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Matt "Matt"

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George London - His Greatest Performances
George London - His Greatest Performances
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 15,62

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Triumphaler dramatischer Bassbariton der Sonderklasse - George London, 30. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine Stimme wie schwarzes Erz, mächtig wie ein starker Baum, dämonisch dunkel, ein reicher bassiger Klang, bronzestrahlend in der ausladenden Höhe, gekonnt im Legato geführt wie ein Cellist mit nie versiegendem Klang, fähig zu dramatischen wie zu verschatteten Tönen, elegant, auftrumpfend, überzeugend im forte wie im seltener gezeigten piano, einzigartig geschaffen für Dämonen, Könige, Edle oder Mannsbilder großen Kalibers, das ist in Worten der Versuch, die Klangwirkung des George London mit seinem singulären Bassbariton zu beschreiben.
Mit der Sammlung dieser 10 CD's ist nun sinnlich vernehmbar, zu welchem Ausdruck dieser Sänger fähig war, eine Wanderschaft durch die Baritonliteratur von Mozart, Verdi, Mussorgsky, Brahms, Mahler, Borodin bis zu Wagner sowie Spirituals und Broadway.
Früh schon hat er seine Karriere beenden müssen, eine einseitige Stimmbandlähmung machte das Singen auf dem hohen Niveau unmöglich, und der als ständig an sich arbeitend bekannte Künstler legte seine Kraft fortan in die Förderung des Nachwuchses.
Geradezu sinnlich wird man ergriffen von den monumentalen Tönen des Sängers, deren Fokussierung einmalig war in der Mischung aus Kraft, Rundung und Vordersitz mit der nötigen Öffnung sämtlicher Resonanzräume. Die marmornen Töne seines Bassbaritons, vor allem auch in der Höhe, haben einen Reichtum, der die dargestellten Charaktere scheinbar mühelos als Riesen und großartige Helden oder Teufel erklingen lässt. Ganz besonders seine Fähigkeit, den Klang der Stimme in den dynamischen Graden unterhalb des fff völlig identisch zu erhalten. Selbst das mezzavoce, freilich nicht besonders häufig eingesetzt, schimmert noch in diesen wunderbar dunklen, klar fokussierten Farben, eine Wirkung der besonderen Art, die schiere Kraft nur noch den entscheidenden Moment zurückhaltend und dann umso bedrohlicher wirkend.
Besondere Beispiele aus dieser Sammlung sind die Monologe des Holländers aus Bayreuth mit Leonie Rysanek, die Wagnerszenen in der Begleitung durch Knappertsbusch, in denen Monumente von Charakteren entstehen. Sicherlich fehlen hier und da die subtileren Farben und Töne, doch nimmt man das hier nicht wirklich als Verlust wahr, da die Portraits in ihrer Größe stimmig wirken und einen anderen interpretatorischen Ansatz verfolgen als zB von Hans Hotter.
Unglaublich die Ausschnitte als Scarpia, vor allem live aus der Met. Hat man je einen bedrohlicheren, schwärzeren und selbstbewussteren Schurken gehört?
Die Boris-Szenen sind wahrhaft beängstigend emotional, die verschiedenen Arien aus seinen Recitals groß angelegte Portraits. Sehr interessant die Live-Aufnahme der Kindertotenlieder mit Otto Klemperer aus Köln: Ungewohnt zunächst, da die fein-innerliche, in den piano-Sphären überrumpelnde Version des mit junger Stimme brillierenden Fischer-Dieskau in der Erinnerung schwirrt. Doch bei mehrmaligem Hören überzeugt Londons Version ebenfalls. Hier leidet eine übermenschlich dimensionierte Seele, ein Atlas geradezu, der stellvertretend für alle die Schmerzen in Töne fasst, beeindruckend im Legato, im Klang des Leids, welcher hier nicht mitleidet, sondern Größe und Fassung behält in all der Tragik.
Eine phantastische Sammlung zu einem tollen Preis, welche hoffentlich dazu beitragen wird, die Erinnerung an diesesn Künstler aufrecht zu erhalten! Ebenso heutige Sänger durch den Vergleich besser und "richtiger" einzuschätzen (Hört man zB Londons Amonasro, lacht man sich kaputt über die schmalbrüstigen Versuche von Thomas Hampson).
Absolut lohnend, wahrlich ein "King and Demon"! Thank you, George London!

CD1: "Tannhäuser" (Wolfram) mit Varnay, Kempe, MET 1955/live und "Der fliegende Holländer" mit Knappertsbusch 1958/Wien/Studio, mit Rysanek, Greindl, Sawallisch, Bayreuth 1959/live;
CD2: "Meistersinger" Sachs-Monologe mit Knappertsbusch 1958/Wien/Studio, "Parsifal" - "Ja, wehe!.." mit Knappertsbusch, Bayreuth 1951/live, "Rheingold" mit Flagstad, Svanholm, Neidlinger, Solti 1958/Wien/Studio, "Walküre" - Wotans Abschied mit Knappertsbusch 1958/Wien/Studio;
CD3: Mahler "Kindertotenlieder" mit Klemperer 1955/Köln/live, Brahms "Deutsches Requiem" - Baritonsoli mit Walter 1954/New York/ live;
CD4: "Don Giovanni" als Giovanni in deutsch bzw. ital., mit Klemperer 1955/Köln/live, mit Moralt 1955/Wien/Studio, mit Böhm 1955/Wien/live/dtsch, u.a. mit Waechter, Berry, Jurinac, Cunitz, Kusche, Seefried, Kunz;
CD5: Mozart - Arien KV 584/612 mit Walter 1953/Studio, "Figaro" - als Conte mit Schwarzkopf, Seefried, Jurinac, Karajan 1950/Wien/Studio, Arien Bartolo, Figaro und Conte mit Walter 1953/Studio, "Zauberflöte" Tamino-Sprecher mit Dermota, Karajan 1950/Wien/Studio, R.Strauss "Arabella" mit Della Casa, Solti 1957/Wien/Studio;
CD6: Arien u Szenen aus "Faust", "Mefistofele", "La damnation de Faust", "Thais", "Don Quichotte" (Akt V komplett), "Patrie", "Eugen Onegin", "Aida" von 1951-55, live und Studio;
CD7: "Hoffmanns Erzählungen" deutsch/frz., mit Kmentt, Stich-Randall, Schlemm, Moralt 1956/München/BR, mit Simoneau, Danco, Rivoli 1956/Mailand/live, mit Gedda, Morel 1959/MET/live;
CD8: "Tosca" mit Tebaldi, Molinari-Pradelli 1959/Rom/Studio und Akt II komplett mit Bergonzi, Steber, Adler 1959/MET/live;
CD9: "Aida" mit Varnay, Weigert 1953/München/Studio und mit Milanov, del Monaco, Thebom, Cleva 1953/MET/live, "Boris Godunov" Monologe mit Morel 1955/Studio, "Fürst Igor" mit Adler 1951/MET/Studio;
CD10: Arien aus "Boris Godunov", "Fürst Igor", "Dämon" und Musicals von Gruenberg wie "Show Boat", "South Pacific", "My fair Lady", "Oklahoma" u.a. von 1951-57.


