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Rezensionen verfasst von
Volker Hartung
(HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   

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I Remember Pallahaxi (English Edition)
I Remember Pallahaxi (English Edition)
Preis: EUR 4,67

5.0 von 5 Sternen Schöne Fortsetzung eines Klassikers, 23. März 2014
Dies ist die posthum veröffentlichte Fortsetzung des Klassikers "Hello Summer, Goodbye" ("Der Sommer geht"), der unerklärlicherweise bei Amazon nicht als Kindle-Version erhältlich ist, bei anderen Anbietern allerdings durchaus (mobi-Format, zumindest in Englisch). Daher zunächst meine Kritik zu diesem Meisterwerk:

In den 70ern war die Nische des Jugendromans (YA = Young Adult) noch nicht kommerziell entdeckt. Andernfalls hätte Michael Coney vielleicht mehr Erfolg mit diesem wundervollen Roman gehabt. Er erzählt eine Geschichte vom Erwachsenwerden, vom Generationenkonflikt, vom Klassenkampf, der Entdeckung einer geheimnisvollen Ökologie, und nicht zuletzt eine zarte Romanze. Und das alles auf gut 200 Seiten (des deutschen Taschenbuchs). Heute würde man das natürlich zu einer Trilogie aufblähen, die Poesie in Pathos ersticken und die Konflikte mit blutigen Kämpfen anreichern. Doch wer das Glück hatte, in jungen Jahren auf "Der Sommer geht" zu stoßen, wird dieses Leseerlebnis niemals vergessen können.

Der Teenager Drove reist mit seinen Eltern zum Sommerurlaub zur Hafenstadt Pallahaxi. Er steckt in einer Lebensphase, die viele aufgeschlossene und überdurchschnittlich begabte Heranwachsende nachvollziehen können. Er beginnt die Lebenslügen seiner Eltern zu durchschauen und muß seine Ideale gegen die Erosion der Gewohnheit verteidigen. Seine herankeimende Beziehung zur örtlichen Wirtstochter Braunauge stößt nicht nur bei seinem Vater, dem Regierungsbeamten, auf Widerstand. Er gerät zunehmend in den Fokus des politisch hochbrisanten Konflikts zwischen den lokalen Küstenbewohnern und den Funktionären aus dem Inland. Denn diese haben offenbar eine geheime Agenda, die wohl mit der neu erbauten Konservenfabrik in Verbindung steht...

Ein großer Reiz der Erzählung liegt darin, daß die Exposition ausschließlich indirekt erfolgt. Wir erleben die Welt durch die Augen des Ich-Erzählers und erkennen nur allmählich, daß es sich um einen fremden Planeten mit eigenwilligen Jahreszeiten und ungewohnter Tierwelt handelt. Die "Loxen" gingen vielleicht noch als Abart unserer Ochsen durch, aber die geheimnisvollen, allgegenwärtigen Lorin und die gefährlichen Eisteufel sind Beispiele für eine einfallsreichen exotische Fauna. Und dann gibt es noch das "Grum", eine jährliche wiederkehrende komplexe Wandlung des Meers, auf die sich die Fischer aber offenbar perfekt eingestellt haben. Ganz zu schweigen vom düsteren Himmelsgestirn Rax, auf dessen Zusammenspiel mit der Sonne Phu eine komplette Schöpfungsmythologie basiert.

Der Engländer Michael Coney emigrierte 1972 40jährig nach Kanada und veröffentlichte in kurzer Folge fast ein Dutzend SF-Romane. "Hello Summer, Goodbye", seine achte Veröffentlichung, gilt als sein bester Roman. Es gab zwar ein positives kritisches Echo, aber finanziell blieb der große Erfolg wohl aus, so daß in den nächsten Jahren nur wenig Werke hinzukamen. Die (lose) Fortsetzung "I Remember Pallahaxi" erschien daher erst nach seinem Krebstod im November 2005.

"Träume von Pallahaxi" (so der deutsche Titel) ist für sich gesehen ein sehr schöner Roman, verblaßt aber im Vergleich mit dem Vorgänger und sollte eher als dessen Epilog angesehen werden. Die Handlung spielt viele hundert Jahre später. Inzwischen ist der Planet von Menschen entdeckt worden, die eine kleine Repräsentanz etabliert haben. Dieser Kunstgriff ermöglicht viele explizite Erklärungen der ökologischen Situation, die man sich vorher selbst zusammenreimen mußte. Ansonsten werden die Themen des ersten Romans geschickt variiert, und die Perspektive ist wieder die eines (nicht-menschlichen) Teenagers, möglicherweise eines fernen Nachkommens von Drove. Der Clou ist die Fähigkeit der Aliens, auf eidetische Erinnerungen ihrer Vorfahren zurückgreifen zu können. Es gibt auch wieder eine bewegende Liebesgeschichte, aber insgesamt tritt die Poesie zugunsten einer direkteren Erzählweise zurück.

Der Kindle-Edition fehlt leider eine ordentliche Kapitelaufteilung. Für mich gibt es nichts frustierenderes, als wenn ein Buch mich mit der Meldung begrüßt: "Im Kapitel verbleibend: 5 Stunden". Immerhin gibt es ansonsten nur wenige "Druck"fehler zu vermelden.


