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Rezensionen verfasst von
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern)
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Ravensburger 16666 - Kubanische Impressionen - 2000 Teile Puzzle
Ravensburger 16666 - Kubanische Impressionen - 2000 Teile Puzzle

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgezeichnete Qualität, brillante Farben, 13. Juli 2011
= Haltbarkeit:5.0 von 5 Sternen  = Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen  = Pädagogisch wertvoll:3.0 von 5 Sternen 
Ein Puzzle in bewährter Ravensburger-Qualität. Die Teile sind sauber gestanzt und vor allem 100%ig passgenau. Zudem besticht das Puzzle durch seine enorme Stabilität und Haltbarkeit.
Besondere Freude bereiten die satten Farben, die trotz der Größe des Puzzles glasklar, leuchtend und kräftig sind. Somit ist das Legen nicht allzu schwierig. Lediglich der rechte Häuserblock macht einige Schwierigkeiten.

Durch und durch empfehlenswert, für Anfänger geeignet, und das Resultat ist mehr als sehenswert...


Serenaden
Serenaden
Preis: EUR 13,98

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tschechisch-koreanische Allianz auf österreichischem Boden, 10. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Serenaden (Audio CD)
Auch wenn die Serenade in der Romantik als obsolet, unzeitgemäß und verlogen nostalgisch galt, gab es einige Komponisten, die sich mit Hingabe dieser instrumentalen Gattung zuwandten. Neben der berühmten C-Dur-Serenade Tchaikovskys und den beiden bemerkenswerten, frühen brahmsschen Serenaden sind es insbesondere die beiden Genrebeiträge des tschechischen Komponisten Antonín Dvorák, die bis heute ihren festen Platz in den Konzertsälen der Welt behaupten. Dabei könnten die beiden Stücke unterschiedlicher kaum sein, was schon allein die jeweils völlig andere Instrumentierung zeigt.

Von jeher ist die erste Serenade E-Dur op. 22 für Streichorchester die beliebtere von beiden. Das kann beim überwältigenden Streicherschwall des Kopfsatzes kaum wundernehmen. An zweiter Stelle des fünfsätzigen Werkes steht ein galanter Kunstwalzer, der sich an ein wildes, burleskes Scherzo reiht, in dem Dvorák einmal mehr original tschechische Folklore nachempfindet. Nach dem kurzen, aber eindringlichen Larghetto folgt das feurige Finale, in dem der Tonsetzer dem Hörer noch einige Schmankerln bietet.
Die d-moll-Serenade op. 44 ist für zehn Blasinstrumente gesetzt, verstärkt durch ein Violoncello und einen Kontrabass. Die fast kammermusikalische Schlichtheit macht den besonderen Reiz dieser Komposition aus, die als eine der vollkommensten in Dvoráks umfangreichem Oeuvre gilt. Schnell wird klar, dass es sich bei diesem Stück um weit mehr als dröge Harmoniemusik handelt, das beweist bereits der eröffnende, gravitätische (Trauer)Marsch, der immer wieder zu freudvollen Ausbrüchen kulminiert. Im zweiten Satz, einem friedlichen Menuett, lässt der tschechische Meister den Rezipienten in Nostalgie schwelgen, bevor er ihn im Andante mit einigen seiner schönsten Melodien becirct. Das Finale schließlich fügt die Fäden zusammen, Motive aus den vorherigen Sätzen, vor allem dem Marsch werden zitiert, bis alles seinem Ende entgegen steuert.

Die vorliegende Einspielung durch die Wiener Philharmoniker unter der Leitung Myung-Whun Chungs, der den meisten vor allem durch einige geniale Opernaufführungen mit dem Orchestre de l'Opéra de Bastille bekannt sein dürfte, entstand 2001 und erfreut sich brillanter Aufnahmequalität.
Der farbenfrohe, perlend nuancierte Vortrag garantiert größtes Hörvergnügen. Chung versteht es erstaunlich gut, den Geist des bodenständigen Dvoráks zu erfassen, ein Kunststück, an dem schon viele große Dirigenten gescheitert sind. Die Wiener setzen seine Vorstellungen kongenial um, produzieren kräftige, treffende Akzente, die Spannung garantieren. Die hier erzeugte Wärme ist erfüllend und umwerfend zugleich, der Detail- und Facettenreichtum suchen ihresgleichen. Hinzu kommt, dass Chungs atmendes, absolut transparentes Dirigat niemals irgend akademisch wirkt, sondern ein Recital ermöglicht, das als eines der verdienstvollsten der vergangenen Jahre angesehen werden muss - aus dem immer noch unterschätzten Schaffen Antonín Dvoráks.


Beethoven: das Gesamtwerk für Cello und Klavier
Beethoven: das Gesamtwerk für Cello und Klavier
Preis: EUR 10,00

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ungleiches Paar - im Geiste Beethovens geeint, 6. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Sonate für Klavier und Violoncello ist eine musikgeschichtlich betrachtet recht junge Gattung. Abgesehen von Sonaten für Cello mit Basso continuo spielt sie erst seit den fünf Genrebeiträgen Ludwig van Beethovens eine ernst zu nehmende Rolle. Ja, Beethoven darf tatsächlich als "Vater der Cellosonate" angesehen werden.
Umso erstaunlicher ist es, dass seine eigenen Cellosonaten seinen anderen Werken gegenüber etwas abfallen, was die Popularität betrifft. Die vorliegende Box jedoch versammelt eben diese zusammen mit den insgesamt drei Variationszyklen für Klavier und Cello.

