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Rezensionen verfasst von
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern)
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Brilliant Classics Piano Library - Fauré: Complete Piano Works
Brilliant Classics Piano Library - Fauré: Complete Piano Works
Preis: EUR 12,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Lanze für Fauré, 18. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der französische Komponist Gabriel Fauré (1845-1924) sagte einst, dass nur die Kammermusik den wahren Charakter eines Tonsetzers zu Tage fördere. An diese Doktrin hielt er sich. Zeitlebens widmete sich der "Komponist der leisen Töne" vornehmlich der Komposition zahlreicher Kammermusiken, Klavierstücke und Klavierlieder. Dies dürfte wohl auch der ausschlaggebende Grund dafür sein, dass Fauré bis heute ungerechtfertigterweise ein Schattendasein neben seinen Zeitgenossen fristet, indes große Orchesterwerke in seinem Schaffen nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Die vorliegende Box beinhaltet sämtliche Klavierwerke des Franzosen. Über seine ganze Schaffensphase komponierte Fauré für das Klavier, so dass sich seine Klavierstücke prächtig dazu eignen, Faurés künstlerischen Werdegang zu verfolgen. Er findet mehr und mehr eine Verschmelzung von spätromantischer Herbe und impressionistischen Stimmungsgemälden. So wird es folglich nich wundernehmen, dass der Hörer größere Kompositionen - wie etwa Klaviersonaten - vergeblich suchen wird.

Einen hohen Stellenwert nehmen die insgesamt 13 Nocturnes ein, von denen Fauré die letzten im hohen Alter schrieb. Tiefe des Ausdrucks verbindet sich hier auf einzigartige Weise mit unbeschwerter, nächtlicher Leichtigkeit. Faurés Stücke stehen den - wenngleich ganz anders gearteten - Nocturnes Chopins in nichts nach.
Neun Préludes op. 103 schrieb der französische Tonschöpfer, die schnell verrauschte Stimmungen einfangen. Auf fingerbrechende Akrobatik wird hier verzichtet, vielmehr ging es Fauré darum, zarte, lyrische und innige Stücke zu komponieren.
Ein ähnliches Ziel verfolgen auch seine fünf Impromptus. Jedoch wird hier wesentlich mehr Wert gelegt auf Abgeschlossenheit und Ornamentik. Dass sich Fauré Schubert zum Vorbild genommen hat, ist offensichtlich. Faurés höchst individuelle Note ist allerdings unverkennbar.
Weiterhin gibt es 13 Barcarolles, die durch ihre Liedhaftigkeit bestechen. Fauré war ja ein hervorragender Liedkomponist und lässt seine lebenslange Erfahrung in diesem Genre hier brillant zur Geltung kommen. Auch eine einzelne Mazurka op. 32 legt Zeugnis darüber ab.
Unter den kleineren Zyklen für Klavier ragt besonders "Thème et Variations" in cis-moll op. 73 heraus. Das Stück atmet organisch und sprudelt vor Originalität und Einfallsreichtum. Die insgesamt vier Valses-Caprices, die acht "Pièces brèves" op. 84 sowie die drei Romanzen ohne Worte dürfen eher als Gelegenheitswerke angesehen werden, deren künstlerische Qualität dennoch gewiss nicht unterschätzt werden darf.
Neben diesen zweihändigen Klavierstücken komponierte Fauré auch zwei Stücke für Klavier zu Händen, namentlich die sogenannte "Dolly-Suite" op. 56, die nachmalig auch orchestriert wurde, und die zarten, variierten "Souvenirs de Bayreuth".

Die vorliegende Gesamteinspielung durch den französischen Pianisten Jean-Philippe Collard - unterstützt durch Bruno Rigutto für die vierhändigen Stücke - entstand zwischen 1970 und 1983, erfreut sich aber erstaunlich guter Tonqualität. Auch musikalisch und ästhetisch gibt es nichts auszusetzen an dieser Box - bis auf die spärliche Einführung im dürftigen Booklet, was aber bei diesem Preis weniger schlimm ist.
Collards Wiedergabe ist hervorragend durchleuchtet und von tiefem Verständnis für den Komponisten geprägt. Sein Anschlag ist fühlend und forschend, niemals kategorisierend. Er trägt die Kompositionen mit viel Lyrik, Wärme und Frische vor. Farbige Nuancen und perlende Facetten sind ein weiteres Markenzeichen dieser Interpretation. Collard versteht es differenziert, Akzente zu setzen, die seine Darbietung nicht nur zu einer mit hohem Wiedererkennungswert machen, sondern auch zu einer, an der sich andere messen lassen müssen.

Fazit: Die perfekte Gelegenheit, die noch nicht gehobenen Klavierperlen Faurés kennen und lieben zu lernen!


