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Stefan Baumgartner (Linz)

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Der Nachtwandler: Psychothriller
Der Nachtwandler: Psychothriller
von Sebastian Fitzek
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine kleine Rückbesinnung, 2. Januar 2014
Was, schon wieder ein neuer Fitzek? Tatsächlich. Relativ knapp nach seinem Duett Abgeschnitten mit Michael Tsokos verehrt uns der König des deutschen Thrillers mit einer neuen Horrorfahrt durch die menschliche Psyche. Diesmal für die Institution und das Phänomen Fitzek medial recht unaufdringlich und sogar im Taschenbuch, das mit neuem schicken Katzenbach-Design glänzt.

Nachdem in den letzten drei Romanen vor allem an allerlei Leichen beziehungsweise Leichen in spe entweder rund um die Augen oder an sonstigen Körperteilen ab- und herumgeschnitten wurde beginnt die Geschichte rund um Leon Nader weit weniger fleddernd: Leon hat Angst vorm Einschlafen. Aus einem guten Grund. Bereits im zarten Alter von 10 begann er als Schlafwandler die eigenen vier Wände unsicher zu machen und Adoptivkinder mit blanken Küchenmessern zu bedrohen. Auch wenn man damals durch die Hilfe eines Psychiaters die Sache halbwegs in den Griff bekommen hat, manifestierte sich bei Leon die Angst vor seinem zweiten Ich, das in den Phasen zwischen Schlaf und Wachsein allerhand Übles anstellen kann. Als ihn eines frühen Morgens seine Freundin Natalie — schwer geschunden und mit fehlenden Schneidezähnen — verlässt und eine Menge offener Fragen hinterlässt, vermutet Leon das Schlimmste: Sein zweites Ich ist wieder erwacht und treibt sein Böses.

Der Nachtwandler geht nicht nur wegen des großen Fünfzigers der Knaur Taschenbücher wieder back to the roots: Wenig Schauplätze (tatsächlich spielt sich das Meiste in den vier Wänden von Leon ab), die überschaubare Anzahl an Charakteren und der Verzicht auf übermäßige Action erinnern mehr an Der Seelenbrecher oder den Erstling Die Therapie. Dazu gehört auch dass das Buch äußerst dialogarm ist und man mehr mit Leons innerem Streit zu tun hat als mit der Auseinandersetzung zwischen Protagonist und Antagonist, in dem Fall ist es ja sogar so, dass der eigentliche Gegner Leon selbst ist.

Das lässt zum ersten Mal bei einem Fitzekroman Platz für etwas, das man sonst in seinen Büchern eher vermisst: Platz für den Hauptcharakter, Platz für die Entfaltung seiner Ängste und die detaillierte Zeichnung seiner Persönlichkeit. Leon ist sympathisch und äußerst facettenreich. Das liegt mit Sicherheit hauptsächlich daran, dass wenig gequatscht und viel gedacht wird. Dialoge waren nie Fitzeks Stärke. Die Szenen, in denen Leon gezwungen wird nicht nur mit sich selbst zu reden, stechen auch sehr deutlich hervor. Am Auffälligsten ist das in der groß angelegten Enthüllungsszene, in der nicht nur sämtliche Klischees bedient werden sondern man merkt, wie wenig die Nebenfiguren doch ohne ihren Protagonisten hergeben. Wenn der Schluss nicht gewesen wäre, wäre Der Nachtwandler wohl gleichauf mit meinem absoluten Lieblingsthriller von Sebastian Fitzek, dem Seelenbrecher. So hatte ich allerdings das bekommen, was ich mir auf jeden Fall erwartet habe: Einen spannenden Samstagnachmittag in dem ich wieder so richtig die Welt rund um mich ausblenden konnte.


Winterkartoffelknödel: Ein Provinzkrimi
Winterkartoffelknödel: Ein Provinzkrimi
Preis: EUR 7,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eh okay, 2. Januar 2014
Franz Ebenhofer ist Dorfpolizist der ganz gemütlichen Sorte. Weil in seinem fiktiven, bayrischen Dorf so gar nichts passiert kann er blendend die Zeit damit verbringen, mit der Oma sämtliche Schnäppchen und Angebote der örtlichen Supermärkte abzugrasen oder mit seinem Hund Ludwig die Gassirunden zu drehen. Nebenbei pflegt er sein Gspusi mit der Amtssekretärin gegenüber, kauft beim Metzger Weißwürste oder ärgert sich über den kiffenden Alt-Hippie von Vater, der ihn mit Beatles-Endlosschleifen traktiert.

Richtige Polizistenarbeit gibt’s wenig, doch wenn einmal ein paar höchst auffällige Todesfälle eine ortsbekannte Familie heimsuchen und damit gleich ein Grundstück von einer halben Mille Euro verschachert wird, wittert Ebenhofer eine geschickt angelegte Mordserie.

