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Rezensionen verfasst von
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern)
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Violinsonaten
Violinsonaten
Preis: EUR 19,01

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Selten gehörter Mendelssohn in einer brillanten Einspielung, 25. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Violinsonaten (Audio CD)
Die Beiträge des deutschen Romantikers Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) zum Genre der Violinsonate spielen im Konzertgebrauch quasi keine Rolle. Tatsächlich hinterließ der Komponist zwei frühe Sonaten, ein frühes Fragment sowie eine späte Sonate. Die letzteren beiden wurden sogar erst im vergangenen Jahrhundert entdeckt und konnten sich folglich den ihnen gebührenden Platz im Kammermusikrepertoire noch nicht erheischen.
Die Violinsonaten Mendelssohns sind schon alleine deswegen hochinteressant, da sie stilistisch denen Mozarts sehr ähneln. Den romantisch-wilden Überschwang findet man in nur sehr wenigen Passagen. Selbst die späte Sonate verzichtet fast gänzlich darauf. So kann man es den Interpreten dieser brillanten Aufnahme nur danken, sich diesen Perlen gewidmet zu haben.

1820 schrieb Mendelssohn seine erste Sonate F-Dur, also im Alter von nur etwa elf Jahren. Das Wunderkind stellt in diesem zu Lebzeiten unveröffentlicht gebliebenen Stück sein ganzes Talent unter Beweis. Auch wenn Konzeption, Ausdrucksgehalt und Ästhetik besonders des langsamen Satzes noch sehr stark an klassische Violinsonaten gemahnen, finden sich zwischen den Zeilen schon typisch mendelssohnsche Klangelemente.
1825 dann entstand die zweite Sonate in f-moll op. 4, die trotz der düsteren Einleitung des Kopfsatzes voller Esprit und Lebensfreude steckt. Im langsamen Satz findet der deutsche Tonsetzer durchaus schon bemerkenswerte Tiefen und das knappe, ungestüme Finale verweist bereits auf die galanten, charakteristischen Scherzi speziell seiner späteren Sinfonien und Streichquartette.
Warum Mendelssohn eine weitere Violinsonate, von der bloß der Kopfsatz in d-moll erhalten geblieben ist, nicht vollendete, gibt Rätsel auf. Die lyrische Eleganz der Einleitung sowie die Frische des folgenden Allegros liefern keinen Grund dafür, dass dieses ebenso 1825 komponierte Werk keinen Abschluss fand.
Das wahre Meisterstück Mendelssohns auf diesem Gebiet ist seine - interessanterweise unveröffentlichte - Sonate F-Dur, die aus dem Jahre 1838 stammt, also eine reife Komposition darstellt. Der umfangreiche Kopfsatz strotzt nur so vor Themenfülle. Auch er steht im Zeichen Mozarts, ist jedoch wesentlich eigenständiger als vormalige Sonatensätze. Von ausgenommener Schönheit ist das Adagio, in dem die Violine sanft über der Klavierstimme zu schweben scheint. Das Finale ist ein typisches Beispiel für den oben bereits angesprochenen romantischen Überschwang, die wilde Wucht, die in Mendelssohns (Kammermusik)Oeuvre so oft begegnet.

Die vorliegende Einspielung durch das Duo Antje Weithaas (Violine) und Silke Avenhaus (Klavier) entstand 2008 für das Mendelssohn-Jahr 2009 und erfreut sich perfekter, glasklarer Aufnahmequalität. Auch künstlerisch ist die Aufnahme voll und ganz gelungen. Abgerundet wird das Programm durch einen kurzweiligen Essay und ein Interview mit sowie Biographisches über die beiden Künstlerinnen.
Beim Anhören der Aufnahme wird der Hörer sofort gewahr werden, dass das Zusammenspiel zwischen Avenhaus und Weithaas beeindruckend innig und vertraut ist. Die beiden loten jede Nuance, jede Klangfarbe, jede Pointe der Kompositionen aus. Es ist deutlich zu spüren, wie intensiv sich die beiden ihren Zugang und ihr Verständnis zu Mendelssohn erarbeitet haben. Sie lassen sich treiben von den wundervollen Klängen der Stücke. Ohne sich über die Partitur hinwegzusetzen, verfeinern die beiden ihr Recital durch differenziert gesetzte Akzente und einen einmaligen Spielfluss. Niemals gerät ihre Interpretation dabei in irgendeiner Weise intransparent.

Fazit: Hier wird eine Lanze für die grundsätzlich vernachlässigten Kammermusiken Felix Mendelssohns gebrochen, und das eindrucksvoll und hoffentlich nachhaltig...


Mozart, Wolfgang Amadeus - Don Giovanni [2 DVDs]
Mozart, Wolfgang Amadeus - Don Giovanni [2 DVDs]
DVD ~ Metropolitan Opera Orchestra
Preis: EUR 16,99

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Don Giovanni ist auch in New York ein Wüstling..., 24. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wolfgang Amadeus Mozart schrieb in seinem kurzen Leben verhältnismäßig viele Opern. "Don Giovanni", dieses "Dramma giocoso in due atti" KV 527, gilt von jeher als seine gelungenste Oper, mehr noch: Sie gilt als eines der vollkommensten Werke der Musikgeschichte. Und in der Tat gelingen Mozart hier viele unvergleichliche Meisterstücke. Er findet einige seiner schönsten Melodien und konzipierte wundervolle Arien, welche auch Menschen, die normalerweise keine klassische Musik hören, geläufig sind.
Die Handlung der Oper nach einem Libretto von Lorenzo da Ponte dreht sich um den Wüstling Don Giovanni, der durch zahlreiche Ränkespiele und andere Hinterlistigkeiten sowie die widerwillige Mithilfe seines Dieners Leporello die Gunst vieler Frauen erlangt. Doch nach kurzen Abenteuern verliert Don Giovanni die Lust an seinen Eroberungen. Die geschundenen, entehrten Frauen lässt er zurück, schreckt selbst vor Mord nicht zurück. Als er den Komtur ermordet, schwören seine Tochter Donna Anna und sein Schwiegersohn Don Ottavio Rache. Auch Donna Elvira, ein früheres Opfer Giovannis, beteiligt sich an der Racheaktion, ebenso wie das gepeinigte Bauernpaar Zerlina und Masetto. Doch die Statue des Komturs, die der furchtlose Don Giovanni zu einem Diner einlädt, kommt den Eifrigen zuvor und verschlingt Don Giovanni in einem Feuerwirbel.

