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Rezensionen verfasst von
D.R. Leserin (München)

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Der Trümmermörder: Kriminalroman
Der Trümmermörder: Kriminalroman
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Mitten in Deutschland und so exotisch!, 26. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Zeit, in der der Krimi spielt, ist gerade mal 65 Jahre her. Also noch nicht mal ein Menschenleben.
Aus Erzählungen von Eltern oder Großeltern sollten wir auch alle von dieser Zeit wissen. Aber viel der damaligen Erwachsenen haben sich wohl sehr um Nachkriegserzählungen gedrückt. Sie wollten diese Zeit schlicht vergessen - entweder weil sie belastet waren oder weil die Zeit so schlimm war.

Ich selbst kannnte die Nachkriegszeit nur aus einer viel harmloseren Perspektive. Im Dorf hatten auch die armen Bauern genug zu essen (evt. nur wenig oder kein Fleisch) und zumindest einen warmen Raum. So war das auch schon vor dem Krieg gewesen.

Aber in einer Großstadt müssen die Nachkriegsjahre der Horror pur gewesen sein! Der Autor beschreibt das sehr eindringlich. Da bekommmen die Morde geradezu eine Nebenrolle.


Jetzt erst recht: -wer will findet einen Weg-
Jetzt erst recht: -wer will findet einen Weg-
von Oliver Haamann
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein schweres Los heiter erzählt, 11. Juni 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Multiple Sklerose wird oft als 'die Krankheit mit den 1000 Gesichtern' bezeichnet, weil sie mindestens 1000 Symptome aufweist. Viele dieser Symptome sind für Außenstehende nicht sichtbar. Vielleicht ist das der Grund, dass MS in den Medien selten auftaucht, obwohl es die häufigste neurologische Erkrankung junger Erwachsener ist; wobei Frauen deutlich öfter betroffen sind als Männer. Höchstens wenn es mal eine Prominente trifft wie Nathalie-Todenhöfer, wird darüber berichtet.
Hier hat sich ein betroffener Mann daran gemacht, sein Leben mit dieser unfreundlichen Begleiterin zu schildern. Auch wenn MS so individuell auftrittt, werden sich viele Betroffene in seinen Erzählungen wiederfinden: Er stand beruflich ziemlich am Anfang, war jung verheiratet und hatte viel vor. So ungefähr ist die Situation von fast allen MS-Patienten. Dass es dann quasi normal weiterging, stellt die Mediziner in kein gutes Licht, kommt aber immer noch häufig vor: Oliver Haamann musste von Arzt zu Arzt pilgern, bis seine Krankheit endlich erkannt wurde. Dass ihm in der Zwischenzeit ein Alkoholproblem unterstellt wurde, muss man da kaum noch erwähnen. Nach der Diagnose begann der Kampf mit der Krankheit, bei dem ihm seine Frau tapfer zur Seite stand und den er mit Humor und Gelassenheit schildert. Und das, obwohl ein Leben mit MS ganz und gar kein Spaß ist. So gibt es eher wenig lustigen Episoden, aber Haamann gelingt es, auch Situationen in denen er verzweifelt war, mit einem Schmunzeln zu erzählen. Wie er sich diese Gelassenheit mühsam erarbeitet hat, kann man beim Lesen Seite für Seite nachvollziehen.
Dieses Buch ist für alle interessant, die gern Biographien lesen. Aber für Freunde und Angehörige von MS-Patienten ist es geradezu Pflichtlektüre.


