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Rezensionen verfasst von
Christiane Peters "Chrissies kleine Welt" (Rendsburg)
(REAL NAME)   

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Robocalypse. Roman
Robocalypse. Roman
von Daniel H. Wilson
  Broschiert
Preis: EUR 6,46

4.0 von 5 Sternen Was wäre, wenn?, 27. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Robocalypse. Roman (Broschiert)
Was wäre, wenn sich die Menschheit weiterhin immer mehr an Technik gewöhnt? Was wäre, wenn sie es verlernt auch ohne Hilfe zurecht zu kommen? Was wäre, wenn sich eine dieser Maschinen erhebt und lernt? Was wäre, wenn diese Maschine schließlich beschließt, dass die Menschheit ein Ende finden muss?
Archos ist eben diese Maschine, eine künstliche Intelligenz, die sich von allem Menschlichen lossagt. Sie bereitet den Schlag gegen uns vor und wir sind lange Zeit zu blind um die Zeichen zu sehen. Als wir es schließlich tun ist es bereits zu spät und unsere letzte Stunde hat geschlagen.

Die Thematik dieses Romans erinnert selbstredend an die Terminatorfilme, die ich immer wieder gerne schaue. So konnte mich die Geschichte dieses SciFi-Buches natürlich locken. Zudem fand ich bereits im Vorfeld sehr interessant, dass der Autor selbst Informatik studiert und seinen Doktor in Robotik gemacht hat. Wilson weiß also, wovon er hier schreibt.

Bereits zu Beginn fällt die ungewöhnliche Erzählweise auf. Das Geschehen wird nicht kontinuierlich aus einer oder einigen wenigen Sichtweisen erzählt, sondern aus Berichten, Kameraaufzeichnungen und anderen Dokumenten gezogen. All diese Daten hat Archos selbst über seine ärgsten Feinde gesammelt und archiviert. Nach dem Ende des Krieges Mensch gegen Maschine werden von den Überlebenden eben jene Daten entdeckt und erschlossen. Die Apokalypse wird vom Zeitpunkt an geschildert, an dem Archos in die Welt ausbricht und sein Ziel gefasst hat.
Man könnte nun meinen, dass den Leser eine sehr trockene, wissenschaftliche Lektüre erwartet, dies ist jedoch nicht der Fall. Zwar fällt es schwer eine emotionale Bindung zu Charakteren aufzubauen, da sie bis auf wenige Ausnahmen jeweils nur ein Kapitel lang auftauchen, doch die Kapitel an sich sind spannend und erschreckend geschildert. Wilson schafft es hier durch eine brutale Realität Schreckensszenarien zu erschaffen, die besonders bedrohlich wirken, da man sich als Leser definitiv vorstellen kann, dass so etwas möglich wäre.

Einzelne, für den Krieg besonders wichtige Figuren, tauchen im Verlauf der Geschichte erneut wieder auf und erleben Martyrien der unterschiedlichsten Art. Jeder kleine Sieg, den die Menschheit einfahren kann, wird mit harten Verlusten begleitet. Wer mit einer sehr pessimistischen Zukunft der Menschheit seine Probleme hat, wird auch ein Problem mit dem Verdauen dieses Buches haben.

Dadurch, dass jedes Kapitel einzeln für sich steht und eine schreckliche Weiterentwicklung der Maschinen und künstlichen Intelligenz beschreibt, gibt es spannungstechnisch in diesem Buch keine Schwächen. Man stolpert von einem schrecklichen Szenario in das nächste und taucht hieraus oft nur noch blutbesudelt wieder auf. Gerade die unmenschliche Kälte, Präzision und Nüchternheit der Maschinen macht alles umso heftiger.

Durch den Erzählstil kommt es natürlich auch vor, dass das Leben einzelner Menschen nur eingeschränkt beleuchtet wird. Man erlebt eine oder wenige Katastrophen mit ihnen, doch meistens bleibt eine Vorgeschichte, oder was eventuell danach kommt, unklar. Dies ist in dieser Form natürlich realistisch und wäre auch im wirklichen Leben so, als Leser von Romanen wünscht man sich dennoch hier und dort, man würde mehr erfahren, man könnte weiter hinter die Kulissen blicken.

In meinen Augen ist "Robocalypse" von Daniel H. Wilson ein sehr lohnendes ScienceFiction-Buch für Fans dieses Genres und für diejenigen, die sich mit dem aktuellen Technikgebrauch und möglichen Zukunftsaussichten beschäftigen möchten. All das, was in diesem Buch passiert, ist zwar derzeit noch Fiktion, in der Zukunft aber durchaus möglich.


Dead: Band 1 - Roman
Dead: Band 1 - Roman
von Marcel Häußler
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

3.0 von 5 Sternen Streng genommen kein Zombieroman, 30. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dead: Band 1 - Roman (Taschenbuch)
Eine Seuche unbekannten Ursprungs überrollt die Menschheit und stürzt diese in den Abgrund. Die wenigen Überlebenden versuchen ihren Weg zu gehen. Der Leser begleitet fünf davon, zusammen mit dem kläglichen Rest einer Militäreinheit und ihrem Panzer. Sie müssen sich alle mit Horden von Infizierten und anderen schrecklichen Mutanten herumschlagen auf der Suche nach Nahrung, Wasser, Benzin und einem sicheren Ort zum Verweilen. Doch jedes Gruppenmitglied hat auch eigene innere Dämonen zu tragen.

Craig DiLouie wirft den Leser sofort in das Geschehen hinein, so dass ich die ersten 50 Seiten trotz eines gut lesbaren Schreibstils leichte Orientierungslosigkeit verspürt habe. Ich musste mich anfangs zurechtfinden, die Charaktere zu sortieren lernen und einen Zugang zur Geschichte finden. Danach konnte man der Handlung aber ohne Probleme folgen. Sie ist rasant, actiongeladen, aber trotzdem auch charakterdefinierend geschrieben.