Doch keine Sorge, die Morde sind nebensächlich. Viel mehr geht es um die bayrischen Kochkünste von Oma Ebenhofer und die zwischenmenschlichen Beziehungen, die im örtlichen Wirtshaus eine Bühne gefunden haben. Wenn nämlich eine Lady namens Mercedes mit ihrem wasserstoffblonden Schopf die Unterleiber der Mittdreissiger verwirrt, ist natürlich für mehr Tratsch gesorgt als wenn ein paar Neuhofer das Zeitliche segnen.

Der Krimi an sich tritt nämlich wirklich sehr in den Hintergrund, erstaunlich eigentlich, dass mit so wenig Handlung so viel Kurzweile erzeugt werden kann. Denn die ewigen Aneinanderreihungen von gutbürgerlicher, bayrischer Hausmannskost und die Saufeskapaden können bei weitem nicht über die gesamte Länge motivieren. Doch mit genug Humor, der zweifelsohne vorhanden ist, und richtig eingestreuten Ereignissen bleibt man doch bis zum Ende am Ball…

… und sieht sich mit einem Buch konfrontiert, zu dem man schlussendlich “Ja, eh okay” sagen kann. Durchschnitt ist das Wort, das mir dazu einfällt, weil der Krimi in keinem Bereich nun wirklich überragend ist, aber auch nie total abstinkt. Der Schreibstil ist pfiffig und zitiert oberflächlich Wolf Haas, ohne jedoch je dessen Sprachschneiderei-Handwerk auch nur annähernd zu erreichen. Der Hauptkommissar ist sympathisch und erfreulich hemdsärmelig, kann allerdings kein bayrischer Kluftiger werden. Und der Humor ist pointiert und trifft mit ausreichend Lokalkolorit sicher den richtigen Ton, ist aber an Altmanns Turrini-Büchern zu messen, der da vielleicht ein besserer Beobachter ist.

Große Vorbilder adaptiert, auf ein breites Publikum ausgelegt und massentauglich gemacht. Gut verdaulich und keinesfalls exzellent, aber die Nachfolger werde ich trotzdem lesen.


James Bond 04 - Diamantenfieber
James Bond 04 - Diamantenfieber
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Kult-Chauvinismus in edler Aufmachung, 29. Dezember 2013
Wenn eine Gruppe Gesetzloser wertvolle Diamanten von Afrika in die ganze Welt schmuggelt, kann das britische Empire und deren Secret Service natürlich nicht tatenlos zusehen. Also schicken sie ihren besten Agenten — James Bond, 007 — undercover nach New York, um dort den Bösewichten auf die Schliche zu kommen und die Quelle versiegen zu lassen.

Auf seinem Weg kommt er nicht nur wieder in den Kontakt seines Kumpanen vom FBI — Felix Leitner — sondern lernt auch die betörende Tiffany Case kennen, die natürlich als hübschestes Mädchen der Welt nicht nur Bond verzaubert, sondern mit ihrer sehr tragischen Geschichte das Herz des britischen Gentleman erweicht.

In einem aufregenden Katz- und Mausspiel mit den üblen Amis gerät Bond nicht nur in viele, brenzlige Situationen, sondern bangt auch ums Überleben Tiffanys, einer Frau, die er endlich (mal wieder) lieben kann.

Gott, ist das herrlich! James Bond 007 in der gedruckten, ursprünglichen Form macht unglaublich viel Spaß! Gleich vorweg: Ian Fleming ist kein John le Carré und hält es mit der Darstellung des britischen Secret Service eher oberflächlich, sein Sprachtalent ist bei weitem nicht auf Weltniveau und wenn wir uns ganz, ganz ehrlich sind: Die Bond Bücher sind übelster Pulp. Aber halt auch übelst genialer Pulp!

Die Storys sind dank ihrer Popularität mittlerweile zum Klischee geworden, doch man merkt in jeder Zeile, dass diese Klischees hier ihren Ursprung hatten. Kenner der Filme stellen sich am besten die ersten Episoden mit Sean Connery vor, die das Geschehen in Diamantenfieber wohl am besten visualisieren.

Außerdem merkt man dem Stoff an, dass viel Zeit inzwischen vergangen ist und man vielleicht nicht ganz so viel “Political Correctness” damals praktizierte. Deutsche sind hier — aus Prinzip — Ex-Nazis, zu Dunkelhäutigen wird Neger gesagt und wenn Bond seine Sekretärin beobachtet, dann kann er sich — bitte O-Ton — “glücklich schätzen, so eine hübsche Frau als Sekretärin zu haben”. Ja, wir wissen alle dass das nicht korrekt ist, dass es falsch ist und einer sehr alten Welt angehört, aber diese teilweise schreiende Naivität zu lesen versetzt einen sofort ins Jahr 1955 und lässt an Bonds Geschichte unglaublich authentisch teilhaben.

