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Rezensionen verfasst von
Stefan Baumgartner (Linz)

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Sakrileg - The Da Vinci Code (Robert Langdon 2) (Allgemeine Reihe. Bastei Lübbe Taschenbücher)
Sakrileg - The Da Vinci Code (Robert Langdon 2) (Allgemeine Reihe. Bastei Lübbe Taschenbücher)
von Dan Brown
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Illuminati, zweiter Versuch, 19. Oktober 2009
Der klaustrophobische Symbologe Robert Langdon und eine nahestehende Verwandte eines blutrünstig niedergestreckten Mordopfers jagen durch eine europäische Weltmetropole und entschlüsseln die Geheimnisse, die sich hinter jahrhundertealten Kunstwerken befinden. Dabei sind sie nicht nur auf den Spuren alter Geheimbünde sondern lösen auch gleichzeitig eines der großen Rätsel der Menschheit.

Klingt sehr nach "Illuminati" von Dan Brown, ist aber "Sakrileg" bzw. "Der Da Vinci Code", nun, auch von Dan Brown. Tatsächlich weist der Plot bzw. der rote Faden in Dan Browns Bestseller nicht nur eine unglaubliche Ähnlichkeit mit dem Vorgängerroman auf, über weite Strecken läuft die Geschichte haargenau gleich ab. Und noch dazu nicht einmal herausragend geschrieben.

Doch auch wenn Dan Brown keine Kreativitätsbonus in Sachen Schreibstil und Handlung bekommt, so muss man auf jeden Fall zugestehen, dass die Schnitzeljagd durch Paris und das Puzzlespiel mit Da Vincis Gemälden unglaublich gelungen ist. Oft hätte ich mir gewünscht, dass neben den gelungenen Gemäldebeschreibungen auch Fotos ebenjener abgedruckt wären (was Bastei Lübbe in einer Edition sogar gemacht hat), damit man direkt Bilder und Beschreibung vergleichen kann, und eventuell selbst diverse Eigenschaften errät. Darin liegt die größte Stärke des Buches: Wie Dan Brown es schafft, bekannte und beliebte Kunstwerke so zu entschlüsseln, dass im Gesamtbild sich alles wie ein Stein in einem großen Puzzlespiel einfügt, ist brillant. Dazu noch ein paar Legenden und Mythen als Fakten eingestreut, und schon hat man Mysterien konstruiert.

Man merkt zwar, wie Dan Brown mit einem spielt und welche Bären er einem aufbindet, aber das macht unglaublich viel Spaß und ist total fesselnd. So kann man auch über die eine oder andere schriftstellerische Schwäche hinweg sehen.

Wer große, literarische Kunst sucht, ist hier eindeutig fehl am Platz. Wer aber einen spannenden Mystery-Thriller mit Rätsel- und Knobelpotential schätzt, hat mit Sakrileg seine hellste Freude. Noch dazu hat Dan Brown aus seinen Fehlern gelernt und das haarsträubende Ende des Vorgängers viel runder gemacht. "Illuminati" rundgeschliffen, sozusagen.


Schäfers Qualen. Kriminalroman
Schäfers Qualen. Kriminalroman
von Georg Haderer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Mord! Mord in Tirol! Das geht doch nicht ..." - Gelungenes Debut!, 19. Oktober 2009
Ein rätselhafter Mord in der Tourismushölle Kitzbühel bringt den erfolgreichen Polizeimajor Schäfer von der Wiener Mordkommission zurück in seine Heimatstadt. Noch nicht einmal angekommen stellt sich heraus, dass es bei einem Mord nicht bleibt und jemand alte Rechnungen zu begleichen scheint. Neben dem ewig lauernden Mörder, der Schäfer schon mal wortwörtlich die Schuhe auszieht, muss sich der Major allerdings mit noch ganz anderen Dämonen herumschlagen: Seiner eigenen Vergangenheit und vielen damit zusammenhängenden, offenen Wunden.

