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Telegraphic

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Blanc Burn
Blanc Burn
Preis: EUR 20,22

17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen What`s Their Problem?, 20. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Blanc Burn (Audio CD)
Dies ist die Frage, die sich mir in Anspielung auf einen Blancmange-Klassiker nach wiederholter CD-Rotation stellt. OK, als "problematisch" möchte ich diese Scheibe nicht bezeichnen. Zumindest werden das Synth-Pop-Duo Blancmange wohl kaum finanzielle Probleme zum Comeback gedrängt haben. Ansonsten wäre das nie mehr für möglich gehaltene Neuwerk Blanc Burn" in anderem, vorzugsweise poppigerem, Gewand erschienen. Allerdings möchte ich nicht lange um den heißen Brei herum reden. Dieses Album ist in weiten Teilen eher enttäuschend. Warum? Ganz einfach deshalb, weil dieser selbsternannten Süßspeise eben jene Zutaten fehlen, die den einzigartigen Blancmange-Sound in den 80ern ausgemacht haben. Bitte nicht falsch verstehen. Niemand fordert Retro-Wave-Pop oder einen biederen Nostalgie-Trip aber ein bisschen mehr Spielwitz, Verve und Leidenschaft hätten es bitte schön doch sein dürfen. Was hat Blancmange seinerzeit ausgezeichnet? Ungewöhnliche Songstrukturen, teils hysterischer (Feel Me"), teils pathetischer (Waves") Gesang, mal zuckersüße Synthetik (I`ve Seen The Word"), mal gewagte Instrumentierung (Why Don`t They Leave Things Alone?")...um nur einige Herausstellungsmerkmale zu nennen. Und dann waren da natürlich die herrlich spleenigen Experimente mit indischen Klängen (Living On The Ceiling") oder unkomplizierte aber glitzernde Pop-Perlen (Lose Your Love"). Was sich auf Blanc Burn" davon findet? Wenig, zumindest zu wenig. Einige dieser Merkmale werden zwar zitiert, jedoch nur bruchstückhaft. So startet die Scheibe exemplarisch mit einem Song, der eigentlich kein fertiger Song ist, sondern eine nette, belanglose Spielerei. Das folgende Drive Me" weckt dann große Hoffnungen, weil es jene Energie und Verspieltheit ausstrahlt, die Blancmange in ihren besten Momenten verströmten. Neil Arthur knüpft hier gesanglich scheinbar mühelos an alte Tage an. Beim ersten Hören war ich spontan so euphorisiert, dass ich kaum den Rest des Albums abwarten konnte. Und dann das: Die Jungs legen noch einen drauf und liefern mit Ultraviolent" das meiner Meinung nach authentischste und spannendste Stück des Albums ab. Bedrohliche Klangsphären begleiten Arthur bei seinem Streifzug durch dunkle Straßen inmitten einer Szenerie aus Gewalt, Drogen und Prostitution..."there`s a place on our street where girls on crack do tricks cheap...". Hier passt einfach alles. Dieses Niveau kann leider nicht gehalten werden. Mit The Western" folgt zwar ein ordentliches Mid-Tempo-Stück mit Ohrwurmqualität. Mich persönlich kann dieser Song aber gerade deshalb nicht so recht erwärmen, weil das mit Sitar eingespielte Melodie-Riff derart an Living On The Ceiling" erinnert, dass es mir zu anbiedernd wirkt; letztendlich ein lauwarmer Aufguss des größten Blancmange-Hits. Das gelungene Radio Therapy" ist eine esoterisch anmutende Nummer, die eine sowohl sentimentale als auch beruhigende Stimmung vermittelt.
Bis hier hin "alles Roger!", sollte man meinen. Und tatsächlich...hätten Blancmange die Songs 2 bis 6 auf eine EP gepackt, ich wäre entschlossen zur Tat geschritten und hätte großspurig mit 5 Sternen um mich geschmissen. Die Crux ist nur, dass sich danach noch 5 weitere Songs anschließen, die immerhin gut 20 Minuten mehr oder weniger langweilig dahin plätschern. Keine "Grottenstücke", mitnichten. Eher unausgegorene Kuriositäten mit freakigen Titeln (Don`t Forget Your Teeth") sowie schrägen (und zum Glück intelligenten) Lyrics. Diese Songs hätten allesamt eher halbgare B-Seiten oder gutgemeinte Bonus-Stücke abgeben sollen. Stattdessen füllen sie jedoch etwa die Hälfte dieses Longplayers, was den Hörer bei allem Wohlwollen doch auf eine harte Probe stellt. Inmitten dieser schleppenden und mitunter blutleeren Nummern wird mir schlagartig bewusst, an was es dieser Scheibe vornehmlich mangelt. Wo ist Neil Arthur`s leidenschaftlicher und maßloser Gesang geblieben? Wo die Theatralik und die urplötzlichen Ausbrüche? Dieser bittersüße und sarkastische Gesangsstil? All dies fehlt fast gänzlich. Arthur beschränkt sich auf Erzählungen und wirkt stets seltsam distanziert und unberührt, vermeidet fast jegliche Emotion - exakt dies hätte ich aber von Blancmange erwartet! Wir sind hier ja schließlich nicht bei den Pet Shop Boys!
Was hängen bleibt, ist der Eindruck, dass das Duo ruhig etwas ehrgeiziger und ambitionierter hätte zu Werke gehen können. Freilich muss man nach 25 Jahren Sendepause nicht gleich den Charts-Olymp erklimmen, es bleibt jedoch der Verdacht, dass Arthur und Luscombe das Projekt etwas zu entspannt angegangen sind. Sei es wie es ist, meiner Sympathie können sich die Herren jedenfalls nach wie vor sicher sein. Das insgesamt mäßige Comeback kann die früheren Großtaten nicht erschüttern und außerdem finden sich auch auf Blanc Burn" zumindest zwei Glanzstücke und die ein oder andere respektable Nummer. Macht summa summarum 3 Sterne.
Anspieltipps: 2, 3 und 5.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 4, 2015 12:53 AM MEST


History of Modern
History of Modern
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 4,05

