Profil für stufan71 > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von stufan71
Top-Rezensenten Rang: 3.008.282
Hilfreiche Bewertungen: 34

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
stufan71

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
Stay Kränk
Stay Kränk

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kränkes Killeralbum!, 15. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Stay Kränk (Audio CD)
Von HÄMATOM hatte ich bis November 2009 noch nichts gehört. Dann jedoch flatterte mir die Vorab-Promo CD vom zweiten HÄMATOM-Album 'Stay Kränk' auf den Tisch und seither bin ich Fan!
Ein oberflächlicher Blick und ein halbherziges Hinhören suggeriert beim einen oder anderen vielleicht, dass man es hier mit einem deutschen Aufguss von SLIPKNOT zu tun hat, mit einer weiteren NDH-Truppe, die im Fahrwasser von RAMMSTEIN mitschwimmen will. Das stimmt definitiv nicht!
HÄMATOM spielen modernen Thrash Metal, bzw. Metalcore, der sich qualitativ nicht vor internationaler und schon gar nicht vor nationaler Konkurrenz zu verstecken braucht. Fantasieuniformen, Schminke und Masken sind ebenso Teil eines stimmigen Gesamtkonzepts, wie die Pseudonyme Nord (Gesang), Süd (Schlagzeug), Ost (Gitarren) und West (Bass).

Los geht's! Mit diesen Worten beginnt das Album und im folgenden "Friss Oder Stirb" erklären HÄMATOM sich selbst. Sie erzählen, was diese Band ausmacht, was sie umtreibt, was ihre Ziele sind und stellen den Hörer vor die Wahl: Friss oder stirb!
Die Musik ist frisch, aggressiv und kraftvoll, wie ein kräftiger Schlag ins Gesicht mit einem nassen Handtuch: Man erschrickt, wird mit einem Schlag wach, das Adrenalin schießt hoch und man spürt dieses leichte Brennen auf der Haut. Alle Sinne sind plötzlich da und man fragt sich, was einen da gerade getroffen hat. Man wird aktiv, lebendig und man hat das Gefühl etwas tun zu müssen ...

Die Texte sind weit entfernt von der pseudo-bösen Lyrik vieler junger Bands, die cool und hart rüberkommen wollen. Sie haben nichts zu tun mit den ausgefeilten und raffiniert-provozierenden, massenkompatiblen Ergüssen à la RAMMSTEIN, oder dem leidensschweren, inhaltlosen Gewinsel der Emo-Szene. Die Sprache von HÄMATOM ist direkt, einfach und klar. Sie wird der heutigen Zeit gerecht und versteht es dennoch zu zeigen, wie stark und Bildhaft unsere Muttersprache ist.
Dies ist der musikalische und textliche Grundstock, der sich durch das ganze Album zieht und sich in Stimmung, Arrangement und Worten den jeweiligen Themen der einzelnen Songs anpasst.

Nach dem "hallo wach" in Form von "Friss Oder Stirb" folgt mit "Auge Um Auge" der erste Höhepunkt des Albums: Der Song ist inhaltlich und musikalisch knallhart und kompromisslos. Das Stück hat einen fetten Beat und tanzbare Parts sowie einen sehr einprägsamen Chorus. Allerdings werden immer wieder schnelle Passagen eingestreut, welche die Tanzflächenkompatibilität etwas verringern. Aber auch das entspricht dem Attitüde HÄMATOM's: Wir machen was wir wollen und zielen nicht auf Massentauglichkeit. Der Text spiegelt in etwa das wieder, was man so empfindet, wenn man die Zeitung aufschlägt, politische Talksendungen ansieht oder sich durch die Nachrichtensendungen dieser Republik zappt: Da möchte so Mancher aufstehen, rausgehen und den ganzen Geld- und machtgierigen Lügnern und Betrügern unserer Wirschafts- und Politiker-Elite in die Fresse hauen!
Der Titelsong "Stay Kränk" ist nochmal ein deutliches Statement der Band zu ihrer Haltung und ein Aufruf zum Anderssein. Klar gab's das alles schon, aber es ist wichtig, dass es immer wieder von Neuem gesagt wird. In den Worten von HÄMATOM heißt das halt: "Stay Kränk".
Die Textzeile "Heidi - ich hasse dich!" und der Titel des vierten Tracks verraten vielleicht schon, worum es in dem Song geht. Schnell, hart und punkig bekommt Germany's next Topmodel sein fett weg - und das nicht zu knapp!
Das folgende "Schau Sie Spielen Krieg" bedarf sicherlich keiner inhaltlichen Erklärung. Interessant ist der leicht verdreht wirkende Kehrreim, der von einem Kind gesungen wird. Das hat eine sensationelle Wirkung, denn der kindliche Trotz und das Unverständnis gegenüber den sinnlosen Kriegen der Erwachsenen kommen dabei ganz ausgezeichnet rüber.
Das absolute Glanzstück des Albums ist für mich die sensationelle Coverversion von "El Mariachi". Der Song stammt vom Desperado-Soundtrack und wird dort von Antonio Banderas und Los Lobos gespielt - eines meiner absoluten Lieblingsstücke. Die Umsetzung von HÄMATOM ist einfach gigantisch geworden! Sie haben es geschafft das filigrane, lateinamerikanische mit einem fett groovenden Thrash-Monster zu verbinden. "El Mariachi" könnte eines der prägenden Stücke auf den Tanzflächen der Rockdiscotheken dieser Republik werden! Hinter diesem Geniestreich verblasst "Eva" eines der stärksten Stücke des Albums fast ein Bisschen. Es lohnt sich aber definitiv bei diesem sehr intensiven Song die Repeat-Taste zu drücken!
"Sucht" hat dann von der Stimmung her etwas von LACRIMOSA, ist aber ebenfalls ein sehr eindringliches, intensives Stück, das trotz seiner ruhigen Momente und des langsamen Grundtempos jede Menge Härte transportiert.