Sehr gut gefallen hat mit der Charakterausbau. Obwohl man es mit einer relativen Fülle von Protagonisten zu tun bekommt, wird doch für jeden Platz geschaffen um seine Geschichte zu erzählen. Jede Handlungsperson ist anders in die globale Katastrophe hineingeraten und hat sie anders bewältigt und dennoch haben alle zueinander gefunden. DiLouie zeigt hier ein sehr realistisches Menschenbild auf, da jede Person sowohl gute als auch schlechte Seiten besitzt und demnach auch nicht besonders glorreiche Dinge getan hat.

Gefehlt hat mir bei “Dead” durch das ganze Buch hindurch der rote Faden. Die Überlebenden versuchen ihren Weg zu finden, jeden treibt auch irgend etwas an, dennoch fehlte mir ein allgemeiner Handlungsstrang, der mich als Leser an die Hand nimmt und mich einem Ziel entgegenführt oder auf dem Weg dorthin scheitern lässt.

Obwohl man es anhand des Titels und des Covers vermuten könnte, handelt es sich bei “Dead” streng genommen um keinen Zombieroman. Bereits sehr früh wird klar, dass die infizierten Menschen zwar ähnlich wie die wandelnden Toten agieren, jedoch nie gestorben sind. Für mich liegt in dieser Tatsache ein sehr großes, dramatisches Potential, welches leider nicht ausgearbeitet wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass wenigstens ein paar Personen Probleme damit hätten, dass sie lebende Menschen wahllos umbringen. An solchen Themen könnte man Protagonisten zerbrechen lassen und der Geschichte dadurch weitaus mehr Dramatik geben. In diesem Buch wurde aber einfach gemetzelt und die wenigen Anspielungen auf das frühere Leben der Infizierten sind kaum der Rede wert.
Stattdessen gibt es neben den Horden von Infizierten noch Mutanten, die direkt der Hölle entsprungen zu sein scheinen. Warum muss man bei einer bereits existierenden, schrecklichen Bedrohung noch solche Dinge einbauen? Fand ich etwas schade.

“Dead” von Craig DiLouie war für mich als Zombieromanleser ein durchschnittliches Werk, dass aber bei Liebhabern von actiongeladenen, schnellen und rasanten Geschichten mit Horrorelementen durchaus Anklang finden kann.


Gregor und die graue Prophezeiung
Gregor und die graue Prophezeiung
von Suzanne Collins
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schöne Kinderabenteuergeschichte mit Wertevermittlung, 29. Juni 2014
Gregor steht an der Schwelle zur Pubertät und lebt unter recht armen Verhältnissen in New York. Seine Mutter arbeitet hart, damit die Familie über die Runden kommt. Zu dieser gehört auch noch die teilweise verwirrte und schwierige Oma sowie seine zwei Schwestern. Sein Vater ist vor über zwei Jahren spurlos verschwunden. An einem besonders heißen Sommertag muss Gregor wieder im Haushalt helfen, da seine Mutter arbeiten muss. Zusammen mit seiner zweijährigen Schwester, genannt Boots, geht er in den Wäschekeller, um sich um selbige zu kümmern. Doch seine neugierige kleine Schwester entdeckt dort etwas und noch bevor die beiden sich versehen fallen sie durch ein immens tiefes Loch herunter in das Unterland. Riesige Kakerlaken erwarten sie dort, die sie sogleich zur Menschenstadt Regalia bringen. Geschockt von dieser Welt unter der eigentlichen Welt muss Gregor feststellen, dass er und seine Schwester nicht so einfach wieder nach Hause gehen können. Zudem gibt es eine Prophezeiung, die von dem Jungen zu sprechen scheint und schon bald macht sich Gregor auf in sein bisher größtes Abenteuer. Zusammen mit den seltsamen Unterländern, mit riesigen Fledermäusen, Kakerlaken, Spinnen und Ratten macht er sich auf ein großes Rätsel in seinem Leben zu lösen.

Suzanne Collins ist heutzutage vor allem durch ihren Wahnsinnserfolg mit der Tribute von Panem-Trilogie bekannt. Als ich diese vor einiger Zeit begonnen habe wurde mir die Gregor-Buchreihe empfohlen, die mittlerweile fünfteilig und abgeschlossen ist. Diese Serie ist für ein jüngeres Publikum als Panem gedacht.

“Gregor und die graue Prophezeiung” ist ein wundervolles Abenteuerbuch, von dem ich mir gut vorstellen könnte, dass es Kinder zum Lesen animieren würde. Gregor wird alterentsprechend geschildert, besitzt aber durch die Situation in seiner Familie ein gehobenes Verantwortungsbewusstsein. Seine kleine Schwester Boots ist wirklich zuckersüß und hellt so manche Szene auf. Zusammen meistern beide ein Abenteuer, in dem es unterschwellig aber auch um Toleranz, Durchhaltevermögen und familiäre Werte geht. Ein Buch also, dass Kindern sowohl eine spannende Geschichte liefert, als auch Inhalte vermittelt.

Die Sprache ist geschickt und einfach gewählt, so dass es keinerlei Störung im Lesefluss gibt. Lediglich mich als Erwachsene störte die teilweise häufig aufkommende Wortwiederholung.

Mir wurde häufig gesagt, dass die weiteren Bände dieser Reihe von der Handlungsweise her schlimmer werden, daher sollten nicht zu kleine Kinder dieses Buch lesen oder vorgelesen bekommen. Ich habe es vorgelesen und es hat gefallen, so dass auf den zweiten Band sehnsüchtig gewartet wird. Bei Kindern immer ein gutes Zeichen, demnach werden wir diese Serie auch weiterlesen.