Es wird Charme versprüht, und anstatt sich anzustoßen wird man ob der altmodischen Sichtweise ins Schmunzeln versetzt. Das ist halt durch und durch Bond! Man kennt seinen Chauvinismus, findet es aber irgendwie sympathisch.

Ganz und gar nicht angestaubt ist die Spannung, die aufgebaut wird. Und das ohne der stilistischen Trickmittel der heutigen Zeit. Die Action ist noch etwas gebrochen, aber man ist zumindest im letzten Drittel der Geschichte sehr im Zuge der Ereignisse. Und zu meinem Erstaunen konnte ich den Twist gegen Ende nicht vorhersehen, was sehr für die mitlaufende Krimihandlung spricht!

Kurzum: Diamantenfieber ist ein großartiger Einstieg in die Bond Geschichte und lässt die alten Zeiten der Spionagethriller wieder so richtig hoch leben. Eine tolle Leistung des CrossCult Verlages, der nicht nur eine authentische und grundsolide Übersetzung liefert sondern die vielleicht eleganteste Aufmachung einer Serie seit Jahren bietet.

Ich freu mich auf die nächsten Bücher!


Inferno: Thriller
Inferno: Thriller
Preis: EUR 8,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schnitzeljagd in Florenz, 29. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Inferno: Thriller (Kindle Edition)
Ein neuer Roman von Dan Brown erscheint und die Welt steht Kopf! In Kutten gekleidete Studenten wandern Samstag Nachmittag die Linzer Landstraße auf und ab, und jeder Passant hat seine Kopie freudestrahlend unterm Arm. Es gibt ja bekanntlich keine Rockstars in der Buchbranche, aber der schreibende Ex-Countrysänger kommt dem Ganzen schon ziemlich nahe. Zurecht?

Das Strickmuster ist auch in der vierten Robert Langdon Ausgabe merklich an den Vorgängern angelehnt: Ein Harvard Professor mit Tweed Jackett rennt als etwas arme Ausgabe von Indiana Jones durch eine Stadt mit Weltgeschichte. Begleitet wird er von einer der hübschesten Frauen der Welt und verfolgt von böswilligen Organisationen. Mit den beißenden Hunden im Genick entbrennt eine adrenalingetriebene Schnitzeljagd, in der es um Leben und Tod geht. Und nebenbei kommt man an historisch sehr beeindruckende Informationen. Selbstredend! Wann sonst lässt sich denn auch besser gewohnt weltmännisch über große Literatur und Kunstgeschichte philosophieren?

Diesmal trifft es Florenz, die Stadt Michelangelos und Dante Aligheris. Gerade Letzterer ist für die Geschichte von Bedeutung, denn der erste Part aus dessen Göttlicher Komödie ist nicht nur Titelgeber des aktuellen Romans, sondern auch integraler Bestandteil des Puzzles. Der Aligheri Code, wenn man so möchte, und die treibende Kraft des beinah zum Reiseführer mutierten Thriller. Tatsächlich, Robert Langdon (oder Dan Brown, ich höre die beiden immer mit einer Stimme) ist der perfekte City Guide wenn es um alte, europäische Städte geht! Vielleicht bekommt man so mehr zu sehen, denn ein Langdon lässt sich nicht von den zahlreichen Touristenmeuten aufhalten. Passend, immerhin ist der Gegenspieler ja der Meinung, dass sich die Menschheit durch Überbevölkerung selbst zerstört.

So gibt’s groß angelegtes Sightseeing und das eine oder andere Rätsel. Google wird zum Dauerfreund, denn zu jedem Gemälde, jeder Skulptur und jedem Gebäude findet man schnell ein perfektes Bild. Wieder eimal hoffe ich auf eine illustrierte Ausgabe! Die parallel laufenden Handlungsstränge sind dabei sehr vertraut, wie gesagt, das Strickmuster weicht nicht sonderlich von einem Sakrileg oder Symbol ab. Mit der Ausnahme, dass diese zahlreichen Perspektivenwechsel aus dem Vorgänger sich erfreulich normalisiert haben.

Und dann geschieht das Unerwartete: Das Ende. Sonst immer der größte Stolperstein in Dan Browns Erzählungen, ist diesmal das Grande Finale nicht nur überraschend kreativ und unvorhergesehen, sondern relativiert auch sämtliche Schwarzweißmalerei und Reißbrett Twists, die man sonst aufgetischt bekommt. Die gesamte Handlung gewinnt an Gewicht und die Charaktere scheinen viel facettenreicher, als es die erste Phase über den Anschein nahm. Tatsächlich hat Inferno eine sicherlich einfache und greifbare, aber auch äußerst nachhaltige Botschaft. Ich grüble immer noch und kann auf die Gretchenfrage bislang keine Antwort geben. Und ich sage gleich voraus, dass ich das vermutlich auch in Zukunft nicht tun kann. Hut ab, Mr. Brown, das hätte ich ihnen nicht zugetraut!