Die vorliegende New Yorker Einspielung durch The Metropolitan Opera Chorus and Orchestra unter der Leitung von James Levine mit Bryn Terfel in der Hauptrolle entstand 2000. Die Bild- und Tonqualität sind hervorragend.
Zunächst einmal sollte die bombastische orchestrale Leistung Erwähnung finden: James Levine ist einer der führenden Dirigenten von Opernaufführungen und liefert auch hier einen genialen Vortrag. Farbenreichtum, Charme und Esprit beseelen seine Interpretation. Sein Orchester verwirklicht seine Vorstellungen grandios mit viel Liebe und Hingabe. Akzente werden zuhauf gesetzt, ohne dass sich die Akteure zu weit von der Partitur entfernten. Vor allem ist es gelungen, die Handlung differenziert zu begleiten und absolute Transparenz zu gewährleisten.
Sowohl die gesangliche als auch die schauspielerische Leistung sind (nahezu) perfekt. Bryn Terfel als Don Giovanni halte ich für eine der besten Verkörperungen, die man hätte vornehmen können. Terfel steht die Rolle des Bösewichts einfach wunderbar zu Gesichte. Nicht umsonst lobte die Presse diese Aufführung in erster Linie wegen der phantastischen Leistung des Briten. Sein Gesang - genau wie der aller anderen - ist glasklar, rein und inbrünstig. Er beweist eindrucksvoll, dass er sich intensiv mit der Materie auseinander gesetzt hat. Ferruccio Furlanetto als sein Diener Leporello kann dasselbe von sich behaupten. Er ist ein herrlich spöttischer und dabei reizend selbstironischer Leporello, dessen Charakterzüge zwischen Aporie und Sarkasmus angesiedelt sind. Die Rolle der Donna Anna übernimmt Renée Fleming, die den Gram und die Verzweiflung ihrer Rolle authentisch und gesanglich einwandfrei zur Schau stellt. Noch besser ist die Leistung der gedemütigten Donna Elvira, die durch Solveig Kringelborn brillant verkörpert wird. Die liebreizende Bäuerin Zerlina wird durch das unvergessliche Recital Hei-Kyung Hongs geadelt und ihr täppischer, eifersüchtiger Ehemann Masetto wird zynisch von John Relyea dargestellt. Gesanglich astrein kann Paul Groves als Don Ottavio schauspielerisch nicht Schritt halten mit seinen Gefährten. Sein über weite Strecken völlig emotions- und mienenloser Gesichtsausdruck verleiht seinem Vortrag eher den Anschein eines Trauerspiels - auch wenn er als Verlobter Donna Annas auftritt. Diesem Odel fällt Sergej Koptchak als Komtur niemals anheim.
Zuletzt noch ein Lob an die Bühnen- und Maskenbildner: Von der MET ist man ja traditionelle, ich möchte sagen: konservative Aufführungen gewohnt. Auch hier darf sich der Hörer auf eine historisch informierte Darbietung freuen, die dem Geiste des Werkes und Mozarts aber in allen Belangen verpflichtet ist. Opulente Bilder und üppige Staffagen ergänzen das Bild und runden das Programm ab, das lange seinesgleichen suchen wird...


Mozart: Die Violinkonzerte KV 207, 218, 219, 216, 211 / Sinfonia Concertante
Mozart: Die Violinkonzerte KV 207, 218, 219, 216, 211 / Sinfonia Concertante
Preis: EUR 26,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dem Geiste Mozarts verpflichtet, 23. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die fünf Violinkonzerte des Wiener Klassikers Wolfgang Amadeus Mozart zählen zu den unumstrittenen Repertoireklassikern der Violinliteratur. Dabei handelt es sich bei diesen wundervollen Stücken durchweg um Jugendwerke Mozarts. In seinen späteren Jahren distanzierte er sich von dieser Gattung, weil er die Violine wohl nicht sonderlich mochte, auch wenn noch zwei weitere Konzerte existieren, deren Urheberschaft allerdings zweifelhaft ist. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, einige herausragende Konzerte zu komponieren.

Das erste Violinkonzert B-Dur KV 207 nimmt gewissermaßen eine Sonderstellung sowohl technisch als auch entstehungsgeschichtlich ein. Es ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in einer Gruppe mit den anderen vier Konzerten entstanden. Der jugendliche Charme des Stückes lässt darauf schließen, dass es wesentlich früher als seine Schwesterwerke niedergeschrieben wurde. Von besonderer Eleganz und den galanten, mozartschen Stil bereits vorweg nehmend gebart sich das Adagio.

Das D-Dur-Konzert KV 211 entspricht ganz der Mode der Zeit. Mozart bedient hier vor allem die hohen Register der Geige und steigert sich bisweilen in hochvirtuose Passagen hinein. Das espritvolle Rondo macht den eigentlichen Reiz dieser Perle aus.
Alfred Einstein nannte das dritte Konzert in G-Dur KV 216 geradezu ein Wunder, und in der Tat weist diese Komposition nicht nur weit über ihre Zeit hinaus, sondern verleitet auch zu Trugschlüssen, was das Alter des Komponisten zur Zeit der Komposition anbelangt. Die Fülle an thematischen Motiven im einleitenden Satz versetzt den Hörer in wahres Staunen. Die Lyrik des langsamen Satzes ist von fesselnder Wirkung.
Das vierte Violinkonzert D-Dur KV 218 gerät da schnell ins Hintertreffen, obschon auch diese Komposition einen unwiderstehlichen, galanten Reiz auf den Hörer auszuüben vermag. Wiederum ist es vor allem der langsame Satz, dessen Singbarkeit sich durchaus mit der eines Beethoven vergleichen lässt.
Nicht ohne Grund gilt das fünfte und letzte Konzert A-Dur KV 219 als das beste der Gruppe. Diese Vorrangstellung liegt insbesondere im Finalmenuett begründet: Dieser Satz scheint vor Kraft, Vitalität und Dynamik beinahe überzusprühen. Selten wird man Mozart einfallsreicher gehört haben. Freilich hat das mit einem Menuett nicht mehr viel zu tun; Mozart beschreitet damit einen weiteren Schritt hin zur kunstvollen Stilisierung dieser Tanzart. Nicht zu vernachlässigen ist aber ebenso die pittoreske Lyrik des Adagios.

Eines der beliebtesten Stücke des Wiener und Salzburger Meisters ist seine Sinfonia concertante in Es-Dur KV 364 für Violine, Bratsche und Orchester. Der erste Satz ist ein kerniges Allegro maestoso, das den Kopfsätzen der späten Klavierkonzerte weder an Umfang noch an Qualität irgend nachsteht. Im dunkleren Andante webt Mozart einen zarten Klangteppich, über dem die beiden Solisten, die übrigens völlig gleichberechtigt sind, zu schweben scheinen. Das Rondo ist wegen seines Geistes, Witzes und Charmes nicht zu Unrecht berühmt geworden.

