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Egbert Scheunemann "mail5887"

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Die Entdeckung des Higgs-Teilchens: Oder wie das Universum seine Masse bekam
Die Entdeckung des Higgs-Teilchens: Oder wie das Universum seine Masse bekam
von Harald Lesch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

35 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Fern jeden kritischen Gedankens, 4. Dezember 2013
Zuerst die gute Nachricht: Wer noch nicht viel Ahnung hat vom Higgs-Teilchen, dem Higgs-Feld und dem gesamten sogenannten Higgs-Mechanismus, der der Materie, wenn freilich auch nur in der Größenordnung von einem Prozent, ihre Masse geben soll, der oder die ist mit diesem Büchlein, auf dessen in großen Lettern gesetzten Seiten sich nicht allzu viele Wörter finden, gut bedient. Abgesehen von den ersten beiden Kapiteln, die, geschrieben von Harald Lesch und dem Philosophen Matthias Helsen, völlig überflüssig sind, wird in den nachfolgenden Abschnitten der, ich sage mal: Stand der Wissenschaft in Sachen Higgs-Boson wohlinformiert, klar und verständlich und gelegentlich sogar richtig gut geschrieben dargestellt – und zwar, sehr erfreulich, von jungen Studenten Leschs, die sich so ihre ersten Meriten als Wissenschaftsautoren verdienen konnten.
Aber das war es dann leider auch schon. Der genannte offiziöse Stand der Wissenschaft in Sachen Higgs-Boson wird in keiner Weise infrage gestellt. Der Sammelband, eine einzige Hymne an den „großartigen Erfolg“ (S. 19), das „triumphale“ Ereignis (S. 21) der „Entdeckung des Higgs-Teilchens“ (Titel), ist frei von jedem kritischen Gedanken. Und kritische Fragen drängen sich jedem überzeugten Realisten und Physikalisten (so würde ich mich selbst einschätzen), der sich intensiver mit der Sache beschäftigt hat, en masse auf.
Zunächst jedoch ein paar Klarstellungen: Das Higgs-Boson wurde definitiv nicht „entdeckt“. Durch den hochenergetischen Zusammenprall von Protonen im LHC wurden Teilchentrümmer PRODUZIERT, die als Zerfallsprodukte des Higgs-Bosons (das aufgrund seiner absurd geringen, nahezu irreal kurzen Lebenszeit von nur 10^-22 Sekunden nicht direkt nachgewiesen werden konnte) INTERPRETIERT wurden – herausgefiltert aus einem schier unglaublich großen Informationssalat, einem gewaltigen Ozean an Daten, an dessen Oberfläche das Higgs-Boson wie eine kleine Welle, besser: wie eine winzige Kräuselung erscheint. Nur einer der Detektoren des LHC produziert pro Sekunde (!) 40 Terabyte Daten – was der Speicherkapazität von 40 derzeit üblichen PC-Festplatten entspricht! Pro Sekunde! Und der LHC läuft, mit Unterbrechungen, seit 2008! Man fand in der grafischen Darstellung der produzierten Ereignisse einen „kleinen Hügel“ (S. 130) bei ca. 126 GeV (der Masse-Einheit in der Teilchenphysik), der dann als Higgs-Boson interpretiert wurde – obwohl die Theorie, wie freimütig zugestanden wird, die Masse des Higgs-Bosons überhaupt nicht (wie übrigens auch sonst keine) voraussagen konnte! Und immer noch nicht kann!
Mir fehlt hier der Platz, noch viele, viele andere notwendige kritische Anmerkungen zu machen. Ich möchte deswegen nur noch kurz auf eine kritische Arbeit des Physikers Alexander Unzicker verweisen, die unter dem Titel „The Higgs Fake“ kürzlich erschienen ist. In ihr geht Unzicker mit dem Hype um das Higgs-Boson und mit der gesamten Teilchenphysik, deren krönender Abschluss das Higgs-Boson sein soll, hart ins Gericht. Hier zumindest eine kurze Zusammenfassung (meine Übersetzung folgt direkt hinter dem Zitat): „To summarize, the standard model of particle physics has nothing to say about the contradictions of electrodynamics, nothing about masses, nothing about ratios of masses, nothing about lifetimes, nothing about the fine structure constant, nothing of the relation to gravity, nothing about the deeper reason of spin, nothing about radioactivity, nothing on the nature of space, time and inertia. Whatever pseudo-problems particle physicists may tackle, a theory that says nothing about those fundamental issues is crap.“ (S. 29 f.) (Um es zusammenzufassen: Das Standardmodell der Teilchenphysik hat nichts zu sagen über die Widersprüche der Elektrodynamik, nichts zu Massen, nichts über Massenrelationen, nichts zu Halbwertzeiten, nichts über die Feinstrukturkonstante, nichts (zu ihrem Verhältnis) zur Gravitation, nichts über den tieferen Grund des Spins, nichts zur Radioaktivität, nichts zur Natur des Raumes, der Zeit und der Massenschwere bzw. -trägheit. Mit welchen Pseudoproblemen sich Teilchenphysiker auch immer beschäftigen, eine Theorie, die zu solch fundamentalen Fragen nichts zu sagen hat, ist Schrott.“
Das ist in der Tat ein vernichtendes Urteil! Umso mehr sollte man Unzickers detaillierte Begründungen dieses Urteils gelesen haben – als kleines Gegengift quasi zum hier rezensierten Sammelband von Lesch & Co.
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 28, 2014 10:28 AM CET


