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Rezensionen verfasst von
Stefan Baumgartner (Linz)

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Des Todes dunkler Bruder
Des Todes dunkler Bruder
von Jeff Lindsay
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwarzhumoriger und überaus spannender Thriller, 21. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Des Todes dunkler Bruder (Taschenbuch)
Der scheinbar ganz gewöhnliche Dexter Morgan arbeitet als Blutanalyst bei der Polizei in Miami, hat aber ein sehr dunkles Geheimnis: Nachts übernimmt sein ständiger Begleiter, der dunkle Passagier, das Steuer über seinen Körper und kümmert sich um ebenso finstere Gestalten. Als Serienkiller der Serienkiller übt er Justiz an denjenigen, die es seiner Meinung nach verdienen, und stillt somit seinen eigenen Durst nach Blut. Sein Leben läuft nach diesem makabren Plan, bis eines Tages ein Serienkiller auftaucht in dem Dexter seinen Meister findet.

Das besondere an diesem eigentlich grausamen Kerl ist allerdings die Tatsache, dass er durch und durch in seiner Gefühlskälte und Unnahbarkeit sympathisch wirkt. Jeff Lindsay gelingt es seinen Protagonisten an Alltagssituationen auf unglaublich charmante Art und Weise verzweifeln zu lassen. Gerade wenn Einfühlungsvermögen notwendig ist zeigt Dexter, wie schlimm es eigentlich um ihn bestellt ist. Hilfreich ist dabei mit Sicherheit die gelungene Besetzung an Nebenfiguren. Vor allem seine Alibi-Freundin Rita, die nichts von ihrem Status als Alibi weiß und Dexters Schwester Deborah, die ebenfalls bei der Polizei in Miami arbeitet geben dem schon sehr facettenreichen Hauptdarsteller den notwendigen Schliff. In dieser Art und Weise gefällt mir die Darstellung eines üblen Serienkillers weit besser als beispielsweise in Paul Cleaves (meines Erachtens nach gescheiterten) Versuch mit "Average Joe" in Der Siebte Tod ein gezwungen makaber-humorvolles Wesen zu schaffen. Aber dazu mehr an einer anderen Stelle.

Neben der Darstellung der Charaktere kann aber auch die Geschichte voll und ganz überzeugen. Die Jagd nach dem Tamiami-Killer, der in irgendeiner Weise einen Narren an Dexter gefressen hat, entpuppt sich als überaus spannende und ideenreiche Suche nach Erklärungen. Dabei ist nicht nur die allgegenwärtige Gefahr des Serienkillers bedeutend, sondern auch der Umstand das Dexter alles verlieren kann, was er sich in den letzten Jahren an "Leben" aufgebaut hat und er kurz davor ist der Welt sein wahres Ich zu zeigen. Die Auflösung am Schluss wird allerdings etwas zu schnell abgehandelt, das hätte man durchaus etwas strecken können.

Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass trotz all dieser feinen Ausarbeitung und der Liebe zum Detail alles unter einem sehr schwarzhumorigen Banner hängt, sodass man aus dem schuldbewussten Schmunzeln (und Lachen) keine Sekunde lang herauskommt.

Zu guter Letzt ist "Des Todes dunkler Bruder" auch noch der Auftakt zur Dexter TV-Reihe. Die erste Staffel basiert auf dem Buch -- die ersten beiden Episoden entstammen beinah 1:1 der literarischen Vorlage -- allerdings lässt man sich in der zwölfteiligen Reihe etwas mehr Zeit mit den Nebenfiguren und parallel laufenden Handlungssträngen, weshalb mir die Serie fast noch einen Tick besser gefällt. Im Moment stehe ich sowohl vor Beginn der zweiten Staffel der TV-Reihe und vor "Dunkler Dämon", dem zweiten Band der Buchserie, und ich bin gespannt wie sich die Geschichten von diesem Punkt an entwickeln.

Der Erstling ist auf alle Fälle hervorragend gelungen. Ganz klare Empfehlung an Thriller-Fans mit leicht makabrem Humor.


Dune - Der Wüstenplanet: Dune III: Die Kinder des Wüstenplaneten
Dune - Der Wüstenplanet: Dune III: Die Kinder des Wüstenplaneten
von Frank Herbert
  Audio CD

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolles Hörbuch - schwache Rosenberg, 21. März 2010
Der dritte Teil der Wüstenplanet-Saga spielt neun Jahre nach "Der Herr des Wüstenplaneten". Der blinde Paul Muad'dib ist in die Wüste ausgezogen, sein Schicksal ist nach wie vor unbekannt. Unter der Aufsicht der imperialen Regentin Alia wachsen die Zwillinge Ghanima und Leto zu den gefährlichsten Geschöpfen des Imperiums heran. Mit großer Macht kommen auch viele Neider, und von allen Seiten, vor allem vom ehemaligen Regentenhaus Corinno müssen die Atreides mit Intrigen und Angriffen auf ihren Thron rechnen. Sogar aus den eigenen Reihen. Zu allem Überfluß kommt auch noch ein Prediger aus der Wüste, der die Ureinwohner des Wüstenplaneten in Aufruhr bringt.

