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Arbeitsfrei: Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen
Arbeitsfrei: Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen
Preis: EUR 13,99

9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Maschinen verändern alles - wieder einmal, 20. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Arbeitsfrei heißt das Wort, dass in fetten roten Lettern die Titelseite des neuen Buches von Constanze Kurz und Frank Rieger ziert.
Ein Wort mit dem jeder, in unserer heutigen Gesellschaft Zivilisierte, unterschiedliche Dinge verbindet. Wollen wir wirklich von der Arbeit befreit werden?
Dient sie uns nicht als Statussymbol; als Möglichkeit aus unserem missratenen Privatleben zu entfliehen? Sichern wir mit der Arbeit unsere Existenz oder
finden wir sogar Verwirklichung in ihr? Was Arbeit für uns ist und welche Konsequenzen ihr Wegfall für uns haben könnte, sind Themen über die es sich nachzudenken
lohnt – auch wenn es in diesem Buch nicht hauptsächlich darum geht.

Vielmehr wird so mancher, nach der Lektüre des Buches, seine Umgebung genau beobachten und sich fragen wie sicher sein Arbeitsplatz ist.
Er wird sich überlegen, ob ihn nicht Maschinen, Roboter oder Algorithmen ersetzen können und Maßnahmen ergreifen wollen, bevor es zu spät ist.
Es sind nicht nur die Leute in den Niedriglohnjobs, die bereits jetzt durch ein gesichtsloses, einfach anzulernendes Heer aus der Arbeiterreserve
akut bedroht und ersetzbar sind, sondern auch die Laboranten, Redakteure und Fernfahrer. Wenn man sich von der Vorstellung lösen kann, dass sich
der Wert eines Menschen durch seine Arbeit bestimmt, ist der Maschinisierung durchaus mit Freude zu begegnen. So ist zu begrüßen, dass Maschinen
und Roboter die schwere, schmutzige und teilweise gefährliche Arbeit erledigen die vorher von Menschen gemacht werden musste. Dem polnischen Philosophen
Stanislaw Lem ist nur zuzustimmen, dass jede Arbeit die von Maschinen erledigt werden kann, auch von Maschinen erledigt werden sollte, so dass die Menschen
Zeit für schöpferische und interessante Tätigkeiten haben. Für Arbeiter ist es ist entmündigend und anspruchslos den Maschinen bloß zuzuarbeiten.
Wo es früher noch den Facharbeiter brauchte, wird dieser heute in manchen Bereichen zum bloßen Maschinenbediener.

Im ersten Teil des Buches erfahren wir wie moderne Bauernhöfe und Agrarfabriken, Mühlen und Backfabriken sowie Druckereien
und Logistikunternehmen funktionieren. Es ist erstaunlich, wie wenige Leute heute noch in diesen Betrieben arbeiten und wie
Maschinen die Arbeit von Hunderten überflüssig gemacht haben. Roboter waren ziemlich beschränkt - so hatten sie Schwierigkeiten
sich selbstständig zu bewegen, Sinneswahrnehmungen waren nicht vorhanden und an selbstständige Orientierung war nicht zu denken.
Darüber hinaus ist das schnelle und sichere Greifen von verschieden Gegenstände durch die Roboter immer noch problematisch.
Doch durch Entwicklungsfortschritte, die partiell Verknüpfungspunkte zum Roboterdesign haben (bessere Algorithmen, neue Sensoriken,
gestiegene Rechenleistung) werden wir in Zukunft eine Aufhebung dieser Beschränkungen sehen. Durch den Fähigkeitenzuwachs der Maschinen,
Roboter und Computer werden sie zukünftig immer mehr Tätigkeiten übernehmen können die heute noch von Menschen erledigt werden.

Welche Konsequenzen die Automatisierung mit sich bringt, darum geht es vor allem im zweiten Teil des Buchs. So wird der Standortfaktor
für Unternehmen wichtiger, wenn die Lohnkosten durch die Automatisierung fast wegfallen, weshalb Fabriken dann direkt in den Absatzmärkten
gebaut werden. Die digitale Erfassung und Auswertung von Daten beispielsweise in der Pflegedokumentation oder in Patientendatenbanken wird
an Bedeutung gewinnen. Neue Arbeit die im Zuge von Automatisierungswellen entsteht, wird vor allem im nichtkörperlichen Bereich geschaffen.
Die Maschinen veränderten bereits einmal die Gesellschaft und werden es jetzt wieder tun. Es braucht eine Debatte über unser Verständnis von
Arbeit, genauso wie wir mit den Menschen umgehen wollen, die von den Umwälzungen betroffen werden. Der gesetzliche Mindestlohn könnte hier eine
Maßnahme sein und dazu noch den Automatisierungsstau den wir im Moment haben lösen. Denn wenn es sich nicht mehr für die Unternehmen lohnt,
subventionierte Niedriglöhner einzustellen dann werden deren Arbeitsstellen von den Maschinen übernommen. Auch braucht es mehr Leute die über den
Rand ihres jeweiligen Fachbereichs hinausblicken und die Konsequenzen ihres Handelns für die Gesellschaft abschätzen können.


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