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Rezensionen verfasst von
Hexenmeister

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Der alte Staat und die Revolution
Der alte Staat und die Revolution
von Alexis de Tocqueville
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,80

4.0 von 5 Sternen Die Franzosen glaubten,... in Freiheit gleich sein zu können... AdT S. 206, 17. Juli 2014
Tocqueville beschäftigt sich in seinem zweiten bedeutendem Werk (nach der Demokratie in Amerika) mit der Vorgeschichte der französischen Revolution von 1789. Besonders macht er auf die Kontinuitäten aufmerksam: der "Alte Staat" begann schon lange vor Ausbruch der Revolution mit der Zentralisierung (nicht nur) der (politischen) Macht, sondern auch mit der Nivellierung der Gesellschaft. Tocqueville erkennt auch, dass gerade diese Zeit, in der das "despotische" Regime beginnt sich zu Reformieren, die kritischste Phase für das "alte" Regime ist. Er bricht auch eine Lanze für Ludwig XVI. und seine Reformversuche. Ebenso klar erkennt er aber auch, dass das Scheitern des "alten Staates" in diesen letztendlich doch halbherzigen Reformen angelegt war. Schließlich erklärt er noch den Hass der Revolution auf die Kirche mit deren zu engen Verbindung zum Staat.
Am Ende kommt er zu dem Schluss, dass die Hoffnung auf Freiheit und Gleichheit, die (auch) durch das "alte Regime" erweckt wurden, aus der Sicht des Volkes von diesem System nicht mehr realisiert werden konnten und es deshalb hinwegschwemmten.
Tocqueville hat sich sehr viel Mühe mit diesem Buch gemacht: er hat sich durch Archive und Kataster, durch Schriftwechsel und Fron-Listen gearbeitet, er zieht als Vergleich immer wieder die Nachbarländern Deutschland und England heran. (Insbesondere in seinem Fußnotenapparat). Für mich ein gutes Buch zur Vorgeschichte der französischen Revolution.
Weniger erfreulich empfinde ich, das außer dem Text von de Tocqueville im Buch wirklich gar nichts geboten wird.
Einige wenige Druck-Fehler seien verziehen, aber in manchen Stellen wären zusätzliche Fußnoten und Erklärungen des Herausgebers sicherlich angebracht. Nicht jedem sind heute noch alle Begriffe und Personen des 18. Jahrhunderts geläufig.


Schamverlust: Vom Wandel der Gefühlskultur
Schamverlust: Vom Wandel der Gefühlskultur
von Ulrich Greiner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Privileg der Älteren: den Verfall der Sitten wahrnehmen, 18. Juni 2014
Die These des Autors ist, auch wenn er sie niemals ausdrücklich erwähnt und immer wieder in Frage stellt, dass sich unsere Gesellschaft in einer Phase der (moralischen) Degression befindet. Er sieht die Veränderungen auf der Linie Schuldhaft-Schamhaft-Peinlichkeit. Greiner stellt im Endeffekt den Verlust des Gewissens, den Verlust des Nachdenkens über das eigene Ich fest. Stattdessen findet er zunehmend nur noch die Ebene der "von außen" geleiteten Gefühle: der Peinlichkeiten eben.

Greiner beobachtet dabei auf zwei Ebenen: zum einen unsere Zeit, mit eigenen Erfahrungen aus seinem Leben oder aber öffentlichen Ereignissen, wie zum Beispiel dem Auftritt von Lady Gaga im Fleisch-Kostüm, dem Hochzeitsantrag von M. Lierhaus im TV oder dem Erfolg eines Buches wie der "Feuchtgebiete" auf dem Buchmarkt.
Die andere Ebene ist Literatur (und Filme) der letzten ca. 200 Jahre, an der er seine These des Wandels aufzeigt.

Dabei stellt er meiner Meinung nach zurecht fest, dass die Neigung sich -nicht nur körperlich- zu entblößen größer geworden ist, dass aber dadurch keineswegs die Freiheit des Einzelnen größer wird, sondern stattdessen andere Zwänge die Menschen heute binden.
Erfreulich ist, dass nirgendwo der moralische Zeigefinger gehoben wird, sondern die vermeintlichen Tatsachen also solche festgestellt werden. Das Buch liest sich leicht und die vorgestellten Beispiele sind alle gut nachzuvollziehen..

