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Rezensionen verfasst von
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern)
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Beethoven, Ludwig van - Fidelio
Beethoven, Ludwig van - Fidelio
DVD ~ Gundula Janowitz
Preis: EUR 20,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ha, welch ein Augenblick!, 8. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beethoven, Ludwig van - Fidelio (DVD)
Der große Ludwig van Beethoven hinterließ der Nachwelt nur eine einzige Oper, "Fidelio". Der Meister selbst soll von diesem Opus gesagt haben, dass es ihm "die größten Geburtsschmerzen gemacht habe". Und in der Tat oblag es zahlreichen Umarbeitungen, es existieren durchaus auch andere Versionen, die unter dem Titel "Leonore" laufen. Die insgesamt vier Ouvertüren, die Beethoven schrieb, legen noch heute darüber Zeugnis ab. Überhaupt dürfte es den Komponisten verdrossen haben, dass nur wenige seiner Vokalwerke größeren Anklang fanden, indes ihm das gesungene Wort immer sehr am Herzen lag.
Freilich schuf Beethoven mit "Fidelio" keinen radikal neuen Beitrag zum Operngenre, doch ist das Werk allein wegen seiner brillanten musikalischen Darstellung mehr als hörenswert. Und wenn am Ende die Idee der Brüderlichkeit unter allen Menschen - gleich welchen Standes - hervorschimmert, wird der Hörer in denselben Rausch versetzt, wie ihn etwa die sogenannte "Chorfantasie" oder die Neunte evozieren.
Die Handlung nach dem Libretto von Joseph von Sonnleithner ist schnell erzählt. Leonore, als Mann verkleidet und auf den Namen "Fidelio" hörend, gelangt mit Hilfe des Kerkermeisters Rocco zu ihrem vor Jahren verschwundenen Gatten Florestan, der der Willkür Don Pizarros anheim gefallen ist. Der Coup gelingt, wenn auch nicht für alle gleich zufrieden stellend...

Die vorliegende Inszenierung durch Otto Schenk und Günther Schneider-Siemßen entstand Anfang 1978 und kann folglich über einige Mängel, was Ton- und Bildqualität betrifft, nicht hinwegtäuschen. Das angenehme Bühnenbild, die Kostüme sowie die Requisiten sind klassisch-schlicht gehalten.
Die musikalische Umsetzung durch Leonard Bernstein zusammen mit dem Orchester der Wiener Staatsoper ist allererste Sahne. Bernsteins Ausflüge in den Bereich der Oper lassen sich ja an zwei Händen abzählen; doch was er hier leistet, ist aller Ehren wert. Er stachelt die Wiener zu Höchstformen an, lässt das Plenum frisch und transparent erklingen. Perlende Nuancen reihen sich an farbig-schattige Facetten. Es nimmt nicht wunder, dass Bernstein mehrmals von tosendem Beifall empfangen wurde.
Hinzu kommt die brillante gesangliche Leistung des Chors der Wiener Staatsoper. Glasklare Akzente setzen auch die Solisten, namentlich die wunderbar inbrünstige Gundula Janowitz als Fidelio/ Leonore, der authentisch-frische René Kollo als Florestan, der berührend-natürliche Manfred Jungwirth als Rocco sowie die liebreizend-zierliche Lucia Popp als Marzelline. Die anderen Solisten zeigen in eben dieser Perfektion ihr musikalisches wie schauspielerisches Talent in entzückendem Maße und lieferen damit ein Gesamtpaket, das nicht nur technisch, sondern auch menschlich überwältigt...
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 12, 2013 5:27 PM CET


Violin-/Violakonzerte
Violin-/Violakonzerte
Preis: EUR 12,73

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erlesene Katachresen, 26. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Violin-/Violakonzerte (Audio CD)
Der Ungar Béla Bartók (1881-1945) gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Moderne. Vor allem sein Beitrag zur zeitgenössischen Instrumentalmusik, namentlich seine Instrumentalkonzerte, ist unermesslich und unglaublich facettenreich. Am bekanntesten sind seine drei Klavierkonzerte, doch diese Doppel-CD, die preisgünstig in der Serie "GEMINI" erschienen ist, beweist, dass auch andere Konzerte des Meisters hörenswert sind.

