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Rezensionen verfasst von
Andre Arnold "Lateingott" (Rödental, Bayern)
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Violasonaten
Violasonaten
Preis: EUR 21,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brahms für Geist und Sinne, 18. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Violasonaten (Audio CD)
Eigentlich wollte Johannes Brahms gar nicht mehr komponieren, doch als er den Klarinettisten Richard Mühlfeld kennen lernte und von dessen Kunst fasziniert wurde, warf er seinen Entschluss über Bord: Er komponierte sein berühmtes Klarinettentrio und das ebenso bekannte Klarinettenquintett. Doch es gibt noch zartere, fragilere Werke, die Brahms nachmalig schrieb und die immer wieder unter den Tisch fallen. In Wirklichkeit handelt es sich bei den beiden Sonaten op. 120 für Klavier und Klarinette, später nicht minder herausragend für Klavier und Viola arrangiert, um zwei der besten und - der fortschrittlichsten Werke des großen Hamburgers. Hier steht die Stimmung im Vordergrund, nicht die rein musikalische Themenentfaltung, sondern die stimmungsvolle. Nicht umsonst stützte Arnold Schönberg seine These von der Progressivität brahmsscher Kompositionen insbesondere auf diese beiden kammermusikalischen Perlen.

Im Einzelnen steht die erste Sonate in f moll und eröffnet mit einem beinahe halluzinogenen Allegro, das kurz vor Ende versiegt. Weit entspannter ist die Stimmung des idyllischen Adagios, woraufhin der scherzoähnliche dritte Satz die düstere Melancholie des Kopfsatzes wieder heraufbeschwört. Brahms beendet die Sonate mit einem Wechselbad der Gefühle im Schlusssatz.
Die Es Dur Sonate wirkt da auf den ersten Blick viel harmloser, doch schon der mit "amabile" überschriebene Kopfsatz enthält einige schwere, scharfe Sequenzen. Im zweiten Satz verschmilzt Brahms den langsamen Satz mit dem Scherzo, ein Kunstgriff, den er schon in seinem ersten Streichquintett und seiner zweiten Violinsonate angewandt hatte. Das leidenschaftliche, läuternde Allegro appassionato wird von einer andächtigeren Melodie unterbrochen. Auch das Finale ist dreigeteilt, besteht aus einem harmlosen Andante, einem nostalgischen Andante und einer abschließenden, beruhigenden Tranquillo Partie.

Diese Sonaten haben nachfolgende Musikergenerationen fortweg begeistert, und so darf es gewiss nicht wundernehmen, dass die US amerikanische Bratschistin Kim Kashkashian, eine der ehrlichsten Künstlerinnen unserer Zeit, sich unter der Begleitung Robert Levins 1996 daran machte, diese zwei Kleinodien einzuspielen, ganz ungezwungen, wie die Sonaten ja selbst sind, leger und doch einnehmend.
Was dabei herauskam, ist eine der löblichsten Veröffentlichungen der ECM Records der vergangenen Jahre: Natürlich ist die Tonqualität brillant und die Produktgestaltung rundum gelungen; doch besonders die ästhetisch/ künstlerische Durchdringung ist hier der Schlüssel zum Genuss. Kashkashian und Levin musizieren nicht streng oder ängstlich, ihr Zusammenspiel ist sinnlicher Natur, perlend, fließend, farbig, nuancenreich, sinnhaft und unendlich hingebungsvoll. Hier geben sich zwei Menschen, vertreten durch deren Instrumente, ihren Gefühlen hin, erkunden neue Gebiete, setzen Akzente. Dabei bleibt der Vortrag aber stets vollkommen transparent und differenziert.

Fazit: Neben der zeitlosen Einspielung durch Barenboim/ Zukerman die Alternative, die unter die Haut geht und Anteil nehmen lässt...diese Interpretation bleibt in Erinnerung!


Beethoven: Sinfonien Nr. 1-9 (GA)
Beethoven: Sinfonien Nr. 1-9 (GA)
Preis: EUR 23,12

23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit dem Kopf durch den Wand, 17. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beethoven: Sinfonien Nr. 1-9 (GA) (Audio CD)
Bei der Auswahl eines Zyklus der Beethoven Sinfonien stellt sich für viele vorab zunächst die Frage, welche Art von Einspielung man haben möchte. Nicht mehr zeitgemäß sind sicherlich allzu breite, romantisierende Darbietungen, nicht unbedingt weil sie anachronistisch sind, sondern vielmehr weil sie die Aussage und die Façon dieser Musikmonumente verfälschen. Dennoch halte ich es nicht für zwingend erforderlich, die beethovenschen Sinfonien historisch informiert aufzuführen. Beethovens Musik - und nicht nur seine Sinfonien - sind zeitlos - und ein Orchester mit modernem Instrumentarium, aber beseelt vom Geiste des Wiener Meisters kann genauso herausragende Momente vollbringen wie das Musizieren auf zeitgenössischen Instrumenten.
Günter Wand hat gezeigt, wie es geht. Zusammen mit dem NDR Sinfonieorchester spielte er im hohen Alter in den 80er Jahren sämtliche Beethoven Sinfonien ein. Die Aufnahmequalität der vorliegenden, ansprechend gestalteten Box kann durchweg als tadellos und brillant bezeichnet werden.