Von vorne herein, erklärt Greiner, dass es kein wissenschaftliches Buch ist, aber dennoch bleibt für mich problematisch, dass er die Begriffe Schuld-Scham-Peinlich immer wieder dreht und wendet, so dass diese in seine Argumentation passen.
Deswegen fällt mir es auch schwer, Ihm am Ende vollständig zu folgen. Auf jeden Fall aber ein Buch, dass zu lesen sich lohnt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 25, 2014 9:01 AM MEST


Kap Cod
Kap Cod
von Henry David Thoreau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Strand-Gut, 25. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kap Cod (Gebundene Ausgabe)
Das Buch führt uns in eine andere Zeit und in ein anderes Land, beschrieben von einem der besten Beobachter von Mensch und Natur. Thoreau's Reisebeschreibungen gelten weniger den Bauwerken -den Städten wendet er, wie er selbst schreibt eher den Rücken zu- als den Menschen: traumhaft seine Beschreibung der Begegnung des alten Austernfischers und seiner Familie (S. 105-126) oder auch nur die kurze Bemerkung über den Schiffskoch (auf S. 302). Auch seine Beschreibung eines alten Sammlers von Treibgut könnte nicht einprägsamer sein (S. 81) : Sein Gesicht "sah aus wie ein lebendig gewordenes Segel -eine Klippe aus wettergegerbtem Fleisch".
Besonders auffällig und wie ich glaube schon damals -Mitte des 19. Jahrhunderts- nicht mehr das Übliche: wie sehr sich Thoreau Zeit lässt bei der Erkundung der Halbinsel. Immer hatte ich beim Lesen das Gefühl des Zeit-losen, der Ruhe: ein richtiges Entspannungs -Buch sozusagen.
Immer wieder fliesen bei Thoreau seine klassische Bildung und die direkte Naturbeobachtung zusammen und er schöpft auch sprachlich aus dem vollen. So lässt er beispielsweise die Schiffe sich ins Meer ergießen, "bis sie eine Stadt auf dem Wasser bildeten" (S. 215) oder wenn er bemerkt, das wer zum "sehen zu Faul ist" gar nicht anders kann "als das ständige Lärmen und Tosen der Sturzwellen zu hören" (S. 220). Schließlich kommt Thoreau auch immer wieder zu Erkenntnissen über sich selbst und das Leben als solches....
Für mich ist die einzige Schwachstelle des Buches der Abschnitt in der Thoreau über die Geschichte von Cape Cod berichtet (S. 265-290). Ansonsten bin ich rundweg begeistert.

Die Anmerkungen sind ausreichend und ausführlich, die Übersetzung sehr gelungen, das Essay von I.Trojanow führt in das "heutige" Cape Cod ein, das Nachwort ist etwas knapp bemessen, aber akzeptabel: ein im Ganzen gelungenes Buch.


H. G. Wells. Der Prophet im Labyrinth
H. G. Wells. Der Prophet im Labyrinth
von Elmar Schenkel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

4.0 von 5 Sternen Gelungenes Portrait eines Weit-Sichtigen, 14. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Schenkel nähert sich dem Werk und der Person Wells auf eine etwas andere Art. Wells ist bei uns hauptsächlich als Autor von Werken der SF wie die "Zeitmaschine" und "Der Krieg der Welten" bekannt. Und natürlich widmen sich einige der Essays auch seinen bekannten Werken und ihrer Rezeption. Daneben werden in Deutschland weniger bekannte Werke besprochen und Schenkel kann auch nicht an dem Tatsache vorbeigehen, dass Wells viel Probleme des nächsten Jahrhunderts voraus gesehen hat. Aber auch andere Aspekte wie Wells Engagement für einen "Weltstaat" oder das schwierige Verhältnis Wells' zum Sozialismus russischer Prägung werden behandelt. Scheinbare Nebensächlichkeiten, wie beispielsweise die Bedeutung des Fahrrades auf Wells Leben und Werk werden aber auch berücksichtigt.
Verteilt zwischen den Essays befinden sich vier "Erzählungen" von H.G. Wells: Eine literarische Diät, Die Wiederentdeckung des Einzigartigen, Über die Geliebten und den Schattend es Liebenden und Wells "Selbst-Nachruf" aus dem Jahre 1943. Alle drei Geschichten zeigen Wells auf eine etwas andere Art, als er gemeinhin in Deutschland bekannt ist. Aber Sie sind durchweg lesenswert. Der Selbst-Nachruf gibt einen Einblick, wie Wells sich selbst gesehen hat.
Das Buch ist mit mehreren Zeichnungen von und über Wells ausgestattet, dazu kommen noch Bilder im ChronikAbschnitt.
Den Abschluss bildet eine ca. 30-Seitige Chronik des Lebens und der Veröffentlichungen Wells und eine knappe Auswahl-Biographie. Aus meiner Sicht eine Gelungene Annäherung an Leben und Werk.