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zurück in die Zukunft! Oder: Der gepflegte Synth-Pop lebt doch noch!, 10. November 2010
Rezension bezieht sich auf: History of Modern (Audio CD)
Die wiedervereinten Liverpooler Elektro-Pioniere OMD liefern mit History of Modern" ein ebenso beeindruckendes wie spannendes Comeback-Album ab. Auch wenn McCluskey und Humphreys (Onetwo") sich nie wirklich aus dem Musik-Business verabschiedet hatten, schien das Ende der Band eigentlich spätestens Ende der 90er besiegelt. Ende der 70er waren es OMD die fast gleichzeitig mit Gary Numan und The Human League (inspiriert vor allem von Kraftwerk und Neu!) aus dem Untergrund heraus die englische Popszene mit synthetischen Klängen revolutionierten und damit den Sound der 80er prägten. OMD`s Comeback wirkt umso konsequenter, wenn man beachtet, welchen Hype Interpreten wie Lady GaGa und La Roux derzeit auslösen, obwohl (oder gerade weil) sie ungeniert die Sounds und Popmuster der Altmeister kopieren und neu verpacken.
Als ich den Opener NEW BABIES: NEW TOYS erstmals hörte, blieb mir fast die Spucke weg. Derart angriffslustig hat man OMD seit The New Stone Age" oder Radio Waves" nicht mehr erlebt. McCluskey`s ruppiges Bass-Spiel (New Order!) röhrt uns förmlich zu: Ohren auf! Wir waren einst Post-Punk! Hinzu kommt sein rotziger Gesang gepaart mit delikaten Lyrics ("...there`s no heaven, there`s no hell, cream will float but shit will sell..."). Obendrein darf Mal Holmes sich endlich mal wieder mit treibenden Beats an den Drums austoben, was bei Synth-Poppern naturgemäß nicht die Regel ist. Dass all dies dann mit derben 90er-Synth-Fanfaren und einem Mitgröhl-Refrain kombiniert (oder eigentlich fast konterkariert) wird, gibt diesem Song den letzten Schuss Genialität. Das Endprodukt ist eine einzige knisternde Gratwanderung; eine schräge Melange aus Joy Division und Scooter.
Mit der ersten Single IF YOU WANT IT folgt ein eher mäßiges und vergleichsweise uninspiriert wirkendes Stück. Zwar finden sich hier einige viel versprechende Ansätze, doch verliert sich der Song letztendlich in einer überladenen Produktion und einem zu ambitionierten Chorus. Insgesamt wirkt der Song einfach zu gehetzt - weniger wäre hier mehr gewesen.
Danach jedoch wartet das Album mit zwei weiteren Album-Highlights auf; den beiden Titelstücken HISTORY OF MODERN. PART1 ist von jener Sorte Popgenuss, wie man sie nur alle paar Jahre zu hören bekommt. Mit seinem ureigenen Minimalismus bohrt sich dieses Stück unaufhaltsam in die Gehörgänge ein. Humphreys liefert hier ein zwar schlichtes aber schier geniales Synth-Riff ab und beweist, dass OMD anno 2010 nichts an ihrer Relevanz eingebüßt haben. Herrlich, wie McCluskey schon fast aufreizend zu den federleichten Synthklängen den Weltuntergang herbei singt. Es wäre schon verrückt, wenn dieser Song, der nur so vor Popappeal strotzt, nicht noch als Single ausgekoppelt würde. PART2 bildet hierzu ein episches Gegenstück. In atmosphärischer Dichte steigert sich dieses Stück zu einer packenden Midtempo-Nummer und mündet in einen eingängigen Chorus.
Mit dem melancholischen SOMETIMES sorgen OMD stilistisch für eine kleine Überraschung. McCluskey überzeugt im Duett mit einer an Macy Gray erinnernden weiblichen Stimme. Die Gesangsparts sind eingebettet in schwelgerische und ätherische Klangteppiche. Der Song erinnert stark an Moby, was auf den zweiten Blick allerdings nicht verwundert, zumal besagter Moby mehrfach verlautbaren ließ, dass seine Soundideen auch von den frühen OMD inspiriert sind.
Eine herausragend emotionale Gesangsleistung liefert McCluskey bei RFWK ab. Kein Wunder, denn dies ist die unverhohlene und offizielle" Liebeserklärung der Liverpooler an die Düsseldorfer Überväter Kraftwerk. Es ist eine wahre Freude wie hier zahlreiche Kraftwerk-Reminiszenzen mit den typisch warmen OMD-Melodien verschmelzen: "...you wrapped your arms around me and the loading had begun".
Das erlösende NEW HOLY GROUND erinnert in einigen Passagen an diverse legendäre Single-B-Seiten zwischen 1981 und 1984. Hier knüpfen OMD an die Stärken ihrer Frühphase an. Spärlich eingesetzte Streicher, Choral-Samples und Mellotron-Klänge zaubern eine wundersam beruhigende Grundstimmung hierbei. Anstatt konventioneller Beats wird der Song von hallenden Schrittgeräuschen begleitet. McCluskey singt hier zugleich eindringlich und zurückhaltend und bewegt sich textlich nahe am Abgrund: "...there`s no hope of saviour and no escape from sin - we must now abandon the people that we`ve been....".
THE FUTURE, THE PAST AND FOREVER AFTER sowie SISTER MARIE SAYS sind Up-Tempo-Nummern wie OMD sie früher reihenweise produziert haben. Ersteres ist in teils wunderbar verschrobene Synthies gekleidet und McCluskey streift stimmlich ab und an die Schmerzgrenze, doch das Gesamtkonstrukt überzeugt durch seine gewagten rhythmischen Wechsel und retro-futuristischen Klangbilder...und weckt Assoziationen zu einem Giorgio Moroder zu Zeiten von I Feel Love" und einem Trevor Horn um circa 1984. Sister Marie Says" verdient das Prädikat Ohrwurm und ist nicht zufällig die zweite Singleauskopplung. Der Track kommt als schmissiger Hybrid von Enola Gay" und diversen OMD-Songs der frühen 90er daher; nicht sonderlich tiefgründig aber Synth-Pop in Reinkultur und mit Hitpotenzial inklusive.
Mit ultra-liberaler Toleranz könnte man das dancefloor-lastige PULSE als stilistische Bereicherung und aufpeppendes Element lobpreisen. Der New-Wave-Purist hingegen wird in Pulse" wohl eher ein Stör- oder besser gesagt Stöhnmanöver" sehen. Spontan erinnern die blubbernden Bässe, scheppernden Beats sowie die gestöhnten und gemurmelten Lyrics an Ergüsse der Herren Timbaland/Timberlake. Pulse" mag in seinem Genre zwar durchaus Qualitäten besitzen, kann das konstant hohe Niveau des Albums jedoch nicht mitgehen.
Zu guter letzt wird das Album dann in ruhiges Fahrwasser geleitet, ohne aber nur ansatzweise langweilig zu werden. Das balladeske GREEN enthält die bewährten OMD-Zutaten. Eine hübsche Synth-Melodie, Chor-Samples und sehnsuchtsvolle Vocals. Hinzu kommt ein elektronischer Rhythmus, der auch der Feder eines Vince Clarke entsprungen sein könnte.
Das fein arrangierte BONDAGE OF FATE wird von einem Drei-Viertel-Takt getragen und versprüht eine warme, nostalgische Atmosphäre.
THE RIGHT SIDE? setzt zum Abschluss nochmals einen absoluten Glanzpunkt. In diesem mehr als 8-minütigen Elektro-Epos brillieren OMD nach Belieben mit Synth-Samples und Chor-Effekten. Eingebettet in eine chillige Klangwelt erzählt McCluskey eine klassische Teenage-Angst-Ballade": "Come with me he`s saying - Stay with me she`s praying". Die Kardinalsfrage "Is this the right side?" wird von einer verzerrten weiblichen Stimme schaurig schön dahin gehaucht - das würdige Ende eines starken Comeback-Albums!