Die ersten beiden Cellosonaten op. 5 in F-Dur beziehungsweise g-moll entstanden während Beethovens Aufenthalt am Hofe des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II. in Berlin. Der König war ein begeisterter Amateurcellist von nicht geringer Begabung. Da sich Beethoven keinerlei Konventionen bei der Komposition seiner Werke gegenüber sah, ließ er seiner Inspiration freien Lauf. Was die Konzeption der beiden Sonaten anbetrifft, so verlegte er sich auf die zweisätzige Form: Dem ersten Satz schiebt er eine ausgedehnte, langsame Einleitung vor, die einen weiteren langsamen Satz quasi überflüssig macht. Die äußerst melodiösen, abschließenden Rondi gehören zweifelsohne zu den Glanzlichtern der frühen Kammermusik des späteren Meisters.
Die mittlere Sonate op. 69 in A-Dur nimmt durchaus eine Sonderstellung. Das in unmittelbarer Nachbarschaft zur fünften Sinfonie entstandene Stück besteht aus drei schnellen Sätzen, nur das Finale wird durch einen kurzen besinnlichen Abschnitt eingeleitet. Dennoch vermag es Beethoven, die Balance zu halten, so dass der Hörer keine längeren langsamen Passagen vermissen wird. Besonders bekannt geworden ist das Scherzo dieser Sonate.
Die letzten beiden Sonaten op. 102 in C-Dur und D-Dur haben bis heute einen schweren Stand. Sie sind nicht nur unmittelbare Vorboten von Beethovens Spätstil; sie verzichten auch weitgehend auf Melodik zu Gunsten der ästhetischen Idee und Verquickung. Folglich nimmt es nicht wunder, dass man sich schwer tut, diese beiden Stücke lieb zu gewinnen. Während die erste Sonate nur zweisätzig ist - beide Sätze eröffnen mit einer langsamen Einleitung -, ist die letzte recht konventionell dreisätzig gehalten. Die C-Dur-Sonate zeichnet sich insbesondere durch ihre thematische Durchdringung aus und lässt sich in der Tat wesentlich leichter erschließen als ihr Schwesterwerk. Der schroffe Kopfsatz der D-Dur-Sonate wirkt tatsächlich etwas abweisend. Selbst im Adagio findet Beethoven keine wirklich kontemplativen Motive, alles steht im Zechen des Geistes. Erst das Finale berauscht in seinem fugierten Wirbel. Bezeichnenderweise gilt dieser Satz bis heute als beinahe unspielbar...
Als Zugabe gibt's die drei Variationszyklen für Klavier und Violoncello. Als Meister der Variation verstand es Beethoven trefflich, seine Zuhörer durch kühne Tempo-, Melodie- und Stimmungswechsel zu überraschen. Keine Frage, sowohl die zwölf Variationen über ein Thema aus Händels Oratorium "Judas Maccabäus" WoO 45 als auch die sieben Variationen über das Duett "Bei Männern, welche Liebe fühlen" aus Mozarts "Zauberflöte" WoO 46 sowie die zwölf Variationen über das Thema "Ein Mädchen oder Weibchen" aus eben derselben Oper op. 66 sind gelungene Gelegenheitswerke, die auch den modernen Rezipienten noch erfreuen.

Die vorliegende Einspielung durch Friedrich Gulda am Klavier und Pierre Fournier am Violoncello entstand in den späten 50er Jahren. Dank eines umfangreichen Remasterings liegen die Tondokumente jedoch in erstaunlich guter Tonqualität vor, die die Aufnahmequalität der später entstandenen (Live)Einspielungen durch Fournier und Wilhelm Kempff um Längen übertrifft.
Gulda und Fournier waren nun alles andere als ein gleiches Paar. Dennoch verband die beiden eine lebenslange Freundschaft, die sich unter anderem in dieser bedeutenden - vielleicht der bedeutendsten - Gesamteinspielung der beethovenschen Werke für Klavier und Cello widerspiegelt. Die Harmonie ist perfekt. Zusammen erheischen die beiden stimmungsvolle Farbnuancen, perlende Facetten und klangliche Differenziertheit. Hinzu kommen individuelle Akzente, die nicht nur die Spannung steigern, sondern auch dafür sorgen, dass die beiden späten Sonaten transparent, atmend und durchsichtig werden. Somit ist dieser Klassiker durchaus auch für den Einstieg in die immer noch vernachlässigten beethovenschen Cellosonaten geeignet.


Slawische Tänze (Ga)/+
Slawische Tänze (Ga)/+
Preis: EUR 15,97

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Flammendes Plädoyer und eine Liebe für die Ewigkeit, 3. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Slawische Tänze (Ga)/+ (Audio CD)
Der tschechische Komponist Antonín Dvorák wird immer noch viel zu stark auf wenige Gassenhauer reduziert. Ein Großteil seines umfangreichen, hoch individuellen Oeuvres liegt noch weitestgehend unentdeckt und brach. Warum sollte es im sinfonischen Bereich anders sein, als auf dem Gebiet der Kammer- oder Klaviermusik? Für den Laien existieren lediglich die neunte Sinfonie, die slawischen Tänze und das Cellokonzert. Dass Dvorák aber auch die kleinere Form bediente, ist den wenigsten bekannt. Das vorliegende Box-Set jedenfalls vereint neben den populären slawischen Tänzen die insgesamt fünf Ouvertüren sowie die fünf sinfonischen Dichtungen des slawischen Meisters.