Wieder ein neuer, österreichischer Krimiautor, wieder die Entdeckung des Jahres, wieder ein eigenwilliger Ermittler, und wieder ein hochgelobtes Debut, das man gern mit Wolf Haas vergleicht. Wie man vielleicht ein wenig bemerkt, hat mich die Lobhudelei, die ich im Vorfeld gelesen habe, doch sehr skeptisch gestimmt. Diese Versprechen wurden schon von vielen gemacht, und die wenigsten konnten sie halten. Nach dem Lesen der Lektüre muss mich allerdings eingestehen, dass ich mich nur zu gern in die Reihen des positiven Medienechos begebe und zum Großteil allem zustimmen kann. Nur nicht einem: Ein neuer Wolf Haas ist das auf alle Fälle nicht.

Gottseidank nicht!

Wolf Haas Bücher kann nur Wolf Haas schreiben. Georg Haderer macht sein eigenes Ding, und erschafft mit Major Schäfer einen sehr schrägen, aber unglaublich sympathischen Protagonisten. Es ist ziemlich spannend zu sehen, wie sich Schäfer durch die Rückkehr in seine alte Heimat verändert. Er zweifelt an seinem Genie und scheint sich mehr mit dem Ausweichen und "Nicht-Aufwärmen" alter Geschichten zu beschäftigen, als mit den Fällen an sich. Die Ermittlung lässt er schon mal gern am Polizeiposten, er selbst gibt sich dann mit viel zu ausschweifenden Tatortbesichtigungen oder Vernehmungen im Wirtshaus ab, wo man nach einem guten Vogelbeerschnaps anscheinend alle Informationen kriegt. Wenn man sich nur am nächsten Tag noch erinnern könnte. Gerade diese Ecken und Kanten machen Schäfer zu einer sehr greifbaren Person. Die Entscheidungen, die von den Kollegen durchaus angezweifelt werden, erschienen zumindest mir total schlüssig und nachvollziehbar. Allerdings wohl eher, weil ich als Mensch so gehandelt hätte, und nicht als Polizeimajor und Ermittlungsleiter.

Die Geschichte bzw. der Fall selbst erinnert in Sachen Skurrilität dann doch etwas an die frühen Simon Brenner Krimis, auch wenn der schräg-eigenwillige Schreibstil von Wolf Haas hier natürlich gänzlich fehlt. Was jetzt aber nicht bedeutet, dass Haderers Schreibe flach wäre, ganz und gar nicht. Gerade ein paar bewusst eingesetzte Stilmittel, wie die indirekte Rede für schnellere und alltägliche Handlungsabläufe sowie die zum Brüllen komischen Telefongespräche, sind mir so in dieser Art noch nie untergekommen, und sozusagen das i-Tüpfelchen für die skurrile Krimigeschichte.

Dennoch, all jenen, die nie mit Haas warm geworden sind und schräge Krimis sowie eine eher konventionellere Sprache bevorzugen, möchte ich "Schäfers Qualen" auf jeden Fall ans Herz legen. Mein bisheriges Krimi-Highlight und, ja, tatsächlich, meine liebste Neuentdeckung. Ich freu mich nach dem gelungenen Debut auf jeden Fall auf weitere Geschichten!


Jesus liebt mich
Jesus liebt mich
von David Safier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Flacher Humor, der sich viel zu schnell abnützt, 22. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Jesus liebt mich (Gebundene Ausgabe)
Jesus muss das jüngste Gericht einleiten, doch bevor er mit den guten Menschen ins ewige Himmelreich abdüst und den Rest dem Teufel vor die Füße wirft, will er noch ein kleines bisschen seiner alten Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Dem Hobeln. Als Zimmermann natürlich. Als er einen Dachstuhl reparieren will, trifft er dabei auf Marie, die gerade ihren Verlobten vor dem Altar stehen hat lassen. Begeistert von der unglaublichen Ausstrahlung verliebt sich Marie in den Heiland. Und als Jesus beginnt, diese Liebe zu erwidern, entscheidet er die Apokalypse doch noch ein wenig herauszuzögern.

In den ersten Seiten des Buches konnte ich Tränen lachen. Der Humor war außerordentlich spritzig und hat richtig bei Laune gehalten. Hie und da ein Wortwitz, dann wieder eine oberschlaue Bemerkung, fein ein paar Comics eingestreut und als Sahnehäubchen den Retro-Jesus, der lernen muss, dass sich die Welt in den letzten 2000 Jahren auch ohne ihn gedreht hat.

