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Rezensionen verfasst von
Ophelia

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Butcher's Crossing: Roman
Butcher's Crossing: Roman
von John Williams
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

4.0 von 5 Sternen Kein Klischee-Western!, 30. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Butcher's Crossing: Roman (Gebundene Ausgabe)
William Andrews, ein junger Harvard Absolvent, macht sich im Jahr 1870 auf den Weg nach Kansas und landet in Butcher's Crossing, einer kleinen sich rasch entwicklenden Stadt im "Wilden Westen". Er sucht das Abenteuer, die Wildnis, Hauptsache raus aus der Stadt und etwas erleben, das er nie mehr vergessen wird. "Ich bin hergekommen, weil ich so viel wie möglich vom Land sehen möchte [...] Ich will es kennenlernen. Ich muss das einfach tun." Getrieben von der Entdeckerlust, schließt er sich drei erfahrenen Männern an, die das Land kennen und Büffel jagen. Die kleine Expedition zieht im Sommer los nach Colorado und will noch vor Einbruch des Winters zurück sein, voll gepackt mit Büffelfellen, die schnelles und gutes Geld versprechen. Sie erreichen ein entlegenes Tal in den Colorado Rockies von paradiesischer Schönheit, wo eine riesige Büffelherde nur auf sie zu warten scheint. Doch die menschliche Gier ist größer als Respekt und Ehrfurcht vor der Natur - und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. "Ob es denn in jedem sei", fragt sich William später, "ohne die Worte dafür zu finden. Lauerte es in jedem verborgen?"

Zeitlich und örtlich angesiedelt wie die meisten Westerngeschichten, hat dieses Buch wenig mit den altbekannten Klischees gemein. Keine wilden Schießereien, markigen Sprüche und indianischen Ureinwohner. Dafür unendlich schöne Naturbeschreibungen, interessante, nicht immer leicht zu durchschauende Persönlichkeiten und eine ruhige aber tiefgründige Darstellung der menschlichen Abgründe.

William Andrews ist ein junger, unschuldiger Mann, der außer der Universität noch nichts von der weiten Welt gesehen hat. In Butcher's Crossing lernt er die Prostituierte Francine kennen und empfindet sofort etwas für sie. Francine kennt die Männer, sie weiß genau, wie sich William entwickeln wird. "Dein Gesicht wird rau von Wind und Sonne sein, und auch deine Hände sind dann nicht mehr so weich". Und sie wird recht behalten, William wird als ein anderer Mensch zurückkehren. Bis dahin wird er so einige Entbehrungen auf sich nehmen, die Grenzen der Natur und seine eigenen Grenzen erfahren, er wird Tiere töten und Menschen sterben sehen. Und er wird die Liebe erleben.

John Williams schafft in gewohnt lakonischer, aber keineswegs emotionsloser Art und Weise eine dichte und gespannte Atmosphäre, was mir schon bei "Stoner" ausgesprochen gut gefallen hat. Er schafft starke eindrucksvolle Bilder, die noch lange nachklingen - mehr als einmal habe ich beim Lesen gedacht, dass dieses Buch eine Verfilmung wert wäre. Das Fortkommen der Männer bei der Büffeljagd wird detailliert beschrieben, ohne jedoch zu langweilen. Gespannt und mit angehaltenem Atem habe ich die dramatischen Wendungen gelesen. Es schwingt jede Menge Zeitgeist mit - das Leben damals war sehr schnelllebig und wechselhaft - was heute wichtig ist, kann morgen schon vergessen und wertlos sein. Diese bittere Erfahrung müssen auch die vier Männer machen. Nicht jedem fällt es leicht das zu akzeptieren, sich anzupassen und weiterzumachen.

Als besonders angenehm empfand ich John Williams' unaufdringliche Art, das Geschehen sehr anschaulich zu schildern, ohne jedoch zu werten und zu urteilen. Er drängt dem Leser auch kein moralisches Urteil über das Verhalten der Protagonisten auf. Eine stille, aber eindringliche Schilderung eines einfachen Lebens.


Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg
Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg
von Hape Kerkeling
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Herz am rechten Fleck, 3. Mai 2015
Irgendwie gehörte dieses Buch nie zu denen, die ich unbedingt lesen wollte, auch wenn ich Hape Kerkeling sehr mag. Aber der Hype darum war mir immer zu groß und daher suspekt.

Doch als meine bessere Hälfte letztens mit diesem Spontankauf ankam, hatte ich doch Lust darauf und habe mich ohne Erwartungen ans Lesen gemacht und in 2 Tagen war ich durch.

Die ersten 50-100 Seiten habe ich mich einigermaßen schwer getan, zu belanglos und in kurzen Sätzen beschreibt Hape seine Wandertage und seine eigenen Befindlichkeiten. Der Schreibstil ist einfach und direkt, wortreiche Beschreibungen der Landschaft sucht man vergeblich (und ich gebe zu, ich hätte es schön gefunden). Doch dann, ab knapp der Hälfte des Buches, geschieht in meinen Augen etwas, das dem ganzen Buch eine Wendung gibt - er belauscht unfreiwillig die Wortwechsel eines deutschen Ehepaars im Nebenzimmer seiner Unterkunft. Später tauft der die beiden insgeheim Schnabbel und Bock, denn sie tauchen immer wieder während seiner Wanderung auf, wenn er sie am wenigsten gebrauchen kann. Aber er merkt bald, dass die beiden, vor allem die Frau, ihm einiges über sich selbst und seine Fehler lehren können. Liebevoll nennt er sie "meinen Schatten".

Später trifft er dann noch Anne und Sheelagh, zu denen er eine tiefe Vertrautheit und Freundschaft aufbaut, die bis heute Bestand hat. Gemeinsam pilgern sie die letzten 100 Kilometer nach Santiago, und die haben es wahrlich in sich. Hape erlebt wirklich Unglaubliches, Mystisches und Erhellendes und schildert dies auf sehr eindrückliche, humorvolle und wirklich wunderbare Art, dass einem ganz warm ums Herz wird. Zwischendurch bekommen wir witzige oder auch denkwürdige Anekdoten aus seinem Leben serviert, die einen Einblick in die Person Hape geben. Sympathisch fand ich, dass es ihm fast unangenehm war, als der Hape Kerkeling aus dem Fernsehen erkannt zu werden, und er hat sich während der Pilgerreise auch nie als solcher bei anderen vorgestellt. Es schien ihm wichtig zu sein, als ganz normaler Mensch und Pilger wahrgenommen zu werden.

Mir hat dieses Buch wirklich sehr viel Freude bereitet, ich habe viel gelacht und mir die eine oder andere Träne verdrückt, und vor allem die letzte Seite hat mich sehr gerührt, da ich das für mich persönlich unterschreiben kann. Hape ist ein toller Mann, der das Herz am rechten Fleck hat.


Überfahrt mit Dame: Eine Salonerzählung
Überfahrt mit Dame: Eine Salonerzählung
von Alexander Pechmann
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich wieder ein schöner James auf deutsch, 3. Mai 2015
Diese Novelle von James wurde neu entdeckt und liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor. Es handelt sich um eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. Als Inspiration diente James u.a. die Erzählung "Die Reise nach Panama" von Anthony Trollope, die diesem Band beigefügt ist. Wir haben also zwei Erzählungen in einem Band, die sich von der Grundidee ähneln, beide Autoren gehen sie aber auf ihre eigene Weise an. Ich brauche nicht erwähnen wessen Story mir besser gefiel.