Amy Winehouse - Back To Black (BRD audio) [Blu-ray]
Amy Winehouse - Back To Black (BRD audio) [Blu-ray]
Preis: EUR 21,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Blu-ray Audio kann die miese Aufnahmequalität nicht retten, 15. Februar 2014
Da ich die jüngere Musikszene nicht mehr intensiv verfolge, mag dies nicht viel bedeuten,aber "Back To Black" ist immerhin mein Lieblingsalbum der letzten zehn Jahre. Es enthält tolles Material, charismatisch gesungen und an sich schön (nostalgisch) arrangiert. Aber leider klingt die Musik so, als sei sie in einer Gummizelle aufgenommen worden. Der Stereoraum wird nicht ausgenutzt, besonders das Schlagzeug klingt blechern, die Stimme leicht schrill. Dies haben schon viele Rezensenten vor mir bedauert - von vornherein scheint dies eine merkwürdige Wahl für eine audiophile Veröffentlichung zu sein. Tatsächlich ist der hochauflösende Klang im direkten Vergleich höchstens minimal besser, vielleicht etwas luftiger. Das lohnt auf keinen Fall den Aufpreis (meine Wertung bezieht sich auf das PRODUKT, nicht die Musik).

Universals Versuch, das neue Format zu etablieren, ist an sich zu loben. Während SACD und DVD-Audio zumindest im Pop-Bereich nur noch ein Nischendasein führen, preislich meist inakzeptabel sind (35 Euro aufwärts) und spezielle Hardware erfordern, sind Blu-ray-Geräte eigentlich inzwischen weit verbreitet, und 20 Euro für eine Scheibe mit Mehrwert wäre ich bereit zu zahlen. Unverständlich sind mir allerdings die Fehler, die bei der Einführung begangen wurden, was wohl auch schon wieder zum Stopp der Aktion geführt hat. Kein Fehler ist für mich übrigens die Ausstattung vieler Alben nur mit Stereo. Nicht immer ist ein Mehrkanalmix sinnvoll, wenngleich ein solcher oft eine Wiederentdeckung bekannter Alben ermöglichen kann. Aber ich bin z.B. dankbar für die BR-Audio von Supertramps "Breakfast in America" mit brillantem Stereoklang, die die remasterte CD mit ihren spitz klingenden Höhen deutlich in den Schatten stellt. Auf die angekündigte "Crime of the Century" hatte ich mich gefreut, jetzt scheint aber doch nur die (doppelt so teure) SACD zu erscheinen.

Noch ein paar Anmerkungen:

Ursprünglich gibt es eine Spezifikation, über die BR-Audio ohne Fernseher bedient werden können (z.B. Farbtasten zum Umschalten des Tons). Das hat sich aber nicht bis zu Universal durchgesprochen - immerhin startet die Scheibe sofort durch.
Die drei Tonspuren (PCM, DTS Master Audio und Dolby TrueHD jeweils in 24bit/96KkHz) scheinen mir redundant, da wohl in den allermeisten Fällen das gleiche Master nur mit anderer Technik präsentiert wird. Moderne Geräte verstehen sowieso alle drei Formate.
Stattdessen fehlen mir z.B. die Bonustitel der "Deluxe"-Ausgabe von "Back To Black". Und vom Speicherplatz her müßte es sogar möglich sein, eine BR-Audio "Amy Winehouse komplett" anzubieten, mit "Frank", "Back To Black" und allen zugehörigen Bonustiteln!
Pluspunkte: das Booklet mit den Texten und der beiliegende Download-Gutschein (aber Amazon könnte ruhig AutoRip zusätzlich anbieten).


Time And Again (English Edition)
Time And Again (English Edition)
Preis: EUR 6,49

5.0 von 5 Sternen Phantastische nostalgische Zeitreise, 29. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Jack Finney (1911 - 1995) war ein profilierter amerikanischer Autor von Krimis und Thrillern, der aber vor allem durch seine wenigen Ausflüge in die Science Fiction berühmt ist. Sein bekanntestes Werk, "Die Körperfresser kommen"/"Invasion of the Body Snatchers" (1955), eine Art Horrorparodie auf die Kommunisten-Paranoia seiner Landsleute, wurde bisher viermal verfilmt, am erfolgreichsten 1978 durch Philip Kaufman (mit Donald Sutherland, Leonard Nimoy und Jeff Goldblum).

Im 1970 erschienenen "Von Zeit zu Zeit" reist der Ich-Erzähler, Simon Morley, in der wohl sanftesten vorstellbaren Weise durch die Zeit. Im wesentlichen durch Selbsthypnose bewegt er sich zwischen "seinem" New York und einem nur unvollkommen durch frühe Fotographien und Zeichnungen dokumentierten New York des Jahres 1882. Und es ist der Kontrast dieser "nur" 90 Jahre auseinander liegenden Perioden, der den Roman mit Leben und Spannung erfüllt. Dabei ist der wesentliche Unterschied nicht die Technologie, sondern die Einstellung der Menschen zu ihrer Zeit. In den 1880ern gibt es sicher eher mehr Armut, Krankheit und Elend als in unserer "modernen" Zivilisation. Aber es gibt auch noch eine alltägliche Gelassenheit und eine stille Freude am Leben, die späteren Generationen abhanden gekommen sind. Illustriert wird dies etwa durch einen geselligen Abend der Pension, in der Simon unterkommt. Ohne Ablenkung durch Fernsehen oder andere moderne Medien vergnügen sich die Bewohner mit Charaden, Musizieren und Zaubertricks. Gesprächsthemen sind der Zeitung entnommene Ereignisse: die Gerichtsverhandlung gegen einen notorischen Mörder, Modeentwicklungen, Klatsch.