Frank Herbert bleibt bei seiner bewährten Formel, versteckt Pläne in Plänen, positioniert seine Schachfiguren auf dem großen, interstellaren Spielbrett und schafft mit "Die Kinder des Wüstenplaneten" vielleicht einen der stärksten Episoden der Saga. Jede einzelne Person in der Geschichte ist unglaublich detailliert charakterisiert und kommt ohne grobe Schwarz-Weiß-Malerei aus. Die Helden der Vorgängerbände fallen, zeigen ihre dunklen Seiten, und man sympathisiert mit den Gegenspielern, die man eigentlich hassen gelernt hat. Hier stechen besonders die Corinno, vor allem Prinz Farad'n, und Lady Jessica hervor. Gerade letztere gehörte in "Der Wüstenplanet" zu meinen Lieblingscharakteren und darf sich hier mal sowohl von der durchtriebenen als auch von der fürsorglichen Seite zeigen.

Gekonnt zeigt Frank Herbert schließlich, wie man die verschiedenen Handlungsstränge am Ende gekonnt zusammenführen kann und ein großes, episches Ganzes erscheint. Auf dem Weg dorthin gibt es wieder etliche Dialoge, viel Kultur und Hintergrund zum Universum und sogar actionreiche Szenen, die der politischen Handlung etwas Pepp verleihen. Letos Odyssee in den Süden gehört hier zu den herausragenden Handlungsfäden.

Auch hat der dritte Teil etwas Abschließendes. Das Ende bleibt wie erwartet offen, man merkt aber dass nun die Geschichte um das alte Imperium und das Haus Atreides abgeschlossen ist. Allerdings setzt Frank Herbert auch den Grundstein für neue Mythen und Legenden, und bei dem Ausblick darauf, was kommen wird (den man schon ansatzweise in den fiktiven Zitaten zu Beginn jedes Kapitel bekommt -- übrigens dieses Mal sehr genial und im großen Kontext bestechend, wie so ein scheinbar unzusammenhängender Ausschnitt perfekt die folgenden Szenen beschreibt) merkt man, dass die weitere Story ganz andere Formen annehmen wird.

Zum Hörbuch gibt es nicht viel Neues zu sagen: Die Aufmachung ist top, Simon Jäger als Sprecher perfekt und die Titelmelodie hat mir trotz all ihrer Fahrstuhltauglichkeit schon richtiggehend gefehlt! Einzig und allein Marianne Rosenberg ist mir in diesem Hörbuch zum ersten Mal negativ aufgefallen. Ihre Darbietung der einleitenden Zitate ist trotz der Prosa zu versartig. Jedes Komma und jeder Punkt wird betont, und stellenweise frage ich mich nach einem Satz, was um alles in der Welt ich da jetzt vermittelt bekommen hab. Doch das ist Erbsenzählerei. Fest steht, dass die Wüstenplanet-Reihe von Lübbe Audio nach wie vor eine der edelsten Hörbuchproduktionen auf dem deutschen Markt ist. Und Marianne Rosenberg kann noch bei drei weiteren Gelegenheiten überzeugen.


Erebos
Erebos
von Ursula Poznanski
  Taschenbuch

41 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannender und moderner Jugend-Thriller, 19. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Erebos (Taschenbuch)
Auf einer Londoner Schule zieht ein besonderes Computerspiel seine Kreise: Erebos, ein Fantasy-Rollenspiel, dass den Kids erlaubt in eine wirklich umfangreiche und fantastische Welt einzudringen. Das Besondere daran: Erebos scheint mehr über die Welt außerhalb des PCs zu wissen, als man annehmen möchte. Als der Protagonist Nick Dunmore zum Spiel eingeladen wird, beginnt er schon nach kurzer Zeit süchtig danach zu werden. Sein Leben dreht sich nur noch um den spielsteuernden Boten und den Kampf gegen die Finsternis. Bis er eines Tages einen Auftrag bekommt, den er in der realen Welt auszuführen hat, und der einen gehörigen Schritt zu weit geht.

Ich muss ehrlich sein: Nach 20 Seiten hätte ich das Buch beinhart zur Seite gelegt und mich mit etwas anderem beschäftigt. Grund dafür ist der ziemlich knappe und relativ einfache Schreibstil, der vermutlich wegen dem Etikett "Jugendbuch" sich nicht traut etwas schärfer und knackiger zu sein (dabei kann man den Jugendlichen weit mehr zutrauen). Allerdings entpuppt sich genau diese Sprache nach weiteren 50 Seiten als gelungenes Transportmittel um die im Buch beschriebenen Spielvorgänge zu schildern. Und ab da fiel es mir sogar schwer das Buch aus der Hand zu legen.