Hans Hotter- The Wotan Of The Century At His Best
Hans Hotter- The Wotan Of The Century At His Best
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 15,62

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckende Charakterportraits eines singulären Baritons - Hans Hotter, 27. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Hans Hotter, der Heldenbariton und begnadete Charakterisierungskünstler, ein Hüne als Mensch und Künstler, war eine ungewöhnliche sowie lange Karriere gegönnt. Vor nunmehr zehn Jahren im Alter von 96 Lenzen verstorben, wird er mit diesen Dokumenten aus den Jahren 1939 bis 1960, zumeist in Live-Mitschnitten aus Bayreuth, Reichsrundfunk, Salzburg und München, gewürdigt und in Erinnerung gerufen. Wobei er ja bei den Interessierten nie aus dem Gedächtnis verschwinden wird, da er sich mit seinen genialen nachschöpferischen Leistungen darin geradezu eingebrannt hat und ein Künstler seines Ranges heute schmerzlich vermisst wird!
Bereits in seinen Zwanzigern konnte er aufgrund seiner Stimmgröße in dramatischen Partien reüssieren, sein frühestes Dokument als Wotan in der legendären Einspielung des 2.Aktes aus Berlin und Wien mit Melchior und Lehmann zeigt dies eindrucksvoll. Der 2. Weltkrieg verhinderte die logische Weltkarriere, die erst verspätet einsetzte, doch gottlob gibt es aus seiner Blütezeit, in welcher ein Gleichgewicht zwischen stimmlicher Pracht und Sicherheit sowie subtilstem Ausdrucksvermögen herrschte, genügend Mitschnitte. Sowohl im Lied, während des Krieges vor allem mit Michael Raucheisen als Partner, später mit Gerald Moore und anderen, als auch in Oratorium und Oper war er ein singulärer Schöpfer der schwierigsten Musik/Charaktere. In dieser Zusammenstellung der 10 CD's ist er vorrangig als Opernsänger, auf nur einer CD als Liedinterpret festgehalten.
Seine Stimme ist ein wirklicher Bassbariton, mit einem ganz spezifischen Timbre, dunkel bassig, sonor, sehr männlich, dabei stets mit einer Weichheit glänzend, welche die Größe seiner Stimme zu verbergen scheint. Er besaß sowohl die Heldentöne im fff in der Hochlage um die Töne E, F, Fis, als auch ein nur ihm mögliches piano, einen ganz besonderen, in vielen farblichen Valeurs strahlenden oder matt und fahl, traurig klingenden Ton, und mit dieser enormen Bandbreite an dynamischen Gestaltungsmöglichkeiten verbunden mit der Kraft seiner Artikulation gelang ihm Singuläres! Wenn auch die Strahlkraft seiner Höhe im forte ab ca. Mitte der 50er Jahre immer wieder mal nachzulassen begann, der Sitz der Stimme zuweilen den Fokus in der Maske verlor, die Anstrengungen beim Singen in der Höhe zunahmen, so bleibt aufgrund des einzigartigen Hotter-Tons, dessen Ausdruckskraft nie versiegte, stets eine lebendige, vielschichtige Rollengestaltung! Stark geprägt fühlte sich Hotter durch Clemens Krauss und Richard Strauss, seine Mitwirkung in der UA von zB "Capriccio" liest sich in seiner Biographie als wunderbare Zusammenarbeit großer Künstler.
Den Titel der Sammlung, "The Wotan of the Century", halte ich für absolut gerechtfertigt! Verschiedene Ausschnitte belegen dies nachdrücklich. Letztlich zielt er jedoch zu kurz, denn wie man hier hören kann, gelingen ihm ebenfalls überzeugende Portraits jenseits dieser einen, sicherlich unvergleichlichen, Rolle.
Hören Sie Track Nr 8-10 auf CD 8: Ist das möglich, dass ein Mann von 30 derartig den Falstaff Verdis ergründet? Machen Sie weiter mit Track Nr 3, den Prolog des Tonio aus "I Pagliacci": Welche Mühelosigkeit, welcher Glanz, welche Kraft und Präsenz!
Gehen Sie zu Track Nr 4-5: Ein deutscher Bariton demonstriert auf subtile Weise, welche Gemeinheit in diesem Jago steckt, ohne zu bellen oder zu brüllen, nein, Legato und feinste piano-Kultur sorgen für Dämonie (und er ist immer noch Anfang 30!)!
Legen Sie nun CD 4 ein, Track 2 u 3: Das Gottesgeschenk des Timbres verknüpft mit wilder Ausdrucksraffinesse verbindet sich hier zu einem genialen Portrait des Holländers, in dieser Form unübertroffen (gleichwohl von Uhde und London auf andere Art ebenfalls genial gelungen)!
Ein weiterer Höhepunkt sind die Ausschnitte von 1956 seines Bayreuther Hans Sachs: Wie Herr Hotter hier einzelnen Worten eine Tiefendimension, Sätzen ein interpretatorisches Gewicht verleiht, ist phänomenal und faszinierend. Dabei bedient er sich nie einer heftigen Überartikulierung oder Konsonantenspuckerei oder gar dröhnenden Belltönen, nein, er malt gleichsam mit feinem Pinsel in verschieden Farben, Tönen und Schattierungen. Dank seines Timbres und der technischen Fähigkeit der Zwischentöne entsteht ein Charakter von menschlicher Größe!
So könnte ich fortfahren und die Liste der bemerkenswerten, absolut überzeugenden Gestaltungen würde lang und länger...
Und natürlich kommt man in den Genuss toller Kollegen/Innen wie Varnay, Mödl, Nilsson, Windgassen, Vinay, Wunderlich, Reining...und Dirigenten wie Knappertsbusch, Krauss, Keilberth, Cluytens, Rother...
Natürlich gibt es in dieser Sammlung Ausschnitte, die ich nicht "at his Best" bezeichnen würde, doch gehören diese genauso zu einem Sängerleben, und wer mit klugen Ohren zuhört, wird manche stimmliche Unebenheit wahrnehmen, ohne den künstlerischen Wert der Darstellung als Ganzes geschmälert zu sehen.
Fazit: Zu einem unschlagbar günstigen Preis erhält der Sangesfreund ein Kompendium großer Sing- und Darstellungskunst, oftmals einmalig und genial! Einen Sänger dieses Formats hört man heute leider nicht mehr.
Die Aufnahmen sind in Mono, nicht immer qualitativ gut, der Zeit entsprechend rauschend, hallig, versehen mit Bühnengeräuschen. Ein absolutes Hörvergnügen dennoch.
CD1: Wotan-Rheingold, Walküre, Bayreuth 56, Studio 57, Hunding Met 54;
CD2: Wotan-Walküre, Bayreuth 58 u53;
CD3: Wanderer-Siegfried, Bayreuth 53 u 57;
CD4: Fliegender Holländer, München 44, Studio 57 u 60;
CD5: Kurwenal-Tristan u Isolde, Bayreuth 52 u 57, Parsifal-Gurnemanz, Met 54;
CD6: Sachs-Meistersinger v Nürnberg, Studio 44 u 60, Bayreuth 56;
CD7: Arien u Szenen als Hans Heiling/43, Pizarro/60, Figaro Graf/42, Sprecher/54, Julius Cäsar/51, Borromeo/52, Boris Godunov/57;
CD8: Arien u Szenen als Basilio/41 u59, Escamillo/42, Tonio/42, Jago/43, Amonasro/42, Grande Inquisitore/52, Falstaff/39;
CD9: Richard Strauss- Sir Morosus/59, La Roche/58, Mandryka/47, Jochanaan/42 u 52, Orest/53;
CD10: Lieder von Nicolai, vWeber, Loewe, Schubert, Wolf, Pfitzner, Schumann u Brahms, 42-45, Michael Raucheisen am Klavier.