Dass Wand in der Regel keine extremen Tempi wählt, zeigt sich bereits in den ersten beiden, immer wieder erfrischenden Sinfonien. Berechtigt respektive einer wahren Flut an Gesamteinspielungen stellt sich die Frage: Kann Wand mit seinem NDR Sinfonieorchester den Stücken noch etwas Neues abgewinnen? Die Antwort lautet ja, indes er in den Kopfsätzen der Erstlinge offenlegt, welch einzigartige Symbiose Beethoven hier zwischen dem Stil seiner Vorbilder Haydn und Mozart sowie seinem schon recht ausgeprägten Stil schaffte.

Der "Eroica" lässt Wand genügend Zeit, um ihre hehre Wirkung voll zu entfalten. Man höre sich nur die Majestät des einleitenden Allegros an. Auch der Trauermarsch an zweiter Stelle wird bei Wand nie versanden. Zudem ist er einiger der wenigen Dirigenten, der es vermag, die Dritte auch nach dem Ende eben dieses Marsches noch "am Leben" zu halten und weiterhin spannend zu gestalten.
Die Vierte wird dank des hervorragenden Orchesterspiels zu einem wahren Genuss. Farbige Nuancen, himmlische Längen im Adagio und differenziert gesetzte Akzente legen dar, dass es sich hier um einen wahren Quell des Einfalls handelt.
Auch die Fünfte ist ein Highlight, voluminös, kräftig und dynamisch wird sie hier dargeboten. Alles ist ständig im Fluss. Die Spannungssteigerung kurz vor Beginn des befreienden Finales ist den Akteuren genial gelungen.
Facettenreichtum, vollkommene Transparenz und perlende Nuancen sind die Markenzeichen der "Pastoralen", der schwierigsten aller Beethoven Sinfonien. Wand lässt sich auf dieses Stück ein und folgt Beethovens Vorschrift, dass innerhalb dieses Werkes keine Bilder entworfen werden sollen, sondern dass solche eher im Kopfe, im Geiste des Hörers zu entstehen haben. Wand verwirklicht dieses Credo, schafft Musik zum Träumen, der es aber gleichzeitig nicht an Geist und Sinn gebricht.
Die Siebente ist die Rhythmischste der Sinfonien, ein wahrer Freudenreigen. Während Wand der Kopfsatz sowie das folgende Allegretto ausgezeichnet glücken, muss der Hörer im wilden Scherzo einen Spannungsabfall infolge des zu mäßigen Tempos hinnehmen. Doch das Finale kann wieder überzeugen.
Wie bei so vielen Gesamteinspielungen stellt auch hier die Achte einen absoluten Höhepunkt dar. Leider hat es noch kein Dirigent vermocht, dem "Gruß an Haydn" den Stellenwert einzuräumen, der ihm gebührt.

Den ultimativen Prüfstein für jedes Orchester und jeden Dirigenten stellt die neunte Sinfonie dar, jenen Gipfelpunkt aller irdischen Kunst. Die Akteure werden hier unterstützt durch Edith Wiens (Sopran), Hildegard Hartwig (Alt), Keith Lewis (Tenor) und Roland Hermann (Bass), begleitet vom Chor der Hamburgischen Staatsoper und dem Chor des Norddeutschen Rundfunks. Wand nimmt die Neunte gelassen, niemals zu schnell, niemals zu langsam, immer genau richtig. Sowohl den dritten Satz, eines der drei großen Adagios Beethovens, als auch das bombastische, zu Tränen rührende Finale beenden diesen Zyklus gebührend, und das nicht zuletzt wegen der einwandfreien gesanglichen Darbietung.

Fazit: Eine großartige Gesamteinspielung, die beste nicht, aber erfrischend neu und geradlinig...


Russische Cellosonaten
Russische Cellosonaten
Preis: EUR 13,97

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Russian Standard, 13. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Russische Cellosonaten (Audio CD)
Die Cellosonate ist eine relativ junge instrumentale Gattung. Doch besonders in der Romantik genoss sie bei vielen Laien, aber auch Komponisten große Beliebtheit wegen der entrückenden Kantabilität des Cellos. Der "letzte Romantiker", als der Sergei Rachmaninov häufig bezeichnet wird, hinterließ ebenso seine Duftmarke in diesem Genre wie viele große Namen vor ihm.
Seine Cellosonate g moll op. 19 wird oftmals als eines seiner allerbesten Werke angesehen, dieses prächtige Werk, das so typisch für Rachmaninov ist, zeigt er doch hier nahezu alle Facetten seiner Tonsprache, von schroff, abweisend und wild in den Ecksätzen über verspielt im Scherzo bis hin zur beinahe pathetischen Melancholie des Andante.
Fünf weitere, kleinere Stücke für Klavier und Violoncello sind auf dieser Doppel CD versammelt, unter anderem die wundervolle "Vocalise" op. 34,14, eine der vielen Versionen dieses wundervollen Liedes, von denen die vorliegende Version die schlechteste nicht ist...

Ein anderer Russe, Serge Prokofiev (1891-1953), widmete sich erst recht spät dem Cello, begeistert durch den Jahrhundertcellisten Mstislav Rostropovich. Seine Cellosonate C Dur op. 119 ist zweifelsohne eines seiner begeisterndsten Werke. Das Stück eröffnet unkonventionellerweise mit einem paradiesischen Andante. Es folgen zwei verspielte, experimentierende schnellere Sätze, deren Avantgarde in munteres Staunen versetzt.