Mahler: Sinfonie No. 6
Mahler: Sinfonie No. 6
Preis: EUR 16,22

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn die Totenglocke läutet..., 15. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mahler: Sinfonie No. 6 (Audio CD)
Die sechste Sinfonie des österreichischen Dirigenten und Komponisten Gustav Mahler wird zu seiner sogenannten mittleren Trilogie gerechnet. Diese drei Werke stellen eine Selbstreflexion Mahlers als Künstler und Mensch dar. Viele erachten gerade die Sechste, die "Tragische" als den Höhepunkt dieser Trias. Mahler ficht hier einen Kampf zwischen Leben und Tod aus, den letztlich der Tod gewinnt, gewinnen muss.
Mit ihren vier Sätzen ist sie die Sinfonie des Tonsetzers, die sich am ehesten der klassisch sinfonischen Form annähert, obschon ihr Ausdrucksgehalt schon längst ältere Muster transzendiert.
Der erste Satz vereint wilde, geradezu brutale und unerbittliche Marschrhythmik mit Reminiszenzen an Mahlers Jugend in Böhmen, welche zärtlich vom Geläut von Herdenglocken untermalt werden.
An zweiter Stelle steht der ruhende Pol der Komposition, das Andante mit seinen komplexen Themengeflechten. Unter der scheinbaren Ruhe verbergen sich tiefer Weltschmerz und üble Vorahnungen der eigenen Vergänglichkeit.
Ob das wuchtige Scherzo nun vor oder nach dem langsamen Satz steht, sei dahingestellt, Abbado indes entscheidet sich für danach. Dieses Scherzo jedenfalls gibt sich bewusst ausgelassen und befremdlich, seine Trioteile wirken teilweise sogar bizarr und weisen damit auf das Scherzo der Siebenten voraus.
Das Finale fügt zunächst einige Motive der vorangegangenen Sätze zusammen und zelebriert mit dem Hörer im Anschluss daran geradezu den Tag des Jüngsten Gerichtes. Dreimal kulminiert die Musik zu einem Höhepunkt, dreimal wird alles jäh durch einen Hammerschlag beendet, wobei Mahler den dritten Schlag schließlich strich, da er ihm allzu endgültig dünkte. Am Ende der Sinfonie scheint bloß noch die Totenglocke zu läuten, leise und sanft zwar, aber doch beängstigend nahe und intensiv.

Die vorliegende Einspielung durch die Berliner Philharmoniker unter der Leitung des Mahler-Exegeten Claudio Abbado entstand Anfang des vergangenen Jahrzehnts. Es handelt sich dabei um den bejubelten Konzertmitschnitt, der die Rückkehr Abbados nach seiner langen Krankheit markierte. Die Tonqualität ist ausgezeichnet.
Abbado beweist, dass er auch im Alter seinen Charakteristika, seiner Klasse und seiner Originalität treu geblieben ist. Seine Präzision macht diese CD zu einem Spektakel der Extraklasse. Seine bombastische Leistung liefert ein Recital, das sich ohne Weiteres mit Bernstein und Karajan messen kann. Die Berliner Philharmoniker spielen wie entfesselt, farbenfroh, nuanciert und facettenreich. Individuelle Akzente verleihen insbesondere dem Scherzo einen Ausdruck, der seinesgleichen sucht. Niemals ermüdet das Orchester, bis zur letzten Note ist die Spannung da, die diese Interpretation von Mahlers Sechster referenzverdächtig macht...
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 2, 2014 1:56 AM CET


Lieder
Lieder
Wird angeboten von japazon
Preis: EUR 27,22

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...und hätte der Liebe nicht, so wär ich ein tönend Erz..., 1. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lieder (Audio CD)
Auch wenn es heutigen Hörern kaum bewusst ist, so spielen Vokalwerke im Oeuvre des deutschen Komponisten Johannes Brahms eine bedeutende Rolle. Leider fristen fast alle dieser Stücke - mit Ausnahme des "deutschen Requiems" - neben seinen Instrumentalmusiken ein untergeordnetes, ja fast vergessenes Dasein. Dass Brahms' Klavierlieder bis heute vernachlässigt werden, dürfte wohl in erster Linie auf die unantastbare Vormachtstellung des schubertschen Liederkosmos zurückzuführen sein. Die vorliegende CD jedenfalls enthält neben einigen ausgewählten Liedern die "Zigeunerlieder" und vor allem die "vier ernsten Gesänge".

Die "Lieder und Gesänge" op. 32 sind in ihrer Gesamtheit der früheste Beitrag des großen Hamburgers zur Klavierliedliteratur. Es handelt sich dabei um einen bunten Reigen, der nicht den Anspruch nach größerer Zusammengehörigkeit erhebt. Auch sind die Vorbilder Schubert und Schumann noch deutlich auszumachen, auch wenn Brahms bereits hier seinen Individualstil gefunden zu haben scheint.
Nein, das brahmssche "Lullaby" findet sich nicht unter den ausgewählten Liedern, dafür aber andere Perlen, wie "Feldeinsamkeit" op. 86,2 oder "Treue Liebe" op. 7,1. Diese Lieder schaffen einen schönen, gelungenen Querschnitt durch das Liederoeuvre des deutschen Tonschöpfers.
Die "Zigeunerlieder" op. 103 tragen Brahms' Liebe zur osteuropäischen Folklore Rechnung. Der Klavierpart dieser Kompositionen trägt geradezu rhapsodische Züge. Auch vom Gesangssolisten wird einiges an Dynamik und Koloratur verlangt. Doch gerade diese launischen, schnell verrauschten und dann wieder zutiefst betrübten, melancholischen Wechsel verleihen diesen Liedern ihren ganz individuellen Reiz.
Als ein Abschiedsgeschenk an die Welt hinterließ Brahms seine "vier ernsten Gesänge" op. 121. Diese elysischen, schwer zu durchdringenden Stücke basieren allesamt auf Bibeltexten. Brahms war ja nun kein frommer Christ, dennoch aber bibelfest. Sein verquerer, sehr individueller Zugang zum Glauben findet in der Auswahl Niederschlag. Thematisch drehen sich die vier Gesänge um die Nichtigkeit alles Irdischen, die Erlösung durch den Tod und die Erhabenheit des menschlichen Geistes. Der Komponist findet hier zu innerer Einkehr und macht Frieden mit sich und seiner Umwelt.