Auch der Rest des Albums überzeugt voll: Ganz egal ob "Verpiss Dich", "Hass Wut Abneigung (HWA)", "Unser Ende" oder "Scheißegal" - alle Stücke sind in sich stimmig und von ganz höher Qualität, Wucht und Aussagekraft. Anspieltipps: "Auge Um Auge", "Schau Sie Spielen Krieg", "Eva" und "H.W.A.". Wer dann immer noch nicht überzeugt ist, muss sich "El Mariachi" anhören - danach wird er den Verkäufer mit zitterndern Hand zur Anhörstation winken und ihm zu verstehen geben, dass er die CD sofort einzupacken hat!

Wer die Zeit bis zum 15. Januar überbrücken will, kann schonmal unter myspace.com/haematommusic reinhören oder sich gleich das kaum weniger geniale Debüt 'Wut' aus dem Jahr 2008 kaufen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 30, 2010 10:10 PM CET


Lycosia
Lycosia
Preis: EUR 12,10

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Befremdlich, aber gut!, 10. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Lycosia (Audio CD)
Irgendwie ist es recht befremdlich, was die Franzosen von LYCOSIA auf ihrem selbstbetitelten Album da bieten. Befremdlich, aber gut! Anfangs denkt man an diese hippe Mischung aus Glam-Rock und Gothic, die Bands wie HIM oder THE RASMUS bekannt gemacht hat. Der Sound von LYCOSIA geht aber viel weiter.
Jedes Stück passt sich vom Sound her perfekt in die Reihe der anderen ein, klingt aber ganz anders als alle anderen auf dem Album. Es ist schwermütig und fröhlich, tanzbar und im Stillen hörbar, überraschend verspielt und gnadenlos einfach und direkt. Kein Stück lässt einem kalt und alle sind mit schönen Melodien oder witzigen Akzenten versehen. Ich glaube, dass die Franzosen es schwer haben werden, denn zwischen lieben und hassen gibt es hier wahrscheinlich wenig Auswahl.
Der Vierer aus Paris startete 1998 mit der EP 'Land Of Tears', auf der es noch recht heftig zur Sache ging. Dementsprechend waren sie auch als Opener für Bands aus der Knüppel-Fraktion unterwegs, wie z. B. für IMMORTAL oder CRADLE OF FILTH. 1999 brachten sie mit 'No Love Lost' ihr erstes richtiges Album heraus, das ebenfalls noch stark metallisch klang. Im darauffolgenden Jahr ließ 'Unisex' dann schon die neue Richtung erkennen und nach einigen Besetzungswechseln entstand dann das vorliegende, 2004 veröffentlichte und schlicht 'Lycosia' betitelte Werk.
LYCOSIA sind nicht so glattgebügelt, discotheken- und schmusetauglich wie die oben bereits genannten Finnland-Exporte, stehen diesen aber bezüglich Songwriting und musikalischen Fähigkeiten in nichts nach. Rock, Glam, Gothic, Metal und Elektro-Pop - all das wird hier genommen und in einer coolen Mischung, die jederzeit überzeugend und erfrischend klingt zusammengemixt.
Anspieltipps sind das ruhig beginnende, dann aber stampfend und aggressiv werdende "Cold Summer", der freakige Elektro-Rocker "Travelling Through Our Love" oder auch das kräftige, aggressive "Glitter 4 Tears." Die anderen Stücke sind nicht ganz so leicht zugänglich aber auch sehr geil.


Mother Earth (2 Bonus Tracks)
Mother Earth (2 Bonus Tracks)
Preis: EUR 5,99

21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von wegen Nachmacher!, 8. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Mother Earth (2 Bonus Tracks) (Audio CD)
Um mal allen Vorurteilen von wegen "WT machen Evanescence nach" entgegen zu treten:
WT besteht seit 1996 und "Mother Earth" wurde bereits im Dezember 2000 veröffentlicht. Bereits 2001 waren sie Superstars in den Benelux-Ländern und tingelten mit den Songs dieses Albums durch Europa. Der Rest der Welt verschlief dies allerdings und nach einem Wechsel der Plattenfirma wurde "Mother Earth" im Frühjahr 2002 nochmal neu veröffentlicht. Seither gehen sie ab wie Schmitts Katze, auch in Deutschland. Evanescence hat mit WT nur bedingt gemeinsamkeiten. WT hat einen ganz anderen Hintergrund und sind viel symphonischer und getragener aufgestellt. Sensationelle Melodien wunderbar arrangiert und perfekte Ballance zwischen sanften Klängen und Aggression. Die Musik auf "Mother Earth" ist traurig, mystisch und träumerisch - einfach wunderbar! Alle, die auf solche Klänge stehen können bedenkenlos zugreifen, alle anderen sollten auf jeden Fall mal reinhören!


Seite: 1