Der Wanderfalke
Der Wanderfalke
von J. A. Baker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 30,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht nur Falken im Visier..., 9. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Wanderfalke (Gebundene Ausgabe)
Im Vorwort legt Robert Macfarlane die Latte sehr hoch mit seinen Lobpreisungen dieses Buches, und entsprechend skeptisch war ich dann beim lesen.
Doch ich muss sagen, dass das Buch den Ansprüchen (fast) gerecht wird. Bakers Sprache ist kräftig, bunt und voller neuer Wortschöpfungen. Fast spielerisch entwickelt er neue "Bilder" (Beispiel: Im Zickzack rauschten sie den Himmel hinab). Es ist ein Vergnügen dem Autor auf seinen Streifzügen mit den Wanderfalken zu folgen, einzig die "Verschmelzung" des Autors zum / mit einem Wanderfalken, die finde ich nicht. Aber eben viele kleine Beobachtungen, die zum Teil nichts mit dem Falken, sondern mit der Landschaft oder anderen Tieren zu tun haben. Und die in der Regel eindringlich beschrieben werden.
Das Buch ist grob eingeteilt in zwei Bereiche: Neben dem Vorwort noch die Seiten 19-45, der mehr sachlich-erklärende Teil und ab Seite 47 dann die Beobachtungen in den Monaten Oktober bis April.
Schade finde ich einzig, dass man über den Autor so wenig erfährt...


Sprechende Blumen: Ein ABC der Pflanzensprache
Sprechende Blumen: Ein ABC der Pflanzensprache
von Judith Schalansky
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 32,00

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bücher und Filme die über Blumen zu uns sprechen, 5. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
76 echte oder erfundene Blumen werden uns auf jeweils einer Doppelseite nahe gebracht. Der Schwerpunkt des Textes liegt aber weniger bei den Blumen, von denen erfährt man selten mehr als den biologischen Namen, Art,Gattung und Familie, sondern auf den literarischen oder filmischen Be- oder Verarbeitungen. Hier schwankt die Qualität erheblich: Neben sehr schönen Texten, wie Belle-de-Jour, Clover/Klee, Kirschblüten und Lys dans la Vallee/Maiglöckchen stehen andere, nichtssagende (Eisblume, Lupine, Moos um einige zu nennen). Jeder Pflanze ist auch eine (historische) Bilderseite beigefügt. Die Bilder sind in der Regel sehr schön, jedoch ermüdet das (fast) immer gleiche Schema, nach dem sie angeordnet sind. Natürlich ist das Buch als Pflanzen-ABC, also lexikalisch angelegt und dennoch hätte ich mir hier mehr Einfallsreichtum gewünscht. Sehr lesenswert fand ich die Einleitung. Sprache, Bilder, Zitate und Blumen werden dort zusammengeführt. In dieser Art hätte man weiter arbeiten sollen. Alles in Allem: ein gute Idee, deren Ausführung leider nicht entsprechend gelungen ist.