Die vorliegende Einspielung durch den Geiger Thomas Zehetmair, die Bratschistin Ruth Killius sowie das Orchestra of the Eighteenth Century unter der Leitung von Frans Brüggen (KV 211, 218 & 364) entstand im Rahmen eines Konzertmitschnittes in Brasilien in den Jahren 2000, 2002 und 2005. Man wird nicht umhin kommen, die geniale Aufnahmequalität zu loben. Die Atmosphäre dieser Einspielung erfüllt unverfälscht das Wohnzimmer, was sehr positiv ins Gewicht fallen muss.
Aber auch interpretatorisch betrachtet liefert Zehetmair hier ein Recital allerersten Ranges, das den Titel "Referenz" ohne Frage verdient hat. Er übertrifft Kremer/ Harnoncourt um Längen. Sein von tiefem Verständnis geprägtes Spiel, seine Hingabe und seine ästhetische Durchdringung suchen ihresgleichen. Die Kadenzen hat er selbst komponiert. Genau wie alle anderen Akteure musiziert er auf historischen Instrumenten, was einen lauteren, reinen und unverfälschten Klang produziert. Das Orchester erzeugt eine einzigartige, farbenprächtige und pointenreiche Atmosphäre, die authentischerweise jedwede Nuance dieser Werke voll Geist und Esprit wiedergibt. Akzente werden zuhauf gesetzt, was einen spannenden Vortrag gewährleistet. Dennoch bleibt die Interpretation stets vollkommen transparent und differenziert. Besonderes Lob verdient auch Ruth Killius, die sich in der Sinfonia concertante Zehetmair ebenbürtig erweist und unterstreicht, dass hier eine Messlatte vorgelegt wurde, die so schnell wohl nicht wieder übertroffen werden wird...


Gustav Mahler: Des Knaben Wunderhorn
Gustav Mahler: Des Knaben Wunderhorn
Preis: EUR 21,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu perfekt, 22. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das gesungene Wort spielt im Oeuvre des großen deutschen Komponisten Gustav Mahler eine bedeutende Rolle. Neben dem Einsatz der menschlichen Stimme in seinen großen Sinfonien, komponierte er auch einige Liederzyklen, in denen er zu einem noch intimeren Ausdruck findet. Eine Ausnahme stellen da die Lieder aus "Des Knaben Wunderhorn" dar, die Mahler vornehmlich Ende des vorvergangenen Jahrhunderts schrieb, wobei er Anfang des 20. Jahrhunderts noch zwei Lieder anfügte.
Clemens von Brentano und Achim von Arnim dichteten mit "Des Knaben Wunderhorn" eine Volksliedsammlung, die Geschichten vom Mittelalter bis in die Neuzeit erzählt. Dabei verfolgten die Dichter kein einheitliches Schema, neben ernsten Gedichten finden sich auch ausgesprochen komische. Thematisch handelt es sich grob gesagt um Liebeslieder, Soldatengesänge oder Wanderlieder. Entstanden sind diese Gedichte in einer Zeit, da das deutsche Volk von einem bis dato unbekannten Nationalgefühl beseelt war. Es nimmt folglich nicht wunder, dass der Inhalt der "Wunderhorn"-Lieder vielfach einer romantischen Verklärung des Mittelalters anheim fiel.
Um Verklärung geht es Gustav Mahler bei seiner bunten Auswahl aus diesem unerschöpflichen Fundus niemals. Vielmehr wollte er offenlegen, dass sich in diesen Gedichten, so schwärmerisch sie auch bisweilen sein mögen, bitteres menschliches Leid widerspiegelt. Und in der Tat vermag es der Tonschöpfer, Bilder zu entwerfen, die das Not und das Elend des mittelalterlichen Menschen imaginieren, wenn diese menschliche Misere auch oftmals nur zwischen den Zeilen auftaucht. In erster Linie erreicht Mahler dies dadurch, dass er die Natürlichkeit der Sprache adaptiert und trefflich auch ins Orchester überträgt. Schroffheiten, Derbheiten - all das unterliegt keiner Veränderung und erzeugt somit eine natürliche, naive Schlichtheit. Des Weiteren setzt Mahler sein Orchester nur spärlich und stark differenziert ein. Es ist überliefert, dass Mahler das Orchester geradezu als kammermusikalisches Medium ansah, wenn es richtig verwandt werde.
Neben den zwölf eigenständig entstanden "Wunderhorn"-Liedern ist hier auch das "Urlicht" eingespielt, das Mahler als vierten Satz seiner monumentalen "Auferstehungssinfonie" konzipierte.

Die vorliegende Gesamteinspielung durch die Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter und den Bariton Thomas Quasthoff, begleitet von den Berliner Philharmonikern unter der Leitung des Mahler-Spezialisten Claudio Abbado, entstand 1998. Die Aufnahmequalität kann als hervorragend und glasklar bezeichnet werden.
Auch technisch betrachtet darf der Hörer eine einwandfreie Aufnahme erwarten. Otters und Quasthoffs Intonation ist rein und klar, ihr Gesang stets deutlich und sehr gut verständlich. Die beiden Sänger verstehen es ausgezeichnet, Akzente zu setzen und ihren Vortrag flüssig und differenziert zu gestalten. Unterstützt durch die brillant aufspielenden Berliner Philharmoniker bringen die Akteure ein transparentes und vielseitiges Recital zustande, dem es an Spannung niemals gebricht, schon alleine wegen des teils recht flotten Dirigats Abbados.
Doch technische Perfektion, die dieser Einspielung zweifellos zugesprochen werden kann, gewährleistet noch lange nicht, dass eine authentische Interpretation dabei herauskommt. Tatsächlich fehlt es der vorliegenden Aufnahme an Authentizität, was verschiedene Gründe hat, von denen zwei entscheidend sind: Der erste Grund mag zunächst paradox erscheinen: Abbado lässt jedes Lied nur von einer Singstimme vortragen. Das entspricht zwar Mahlers Vorgaben, raubt dem Vortrag dennoch einiges Differenziertheit und Ausdruck. Immerhin zeichnet sich eine gute Interpretation auch dadurch aus, die Anweisungen zwar zu verinnerlichen, aber in letzter Konsequenz die Partitur hinter sich zu lassen. Viel schwerwiegender ist allerdings, dass Otter und Quasthoff die Naivität und Derbheit, die sich in erster Linie in der Mundart ausdrückt, durch ihren "perfekten" Vortrag glatt striegeln. Gerade darin liegt aber der Reiz der "Wunderhorn"-Lieder.