Die Cellosonate d moll op. 40 Dmitri Shostakovichs (1906-1975) ist dahingehend ein früheres Werk. Hier sind es besonders die Leidenschaft des Kopfsatzes und die Idylle des Largo, die in ihren Bann ziehen. Doch Shostakovich wäre nicht Shostakovich, wenn er nich zumindest im flinken Scherzo oder im aufbrausenden Finale rauere Töne anschlüge.
Das Moderato für Klavier und Cello ist ein kleineres Stück, über dessen Bestimmung sich die Musikwelt nach wie vor unschlüssig ist.
Als Zugabe gibt's zunächst zwei kleine Stücke für Streichquartett, namentlich eine Elegie und eine Polka, frühere Kompositionen aus dem umfangreichen Schaffen des russischen Komponisten auf diesem Gebiet, die bis vor "Kurzem" als verschollen galten.
Außerdem kann sich der Hörer an einer der besten Kammermusiken Shostakovichs erfreuen: seinem Klavierquintett g moll op. 57. Dieses hehre Werk besteht aus fünf Teilen, einem Prelude, einer hinreißenden Fuge, einem derben Scherzo, einem innigen Intermezzo und einem rauschenden Finale. Es kommt selten vor, dass alle Instrumente gleichzeitig spielen. Das Klavier begleitet die Streicher häufig nur spärlich im oberen oder unteren Klangbereich der Klaviatur.

Die vorliegende Einspielung durch den Pianisten Vladimir Ashkenazy, den Cellisten Lynn Harrell sowie das Fitzwilliam String Quartet stammt aus den Jahren 1983-1988 und erfreut sich bester Tonqualität, Decca Qualität eben. Auch auf interpretatorischer Ebene handelt es sich um ein Rezitativ ersten Ranges, das praktisch tadellos ist.
Von der pianistischen Seite her hätte man sich von Ashkenazy durchaus etwas mehr Zug, etwas mehr Eigeninitiative wünschen können, doch die Leistung der Streicher, insbesondere Harrells macht diesen kleinen Makel mehr als wett. Farbig pointiert, fließend nuanciert und kräftig akzentuiert ist deren Vortrag, der stets im Zeichen der Kompositionen steht. Individuelle Momente kommen aber dennoch nicht zu kurz. Zudem ist die vorliegende Einspielung von einer derartigen Transparenz, die die fein gewobenen Linien zum Beispiel der Prokofiev Sonate offenlegt, so dass eben diese zum eigentlichen Highlight dieses rundum gelungenen Albums wird...


Sinfonien 93-104 "Londoner"
Sinfonien 93-104 "Londoner"
Preis: EUR 22,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Österreicher in London..., 12. April 2011
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Rezension bezieht sich auf: Sinfonien 93-104 "Londoner" (Audio CD)
Joseph Haydn darauf reduzieren zu wollen, der "Vater der Sinfonie" zu sein, würde seiner ästhetischen Leistung mit Sicherheit nicht gerecht. Er machte die Sinfonie nicht nur zu dem, was sie war und ist, er prägte mit seinen gut 100 Genrebeiträgen diese Instrumentalgattung nachhaltig. Seine eigenen Sinfonien vereinen ein derartiges Maß an künstlerischem Können auf sich und in sich, dass ihre musikgeschichtliche und vor allem musikästhetische Bedeutung gar nicht genügend betont werden kann.
Seine späten zwölf Londoner Sinfonien müssen ohne Frage als der Gipfelpunkt seines sinfonischen Schaffens betrachtet werden. Immerhin begeisterte er mit diesen unermesslichen Kleinodien ein englisches Millionenpublikum, und bis heute haben diese Perlen nichts an Schönheit und Reiz eingebüßt.

Die Londoner Sinfonien bestechen formal durch eine strenge Einheitlichkeit, ohne jedoch in irgendeiner Weise uninspiriert zu wirken. Haydn schrieb sie zwar schnell, aber dennoch gewissenhaft. So eröffnet jede Sinfonie - bis auf eine - ihren Kopfsatz mit einer langsamen Einleitung, die dann unversehens in ein spritziges, espritvolles Allegro mündet.
Der langsame Satz zeichnet sich in der Regel durch sanfte Lyrik und fein geschwungene Melodiebögen aus. Haydn findet hier einige seiner schönsten Motive.
Kraftvoll und dynamisch sind hingegen die Menuette, die der österreichische Komponist noch obligatorisch verwendet. Jedoch emanzipiert er sie zusehends von der tradierten Tempovorschrift Allegretto: Viele seiner Pseudomenuette sind wahre Kostbarkeiten, fein gearbeitet und akribisch ausbalanciert.
Im Finale lässt sich Haydn meist noch einen Überraschungseffekt einfallen - freilich aber nicht nur da. So kommen hier immer wieder Instrumente solistisch zum Vortrag, gipfelnd in einmaligen, wundervollen Cembalosoli.

Als Zugabe gibt's drei frühere Sinfonien, namentlich die Nummern 88, 91 und 98. Auch diese Werke erfreuen den Hörer durch ihre geistreiche Gestaltung und ihren typisch haydnschen Humor, obschon sie, was ihren musikalischen Ausdruck anbelangt, wesentlich anders als die Londoner Sinfonien gestrickt sind.

Die vorliegende Einspielung durch das London Symphony Orchestra, die Berliner Philharmoniker (Nr. 88 und 98) sowie das Radio Symphonie Orchester des Bayerischen Rundfunks (Nr. 91) unter der Leitung von Eugen Jochum genießt seit jeher großes Ansehen, und das zurecht, denn Jochums Herangehensweise ist zwar nicht "historisch informiert", aber dennoch packend, transparent und fesselnd. Das Musizieren im kleinen Ensemble wird den filigranen, teils pittoresken Teilen der Sinfonie gerecht, versagt aber dennoch in den majestätischen Passagen.
Der Orchestervortrag ist innig, farbig und perlend. Kräftige, rhythmische Akzente beweisen, dass Haydn Beethovens Lehrmeister war. Die fließende Interpretation ist voll von Spannung, die den Hörer zu ergreifen vermögen. Auch die Aufnahmequalität kann sich für ihr Alter - 1958 bis 1973 - hören lassen.