Heringe: Ein Portrait
Heringe: Ein Portrait
von Holger Teschke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Heringe nicht nur für Feinschmecker!, 31. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Heringe: Ein Portrait (Gebundene Ausgabe)
Nach den Säugetieren (Esel) und den Vögeln (Krähen) nun also ein weiterer Band der Naturkunden: Diesmal wurde ein -nein der Fisch schlechthin- ausgewählt: Der Hering. Der Autor Holger Teschke ist in seiner Jugend selbst auf einem Heringskutter gefahren und hat seine Erlebnisse mit verarbeitet. Ein kritischer Blick wird auf die Zukunft geworfen: Das Problem der Überfischung der Weltmeere steht auch für den Hering immer noch im Raum. Dazu kommen noch Einblicke in die Geschichte des Herings, die Beziehung des Herings zur Kunst, sowie in die Herings-Literatur. Bei einem Speisefisch nicht verwunderlich, dürfen einige Rezepte nicht fehlen. Schließlich folgen einige (wenige) "Portraits" aus der Heringsfamilie. Der Band ist wieder mit wunderschönen Bildern illustriert. Dennoch finde ich, dass er im Vergleich zu seinen Vorgängern, ein kleines bisschen abfällt, was aber sicher nicht am Thema liegt.


Gesamtausgabe in 24 Bänden: Band 17: Miszellen, Glossen, Stellungnahmen, Umfrageantworten, Leserbriefe, Diskussionsbeiträge 1889-1918, Anonyme und ... 1897-1916 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
Gesamtausgabe in 24 Bänden: Band 17: Miszellen, Glossen, Stellungnahmen, Umfrageantworten, Leserbriefe, Diskussionsbeiträge 1889-1918, Anonyme und ... 1897-1916 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
von Klaus Christian Köhnke
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,00

5.0 von 5 Sternen Buntes Sammelsurium eines Denkers aus der Zeit des Kaiserreiches, 16. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich bin auf Simmel durch die Max Weber Biographie aufmerksam geworden und ich habe es nicht bereut, mich auch auf ihn einzulassen. Dieser Band der Gesamtausgabe stellt in gewisser Weise ein Sammelsurium von Texten Simmels aus den Jahren 1888-1918/20 dar. Wenn man den Schwerpunkte bilden will, liegen diese bei Fragen, die die Bildung und die Universität betreffen (Mädchengymnasien, Frauenstudium, Neugründung von Universitäten, Privatdozenten-Stellen...), bei sexual-soziologischen Fragen (Prostitution, "perverse Verbrecher"...), der Soziologie als solcher und schließlich bei Fragen die der (erste) Weltkrieg aufwirft. Schließlich sind noch die (anonymen) Veröffentlichungen in der Zeitschrift "Jugend" von 1897 bis 1907 zu nennen, die einen ganz eigenen Charakter haben. Natürlich ist manches "veraltet", dennoch bleib an vielen Stellen beachtenswertes, wichtiges und grundsätzliches übrig, man sollte Simmel als nicht "abschreiben".
Besonders möchte ich den Apparat des Buches hervorheben: In der Regel wird sehr umfangreich über die einzelnen Artikel informiert, Entstehung und Zusammenhänge angedeutet und zum Teil über den weiteren Verlauf der Angelegenheit berichtet. Eine Chronologie der Veröffentlichungen dieses Bandes, eine Bibliographie der von Simmel zitierten Literatur, die Druckvorlagen und ein Varianten/Nachweis-Verzeichnis runden den Apparat ab. Besonders erhellend fand ich den Bericht des Bearbeiters, wie die anonym veröffentlichten Artikel begutachtet wurden, um dann eben als "echt" oder "unecht" in den Band mit aufgenommen zu werden oder nicht.