Die vorliegende Einspielung durch die Mezzosopranistin Cornelia Kallisch und den Pianisten Gabriel Dobner entstand 1999 und erfreut sich brillanter Aufnahmequalität. Abgerundet wird das rundum gelungene Programm durch kurzweilige Einführungen sowie zwei Künstlerbiographien.
Es handelt sich um eine qualitativ hochwertige, absolut empfehlenswerte Interpretation voller Wärme, Hingabe und tiefem Verständnis. Farbenreichtum und perlende Nuancen zeichnen das Recital aus. Kallischs Intonation ist glasklar und dennoch markant und akzentuiert. Sie kann sich auf die kontrast- und facettenreiche Begleitung Dobners voll und ganz verlassen, der zwar zurücksteht, sich aber trotzdem ausgezeichnet profiliert. Die Chemie zwischen den beiden Künstlern stimmt vollkommen und sorgt für größte Differenziertheit sowie absolute Transparenz.

Fazit: Eine tadellose Gelegenheit, einen willkommenen Querschnitt durch das umfangreiche Liedschaffen Johannes Brahms' zu erhaschen!


Orgelwerke
Orgelwerke
Preis: EUR 10,12

5.0 von 5 Sternen O Welt, ich muss dich lassen..., 31. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Orgelwerke (Audio CD)
Orgelwerke spielen im umfangreichen Schaffen des deutschen Komponisten Johannes Brahms nur eine untergeordnete Rolle. Das mag damit zusammenhängen, dass die Orgel ein ausgesprochen religiös konnotiertes Instrument ist. Brahms indes hielt nicht allzu viel vom Christentum, beziehungsweise - positiv formuliert - hatte er einen sehr individuellen Zugang zum Glauben. Es ist überliefert, dass er durchaus bibelfest war, was ja unter anderem sein monumentales "deutsches Requiem" unter Beweis stellt. Die wenigen Orgelwerke, die Brahms hinterlassen hat, sind auf dieser CD versammelt.

Brahms schrieb zunächst einmal über mehrere Jahre verteilt vier kleinere Stücke für die Orgel, nämlich Praeludium und Fuge in g moll sowie in a-moll, eine Fuge in as-moll und schließlich das Choralvorspiel "O Traurigkeit, o Herzeleid" in a-moll. Diese Gelegenheitswerke zeigen uns Brahms mit all seinen Charakteristika: orchestraler Stil, schroffe Melodiebögen und teilweise schwerfällige Dynamik. Dennoch wird hier sofort deutlich, dass Brahms es verstand, eindrucksvoll für die Orgel zu schreiben.
Nachdem sich Brahms eigentlich schon zurückgezogen hatte, widmete er sich am Ende seines Lebens noch einmal der Orgelmusik. Seine elf Choralvorspiele op. 122 sind geradezu als sein Abschiedsgeschenk an die Welt zu betrachten. Ästhetische Verinnerlichung, stille Intimität und innere Einkehr kennzeichnen diese paradiesischen Stücke, die wiederum Zeugnis darüber ablegen, dass Brahms sich mit Bibeltexten durchaus auskannte. Ähnlich wie in seinen späten Klavier- und Klarinettenstücken geht es dem großen Hamburger hier weniger um Dramatik und Dynamik als vielmehr um Stimmung und Besinnlichkeit. Anders als seine "vier ernsten Gesänge" jedoch lassen sich die Choralvorspiele leicht erschließen.

Die vorliegende Einspielung durch Robert Parkins an der Flentrop Organ in der Duke Chapel der Duke University von Durham entstand 1994, erfreut sich aber dennoch brillanter Aufnahmequalität. Wieder einmal beweist das Naxos-Label, dass günstige Aufnahmen sehr gut sein können.
Parkins' Spiel ist beseelt. Er legt offen, worum es Brahms bei der Komposition insbesondere seiner Spätwerke gegangen sein dürfte: um eine humanistische Verschmelzung von Glaube und Ethik. Sein warmes, weiches und fühlendes Spiel steht dabei niemals der Werktreue, der Differenziertheit oder der vollkommenen Transparenz im Wege. Zu beachten sind seine individuell gesetzten Akzente und seine fließende, in Mark und Bein fahrende Nuancierung. Farbenfroh, kontrast- und facettenreich lotet er diese vernachlässigten Meisterwerke Brahms' aus und schafft damit eine referenzverdächtige Einspielung, die ich in meiner Klassiksammlung nicht mehr missen möchte...