Fazit: Eine unvergleichliche Sammlung, die einerseits beweist, welch genialer, zeitloser Komponist Joseph Haydn gewesen ist, und andererseits eindrucksvoll Zeugnis darüber ablegt, dass Eugen Jochum nicht nur ein Bruckner Exeget war...


Gounod - Faust [2 DVDs]
Gounod - Faust [2 DVDs]
DVD ~ Roberto Alagna
Preis: EUR 24,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer war's, der sie ins Verderben stürzte? Ich oder du?, 7. April 2011
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Rezension bezieht sich auf: Gounod - Faust [2 DVDs] (DVD)
Der Stoff, aus dem die Geschichte um den verzweifelten Doktor Faust gemacht ist, hat viele Künstlergenerationen fasziniert. Das zeigt sich schon alleine daran, dass Goethes Meisterwerk nichts weiter als ein Flickwerk älterer Quellen ist. Auch in der Oper hat dieser begeisternde Stoff Einzug gehalten. Die wohl berühmteste Oper zu diesem Thema schrieb der französische Komponist Charles Gounod (1818-1893), wobei er auf ein Libretto von Jules Barbier und Michel Carré zurückgriff. Letzterer lieferte zusammen mit Johannes Wolfgang von Goethe zudem die Textvorlage.
Die Geschichte, die sich in fünf Akte unterteilt, ist schnell erzählt: Faust, seines (Greisen)Lebens überdrüssig, wird vom herbeigerufenen Mephistophélès vom Selbstmord abgehalten und verjüngt. Er durchforscht zusammen mit seinem Untertanen, dessen Dienst er ihm erst im Jenseits vergelten muss, die schnell verrauschten Freuden dieser Welt, bis er auf die schöne Marguerite trifft. Durch des Teufels Ränke umgarnt er die Unschuldige, so dass diese schwanger wird. Nach fünf Monaten hat Faust sein Gretchen verlassen. Diese tut Buße, doch als ihr Bruder Valentin, der aus dem Krieg zurückkehrt, von Faust erstochen wird, verflucht er Gretchen auf ewig. Indessen vergnügt sich Faust mit Mephistophélès auf der Walpurgisnacht. Faust hat Visionen von Gretchen, die wegen des Kindsmords an ihrem eigenen Kinde eingesperrt wurde, sucht sie infolgedessen mit Mephisto im Kerker auf. Doch der Rettungsversuch muss wegen der Unerschütterlichkeit ihres Glaubens und ihres Schuldbewusstseins scheitern.

Die musikalische Umsetzung der vorliegenden Aufnahme von 2004 - hervorragende Bild- und Tonqualität - durch das Orchestra of the Royal Opera House unter der Leitung von Antonio Pappano ist herausragend. Das Spiel ist fließend, farbig und kräftig markiert. Pappano setzt eigenwillige, spannende Akzente, hält den Vortrag aber stets transparent und differenziert. Sein Orchester setzt seine Vorgaben minutiös und fesselnd um. Dabei vergessen die Akteure allerdings nie, dass sie "nur" eine begleitende Funktion einnehmen und den Gesang prächtig untermalen sollen. In wundervollen melodischen Bögen bringen sie die erlesene Musik Gounods eindrucksvoll zu Gehör.
Auch die gesangliche und schauspielerische Leistung ist famos. Roberto Alagna als Faust tritt selbstironisch und ungestüm, dabei aber - genau wie seine literarische Vorlage - psychisch labil und veränderlich auf. Marguerite ist Angela Gheorghiu, deren Leistung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die beste Leistung allerdings vollbringt Bryn Terfel als Mephistophélès. Seine Vielgestaltigkeit, seinen Charakter hat Terfel bestens studiert. Er ersteht während dieser Aufnahme geradezu zum Leibhaftigen daselbst. Der Gesang ist stets glasklar, rein und lauter, vereint dennoch die mannigfachen Gefühlsaudrücke der Oper fantastisch in sich. Begleitet werden die Hauptdarsteller in souveräner Manier von Simon Keenlyside als Valentin, von Sophie Koch als Siebel, von Della Jones als Marthe, von Matthew Rose als Wagner und vom Royal Opera Chorus.
Besondere Beachtung verdient zudem das bombastische, halluzinogene Bühnenbild in klassisch zeitlosem Gewand. Leider ließ sich nicht ausfindig machen, wer dieses Bühnenbild entwarf, jedoch gebührt demjenigen größtes Lob. Mit dieser beinahe monumentalen Aufführung wird bewiesen, dass diese Oper nicht nur von Musik und Gesang allein lebt, denn die erweisen sich beide als recht spröde, sondern von der Symbiose zwischen eben diesen beiden und der Szenerie.

Fazit: Eine tadellose, mehr noch, ausgezeichnete und mitreißende Opernaufführung einer wichtigen Oper!