Anspieltipps: 1, 3, 6, 7 und 13

Übrigens: Die MP3-Version bietet als lohnenswertes Schmankerl den exzellenten Bonustrack IDEA 1 (Amazon exklusive!).


Head First
Head First
Preis: EUR 7,28

6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mutiges Popalbum in Geschmacksrichtung Caretta Orange, 5. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Head First (Audio CD)
Obwohl man als Goldfrapp-Fan an gewagte Stilwechsel gewöhnt ist, staunte ich nicht schlecht als ich erstmals die extrem radiotaugliche Single Rocket" hörte. Diesem Song steht das Etikett Monsterhit" quasi auf die Stirn geschrieben. Das kongeniale Duo Gregory/Goldfrapp macht mit Rocket" wahrlich keine Gefangenen. Die fetten so penetrant an Van Halen`s "Jump" und an den Flashdance-Soundtrack erinnernden Synthies geben unmissverständlich die Grundausrichtung des neuen Albums Head First" vor: Referenzen an die 80er an allen Ecken und Enden. Bei der Umsetzung dieses Projekts hätten es sich Goldfrapp wahrlich einfach machen können, wenn sie sich im Sounduniversum cooler Elektro-Pioniere wie Human League, OMD, Depeche Mode oder Gary Numan bedient hätten. Doch weit gefehlt! Vielmehr besitzen sie die unglaubliche Chuzpe den tendenziell kitschigen Klängen der Produzenten Giorgio Moroder oder Harold Faltermeyer zu huldigen. Jenen Herren, die bereits in den 80ern bei damals hippen New-Wavern als höchst peinlich galten und deren Plattenkäufer-Klientel sich hauptsächlich aus passionierten Auto-Scooter-Freaks oder Miami-Vice-Fans rekrutierte. Mit diesem Schachzug erheben sich Goldfrapp verwegen über die Schar junger Elektro-Ladies wie Lady Gaga, La Roux oder Little Boots. Während letztere gerne die Nähe der besagten Elektro-Pioniere suchen, pfeifen Goldfrapp auf diese Coolness und erschaffen ihr ganz eigenes synthetisches Klangereignis. Wo Lady Gaga und Konsorten eher plump und dreist Retro-Sounds in moderne Beats einarbeiten, bewegt sich bei Goldfrapp alles unter der Oberfläche - die Songs werden nicht von analogen Synth-Klängen beherrscht, sondern solche werden traumwandlerisch eingebettet in intelligente, atmosphärische und zeitgemäße Popsongs. Die meisten Songs des Albums sind zwar purer Pop aber deutlich subtiler und filigraner als die Single Rocket". Wer also eine Ansammlung fröhlich schlichter Discostampfer erwartet oder auf eine Neuauflage der berüchtigten Italo-Boot-Mix-Reihe hofft, wird sich (Gott sei Dank!) schnell getäuscht fühlen. Nach wie vor bezaubern die Songs durch Alison Goldfrapp`s mal zerbrechlichen, mal engelsgleichen aber stets ausdrucksstarken Gesang.
Leider melden sich auch dieses Mal wieder zu Hauf jene Kritiker zu Wort, die nun schon seit Jahren nicht wahr haben wollen, dass Goldfrapp vehement gegen jede stilistische Stagnation ankämpfen. Auch ich war und bin vom experimentellen Debütalbum Felt Mountain" beeindruckt, doch respektiere ich den von Goldfrapp eingeschlagenen Weg ständiger klanglicher Weiterentwicklung - einen Ausdruck größter musikalischer Kreativität und künstlerischen Anspruchs. Alles in allem kann man Head First" meines Erachtens als das bisher mutigste Goldfrapp-Album bezeichnen, da die allgegenwärtige Pop-Ironie und die provokanten Sound-Zitate schnell als trivial missverstanden werden können.
Von Song 1 bis 8 kokettieren Goldfrapp virtuos mit den 80ern. In Alive" vernimmt man im Hintergrund Rick-Springfield-Gitarren. Eigentlich eine Todsünde aber bei Goldfrapp funktioniert es fabelhaft. Doch damit nicht genug. Direkt nach dem Refrain scheint einem soundtechnisch Captain Future`s Raumschiff entgegen zu kommen.
Dreaming" weckt Erinnerungen an diverse Euro-Disco-Hits (insbesondere das Intro) und Alison`s Stimme schlägt hierzu einen packenden Spannungsbogen.
Herz und Seele des Albums ist das Titelstück Head First". Selten wurde Lust auf Pop derart spielerisch und euphorisierend vertont. Der Refrain verweist so unverschämt frech auf Moroder und Abba, dass es mir jedes Mal ein Dauergrinsen ins Gesicht verschlägt. War moderner Synthie-Pop der Perfektion jemals so nahe?
Den zweiten grandiosen Höhepunkt setzt das abschließende Voicething". Stilistisch fällt dieser Song, oder besser gesagt dieses Klangexperiment, komplett aus dem Rahmen. Nach 8 eingängigen Popsongs versetzt einen die strahlende Schönheit dieses so herrlich sonderbaren Musikstücks nahezu in einen psychedelischen Zustand. Alison`s sirenenhaften Laute treiben dieses Stück voran und lassen den völlig berauschten Hörer verzückt zurück. Dieser Song dürfte Balsam auf die Seelen aller ach so gescholtenen Felt-Mountain-Jünger sein.