Ursula Poznanskis Jugend-Thriller lebt vor allem von einem: Der unglaublich detaillierten und fantasiereichen Darstellung der Computerspielwelt. Es ist schon beeindruckend, mit welchen Ideen und Konzepten sie ein Spiel gestaltet, dass es so wohl nie geben wird. Die erste Hälfte des Buches befindet man sich auch fast ausschließlich im Spiel, und genau wie Nick Dunmore möchte man zu Beginn eigentlich mehr von Erebos erleben, als von dem ganzen Drumherum in der realen Welt.

Sehr gelungen ist dann der Bruch nach ca. zwei Drittel der Handlung. Da beginnt dann die Ermittlung und der eigentliche Thrill. Wieso kann sich ein fünfzehnjähriger Junge, der nur ein tolles Computerspiel zocken wollte nicht mehr seines Lebens sicher sein? Wie weit reichen die Finger des Boten in die reale Welt und steckt da mehr dahinter? Hier gewinnt die Handlung unglaublich an Fahrt und lässt die letzten Seiten wie im Fluge verstreichen. Die Auflösung ist dann doch sehr originell und sogar etwas anrührend.

Löblich finde ich die Erwähnungen zu aktuellen Online-Medien wie deviantart und Facebook. Das gibt dem ganzen eine ziemliche Frische und zeigt, dass sich die Autorin durchaus eingehend mit der ganzen Thematik beschäftigt hat.

Wer sich an der etwas zurechtgeschnittenen Sprache nicht stört und sich für die spannende und detailreiche Spielwelt interessiert, kann bedenkenlos zugreifen und wird mit Sicherheit gut unterhalten.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 17, 2011 4:30 PM MEST


Fight Club: Roman
Fight Club: Roman
von Chuck Palahniuk
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich bin Joes überaus begeisterte Rezension, 19. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Fight Club: Roman (Taschenbuch)
"Die erste Regel des Fight Club heißt: Man spricht nicht darüber". Der namenlose Protagonist und Erzähler der Geschichte lernt den unkonventionellen Tyler Durden kennen, der sich als Antwort auf all seine bedrückenden Fragen entpuppt. Zusammen mit Tyler lernt er aus seiner durch Werbung und Gesellschaft definierten, gefühlskalten Welt auszubrechen. Das Mittel dazu ist der Fight Club, eine Zusammenkunft von Männern, die ebenso gegen die gleiche Leere in ihnen kämpfen. Und wie sie kämpfen. Mit blanken Fäusten.

"Ich bin Joes grinsende Rache". Doch damit befinden wir uns nur an der Oberfläche der Geschichte. Der Fight Club -- Tyler Durdens Idee -- bildet nur die Basis einer weit größeren und viel bedrohlicheren Sache, die den Kampf aus den Clubs in die Welt hinaustragen soll. Eine gefährliche Angelegenheit, die unserem Erzähler etwas zu viel wird. Doch Aussteigen ist schwieriger, als er anfangs gedacht hat.

"Wenn man nicht weiß, was man will, steht man am Ende mit vielem da, was man nicht will!" Chuck Palahnuiks Geschichte über die männliche Identitätskrise besticht und überzeugt in allen Punkten. Während die Handlung die ganze Zeit über skurril, düster und eigenwillig bleibt -- kein Kapitel liest sich auch nur annähernd wie das davor -- spielt der Autor gekonnt mit der Sprache, präsentiert schizophren anmutende Gedankensprünge, wechselt zwischen direkter und indirektere Rede hin und her (oft sogar in einem Satz!) und schafft es trotz dieser reichlich wirren Erzählweise einen roten Faden durch die gesamte Geschichte zu ziehen. Auch beeindruckend ist der langsame Aufbau der Handlung, bis der Fight Club seine Spitze erreicht hat und bereit für den nächsten Sprung ist. Ab da beginnt der stilistisch ähnliche Abbau inklusive Auflösung einiger Mysterien rund um Tyler Durden.

"Du erwachst auf LAX". Palahnuik schafft es gekonnt Sozialkritik und Generationenkonflikte in einer bizarren Handlung und einem außergewöhnlichen Schreibstil zu verpacken, der keine Sekunde lang überheblich oder gar übertrieben wirkt, sondern von der ersten bis zur letzten Seite unterhält und überzeugt.