Soweit, so gut. Doch was anfangs noch witzig erscheint, verliert viel zu schnell den Reiz. Der Humor nutzt sich unglaublich schnell ab, und wo 30 Seiten vorher der Hobel-Witz noch zum Schmunzeln verleiht hat, hat man später einfach die Schnauze voll davon. Es wirkt fast so, als ob der Autor nach der guten Grundidee und der ebenso guten Umsetzung dieser einfach nicht wusste, wohin er seine Geschichte lenken soll und ein Notende mit flachen Witzen in die Länge gezogen hat. Und als dann tatsächlich die Apokalypse eintritt und man nur noch mit Blödeleien konfrontiert wird, die man höchstens aus miesen TV-Sketchshows kennt, ist man nahezu geneigt, das Buch vorzeitig zu beenden und den Tag des jüngsten Gerichts selbst zu stoppen.

Gut, es gibt Lichtpunkte: Die Dates zwischen Jesus und Marie sind göttlich. Einen salsatanzenden und karaokesingenden Erretter der Welt muss man gesehen haben. Ganz zu schweigen von den Mochitos, viel lecker als in Wein verwandeltes Wasser. Auch die Comics, die von Maries Schwester gezeichnet wurden haben ihren gewissen Charme und können einen durchaus zum Schmunzeln bringen.

Der Rest hingegen ist flach, gezwungen, und erinnert viel zu sehr an schlechte Fernsehkomödien. Schade, dass der Humor hier bei mir nicht zünden konnte, die Grundidee fand ich nämlich ganz prima.


Das Kind
Das Kind
von Sebastian Fitzek
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fitzeks Spiel mit den Tabus - Beklemmend, ekelerregend, brilliant!, 22. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Kind (Taschenbuch)
Der zehnjährige, krebskranke Simon Sachs glaubt, in einem früheren Leben Serienmörder gewesen zu sein. Tatsächlich kann er sich an Morde erinnern und sogar die versteckten Leichen auffinden, die lang vor seiner Geburt gestorben sind. Simon will sich der Polizei stellen, und sucht Hilfe beim erfolgreichen Anwalt Robert Stern. Dieser lehnt zunächst ab, doch als er einen mysteriösen Brief bekommt, der darauf hinweist, dass sein vermutlich verstorbener Sohn noch leben könnte und er dem Jungen helfen solle, nimmt er sich Simons Fall an und geht der Angelegenheit auf den Grund. Die Suche nach Hinweisen führt in dabei tiefer in die Abgründe Berlins, von den Pornoproduzenten bis hin zur Kinderschänderszene.

Es ist schon spektakulär, welchen Themen sich Sebastian Fitzek in seinem dritten Roman widmet. Ganz klar: mit "das Kind" spricht er Tabus an, zeigt Dinge auf, die uns eigentlich den Magen umdrehen, und spielt mit Abscheu, Ekel und unseren Instinkten. Und genau hier liegen die Stärken in seinem Psychothriller. Die Bereiche, in die Robert Stern mit seinem Schützling Simon vordringt sind anders als in den anderen Fitzek-Büchern, und mit einer derartigen Fantasie beschrieben, die staunen lässt. Um es mal so auszudrücken: Ab heute sehe ich die Supermarkt-Annoncen in einem anderen Licht.

Neben der sehr bedrückenden Beschreibung der Berliner Kinderschänderszene hat Fitzek aber auch noch genug andere Einfälle, um die Geschichte bei Spannung halten zu können. So führt er durch einen undurchsichtigen Plot, streut gelungen Wendungen ein und führt gekonnt zu einer Auflösung, in der das komplizierte Netz wieder entworren wird. Klar, die Geschichte ist konstruiert und der "Bösewicht" dank Ausschlussverfahren bald ersichtlich, allerdings ist der Weg dorthin unglaublich spannend und sehr unterhaltend. Das Ende wird wieder die Gemüter erhitzen und die Meinungen spalten, aber diesmal hatte ich, anders als bei der Therapie oder Splitter nicht ganz solche Probleme damit und konnte das als logische Erklärung für die Vorkommnisse akzeptieren.