Die Mönche von Silos (Gregorianische Gesänge aus Spanien)
Die Mönche von Silos (Gregorianische Gesänge aus Spanien)
Preis: EUR 10,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rex Christe Redemptor, 30. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Gregorianische Choräle haben die unwiderstehliche Macht, uns in ihren Bann zu ziehen. Der Schall der mönchischen Stimmen, die Abwesenheit anderer Musikinstrumente außer der menschlichen Stimme, der lateinische Text - all das berührt verstärkt Menschen unserer Zeit. Woher kommt diese Faszination in einer Welt, die dem christlichen Glauben mehr und mehr zu entsagen scheint? Letzten Endes spiegeln die Gesänge der frommen, in Klausur lebenden Männer unser Verlangen nach innerer Einkehr und Ausfüllung wider. Auch wenn sich nur die wenigsten von uns vorstellen können, im Kloster ihr Leben zu beschließen, so ist auch der Reiz der Distanz und der scheinbaren Unnahbarkeit ein ausschlaggebender Faktor.

Bei der vorliegenden Einspielungen handelt es sich um die berühmte Aufnahme der Mönche aus der Abtei Santo Domingo de Silos unter der Leitung von Dom Ismael Fernández de la Cuesta, die Ende der 60er Jahre produziert wurde. Die Mönche liefern einen Zyklus von Glaubenstexten ab, die einen gelungenen Querschnitt durch die weit zurück reichende Geschichte ihrer Abtei wiedergibt. Dennoch entsteht der Eindruck der Geschlossenheit. Auch wenn die Aufnahmequalität sehr gut ist für ihr Alter, so muss man der DGG doch anlasten, dass sie das Programm unterwert verkauft, indes nur sehr wenige Informationen zur Einspielung beigegeben wurden.
Auch wenn es grundsätzlich nicht zulässig ist, interpretatorisch etwas an gregorianischen Chorälen auszusetzen - absoluter Glaube ist Rechtfertigung genug -, so kann doch erwähnt werden, dass die Abtei offenkundig ihre besten Sänger ausgewählt hat, um ihren Vortrag brillant zu gestalten und die Botschaft ihres grenzenlosen Gottvertrauens eindrucksvoll in die Welt nach draußen zu tragen. Beim Hören dieser Aufnahme findet man zweifelsohne zu innerer Ruhe und - ja - Glückseligkeit.

Fazit: Eine rundum gelungene Aufnahme, bei der nur die Präsentation nicht stimmt...


Das Lied Von der Erde
Das Lied Von der Erde
Preis: EUR 9,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...dunkel ist das Leben, ist der Tod..., 29. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Lied Von der Erde (Audio CD)
Der deutsch-österreichische Komponist Gustav Mahler sträubte sich vehement dagegen, seine Sinfonie für zwei Singstimmen und Orchester, der er den Beinamen "Das Lied von der Erde" gab, als seine neunte Sinfonie zu verkaufen. Mahler wusste wohl zum Zeitpunkt der Komposition bereits, dass er an einer unheilbaren Herzkrankheit sterben würde, und so ist es gewiss nicht korrekt, Mahlers Auswahl der Liedtexte aus Hans Bethges Übersetzung "Die chinesischen Flöte" nach Gedichten von Li Tai-Po ausschließlich auf eine Mode seiner Zeit zurückzuführen, die die Exotik des Fernen Ostens für sich entdeckte. Die sechs Gedichte nämlich, die er sich aussuchte, befassen sich allesamt mit einer verzweifelten Liebe zum Leben und gleichzeitig mit einem Abschiednehmen von der Welt. Auch das Thema Alkohol spielt eine entscheidende Rolle. Autobiographische Züge sind hier ebenso unverkennbar, indes Mahler cholerischer Alkoholiker gewesen ist.
"Das Lied von der Erde" besteht aus sechs sehr ungleichen Liedern: Während die ersten fünf Stücke zwischen drei und zehn Minuten dauern, hat das monumentale sechste Lied eine Länge von etwa dreißig Minuten. Es nimmt folglich nicht wunder, dass sich dieses gewaltige Werk demjenigen, der es zum ersten Mal hört, nicht allzu leicht eröffnet.
Das erste Lied, "Das Trinklied vom Jammer der Erde", ist ein leidenschaftliches, verzweifeltes Stück voller Agonie, aber dennoch geprägt von der heißen Liebe zum Diesseits. Dasselbe gilt für das wesentlich ruhigere Lied "Der Einsame im Herbst". "Von der Jugend" entwirft ein verführerisches Trugbild vom menschlichen Spross, und "Von der Schönheit" schildert die Gefühle eines Außenseiters. Unter der galoppierenden Frische des Liedes "Der Trunkene im Frühling" verbirgt sich tiefe Verzagtheit. Damit reiht sich auch dieses in den thematischen Reigen ein. Den Abschluss macht "Der Abschied", jenes wundervolle, tiefsinnige Stück, das beweist, wie weit untereinander verflechtet Singstimme und Orchester ausgearbeitet sind. Mahler imaginiert hier zwei Freunde, die sich auf Zeit - oder für immer - trennen.