GEmaltes & GEreimtes: Mein jetziges Leben-auf vier Rädern aber dennoch bunt
GEmaltes & GEreimtes: Mein jetziges Leben-auf vier Rädern aber dennoch bunt
von Moni Zielke
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Künstlerisch kreative Krankheitsbewätigung, 3. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Jederman ist ein Künstler", sagte Joseph Beuys. Dieser Satz ist heftig umstritten, aber wer hat ihn schon in der Praxis auf seine Richtigkeit überprüft? Moni Zielke hatte das zweifelhafte Glück, dass sie in ihren besten Jahren aus unserer stressgeplagten Arbeitswelt herausgefallen ist und in Ruhe ihre Kreativität entdecken konnte. Das Ergebnis stellt sie in diesem schmalen Bändchen vor. Auf jeder Doppelseite findet sich je ein Bild und ein Gedicht. Es sind heiter bunte Gemälde von Landschaften, Menschen und Tieren. Danben gibt es gekonnt und liebevoll ausgeführte Zeichnungen.
Moni Zielke ist ein lebendiger Beweis für obigen Satz von Beuys.
Dabei hat sie auch noch ihre Fähigkeiten als Dichterin bewiesen. Die Gedichte sind zwar lange nicht alle so heiter wie die Bilder, aber gerade da kann man die Stärke bewundern, mit der diese Frau ihre MS-Erkrankung bewätigt. Nach eigener Aussage hat sie erst seit 2005 die Malerein für sich entdeckt, seit sie "an Haus und Rollstuhl gebunden" ist. Dennoch lacht das Frauengesicht auf dem Titel - offensichtlich ein Selbstportrait - breit und vergnügt und kneift neckisch ein Auge zu.
In den Gedichten scheint die erzwungene Einsamkeit zwar auf, wenn sie sich über die vielen Bekannten beklagt, von denen sie vergessen wurde. Aber immer wird das Positive in den Vordergrund gestellt: So auch im allerletzten Gedicht: "Zum guten Schluss - Zum guten Ende - Mein Leben nahm - Eine ganz andere wende - Ich sehe oft Dinge - Aus einer ganz anderen Sicht - so schlecht ist das nicht -. "


Trojanische Saaten: GenManipulierte Nahrung - GenManipulierter Mensch - Nachwort Christine von Weizsäcker
Trojanische Saaten: GenManipulierte Nahrung - GenManipulierter Mensch - Nachwort Christine von Weizsäcker
von Jeffrey M. Smith
  Gebundene Ausgabe

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Akribische Abrechnung mit einer Risikotechnologie, 26. Oktober 2006
Gentechnik ist eine Risikotechnologie. Hier wird schließlich am Leben herumexperimentiert. Sobald ein genveränderter Organismus in die Natur entlassen ist, lässt er sich nie mehr zurückholen, auch wenn aus Versehen eine Gift produzierend Pflanze oder dergleichen entstanden ist. Trotzdem werden in Amerika genveränderte Lebensmittel so behandelt wie ihre natürlichen Verwandten; sie dürfen nicht einmal gesondert gekennzeichnet werden. Jeffrey M. Smith, hat in akribischer Kleinarbeit die Risiken und Katastrophen, die trotz aller Vertuschung bekannt geworden sind, zusammengestellt. Herausgekommen ist ein Buch, das mehr Gänsehaut erzeugt als jeder Gruselroman.

Angefangen hat alles mit Arpad Pusztai, einem britischern Gentechniker, der seinen Beruf ernst nahm und die genveränderten Kartoffeln, die er gerade hergestellt hatte, sorgfältig testete. Bei den Fütterungsversuchen stellte sich heraus, dass diese Kartoffeln seinen Ratten nicht bekamen, obwohl das Schneeglöckchenlektin, das er einfügen wollte, selber vollkommen ungiftig ist. Er gab dazu ein kurzes Interview im Fernsehen und löste eine Lawine aus. Die erste Reaktion war, dass er suspendiert wurde und keinen Zugang mehr zu seinen Forschungsergebnissen hatte. Erst nach langem Hin und Her und mit einigem Glück gelang es ihm, seine Unterlagen anderen Forschern zugänglich zu machen, die ihn daraufhin glänzend rehabilitiert haben. Diese Affäre, die um die Jahrtausendwende durch alle Zeitungen ging, ist aber vermutlich nur deshalb gut ausgegangen, weil Pusztai schon vorher einen ausgezeichneten Ruf unter seinen Kollegen hatte. Anderen Wissenschaftler erging es noch schlechter, obwohl auch ihre Arbeiten ausgezeichnet dokumnetiert waren. Sie wurden verleumdet und verloren oft ihre Stellung.