So verstehe zumindest ich die These des Autors, die man weitere 40 Jahre nach Entstehung durchaus weiterspinnen kann. Der zugrundeliegende Kontrast hat sich seitdem ja noch deutlich verschärft. Stilistisch gesehen mag gerade die erste Hälfte des Romans dem heutigen Leser etwas zäh vorkommen. Finney beschreibt Situationen und Menschen gern bis in die kleinsten Details. Aber genau diese Detailversessenheit macht für mich den Sog der Geschehnisse aus. Der Lesegenuß entsteht daraus, sich entführen zu lassen in diese fast noch greifbare und doch so entfernte Welt des 19. Jahrhunderts, mit Schlittenfahrten und von Pferden gezogenen Straßenbahnen. Erst im letzten Drittel spitzen sich die Ereignisse zum Thriller mit anschließender spannender Verfolgungsjagd zu. Die Figuren wirken plastisch, Charakterentwicklungen stehen aber nicht im Vordergrund. Nicht erwarten sollte man besonders feministische Positionen. Die Frauen sind durchaus sympathisch, erscheinen aber recht passiv und fremdbestimmt - wohl korrekt für 1882, vielleicht auch für 1970 noch die Norm. Manchmal scheint auch eine Art idealistischer Naivität durch: in merkwürdiger Erinnerung blieb mir eine Passage über "fröhliche kannibalistische Zulus" (Position 3541).

Während für H.G. Wells 1895 seine Zeitmaschine vor allem einen erzählerischer Kniff darstellte, mit dem er seine Allegorie auf die vorherrschenden Ideologien eine anschauliche Gestalt geben konnte, behandelten viele der späteren Zeitreisegeschichten wissenschaftlichen Aspekte und das Problem von Zeitparadoxen (Was passiert, wenn ich in die Vergangenheit reise und verhindere, daß meine Eltern sich kennenlernen?) Finneys Roman ist sich möglicher Paradoxen bewußt. Auf einer abstrakten Ebene ist er auch eine Reflexion über den verantwortungsvollen Umgang mit Technologie, Laut IMDB ist erst jetzt eine Verfilmung in Planung - es bleibt abzuwarten, ob der Grundton der Vorlage erhalten bleibt, oder ob der Stoff nur zu einem weiteren futuristischen Thriller mit Twist verarbeitet wird.

Die Kindle-Edition ist tadellos formatiert und fehlerfrei aufbereitet. Sie enthält die aus verschiedenen historischen Quellen zusammengestellten Schwarzweiß-Fotografien und -Zeichnungen, die auf dem 6-Zoll-Bildschirm naturgemäß arg klein geraten (dafür empfiehlt es sich, parallel ein Tablet bereitzuhalten).


Carrie - Des Satans jüngste Tochter [Blu-ray]
Carrie - Des Satans jüngste Tochter [Blu-ray]
DVD ~ Sissy Spacek
Preis: EUR 8,97

2 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassische Horrorkomödie, 3. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Lange bevor sich an Buffys Schule in Sunnydale die Ängste und Konflikte der Heranwachsenden in handfesten Dämonen manifestierten, erfand Stephen King die übernatürlichen Fähigkeiten seiner Figur Carrie als Metapher für ihren labilen seelischen Zustand. Buch und Film stellen die üblichen Horror-Klischees auf den Kopf, nach denen etwa im "Exorzist" (1973) ein Kind "vom Teufel besessen ist", der ausgetrieben werden muß. Dabei werden uns dann unabhängig vom sonstigen konfessionellen Hintergrund katholische Priester zum Gegenpol des "Bösen" präsentiert, bei meist extremer Beleidigung des intelligenten Zuschauers. In Carrie besteht der "Horror" allein in der grauenvollen familiären Situation, mit einer durchgeknallten bibelschwingenden Mutter, und dem Mobbing der Außenseiterin durch ihre unsensiblen Mitschülerinnen. Daher ist der deutsche Untertitel "Des Satans jüngste Tochter" auch besonders dämlich.

Brian de Palma legt seine Verfilmung wie eine schwarze Komödie mit Thrillerelementen an. Er zitiert dabei Versatzstücke aus der Filmgeschichte, aus denen hier aber ein erfrischend originelles Werk entsteht. Das beginnt mit zwar geschmackvollen, aber doch an Softpornos erinnernden Szenen in der Umkleide und Dusche, setzt sich mit Voyeurismus beim Schulsport fort und läßt bei einer Autofahrt mit John Travolta und Nancy Allen kurz sogar American-Graffiti-Romantik anklingen. Und natürlich leiht sich die Filmmusik mehrfach die vier "schneidenden" Akkorde aus der Duschszene von Hitchcocks "Psycho" aus. Im Unterschied zum großen Vorbild erzeugt de Palma seine Spannung nicht aus einem externen McGuffin, sondern läßt diese aus der Identifikation des Zuschauers mit der Hauptfigur entstehen. Es ist fast unerträglich, wie er die kurzen Glücksmomente Carries während des Schulballs zeitlupenartig verlängert und fast in eine Trance übergehen läßt, bevor die Situation kippt und buchstäblich explodiert.