Mit Head First" veröffentlichen Goldfrapp nunmehr innerhalb der letzten 10 Jahre ihr 5. Album. Jedes Album bietet dem Hörer einen in sich stimmigen Kosmos elektronischer Popmusik. Goldfrapp kann man daher in ihrer Musiksparte guten Gewissens als den Topact in Sachen Anspruch und Kreativität bezeichnen. Hörer, die sowohl synthetische Musik der 80er als auch der Neuzeit lieben, sollten keinen Augenblick zögern, sondern zugreifen. Für die Unentschlossenen, die noch Hörproben benötigen, seien folgende Songs empfohlen: 2, 3, 5, und 9.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 12, 2010 5:55 PM MEST


Sounds Of The Universe
Sounds Of The Universe
Preis: EUR 14,88

24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn dies das Universum ist,.........., 9. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Sounds Of The Universe (Audio CD)
...müssen Raumfahrt und Astronomie reichlich spröde Wissenschaften sein.
Im Vorfeld der Veröffentlichung habe ich über SOTU in der Musikpresse einigen intellektuellen Firlefanz gelesen. Nachdem bereits der erste Hördurchgang eine trübe Ernüchterung in mir auslöste, wollte diese Grundtendenz auch in der Folge nicht weichen. Warum? Weil das Album nicht ansatzweise so viel Tiefgang und Potenzial besitzt wie ihm teilweise nachgesagt wird. SOTU verbreitet bis auf wenige (allerdings glorreiche) Ausnahmen eine stumpfe und fade Grundstimmung. Man wird von einer Überdosis dröhnender und schleppender Midtempo-Nummern quasi betäubt. SOTU ist eine Symbiose aus eintönig verzerrten Gitarren und gewieften Soundspielereien. Doch wo sind nur die hymnischen Gesangsparts geblieben, die DM seinerzeit ausmachten? Wo die Hooks und Melodien, die diese Band im Schmelztiegel zwischen Pop, Indie und Elektronik von der Masse unterschied? Sorry, aber im Gegensatz zu vielen anderen Rezensenten bleiben mir diese magischen Momente bei etwa zwei Dritteln der Songs verborgen, obwohl ich schier verzweifelt nach Zugang zu diesem Album ringe. Ich würde mich nur allzu gerne zu den Erleuchteten" zählen, doch es mag mir einfach nicht gelingen. Auch ich kann der Scheibe anspruchsvolle Texte und eine hochkarätige Produktion bescheinigen. Und die Songs? Meist grundsolide. Einen Totalausfall kann ich nicht ausmachen. Doch mein Gefühlszentrum erreichen nur die wenigsten Stücke. Wo sind die Emotionen, die großen Gefühle? Fehlanzeige. Stattdessen ein einziges mattes Wehklagen in Moll. Exemplarisch hierfür steht bereits der Opener In Chains". Das elektronische Intro erweckt in mir knisternde Spannung. Auch Gahan`s einsetzender Gesang ist viel versprechend, doch der Song kann nicht nachlegen, er verliert sich im Mittelmaß und beginnt nach etwa 4 Minuten zu langweilen. Gleiches gilt für Hole To Feed", Little Soul", In Sympathy" und, und, und.
Klar, die Produktion verdient größten Respekt. Ich wehre mich jedoch gegen den Anspruch, die wahren Qualitäten eines Albums erst mit Hilfe eines SACD-Players und irgendwelcher Hightech-Kopfhörer erkennen zu können. Offensichtlich verstehen DM dies aber unter Sounds Of The Universe". Mein HiFi-Sound-Universum hingegen ist eher von mittelprächtiger Qualität. Vielleicht kommen die Songs in meinen Ohren deshalb eher in irdischem Gewand daher. Exzellentes Songmaterial sollte über solche technischen Spirenzien eigentlich erhaben sein. Einem wirklich starken Song sollte sogar der schäbigste Abwrack-Ghettoblaster nichts anhaben können. Hierin liegt auch das Hauptproblem des Albums. Es scheint, als sei DM (den einst viel verschmähten Synthie-Poppern) der plötzlich in den letzten Jahren von der Musikpresse entgegengebrachte Respekt zu Kopfe gestiegen. Die Band verliert sich auf SOTU derart in einer pseudo-künstlerischen und gezwungenen Suche nach einer neuen Soundkreation (retro-futuristisch"), dass man es versäumte, gute Songs zu schreiben. Sehr, sehr schade.
Doch nicht alles ist langweiliger Durchschnitt, wahrlich nicht. Natürlich lassen DM auch auf SOTU ihr brillantes Können hin und wieder aufblitzen. Inmitten der schwermütigen Dröhnung wartet das Album urplötzlich mit großartigen Perlen auf. Allen voran das flehende und so herrlich futuristische Peace". Zumindest in diesem Song halten DM ihr Versprechen vom Universum. Mehr noch - sie übertreffen alle Erwartungen. Die Stimmen der Herren Gahan und Gore schaukeln den Hörer (begleitet von spaciger Elektronik) in einen Zustand tranceartiger Euphorie. Besser geht`s nicht. Diesem Song gebührt schon nach kürzester Hörprobe das Prädikat Alltime-Klassiker". Peace" verdient es tatsächlich, dass man ihm das bisher unentdeckte Genre des Elektro-Gospel" widmet. Auch Fragile Tension" überzeugt mich vollauf. Hier wird deutlich, dass DM nach wie vor auch die poppige Spielart beherrschen - ohnehin immer eine Hauptkompetenz der Band. In diesem Song setzt die Band den mit Playing The Angel (PTA) eingeschlagenen Weg fort, was (aus meiner Sicht) kein Fehler ist. Über Wrong" muss man wohl kaum Worte verlieren. Welch mutige Singleauskopplung! Dieser Song schlägt mit seinen Oldschool-Synthies so herrlich rotzig, dreckig und fett in die Gehörgänge ein. Ein echter Energie geladener Geniestreich, der sich wohltuend abhebt. Come Back" ist Gahan`s spannendster Beitrag als Songwriter. Immerhin ein Song, der nach mehrmaligem Hören deutlich wächst. Ein so bewegender Moment wie Nothing`s Impossible" auf PTA bleibt Gahan diesmal jedoch vergönnt. Das unspektakuläre Spacewalker" ist ein nettes, entspanntes Instrumentalstück, welches in mir tatsächlich Assoziationen mit dem Universum weckt. Die Atmosphäre wandelt irgendwo zwischen Spacetrip und Kettenkarusell.
Gore`s Solo-Gesangspart überrascht mich dieses Mal sogar positiv. Auf PTA und auch Exciter waren seine Gesangsbeiträge noch höchst enttäuschend. Auf der Ballade Jezebel" verschmilzt Gore`s Stimme mit warmen Gitarreklängen und den ansonsten so raren melodischen Synthies.
Das abschließende Corrupt" erinnert in Songstruktur und Gesang tatsächlich etwas an Clean" von Violator - von dessen fesselnder Abgründigkeit bleibt es jedoch meilenweit entfernt.
Letztendlich handelt es sich bei SOTU aus meiner Sicht um ein ziemlich sperriges und schwer zugängliches Ungetüm. An den Vorgänger PTA reicht es nicht heran. Alleine die wenigen (aber umso stärkeren) Höhepunkte bewegen mich zu einer Bewertung von 3 Sternen. Die Auswahl der Anspieltipps fällt mir deshalb leicht wie selten - bitte schön: 3, 4 und 7.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 4, 2013 6:02 PM MEST


