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Beiträge von Andre Arnold
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Rezensionen verfasst von
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern)
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Orchesterwerke
Orchesterwerke
Preis: EUR 18,16

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Selten gehörter Bizet oder: Bizet klingt nicht nur im Opernhaus gut..., 3. Mai 2011
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Rezension bezieht sich auf: Orchesterwerke (Audio CD)
Der französische Komponist Georges Bizet (1838-1875) gilt trotz seiner kurzen Schaffensphase als einer der bedeutendsten Komponisten Frankreichs. Sein Hauptbetätigungsfeld waren Bühnenwerke, für die er sich wie geschaffen fühlte. Dennoch schrieb er auch einige eindrucksvolle Orchesterwerke, von denen die wichtigsten und besten auf der vorliegenden Box versammelt sind.

Ein espritvolles Jugendwerk des Franzosen ist seine Sinfonie in C Dur. Dieses wilde, ungezügelte Stück lässt den späteren Meister bereits erahnen, vor allem am himmlischen Oboensolo im Adagio.
Die Konzertsuite "Roma" eröffnet mit einem schwelgerischen, unkomplizierten Andante, wohingegen der zweite Satz das wilde römische Leben widerspiegeln könnte. Über dem dritten Satz liegt der verführerische nächtliche Schleier der Ewigen Stadt. Das Finale feiert mit dem Hörer den römischen Karneval.
Bizet soll ein begnadeter Pianist gewesen sein, obschon er nur wenige Solowerke fürs Tasteninstrument hinterließ. Bei den beschaulichen "Jeux d'Enfants" handelt es sich um die orchestrierte Fassung einer Suite für Klavier zu vier Händen. Die Orchestrierung tut dem pittoresken, nostalgischen Gemälde sicherlich keinen Abbruch.

Zu Bizets bekanntestem Stück, "Carmen", existiert eine Suite, welche die Ouvertüre sowie die drei Entractes lose aneinander reiht. Gewiss hat dieses Stück nicht den Anspruch hoher Kunst, dient aber dennoch nachdrücklich zur Erbauung.
Das eigentliche Highlight dieser Sammlung ist die Bühnenmusik zu "L'Arlesienne", die einige der berühmtesten Motive des französischen Komponisten enthält. Die Komposition besteht aus fünf Teilen, wobei sich rein instrumentale Passagen und gesangliche die Waage halten. Auch die beigefügte Suite Nr. 1 lässt nicht nachvollziehen, weswegen das Stück bei Bizets Zeitgenossen nur auf so wenig Resonanz stieß.

Des Weiteren finden sich auf dieser Box die knappe sinfonische Dichtung "Les Quatre Coins" sowie der üppige Marche funèbre, in dem der Tonschöpfer seine Maske fallen zu lassen scheint...
Auch einige Ouvertüren komponierte Bizet, von denen "Patrie" die wohl gelungenste ist. Es handelt sich hierbei vielmehr um eine sinfonische Dichtung im Kleinen. Die fröhliche Ouvertüre in A Dur hat da eher kleinere Maßstäbe.

Die vorliegende Einspielung durch das Orchestre National du Capitole de Toulouse unter der Leitung von Michel Plasson und unterstützt durch das Orfeón Donostiarra entstand in den frühen 90er Jahren und erfreut sehr guter Aufnahmequalität.
Plasson hat sich schon durch viele Aufnahmen, unter anderem von Werken von Franck und Honegger einen Namen im Bereich französischer romantischer und moderner klassischer Musik gemacht. Auch hier findet der Hörer eine rundum gelungene, packende Einspielung, voller Frische, Esprit, Zug und Farbenvielfalt vor. Perlende Nuancen und greifende Akzente machen den Vortrag flüssig und organisch. Alles steht stets im Zeichen der Texttreue, entbehrt aber dennoch einer gesunden Prise Individualität nicht. Das wie entfesselt spielende Orchester steht der vollkommenen Transparenz und Differenziertheit der Aufnahme niemals im Weg. Ein Werküberblick, wie man ihn sich wünscht...


Smtliche Konzerte (Ga)
Smtliche Konzerte (Ga)
Preis: EUR 18,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Prokofiev - Meister der Vielfalt, 2. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Smtliche Konzerte (Ga) (Audio CD)
Der russische Komponist Serge Prokofiev (1891-1953) gilt als einer der vielseitigsten Tonschöpfer des vergangenen Jahrhunderts. Während er in seinen jungen Jahren extrem progressive, aufrüttelnde Werke komponierte, wurde seine Tonsprache mit den Jahren immer gemäßigter und aus der klassischen Tradition zehrend. Zeitlebens war er von der Gattung des Instrumentalkonzertes fasziniert und beschäftigte sich fortwährend mit derselben. Seine insgesamt neun Konzertwerke legen umfassend Zeugnis darüber ab.
Die vorliegende Box vereinigt alle dieser teils wichtigen Stücke und ist schon allein deswegen als höchst interessant zu klassifizieren, da die Einspielungen im Großen und Ganzen nicht einheitlich vorgenommen wurden.

Prokofiev schrieb in der ersten Hälfte seiner Schaffenszeit insgesamt fünf Klavierkonzerte, nachmalig kein einziges mehr. Das erste in Des Dur op. 10 mit seinen kühnen Melodiebögen und seiner harschen Dynamikentfaltung wurde vom Publikum alles andere als wohlwollend aufgenommen, obschon der langsame Teil des in einem Satz konzipierten Stückes durchaus zu überzeugen weiß.
In g moll steht das zweite, üppigere Konzert op. 16. Auch dieses fand weitest gehend Ablehnung, man erwartete sich einfach etwas anderes, weniger Schicksalsschwere und Melancholie. Vor allem die weitschweifigen Ecksätze offenbaren sich als wütend und traurig. Das Scherzo sowie das Intermezzo schlagen da schon frischere, experimentellere Töne an.
Das ausgewogene dritte Konzert in C Dur op. 26 ist von jeher das beliebteste Klavierkonzert des Russen. Besonders schön gearbeitet sind der sanfte Variationssatz sowie das berauschende, streckenweise überwältigende Finale.
Das vierte Konzert B Dur op. 53 wurde für den im Ersten Weltkrieg zum Invaliden gewordenen österreichischen Pianisten Paul Wittgenstein komponiert, der übrigens auch Ravels berühmtes Konzert für die linke Hand in Auftrag gab. Es handelt sich um ein schroffes, wenig konzertantes Stück, das folglich keine große Zustimmung bei Wittgenstein fand. Tatsächlich aber handelt es sich um ein verkapptes Kleinod, das einer genaueren Beschäftigung in jedem Fall würdig ist.
Das letzte Klavierkonzert G Dur op. 55 ist interessanterweise fünfsätzig und eröffnet mit einem flinken Allegro. Das folgende Moderato ist von typisch prokofievschem Zuschnitt und auch die Toccata an dritter Stelle verrät das große Einfallsvermögen des russischen Tonsetzers. Der ruhende Pol ist das Larghetto, das unversehens in den knappen Schlusssatz mündet, der ein letztes Mal verdeutlicht, dass es in diesem Werk weniger um Tempo und Dynamik, sondern vielmehr um Stimmungen geht.