Die vorliegende Einspielung durch die Altistin Christa Ludwig, den Tenor René Kollo sowie die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Herbert von Karajan entstand Mitte der 70er Jahre und erfreut sich einer sehr guten Aufnahmequalität. Karajan spielte neben dem "Lied von der Erde" noch Mahlers Vierte, Fünfte, Sechste und Neunte ein sowie die beiden Rückert-Liederzyklen. Aber nicht nur deswegen muss diese Aufnahme als ein bedeutendes Tondokument ersten Ranges angesehen werden, auch wenn die DGG dasselbe, was die Präsentation anbelangt, unterwert verkauft.
Dass Karajan seine Berliner über die Jahre zu einem herausragenden Klangkörper geformt hat, ist weitläufig bekannt. Doch dass das reicht freilich nicht aus, um ein derart diffiziles Werk wie "Das Lied von der Erde" ausgezeichnet darzubieten, liegt auf der Hand. Und tatsächlich vermag es Karajan, differenziert und transparent die Tiefgründigkeit mahlerscher Musik zu erforschen und einen packenden, farbenreichen und warmen Vortrag zu produzieren. Teils scharf akzentuiert und kontrastreich nuanciert zeigt er, dass er trotz seiner verhältnismäßig wenigen Beiträge als wahrer Mahler-Spezialist zu gelten hat.
Hinzu kommt die ausgezeichnete gesangliche Leistung insbesondere Christa Ludwigs. Ludwig hat diesen Zyklus während ihrer langen Tätigkeit sehr oft gesungen. Ihre ganze Erfahrung scheint sie hier auf die Schallplatte bannen zu wollen. Außerdem stand sie mit Herbert von Karajan auf vertrautem Fuße. René Kollo liefert ebenso einen gelungenen Vortrag ab, singt nicht nur einfach, sondern (er)lebt seine Rolle. Gewiss, er erreicht nicht diese Perfektion und Vollendung wie seinerzeit Fritz Wunderlich an der Seite Ludwigs und Otto Klemperers. Dennoch verdient seine Interpretation höchstes Lob.

Fazit: Eine bemerkenswerte Bereicherung, die den "großen" Einspielungen in kaum etwas nachsteht!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 23, 2011 10:52 AM MEST


Sonaten für Violine Solo
Sonaten für Violine Solo
Preis: EUR 21,23

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von der Autonomie des menschlichen Geistes, 26. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sonaten für Violine Solo (Audio CD)
Als einer der besten Geiger des vergangenen und des vorvergangenen Jahrhunderts war der Belgier Eugène Ysaÿe (1858-1931) auch als Komponist tätig, was die wenigsten wissen. Er beschränkte sich bei dieser Tätigkeit fast ausschließlich auf sein eigenes Instrument. Frühe Violinkonzerte vernichtete er in seiner Reifezeit und tat sie als Kindereien ab. Die einzige Schöpfung, die sich bis heute einen mehr oder weniger festen Platz im Konzertrepertoire erhalten kann, sind seine sechs Sonaten für Violine solo op. 27. Auch wenn die Vorbilder - Johann Sebastian Bach mit seinen sechs Sonaten und Partiten sowie Niccoló Paganini mit seinen 24 Capricen - deutlich auszumachen sind, so findet Ysaÿe hier doch seinen ganz eigenen, individuellen Stil. In der geistigen Welt der Ästhetik sind schließlich Abstände von hundert Jahren keine wirklichen Barrieren. Jede der sechs Sonaten ist einem zeitgenössischen Künstlerkollegen gewidmet. Es ist nicht verwegen, zu behaupten, dass der Belgier mit diesem Werkcorpus geradezu ein Testament seiner Nachwelt hinterlassen hat.

Die erste Sonate in g-moll erscheint auf den Blick als die konventionellste. Die träge Einleitung macht aber sogleich klar, dass Ysaÿe nach einer Verschmelzung von Virtuosität und Ausdruck trachtet, welche er auch im folgenden Fugato verwirklicht. Nach einem flinken, scherzoähnlichen Allegretto folgt das knappe, konzentrierte Finale, das voller Leidenschaft steckt.
Die Sonate Nr. 2 a-moll eröffnet mit einem mit "Obsession" überschriebenen Satz, der an einigen Stellen folglich nahezu halluzinogen wirkt. Nach der berührenden "Malinconia" folgt der "Tanz der Schatten". Den Abschluss bilden die "Furies". In seiner Gesamtheit handelt es sich hier um ein geniales Werk, das zwar immer noch gen Bach und Paganini blickt, aber dennoch auf einmalige Art und Weise dem Impressionismus verpflichtet ist.
Die dritte Sonate d-moll mit dem programmatischen Beinamen "Ballade" ist nur einsätzig. Zwei schwere, konzentrierte Teile umrahmen die eigentliche Ballade, die in ihrer Anlage in gewisser Weise herbstlich wirkt.
In e-moll steht die vierte, Fritz Kreisler gewidmete Sonate. Bevor das rauschende Finale hereinbricht, stilisiert Ysaÿe eine Allemande und eine Sarabande. Eindrucksvoll stellt der belgische Tonsetzer damit sein ästhetisches Verständnis zur Schau.
Die G-Dur-Sonate besteht nur aus zwei Teilen, einer vielseitigen Imagination des Sonnenaufgangs und einem derben Danse rustique". Besonders im ersten Satz geleitet Ysaÿe den Hörer auf eine phantastische Reise durch die Welt der Klänge. Nicht religiöse Verinnerlichung oder virtuose Durchdringung, sondern ästhetische Abstrahierung stellt einen der Schlüsselbausteine seines Oeuvres dar.
Die letzte Sonate in E-Dur ist wiederum nur einsätzig. Sie steht wohl nicht ohne Grund ganz am Ende des Zyklus', indes diese Komposition die verkappteste ist. Sie lädt zu Nachsinnen ein, woran die nachmalig folgende Ruhe gemahnt.