Böse: Horror
Böse: Horror
von Bentley Little
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen 3,5 Sterne - Eine Kleinstadt verfällt dem Wahnsinn, 25. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Böse: Horror (Taschenbuch)
In der Kleinstadt Willis herrscht eintönige Idylle. Die Nachbarn kennen sich, man trifft sich mit seinen Freunden, pflegt seinen Garten und will den beginnenden Sommer genießen. Familie Albin fläzt sich träge durch den Tag. Dies ändert sich schlagartig, als der beliebte Postbote Bob Ronda vollkommen überraschend Selbstmord begeht. Keiner kann diese Tat fassen, Gründe sucht man vergebens. Bereits auf der mehr als gut besuchten Beerdigung erscheint der neue Postbote der Kleinstadt namens John Smith. Doug Albin wird schon dort misstrauisch, da der seltsame Mann ein ungutes Gefühl in ihm auslöst. Er soll damit Recht behalten, denn schon bald stürzt Willis in ein Chaos aus Zwietracht, Verleumdung und Hass. Das Böse ist eingekehrt und noch Schlimmeres wird kommen.

Mag man Stephen King, so wird man Bentley Little auch mögen. Der Schützling des “King of Horror” beschreibt ähnlich gut eine typische Kleinstadtidylle und was passiert, wenn ganz normale Dinge vom Bösen begleitet werden. Die Kleinfamilie Albin besteht aus dem Vater und Lehrer Doug, der gesundheits- und familienbewussten Mutter Trish und dem präpubertären Billy. Aus deren Sicht wird geschildert, wie sich die alltäglichen Situationen in Willis durch den Postboten und seine Machenschaften verändern. “Böse” erzählt hier stark von Manipulation und den wahnsinnigen Auswirkungen, die diese nach sich ziehen.

Während des ersten Viertel des Buches kommt Little leider etwas schwer in Fahrt. Dem Leser ist bereits sehr früh unmissverständlich klar, dass der neue Postbote nur Schlechtes im Schilde führt. Little verliert sich jedoch in den Beschreibungen des täglichen Lebens, so dass erst ab Seite 100 der Horror beginnt.
John Smith manipuliert die Gedanken der Bewohner Willis durch das Zustellen von Post. Sehr offen und ersichtlich sortiert er bereits beim Leeren der Briefkästen die Post vor und kaum ein wirklich aufgegebener Brief erreicht den Empfänger. In Zeiten, als das Internet noch nicht die heutige Bandbreite und deren Möglichkeiten darstellte, sind in Willis alle Einwohner betroffen. Rechnungen kommen nicht an und werden nicht bezahlt. Doch ist dies nicht das Schlimmste. Durch perfide persönliche Briefe erzeugt Smith Missgunst und Hass, so dass sich bald selbst die besten Freunde nur noch mit Verachtung begegnen, andere in den Wahnsinn abtreiben und es auch zu Mord und Totschlag kommt. Und inmitten dieses Molochs tanzt freudig ein vergnügter Postbote.

Wie abhängig ist der Mensch von der Post, wie gutgläubig geht man mit schriftlichen Äußerungen um, auch wenn man einen Menschen eigentlich ganz anders kennt? Was bewirken Klatsch und Tratsch, der an den falschen Ecken ankommt und wie verändert sich eine vermeindlich harmonische Stadt unter solchen Bedingungen? Von diesem durchaus realen Horror erzählt Bentley Little mit einem nur sehr leichten übernatürlichen Touch. Wer also harten Splatterhorror erwartet, wird mit diesem Buch wenig anfangen können.

Neben dem etwas schwerfälligen Start in die Geschichte fragte ich mich häufig, ob wirklich alle Menschen Willis (außer der Familie Albin natürlich) derart gutgläubig wären und nicht einfach Dinge hinterfragen würden. Mir ist natürlich bewusst, dass sich viele Menschen sehr leicht manipulieren lassen, doch denke ich trotzdem, dass es mehr Personen geben würde, die ähnlich wie die Protagonistenfamilie handeln würden. Auch diese ist mir teilweise etwas zu gutgläubig und naiv geschildert, ich persönlich wäre bereits wesentlich früher an die Decke gegangen und hätte versucht einzuschreiten. Ich hätte mir an dieser Stelle eine etwas tiefgreifendere Vielschichtigkeit in der Bevölkerung gewünscht.

Als letzten Kritikpunkt erschien mir der Schluss etwas zu einfach und lasch. Vielleicht ist dies auch nur meiner persönliche Vorliebe für ein fulminantes Finale geschuldet, ich hätte mir einfach ein heftigeres, bombastischeres Ende geschwünscht.

Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen. Little kann gut schreiben, zieht seinen Horror aus dem Alltag heraus und macht diesen gerade deswegen dem Leser umso präsenter und wahrscheinlicher. Zudem lässt er durch diese spannende Geschichte auch die Frage aufkommen, wie sehr man Institutionen und Medien trauen sollte und wie abhängig man von solcherlei Dingen eigentlich geworden ist. “Böse” ist eine Empfehlung für jeden Leser, der an den Abgründen des Alltags, dem zwischenmenschlichen Horror und ein wenig Übernatürlichkeit interessiert ist.


Winter People - Wer die Toten weckt
Winter People - Wer die Toten weckt
von Jennifer McMahon
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen 3,5 Sterne - Sehr zu empfehlen für kalte und graue Wintertage, 24. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
1908:
Sara lebt zusammen mit ihrem Mann Martin und ihrer Tochter Gertie auf einem kargen Land knapp unterhalb der sogenannten Teufelshand, einer Felsenformation, die für nichts Gutes steht. Als eines Tages ihre Tochter verschwindet und dann tot aufgefunden wird, zerbricht die Familie, allen voran Sara an diesem Schmerz. Sie will ihre Tochter nicht aufgeben und erinnert sich an ein altes Ritual, welches ihr als Kind übergeben wurde, mit dem sie Gertie für sieben Tage zurückholen könnte. Sara würde alles tun, um selbst nur noch ein paar Tage mit ihrer Tochter verbringen und Abschied nehmen zu können. Doch wer die Toten weckt, muss auch mit den Konsequenzen leben.