Dem Regisseur gelingt eine verblüffende Balance zwischen den ins Komische überzogenen Darstellungen der Erwachsenen und den eher naturalistischen der "Jugendlichen" (die meisten waren um die 25 Jahre alt). Zentral dabei ist natürlich Sissy Spaceks ergreifendes, mutiges Porträt der Hauptfigur, wofür sie mit einer (für einen "Horror"-Film beispiellosen) Oscar-Nominierung belohnt wurde. Gewonnen hat dann Faye Dunaway für "Network" (das war nach Nominierungen für "Bonnie und Clyde" und "Chinatown" wohl überfällig). Einige Jahre später holte sich Spacek dann die Trophäe für ihre bravouröse Darstellung der Loretta Lynn in "Nashville Lady"/"Coal Miner's Daughter"). Für ihre Nebenrolle nominiert war übrigens die nach "Haie der Großstadt" (1961) erstmalig wieder erscheindende Piper Laurie als Carries Mutter - ihre ekstatische Sterbeszene brennt sich ins Gedächtnis ein.

Leider ist de Palma nie wieder ein solch großer Wurf gelungen. Oft paarten sich in seinen Filmen technische Brillanz mit erzählerischer Beliebigkeit. Gebändigt vermochte er gutes Material kompetent zu inszenieren, aber meist verstieg er sich in Spielereien und Inkonsistenzen. Am gelungensten finde ich dabei "Die Unbestechlichen" (1987 - sein Al-Capone-Thriller mit DeNiro, Connery und Costner), "Die Verdammten des Krieges" (1989) und die erste "Mission Impossible" (1996). Berühmt, aber in meinen Augen vollkommen mißlungen ist sein Scarface-Remake mit Al Pacino und Michelle Pfeiffer von 1983. Enttäuschend, wenn man ihn mit seinen Kumpanen Coppola, Scorsese, Spielberg und Lucas vergleicht, die in den 70ern das amerikanische Kino nachhaltig revolutionierten. Aber wenigstens mit Carrie hinterläßt er uns einen der besten King-Verfilmungen, die nur von Kubricks "The Shining" und Frank Darabonts "Die Verurteilten" übertroffen wird. Herausragend (9/10).

Die technische Qualität der Blu-ray wird kontrovers diskutiert. Gerade vom Bild war ich zwar nicht begeistert, es gibt aber auch keine Schäden oder besonders auffällige Unschärfen, die vom Filmgenuß ablenken könnten. Gemessen am vielleicht schon nicht optimalen Ausgangsmaterial und den kaum vertretbaren Kosten für eine komplette Restauration muß man wohl recht zufrieden sein. Die Extras scheinen allerdings von früheren DVD-Ausgaben übernommen, wobei die 45minütige Retrospektive (u.a. mit Interviews von de Palma, Spacek, Piper Laurie und Amy Irving) mmer noch sehr informativ und sehenswert ist.


Crises (30th Anniversary Limited Super Deluxe Edition)
Crises (30th Anniversary Limited Super Deluxe Edition)

18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nostalgie pur: Deluxe-Box lohnt den Preis, 8. September 2013
Bereits der kurze, abgedämpft gespielte Gitarrenlauf ist unverkennbar, und wenn dann die sanfte Stimme von Maggie Reilly einsetzt, ist man auch nach 30 Jahren noch gefangen von diesem zeitlosen Popsong. Eine geschlagene Akustische setzt präzise Akzente, und dann folgen zwei hervorragende Soli, eines als Fortsetzung des Eingangslaufes, eines mit verzerrter Gitarre. Moonlight Shadow war einer der großen Hits von 1983, in einer Zeit, als noch Singles und Maxis verkauft wurden. Wann immer Wolfgang Neumann in der Schlagerrallye im WDR (für nicht-NRWler: siehe Wikipedia) die Maxiversion auflegte, müssen Tausende von Cassettenrekordern deutscher Jugendliche geklickt haben wie meiner, denn die Langversion - die heute ein wenig selbstverliebt klingt - stand an der Spitze der Wunschlisten vieler. Der Song hielt sich 74 Wochen in der Top 15 der Schlagerrallye und wurde zweimal in Folge Jahressieger. Das bedeutet für einen Teenager eine halbe Ewigkeit. Die Abstimmung erfolgte noch per Postkarte, da ging viel Taschengeld für Porto drauf (ich gewann allerdings auch zweimal per Auslosung eine Vinyl-LP). Persönlich verbinde ich das auch mit dem Ende der Neumann-Ära (der definitive ELO-Fan hatte nebenbei ein hervorragendes Buch über die Beatles geschrieben) und dem Einzug von immer seichteren Pop-Songs, die mit den Rock-Ursprüngen nur noch wenig zu tun hatten. Es folgten Aha, Europe, Pet Shop Boys und (o Graus - definitiv nach meiner Zeit) David Hasselhoff!

Mike Oldfield stand in den 70ern lange unter dem "selbstverschuldeten" Schock, mit 20 Jahren einen Klassiker der Musikgeschichte veröffentlicht zu haben. Sein Debutalbum Tubular Bells von 1973 ist auch heute noch, gerade im hervorragenden neuen Surround-Mix, ein wiederkehrend tolles Erlebnis. Die Folgealben waren zunächst durchwachsen, wobei ich Ommadawn (Deluxe Edition) und Incantations (Deluxe Edition) (zumindest in Teilen in empfehlenswerten neuen 5-Kanal-Mixen erhältlich) durchaus für gelungen halte. Aber erst als er eine etwas rockigere Seite entwickelte und gelegentlich kürzere, hitparadentaugliche Lieder schrieb, konnte er wirklich an den Anfangserfolg anknüpfen. Wie bereits der Vorgänger Five Miles Out (Deluxe Edition) bestand Crises aus einer langen Albumseite und kürzeren Stücken auf der Rückseite, und bereits der Vorgänger enthielt mit dem Titelsong eine prächtige Single-Auskopplung. Welches der beiden Alben man vorzieht, ist wirklich Geschmackssache. "Five Miles Out" hat einen erdigen, rockigeren Charakter, Crises hat vielleicht die eingängigeren Melodien und geht mehr in Richtung Pop (an sich nichts Schlimmes, nur in den Jahren danach wurde es dann leider poppiger und gleichzeitig seichter).

