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Rezensionen verfasst von
Ulrich Groh (Mittelhessen)
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Roland Kaiser- 2 Original Album-Klassiker
Roland Kaiser- 2 Original Album-Klassiker
Preis: EUR 11,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Glanz endgültig vergangener Zeiten, 12. Januar 2013
Bereits mehrfach habe ich mich diesbezüglich geäußert: Roland Kaiser war während der 80er Jahre ein sogenannter Schlagersänger, der hinsichtlich seiner vokalen Brillanz wie auch Teilen seines stets auf Qualität bedachten Liedgutes die Speerspitze seines Genres in Deutschland darstellte und darüber hinaus Vergleichen mit internationalen Kollegen standzuhalten wusste. Ein Timbre so außergewöhnlich wie ein Frühlingstag im Februar; eines, das es nie zuvor, nie danach gab. Und Lieder von einer produktiven Sorgfalt, die heute allerorts größtenteils in Vergessenheit geriet, da die Masse der Musikkonsumenten sich inzwischen mit musikalischer Einheitssauce abspeisen lässt und durchaus Künstler(innen) ganz nach oben spült, die seinerzeit nicht einmal einen Plattenvertrag erhalten hätten.

Ein Timbre aber auch, dessen er heute zum kollektiven Entsetzen seiner kritikfähig geblieben Sympathisanten samt und sonders verlustig gegangen ist, was ihn jedoch leider nicht daran hindert, weiter live auftretend seine eigene Legende zu zerstören.

Die vorliegende Compilation vereint zwei zu Recht sehr erfolgreiche Langspielplatten aus der Glanzzeit des Künstlers, in der er über all jene Facetten seiner Stimme wie auch über Produzenten und Songschreiber verfügte, die seinen Ruhm begründeten. "Dich zu lieben", 1981 erschienen, ist seine kommerziell erfolgreichste Veröffentlichung überhaupt und erreichte mit Hits wie "Santa Maria" oder dem Albumtitel Nummer 1 der deutschen Media-Control-Verkaufscharts. "Auf dem Weg zu dir", 1987 produziert, demonstriert auf äußerst eindrucksvolle Art und Weise, wie gut der vielgeschmähte deutsche Schlager sein kann, sofern eine Stimme vorhanden ist, die man aus Tausenden heraus wiederzuerkennen in der Lage ist; sofern es dem Künstler gelang, eine hochkarätige Crew zu rekrutieren, die ihm Songmaterial komponiert und arrangiert, das keineswegs seltsamerweise auch heute noch in den Bann zu ziehen versteht, weil es sich ganz einfach um Qualität bis ins i-Tüpfelchen handelt.

Jene Qualität ist nun im Doppelpack zu einem Preis digital erhältlich, der einem Freudentränen in die Augen treiben kann angesichts der Fülle an wunderbarer Musik, die es (wieder) zu entdecken gibt. Ein Dokument unwiderruflich vergangener Zeit. Ein Dokument aber auch, das Wehmut erzeugt. Eben jene Wehmut, die zwangsläufig entstehen muss, sofern man bereit ist, jene grandiose Stimme der fernen 1980er Jahre mit ihren kümmerlichen Resten der Gegenwart, die Herr Kaiser unbeirrt zu ignorieren scheint, vergleicht.
"Anfang und Ende", "Wie die Zeit vergeht, vergeh'n auch wir"... Beinahe prophetisch, jene frühen Titel. Wunderschön. Aber heute auch irgendwie tragisch angesichts dessen, was geblieben ist abseits des scheuklappenhaft-trotzigen "Mania"-Jubels aus der herrlichen Stadt Dresden...


