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Beiträge von Ulrich Groh
Top-Rezensenten Rang: 321
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Rezensionen verfasst von Ulrich Groh (Mittelhessen)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Kleine Lady mit großer Power, 15. Juli 2012
"Hier kommt die aktuelle Nr.1 aus England", rief der Moderator mit sich überschlagender Stimme, und dann erklang ein Song, der mich augenblicklich süchtig machte und am Folgetag in die Plattenläden trieb: "Can the can", basslastiger, peitschender und mit hoher, beinahe schriller Stimme herausgeschrieener Rock einer gewissen Suzi Quatro, die in den Folgejahren die Charts bestimmen sollte - fulminanter, die Eltern verstörender ("was ist denn das für ein Krach!")Startschuss einer steilen Karriere. Das Autorenteam Chinn/Chapman strickte mit Krachern wie "48 Crash", "Daytona demon" oder "Devil Gate Drive" zwar stets nach ähnlichem Strickmuster gewebte, aber dennoch unverkennbare Hits, die auf keiner Fete fehlen durften, der Sängerin BRAVO-Ottos, BRAVO-Starschnitt und weitere zahlreiche Ehrungen bescherten und die Kassen aller Beteiligten füllten. Dass die kleine Miss Quatro, damals stets in engen schwarzen Lederdress gehüllt, erheblich mehr konnte als zu treibenden Beats kreischend den Bass gleich eines überdimensionalen Phallussymbols rhythmisch auf und ab zu schwingen, zeigten Stücke ihrer LPs, auf denen sie auch andere Seiten unter Beweis stellen und mit Eigenkompositionen glänzen konnte, die neben ihren großen Chartbreakern in nicht unbeträchtlicher Zahl nach wie vor Bestand haben, häufig eine ureigene Dynamik entwickelten und noch heute mehr als hörenswert sind. "Michael" beispielsweise steht stellvertretend für jene weniger massenkompatiblen Stücke; eine unter die Haut gehende, dramatische Ballade, die ich seinerzeit als kommende Single erwartete, logischerweise aber nicht zum "Quatroimage" der rein profitorientierten Branche passte. Dieser Song findet sich nun endlich auf dieser gelungenen Compilation wieder und wartet nur darauf, von staunenden 70er-Liebhabern, die alleine die Charthits erwarten und das darumgewobene Material vorschnell als "Füllsel" abtun, entdeckt zu werden wie auch die äußerst gelungenen Lieder der Neuzeit, die unverdientermaßen kommerziell längst nicht mehr an die Glanzzeiten anzuknüpfen vermochten. "I don t do gentle", 2005 veröffentlicht, ist ein ungemein eingängig-rockiges, fantastisch arrangiertes Boogie-Bonbon, das wohl nur der Tatsache halber, dass man "Altstars" nicht mehr wahrzunehmen pflegt, um die verdienten Lorbeeren gebracht wurde. Dass dieses Doppelalbum das selbstkomponierte "Wiser than you", das seinerzeit unbegreiflicherweise als B-Seite herauskam, nicht enthält, stellt für mich ein schmerzliches Manko dar, rechtfertigt angesichts der Fülle an vorhandenen Popperlen jedoch auch wiederum keinen Punktabzug. Fazit: Wer Suzi Quatro mochte, kann bei dieser Doppel-CD zum fairen Preis rein gar nichts falsch machen. Außer "Stumblin in", dem mit Chris Norman intonierten Klassiker, sind hier wirklich alle bekannnten Songs bis hin zu den großen Hits der beginnenden 80er wie "If you can t give me love" oder "She s in love with you" bzw. "Mamas Boy" vereint, die jeden auch heute noch mehr als zufriedenstellen, der die zündende Musik der kleinen Powerlady aus England in angenehmer Erinnerung behalten hat.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Gelungener Sampler - diese Schokolade ist noch immer heiß!, 8. Juli 2012
Hot Chocolate - ein ganz großer Act der Disco-Ära, die in ihrer Blütezeit nicht nur Hits am Fließband produzierten, sondern dabei stets unverwechselbar blieben - mit rhythmischen, teils angenehm melancholischen Songs, die in Beine und Ohr gingen. "You sexy thing", "Every 1s a winner", "No doubt about it", "Put your love on me", funkig-soulig arrangiert, sind längst Evergreens einer schrillen und doch schönen Ära, die man immer wieder gerne hört, die die alten Zeiten wiederbeleben, während der man in Schlaghosen die Discos unsicher, die Nächte zum Tag machte, einfach nur lebte... Wenn diese Epoche (und mit ihr die teils unsäglichen musikalischen Auswüchse, die jede Zeit hervorbringt) auch