Auch zwei Violinkonzerte schrieb Prokofiev, von denen das erste D Dur op. 19 ein Frühwerk ist. Ein wildes, espritvolles Scherzo wird hier von zwei mäßig langsamen Sätzen gerahmt, einem entzückenden Andantino und einem kraftvollen Moderato.
Das zweite Violinkonzert g moll op. 63 ist über weite Strecken von der Solovioline dominiert, in einem Maß, das typisch für die klassische Moderne ist. Der erste Satz ist von düsterem Schwermut, der sich erst im folgenden, friedlichen Andante zu lösen scheint, aber nur, bis das erbarmungslose Finale hereinbricht.

Der gewichtigste Beitrag im Bereich des Instrumentalkonzertes von Seiten Prokofievs ist seine Sinfonia concertante für Violoncello und Orchester op. 125. Genau wie Shostakovich so war auch Prokofiev vom jungen Mstislav Rostropovich begeistert und schrieb für ihn eine Sonate sowie dieses herausragende Konzertwerk. Es ist zudem sein längstes Konzert, zwei aus der tiefen Stille heraus lebende Sätze rahmen das feurige, virtuose und packende Allegro.
Von wesentlich reduzierterem Maßstab ist das Concertino für Cello und Orchester op. 132. Prokofiev konnte dieses Werk zu Lebzeiten nicht mehr vollenden, weswegen unter anderem Rostropovich das Stück zu Ende orchestrierte. Es besteht aus einem schwelgerischen Kopfsatz, einem idyllischen, friedlichen Andante und einem wüsteren, unbestimmten Allegretto. Ähnlich wie seine letzte Sinfonie so gibt auch dieser doppelbödige Schwanengesang dem interessiert Zuhörenden zahlreiche Rätsel auf.

Die vorliegenden Einspielungen wurden vorgenommen durch
Vladimir Ashkenazy (Klavier) mit dem London Symphony Orchestra unter André Previn (1974/ 1975),
Joshua Bell (Violine) mit dem Orchestre symphonique de Montréal unter Charles Dutoit (1992) und
Lynn Harrell (Violoncello) mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter Vladimir Ashkenazy (1989/ 1991)
und erfreuen sich gewohnt hervorragender (Decca) Klangqualität.
Hervorragend, ja, genial ist die künstlerische Qualität der Cello- und vor allem der Violinkonzerte. Dutoit als Impressionismus Experte erfasst die beiden Violinkonzerte in ihrem Habitus einmalig und begeisternd. Die volle Palette Klangfarben wird auch bei den Cellokonzerten ausgeschöpft. Solisten und Orchester bieten dem Hörer ein Fest der Musik voller Spannung, Transparenz, Differenziertheit und tiefem Verständnis für die Musik des großen Russen.
Als ästhetisch durchdrungen kann freilich auch der Vortrag der fünf Klavierkonzerte bezeichnet werden. Doch hätte man sich von André Previn - wie so oft - etwas mehr Zug, etwas mehr Transparenz gewünscht. Ashkenazys Leistung ist auch hier auf Topniveau, doch können seine Begleiter nicht wirklich Schritt fassen. Nichtsdestotrotz handelt es sich auch hier um eine rundum gelungene, zufriedenstellende Einspielung.

Fazit: Sicherlich nicht das non plus ultra, dennoch ein willkommener Einstieg in die faszinierende Welt der prokofievschen Instrumentalkonzerte!


Vom Winde Beweint / Violakonzert
Vom Winde Beweint / Violakonzert
Preis: EUR 18,97

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Winde beweint - vor Freude!, 1. Mai 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vom Winde Beweint / Violakonzert (Audio CD)
Friedrich Dürrenmatt stellte einst in seinem monumentalen Essay "Theaterprobleme" die These auf, dass zeitgenössische Künstler und ihre Werke deswegen nur sehr wenig Beachtung finden, weil die gegenwärtige Kunstkritik vom Vollkommenheitsanspruch vergangener Epochen beseelt ist, also rückwärts gewandt ist. Anders lässt sich die immer noch ausbleibende Popularität des georgischen Komponisten Giya Kancheli (geb. 1935) nicht erklären.
Sein Stück "Vom Winde beweint", eine Liturgie für Viola und großes Orchester, ist wie eine Geschichte ohne Worte, die von der Viola, deren Klang der menschlichen Stimme sehr nahe kommt, erzählt wird. Kancheli wollte in diesem Stück Eindrücke seiner Heimat Georgien musikalisch umsetzen. Es handelt sich um ein sanftes, schimmerndes Stück, das aus der Ruhe geboren ist. Der erste Satz jedoch beginnt mit einem aufrüttelnden Tuttischlag, bevor er in die Kontemplation führt. Aufgebrachter ist da schon der zweite Satz, bevor ein elysisches Larghetto folgt. Das Finale lässt den Hörer eine Nation erahnen, die trotz vieler Schicksalsschläge und vielseitiger Unterjochungen seinen Stolz und seine Würde nicht verloren hat.
"Vom Winde beweint" ist ein schwer zugängliches Stück, nicht so sehr wegen gewagter, ungewohnter Klänge, sondern vielmehr wegen der extremen Ruhe und Konzentration des geradezu mythisch anmutenden Stückes.