Komplette Orchesterwerke
Komplette Orchesterwerke
Preis: EUR 32,99

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meilenstein der Barber Diskographie, 6. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Komplette Orchesterwerke (Audio CD)
Der amerikanische Komponist Samuel Barber (1910-1981) ist heute weitest gehend in Vergessenheit geraten, nur sein berühmtes "Adagio for Strings" erfreut sich bis jetzt größter Beliebtheit. Dabei galt Barber nach dem Zweiten Weltkrieg international als einer der gefeierten Komponisten seiner Generation, indes sein Stil sich stark von zeitgenössischer Musik unterschied, die beim Gros des Publikums unverstanden blieb. Doch nachdem seine Oper "Antony and Cleopatra" bei ihrer Erstaufführung gnadenlos durchfiel, zog Barber sich fast vollständig auf sich zurück, komponierte nur noch wenige Stücke und wurde immer unbeliebter.
Die vorliegende Box vereint sämtliche Orchesterwerke des großen Amerikaners plus einige Werke für Orchester und Gesang auf sich. In dieser Hinsicht darf die Leistung der Interpreten durchaus als eine lobenswerte Pionierleistung angesehen werden.

Instrumentale Orchesterwerke: Barbers op. 1 ist seine Serenade für Streichorchester, ein idyllisches, wenngleich zwingendes Werk, das den späteren Meister schon an einigen Stellen erahnen lässt.
Eines der frühen Orchesterwerke ist Barbers Ouvertüre op. 5 "The School for Scandal", ein spritziges, quicklebendiges Werk, das auch aus heutiger Sich noch nachvollziehen lässt, weswegen infolgedessen Barber mehr öffentliches Interesse zuteil wurde.
Die "Music for a Scene from Shelley" op. 7 ist ein tänzerisches, schwärmerisches Stück voller Anmut und Grazie.
Barber schrieb insgesamt zwei Sinfonien, die erste op. 9 sozusagen in einem Satz, ein ungestümes, streckenweit geheimnisvolles Werk, die zweite op. 19 dreisätzig, schwer zugänglich und teilweise regelrecht brutal. Folglich ist Barbers Erstling bis heute beliebter als die verschlüsselte zweite Sinfonie.
Auf keiner Zusammenstellung mit Orchesterwerken Samuel Barbers darf natürlich sein nahezu elysisches "Adagio for Strings" fehlen. Dabei handelt es sich hier nur um ein Arrangement des langsamen Satzes aus seinem Streichquartett op. 11. Doch die Tiefsinnigkeit dieser Reihe von unvergesslichen Augenblicken berührt den Hörer jedes Mal.
Zu den besten Werken des Amerikaners zählen seine drei Essays für Orchester opp. 12, 17 und 47. Während der erste vor Kraft und Vitalität sprudelt, gilt der zweite gemeinhin als der beste weil konzentrierteste. Barber entwickelt hier aus wenigen Themenmotiven eine ganze Fülle an herrlichen Klängen. Der dritte Essay ist ein ausgesprochenes Spätwerk, das voll verschlüsselter Harmonik steckt.
Eines der Schlüsselwerke im Schaffen Barbers ist sein Ballett "Medea", zu dem er 1947 eine Ballettsuite op. 23 entwarf. Die ausgeklügelte Kompositionstechnik und die Tiefe des Ausdrucks verleihen dem Werk etwas Magisches und zugleich Entrückendes. Da nimmt es nicht wunder, dass Barber "Medea's Meditation and Dance of Vengeance" op. 29a eigens veröffentlichte.
Eine weitere, pittoreske Ballettsuite schrieb Barber mit op. 28, den "Souvenirs". Es handelt sich hierbei um eine Reihe beinahe impressionistischer Tänze, die eine schwelgerische Stimmung erzeugen.
Die "Toccata Festiva" op. 36 für Orgel und Orchester ist ein hehres, majestätisches Stück voller Leidenschaft und Inbrunst.
Das Stück "Die Natali" op. 37 ist ein sinfonischer Variationszyklus über "Silent Night, Holy Night" und besticht durch seine kontemplative Stimmung.
Ein Gelegenheitswerk ist der Commando March für Blasorchester, der als Ermunterung für die amerikanischen Soldaten des Zweiten Weltkrieges geschrieben wurde.
Die "Mutations from Bach", das Intermezzo aus "Vanessa" sowie das "Fadograph of a Yestern Scene" sind allesamt Spätwerke, deren musikalischer Ausdruck bis zum letzten konzentriert ist. Es ist nicht einfach, diese erlesenen Stücke zu durchdringen.

Konzertwerke: Das berühmteste Konzertwerk Barbers ist sein Violinkonzert op. 14. Begründet wird dieser Ruhm auf dem feurigen, einprägsamen Finale in Form eines perpetuum mobile. Aber auch der komplexe Kopfsatz und das wundervolle Andante haben ihre Reize.
Das Cellokonzert op. 22 ist ein schroffes, auf den Hörer zunächst abweisendes Werk, das seine intimen Seiten insbesondere im Andante zur Schau stellt. Hier vereint Barber höchsten künstlerischen Anspruch mit wilder, teils fingerbrechender Akrobatik.
Ein bedeutendes Spätwerk des amerikanischen Komponisten ist sein herrliches Klavierkonzert. Eine bezaubernde Canzone wird von ungestümen, einnehmenden Ecksätzen eingerahmt.
Als Gelegenheitswerk kann das fröhliche "Capricorn Concerto" für Flöte, Oboe, Trompete und Orchester eingestuft werden. Dennoch darf die künstlerische Qualität dieses Stückes nicht kleingeredet werden.
In seiner Abgeschiedenheit an seinem Lebensende komponierte Barber außerdem die Canzonetta für Oboe und Streicher, ein Fragment eines nie vollendeten Instrumentalkonzertes. Das Relikt bringt die Melancholie und seelische Niedergeschlagenheit des Amerikaners in ergreifenden Klängen zum Ausdruck

Orchesterwerke mit Gesang: Eines der besten Werke Barbers ist sein Stück "Knoxville - Summer of 1915" op. 24 für Sopran und Orchester. Die Symbiose zwischen Orchester und Gesang ist dem Komponisten hier voll und ganz gelungen, er schafft ein zeitloses, melancholisches Idyll voller Innigkeit und Wärme.
"A Hand of Bridge" ist eine Oper en miniature. Sie gibt die Geschehnisse und Gedankenwelten während einer Partie Bridge in faszinierenden Bildern wieder.