Happy Families (+Bonus)
Happy Families (+Bonus)

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandioses Debütalbum einer völlig unterschätzten Band, 12. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Happy Families (+Bonus) (Audio CD)
Man hält es kaum für möglich. Aber endlich hat sich ein Label davon überzeugen lassen, die in den Jahren 1982 bis 1985 veröffentlichten 3 Alben des britischen Popduos Blancmange digital zu überarbeiten und mit Bonustracks zu bestücken. Warum erst jetzt, obwohl die Alben seit Jahren kaum noch oder gar nicht mehr erhältlich waren? Antwort: Weil Blancmange schon in den 80ern aus kaum nachvollziehbaren Gründen nur ein Schattendasein innerhalb der schillernden Synth- und Wave-Szene fristeten. Am musikalischen Output der Band kann das wahrlich nicht gelegen haben. Wohl eher aber daran, dass in den frühen 80ern in besonderem Maße der Erfolg einer Band von deren Image-Tauglichkeit abhing. Nun gut......, die Londoner Jungs kamen eben nicht ganz so cool gestylt daher wie z.B. Depeche Mode oder Steve Strange und strahlten nicht im Geringsten die nervige aber profitable Hybris von Duran Duran und Konsorten aus. Als dann mit dem dritten Longplayer der kommerzielle Erfolg gänzlich ausblieb, lösten sich Blancmange auf. Erst 3 Jahre zuvor (1982) hatten Blancmange mit Happy Families" ein überragendes Debüt vorgelegt, welches sicherlich zu den absoluten Klassikern der Synthie-Dekade zu zählen ist. Und dann noch dieses sensationelle Platten-Cover!!! Mancher wird das kitschige Treiben der Katzenfamilie sicherlich mit ungläubigem Kopfschütteln betrachten - ich jedenfalls bin begeistert. Im übrigen spiegelt das Cover schon fast genial diese Ironie und Schrägheit wider, die sich allgegenwärtig auch in den Songs der Herren Arthur und Luscombe findet.
Wie bei Gary Numan, OMD und Human League, die Ende der 70er Vorreiter der britischen Elektro-Welle waren, ist auch bei Blancmange der Kraftwerk-Einfluss unverkennbar. Verantwortlich für den typischen Blancmange-Sound sind insbesondere die ungewöhnlich kantigen Songstrukturen sowie Neil Arthurs markante und wandlungsfähige Stimme. Mit I Can`t Explain" und Feel Me" startet die Scheibe fulminant. Man möchte fast meinen, die Talking Heads hätten sich mit Elektro-Equipment eingedeckt, so neurotisch und unberechenbar präsentieren sich hier Blancmange. Bedrohliche Synth-Wände duellieren sich mit Arthurs fast hysterischem Gesang. Als Kontrast folgt die poppigste Phase des Albums. Zunächst das melancholische I`ve Seen The Word", gefolgt von dem eingängigen und schwerelosen Wasted". Der größte Hit der Band Living On The Ceiling" begeistert nicht nur durch einen packenden Chorus, sondern auch durch den mutigen Einsatz fernöstlicher Instrumente. Waves", eine weitere erfolgreiche Single, zählt für mich bis heute zu den bewegendsten Synth-Balladen aller Zeiten. Instrumentierung und Gesang sind an Dramatik kaum zu überbieten: What are these waves, They`re coming over me, It must be my destiny".
Insgesamt enthält das Album nicht einen echten Tiefpunkt. Mit Sad Day" wird noch ein himmlisch chilliges Instrumentalstück vorgelegt.
Da die Neuauflage neben dem sehr gelungenen Digital Remaster obendrein noch mit Bonustracks (überwiegend alte Remixe) aufwartet, muss man jedem Fan dieses Genre den Kauf empfehlen - oder besser, befehlen! Keine Diskussion: 5 Sterne. Und übrigens, die Folgealben Mange Tout" und Believe You Me" enthalten ebenfalls viele Pop-Perlen.