Auch der russlanddeutsche Komponist Alfred Schnittke (1934-1998) zählt zu den bedeutendsten Tonschöpfern der Moderne. Er schrieb einige der originellsten Werke des vergangenen Jahrhunderts. Sein Konzert für Bratsche und Orchester zeigt die typisch schnittkesche Tonsprache und ist deswegen zum Einstieg sehr gut geeignet.
Das Werk beginnt mit einem knappen, konzentrierten Largo. Der zweite Satz ist ein modulatorisch kühnes und schwer zu durchdringendes Allegro, das voller Dissonanzen und Streicherschreien steckt. Im letzten Satz findet das Stück nur scheinbar wieder zur Ruhe; das Murren und Knurren der Soloviola und heftige Wutausbrüche des Orchesters trüben den Schein.

Die vorliegende Einspielung durch die US amerikanische Bratschistin Kim Kashkashian sowie das Orchester der Beethovenhalle Bonn (Kancheli) beziehungsweise das Rundfunk Sinfonieorchester Saarbrücken (Schnittke) unter der Leitung von Dennis Russell Davies entstand 1986 und 1991 und erfreut sich gewohnt hervorragender ECM Aufnahmequalität.
Aber auch die künstlerische Qualität ist brillant, Kashkashian und Davies haben sich intensiv mit der Materie auseinander gesetzt und erlangen dadurch einen authentischen Zugang zu diesen beiden sehr individuellen Werken. Dementsprechend farbenfroh, detailgenau und akzentuiert ist der Vortrag, Nuancen sind fließend gesetzt und die Balance ist hervorragend. Das Zusammenspiel von Solist und Orchester ist innig und verbunden, gewährleistet an jeder Stelle - und das ist wohl hier das Wichtigste - die vollkommene Transparenz und Differenziertheit der Deutung.

Fazit: Eine bereichernde Erfahrung und viel mehr als nur eine Repertoireerweiterung!


Smtliche Konzerte (Ga)
Smtliche Konzerte (Ga)
Preis: EUR 22,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Shostakovich - Meister der Vielfalt, 20. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Smtliche Konzerte (Ga) (Audio CD)
Der Russe Dmitri Shostakovich (1906-1975) gilt als einer der vielseitigsten und produktivsten Komponisten des vergangenen Jahrhunderts. Da kann es kaum wundernehmen, dass er auch im Bereich des Instrumentalkonzertes einige der bedeutendsten und ansprechendsten Werke hinterlassen hat. Von seinen insgesamt sechs Konzerten gleicht keines dem anderen, jedes ist ein beachtliches Stück voller ästhetischer Durchdringung und Ausdruck.
Die vorliegende Box vereint alle sechs Konzerte des großen Russen und darf schon allein deswegen als hoch interessant angesehen werden, da die Interpretationen nicht einheitlich vorgenommen sind.

Das früheste Konzert ist das für Klavier, Trompete und Streicher c moll op. 35, ein espritvolles, jugendliches Werk, das Shostakovich zeitlebens schätzte und auch später noch das eine ums andere Mal zur Aufführung brachte. Es wird schnell klar warum, indes sowohl der Kopfsatz als auch das Finale von Kraft und Dynamik strotzen. Der ruhende Kern hingegen ist das wundervolle Lento, in dem der russische Komponist einige seiner schönsten Melodien findet.
Es dauerte lange Jahre, bis sich Shostakovich wiederum dem Instrumentalkonzert widmete. Während seine Klavierkonzerte für den eigenen Gebrauch geschrieben wurden, wurde er zu anderen Instrumentalkonzertgattungen durch große Virtuosen inspiriert. Seine beiden Violinkonzerte, von denen op. 99 in a moll das erste ist, sind David Oistrakh zu verdanken, der seinem Landsmann bei der Komposition behilflich war. Es wird schnell klar, dass es Shostakovich bei diesem Konzert nicht darum ging, ein klassisches Konzert zu schreiben, indes das Werk mit einer frotzelnden Nocturne eröffnet. Nach dem flinken Scherzo folgt die idyllische Passacaglia, in der die Solovioline über dem sanften Orchesterteppich zu schweben scheint. Den Abschluss bildet eine knappe, derbe Burleske, die echter Shostakovich ist.
Wenig später schrieb dieser sein zweites Klavierkonzert F Dur op. 102, das ebenso konzentriert ist wie sein Erstling. Die Anlage wirkt schlicht, steckt jedoch voller technischer Raffinessen. Das elysische Andante ist das Gravitationszentrum der herrlichen Komposition. Die frischen, nicht immer fröhlichen, dafür aber recht pastoralen Ecksätze betten dieses ein.
Voll Schaffenskraft widmete sich Shostakovich gleich seinem nächsten Konzert, diesmal aus Begeisterung über den Jahrhundertcellisten Mstislav Rostropovich. Dieses erste Cellokonzert op. 107 ist ein kantiges, sprödes Stück, das über weite Strecken vom Cello dominiert wird. Das zeigt bereits der Kopfsatz. An zweiter Stelle steht ein inniges Moderato, an das sich eine ausgedehnte, hochvirtuose Kadenz anschließt, welche selbe unversehens ins kurze, berückende Finale mündet.
Das zweite Cellokonzert op. 126 ist dagegen wesentlich konzentrierter und schafft einen Ausgleich zwischen Solist und Orchester. Der erste Satz ist ein ausgedehntes Largo, in dem der Cellist sein ganzes Können unter Beweis stellen kann - und muss. Es folgen zwei mit Allegretto titulierte und attacca ineinander übergehende Sätze, die doch unterschiedlicher kaum sein könnten. Während der erste die Funktion des Scherzos übernimmt, bereitet der zweite auf ein überwältigend melodiöses und eindringliches Finale vor.
Sein letztes Instrumentalkonzert schuf der Russe mit seinem zweiten Konzert für Violine und Orchester cis moll op. 129, ein einmaliges Vermächtnis eines großen Komponisten, das so leicht nicht zu durchdringen ist. Bereits der ausgedehnte Kopfsatz fordert den Hörer aufs Äußerste. Das singbare Adagio ist der ruhende Pol der Komposition, obschon auch das Finale durch einen langsamen Teil eingeleitet wird. Das abschließende Allegro stellt noch einmal die ausgereifte Technik Shostakovichs unter Beweis und seine typische Herangehensweise ans Instrumentalkonzert, indem er die Violine in den Vordergrund rückt.