Heute:
Ruthie lebt zusammen mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester in dem Haus, in welchem einst Sara lebte. Das Dasein unter der Teufelshand ist immer noch beschwerlich und hart, doch die Familie kommt zurecht. Eines Tages verschwindet ihre Mutter spurlos und Ruthie beginnt Nachforschungen anzustellen.
Zu selben Zeit zieht Katherine in das Örtchen, zu dem auch die Teufelshand gehört. Vor zwei Jahren verlor sie ihren Sohn, vor einem halben Jahr ihren Mann. Dieser hat seinen letzten Tag auf Erden in eben dieser Kleinstadt verbracht und sie folgt nun seinen Schritten um zu verstehen, warum ihr Mann sie in diesen Belangen angelogen hat und was zu seinem Tod führte.

Der Klappentext des Buches hörte sich für mich nach einem spannenden Grusel- oder gar Horrorroman an. Dieses Buch hat definitiv auch übernatürliche Elemente und manche davon sind nicht besonders schön, dennoch spielt dies nicht die tragende Rolle. Vielmehr erzählt “Winter People” von Verlust, Trauer, Einsamkeit und deren Bewältigung. Von Sehnsucht, Wünschen und Hoffnungen. Drei Frauen, deren Schicksal miteinander verknüpft ist und die einem großen Geheimnis auf die Spur kommen. Und eine große Geschichte von Liebe über den Tod hinaus und deren Konsequenzen.

Jennifer McMahon hat dieses Buch sehr tief und gut verständlich geschrieben. Durch ihren flüssigen, verständlichen Schreibstil konnte sie das Gefühlsleben der Protagonistinnen sehr gut ausarbeiten. So unterschiedlich die drei Frauen auch sind, man konnte sich doch mit jeder verbunden fühlen und deren Handlungen und Gedanken nachvollziehen.

Bereits sehr zu Beginn des Buches erfährt der Leser leider, wie Saras Geschichte ablaufen und enden wird. Dies nahm für mich die Spannung auf den geschätzten ersten 150 Seiten doch erheblich heraus. So gut auch geschrieben wurde, es wurden eben bis auf das Verschwinden von Ruthies Mutter keine wirklichen Rätsel offen gelassen und da Saras Geschichte sehr präsent und dominant erzählt wird, beherrscht sie das Geschehen dementsprechend. Er später, wenn sich alle Handlungsstränge spürbar miteinander verweben, kommt der Kitzel zurück und lässt einen das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Auch wurde mir der Schluss etwas zu seicht erzählt. Ich hätte mir hier ein etwas dramatischeres, heftigeres Ende gewünscht. Zwar wird alles aufgeklärt und man kann durchaus zufrieden sein, doch meine persönliche Vorliebe mag ein Buch mit fulminantem Finale.

“Winter People” von Jennifer McMahon ist ein tolles Debüt einer Autorin, die sich sehr gut darauf versteht das Innenleben ihrer Charaktere zu schildern, Gefühle weder zu kalt noch zu überschwänglich, sondern genau richtig zu schildern und die einen tollen Schreibstil ihr eigen nennt. Gerade für verschneite, graue, kalte Wintertage in einer stillen Umgebung ein empfehlenswertes Buch.


Der Monstrumologe
Der Monstrumologe
von Rick Yancey
  Broschiert
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen 3,5 Sterne - Eine blutige, teil eklige Monstergeschichte, 14. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Monstrumologe (Broschiert)
Der Junge Will Henry hat durch ein schreckliches Ereignis seine Eltern verloren. Dr. Warthrop nimmt sich seiner an, da vorher sein Vater bei ihm assistierte. Henry, noch kaum den Kinderschuhen entwachsen, muss nun an der Seite des seltsamen, unterkühlten Mannes in der Monstrumologie unterwiesen werden und erlebt viele spannende, aber auch erschreckende und gefährliche Abenteuer mit ihm.
Im ersten Teil dieser Reihe wird die Stadt, in welcher Will Henry und Dr. Warthrop wohnen, von einer altertümlichen Monsterrasse bedroht, den sogenannten Antropophagen. An Kraft, Wendigkeit und Schnelligkeit den Menschen haushoch überlegen machen sie Jagd auf ihre humanoide Fressbeute und nur der Monstrumologe und sein Assistent haben das Wissen, diese Kreaturen zu besiegen.

Betrachtet man das Cover des Buches, so könnte man zusammen mit der Tatsache, dass die Geschichte aus der Sicht Will Henrys geschildert wird vermuten, dass es sich hier um den Auftakt einer Jugendbuchreihe handelt. In meinen Augen ist dies aber absolut nicht der Fall, da dieses Buch allen voran sehr blutig, brutal und heftig ist. Zudem wird das Kind Will Henry in einer wirklich kinderfeindlichen, emotionsarmen Welt groß. In meinen Augen daher nur für erwachsene Leser geeignet.

Will Henry ist ein Junge an der Schwelle zur Jugendlichkeit. Zusammen mit dem ewig an die Wissenschaft denkenden, ansonsten sehr herrischen und scheinbar emotionslosen Dr. Warthrop wohnt er in dessen Haus und nennt dort eine kleine Dachkammer sein eigen. Neben seinen Pflichten im Haushalt assistiert er dem Doktor bei seiner Arbeit und bekommt dadurch Scheußlichkeiten zu sehen. Warthrop schont ihn hier auch keineswegs, so dass auch Tatorte von Blutbädern und Fressorgien von Will Henry begutachtet werden müssen. Der Junge, aus dessen Sicht die Geschichte geschildert wird, tat mir sehr leid. Viel zu früh musste er erwachsen werden und leidet unter dem Tod seiner Eltern, erfährt jedoch keinerlei Trost oder Geborgenheit. Vielmehr leidet er unter dem Willen Warthrops, der ihn kaum schlafen, essen oder atmen lässt. Zwar entwickelt sich diese Beziehung im Laufe der Geschichte noch vielschichtiger und ist dann nicht mehr einseitig zu betrachten, dennoch tat mir dieses Kind unheimlich leid und ich wollte dem Monstrumologen nicht nur einmal an die Kehle springen vor Wut.