längst unterging, so blieben und bleiben die musikalischen Highlights dennoch - und zu Recht - in der kollektiven Erinnerung all jener, die sie intensiv erlebten. Die Songs von Hot Chocolate zählen für mich zweifelsfrei mit zum qualitativ Besten, was damals in den Tonstudios ausgetüftelt wurde, weshalb ich mir diesen Sampler mit sage und schreibe 40 Songs auf 2 randvollen Tonträgern zulegte - nicht gänzlich ohne Befürchtung, vom Sound durch Verfremdung, Übersteuerung oder aber einem missglückten Remastering enttäuscht zu werden. Das Gegenteil ist der Fall. Alle Stücke wurden allenfalls zu digitalen Zwecken aufgefrischt, ohne jedoch ihren Originalcharakter dabei zu verfälschen oder diesen gar auch nur angekratzt vorzufinden - gemäkelt werden kann hier wirklich nur von dem, der auf jeder feinsten(!) Ursprungsnuance besteht und infolgedessen lieber Rauschen sowie Soundeinbußen, analogzeitalterbedingt, Priorität einräumt. Auf 2 Scheiben sind zu einem fairen Preis alle (aber auch wirklich alle) großen Chartbreaker dieser Band vereint und mit unbekannteren Stücken angereichert, die diese Sammlung nicht nur abrunden, sondern auch sehr deutlich machen: Diese Schokolade ist nicht lauwarm, gestrig und abgestanden, sondern noch immer heiß, wohlschmeckend und in jeder Hinsicht ein Genuss!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Album tres americain - "Nathalie" ist weit, 26. Juni 2012
Ohne jeden Zweifel zählt Gilbert Becaud zu den größten Chansonniers, die Frankreich je hervorgebracht hat. Monsieur 100.000 Volt, bekannt und geliebt für so typisch französisches Liedgut wie "Nathalie", "Je reviens te chercher" oder "L important c est la rose" schrieb und interpretierte nicht nur unsterbliche Chansons in seiner ureigensten Art und Weise, sondern wandelte in den 1990er Jahren - noch immer im Vollbesitz seiner unnachahmlich mitreißenden Stimme, rauchig eingefärbt durch inflationären Zigarettenkonsum - auf neuen musikalischen Pfaden, die sein umfangreiches Repertoire um neue Nuancen bereicherte. Eines der Resultate liegt mit diesem Album vor. So ungewöhnlich wie die Covergestaltung gerieten auch die Chansons, die Instrumentierung, die Arrangements. Auf "Une vie comme un roman", einem Konzeptalbum par excellence, sucht man Altbekanntes wie die o.a. Evergreens vergebens. Becaud experimentiert auf höchstem Niveau, öffnet sich international wettbewerbsfähigem Stil, lässt swingend-soulige, zuweilen auch funkige Elemente in seine Kompositionen mit einfließen, ohne jedoch seine Wurzeln, das Chanson, dabei zu Grabe zu tragen. Staunend sitzt man vor den Lautsprechern. Natürlich: Becaud pur. Kraftvolle Stimme, meist zur dominierenden (und gewohnt-geliebten) Pianobegleitung. Aber: Swingend leicht, in schönen Melodien eingebettet, fern des großen Dramas, das so charakteristisch für einen Großteil seines Repertoires steht. Nathalie? Ist auf dem "Place Rouge". Hier befinden wir uns in einem amerikanischen Club ebenso feinen wie hohen musikalischen Niveaus. Und staunen, Becaud darin zu entdecken. Das Staunen jedoch verliert sich bei mehrmaligem Hören, weicht der Erkenntnis, dass hier Einzigartiges entstanden, Einzigartiges geglückt ist: Der Spagat zwischen Tradition und Moderne oder, treffender ausgedrückt, die Verschmelzung beider zugunsten eines absolut zeitlosen Albums, das in englischer Sprache und von Sinatra zu dessen besten Zeiten gesungen ein Welterfolg geworden wäre. Becaud, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits ein Altstar und nicht mehr auf die Charts abonniert, konnte die eigentlich überfälligen Lorbeeren für diese Arbeit nicht mehr einfahren, zumindest jedoch einen künstlerischen Erfolg für sich verbuchen, den beileibe nicht jeder altgediente musikalische Haudegen in einer solchen Perfektion, wie er hier vorliegt, vorzuweisen hat. Sie mögen Becaud, sie mögen seine Stimme, die Art und Weise seiner Vortragskunst, schreckten jedoch bisher von dem eher seltsam anmutenden Cover mit der gleichermaßen darin vermuteten Musik zurück? Dann sollten Sie diesen Schatz knapp 20 Jahre nach Entstehung heben, der sich nicht nur taufrisch anhört, sondern darüber hinaus Qualität pur in sich birgt und zeitlos schön daherkommt.
