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Rezensionen verfasst von
Christof Sperl "chrisnoi" (Quassel)

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Wie das Denken im Kopf entsteht
Wie das Denken im Kopf entsteht
von Steven Pinker
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mathematik des Denkens, 13. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Wie das Denken im Kopf entsteht (Taschenbuch)
Pinker beschreibt den hochkomplexe Mechanismenkomplex des Denkens frei von jeder religiös-esoterischen Seelenmetaphorik als Software die auf neuronalen Netzen läuft, als Produkt evolutionärer Auslese aus Millionen Jahren Kognitionsentwicklung. Er tut dies ohne dabei das Unerklärliche aus den Augen zu verlieren, wobei er auch die Gründe für dieses Problem nennt: Offensichtlich ist unser Hirn nicht in der Lage, Bewußtsein und Seelenleben mit seinen Mitteln selbst zu erklären. Pinker kommt glücklicherweise nicht ohne zahlreiche und amüsante Seitenhiebe auf Darwinkritik, Religiöses, und das irrationale Denken der verrückten Waffennation USA aus, einem Land in dem es "mehr Schußwaffen als Einwohner gibt". Wie jeder aus eigener Anschauung weiß, kann es äußerst frustrierend und ermüdend sein, mit irrationalen Erklärungsansätzen umzugehen. Pinker liefert für das Religiöse und auch eigentlich nutzlose Aktivitäten wie Kunst und Musik nachvollziehbare evolutionäre Erklärungen. Das Buch ist spannend und glasklar. Die Literaturangaben sind höchst umfangreich und man erblaßt vor Neid auf eine derartige Intelligenzbestie, die sich mühelos mit einem Dutzend Disziplinen auskennt.


Portrait of an Addict as a Young Man: A Memoir
Portrait of an Addict as a Young Man: A Memoir
von Bill Clegg
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,20

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen couldn't stop reading, 13. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
The text will make you behave just as victims of its subject crack would do: Once you start reading, you can't stop. I couldn't put the book away for a day and half a night or so.
It is made clear that Bill Clegg's profund childhood humiliation by his father might have led to his self destructive behaviour as a crack addict who easily spends an 800$ amount on a one night smoking binge, unable to leave the hotel room as there are still some rocks left, and unable to stay because he is in need of more and more crack - and must go to the next ATM in order to withdraw some money for Happy, his dealer. Being a brilliant literary agent and a promising young man in is early thirties, Bill behaves like a puppet on a string, driven by his addiction.
The language is excellent and full of suspense, the syntax is a surprisingly innovative pleasure. It is a great enjoyment to read this book.


Lulu
Lulu
Wird angeboten von ZUMM
Preis: EUR 5,38

8 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Säge vor Amboß, 13. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Lulu (Audio CD)
Lou Reed (in Frankreich nennen sie ihn übrigens liebevoll auch Loulou) gibt seit jeher den Dozenten und Poetry Slammer, der vor einer hart rumpelnden Band seine Erkenntnisse in den Raum stellt. Und immer entstand gerade bei Reed diese besonders intime und literarische Atmosphäre, welche CD-Erlebnisse zu kompletten Hörspielreisen macht. Diesmal nun hält der intellektuelle coole New Yorker seine Vorlesungen im Metallica-Hörsaal - also im Audimax einer lange von manchen (auch von mir) unterschätzten Hardrock-Band, die Reeds altersreifer, aber immer noch sägend metallischer Stimme den perfekten brettharten Hintergrund liefert. Durch häufige Tempo- und Themenwechsel entsteht ein synfonisch wirkendes Hörerlebnis. Instrumentierung und Reeds Präsenz erinnern an den Song "Kill your Sons" auf Different Times (1970) oder auf der exzellent remasterten CD "New York Man". Metallica kommen mit ihrer Schnelligkeit und Kraft ihrem alten coolen Album Kill 'em All sehr nahe. Auf zwei CDs ausgebreitet wird der Sound allerdings ein wenig langwierig und in der FR war zu lesen, dass der Kritiker nicht wisse, ob er lachen oder weinen soll. Bei Bekennten kam die CD sehr schlecht an und polarisiert stark.