Das erste Violinkonzert, das Anfang des vergangenen Jahrhunderts entstand, ist zweisätzig. Es eröffnet mit einem geheimnisvollen Andante, das in elysischen Höhen schwebt. Der zweite Satz ist ein wuchtiges, derb-fröhliches Allegro, das mit einigen spielerischen Extravaganzen aufwartet.
Das zweite Konzert erweist sich als wesentlich reifer, was freilich nicht wunder nimmt, indes es etwa 30 Jahre später entstand. Der Kopfsatz ist von tiefschürfender Komplexität, Bartók zelebriert hier einen wahren Reigen von Emotionen und Impressionen. Das wundervolle Andante knüpft passend an und windet sich in ein feuriges Allegro.

Zwei weitere Werke für Violine und Orchester sind hier dargeboten, nämlich die beiden Rhapsodien, die Ende der 20er Jahre komponiert wurden. Sie sind in der Tradition typisch ungarischer Volkslieder gehalten, beginnen mit einem langsamen, schwerfälligen Teil und steigern sich zu einem burlesken Kehraus. Der zweiten Rhapsodie merkt man deutlich an, dass der ungarische Komponist sie nachmalig überarbeitete.

Eine wahre Kostbarkeit ist das Konzert für Viola und Orchester, das Bartók genau wie sein drittes Klavierkonzert nicht vollenden konnte, das aber trotzdem in einer vervollständigten Version vorliegt. Der einleitende Satz ist von einer derartigen Finesse, dass er sicherlich nicht auf Anhieb zu durchdringen ist. Wesentlich harmloser gebaren sich hingegen Adagio und Finale.

Es gibt zwei Zugaben: zunächst sechs Sätze aus den insgesamt 44 Duos für zwei Violinen. Es handelt sich dabei um eine geschmackvolle Bearbeitung original ungarischer Volksliedmotive - Bartók war leidenschaftlicher Sammler derartiger Lieder.
Fürderhin verdient die Sonate für Solovioline große Beachtung, es ist eigentlich profan, sie nur als Zugabe abzutun. Die einleitende Ciaccona ist deutlich an Bachs monumentale angelehnt. Nach einer bezaubernden Fuge und einer berückender Melodia folgt das regelrecht diabolisch-gehetzte Finale, das durchaus anstrengend ist.

Die vorliegende Einspielung entstand zwischen 1965 und 1975, erfreut sich aber dennoch erstaunlich guter Tonqualität. Die Interpreten sind im Einzelnen Yehudi Menuhin (Violine), Nell Gotkovsky (Violine in den Duos), das New Philharmonia Orchestra unter Antal Dorati sowie das BBC Symphony Orchestra unter Pierre Boulez (Rhapsodien).
Es handelt sich um einen durchweg filigran pointierten und differenzierten Vortrag, sowohl was die Orchesterwerke als auch was die Kammermusiken anbelangt. Menuhin zeigt sich in Topform, spielt seine Parte fein akzentuiert, farbig nuanciert und schattig perlend. Dabei fehlt es ihm niemals an Transparenz bei seiner Darbietung. Auch die Orchesterleistung kann nur gelobt werden, insbesondere Boulez' seziermesserartige Präzision. Jedweder bricht eine Lanze für Bartók, und das zurecht...
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 19, 2013 4:08 PM CET