Die slawischen Tänze veröffentlichte Dvorák in zwei Sammlungen opp. 46 und 72 zu je acht Tänzen. Wie so oft griff der Komponist nicht auf original folkloristische Elemente zurück, sondern empfand seine Erfahrungen mit der tschechischen Nationalmusik nach. Ursprünglich konzipierte er diese Stücke für Klavier zu vier Händen, orchestrierte sie erst nachmalig. Ähnlich wie bei den ungarischen Tänzen Brahms' entstanden dabei völlig neue Werke ganz anderen Ausdrucks. Während die acht Tänze aus op. 46 die wesentlich melodischeren sind, bestechen die Tänze aus op. 72 durch ihre kompositionstechnische Reife und Originalität. Es rührt nicht von Ungefähr, dass die slawischen Tänze zu Dvoráks populärsten Werken zählen, indes er hier zu einer Meisterschaft findet, die ihresgleichen sucht.

Die fünf Ouvertüren aus der Feder des tschechischen Tonschöpfers sind eigentlich völlig unbekannt. "Mein Heim" stammt aus einer fast vergessenen Bühnenmusik op. 62 und stellt ebenso wie das "Hussitenlied" op. 67 Dvoráks Nationalstolz zur Schau, obschon er das wohl eigentlich gar nicht beabsichtigte. Es sind warme, vollmundige Stücke, die nie langweilig werden.
Von größerer Brillanz sind die drei Ouvertüren "In der Natur" op. 91, "Karneval" op. 92 und "Othello" op. 93, die Dvorák als zusammengehörig verstanden haben wollte. Er wählte die Titel ungeschickt, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um einen Zyklus handelt, bestehend aus Pastorale, Scherzo und Finale. "Der Obertitel 'Natur, Leben und Liebe' verweist auf mystisch-symbolistische Gedanken" - soweit zumindest Karl Schumann in seinem einleitenden Aufsatz zu dieser Aufnahme. Das menschliche Dasein wird hier folglich zunächst auf den natürlichen, idyllischen Urzustand abstrahiert, findet sich schließlich in ungezügelter Leidenschaft wieder und erreicht seinen Höhepunkt in der alles durchglühenden Liebe. Dvorák war freilich kein Philosoph, doch ein Mensch mit einem differenzierten Gespür für ästhetische Nuancen, das er hier treffend einsetzt.

Was die sinfonischen Dichtungen betrifft, so handelt es sich bei den sinfonischen Variationen über ein eigenes Thema op. 78 um ein Werk erstaunlicher Finesse. Dvorák deutet in dieser Komposition von gut 20 Variationen bereits seinen verknappten, konzentrierten Spätstil an, der unter anderem in seinen letzten beiden Sinfonien sowie seinen späten Streichquartetten seinen Höhepunkt finden sollte.
Ebenso wie in seinen vier späten sinfonischen Dichtungen, namentlich dem "Wassermann" op. 107, der "Mittagshexe" op. 108, dem "goldenen Spinnrad" op. 109 und der "Waldtaube" op. 110. Diese Werke entstanden in Dvoráks amerikanischen Jahren - eine Zeit großer Erfolge und des internationalen Durchbruchs, aber auch eine Zeit, in der Dvorák immer wieder von Anfällen großen Heimwehs gepackt wurde. Und so greift der Tonsetzer hier auf den umfangreichen Schatz von Volksweisen und Sagen zurück, den ihm seine tschechische Heimat bot. Auch wenn die teils ulkig anmutenden Titel es nicht vermuten lassen, so handelt es sich doch um ernste, teils beängstigende Themen, mit denen sich der Tscheche hier befasst. Dvoráks späte sinfonische Dichtungen sind radikal modern, bis heute teilweise unverstanden. Wie mit seiner achten Sinfonie nimmt er den Ausdrucksgehalt von Gustav Mahlers mittleren Sinfonien geradezu vorweg. Die Hochkarätigkeit, die er vor allem mit dem "Wassermann" und der "Mittagshexe" erreicht, stellt viele andere Spätwerke Dvoráks in den Schatten.

Die vorliegende Gesamteinspielung durch das Radio-Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Dvoráks Landsmann Rafael Kubelik entstand Mitte der 70er Jahre, erfreut sich aber dennoch erstaunlich guter Aufnahmequalität. Auch künstlerisch betrachtet ist diese Einspielung referenzverdächtig, und nicht nur weil sie beinahe konkurrenzlos ist.
Es ist schwer zu beschreiben, welche Atmosphäre Kubeliks Aufnahmen seiner Landsleute durchweht. Er ist einer der wenigen - Václav Neumann ausgenommen -, die es vermochten, Dvoráks Wesen in seinem tiefsten Innern zu erfassen und erklingen zu lassen. Das Symphonieorchester des BR ist ihm ein ebenbürtiger Begleiter: Farbenfülle, Wärme, perlende Nuancen und Facettenreichtum sind hervorragende Markenzeichen dieser spannenden Darbietung. Hinzu kommt die vollkommene Transparenz des Vortrags sowie die werktreue Differenziertheit. Doch mehr als alle anderen Interpreten der dvorákschen Orchesterperlen vermag er es, Dvorák zu spielen, echten, reinen Dvorák. Kein Karajan, kein Masur, kein Järvi haben das je zu Stande gebracht.