The Higgs Fake: How Particle Physicists Fooled the Nobel Committee
The Higgs Fake: How Particle Physicists Fooled the Nobel Committee
von Alexander Unzicker
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,96

9 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neues zum Higgs-Phantom, 24. Oktober 2013
Der Physiker Alexander Unzicker hat schon mit seinen Büchern „Vom Urknall zum Durchknall: Die absurde Jagd nach der Weltformel“ und „Auf dem Holzweg durchs Universum: Warum sich die Physik verlaufen hat“ für Furore im Wissenschaftsbetrieb gesorgt. Ersteres wurde von „bild der wissenschaft“ sogar zum „Buch des Jahres“ (2010) gewählt. Seine gnadenlosen, frech ausformulierten Abrechnungen mit vielen Auswüchsen der (theoretischen) Physik – der Stringtheorie, der Theorie der kosmischen Inflation oder eben der Teilchenphysik – sind von vielen Physikern (!) mit viel Lob bedacht worden. Andere Physiker (!) haben sie dagegen regelrecht zerrissen. Aber wen wundert das.
Beim „Higgs Fake“ handelt es sich quasi um eine Auskoppelung jener Kapitel aus dem „Holzweg durchs Universum“, die sich mit der Teilchenphysik beschäftigen. Sie wurden überarbeitet, erweitert und aktualisiert – speziell mit Blick auf die Verleihung des diesjährigen Physik-Nobelpreises für die (vorgebliche) Entdeckung des sogenannten Higgs-Bosons. Hier ist natürlich nicht der Platz, um auf Details eingehen zu können. Aber zumindest eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse von Unzickers Untersuchung der Teilchenphysik, und zwar auch jener nach der vorgeblichen Entdeckung des Higgs-Teilchens, sei hier angeführt – zumal sie Unzicker in seinem Buch freundlicherweise gleich selbst liefert (meine Übersetzung folgt direkt hinter dem Zitat): „To summarize, the standard model of particle physics has nothing to say about the contradictions of electrodynamics, nothing about masses, nothing about ratios of masses, nothing about lifetimes, nothing about the fine structure constant, nothing of the relation to gravity, nothing about the deeper reason of spin, nothing about radioactivity, nothing on the nature of space, time and inertia. Whatever pseudo-problems particle physicists may tackle, a theory that says nothing about those fundamental issues is crap.“ (S. 29 f.) (Um es zusammenzufassen: Das Standardmodell der Teilchenphysik hat nichts zu sagen über die Widersprüche der Elektrodynamik, nichts zu Massen, nichts über Massenrelationen, nichts zu Halbwertzeiten, nichts über die Feinstrukturkonstante, nichts (zu ihrem Verhältnis) zur Gravitation, nichts über den tieferen Grund des Spins, nichts zur Radioaktivität, nichts zur Natur des Raumes, der Zeit und der Massenschwere bzw. -trägheit. Mit welchen Pseudoproblemen sich Teilchenphysiker auch immer beschäftigen, eine Theorie, die zu solch fundamentalen Fragen nichts zu sagen hat, ist Schrott.“
Das ist in der Tat ein vernichtendes Urteil! Umso mehr sollte man Unzickers detaillierte Begründungen dieses Urteils gelesen haben. Es lohnt sich!