Symphonique
Symphonique
Preis: EUR 10,11

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ambitionierter, doch verzichtbarer Aufguss, 12. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Symphonique (Audio CD)
Entgegen meiner üblichen Gewohnheiten mache ich es bei diesem Album hier sehr kurz, sehr knapp: Wer die Studioversionen dieser Chansons besitzt, kann sich die Anschaffung der symphonischen Version sparen. Die Originale - und gerade das ist ja das Markenzeichen von Monsieur Clerc - zeichnen sich durch eine derart immense Professionalität hinsichtlich der Symbiose von Arrangements sowie Gesang aus, dass jegliche wie auch immer geartete Neubearbeitung dieser nicht standhalten kann. Ambitioniert ist das Projekt ebenso, wie es keinesfalls als misslungen bezeichnet werden kann - aber auch nicht als wirkliche Bereicherung, denn toppen kann es die Erstaufnahmen trotz allen zusätzlichen Schnickschnacks leider nicht.

Eine CD für jene, die nicht genug von Julien bekommen können oder aber ihm nur dann und wann Beachtung schenken, nicht aber für solche, die die Originale lieben und hier jeglich Variationen erhalten, die sich als ursprüngliche Fassung qualitativ unverbesserlich in den Gehörgängen einnisteten. Rien de neuf, rien de mieux!


Argonautenfahrt
Argonautenfahrt
Preis: EUR 20,71

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dürfen es Charme, Esprit und Stil sein, meine Dame, mein Herr?, 7. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Argonautenfahrt (Audio CD)
Es gibt sie also immer noch. Jene Produktionen, die bewusst auf "Nische" gestrickt sind, nicht auf Teufel komm raus auf die Charts schielen, solche, die von Anspruch und Niveau getragen werden wie diese hier, kreiert von Kitty Hoff und ihrer Band Foret-Noire, auf die ich zufällig aufmerksam wurde und von der ich nie zuvor hörte. Was mir da aus den Lautsprechern entgegenfließt, so eine Melange aus Jazz, Pop, Chanson und Bossa Nova, versetzt mich in eine Hotelbar der gehobenen Klasse zur blauen Stunde oder auch spät in der Nacht, wenn es die einsamen Seelen, die es aus welchen Gründen auch immer in die Hotels der Großstadt spült und denen die Wände der bestens ausgestatteten Räumlichkeiten unaufhaltsam näherrücken, an die Abwechslung versprechenden Theken treibt. Der Ober mixt Drinks, Eiswürfel gleiten in Gläser, ein angenehmer Duft umweht die meist vereinzelten Gäste, die sich zuweilen verstohlene Blicke zuwerfen und Musik erklingt; angenehme, unaufdringliche Musik von zurückgenommener und doch irgendwie berührender Stimme, die man gerne hört, die wohltut wie der perlende Champagner im vis-a-vis platzierten Glas, die streichelt wie das sanfte Lächeln des Barkeepers oder entführt wie die Fülle an Gedankenfetzen, die von dieser Atmosphäre geboren werden.
Und man hört immer genauer hin, findet schön und schöner. "Wer singt das?", raunt man dem professionell Freundlichen schließlich zu, der schnell etwas auf einen Zettel schreibt und dessen Lächeln einen auf dem Weg zurück aufs Zimmer begleitet.

Und man kauft die Scheibe, zögert vor dem ersten Abspielen ein wenig aus Furcht, wieder in diese seltsam einsame und dennoch anregende Atmosphäre jener Hotelbar zurückversetzt zu werden, um dann angenehm überrascht zu registrieren, dass sich Wohlbefinden einstellt beim Hören der erstklassigen Arrangements, der Harmonie von Gesang, Instrumentierung, Text. Und man wundert sich, welchen Esprit, welchen Charme diese Musik in den eigenen vier Wänden ebenso zu entfalten versteht, wie sie den negativen Beigeschmack der "Ersterfahrung" außen vor lässt. Dazu ein Glas Wein, Champagner oder Campari auf Eis? Erste Sahne je nach Geschmack - genau wie diese frisch gepresste Scheibe, deren Genuss ich jedem empfehlen kann, der sich hier auch nur annähernd wiederfinden kann. Zum Wohl!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 9, 2013 6:13 PM CET


Welterfolge aus Paris (1985)
Welterfolge aus Paris (1985)