Tiere meiden genmanipulierte Nahrungsmittel wo immer es ihnen möglich ist. In „Trojanische Saaten“ sind zwischen die Kapitel eine ganze Reihe entsprechender Beobachtungen eingestreut. Aber die lässt man vorsichtshalber mal nicht gelten. Sie sind schließlich nicht im Labor unter exakte wissenschaftlichen Bedingungen gemacht worden.

„Trojanische Saaten“ wurde geschrieben um den Amerikanischen Lesern, die oft gar nicht wisse, was sie auf dem Teller haben, die Augen zu öffnen. Aber es ist für den deutschen Markt bearbeitet. Die Übersetzerin hat einige Kapitel ergänzt und das Nachwort von Christine von Weizsäcker ist ein flammender Aufruf zum Widerstand gegen diese Technik. Zur weiteren Information gibt es im Anhang eine lange Reihe von Websites, auch deutschsprachigen und Ratschläge vom Greenpeace EinkaufsNetz. Gerade letzter kann man immer auf dem neusten Sand auf der Homepage von Greenpeace finden.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 30, 2009 6:55 PM CET


Leben ausser Kontrolle
Leben ausser Kontrolle
DVD ~ Bertram Verhaag
Preis: EUR 19,07

58 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine moderne Geschichte vom Zauberlehrling, 7. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Leben ausser Kontrolle (DVD)
Der Name „Leben außer Kontrolle" spricht Bände, schließlich streben die Gentechniker gerade das Gegenteil an. Sie wollen das Leben nicht nur kontrollieren, sondern - mit Hilfe der Patentämter - besitzen.
Schon in einem früheren Film (tote Ernte 2001) hatte Bertram Verhaag vom Schicksal des Kanadiers Percy Schmeisser erzählt. Dessen Schicksal greift der neue Film wieder auf. Schmeisser züchtet schon seit Jahrzehnten seine eigene Rapssorte, die er immer wieder nachbaut. Vor einigen Jahren musste er nun feststellen, dass seine Ernte als Saatgut unbrauchbar war. So stark war sie von dem Roundup Ready Raps eines Nachbarn verseucht. Eigentlich hätte Schmeisser Schadenersatz zustehen müssen - denkt man als naiver Europäer. Aber das Gegenteil war der Fall. Schmeisser wurde verurteilt, weil er keine Patentgebühren gezahlt hat. Ein Bauer sei für das verantwortlich, was auf seinen Feldern wächst. In einer langen Einstellung zeigte der Film, wie der Wind dort ganze Rapsstauden über weite Strecken vor sich hertreibt. Auch Biobauern sind dieser Invasion ausgeliefert, obwohl sie regelmäßig die fremden Pflanzen einsammeln.
Noch schlechter erging es indischen Bauern. Sie glaubten den Webefilmen für genmanipulierte BT-Baumwolle. Aber statt der versprochenen Baumwollberge gab es eine jämmerlichen Missernte und die Bauern sind ruiniert. Tausende haben schon Selbstmord begangen, andere versuchten sich durch den Verkauf einer Niere zu retten oder sie mussten ihr Land, ihre Lebensgrundlage, verkaufen und als Bettler in die Slums der Städte ziehen. Nicht nur deshalb gibt es in Indien eine stetig wachsende Bewegung gegen die Saatgutfirmen, allen voran Monsanto. Die Bauern sehen nicht ein, warum sie ihr eigenes Saatgut nicht mehr nachbauen dürfen. Entsprechend erbost sind sie über das Terminator-Gen, das Pflanzen unfruchtbar macht. Wenn diese Ernten wieder ausgesät werden, gehen sie nicht auf. Damit wird den Bauern auch ein illegaler Nachbau unmöglich gemacht.
So zynisch es klingt, aber man könnte dieses Gen fast begrüßen, wenn man bedenkt, was genmanipulierte Organismen alles anrichten können. Verhaag zeigt das an Fischen, die unter keinen Umständen aus ihren Käfigen entkommen dürfen. Wenn das doch passiert und sie sich mit ihren natürlichen Artgenossen - wenn man die denn so bezeichnen darf - kreuzen, dann wird in wenigen Generationen die ganze Art aussterben. Den manipulierten Tieren fehlt's, wie nicht anders zu erwarten, an Robustheit. Aber sie stechen durch ihre Größe natürlich Rivalen bei der Partnerwahl aus.
Verhaag zeigt Forscher, die solchen Fragen mit viel Aufwand nachgehen. Der Aufwand ist nötig um wirklich hieb- und stichfeste Beweise vorlegen zu können, die den mit viel Geld gestützten Argumenten der Industrie standhalten können.
Der Schluss des Filmes ist offen, zwangsläufig. Er wird vom Leben geschrieben.