Tambor
Tambor
Preis: EUR 9,99

9 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz neu - und doch auf altem, höchstem Niveau, 30. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Tambor (Audio CD)
Ich kann mich den beiden sich vorangehend äußernden Kritikern ganz und gar nicht anschließen. Wenn Sie ein Problem mit der deutschen Sprache haben, müssen sie das nicht unbedingt als Musikkritik verkaufen. Auch ich war überrascht und zunächst etwas irritiert über Ulita Knaus' jüngste Eskapade. Aber desto öfter ich ihre neueste CD anhörte, desto besser gefiel sie mir - bei mir ein untrügliches Zeichen dafür, dass es sich um gute Musik handelt, in die man sich hineinhören, ja einarbeiten muss. Und dann fällt einem auch auf, dass die neueste Scheibe von Ulita Knaus auch gar nicht so neu ist. Sie ist nämlich - zum Glück - auf dem alten hohen musikalischen Niveau, das man von Ulita Knaus kennt. Alle Stücke sind von ihr selbst komponiert und vor allem (jedoch nicht nur) rhythmisch überaus interessant. Aber auch das kennt man von dieser Sängerin und Komponistin, von ihren Liedern und Stücken - schräge, komplex, vertrackt, aber auch melodisch, melancholisch und nicht selten tanzbar.
Die kongenialen Texte stammen zudem von Frank Ramond - noch einem, der sein Fach en détail versteht. Und obwohl ich sonst ein rechter Verächter von Texten in (guter) Musik bin (Musik, die auf "gute Texte" angewiesen ist, sollte grundsätzlich in die Tonne getreten werden), bin ich froh, dass die Texte auf Deutsch sind und nicht etwa auf Spanisch, was zur Musik womöglich phonetisch besser gepasst hätte - aber dann könnte ich sie nicht verstehen und das wäre tragisch.
Ulita Knaus hat, davon ganz abgesehen, eine derart gute, professionell ausgefeilte Stimme, dass sie von mir aus auch auf Bayrisch singen könnte oder in einem seltenen Dialekt des Suaheli.
In einem Interview, das ich neulich hörte (ich habe leider vergessen, wo genau), antwortete Ulita Knaus auf die Frage, ob sie denn schon den "Best Lover" ihrer Stadt getroffen hätte (der Interviewer spielte natürlich auf ihren Song "Bester Lover" an), mit einem klaren "Nein". Dabei erfuhr ich, dass ich zufälligerweise in der gleichen Stadt wie sie lebe. Dieser schönen Frau, dieser wunderbaren Stimme, diesem Mensch gewordenen Rhythmusgefühl ein "Ja" auf die Lippen zu zaubern... Nun, ich merke, ich komme vom Thema ab.
Also, wo war ich stehen geblieben? Ach, ja: Leute, kauft diese CD und hört sie euch mindestens fünf Mal an. Wenn sie euch dann immer noch nicht gefallen sollte, bleibt wohl nur der Gang zum Arzt. Fünf Sterne also, jeder handpoliert.


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