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perfekter Spagat zwischen niveauvollem Schlager und Chanson, 30. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Welterfolge aus Paris (1985) (Audio CD)
Mireille Mathieu? Ein polarisierender Weltstar, insbesondere in Deutschland und Frankreich. Entweder sieht sie sich in den Himmel gehoben, mit Blumengebinden und Lobeshymnen überschüttet oder aber mit abgrundtiefer Häme bis hin zur verletzenden Verunglimpfung überzogen. Ihre vermeintliche Nähe zu Diktatoren wie Ghaddafi, dem Schah von Persien oder aber Putin wird ihr verübelt, Sarkozy's Verehrung ("Ich liebe Sie, Madame") vorgeworfen, ihre Auftritte bei nahezu allen gekrönten und ungekrönten Häuptern dieser Welt(der Queen, Ronald Reagan, Gracia Patricia von Monaco, den Staatspräsidenten dieser Welt, den Rothschilds, Kennedys...) geneidet und ihre Lieder und Chansons von den jeweiligen Lagern auf groteske Art und Weise zerrissen: Die Schlager für die Chansonfreunde zu banal und massenkompatibel, die Chansons für die Schlagerfreunde zu schwer, zu sperrig, unzugänglich und - vor allem - mitklatschuntauglich, schunkelresistent, eben nicht "Andrea Berg"-like weichgespült eingänglich, da in diesem Genre meist anspruchsvoll und ohne Computerunterstützung, die eine solch gewaltige Stimme nun wirklich nicht benötigt.

Anspruchsvoll und dennoch leicht hörbar ist gerade dieses 1985 aufgenommene Album mit 16 großen Chansonerfolgen aus unserem Nachbarland, das ebenso zeitlos wie qualitativ hochwertig geraten ist, große Chansons sowie leichtfüßig umgesetzte Lieder aufweist und ein Kaleidoskop des gehobenen französischen Unterhaltungsgutes darstellt. Mit einer fantastischen Stimme, die über jegliche Kritik(!) erhaben ist, bietet die Mathieu hier unvergängliche Klassiker aus den Federn der besten Autoren ihres Landes, präsentiert die Piaf'sche "Hymne an die Liebe" voller Bombast und Pathos, wandelt angenehm leichtfüßig im harmonischen "Ein bisschen Glück ist genug", vertont auf geniale Art und Weise den unverwüstlichen "Milord", bietet eine atemberaubend gute eingedeutschte Fassung von "My way" (So leb dein Leben, entgegen hinlänglicher Annahmen sehr wohl aus Frankreich stammend) und beweist mit einem zum Niederknien empathisch-packenden Vortrag der Brel'schen 4-Minuten-Tragödie "Bitte geh nicht fort" (Ne me quitte pas), dass ihr das Etikett der begnadeten Chansoninterpretin nicht etwa von wohlwollenden Hardcorefans sowie diversen Claqueuren, sondern vom ernstzunehmenden seriösen Feuilleton mit allem Recht dieser Welt an die vom ewigen Pony bedeckte Stirn geheftet wurde. Sie hat es ganz einfach, jenes Gespür,jenes Sentiment, das nicht erlernbar, sondern allenfalls zum Talent eines Menschen gezählt werden muss: Die gewaltige Stimme, die in dieser kleinen Person lebt, zu beherrschen, zu nuancieren, leise zu halten, wenn es die Komposition erfordert oder aber sie zum Orkan anschwellen zu lassen stets in exakt jenen Momenten, wenn es dramaturgisch erforderlich ist, um Text und Musik authentisch zu gestalten, beide zu leben, beide zu feiern.