Die Einspielungen werden im Einzelnen vorgenommen von:
Peter Jablonsky/ Royal Philharmonic Orchestra unter Vladimir Ashkenazy (1. Klavierkonzert)
Cristina Ortiz/ Royal Philharmonic Orchestra unter Vladimir Ashkenazy (2. Klavierkonzert)
Viktoria Mullova/ Royal Philharmonic Orchestra unter André Previn (1. Violinkonzert)
Gidon Kremer/ Boston Symphony Orchestra unter Seiji Ozawa (2. Violinkonzert)
Heinrich Schiff/ Radio Symphonie Orchester des Bayerischen Rundfunks unter Maxim Shostakovich (Cellokonzerte)
Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1988 bis 1992 und erfreuen sich allesamt gewohnt astreiner Decca Klangqualität.
Vom interpretatorischen Standpunkt her handelt es sich um eine vielfältige, viele Eindrücke und Sichtweisen vorstellende Gesamteinspielung, ebenso vielfältig wie der Werkkatalog selbst. Schnell wird der Hörer gewahr werden, dass es hier nicht um eine rasche (rein) kommerzielle Aufnahme geht, sondern dass alle Akteure sich intensiv mit der Tonsprache und dem Menschen Shostakovich(s) auseinander gesetzt haben. Farbige Nuancen, kräftige Akzente und fließende Übergänge legen die fein gewobenen Strukturen offen, ohne jedoch irgendwann dem im Wege zu stehen, eine atmende, organische Atmosphäre zu erzeugen. Die innere Spannung des Spiels ist famos, fesselnd und prickelnd, wobei der Vortrag stets transparent und nachvollziehbar bleibt. Eine wirklich faszinierende Zusammenstellung, ohne Haken, tadellos!


Violasonaten
Violasonaten
Preis: EUR 18,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brahms für Geist und Sinne, 18. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Violasonaten (Audio CD)
Eigentlich wollte Johannes Brahms gar nicht mehr komponieren, doch als er den Klarinettisten Richard Mühlfeld kennen lernte und von dessen Kunst fasziniert wurde, warf er seinen Entschluss über Bord: Er komponierte sein berühmtes Klarinettentrio und das ebenso bekannte Klarinettenquintett. Doch es gibt noch zartere, fragilere Werke, die Brahms nachmalig schrieb und die immer wieder unter den Tisch fallen. In Wirklichkeit handelt es sich bei den beiden Sonaten op. 120 für Klavier und Klarinette, später nicht minder herausragend für Klavier und Viola arrangiert, um zwei der besten und - der fortschrittlichsten Werke des großen Hamburgers. Hier steht die Stimmung im Vordergrund, nicht die rein musikalische Themenentfaltung, sondern die stimmungsvolle. Nicht umsonst stützte Arnold Schönberg seine These von der Progressivität brahmsscher Kompositionen insbesondere auf diese beiden kammermusikalischen Perlen.

Im Einzelnen steht die erste Sonate in f moll und eröffnet mit einem beinahe halluzinogenen Allegro, das kurz vor Ende versiegt. Weit entspannter ist die Stimmung des idyllischen Adagios, woraufhin der scherzoähnliche dritte Satz die düstere Melancholie des Kopfsatzes wieder heraufbeschwört. Brahms beendet die Sonate mit einem Wechselbad der Gefühle im Schlusssatz.
Die Es Dur Sonate wirkt da auf den ersten Blick viel harmloser, doch schon der mit "amabile" überschriebene Kopfsatz enthält einige schwere, scharfe Sequenzen. Im zweiten Satz verschmilzt Brahms den langsamen Satz mit dem Scherzo, ein Kunstgriff, den er schon in seinem ersten Streichquintett und seiner zweiten Violinsonate angewandt hatte. Das leidenschaftliche, läuternde Allegro appassionato wird von einer andächtigeren Melodie unterbrochen. Auch das Finale ist dreigeteilt, besteht aus einem harmlosen Andante, einem nostalgischen Andante und einer abschließenden, beruhigenden Tranquillo Partie.

Diese Sonaten haben nachfolgende Musikergenerationen fortweg begeistert, und so darf es gewiss nicht wundernehmen, dass die US amerikanische Bratschistin Kim Kashkashian, eine der ehrlichsten Künstlerinnen unserer Zeit, sich unter der Begleitung Robert Levins 1996 daran machte, diese zwei Kleinodien einzuspielen, ganz ungezwungen, wie die Sonaten ja selbst sind, leger und doch einnehmend.
Was dabei herauskam, ist eine der löblichsten Veröffentlichungen der ECM Records der vergangenen Jahre: Natürlich ist die Tonqualität brillant und die Produktgestaltung rundum gelungen; doch besonders die ästhetisch/ künstlerische Durchdringung ist hier der Schlüssel zum Genuss. Kashkashian und Levin musizieren nicht streng oder ängstlich, ihr Zusammenspiel ist sinnlicher Natur, perlend, fließend, farbig, nuancenreich, sinnhaft und unendlich hingebungsvoll. Hier geben sich zwei Menschen, vertreten durch deren Instrumente, ihren Gefühlen hin, erkunden neue Gebiete, setzen Akzente. Dabei bleibt der Vortrag aber stets vollkommen transparent und differenziert.

Fazit: Neben der zeitlosen Einspielung durch Barenboim/ Zukerman die Alternative, die unter die Haut geht und Anteil nehmen lässt...diese Interpretation bleibt in Erinnerung!