Das Paradies der kleinen Dinge: Ein gemeinsames Tagebuch
Das Paradies der kleinen Dinge: Ein gemeinsames Tagebuch
von Nathaniel Hawthorne
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Adam und Eva in Amerika, 11. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das gemeinsame Tagebuch der Hawthornes in dern ersten 18 Monaten ihrer Ehe geführt verbirgt manche kleine Beobachtung der Natur und ihrer Nachbarn. Da die Hawthornes diese Zeit (1842/3) in Concord, Massachusetts verlebten, hatten sie auch interessante Nachbarn wie z. B. H.D. Thoreau (eine sehr offene Beschreibung seiner Person auf S. 79-81), Margaret Fuller und R.W. Emerson. Auch die weniger bekannten Nachbarn und Besucher werden mit Empathie skizziert. Über die Natur stechen besonders Beobachtungen wie die vom 7. August (S.31-3, Sonnenuntergang), den Regentag vom 28.8 (S.72/5) oder die über das Haus und den Garten (S. 35-41und öfters) bervor. Über das Ehepaar selbst sind besonders die Zeiten der Trennung wie an den Tagen vom 7. bis 12. April 1843 (S.102-116) bedeutsam.
Leider hat Sophia Hawthoren ihre Aufzeichnungen zum Teil vernichtet, zum Teil verkürzt, so dass diese nur unvollständig und fragmentarisch erhalten sind. Auch deshalb sind diese weniger angenehm zu lesen, als die ihres Mannes.
Einige Anmerkungen, eine kurze Chronik, ein aufschlussreiches Nachwort des Herausgebers und eine editorische Notiz runden das Buch ab. Für mich fällt als einziges das mir völlig unzugängliche Vorwort Peter Handkes aus dem Rahmen. Diese 14 Seiten hätten mich fast davon abgehalten den Rest zu lesen, glücklicherweise habe ich es nicht getan.


Heinrich Himmlers Taschenkalender 1940. Kommentierte Edition
Heinrich Himmlers Taschenkalender 1940. Kommentierte Edition
von Markus Moors
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Berlin-Mittags beim Führer-Büro-Tennis-Abends zu Hause (Eintrag vom 16. April 1940), 6. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch gliedert sich in zwei Teile: Der erste Teil umfasst insgesamt acht Essays. Davon beschäftigen sich zwei mit der Biographie Himmlers. Beide als Einführung sicher geeignet, doch m.E. nach nicht unbedingt notwendig. Ein Essay beschäftigt sich mit der Wewelsburg und Himmler Plänen damt. Das ist sicher der Tatsache geschuldet, dass das Buch in der Schriftenreihe der Wewelsburg erschienen ist. Dennoch finde ich gerade dieses Essay sehr informativ. Die anderen fünf Essays haben ihren Schwerpunkt auf dem Jahr 1940. Es werden Himmlers Tätigkeitsbereiche abgedeckt: Rasse-/Siedlungspolitik, Polizei-/Sichheitsapparat, Waffen-SS, Konzentrationslager und schließlich Allgemeine SS. In der Regel wird auch immer wieder der Bezug zu dem edierten Taschenkalender gesucht. Insgesamt eine informative "Einleitung" zu dem Dokument.

Der zweite Teil ist der kommentierte Taschenkalender H. Himmlers aus dem Jahr 1940. Mit großem Fleiß wurde versucht zu den einzelnen Eintragungen Bezüge herzustellen. Andere Quellen, Memoiren, Entscheidungen und Briefe die Zeitnah angesiedelt sind werden herangezogen. Dennoch bleibt den Kommentatoren immer noch sehr häufig nur ein "vermutlich hat Himmler..." übrig, da es zur Sicherheit nicht genügt. Das liegt natürlich daran, dass der Taschenkalender selten mehr als Ort, Uhrzeit und kaum Gesprächspartner nennt, aber praktisch niemals Inhalte von Gesprächen widergibt. Mithin ist das Ergebnis dieser Fleisarbeit, dass "die Tagesabläufe des Reichsführers-SS im Jahr 1940 weitestgehend rekonstruiert werden" (Einleitung S. 14) konnten.
Obwohl die Autoren schon im Vorwort sagen, dass man das Buch nicht mit dem "Dienstkalender 1941/42" (Hamburg,1999) vergleichen soll (oder kann), so liegt dieser Vergleich doch nahe. Insgesamt fällt der Taschenkalender 40 zum Dienstkalender 41/42 ab: sowohl vom Inhalt her ist der Dienstkalender für den Leser informativer, als auch von der gestalterischen Seite her sind die Eintragungen und auch die Kommentare besser zu lesen. Das ändert natürlich nichts daran, dass damit ein weiteres Jahr aus Himmlers Lebensweg "abgedeckt" ist.


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