Mike Oldfield hat Stimmen schon immer mehr wie Instrumente eingesetzt, am Anfang gelegentlich seine eigene und die seiner Schwester Sally (und auch mal einen Chor). Nun hatte er mit Maggie Reilly eine Virtuosin gefunden, die zu seinen Liedern einen eigenen Charakter beisteuern konnte (auch wenn es wohl lange Studiostunden gedauert hat, bis er ihr den ihm vorschwebenden Sound für "Moonlight Shadow" entlocken konnte). Trotzdem setzte er auch diverse andere Sänger ein, so etwa Jon Anderson von Yes im ätherischen "In High Places" und die Rockröhre Roger Chapman, im kraftvollen "Shadow on the Wall". Mike Oldfield ist sicher kein großer Gitarrist, aber er hatte immer schon ein Talent für melodische, schnelle Läufe und fand interessante Klangfarben für seine Soli. Manchmal reichen schöne Melodien für einen erfolgreichen Popsong, aber Oldfield schuf durch geschicktes Arrangieren und interessante Soundvarianten einige wirkliche Perlen der Popmusik. Das gilt auch für das 22minütige Herz- und Titelstück, das in ausgefuchstem Ablauf Ideen für bestimmt ein halbes Dutzend Einzelsongs verarbeitet, Und zwischen den Liedern der zweiten Hälfte, fast beiläufig hingeworfen, zaubert er in "Taurus 3" atemberaubende Duelle zwischen spanischen Gitarren und Mandoline.

Die gerade neu erschienene Deluxe-Box etwa im Format einer Doppel-DVD enthält ein Büchlein mit auch für ältere Augen gut lesbaren Detailinformationen zu den Aufnahmen und eine kleine Rekapitulation der entsprechenden Phase von Oldfields Karriere. Dazu kommt eine CD mit einem aktuellen Stereomix und Bonustiteln, u.a. die Singles "Mistake" und "Crime of Passion" sowie die Maxiversion von "Moonlight Shadow". CD 2+3 enthalten Live-Aufnahmen von 1983 (Wembley). Des weiteren gibt es eine DVD mit einem Auszug des gleichen Live-Konzerts (Crises + Tubular Bells Part 1), drei Musikvideos sowie der vergnüglichen Top-of-the-Pops-Aufnahme des Hits (die allerdings die herrlich überzogene Playback-Vorstellung von "Five Miles Out" aus der ebenfalls empfehlenswerten Deluxe-Ausgabe des Vorgängeralbums nicht übertreffen kann). Die Bildqualität der Live-DVD (im TV-Format 4:3) ist nicht überragend, aber gemessen am Ausgangsmaterial wohl in Ordnung. Interessant ist es allemal zu sehen, wie diese komplexen Stücke durch eine achtköpfige Band interpretiert wurden. Am wichtigsten für mich die weitere DVD mit dem Surround-Mix in wahlweise DD5.1 und DTS, der wirklich fast eine Neuentdeckung der Platte ermöglicht. Leider gibt es keinen hochauflösenden Stereomix. Statt der beiden DVDs hätte man ruhig eine Blu-ray beilegen können, die locker alle Inhalte plus einen Stereomix in DTS-Master-Audio fassen könnte. Die Marktdurchdringung der Blu-ray mag in Deutschland erst bei 50 Prozent liegen, aber bei der Zielgruppe für diese etwa 42 Euro teure Box liegt dieser Wert bestimmt deutlich höher...
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 22, 2014 7:15 PM CET


Schrodinger's Gat (English Edition)
Schrodinger's Gat (English Edition)
Preis: EUR 2,68

4.0 von 5 Sternen Schrödingers Knarre- SF, wie ich sie mir öfter wünsche, 8. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Schrödinger's Gat" ist, wie der Titel schon andeutet, ein quantenphysikalischer Roman, der sich natürlich auf Schrödingers "halbtote" Katze bezieht und in der Abwandlung mit "Schrödingers Knarre" übersetzt werden könnte (es ist u.a. ein Spruch von Hawking vorangestellt, sinngemäß "Wenn ich von Schrödingers Katze höre, ziehe ich meine Waffe."). Es ist ein durchschnittlich spannender Thriller mit der Andeutung einer Liebesgeschichte, in Ich-Form erzählt von einem depressiven Englischlehrer in San Francisco, der zufällig über die physikalisch-metaphysischen Forschungen eines Wissenschaftlers stolpert. Es stellt sich heraus, daß dieser scheinbar durch praktische Anwendung der Quantentheorie gewalttätige Ereignisse beeinflussen kann. Eingestreut in die Erzählung sind erhellende, populärwissenschaftlich gestaltete Exkurse zu den physikalischen Grundlagen (Schrödingers Katze, das Doppelspalt-Experiment, ein Atom in zwei Boxen etc.). Das erfordert etwas Konzentration, lohnt aber den Aufwand und bietet knapp 200 Seiten anspruchsvolle Unterhaltung.