Fazit: Einzigartiges Erbe eines großen Dvorák-Interpreten! Eine der bedeutendsten Sammlungen romantischer Orchesterwerke!


Mendelssohn Klavierquartette 2 und 3 Barthold
Mendelssohn Klavierquartette 2 und 3 Barthold
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles andere als Jugendsünden..., 30. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Viele frühe Kompositionen des deutschen Tonschöpfers Felix Mendelssohn Bartholdy zeugen von einer schier unfassbaren Reife und Beherrschung kompositionstechnischer Fertigkeiten. Man denke nur an die ausgefeilten, höchst originellen Streichersinfonien. Mag das Vorbild Mozart noch klar auszumachen sein, so ist es doch erstaunlich, zu erleben, dass sich im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit lediglich die typisch mendelssohnsche Tonsprache weiterentwickelte.
Mit seinen drei Klavierquartetten opp. 1 bis 3 trat der junge Mendelssohn - des Flaumes noch ledig - erstmals an die Öffentlichkeit mit eigenen Kompositionen. Sie sollten ein bemerkenswertes, eindrucksvolles Stelldichein werden. Auf der hier besprochenen CD sind die Quartette zwei und drei eingespielt.

Das f-moll-Quartett op. 2 eröffnet mit einem unruhigen Allegro, dessen Hauptthemen beständig zwischen Moll und Dur schwanken. Das verklärte, schlichte Adagio gemahnt zur Ruhe. An dritter Stelle findet der Hörer ein Intermezzo, das bereits echter Mendelssohn ist: flinke Melodiebögen, die an ein perpetuum mobile erinnern. Das Finale kennt nun kein Zurück mehr in seinem wilden Wirbel, endet düster und schicksalsschwer.
Der dritte und letzte Genrebeitrag op. 3 des deutschen Komponisten steht in h-moll, der düsteren Tonart, wie Beethoven einst sagte. Tatsächlich aber wirkt der Kopfsatz der Komposition eher zart und träumerisch als düster und schrecklich. Erst das Andante gleitet in profunde Klangwelten hinab, welche im knappen Scherzo aber wieder relativiert werden. Am Ende steht ein abschließendes Aufbrausen. Hierbei handelt es sich um den bis dato besten Satz Mendelssohn, alleine was die kompositionstechnische Qualität anbetrifft.

Die vorliegende Einspielung durch das Bartholdy Piano Quartet entstand 1991 und 1992 und erfreut sich ausgezeichneter Aufnahmequalität. Wieder einmal beweist das Naxos-Label, dass günstige Aufnahmen hervorragend sein können. Das ist vor allem insofern bemerkenswert, als das Bartholdy Quartet ohne Weiteres mit der viel gerühmten Aufnahme durch das Fauré Quartett Schritt fassen kann.
Denn auf nichts weniger als eine beseelte Darbietung darf sich der Hörer freuen. Die Akteure sorgen für gewaltige Spannung, welche sie insbesondere durch Farbenreichtum, perlende Nuancen und treffsichere Akzente erreichen. Zahlreiche Facetten und Pointen stehen der Texttreue niemals im Wege. Das durchweg begeisterte Spiel sorgt für vollkommene Transparenz und Differenziertheit.

Fazit: Mehr als eine Repertoireerweiterung - die jugendlichen Kammermusiken Mendelssohns in brillanter Interpretation!


Beethoven: Klavierkonzerte 1-5
Beethoven: Klavierkonzerte 1-5
Preis: EUR 11,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im Westen nichts Neues, 28. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beethoven: Klavierkonzerte 1-5 (Audio CD)
Die fünf Klavierkonzerte Ludwig van Beethovens gehören zu den unangefochtenen Repertoireklassikern der klassischen Musik. Von jeher gelten sie als Betätigungsfeld bedeutender Orchester und Virtuosen. Der Komponist selbst setzte mit seinen Klavierkonzerten neue Maßstäbe: Nicht nur dass er vom enormen zeitgenössischen technischen Fortschritt des Fortepianos profitieren konnte; er hob die Gattung auf ein bislang unbekanntes Maß an spieltechnischer sowie ästhetischer Durchdringung, die den traditionellen Rahmen sprengte - und das nicht nur, was den Werkumfang anbetrifft.