Requiem
Requiem
Preis: EUR 11,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Requiem mit phänomenaler Leistung von Montserrat Caballé, 25. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Requiem (Audio CD)
Sogar die Rillen der guten alten LP sind auf der Oberseite der CD's zu fühlen, ein "Mei, waren das noch Zeiten"-Gedanke macht sich da breit...und eben dieser kommt mir ebenfalls in den Sinn beim Hören dieser Aufnahme aus dem Jahr 1980 in New York.
Geschnitten aus 2 Aufführungen ist hörbar, auf welchem Niveau gesungen wurde: Dies gilt vor allem für Montserrat Caballé (wurde dieses Jahr 80!). Neben ein paar wenigen Hochtönen dieser ungemein anspruchsvollen Sopranpartie, die den Reifegrad der Stimme widerspiegeln - eine Zunahme von Metall auf Kosten der Weichheit, nach Partien wie Norma, Tosca und Turandot nichts überraschendes, zudem fast 50 und damit in einem schwierigen Alter für Soprane - gelingt ihr einfach alles! Die Umsetzung der Vorgaben Verdis mit den vielen Nuancen in den Lautstärkegraden, vom schwebenden ppp bis zum alles überstrahlenden fff, gelingt schier perfekt! Welche heutige Sopranistin, mit dem Titel "Primadonna" durch die Medien bedacht, könnte ihr hier das Wasser reichen? Diese Mühelosigkeit der schwebenden und dennoch tragenden Pianotöne, die Schwelltöne auf jeder Tonhöhe, egal ob laut-leise oder umgedreht? Diese wahnsinnige Atemkontrolle, die ihr Phrasierungen erlauben, die einen Hörer atem- sowie fassungslos hinterlassen können? Die schiere Pracht der Stimme (auch im Reifestadium), die Farben und das herrliche Timbre? Mir fällt tatsächlich kein Name ein! Oder doch die immer wieder als "Primadonna assoluta" titulierte Anna Netrebko, die man gerade direkt vom Roten Platz in bunt-kitschigen Roben sehen und hören konnte: Jede seriöse Kritik sollte nach diesem Event o.g. Titel vermeiden und eher von der "Schönheit von Stimme und Körper" o.ä. sprechen.(Zu hören war leider nur larmoyantes, selbstverliebtes Singen, schreckliche Koloraturen mit Verrenkungen des Kiefers, erkämpfte Hochtöne, die Stimme auf breiten Klang getrimmt und schwer geführt, Verdi hat sich sicher die Ohren zugehalten, erst bei der Tatjana war sie gut, viel zu wenig für eine Sängerin dieser Kategorie, sie sieht halt sehr schön aus und hat eine sehr schöne Stimme)
Für viele Fans der heutigen Soprane, welche Frau Caballé vielleicht nicht kennen, sei gesagt: Sie besitzt eine andere Schönheit der Stimme, glutvoll, spanisch, auf dem Fundament der Mittelstimme mit vollem Klang fußend, eher hell schimmernd und obertonreich, versehen mit einer gewissen Härte oder Metall in der Höhe, vollkommen beherrscht durch eine einzigartige Atemkontrolle und zu nobelstem Ausdruck, ja Pathos fähig. Hören Sie nur die Ebenmäßigkeit des "Recordare", das unglaubliche Fluten der Töne im "Agnus Dei", das mirakulöse "sed" im "Offertorio" mit dem Halbtonfall abwärts, mit portamento und perfekter Intonation sowie der in einem Atemzug weitergesponnenen Phrase, diese Leistung ist singulär, phantastisch, perfekt, phänomenal! Wenn der Klang im fff in der Tophöhe mal etwas scheppernd wird, sei's drum, ist halt live. All die Kritiker, die den Stimmtod der Caballé ausgerufen hatten ab Ende der 70er Jahre, sollten sich diese Aufnahme anhören und ihre Meinung überdenken...und Schönheit des Timbres bleibt letztlich subjektives Empfinden, und zurecht wird manche/r die Pracht Netrebkos derjenigen der Caballé vorziehen, doch geht es beim Singen einer Primadonna eben um wesentlich mehr als das...
Bianca Berini singt mit schönem Mezzoton, hervorragend mit dem Klang Caballés harmonierend, gestaltet kraftvoll die Soli und zeigt Musikalität und gute Technik. Eine gute Leistung, wenn auch nicht so souverän wie Cossotto oder Ludwig.
Placido Domingo war zum Zeitpunkt der Aufführungen in bestechender stimmlicher Form: Kraftvoll, männlich, dunkel-weich und mit strahlendem Peng in der Höhe bewältigt er mühelos die Tessitura und dominiert das Ensemble, für meine Begriffe manches Mal sogar zu stark, da die Balance des Quartetts etwas aus den Fugen gerät (vielleicht falsche Abmischung oder Mikropositionen), wahrlich betörend. Jedoch, wie schon in der "Don Carlo"-Aufnahme mit Caballé, lässt allein die technische Perfektion der Diva das männlich-drängende Singen Domingos eindimensional erscheinen: Nur beim "Hostias" nimmt der Divo seine Stimme mal zurück in eine fast schon wieder markiert klingende Halbstimme, um wenigstens dieser delikaten Stelle nicht auch noch den musikalischen Sinn auszutreiben. Alles andere, so auch die Arie, singt er in mf oder ff aus. Das klingt wirklich klasse, ist leider ohne das Element der inneren Beteiligung. Das Format eines Björling oder Bergonzi erreicht in der Summe dadurch nicht.
Der Basspart wird von Paul Plishka auf hohem musikalischen und stimmtechnischen Format interpretiert. Wenn sein Timbre nicht die Pracht eines Ghiaurov, nicht die Autorität und Schwärze eines Siepi besitzt, so ist das kein Fehler, sondern ein von der Natur gegebenes bzw. hier verweigertes Gnadengeschenk. Doch wie er seinen Part gestaltet, die Stimme sonor, farblich variierend und in der Höhe absolut überzeugend strahlen lässt, das ist meisterhaft! Ein sicherlich manches Mal unterschätzter Sänger zeigt in dieser Aufnahme auf beeindruckende Weise sein Können.
Zubin Mehta leitet das New York Philharmonic sowie den Musica Sacra Chorus in einer gleichwohl sensiblen wie spannenden Aufführung. Er leistet sich keine interpretatorisch fragwürdigen Eigenheiten wie zB De Sabata. Eher hält er sich an die Partitur und lässt die Musik aus sich selbst heraus leuchten, beeindrucken, überwältigen, betören. Weder lässt er das Opernhafte besonders hervortreten noch das Sakrale. Die Tempi sind in sich stimmig, die Balance zwischen Sängern und Orchester stimmt und in den Tuttistellen bleibt er beim musikalischen Ton und erspart uns den Krachfaktor. Eine Aufnahme, die Freude macht und vom Orchester absolut professionell gespielt wird.
Der Chor scheint sehr groß zu sein und klingt wahrlich mächtig, dabei ebenso zu vielen leisen Nuancen fähig und stets intonationssicher. Kompliment! Das Booklet sagt zwar, die Aufnahme sei digital, auf der CD steht allerdings ADD, also nachträglich digitalisiert. Egal, der Klang ist durchaus überzeugend, allein ein Grundrauschen bei den leisen Stellen stört ein wenig. Es gibt keine Verzerrungen bei den lautesten Stellen, die Akustik der Avery Fisher Hall ist sehr geeignet für dieses Werk, eher trocken als hallig.
Aufgrund des Preises ist die Aufnahme schon empfehlenswert, durch die Gesamtleistung aller Mitwirkenden sehr hörenswert.
Vor allem jedoch Montserrat Caballé in überirdischer Form einer wahren Primadonna (ich hätte diese singuläre Leistung fast nicht für möglich gehalten trotz Schwarzkopf, Price, Freni, Varady, Studer) macht diese Aufnahme zu einem absoluten Muss! Chapeau!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 2, 2013 8:31 AM MEST