Ich wünschte mir, es gäbe mehr Science Fiction dieser Spielart. Die "harte" SF in der Tradition von Clarke und Asimov begann mehr mit Spekulationen über künftige Ingenieurskunst, bevor Einsteins Relativitätstheorie der nächsten Generation von Autoren Inspiration lieferte, die das neue Verständnis des "Raum-Zeit-Kontinuums" den Massen nahebrachten. Die philosophischen Implikationen der Quantentheorie sollten eigentlich Stoff für ein komplettes Subgenre bieten. (Ausnehmen möchte ich einmal die sich hartnäckig haltende Idee von Paralleluniversen, die sich bei jeder Entscheidung abzweigen, so daß jeder noch so unwahrscheinlichen Gang der Ereignisse sich in irgendeinem Universum realisiert. Wäre das der Fall, hätten wir die totale Beliebigkeit, und jede Entscheidung wäre sinnlos.) Die Quantenmechanik hat das kollektive Bewußtsein unserer Zivilisation noch nicht so recht erreicht. In der Schule werden uns noch die Newtonsche Physik und die mechanistische Chemie mit Atomen als Miniaturplanetensystemen eingebleut, nur damit wir dann vielleicht in der Oberstufe erfahren, daß das alles eigentlich nicht stimmt. Das liegt auch daran, daß die meisten Physiklehrer das Wesen eines Modells nicht klar verstehen, das ja kein Abbild der Natur ist, sondern kaum mehr als eine Veranschaulichung nicht beobachtbarer Vorgänge (was allerdings bis zu einem gewissen Grad Vorhersagen über ihr Verhalten möglich macht). Trotzdem werden auch auf der subatomaren Ebene weiterhin "Teilchen" postuliert. Die physikalische Forschung z.B. mittels Teilchenbeschleunigern scheint mir ein fast verzweifeltes Festhalten an solchen deterministischen Modellen.

Robert Kroese (ausgesprochen "Krusi") war einer der ersten Autoren, die vom eBook-Boom und insbesondere von Amazons Kindle profitierten (daher wird der Kindle im Buch auch mehrfach erwähnt). Aufmerksam wurde ich auf ihn durch seine herrliche Sammlung von humoristischen Anekdoten und Beobachtungen (tatsächlich bearbeitete Auszüge aus seinem Blog) The Force is Middling in this One: And Other Ruminations from the Outskirts of the Empire (toller Titel übrigens). Danach erschien eine nette Romantrilogie um den gefallenen Engel Mercury, in der es u.a. um die "himmlische" Bürokratie und irdische Esoterik-Profiteure geht. Kroese ist kein großer Stilist, ist aber durch seine klare, schnörkellose Sprache angenehm zu lesen. Sowohl seine eher auf Witz ausgelegten Mercury-Satiren in der Tradition von Douglas Adams als auch der vorliegende, übrigens per Kickstarter in Abschnitten entstandene Roman zeichnen sich durch einen leichten Ton, einige wohlgesetzte pophistorische Referenzen und sympathische, wenngleich noch etwas schematische Charaktere aus. Inzwischen hat Amazon seine Werke auch als Taschenbücher verlegt, allerdings bisher nur in Englisch.


Legion and The Emperor's Soul (English Edition)
Legion and The Emperor's Soul (English Edition)
Preis: EUR 5,49

1 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Teurer als die Einzeltitel!, 8. September 2013
Vorsicht, die beiden Novellen sind einzeln als Kindle-Ausgaben günstiger als in dieser Form.

Das passt in die oft lächerliche Preislandschaft für eBooks.

Inhaltlich ansonsten bestimmt empfehlenswert, "Emperor's Soul" hat gerade einen Hugo gewonnen...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 26, 2013 11:09 AM CET


Barrayar (Vorkosigan Saga Book 3) (English Edition)
Barrayar (Vorkosigan Saga Book 3) (English Edition)
Preis: EUR 5,49

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker und Geburt einer Legende, 10. August 2013
"Barrayar" (1991) ist chronologisch der zweite Roman in der Vorkosigan-Saga (abgesehen von FFalling Free (Vorkosigan Saga) (1988), das 200 Jahre vor der Haupthandlung spielt). , Er entstand aber in seiner veröffentlichten Form als siebter Teil der inzwischen über zwanzig Romane und Novellen der Reihe. Daher kann man schriftstellerisch auch einen deutlichen Qualitätssprung zwischen dem Erstling Shards of Honor (Vorkosigan Saga) und "Barrayar" erkennen. Kurioserweise war dies der dritte Hugo-Gewinner aus der Serie, nach der Novelle "The Mountains of Mourning" (1989) und dem Roman The Vor Game (Vorkosigan Saga) (1990).

Der Roman ist aus der Sicht von Cordelia Naismith Vorkosigan erzählt. Sie stammt vom hochtechnologisierten, egalitären, notdürftig terrageformten Planeten Beta. Im Vorgänger "Shards of Honor" hatte sie als Leiterin einer wissenschaftlichen Expedition Lord Aral Vorkosigan kennen- und liebengelernt und muß sich nun in ihrer neuen Rolle als Lady Vorkosigan in ihrer "hinterwäldlerischen", aber ökologisch erdähnlichen neuen Heimat Barrayar zurechtfinden. Das bedingt politische, gesellschaftliche und auch alltägliche Herausforderungen; herrlich Cordelias Reaktion auf die furchteinflößenden Ungeheuer ihres Schwiegervaters: von der Erde stammende Reitpferde. Erschwerend kommt hinzu, daß Aral, der sich eigentlich vom aktiven Militärdienst zurückgezogen hat, bald als Regent des fünfjährigen Imperators Gregor Vorbarrar im Mittelpunkt politischer Intrigen steht. Während sich ein blutiger Bürgerkrieg ankündigt, wird Cordelia schwanger mit dem langersehnten Erben des Hauses Vorkosigan...