Fazit: So technisch perfekt diese Aufnahme sein mag - ich ziehe dennoch die nicht ganz so perfekten vor: Lucia Popp, Andreas Schmidt, Royal Concertgebouworkest Amsterdam, Leonard Bernstein oder Lucia Popp, Walton Groenroos, Israel Philharmonic Orchestra, Leonard Bernstein.


Brandenburgische Konzerte 1-6/Orchestersuiten 1-4
Brandenburgische Konzerte 1-6/Orchestersuiten 1-4
Preis: EUR 51,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Werkübersicht voller Charme, Charakter und - Verinnerlichung, 19. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es gibt nicht viele Werke des Barock, die auch nach Jahrhunderten noch als allgemeingültig und zeitlos bezeichnet werden können, Musikstücke, die es vermögen, allen Menschen auf der Welt ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Johann Sebastian Bachs "six Concerts avec plusieurs Instruments" BWV 1046 bis 1051, die sogenannten "Brandenburgischen Konzerte" gehören zweifelsohne zu diesem exquisiten Kanon. Dabei handelt es sich bei diesen Stücken um hochgradig individuelle Werke, die nur dank Bachs Zusammenstellung zu einer Einheit vereint worden sind. Während beispielsweise das F-Dur-Konzert BWV 1046 in Form einer französischen Ouvertüre angelegt ist, zeichnet sich das G-Dur-Konzert BWV 1048 durch beinahe kammermusikalische Schlichtheit aus. Das D-Dur-Konzert BWV 1050 wiederum kann schon fast als Cembalokonzert bezeichnet werden. In jedem Falle reihen sich die "Brandenburgischen Konzerte" unbestritten in die Riege der großen Manifeste der Menschheitsgeschichte ein.
Ähnliches kann man von Bachs Orchestersuiten, den sogenannten Ouvertüren BWV 1066 bis 1069 auch behaupten. Die Stücke bestehen jeweils aus einer großen, thematisch reichen und an Händel erinnernden Ouvertüre, auf die in loser Reihenfolge vier beziehungsweise sechs Tänze oder tanzähnliche Sätze folgen. Neben der berühmten "Air" aus der D-Dur-Suite BWV 1068 zieht besonders die h-moll-Ouvertüre BWV 1067 das Interesse auf sich: Während die Orchestersuiten im Allgemeinen üppiger und majestätischer instrumentiert sind als die Brandenburgischen Konzerte, besticht diese Komposition durch ihre Innigkeit und ihre kammermusikalische Anlage. Vor allem die Besetzung mit einer Soloflöte verleiht dem Werk einen geradezu exotischen Reiz.
Exotisch und für Bach ganz und gar ungewöhnlich gebart sich auch die "fünfte" Suite BWV 1070, die aller Wahrscheinlichkeit nicht authentisch ist. Als Urheber nimmt man ehesten einen der Bachsöhne an. Der für Bach untypische Tonfall sowie die ungewohnten Tanzformen lassen zwar nicht auf Johann Sebastian Bach schließen, erfreuen den geneigten Hörer aber dennoch durch ihre Originalität.
Das sogenannte "Tripelkonzert" a-moll BWV 1044 für Cembalo, Violine, Flöte, Streicher und Basso continuo ist dagegen echter Bach. Es enthält einige der bekanntesten Melodien des Thomaskantors und besticht durch seine Authentizität. Das wunderbare Zusammenspiel der einzelnen Solisten insbesondere im langsamen Satz lädt ein zur uneingeschränkten "Gemüths-Ergötzung".
Die Einspielung dieser Orchesterperlen nahm die Musica Antiqua Köln unter der Leitung des Violinisten Reinhard Goebel vor. Im "Tripelkonzert" spielt Andreas Staier das Cembalo und Wilbert Hazelzet die Traversflöte. Alle Akteure verwenden historisch informierte Instrumente. Der dadurch produzierte, authentische Klang ist rein und klar und versetzt den Hörer in eine längst vergangene Zeit voller Schönheit und Wärme. Goebel liefert mit seiner Musica Antiqua ein Musterbeispiel an ästhetischer Durchdringung ab. Der Vortrag steht stets im Zeichen absoluter Werktreue, ohne dabei aber allzu devot zu Gange zu sein. Unendlich viele Klangfarben und Nuancen werden hier ausgelotet. Dass das Recital an jeder Stelle vollkommen transparent und differenziert bleibt, braucht wohl kaum erwähnt zu werden.

Es ist leider üblich, dass Kammermusiken in der Regel ein der Orchestermusik untergeordnetes Dasein führen. Das ist auch bei Johann Sebastian Bach der Fall. Viele seiner Kammermusiken sind über die Jahre verloren gegangen. Bei vielen überlieferten Stücken ist zudem die Urheberschaft anfechtbar. Jedenfalls beinhaltet die vorliegende Box sämtliche erhaltenen Kompositionen für Violine, Gambe und Flöte mit Cembalo beziehungsweise Basso continuo.
Sehr bekannt sind die Sonaten für Violine und Cembalo BWV 1014 bis 1019. Diese als Gruppe konzipierten Werke zeigen uns Bach von seiner besten Seite. Intimer Ausdruck ist hier mit zarter Melodik und packender Dynamik verbunden. Am bekanntesten sind die E-Dur-Sonate BWV 1016 und die c-moll-Sonate BWV 1017. Letztere eröffnet beispielsweise mit einem berührenden Siciliano. Durch und durch handelt es sich um Stücke, von denen landläufig behauptet wird, dass sie erst unter Einbeziehung eines modernen Flügels ihre ganze Ausdruckskraft entfalten können. Doch wenn man sie derart brillant und mitreißend dargeboten wie hier hören darf, wird man dieses Vorurteil schnell vergessen.
Weitere vier Sonaten sind mit BWV 1019a bis 1022 vertreten, wobei eben diese keinen größeren Zusammenhang zueinander aufweisen, weswegen anzunehmen ist, dass sie erst nachmalig gereiht worden sind. Doch auch diese Stücke sind vielmehr als Gelegenheits- oder Studienwerke des großen deutschen Komponisten. Es ist wirklich wundervoll, zu hören, welche Tiefen Bach vor allem in den langsamen erreicht. Zweifelhaft ist die Autorschaft Bachs an der Fuge g-moll BWV 1026 und der Suite A-Dur BWV 1025 für Violine und Cembalo. Tatsächlich wirken die beiden recht gewöhnlich, was nicht als Abwertung verstanden werden darf.
Des Weiteren sind drei Sonaten BWV 1021, 1023 sowie 1024 für Violine und Basso continuo, ergo Cello und Cembalo, überliefert. Die Violine schwebt oftmals über dem fein gesponnen Klangteppich von Cembalo und Cello. Dahingegen fällt die unsichere Sonate A-Dur BWV Anh. 153 deutlich ab, was Klangbalance und Differenziertheit anbelangt.
Ein Manko, das man dem Geiger Reinhard Goebel und seinen Begleitern, den Cembalisten Robert Hill und Henk Bouman sowie dem Cellisten Jaap ter Linden, niemals anlasten kann. Der Hörer darf hier nichts weniger als völlig vergeistigtes und beseeltes Musizieren erwarten, voller Pointen und Humor, ohne jedoch den Komponisten an irgendeiner Stelle nicht ernst genug zu nehmen. Der helle, reine Klang erinnert eher an ein Glaubensbekenntnis als an weltliche Musik.