Dennoch: Hier hat der Prediger seine Kirche gefunden. Reed hält die CD für eine seiner besten Arbeiten. Eine Pinselstrich mehr auf Reeds facettenreichem Lebensbild. Und man hat endlich mal wieder einen Grund, den Verstärker auf Vollast pumpen zu lassen. Klasse CD.


Der Fall Collini: Roman
Der Fall Collini: Roman
von Ferdinand von Schirach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Übel der Vertuschung, 23. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach Gründung der Bundesrepublik wollte man vom dem braunen Sumpf der Vergangenheit nichts mehr hören, niemand hatte etwas gewußt, trotzdem besuchte man Massenmörder ganz offiziell und ohne falsche Verschämtheit im Gefängnis, rehabilitierte alte N-Haudegen auf Teufel komm' raus, schuf Posten und Pöstchen, band die Altnazis Klarsfeldsche Aktivitäten fördernd und zugleich lähmend ins neue System ein. Schließlich war man der unsinnigen Auffassung, nur so die neue "Demokratie" stabilisieren zu können.

Klammheimlich wurde von den eingebundenen zähen Alt-U-Booten ein Gesetz durch den Bundestag geschmuggelt, das unverschämt ungerechte und höhnische Konsequenzen für die Naziopfer haben würde: Taten verjährten, auch Mordtaten, wo vorher pro Leben noch sardonische fünf Minuten Haftstrafe verhängt wurden, lief man von jetzt an wieder ganz frech frei durch die Stadt. Vielleicht lebte auch manches Opfer in einem Bundesland, das damals noch irgendeinen zynischen Altnazi ("was damals R war, kann heute nicht U sein") zum Ministerpräsidenten hatte.

Hochspannend hat von Schirach vor dem Hintergrund dieser üblen Gemengelage aus dem Rachemord eines Italieners einen Thriller gestrickt, dessen Spannungsfaden bis zum Ende nicht abreißt. Unmöglich, das Buch wegzulegen: Collini, ein unbescholtener Gastarbeiter, in dessen Familie ein Junge wegen eines Partisanenanschlags im Zusammenhang mit einem Racheakt erschossen, dessen Schwester auch noch vergewaltigt wurde, beschließt Jahrzehnte später die Tat zu vergelten.

Collini ist nicht ganz so dunkel und an der reinen Perversion orientiert wie "Verbrechen" - Schirachs Meisterwerk es an mancher Stelle ist. Collini fesselt durch die Identifikation des Lesers mit den Opfern. Und dessen Einbindung in die Befriedigung am Racheakt. Schirachs Sprache ist einfach und bestechend effizient.


Verbrechen: Stories
Verbrechen: Stories
von Ferdinand von Schirach
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meckie-Messer-Geschichten, 21. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Verbrechen: Stories (Taschenbuch)
Für den Anwalt von Schirach ist das Eis, auf dem wir uns bewegen nur recht dünn. Der Unterschied zwischen dem legalen "uns" und dem "Verbrecher" ist nur sehr klein. Jeder kann durch Umstände und Verstrickungen zum Täter werden.

In bestechend einfacher und prägnanter Sprache zeichnet Schirach in einer handvoll Kurzgeschichten kriminelle Werdegänge, deren Protagonisten so vielfältig gestrickt sind wie das Leben. Da gibt es das heimlich studierende und freiwillig in Ghetto-Klamotten gekleidete arabische Großfamilien-Mathematikgenie mit Goldkettchen, das seine kriminellen Brüder durch intelligende Finten vor Gericht heraushaut. Es wird berichtet über den von seiner herrischen Gattin ein Leben lang gequälten Arzt, der eines Tages zur Axt greift und die Dame fachgerecht zerlegt. Es geht um dumme und dümmste Einbrecher und die gerissenen Herrscher der Unterwelt, die sich Mädchen durch Heroin gefügig machen, für alle argumentativen Fälle stets ein Brett in Büro liegen haben, um Leute, die erst verprügeln und dann zum Tee laden, um bei sußem Gebäck zu besprechen, wer welchen Anteil an der Beute kriegt.