Bis zur Entdeckung einer neuen Wurmloch-Passage war der Planet Barrayar jahrhundertelang von den übrigen galaktischen Zivilisationen abgeschnitten. Alle Macht liegt beim Imperator und einem Rat von "Grafen", der Vor-Klasse, mit Namen wie Vorrutyer, Vorpatril, Vorhartung etc. Auch wenn Fluggeräte und moderne Waffen bekannt sind, handelt es sich doch eher um eine mittelalterliche Welt, geprägt von der Landwirtschaft und erst am Beginn einer industriellen Revolution. Durch die Konfrontation mit "benachbarten" Welten bricht die Moderne über Barrayar herein, und die konservativen Kräfte (unter ihnen Arals Vater, Graf Piotr Vorkosigan) müssen um ihre Vorherrschaft bangen. Neben der Entwicklung der Charaktere und dem Heranwachsen einer neuen Generation legen diese übergreifenden Konflikte die Grundlage für eine komplexe, spannende Sternensaga.

Die Autorin schreibt im Nachwort zum Sammelband "Cordelia's Honor", der Subtext der beiden Romane sei ihre Auseinandersetzung mit dem Thema Elternschaft. Und beim nachträglichen Reflektieren erkennt man tatsächlich deutlich diesen roten Faden, der die Handlung und die Entwicklung der Charaktere vorantreibt. Auch unter diesem Gesichtspunkt steht das Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne. Auf Beta werden die meisten Säuglinge nach einigen Schwangerschaftsmonaten in "Uterin-Replikatoren" verpflanzt. Auf Barrayar dagegen werden mutierte, andersartige Babys gleich nach der (stets natürlichen) Geburt entsorgt. Cordelia und Aral sind dabei übrigens nicht die einzigen Eltern, die im Fokus stehen. Da sind die drei Generationen der Imperatorfamilie, mit dem sterbenden Großvater, der eine schwere Entscheidung bezüglich seines psychopathischen Sohns Serg fällen mußte, seiner nun verwitwete Schwiegertochter, die im Bürgerkrieg zwischen allen Fronten steht, und ihrem Sohn Gregor, auf dessen Schultern die Zukunft des Planeten liegt. Da ist der psychisch labile Sergeant Bothari, dessen Tochter Elena im Krieg durch eine (befohlene) Vergewaltigung gezeugt wurde, und da sind die Vorpatrils, deren Sohn Ivan auf der Flucht geboren wird.

Bujolds Kunst liegt darin, ihre tiefgehenden Anliegen zu einem derart spannenden, mitreißenden Garn zu verspinnen, daß sich der Leser zu keinem Zeitpunkt belehrt oder gar durch philosophische Ausführungen gelangweilt fühlt. Selten in der Geschichte der Science Fiction ist eine Welt derart plastisch dargestellt worden, und selten sind den Lesern die Figuren einer Saga so ans Herz gewachsen. Für viele Leser liegt die Bedeutung dieses Romans natürlich in der Geburtsstunde von Miles Naismith Vorkosigan, der wohl beliebtesten Figur der SF-Literatur der letzen 25 Jahre (Harry Potter zählen wir zur Fantasy). Der Erfolg der Serie ist für mich darin begründet, daß die Autorin immer wieder grundlegende menschliche Themen behandelt, vor einem wohldurchdachten technischen Hintergrund, neben reinen Abenteuerromanen und (in letzter Zeit) Romanzen, die immer noch willkommene Beiträge sind. Unglaubliche acht Teile der Saga wurden in der Roman-Kategorie für den Hugo nominiert, und mit Gewinnen für Mirror Dance (Vorkosigan Saga) (1995) und den zweiten Teil einer Fantasytrilogie, Paladin of Souls: Curse of Chalion Series, Book 2 (2004), ist Bujold (Jahrgang 1949) der meistausgezeichnete lebende SF-Autor in dieser Kategorie (nur Heinlein gewann ebenfalls viermal).

Die empfehlenswerten und preiswerten Sammelbände (Cordelia's Honor, Young Miles etc.) für den Kindle scheint es bei Amazon nicht mehr zu geben, vielleicht sind sie an anderer Stelle noch erhältlich.


What Mad Universe (English Edition)
What Mad Universe (English Edition)
Preis: EUR 6,49

5.0 von 5 Sternen Auch heute noch lesenswerter Klassiker, 6. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Chefredakteur Keith Winton eines SF-Magazins wird eines Tages durch einen Unfall in ein offenbar alternatives Universum versetzt. Eigentlich ähnelt es seiner vertrauten Welt bis in viele Details - nun gut, bis auf eine globale Einheitswährung, die allgegenwärtigen, mit kaum mehr als Bikinis bekleidete Weltraumschönheiten, die violett bepelzten, zweieinhalb Meter großen Lunaner auf den Straßen und andere geringe Abweichungen. Es stellt sich heraus, daß bereits Anfang des Jahrhunderts die Raumfahrt erfunden wurde - auf der Basis falsch verdrahteter Nähmaschinen. Auf der Suche nach seinem Pendant in diesem verrückten Universum gerät Winton in New York in den Blackout aller Blackouts...