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5.0 von 5 Sternen
Sachlich-packende Schrift gegen das kollektive Vergessen, 19. Juni 2012
Die Geschichte der unseligen Nazi-Jahre, die der vor allem an Juden begangenen Gräueltaten ist verdient tausendfach medial aufgearbeitet worden, obwohl sich ein Vergessen dadurch nicht einstellen kann - zu unfassbar die Verrohung dieses Terrorregimes, zu unglaublich die damit einhergehende Menschenverachtung. Im Schatten der zahlenmäßig bei weitem dominierenden Opfergruppe stehen die Homosexuellen, die einzig aufgrund ihrer Veranlagung in die Konzentrationslager transportiert und zu Tode gequält wurden. Sie bilden im Rahmen der Vergangenheitsbewältigung allenfalls eine unscheinbare Fußnote, erfahren keinerlei Würdigung, Erwähnung, Wiedergutmachung. Das vorliegende Buch des verdienstvollen Alexander Zinn schreibt gegen ein kollektives Vergessen (Verdrängen?)an, schildert exemplarisch an der Person des Protagonisten Bradzka den faktenreich belegten Leidensweg eines dem eigenen Geschlecht zugewandten Mannes, der das eigentlich nicht Überlebbare überstand - aufgrund glücklicher Zufälle, infolge seiner sexuellen Anziehungskraft, gewiss aber nicht zuletzt auch wegen seines eher etwas schlichtes Naturells, seines Optimismus sowie seiner im Vergleich mit anderen Schwulen nicht allzu überbordender Sensibiltät. Entstanden ist keineswegs nur eine Biographie, sondern ein literarisch wertvolles, vielfach belegtes Dokument der Zeitgeschichte, das eine schmerzliche Lücke schließt. Ohne Pathos, ohne Schönfärberei, sachlich und dennoch leicht lesbar gelingt dem Autor eine stark bewegendes Zeugnis der dunkelsten Epoche der Deutschen sowie einer weitgehend außerhalb des diesbezüglichen Fokus befindlichen Minderheit, die sich auch heute - trotz aller gesetzlich verschafften Libertinage - noch immer täglicher Diskriminierung ausgesetzt sieht. Bleibt zu wünschen, dass diesem Buch jene breite Aufmerksamkeit zuteil werden möge, das es verdient. Ein Standardwerk ist es schon jetzt - und das nicht nur, weil es recht einsam auf dem weiten Feld der Literatur steht, die sich dieser spezifischen Vergangenheitsbewältigung widmet.