La Bohème
La Bohème
DVD ~ Mirella Freni
Preis: EUR 32,74

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn Mimi friert..., 13. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: La Bohème (DVD)
Neben "Turandot" gehört "La Bohème" zu den bekanntesten Opern des italienischen Tonsetzers Giacomo Puccini (1858-1924). Sie handelt von der Liebe der armen Leute, die durch Argwohn, Eifersucht und Krankheit zerstört wird. Dennoch zeigt uns das Stück, das auf einem Libretto von Giuseppe Giacosa sowie Luigi Illica basiert, das Kleinigkeiten wie Geldnot und Kälte die Liebe nicht hindern können.
Puccinis musikalische Gestaltung ist wundervoll: Er präsentiert uns einige der schönsten Arien des Fin de Siècle. Filigrane Momente ergeben zusammen mit überschwänglichen Orchesterschwällen ein harmonisches, teils zutiefst berührendes Ganzes.

Die vorliegende Inszenierung stammt aus dem Jahre 1988. Bild- und Tonqualität sind erstaunlich gut.
Die orchestrale Umsetzung durch das Orchester der San Francisco Opera unter der Federführung von Tiziano Severini kann nur gelobt werden. Der Maestro zaubert einnehmende Melodiebögen, lässt es aber an den pittoresken Stellen niemals an Akkuratesse fehlen. Er setzt treffsichere Akzente, die zusammen mit perlenden Nuancen, farbigen Schattierungen und der herrlichen Differenziertheit eine wunderbar transparente Darbietung gewährleisten.
Die gesangliche Leistung der San Francisco Opera steht dem in nichts nach. Doch besondere Anerkennung verdienen die sämtlichen Solisten, vor allem die beiden Hauptpersonen Mimi und Rodolfo. Letzterer wird vom großen Luciano Pavarotti dargestellt, der zweifelsohne als Puccini-Exeget zu gelten hat. Er beweist hier indes zusätzlich, welch großartiges schauspielerisches Talent er besitzt. Mirella Freni, die Mimi mimt, ist ausnehmend anzuhören. Ihr Gesang ist stets glasklar, beseelt und inbrünstig.
Ein letztes Wort zum Bühnenbild: Es kann als schlicht und einfach bezeichnet werden. Lichteffekte werden nur sparsam eingesetzt. Auch wenn es sich durchaus um eine authentische Einspielung handelt, kann man dennoch nicht von historischer Informiertheit in letzter Konsequenz sprechen. Doch das macht die musikalische Finesse locker wett...
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 12, 2013 5:25 PM CET


Offenbach, Jacques - Les contes d'Hoffmann / John Schlesinger, Georges Prêtre, Covent Garden (NTSC)
Offenbach, Jacques - Les contes d'Hoffmann / John Schlesinger, Georges Prêtre, Covent Garden (NTSC)
DVD ~ Placido Domingo
Preis: EUR 20,94

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn der Sandmann kommt..., 18. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Unter den vielen fantastischen Opern des 19. Jahrhunderts fällt eine wegen ihrer Konzeption durchaus aus dem Rahmen: "Les Contes d'Hoffmann" von Jacques Offenbach. Dieses halluzinogene Stück basiert auf drei Erzählungen des deutschen Romantikers E. T. A. Hoffmann. Offenbach ging es bei der Bearbeitung in erster Linie um die Frauengestalten dieser Stücke, namentlich "Der Sandmann", "Rat Krespel" sowie "Abenteuer in der Silvesternacht".
Die Handlung der Oper nach einem Libretto von Jules Barbier und Michel Carré zeigt uns den verzweifelten Dichter Hoffmann, der seinen Saufkumpanen von drei verflossenen Geliebten erzählt. Nach einigen wundervollen Arien und packenden Sequenzen lässt der Komponist seinen rastlosen Protagonisten doch noch zur Ruhe kommen...

