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Rezensionen verfasst von
Henning "hen" (Viersen)

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Vier Letzte Lieder/Ein Heldenleben
Vier Letzte Lieder/Ein Heldenleben
Preis: EUR 16,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Turbokapitalismus, 17. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Vier Letzte Lieder/Ein Heldenleben (Audio CD)
Ein Star ist ein Phänomen, das sich den Kategorien der Logik entzieht, zumindest solange wir uns in den Reihen seiner Fans bewegen. Anna N. ist ein Star und ihre Fans lieben sie. Irrational. Plattenfirmen lieben Stars hingegen aus höchst rationalen Gründen. Der Publisher verdient mit Anna N. Geld und da Anna N. auch Geld verdient könnte alles wunderbar sein

Das Problem indes besteht darin, dass Geld ausser in den dezent wirren Gedankenwelten der Europäischen Zentralbank nicht einfach aus dem Nichts entsteht. Es wird nur umverteilt und genau da liegt die Krux mt der Liebe. Denn außerhalb des Fanbonus bietet diese Einspielung nichts für das Geld, das sie kostet. Künstlerisch besteht sie allein aus Glauben und Rauch ohne Schall. Damit ist sie, ohne den Vergleich mit Finanzkrisen überzustrapazieren, zwar Modern aber auch ärgerlich.

Anna N. weiß nicht, was sie singt oder kann diesen Zustand in grandioser Art simulieren. Aber das wäre eine schon überirdisch heilige Einfalt. Und sie knödelt, was nichts mit offenem oder gedeckten Singen zu tuen hat wie bei Jonas Kaufmann, dem dies ab und an zu Unrecht orgeworfen wird. Kaufmann hat einen Stil, Anna N. knödelt ihren Fans Strauss vor, mit der Sensibiliät eines leicht defekten Automaten.

Sinngehalt wird in dieser schamlos monetär inspirierten Einspielung durch ein marketinggerecht erstelltes Coverfoto ersetzt, Interpretation durch ein Augen zu und durch. Es wird ja eh gekauft. Wo kein Geld mehr da ist, druckt man neue Scheine oder solch eine Strauss CDs zum Jubiläumsjahr. Seele? Von Gestern! Etwas zu sagen haben? Es ist doch ehe schon alles gesagt! Liebe? Auch eine interessante Investition. Es ist eine Einpielung, die den Käufer als kunstliebenden Menschen schlicht verachtet. Dass Barenboim, der uns kurz danach mit Brahms und David Garret "beglückte", mehr könnte, steht ausser Frage. Aber auch ihn müssen wir an dem messen, wobei er mitut. Hier in der bislang künstlerisch mangelhaftesten, Einspielung des Straussens Spätwerkes. Sie kann nicht einmal als guter Trash im Sinne der unsterblichen F. Foster Jenkins durchgehen. Dafür ist sie gesangstechnisch noch zu professionell und intellelkektuell zu unehrlich.


Left Behind
Left Behind
DVD ~ Nicolas Cage
Preis: EUR 9,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Inhaber von Gods own Country macht ernst, 25. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Left Behind (DVD)
Selten gibt Filme, die ein ganzes Leben verändern. Dies ist einer davon. Ein Film, der uns mit den relevanten Fragen unserer Existenz konfrontiert. Was, zum Beispiel, wenn die Entrückung kommt und man ist ungeduscht? Oder wann glauben? Direkt jetzt, was anstrengend sein kann oder erst zum Entrückungstermin, aber dann ist es eventuell zu spät? Überhaupt: die Entrückung, lernen wir im Film, erfolgt in einer Kleiderordnung, mit der man an keinem FKK Strand overdressed wäre. Wie also mit der Körperbehhaarung verfahren? Modern, klassisch oder bilblisch? Left behind ist einer der seltenen Filme, die uns zum Denken anregen. Und das nicht nur über die Karriere von Nicolas Cage, der immerhin einmal Leaving Las Vegas drehte. Auch darüber, wie irgendjemand glauben könnte, der Bibel Belt meine es nicht ernst, todernst sogar.

Und was, wenn die Recht haben?