Ein außergewöhnliches Talent wird immer von beiden eingangs geschilderten Extremen begleitet sein, ebenso wie viel Licht stets auch mit viel Schatten im Gepäck daherkommt. Ein Naturgesetz, dem sich niemand entziehen kann, das Hass ins Groteske steigert wie es Bewunderung ins Groteske überhöht. Bei dieser Produktion, den "Welterfolgen aus Paris", kann man beides leicht außer Acht lassen, sofern man einfach "nur" Unterhaltung auf hohem Niveau und vielleicht auch den Spagat zwischen anspruchsvollem Schlager und Chanson sucht. Hier wird man fündig, hört, staunt - und versteht immer weniger, weshalb sich die Menschen in die extremen Lager des Über-Bewunderns oder aber Über-Verdammens versammeln, statt einfach nur diese im Wortsinn wunderbare Stimme zu genießen, die ihresgleichen sucht.

Mille fois bravo, Spatz von Avignon, für diese herausragende Produktion!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 10, 2013 10:12 PM CET


Mireille Mathieu - Greatest Hits [2 CD Set]
Mireille Mathieu - Greatest Hits [2 CD Set]
Wird angeboten von sale-cd-dvd-store
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meilensteine einer glanzvollen Weltkarriere, 30. November 2012
Angesichts der immensen Anzahl der Hits, die Mireille Mathieu in knapp 50 Jahren europa- und auch weltweit einsang, ist es unmöglich, diese komplett auf "nur" einem Doppelalbum zu vereinen - selbst wennn dieses, wie im vorliegenden Fall, bis an den Rand der Fassungskapazität bespielt wurde.
Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass die Macher dieses Albums ganze Arbeit leisteten. 46 überwiegend Single-A-Seiten überspannen die Jahre 1966 bis 2002; als Bonus gibt es das ursprünglich lediglich in Südkorea auf Vinyl veröffentlichte Stück "La couleur de l'or". Auch optisch kommt man hier auf seine Kosten. Das Hochglanzdigipack aus fester Pappe lässt sich in dreifache Albumlänge aufschlagen und enthält neben einem in englischer Sprache abgefassten Begleittext drei herrliche Aufnahmen der Mathieu "on stage", die Tonträger sind den geliebt-bekannten Vinylscheiben nachempfunden.

Als Plattenfirma ist die EMI (2008) angegeben, bei der Mademoiselle tatsächlich zum Erscheinungsdatum unter Vertrag war - licensed by "Star Mark Compilations". Aufmachung wie auch Producerangaben lassen auf ein Originalprodukt schließen, doch da offiziell erscheinende CD's stets offiziell vom Pariser Büro bekannt gegeben werden und hiervon niemals die Rede war, dürfen gewisse Zweifel dahingehend gehegt werden, dass es sich dennoch um ein (wohlweislich sehr gut gemachtes) Bootleg handeln könnte, wie es sie beispielsweise in Russland in inflationärer Zahl gibt. Dagegen allerdings spricht, dass AMAZON das Album weltweit listet; so habe ich mein Exemplar beispielsweise vor wenigen Jahren aus den USA bezogen, Europa zog nach und hinsichtlich der Seriosität des weltgrößten Internetanbieters sind Zweifel (eigentlich) erfahrungsgemäß weitestgehend unberechtigt.

Wie auch immer: Wer sich einen Überblick über die grandiose Karriere der ebensolchen Mathieu über alle Dekaden hinweg - noch dazu äußerst ansprechend verpackt - verschaffen möchte, kann hier nichts falsch machen. Optisch nicht und akustisch schon überhaupt nicht.


Born To Die - The Paradise Edition
Born To Die - The Paradise Edition
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Morbide, betörend, atmosphärisch dicht, 28. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Born To Die - The Paradise Edition (Audio CD)
Länger als gewöhnlich habe ich gezögert, mir nun auch diese mit 8 neuen Songs erweiterte Edition des Erfolgsalbums "Born to die" zuzulegen. Allzu bekannt ist mir die zumeist überstrapazierte Strategie der Plattenfirmen: Ein Produkt boomt, der Hype wird mit häufig überflüssigen "DeLuxe"-Editionen ausgereizt, die hinlänglich bekanntes gleich eines Kuchenteigs ausrollen und letzten Endes leider nur einen eher schalen Nachgeschmack erzeugen. Sollte es mit dieser "Paradise Edition" etwa anders sein?