"Die zweite Regel des Fight Club heißt: Man spricht nicht darüber". Wer also einen unkonventionellen Thriller sucht, der wie eine blanke Faust in die Magengegend einschlägt, sollte unbedingt zugreifen. Oder sich die nahezu perfekte Verfilmung mit Brad Pitt, Edward Norton und Helen Bonham Carter ansehen. Am besten beides. Fight Club kann man durchaus ein zweites Mal lesen. Sollte man sogar, beim zweiten Mal sieht man nämlich alles mit anderen Augen, und einige Aha-Effekte stehen mit Sicherheit bevor.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 8, 2011 9:24 AM MEST


Der Brenner und der liebe Gott: Roman
Der Brenner und der liebe Gott: Roman
von Wolf Haas
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was ist denn jetzt passiert?, 18. Januar 2010
Das nach all der Zeit und dem gelungenen Ende in "das ewige Leben" wieder was passiert, damit hätte wohl keiner gerechnet. Doch es ist tatsächlich so: Der Brenner ist wieder da! Wobei, genauer gesagt der Herr Simon. Der bekannte und beliebte Ex-Detektiv hat nach seinem letzten Fall sich voll und ganz den Antidepressiva verschrieben und einen Job als Chauffeur eines Münchner Baulöwen gefunden. So fährt er dessen Tochter Helena ständig zwischen München, Wien (der Heimat der Mutter) und deren Wochenenddomizil hin und her. Bei einer Rast an einer Wiener Tankstelle wird die Tochter entführt, was den Brenner in Herrn Simon weckt und Auslöser einer Reihe von Todesfällen ist.

Wie gesagt, dass Wolf Haas den Brenner wieder auf den Plan ruft, damit hat echt keiner gerechnet, am wenigsten Haas selbst. Und doch ist es so, als ob der Kultdetektiv nie weggewesen wäre. Das Ende des Vorgängerromans war nicht nur originell, sondern auch so perfekt, dass man keine Möglichkeit finden konnte daran einen Nachfolgerband anzuhängen. Haas hat das, mehr oder weniger ebenso originell, geschafft und gleich gezeigt, dass er immer noch einen typischen Brenner schreiben kann, auch wenn die Fans der Reihe sicher etwas anderes erwartet hätten.

Die Antidepressiva bzw. Tranquilizer haben dem Brenner nämlich die Zähne gezogen. Und das merkt man auch dem Schreibstil von Haas an, der zwar gewohnt witzig ist, aber nicht mehr so zünden kann wie zu Zeiten der sechs Kultbände. Auch ist das Szenario viel lahmer als bei den korrupten Polizisten, Bordellen und fehlgeleiteten Priestern, die man sonst so gewohnt war. Erst als aus Herrn Simon wieder der Brenner wird gewinnt auch Schreibstil wie Geschichte an Fahrt und endet ebenso furios, wie man es von Haas gewohnt war. Ein kleiner Hinweis: Stellt die Vorderseite den Anfang der Geschichte dar, verhält es sich mit der Rückseite ähnlich.

Und auch wenn das Tempo schneller wird braucht man nicht hoffen, dass die Geschichte genauso originell und einfallsreich ist wie damals bei "Silentium!" oder "Komm, süßer Tod". Sie ist weit vorhersehbarer und die Überraschung bremst sich dank den ewigen Vorankündigungen im Stile "Wenn der Brenner gewusst hätte, dass alles noch schlimmer wird" selbst ein wenig ein. Man erwartet großes, bekommt dann aber gewöhnliches. Außerdem frage ich mich die ganze Zeit, warum sich Haas bei solchen Mitteln bedienen muss und nicht wie üblich seine kapitelumfassenden Brücken schlägt.

Auch wenn die Geschichte und das Szenario nicht mehr mit den alten Bänden mithalten können, so bin ich doch wieder von der Sprache und dem Wortwitz begeistert. Wie aus der Anti-Abtreibungsbewegung "ProLeben" bei der Betrachtung der Mitglieder schnell "ProLesben" wird und wie der Erzähler die Metamorphose von Herrn Simon zu Brenner mit der Befruchtung einer Eizelle vergleicht, die so natürlich Parallelen zur vorkommenden Fruchtbarkeitsklinik schlägt ist typisch Haas und typisch einzigartig. So erinnert mich "Der Brenner und der liebe Gott" sehr an die ersten beiden Brenner-Krimis, die vor allem durch die skurrile Sprache punkten konnten, aber noch eine etwas gewöhnlichere Handlung boten.

Schlussendlich stellt sich also die Frage, ob man ein neuer Brenner denn nötig war? Ganz ehrlich Nein, nötig war er nicht. Aber missen möchte ich ihn genauso wenig. In diesem Sinne: Fans haben ihren Stoff, alle anderen sollten vorerst "Komm, Süßer Tod" oder "Silentium!" lesen.