Die Geschichte ist sehr kurzweilig, spannend und definitiv nicht langatmig erzählt. Das Duo, teilweise durch andere Charaktere begleitet, erlebt ein erschreckendes Abenteuer, das voller Verlust, Blut und den monströsen Antropophagen strotzt. Teilweise werden hier wirklich heftige, eklige Szenen beschrieben.

Das größte Manko aus meiner Sicht ist bei dieser Geschichte der Schreibstil. Das Geschilderte erinnerte mich von der Aufmachung her sehr an Sherlock Holmes. Dort wird die Geschichte des genialen Ermittlers aus der Sicht Watsons beschrieben und so empfand ich es auch bei dieser Geschichte. In einer sehr betrachtenden und schildernden, teils wissenschaftlichen Art und Weise wird eine Geschichte erzählt, deren Emotionen man größtenteils zwischen den Zeilen suchen muss. Dies verhinderte für mich gerade in der ersten Hälfte ein Eintauchen in die Geschichte, von der ich ansonsten angetan war. Dieser Stil ist einfach nicht mein Fall.

Den Leser erwartet hier eine blutige, teils eklige Monstergeschichte rund um einen exzentrischen, intelligenten Wissenschaftler und einen unsicheren Jungen an seiner Seite. Durchaus lesenswert, wenn man mit dem Schreibstil klarkommt. Der Schluss des Buches nach dem Showdown hat mich soweit überzeugen können, dass ich die Reihe definitiv noch einen weiteren Teil weiterlesen werde, da ich doch neugierig bin, was nun passieren wird.


Das erste Buch des Blutes
Das erste Buch des Blutes
von Clive Barker
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Ein Blick in den Abgrund und darüber hinaus, 5. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Das erste Buch des Blutes (Taschenbuch)
Clive Barker kannte ich bisher nur als Erfinder der Hellraiser. Aus der bekannten Horrorfilmreihe habe ich einige Teile gesehen und mir war auch bekannt, dass Barker als Schriftsteller tätig ist. Meine Neugierde war geweckt und so beschloss ich mit seinen Büchern des Blutes zu testen.

"Das erste Buch des Blutes" ist der erste von sechs Teilen aus einer Horrorkurzgeschichtensammlung und enthält wiederum sechs ganz unterschiedliche Kurzgeschichten, die vor Fantasie und einem intelligenten Schreibstil strotzen.

Mit der ersten Geschichte namens "Das Buch des Blutes" gibt Barker gleich eine Erklärung ab, warum diese Reihe ihren Namen trägt und was für Geschichten dem Leser präsentiert werden. Ein kleines Forschungsteam von paranormalen Phänomenen untersuchen und dokumentieren ein Haus. In einem Zimmer dieses Hauses scheinen die Geister Verstorbener den kurzzeitigen Übertritt in diese Welt zu schaffen und mittels eines Mediums Nachrichten auf den Wänden zu schreiben. Doch was hinter diesem Phänomen steckt und daraus resultiert ergibt das namensgebene Schriftwerk.

"Der Mitternachts-Fleischzug" ist die einzige Geschichte, die mir bereits etwas sagte, da es hierzu eine mir bekannte Verfilmung gibt, von der ich einen Trailer kenne. Ein Schlachtbetrieb der etwas anderen Art, der unter New York in den U-Bahn-Tunneln mit einer gar zu menschlichen Ware handelt.

"Das Geyatter und Jack" ist die erste Kurzgeschichte, die ich nicht in den Bereich Splatter packen würden, auch wenn Katzenfreunde dies anders sehen werden. Ein niederer Dämon soll Jack in Versuchung führen und damit seine Seele einkassieren. Doch Jack scheint unempfänglich dafür zu sein und treibt das Geyatter damit in den Wahnsinn.

In "Schweineblut-Blues" geht es um eine Jugendstrafanstalt, die von einem ganz besonderen Schrecken beherrscht wird. Ein Ex-Polizist wird als Wärter angestellt und kommt einem Grauen auf die Spur, dass diese Anstalt bereits tief infiltriert hat.

Theater satt bekommt man in "Sex, Tod und Starglanz". Eine Theateraufführung mit Problemen, ein Regisseur und seine hauptdarstellende Affäre und ein ehemaliger, plötzlich auftauchender Angestellter zeigen eine gruselige Schauermär.

Schließlich schließt das erste Buch des Blutes mit "Im Bergland: Agonie der Städte" mit der blutigsten, aber auch ungruseligsten Geschichte, die von zwei schwulen britischen Touristen in Jugoslawien und einer besonders bizarren Dorftradition handelt.

Clive Barker hat anhand dieser sechs Kurzgeschichten eine wirklich blühende Fantasie bewiesen, die in schwer vorstellbare Schrecken mündet und dann oft noch darüber hinaus geht. Als Leser wird man ohne große Einleitung direkt in die problematische Situation hineinbefördert und muss sich mit dieser auseinandersetzen. Barker mischt hier klassischen Grusel mit Sex und Goreelementen und zeigt gleichzeitig auch immer gesellschaftliche Probleme auf. Teilweise tut er dies auch, indem er Grenzen überschreitet und dem eigentlichen Horror noch eine bedrückendere Krone aufsetzt. Man darf hier gewiss lang nicht immer ein Happy End erwarten.

Sein Schreibstil ist gut verständlich und flüssig zu lesen, hat aber auch poetische Tenedenzen, was den Geschichten teilweise einen etwas entrückten Touch gibt.

Mir haben alle Geschichten auf ihre Art gefallen, am Besten fand ich den "Mitternachts-Fleischzug" und "Das Geyatter und Jack" aus ganz unterschiedlichen Gründen. Man fühlt sich beim Lesen fast so, als ob man vor einem verstörenden Bild stehen würde und bevor man es wirklich realisiert von diesem gepackt und in sich hineingezogen wird.