Eine vierköpfige Gesellschaft macht sich auf die Reise von Boston (USA) nach Liverpool (GB) mit einem Schiff, der Patagonia: Mrs. Nettlepoint, ihr Sohn Jasper, der Erzähler und die junge Grace Mavis, die nach 10 Jahren Verlobungszeit nun von ihrem zukünftigen Mann in Liverpool erwartet wird. Doch eine Fahrt über den Atlantik dauert lange, und es beginnen sich unter den Reisenden Gerüchte und Intrigen über Miss Mavis zu verbreiten, sie hätte mit Jasper angebandelt, was für damalige Zeiten wirklich skandalös war. Tatsächlich wird sie nur allzu häufig in seiner Nähe gesehen...

Die Geschichte wird aus der Perpsektive eines Mitreisenden erzählt, der mit Mrs. Nettlepoint befreundet ist. Dadurch ist er einerseits Augenzeuge, andererseits sieht und weiß er nicht alles und muss sich ebenso wie der Leser in Spekulationen und Andeutungen ergeben. Das verstärkt noch die nebulöse und spannende Atmosphäre, die James schafft. In gewohnter Manier entwirft er hier ein Sittenbild der viktorianischen Zeit und stellt wieder einmal ein Frauenschicksal in den Vordergrund. Stark sind hier wieder James' feine Beobachtungsgabe und sein Talent, Charakterzüge zu beschreiben, dabei schwingt immer leiser Zynismus mit.

Kurzum: Ein typischer James und ein reines Lesevergnügen!


Hart auf hart: Roman
Hart auf hart: Roman
von T.C. Boyle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas schwach auf der Brust, 3. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Hart auf hart: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zugegebenermaßen bin ich recht unschlüssig, wie ich dieses Buch finden soll. Positiv zu erwähnen ist Boyles direkter, teils derber und witziger Schreibstil, der es einem leicht macht, schnell in die Story hineinzufinden. Zu Beginn geht es um Adams Eltern, die in Südamerika eine Kreuzfahrt machen und dabei einen unschönen Zwischenfall erleben, aus der Adams Vater als "Held" hevorgeht. Scheinbar hat diese Episode nichts mit der weiteren Handlung zu tun, doch der Bogen wird ganz am Ende geschlagen. Zu viel sei hier nicht verraten.

Erst danach beginnt die eigentliche Geschichte um Adam, einem eigenbrötlerischen jungen Mann und Waffennarr in seinen Zwanzigern, der sich schon als Teenie nie anpassen konnte, und der sich jetzt als Erwachsener völlig aus der Gesellschaft zurückziehen möchte. Den Tod seiner Großmutter hat er nicht verkraftet, er redet immer noch mit ihr als wäre sie da. Irgendwie kann man ihn nie ganz fassen, diesen stillen Träumer, der in seiner Gedankenwelt mit dem Trapper John Colter aus dem 18. Jahrhundert verschmilzt und ein "Waldläufer" wird. Doch da ist Sara, eine Möchtegern-Unangepasste mit "Draufgängerstiefeln" und knappen Blusen, die Adam am Straßenrand aufgabelt und mit ihm eine eigenwillige Affäre beginnt. Selbst recht labil, schafft sie es ein Stück weit zu ihm duchzudringen. Ein Großteil des Buches wird die Beziehung zwischen den beiden beschrieben, in der es Hauptsächlich um Essen, Alkohol und Sex geht. Sie, die ältere, bemuttert ihn, und er nimmt bereitwillig alles, was sie ihm bietet, offenbart sich selbst aber nie vollständig. Lieber zieht er sich in seinen Wald zurück, wenn ihm alles zu viel wird.

Als dann das Haus seiner Großmutter, in dem er wohnt, von seinen Eltern verkauft wird (wobei diese doch wissen wie wichtig ihm Unabhängigkeit ist), dreht Adam durch, und die Geschichte nimmt eine tragische Wendung.