Lasse Redn
Lasse Redn

7 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "Lasst es besser bleiben!", 19. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Lasse Redn (Audio CD)
Eins vorweg genommen: Das Album Jazz ist anders" ist mir unbekannt...und wird es wohl auch auf ewig bleiben. Denn ein Longplayer, der eine derart abgrundtief schrottige Single wie Lasse Redn" beheimatet, ist mir nicht einmal ein Probehören wert. Es mag also sein, dass es sich bei diesem Song, um einen einzelnen fürchterlichen Ausrutscher handelt..., doch egal, diese Rezension widmet sich diesem speziellen Song und deshalb sind hier moderate Töne fehl am Platze.
Was ist nur aus dieser Band geworden?!? Einer Band, die einst mit Ab 18" die wahrscheinlich rotzfrecheste Scheibe der deutschen Rockgeschichte produziert hat. Einer Band, die trotz Ihrer verdienten kommerziellen Erfolge immer wieder authentische und punkrockige Stücke vorgelegt hat (z.B. Schunder Song", Schrei nach Liebe" etc.). Lange Zeit schienen Die Ärzte autark gegen die Zwänge der Popindustrie zu sein und einfach nur das zu machen, was ihnen Spaß machte. Mit dieser Single haben es die Berliner Jungs bei mir jedoch endgültig versch....n. Wäre da nicht die unverkennbare Stimme Farin Urlaubs, ich wäre mir beim ersten Hören sicher gewesen, dass es sich bei Lasse Redn" um einen jämmerlichen Comebackversuch der unsäglichen Prinzen oder der Blödelbarden von EAV handeln würde. Doch weit gefehlt. Es sind Die Ärzte höchstpersönlich, die hier den Megahit für die nächste Ü-50-Party in Klein-Dudeldorf abliefern. Offensichtlich schielen Die Ärzte mit dieser Single nach dem Geldbeutel jener Millionen Käufer, die sich schon für den Trällersong Männer sind Schweine" begeistern konnten (dem bis dato schwersten Verbrechen der Band). Nun sind eben die bösen Nachbarn" die Schweine. Melodie und Refrain könnten nicht nerviger sein. Die Reime und Texte befinden sich auf dem Niveau einer mittelprächtigen Abizeitung - dabei sind die Bandmitglieder bereits über 40. Doch eigentlich passt der Song ins Bild der aktuellen Live-Auftritte, wovon ich mich beim letztjährigen RaR vergewissern konnte. Die Auftritte muten wie eine Mischung aus Rockkonzert und Stand-Up-Comedy an, wobei letzteres sich nahe am Humorkosmos der Herren Barth oder Pocher bewegt (OK, das klingt vielleicht zu hart). Dabei haben Die Ärzte doch jahrelang die deutsche Rockkultur entscheidend geprägt....und nun so ein kapitaler Fehlgriff! Heute würde man mit Lasse Redn" selbst bei Silbereisens Feste der Volksmusik" nicht aus der Reihe tanzen. Das ist Pomusik im biedersten Gewand. Keimfrei und antiseptisch. Perfekt für die stündliche Setlist der hippen" öffentlich-rechtlichen Radiosender. Mit derart weichgespülten Texten läuft man wahrlich nicht mehr Gefahr, der Zensur zum Opfer zu fallen. Und komme mir bitte niemand damit, ich hätte die ach so beißende Ironie dieses Songs nicht verstanden. Pustekuchen! Mit Lasse Redn" veräppeln Die Ärzte letzten Endes nur die Hörer, indem sie vorgeben, scheinbar spielerisch das Spießertum anzuprangern. In Wirklichkeit kann`s hier nur um das schnelle Geld und um die nächste Top-10-Platzierung gehen. Gänzlich spießige" und uncoole" Ziele eigentlich. Nicht falsch verstehen. Ich gönne den Jungs jeden kommerziellen Erfolg. Völlig unverständlich ist lediglich, dass sich Die Ärzte hierfür eines derartig unoriginellen und stumpfsinnigen Songs bedienen, obwohl sie mit handfestem Punkrock mindestens genauso erfolgreich gewesen wären. Die Band läuft ernsthaft Gefahr, zur Karikatur ihrer selbst zu werden. Nun gut, vielleicht greife ich damit zu weit, doch schade ist die Entwicklung allemal. Dem echten Rock-Fan blutet da das Herz :-(
Fazit: Ein Stern, weil es null" nicht gibt - basta!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 2, 2012 11:29 PM CET