Briefe an den Reichtum
Briefe an den Reichtum
von Carl Amery
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wieder ein Tabuthema angegangen, 9. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Briefe an den Reichtum (Gebundene Ausgabe)
Armut kennt man auch in unserem immer noch reichen Land. Aber was ist Reichtum? Das Hundert- Tausend- oder Hunderttausendfache? Oder gar noch mehr? Reichtum entzieht sich. Es gilt geradezu als unanständig, sich damit zu befassen - über Geld spricht man nicht. Als Herausgeber der „Briefe an den Reichtum" hat Carl Amery dieses Tabu gebrochen. Im Vorwort schreibt er:
„Die Absicht dieses Buches ist schlicht Aufklärung. Aufklärung über Tatstände des Reichtums, die für das Weiterleben der Menschheit so krisenhaft wichtig sind wie nie zuvor. Dabei ist allen, auch den Autoren und Autorinnen der folgenden Texte hinlänglich klar, dass solche Aufklärung nur in sehr begrenztem Maße möglich ist. Zwar ist es dem Reichtum gelungen, sich und seine Wachstumsmethoden seit der Implosion des Sowjetsystems für schlechthin naturwüchsig zu erklären; dennoch haftet ihm, ob er dies bewusst will oder nicht, der zwanghafte Drang zur Verschleierung an."
Wer diesen Schleier lüften will, riskiert den Vorwurf des Sozialneids. Obwohl keiner der Autoren in „Briefe an den Reichtum" diesen Eindruck vermittelt, geht der Herausgeber im Vorwort darauf ein. Er schreibt:
„Bei einem solchen System ist es nicht nur möglich, dass sich die Schere zwischen Armut und Reichtum immer weiter öffnet - es ist unvermeidlich." Und weiter: „Dies und die laufende Plünderung des Planeten kritiklos hinzunehmen und Leuten, welche solche Entwicklungen verbrecherisch nennen, Sozialneid vorzuwerfen, zeugt von einer kollektiven Begriffsstutzigkeit, die wir uns nicht leisten können."
Mit welchen Themen wenden sich die 13 Autoren an den Reichtum, bzw. an die Reichen? Zu Beginn hat Andreas Eschbach Max Mustermann bei einem Beratungsgespräch in der Bank belauscht. Nun erklärt er ihm, wie das funktioniert, wenn Geld arbeitet und sich vermehrt. Auf diese Weise gerät der Grundkurs über Zins und Zinseszins zu einer vergnüglichen Lektüre. Dieser heitere Ton zieht sich durch fast alle Beiträge.
Da erzählt der Journalist Harald Schumann den Vodaphone Skandal nach und endet nicht etwa mit einer empörten Moral, sondern mit der - offensichtlich - nicht ernst gemeinten Aufforderung an Mr. Gent:
„Könnten Sie sich da nicht mal wieder was Neues einfallen lassen? Sie sind doch jetzt in der Pharmabranche. Da könnte man bestimmt einen tollen Skandal drehen, was meinen Sie? Vielleicht können wir das mal in irgendeiner Flughafen-Lounge vertraulich besprechen."
Auch so kann man ausdrücken, dass die Affäre um die Mannesmannübernahme vielen die Augen geöffnet hat. Auf die gleiche zweifelhafte Weise lobt Harald Grill Silvio Berlusconi für seine geschickten bis dreisten Bereicherungscoups. Trotzdem ist der ernste, ja bedrohliche Hintergrund nicht zu übersehen. Einer der Autoren schreibt sogar unter Pseudonym, weil er sonst um seinen Arbeitsplatz fürchten muss, wie er einleuchtend darlegt.
Die letzten drei Briefe an dem Reichtum sind dem Thema Therapien gewidmet. Natürlich sind dort keine Patentlösungen vorgeschlagen, aber Anstöße zum Weiterdenken und Weiterhandeln. Der letzte Brief an den Bundespräsidenten, den Carl Amery statt eines Nachworts geschrieben hat, hat schon Wirkung gezeigt. Im November hat Horst Köhler Amery zu Hause besucht.