Apropos "Die Therapie": Auch wenn mir Fitzeks Kind unglaublich gut gefallen hat, so kommt es nicht an das Debut oder meinen Favoriten, den Seelenbrecher, ran. Muss es aber auch nicht, denn "Das Kind" steht durchaus gut für sich alleine da und muss sich nicht verstecken. Nur ein wenig unvorhersehbarer hätte es sein können, ein paar Nebenpersonen mehr, die vielleicht auf die falsche Fährte locken. Ansonsten kann man mit dem dritten Fitzek nicht viel falsch machen: Wer gute Unterhaltung zum Zeit-vergessen sucht, wird hier auf alle Fälle fündig.


Amokspiel
Amokspiel
von Sebastian Fitzek
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Cineastischer Action-Thriller -- gut, aber Fitzek kann's besser, 22. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Amokspiel (Taschenbuch)
Die alkoholsüchtige und kaputte Polizeipsychologin Ira Samin wird kurz vor ihrem Selbstmordversuch zum Einsatz gerufen: In einem Berliner Radiosender versucht nämlich ein ehemaliger Therapeut mit einer Geiselnahme und einem grausamen Spiel die Behörden zu zwingen, seine tot geglaubte Verlobte wieder auftauchen zu lassen. Der Deal: Eine beliebige Nummer in Berlin wird angerufen, und wenn dann nicht die richtige Gewinnparole zu hören ist, wird eine Geisel getötet. Für Ira Samin beginnt ein heikles Psychospiel, indem nicht nur sie mit ihren inneren Dämonen konfrontiert wird.

Gleich vorweg: Ich habe Sebastian Fitzeks zweites Buch zum Schluss der fünf Bände gelesen, die bislang von Deutschlands Thriller-Nummer 1 existieren. Und das ist vielleicht gar nicht schlecht, weil das "Amokspiel" sich doch deutlich von seinen anderen Büchern unterscheidet. Wo Fitzek normalerweise mit einer Handvoll Charakteren und einigen mysteriösen Ereignissen ein dichtes Netz aus Handlungsfäden spinnt, dass er gekonnt und überraschend am Ende auflöste, versucht er hier eine andere Art von Thriller und begibt sich eher in Richtung Hollywood. Ganz klar, großer Polizeiansatz (mit dem deutschen SWAT-Gegenstück), korrupte Staatsanwälte, Mafiabosse und Zeugenschutzprogramme, alles in einem taglangen Wettlauf gegen die Zeit: Sowas bekommt man von den britischen Filminstitutionen zu Hauf geboten. Doch nicht nur die Handlung wirkt wie im Film, auch der Schreibstil ist weit cineastischer, als es bei den anderen Geschichten von Fitzek der Fall ist.

Und leider muss ich gestehen, dass mir dieser Wechsel vom psychologischen zum actionreichen nicht ganz so gut gefallen hat. Den Charakteren bleibt keine Zeit zur Entwicklung, der Maulwurf ist trotz offensichtlicher Irreführung viel zu schnell eindeutig und unter all den SEK-Zugriffen verschwinden die ruhigeren Psycho-Kniffe, die Fitzeks Bücher bislang so ausgezeichnet haben. Alleine die Telefongespräche zwischen Jan May und Ira Samin wissen wirklich zu unterhalten und gefallen auf der ganzen Linie. Die einzelnen Ereignisse führen auch zu einem logischen, mäßig überraschenden und gelungenen Auflösung, allerdings wird gegen Schluss noch einmal die Geschichte in einer unvorhersehbaren Richtung gedreht, die dann typisch mit einem "Hätt' ich nicht Gedacht" zum Ende findet.

Allerdings muss ich zugeben, dass auch wenn mir das Szenario und die Handlung selbst nicht so gut gefallen haben, ich doch wieder rundum Spaß dabei hatte und die Zeit richtig gut totschlagen konnte. Fitzek versteht es, einen Pageturner zu schreiben, und so gesehen hat er sein Soll wieder ganz und gar erfüllt. Ich freu mich auf den nächsten Roman!


Leichenblässe (David Hunter, Band 3)
Leichenblässe (David Hunter, Band 3)
von Simon Beckett
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Weg von Bewährtem, hin zur Leichenfarm!, 22. September 2009
Das Ende von "Kalte Asche" bedeutete für den Protagonisten David Hunter, einem forensischen Anthropologen, einen wörtlich zu nehmenden Schnitt in seinem Leben. Im Versuch sich von den Ereignissen aus dem Vorgängerband zu erholen, nimmt er das Angebot seines ehemaligen Universitätsprofessors und Mentors an und besucht die Leichenfarm in Tennessee, um in bekannter Atmosphäre seine Studien durchzuführen, und England hinter sich zu lassen. Doch wie es der Zufall so will, wird er zusammen mit seinen Kollegen zu einem Mordfall hinzugezogen, und schon kurz nach den ersten Ermittlungen stellt sich heraus: Hier war ein Leichenprofi am Werk!