Keiner sollte glauben, dass Dan Brown mit seinem mittlerweile sechstem Buch jetzt der große Literat ist, aber darum geht’s in seinen Romanen auch gar nicht. Der geneigte Leser bekommt genau das, was er in den Büchern davor auch schon bekommen hat: Eine spaßige und treibende Achterbahnfahrt mit viel Wissen, geschickt verpackt und leicht verdaulich gemacht. Den Wow-Effekt eines Sakrilegs wird er nicht wiederholen können, aber das bittersüße, düstere Ende macht es zum perfekten Nachfolger!


Tödliche Spiele (Die Tribute von Panem, Band 1)
Tödliche Spiele (Die Tribute von Panem, Band 1)
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Eine der willkommensten Überraschungen, 29. Dezember 2013
Es ist ja allgemein bekannt, dass ich literarischen Trends doch immer ein gehöriges Stück hinterher hänge und manchen Boom regelrecht verschlafe, egal wie gerechtfertigt er sein mag. So geschehen bei den exzellenten Harry Potter Büchern, und so auch bei Suzanne Collins The Hunger Games Trilogie.

Der Inhalt im Groben, für alle anderen, die auch late to the party sind: In den Hungerspielen lernen wir die junge Katniss Everdeen kennen, eine Jägerin in einer postapokalyptischen Zukunft unserer Welt. Das letzte Überbleibsel einer ehemals glorreichen Nation wurde in zwölf Distrikte unterteilt, die strengen Kontrollen des Polizeistaats Panem unterliegen und in der Regel hauptsächlich Ressourcen beschaffende für das im Reichtum schwimmende Kapitol sind. Der Bezirk von Katniss — Distrikt 12 — ist so zum Beispiel für den Kohleabbau bekannt. Andere Ressourcen, die zur Verfügung gestellt werden müssen sind die so genannten Tribute: ein Junge und ein Mädchen im Alter von zwölf bis achtzehn Jahren, die sich in den jährlich stattfindenden Hungerspielen zusammen mit Teilnehmern aus den anderen elf Bezirken die Rübe einschlagen sollen und sich bis aufs Letzte niedermetzeln. Alles für die Show und für den Spaß, der live im Fernsehen nach ganz Panem übertragen wird. Eine Art Dschungelcamp auf Leben und Tod. Ein Weg um den Bezirken zu zeigen, wer die Macht im Land hat und den reichen Kapitolbewohnern ein multimediales Großspektakel liefert.

Erinnert ein wenig nach Battle Royal — oder das deutsche Millionenspiel (1970), und so ganz kann man die Anleihen an den japanischen Kultroman auch nicht abstreiten. Doch kommt es immer auf das an, was man mit dem Stoff schlussendlich anstellt und welches Ergebnis dabei herauskommt.

Und das Resultat ist ganz stattlich. Unter der zugänglichen Sprache eines Jugendromans versteckt findet ein tatsächlich spannendes und aufregendes Abenteuer statt. Die klassische Dreiaktstruktur lässt sich zwar im ersten Drittel viel Zeit mit dem Aufbau der Welt, belohnt aber im restlichen Buch mit einer wahrlichen Tour de Force durch die Wildnis der Arena. Man merkt, es geht um was, und schnell ist auch klar dass niemand vor den Auswirkungen der Spiele sicher ist. Der Verlauf der Handlung bietet sich zwar an, schnell ins Klischee und ins Vorhersehbare zu verfallen, rettet sich aber vor allem gegen Ende mit einigen Kniffen und Twists, mit denen zumindest ich nicht gerechnet habe. Bravo!

Ebenso erfreulich ist, dass der Stempel “Jugendbuch” wieder einmal zeigt, dass man auch in flott lesbarer Jugendliteratur genügend Medienkritik unterbringen kann um Reality Shows und Doku Soaps mal gehörig den Stinkefinger zu zeigen. Das Ganze so verwoben in die Gesamthandlung, dass man die Lehre auch mitkriegt, ohne ständig von selbiger unterbrochen zu werden. Gelungen!

Wohl sicher eine der willkommensten Überraschungen in diesem Jahr. Das brutal offene Ende macht Lust auf den Nachfolger, dessen Verfilmung übrigens jetzt schon im Kino anläuft. Ich werd mich noch ein paar Tage gedulden, bin mir aber sicher, dass ich möglichst bald wieder nach Panem zurückkehren werde.