Was heute als zweites Klavierkonzert B-Dur op. 19 bezeichnet wird, ist eigentlich Beethovens erstes Klavierkonzert, dessen erste Skizzen bis in seine Bonner Jahre zurückreichen. Der Komponist schätzte dieses espritvolle Stück durchaus, sozusagen eine verklärte Jugenderinnerung, die noch sehr an das Vorbild Mozart erinnert, dessen idyllischer langsamer Satz aber schon echter Beethoven ist. Ähnlich verhält es sich mit dem C-Dur-Konzert op. 15, auch wenn sich dieses schon alleine durch seine vergrößerten Maßstäbe vom Vorgänger unterscheidet. Von besonderer Einprägsamkeit ist das bekannte Scherzo-Finale, dessen Einfallsreichtum außer Frage steht.
Das dritte Konzert c-moll op. 37 nimmt nicht nur wegen seiner Molltonart eine Sonderstellung ein: Es ist das erste Konzert mit dem sich Beethoven deutlich von seinen Vorgängern emanzipiert. Das wirkt auf den ersten Blick freilich befremdlich, indes der Kopfsatz des Werkes unweigerlich an Mozarts 24. Klavierkonzert gemahnt. Doch ansonsten handelt es sich um ein originelles, vollkommen eigenständiges Werk, dessen Finale nicht umsonst eine seiner bekanntesten Melodien enthält.
Seit jeher sind die letzten beiden Konzerte Beethovens seine beliebtesten. Es gibt wenige Werke des Wiener Meisters, die intimer sind als sein viertes Klavierkonzert G-Dur op. 58. Der erste, lyrische Satz ist von zarter Grundhaltung. Das wundervolle Andante propagiert einmal mehr Beethovens Motto "per aspera ad astra", und im Finale findet er einige seiner schönsten Melodien.
Das fünft Konzert Es-Dur op. 73 sollte Beethovens letztes sein. Da seine zunehmende Ertaubung dazu führte, dass er sich aus der Öffentlichkeit mehr und mehr zurückzog, und er Klavierkonzerte vor allem für den eigenen Gebrauch schrieb, fand er keine Motivation zu einem weiteren Klavierkonzert mehr. Sein Schüler Carl Czerny musste bereits die Uraufführung des sogenannten "Kaiserkonzertes" vornehmen. Beethovens Tonsprache ist hier majestätisch und hehr. Wiederum setzt der Solist vor der Orchesterexposition ein, ein Kunstgriff, den Mozart eingeführt hatte. Das besinnliche Andante in der feierlichen Tonart H-Dur ebnet den Weg zum Freudentaumel des wundervollen Finales.

Die vorliegende Einspielung durch das Chamber Orchestra of Europe unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts mit Pierre-Laurent Aimard am Flügel entstand zwischen 2000 und 2002 im Rahmen von Konzertmitschnitten. Die Aufnahmequalität ist hervorragend.
Aimard ist den meisten vor allem als Interpret zeitgenössischer Klassik bekannt. Er beweist eindrucksvoll, dass er auch ein ausgezeichneter Beethoven-Interpret ist. Sein warmer Anschlag ist niemals kategorisierend, sondern stets forschend und fühlend. Begleitet wird er frenetisch von Harnoncourt und seinem Orchester. Dieser kann aus seinem umfangreichen Erfahrungsschatz vor allem von historischer Aufführungspraxis zurück greifen. Balance, Transparenz und Differenziertheit sind folglich eine Selbstverständlichkeit. Doch auch vom individuellen Standpunkt aus betrachtet darf sich der Hörer auf Farbenfülle, Nuancenreichtum und fließende Akzente freuen, die den Vortrag spannend machen. Beeindruckend ist auch der stetige Spielfluss, der hier produziert wird.
Stellt sich die Frage, ob die Akteure den vielgeschundenen Beethoven-Konzerten auch tatsächlich noch etwas Neues abgewinnen können. Die Antwort fällt leider negativ aus. Überraschend ist vor allen Dingen, dass Harnoncourt es nicht vermag, seinem Vortrag Wiedererkennungswert beizugeben, geschweige denn ihn frisch, geistreich zu gestalten. Dennoch kann man den Interpreten auch nicht vorwerfen, unbeseelt agiert zu haben.

Fazit: Keine wirklich innovative Einspielung - zwar durch und durch gelungen, aber nicht mehr. Zum Einstieg zu empfehlen!


Rossini, Gioacchino - Il barbiere di Siviglia
Rossini, Gioacchino - Il barbiere di Siviglia
DVD ~ Luigi Alva
Preis: EUR 20,99

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ponnelles und Abbados Barbier - auch nach vier Jahrzehnten noch ein Ereignis der Extraklasse, 27. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Andenken an den italienischen Komponisten Gioacchino Rossini (1792-1868) hat sich vor allem durch seine berühmte Oper "Il barbiere di Siviglia" erhalten. Dabei handelt es sich hierbei um eine komische Oper unkonventionellen Zuschnitts: Denn jeweils am Ende der beiden Akte wird die Dramaturgie zu Gunsten der musikalischen Idee über den Haufen geworfen. Zudem fällt auf, dass der musikalische Ausdruck des Werkes sehr konservativ gehalten ist. Beispielsweise setzt Rossini in den Rezitativen das zu dieser Zeit bereits obsolet gewordene Cembalo ein.
Das Libretto von Cesare Sterbini basiert auf einer Bearbeitung des gleichnamigen Schauspiels von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais. Die Geschichte handelt vom stadtbekannten Barbier Figaro, der mit Hilfe verschiedener Listen die Vereinigung des Conte d'Almaviva und der schönen Rosina herbeiführt. Deren Vormund Doktor Bartolo wiederum versucht mit allen Mitteln, unter anderem unter Mithilfe des Alchimisten und Musiklehrers Don Basilio, Rosina zur Ehe zu zwingen. Die komische Überzeichnung der Charaktere der beiden Bösewichte begründet einen großen Anteil des Ulks, den auch der heutige Hörer noch empfindet.
Besondere Erwähnung verdient zudem die prächtige musikalische Umsetzung des Stoffes durch Rossini. In der mit "Sinfonia" überschriebenen Ouvertüre produziert der italienische Tonschöpfer einen Großteil des thematischen Materials, das im Laufe der Oper an entscheidenden Stellen oder am Ende großartiger Arien immer wieder von Neuem erklingt. Auch Seitenthemen erfreuen sich großer Einprägsamkeit, und wenn man sich im bombastischen Finale des ersten Aktes allein der Musik widmet, wird man die Meisterschaft Rossinis wohl nur schwerlich in Frage stellen können.