Für den Laien sind auch all die eingestreuten Lebensweisheiten der Juristerei ein Genuß, so zum Besipiel die, daß es manchmal besser ist, wenn ein Anwalt nicht die ganze Wahrheit kennt. Und nur solche Fragen stellen sollte, deren Antwort er auch kennt. Denn sonst begibt er sich auf das eingangs erwähnte Glatteis.


Die facebook-Falle: Wie das soziale Netzwerk unser Leben verkauft
Die facebook-Falle: Wie das soziale Netzwerk unser Leben verkauft
von Sascha Adamek
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nichts für Unbekümmerte, 1. Oktober 2011
Ich habe das Buch als Geschenk erhalten und konnte es, kaum geöffnet, nicht mehr weglegen. Ein flott, kompetent und spannend geschriebener Band über facebook: Ein Programm, das mehr profilgebende Daten über uns aus dem Internet saugt, als es gut für uns wäre. Ich hatte mich zuvor mit dem Durchschnittswissen eines Users auf Facebook bewegt und auch nicht so viel von mir selbst offenbart. Doch wer hätte gedacht, daß auch Geheimdienste wie das CIA über Investorenfirmen ständig Daten abgrasen, auch Rezensionen wie diese, daß alles was Sie geschrieben haben vielleicht irgendwann auch einmal gegen Sie verwendet werden kann? Und dies dann vielleicht von finanzstarken und interessierten Organisationen wie der verrückten Kirche mit dem großen S? Nun, dies ist (noch) Zukunftsmusik, doch das Buch beschreibt beängstigend deutlich, wie Facebook Daten speichert, mit ihnen umgeht, mit welchen verwaschenen aber vertraulich klingenden Formulierungen es operiert ("unter Umständen kann facebook DEINE Daten auch verwenden, um...").
Sicher steht es jedem Geheimdienst zu, bedrohliche Aktivitäten wie extremistische Planungen an- und abzugreifen, es stellt sich jedoch die Frage, ob moderne Top-Terroristen twittern oder sich auf Facebook bewegen. Wohl eher nicht. Und deshalb sei die zweite, wenn auch nicht letzte Frage gestellt: Warum stellt eine Plattform unendlich viel Speicherplatz kostenlos zur Verfügung? Was will sie neben Werbeinteressen noch damit bezwecken? Welche Kampagnen werden gefahren? Im Buch wird zum Beispiel die Anti-Obama-Kampagne beschrieben, im Alltagsleben erkennt der User Guttenberg-Kampagnen, Raser-Foren mit Blitzerwarnungen usw. Reiche Tea-Party-Investoren steigen bei Pay-Pal und facebook ein, warum und wozu? Als Multiplikatoren könnten sie Bewegungen auslösen. Doch hier setzt auch der Optimismus an: kein Unternehmen wird es sich mehr erlauben können, Verbraucherbeschwerden per facebook abzubügeln. Und da entsteht für den kleinen Mann eine operativer Machtzuwachs.