Beethoven: Sinfonien Nr. 1-9 (GA)
Beethoven: Sinfonien Nr. 1-9 (GA)

27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit dem Kopf durch den Wand, 17. April 2011
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Rezension bezieht sich auf: Beethoven: Sinfonien Nr. 1-9 (GA) (Audio CD)
Bei der Auswahl eines Zyklus der Beethoven Sinfonien stellt sich für viele vorab zunächst die Frage, welche Art von Einspielung man haben möchte. Nicht mehr zeitgemäß sind sicherlich allzu breite, romantisierende Darbietungen, nicht unbedingt weil sie anachronistisch sind, sondern vielmehr weil sie die Aussage und die Façon dieser Musikmonumente verfälschen. Dennoch halte ich es nicht für zwingend erforderlich, die beethovenschen Sinfonien historisch informiert aufzuführen. Beethovens Musik - und nicht nur seine Sinfonien - sind zeitlos - und ein Orchester mit modernem Instrumentarium, aber beseelt vom Geiste des Wiener Meisters kann genauso herausragende Momente vollbringen wie das Musizieren auf zeitgenössischen Instrumenten.
Günter Wand hat gezeigt, wie es geht. Zusammen mit dem NDR Sinfonieorchester spielte er im hohen Alter in den 80er Jahren sämtliche Beethoven Sinfonien ein. Die Aufnahmequalität der vorliegenden, ansprechend gestalteten Box kann durchweg als tadellos und brillant bezeichnet werden.

Dass Wand in der Regel keine extremen Tempi wählt, zeigt sich bereits in den ersten beiden, immer wieder erfrischenden Sinfonien. Berechtigt respektive einer wahren Flut an Gesamteinspielungen stellt sich die Frage: Kann Wand mit seinem NDR Sinfonieorchester den Stücken noch etwas Neues abgewinnen? Die Antwort lautet ja, indes er in den Kopfsätzen der Erstlinge offenlegt, welch einzigartige Symbiose Beethoven hier zwischen dem Stil seiner Vorbilder Haydn und Mozart sowie seinem schon recht ausgeprägten Stil schaffte.

Der "Eroica" lässt Wand genügend Zeit, um ihre hehre Wirkung voll zu entfalten. Man höre sich nur die Majestät des einleitenden Allegros an. Auch der Trauermarsch an zweiter Stelle wird bei Wand nie versanden. Zudem ist er einiger der wenigen Dirigenten, der es vermag, die Dritte auch nach dem Ende eben dieses Marsches noch "am Leben" zu halten und weiterhin spannend zu gestalten.
Die Vierte wird dank des hervorragenden Orchesterspiels zu einem wahren Genuss. Farbige Nuancen, himmlische Längen im Adagio und differenziert gesetzte Akzente legen dar, dass es sich hier um einen wahren Quell des Einfalls handelt.
Auch die Fünfte ist ein Highlight, voluminös, kräftig und dynamisch wird sie hier dargeboten. Alles ist ständig im Fluss. Die Spannungssteigerung kurz vor Beginn des befreienden Finales ist den Akteuren genial gelungen.
Facettenreichtum, vollkommene Transparenz und perlende Nuancen sind die Markenzeichen der "Pastoralen", der schwierigsten aller Beethoven Sinfonien. Wand lässt sich auf dieses Stück ein und folgt Beethovens Vorschrift, dass innerhalb dieses Werkes keine Bilder entworfen werden sollen, sondern dass solche eher im Kopfe, im Geiste des Hörers zu entstehen haben. Wand verwirklicht dieses Credo, schafft Musik zum Träumen, der es aber gleichzeitig nicht an Geist und Sinn gebricht.
Die Siebente ist die Rhythmischste der Sinfonien, ein wahrer Freudenreigen. Während Wand der Kopfsatz sowie das folgende Allegretto ausgezeichnet glücken, muss der Hörer im wilden Scherzo einen Spannungsabfall infolge des zu mäßigen Tempos hinnehmen. Doch das Finale kann wieder überzeugen.
Wie bei so vielen Gesamteinspielungen stellt auch hier die Achte einen absoluten Höhepunkt dar. Leider hat es noch kein Dirigent vermocht, dem "Gruß an Haydn" den Stellenwert einzuräumen, der ihm gebührt.

Den ultimativen Prüfstein für jedes Orchester und jeden Dirigenten stellt die neunte Sinfonie dar, jenen Gipfelpunkt aller irdischen Kunst. Die Akteure werden hier unterstützt durch Edith Wiens (Sopran), Hildegard Hartwig (Alt), Keith Lewis (Tenor) und Roland Hermann (Bass), begleitet vom Chor der Hamburgischen Staatsoper und dem Chor des Norddeutschen Rundfunks. Wand nimmt die Neunte gelassen, niemals zu schnell, niemals zu langsam, immer genau richtig. Sowohl den dritten Satz, eines der drei großen Adagios Beethovens, als auch das bombastische, zu Tränen rührende Finale beenden diesen Zyklus gebührend, und das nicht zuletzt wegen der einwandfreien gesanglichen Darbietung.

Fazit: Eine großartige Gesamteinspielung, die beste nicht, aber erfrischend neu und geradlinig...


Russische Cellosonaten
Russische Cellosonaten
Preis: EUR 7,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Russian Standard, 13. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Russische Cellosonaten (Audio CD)
Die Cellosonate ist eine relativ junge instrumentale Gattung. Doch besonders in der Romantik genoss sie bei vielen Laien, aber auch Komponisten große Beliebtheit wegen der entrückenden Kantabilität des Cellos. Der "letzte Romantiker", als der Sergei Rachmaninov häufig bezeichnet wird, hinterließ ebenso seine Duftmarke in diesem Genre wie viele große Namen vor ihm.
Seine Cellosonate g moll op. 19 wird oftmals als eines seiner allerbesten Werke angesehen, dieses prächtige Werk, das so typisch für Rachmaninov ist, zeigt er doch hier nahezu alle Facetten seiner Tonsprache, von schroff, abweisend und wild in den Ecksätzen über verspielt im Scherzo bis hin zur beinahe pathetischen Melancholie des Andante.
Fünf weitere, kleinere Stücke für Klavier und Violoncello sind auf dieser Doppel CD versammelt, unter anderem die wundervolle "Vocalise" op. 34,14, eine der vielen Versionen dieses wundervollen Liedes, von denen die vorliegende Version die schlechteste nicht ist...

Ein anderer Russe, Serge Prokofiev (1891-1953), widmete sich erst recht spät dem Cello, begeistert durch den Jahrhundertcellisten Mstislav Rostropovich. Seine Cellosonate C Dur op. 119 ist zweifelsohne eines seiner begeisterndsten Werke. Das Stück eröffnet unkonventionellerweise mit einem paradiesischen Andante. Es folgen zwei verspielte, experimentierende schnellere Sätze, deren Avantgarde in munteres Staunen versetzt.