Die vorliegende Inszenierung aus dem Jahre 1971 durch das Orchestra del Teatro alla Scala unter der Leitung von Claudio Abbado erfreut sich sehr guter Ton- und Bildqualität. Sie gilt als eine der besten, wenn nicht sogar die beste. Abbado begründet mit dieser Aufführung geradezu seinen Ruf als führender Operninterpret unserer Zeit. Sein Dirigat ist fließend, farbig und stets vollkommen exakt. Transparenz und Differenziertheit sind weitere Markenzeichen dieser Darbietung. Hinzu kommen authentische Akzente, die viel Spannung garantieren. Überhaupt kommt der Musik hier eine bedeutende Rolle zu, was Abbado trefflich umzusetzen versteht.
Die Gesangssolisten dieser Aufnahme sowie der Coro del Teatro alla Scala überzeugen durch ihre tadellose Leistung. Glasklarer, verständlicher Gesang ist selbstverständlich. Doch alle Akteure leben sich in ihre Rolle hinein, füllen sie mit Leben und liefern somit ein nahezu perfektes Recital. Der Conte d'Almaviva wird vom brillant singenden Luigi Alva gemimt, den lebenslustigen, kecken Figaro spielt Hermann Prey, der sich hier auf der Höhe seines Schaffens befindet. Rosina ist Teresa Berganza, Bartolo - hier besonders originell - Enzo Dara. Es ist eine Freude, zu sehen, welche Harmonie zwischen den Solisten herrscht. Zusammen mit den anderen Solisten besteht ein tiefes Einverständnis, was diesen einzigartigen Konsens grundsätzlich möglich macht.
Gesondert sollte das Bühnenbild erwähnt werden: Jean-Pierre Ponnelle folgt hier zwar äußerst traditionellen Maßstäben, doch dafür umso detailverliebter und akribischer. Bis in den kleinsten Winkel ist alles stimmig. Er unterstreicht gekonnt die Komik und die Karikierung der Charaktere. Es sei angemerkt, dass es sich hier nicht um ein Bühnenbild handelt, wie man es von Live-Inszenierungen kennt; ganz im Gegenteil, das umfangreiche Bühnenbild wäre für ein Konzert undenkbar.

Fazit: Die Referenzeinspielung des "Barbiers"! Auch nach fast 40 Jahren noch uneingeschränkt empfehlenswert!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 15, 2011 11:15 PM MEST


Sinfonie 9
Sinfonie 9
Preis: EUR 21,99

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herzschlagfinale, 26. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 9 (Audio CD)
Gustav Mahlers neunte Sinfonie ist sein letztes vor seinem verfrühten Tode vollendetes Werk. Folglich wird es nicht wundernehmen, dass er mit diesem monumentalen Stück Abschied nimmt - Abschied von der Welt, vom Leben, von der Liebe. Zur Zeit der Komposition wusste er bereits um seine unheilbare Herzkrankheit. Seine neunte Sinfonie ist wohl wie keine andere aufgeladen mit Emotion, intimen Bekenntnissen und Weltschmerz. Dennoch bleibt am Ende keine Wut, keine Verzweiflung, sondern Versöhnung mit dem Schicksal und geradezu etwas wie Verklärung.

Die Komposition eröffnet mit dem berühmten Andante comodo, das von vielen als die vollkommenste und genialste Zurschaustellung von Mahlers Fertigkeiten angesehen wird. Programmatisch beginnt der Satz mit der Verbildlichung der Schläge von Mahlers krankem Herzen. Im Laufe des Satzes kulminieren immer wieder die Gefühle zu teils wilden Ausbrüchen, welche sich aber gegen Ende wieder beruhigen, wenn auch mit einem fahlen Beigeschmack.
Ein derber Ländler und eine verzweifelte Rondo-Burleske stellen die beiden Binnensätze dar. Mahler scheint hier von weniger gewichtigen Dingen Abschied zu nehmen, wie etwa vom Rausch, von Körperlichkeiten, vom Spiel und von der Geselligkeit.
Erst im berührenden Finale, dem Inbegriff des Adagios, lässt Mahlers Geist von der treibenden Kraft seiner Existenz: von der Liebe. Dieser Satz ist das Intimste, was Mahler je geschrieben hat, und rührt immer wieder zu Tränen. Eindrucksvoll stellt der österreichische Komponist zur Schau, wie perfekt er es vermochte, Intimitäten in die orchestrale Form zu verpacken. Am Ende steht das Nichts, die süße Verklärung der eigenen Vergänglichkeit.

Die vorliegende Einspielung durch die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Herbert von Karajan entstand während der Berliner Festwochen 1982. Für einen Live-Mitschnitt ist die Aufnahmequalität hervorragend. Auch wenn Karajan nur wenige Mahler-Einspielungen vornahm, gilt er als Experte auf diesem Gebiet. Nicht umsonst betrachten viele Kritiker gerade die vorliegende Aufnahme - ebenso wie die etwa zur selben Zeit entstandene Studioaufnahme der Neunten - als eine der besten.
Und tatsächlich handelt es sich um eine herausragende Darbietung, die jede Klassiksammlung zu bereichern vermag. Karajan widerlegt gekonnt den oft gegen ihn gehegten Vorwurf, er habe live nur mittelprächtige Leistungen vollbracht. Das farbenreiche, pointierte und facettenreiche Spiel der Berliner sorgt für fließende Nuancen, vollkommene Transparenz und werktreue Differenziertheit. Karajan lädt seine Interpretation mit einem Gros an Spannung auf, die einen fesselnden Vortrag garantieren, der durchweg dem Geiste Mahlers verpflichtet ist und die tiefe Menschlichkeit dieser Musik verstanden hat...
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 4, 2013 11:40 AM MEST


