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Rezensionen verfasst von
Leopoldrian

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Nachspielzeit: Eine unvollendete Fußballkarriere
Nachspielzeit: Eine unvollendete Fußballkarriere
von Timo Heinze
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

33 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Keine wesentlich neuen Einblicke, 4. Dezember 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Die Thematik des Buchs hat mich sehr interessiert, immerhin sollte die Geschichte eines Talents nachgezeichnet werden, das den großen Schritt in den Profibereich nicht geschafft hat und über die Hintergründe schreiben möchte. Tatsächlich muss es ja diverse Nachwuchsspieler geben, die nicht in die 1. Mannschaft aufrücken und die Hintergründe einer solchen Entscheidung und der spätere Werdegang dieser Menschen stellt ein interessanten und bisher weitgehend unbeschriebenen Bereich dar.

Leider muss ich nach Lektüre des Buchs feststellen, dass Heinze diesem Anspruch nicht gerecht wird. Wirklich interessant im Buch sind ausschließlich jene Stellen, in denen er auf ehemalige Weggefährten Bezug nimmt, die sich mittlerweile im Profifußball etabliert haben. So musste ich sehr schmunzeln, als der junge Thomas Müller als frech-forscher Bursche beschrieben wurde, der sich nicht viele Gedanken über misslungene Aktionen gemacht hat und von dieser Unbekümmertheit - die er auch im Vorwort mit der ihm eigenen schlichten Sicht auf die Dinge manifestiert - auch heute noch lebt.

Ansonsten ist leider nicht viel Neues über die Fußball-Branche zu erfahren: Dass die seelischen Belastungen im Dunstkreis des Profifußballs hoch sind und viele überfordern, war spätestens nach den Schilderungen von Deisler und Reng (Leese + Enke) bekannt. Ebenfalls ist nicht neu, dass es eine eher egoistische und auf sich selbst bezogene Haltung braucht, um sich letztlich durchsetzen zu können. Heinze bestätigt das insofern, indem er sich selbst als eher nachdenklichen und zur Bescheidenheit neigenenden Typen beschreibt und angibt, dass ihn Misserfolge und fehlende Rückendeckung seiner Trainer ab einem gewissen Punkt regelrecht lähmten. Daraus lässt sich dann unschwer ableiten, dass ihm die vielzitierte Kaltschnäuzigkeit und Unnahbarkeit einfach fehlte und gerade diese Prozentpunkte den Unterschied ausmachen - dies aber ist eben keine neue Erkenntnis, die es in Buchform gebrauch hätte!

Der Autor weist immer mal wieder auf die "Ungerechtigkeiten" im Geschäft hin, lässt den neugierigen Leser aber leider im Unklaren, wie sich dies an seinem konkreten Beispiel äußerte. So beschreibt er, dass er in seiner Karriere häufig durch Verletzungen zurückgeworfen wurde und ab einem gewissen Punkt nicht mehr an die Leistungen früherer Tage anknüpfen konnte, wobei dieser Leistungsabfall sogar objektiv (Beispiel Sprintübungen) nachweisbar war. Leider lässt er offen, inwiefern ihn andere (wer eigentlich genau?) dann "ungerecht" behandelt haben oder ihm Strippenzieher fehlten, die für den Aufstieg in den Profibereich ausschlaggebend seien. Heinze räumt vielmehr gegen Ende des Buches ein, dass er sich auch beim Drittligisten Unterhaching nicht habe durchsetzen können und es insofern nicht überraschend sei, dass Angebote höherklassiger Vereine ausblieben. Das ist schade, lässt 236 Seiten aber eher überflüssig erscheinen.

Negativ fällt für mich weiterhin die Einleitung der Kapitel ins Gewicht, die der Autor mit Berichten einer Reise nach Bali ausschmückt. Mag die stilistische Idee dahinter noch ansprechend sein, so ist die Umsetzung gründlich missraten. Einerseits handeln die Berichte von eher belanglosen Urlaubsereignissen ohne konkreten Bezug zu vorherigen Ausführungen, andererseits nehmen sie häufig den Fluss aus den Schilderungen seiner Fußballerlaufbahn. Als Leser ist man so z.T. dazu gezwungen, zurückzublättern und sich neu zu orientieren, sodass dem Lesefluss besser gedient worde wäre, hätte man diese Passagen ersatzlos gestrichen.

-Fazit-
Das Buch kann mit einigen wenigen Hintergrundinformationen aufwarten, enthält darüber hinaus aber keine wesentlich neuen Erkenntnisse über das Umfeld des Fußball-Profigeschäfts. Vielmehr bestätigt es, dass selbst dem größten Jugendtalent keine Profi-Karriere vorhergesagt werden kann, da diverse Faktoren ausschlaggebend sind - nicht zuletzt die Fähigkeit, sich nach Misserfolgen durchzusetzen und dafür auch ggf. die Ellenbogen auszufahren. Heinze hatte damit Schwierigkeiten und musste (insofern folgerichtig) erfahren, dass andere an ihm vorbeizogen. Die Reiseberichte zu Beginn der Kapitel sind dem Lesefluss abträglich und lassen den Leser rätselnd zurück.

Das Buch eignet sich meines Erachtens nur für jene Leute, die sich bislang eher oberflächlich mit dem Profifußball beschäftigt haben. Wer tiefer hinter die Kulissen blicken möchte, wird durch Timo Heinzes Buch "Nachspielzeit" nicht befriedigt werden.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 23, 2012 6:10 PM CET


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