Die Cellosonate d moll op. 40 Dmitri Shostakovichs (1906-1975) ist dahingehend ein früheres Werk. Hier sind es besonders die Leidenschaft des Kopfsatzes und die Idylle des Largo, die in ihren Bann ziehen. Doch Shostakovich wäre nicht Shostakovich, wenn er nich zumindest im flinken Scherzo oder im aufbrausenden Finale rauere Töne anschlüge.
Das Moderato für Klavier und Cello ist ein kleineres Stück, über dessen Bestimmung sich die Musikwelt nach wie vor unschlüssig ist.
Als Zugabe gibt's zunächst zwei kleine Stücke für Streichquartett, namentlich eine Elegie und eine Polka, frühere Kompositionen aus dem umfangreichen Schaffen des russischen Komponisten auf diesem Gebiet, die bis vor "Kurzem" als verschollen galten.
Außerdem kann sich der Hörer an einer der besten Kammermusiken Shostakovichs erfreuen: seinem Klavierquintett g moll op. 57. Dieses hehre Werk besteht aus fünf Teilen, einem Prelude, einer hinreißenden Fuge, einem derben Scherzo, einem innigen Intermezzo und einem rauschenden Finale. Es kommt selten vor, dass alle Instrumente gleichzeitig spielen. Das Klavier begleitet die Streicher häufig nur spärlich im oberen oder unteren Klangbereich der Klaviatur.

Die vorliegende Einspielung durch den Pianisten Vladimir Ashkenazy, den Cellisten Lynn Harrell sowie das Fitzwilliam String Quartet stammt aus den Jahren 1983-1988 und erfreut sich bester Tonqualität, Decca Qualität eben. Auch auf interpretatorischer Ebene handelt es sich um ein Rezitativ ersten Ranges, das praktisch tadellos ist.
Von der pianistischen Seite her hätte man sich von Ashkenazy durchaus etwas mehr Zug, etwas mehr Eigeninitiative wünschen können, doch die Leistung der Streicher, insbesondere Harrells macht diesen kleinen Makel mehr als wett. Farbig pointiert, fließend nuanciert und kräftig akzentuiert ist deren Vortrag, der stets im Zeichen der Kompositionen steht. Individuelle Momente kommen aber dennoch nicht zu kurz. Zudem ist die vorliegende Einspielung von einer derartigen Transparenz, die die fein gewobenen Linien zum Beispiel der Prokofiev Sonate offenlegt, so dass eben diese zum eigentlichen Highlight dieses rundum gelungenen Albums wird...


Sinfonien 93-104 "Londoner"
Sinfonien 93-104 "Londoner"
Preis: EUR 26,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Österreicher in London..., 12. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sinfonien 93-104 "Londoner" (Audio CD)
Joseph Haydn darauf reduzieren zu wollen, der "Vater der Sinfonie" zu sein, würde seiner ästhetischen Leistung mit Sicherheit nicht gerecht. Er machte die Sinfonie nicht nur zu dem, was sie war und ist, er prägte mit seinen gut 100 Genrebeiträgen diese Instrumentalgattung nachhaltig. Seine eigenen Sinfonien vereinen ein derartiges Maß an künstlerischem Können auf sich und in sich, dass ihre musikgeschichtliche und vor allem musikästhetische Bedeutung gar nicht genügend betont werden kann.
Seine späten zwölf Londoner Sinfonien müssen ohne Frage als der Gipfelpunkt seines sinfonischen Schaffens betrachtet werden. Immerhin begeisterte er mit diesen unermesslichen Kleinodien ein englisches Millionenpublikum, und bis heute haben diese Perlen nichts an Schönheit und Reiz eingebüßt.

Die Londoner Sinfonien bestechen formal durch eine strenge Einheitlichkeit, ohne jedoch in irgendeiner Weise uninspiriert zu wirken. Haydn schrieb sie zwar schnell, aber dennoch gewissenhaft. So eröffnet jede Sinfonie - bis auf eine - ihren Kopfsatz mit einer langsamen Einleitung, die dann unversehens in ein spritziges, espritvolles Allegro mündet.
Der langsame Satz zeichnet sich in der Regel durch sanfte Lyrik und fein geschwungene Melodiebögen aus. Haydn findet hier einige seiner schönsten Motive.
Kraftvoll und dynamisch sind hingegen die Menuette, die der österreichische Komponist noch obligatorisch verwendet. Jedoch emanzipiert er sie zusehends von der tradierten Tempovorschrift Allegretto: Viele seiner Pseudomenuette sind wahre Kostbarkeiten, fein gearbeitet und akribisch ausbalanciert.
Im Finale lässt sich Haydn meist noch einen Überraschungseffekt einfallen - freilich aber nicht nur da. So kommen hier immer wieder Instrumente solistisch zum Vortrag, gipfelnd in einmaligen, wundervollen Cembalosoli.

Als Zugabe gibt's drei frühere Sinfonien, namentlich die Nummern 88, 91 und 98. Auch diese Werke erfreuen den Hörer durch ihre geistreiche Gestaltung und ihren typisch haydnschen Humor, obschon sie, was ihren musikalischen Ausdruck anbelangt, wesentlich anders als die Londoner Sinfonien gestrickt sind.

Die vorliegende Einspielung durch das London Symphony Orchestra, die Berliner Philharmoniker (Nr. 88 und 98) sowie das Radio Symphonie Orchester des Bayerischen Rundfunks (Nr. 91) unter der Leitung von Eugen Jochum genießt seit jeher großes Ansehen, und das zurecht, denn Jochums Herangehensweise ist zwar nicht "historisch informiert", aber dennoch packend, transparent und fesselnd. Das Musizieren im kleinen Ensemble wird den filigranen, teils pittoresken Teilen der Sinfonie gerecht, versagt aber dennoch in den majestätischen Passagen.
Der Orchestervortrag ist innig, farbig und perlend. Kräftige, rhythmische Akzente beweisen, dass Haydn Beethovens Lehrmeister war. Die fließende Interpretation ist voll von Spannung, die den Hörer zu ergreifen vermögen. Auch die Aufnahmequalität kann sich für ihr Alter - 1958 bis 1973 - hören lassen.