Elektra
Elektra
Preis: EUR 18,32

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Elektra in orchestraler Durchhörbarkeit und kraftvollem Gesang, 2. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Elektra (Audio CD)
Agamemnon hat zwar keinen Auftritt, ist dennoch allgegenwärtig, denn seine Ermordung ist quasi die Grundlage, welche die Opernhandlung in Gang setzt. Folgerichtig gibt Strauss ihm nicht nur ein ungemein kraftvolles, wirkungsvolles, lediglich aus vier Tönen bestehendes Motiv, sondern lässt mit diesem die Oper eröffnen. Und wie Wolfgang Sawallisch mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks diese Aufführung eröffnet:
Ein perfekter, rhythmisch äußerst präziser Schlag des Motivs! Sofort befindet man sich in einer gespannten, aufgeregt-neugierigen Gefühlswallung vor dem, was im Folgenden passieren wird. Sawallisch gelingt ebenso wie in seiner "Frau ohne Schatten" eine orchestral perfekte Umsetzung der Partitur, welche die Struktur und Instrumentation auf das Deutlichste offenlegt, dabei vor allem durch rhythmische Akribie überzeugend.
Die Tontechniker haben in der Akustik des Münchener Herkulessaals sehr gute Arbeit geleistet und selbst bei den orchestralen Klangentladungen eine Klarheit des Klanges erreicht, die die geniale Instrumentation erklingen lässt. Die bevorzugte Gangart von Sawallisch ist eine vorwärtsdrängende, ohne zu hetzen, dabei zB der Erkennungsszene gleichwohl Raum zu einer gewissen Ruhe zu geben, bevor es zum dramatischen Klimax kommt. Beeindruckend ist es, welche Instrumente zu hören sind und nicht in den Klangballungen untergehen! Allerdings scheint mir bei aller Bewunderung für diese Deutung etwas verloren gegangen zu sein: Das Feuer und Ausspinnen des Melos. Als Tüpfelchen auf dem "i" wünschte ich mir mehr Zuspitzung an den Höhepunkten, noch mehr Drama und Ekstase, vielleicht das Manko einer Studioproduktion. Das zweifelsfrei vorhandene Melos in den Kantilenen der Chrysothemis ("Kinder will ich haben....") und Elektras (im Monolog nach "...zeig Dich Deinem Kind") kommt nicht so zum Blühen, wie ich es von Reiner, Böhm, Jochum oder in der Karajanversion kenne. Hier schwebt, swingt es nicht, und ich finde, dass Sawallisch etwas zu trocken bzw. distanziert bleibt. Eine tiefe, seelenbetörende, aus der Emotion gespeiste Dimension fehlt mir und macht das Hören, bei aller Bewunderung für die perfekte Musizierkunst, weniger bewegend.
Dieser Eindruck setzt sich in gewisser Weise fort bei den Protagonistinnen:
Eva Marton gibt der Elektra mit ihrer dunklen, dramatischen Stimme den Klang der Rache. Mit großer, dabei immer weich und angenehm klingender Mittellage verströmt sie Energie, Kraft - und dank guter Artikulation versteht man sehr viel Text. Sie singt viel Legato und hat die Wucht sowie die Ausdauer für die Höhepunkte der Partie. Die Höhe ist mächtig, verliert allerdings etwas den schönen Klang der Mittellage, der Ton wird hart und mit viel Kraft und Aufwand produziert. In der Summe ist das beeindruckend, sie verfügt über ein bemerkenswertes Material. Auf Dauer jedoch klingt dieser Kraftakt ( vor allem in der Höhe) monoton, denn zu viele Zwischentöne gehen verloren und lassen Elektras Persönlichkeit fast nur als Rachegöttin erscheinen. Das mitfühlende, zarte, gebrochene Element der Schwester (zB in der Erkennungsszene) bleibt daher leider unterbelichtet. Weiche Töne sind sehr selten, Piani in der Höhe sind unmöglich oder nicht eingefordert worden, das Portrait der vielschichtigen Figur damit nicht in der Kategorie der einmaligen Astrid Varnay. Für alle Fans mächtiger Stimmen und als Beweis, dass Elektra vorrangig kraftvoll gesungen werden kann, eine lohnende Aufnahme.
Cheryl Studer darf als Chrysothemis mit ihrem in der Höhe aufblühenden, glasklaren und mit (für mich zu) schnellem Vibrato geprägten Sopran jubeln und den Wunsch nach Kindern besingen. Sie singt legatoreich sehr schöne Phrasen, durch die Tempi Sawallischs gar auf einem Atem, die Artikulation ist sauber. Die Sicherheit, mit der Frau Studer diese Partie singt, beeindruckt. Doch fehlt mir das innere Glühen, das Beben in der Stimme, das Lodernde der Höhe. Auf mich wirkt ihre Leistung eher etwas steril und in der Tophöhe nicht wirklich frei, Leonie Rysanek hat das alles wesentlich überzeugender gemacht. Aus der heutigen Perspektive lässt es sich leichter sagen, gewiss, aber mir war immer schleierhaft, warum Frau Studer als "neue Lilli Lehmann" verkauft wurde, denn weder hat sie das nötige Textverständnis, um den Sinn zu erfassen, noch die Fähigkeit, dies in Klang umzusetzen. Und technisch kann sie nicht alles richtig gemacht haben, denn schon ab ca. 1994 gab es Irritationen um verpatzte Höhen, schlechte Intonation usw.. Krisen sind ja nichts schlimmes, allerdings nur dann, wenn man daraus lernt und wieder herauskommt, was ihr nicht wirklich gelang. Insofern ist diese Aufnahme ein schönes, mit sicherer Stimme gesungenes Dokument einer sehr begabten, jungen Sängerin.
Wie es anders geht, zeigt auf absolut beeindruckende Art und Weise Marjana Lipovšek in der Rolle der Klytämnestra: Mit einer bis ins kleinste Detail ausgefeilten Interpretation, basierend auf herrlichstem Stimmklang sowie präziser Textaussprache und -deutung, liefert sie ein perfektes Portrait! Jede dynamische, jede farbliche Schattierung ihres kostbaren Organs dient der Charakterisierung, und sie verfügt über eine technische Meisterschaft, die ihr all das nahezu spielerisch ermöglicht. Eine derart sängerisch beeindruckende Klytämnestra, welche ebenso als Darstellerin exzelliert, ist wohl einmalig. Chapeau!
Bernd Weikl singt einen soliden Orest, die Stimme klingt schön und in der Tiefe sonor, man versteht alles, doch mich nervt ein bißchen sein gerader Ton, dem einfach die Lebendigkeit eines natürlichen Vibratos fehlt. Mit seiner Leistung als Sachs ist das nicht vergleichbar, schade.
Hermann Winkler stattet Aegisth mit hellem und trotz vorgerückten Alters noch immer strahlenden Tenors aus, eine gelungene Aufführung.
Sehr präzise und engagiert die Sängerinnen der Mägde. Purer Luxus ist Kurt Moll als Pfleger des Orest.
Fazit: Für einen Strauss-Fan wie mich gehört diese Aufnahme von 1990 in die Sammlung, da die Orchesterleistung unter Sawallisch exzellent ist. Allein Marjana Lipovšeks Meisterleistung lohnt den Preis, Marton und Studer sind rollendeckend, wenn auch dynamisch unflexibel. Wer mehr Ausdruckswahnsinn, Feuer und Dramatik möchte, sollte zu den Aufnahmen mit Astrid Varnay greifen. Wer hauptsächlich an Orchesterklangorgien mit obligater Stimmbegleitung Gefallen findet, wird reichlich bei Solti belohnt.