Die 500 besten Alben aller Zeiten (Porträts)
Die 500 besten Alben aller Zeiten (Porträts)
von Joe Levy
  Gebundene Ausgabe

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schöner Schmöker, 20. August 2011
Wer nur im eigenen Geschmackssaft schmort, lernt kaum Neues kennen. Daher ist die grandios subjektive Auswahl des Rolling Stone eine Bereicherung für jeden Musikliebhaber, obwohl so mancher unbewußt vielleicht mehr von RS beeinflußt ist, als er zugeben mag. Ich hatte mich bisher zum Beispiel an Bruckmaiers bösem Soundcheck-Taschenbuch orientiert und war damit sehr gut bedient. Das opulente RS-Werk glänzt dagegen durch schöne Coverabbildungen auf schwerem Papier und amüsante, bisweilen sarkastische Texte. Sarkasmus ist in diesem Zusammenhang sehr gut geeignet, um den Musikzirkus auch einmal ein wenig auf die Pop-Schippe zu nehmen und ihm den Spiegel der ihm eigenen bornierten Arroganz vorzuhalten, die er allerdings von uns allen angefüttert bekommt. Manchmal fällt es eben schwer, einen Bono so ganz ernst zu nehmen.

Der quadratische Band im fast-LP-Format ist ein wunderbar informativer Alben-Schmöker mit Ausflügen zu den großen Unbekannten hinter den Mischpulten, zu den wichtigsten Studios, Komponisten und Sessionmusikern werden auch die entsprechenden Platten gelistet. Glücklicherweise sind auch Miles und andere wichtige Jazzer vertreten.

Leider leistet sich die Übersetzerin einige denglische Anwandlungen, so ist auf Seite 107 zu lesen: Ich ging zu DIESER Party und dort spielten sie DIESE Musik - eine solch unangebrachte Übertragung von this und that klingt im Deutschen nicht gut an und nervt immer wieder, auch im guten alten SPIEGEL.

Im Register werden einige Falschangaben zu Seiten und Titeln gemacht.
Trotzdem: Tolles Buch, immer wieder liest man gern darin herum und träumt von der Vervollständigung seiner Sammlung, die wie jede gute Sammlung voller Lücken sein muss. Nun werde ich wieder arm und jede Menge Geld in CDs investieren, zu denen der RS-Text mich verführt hat. Ich plane so etwa die Anschaffung von James Browns Live at the Atlanta. Man wird sich auf die Empfehlung verlassen können.


Kollaps.Warum Gesellschaften überleben oder untergehen
Kollaps.Warum Gesellschaften überleben oder untergehen
von Jared M. Diamond
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Tour d'horizon des Weltzustandes, 6. August 2011
Diamond erklärt in wohlgegliederter und anschaulicher Form Gründe für das Verschwinden großer Kulturen (Maya, Osterinsel, Wikinger Grönlands, Anasazi usw.). Die Gründe liegen immer in der übertriebenen Ausbeutung natürlicher Ressourcen und im Unwissen über ökologische Folgen. Diamond stellt die Ergebnisse der Zustandsbeschreibung moderner Kulturen gegenüber (Haiti, Dominikanische Republik, China, USA)und findet auch hier Beweise für diese These.
Der Geologe und Ornithologe ist Optimist und hofft, die sich selbst gefährdende Menscheit könne durch vernünftige Entscheidungen ihr widersprüchliches Verhalten korrigieren (wir Deutschen z.B. tun alles für unsere Kinder, sind aber gegen ein Tempolimit auf der Autobahn und zerstören durch die Raserei in großen Autos die zukünftigen natürlichen Ressourcen der Nachkommen). Das 650-seitige Buch liest sich spannend und unterhaltsam, obwohl die Faktenlage sehr detailreich auch anhand von Zahlenmaterial dargelegt wird. Diamond faßt oft das Vorhergehende zusammen, es entstehen daher Wiederholungen.

Die Übersetzung ist sehr holprig und sprachlich grob gezimmert. Das Buch enthält einige unschöne Druck- und Rechtschreibfehler.