Die wenigsten wissen, dass Bach auch drei Sonaten für Viola da Gamba und Cembalo BWV 1027 bis 1029 komponierte. Die Gambe, ein heute fast völlig aus der Mode geratenes Streichinstrument, erzeugt tiefe, beinahe metallische Klänge mit viel Volumen. Richtig gespielt fährt einem dieser Klang in Mark und Bein. Das Potential dazu haben diese drei aparten Stücke durchaus. Man höre sich nur das phantastische Adagio der g-moll-Sonate BWV 1029 an!
Dargeboten werden diese Sonaten hier - natürlich auf historischen Instrumenten - durch den Cellisten und Gambisten Jaap ter Linden und den Cembalisten Henk Bouman. Die fein gewobenen Strukturen der Werke legen die beiden organisch und atmend offen, ohne dabei aber jemals akademisch zu wirken. Ihr Vortrag ist vollkommen und vollkommen vom Feuer der Leidenschaft durchglüht.

Auch der Flöte vertraute Bach drei Sonaten mit Basso continuo BWV 1033 bis 1035 an, welche heute fast vollständig aus dem Konzertbetrieb verschwunden wären, wenn es nicht in den letzten Jahren eine wahre Renaissance barocker Bläsermusik gegeben hätte. Bach stimmt hier einen pastoralen, idyllischen Ton an, der sich mit starker Virtuosität abwechselt, wie die Partite für Soloflöte a-moll BWV 1013 zeigt.
Den höchsten künstlerischen und ästhetischen Anspruch haben jedoch von jeher die drei Sonaten für Flöte und Cembalo BWV 1030 bis 1032 inne. Der Thomaskantor knüpft hier an den Ausdrucksgehalt und die Vollkommenheit der Violinsonaten an und liefert Musik, die nicht auf ihren zeitgenössischen Rahmen beschränkt bleibt. Auch hier sind es wieder insbesondere die wundervollen Adagios, welche unwiderstehlich in ihren Bann ziehen.
Der Flötist Wilbert Hazelzet zelebriert zusammen mit Jaap ter Linden und Henk Bouman ein wahres Fest der Musik. Sein Spiel ist fließend und perlend, er setzt vielfach individuelle Akzente und übertrifft mit seiner Interpretation sogar Emmanuel Pahuds grandiose Einspielung. Er holt aus jedem Stück das Maximum an Spannung heraus. Seine Interpretation der langsamen Sätze versetzt den Hörer in wundersames Staunen, wobei auch die phänomenale Leistung seiner Begleiter nicht unerwähnt bleiben darf.

Die vorliegenden Aufnahmen entstanden zwischen 1981 und 1987. Die Tonqualität kann als hervorragend und makellos bezeichnet werden. Abgerundet wird das Programm durch einige kurzweilige Essays und Aufsätze.

Fazit: Unentbehrliche Anthologie! Vereint Repertoireklassiker mit seltener gehörten Perlen auf eine einmalig stimmige Art und Weise.


Violinkonzerte
Violinkonzerte
Preis: EUR 8,98

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die großen Vergessenen, 18. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Violinkonzerte (Audio CD)
Es ist schon erstaunlich, wie viele Spätwerke des deutschen Komponisten Robert Schumann bis heute ein Schattendasein fristen, nur weil sie von Schumanns Zeitgenossen als Ausgeburten seiner fortschreitenden Geisteskrankheit abgelehnt wurden. Sein über lange Jahre völlig in Vergessenheit geratenes Konzert für Violine und Orchester d moll zählt zweifelsohne zu diesen Stücken. Clara Schumann und der Widmungsträger Joseph Joachim verhinderten eine Publikation, offensichtlich weil sie das Werk nicht verstanden. Heute jedoch bezeichnet es die Kritik als das fehlende Bindeglied zwischen Beethovens und Brahms' Violinkonzert.
Das Stück eröffnet mit einem bestimmten, mäßig schnellen Allegro, das voller Leidenschaft und Trauer steckt. Tatsächlich erschließt sich die ganze Gewalt dieses Satzes dem Hörer noch nicht beim ersten Hören, es aber deswegen als minderwertig abzustempeln, wäre komplett verfehlt. Der kurze langsame Satz findet zur Einkehr für das Schlussrondo. Auch dieser Satz steckt voller technischer Finessen und findet letzten Endes eine einvernehmliche Lösung.

Antonín Dvoráks Violinkonzert a moll op. 53 hatte ein ähnliches Schicksal: Das Stück steht bis heute im Schatten seines populären Cellokonzertes. Ein wesentlicher Unterschied zum Schumann Konzert ist jedoch, dass das dvoráksche Konzert wenigstens zu Lebzeiten des Komponisten uraufgeführt wurde und hier auch einen beachtlichen Erfolg verbuchte. Das dürfte aber in erster Linie auf das Engagement von Dvoráks Vertrautem Johannes Brahms zurückzuführen sein.
Vergleichbar mit seinem frühen Klavierkonzert ist auch das Violinkonzert ein hervorragendes Stück, dessen Kopfsatz von der typisch dvorákschen Melancholie durchzogen ist, welche es vermag, den Hörer zum Innehalten zu bewegen. Überhaupt genießen noch viel zu wenige Kompositionen des tschechischen Tonsetzers den ihnen zukommenden Ruhm. Das wundervolle Adagio des zweiten Satzes stellt Dvoráks lyrisches Gespür unter Beweis. Das Finale ist dann der freudigste und ausgelassenste Teil des Werkes.
Dvoráks erster Versuch auf dem Gebiet des Violinkonzertes war eine Romanze f moll op. 11, deren Konzeption stark an Beethovens Violinromanzen erinnert. Doch auch hier findet der große Tscheche bereits zu seiner charakteristischen Tonsprache, ja mehr noch: er findet hier einige seiner schönsten Melodien.