Beim Lesen habe ich mich oft gefragt, ob und wann in diesem Buch nochmal so etwas wie Handlung stattfindet, oder ob man bis zum Ende Adam und Sara beim Saufen und beim Sex und beim Rumpöbeln über die "scheiß Gesellschaft" begleiten muss. Es plätschert alles sehr lange vor sich hin, erst beim "Durchdrehen" Adams nimmt die Geschichte etwas Fahrt auf und entwickelt etwas Spannung. Aber wirklich mitgefiebert habe ich nicht, weil ich mich beim Lesen mit keiner einzigen Figur identifizieren, geschweige denn Sympathie oder Interesse aufbauen konnte. Alles bleibt eher unnahbar und oberflächlich.

Und immer wieder habe ich mich gefragt, in welche Richtung Boyle hier eigentlich gehen will. Ist es Satire, ist es Gesellschaftskritik? Ein Abgesang auf den American Way of Life ist es jedenfalls nicht. Die Vorurteile und Doppelmoral amerikanischer Kleinbürger wird hier aufgezeigt, aber so richtig überzeugt es mich nicht. Von dem "bösem Witz", von dem auf der Buchrückseite die Rede ist, erkenne ich nicht viel. Es kommt doch etwas schwach auf der Brust daher, und die Moral von der Geschichte, dass Freiheit auch und vor allem in den USA eine Illusion ist, kann wohl keinen mehr hinter dem Ofen hervorlocken.

Aufgrund gemischter Gefühle, und des doch ganz angenehm zu lesenden Schreibstils, der über die flache Handlung hinwegtröstet, vergebe ich 3 Sterne.


Der Sommer, in dem es zu schneien begann: Roman
Der Sommer, in dem es zu schneien begann: Roman
von Lucy Clarke
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Ein Pageturner, 3. Mai 2015
Endlich mal wieder ein richtiger Pageturner! Innerhalb eines Abends habe ich den Großteil des Buches verschlungen, denn die wundervolle Atmosphäre, die Lucy Clarke hier schafft, nimmt einen von der ersten Seite an gefangen und lässt einen bis zum Ende nicht mehr los. Auf sehr gefühlvolle, aber niemals weinerliche oder kitschige Weise schildert die Autorin das schwere Schicksal von Eva, deren Mann Jackson beim Angeln von einer Welle erfasst und auf den Atlantik hinausgetrieben wird. Seine Leiche wird nie gefunden, was Evas Trauerarbeit noch erschwert. Jacksons Familie hat sie nie kennen gelernt, also macht sie sich auf den Weg in deren Heimat Tasmanien. Kaum dort angekommen, wird sie kühl empfangen, und schon bald erfährt sie erste Ungereimtheiten, die Jacksons Vergangenheit betreffen. Hat sie ihren Mann gar nicht richtig gekannt? Schritt für Schritt versucht sie, mehr herauszufinden, und gerät dabei in einen erschreckenden Sumpf aus Lügen. Ich konnte mich gut in die sympathische Eva hineinversetzen, und auch die Charakterzeichnung der anderen Personen fand ich schlüssig und gut. Als Einschübe lesen wir zwischendurch immer wieder Jacksons Gedanken, und nach und nach setzt sich das Puzzle zusammen. Vorhersehbar fand ich die Handlung in gewisser Weise schon, doch letztendlich ist die Entwicklung nur folgerichtig und logisch - zu viel sei hier nicht verraten.
Gut gefiel mir dann die Entwicklung der Handlung, nachdem das große Geheimnis gelüftet ist, und auch die letzten Zeilen haben mich dann wieder milde gestimmt - ein unkitschiges Ende, zum Glück.

Zur Gestaltung des Buches: das blaue Wellendesign am Buchschnitt hätte in meinen Augen nicht Not getan. Es hat mich beim Lesen ziemlich irritiert.

Insgesamt vergebe ich aufgrund der starken Atmosphäre und der Sogwirkung des Buches 4 Sterne.