Das Wetter vor 15 Jahren
Das Wetter vor 15 Jahren
von Wolf Haas
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein orgiastisches Vergnügen - Mit Silbersternchen, 18. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Wetter vor 15 Jahren (Taschenbuch)
Der deutsche Vittorio Kowalski fährt jedes Jahr mit seinen Eltern in ein österreichisches Bergdorf, wo er mit der Einheimischen Anni Freundschaft schließt. Nach einem nicht näher genannten Ereignis enden die Besuche in Farnach, und das junge Paar verliert sich aus den Augen. Daraufhin entwickelt Vittorio ein eigenartiges Interesse an den kleinen Urlaubsort, und kann die Wetterbedingungen jeden Tages aus den letzten 15 Jahren auswendig nennen. Vittorio beschließt das zu machen, was jeder mit derartigem Spezialwissen anstrebt: Er geht zu Wetten, daß ...? und wird prompt in Thomas Gottschalks Sendung eingeladen. Alles scheint gut, bis die Frage nach dem Wetter eines ganz bestimmten Datums eine Kette von Ereignissen auslöst, mit denen keiner gerechnet hat...

Unglaublich, Wolf Haas hat nach seinen Kultkrimis rund um den eigenwilligen Privatdetektiv Simon Brenner tatsächlich einen Liebes- bzw. Heimatroman geschrieben. Doch es wäre nicht Wolf Haas, wenn er nicht auch diesem leidlichen Genre seinen ganz persönlichen Stempel raufdrücken würde. Und was für ein Stempel das ist. Der Leser bekommt nämlich nicht die Geschichte von Vittorio und Anni auf herkömmliche Art und Weise serviert, sondern als Dialog zwischen einer deutschen Literaturbeilage und dem fiktiven Autor der Geschichte, Wolf Haas als Romanfigur. Und diese Buchbesprechung ist einmalig.

Die Literaturbeilage und Wolf Haas kennen das Buch natürlich genau, und auch wenn es für uns nicht real ist, so nimmt es während des Gesprächs Form an und wird genauso greifbar, wie es für die fiktiven Gesprächspartner ist. Es ist ein unbeschreibliches Erlebnis, wenn vom simplen, ersten Satz über Gestaltung des Umschlags und nicht näher genannten Silbersternchen bis hin zum offenen Ende ein Roman erzeugt wird, der nicht existiert. Neben dieser einzigartigen Erzählweise schenkt uns Haas auch noch eine Menge an Themen, die Raum zur Interpretation bieten. Allein der Gegensatz zwischen deutschen Touristen und österreichischen Einheimischen, der hervorragend umgekehrt wird, als Wolf Haas selbst als Romanfigur während einer Recherchereise in den Ruhrpott fährt, zeugt von dem Ideenreichtum des Autors.

Einzig und allein gegen Ende kommt mir vor, als ob zu viele Romanpassagen zitiert werden. Ob das nun gewollt ist und den Effekt der Romanentstehung verdeutlichen soll, oder ob dem Autor die Ideen ausgegangen sind, darüber will ich nicht urteilen. Klar ist auf alle Fälle, dass sich mein Eindruck vom Buch deswegen nicht schmälert. Das Wetter vor 15 Jahren ist die kreativste und humorvollste Geschichte, die ich je gelesen habe und gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern.


Flammenbrut
Flammenbrut
von Simon Beckett
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vorhersehbare Geschichte mit sympathischer Protagonistin, 18. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Flammenbrut (Taschenbuch)
Die Mittdreißiger Kate Powell will schwanger werden. Und das am besten mit einem Samenspender, damit es nachher keinen Vater gibt, der auf irgendwelche Rechte pocht. nd am allerbesten mit jemanden, den sie kennt, damit sie auch weiß, worauf sie sich einlässt. Aber keinen aus dem Freundeskreis. Lieber einen, zu dem man Distanz wahren kann. So wie Alex, der sich als einziger auf die dubiose Anzeige gemeldet hat. Auf den ersten Blick scheinen die höchst eigenwilligen Launen der Werbefrau gestillt zu sein, wenn da nicht alles anders kommen würde.

Es tut mir furchtbar leid, aber ich habe mit der Inhaltsangabe, die auch so in anderen Worten auf der Rückseite des Taschenbuchs erscheint, schon so ziemlich die Hälfte der Geschichte im Buch erzählt. Das ist jetzt keine Absicht gewesen, sondern einfach eines der größten Probleme im Buch: Es passiert einfach 200 Seiten lang NICHTS. Kate Powell hat auch ohne Schwangerschaft ziemliche Meinungs- und Stimmungsschwankungen, und wenn dann mit Alex der nervöse Psychotherapeut auftaucht, der die Antwort auf alle Fragen zu sein scheint, nimmt die Geschichte ihren höchst vorhersehbaren Lauf. Und sie endet genauso vorhersehbar.