"What Mad Universe" kann man sowohl als spannendes Abenteuer wie auch als zum Schmunzeln anregende Satire auf die oft klischeehaften SF-Geschichten der 30er und 40er betrachten. Die Prämisse wird nicht überstrapaziert,das ganze ist in ca. 150 Seiten (3500 Positionen) abgehandelt. Davon könnten heutige Autoren noch lernen. Überhaupt wirkt der Klassiker auch im 21. Jahrhundert frisch und kurzweilig. Browns Schreibstil ist flüssig und präzise, die strikte Beschränkung auf Winstons Perspektive sorgt für schnelle Identifikation mit der gut ausgearbeiteten Hauptfigur. Die Erklärung paralleler Universen war sicher auch im Entstehungsjahr recht naiv; darum geht es dem Autor aber nicht.

Fredric Brown (1906-1972) hinterließ nur fünf SF-Romane, veröffentlichte aber zwischen 1938 und 1965 unzählige Kurzgeschichten und dazu auch viele erfolgreiche Krimis. Obwohl er keine wesentlichen SF-Preise gewann, war und ist er im Genre hoch angesehen. Er war auf dem Worldcon 1996 in den Kategorien Kurzgeschichte und Novelette für den Retro-Hugo 1946 nominiert (jährliche Hugos gab es erst ab 1955).

Die Formatierung für den Kindle ist tadellos, der aktuelle Preis von 6,49€ allerdings deutlich zu hoch (3,99€ wie zur Veröffentlichung 2012 fand ich gerade noch angemessen). Trotzdem schön, daß jetzt mehr und mehr SF-Klassiker in digitaler Form erhältlich sind.


Die Vögel [Blu-ray]
Die Vögel [Blu-ray]
DVD ~ Veronica Cartwright
Preis: EUR 9,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker endlich auf würdiger Blu-ray, 29. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Vögel [Blu-ray] (Blu-ray)
Alfred Hitchcock hatte in den 50ern einen beispiellosen Lauf und schrieb Kinogeschichte mit (u.a.) "Der Fremde im Zug" (1951: 10/10), "Das Fenster zum Hof" (1954: 10/10), "Über den Dächern von Nizza" (1955, 8/10), "Immer Ärger mit Harry" (1955, 9/10), "Vertigo" (1958, 8/10), "Der unsichtbare Dritte" (1959, 10/10) und "Psycho" (1960, 10/10). Nach "Die Vögel" ging es dann steil bergab; "Marnie" (1964, 7/10) war noch ein Achtungserfolg, aber den folgenden vier Werken fehlten überzeugende Stoffe und die passenden Darsteller. Zum Ende seiner Karriere war der Master of Suspense unmodern geworden. (Und bitte: Dies sind meine rein persönlichen Bewertungen. Kommentare dazu lese ich gern, aber Polemik wird meine kontroverse Meinung zu "Vertigo" auch nicht revidieren.)

Zum Film selbst: Auch nach 50 Jahren weiß dieser letzte "große" Hitchcock noch glänzend zu unterhalten. Vom Drehbuch her sicher ein B-Film, mit nicht optimaler Besetzung, wird der Zuschauer durch den magischen Touch des Meisters in eine Oase des Wohlbehagens transportiert, aus der er durch wohldosierte Schockeffekte dann langsam wieder vertrieben wird. Es beginnt wie eine romantische Komödie, mit einer originellen Begegnung der beiden Hauptfiguren in einer Zoohandlung (im Englischen nennt man das ein "Cute Meet"). Und trotz mangelnder Chemie zwischen den beiden schaut man dem Treiben doch amüsiert zu. Laut lachen mußte ich beim Anblick der beiden (offensichtlich ausgestopften) Liebesvögel auf ihrer Stange, die sich bei der rasanten Autofahrt die Küstenlinie entlang kräftig in die Kurven legen. Dies ist allerdings der letzte lustige Vogelmoment. Die Atmosphäre macht hier den Filmerfolg aus, und es ist faszinierend zu beobachten, wie die Stimmung langsam in Richtung Thriller kippt.

Für Rod Taylor waren die Schuhe von Cary Grant und James Stewart natürlich viel zu groß, aber einen gewissen Charme kann man ihm nicht absprechen (Hitch nannte die Figur einen "Trottel"). Zu Tippi Hedren hat Hitch später stolz erzählt, er habe ihr das Schauspielern beibringen müssen Aber auch er konnte aus ihr keine Grace Kelly machen (nicht einmal eine Eva Marie Saint). Vielleicht deshalb muß ihre Figur gegen Ende der Handlung besonders leiden und bekommt einen übertrieben wirkenden Nervenzusammenbruch. In weiteren (grundsätzlich weiblichen) Opferrollen waren die TV-Darstellerin Suzanne Pleshette und die damals 53jährige Jessica Tandy zu sehen, die in ihren letzten Lebensjahren mit ihrer Oscar-prämierten Hauptrolle in Miss Daisy und ihr Chauffeur (1989) und einer feinen Nebenrolle in Grüne Tomaten (1991) zu spätem Ruhm kommen sollte.

Herausragend (9/10).

Die Blu-ray bietet den Klassiker endlich im korrekten 16:9-Format mit kräftigen Farben und einer allgemein guten Detailschärfe. Meiner Vermutung nach sind noch bestehende Bildmängel eher der Vorlage mit ihren vielen Effektaufnahmen und Rückprojektionen geschuldet. Die Original-Tonspur ist tadellos, dazu gibt es reichlich Extras (besonders interessant die Interviews mit Hitch). Diese Jubiläumsedition soll übrigens technisch der in der Hitchock-Box enthaltenen Scheibe entsprechen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 4, 2013 2:14 PM MEST


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