Wo Simon Beckett in "Kalte Asche" noch mit den bewährten Mitteln aus "Die Chemie des Todes" gearbeitet hat, und eine kleine, eingeschworene Gemeinde mit dem Wissen des Forensikers konfrontierte, versucht es der Autor diesmal mit anderen Mitteln, und versucht neben der Szenarioänderung auch die Sicht des Serienmörders zu schildern. Mit dem kurz eingeworfenen Perspektivenwechsel gegen Ende beinah jeden Kapitels gelingt es ihm, den Leser ein wenig in die Irre zu führen und die Geschichte nicht ganz so vorhersehbar zu machen. Außerdem hilft dieser Schritt enorm bei der Charakterisierung des Bösewichts, der allerdings am Ende dann etwas zu schnell und unglaubwürdig sein "reales" Gesicht bekommt. Außerdem hat man das Gefühl, dass darunter so ziemlich alle anderen Charaktere leiden.

Zwar waren die Dorf- bzw. Inselbewohner aus den beiden Vorgängerromanen ebenso stereotyp, allerdings gab Beckett ihnen doch den einen oder anderen Schliff, der bei den Reißbrettcharakteren aus "Leichenblässe" leider vollständig fehlt. Auch David Hunter selbst muss leider etwas zurückstecken, was angesichts seiner Vergangenheit nicht ungewöhnlich ist.

Noch dazu kann ich mich mit Knoxville als Handlungsort nicht wirklich anfreunden. Die britischen Dörfer waren mir sympathischer und hatten auch mehr zu bieten. Hier geht einiges verloren, da gerade die ausführlichen Schilderungen der Umgebung einen Großteil der Atmosphäre ausgemacht haben.

Was sich jetzt so negativ anhört, istaber nur Erbsenzählerei. Im Großen und Ganzen erwartet einem wieder ein spannendes Abenteuer, welches im Vergleich zu den Vorgängerromanen diesmal auf andere Dinge konzentriert ist und einen interessanten, sowie David Hunter ebenbürtigen Antagonisten erschafft. Da David Hunter gegen Ende zu neuen Kräften zu kommen scheint, bleibt zu hoffen, dass wir einen neuen Roman der Reihe bald erwarten können. Nur würd ich mir da ein wenig mehr Gewicht auf die Nebenpersonen wünschen...


Kalte Asche: David Hunters 2. Fall
Kalte Asche: David Hunters 2. Fall
von Simon Beckett
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine rund geschliffene "Todeschemie", 22. September 2009
Der Forensiker David Hunter hat sein Landarztdasein beendet, lebt in einer Beziehung und ist sogar verheiratet! Allerdings nicht mit seiner reizenden Freundin Jenny, die aus dem Vorgängerroman bekannt ist, sondern viel mehr mit seinem Beruf als Anthropologe. Diese Ehe bringt ihn auch auf die kleine, abgeschiedene Insel Runa, wo ein kauziger Ex-Polizist eine verbrannte Leiche entdeckt hat. Für David gilt es nun festzustellen, ob es sich hier um ein Mordopfer handelt, oder nicht. Während seiner Ermittlungen darf er sich nicht nur mit der eingeschworene Gemeinschaft der Inselbewohner rumschlagen, sondern auch Zeuge werden, wie reihum weitere Menschen verbrennen. Der Mörder ist also unter ihnen, und dank des aufziehenden Sturms mit ihnen auf der Insel gefangen.

Klingt ein bisschen nach "Die Chemie des Todes", wo man das britische Dorf gegen die britische Insel und die detailliert beschriebenen Verwesungsprozesse durch nicht minder detailliert beschriebene Verbrennungen des menschlichen Körpers ausgetauscht hat? Nun, wenn man es auf diese Eigenschaften reduziert, ist es das auch. Und auch sonst gibt es etliche Elemente, die Simon Beckett bereits im Vorgänger verwendet hat, und die einem bekannt vorkommen mögen.