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84 von 88 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Von der Stärke, Schicksal zu akzeptieren - weit mehr als Betroffenheitsbelletristik, 5. Mai 2012
Ach ja. Wieder ein - wenn auch infolge tragischer Umstände - mehr aus Zufall bekannt gewordenener Mensch, der seinen Leidensweg larmoyant in klingende Münze zu transferieren versucht. Gab es immer. Ghostwriter im Hintergrund, den schnellen Reibach im Blick, wird ein nichtssagendes "Werk" auf den Markt geworfen, das infolge der sensationslüsternen Medienpräsenz des so Gebeutelten zum Verkaufsschlager wird und nichts als Schales hinterlässt. Und postwendend entsorgt/verkauft/verschenkt wird. So mein Vorurteil, als ich dieses Buches als gutgemeintes Geschenk habhaft wurde. Keine 20 Seiten Lektüre brauchte es, um mich staunend all dieser Vorurteile zu entledigen. Larmoyanz? Fehlanzeige. Nichtssagende Phrasen, um jenen TV-Abend herum gestrickt und endlos ausgewalzt, doch völlig substanzlos? Keineswegs. Staunend, mitunter auch ehrlich bewegt, nimmt man zur Kenntnis, dass hier keine sensationsheischende Betroffenheitsbelletristik vorliegt, sondern ein junger, vom Schicksal gebeutelter Mann erzählt, der weit mehr als sein tragisches Los mitzuteilen weiß: Nämlich den Weg, wie man Unumstößliches angehen, gar bewältigen kann, das wohl den meisten von uns Schauer des Entsetzens über den Rücken jagt bei der Vorstellung, sich selbst in einer solch schier ausweglosen Situation zu befinden. Es schreibt ein Mensch, der - fest im Glauben verwurzelt - lernen musste, sich mit dem Unabänderlichen zu arrangieren, es anzunehmen, das Beste daraus zu machen. Genau darin besteht auch die Daseinsberechtigung seiner Schilderung: Zeigt Samuel Koch doch Wege auf, Schläge zu verarbeiten, die uns alle auf welche Art und Weise auch immer allesamt treffen können, ohne in Verzweiflung zu versinken. Ob dies nun beabsichtigt war, gar kalkuliert wurde, sei dahingestellt, da irrelevant. Wichtig alleine ist die gehörige Portion an Zuversicht, die man bei dieser Lektüre zu beziehen imstande ist und die auf zumeist weitaus weniger gravierende Schläge abzielt, auf die jeder von uns irgendwann einmal zusteuert, da nun einmal kein Leben fern jeglicher tiefgreifender Einschläge bleibt. Bewundernswert in jedem Fall der Mut, die Akzeptanz sowie die Einsicht in die aktuellen Gegebenheiten, die das schwere Schicksal dieses Mannes dennoch lebenswert geraten ließen. Davon können wir uns alle (mehr als) eine Scheibe abschneiden. Alles Gute diesem Tapferen und - danke für die Zuversicht, der man sich nicht entziehen kann!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Grandioses Popalbum, das uneingeschränkt begeistert, 27. April 2012
"Menschen lieben Melodien. Sie werden immer bleiben - lediglich der Rhythmus unterliegt modebedingten Veränderungsprozessen." Dieses Zitat einer leider seit Langem verstorbenen Musikgröße, das ich stets für unwiderlegbar hielt, wird immer häufiger durch die aktuelle Chartdauerberieslung, die aus dem Radio schwappt, widerlegt. Seelenloser Einheitspop, der es oft unmöglich macht, etwas Melodieähnliches zu entdecken, scheint das aktuelle Musikbusiness zunehmend zu dominieren und nimmt immer mehr die Lust, den CD-Regalen Neues einzuverleiben, denn: Ragt mal eine aktuelle Nummer angenehm aus dem eintönigen Computereinerlei heraus, folgt bald nach Kauf des jeweiligen Albums die frustrierende Erkenntnis, besser die entsprechende Maxi-Single statt des hauptsächlich aus nichtssagenden Füllseln um einen Hit gewebten Albums erworben zu haben. Nicht so bei "Train". Aufmerksam geworden durch "Hey Soul Sister", einem herrlichen Song, den man - wie in vergangenen Tagen gewohnt - bereits an den ersten Takten erkennt, wagte ich den Kauf dieser CD. Entsprechend hoch waren denn auch meine Erwartungen, als ich die neue Single dieser Gruppe als gleichwertig mit dem ersten mir bekannten Hit der Band empfand. Inzwischen, nach mehrfachem genussvollen Hörvergnügen, bin ich nichts als äußerst positiv überrascht. Da wird doch wahrlich eine Scheibe veröffentlicht, die ohne jegliches Füllsel aus- und mit zündendem, nicht mehr aus dem Ohr gehenden Melodiefeuerwerk daherkommt, das ich in dieser Pracht kaum noch für realistisch hätte halten können. Nie langweilig, nie eintönig ziehen "Train" in ihren Bann, fesseln mit ebenso zündenden wie abwechslungsreichen Rhythmen, unterhalten bar jeglicher Dissonanzen, ohne dabei altbacken, gar gestrig zu wirken und liefern ein in jeder Hinsicht perfekt produziertes Album ab, wie es kaum noch anzutreffen ist. Infolgedessen also die Höchstbewertung für ein rundes Stück Hörvergnügen, dessen Kauf ich keine Sekunde bereute und das gute Laune auf hohem Niveau garantiert. Kann man mehr verlangen?