Da sind wir dann nämlich beim Duschen. Wenn die Recht haben, dann ist Gott nämlich nicht der Scherzkeks aus dem Leben des Brian, dann achtet er auf Kleinigkeiten, trotz seiner schon ein ganz klein wenig sonderbaren Vorliebe für Kinder. Er achte zum Beispiel auf die Körbchengrösse von Blondinen. Ab allem über C ist Sense mit der Entrückung. Das lehrt uns der Film. Geil aussehende Stewardessen sind erlösungstechnisch chancenlos. Schön, wenn Sie schon immer angenervt waren, dassi hr Gatte immer dort hinschielte, wenn er meinte, Sie sähen es nicht. Übel, wenn Sie selbt zu dieser Minderheit gehören oder gehofft haben, der Big Boss liesse sie weiterschielen. Ungeduscht kann da auch ein absolutes KO Kriterium sein. Oder zu viel oder zu wenig Rasur, gleich wo. Beruhigend für die steigenden Kosten der gesetzlichen Krankenkassen immerhin: religiöse Wahnvorstellung stehen der Entrückung nicht im Wege,im Gegenteil. Hier winkt Entlastung.

Henning war nach diesem Film nicht mehr der gleiche Mensch. Er hat sich geduscht. Endlich. Und beim Rasieren geschnitten. Und seitdem hofft er, dass es das Blut der Märtyrer war.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 31, 2015 10:34 PM CET


Brahms: Symphonies  /Piano Concertos / Violin Concerto
Brahms: Symphonies /Piano Concertos / Violin Concerto
Preis: EUR 37,73

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Endlich wieder herrlich hassen, 23. Oktober 2014
Thielemann polarisiert wunderbar. Neben der grossen Schar seiner Verehrer existiert ein tapferes Häuflein aufrechter Hasser, die bei nahezu jeder seiner Platten in einen enormen emotionalen Zustand geraten. Natürlich handelt es sich bei letzteren um die klügere Fraktion. Nicht aus musikalischen Gründen, sondern schlicht lebenstaktikisch. Diese Leute wissen, dass das Leben ohne ein ordentliches Feindbid rasch öde wird, trüb und stinklangweilig. Auch medizinisch ist Aufregung förderlich für den Stoffwechsel. Selbst ein wenig Schnappatmung ist besser als gar keine Ventilation.
Es haben also die versammelten Thielemanngegner alle ideologischen, philosophischen und medizinischen Vorteile auf ihrer Seite. Und sie können rechnen. Ihr Einsatz ist gering. Man schreibe halt voneinander ab, beachtet einige Essentials und vergesse keinesfalls zu erwähnen, dass Erstens das alles höchstens Furtwängler so konnte und zweitens alles in schöne Einzelteile zerfällt, weil diese Temposchwankungen man selbst und darum auch Gottvater als willkürlich entlarvt hat. Um sich selbst und der ganzen Welt seine Ausgewogenheit zu beweisen erwähne man kurz, dass das vom Zappelchristian misshandelte Orchester schön spielt. Und fertig. So wenig Einsatz für so viel Seeligkeit.

Der Thielemann verträgt das nicht nur, er macht sogar immer weiter. Das sollten gerade die loben, deren Leben er damit in der genannten Art bereichert. Wie hier mit Brahms. Hilfreich wäre theoretisch der Vergleich mit der kürzlich erschienenen Einspielung des Gewandhausorchester unter Chailly. Hier könnte man sich in ganz und gar langweiliger Sachlichkeit verlieren, könnte erwähnen, dass die Gewandhäusler einmal das Orchester Mendelssons waren und dass Chaillys schöne, kassizistische Deutung genau in dieser Tradition steht. Und dass Thielemann Richard Wagners Wunderharfe dessen rubatoreiche, immer nach dem Subtext suchende Art reflektiert. Aber Vorsicht, hier betritt der smarte Hasser von Welt ein gefährliches Terrain. Toleranz und Reflexion sind die Todfeinde des Feindbildes. Gemach. Denn erstens konnte das alles nur Furtwängler und zweitens ist erwiesen, dass ein Rubato, das ich jetzt gerade nicht verstehe, immer falsch ist. Und dieser Wagner sowieso..