Dennoch, auch wenn Beckett seinen Protagonisten durch den -- zugegeben -- vorhersehbaren Plot jagt und dabei einige Dinge wiederverwendet, bleibt die Geschichte von der ersten Seite weg spannend und interessant. Alles wirkt im Vergleich zu "Chemie des Todes" runder, geschliffener und ausgefeilter. Auch scheint sich der Autor weniger mit dem Privatleben von David Hunter aufzuhalten, und lässt ihn an etlichen Stellen im Buch immer wieder für seine Arbeit entscheiden, was dem Plot meiner Meinung nach sehr zugute kommt.

Außerdem gelingt Beckett die Darstellung des Handlungsortes wieder einmal unglaublich gut. Die abgeschiedene Insel Runa wirkt mit all ihren "Sehenswürdigkeiten" und dem schrulligen Fischervolk noch um einiges interessanter als das Dörfchen Manham aus dem Vorgänger. Dazu kommt die wachsende Bedrohung durch den aufziehenden Sturm, die der Autor wunderbar in Worte gefasst hat.

Und auch wenn viele Thrillerprofis die Auflösung wohl schon vor Ende der Geschichte erraten, bekommen sie durch den überraschenden Epilog und die spannende Achterbahnfahrt im letzten Drittel des Buches sicherlich genug Aufregung und Action spendiert, um ihren Spaß an der Geschichte zu haben.

Insgesamt kann ich also sagen, dass mir "Kalte Asche" noch einen Tick mehr als das schon sehr gute "Die Chemie des Todes" gefallen hat, und bislang wohl mein Lieblingsbuch von Simon Beckett darstellt. Den Leser erwartet ein gut durchdachter Krimiplot, der an einem interessanten Schauplatz mit stereotypen, aber glaubwürdigen Charakteren spielt und viel Atmosphäre schafft. Wer darüber hinweg sehen kann, vielleicht das eine oder andere schon mal gelesen zu haben, wird mit einem runden und spannenden Abenteuer belohnt!


Die Therapie
Die Therapie
von Sebastian Fitzek
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungenes und spannendes Debüt, 30. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Therapie (Taschenbuch)
Der berühmte Psychiater Viktor Larenz versucht das urplötzliche Verschwinden seiner 12-jährigen Tochter Josy zu verarbeiten, indem er sich in ein einsames Ferienhaus auf der noch einsameren Insel Parkum zurückzieht und für die Bunte Interviewfragen beantwortet. Kurz nach seinem Eintreffen erscheint ein ungewollter Gast: Die junge Kinderbuchautorin Anna Spiegel ist ihm gefolgt und will sich bei Larenz in Therapie begeben. Der nicht mehr praktizierende Psychiater lehnt zunächst ab, als er allerdings in einem kurzen Gespräch auf einen Hinweis zum Verbleib seiner Tochter Josy stößt, lässt er sich auf eine längere Therapie mit ihr ein, die sein Leben verändern soll.

In Sebastian Fitzeks Debütroman zieht der Berliner bereits alle Register, die auch seine späteren Bücher auszeichnen sollen: Ein flotter, leicht verständlicher Schreibstil, eine überschaubare Besetzung, kurze, in Cliffhanger endende Kapitel und eine Handlung, die alle paar Seiten wieder eine weitere, unvorhersehbare Wendung nimmt. Und für einen Erstling gelingt ihm das absolut hervorragend! Man fliegt regelrecht durch die Geschichte, und mit jedem Szenen- und Kapitelwechsel stellt sich dieses "Ach, ein Kapitel geht schon noch"-Gefühl ein. Und ehe man sich versieht, ist man am Ende angelangt und heiß auf das nächste Thriller-Futter.

Allerdings merkt man dem Autor noch an, dass er hier seine ersten literarischen Schritte wagt. Die Charaktere sind zwar sympathisch, haben aber nicht die Tiefe, die ihnen zustehen würde, und ab und zu schleicht sich eine Metapher ein, die für einen unfreiwillig komischen Moment sorgt.