Small is Beautiful. Die Rückkehr zum menschlichen Maß
Small is Beautiful. Die Rückkehr zum menschlichen Maß
von Ernst Friedrich Schumacher
  Gebundene Ausgabe

42 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre nicht nur für Wirtschaftswissenschaftler, 11. Dezember 2004
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ernst Friedrich Schumacher galt viel in seiner Wahlheimat England, aber in seinem Herkunftsland Deutschland war er schon zu Lebzeiten so gut wie unbekannt. Das ist so geblieben, und entsprechend gab und gibt es fast nur englischsprachige Bücher von ihm. Auf deutsch kann man nur noch sein Hauptwerk „Small is Beautiful" kaufen.
Dabei sind die Ideen Schumachers immer noch frisch wie vor einer Generation. Immer noch sind Wachstum, Größe und Geschwindigkeit Ziele, die Schumacher als gewalttätig zurückwies. Er stellte dieser Ideologie eine buddhistische Wirtschaftslehre entgegen und mit der gleichen Selbstverständlichkeit zitierte er die Bibel. Er wollte nicht missionieren, er zeigte nur den Unterschied. Den Religionen geht es -wie Schumacher - nicht um Wirtschaftlichkeit um jeden Preis, sondern darum, dass die Menschen genug zum Leben haben.
Ihm kam es durchaus und zuerst auf den Menschen an! Unbefriedigende Arbeiten sollten nicht sein. Damit war nicht nur das Fließband gemeint. Auch anspruchsvolle geistige Arbeiten können höchst unbefriedigend sein, wenn der Bezug zum Ganzen fehlt. Je größer die Produktionseinheit wird, desto leichter verliert der einzelne den Überblick und fühlt sich nur noch als austauschbares Rädchen im Getriebe. Dieses natürliche Bedürfnis des Menschen nach Kreativität ist einer der wesentlichen Gründe dafür, dass die Produktionseinheiten klein und überschaubar bleiben sollen.
Schon damals hat Schumacher die weltweite Arbeitslosigkeit als Grundübel erkannt. Gerade in den ärmeren Ländern, in der sogenannten Dritten Welt, gibt es Hunderte von Millionen arbeits- und bildungsfähige Menschen, die nichts Sinnvolles tun dürfen. Dabei gäbe es Bedarf an allem. Es ist ein Teufelskreis. Die Menschen verdienen nichts, so dass sie auch nichts kaufen können und es wird nichts produziert, weil keine Kunden da sind. Um diesen Teufelskreis aufzubrechen müssen zuerst Arbeitplätze her. „Das geht nicht," schreien da die Wirtschaftler, „das ist viel zu teuer." Richtig, solange es die modernsten und teuersten Technologien sein müssen. Dann kostet ein Arbeitsplatz ein Vielfaches von dem, was ein geschickter Arbeiter in einem Jahr verdienen kann. Aber wenn einfachere Techniken verwendet werden, dann ist der einzelne Arbeitsplatz vielleicht nicht so produktiv wie in den Industrieländern, aber dafür viel billiger und es können viel mehr Menschen eingestellt werden. Dazu sagte Schumacher in einem Vortrag: „Wie Gandhi sagt, kann den Armen der Welt nicht durch Massenproduktion, sondern durch Produktion der Massen geholfen werden." Massenproduktion setzt voraus, dass man bereits reich ist und die großen Fabriken finanzieren kann.
„Die Lösung für dieses Problem kam ihm in Indien. Er schildert das so: Dieses Land braucht eine Technologie, die „sehr viel besser sein müsste als die primitive Technologie - die Werkzeuge - , die gegenwärtig von den ganz Armen verwendet wird, aber auch sehr viel einfacher, billiger und leichter zu unterhalten als die teure und komplizierte Technologie des Westens. Mit anderem Worten, sie müsste eine intermediäre Technologie sein, ein Mittelding zwischen den beiden Extremen." Diese Form der Technik hat er „Mittlere Technologie" oder auch „angepasste Technologie" genannt.
Das ist ein Schlüsselwort in Schumachers Werk. Damals bemängelte er, dass es gerade diese mittlere Technologie nicht gibt. Man könne nur einfachste Werkzeuge erhalten oder ganz ausgefeilte Maschinen, die dann gleich unerschwinglich teuer sind. Auch die einfache Bedienung ist ein wichtiger Bestandteil der mittleren Technologie. Heute, nach mehr als 30 Jahren hat sich die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter geöffnet. Nicht nur deshalb gehört das Buch auf den Schreibtisch eines jeden an Wirtschaft interessierten Menschen!
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 23, 2014 7:39 PM MEST