Ist man dumm genug, sich des fröhlichen Hassens zu entsagen, wie oben bewiesen zum Nachteil der eigenen Gesundheit, des Wohlbefindens und des fröhlichen Narzissmus, dann könnte man ferner anmerken, dass Brahms eben nicht Beethoven war. Dass in der vorliegenden Einspielung deutlich wird, wie weich, warm und romantisch seine Musik -auch- ist. Und dass der primär strukturbewusste Zugang, der lange Zeit en vogue war, auch eine getönte Brille ist. Brahms eben durch die Brille der zweiten Wiener Schule. Wir hören diesen Zugang im ersten Klavierkonzert beim Solisten, deshalb kommt er nicht recht mit Thielemann zusammen. Deshalb gäbe es einen Stern Abzug. Aber wer, der bei klarem Verstand ist, tut sich so viel Denken an? Die Klanglichkeit der Staatskapelle ist in Deutschland derzeit fast konkurrenzlos. Das darf man sagen, aber nicht zu laut. Denn was hilft Spielkultur, wo doch dieser Thielemann alles extra macht. Extra romantisch geht gar nicht. Der Furtwängler hatte strafmindernde romantische Zwänge, der konnte nicht anders. Thielemann jedoch weiss, was er tut. Was wäre unverzeilicher?

Es war der Teufel, den Goethe sagen liess: du gleichst dem Geist den du begreifst. Da hört der kluge Hasser nicht zu. Für ihn gilt: kaufen, hassen, glücklich werden und dann sinnerfüllt leben. Dafür muss man die CDs nicht einmal anhören.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 15, 2015 4:30 PM CET


80th Anniversary
80th Anniversary
Wird angeboten von book-service
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein musikalisches Grosschnäppchen, 8. September 2014
Rezension bezieht sich auf: 80th Anniversary (Audio CD)
Die hier zu einem nahzu grotesk niedrigen Preis angebotene Sammlung sollte sich kein Klassikliebhaber entgehen lassen. Dies gilt ,obwohl die editorische Qualität am allerbesten unter dem Deckmantel des Schweigens aufgehoben ist. Neben der musikalischen Qualität der klangtechnisch gelungnen Aufnahmen finden wir hier teiweise seltene Repertoirstücke, die zu kennen lohnt. Suitner, der heutzutage infolge der Tatsache, dass es ihm sowohl an schnieker Stromlinienförmigkeit als auch an der Verbindungen zu Dritte Welt Betroffenheitsorchestern mangelte, keine Chance für höhere Marketingweihen hätte, dieser Suitner war primär Musiker. Was ihn auszeichnete, lässt sich paradigmatisch an den beiden mittleren Dvorak Sinfonien zeigen. Wenn Siutner sich einem Werk widmete, nahm er es ernst. Selbst Kubelik und Kertesz haben das nicht besser hinbekommen. Die 4. und 5. werden hier mit der gleichen Achtung und Sorgfalt entfaltet wie die viel populäreren Spätwerke. Und unter diesem Aspekt erklingen dann auch Werke von Volkmann, Reger, Hindemith, Pfitzner und Wolf. Was für ein Meisterwerk allein Wolfs einzige Tondichtung! Hier wird es, ohne aufgesetzte Akzente, rein aus der Musik erfahrbar.

Gut, Suitner war bereits vom Habitus Starungeeignet. Kein Wunder, dass sich die Presse eine Zeitlang allein auf die einzig feulitongeeignete Einzelheit aus seinem Privatleben einschoss. Derartige Publicity brauchte er nicht. Er stellte den Komponisten in den Mittelpunkt, nicht die Schaumschlägerei. Das ist hier zu hören. Ebenso wie die nicht unbeträchtlichen Fähigkeiten seiner Tontechniker. Insgesamt ein Triumpf der Ensthaftigkeit., der zudem mit einer ausgezeichnet besetzten Salome (Christel Golz!) eine der schönsten Einspielungen dieser Oper überhaupt enthält.