High Society: Eine Kulturgeschichte der Drogen
High Society: Eine Kulturgeschichte der Drogen
von Mike Jay
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Droge ist, was die Bigotterie festlegt, 27. Juni 2011
Kaffetrinkern wurde die Zunge herausgeschnitten, während der US-Amerikanischen Alkoholprohibition entstanden mafiöse Verbrechersyndikate, Heroin war gar einmal ein Hustenmittel. Jay stellt klar, daß das negativ konnotierte Wort "Droge" aus einem "Medikament" etwas Schlimmes macht, wenn die gesellschaftlichen Umstände dies so erfordern oder die Folgewirkungen so negativ sind, wie man es nicht abschätzen konnte. Viele Substanzen, die heute als illegale Drogen gelten, wurden lange Zeit frei als Medizin in Apotheken verkauft. Jay liefert eher die soziologische Komponente, bespricht den Umgang mit Droge als gesellschaftlichem Phänomen und stellt pharmakologische Überlegungen nur am Rande an.
Der Übergang von der erwünschten Droge zum geächteten Suchtmittel läßt sich gerade in der geschätzten Gegenwart anhand der Zigarette beobachten: Früher in aller Munde, sind die Süchtigen mit dem Nikotinstäbchen heute auf den Balkon verbannt worden.
Das Buch enthält zahlreiche hochinteressante Illustrationen und Fotos in Farbe und ist auch ein schmökerndes Blättervergnügen. Interessant ist auch, was man unter den oben skizzierten Überlegungsweise alles in die Kategorie Droge aufnehmen kann, wenn die psychoaktiven Wirkungen als solche betrachtet werden sollen: Kaffee (als Stimulanz), Nikotin (ebenso), Tee, Schokolade (als Endorphin-Auslöser), Zucker (als hochkarätiger Energielieferant). In diesem Sinne stünde ein Normalo wie ich es bin ständig unter Drogen.
Leser, die Hochwissenschaftliches erwarten werden enttäuscht. Der Text liest sich als kurzweiliger, bsiweilen philosophierender Streifzug.


Hartland: Zu Fuß durch Amerika
Hartland: Zu Fuß durch Amerika
von Wolfgang Büscher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen wunderbare Sprache, 27. Juni 2011
Es ist für US-Amerikaner derartig verdächtig und ungewöhnlich, wenn jemand ohne Auto und zu Fuß an ihrer Grenze um Einlaß und Visum begehrt, daß erst mal sein Rucksack gefilzt werden muß, bevor man den Reisenden nach einigen Stunden (und mit ein paar Warnungen vor den Gefahren versehen) passieren läßt. Bürgersteige gibt es nicht: entweder steht man mit einem Fuß auf der Straße oder man muß durch die Vorgärten der Leute laufen, um voranzukommen. Man kann als so ein seltsamer Fußgänger sogar mal beleidigt werden: Kauf dir doch ein verdammtes Auto! schallt es ihm einmal entgegen.
Mit tiefer geschichtlich-literarischer Kenntnis und großem kulturellem Einfühlungsvermögen wird in diesem Buch von einer Wanderung durch die USA erzählt. Der Autor erreicht dabei ein sprachliches Niveau, das sich nicht hinter einem Ransmayr verstecken müsste und zieht den Leser in einen mit Literaturbezügen versehenen Erzählstrom, von dem sich zu lösen sehr schwer wird. Nur unwillig möchte man das Buch zur Seite legen und weiterlesen über diese seltsamen Revolverträger Gottes, die ihre schlecht gebauten Häuser nicht verschließen und ständig auf der Suche nach neuen Träumen und Herausforderungen sind. Büscher stellt immer wieder den historischen Bezug her, berichtet von Indiandern und ihren großen Schlachten, von Custer und dem Little Bighorn, von einsamen Leuten, die sich in ihren Pickups sitzend von Festern zu Fenster im Auto unterhalten. Ein wunderbar tiefes und großes Buch. Bei der Lektüre stellt man Vergleiche zu Chatwin an! Büschers Text ist alles andere als eine simple Reisebetrachtung, es handelt sich eher um eine philosophische Kulturbeschreibung der USA.


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