Es IST anders. Gut, der ebenso außergewöhnliche wie erfolgreiche Stil wurde beibehalten, das in diesem Jahr so häufig gesehene Cover leicht abgewandelt in edel anmuten wollendes Gold getaucht und somit die Illusion von etwas besonders Wertvollen, Luxuriösen erzeugt. Hört man jedoch die neuen Songs, sind die anfänglichen Zweifel schnell ad akta gelegt. Die neuen Titel der mysteriösen Ausnahmeerscheinung Lana del Rey stellen keinen billigen Abklatsch des millionenfach unters Volk gebrachten Erstlings dar, sondern überzeugen völlig; überzeugen mit einem Wohlklang aus morbidem Klangteppich in Verbindung mit dieser eigentümlich betörenden Stimme: Einer Stimme, die - ist man ihr einmal verfallen - ganz einfach nicht mehr loslässt, die sich unaufdringlich im Ohr festsetzt und eine Atmospähre erzeugt, wie keine andere aktuelle Künstlerin zu schaffen in der Lage ist.
Das alleine ist die Anschaffung des Doppelalbums bereits wert - selbst dann, wenn man die bereits erschienene, um drei Songs erweiterte Version bereits im Regal zu stehen hat. Alles eben eine Frage des Anspruchs: 14-16 neue und albumgerecht lange Titel, die jedoch nach Aufguss klingen oder aber "nur" 8 Songs, die es in jeder Hinsicht in sich haben?

Um ehrlich zu sein: Da muss ich nicht lange überlegen. Eindeutige Kaufempfehlung!


Ungezähmt: Mein Leben
Ungezähmt: Mein Leben
von Karin Baal
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rebellisch-rasante Fahrt auf der Achterbahn des Lebens, 23. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ungezähmt: Mein Leben (Gebundene Ausgabe)
Glattgeschliffen und biedermännisch-angepasst war sie nie, diese Karin Baal, eine der größten Charakterdarstellerinnen, die wir in Deutschland haben. Keine von der Sorte "Uschi Glas", die "in Versace" oder wem auch immer von rotem Teppich zu rotem Teppich schweben, seicht-gefällige, aber publikumswirksame Rollen spielen, ihre gebotoxten Gesichter in jede Kamera halten und nur über schlichte Darstellerqualitäten verfügen. Eine Unbequeme war und ist sie, die zu Recht preisgekrönte, aber dennoch immer medial eher im Hintergrund agierende Actrice, die nun Zeugnis über ihr Leben ablegt.
"Ungezähmt" heißt das passend betitelte Werk, und so ungezähmt wie ihre mit allen Fasern ihres Seins gelebten 7 Jahrzehnte präsentiert sich auch ihr Buch. Es lässt ein Leben Revue passieren, das voller Höhepunkte, voller Brüche war, in das große Momente mit viel Licht, aber eben auch die ganz tiefen Abgründe hineinprallten - beides keineswegs nur immer zufällig, sondern auch zum Teil selbst herbeigeführt. Eine Achterbahn mit vielen renommierten Auszeichnungen, Höhenflügen, 4 Ehen, Alkoholsucht, Verarmung an den Rändern der Fahrspur, aber auch der unermüdlichen Bereitschaft, gerade den Abstürzen Paroli zu bieten durch Aufstehen, Kampf und dem Credo "Ich schaffe das!".

