Greiner: War es ein Gott, der diese Zeichen schrieb? Über Symmetrien in den Naturgesetzen, insbesondere in der Quantentheorie
Der im Vorwort erhobene Anspruch (manchmal gibt es revolutionäre Wissensumbrüche) wird an vielen Beispielen belegt. Diese These ist aber seit Thomas Kuhn (Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen 1962) in dieser abgeschwächten Form kaum strittig. Die zweite Frage im Buchtitel „Alles nur eine Mode der Zeit?” wird explizit nicht, wohl häufig implizit beantwortet: Wissenschaft ist keine Mode, sondern fusst auf strengen Prinzipien. Die Antwort auf die erste Frage im Buchtitel „Wie gewiss ist unser Wissen?” blitzt dagegen nur gelegentlich auf. Der Vortrag von Bernulf Kanitscheider: „Über die Grenzen des Naturerkennens” erscheint mir die wichtigste Ausnahme. Er geht am besten auf die Titelfragen ein. Meist werden „nur” die derzeitigen Grenzen und offenen Fragen in der jeweilig behandelten Wissenschaftsdisziplin aufgezeigt. Wer den Sammelband unter diesem Aspekt liest wird sehr viel Neues erfahren und viele spannende Grenzgebiete zwischen Wissen und Spekulation kennenlernen. Ich habe den Sammelband mit grossem Zugewinn gelesen.


Metzler Lexikon moderner Mythen: Figuren, Konzepte, Ereignisse (Fachbuch Metzler)
Metzler Lexikon moderner Mythen: Figuren, Konzepte, Ereignisse (Fachbuch Metzler)
von Wodianka Stephanie Wodianka Stephanie
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

4.0 von 5 Sternen Man staunt über die Fülle an Mythen, die hier erläutert werden, 20. Februar 2015
Die annähernd hundert Autoren greifen 123 moderne Mythen heraus. Sie beschreiben Entstehung und beleuchten ihre Wirkung. Die Leser staunen ob ihrer Vielfalt und bei der Lektüre fallen ständig neue ein. Vollständigkeit wurde mit diesem Band aber nicht angestrebt. Entgegen der fortwährenden Aufklärung vermehren sich die Mythen in Form neuer Verschwörungstheorien in unseren Tagen unübersehbar.
Die Bandbreite des Sammelbands ist gewaltig. Von den UFOs als nicht mehr ganz so moderner Mythos geht es bis zu Lady Diana und Madonna. Manche Einträge gehen geschichtlich weiter zurück wie beispielsweise König Artur und die Ritter der Tafelrunde.
Die Autoren bewältigen die Herkulesaufgabe bravourös. Die Artikel sind klar strukturiert und auch für Laien gut lesbar. Die Mythen, die ich selbst meine gut beurteilen zu können – wie über Elvis Presley – sind stimmig und erhellend dargestellt. Man lernt verborgene Funktionweisen kennen.
Das Internet ist angemessen vertreten: als eigener Eintrag (unter Computer/Internet) und durch Mythen, die erst „dank” des Internets und TV weit verbreitet wurden: Mondlandung, 9/11, Klimawandel.

Was gewinnen die Leser und Nutzer?
Vieles in Gesellschaft und Politik vollzieht sich vor dem Hintergrund zahlreicher moderner Mythen. In der Literatur wird auf zahlreiche, auch moderne Mythen Bezug genommen. Der Sammelband kann als Nachschlagewerk zur Klärung von Entstehung und Wirkungsweise beitragen. Manchmal muss man etwas aufmerksam sein und z.B. den derzeit überall kursierenden Mythos der Islamisierung unter „Kampf der Kulturen” nachlesen.

So wie die Mythen sprießen, so vergehen sie teilweise auch wieder. Den in den Fünfzigern starken Mythos um James Dean kennt man heute kaum noch. Man liest einen knappen Hinweis unter „Hollywood”.
Manches Detail vermisste ich. Im UFO-Abschnitt (unter „Außerirdische”) fehlte mir eine Jahreszahl zur Entstehung. Das habe ich dann woanders nachgelesen.

Ein einführender Artikel über Wirkungsweise, Nutzen, Nachteile oder gar Schaden der Mythen wäre willkommen gewesen.
Wie die Herausgeberinnen betonen ist Vollständigkeit weder möglich noch angestrebt. Mir scheinen zwei Bereiche völlig zu fehlen: religiöse Mythen und Mythen aus Ernährung und Medizin. Der erste Bereich ist vielleicht auf einer ganz anderen Schiene einzuordnen oder würde den Rahmen sprengen. oder vielleicht sogar Fanatiker auf den Plan rufen. Doch der zweite Bereich über Ernährung, Körperertüchtigung und Medizin hätte einige Einträge verdient. Der Artikel „Psychoanalyse” streift das Thema nur.
Keineswegs nur für Studierende sondern hilfreich für alle, die Alltag, Gesellschaft, Politik und die Geistesströmungen unserer Zeit besser verstehen wollen.


Galgenheck (Conte Roman)
Galgenheck (Conte Roman)
von Madeleine Giese
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

4.0 von 5 Sternen Unsere kleine Vorstadtsiedlung, 21. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Galgenheck (Conte Roman) (Gebundene Ausgabe)
Der Galgenheck ist eine deutsche Vorstadtsiedlung mit ein paar ganz „normalen” Paaren und Familien und ein paar Außenseitern. Im Laufe einer Woche kommen sich die Bewohner näher (eine Art Siedlungsfest wird geplant und durchgeführt). Jeden plagen andere Sorgen, wohl dosiert passiert Außerordentliches und Ungeheuerliches, aber am Ende der Woche läuft alles wie gewohnt. Die Scheiben müßten zerspringen, die Erde sich auftun, aber es regnet nur.
Bis die Personen eingeführt sind und vor allem, bis sie Konturen gewinnen, dauert es. Manche Charaktere bleiben holzschnittartig. Die Vorortkarawane nimmt nur allmählich Fahrt auf.
Der Trick mit wechselnden Erzählperspektiven ermöglicht es den Lesern sich ihre eigenen Urteile über die Darsteller zu bilden. Unzusammenhändende Bilder verdichten sich und zeigen ein Netz von Freundschaften, Ressentiments und Abneigung.
Dazwischen fügt die Autorin Ansichten des Kater Satans ein, der anscheinend niemandem gehört, zwischen den Häusern umher schleicht und die Leute beobachtet.
Die Einschübe aus der Innensicht eines Katers mögen noch angehen, zusammen mit den lehrsamen Tageseinleitungen übertrieb es die Autorin aber und schadete dem Fortgang des Romans.
Ab der Mitte des Romans verfolgt man den deutschen Siedlungsalltag mit seiner Alltäglichkeit und Absonderlichkeit mit steigendem Interesse und will erkunden wie letztlich alles zusammenhängt und ausgeht. Wem Thornton Wilder: „Unsere kleine Stadt” (bekam immerhin den Pulitzer-Preis) zusagte, kann „Galgenheck” zum Vergleich lesen.


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