Die vorliegende Einspielung durch den Jahrhundertgeiger Thomas Zehetmair entstand 2002 und erfreut sich gewohnt brillanter ECM-Klangqualität.
Zehetmair hat sich seinen Zugang zu Ysaÿes Vermächtnis hart erarbeitet. Er durchdringt die Partitur, sein Spiel ist beseelt, espritvoll und intim. Er genießt ganz offensichtlich die Einsamkeit, in die er sich während seines Vortrages gegeben sah. Farbenreichtum, Kontrastreichtum, zahlreiche Nuancen und Pointen zeichnen seine Interpretation aus. Er erkennt sehr wohl, dass es hier nicht um Tempo, sondern um Empfindung, Ausdruck und Stimmung geht. Er spielt durchweg differenziert, flüssig und transparent. Seine Botschaft ist die von der Ästhetik, von der Erhabenheit verinnerlichten Musizierens und - von der Unantastbarkeit des menschlichen Geistes...


Violinsonaten
Violinsonaten
Preis: EUR 19,51

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Selten gehörter Mendelssohn in einer brillanten Einspielung, 25. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Violinsonaten (Audio CD)
Die Beiträge des deutschen Romantikers Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) zum Genre der Violinsonate spielen im Konzertgebrauch quasi keine Rolle. Tatsächlich hinterließ der Komponist zwei frühe Sonaten, ein frühes Fragment sowie eine späte Sonate. Die letzteren beiden wurden sogar erst im vergangenen Jahrhundert entdeckt und konnten sich folglich den ihnen gebührenden Platz im Kammermusikrepertoire noch nicht erheischen.
Die Violinsonaten Mendelssohns sind schon alleine deswegen hochinteressant, da sie stilistisch denen Mozarts sehr ähneln. Den romantisch-wilden Überschwang findet man in nur sehr wenigen Passagen. Selbst die späte Sonate verzichtet fast gänzlich darauf. So kann man es den Interpreten dieser brillanten Aufnahme nur danken, sich diesen Perlen gewidmet zu haben.

1820 schrieb Mendelssohn seine erste Sonate F-Dur, also im Alter von nur etwa elf Jahren. Das Wunderkind stellt in diesem zu Lebzeiten unveröffentlicht gebliebenen Stück sein ganzes Talent unter Beweis. Auch wenn Konzeption, Ausdrucksgehalt und Ästhetik besonders des langsamen Satzes noch sehr stark an klassische Violinsonaten gemahnen, finden sich zwischen den Zeilen schon typisch mendelssohnsche Klangelemente.
1825 dann entstand die zweite Sonate in f-moll op. 4, die trotz der düsteren Einleitung des Kopfsatzes voller Esprit und Lebensfreude steckt. Im langsamen Satz findet der deutsche Tonsetzer durchaus schon bemerkenswerte Tiefen und das knappe, ungestüme Finale verweist bereits auf die galanten, charakteristischen Scherzi speziell seiner späteren Sinfonien und Streichquartette.
Warum Mendelssohn eine weitere Violinsonate, von der bloß der Kopfsatz in d-moll erhalten geblieben ist, nicht vollendete, gibt Rätsel auf. Die lyrische Eleganz der Einleitung sowie die Frische des folgenden Allegros liefern keinen Grund dafür, dass dieses ebenso 1825 komponierte Werk keinen Abschluss fand.
Das wahre Meisterstück Mendelssohns auf diesem Gebiet ist seine - interessanterweise unveröffentlichte - Sonate F-Dur, die aus dem Jahre 1838 stammt, also eine reife Komposition darstellt. Der umfangreiche Kopfsatz strotzt nur so vor Themenfülle. Auch er steht im Zeichen Mozarts, ist jedoch wesentlich eigenständiger als vormalige Sonatensätze. Von ausgenommener Schönheit ist das Adagio, in dem die Violine sanft über der Klavierstimme zu schweben scheint. Das Finale ist ein typisches Beispiel für den oben bereits angesprochenen romantischen Überschwang, die wilde Wucht, die in Mendelssohns (Kammermusik)Oeuvre so oft begegnet.

Die vorliegende Einspielung durch das Duo Antje Weithaas (Violine) und Silke Avenhaus (Klavier) entstand 2008 für das Mendelssohn-Jahr 2009 und erfreut sich perfekter, glasklarer Aufnahmequalität. Auch künstlerisch ist die Aufnahme voll und ganz gelungen. Abgerundet wird das Programm durch einen kurzweiligen Essay und ein Interview mit sowie Biographisches über die beiden Künstlerinnen.
Beim Anhören der Aufnahme wird der Hörer sofort gewahr werden, dass das Zusammenspiel zwischen Avenhaus und Weithaas beeindruckend innig und vertraut ist. Die beiden loten jede Nuance, jede Klangfarbe, jede Pointe der Kompositionen aus. Es ist deutlich zu spüren, wie intensiv sich die beiden ihren Zugang und ihr Verständnis zu Mendelssohn erarbeitet haben. Sie lassen sich treiben von den wundervollen Klängen der Stücke. Ohne sich über die Partitur hinwegzusetzen, verfeinern die beiden ihr Recital durch differenziert gesetzte Akzente und einen einmaligen Spielfluss. Niemals gerät ihre Interpretation dabei in irgendeiner Weise intransparent.

Fazit: Hier wird eine Lanze für die grundsätzlich vernachlässigten Kammermusiken Felix Mendelssohns gebrochen, und das eindrucksvoll und hoffentlich nachhaltig...