Die vorliegende Einspielung durch das Royal Scottish National Orchestra unter der Leitung einer der wenigen Dirigentinnen unserer Zeit, Marin Alsop, darf als beispiellose Pioniertat betrachtet werden. Unterstützt durch weniger namhafte Solisten zelebrieren die Akteure mit dem Hörer ein wahres Fest der Musik. Schnell merkt man, dass es sich nicht nur um irgendeine Gesamteinspielung handelt, sondern dass sich alle Beteiligten intensiv mit der sehr individuellen Tonsprache Samuel Barbers auseinander gesetzt haben.
Die wundervoll farbenprächtigen Stücke werden authentisch wiedergegeben. Alsop wählt dafür in der Regel recht flotte Tempi und lädt die Interpretation somit mit einem Gros an Spannung auf. Perlende Nuancen und prächtige Schattierungen stehen der vollkommenen Transparenz des Vortrags niemals im Wege, indes einige Kompositionen des Amerikaners durchaus als schwere Kost zu bezeichnen sind.

Fazit: Es handelt sich hier nicht um eine weitere Box, die eventuell das CD Regal verstopft, sondern um eine wahre Bereicherung, ja, eine essentielle Übersicht über die Orchesterwerke des vernachlässigten Amerikaners!


Streichoktette &-Septette
Streichoktette &-Septette
Preis: EUR 15,75

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eins und Alles, 1. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Streichoktette &-Septette (Audio CD)
Das Genie eines großen Komponisten offenbart sich unter anderem darin, dass er Gattungen, die wenig Beachtung genießen oder in denen es geradezu einen Kehraus gibt, auf ein bis dato unbekanntes Niveau hievt. Ludwig van Beethovens Septett Es Dur für Streicher und Bläser ist zweifelsohne ein derartiges Werk, das ihn als den vielleicht bedeutendsten Komponisten aller Zeiten ausweist. In diesem frühen Stück findet er einige seiner schönsten Melodien. Die Anlage hingegen ist traditionell in Form einer Serenade gehalten. Schon der Kopfsatz mit seiner langsamen Einleitung zeigt Beethoven von seiner besten Seite. Von besonderer Eleganz und Schönheit ist das Adagio des zweiten Satzes. Zwischen einem Menuett und einem Scherzo steht an fünfter Stelle das eigentliche Highlight des Werkes, der Variationssatz, in dem der Komponist beweist, welch subtiles Gespür er für ausgewogene Instrumentationen hatte. Das Finale eröffnet mit einem Freudenmarsch und feiert anschließend ein feuriges Fest mit dem Zuhörer.
Ein weiteres frühes Werk ausschließlich für Bläser ist das Oktett Es Dur, das Beethoven erst sehr spät unter der irreführend hohen Opusnummer 103 veröffentlichte. Nicht nur bezüglich seines Umfangs handelt es sich hier um ein wesentlich kleineres Stück. Das Hauptgewicht liegt auf dem gut gelaunten Allegro des ersten und dem beschaulichen Andante des zweiten Satzes, während das Menuett und das Finale schnell verrauscht sind.

Franz Schubert nahm sich bei seinem Oktett F Dur D 803 Beethovens Septett zum Vorbild, erweiterte das Ensemble jedoch noch um eine zweite Violine. Die Satzabfolge ist dieselbe. Allein der Kopfsatz rechtfertigt die Feststellung, dass es sich beim Oktett um eines der gelungensten Werke Schuberts handle. Das idyllische Adagio führt die Beweisführung fort. Nach einem prägnanten Scherzo folgt auch hier ein wundervoller Variationssatz, dem sich das Menuett anschließt. Dem freundlichen Finale schiebt Schubert eine düstere, schwere Einleitung vor, die - eingebettet in ein grundsätzlich freundliches Werke - wie ein krasser Kontrast wirkt.

Viele halten Felix Mendelssohn Bartholdys Oktett Es Dur op. 20 für doppeltes Streichquartett für sein bestes Werk. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass es sich hier beinahe noch um ein Jugendwerk dreht. Das Stück eröffnet mit einem mitreißenden Allegro moderato. Bereits hier wird der orchestrale Habitus der Komposition offensichtlich. Dieser Eindruck verfestigt sich im anschließenden, elysischen Andante. Das Scherzo gilt vielen als der schönste Teil der Komposition, nicht umsonst orchestrierte Mendelssohn ihn nachmalig. Den Abschluss macht ein huschendes Presto.