Fazit: Eine unvergleichliche Sammlung, die einerseits beweist, welch genialer, zeitloser Komponist Joseph Haydn gewesen ist, und andererseits eindrucksvoll Zeugnis darüber ablegt, dass Eugen Jochum nicht nur ein Bruckner Exeget war...


Gounod - Faust [2 DVDs]
Gounod - Faust [2 DVDs]
DVD ~ Roberto Alagna
Preis: EUR 21,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer war's, der sie ins Verderben stürzte? Ich oder du?, 7. April 2011
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Rezension bezieht sich auf: Gounod - Faust [2 DVDs] (DVD)
Der Stoff, aus dem die Geschichte um den verzweifelten Doktor Faust gemacht ist, hat viele Künstlergenerationen fasziniert. Das zeigt sich schon alleine daran, dass Goethes Meisterwerk nichts weiter als ein Flickwerk älterer Quellen ist. Auch in der Oper hat dieser begeisternde Stoff Einzug gehalten. Die wohl berühmteste Oper zu diesem Thema schrieb der französische Komponist Charles Gounod (1818-1893), wobei er auf ein Libretto von Jules Barbier und Michel Carré zurückgriff. Letzterer lieferte zusammen mit Johannes Wolfgang von Goethe zudem die Textvorlage.
Die Geschichte, die sich in fünf Akte unterteilt, ist schnell erzählt: Faust, seines (Greisen)Lebens überdrüssig, wird vom herbeigerufenen Mephistophélès vom Selbstmord abgehalten und verjüngt. Er durchforscht zusammen mit seinem Untertanen, dessen Dienst er ihm erst im Jenseits vergelten muss, die schnell verrauschten Freuden dieser Welt, bis er auf die schöne Marguerite trifft. Durch des Teufels Ränke umgarnt er die Unschuldige, so dass diese schwanger wird. Nach fünf Monaten hat Faust sein Gretchen verlassen. Diese tut Buße, doch als ihr Bruder Valentin, der aus dem Krieg zurückkehrt, von Faust erstochen wird, verflucht er Gretchen auf ewig. Indessen vergnügt sich Faust mit Mephistophélès auf der Walpurgisnacht. Faust hat Visionen von Gretchen, die wegen des Kindsmords an ihrem eigenen Kinde eingesperrt wurde, sucht sie infolgedessen mit Mephisto im Kerker auf. Doch der Rettungsversuch muss wegen der Unerschütterlichkeit ihres Glaubens und ihres Schuldbewusstseins scheitern.

Die musikalische Umsetzung der vorliegenden Aufnahme von 2004 - hervorragende Bild- und Tonqualität - durch das Orchestra of the Royal Opera House unter der Leitung von Antonio Pappano ist herausragend. Das Spiel ist fließend, farbig und kräftig markiert. Pappano setzt eigenwillige, spannende Akzente, hält den Vortrag aber stets transparent und differenziert. Sein Orchester setzt seine Vorgaben minutiös und fesselnd um. Dabei vergessen die Akteure allerdings nie, dass sie "nur" eine begleitende Funktion einnehmen und den Gesang prächtig untermalen sollen. In wundervollen melodischen Bögen bringen sie die erlesene Musik Gounods eindrucksvoll zu Gehör.
Auch die gesangliche und schauspielerische Leistung ist famos. Roberto Alagna als Faust tritt selbstironisch und ungestüm, dabei aber - genau wie seine literarische Vorlage - psychisch labil und veränderlich auf. Marguerite ist Angela Gheorghiu, deren Leistung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die beste Leistung allerdings vollbringt Bryn Terfel als Mephistophélès. Seine Vielgestaltigkeit, seinen Charakter hat Terfel bestens studiert. Er ersteht während dieser Aufnahme geradezu zum Leibhaftigen daselbst. Der Gesang ist stets glasklar, rein und lauter, vereint dennoch die mannigfachen Gefühlsaudrücke der Oper fantastisch in sich. Begleitet werden die Hauptdarsteller in souveräner Manier von Simon Keenlyside als Valentin, von Sophie Koch als Siebel, von Della Jones als Marthe, von Matthew Rose als Wagner und vom Royal Opera Chorus.
Besondere Beachtung verdient zudem das bombastische, halluzinogene Bühnenbild in klassisch zeitlosem Gewand. Leider ließ sich nicht ausfindig machen, wer dieses Bühnenbild entwarf, jedoch gebührt demjenigen größtes Lob. Mit dieser beinahe monumentalen Aufführung wird bewiesen, dass diese Oper nicht nur von Musik und Gesang allein lebt, denn die erweisen sich beide als recht spröde, sondern von der Symbiose zwischen eben diesen beiden und der Szenerie.

Fazit: Eine tadellose, mehr noch, ausgezeichnete und mitreißende Opernaufführung einer wichtigen Oper!


Komplette Orchesterwerke
Komplette Orchesterwerke
Preis: EUR 29,99

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meilenstein der Barber Diskographie, 6. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Komplette Orchesterwerke (Audio CD)
Der amerikanische Komponist Samuel Barber (1910-1981) ist heute weitest gehend in Vergessenheit geraten, nur sein berühmtes "Adagio for Strings" erfreut sich bis jetzt größter Beliebtheit. Dabei galt Barber nach dem Zweiten Weltkrieg international als einer der gefeierten Komponisten seiner Generation, indes sein Stil sich stark von zeitgenössischer Musik unterschied, die beim Gros des Publikums unverstanden blieb. Doch nachdem seine Oper "Antony and Cleopatra" bei ihrer Erstaufführung gnadenlos durchfiel, zog Barber sich fast vollständig auf sich zurück, komponierte nur noch wenige Stücke und wurde immer unbeliebter.
Die vorliegende Box vereint sämtliche Orchesterwerke des großen Amerikaners plus einige Werke für Orchester und Gesang auf sich. In dieser Hinsicht darf die Leistung der Interpreten durchaus als eine lobenswerte Pionierleistung angesehen werden.