Etwas sauer aufstoßen kann auch das Ende, wo die ganze Geschichte noch einmal komplett umgestülpt wird und manchen Leser bei der Achterbahnfahrt durchaus aus seinem Wagen schleudern kann. Dabei gelingt es Fitzek, die Haupthandlung in Parkum selbst auf eine logische, nachvollziehbare Weise fast bis zu einer Auflösung zu bringen, bis sie auf den letzten Seiten mit der Rahmenhandlung verwoben wird und man zu einem Schluss kommt, mit dem wohl keiner gerechnet hätte. Wer diese etwas harte Kurve allerdings packt, wird mit einem spannenden, kurzweiligen und aufregenden Thriller belohnt.

Mit Fitzek haben die deutschsprachigen Krimiautoren einen Schreibteufel bekommen, der durchaus mit "den Großen" mitmischen darf. Ich freu mich schon auf eine Verfilmung!


Der Seelenbrecher
Der Seelenbrecher
von Sebastian Fitzek
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Werden Sie Teil eines Experiments ..., 30. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Seelenbrecher (Taschenbuch)
In Sebastian Fitzeks viertem Psychothriller werden wir eingeladen, an einem Experiment teilzunehmen: In einer angesehenen Privatklinik für psychisch erkrankte Patienten erleben wir die Geschichte von Caspar. Caspar wurde ein paar Tage vor Weihnachten bewusstlos vor der umfunktionierten Villa aufgefunden und kann sich seither an nichts mehr erinnern. Gefundenes Fressen für die Herren und Damen Neurologen, die sich liebend gern mit einer kompletten Amnesie beschäftigen würden. Damit ist der Protagonist nicht allzu glücklich, weshalb er einen Fluchtversuch startet, der allerdings noch vor Ausführung durch die Ankunft eines weiteren Patienten abgebrochen wird: So wie es scheint, fand sich mit Dr. Bruck der berüchtigte Seelenbrecher in der Klinik ein, der Kriminelle, der seine Opfer in einen ewig andauernden Albtraum schickt, aus dem sie nie zu erwachen scheinen. Mit der Ankunft Brucks und seinem Entwischen aus der ärztlichen Aufsicht bricht Panik unter den Bewohner der Villa aus. Der Notfall-Schott wird geschlossen, und wie es das Schicksal so will, ist die Truppe mit ihrem Widersacher auf unbestimmte Zeit in der Villa eingesperrt. Es beginnt eine blutige und mörderische Hasenjagd durch die Räumlichkeiten der Klinik.

Ich muss gestehen, ich liebe Filme und Bücher, in denen eine kleine Gruppe unterschiedlicher Personen mit einem bedrohlichen Gegenspieler eingeschlossen ist und ums Überleben kämpfen muss. Deswegen bin ich vielleicht schon von Anfang an ein wenig anfälliger für die Handlung, die uns Fitzek in "Der Seelenbrecher" präsentiert. Dabei erfindet er das Rad der "Haus-Thriller" mit dieser Geschichte nicht unbedingt neu, schafft es aber, mit kurzen Echtzeitkapiteln eine unglaubliche Spannung aufzubauen und den Leser ebenso wie die Hauptcharaktere regelrecht durch das Erlebte zu hetzen. Bei mir war es zumindest so, dass ich die fünf Stunden, die ich mit dem Buch verbracht hab selten durch Pausen unterbrochen wurden. Und wenn, dann an Stellen, an denen auch die Helden der Geschichte einmal kurz verschnaufen konnten. So einfach Handlung und Schreibstil auch sein mögen, wenn ein Buch derartig fesseln kann und der Leser mehr als nur willig ist, dem vorgelegten Tempo zu folgen, sorgt das einfach für Lesespaß

Wie von Fitzek gewohnt, erlebt die Geschichte alle paar Seiten wieder Wendung um Wendung. Wo er allerdings bei "Die Therapie" noch überraschend gegen Ende alles über Bord geworfen hat und eine nicht zu erahnende Auflösung präsentierte, hat er beim "Seelenbrecher" seine Hinweise richtig gut versteckt, aber doch auffindbar gemacht. Am Ende fragt man sich, wie man denn nur das alles übersehen konnte, was schlussendlich zur Lösung der Geschichte beiträgt. Ebenfalls gelungen ist die Rahmenhandlung des Experiments, die mit einem wirklich atemberaubenden Kniff auf den letzten Seiten den Leser näher in die Geschichte zerrt, als ich es je bei einem anderen Buch erlebt hätte. Sowas hab ich wirklich noch nie gesehen.