Die vorliegende Einspielung durch den Jahrhundertgeiger Thomas Zehetmair und das Philharmonia Orchestra unter der Leitung von Christoph Eschenbach (Schumann) und Eliahu Inbal (Dvorák) entstand Ende der 80er Jahre und erfreut sich bester Tonqualität.
Es handelt sich dabei um eine brillante, makellose Aufnahme, die beste Chancen hätte, diesen beiden vernachlässigten Perlen zu der ihnen gebührenden Bekanntheit zu verhelfen. Zehetmairs Spiel ist empathisch und emphatisch und von tiefem Verständnis für die Werke geprägt. Farbenfreude und Nuancenreichtum verbinden sich hier mit Texttreue und Authentizität. Die jeweilige Orchesterleistung kann auch ausschließlich als hervorragend bezeichnet werden. Vor allem Inbals organisches, atmendes Dirigat legt die fein gewobenen Linien offen und sorgt für absolute Transparenz und vollkommene Differenziertheit. Die Akteure wählen in der Regel flotte Tempi, was zum einen die innere Spannung der Werke steigert und sie zum anderen dadurch höchst interessant und entdeckenswert macht.

Fazit: Diese verdienstvolle Einspielung beweist, dass weder Schumanns Konzert, noch das von Dvorák in irgendeiner Weise hinter den anderen Schöpfungen derselben zurückstehen. Ein herausragender Vortrag!


Sinfonie 8
Sinfonie 8
Preis: EUR 21,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kommt! Erhebet euch zu höhern Sphären!, 16. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 8 (Audio CD)
Als "das Größte, was ich bisher geschrieben habe", pries Gustav Mahler seine achte Sinfonie an. In nur wenigen Wochen konzipierte und orchestrierte der deutsche Komponist diese seine gewaltigste Sinfonie. Sie ist für sehr großes Orchester, Fernorchester, acht Gesangssolisten, zwei gemischte Chöre und einen Knabenchor angelegt, was ihr den Namen "Sinfonie der 1000" einbrachte. Für viele Kritiker ist das Werk weit problematischer als für das jubelnde Uraufführungspublikum. Mahler verliere sich hier im Bombast, agiere weitaus oberflächlicher als in seinen anderen Sinfonien. Diese Geschmacksfrage sei jedem selbst überlassen.
Formal betrachtet besteht das Opus aus zwei Teilen: Während Mahler im ersten Teil den mittellateinischen Hymnus "Veni, creator spiritus" vertont, ist der zweite, wesentlich längere Teil für die Schlussszene aus Goethes "Faust II" reserviert. Der rein instrumentale Beginn des zweiten Abschnitts weist durchaus Merkmale eines langsamen Satzes und einen Scherzos auf.
Das Dauerforte des ersten Abschnitts halten viele Rezipienten für ein Ärgernis, doch in Wirklichkeit erleben wir hier die feurige Beseeltheit eines Christen, der seinen Glauben in die ganze Welt hinaus schreien will. Erst der Beginn des zweiten Teils gewährt etwas Entspannung, doch auch dieser Abschnitt ist vom Feuer der Leidenschaft durchglüht. Während es im Teil I religiöse Leidenschaft und Liebe gewesen ist, ist es hier die Liebe der Menschen untereinander, die durch die göttliche Erlösung geadelt wird. Es ist also durchaus nicht vermessen, die achte Sinfonie Gustav Mahlers als die Synthese seiner frühen Sinfonien, also der Zweiten, Dritten und Vierten, zu begreifen. Dieses zutiefst menschliche Werk - und ist es auch nicht Mahlers beste Sinfonie - steht seinem Ideal von der Verschmelzung von Katholizismus und Humanismus Pate.

Mit der vorliegenden Einspielung aus dem Jahre 2007 - in perfekter Aufnahmequalität - vollendete Pierre Boulez seinen umstrittenen Mahler Zyklus. Begleitet wurde er hier von den Sopranistinnen Twyla Robinson, Erin Wall und Adriane Queiroz, von den Altistinnen Michelle de Young und Simone Schröder, dem Tenor Johan Botha, dem Bariton Hanno Müller Brachmann, dem Bassisten Robert Holl, dem Chor der Deutschen Staatsoper Berlin, dem Rundfunkchor Berlin, den Aurelius Sängerknaben Calw sowie der Staatskapelle Berlin.
Allein die Liste der Mitwirkenden lässt erahnen, dass diese Doppel CD nichts Geringeres als ein Elementarereignis zu bieten hat. Tatsächlich darf sich der Hörer auf ein Spektakel der Extraklasse freuen, bei dem von Boulez' gegeißelter Analytik nicht viel zu spüren ist. Freilich, er legt die subtilen Strukturen des Werkes transparent und organisch differenziert dar, verfällt dabei aber niemals dem Odel des Akademischen. Auch alle anderen Akteure geben sich einem Taumel des Gefühls hin - man höre sich nur den Schlusschor an! -, liefern einen farbenreichen, pointierten und nuancenreichen Vortrag, der stets fließend ist. Es bleibt dabei noch genügend Raum für individuelle Akzente, die der Interpretation zu einem hohen Wiedererkennungswert verhelfen.

Fazit: Eine bombastische Einspielung! Steht gleichberechtigt neben so großen Darbietungen wie der von Leonard Bernstein oder Simon Rattle.