Ja, leider gibt es an Flammenbrut absolut nichts, was man nicht schon auf den ersten Seiten erahnen würde. Die Hinweise auf das zu erwartende Grauen sind nicht subtil, sondern höchst offensichtlich. Und das hat nicht nur mit dem eindeutigen Titel zu tun.

Gut, das ist jetzt auf den ersten Blick ziemlich negativ, und doch muss ich sagen, dass ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe und sogar ein positives Gefühl am Ende hatte. Das liegt vor allem daran, dass Simon Beckett es schafft, Kate Powell trotz ihrer Eigenarten unglaublich sympathisch erscheinen zu lassen. Außerdem ist das Buch erschreckend gut recherchiert, und wer sich spielerisch mit dem Thema der künstlichen Befruchtung auseinandersetzen will, hat da eine echt spannende Lektüre vor sich. Und auch wenn die Geschichte vorhersehbar ohne Ende ist, die gute Schreibe von Beckett macht den Durchgang mehr als erträglich.

Jetzt bin ich im Zwiespalt. Wäre das Buch nicht so gekonnt geschrieben und hätte man nicht echt viel Zeit für die Charakterisierung verwendet, hätte ich wohl auf den ersten Seiten aufgehört. Auf der anderen Seite gibt's einfach keine nennenswerten Plottwists oder ähnliches, so dass man das Buch als Thriller empfehlen könnte. Auch nicht als Krimi. Der Kompromiss sind drei Sterne und der Hinweis auf "Die Chemie des Todes" und "Kalte Asche". Die Bücher sind nämlich wirklich gut.


Sorry
Sorry
von Zoran Drvenkar
  Gebundene Ausgabe

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Entschuldigt meine Begeisterung ..., 18. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Sorry (Gebundene Ausgabe)
Vier Endzwanziger kommen auf die glorreiche Idee eine Agentur für Entschuldigungen zu gründen. Das Prinzip ist einfach: Wer nicht den Schneid hat sich bei jemand anderen zu entschuldigen engagiert die vier Freunde und zahlt für die erteilte Absolution. Das Geschäft boomt, man zieht in eine alte Villa am Berliner Wannsee und gründet eine Businesskommune, bis eines Tages ein Auftrag erteilt wird, der das Leben der vier ändert: Ein Mörder möchte, dass man sich bei seinen Mordopfern entschuldigt. Und wenn man schon dabei ist, kann man auch gleich die Leiche entsorgen. Für Frauke, Wolf, Tamara und Kris beginnt eine Zeit der Angst.

Ich habe sehr lange nach einem Thriller wie "Sorry" gesucht, und ich freu mich, dass ich ihn nun endlich gefunden habe. Gut, die Grundidee mag etwas an den Haaren herbeigezogen sein, bietet aber nach dem Aufbau zu Beginn genug Spielraum um erstens einen spannenden und einfallsreichen Plot zu bieten und zweitens genug Interpretationen und Meinungen zum Thema der Entschuldigung und Absolution loszuwerden. Das letztere ist eine nette Draufgabe, über die man sich je nach Belieben mehr oder weniger Gedanken darum machen kann. Die Handlung allerdings ist der Punkt, der mich so begeistert hat: Die Ereignisse kommen unerwartet, die Geschichte ist zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar und auch wenn sie die meiste Zeit über langsam voranschreitet (was unglaublich viel -- genutztes -- Potential für Charakterentwicklung beherbergt) endet sie in einem furiosen und spektakulären Finale.

Besonders hat mir allerdings die Aufteilung der Kapitel gefallen. Der Autor stellt immer einen der vier Freunde in den Mittelpunkt und betitelt die Kapitel schlichtweg mit deren Vornamen. Die Hintergrundgeschichte wird dann in den Stellen, in denen der Erzähler mit "Du" sowohl Leser als auch den Killer direkt anspricht erzählt, sowie in den Kapiteln, in denen "der Mann, der nicht da war" auftaucht. Darüber hinaus gibt es ständig einen Blick auf das Kommende, in der ein mysteriöser Ich-Erzähler seine panische Irrfahrt durch Deutschland beschreibt. Genug Stoff also, um sich nicht nur literarisch zu verausgaben sondern auch die Geschichte entsprechend zu konstruieren.