Strauss: Die Frau ohne Schatten
Strauss: Die Frau ohne Schatten
Preis: EUR 18,19

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Orchestrale Offenbarung der "Frau ohne Schatten" durch Wolfgang Sawallisch, 22. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Strauss: Die Frau ohne Schatten (Audio CD)
Diese Aufführung wird nicht nur als Vermächtnis des Strauss-Dirigenten Wolfgang Sawallisch in Erinnerung bleiben, sondern auch, weil sie die erste strichlose Gesamtaufnahme dieser phantastischen und vor musikalischen Einfällen strotzenden Oper darstellt. In der Kunst der Instrumentation gilt die Oper als Strauss' beste. Der riesige Orchesterapparat dient vorrangig der Charakterisierung und legt mit einer Art der Leitmotivtechnik die sich überlagernden oder widersprechenden Stimmungen/Bedeutungen offen, all das, was Worte nur "eindimensional" ausdrücken können. Alles von Solobegleitung, Kammermusik, blühendem Melos bis hin zur Überwältigung in den Tuttistellen der Finali wird eingesetzt, um immer neue Farben für die diversen Welten zu erschaffen. Sawallischs jahrzehntelange Erfahrung mit der Partitur spiegelt sich in seiner meisterhaften, sensationell exakten Aufführung wider:
Über allem steht die von ihm geforderte "Deutlichkeit". Jedes Instrument bzw. jede Instrumentengruppe in der komplexen Instrumentation ist selbst in den Tuttistellen hörbar, dazu wird mit einer phantastischen Präzision in Rhythmik unter Beachtung der vielen Partiturvorgaben musiziert! Wer also die Partitur in allen Facetten hören möchte, wie Strauss sie komponiert hat, sollte zugreifen, zumal das Symphonieorchester des BR mit erstklassigem Klang und Können seinen Ausnahmerang unter Beweis stellt. Den nur kurze Zeit später in Soltis Aufnahme spielenden Wiener Philharmonikern sind sie ebenbürtig! Der Unterschied liegt für mich in der Herangehensweise der Dirigenten: Hier die nach Deutlichkeit und Umsetzung der Partitur strebende Musizierkunst Sawallischs, dort die Feuer und Dramatik um alles ausreizende Musizierkunst Sir Soltis. Beides ist beeindruckend gelungen!
Das Libretto von Hofmannsthal verdient eine verkürzte Wiedergabe nicht, ist es doch ein Kaleidoskop seiner Philosophie anhand von Märchen- sowie Phantasiewelt, sehr geprägt vom Zeitgeist, mit vielen Szenenwechseln. Die wichtigen Themen der Oper sind: Mitgefühl, Liebe, das Menschwerden bzw. -sein im humanistischen Sinne und Fruchtbarkeit. Dargestellt wird dies durch die Welt der Geister bzw. die der Menschen. Die "Frau ohne Schatten" ist die Kaiserin, welche - als Gazelle aus der Geisterwelt kommend - vom Kaiser erjagt ihre menschliche Gestalt erhält, und nun Frau/Mensch werden muss - Symbol der Fruchtbarkeit ist der Schatten - um den Kaiser vor dem Tod zu retten. Die unterschiedlichen Welten und märchenhaften Vorgänge haben Strauss zu einmaliger Gestaltungskraft inspiriert und so das Drama kongenial vertonen lassen. Eine inspirierende, beglückende und tief berührende Musik, welche auch mit geschlossenen Augen gehört und verstanden werden kann, wenn man den Inhalt gut genug kennt.
Cheryl Studer (gerade 33 Jahre alt) gibt der Kaiserin ihre große, jugendliche und silbern schimmernde Stimme, welche nahezu mühelos durch die Tücken der Partie mit den permanenten Anforderungen an die Hochtöne um das B, H, C (gar bis zum Des in ihrer Szene "Weh, mein Mann!", 2. Akt) im Forte gleitet. Die ruhigen Stellen, in denen sie menschliche Emotionen erfahren und zeigen muss, gelingen stimmlich ebenfalls, wenn auch ohne die innere Glut und Beteiligung einer Leonie Rysanek oder Julia Varady. Eine insgesamt beeindruckende, wenn auch etwas "gläserne" Leistung.
Der Kaiser wird von René Kollo mit Intensität und Verständnis für den Charakter gesungen. Die Anforderungen an Höhe und Dynamik gelingen ihm eher mühsam, sein Tenor ist dunkel und schwer geworden, bewältigt mehr durch Kraft (als Technik) und kann nicht brillieren wie Hans Hopf oder Ben Heppner. Immerhin ist er derart disponiert, im Finale das hohe C mitsingen zu können, neben seiner Textgestaltung dennoch eine ordentliche Leistung.
Die unheimliche Amme (sie soll sich um die Kaiserin kümmern) wird von Hanna Schwarz mit angstmachender Intensität und absolut beeindruckender Stimmführung gemeistert! Ihr individueller Mezzo besticht in allen Lagen, die gefürchteten Intervalle und Hochtöne gelingen vortrefflich und dokumentieren eine Sängerin auf dem Zenit ihres Könnens, bravo!
Barak, der Färber (und einzige, der einen Namen erhalten hat), ist die "Seele" des Stückes: Einfach, kräftig und arbeitsam, gutmütig, geduldig, liebend, aber auch auffahrend und zu allem bereit, als seine Frau ihn verhöhnend von vermeintlichem Betrug und Verkauf ihrer Fähigkeit, Mutter zu werden, berichtet. Eine dankbare Partie für kraftvolle Baritone mit sehr guter Höhe. Alfred Muff singt diese sicher, meistens tonschön und mit nahezu tenoraler Höhe, dazu mit gutem Legato und einigen Zwischentönen. Allerdings bleibt er im Vergleich zu Schöffler, Metternich oder Fischer-Dieskau etwas blass.
Die Färberin, Baraks Frau, ist eine hybride Partie: Sie stellt höchste Anforderungen an die Sängerin in puncto Höhensicherheit, Durchschlagskraft, Ausdauer und Charakterisierungskunst. Bei der Uraufführung gab Lotte Lehmann die Färberin (und 1919 verfügte sie noch über eine sichere Höhe), also sicherlich kein hochdramatischer Sopran, wie es inzwischen Tradition geworden ist. Die vielen hochliegenden Phrasen gewinnen erst dann vollkommene musikalische Überzeugung, wenn sie mit Legato und dem Sinn für die Melodie geformt werden, etwas, was Lehmann neben der stimmlichen Charakterisierungskunst auszeichnete. Ute Vinzing singt die Färberin mit der Fülle und Kraft eines dramatischen Soprans, der gereift ist an Brünnhilden und Elektras. Sie hat die Stamina für die Partie, eine solide Mittellage sowie eine kraftvolle, sichere Höhe. Die Schwierigkeiten der Färberin bewältigt sie mit ihrer Rollenerfahrung der Bühne, souverän gelingen die Ausbrüche, meistens den Gesangston wahrend. Weniger souverän ist ihre Phrasierung, zu häufig muss sie hohen Tönen zusätzlichen Druck geben, um sie zu erreichen. Ihre sehr reif klingende Stimme (das Timbre eher dunkel in der Mittellage, in der Höhe harsch, sie kann kein Zungen-R sprechen, was bisweilen komisch klingt) ist als Gegensatz zur Kaiserin passend, nicht aber zum Klang des Barak Alfred Muff. Aufgrund der Kraft und Souveränität ihres Soprans aber eine trotz der Einschränkungen sehr beachtliche Leistung, der vielleicht nur noch das Schillernde, Besondere einer Inge Borkh oder Hildegard Behrens fehlen.
Andreas Schmidt als Geisterbote klingt jung, wenig geisterhaft, meistert seine Partie jedoch stimmstark und mit überzeugender Intensität.
Diese wundervoll ausbalancierte Aufnahme wurde 1987 im Münchener Herkulessaal aufgenommen und beeindruckt durch sehr gute Aufnahmetechnik, wenn auch bei geringer Lautstärke der Klang etwas zu entfernt wirkt. Die Stimmen bleiben immer im Vordergrund und sind sehr gut abgemischt. Der Tölzer Knabenchor sowie der Bayerische Rundfunkchor singen sauber und souverän. Alle weiteren Rollen sind gut bis sehr gut besetzt, Julie Kaufmann, Jan-Hendrik Rootering und Marjana Lipovšek seien besonders erwähnt aufgrund ihrer Leistungen, zudem zeigen diese Namen die erstklassige Besetzung auch kleinerer Partien und die Sorgfalt dieser Produktion.
Für den mittleren Preis ist eine orchestral und musikalisch äußerst beeindruckende, die Instrumentationskunst der Partitur phantastisch wiedergebende Aufführung unter einem Meister am Pult entstanden. Welche Aufnahme auch immer man im Schrank hat, diese gehört dazu. Danke, Wolfgang Sawallisch!