Komplette Lieder
Komplette Lieder
Preis: EUR 8,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Blicke mir nicht in die Lieder!, 15. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Komplette Lieder (Audio CD)
Es gibt wohl wenige authentischere Komponisten als Anton von Webern (1883-1945), den Schüler Arnold Schönbergs. Während sein früher Stil noch stark spätromantischen Idealen nachhängt, widmete er sich gemeinsam mit Schönberg und Alban Berg ab circa 1909 der freien Atonalität. Die Besonderheiten seiner individuellen Tonsprache sind die Fragilität seiner Kompositionen, die extremen Kontraste vor allem zwischen Leise und Laut sowie bizarre Verknüpfungen auf welcher Ebene auch immer. Charakteristisch für die reifen Werke Weberns ist zudem die bisweilen aberwitzige Kürze. Webern selbst soll einmal gesagt haben, dass er teilweise gar keine Motivation mehr gehabt habe, weiter zu komponieren, sobald die zwölf Töne erklungen waren.
Eines der wichtigsten Betätigungsfelder für Webern blieb zeitlebens die Liedkomposition, sei es nun für Singstimme(n) und Orchester, Kammerensemble oder eben das Klavier. Die vorliegende CD beinhaltet sämtliche Klavierlieder des deutschen Komponisten, auch die frühen, die uns einen Tonsetzer zeigen, der zwar seinen Weg noch nicht vollends gefunden hat, dessen Jugendwerke aber dennoch charmant, espritvoll und nostalgisch sind. Insgesamt fünf frühe Klavierliederzyklen blieben unveröffentlicht und damit trotz ihres ästhetischen Anspruchs weitläufig unbekannt. Erst seine opp. 3, 4, 12, 23 und 25 publizierte Webern. Die Kompositionen werden immer verkappter, immer konzentrierter und kontrastreicher. Webern ist einst als der Komponist der extrem leisen Töne beschrieben worden, in denen er die Spannung steigert, welche vor allem in den späteren Liedern zu leidenschaftlichen Ausbrüchen kulminiert. Die Stücke enden so unverhofft, wie sie begannen. Es dauert lange, bis man sich daran gewöhnt hat. Doch wenn man sich auf Weberns charakteristische Gestaltungsweise einlässt, wird man die ästhetische Vollkommenheit eines jeden seiner Lieder erkennen können.
Thematisch befassen sich die Lieder in der Regel mit dem Zeitgeist, mit Ausnahme solcher Stücke, die nicht von zeitgenössischen Dichtern stammen. Hohe Liebe und (religiöse) Selbstfindung stehen genauso im Blickpunkt wie Landschaftsbilder und Stimmungsgemälde. Webern bediente sich bei seinen Vorlagen in seiner frühen Schaffensphase verstärkt Richard Dehmels und Ferdinand Avenarius', später auch Stefan Georges und volksliedhaften Vorlagen und schließlich fast ausschließlich Hildegard Jones.

Die vorliegende Einspielung durch die Sopranistin Svetlana Savenko und den Pianisten Yuri Polubelov entstand in den Jahren 2003 und 2004 und erfreut sich hervorragender Tonqualität. Savenkos Intonation ist hell und klar, nur leider ist ihr Gesang nicht immer vollkommen verständlich - ein Manko, das vor allem in den leisen Passagen der späteren Lieder zum Vorschein kommt. Begleitet von Polubelov produziert sie farbenprächtige Nuancen und einen durch und durch flüssigen, spannenden Vortrag. Das Recital ist pointiert, verinnerlicht und ästhetisch durchdrungen. Spannung gibt es genug, auch ist das Zusammenspiel harmonisch. Durchaus verschmelzen Savenko und Polubelov zu einer Einheit, was bei den vorliegenden Werken sehr wichtig ist. Dabei bleibt ihre Deutung stets transparent und differenziert. Freilich erreichen die beiden nicht diese Perfektion wie Christiane Oelze mit Eric Schneider, die eine mustergültige Referenz vorlegten. Das mag vielleicht daran liegen, dass die beiden Interpreten der vorliegenden Einspielung nicht dem deutschen Kulturkreis entwachsen sind und eventuell deswegen nicht genug Tuchfühlung haben.

Fazit: Eine in ihrer Gesamtheit gelungene Gesamteinspielung, zum Vergleich sehr geeignet, eine Referenz ist nicht gelungen. Dennoch beweist das Naxos Label einmal mehr, dass Billig nicht gleich Schlecht sein muss...


Loves Alchymie
Loves Alchymie
Wird angeboten von schnuppie83
Preis: EUR 10,67

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...sends up my Soul to seek Thy Face..., 14. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Loves Alchymie (Audio CD)
Lautenlieder der Renaissance und das frühen Barock, besonders solche aus dem englischsprachigen Raum, erfreuen sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit, ja, erleben ihrerseits eine Renaissance. Das vorliegende Album befasst sich mit der sogenannten "metaphysical poetry" der postelisabethanischen Zeit. Diese Stücke haben Diesseitigkeit in Form von Liebe und Jenseitigkeit in Form von Tod zum Gegenstand. Es handelt sich dabei um ehrliche, authentische Werke, obschon einige davon anonym geblieben sind.

Arrangiert sind die Lieder für Sopran (Dorothee Mields), Gambe (Hille Perl) und Laute (Lee Santana). Die Interpreten haben die Stücke zu thematischen Dreiergruppen geordnet, wobei immer wieder rein instrumentale Stücke mit eingeflochten sind. Die einmalige, unvergleichliche Stimmung dieser Perlen ist berührend und idyllisch zugleich. Neben so ernsten Stücken wie "The Expiration" von John Dowland finden sich überaus komische Lieder wie "No, no, fair heretic". Die Komponisten dieser Stücke befinden sich in einem inneren Zwiespalt, hadern mit Gott und der Welt und begeben sich auf intimste Art auf die Suche nach sich selbst. Die Aufnahmequalität dieser 2010 entstandenen Einspielung ist hervorragend.
Wunderbar verträumt und völlig glasklar ist die Stimme von Dorothee Mields. Sie ist in erster Linie dafür verantwortlich, dass sich der Hörer dieser wundervollen Zusammenstellung in eine längst vergangene Zeit zurück versetzt fühlt. Man merkt ihrem Recital deutlich an, dass es hier nicht nur um irgendeine zu Geldzwecken auf den Markt geworfene CD geht, sondern dass sich alle Akteure intensiv mit der Materie auseinander gesetzt haben.
Auch Perl und Santana gehen in ihrer zumeist begleitenden Rolle auf. Perls wie immer beseeltes und ergreifendes Spiel zieht sogleich in seinen Bann. Es ist schwer, sich von dieser elysischen, verklärenden Musik zu lösen. Auch Santana nur als Begleiter abzustempeln, würde der Vollkommenheit seines Spiels nicht gerecht. Alle zusammen liefern einen farbenfrohen, pointenreichen und spannenden Vortrag, der stets transparent und differenziert bleibt.

Fazit: Eine sehr empfehlenswerte Anthologie, und das nicht nur für Fans Alter Musik...


Klaviermusik/Kammermusik
Klaviermusik/Kammermusik
Preis: EUR 31,24

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solide Anthologie, 12. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Klaviermusik/Kammermusik (Audio CD)
Der Russe Dmitri Shostakovich (1906-1975) gilt nicht nur als einer der produktivsten Komponisten des vergangenen Jahrhunderts, sondern auch als einer der einflussreichsten Künstlerpersönlichkeiten seiner Zeit. Er bediente nahezu alle Gattungen der Instrumentalmusik in seiner Schaffenszeit. Außerdem war er ein angesehener Konzertpianist, der immer wieder alleine oder im Ensemble auf Tournee ging. Dennoch fristen viele seiner Klavierwerke und Kammermusiken ein Schattendasein neben seinen zahlreichen Sinfonien und seinen Streichquartetten. Die vorliegende Box jedenfalls bietet einen willkommenen Überblick über das Schaffen Shostakovichs in diesem Bereich und kann schon deswegen als eine höchst interessante Anthologie angesehen werden, indes viele verschiedene Künstler mitwirkten. Die Aufnahmen entstanden innerhalb von etwa dreißig Jahren ab 1974, erfreuen sich aber alle gleichguter (Decca) Klangqualität. Als ein Ärgernis empfinde ich den auch hier zur Anwendung kommenden neuesten "Geniestreich" der Plattenindustrie, die CDs in billige, anonyme Papierhüllen zu verstauen.