Die Kompletten Konzerte
Die Kompletten Konzerte
Preis: EUR 38,40

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verdienstvolle Pioniertat, bringt hoffentlich den Stein ins Rollen!, 25. Juni 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Kompletten Konzerte (Audio CD)
In den letzten Jahren hat es dank zahlreicher Pioniertaten eine wahre Renaissance der Werke Joseph Haydns gegeben. Das ist gut so, indes der Kapellmeister von Gut Esterházy viel mehr war als der dröge "Papa Haydn". Es ist aber auffällig, dass eine Werkgruppe der Instrumentalmusik des Österreichers nach wie vor kaum Beachtung findet, namentlich die sämtlichen Instrumentalkonzerte, die insbesondere in seiner frühen Schaffensphase entstanden sind. Dass das eigentlich nicht zulässig ist, beweist die vorliegende Box von Naxos, die alle erhaltenen Konzerte des Komponisten zusammenstellt, auch diejenigen, deren Urheberschaft als unsicher gilt. Abgerundet wird das Programm durch eine enorme Textbeigabe.

Haydn komponierte zahlreiche Instrumente für Tasteninstrument. Oftmals ist jedoch nicht überliefert, für welche Art Tasteninstrument sie jeweils gesetzt sind. Die Konzerte Hob.XVIII:1, 8 und 10 sind auf der Orgel dargeboten, Hob.XVIII:2, 5 und 7 sind hier mit Cembalo eingespielt und die Konzerte Hob.XVIII:3, 4, 9 und 11 auf dem modernen Konzertflügel. Freilich soll diese Entscheidung keinerlei demonstrativem Nutzen Rechnung tragen; dennoch aber macht es beim Hören Freude, zu hören, wie die jeweiligen Instrumente es vermögen, Haydns individuelle, humoristische Tonsprache zu Gehör zu bringen. Besonderes Augenmerk verdient Haydns schier endloser Ideenreichtum vor allem in den zahlreichen wundervollen, espritvollen Rondi.
Die drei überlieferten Violinkonzerte Haydns (Hob.VIIa:1, 3 und 4) erinnern in ihrer Konzeption und ihrem musikalischen Gehalt sehr stark an barocke Vorbilder. Besonders originell ist das erste Konzert in C-Dur, dessen klassischer Zuschnitt geradezu modern und revolutionär wirkt. Es ist nicht alleine der Lyrik des langsamen Satzes geschuldet, dass es sich dabei auch um Haydns beliebtestes Violinkonzert handelt.
Zudem schrieb Haydn auch ein Doppelkonzert für Klavier, hier Fortepiano, Violine und Orchester in F-Dur Hob.XVIII:6, ein pittoreskes Stück, in dessen langsamem Satz die Solisten über dem sanften Klangteppich zu schweben scheinen.
Besondere Beliebtheit genießen Haydns insgesamt drei erhaltene Cellokonzerte Hob.VIIb:1, 2 und 4. Alle drei gehören zur Standardliteratur eines jeden Cellisten. Bei dieser Kantabilität und diesem edlen Klang kann das freilich kaum wundernehmen.
Von den Hornkonzerten des Meisters ist nur eines in D-Dur Hob.VIId:3 überliefert, dessen Kantabilität und pastorale Idylle überzeugen. Es ist aber besonders das berühmte Trompetenkonzert Es-Dur Hob.VIIe:1, das dafür gesorgt hat, dass Haydns Konzertoeuvre nicht vollständig in Vergessenheit geraten ist. Es ist überhaupt eines der wenigen Bläserkonzerte, die bis heute festen Bestand in den Konzertsälen der Welt halten können. Besonders das hehre Andante lassen schnell einsehen warum.
Die letzte der insgesamt sechs CDs vereint die fünf erhaltenen von sechs Konzerten für Lire organizzate und Orchester Hob.VIIh:1 bis 5. Dabei handelt es sich um eine zeitgenössische Kammerorgel. Diese Konzerte liegen hier in einem Arrangement für zwei Blockflöten (Konzerte 1, 3 und 5) beziehungsweise Flöte und Oboe (Konzerte 2 und 4) vor. Auch diese Stücke genügen höchsten ästhetischen Ansprüchen und überraschen durch ihre unerwarteten dynamischen Modulationen.