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54 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Kommerz contra Kunst: Madonna, wo bist du?, 30. März 2012
Madonna. Interessant fand ich ihr Debut damals in den 80ern, empfand sie spritzig, aber wie die Kritiker als One-Hit-Wonder. Doch folgten Hit auf Hit, Album auf Album. Madonna blieb. Stimme? Nichts Großes, sondern Dutzendware. Aber da war etwas - das GEWISSE Etwas, was sie einmalig machte bzw. werden ließ. Ihre Verwandlungskunst, die stete Bereitschaft, sich immer neu zu erfinden, vor allem aber ihr sprichwörtlicher Mut, innovative Musik zu machen, die man zunächst häufig als sperrig und gewöhnungsbedürftig empfand, sich jedoch nach mehrmaligem Hören als große Popkunst entpuppte. So viele Alben, die ich heute noch oft höre und Meilensteine in ihrem Genre wurden, zeugen davon: Das völlig unterschätzte "Erotica", das balladeske "Bedtime stories" voller wunderschöner Kompositionen, "Ray of light" natürlich, das ganz und gar außergewöhnliche "I m breathless" (große Kunst!) bis hin zum genialen Dancefloor-Klassiker "Confessions..." Und immer - auch bei schwächeren Alben - echte musikalische Highlights, die die keineswegs atemberaubende Stimme Madonnas zugunsten des genialen Gesamtpakets vergessen ließen und den Star zu dem machten, was sie noch heute ist: Popqueen mit weltweit höchsten Auflagen, Bitch, Skandalnudel, Stilikone, fürsorgliche Mutter - eine Frau der Extreme, die alles miteinander zu vermischen und Kunst wie auch Kommerz auf geniale Art zu vereinen wusste. "MDNA" habe ich nun -zigmal gehört; immer in der sicheren Erwartungshaltung, dass die Erkenntnis, wieder einmal anfänglich ein Juwel verkannt zu haben, weil es zu innovativ und daher ungewohnt gestrickt wurde, sich schon einstellen würde. Aber leider erfolglos. Bemerkt habe ich stattdessen, dass Madonna nun mit über 50 (für mich im Übrigen eine Zahl und sonst nichts) auf scheinbare Nummer Sicher setzt. Will heißen: Sie orientiert sich ausnahmslos am Mainstream, vermeidet die für sie so typischen und charakteristischen Experimente (die gerade sie zu dem machten, was sie wurde), um mit einer leidlich uninspirierten Mischung aktueller Sounds ein Stück zwar massenkompatibler, dafür jedoch leider beliebiger Musik abzuliefern. Sicher, es gibt ein paar wenige akzeptable Songs auf diesen beiden Scheiben, denen man mit einigem Interesse zuhört und die entfernt an den gewohnten Madonna-Effekt erinnern. Entfernt(!) erinnern. Genau das ist das Problem: "MDNA" stellt für mich einen müden Abklatsch einstiger Größe dar. Es wird sich verkaufen, gewiss, stellt umsatzbezogen wohl auch ihre kommerziell erfolgloseste Scheibe "Erotica" in den Schatten. Aber: Es wird nichts bleiben als eine von der Zeit bald überrollte Neuerscheinung, die nach wenigen Monaten in den Regalen verstaubt. Es fehlen ganz einfach wichtige Voraussetzungen für das Gegenteil: Songs von künstlerischer Substanz, die unvergesslich bleiben. Qualität kennt kein Verfallsdatum. "MDNA" leider schon. Netter, gewöhnlicher und austauschbarer Tagespop. Gewinnträchtig und massenkompatibel. Doch morgen schon überholt, ersetzt und vergessen. Wo ist die Madonna, die aneckte, überraschte, provozierte und - vor allem - musikalische Maßstäbe setzte? Dieser Frage kann man nicht ausweichen: Madonna, wo bist du?