Abzüge gibt es von mir dafür, dass ich mir doch etwas mehr Charaktertiefe gewünscht hätte und mir die Geschichten teilweise etwas unrund vorkamen, so als ob noch irgendwas fehlte. Trotzdem eine Leseempfehlung für alle Horrorfans, die in die unterschiedlichsten Abgründe schauen wollen und gleichzeitig auch eine kritische Note zu schätzen wissen. "Das erste Buch des Blutes" ist aber definitiv nichts für schwache Mägen und Nerven.


Future: Roman
Future: Roman
von Dmitry Glukhovsky
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was ist Mensch und was macht einen Menschen aus?, 27. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Future: Roman (Taschenbuch)
In knapp 450 Jahren muss in Europa niemand mehr sterben. Durch eine Formel konnte in der Vergangenheit die Sterblichkeit überlistet werden. Daher hat jeder Europäer das Recht auf ein unsterbliches Leben. Zudem sind so gut wie alle Krankheiten ausgemerzt worden, so dass sich die immerwährend 30jährige Bevölkerung Europas in riesigen Beton- und Stahltürmen in einem Meer aus Komposit vergnügt. Wasser, Lebensmittel, Wohnraum und Energie sind jedoch rationiert, weil die mittlerweile 120 Milliaren Köpfe zählende Bevölkerung jeglichen Rahmen sprengt. Nur die Reichesten der Reichen können sich einen Platz auf dem Dach der Stahltürme überhalb der Wolken leisten und führen dort ein Leben, von welchem man in den engen Gängen, überfüllten Hallen und kleinen Wohnkuben nur träumen kann.
Um dem Bevölkerungswachstum einen Riegel vorzuschieben ist ein Gesetz erlassen worden. Natürlich steht es jedem Europäer frei ein Kind zu bekommen, doch unterzeichnet er damit gleichzeitig sein eigenes Todesurteil. Denn für jedes Kind muss ein Elternteil seine Unsterblichkeit aufgeben und bekommt einen sogenannten Akzelerator gespritzt, der eine beschleunigte Alterung hervorruft und dem Betroffenen noch in etwa zehn Jahre zum Leben und Leiden lässt.
In dieser Welt lebt Jan Nachtigall. Er gehört einer besonderen Bevölkerungsgruppe an, den sogenannten Unsterblichen. Sie sind gefürchtet und werden gemieden, denn sie vollziehen das genannte Gesetz. Sie spüren unangemeldete Schwangerschaften auf, spritzen den Tod auf Zeit und entreißen den Müttern ihre Kinder, die diese nie mehr wiedersehen werden.
Dann bekommt Jan einen Auftrag von ganz oben. Er soll einen Terroristen und dessen schwangere Freundin ausfindig machen und diese ausschalten. Ihm winken ein Karriereschub und damit einhergehend eine Verbesserung seiner Lebensumstände. Jan hat für das Leben in Europa eine sich gravierend auswirkende Phobie vor engen Räumen und Menschenmassen und verbesserte Lebensumstände würden für ihn erweiterten Lebensraum bedeuten. Jan sagt zu, doch läuft alles anders als geplant und schon bald flieht er durch den komplett überwachten Staat mit der schwangeren Annelie im Schlepptau.

Dmitry Glukhovsky zeigt auch hier wieder eine Zukunftsvision auf, die anhand unserer derzeit angestrebten Ziele und gesellschaftlichen Normen als durchaus möglich erscheinen. In dieser oberflächlich betrachteten Utopie stellt sich einem die Frage: Was ist eigentlich Mensch und was macht den Menschen aus?

Primär geht es in diesem Buch um den Protagonisten Jan und seinen inneren Veränderungen. Durch eine schreckliche Kindheit geprägt und dem Staat bedinungslos dienend stößt er auf Ungereimtheiten im System, die er nicht einsehen oder gar verstehen will, die ihn aber doch berühren. Glukhovsky zeigt hier während der eigentlichen Story durch immer wieder grandios platzierte Träume über seine Vergangenheit im Internat auf, warum Jan zu dem Menschen wurde, der er ist. Als Leser hat man einerseits Mitleid mit Jan und ist betroffen über die schreckliche Kindheit, die er durchleben musste. Dennoch möchte man ihn gleichzeitig anschreien und würgen, da manche von seinen Taten aus unserer heutigen Sicht unvorstellbar grausam sind. Doch in seiner Situation, mit seiner Prägung und der an ihm vorgenommenen Indoktrination ist es absolut normal und nachvollziehbar, warum er diese Dinge tut.

Jan wird durch die Umstände, in denen er sich befindet, immer wieder mit Menschen in Berührung gebracht, die gegen das europäische System sind und er beginnt widerwillig eine Veränderung durchzumachen, die für ihn alles andere als leicht ist und sein komplettes Leben auf den Kopf stellt.

Gewürzt wird diese grandios durchdachte und sehr intelligente Charakterstudie durch spannende Sequenzen, grausame Realitäten im Jahr 2455 und einer Gesellschaftskritik, die auch uns im Hier und Jetzt lebenden realen Personen zu denken geben.

Im Europa zu Jans Zeit sind Alte und Kinder verpönt. Sie strapazieren den eh schon viel zu knappen Haushalt und haben keinen sichtbaren Nutzen für die Gesellschaft. So werden sie in Reservaten ausgegrenzt und gelten der regierungskonformen Bevölkerung als abschreckendes Negativbeispiel. Gleichzeitig versuchen Flüchtlinge aus aller Welt in Europa einzureisen und an dem vermeindlich göttlichen Leben dort teilzuhaben. Zudem fühlte ich mich oft vergleichsweise an gewisse Situationen aus dem Dritten Reich erinnert.