Theo. Antworten aus dem Kinderzimmer
Theo. Antworten aus dem Kinderzimmer
von Daniel Glattauer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "müss ma kaufen", 24. September 2010
Kennen Sie Theo? Wenn nicht, dann sollten sie ihn schleunigst kennenlernen. Theo ist nämlich der Neffe von Daniel Glattauer, und wurde seit seiner Geburt ("Neugeborener ging es nicht.") von ebenjenem Onkel jährlich porträtiert. Das klingt vielleicht auf den ersten Blick nicht so spannend, doch bei Glattauers Talent zur Beobachtung erwartet uns in den Betrachtungen des (Klein-)kindes vor allem eines: Jede Menge Spaß.

Die jährlichen Portraits als Klammer gesehen, machen einen Hauptteil des Buches vor allem die Geschichten des dreijährigen Theo aus, die bereits 1997 im mittlerweile vergriffenen Buch "Theo und der Rest der Welt" erschienen ist. Und diese sind mit Abstand am herrlichsten.

Theo ist ein unglaublich aufgewecktes Kind. Er gibt den Ton an, und die so genannten Pädagogen versuchen, gegen die Übermacht des Dreijährigen anzukommen. Theo hat ganz klar die Hosen an, was aber auch daran liegt, dass der Autor alles aus der Sicht des Kleinen darstellt. Theos Welt ist eine ganz eigene, sie funktioniert nach einfachen und klaren Regeln, und dieser verzerrte und unlogische Blickwinkel der Erwachsenen mag sich einem dann so gar nicht erschließen. Deshalb muss man auch ständig nachfragen.

Und Glattauer beschreibt diese Kleinkindersicht auf eine so wunderbar liebevolle und humorvolle Art und Weise. Für den unbestreitbaren Herrscher über die Pädagogen ist die Welt "halt einfach so", und ein einfacher Besuch im Supermarkt wird zum Abenteuer, andere Kinder im Sandkasten zur Bedrohung und der Urlaub in Bibione mit den Großeltern erst dann zu einem Erlebnis, als man das gelbe Motorboot mit dem Lenkrad findet. Mein Lieblingskapitel ist immer noch "Theo und die Tiere", vor allem der Ausflug in den Schönbrunner Tiergarten ist ein bestes Beispiel dafür, wie zauberhaft unterschiedlich sich die Welt des kleinen Entdeckers dreht.

Das Schöne daran ist, dass sich Theo dadurch nicht großartig von anderen Kindern unterscheidet, und man durchaus die Kids aus dem eigenen Umfeld in einer bestimmten Art und Weise wieder in Theo findet.

Auch wenn der dreijährige Theo den Großteil des Buches einnimmt, stehen die nachfolgenden Kapitel denen zuvor in nichts nach. Theo als Sportexperte oder Kartenspielzocker hat ebenso seinen Reiz, und durch die größeren Abstände merkt man, wie rasch sich Persönlichkeiten eigentlich entwickeln.

So bleibt "Theo - Antworten aus dem Kinderzimmer" ein unglaublich spaßiges Buch für Kinderfreunde. Man muss nicht selbst Kinder haben, um den gewieften und cleveren Theo in all seiner Drolligkeit zu mögen. Eltern bekommen eventuell eine kleine Rück- bzw. Vorschau auf die eigenen Kids, und wer keine hat, überlegt es sich vielleicht noch. Nur Hochschwangere sollten entsprechend aufpassen, beim Lesen der Lektüre setzen womöglich die Wehen ein!


Dunkler Dämon: Psychothriller (Knaur TB)
Dunkler Dämon: Psychothriller (Knaur TB)
von Jeff Lindsay
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Spaßig, bissig, blutig!, 23. September 2010
Dexter Morgan, seines Zeichens Blutspurenanalyst bei Tag und mordender Metzger der moralisch stark Abgedrifteten bei Nacht, konnte sein geheimes, reales Ich im letzten Abenteuer noch mit Ach und Krach geschützt halten. Einzig und allein sein Kollege Sergeant Doakes hat eine Spur gewittert und klebt ihm seit diesem Zwischenfall in "Des Todes dunkler Bruder" dicht auf den Fersen. Ganz dem "Code Harry" entsprechend versucht Dexter seine Maske zu wahren, spielt den fürsorglichen Familienvater und unterdrückt seinen dunklen Passagier mit jeder Menge Lagerbier.

Dass sich dieser nicht ewig bremsen lässt ist Dexter ganz bewusst. Glücklicherweise sind Doakes und die gesamte Polizei von Miami früh genug entsprechend abgelenkt, um Dexter freie Bahn zu lassen, würde er nicht bei diesem Fall ebenso stark beansprucht werden. Ein psychopathischer Ex-Soldat namens "Dr. Danco" sucht Miami heim, und seine Opfer erwartet schlimmeres als der Tod ...