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6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Wässriger Aufguss eines Geniestreichs, 16. März 2012
Die wenigsten Musikliebhaber dürften sich der Illusion hingegeben haben, dass der Graf sein epochales Meisterwerk "Große Freiheit" würde toppen können. Zu ausgefeilt die Arrangements, die kongenial passenden Texte, die Musik, kurzum: Ein Gesamtkunstwerk. In welche Richtung also würde er sich weiterentwickeln? Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Überhaupt nicht. Er hat sich nicht weiter in neuere, ungewohnte und somit auch kommerziell gesehen risikoträchtigere Gefilde bewegt, sondern ist beim Altgewohnten geblieben. Das vorliegende Album gleicht einem wässrigen Neuaufguss seines Geniestreichs nahezu bis ins i-Tüpfelchen hinein. Man hört bombastische, teils harte Klänge, dazwischen findet man gefällige, uninspirierte Balladen und kann sich selbst bei mehrmaligem Hören des Eindrucks nicht erwehren, dass jede Tonfolge, jedes Arrangement, gar die Texte so ähnlich bereits da waren: Beliebig, gefällig, austauschbar. Bereits beim Intro wähnt man sich in der "Großen Freiheit" und stellt später ebenso erstaunt wie verärgert fest, dass man es sich hier mit dem Setzen auf "Nummer Sicher" gar zu einfach gemacht hat. Mehr noch: Das Vorgängeralbum, einem aus feinsten, teuersten Ebenhölzern kunstvoll gerfertigten Unikat gleichend, wird hier als qualitativ minderwertiger Massenartikel, zusammengeschustert aus 08/15-Material, unters ungläubige Volk gebracht. Was in der Volksmusik- und Schlagerszene seit Urzeiten höchst lukrativ funktioniert, nämlich die ewige Variation der ebenso ewig gleichen Musik, des immer gleichen Textes, kann im Rock-Pop-Sektor jedoch keineswegs punkten. Gewiss, das Album wird die Kassen nochmals kräftig füllen, die Charts kurzzeitig dominieren und ein großer kommerzieller Erfolg werden wie alle Alben, die auf einen Meilenstein folgen. Höchst bedauerlich jedoch, dass sich das Erfolgsrezept mit "Lichter der Großstadt" totläuft und die Lichter für den Grafen verlöschen werden - und das schneller, als man es einem solch guten Künstler wünschen kann. Die Lichter flackern bereits. War dies die schnelle Kasse wert?
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Pietro Style
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| Wird angeboten von Kara-Handelshaus GmbH Preise inkl. MwSt. |
| Preis: EUR 15,99 |
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Das fragwürdige "Prinzip Dieter Bohlen", 6. März 2012
Für mich ist es immer wieder verwunderlich, wie perfekt die Bohlen-Maschinerie funktioniert: Da wird nach monatelangem Spektakel, garniert von menschenverachtenden Sprüchen wie auch kongenialer Publicity des größten europäischen Massenblattes (mit den 4 großen Buchstaben und den NOCH größeren Schlagzeilen) schließlich ein "Superstar" gebacken, der in erster Linie der Vermarktungsstrategie von Plattenfirma wie auch Herrn Bohlen entspricht: Hübsch muss er sein, Teenie-massenkompatibel und BRAVO-tauglich, nach Möglichkeit auch intellektuell etwas schlicht, damit ihm der industrielle Knebelvertrag, der ihm der Sieg verschafft und der vor allem die Macher reich macht, den Künstler jedoch mit (vergleichsweise) Almosen abspeist, nicht die Luft zum Singen raubt. Im Siegestaumel befindlich und das häufig erste große Erfolgserlebnis des jungen Lebens überhaupt nicht verkraften könnend wird der jeweilige "Superstar" - ob er nun Lombardi oder wie auch immer heißt - einer Marionette gleichend durch die Vermarktungsmaschinerie all jener im Eiltempo gedreht, die sich daran goldene Nasen verdienen: Plattenfirma, Teenie-Presse, allen