Die vorliegende Inszenierung aus den frühen 80ern ist eine Produktion von John Schlesinger. Trotz ihres verhältnismäßig hohen Alters erfreut sie sich guter Bild- und Tonqualität, auch wenn sie ein gewisses Hintergrundrauschen nicht verheimlichen kann. Das Bühnenbild kann als klassisch bezeichnet werden. Freunde moderner Inszenierungen werden anderswo suchen müssen. Negativ aufgefallen ist mir das Fehlen jedweden einführenden Textes zur Interpretation beziehungsweise zur Oper selbst.
Die musikalische Leistung der Royal Opera Covent Garden unter der Leitung des großen Georges Prêtre ist herausragend. Die harschen, progressiven Melodiebögen dieser Oper arbeiten die Akteure brillant heraus, geben sich aber gleichzeitig einem Schwelgen hin, das feine Nuancen produziert und kräftige Akzente nicht unterschlägt. Die Farbgebung und Schattierung sind stets differenziert und nuanciert. Dabei bleibt der Vortrag durchweg transparent.
Hinzu kommt die kongeniale gesangliche Leistung insbesondere der Solisten: Placido Domingo als Hoffmann besticht durch Hingebung und Einfühlung in seine Rolle. Die drei Frauengestalten - verkörpert von solchen Größen wie Luciana Serra, Agnes Baltsa und Ileana Cotrubas - stehen dem in nichts nach: Auch ihr Gesang ist glasklar, perlend und eindrucksvoll. Nicht zu unterschlagen sind auch die anderen Solisten und vorrangig der Chor.

Fazit: Hier fügt sich alles zusammen - brillante musikalische Leistung und Empathie sowie Verständnis gewährleisten eine höchst individuelle Einspielung einer berührenden Oper.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 12, 2013 5:10 PM CET


Händel, Georg Friedrich - Xerxes
Händel, Georg Friedrich - Xerxes
DVD ~ Ann Murray
Wird angeboten von Polyphon
Preis: EUR 27,38

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprach Xerxes wirklich Englisch...?, 20. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Händel, Georg Friedrich - Xerxes (DVD)
Georg Friedrich Händel gilt als einer der bedeutendsten Opernkomponisten des ausgehenden Barockzeitalters. Große Teile seines Lebens schrieb er für den englischen Hof. So auch seine berühmteste Oper "Serse" HWV 40.
Nicolò Minato lieferte das Libretto für eine Geschichte voller Verwandlungen, Maskeraden und enttäuschter Liebe. Auch wenn man tendenziell von einer Barockoper etwas anderes erwartet, als von einer "klassischen" Oper, so gibt es doch eine verblüffende Ähnlichkeit zu den Opern Mozarts, der Satire und Drama gekonnt miteinander mischte.
Es gibt praktisch keine Arie aus "Serse", die nicht in irgendeiner Weise anmutig oder rührend wäre. Nicht nur das berühmte Larghetto zur Arie "Ombra mai fù" gleich zu Beginn, sondern auch zahlreiche andere Arien, Duette etc. wissen zu überzeugen. Die musikalische Gestaltung ist brillant und liefert Zeugnis von Händels Meisterschaft.

Die vorliegende Inszenierung stammt aus dem Jahre 1985 und erfreut sich sehr guter Bild- und Tonqualität.
Die musikalische Umsetzung durch das Orchestra of English National Opera unter der Federführung des großen, 2010 verstorbenen Charles Mackerras ist hervorragend: Einmal mehr beweist Mackerras, dass er als Exeget des Barock und der Klassik zu gelten hat. Er treibt sein Orchester zur Höchstform an, erzeugt schillernde Farben, differenzierte Akzente und viel Spannung. Sein Interpretationsansatz wird der genialen Vorlage absolut gerecht. Dabei lässt er es niemals an Transparenz und devotem Zurücktreten hinter die Partitur fehlen.
Auch die gesangliche Umsetzung ist bombastisch: Ann Murray in der Hosenrolle für Xerxes, den persischen König, ist wunderbar burschikos und pathetisch zugleich. Der Kontertenor Christopher Robson als Xerxes' Bruder Arsamenes singt glasklar und glänzend. Seine schauspielerischen Leistungen stehen außer Frage. Auch alle anderen Solisten, insbesondere Valerie Masterson als Romilda, sowie der Chorus of English National Opera zeichnen sich durch kraftvolle, überzeugende Intonation und authentische Darstellung aus.
Zu erwähnen ist weiterhin das opulente, antikisierende Bühnenbild nach einem Konzept von Jane Randall: Es schafft den größtmöglichen Kontrast zwischen Handlung und Umfeld. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Oper auf Englisch gesungen wird. Da Händel sowieso zur Hälfte Engländer war, tut das dem Gesamteindruck keinerlei Abbruch, ganz im Gegenteil: Das ironisch-satirische Element, das in dieser Inszenierung besondere Anwendung findet, wird dadurch noch mehr herausgekitzelt - ein weiterer Baustein zu einer glanzvollen, zeitlosen Interpretation...
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 19, 2012 3:40 PM MEST