Im zweiten Teil von Jeff Lindsays Dexter-Romanen baut der Autor auf altbewährtes. Trockener, bissig-böser Humor der schwärzesten Sorte, die vor allem von Dexters gefühlskalten und selbstironischen Betrachtungen ausgehen, trifft auf einen durchdachten und teilweise sehr überraschenden Kriminalfall. Dieses Mal werden vor allem die Nebenfiguren aus dem Vorgänger stärker ins Licht gerückt, über Dexters Vergangenheit gibt es ja nicht mehr allzu viel zu erzählen. Dabei ist Jeff Lindsay wieder ungewöhnlich grausam. Die äußerst brutalen Verstümmelungen werden zwar nicht im Detail erläutert, allerdings ist der Gedanke an diese Methode allein schon Garant für Ekel und Gänsehaut. Und sie wirken äußerst surreal, was natürlich auch an Dexters äußerst nüchternen Reaktionen liegt.

Dieser nimmt sowieso eine sehr interessante Entwicklung in diesem Thriller. Seinen ständig gegenwärtigen, dunklen Passagier hat er diesmal auf die Ersatzbank gehievt, teilweise scheint er sogar das Leben als "Stinknormaler" regelrecht zu genießen. Außerdem sorgen diverse Fehltritte und Situationen mit Rita und den Kindern für entsprechende Lacher. Gerade bei Cody und Astor wird in Nebenhandlungssträngen die Basis für eine weitere, höchst interessante Geschichte gelegt.

So bleibt Jeff Lindsay den Dexter Fans nichts schuldig: Man vertraut der Formel des Vorgängers, bauscht die Extreme noch weiter auf und kümmert sich gezielt an den richtigen Stellen für die Charakterentwicklung, damit man auch später noch einige Geschichten erzählen kann. Genauso soll ein Dexter-Nachfolger aussehen und sich anfühlen. Und trotz all der herrlich komischen Momente hatte ich wieder ein paar Nächte, in der ich den Türriegel doppelt vorschob, nur um auf Nummer sicher zu gehen.


Juliet, Naked: Roman
Juliet, Naked: Roman
von Nick Hornby
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Speaking words of wisdom ..., 23. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Juliet, Naked: Roman (Taschenbuch)
Der Enddreißiger Duncan ist zugleich das Beste und Schlimmste, was der Musikindustrie passieren kann: Superfan. Er kennt jedes Detail, jedes Gerücht, jede Theorie und kann auf jedweder, illegaler Liveaufnahme die feinen Nuancen in der Stimmung seines Idols Tucker Crowe bestimmen. Man könnte sagen, er kennt Tucker Crowe besser, als dieser sich selbst. Noch schlimmer: In Zeiten der digitalen Meinungsverbreitung hat Duncan weitere "Crowologen" gefunden, mit denen er sich austauschen und fachsimpeln kann. Hauptleidende ist Annie, Tuckers Beinahe-Frau. Die beiden führen mehr oder weniger eine Zweckbeziehung, die allerdings trotz all der gesellschaftlichen Sicherheit ihren Reiz verloren hat. Sollte sie jemals welchen besessen haben. Nun, zumindest findet Annie das Crowe-Album "Juliet" erstaunlich.

Als die Plattenfirma auf die glorreiche Idee kommt, die ursprünglichen Demoaufnahmen unter dem Titel "Juliet, Naked" zu veröffentlichen (die Beatles lassen grüßen), wird die schon brüchige Verbindung Duncan-Annie schwer auf die Probe gestellt: Wie kann ein solches Meisterwerk (laut Duncan) denn so gar nicht bei Annie ankommen? Und wie erdreistet sie sich, in Duncans Webforum direkt nach seiner Lobeshymne einen derartigen Verriss zu schreiben? Ein Verriss, der vor allem einer Person äußerst gut gefällt: Tucker Crowe selbst, der sich daraufhin per E-Mail bei ihr bedankt und der Fanwelt seit über 20 Jahren Abstinenz sein erstes Lebenszeichen gibt.

Schon auf den ersten Seiten lässt Nick Hornby wieder sein unglaubliches Wissen über die Musikindustrie und die Fanwelt auf höchstironische Art und Weise spielen. Wenn er im legendären "High Fidelity" noch eine eindrucksvolle Einsicht in die Welt des Plattensammlers gegeben hat, versucht er nun in "Juliet, Naked" die Leute zur charakterisieren, die nicht nur massig Platten besitze, sondern vor allem von einer bestimmten Platte eine Menge. Man kann ja nie genug Variationen seiner Lieblingsscheibe haben. Ich gestehe, ich gehöre dazu: Die 120 Led Zeppelin Tonträger in meinem Schrank unterscheiden sich auch oft nur im Detail, aber hey, auf dieses Detail kommt es immerhin an. Und wenn ich bei "One Night in Paris" nicht sofort an einen Hobbyschmuddelstreifen mit der Hilton Tochter denke, sondern eher an ein äußerst gelungenen Zep-Mitschnitt aus dem französischen Radio Anno 1971, wer kann es mir verdenken?