Mozart, Wolfgang Amadeus - Don Giovanni [2 DVDs]
Mozart, Wolfgang Amadeus - Don Giovanni [2 DVDs]
DVD ~ Metropolitan Opera Orchestra
Preis: EUR 28,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Don Giovanni ist auch in New York ein Wüstling..., 24. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wolfgang Amadeus Mozart schrieb in seinem kurzen Leben verhältnismäßig viele Opern. "Don Giovanni", dieses "Dramma giocoso in due atti" KV 527, gilt von jeher als seine gelungenste Oper, mehr noch: Sie gilt als eines der vollkommensten Werke der Musikgeschichte. Und in der Tat gelingen Mozart hier viele unvergleichliche Meisterstücke. Er findet einige seiner schönsten Melodien und konzipierte wundervolle Arien, welche auch Menschen, die normalerweise keine klassische Musik hören, geläufig sind.
Die Handlung der Oper nach einem Libretto von Lorenzo da Ponte dreht sich um den Wüstling Don Giovanni, der durch zahlreiche Ränkespiele und andere Hinterlistigkeiten sowie die widerwillige Mithilfe seines Dieners Leporello die Gunst vieler Frauen erlangt. Doch nach kurzen Abenteuern verliert Don Giovanni die Lust an seinen Eroberungen. Die geschundenen, entehrten Frauen lässt er zurück, schreckt selbst vor Mord nicht zurück. Als er den Komtur ermordet, schwören seine Tochter Donna Anna und sein Schwiegersohn Don Ottavio Rache. Auch Donna Elvira, ein früheres Opfer Giovannis, beteiligt sich an der Racheaktion, ebenso wie das gepeinigte Bauernpaar Zerlina und Masetto. Doch die Statue des Komturs, die der furchtlose Don Giovanni zu einem Diner einlädt, kommt den Eifrigen zuvor und verschlingt Don Giovanni in einem Feuerwirbel.

Die vorliegende New Yorker Einspielung durch The Metropolitan Opera Chorus and Orchestra unter der Leitung von James Levine mit Bryn Terfel in der Hauptrolle entstand 2000. Die Bild- und Tonqualität sind hervorragend.
Zunächst einmal sollte die bombastische orchestrale Leistung Erwähnung finden: James Levine ist einer der führenden Dirigenten von Opernaufführungen und liefert auch hier einen genialen Vortrag. Farbenreichtum, Charme und Esprit beseelen seine Interpretation. Sein Orchester verwirklicht seine Vorstellungen grandios mit viel Liebe und Hingabe. Akzente werden zuhauf gesetzt, ohne dass sich die Akteure zu weit von der Partitur entfernten. Vor allem ist es gelungen, die Handlung differenziert zu begleiten und absolute Transparenz zu gewährleisten.
Sowohl die gesangliche als auch die schauspielerische Leistung sind (nahezu) perfekt. Bryn Terfel als Don Giovanni halte ich für eine der besten Verkörperungen, die man hätte vornehmen können. Terfel steht die Rolle des Bösewichts einfach wunderbar zu Gesichte. Nicht umsonst lobte die Presse diese Aufführung in erster Linie wegen der phantastischen Leistung des Briten. Sein Gesang - genau wie der aller anderen - ist glasklar, rein und inbrünstig. Er beweist eindrucksvoll, dass er sich intensiv mit der Materie auseinander gesetzt hat. Ferruccio Furlanetto als sein Diener Leporello kann dasselbe von sich behaupten. Er ist ein herrlich spöttischer und dabei reizend selbstironischer Leporello, dessen Charakterzüge zwischen Aporie und Sarkasmus angesiedelt sind. Die Rolle der Donna Anna übernimmt Renée Fleming, die den Gram und die Verzweiflung ihrer Rolle authentisch und gesanglich einwandfrei zur Schau stellt. Noch besser ist die Leistung der gedemütigten Donna Elvira, die durch Solveig Kringelborn brillant verkörpert wird. Die liebreizende Bäuerin Zerlina wird durch das unvergessliche Recital Hei-Kyung Hongs geadelt und ihr täppischer, eifersüchtiger Ehemann Masetto wird zynisch von John Relyea dargestellt. Gesanglich astrein kann Paul Groves als Don Ottavio schauspielerisch nicht Schritt halten mit seinen Gefährten. Sein über weite Strecken völlig emotions- und mienenloser Gesichtsausdruck verleiht seinem Vortrag eher den Anschein eines Trauerspiels - auch wenn er als Verlobter Donna Annas auftritt. Diesem Odel fällt Sergej Koptchak als Komtur niemals anheim.
Zuletzt noch ein Lob an die Bühnen- und Maskenbildner: Von der MET ist man ja traditionelle, ich möchte sagen: konservative Aufführungen gewohnt. Auch hier darf sich der Hörer auf eine historisch informierte Darbietung freuen, die dem Geiste des Werkes und Mozarts aber in allen Belangen verpflichtet ist. Opulente Bilder und üppige Staffagen ergänzen das Bild und runden das Programm ab, das lange seinesgleichen suchen wird...