Was ist ein Mensch und was macht diesen aus? Ist der europäische Standard anzustreben? Ewig 30jährige, die ihr immer gleiches Leben in Unsterblichkeit in sexuellen Exzessen suchen, egal wo und wann und die in ihrem Stahl- und Komposittürmen blind für das Geschehen außerhalb Europas sind. Europäer, die sich vor grauen Haaren, Falten und nicht gestählten Körpern ekeln und Kinder widerwärtig finden. Bürger, die sich vor der Macht des Staates fürchten und eigentlich nur existierend, ohne Ziele, ohne Träume. Leute, die sich nur durch einem Tablettencocktail durch den Tag retten können.
Oder ist der Mensch derjenige, der auf winzigstem Wohnraum mit einer riesigen Großfamilie leben, begleitet von Alter, Gebrechen und Tod, aber auch von Geburt und beseelt durch Ziele und Träume.

“Future” betrachtet all dies und noch so viel mehr auf eine wirklich lesenswerte, durchdachte und auch überraschende Art und Weise. Der einzige negative Aspekt ist für mich in den teilweise auftretenden Längen zu finden, bei denen sich Glukhovsky in Jans Innenleben und dem inneren Konflikt etwas verliert. Ansonsten hat mir dieses Buch wirklich sehr gut gefallen und ist für jeden Leser zu empfehlen, der über sich und die Gesellschaft und deren mögliche Zukunft nachdenken möchte, der zudem spannende Szenen liebt und einer Priese SciFi nicht abgeneigt ist und mit russischer Fantastik klarkommt. Meiner Meinung nach sollte dieses Buch unbedingt gelesen werden.


Carrie: Roman
Carrie: Roman
von Stephen King
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Debüt von Stephen King, 26. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Carrie: Roman (Taschenbuch)
Wohl kaum einer kennt die Geschichte von Carrie White und ihrer Ballnacht nicht. Carrie, die von einer fanatisch religiösen Mutter streng erzogen wurde und schon immer das Gespött der Schule war. Carrie, die telekinetische Fähigkeiten besitzt. Carrie, die auf ihrer Ballnacht gedemütigt wird. Carrie, die sich rächt. Ob nun als Romandebüt von Stephen King oder als einer der vielen Verfilmungen, die Geschichte kennt man. Wahrscheinlich hat mich genau dies so lange davon abgehalten auch endlich mal dieses Buch meines Lieblingsautors zu lesen.

“Carrie” ist bekanntlich Stephen Kings Romandebüt und sein Durchbruch. Früher von ihm verfasste Werke sind erst später unter seinem Pseudonym Richard Bachman veröffentlicht worden. Für mich als Stammleser, die bereits Dutzende von seinen Büchern verschlungen hat, stellt dieses Werk ein Bindeglied zwischen diesen beiden Autoren dar. Stephen King nimmt seinen Leser an die Hand und führt ihn fast freundschaftlich in die tiefsten Abgründe des Vorstellbaren hinab. Bachman hingegen ist direkter, härter und auch weniger fantastisch. Carrie hat etwas von beiden.

Die Geschichte beginnt, als Carrie in der Mädchenumkleide unter der Dusche ihre Periode bekommt. Durch ihre fanatistische Erziehung hat sie bisher keine Ahnung von diesen Dingen und bricht in Panik aus, während all die umherstehenden Mädchen sie beschimpfen und sie mit Tampons und Binden bewerfen. Während sich die Geschichte entwickelt, werden immer wieder Zeitungsartikel, Auszüge aus fiktiven Publikationen zum Vorfall und Polizeimeldungen, Zeugenaussagen und Verhöre zwischengeschoben. So erschreckend die Geschichte an sich und vor allem Carries Mutter ist, so sehr hat King für mich durch diese Einschübe die Spannung herausgenommen. Bereits auf den ersten Seiten weiß selbst sehr unbedarfteste Leser, dass etwas Schreckliches passieren wird, dass daran Carrie Schuld sein wird und dass dies während der Ballnacht und durch ihre Fähigkeiten passieren wird. Zwar Beleuchten diese Zusatzinformationen die Geschehnisse von zusätzlichen Seiten und geben den fast durchweg unsympathischen Charakteren menschlichere Seiten, dennoch störten sie mich, vor allem in dem Umfang, in welchem sie dargeboten wurden.

Einen wirklichen Protagonisten kann man in dieser Geschichte meiner Meinung nach nicht nennen. Natürlich dreht sich alles um Carrie, trotzdem werden auch andere Charaktere immer wieder beleuchtet und keinen kann man wirklich sympathisch finden. Selbst Carrie, die durch ihre schreckliche Mutter so viel Leid erdulden muss und überall aneckt, ist mehr mit einem mitleidigen Gefühl denn mit Sympathie bedacht.

“Carrie” stellt für mich keinen typischen King-Roman dar. Lässt man die Einschübe außer acht, so ist die Geschichte um den Leidensweg der Carrie White und ihrer Explosion erschreckend realistisch, heftig und unbarmherzig. Kings Schreibstil ist noch nicht gefestigt, trotzdem einnehmend und flüssig zu lesen. “Carrie” wird nicht zu meinen Lieblingsroman von King zählen, das Buch hat mir dennoch gut gefallen. Zu Empfehlen für jeden Leser, der neben einer fantastischen Geschichte über ein Mädchen mit telekinetischen Kräften auch in die Abgründe einer religiös-fanatischen Familie schauen möchte und sich zudem mit dem Horrorort Schule beschäftigt, der für so viele Außenseiter einen täglichen Albtraum darstellt.


Die Verdammten: Endzeit-Thriller
Die Verdammten: Endzeit-Thriller
Preis: EUR 4,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine ungewöhnliche Endzeitstory für starke Mägen und Nerven, 15. Mai 2014
“Die Verdammten” ist ein Sammelband der Dschungeltrilogie von Brett McBean und enthält die Bände “Der Dschungel aus Beton”, “Der Dschungel von nebenan” und “Der Dschungel der Großstadt”.