Tschaikowsky, Peter - Eugen Onegin (GA) [2 DVDs]
Tschaikowsky, Peter - Eugen Onegin (GA) [2 DVDs]
DVD ~ Wiener Philharmoniker
Preis: EUR 24,97

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großer Genuss auch ohne Gin, 9. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die bekannteste Oper Peter Tchaikovskys - "Eugen Onegin". Jeder hat schon einmal von ihr gehört, aber nur die wenigsten kennen sie wirklich. Sie wurde immer wieder als inkonzin, überladen oder schwulstig abgestempelt. Freilich kann Tchaikovsky seinen bisweilen ausufernden Stil nicht verhehlen. Dennoch handelt es sich um ein Stück, das mehr ist als oberflächliche Gefühlsduselei.
Die kompositorische Meisterschaft des Russen steht außer Frage: Wundervolle Arien reiht er an prachtvolle, opulente Tanz- und Gesellschaftsszenen, erzeugt hier einen überwältigenden Orchester- und Gesangsschwall, um dort innige, intime Momente zu imaginieren.
Die traurige Geschichte um Eugen und Tatyana beruht auf einem Libretto von Konstantin Shilovsky und Tchaikovsky höchstpersönlich. Dieses wiederum geht zurück auf Alexander Pushkins geniales Versepos - schon respektive dessen stand Tchaikovsky auf einer denkbar schlechten Position. Es ist eine Geschichte verpasster Liebe, großer Gefühle und flirrenden Taumels.

Die vorliegende Inszenierung durch die Wiener Philharmoniker und die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor unter der Leitung von Daniel Barenboim entstand live auf den Salzburger Festspielen 2007. Ton- und Bildqualität sind hervorragend.
Die Orchesterleistung ist brillant und niemals verschlafen, wie es Barenboim immer mal wieder passiert. Er setzt kräftige Akzente und lässt die Wiener farbige, schattierte und differenzierte Nuancen herausarbeiten, ohne dabei jemals ins Banale abzurutschen oder der Transparenz Abbruch zu tun.
Hinzu kommt die ausgezeichnete, glasklare gesangliche Leistung des Wiener Staatsopernchors zum einen, zum anderen der brillanten Solisten. Es stehen hier freilich keine großen Namen auf der Bühne, sondern junge Künstler, die - betrachtet man ihre hier vollbrachte Leistung - gewisslich eine große Karriere vor sich haben werden. Anna Samuil mimt Tatyana in beeindruckend gelöster Manier. Ihre durchdringende Stimme und ihr schauspielerisches Talent machen sie zu einer authentischen Tatyana. Peter Mattei spielt den Lebemann Eugen Onegin. Sein Verdienst besteht insbesondere darin, dass er einen scharfen Kontrast zwischen Tatyana und seiner Figur herstellt: Während Tatyana innerlich immer dieselbe bleibt, ist Onegin unstet.
Bleibt das ausgezeichnete Bühnenbild: Andrea Breth hat sich für eine äußerst differenzierte Lösung entschieden, die zwar schlicht anmutet, aber in der Tat historisch informierte Aspekte mit denen einer modernen Aufführung verbindet, was besonders in Requisite und Kostüm deutlich wird.