Abschließend kann man sagen, dass eine doch einigermaßen gewöhnliche Geschichte mit einem Schuss Kreativität so aufregend verpackt wurde, dass man für ein paar Stunden die Umwelt total vergessen kann. An Fitzeks Stil scheiden sich bekanntlich die Geister, aber wer mit seiner Schreibe etwas anfangen kann, hat mit dem Seelenbrecher wieder Futter für spannende Stunden.


About a Boy
About a Boy
von Nick Hornby
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Charmante und herzliche Coming-of-Age Story, 30. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: About a Boy (Taschenbuch)
About a Boy: Der 12-jährige Marcus lebt mit seiner selbstmordgefährdeten, alleinerziehenden Mutter Fiona in Holloway. Er ist "der Neue" an der Schule und dank seiner alternativen Erziehung Zielscheibe für die mit dem Strom schwimmenden Klassenkameraden. About another Boy: Der 36-jährige Will lebt allein, frei von Geldsorgen und versucht hauptsächlich den Tag mit Freizeitaktivitäten zu füllen, und hin und wieder eine hübsche Frau für einige Zeit durchs Leben zu begleiten. Kurz genug, um sich nicht in sie zu verlieben. Dieser Will sieht nach einer (für ihn) geglückten und ausreichend kurzen Teilzeitbeziehung mit einer sitzen gelassenen Mutter, dass genau diese Frauen die eierlegende Wollmilchsau für seine Affärenansprüche darstellen. So gelangt er mit einem fiktiven Sohn zur Selbsthilfegruppe "SPAT" (Single Parents, Alone Together), so zu Suzie, so zu Suzies Freundin Fiona, so zu Fionas Sohn Marcus.

Und mit dem ereignisreichen Aufeinandertreffen der beiden "Jungs" beginnt eine faszinierende und charmante Freundschaft wider Willen. Auf der einen Seite ist Marcus, der aufgrund seiner schwierigen, familiären Umstände und einem nicht geglückten Suizidversuch seiner Mutter gezwungen wird, sich erwachsen zu verhalten. Auf der anderen Seite Will, der Lebemann, der seit Jahren erfolgreich damit beschäftigt ist erwachsenen Gefühlen, Beziehungen und Pflichten auszuweichen. In ihrem Gegenüber sehen die beiden immer wieder die Person, die sie eigentlich selbst sein sollten. Als das Unausweichliche eintritt, und jeder der beiden sich verliebt, passiert eine Metamorphose des ungleichen Paares ins genaue Gegenteil.

Nick Hornby hat's drauf mit den Geschichten über "große Jungs" und dem viel zu spät eintretenden Erwachsenwerden. Schon mit "High Fidelity" hat er sich in mein Musiksammlerherz geschrieben. Dass er ein weiteres Mal mich mit einem Roman wieder so rundum zufrieden machen kann, hätt ich ihm nach dem eher schwächeren "How to be good" nicht zugetraut. Doch Marcus und Will haben es geschafft. Mit ihrer eigenwilligen und schrägen Sicht der Welt ziehen sie den Leser in eine herrlich herzerwärmende Geschichte. Diese wird kapitelweise abwechselnd von jeweils dem anderen erzählt. Und gerade dieser regelmäßige Perspektivenwechsel der einen anderen Blickwinkel auf die gleiche Situation ermöglicht bringt das Buch zum Leben. Es ist richtig schön zu sehen, wie die beiden sich anfangs nicht leiden können, wie sie durch Marcus' Hartnäckigkeit doch irgendwie einen Narren aneinander fressen und wie sie gegen Ende hin (welches übrigens komplett unterschiedlich zum -- ebenfalls gelungenen -- Film ist) merken, dass sie doch mehr gemeinsam haben, als ihnen anfangs bewusst war.

Garniert wird das Ganze mit einer unglaublich humorvollen, trockenen und vor allem britischen Sicht der frühen 90er. Ich hab stellenweise Tränen gelacht, und fand es richtig schade, als die leicht verständliche Geschichte ihr Ende gefunden hat. Ab jetzt wird es wohl nicht mehr so einfach für mich sein, mein Lieblingsbuch von Hornby zu nennen.


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