Ihre Memoiren wirken ungekünstelt,weitgehend frei von Schönfärberei und demonstrieren die Vita einer Rebellin, die bereits emanzipiert war, als man diesen Begriff noch überhaupt nicht kannte, als es noch mehr als verpönt war, sich als Frau Rechte zu nehmen, die eigentlich doch nur "dem Mann" zustanden. Ungelernt und zufällig in ihren Beruf hineingestolpert war das wohl die Schule, die jene 50 Prozent darstellte, die sie zuzüglich zu ihrem großen Naturtalent zur 100%ig überzeugen könnenden Charaktermimin formte und ihre Kunst prägte.
Viel zu selten wird sie heute beschäftigt. Eine Alte besetzen? Wenn schon, dann mit einer Bequemen, einer Angepassten. Einer, die gefälligst dankbar zu sein und ihren Willen aufzugeben hat, wenn man ihr schon die Gnade erweist, sie für kleine Gage zu buchen. Karin Baal, das weiß die Branche, ist in dieser Hinsicht ganz und gar nicht unproblematisch. Alt ist sie. Geld mangelt. Deshalb aber den Charakter am Set abgeben? Nee, meine Herren, nicht mit mir!

Von dieser Haltung lebt das Buch; sie macht es spannend, kurzweilig und hochinteressant besonders für jene, die ebenso unangepasst durchs steinige Leben gehen und sich ebenfalls dann doch lieber den rauen Gegenwind ins Gesicht brausen lassen, statt das Rückgrat an der Garderobe abzugeben. Eben nichts für Glamourverliebte mit eingebautem Happy-end-Anspruch, sondern für die Eckigen, die Kantigen; für die, die eigene statt der fremdbestimmten Wege gehen.

Und für die, die - dies ebenfalls eigentlich gerne würden, fehlte nicht das hierzu leider so dringend erforderliche Päckchen Mut. Meine Kaufempfehlung für diese rasante Fahrt durch ein pralles Leben auf der Achterbahn!


L'amour Fou
L'amour Fou
Preis: EUR 10,98

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hommage a la melancholie, 9. November 2012
Rezension bezieht sich auf: L'amour Fou (Audio CD)
Nein, sie ist keine "große" Sängerin, diese Madame Hardy, keine jener, die man in Frankreich als "Chanteuses a voix" bezeichnet; jene rensonzstarken Vokaldiven, die mit ihren kraftstrotzenden Organen die Mauern von Jericho zum Einstürzen zu bringen vermögen. Sie gehört zur leisen, zur stillen Kategorie, die durch ihre Unaufdringlichkeit zu wirken beginnt wie diese scheinbar kleinen Melodien, die man irgendwo so nebenher hört und die einen dann nicht mehr loslassen, weil sie eben gerade in ihrer bewusst angelegten Zurückgenommenheit zu packen wissen. Nein, das hier ist keine "Hymne a l amour", die die Gläser im Schrank erzittern lässt. Es ist eine Hommage an die leise Melancholie, die die Sinne verwöhnt und durch Stimmgewalt und großes Orchester pulverisiert würde.

Nur so ist dieses musikalische Kleinod zu begreifen, auf das ich - eigentlich Liebhaber jener großen Stimmen - eher zufällig aufmerksam wurde. Zehn Chansons mit überwiegend direkt unter die Haut gehenden Texten bietet die Zarte aus der grande nation, die sich in ihrer Fragilität, ihrer fein gewobenen Melancholie gleich eines engmaschigen Kaschmirpullovers sanft und ungemein wohltuend an die Haut schmiegen. Ohne jeglichen Schmalz, bar jeder aufgesetzten Sentimentalität oder falschem Pathos, dennoch aber randvoll mit Gefühl, bestechen diese Stücke, von herrlichen Pianoläufen unterlegt, durch ihre subtile Tragik, sind, wie mein Vorrezensent treffend bemerkt, allesamt mit der Novembertristesse verwoben, offerieren Nachdenklichkeit, Rückzug aus dem Lärm des Alltags, bieten eine Oase der Ruhe und inneren Einkehr.