Hornby nimmt also die ganze Welt der Superfans aufs Korn, nicht böse-bissig, sondern verständnisvoll und mit britischer Nonchalance auf eine Art "Das ist halt so". Dabei werden vor allem auch die Möglichkeiten, die es seit dem Einzug des Internets gibt nicht ausgelassen, und so mancher Onlinerezensent könnte sich vielleicht den einen oder anderen Gedankenstoß aus dem Roman holen. Von diversen Rezensionsportalen ganz zu schweigen.

Doch wie immer bei Nick Hornby bietet dieses Umfeld nur den Rahmen, um fein gezeichnete Charaktere und deren Alltagsschwierigkeiten und Beziehungsprobleme genauer zu beleuchten. Hat er bei "About a boy" und "High Fidelity" noch von den großen Jungs gesprochen, die ihre Mühe mit dem Erwachsenwerden hatten, zeigt er hier vor allem Leute, die im Erwachsensein allesamt gescheitert sind. Was bringen gesellschaftliche Formen und Pflichten, wenn man am Ende ohne Antrieb, Motivation und Liebe auskommen muss. Gerade Tucker Crowe ist nicht nur wunderbares Beispiel für dieses Los, sondern auch gleichzeitig Katalysator für die Erkenntnis bei Annie und Duncan zugleich, und das jeweils auf seine eigene Art.

Der aktuelle Hornby liefert alles, was ich von einem seiner Bücher erwarte: Pointierte und humorvolle Betrachtungen der Popkultur, auch als Zeitdokument, sowie tiefgehende Psychogramme der Allerweltspersonen, die mit ihrem Leben und ihren Beziehungen auf Kriegsfuß stehen. Zum Lachen und zum Lernen. "High Fidelity" hat mich in den letzten zehn Jahren begleitet, gut möglich, dass "Juliet, Naked" das in den kommenden zehn machen wird.


Das Tal Season 1.2: Die Katastrophe
Das Tal Season 1.2: Die Katastrophe
von Krystyna Kuhn
  Audio CD
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Adrenalingetränkte Kletterpartie im Mysterykleid, 22. September 2010
Im zweiten Teil der College-Mystery-Serie schickt Krystyna Kuhn ihre Protagonisten 3000m in die Höhe und lässt sie den Ghost besteigen, jenen schier unbezwingbaren Berg, der das Tal samt College von der nächsten Stadt trennt. Die neue Episode konzentriert sich diesmal auf die Halbkoreanerin/Halbamerikanerin Katie West. Ebenfalls dem gängigen Grace College Jugendlichen entsprechend hat auch sie ihre Dämonen aus der Vergangenheit im Gepäck. Ihr Spleen ist es, "Out of body" Erfahrungen durch Adrenalinkicks zu gewinnen, sei es Freiklettern, Brückenspringen und solcherlei. In bester Watzmann-Manier will sie also rauf auf den Berg, nimmt gleich eine Partie an illustren Kommilitonen mit, die vor allem den in den 70er Jahren unter mysteriös en Umständen verschwundenen Studenten auf die Spur kommen wolle. Weder Klettermaxine noch der Rest ahnen, wie sehr diese Tour de Force ihnen an die Nieren und -- schlimmer -- an die Gruppendynamik gehen wird.

Nachdem die Autorin mit dem ersten Band "Das Spiel" Regeln, Mysterien und Charaktere eingeführt hat, kann sie sich nun in dem bekannten Setting ordentlich austoben und wirklich eine Momentaufnahme abseits des groben Rahmens in bester Serienmanier inszenieren. Tatsächlich ist in "Die Katastrophe" der Spannungsbogen weit gefeilter und auch die Charakterisierung detailreicher. Bekannte Gesichter verstärken den Eindruck, den sie im "Spiel" gegeben haben, neue Charaktere haben ebenfalls ihr ganz eigenes Gesicht. Die Mysterien und "MacGuffins", die im ersten Teil noch sehr prominent waren, hat man entsprechend zurückgeschraubt und auf ein notwendiges, übersichtliches und vor allem motivierendes Minimum reduziert. Die Gruppe, die vor über 30 Jahren in den Bergen war taucht zwar immer wieder auf, bildet aber nur das Gerüst. Im Vordergrund stehen eindeutig die Studenten von heute und vor allem Katie West.

Leider hatte ich gerade bei dieser das Gefühl, dass sie Julia Frost aus dem Vorgänger im inneren Monolog zu sehr ähnelt und da kaum Unterschiede sind. Dafür war mir gerade Julia übel unbekannt und kaum wiederzuerkennen. Was Beziehungen nicht alles ausmachen können. Natürlich kann das auch an der Darbietung von Franziska Pigulla liegen, allerdings kann ich mir das bei der perfekten Nuancierung nicht vorstellen. Ganz klar: Es gäbe keine bessere Stimme für diesen Mystery-Spaß als Ex-Special Agent Scully. Diese versteht es auch, die zahlreichen Actionpassagen entsprechend aufreibend und mitreißend zu erzählen.