Fazit: Plädoyer für die heute vernachlässigten Opern des großen Russen!


The Glenn Gould Edition: Bach Englische Suiten (english Suites)
The Glenn Gould Edition: Bach Englische Suiten (english Suites)
Preis: EUR 20,38

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Go(u)ld wert, 14. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Werke für Tasteninstrument von Johann Sebastian Bach sind selten zur "Gemüths-Ergetzung" geschrieben worden. Zumindest nicht ausdrücklich, indes der Thomaskantor ihnen einen akademischen Wert beimaß. Dasselbe gilt für seine sechs sogenannten "englischen Suiten" BWV 806-811.
Diese wundervollen Kleinodien sind von uneinheitlichem Zuschnitt: Nach einer kunstvoll gearbeiteten Prélude folgt ein loser Reigen verschiedener Tanzsätze. In der Tat kann festgestellt werden, dass Bach offensichtlich nicht weiter daran gelegen war, hier Tiefen auszuloten vergleichbar mit denen vieler seiner anderen Klavierwerke, namentlich der "französischen Suiten".
Eine Ausnahme stellt dabei die sechste Suite d-moll dar, deren Sarabande zutiefst bewegt.

Die vorliegende Gesamteinspielung durch den Bach-Exegeten Glenn Gould entstand zwischen 1971 und 1976 und erfreut sich erstaunlich guter Tonqualität.
Goulds Bach-Interpretationen waren immer heftig umstritten. Tatsächlich wählt der Kanadier auch hier einige streitbare Tempi. Doch was entscheidet, ist der Gesamteindruck, und der ist nicht nur stimmig, sondern sogar überwältigend. Gould holt das Maximum aus den teilweise unspektakulären Tanzsätzen heraus, er wird Musik. Es ist erstaunlich, wie differenziert er nuanciert und koloriert. Er setzt zuhauf Akzente, welche Spannung bis zur letzten Note garantieren. Dabei bleibt sein Vortrag durchweg transparent und gewährleistet ein Recital der Extraklasse!


Mozart - Die Zauberflöte
Mozart - Die Zauberflöte
DVD ~ Piotr Beczala
Preis: EUR 24,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Zauber der Zauberflöte, 1. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mozart - Die Zauberflöte (DVD)
Wolfgang Amadeus Mozarts letzte Oper, "Die Zauberflöte", gilt vielen zugleich als seine beste. Sie zollt einer zeitgenössischen Strömung Tribut, der sogenannte "Turquerie", der ja auch "Die Entführung aus dem Serail" zu verdanken ist. Es nimmt folglich nicht wunder, dass Mozarts Gestaltung durch und durch exotisch ist, aber niemals abgehoben; Mozart bleibt eben Mozart.
Die Handlung - nach einem Libretto von Emanuel Schikaneder - ist schnell erzählt: Prinz Tamino will seine Pamina aus den Fängen des unnachgiebigen Sarastro und der unberechenbaren Königin der Nacht befreien. Mit Hilfe des Vogelfängers Papageno und seiner Zauberflöte besteht er zahlreiche Prüfungen und findet sich schließlich vereinigt mit seiner Liebsten.