Richard Strauss: Vier letzte Lieder
Richard Strauss: Vier letzte Lieder
Preis: EUR 20,37

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Soprankultur für Richard Strauss - ein Genuss, 10. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit einem Recital, welches ausschließlich dem genialen Melodiker Richard Strauss gewidmet ist, lässt die Sopranistin Soile Isokoski aufhorchen: Eine sehr jung, hell klingende und schlank fokussierte Stimme mit einem perfektem Stimmsitz in der Maske, einer schon leicht dunkel getönten Mittellage eines gefestigten lyrischen Soprans, ein runder Klang bis in die höchsten Sopranregionen, gepaart mit einer Mühelosigkeit, die Staunen macht, eine heutzutage selten anzutreffende Pianokultur selbst in der Hochlage, dazu ein hervorragendes Legato sowie eine natürliche Artikulation - Sängerherz, was willst Du mehr?
Die besten Voraussetzungen, um Strauss' Liebe zur Sopranstimme Wirklichkeit werden zu lassen. In den 11 ausgewählten Liedern ( darunter bekanntes wie zB Morgen, Zueignung, Säusle liebe Myrte, oder weniger bekanntes wie zB Ruhe meine Seele, Das Rosenband oder Als mir Dein Lied erklang) und den abschließenden "Vier letzte Lieder" verströmt Frau Isokoski herrlichsten Sopranklang und zeigt gleichzeitig, welche Meistersängerin sie ist. Eine wunderbare Erfahrung!
Naturgemäß stellt sie sich mit ihrer Version der "Vier letzte Lieder" einer ungemein großen Konkurrenz. Allein die stimmtechnische Bewältigung, die Selbstverständlichkeit ihres Singens begeistern und lassen diese Interpretation der Abschiedsgesänge einen hohen Platz einnehmen:
Die wunderschön aufblühende Höhe im recht zügigen "Frühling", die Schattierungen in der Mittellage und breiten Phrasierungen im "September", die sauberen Steigerungen und Einbettung hoher Töne in die Linie in "Beim Schlafengehen", das durchgängig strömende Legato auf breitem Atem im "Im Abendrot" begeistern!
Allein, für einen Toprang fehlen dann doch elementar wichtige Dinge: Ausdruck und Passion!
Kann es sein, dass die vielbeschworene "nordische Kühle" doch existiert? Im Falle von Frau Isokoski wohl ja.
Sie gestaltet eher als "Stimme der Musik", lässt die Melodie und den Klang für sich sprechen, was angesichts ihrer bedeutenden sängerischen Mittel sehr viel ist. Jedoch fehlt mir das überwältigende Element in Form von Selbstentäußerung und Dringlichkeit, ohne welche Lieder wie "Befreit" und "Als mir Dein Lied erklang" um ihrer Höhepunkte quasi beraubt sind. (Um zu hören, was ich meine, sollte man zu Julia Varady Ausgewählte Lieder von Mozart und Strauss oder Margaret Price A tribute to Margaret Price / R. Strauss . Liszt Lieder greifen)
Und der emotionale Aspekt der Trauer, des Abschieds, der Todesahnung ist für die "Vier letzte Lieder" essentiell, lehrte die große Elisabeth Schwarzkopf. Wie recht sie hatte, hört man, wenn man die Szell-Aufnahme (Vier Letzte Lieder/Lieder) letzterer mit der von Frau Isokoski vergleicht: Während stimmliche Schwächen durchaus hörbar sind bei Schwarzkopf, ist das Ergebnis einmalig und bewegend; während Isokoski stimmlich immens beeindruckt, kann sie viel weniger bewegen.
Dies liegt aber auch an Marek Janowski und seiner Gestaltung mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin: Mit weichem und immer vollem Klang lässt er sein Orchester spielen, sehr sauber und korrekt, nur eben auch etwas "steril", wenig farbig und vor allem in den dynamischen Graden unflexibel. (Welche Klang- und Farbspektren hat George Szell seinerzeit demselben Klangkörper entlockt!) Ich finde, dieses Recital ist ein sängerisch perfektes Glanzstück, welchem bei aller Perfektion leider Herz und Seele auf der Strecke geblieben sind. Schade, schade, es hätte außergewöhnlich werden können...
Der Klang der 2001 in der Berliner Jesus-Christus-Kirche aufgenommenen CD ist sehr gut, die Stimme wünschte ich mir doch mehr im Vordergrund. Das Booklet enthält sämtliche Liedtexte auf dtsch. und engl., sowie einen guten Text über Richard Strauss als Komponist und Künstlerinfos, letztere viersprachig.
Fazit: Eine staunenswert begabte und meisterhafte Sängerin sorgt für Wohlklang und gibt Zeugnis einer erlesenen Stimmkultur, welche das Hören zu einem Genuss machen. Als Bereicherung zu den Interpretationen der "Vier letzte Lieder" einer Schwarzkopf, Norman, Popp, noch dazu mit der Sammlung 11 weiterer Lieder mit Orchesterbegleitung als willkommener Ergänzung, auf jeden Fall empfehlenswert.


Thielemann-Wagner- Philadephia Orchestra
Thielemann-Wagner- Philadephia Orchestra
Preis: EUR 10,98

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wagner neu und alt zugleich, 10. April 2013
Die Aufnahme beeindruckt mich durch Transparenz, Eloquenz und Atem in den wunderbaren Phrasierungen. Der Hinweis von Thielemann im Booklet, dass das Orchester in alter deutscher Tradition sitze (Streicher) und somit ein anderer Klang sich entwickeln kann, ist für geübte Hörer zwar nicht wirklich notwendig und überraschend, aber er hilft gleich zu noch intensiverem Zuhören. Alle Stücke sind mit viel dunklem Klang grundiert, zeichnen sich aber auch durch Hörbarkeit der Mittelstimmen aus sowie durch eine große Ausgewogenheit, nichts klingt fett oder schwer, sondern voll, kräftig und leicht. Es wird lebendig und mit viel abgestuften dynamischen Graden hervorragend musiziert, dabei gefällt mir besonders die Gestaltung von Pausen, das Ausspinnen von Phrasen und das Anziehen des Tempos, wo es sich anbietet, beinahe sangbar in der Ausführung. Der Klang des Orchesters ist wunderbar, die Interpretationen sehr schlüssig und ausdrucksvoll, das macht Lust auf mehr.
Die Tempi sind eher langsam, bei Tristan sogar extrem: Hier braucht Thielemann nahezu 5 Minuten mehr als Klemperer für Vorspiel und Liebestod. Der Gewinn ist ein breites Sehnen und Durchsichtigkeit, im Vergleich zu Klemperer fällt die Katastrophe dafür etwas weniger stark aus. Interessant wäre, sämtliche Stücke in einer aktuellen Einspielung zu hören, hat Thielemann doch sein Berauscht-Sein vom Wagnerklang in seinem neuen Buch als "gefährlich" insofern eingestuft, als es zu einer zu großen Breite und weniger Deutung und Dringlichkeit führen kann.
Mir gefällt diese Breite genauso, wie mir die zügigeren Tempi von zB Sawallisch oder Kempe gefallen, wenn es in sich stimmig ist, dieser Faktor kennzeichnet für mich vor allem einen glaubwürdigen Interpretationsansatz. Die Einmaligkeit eines Furtwängler oder auch Knappertsbusch erreicht Thielemann hier noch nicht, aber mit welchem Talent ist er gesegnet....