Wenn es etwas gibt, das mich gestört hat, dann war das zum einen die eigenwillige Kennzeichnung der Dialoge, die nicht wie gewöhnlich mit Anführungszeichen sondern mit einem Gedankenstrich zu Beginn gekennzeichnet werden. Zum anderen der Hang, das Doppel-S bei eingedeutschten Begriffen zu ignorieren, und mit "Busineß" und "Boß" recht unangenehme Wortkonstruktionen zu bieten. In "Weißer Schnee, Rotes Blut", einer Kurzgeschichtensammlung diverser Krimi- und Thrillerautoren ist ein Kapitel des nächsten Thrillers von Drvenkar abgedruckt, und so wie es scheint behält er diese Eigenarten bei. Nun, ich denke jeder Autor hat seinen eigenen Stil, auch wenn diese Feinheiten nicht unbedingt nötig wären, die Sprache würde ausreichen.

Kurzum kann ich nur diesen innovativen wie kreativen Thriller empfehlen. Ich wurde die ganze Zeit über blendend unterhalten, und hatte den ersten Thriller seit fünf Jahren, der für wirklich Gänsehaut gesorgt und mich am Ende richtig traurig gestimmt hat.


Der Tod des Bunny Munro
Der Tod des Bunny Munro
von Nick Cave
  Audio CD

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Porträt eines niveaulosen, sexbesessenen Chauvinisten mit politisch unkorrektem Humor, 18. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Tod des Bunny Munro (Audio CD)
Bunny Munro ist verklärter Weiberheld, der zwar als Vertreter von Kosmetikartikeln den undankbarsten Job der Welt hat, der aber perfekte Chancen für Seitensprünge liefert. Diese Liederlichkeit von Bunny ist allerdings auch der Grund, warum seine Frau Selbstmord begeht, und neben etlichen Anschuldigungen auch deren herzigen, neun Jahre alten Sohn Bunny jr. zurücklässt. Bunnys Welt aus Sex und noch mehr Sex bricht völlig zusammen, und er beschließt zu seiner alten Form zu finden, in dem er wieder auf Vertreterroute geht. Mit seinem Sohn in Schlepptau, der ja von ihm lernen soll.

Um eines gleich klar zu machen: Die Inhaltsangabe klingt nach einer umfangreichen Betrachtung von ernsten Themen, und ja, diese Selbstläuterung von Bunny Munro wird man auch erleben, allerdings nicht auf die Art und Weise, die der Leser vielleicht erwartet. Bunny ist nämlich vor allem eines: Derb, frech und ein absolut niveauloser, schwanzgesteuerter Chauvinist. Und diese Haltung merkt man in jeder einzelnen Zeile des Buches. Das kann am Anfang durchaus das Leseerlebnis etwas schmälern, und mich würde zu gerne interessieren, was Frauen von Munros Gedankengängen halten. Wenn man allerdings das erste Sechstel des Buches durch hat, und sich an den eigenwilligen Ausdruck gewohnt hat, hat man mit Bunnys unmöglicher Art und seinem Hang, in jeder Frau einen potentiellen Beischlafpartner zu sehen durchaus seine Freude. Politisch total unkorrekt, aber immerhin eine "Typisch Bunny"-Freude. Und das spricht auch für das Buch. Bunny Munro ist trotz seiner Unmöglichkeit ein Charakter, zu dem man schnell Zugang findet. Vielleicht auch deshalb, weil er wirklich ALLE schlechten Eigenschaften vereint, von denen man selbst vielleicht einen Bruchteil besitzt. Dadurch entsteht das absolut klischeefreie Porträt des Protagonisten ziemlich schnell und sicher, und jede kommende Aktion erwartet man genau so von ihm. Bis er sich immer mehr und mehr bewusst wird, dass er seine verstorbene Frau vermisst.

In Bunnys Welt, die seine Arbeitskollegen und Freunde auf die gleiche Art teilen, steht nur ein Pfeiler der Normalität: Bunny jr., der clevere, in seine Enzyklopädie vertiefte Sohn. Er allein bewahrt einen gewissen Grad an Niveau und hält seinen Vater für den genialsten Mann der Welt. Und es ist beeindruckend, wie Bunny versucht, dieses Bild vor seinem Sohn zu wahren.

Bis zum psychedelisch-philosophischen Ende, das mir leider nicht ganz so gut gefallen hat, entpuppt sich Nick Caves Buch als spaßiges und herrlich-derbes Roadmovie mit Comiccharakter. Wer sämtlichen Anstand über Bord wirft wird seinen Spaß haben, alle anderen werden schon nach dem ersten Kapitel aufgeben.