Zeitgeist
Zeitgeist
Preis: EUR 8,88

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wahrlich kein Geniestreich.....aber auch kein Beinbruch!, 27. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Zeitgeist (Audio CD)
Wie soll man diese Scheibe nur bewerten? Dieser Frage sehen sich wohl viele eingefleischte Pumpkins-Fans unweigerlich ausgesetzt.....und zwar auch nach noch so häufigem Durchhören. Eins vorneweg - die Pumpkins legen hier eine mehr als ordentliche Rock-Scheibe vor. Konfrontiert man Zeitgeist" aber mit dem Gesamtwerk der Kürbisse, schneidet diese Scheibe sicherlich höchst bescheiden ab, nein schlimmer, ihr bleibt letztendlich nur die im Sport so viel zitierte Rote Laterne". Mal ehrlich, wäre Zeitgeist" direkt nach Mellon Collie...." veröffentlicht worden, Musikpresse und Fans hätten das Werk in seine Einzelteile zerrissen und Corgan vorsätzlichen Ausverkauf vorgeworfen. Man wird dem Album jedoch nur gerecht, wenn man Corgans höchstpersönliche Entwicklung berücksichtigt. Wandelte er doch die letzten Jahre ziemlich orientierungslos im undefinierbaren Stilbrei, findet er nun (endlich) zu seinen rockigeren Wurzeln zurück.
Völlig überraschend kommt aber, dass sich Corgan fast ausschließlich auf geradlinige und ruppige Stücke beschränkt, die ohne große Einfälle schlicht und einfach treibend voran stürmen. Insoweit hält sich die Musik brav an das, was das Album-Thema Zeitgeist" und die meisten Song-Titel (z.B. United States", For God and Country" etc.) versprechen: Nicht die gewohnt kryptischen und geheimnisvollen Lyrics, sondern schnörkelloses aber wenig originelles Politik- und USA-Bashing. Der Opener Doomsday Clock" und das folgende 7 Shades of Black" geben stellvertretend die Richtung vor: Die Gitarren dröhnen und grunzen, die Drums werden von Chamberlin fast zur Besinnungslosigkeit windelweich geprügelt - ja, der Hörer kriegt von den Kürbissen endlich wieder mal ordentlich auf die Fresse! Darin spiegelt sich aber auch das Problem der Scheibe. Wo sind die wahrlich magischen Momente, die in den 90ern keine andere Band so zauberhaft zelebrierte? Wo ist die Melancholie der Siamese Dream"? Wo strahlt Corgan die unendliche Sehnsucht von Mellon Collie...." aus, die dann in blitzartige Wutausbrüche oder Ekstase umschlagen konnte? Dies waren die Attribute, die den Kürbissen den verdienten Kultstatus einbrachten und die Band von beliebigen Grunge-Kombos ihrer Ära abhob.
Erst Song 4, nämlich That`s The Way (My Love Is)", kommt an das Niveau alter Werke heran. Hier kreiert Corgan die so typische Pumpkins-Atmosphäre zwischen Zuversicht und Verzweiflung und brilliert mit seiner einzigartig zerbrechlichen Stimme.
An der ersten Single Tarantula" werden sich wohl die meisten Geister scheiden. Oberflächlich gesehen scheint es ein eindimensionaler Abrocker mit spröden Proll-Gitarren zu sein. Mir jedenfalls gefällt die Nummer ausgesprochen gut, weil hier die fette Produktion und die Retro-Gitarren einfach perfekt zur Songstruktur passen und der Song obendrein einen mitreißenden Refrain hat.
Weitere Glanzpunkte der Scheibe sind das treibende Starz" und das gefühlvolle Neverlost".
Das fast 10minütige United States" mag musikalisch (auch live) ein spektakulärer Höhepunkt sein. Gefühlsmäßig zieht mich dieses Rock-Ungetüm jedoch nicht vollends in seinen Bann.
Nach dem sehr gefälligen Bring the Light" lassen es die Kürbisse dann unauffällig aber routiniert ausklingen.
Fazit:
Eine x-beliebige Band hätte vielleicht 5 Sterne verdient. Den Pumpkins im Speziellen dürfte man jedoch höchstens 3 Sterne zusprechen, wenn man den alten Meisterwerken, die allesamt 5 Sterne mit +Zeichen verdient haben, gerecht werden möchte. Also erscheinen mir (gerade noch so) 4 Sterne als angemessen.
Anspieltipps: Titel 4,5,6 und 8.


Reproduction (Remastered)
Reproduction (Remastered)
Preis: EUR 8,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Geburtsstunde des experimentellen Synth-Pop, 9. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Reproduction (Remastered) (Audio CD)
In Anbetracht der hervorragenden Klangqualität dieser Neuauflage (Remastered Version) hält man es nicht für möglich, dass diese Scheibe tatsächlich bereits 1979 veröffentlicht wurde. Keineswegs klingen die düsteren und originellen Soundideen der Herren Marsh und Ware nach elektronischer Steinzeit. Ganz im Gegenteil. Bei vielen Stücken drängt sich geradezu auf, dass einige Protagonisten der Dancefloor- und Technoszene der frühen 90er hier eine nimmer versiegende Inspirationsquelle vorfanden. "The Dignity of Labour, Pt.1" könnte auch heute noch nach einer durchzechten Club-Nacht als hypnotischer Chiller für die frühen Morgenstunden herhalten.

Die Songs werden von mechanischen Beats und breiten Synth-Wänden dominiert. "Almost Medieval", "Circus of Death" und "Blind Youth" bestechen hierbei durch stampfende Rhythmen und Oakey`s charismatischen Gesang. Man kann es sicherlich als bahnbrechend bezeichnen, wie Human League hier avantgardistische Elektronik mit schlichteren Popstrukturen verschmelzen lassen. Bemerkenswert ist auch, dass sämtliche Lyrics politisch motiviert und sozialkritisch sind. Eine Haltung, die dem Synth-Pop (und hierbei insbesondere auch Oakey`s späteren Human League) im Laufe der 80er scheinbar vollends abhanden kam.

Wer für elektronische Musik auch nur einen Funken übrig hat, wird bei "The Path of Least Resistance" von chronischer Gänsehaut befallen werden. Derart dramatisch wird hier das beeindruckende Synth-Riff mit Oakey`s klagender Stimme kombiniert. Oakey läuft auf "Reproduction" vor allem immer dann zu Höchstform auf, wenn er von höheren in tiefere Tonlagen wechselt. So auch in "The World Before Last", einer schleppenden aber nicht minder faszinierenden Nummer.

Weiterer Höhepunkt ist freilich das spektakuläre "Empire State Human". Hier lassen Human League die Synthies so richtig scheppern und münden in einen treibenden Refrain - grandios!

Außerdem überraschen Human League mit der eigenwilligen aber faszinierenden Cover-Version "Morale....". Verstörend schräge Sounds leiten hier zu Oakey`s emotionalem "...You`ve Lost That Loving Feeling..."

über.

"Reproduction" ist ein erstaunlich reifes Debütalbum für eine Elektronik-Band. Weitaus ausgereifter und konzeptioneller als die späteren Alben unter Oakey. "Reproduction" befindet sich mindestens auf Augenhöhe mit dem nachfolgenden Klassiker "Travelogue", wobei mir Ersteres sogar qualtitativ dichter erscheint. Ein Pfichtkauf für Fans originärer synthetischer Popmusik! Und eine frühe Version von "Being Boiled" gibt`s als Bonus Track obendrauf.