Die vorliegende Inszenierung entstand 2001 und erfreut sich bester Ton- und Bildqualität. Die musikalische Umsetzung des Orchestre de l'Opéra national de Paris unter der Leitung von Iván Fischer ist perfekt gelungen. Fischer wählt angenehme Tempi und arbeitet die exotisch-orientalischen Nuancen der Musik brillant heraus. Die Orchesterleistung ist durchweg transparent, mitreißend und farbig differenziert. Treffende Akzente garantieren Spannung bis zur letzten Note.
Weltberühmte Stars der Opernszene wird man hier nicht finden. Es handelt sich bei den Dartellern um junge, vielversprechende Talente, die den Zenit ihres Schaffens noch nicht erreicht haben. Dorothea Röschmann besticht als hingebungsvolle, vollkommen authentische Pamina. Das gleiche kann von Detlef Roth als Papageno gesagt werden. Der Tamino wird von Piotr Beczala gemimt; hier sei erwähnt, dass derselbe gewisslich nicht der geborene Schauspieler ist. Der geniale Matti Salminen ist Sarastro, Désirée Rancatore die flirrende Königin der Nacht. Begleitet werden die Hauptdarsteller von zahlreichen anderen, ebenso ausgezeichneten Solisten und dem makellos, glasklar singenden Choeur de l'Opéra national de Paris.
Besondere Beachtung verdienen zudem das historisch informierte Bühnenbild von Benno Besson sowie die Kostüme und Requisiten, obschon bisweilen letztere "billig" wirken. Alles fügt sich ein ins glanzvolle, schillernde, pompöse Gesamtbild und gewährleistet eine nahezu tadellose Aufführung.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 12, 2013 5:07 PM CET


6 Partiten Bwv 825-830
6 Partiten Bwv 825-830
Preis: EUR 21,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterlich über den Bach geschifft..., 30. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 6 Partiten Bwv 825-830 (Audio CD)
Die Werke für Tasteninstrument des großen Johann Sebastian Bach haben stets etwas Geweihtes und ernsthaft Sakrales. Insbesondere die langsamen Sätze dieser Stücke erinnern an eine tiefe, innige Meditation. Und auch wenn Bach die meisten seiner Klavierstücke zu "Übungszwecken" verfasst hat, verleugnen sie doch niemals die Religiosität ihres Schöpfers. Ebenso ' oder vielleicht sogar in besonderem Maße ' verhält es sich mit seinen sechs Partiten BWV 825-830, die hier in einer Gesamteinspielung vorliegen.

Anders als bei anderen bachschen Werkzyklen handelt es sich bei den sechs Partiten um Stücke, die schon alleine wegen ihres sehr unterschiedlichen Umfangs sehr unähnlich sind. Auch was den Ausdruck anbetrifft, lässt sich diese These untermauern. Betrachtet man nur die Ausgelassenheit der G-Dur-Partite und sieht hingegen die beängstigende Stimmung im c-moll-Stück, wird deutlich, welch immensen Kosmos Bach hier auszukosten verstand.
Der Thomaskantor schien insbesondere auf die kunstvolle Gestaltung der Anfangssätze großen Wert gelegt zu haben, indes er hier das Programm der folgenden Sätze vorgibt und ästhetisch durchdringt. Man höre bloß die ungeahnten Tiefen, die er im Kopfsatz der genialen e-moll-Partita erforscht! Die starken Unterschiede zwischen seinen Kompositionen betont er dadurch, dass er für jeden einzelnen Anfangssatz eine andere instrumentale Gattung wählt.
Die folgenden fünf beziehungsweise sechs Tanzsätze sind freilich nicht zum Tanzen gedacht. Bach erhebt jedweden hier vorgestellten Tanz auf ein Maß künstlerischer Vollkommenheit, die ihresgleichen sucht.