Der besseren Übersicht halber sollen die einzelnen Solisten, die durchweg vom Kölner Kammerorchester unter der Leitung Helmut Müller-Brühls begleitet werden, hier aufgelistet werden:
Harald Hoeren, Orgel/ Fortepiano; Ketil Haugsand, Cembalo; Sebastian Knauer, Klavier; Augustin Hadelich/ Ariadne Daskalakis (Doppelkonzert), Violine; Maria Kliegel, Violoncello; Daniel Babanov, Horn; Jürgen Schuster, Trompete; Daniel Rothert/ Philipp Spätling, Blockflöte; Benoît Fromanger (Hob.VIIh:2)/ Ingo Nelken (Hob.VIIh:4), Flöte; Christian Hommel, Oboe
Die Aufnahmen entstanden allesamt zwischen 2000 und 2007, sind teilweise preisgekrönt und erfreuen sich herausragender Aufnahmequalität.
Die hervorragende künstlerische Qualität steht außer Frage. Naxos beweist, dass es nicht namhafter Künstler bedarf, um eine kongeniale Gesamteinspielung dieses vernachlässigten Repertoireteiles abzuliefern. Farbige Nuancen und pointierte Melodieläufe sorgen für passende Akzente, die keines der hier vorliegenden Konzerte in irgendeiner Weise langweilig erscheinen lassen. Das Musizieren im kleinen Ensemble - wenngleich nicht auf historischen Instrumenten - gewährleistet vollkommene Transparenz und Differenziertheit, lässt die Musik organisch erscheinen und atmen. Mögen die Haydn-Konzerte nicht in diesem Maße genial sein wie die eines Bach oder Mozart, so sind sie doch in höchstem Maße authentisch.
Brillante Solisten gestalten die Soloparte flüssig und facettenreich. Besondere Erwähnung verdienen hierbei Maria Kliegel, die die Cellokonzerte zu einem einzigartigen Erlebnis gestaltet, sowie Jürgen Schuster, der eine moderne Referenz des vielgeschundenen Trompetenkonzertes hinlegt.

Fazit: Nicht verpassen! Die Haydn-Konzerte in einer mustergültigen, durch und durch gelungenen Einspielung, die als eine der verdientsreichsten Pioniertaten der vergangenen Jahre betrachtet werden muss.


Bach: Cantata Pilgrimage (Kantaten BWV 34, 59, 74, 172)
Bach: Cantata Pilgrimage (Kantaten BWV 34, 59, 74, 172)
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...entzünde die Herzen und weihe sie ein!, 24. Juni 2011
Johann Sebastian Bachs Kirchenkantaten zählen zum Herz seines Schaffens im Bereich der geistlichen Musik. Es gibt praktisch keine Kantate, die als minderwertig einzustufen ist. Besondere Merkmale sind die sinnhafte Untermalung des zu vertonenden Textes sowie die ausgefeilte Instrumentierung. Selbst aus den Kantaten, für deren Komposition er nur wenig Zeit hatte, schuf er wahre Meisterwerke. So nimmt es nicht wunder, dass diese Stücke bis heute zum festen Bestandteil des Konzertlebens gehören.
Die vorliegende CD enthält insgesamt vier Pfingstkantaten. Eingespielt werden sie durch den Monteverdi Choir sowie die English Baroque Soloists unter der Leitung des großartigen John Eliot Gardiner, und zwar im Rahmen der sogenannten Bach Cantata Pilgrimage. Die Aufzeichnung fand 1999 in der Kirche St. John's in London statt. Die Aufnahmequalität ist ausgezeichnet.

Wie zu erwarten, so zeichnen sich die Pfingstkantaten dadurch aus, dass sie die Ankunft des Heiligen Geistes inbrünstig und kräftig zelebrieren. Die Kantate "Erschallet, ihr Lieder" BWV 172, die hier als erste dargeboten wird, ist ein herausragendes Beispiel hierfür. Bach setzt vermehrt Pauken und Blechbläser ein, die die Freude der Gläubigen unterstreicht. Von besonderer Schönheit ist das Duett zwischen Sopran und Kontertenor, das die Wechselbeziehung zwischen Christ und Erlöser darstellt.
Die Kantate "Wer mich liebet, der wird mein Wort halten" BWV 59 wird durch die Orchesterleistung zu einem wahren Hochgenuss. Das Musizieren auf historischen Instrumenten und im kleinen, authentischen Ensemble sorgt dafür, dass die Interpretation atmet und lebt. Der helle, lautere Klang gepaart mit den dynamischen Nuancierungen sowie den farbigen Akzenten macht die Darbietung spannend und mitreißend. Vollkommene Transparenz, flotte Tempi und balancierte Differenziertheit übermitteln den christlichen Fanatismus zur Pfingstzeit.
Bach schrieb noch eine weitere Kantate BWV 74 selben Titels, die allerdings mit BWV 59 nur sehr wenig gemein hat. Auffällig sind hier die gelungene Ausgewogenheit und die geschmackvolle, dezente Instrumentierung der Arien und Rezitative. Es ist ein brillantes Beispiel für das Gespür des Thomaskantors für die effektvolle Umsetzung des geistigen Materials, wenn er kammermusikalische Intimität und Schlichtheit an majestätischen Orchesterjubel reiht.
BWV 34 mit dem Titel "O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe" stellt die gesangliche Leistung des Monteverdi Choirs eindrucksvoll unter Beweis. Dass heutzutage mit noch kleineren Chören musiziert wird, tut dem Musikgenuss keinen Abbruch. Auch die verschiedenen Solisten - als Sopranistinnen Martina Jankova sowie Magdalena Kozená, als Altistin Bernarda Fink, als Kontertenor Robin Blaze, als Tenöre Steve Davislim sowie Christoph Genz und als Bassisten Christopher Forster, Reinhard Hagen sowie Peter Harvey - intonieren glasklar und durchweg einwandfrei verständlich. Zudem erfüllen sie ihre Parte mit Leben und legen umfangreich Zeugnis darüber ab, dass sie sich vorab intensiv mit der vorzutragenden Materie befasst haben.

Fazit: Ein weiteres exzellentes Recital von unvergänglichen, zeitlosen Bachkantaten - Gardiner als Altmeister seines Faches!


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