Capriccio
Capriccio
Preis: EUR 16,94

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Capriccio - veredelt durch Schwarzkopf und Sawallisch, 9. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Capriccio (Audio CD)
Die letzte Oper von Richard Strauss, das Libretto wurde gemeinsam mit Clemens Krauss geschrieben, bringt noch einmal einen "individuellen Tropfen" mit wenig typischem Strauss-Melos, welcher am Besten für Kenner und Genießer geeignet scheint.
Wer den unübertroffenen Melodiker mit schier endlosen und wundervollen Kantilenen kennenlernen möchte, dem seien eher Salome, Ariadne auf Naxos, Daphne und Frau ohne Schatten empfohlen, und natürlich die reinen Orchesterstücke wie Don Juan, Also sprach Zarathustra, Alpensinfonie und Till Eulenspiegel.
Capriccio heißt nicht umsonst "Ein Konversationsstück mit Musik", geht es doch um die uralte und scheinbar unlösbare Frage, ob denn das Wort oder die Musik den Vorrang beim Komponieren habe. Die Antwort von Strauss/Krauss findet sich in den Worten der Gräfin im Schlussmonolog: "Vergebliches Müh'n die beiden zu trennen. In eins verschmolzen sind Worte und Töne - zu einem Neuen verbunden. Geheimnis der Stunde - eine Kunst durch die andere erlöst!.....Wählst Du den einen - verlierst Du den andern!..."
Kann man es besser definieren? Ich finde eigentlich nicht.
Und dieser Erkenntnis folgend, fließt das Stück unentwegt im Konversationston dahin, wobei die Herren Flamand und Olivier stellvertretend für Musik und Dichtung stehen und um die Liebe der Gräfin buhlen. Es ergeben sich Duette, Ensembles, die sich bis zum Oktett ("Lachensemble") steigern, eine singende Schauspielerin, ein Theaterdirektor, italienische Sänger treten auf, es wird über sämtliche Aspekte des Theaterdaseins diskutiert, ehe die Szene sowie die Musik sich beruhigen und nach einem traumhaften Interlude ("Mondscheinmusik") die Gräfin ihren o.g. Schlussmonolog singen darf, noch einmal eine fast 15minütige Fülle an Wohlklang, Stimmführung, Quintessenz Strauss'scher Einfälle für die Sopranstimme, und eine Traumszene jeder bedeutenden lyrisch - dramatischen Sopranistin.
In diesem Falle ist es Elisabeth Schwarzkopf, welche mit erlesenem Geschmack, perfekter Stimmführung und musikalischer sowie interpretatorischer Akuratesse die Partie der Gräfin gestaltet, mit feinem Sinn für Ironie, eine beeindruckende Leistung auf einsamen Spitzenniveau! Besser geht es nicht, höchstens anders.
Ihr Bruder wird von Eberhard Wächter mit männlichem, sonorem und wortdeutlichen Bariton gesungen. Die beiden um die Gräfin buhlenden Herren sind in den Händen von Nicolai Gedda als Flamand und Dietrich Fischer-Dieskau als Olivier. Während Herr Gedda mit seinem hellen, leuchtend - lyrischen Spitzentenor belkantesk überzeugt, gewinnt Herr Fischer-Dieskau zwar gesanglich mit seinem erlesenen Bariton (der in allen dynamischen Graden ansatzlos anspricht und betören kann), vor leichten Überbetonungen und Übertreibungen ist er allerdings schon hier nicht ganz gefeit. Christa Ludwig als Clairon ist mit ihrem klangvollen und phantastisch timbrierten Mezzo eine wunderbare Besetzung, genauso wie Hans Hotter als Theaterdirektor, welcher in seiner großen Szene leider etwas angestrengt klingt, aber ein saftig - lebendiges Portrait erschafft (und der in der UA 1942 den Olivier kreierte!).
Das Philharmonia Orchestra spielt hervorragend, mit weichem Ton und schönen Leistungen der Soloinstrumentalisten. Wolfgang Sawallisch war zum Zeitpunkt der Aufnahme 1957 beinahe noch ein junger Bursche, auf dem Weg zur Weltkarriere. Seine Interpretation beweist, dass er den Strauss "im Blut hatte", um es mal salopp zu formulieren. Die Mischung aus Konversationston und Melodik in Ensembles oder den raren ariosen Stellen gelingt vorzüglich, man spürt, wie er mit den Sängern/Innen atmet und ein gemeinsames Musizieren ermöglicht.
Der frühe Stereoklang ist gut, wenn auch nicht derart ausgereift wie bei Aufnahmen der Decca aus derselben Zeit. Absolute Empfehlung für eine in allen Belangen hervorragende Einspielung, im Besonderen mit der unerreichten Spitzenleistung von Elisabeth Schwarzkopf.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 8, 2013 10:38 PM MEST


Elektra
Elektra
Preis: EUR 15,23

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Traumpaar Varnay - Rysanek, göttlich!, 8. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Elektra (Audio CD)
Elektra, eine der anspruchsvollsten Opern überhaupt, lebt nicht völlig ausschließlich von der Sängerin der Titelpartie; sehr wichtig für den Gesamteindruck sind die Sängerin der Chrysothemis und der Klytämnestra sowie der Sänger des Orest. Nur wenn diese Partien sehr gut bis exzeptionell besetzt sind und der Dirigent nicht nur meint, die Lautstärkegrade nach oben offen zu halten, kann eine Aufführung entstehen, die mitreißt. So geschehen im August 1953 im Radio des WDR.
Astrid Varnay ist eine Legende, die leider kaum kommerzielle Aufnahmen hat machen können, was sicherlich zum Großteil an der Beschaffenheit ihrer individuellen Stimme lag: Ein dunkel getönter dramatischer Sopran mit sehr gutem Tiefenfundament, einem eigenen Timbre, in ihren Glanzjahren eine strahlende und sichere Höhe bis zum C, eine hervorragende Textverständlichkeit, eine sehr gute Technik mit der Fähigkeit zu Legato und Modulation der einzelnen dynamischen Stärkegrade, und nicht zuletzt die wunderbare Durchdringung des Textes durch Imagination und Intellekt, alles zusammen macht sie unter den dramatischen Sopranen zu einem Unikum. Wenn sich auch manche Stimmgourmets am Klang ihres Soprans (vor allem der Höhe) stören, und da gibt es durchaus Töne, bei denen auch ich zustimmen würde, angesichts des Gesamtpakets finde ich dies nebensächlich, zumindest in den Jahren bis ca. 1958, denn bis dahin spielt dies keine Rolle. Ihre Elektra von 1953 ist die dritte Aufnahme nach der sensationellen von 1949, ihrem Debüt unter Mitropoulus in NY und der unter Reiner 1952 aus der MET. Die Interpretation ist nicht wesentlich geändert, aber man hört mehr Reife in der Stimme, einige Details sind anders gestaltet oder gesungen, die Reaktionen auf die Gestaltung der Rysanek und der Fischer haben sicherlich auch Anteil an kleinen Unterschieden, genau das macht ja auch den Reiz aus, wenn eine Sängerin variiert und an der Feinabstufung einer Interpretation arbeitet. Wie in den anderen Aufnahmen ist Frau Varnay für mich die Elektra der Elektras: Sie beherrscht die Partie scheinbar mühelos, hat eine Unzahl an Ausdrucksfarben und Variationen in der Dynamik, ein In-Eins von Text und Ton, satte Töne in allen Lagen, und in den Höhepunkten eine siegessichere leuchtende Höhe. In der Erkennungsszene ist sie wunderbar nuancenreich in ihrem Elend und der Erinnerung, die Stimme jubelt eruptiv "Orest", wird dann aber weicher und weicher, leiser, schimmernd, fast zart, mit Schwelltönen von laut zu leise und umgekehrt gestaltet sie diese Minuten mirakulös sensibel, erschütternd, eine Glanzleistung!
Phantastisch Leonie Rysanek als Chrysothemis: Für mich die Inkarnation dieser Partie, diese strahlenden, großen und von innen lodernden Töne (vor allem in der bombensicheren hohen und höchsten Lage) sind unglaublich und absolut einmalig, sie spiegeln den sehrenden Wunsch nach Kindern, aber natürlich ebenso das Leid der Schwester wider. Hinzu kommt ein schönes Legato und die Piano-Kunst. Allein das Zusammentreffen dieser beiden Stimmen machen die Aufnahme zu einem Klassiker, denn es gibt nicht viele Dokumente gerade dieser Oper, in denen die Protagonistinnen auf einem Niveau und in stimmlicher Vollblüte erlebbar sind.
Hans Hotter bringt neben seinem einzigartigen Timbre seine Gestaltungskunst und das natürliche Volumen für den Orest mit. Die Stimme klingt voll, nicht nasal, schwingt gut und macht die Szene mit Elektra-Varnay zum Höhepunkt, so wie es sein soll und komponiert worden ist. Res Fischer, eine nicht mehr allzu bekannte Altistin, ging schon auf die 60 zu, als sie die Klytämnestra hier interpretierte. Das sage ich jedoch nicht, um ihre Leistung zu schmälern, im Gegenteil: In diesem Alter und nach Partien wie Amneris, Eboli, Brangäne und Ortrud klingt die Stimme erstaunlich unverbraucht. Sie hat eine dunkle Altfarbe, satte Töne in den tiefen Lagen der Partie, und die Register sind gut verbunden. Die hohen Töne singt sie stark und mit guter Absicherung durch den Atem. In der großen Szene Klytämnestra - Elektra gestaltet sie souverän die Zerfallen- sowie Zerrissenheit der Partie, wobei die Farben des Gesangstons durch den klar artikulierten Text untermalt werden. Nach dem Ausbruch Elektras "Was bluten muß?", den die Varnay angsteinflößend furios herausschleudert (gesungen, nicht geschrieen und geschüttelt!), kommt der Augenblick des vermeintlichen Sieges und das Lachen der Mutter, das sowohl dämonisch wie herrisch-hysterisch klingen sollte, dies gelingt der Fischer nicht ganz so überzeugend wie später der Varnay, aber es passt zu ihrer gesungenen Figur. Unglaublich und erschütternd erklingen die Todesschreie der Klytämnestra, wenn das Res Fischer höchstselbst war, dann alle Achtung, das ist Theater pur!
Der Aegisth von Helmut Melchert ist kein Held, aber er erreicht über die Gestaltung des Textes eine überzeugende Wirkung eines Verirrten und Jämmerlichen. Die Stimme klingt hell, dynamisch abwechslungsreich und nicht ganz so strahlend in der Höhe wie man es sich wünschen würde.
Richard Kraus leitet das Orchester des WDR, und er tut dies mit großer Übersicht, Spannung und einem feinen Sinn für die Steigerungen und dem Innehalten der Partitur. Alles wirkt stimmig, er lässt das Orchester schwelgen und explodieren, heulen und klagen, siegreich jubeln und farbig leuchten in den atonalen Klanggemälden der Mutter-Tochter-Szene. Die Musiker spielen auf hohem Niveau. Immer ist das Orchester gut im Monoklang ausbalanciert, es klingt gegenüber den Sängern räumlich zurückgesetzt, das hat den Vorteil, dass auch bei den lautesten Stellen die Sänger nicht zugedeckt werden. Eine Wohltat im Vergleich zu den Knalldirigaten manch berühmterer Pultkollegen. Der Klang ist selbst bei lautem Hören über Kopfhörer nicht getrübt oder überdreht, was Spass macht, um den etwas dumpfen Eindruck bei mittlerer Lautstärke zu umgehen.
Summa summarum: Wer nach einer mitreißenden und luxuriös besetzten Elektra sucht, bei welcher die Hauptpartien wirklich künstlerisch und gesanglich beherrscht werden, und wer keine Scheu vor Monoklang hat, muß hier zugreifen!
Wer auf modernen Klang aus ist, kann sicher orchestral glücklich werden, aber leider nie erfahren, wie die Oper klingen kann, denn die neueren Aufnahmen haben leider immer mehr als ein Manko, und das ist meistens auch die Sängerin der Titelpartie.
Tja, und welche der Varnay-Elektras ist jetzt die beste? Aufgrund der Besetzung und des Dirigats würde ich diese Aufname empfehlen, als Fan von Astrid Varnay besitze ich alle, da jede für sich eine Meisterleistung der Titelpartie darstellt!
Sorry für so viel Text, viel Vergnügen jetzt allen Käufern dieser Aufführung, Sopranjubel und Spannung sind garantiert, ein Fest!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 2, 2014 2:18 PM MEST