Alarmstufe Rot: Amerikas Wildwest-Kapitalismus bedroht die Welt -
Alarmstufe Rot: Amerikas Wildwest-Kapitalismus bedroht die Welt -
von Theodore Roszak
  Taschenbuch

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Hilferuf, 28. September 2004
Theodore Roszak, schickt einen geradezu panischen Hilferuf nach Europa: „Wenn andere Nationen die Vereinigten Staaten nicht in ihre Grenzen weisen, dann ist dieses Land auf dem besten Weg, selbst ein Schurkenstaat zu werden, wobei manche Beobachter der Auffassung sind, dass dieser Schritt längst vollzogen ist."
Wie kommt er zu diesem drastischen Urteil? Drei Strömungen sind es, die Roszak Sorgen machen: die geldgierigen Superreichen, er nennt sie Corporados, die stark militarisierten Ideologen vom rechten Rand, die nennt er Triumphalisten und dazu die religiösen Fundamentalisten. Man sollte meinen, dass diese drei Gruppen nicht viel gemeinsam haben, aber für den Rechtsruck reicht's. Dass sich die Geldmenschen für imperialistische Pläne gewinnen lassen, versteht sich. Ein Eroberungszug im nahen Osten zum Beispiel bringt schließlich fette Beute und eine noch fettere Beute bringt die stete Aufrüstung. Das ist eine wunderbare Methode um den gesellschaftlichen Reichtum von unten nach oben zu verteilen, ohne dass die Betroffenen laut aufschreien. All' die sozialen Kürzungen zu Gunsten der Hochrüstung geschehen ja nur zum Besten des Amerikanischen Volkes, das ja so bedroht ist, wenn schon nicht mehr vom Ostblock, dann wenigstens vom internationalen Terrorismus.
Aber welches Interesse haben die christlich fundamentalistischen Sekten an diesem Spiel? Sie sollten die sozialdarwinistischen Corporados und die Triumphalisten doch eher bekämpfen, statt dass sie mit ihnen gemeinsame Sache machen! Nun, die amerikanischen Evangelikalen haben andere Vorstellungen von der Welt als Europäische Christen. Sie glauben nicht nur wortwörtlich alles, was in der Bibel steht, sondern sie haben auch eine ganz klare Vorstellung vom Ende der Welt. Damit es zu Armageddon, dem Endkampf mit dem Teufel kommt, muss Israel wieder über ganz Palästina herrschen. Dort, wo heute der islamische Felsendom steht, wird der dritte Tempel der Juden errichtet und dann ist es endlich soweit. Da muss man natürlich dem -bei den Evangelikalen gar nicht lieben Gott ein bisschen unter die Arme greifen und die Expansion Israels unterstützen. Und weil diese christlichen Zionisten in Amerika inzwischen eine bedeutende Wählermacht kommandieren, traut sich keine Regierung gegen sie aufzumucken.
Roszak denkt, dass alles noch viel schlimmer wird: „Die Präsidentschaft von George W Bush sollte als frühes Warnsignal betrachtet werden. Machtvolle Kräfte gären in den Tiefen der Amerikanischen Konzern-Gesellschaft und unter den strategisch gut platzierten Meinungsmachern, die mehr und mehr die Medien beherrschen. Der Irakkrieg gab uns davon einen erschreckenden Vorgeschmack." Die übrige Welt soll helfen. Er hofft auf einen Dialog mit den europäischen Intellektuellen „Ich hoffe, dass dieses Buch den Menschen außerhalb der USA jenes Wissen um die Triebkräfte der amerikanischen Politik vermittelt, das sie brauchen werden, um diesen Dialog in Gang zu setzen." Und wenn das nichts hilft, soll die Weltgemeinschaft die Finanzzügel anziehen. Das ist gut möglich, denn inzwischen werden die Amerikanischen Feldzüge schon durch Auslandsschulden bezahlt.