Das innere Auge: Neue Fallgeschichten
Das innere Auge: Neue Fallgeschichten
von Oliver Sacks
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Das innere Auge, 3. Mai 2015
Völlig spontan und ohne Erwartungen habe ich dieses Buch erstanden, weil mich medizinische Themen interessieren und mir der Name Oliver Sacks schon einmal über den Weg gelaufen ist.

In diesem Buch schildert Sacks wieder neurologische Fälle aus seiner Berufspraxis - einerseits handelt es sich um seine Patienten, andererseits um Informationen aus Zuschriften von Betroffenen. Zum Beispiel lernen wir eine Pianistin kennen, die plötzlich die Fähigkeit verliert, Noten zu lesen und Gegenstände zu erkennen, und einen Schriftsteller, der nach einem Schlaganfall seine Lesefähigkeit, nicht jedoch sein Schreibvermögen verliert. Außerdem erzählt Sacks selbst von seiner "Gesichtsblindheit", die es ihm unmöglich macht, Gesichter selbst ihm wohlvertrauter Personen wiederzuerkennen, und schließlich schildert er im Kapitel "Augenträgheit: Ein Tagebuch" seine Melanomerkrankung, die seine Sehfähigkeit stark einschränkt.

Dabei schildert Sacks diese Fälle zwar mit einer Menge medizinischer Sachkenntnis, was für einen Laien von Zeit zu Zeit anstrengend ist, aber er betrachtet seine Patienten dabei immer sehr respekt- und fast liebevoll als ganze Persönlichkeit. Interessant fand ich die Vielzahl an Sehstörungen, die ihre Ursachen meist im Hirn und nicht im Auge selbst haben, und wie die Betroffenen mit ihrer Erkrankung umgehen, Kompensationseigenschaften entwickeln oder auch ihre Vorteile in bestimmten neurologischen Ausfällen sehen. Leider gibt es in den meisten Fällen keine Heilung.

Als unangenehm empfand ich diese Unmengen an Fußnoten, die sich oftmals über eine halbe Seite erstrecken (trotz kleiner Schriftart), die oftmals wieder andere, gerade zum Thema passende Fallbeispiele beschreiben, oder Literaturhinweise auf Veröffentlichungen von Forschern - oder von Sacks' eigenen Büchern - beinhalten. Das stört den Lesefluss sehr stark. Manche Schilderungen fand ich persönlich auch zu zäh und langatmig, so dass ich zum Ende hin einige Seiten quergelesen und überblättert habe. Hier und da hätte eine Straffung dem Buch gut getan.

Mit einem sehr schönen und treffenden Schlusssatz beendet Sacks seine Ausführungen:
"Wenn es tatsächlich einen grundlegenden Unterschied zwischen Erfahrung und Beschreibung, zwischen direktem und vermitteltem Weltwissen gibt, wie kommt es dann, dass die Sprache so wirkungsmächtig ist? Sprache, diese zutiefst menschliche Erfindung, kann ermöglichen, was im Grunde nicht möglich sein sollte. Sie kann uns alle, auch die blind Geborenen, in die Lage versetzen, mit den Augen eines anderen zu sehen."


Stoner: Roman
Stoner: Roman
von John Williams
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stoner, 3. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Taschenbuch)
Die Neuerscheinung des nun gefeierten Romans "Stoner" ist völlig an mir vorbeigegangen, so dass ich recht unvoreingenommen war, als mir das Buch in der Buchhandlung ins Auge sprang.

Es geht um das absolut durchschnittliche Leben des William Stoner, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Missouri lebt. Er wächst bei seinen Eltern auf einer Farm auf und hilft von Klein auf bei der Arbeit. Sein Vater, der nie viele Worte verliert, möchte, dass sein Sohn Agrarwissenschaften studiert, weil er sich davon auch Vorteile in der Bewirtschaftung seines eigenen Lands verspricht. Ohne große Euphorie geht William an die Universität, studiert fleißig wie ein Uhrwerk und arbeitet nebenbei bei Verwandten auf der Farm, um sich Kost und Logis zu verdienen. Als er dann eine Pflichtvorlesung in englischer Literatur absolviert, geschieht eine Veränderung mit ihm - er entdeckt seine große Zuneigung zur Literatur und wechselt prompt das Studienfach. Er soll sein ganzes Leben an dieser Universität verbringen.