Nichtsdestotrotz hat mich spätestens jetzt (und das ist so gesehen eigentlich schon recht früh) das Serienkonzept von Verlag und Autorin vollends überzeugt. Die Idee geht auf, man bekommt eigenständige, charakterzentrische Handlungen und darf sich auf kleine Leckerbissen für die große, umfassende Rahmenhandlung freuen, die hoffentlich am Staffelende entsprechend abgeschlossen wird. Ich freue mich schon, wenn Außenseiter und Exzentriker wie Benjamin Fox ins Zentrum gestellt werden, oder wenn Julias Bruder Robert endlich seinen großen Auftritt hat. Bis dahin rätsel ich gerne vor mich hin, was es mit den ganzen Andeutungen auf sich hat, und gratuliere der Autorin zum gelungenen Cliffhanger. Die Spannung ist geschürt, November und "der Sturm" können kommen!


Lost Horizon
Lost Horizon
Wird angeboten von gameware
Preis: EUR 4,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fehlen nur noch Filzhut und Peitsche, 30. August 2010
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Lost Horizon (Computerspiel)
In den wilden Zeiten der Zwischenkriegsjahre bekommt Fenton Paddock - seines Zeichens Pilot, unehrenhaft entlassener Soldat und verwegener Draufgänger (tm) - den Auftrag seinen alten Kameraden Richard aus dem eisigen und unnachgiebigen Tibeter Hinterland zu suchen. Dieser ist nämlich nicht nur Soldat des britischen Empires bzw. Sohn eines sehr einflussreichen und wichtigen Gouverneurs, sondern auch Leiter einer äußerst geheimen Expedition, die es unter allen Bedingungen weiterhin geheim zu halten gilt. Haudegen wie Fenton nun mal ist, macht er sich auf den Weg von Hong Kong hinter den verlorenen Horizont ins Tibetische, allerdings unwissend, dass seine Mission ihn über die Kontinente auf der Suche nach alten Karten, mysteriösen Artefakten und alten Kulturen zerrt, immer einen knappen Schritt den Nazis voraus, die es ebenfalls auf die darin verborgene, geheime Macht abgesehen haben.

Schon nach den ersten Spielminuten wird klar, worauf es die Geheimakte-Macher abgesehen haben: Sie wollen einem der größten Abenteurer aller Zeiten entsprechenden Tribut zollen, etwas, zu dem Lucas und Spielberg mit "Dem Königreich der Kristallschädel" nicht im Stande waren: Indiana Jones lebt in jeder einzelnen Einstellung dieses optisch wie akustisch prächtigen Point-n-Click Adventures. Doch damit ist man weit von einem Plagiat entfernt. Die Eigenständigkeit der Handlung und der Story ist in keinster Weise anzuzweifeln, man versteht sich eher als großes Zitatekino, das die Helden der Jugend - und v.a. auch meiner Jugend - in eine neue Puzzlewelt bringt. Und es macht einen Heidenspaß.

Doch nicht nur die Filme werden zitiert, gerade gegen Ende des Spiels gibt es immer wieder Reminiszenzen an die beiden Indiana Jones Adventures aus den 90ern, bzw. "Flight of the Amazon Queen" und Konsorten. Vor allem das letzte Kapitel schreit an allen und Ende nach "Indiana Jones and the Fate of Atlantis". Doch auch hier gilt wieder: zitieren, nicht kopieren. Gelungen bis ins kleinste Detail ein Cocktail aus Altbekanntem, mit frischen und neuen Ideen garniert und präsentiert. Auch die Action kommt dabei nicht zu kurz, und das im Point-n-Click'schem, positivsten Sinn: Wer beispielsweise die wilden Verfolgungsjagden aus den Indiana Jones Filmen vermisst, darf sich freuen, dass man genau solche in "Lost Horizon" vorfindet. Allerdings immer mit Rätseln verbunden, die einen weiterbringen. Genauso soll es sein: Keine Quick-Time Events im Stile von "Baphomets Fluch 3" oder ähnlichen Actioneinlagen, sondern klassische Kopfnüsse unter Hochspannung.

Wenn ich mir je einen Nachfolger zu "Fate of Atlantis" - einem meiner Lieblingsadventures - gewünscht hätte, er wäre wohl wie "Lost Horizon" geworden. Da nimmt man die einen oder anderen, etwas zu einfach geratenen Rätsel (seien wir uns ehrlich: Damals waren die Rätsel nicht schwerer, lediglich das Spiel unnachgiebiger bzw. die Steuerung fieser) gern in Kauf. Genauso wie die teils karge Mimik der Charaktere. Aber um Grafikextravaganzen ging's in dem Genre eh nie, Hauptsache es ist stimmig und atmosphärisch. Und gerade Atmosphäre hat das Spiel genug.


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