Wolfgang Pauli und der Geist der Materie
Wolfgang Pauli und der Geist der Materie
von Thomas Arzt
  Taschenbuch

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die unbekannte Seite eines großen Physikers, 22. September 2004
Vielleicht kann man den Titel „Geist der Materie" als billige Esoterik missverstehen, aber dagegen spricht schon der Name Wolfgang Pauli. Pauli war ein physikalisches Wunderkind, mit 21 promoviert, mit 24 habilitiert und mit 27 Professor für theoretische Physik an der ETH-Zürich. Zur Theorie der Quantenphysik hat er Wichtiges beigetragen. Unter seinen Kollegen genoss er höchste Anerkennung, war aber auch gefürchtet. Falsche Formeln oder Hypothesen fanden vor seinen Augen keine Gnade. Das trug ihm Spitznamen wie „das Gewissen der Physik" oder „der fürchterliche Pauli" ein. Diese unbestechliche, obere Instanz der exakten Naturwissenschaften hatte aber noch ganz andere Interessen. Seit er in den 30 Jahren - Pauli ist im Jahr 1900 geboren - eine Psychoanalyse bei C. G. Jung gemacht hatte, ließ ihn die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten nicht mehr los. Besonders das Phänomen der Synchronizität interessierte ihn. Er selber war dafür ein wandelndes Beispiel. Immer wenn er ein Labor betrat ging irgendwas kaputt. Oft genug explodierten die Apparaturen. Obwohl alle Physiker sich über den „Pauli-Effekt" amüsierten, nahm keiner ihn ernst, außer Pauli selber. Allerdings hat auch er nichts darüber publiziert. Nur in einem ausführlichen Briefwechsel mit C.G. Jung und einigen seiner Schülerinnen hat er sich dazu geäußert. Diese Korrespondenz ist auch jetzt, fast 50 Jahre nach Paulis Tod, noch immer nicht vollständig öffentlich zugänglich. Van Erkelens, offensichtlich selber Analytiker, hatte aber diesen Zugang und er hat Paulis Träume nicht nur publiziert sondern auch gedeutet. So wird der tiefe innere Konflikt klar, an dem der berühmte Physiker litt. Seine Träume drängten ihn, mit seinen psychologischen Theorien an die Öffentlichkeit zu gehen, aber im Wachzustand war ihm klar, dass seine Kollegen das alles höhnisch verwerfen würden. Daran ist er wohl auch letztlich zerbrochen. Er starb schon im Alter von 58 Jahren.
Der Autor nennt „Wolfgang Pauli und der Geist der Materie" eine Biographie, aber es ist wohl eher ein psychoanalytisches Fachbuch, gleichzeitig liest es sich leicht und ist spannend wie ein Roman.