Stoner ist auf den ersten Blick ein stoischer, beharrlicher und genügsamer Mensch, der sämtliche Lebenswendungen als gegebenes Schicksal akzeptiert, ohne jemals ernsthaft aufzubegehren. Er versteckt sich in der Geborgenheit der Universität, die Welt da draußen ist nicht für ihn geschaffen. Von Anfang an ist klar erkennbar, dass seine Ehe zum Scheitern verurteilt ist, doch nicht nur sein eigener Gleichmut, sondern auch die gesellschaftlichen Konventionen führen dazu, dass sich nie etwas wirklich zum Positiven ändert. Er ist ein Mensch, der Probleme "aussitzt" und Konfrontationen aus dem Wege geht. Dabei bleibt er immer seinen Prinzipien treu. Letztendlich erweist sich dies in Universitätsangelegenheiten, sprich Intrigen, als gar nicht mal so schlechte Eigenschaft. Hinter der Fassade sehen wir aber auch einen Mann, der zu tiefer Freundschaft und Liebe fähig ist, in seinem Leben aber selten die Gelegenheit dazu bekommt. Das kurze, aber heftige Aufflammen der Leidenschaft zu einer Frau wird durch das Einmischen der Außenwelt zerstört, was Stoner mit der Zeit immer weiter "versteinern" lässt, bis er schließlich Zugrunde geht.

Sicher hat es dieser vielen Jahre bedurft, diesen Roman würdigen zu können, da die Schilderung des alltäglichen Lebens im Kontext der Gesellschaft erst im Nachhinein interessant wird. Williams schildert "nur" ein einfaches Leben eines Mannes, doch dies in einer wunderschönen, fast schon lakonischen und beiläufigen Art, die einen von der ersten Seite an gefangen nimmt. Es sind unaufgeregte, doch profunde Charakterstudien, die einen tief in die Befindlichkeiten und Gedanken der Personen eintauchen lassen. Man fühlt mit Stoner, und möchte ihn so manches Mal in die richtige Richtung stoßen, wenn er die Launen seiner schwer psychisch gestörten Frau gleichmütig erträgt. Vielleicht werden sich nach seinem Tod nicht viele Menschen an ihn erinnern, aber wenigstens hat er sein Leben seiner einen großen Liebe gewidmet - der Literatur.

Ein Buch von schlichter Wahrheit und in jedem Fall empfehlenswert.


40 Tage Nacht: Thriller
40 Tage Nacht: Thriller
von Olivier Truc
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Ein skandinavischer Thriller der anderen Art, 3. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: 40 Tage Nacht: Thriller (Gebundene Ausgabe)
Mitten in die eiskalten Weiten des norwegischen Lapplands führt uns dieser Debutroman von Olivier Truc. Es war 40 Tage lang Nacht am Polarkreis, doch nun wird die Sonne wiedergeboren und erhellt das Land jeden Tag ein Stückchen länger. Doch es beginnt auch eine unruhige Zeit für die Polizei von Kautokeino: eine kostbare samische Trommel wird aus dem örtlichen Museum gestohlen, und kurz darauf wird der Rentierzüchter Mattis ermordet und mit abgeschnittenen Ohren aufgefunden. Was zunächst wie ein eskalierter Streit unter Rentierzüchtern aussieht, entwickelt sich bald zu einem schwer zu durchdringenden Geflecht aus politischen und persönlichen Intrigen, das seinen Showdown im einsamen Eis von Lappland findet.