Color Music
Color Music
Preis: EUR 11,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufgeweckt, 22. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Color Music (Audio CD)
Bei dieser CD handelt es sich im einen Rerelease einer exzellenten argo Publikation aus den früheren neunzigern, einer Zeit als auch die Majors noch spannende Ersteinspielungen wagten. Torkes Musik ist tonal, ohne einen Moment veraltert zu wirken, der Einfluss von Philip Glass oder Adams, auch Strawinsky ist jederzeit hörbar, ohne dass die Musik ihre Eigenständigkeit verliert. Die Grundstimmung ist positiv, bisweilen euphorisch. Zu hören sind die Werke eines Mannes im dritten Lebenjahtzeht, der uns unverholen deutlich macht, dass das einundzwanzigste Jahrhundert auch musikalisch nicht das zwanzigste sein kann. Der mitteleuropäische Kritiker mag als quasi beamteter Bedenkenträger hier die typisch US Amerikanische Kulturarmut, die kulturelle Wurzellosigkeit erschnüffeln. Er könnte Torke nicht schwerer missverstehen. Tokes Werke sind jenem Teil des janusköpfigen Kontinentes zuzurechnen, den wir sehr wohl begrüssen können. Ihre formale Brillianz verbirgt sich wie hinter einem Lächeln und Torke biedert sich eben nicht an. Er ist quasi eine Wundertüte, die ihren Inhalt immer erst mit der nächsten Komposition offenbart. Hierrin erleben wir mehr künstlerische Freiheit als in manchem artig verkniffenen, vorgeblichen Avangardwerk. Torke lässt den tränennassen Monolog zugunsten einer vor Geist sprühenden Konversation zurück. Das ist jenes Amerika, das wir viel öfter erleben wollten. Und ja, Torke ist der vielleicht humorvollste Musiker seit Haydn. Die Partitur sprühen vor Witz, Ironie, falschen Pfaden und halben Anspielungen. Und dabei klingen sie noch!
David Zinman fühlt sich hier als Interpret scheinbar zu Hause, sein viriles Musikverständniss, der Hang zu Brillianz und klaren Fraktur ist bei Torkes geistvollen Petitessen gut aufgehoben. Das Baltimore SO folgt mit spieltechnischem Vermögen und die Tontechnik entspricht dem ehemals hohen Anspruch der Decca an Präsenz und Tiefenschärfe.


Brahms: Sinfonie 1
Brahms: Sinfonie 1

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Triumph der Ernsthaftigkeit, 10. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Brahms: Sinfonie 1 (Audio CD)
Warum diese grandiose Einspielung aus den Katalogen verschwunden ist, während wir mit synthetischen Einpielungen hipper Halbtalente zugemüllt werden, ist schlicht eine Schande. Wands Brahms ist ähnlich essentiell wie sein Bruckner, über den hier genug lobendes gesagt wurde. Diese Einpielung, die seinerzeit zu Recht mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde, ist auch deshalb empfehlenswert, weil Wand hier die Gelegenheit geboten wurde, mit einem Orchester der absoluten Weltspitze zu musizieren. Analog zu den späten Bruckner Aufnamen mit den Berliner Philharmonikern verleiht die instrumentale Brillianz dem strengen Werkverständniss Wands eine zusätzliche Dimension. Wands Brahms ist in der quasi glühenden Ernsthaftigkeit allenfalls mit Klemperer verglieichbar. Allerdings ist Wands Gesamtklang weniger knorrig, insgesamt weicher und die Tempi sind bewegter. Partiturnähe ist bei beiden grossen Dirigenten indes nie bürokratische Erbsenzählerei, sondern Leidenschft in Kirkegaardschen Sinne Leidenschaft, Hingabe an ein Ziel. Kaufen.


From Bach to Wagner
From Bach to Wagner
Preis: EUR 24,53

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Jenseits von Albion, 9. August 2014
Rezension bezieht sich auf: From Bach to Wagner (Audio CD)
Sir Adrian Boults Dirigierhandwerk scheint so britisch wie sein Schnautz unter der charaktervollen Grossnase. Dass Boult indes auch in anderen Gewässern kreuzte als dem Ärmelkanal, zeigt diese wohlfeile Box. Sie enthält ausschließlich Material von deutschsprachigen Komponisten. Und die Qualität kann sich sehen lassen.