Zukunft sozial: Wegweiser zu mehr Gerechtigkeit
Zukunft sozial: Wegweiser zu mehr Gerechtigkeit
von Stephan Hebel
  Taschenbuch

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es gibt Alternativen, 14. September 2004
„Wer Alternativen sucht, wird sie finden: In diesem Buch zweier Zeitungen", steht auf der Rückseite von „Zukunft sozial: Wegweiser zu mehr Gerechtigkeit". Diese Behauptung ist lange nicht so kühn, wie es auf den ersten Blick scheint. Den Herausgebern geht es schließlich nicht um die eine, die richtige, die ultimative Lösung, sondern um eine ganze Reihe von möglichen Alternativen zur neoliberalen Marktwirtschaft.
Allein die Steuerprojekte sind vielfältig. Gemeinsam haben sie alle eins, sie wollen überschaubarer und gerechter sein als das bisherige System. Und natürlich auch die Reichen in die Pflicht nehmen. Dabei fordert niemand die supereinfache Steuererklärung. „Bierdeckel sind für Biergläser da", stellt Heide Simonis trocken fest. Richtig! Und ihre Vorschläge würden allemal zu mehr Gerechtigkeit führen. Zumindest als Diskussionsgrundlage würden sie den „Bierdeckelforderungen" der Liberalen etwas entgegensetzen. „Warum kümmert das die Bundesregierung so gar nicht", fragt sich die unbefangene Leserin. Auch Heiner Geisler von der Union gelingt es, die Leser zu verblüffen. Er erklärt, dass Jesus heute mit Attac sympathisieren würde - wahrscheinlich hat er recht, aber warum verweigert er Jesus die fromme Nachfolge?
Steuern sind zwar die Grundlagen von Politik - ohne Geld ist jede Regierung handlungsunfähig - aber sie sind lange nicht das einzige Instrument. „Zwischen Nichtstun und Sozialabbau ist viel Platz für Alternativen", auch das ist ein Zitat vom Klappentext. Was man alles tun kann, wenn wieder Geld da ist, beschreiben eine ganze Reihe von Autoren. Außerhalb der Marktwirtschaft, in Erziehung, Pflege, Kultur zum Beispiel, gibt es so viel zu tun, was sich jetzt keiner leisten kann. Warum sollen solche Arbeiten nicht über eine Grundsicherung finanziert werden?
Utopisch ist das alles nicht. Ein Blick über die Grenzen genügt und man kann die meisten Vorschläge verwirklicht sehen. In Skandinavien ist die Arbeitslosigkeit niedrig und Dänemark hat sogar einen Etatüberschuss. Österreich bietet eine gerechte und bezahlbare Krankenversicherung und die Schweiz eine ebensolche Altersvorsorge. Sogar von Amerika könnten wir etwas lernen. Dort wurde ausgerechnet in der Reagan-Ära eine Mindeststeuer eingeführt. Das hat dazu geführt, dass im Jahr 2000 DaimlerChrysler in Deutschland 100 Millionen Euro an Steuern zurückerhalten hat, während die Firma in den USA trotz niedrigerer Gewinne rund 600 Millionen Euro zahlen musste.
„Wer Alternativen sucht, wird sie finden: In diesem Buch zweier Zeitungen, die das Ziel der Gerechtigkeit nicht dem entfesselten Markt opfern wollen". Dieses Versprechen ist tatsächlich nicht zu vollmundig. Der eine oder andere Artikel mag langweilig oder gar zu fachchinesisch geschrieben sein. Aber diese Statements kann man ohne inhaltlichen Verlust überblättern. Es ist nur ein verschwinden geringer Anteil. Ansonsten bietet dieses Buch viele Alternativen, die es angeblich nicht gibt und viel Argumentationshilfe.


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