Vor allem aber berühren sie die Seele. Und das zum Niederknien schön.
5 Sterne!
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 13, 2012 9:24 PM CET


Kaas Chante Piaf
Kaas Chante Piaf
Preis: EUR 20,17

20 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Gelangweilt-artifizielles Geröhre ohne Emotion: Ein Massaker, 3. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Kaas Chante Piaf (Audio CD)
Um naheliegenden Missverständnissen gleich zu Beginn den Garaus zu machen: Ich halte Patricia Kaas für eine talentierte Künstlerin, die über ein einzigartiges Timbre verfügt und völlig zu Recht in der Welt des Chansons jenen Sonderplatz einnimmt, der ihr infolge ihrer Kunst gebührt. Und bis auf "Kabaret", das mich aus hier zu vernachlässigenden Gründen nicht ansprach, besitze ich sämtliche ihrer Studioalben.
Ihr Piaf-Album sollte da keine Ausnahme darstellen, obwohl ich es mit Skepsis zur Ladentheke trug. Kaas und Piaf - würde das gehen?

Nach mehrmaligem Anhören hat sich für mich eindeutig herauskristallisiert, dass Mademoiselle besser bei eigens für sie geschriebenem Liedgut hätte bleiben sollen; Perlen wie dem grandiosen Grand Prix-Beitrag "S il fallait le faire", die sie zu veredeln, zu etwas Einzigartigem zu machen weiß, bei denen alles, aber auch alles stimmt und die ich mir aus dem Mund anderer Chanteusen kaum vorzustellen in der Lage bin.
Will sagen: Die Skepsis, mit der ich ihrem sehr lange schon angekündigten Piaf-Album gegenüberstand, hat sich vollends bestätigt. "La mome", wie die Franzosen den Spatz von Paris nennen, sang ihre 3-Minuten-Tragödien, zumeist mit überbordenden, doch adäquatem Pathos beseelt, mit ebenjener Inbrunst, die sie unsterblich machte. Und die orchestrale Begleitung stand dieser in nichts nach. Das war und ist es, was Chansons wie "Milord", "Mon Dieu" oder "Hymne a l amour" zu moderner Klassik machten. Während sich gerade bei "Mon Dieu", dem absolut herzzereißenden Drama, Piaf sowie seit ein paar Jahrzehnten auch Mireille Mathieu die Seelen aus den resonanzstarken Leibern leidenschaften, röhrt Mlle Kaas allenfalls unterkühlt, schlägt den kongenialen Bogen zu ihrem zwar ästhetisch-distanzierten, hier aber völlig unpassenden Albumcover und verfehlt die Aussage des Chansons mithilfe ihrer modern sein sollenden Coolness krachend.

Patricia Kaas - und das ist das allem zugrundeliegende Manko - behält ihren häufig leicht gelangweilt wirkenden Gesangsstil bei, der genau diese unbedingt erforderliche Inbrunst, das im Chanson Aufgehende, des mittels des Gesangs lebende/durchleidende annähernd gänzlich vermissen lässt. "Cool" singt sie, wie bereits angemerkt, würzt - auch orchestral - mit modernen Elementen und verwässert (um nicht zu sagen massakriert) hier generationsübergreifende musikalische Schätze, derer sie beim unterstellt besten Willen nicht gerecht werden kann.

Wenige Wochen zuvor legte Mireille Mathieu ihre 1993 eingesungene und mit 2 aktuell produzierten Titeln verlängerte, schon damals mit Preisen und hohen Auflagen veredelte Piaf-Hommage weltweit neu auf. Zu Recht. Hier ist sie, die Inbrunst, hier ist sie, die Stimmgewalt, vor allem aber das Pathos, das es braucht, um Edith Piaf zu singen und die Seele der größtenteils mit hervorragenden Texten versehenen Chansons glaubwürdig zu transportieren. Kaas dagegen produziert eine sich als hintergründig anmutende Scheibe, die weder zu packen noch zu überzeugen weiß. Pathos lässt sich nicht mimen, Pathos muss der Künstlerin immanent sein, um sich authentisch entfalten zu können - genau das passiert hier eben gerade so ganz und gar nicht.