Das Hörbuch wird übrigens von Blixta Bargeld gelesen, Nick Caves ehemaligem Gitarristen bei den Back Seeds und Frontmann der Einstürzenden Neubauten. Und die Performance seiner Kratzstimme macht das ganze zu einem absoluten Hörgenuss. Allein ein paar Nick Cave Tracks als gelegentliche Musikuntermalung hätten noch gefehlt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 1, 2011 8:35 PM MEST


Dune I: Der Wüstenplanet: Teil 2 von 2.
Dune I: Der Wüstenplanet: Teil 2 von 2.
von Frank Herbert
  Audio CD

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillante Darbietung eines absoluten Klassikers, 18. Januar 2010
Arrakis, der Wüstenplanet, ist die einzige Quelle der Gewürzdroge Melange, dem wohl wichtigsten Rohstoff im Universum. Die Atreides, eines der Adelshäuser aus dem intergalaktischen, feudalen Imperium bekommt Arrakis als Lehen, was sie zum mächtigsten, aber auch angreifbarsten Haus im Landsraad macht. Ein Geschenk, oder ein fein gesponnenes Komplott? Der Plan der Gegner scheint perfekt, doch sie haben nicht mit dem jungen Paul Atreides gerechnet, der Hilfe bei den Eingeborenen des Wüstenplaneten sucht und das Machtspiel der Adeligen umzudrehen scheint.

Schon im ersten Teil des Dune-Zyklus spinnt Frank Herbert ein unglaubliches Netzwerk an Intrigen und Handlungssträngen. Gemäß dem Prinzip, "Pläne in Plänen" zu verstecken lässt Herbert verschiedene Handlungen in einem groß angelegten Plot zusammenlaufen. Im Vergleich zu späteren Werken kann aber hier auch noch die Geschichte genug überzeugen, um den "Wüstenplanet" neben den semireligiösen und politischen Ansichten, die in ausufernden Dialogen zum Besten gegeben werden auch für die lesenswert zu machen, die mit Frank Herberts Weltanschauung nicht viel anfangen können.

Jedes Mal, wenn ich den Wüstenplanet erneut lese bzw. höre fällt mir auf, wie clever und gewitzt die Charaktere doch sind. Die Hauptcharaktere lassen sich schwer in die Irre führen, durchschauen jedes Komplott und wissen auch, wann sie mitspielen müssen um ihren Status im System weiter zu gewähren. Und nebenbei schmieden sie noch eigene Pläne. Gerade dieses Spiel der Mächte ist unglaublich spannend und für mich eines der Highlights im Roman und sorgt auch dafür, dass es keine Schwarz-Weiß-Malerei bei den Charakteren gibt. Jeder hat seine Motivation, jeder hat seine Ziele und jeder will dafür sorgen, dass er am Ende auch zu diesen gelangt. Dass man da natürlich anderen Mächten in die Quere kommt ist vorprogrammiert.

Neben der Gestaltung der Großmächte hat Herbert auch viel Zeit in die detaillierte Ausarbeitung der Fremenkultur investiert. Dieses Volk der Wüstenbewohner wird brillant geschildert, so dass man deren Bräuche und Rituale nicht nur beobachten darf, sondern sie auch zu verstehen lernt. Die Umgebung wirkt sich auf den Umgang mit seinen Mitmenschen aus, und extreme Bedingungen sorgen für extreme Maßnahmen, wie der Autor eindrucksvoll zeigt.

Das Hörbuch wurde von Simon Jäger und Jürgen Prochnow eingesprochen. Während Jäger erfahrener Synchronsprecher und Hörbuchleser ist, ist es für Prochnow eine Premiere, der wohl hauptsächlich deshalb mit von der Partie ist, weil er in der Verfilmung von 1984 die Rolle des Leto Atreides übernahm. Beide machen ihre Arbeit unglaublich gut und verleihen den beiden Perspektiven der Protagonisten und Antagonisten einen entsprechend eigenen Touch. Auch kann ich der Kritik an Marianne Rosenberg, der Leserin der Einleitungstexte, nicht zustimmen. Für die spontane Entscheidung, bei dem Projekt mitzumachen, macht sie ihre Sache hervorragend. Natürlich kann man sich daran stören, dass viele fiktive Ausdrücke im Laufe der Geschichte leicht ihre Aussprache ändern, aber auch da drücke ich angesichts des unglaublichen Umfangs ein Auge zu. Immerhin hat man auch dafür gesorgt, dass die Anhänge ihren Platz im Hörbuch finden. Sei es als Text in den schmucken Pappschachteln. oder als Bonus-CD.

Das einzige, was ich nicht ganz verstehen kann ist die Entscheidung, das Hörbuch auf zwei Teile aufzuteilen. Der Grund dürfte wohl verkaufstechnischer Natur sein, dem geneigten Käufer sei aber gesagt, dass er ohne den anderen Teil nicht viel mit dem Hörbuch anfangen kann.

Ansonsten lohnt es sich auf alle Fälle. Die Qualität der Aufnahmen und die Leistung der Sprecher ist herausragend. Die Aufmachung des Covers ist, mal abgesehen vom leichten 70er Jahre Einschlag, ebenfalls sehr gelungen, und selbst der kitschige Soundtrack geht spätestens nach der dritten CD nicht mehr aus dem Kopf.


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