Mozart: Die Violinkonzerte KV 207, 218, 219, 216, 211 / Sinfonia Concertante
Mozart: Die Violinkonzerte KV 207, 218, 219, 216, 211 / Sinfonia Concertante
Preis: EUR 27,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dem Geiste Mozarts verpflichtet, 23. Mai 2011
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Die fünf Violinkonzerte des Wiener Klassikers Wolfgang Amadeus Mozart zählen zu den unumstrittenen Repertoireklassikern der Violinliteratur. Dabei handelt es sich bei diesen wundervollen Stücken durchweg um Jugendwerke Mozarts. In seinen späteren Jahren distanzierte er sich von dieser Gattung, weil er die Violine wohl nicht sonderlich mochte, auch wenn noch zwei weitere Konzerte existieren, deren Urheberschaft allerdings zweifelhaft ist. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, einige herausragende Konzerte zu komponieren.

Das erste Violinkonzert B-Dur KV 207 nimmt gewissermaßen eine Sonderstellung sowohl technisch als auch entstehungsgeschichtlich ein. Es ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in einer Gruppe mit den anderen vier Konzerten entstanden. Der jugendliche Charme des Stückes lässt darauf schließen, dass es wesentlich früher als seine Schwesterwerke niedergeschrieben wurde. Von besonderer Eleganz und den galanten, mozartschen Stil bereits vorweg nehmend gebart sich das Adagio.

Das D-Dur-Konzert KV 211 entspricht ganz der Mode der Zeit. Mozart bedient hier vor allem die hohen Register der Geige und steigert sich bisweilen in hochvirtuose Passagen hinein. Das espritvolle Rondo macht den eigentlichen Reiz dieser Perle aus.
Alfred Einstein nannte das dritte Konzert in G-Dur KV 216 geradezu ein Wunder, und in der Tat weist diese Komposition nicht nur weit über ihre Zeit hinaus, sondern verleitet auch zu Trugschlüssen, was das Alter des Komponisten zur Zeit der Komposition anbelangt. Die Fülle an thematischen Motiven im einleitenden Satz versetzt den Hörer in wahres Staunen. Die Lyrik des langsamen Satzes ist von fesselnder Wirkung.
Das vierte Violinkonzert D-Dur KV 218 gerät da schnell ins Hintertreffen, obschon auch diese Komposition einen unwiderstehlichen, galanten Reiz auf den Hörer auszuüben vermag. Wiederum ist es vor allem der langsame Satz, dessen Singbarkeit sich durchaus mit der eines Beethoven vergleichen lässt.
Nicht ohne Grund gilt das fünfte und letzte Konzert A-Dur KV 219 als das beste der Gruppe. Diese Vorrangstellung liegt insbesondere im Finalmenuett begründet: Dieser Satz scheint vor Kraft, Vitalität und Dynamik beinahe überzusprühen. Selten wird man Mozart einfallsreicher gehört haben. Freilich hat das mit einem Menuett nicht mehr viel zu tun; Mozart beschreitet damit einen weiteren Schritt hin zur kunstvollen Stilisierung dieser Tanzart. Nicht zu vernachlässigen ist aber ebenso die pittoreske Lyrik des Adagios.

Eines der beliebtesten Stücke des Wiener und Salzburger Meisters ist seine Sinfonia concertante in Es-Dur KV 364 für Violine, Bratsche und Orchester. Der erste Satz ist ein kerniges Allegro maestoso, das den Kopfsätzen der späten Klavierkonzerte weder an Umfang noch an Qualität irgend nachsteht. Im dunkleren Andante webt Mozart einen zarten Klangteppich, über dem die beiden Solisten, die übrigens völlig gleichberechtigt sind, zu schweben scheinen. Das Rondo ist wegen seines Geistes, Witzes und Charmes nicht zu Unrecht berühmt geworden.

Die vorliegende Einspielung durch den Geiger Thomas Zehetmair, die Bratschistin Ruth Killius sowie das Orchestra of the Eighteenth Century unter der Leitung von Frans Brüggen (KV 211, 218 & 364) entstand im Rahmen eines Konzertmitschnittes in Brasilien in den Jahren 2000, 2002 und 2005. Man wird nicht umhin kommen, die geniale Aufnahmequalität zu loben. Die Atmosphäre dieser Einspielung erfüllt unverfälscht das Wohnzimmer, was sehr positiv ins Gewicht fallen muss.
Aber auch interpretatorisch betrachtet liefert Zehetmair hier ein Recital allerersten Ranges, das den Titel "Referenz" ohne Frage verdient hat. Er übertrifft Kremer/ Harnoncourt um Längen. Sein von tiefem Verständnis geprägtes Spiel, seine Hingabe und seine ästhetische Durchdringung suchen ihresgleichen. Die Kadenzen hat er selbst komponiert. Genau wie alle anderen Akteure musiziert er auf historischen Instrumenten, was einen lauteren, reinen und unverfälschten Klang produziert. Das Orchester erzeugt eine einzigartige, farbenprächtige und pointenreiche Atmosphäre, die authentischerweise jedwede Nuance dieser Werke voll Geist und Esprit wiedergibt. Akzente werden zuhauf gesetzt, was einen spannenden Vortrag gewährleistet. Dennoch bleibt die Interpretation stets vollkommen transparent und differenziert. Besonderes Lob verdient auch Ruth Killius, die sich in der Sinfonia concertante Zehetmair ebenbürtig erweist und unterstreicht, dass hier eine Messlatte vorgelegt wurde, die so schnell wohl nicht wieder übertroffen werden wird...


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