Our Earthly Pleasures
Our Earthly Pleasures
Wird angeboten von DVD Overstocks
Preis: EUR 8,56

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ernsthafte Anwärter auf den (Indie-)Rock-Olymp!, 21. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Our Earthly Pleasures (Audio CD)
Von Anfang an hatte ich den Eindruck, dass Maximo Park die spannendsten Vertreter der sogenannten "Brit-Pop-Part-2"-Welle sind. Zum einen abwechslungsreicher und vielschichtiger als die Stimmungskanonen von Kaiser Chiefs und zum anderen eingängiger und fetziger als Bloc Party. Mir ging es daher nicht anders als den meisten: Was kann man von dem zweiten Album erwarten? Wird uns die Band wieder mit den Qualitäten des Debüts beglücken aber gleichzeitig auch die dringend notwendige musikalische Weiterentwicklung vollziehen? Klare Antwort: Die großen Erwartungen und zagen Hoffnungen werden erfüllt! Nein, mehr sogar, übertroffen!
Maximo Park klingen auf "Our Earthly Pleasures" etwas runder und reifer (Keine Angst, hier wird kein Rotwein getestet, sondern tatsächlich eine Rock-Scheibe). Die Songs sind in ihrer Gesamtheit nicht mehr ganz so punkig rotzig und ungehobelt, strotzen aber nach wie vor nur so voller Vitalität und Energie. Die trotz ruhigerer Phasen nie abhanden kommende Härte dokumentiert sich immer dann, wenn die Nordengländer unvermutet (fast aus dem Nichts) krachende Gitarrenwände einziehen.
Natürlich ragen auch dieses Mal einige Songs heraus. "Girls who play Guitars" und die erste Single "Our Velocity" überzeugen durch straighte Gitarren und die so typische Retro-Wubber-Orgel. Die sentimentale Midtempo-Nummer "Books from Boxes" erinnert in der Tat etwas an die Smiths - und das schadet keineswegs. "Karaoke Plays" entwickelt einen mitreißenden Refrain. Bei "Your Urge" merkt man am deutlichsten, dass die Band sich nicht vor neuen Wegen scheut. Der Song ist eine himmlisch schöne Ballade, die sich in einem emotionalen Spannungsbogen steigert und steigert (Paul Smith`s Gesang in Hochform). Das unaufhörlich begleitende Piano mag einen hier vielleicht etwas an Coldplays "Clocks" erinnern. Jedenfalls ist dieser Song sicherlich ein Highlight des Albums. Das flotte "By the Monument" hätte sicherlich auch blendend auf "A Certain Trigger" gepasst. Wer bereits nach den ersten 10 Songs von einem gelungenen Zweitlings-Werk überzeugt ist, dem wird es bei den beiden abschließenden Songs die Sprache verschlagen. "Sandblasted and set free" steckt so voller Leidenschaft, dass man vom schwelgerischen Refrain einfach nicht genug bekommen kann. Was die Band mit dem Hörer dann bei dem Schluss-Stück "Parisian Skies" anstellt, grenzt fast an pure Überforderung. Die ganze Platte überzeugt von Song zu Song, doch ganz zum Schluss setzen die Jungs mit diesem Closer noch die Krone drauf. "Parisian Skies" ist ein einziges Meisterwerk, das sämtliche Stärken und Talente der Band in sich vereint. Kraft, Sehnsucht, Energie, Gefühl und ergreifende Lyrics. Herrlich werden die typischen und so genialen Tempowechsel eingeflochten. Wer nach den abschließenden Worten "I love the tiny veins on your back, they remind me of the way that porcelain cracks" noch bei Sinnen ist, dem bleibt nur eins: Der schnelle Griff zur Repeat-Taste :-) Wunderbar!


Deutschland. Ein Sommermärchen: WM-Tagebuch
Deutschland. Ein Sommermärchen: WM-Tagebuch
von Sönke Wortmann
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hautnah! Ein Lesegenuss nicht nur für Fußball-Junkies...., 25. März 2007
...., sondern für alle, die sich von der Leidenschaft und Lebensfreude des WM-Sommers 2006 haben anstecken lassen.

Als ich das WM-Tagebuch erstmals zur Hand nahm, war ich etwas skeptisch. Ich befürchtete, das Buch sei letztendlich lediglich ein Aufguss des erfolgreichen WM-Films. Doch weit gefehlt. Der Verdacht, dass Wortmann hier literarische Wege einschlägt, um auch mit diesem Medium den WM-Hype kommerziell auszuschlachten, verflüchtigt sich schon nach den ersten Kapiteln.

Wortmann liefert exklusive Hintergrundinformationen und Anekdoten, die der WM-Film nicht bietet. Er schildert das Sommermärchen unaufdringlich aus seiner ganz speziellen Sicht. Der Leser nimmt somit Teil an einem Filmprojekt, welches an Authentizität kaum zu überbieten ist. Aus dem Umstand, dass sich hier ein Kulturmensch wochenlang im Leben von Fußballprofis "einnistete", resultiert ein erfrischender und niemals langweiliger Erlebnisbericht. Sicherlich kam dem Projekt auch zugute, dass Wortmann kein "blutiger" Fußball-Laie ist, sondern selbst früher knapp unter der Grenze zum Profibereich kickte. Dank der sensiblen Beobachtungsgabe Wortmanns werden dem Leser die menschlichen, komischen und tragischen Momente des Profisports nahe gebracht. Aufgrund des schlichten und persönlichen Erzählstils hebt sich das Buch wohlwollend von der sonst so reißerischen und oberflächlichen Berichterstattung der Fußball-Medien ab.

Während z.B. die Biographien der Herren "Toni" Schumacher und S. Effenberg einzig mit primitiven Enthüllungsstories glänzten, meiden die Autoren des WM-Tagebuchs jeden banalen Vojeurismus.

In kurzen Kapiteln lässt Wortmann das Herz eines jeden Fans höher schlagen:

Man erfährt, warum das endlich von Klinsmann abgesegnete Film-Projekt beinahe doch noch kurz vor WM-Beginn gescheitert wäre. Wie vom Blitz getroffen nimmt man zur Kenntnis, dass Wortmann 1988 Van Bastens Siegtreffer gegen Deutschland bejubelte. Auch das Geheimnis, warum die Spieler direkt nach den Spielen in Tonnen mit eisgekühltem Wasser sprangen, wird gelüftet. Und, Und, Und.........Schade, dass die WM nur einen Monat lang dauerte!


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