Paul und Beth kennen sich nicht, begegnen sich jedoch kurz nach Ladenschluss im untersten Geschoss einer Tiefgarage, die an ein Shoppingcenter angeschlossen ist. Paul hat auf den letzten Drücker ein Geburtstagsgeschenk für seinen Sohn gekauft, der morgen seinen Geburtstag feiern wird und sich freut endlich seinen Vater wiederzusehen. Beth ist zusammen mit ihrer anstrengenden Tochter Candice DVDs kaufen gewesen, damit diese während ihres Hausarrests nicht komplett unausstehlich wird. Zusammen mit einem einzelnen jungen Mann und einem älteren Ehepaar und ihrem Enkel sind sie die letzten Personen und wollen den Heimweg antreten.
Plötzlich erschüttert eine Art Beben die Tiefgarage und kurz darauf bricht die Hölle los. Riesige Bäume brechen durch den Boden und schießen durch alle Ebenen hoch zur Oberfläche. Nach und nach verwandelt sich die Betonwüste in einen Dschungel und fordert seine Opfer. Der Ausweg ist den Überlebenden versperrt und Paul, Beth und Candice müssen schon bald um ihr Überleben kämpfen.
Nicht nur in dieser Tiefgarage hat sich die Welt komplett verändert, sondern in ganz Australien, wovon Teil 2 und 3 erzählen.

Brett McBean steht mit einigen anderen seiner Bücher schon lange auf meiner Wunschliste, bisher hab ich den Kaufschritt aber noch nicht gewagt. Da mir “Die Verdammten” mehrfach empfohlen worden sind und ich beim Thema Endzeit immer anspringe, konnte mich der Festa-Verlag mit diesem Buch zu meinem McBean-Erstling reizen. Zudem ist das Cover sehr atmosphärisch und ansprechend, was an dieser Stelle auch einmal lobend erwähnt werden soll.

Überschwemmen derzeit die Zombieapokalypsen den Buchmarkt, so zeigt McBean mit dieser Trilogie eine gänzlich andere Endzeitvision auf, die zwar nicht logisch ist, das Leben der Australier aber gänzlich auf den Kopf stellt. Über den Rest der Welt erfährt man als Leser nichts, daher beschränke ich mich auf den beschriebenen Kontinent. In mehreren Schüben durchbrechen riesige Bäume die Erdoberfläche und zerstören fast alles, was die Menschheit errichtet hat. Die Natur erobert sich ihren Lebensraum zurück und bewirkt damit gleichzeitig, dass die Menschen an ihre Ausrottung getrieben werden. Doch es geht in allen drei Bücher nicht vorrangig um diese Katastrophe, sondern vielmehr darum, was sie aus den Menschen macht. Alle drei Teile erzählen eigenständige Geschichten und sind bis auf eine Angelegenheit völlig unabhängig voneinander lesbar.

Teil 1 wird zur Zeit der Entstehung des Dschungels erzählt. Für mich war dieser Teil der charakterlich tiefste, aber auch der harmloseste. McBean zeigt zwar auch schon hier das Monster, dass in einigen Menschen wohnt, doch wirkt die zusammenbrechende Zivilisation immer noch. Eingeschlossen in einer Dschungeltiefgarage versuchen die Überlebenden nicht nur aus dieser Falle zu entkommen, sondern auch einem Monster, dass unter ihnen weilt.

Teil 2 spielt etwa ein halbes Jahr nach der Entstehung des Dschungels. Die Menschheit spaltet sich auf. Es gibt Gruppen, die sich an die altbekannten Werte klammern und in dem überall vorherrschenden Grün ein Plätzchen zum sicheren Leben suchen. Es gibt zu dieser Zeit auch sogenannte Vollstrecker, die die harmlosen Überlebenden vor den ersten grausamen Gangs beschützen wollen, die entstehen und das Leben zu einem grausamen Katz und Maus Spiel machen.

Teil 3 spielt ca. vier Jahre nach der Katastrophe. Die Menschheit, wie wir sie kennen, existiert kaum noch. Die Löwen, die Baum- und die Tunnelbewohner bilden eine strenge Hierarchie und der klägliche Rest der normalen Menschen wird permanent gejagt. Eine Grausamkeit folgt der nächsten und ist doch alltäglich geworden. Zum Ende passiert dann eine Begebenheit, die ein ganz anderes Licht auf diese Bücher wirft und die ich so nicht erwartet hätte. Dadurch wird zwar erklärt, warum die Bäume den Boden durchbrachen, aber man darf hier keine Logik erwarten, sondern vielmehr einen Grund.

Der Festa-Verlag macht mit diesem Buch seinem Programm wieder alle Ehre. Die Menschheit verroht und Gewaltexzesse, Vergewaltigung und Kannibalismus sind vorherrschende Themen, die teilweise schwerverdaulich geschildert werden, da McBean hier vor keinem Tabu halt macht. Doch verliert sich der Autor nicht in solchen Schilderungen, sondern schafft es immer wieder auch eine gute Geschichte mit unterschiedlichen Charakteren zu erzählen. Spannende Szenen wechseln sich mit menschlichen Abgründen ab und dem kläglichen Rest, der ihn dieser Welt zu überleben versucht. Mit jedem Teil steigert McBean das unaussprechliche Geschehen in gleichem Maße, wie die menschliche Zivilisation und ihr Geist verschwindet. Nach meiner Meiner geschieht all dies etwas zu drastisch und daher etwas unrealistisch, doch die Absicht des Autors dahinter ist klar und auch gut, wenn eben auch sehr heftig umgesetzt.

Vom Schreibstil hat McBean ein gutes Werk abgeliefert. Es lässt sich flüssig und problemlos lesen und man kann dem Geschehen gut folgen. Ich persönlich würde mir noch etwas mehr sprachliche Raffinesse wünschen.

Für jeden Liebhaber von Endzeitstorys, der einen starken Magen und selbige Nerven hat und mit einer etwas anderen, leicht skurillen Grundgeschichte klarkommt, ist “Die Verdammten” eine Leseempfehlung. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, trotz kleinerer Schwächen, und werde definitiv weitere Bücher des Autors auf dem Schirm behalten.


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