Die vorliegende Einspielung durch das Londoner Melos Ensemble entstand Ende der 60er Jahre, erfreut sich aber dennoch einer sehr guten Aufnahmequalität. Die Interpretation ist vielleicht das non plus ultra schlechthin. Selten hört man heute noch derart hingebungsvolles, harmonisches Musizieren, das eine unendliche Freude an der Musik evoziert. Der Farbenreichtum, die Wärme der Darbietung sind beispiellos. Kein Ensemble hat jemals das Adagio des Schubert Oktetts prächtiger und zugleich andächtiger gestaltet als das Melos Ensemble. Dennoch verzichten die Akteure nicht auf treffende Akzente und flotte Tempi, die den Vortrag mit einem Gros an innerer Spannung aufladen. Differenzierte Nuancen und fließende Schattierungen runden den Vortrag ab, den man jedem Musikliebhaber nur wärmstens empfehlen kann!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 3, 2011 2:36 PM MEST


Klaviertrios in G-Moll
Klaviertrios in G-Moll
Preis: EUR 9,29

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Virtuose Trauer, 13. März 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Klaviertrios in G-Moll (Audio CD)
Der französische Komponist Frédéric Chopin komponierte in seinem kurzen Leben kein einziges Stück, an dem sein Klavier nicht beteiligt wäre. Kammermusiken spielen in seinem Schaffen eine untergeordnete Rolle. Neben einer beachtlichen Cellosonaten ist es vor allem sein Klaviertrio g moll op. 8, ein ausgesprochenes Frühwerk, das keinen Hehl daraus macht, dass hier der Klaviervirtuos im Zentrum steht.
Das Stück eröffnet mit einem leidenschaftlichen Allegro, das Chopins kompositionstechnische Meisterschaft bereits in diesem frühen Stadium seiner Schaffensphase unter Beweis stellt. Es folgt ein wildes Scherzo, das im Trioteil etwas Versöhnung findet. Von großer Heilsamkeit ist das Adagio sostenuto, das nur leider viel zu kurz ist. Den Abschluss bildet ein mäßig schneller Satz, der zumindest am Ende einen Hoffnungsschimmer aufglimmen lässt.

Genau wie Tchaikovsky, Rachmaninov und Shostakovich so komponierte auch der Tscheche Bedrich Smetana (1824-1884) sein Klaviertrio g moll op. 15, um seiner Trauer über den Verlust eines lieben Menschen Ausdruck zu verleihen, in seinem Falle war es der Tod seiner Tochter. Auch Smetana schrieb nur wenige Kammermusiken und auch bei ihm nimmt dieses wundervolle Trio, dessen Stimmführung wesentlich homogener ist als beim Chopin Trio, eine Sonderstellung im Oeuvre ein.
Interessanterweise entbehrt das Stück eines wirklich langsamen Satzes. Der erste Satz ist von erstaunlicher Prägnanz, immer wieder stimmt das Cello eine traurige, berührende Weise an. Der zweite Satz in Form eines dreiteiligen Variationszyklus' besticht durch seine formale Einheitlichkeit und seinen besinnlichen Mittelteil. Das wilde, zornige Finale imaginiert ausweglosen Gram.

Die vorliegende Einspielung durch das Trio Fontenay stammt aus dem Jahr 1988 und erfreut sich bestechender Aufnahmequalität. Das Zusammenspiel ist harmonisch und stets ausbalanciert. Farbige Nuancen und fließende Abstufungen gewährleisten eine prickelnde Interpretation. Hinzu kommen die vollkommene Transparenz des Vortrags und treffsichere Akzente, die dafür sorgen, dass die Darbietung trotz der recht langsamen Tempowahl ein unvergleichliches Erlebnis wird. Es ist eine wahre Erquickung, die drei Akteure mit so viel Spielfreude und Einfühlungsvermögen musizieren zu hören.

Fazit: Zwei selten gehörte kammermusikalische Perlen in einer beeindruckenden Einspielung!


Bizet, Georges - Carmen [2 DVDs]
Bizet, Georges - Carmen [2 DVDs]
DVD ~ Elina Garanca
Preis: EUR 15,97

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...wenn ich dich liebe: Vorsicht!, 9. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Bizet, Georges - Carmen [2 DVDs] (DVD)
Es ist schon erstaunlich, welche Meisterleistungen gerade Komponisten erbrachten, die nicht einmal ihr 40. Lebensjahr vollenden konnten. Mozart und Schubert sind ebenso in aller Munde wie eben auch der französische Komponist Georges Bizet (1838-1875), der nach eigener Aussage vor allem in den Opernhäusern der Welt zu Hause gewesen sei ' obschon er freilich auch einige bemerkenswerte Instrumentalwerke komponierte. Man sagt ihm nach, dass er mit seiner "Carmen" die "Oper aller Opern" geschrieben habe, basierend auf einer Novelle von Prosper Mérimée und einem Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy.
Und tatsächlich handelt es sich hierbei um ein herausragendes Stück Musikgeschichte. Die Geschichte der emanzipierten, nymphomanischen Zigeunerin, die einen kleinen, pflichtliebenden Soldaten ins Unglück stürzt und dafür sterben muss, berührt und ist hinlänglich bekannt. Die vorliegende Inszenierung stammt aus dem Jahre 2010 und entstand an der berühmten Metropolitan Opera. El'na Garan'a als Carmen feiert hier ihr Met Debüt. Roberto Alagna tritt als Don José auf, Barbara Frittoli ist Micaëla und Teddy Tahu Rhodes begeistert als Escamillo. Begleitet werden die Solisten vom Metropolitan Opera Orchestra, Chorus und Ballett, die musikalische Leitung hat Yannick Nézet Séguin ' ebenfalls als Debütant ', die kreative Leitung fällt an Rob Howell. Die Bild- und Tonqualität sind hervorragend und authentisch, neben der eigentlichen Oper enthält das Programm einige Einführungen und Interviews durch Renée Fleming.