Der kurz vor der Pensionierung stehende Klemet Nango und seine 30 Jahre jüngere neue Kollegin Nina Nansen aus dem Süden des Landes, beide von der sogenannten Rentierpolizei von Kautokeino, ermitteln in diesen ungewöhnlichen Fällen. Zunächst scheinen die beiden Verbrechen nicht miteinander in Verbindung zu stehen, doch die Ermittlungen führen Nina sogar bis nach Paris, wo sie wertvolle Informationen über eine Expedition aus den 30er Jahren sammelt, und langsam setzt sich das Bild zusammen.

Nach kleinen anfänglichen Startschwierigkeiten habe ich gut in die Szenerie hineingefunden und war schnell gepackt. Hauptaugenmerk liegt bei diesem Thriller weniger auf einer reißerischen, actiongeladenen und blutrünstigen Story, wie es bei vielen skandinavischen Thrillern der Fall ist, sondern bei den geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründen zum letzten Urvolk Europas, den Samen. In sachlich-nüchternem, aufs Wesentliche reduziertem Ton schildert Truc sowohl das Schicksal der samischen Rentierzüchter, die unter schier undenkbaren Lebensbedingungen ihrem Broterwerb nachgehen, als auch den mühsamen Ermittlungen der Rentierpolizei – die Wege in Lappland sind lang, und so benötigt man zu einem Verdächtigen schon mal mehrere Stunden Fahrt mit dem Schneemobil , Schneestürme und unmenschliche Temperaturen inklusive. Dabei schafft Truc eine sehr dichte, ruhige, aber bedrückend-spannende Atmosphäre, die einen bis zum Schluss bei der Stange hält. Wir begegnen im Laufe der Story vielen interessanten, teilweise kauzigen oder durchtriebenen Persönlichkeiten, deren Motive nicht immer klar sind. Leider werden Hintergründe zu wichtigen Hauptpersonen, vor allem Nina, sehr häufig nur angedeutet, was dann auf Kosten einer tiefgründigeren Charakterzeichnung geht. Da schon ein Folgeband in französischer Sprache vorliegt, bleibt zu hoffen, dass dort die Hauptpersonen etwas mehr Format bekommen.

Erschreckend fand ich den offenen Rassismus und die Diskriminierung, denen die Samen auch in der heutigen Zeit noch ausgesetzt sind, was Truc hier gut ausarbeitet. Überhaupt ist dieses Buch sehr gut und gründlich recherchiert und durchdacht, und ich fand es hochinteressant, wie Truc den Bogen aus einer weit zurückliegenden Begebenheit aus dem 17. Jahrhundert, die im Prolog geschildert wird, bis in die heutige Zeit schlägt und dabei das Rätsel um die geheimnisvolle Trommel löst.


Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Frankfurter Ausgabe: Band 2: Im Schatten junger Mädchenblüte (suhrkamp taschenbuch)
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Frankfurter Ausgabe: Band 2: Im Schatten junger Mädchenblüte (suhrkamp taschenbuch)
von Marcel Proust
  Taschenbuch
Preis: EUR 20,00

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Band 2 der Recherche, 27. Juni 2012
Der vorliegende zweite Band des großen Romanzyklus' "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" knüpft an die Jugenderinnerungen des Erzählers aus dem ersten Band an. Im ersten Teil von "Im Schatten junger Mädchenblüte" erfahren wir, was aus dem Ehepaar Swann geworden ist. Der Erzähler ist nun einige Jahre gereift und hat sich in die Tochter der Swanns, Gilberte, verliebt. Er beschreibt hier seine Erfahrungen mit der ersten großen Verliebtheit, doch ebenso schnell, wie die Leidenschaft für Gilberte entfacht wurde, erlischt sie auch und Marcel, der Erzähler, wendet sich anderen Dingen zu, die ihn in seiner naiven Jugendlichkeit beschäftigen.