Die eingefleischten Fans von Mademoiselle (die dem Blues, aber NICHT dem "grand drame" pulsierendes Leben einzuhauchen weiß) werden mich mit abgrundtiefer Verachtung strafen. Ich kann gut damit leben - nicht aber mit dieser missglückten Produktion, die keineswegs zu halten vermag, was die PR-Manager mit enthusiastischer Feder Glauben zu machen versuchen.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 22, 2012 3:22 PM CET


Remixed
Remixed
Preis: EUR 17,98

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Pseudoaktuelles musikalisches Gewand - leider drei Nummern zu klein, 22. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Remixed (Audio CD)
Eines vorweg: Ich habe so gut wie alles in meiner Sanmmlung, was Hilde Knef auf ihre unnachahmlich einzigartige Art und Weise aus Diktion und Stimme ins Mikrofon transportierte und bin jeglicher Innovation gegenüber sehr aufgeschlossen. In diesem Kontext denke ich gerne an die "Rosen", die sie noch zu ihren Lebzeiten zeitgenössisch in einer Melange aus Original inklusive aktueller Rhythmen aufzupeppen und zu neuerlichem Erfolg zu führen wusste. Will sagen: Arrangements, gerade aktuelle zurückliegenden Repertoires, müssen zum Grundcharakter der Lieder passen.
Ist dies gelungen, führen sie zu neuen Hörerlebnissen, die bestechen und eine willkommene Alternative zu den gewohnten Konserven darstellen, die man unauslöschlich im Ohr hat. Wenn besagter Grundcharakter aber verlustig geht, gar die Aussage von Songs nicht mehr mitführen, können "Remixes" einem Massaker gleichkommen.

Zumindest Ansätze(!) hierzu liegen bei diesem Modernisierungsversuch vor, wenn es auch abwegig wäre, insgesamt von ebenjenem "Massaker" zu sprechen. Schlager wie "Guten Morgen Paul", ein vergleichsweise eher seichtes Gute-Laune-Stückchen ohne sonderlichen Anspruch, sind in in ihrer einfachen Strickart nicht wirklich zu verunstalten, da bar einer unveränderlichen Emotionalität. Schlager eben. Und Schlager gab es im Repertoire der Knef nur sehr wenige zugunsten ironischer, realistischer, aber auch tragischer Lieder ohne Pathos wie eben "Heute morgen war Termin", dessen Originalarrangement das Gefühlschaos einer Scheidung eindrucksvoll zu tranportieren vermochte. Hier aber wird es zur Banalität; glattgeschliffen, konsumorientiert und fern jenes Grundcharakters, der ein Musikstück erst zu dem macht, was man nicht mehr vergisst. Ähnliches trifft auch auf "Lass das Vergangene vergangen sein" zu, einem ursprünglich sorgfältigst arrangierten Kleinod, das sich hier seiner sehr individuellen und perfekt mit dem Text verschmelzenden Atmosphäre gänzlich beraubt sieht. -zig-fach wiederholte und computerverfremdete Textpassagen sind keineswegs ein Garant für Originalität, sondern eher der lieblos-misslungene Versuch, die Knef auf Teufel komm raus in ein pseudoaktuelles Gewand zu verfrachten - das ihr weder steht, noch ihrer Klasse gerecht wird. Und dessen sie ob ihrer zeitlosen Qualität halber überdies auch absolut nicht bedarf.
Diese CD ist kein kompletter Missgriff, sie enthält durchaus auch ein paar gelungene Remixansätze, die anzusprechen wissen. Der Knefkenner jedoch, der besonderen Wert auf Authentizität legt und die Aussage der jeweiligen Originale bewahrt und eben NICHT auf dem Scheiterhaufen der "Aktualität" geopfert sehen will, wird sich mit dem vorliegenden Opus schwer tun. Mehr noch: Es allenfalls partiell goutieren.

Es steht zu vermuten, dass Hilde es nicht sonderlich anders gesehen hätte. Eine Knef ist in ihrer künstlerischen Liga unkaputtbar. Das aber nur dann, wenn die Originale insgesamt unverkennbar bleiben.
Und genau dies ist hier eben gerade nicht der Fall. Daher: Schade um die verpassten Chancen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 11, 2012 11:32 PM CET


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