Die vorliegende Einspielung durch András Schiff entstand 2007 und erfreut sich gewohnt brillanter ECM-Tonqualität.
Es ist nicht die erste Interpretation durch Schiff, eine andere entstand früher im Rahmen einer Gesamteinspielung aller bachschen Klavierperlen. Es fällt auf, dass die neuere Einspielung weitaus inniger und empfindsamer ist. Zudem scheint sie auch mehr dem Geiste der Werke verpflichtet. Man hat beinahe den Eindruck, dass Schiff im Alter zu einem Buddha am Klavier geworden ist. Historische Aufführungspraxis hin oder her: Schiff spielt Bach ' und nichts anderes. Die zahlreichen perlenden Nuancen, die herrlich schattierten Farbgebungen und die dezent gesetzten Akzente verhelfen ihm zu einem ungemein flüssigen, spannenden Vortrag, der nichts Akademisches hat. Vollkommene Transparenz, fühlender Anschlag und Differenziertheit runden das rundum gelungene Programm ab.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 2, 2013 6:27 PM MEST


Verdi, Giuseppe - La Traviata (Anna Netrebko)
Verdi, Giuseppe - La Traviata (Anna Netrebko)
DVD ~ Anna Netrebko
Preis: EUR 14,99

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen La Opera non Traviata, 30. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In seinem langen Leben komponierte der italienische Komponist Giuseppe Verdi (1813-1901) zahlreiche Opern, von denen die meisten bis heute festen Bestand im Konzertleben haben. "La Traviata" gehört gewiss zu den Höhepunkten von Verdis Schaffen. Das Libretto, das auf Alexandre Dumas' "Kameliendame" beruht, stammt von Francesco Maria Piave und handelt von der Lebefrau Violetta, die sich eines Tages in den aufrichtigen Alfredo verliebt. Als es am schönsten ist, tritt Alfredos Vater auf, der die beiden daran gemahnt, dass Alfredo die Familienehre zu bewahren habe. In seiner Abwesenheit erlangt der Hörer die bittere Gewissheit, dass Violetta dem Tode geweiht ist. Gerade nach der Wiedervereinigung der Liebenden stirbt sie tragischerweise.
Verdis Umsetzung des Stoffes kann man nur als meisterlich bezeichnen. Der dezente Einsatz des Chores sowie weniger Solisten bürgt für eine schlanke Oper ohne überflüssigen Tand und Zierrat. Mit einer Spielzeit von gut zwei Stunden handelt es sich auch keineswegs um ein ermüdendes, langatmiges Werk. Musikalisch darf der Hörer nichts anderes als allererste Sahne erwarten. Dramatik und Spannung erzeugt schon alleine die Musik, die vor allem zu Beginn des dritten Aktes unglaublich emotional und ergreifend ist. Und wenn dann die berühmte Arie "Addio del passato" erklingt, bleibt kein Auge trocken'

Weiterhin darf sich jeder Freund moderner Aufführungen freuen: Willy Decker hat sich für seine Inszenierung während der Salzburger Festspiele 2005, von denen die vorliegende Live-Einspielung in brillanter Bild- und Tonqualität stammt, eine schlichte und doch sinnhafte Atmosphäre überlegt, die durch die Weite des Bühnenbildes und den gekonnten Einsatz von Lichttechnik perfekt geschaffen wird. Die Kostüme sowie die mehrdeutigen Requisiten sind größtenteils in Schwarz-Weiß gehalten. Den prächtigsten Farbakzent setzt Violetta mit ihrem roten Ballkleid.
Hinzu kommt eine bombastische, transparente und atmende Orchesterleistung durch die Wiener Philharmoniker und das Mozarteum-Orchester für die Bühnenmusik unter der Leitung von Carlo Rizzi. Perlende Nuancen, farbige Schattierungen und treffsichere Akzente garantieren Spannung bis zum letzten Atemzug.
Phänomenal ist auch die gesangliche Leistung: Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor wird von einem wahren Dreigespann der Prominenz begleitet, namentlich von der großartigen, einfühlsamen und lebendigen Anna Netrebko, vom brillierenden, inbrünstigen Rolando Villazón und vom erstaunlich ergreifend auflebenden Thomas Hampson. Aber auch alle anderen Akteure füllen ihre Rollen mit Leben, so dass man ihnen ihre Ergriffenheit ohne Weiteres abzukaufen bereit ist.

Fazit: Eine kongeniale Aufführung einer hervorragenden Oper!


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