Im zweiten Teil fährt Marcel mit seiner Großmutter in den Kurort Balbec in der Bretagne, um sich von seiner schweren, chronischen Krankheit zu erholen. Detailreich beschreibt er jede Einzelheit der Hotelgesellschaft, vom Kellner über Diener bis hin zu den feinen Herrschaften der Adelsklasse. Marcel unternimmt nicht viel, aber was er tut, das ist beobachten und reflektieren.

Hat dieser Roman doch seine Längen, die den Leser von Zeit zu Zeit ermüden können, denn handlungsreich ist dieser Roman nicht, so hat er aber auch eine ganz große Stärke: die feinsinnige Beobachtungsgabe des Erzählers. Minutiös beschreibt er nicht nur innere und äußere Eigenschaften der Menschen um ihn herum auf eine meisterhafte Weise, sondern er analysiert in einem fort deren Verhalten in der Gesellschaft. Die feinen Damen und Herren der oberen Gesellschaftsschicht sind geradezu süchtig danach, anderen zu gefallen, zu beeindrucken, aufzutrumpfen - und dabei wird nicht immer bei der Wahrheit geblieben. Es wird den Mitmenschen ohne Scham ins Gesicht heuchelt. Sie haben den ganzen Tag nichts gescheiteres zu tun als ihren Gegenüber permanent für sein Benehmen, seine Worte oder für die Wahl des heutigen Hutes zu beurteilen. Entweder wird übertrieben bewundert, oder es wird wegen Nichtigkeiten verachtet. Angenehm ist hierbei, dass der Erzähler die menschlichen Schwächen seziert, ohne den Finger zu erheben, er präsentiert dem Leser seine Erkenntnisse angenehm unaufdringlich.

Als ein weiteres zentrales Motiv kristallisiert sich die Suche nach jungen schönen Mädchen heraus. Der Erzähler Marcel ist noch sehr jung an Jahren und sehnt sich in seinen Tagträumen immerzu nach einem schönen Mädchen, das seine leidenschaftliche Liebe entfachen könnte. Interessant sind hierbei seine Beobachtungsperspektiven aus der Ferne und aus der Nähe, die mich stark an einen impressionistischen Maler erinnert haben. Doch durch seine romantischen Träume und seine Schüchternheit bringt er sich oft genug um die Gelegenheit, ein Mädchen kennenzulernen. Schließlich taucht Albertine auf und wird zu dem Subjekt, auf das Marcel all seine Empfindungen und Träumereien projezieren kann.


Das Böse kommt auf leisen Sohlen (detebe)
Das Böse kommt auf leisen Sohlen (detebe)
von Ray Bradbury
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie ein verrückter Traum, 4. Juni 2012
Dies war mein viertes Buch von Bradbury und ich wurde auch diesmal nicht enttäuscht. Bradburys Sprache ist sicherlich sehr eigen und anfangs gewöhnungsbedürftig, denn oftmals verwendet er keine ganzen Sätze, sondern nur dahingetreute Satzfetzen und Ausrufe. Doch gerade dadurch baut sich diese Bradbury-typische surreale, phantastische, spannende und aberwitzige Stimmung auf, die ich so gerne an seinen Werken mag. Man wird fortgerissen in eine fremde Welt, gar in die eigene Kindheit, man erinnert sich noch gut an die Zeit, an der man an der Schwelle zum Erwachsenwerden stand und man sich irgendwie komisch vorkam, halb Kind, halb Heranwachsender. Das strahlen auch die beiden Protagonisten, Jim und Will, aus. Sie sind grundverschieden - der eine symbolisiert den hellen Tag, der andere die Nacht - und dennoch die besten Freunde und für immer unzertrennlich. Die Vorkommnisse in der Stadt, die der unheimliche Wanderzirkus mit sich bringt, stellen nicht nur ihren Mut, sondern auch ihre Freundschaft auf eine Probe.

Eine irrwitzige, unheimliche und spannende Geschichte um Gut und Böse, Alter und Jugend, Freundschaft und Tod - voller Symbole, Methaphern und Poesie. Wie ein verrückter Traum.


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