Das Herz der Klavierkompositionen Shostakovichs sind ohne Frage seine 24 Präludien und Fugen op. 87, die hier von Vladimir Ashkenazy dargeboten werden. Das Vorbild Bachs ist offensichtlich, auch wenn der russische Komponist sich bei der Tonartenabfolge an den neu entwickelten Quintenzirkel seines Landsmannes Alexander Scriabin anlehnt. Shostakovich findet hier eine Tiefe des Ausdrucks und berührende Melodien, die einerseits widerlegen, dass klassische Musik nach Brahms unverständlich sei, und andererseits den Vorwurf der Oberflächlichkeit der Musik des russischen Tonsetzers verwerfen. An kurze, schnell verrauschte Stücke reiht er tiefsinnige, durchaus schwergewichtige Kompositionen an. Alles ist jedoch stets im Gleichgewicht, Shostakovich schuf hier eines seiner vollkommensten, ausgewogensten Stücke.
Ashkenazys Vortrag ist dem durchaus würdig: Sein Spiel ist überraschend gehend und flüssig, niemals akademisch, sondern immer ästhetisch informiert und farbig nuanciert. Auch wenn seine Interpretation im Zeichen der Werktreue steht, vergisst er es doch nicht, eigene Akzente zu setzen, die seiner Deutung durchaus noch etwas Neues abgewinnen können. Freilich darf man hier nicht diese Vollkommenheit, diese Transparenz oder diese Leidenschaft erwarten wie in der legendären Einspielung von Keith Jarrett, doch ist diese Aufnahme eine der bemerkenswertesten von Ashkenazy.

Es war Shostakovichs erster Versuch auf diesem Gebiet nicht, schon vorher mit op. 31 schrieb er 24 Préludes, die ganz im Zeichen Scriabins und damit auch Chopins stehen. Es sind allesamt kurze Stücke, die allerdings als Gelegenheitswerke zu bezeichnen ihrem künstlerischen Anspruch nicht gerecht würde, indes sich immer wieder Episoden mit Tiefgang und viel Emotion finden.
Weiterhin finden sich auf dieser Box die beiden Klaviersonaten des russischen Meisters, die erste op. 12 ein espritvolles Jugendwerk, in einem Satz konzipiert und den für Shostakovichs frühe Schaffensphase so typischen Humor zur Schau stellend, die zweite op. 61 durchaus auch humoresk, doch eher eine Art abgeklärten Galgenhumor produzierend, dem im zweiten, innigen Satz von tiefem Weltschmerz und Trauer der Dolchstoß gegeben wird. Auch dies ist ein charakteristisches Werk für Shostakovich, der sich selbst und seine Umwelt in einigen Kompositionen nicht allzu ernst zu nehmen scheint.
Abgerundet wird das Programm durch einige zumeist frühe Salonstücke, namentlich die drei fantastischen Tänze op. 5, fünf frühe Präludien, die geistreichen Aphorismen op. 13 sowie einen Auszug aus den "Dances of the Dolls". Bei letzteren handelt es sich um Klavierarrangements einiger Szenen aus Balletten oder Filmmusiken des russischen Komponisten.
Dargeboten werden diese Stücke wiederum von Ashkenazy, von Lilya Zilberstein (1. Sonate) und Olli Mustonen (Préludes op. 31). Vor allem Mustonens ordnender, kraftvoller Vortrag verdient größte Anerkennung, aber auch Zilbersteins zarter, lyrischer Anschlag und ihr aufbrausendes Temperament machen Shostakovichs Jugendwerk zu einer wahren Perle.

Außerdem wartet dieses Box Set mit drei der intimsten Kammermusiken des Meisterkomponisten auf, unter anderem seinem Klaviertrio Nr. 2 e moll op. 67 auf den Tod eines seiner vertrauten Freunde. Viele attestierten dem Stück, dass es eines der ehrlichsten und zugleich traurigsten Shostakovichs sei. Von besonderer Schönheit ist das über weite Strecken pizzicato zu spielende Finale, das hier vom Beaux Arts Trio in meisterhafter Weise vorgetragen wird. Diese Triokonstellation galt über lange Jahrzehnte als die beste ihrer Art. Und tatsächlich beweisen die Akteure, dass sie als Meister ihres Faches zu gelten haben und auch zeitgenössische Kammermusik brillant, beseelt und espritvoll darzubieten verstehen.
Von der wundervollen Cellosonate Rachmaninovs inspiriert schrieb Shostakovich seine eigene d moll op. 40, ein hervorragendes Stück, voller technischer Raffinessen, die jedoch niemals den außermusikalischen Ausdruck überdecken. Das zudem dargebotene Moderato für Klavier und Violoncello beweist Shostakovichs Gespür für das Maß zwischen Ausdruck und Virtuosität. Ashkenazy und der Cellist Lynn Harrell stellen ebenso ihr Gespür unter Beweis. Ihr Spiel ist hingebungsvoll und innig, harmonisch und vertraut. Sie setzen zahlreiche Pointen, so dass ihre Interpretation einen sehr hohen Wiedererkennungswert hat.
Den hat auch die authentische, durch und durch gelungene Einspielung des Klavierquintetts in g moll op. 57 durch Ashkenazy und das Fitzwilliam Quartet - das auch die Zugabe, die Elegie und die Polka für Streichquartett, vornimmt. Dieses Quintett ist eines von Shostakovichs ungewöhnlichsten und genialsten Werken. Er setzt die Stimmen nur sehr sparsam, lässt das Klavier oft nur in den hohen oder tiefen Lagen spielen, um den Streicherklang nicht zu überdecken. Zudem kommt es selten vor, dass alle Instrumente gleichzeitig spielen. Von besonderer Schönheit ist die Fuge des zweiten Satzes, die Shostakovich als einen Meister des Kontrapunktes ausweist.

Fazit: Ein sehr guter Werküberblick, auch wenn der freilich nicht alles abdecken kann. Die Einspielungen sind immer zumindest solide, so dass diese Box insbesondere für Einsteiger zu empfehlen ist.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 2, 2015 8:58 PM MEST


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