Die schauspielerische Leistung ist herausragend. Garan'a haucht ihrer Rolle Leben ein. Das widerspenstig Grobe kauft man ihr von Anfang an ab. Auch Alagna als Don José ist glaubwürdig und innig. Auf der Bühne findet kein Schauspiel statt, nein, denn die Akteure ' alle, auch das Ballett und der Chor ' projizieren uns hier die Wirklichkeit, einen Ausschnitt aus dem wirklichen Leben. Derart viel Emotion, Liebe und Hingabe wird man wohl selten erlebt haben.
Bombastisch sind zudem das Bühnenbild sowie die Kostümierung der Darsteller. Die überwältigende Szenerie ist auch das einzige, was der grandiosen darstellerischen Leistung gerecht werden kann. Rob Howell hat ein durchdachtes Konzept perfekt in die Tat umgesetzt.
Bleibt, zuletzt die brillante Orchesterleistung zu erwähnen. Nézet Séguin versteht es trefflich, zu unterscheiden zwischen Sequenzen, während er nur begleitet, und solchen, die er kräftig akzentuiert und mit farbigem Kolorit ausstaffiert. Leidenschaftlich nimmt sein Orchester seine präzisen, differenzierten und transparenten Weisungen an.

Fazit: Hier stimmt einfach alles ' Bühne, Schauspieler und Orchester auf einem Topniveau, das neue Maßstäbe setzen wird!


Massenet, Jules - Manon [2 DVDs]
Massenet, Jules - Manon [2 DVDs]
DVD ~ Natalie Dessay
Preis: EUR 13,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...leicht über die Lippen..., 20. Februar 2011
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Rezension bezieht sich auf: Massenet, Jules - Manon [2 DVDs] (DVD)
Der französische Komponist Jules Massenet (1842-1912) ist heute fast völlig in Vergessenheit geraten. Er widmete sich zeit seines Lebens fast ausschließlich der Komposition von Opern, von denen heute nur noch einige wenige aufgeführt werden. Neben der bekannten "Thaïs" und seinem "Werther" ist es insbesondere "Manon", die sich größerer Popularität erfreut.
Eben diese letztere wurde 1884 uraufgeführt und basiert auf der "Histoire de Chevalier de Grieux et de Manon Lescaut" von Abbé Prévost. Die Handlung, die im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts spielt, befasst sich mit der schönen, jungen Manon, die ihr Leben eigentlich dem Kloster widmen will. Doch die Liebe zum Chevalier de Grieux lässt sie erst richtig aufleben. Aus Feigheit verrät sie ihn und wird von ihm getrennt. Als die beiden wieder zusammenfinden - de Grieux hat sich mittlerweile seinerseits dem Glauben zugewandt -, reißt Manon ihren Geliebten durch das Glücksspiel ins Verderben, wird festgenommen und stirbt schließlich in den Armen ihres leidenden Chevaliers. Massenet vertonte diesen Stoff exquisit in fünf Akten - Aufführungsdauer gut zweieinhalb Stunden. Besondere Merkmale sind die Geschlossenheit der musikalischen Form und die schlichte, aber einnehmende Melodik, die von vielen Stimmungswechseln gekennzeichnet ist.

Die vorliegende Inszenierung stammt aus dem Jahre 2007, enthält neben der eigentlichen Oper noch einige kurzweilige Extras und erfreut sich bester Ton- und Bildqualität. Natalie Dessay tritt als Manon auf, Rolando Villazón als de Grieux, Manuel Lanza als Grieux' Vater und Samuel Ramey als Manons Vetter. Neben einigen anderen Solisten spielen und singen der Chor und das Orchester des Grand Teatre del Liceu Barcelona unter der Leitung von Victor Pablo Pérez. Die Inszenierung leitete David McVicar.
Die musikalische Leitung ist perfekt. Das farben- und kontrastreiche Spiel, die unerwarteten Tempo- und Stimmungswechsel und die perlende Nuancierung des Vortrags machen alleine die musikalische Untermalung hervorragend, die stets im Dienste des Bildes und des Gesanges steht. Dabei bleibt die Darbietung stets transparent, differenziert und gut hörbar. Vermöge Pérez' Dirigats werden die fein verwobenen Strukturen der Oper organisch dargelegt, ohne dabei jemals akademisch zu wirken.
Die Inszenierung ist herausragend. Mit Villazón ist auch ein international gefeierter Star vertreten, dessen gesangliche Leistung freilich über jeden Zweifel erhaben ist. Doch er beweist hier zudem, dass er nicht nur singen kann, sondern seine Rolle mit Leben zu füllen vermag und ein ausgezeichneter Schauspieler ist. Das besondere Highlight dieser Inszenierung allerdings ist Dessay als Manon. Diese Leidenschaft, diese Hingabe, diese Authentizität wird man selten gesehen haben. Ihre Arien werden so zu den Glanzlichtern dieser Interpretation. Gewiss sollen auch sämtliche andere Künstler Erwähnung finden, die sich perfekt ins prächtige Bühnenbild einfügen und deren Spiel und Intonation hervorragend und glasklar ist. Doch auch der, der wie ich des Französischen nicht mächtig ist, kann zwischen einer Reihe von Untertiteln wählen, die sich dezent ins Bild einfügen.

Fazit: Eine rundum gelungene, ja, bewegende Opern DVD! Die helle Begeisterung, die vielen Bravorufe des Publikums kann man nur allzu gut nachvollziehen...


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