voran jedoch Dieter Bohlen, der bereits -zig-fach verquirlte musikalische Einheitssauce neu abmischt und mit der ersten CD so viel verdient, dass er sich bequem zurücklehnen kann und in erster Linie damit beschäftigt ist, über sichere Anlegeformen für den garantierten Geldregen nachzudenken, statt auch nur ansatzweise musikalisches Potenzial in den Ausbau der gerade begonnenen Karriere zu stecken. Wozu auch? Der Hype ist vorüber, wenn im wenige Monate später beginnenden neuerlichen Casting ebenso subjektiv wie suggestiv bereits der nächste "Superstar" gebacken wird, der für die Dauer eines Jahres neuerlichen Dukatenregen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verspricht, um den vorangegangenen mit NOCH schlechterem musikalischen Material dem vorprogrammierten Fall in die geplante Bedeutungslosigkeit abstürzen zu lassen. Denn: Dauerhafter Erfolg erhöht zwangsläufig die prozentuale Gewinnbeteiligung des Künstlers der - wie schlicht und unbedarft auch immer er ist - die Regeln des Business zu durchschauen beginnt und somit unbequem wird. Es bleibt, ich erwähnte es bereits, weitestgehend unverständlich, dass dieser so wunderbar funktionierende und überaus gewinnträchtige Mechanismus weitgehend undurchschaut bleibt. Auf der Strecke bleiben hier junge Künstler, die teilweise tatsächlich etwas zu bieten haben und den jähen, gnadenlosen Fall ins Nichts kaum zu verkraften in der Lage sind. Insofern ist Pietro Lombardi und die hier vorliegende CD-Produktion nur ein höchst trauriges Beispiel für die davor wie auch für die, die noch kommen werden und die allesamt nur eines wirklich verbindet: Die Hoffnung, die Begeisterung, der Höhenflug - kurz bemessen, quasi über Nacht vorbei. Und den Sturz in die Bedeutungslosigkeit, die sie für immer hinter sich glaubten. Der allerdings ist eben NICHT über Nacht vorbei, sondern prägt das gesamte restliche Leben - und das nachhaltig.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Enttabuisierung: Das Grauen bekommt einen Namen, 15. Februar 2012
In diesem Buch geht es um das Schicksal des Prominenten Rudi Assauer, der hier jedoch nur als verdienstvolles Vehikel dient, um den unzähligen von der Krankheit Alzheimer Betroffenen ein Podium zu zimmern - ein Podium, das sie aus der Tabuzone in die diskursfähige Realität befördert. Daher ist es m. E. völlig unerheblich, ob der Leser dieses Buches nun primär an der Person Assauer (in diesem Falle wird er mit Informationen bestens versorgt) interessiert ist und dessen Erkrankung als unabdingbare Koppelung in die Lektüre mit einbezieht oder aber sich in erster Linie den Schrecken eines solchen Schicksals en Detail stellen möchte - auch hier werden authentische, ungeschminkte Einblicke gewährt, die die Tragik ebenso anschaulich wie eindrücklich verdeutlichen. Assauer - so schicksalsbeladen und beklagenswert es auch ist - stellt, da prominent, das Zugpferd dar, das die unheilbare Geißel Alzheimer, diese so fürchterliche und noch immer unheilbare Heimsuchung, in das gleißende Licht h i n e i n und somit aus der Tabuzone h e r a u s zerrt. Darin besteht das Verdienst dieses Buches (auch jenes des einst dem Fußball Verschriebenen), und hierbei ist der Name des Prominenten ebenso unerheblich wie als austauschbar anzusehen, um dem verdrängten Grauen den Schleier zu entreißen. Will sagen: Nicht der Mensch Rudi Assauer verleiht diesem Band seine unzweifelhafte Daseinsberechtigung, sondern dessen Prominenz, die hoffentlich viele Menschen dazu verleiten wird, sich mit diesem so gerne hinter fest verschlossenen Türen gehaltenen Themenkomplex auseinanderzusetzen.
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