Instrumentale Orchesterwerke: Barbers op. 1 ist seine Serenade für Streichorchester, ein idyllisches, wenngleich zwingendes Werk, das den späteren Meister schon an einigen Stellen erahnen lässt.
Eines der frühen Orchesterwerke ist Barbers Ouvertüre op. 5 "The School for Scandal", ein spritziges, quicklebendiges Werk, das auch aus heutiger Sich noch nachvollziehen lässt, weswegen infolgedessen Barber mehr öffentliches Interesse zuteil wurde.
Die "Music for a Scene from Shelley" op. 7 ist ein tänzerisches, schwärmerisches Stück voller Anmut und Grazie.
Barber schrieb insgesamt zwei Sinfonien, die erste op. 9 sozusagen in einem Satz, ein ungestümes, streckenweit geheimnisvolles Werk, die zweite op. 19 dreisätzig, schwer zugänglich und teilweise regelrecht brutal. Folglich ist Barbers Erstling bis heute beliebter als die verschlüsselte zweite Sinfonie.
Auf keiner Zusammenstellung mit Orchesterwerken Samuel Barbers darf natürlich sein nahezu elysisches "Adagio for Strings" fehlen. Dabei handelt es sich hier nur um ein Arrangement des langsamen Satzes aus seinem Streichquartett op. 11. Doch die Tiefsinnigkeit dieser Reihe von unvergesslichen Augenblicken berührt den Hörer jedes Mal.
Zu den besten Werken des Amerikaners zählen seine drei Essays für Orchester opp. 12, 17 und 47. Während der erste vor Kraft und Vitalität sprudelt, gilt der zweite gemeinhin als der beste weil konzentrierteste. Barber entwickelt hier aus wenigen Themenmotiven eine ganze Fülle an herrlichen Klängen. Der dritte Essay ist ein ausgesprochenes Spätwerk, das voll verschlüsselter Harmonik steckt.
Eines der Schlüsselwerke im Schaffen Barbers ist sein Ballett "Medea", zu dem er 1947 eine Ballettsuite op. 23 entwarf. Die ausgeklügelte Kompositionstechnik und die Tiefe des Ausdrucks verleihen dem Werk etwas Magisches und zugleich Entrückendes. Da nimmt es nicht wunder, dass Barber "Medea's Meditation and Dance of Vengeance" op. 29a eigens veröffentlichte.
Eine weitere, pittoreske Ballettsuite schrieb Barber mit op. 28, den "Souvenirs". Es handelt sich hierbei um eine Reihe beinahe impressionistischer Tänze, die eine schwelgerische Stimmung erzeugen.
Die "Toccata Festiva" op. 36 für Orgel und Orchester ist ein hehres, majestätisches Stück voller Leidenschaft und Inbrunst.
Das Stück "Die Natali" op. 37 ist ein sinfonischer Variationszyklus über "Silent Night, Holy Night" und besticht durch seine kontemplative Stimmung.
Ein Gelegenheitswerk ist der Commando March für Blasorchester, der als Ermunterung für die amerikanischen Soldaten des Zweiten Weltkrieges geschrieben wurde.
Die "Mutations from Bach", das Intermezzo aus "Vanessa" sowie das "Fadograph of a Yestern Scene" sind allesamt Spätwerke, deren musikalischer Ausdruck bis zum letzten konzentriert ist. Es ist nicht einfach, diese erlesenen Stücke zu durchdringen.

Konzertwerke: Das berühmteste Konzertwerk Barbers ist sein Violinkonzert op. 14. Begründet wird dieser Ruhm auf dem feurigen, einprägsamen Finale in Form eines perpetuum mobile. Aber auch der komplexe Kopfsatz und das wundervolle Andante haben ihre Reize.
Das Cellokonzert op. 22 ist ein schroffes, auf den Hörer zunächst abweisendes Werk, das seine intimen Seiten insbesondere im Andante zur Schau stellt. Hier vereint Barber höchsten künstlerischen Anspruch mit wilder, teils fingerbrechender Akrobatik.
Ein bedeutendes Spätwerk des amerikanischen Komponisten ist sein herrliches Klavierkonzert. Eine bezaubernde Canzone wird von ungestümen, einnehmenden Ecksätzen eingerahmt.
Als Gelegenheitswerk kann das fröhliche "Capricorn Concerto" für Flöte, Oboe, Trompete und Orchester eingestuft werden. Dennoch darf die künstlerische Qualität dieses Stückes nicht kleingeredet werden.
In seiner Abgeschiedenheit an seinem Lebensende komponierte Barber außerdem die Canzonetta für Oboe und Streicher, ein Fragment eines nie vollendeten Instrumentalkonzertes. Das Relikt bringt die Melancholie und seelische Niedergeschlagenheit des Amerikaners in ergreifenden Klängen zum Ausdruck

Orchesterwerke mit Gesang: Eines der besten Werke Barbers ist sein Stück "Knoxville - Summer of 1915" op. 24 für Sopran und Orchester. Die Symbiose zwischen Orchester und Gesang ist dem Komponisten hier voll und ganz gelungen, er schafft ein zeitloses, melancholisches Idyll voller Innigkeit und Wärme.
"A Hand of Bridge" ist eine Oper en miniature. Sie gibt die Geschehnisse und Gedankenwelten während einer Partie Bridge in faszinierenden Bildern wieder.

Die vorliegende Einspielung durch das Royal Scottish National Orchestra unter der Leitung einer der wenigen Dirigentinnen unserer Zeit, Marin Alsop, darf als beispiellose Pioniertat betrachtet werden. Unterstützt durch weniger namhafte Solisten zelebrieren die Akteure mit dem Hörer ein wahres Fest der Musik. Schnell merkt man, dass es sich nicht nur um irgendeine Gesamteinspielung handelt, sondern dass sich alle Beteiligten intensiv mit der sehr individuellen Tonsprache Samuel Barbers auseinander gesetzt haben.
Die wundervoll farbenprächtigen Stücke werden authentisch wiedergegeben. Alsop wählt dafür in der Regel recht flotte Tempi und lädt die Interpretation somit mit einem Gros an Spannung auf. Perlende Nuancen und prächtige Schattierungen stehen der vollkommenen Transparenz des Vortrags niemals im Wege, indes einige Kompositionen des Amerikaners durchaus als schwere Kost zu bezeichnen sind.

Fazit: Es handelt sich hier nicht um eine weitere Box, die eventuell das CD Regal verstopft, sondern um eine wahre Bereicherung, ja, eine essentielle Übersicht über die Orchesterwerke des vernachlässigten Amerikaners!


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