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Rezensionen verfasst von
Sophia M. "Sophia M." (München)

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Istanbul - Stadt unter Strom: Gesichter der neuen Türkei
Istanbul - Stadt unter Strom: Gesichter der neuen Türkei
von Sibylle Thelen
  Broschiert

27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Elektrisierend, 16. Februar 2008
Zu einem Zeitpunkt, da in den Medien bevorzugt das rückwärts gewandte Gesicht der Türkei gezeigt wird, Nationalismus, Islamismus, Ende des säkularen Staates, Kopftuch-Frauen, braucht es Mut, die Türkei anders zu präsentieren, das Land im Umbruch zu beschreiben. Sibylle Thelen gelingt es, Istanbul als Brennpunkt einer dynamischen Entwicklung zu sehen, die vor allem von den Kulturschaffenden getragen wird. Sie kennt sich aus, sie weiß, wovon sie schreibt, und ihre Berichte von Schriftstellern, Popsängern, Filmstars und Malern haben etwas mitreißend Authentisches. Diese Künstler stehen nicht nur unter Strom", sie elektrisieren die Gesellschaft und öffnen neue Perspektiven. Dabei -und das zeichnet das Buch aus- geht es der Autorin nicht darum, das Neue einfach als den Anschluss an den Westen zu definieren. Im Gegenteil: indem sich die Künstler mit der Vergangenheit beschäftigen, auf Kurdisch singen, das Tabuthema des Genozids an den Armeniern thematisieren, traditionelle Musik wiederbeleben, die osmanischen Wurzeln ausgraben, lassen sie sich auf die Spannung ein, das Heute aus dem Gestern produktiv zu machen. Orhan Pamuk ist das beste Beispiel dafür.
Sibylle Thelens Buch ist außergewöhnlich, weil sie gegen den Mainstream des westlichen Türkeibilds neue Bilder entwirft; komplexe, spannende, überzeugende. Das Buch ist sehr gut geschrieben, da versteht eine Journalistin ihr Handwerk. Empfehlenswert für alle politisch (und nicht nur an der Türkei) Interessierten.


Die Geschichte der Israelis und Palästinenser
Die Geschichte der Israelis und Palästinenser
von Noah Flug
  Gebundene Ausgabe

42 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ungemein informativ, 24. September 2007
Das Interesse am Nahost-Konflikt lässt nach. Zu schwierig, zu undurchschaubar, ohne Perspektive auf eine Lösung oder gar einen Frieden.Dabei entscheidet sich in Israel und Palästina vielleicht die Zukunft der Region - und auch Europas. So ist es besonders verdienstvoll, dass sich zwei Autoren daran gemacht haben, wenigstens den Defiziten an Wissen aufzuhelfen. Es ist ihnen gelungen, eine konzise Darstellung der Geschichte Israels und Palästinas, vor allem im 20. Jahrhundert und dem Anfang des 21. Jahrhundert zu schreiben, eine Darstellung, die den Konflikt zu erklären sucht und sich dabei um
einen Blick auf beide Seiten und ihrer jeweiligen Narrative müht.Die Rechnung, besser, das schriftstellerische Kalkül, hinter den sogenannten Fakten die Lebens- und Leidenswirklichkeit der Betroffenen anschaulich zu machen, ist voll aufgegangen. So liest sich das Buch nicht nur als ein Geschichtsbuch und Nachschlagewerk, sondern auch als ein Geschichtenbuch, in dem kurz und eindringlich Biographien aufgerissen werden. Israelische Familien, die ein Kind bei einem Selbstmordattentat verloren haben. Palästinenser, denen Ölberge enteignet werden, weil das Land zum Bau der "Barriere" gebraucht wird. Dicke Anführungsstriche signalisieren: hier passiert etwas mit Menschen. Und hier kommen Menschen zu Wort, für die das, was sich hinter Schlagzeilen verbirgt, erlebte Geschichte ist.
Das Buch wird als Jugendbuch annonciert, vermutlich weil das Buch so übersichtlich ist und so klar in der Beschreibung, Erklärung und Argumentation, dass auch Menschen, die nicht vertraut sind mit dem Konflikt nach dem Lesen einen enormen Zuwachs an Wissen haben. Ich finde das Buch aber auch ungemein informativ für Erwachsene, die nach einem möglichst unparteiischen Blick auf den Konflikt suchen.
Besonders gut fände ich es, wenn das Buch in die Lehrer- und Schülerbüchereien der Schulen Einzug halten würde. So weit ich es sehe, ist der Nahostkonflikt inzwischen in den Curricula der Gymnasien
aller Bundesländer fest verankert. Das Interesse ist immer da, fundiertes Wissen trifft man jedoch seltener an.
Diesem Mißstand könnte das Buch in idealer Weise abhelfen.
Hilfreich und auf dem allerneusten Stand ist auch der nützliche Apparat: Historischer Abriss, Karten, Buch- und Homepage-Hinweise.
Summe: rundum empfehlenswert.


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