Ausgewählte Lieder von Mozart und Strauss
Ausgewählte Lieder von Mozart und Strauss
Preis: EUR 18,43

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auch als Liedsängerin beeindruckend - Julia Varady, 4. April 2013
Wenn man diese 60 Minuten Programm, dargeboten von zwei urmusikalischen Künstlerinnen, am Stück durchgehört hat, ist man nicht nur innerhalb der stilistischen Bandbreite von der Lied-Ariette über das Lied der Klassik, dem Lied als kleinen Drama eines Mozart, dem spätromantischen Lied über die melodieselige, emotionale Vertonung hin zum ekstatisch-hymnischen Liedgesang eines Strauss gelandet, nein, man hat durch die Kunstform "Lied" ariose, schöne, komische, verzweifelte, hingebungsvolle, herzzerreißende und jubelnde Momente seelischen Lebens erfahren dürfen!
Julia Varady und ihrer kongenialen Partnerin Elena Bashkirowa am Klavier gelingt es, die in jedem der hier versammelten 18 Lieder von Mozart und Richard Strauss innewohnende Dramatik, ja die emotionelle Essenz hörbar und erfahrbar werden zu lassen.
Das ist höchst individuell und absolut überzeugend, ja beeindruckend.
Aufgrund ihrer Stimmtechnik kann Julia Varady die ariettenhaften Lieder wunderbar "klassisch" und in reinem Legato vortragen, "Ridente la calma", "Oiseau, si tous les ans" und "Un moto di gioia" erfahren einen eher gesanglichen Ansatz: Linie über Ausdruck.
Dass Mozart aber auch in seinen Liedern dramatische Wahrhaftigkeit braucht, die nach der Attitüde und Stimme einer Diva verlangen, zeigt sich zB in "Der Zauberer" und "Als Luise die Briefe ihres...": Varady lässt keinen Zweifel an der Emotion, der Lage der Frau, die hier erzählt.
Ganz anders und betont leicht, mit einer empfindsamen Melancholie begegnet sie der "Abendempfindung", das ist schlichtweg bewegend. Wieder besonders hervorragend die Fähigkeit der Sängerin, durch den Klang und die Farbe der Stimme den Text sowie die Botschaft dahinter erfahrbar für uns Hörer zu machen, die Stellen "und der Vorhang rollt herab" sowie "Weih mir eine Träne..." seien als Beispiele genannt.
Die Lieder von Richard Strauss sind für mich allesamt überwältigend gelungen!
Ob das Leichte, Träumerische, Innige in den Brentano-Liedern "Ich wollt ein Sträußlein binden" und "Säusle, liebe Myrte" bzw. in "Meinem Kinde" oder das Stimmungsvolle und Keck-Ironische in "Waldseligkeit" und "Schlechtes Wetter", sie trifft immer den "richtigen" Ton. Dass die Lieder auch anders interpretiert werden können, ist beim Hören nicht vorstellbar.
Geradezu ergreifend und existenziell erschütternd "Befreit", noch nie haben mich 5 Minuten derartig gefangen genommen: Beim Höhepunkt des Liedes, "ich will es ihnen wiedergeben" (die Liebe und das Leben), wenn der Klang als Aufschrei der liebenden Seele in einem Aufstieg bis zum hohen A explodiert, geht die Sängerin über das Ziel hinaus und verströmt sich so sehr, dass die Stimme etwas eng und angestrengt klingt - jedoch welche Hingabe, welches Temperament - wer möchte nicht auf diese Weise geliebt werden?
Die finale hymnische "Frühlingsfeier" zeigt, mit welcher Stimm- sowie Klangpracht die Sopranistin zu diesem Zeitpunkt hat singen können, phantastisch!
Dies ist der Grund, warum Julia Varady eine wahre Primadonna genannt werden muss: Es gibt keine Kompromisse bei den Emotionen, bei der Gestaltung der Phrasen, beim Einsatz der Stimme, einzig die musikalische Aussage und die Wahrhaftigkeit sind das Ziel. Dass die Sängerin dabei zuweilen in Kauf nimmt, den "guten und korrekten" Gesangston zu verlassen, ist Ausdruck ihres Musikertums. Zudem ist der Zustand der Stimme bei den Aufnahmen 1991 frisch und jung, das piano und die Leichtigkeit der Höhe sind vorhanden, die Technik hat sie nach fast 30 Karrierejahren vor Schäden bewahrt. Chapeau!

Ein schönes Booklet mit informativen Texten zu Künstlerinnen und Kompositionen sowie sämtlichen Texten ist geziert mit dem Orpheus-Bild von Franz Stuck, ein würdiges Cover, ohne die pseudoerotischen Aufmachungen der von den Marketingabteilungen protegierten "Stars".
Der Klang der Aufnahme ist grundsätzlich gut, die sehr individuelle Klangfarbe der Varady ist gut eingefangen. Allerdings ein kleines Meckern an die Tontechniker und den Schnitt: In "Säusle...." ist bei ungefähr 1:03" eine doppelte Stimme hörbar, das ist bei dem Preis peinlich!
Dringendste Kaufempfehlung für alle Menschen, denen Liedgesang ein Anliegen ist und die keine Angst vor Emotionen haben, natürlich ebenso für alle Varady-Fans und den Liebhabern von Sopranen.


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