Dass Boult bei Bach und Mozart keinen historisierenden Ansatz wählte, ist klar. Und tatsächlich klingen die Brandenburgischen Konzerte, obwohl durchaus schlank und nicht übermässig romantisierend aufgenommen, wie ein Dokument aus ferner Zeit. Zu sehr sind wir nach Goebel, Pinnock, Harnoncourt und co. ein völlig anderes Klangbild gewohnt. Mozarts Sinfonien 40 und 35 ergeht es, obwohl nicht so deutlich, ähnlich. Obwohl,wie gesagt, auf gutem Niveau und mit hörbarem künstlerischen Ernst musiziert wird.

Bereits jedoch Beethovens 6. wirkt beeindruckender. Wer hier im traditionellen Lager an die sehr gute Böhm Einspielung denkt, wird auch mit Boults feiner, aber niemals beliebiger Version seine Freude haben.

Schuberts grosse C dur wird in Britannien als eine, wenn nicht die Referenzaufnamen des Werkes gehandelt - und wer sie hier hört könnte auf die Idee kommen, zuzustimmen. Boult musiziert strukturklar, nobel, stets hörbar romantisch, wenn auch nicht so dramatisch zugespitztbwie erwa Furtwängler oder Klemperer und doch nie heulsusig sentimental. Diese Qualitäten prägen auch Bouts Brahms. Wer seinen grandiosen Parry im Ohr hat, wird hier an der Arbeit an Parrys Vorbild bemerken, warum Boult seinen Landsmann so gut verstand.

Zuletzt Wagner. Boult hat in seinem Leben immer wieder Wagner dirigiert und diese Erfahrung hört man diesen Einspielungen an. Es ist ein romantischer, aber nicht sentimentaler, ein nobler, aber nicht langweiliger Wagner. Kubelik konnte ähnliches und klang an Ende ganz anders. Hörenswert. Als Garnierug bekommen wir einige Petitessen, in denen wir eine der sympatischten Eigenschaften Boults bewundern dürfen. Seinen spitzbübischen Humor.

Am Ende das Beste. Die zwei Serenaden von Brahms wurden nicht übermäßig oft und niemals schöner als hier eingespielt. Allein diese ausgesprochhen noblen, Interpretationen mit Witz und Glut, Bewusstsein für die nicht unproblematisch darzustellende Form und Temperament rechtfertigen schon für sich den Kauf der klanglich soliden, indes meist ncht audiophilen Box.


Icon:Sir Malcolm Sargent
Icon:Sir Malcolm Sargent
Preis: EUR 44,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Niemals langweilig, 8. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Icon:Sir Malcolm Sargent (Audio CD)
Der ausgezeichneten Rezension von Herrn Wagner ist wenig hinzuzufügen. Diese preiswerte Box bietet ein wahres Füllhorn an hochwertig interpretierter Musik aus den Händen eines Praktikers. In den Zeiten überhypter Jungstars und eitler Selbstdarsteller findet der wahre Musikliebhaber hier Erholung in den Händen eines Dirigenten, der niemals gegen den Sinn des Werkes sündigte und (dennoch?) niemals die Todsünde aller Kunst beging: Langeweile. Sargent, der bei den Promedadenkonzerten manche wahre Ochsentour über sich ergehen liess, kannte das Orchester wie ein Virtuose sein Instrument. Bei ihm kam Kunst tatsächlich von Können und seine enorrme Kenntniss auch der leicheren Muse wie Gilbert und Sullivan ermöglichte ihm den unverrampften Blick auf die vorgeblich schwerere Muse. Dabei bleb er immer nobel und geschmackvoll, bewahrte sich den Blick eines wahren Gentlemens.

Neben den von Herrn Wagner zu recht genannten Schätzen bietet die Box mit Beethoven und Schubert auch Stücke, die eher der Volltändigkeit dienen und gegen stärkere Konkurrenz nicht unbedingte Must Haves bedeuten,

Dies sind jedoch Marginalien gegen schicht grandiose, wie natürlich, quasi landessprachliche Annäherungen an Elgar, Holst, Delius, Parry, Vaughan Williams, Britten und Walton, sowie Bax. Oder dem wundervoll entspannten, dabei niemals banalen Sibelius, dem Smetana, wie man ihn so selbstverständlich sonst allenfalls noch von Ancerl hört. Insgesamt ist diese Box für den Anglophilen unentbehrlich neben Boult und Barbirolli.


Mozart-Opern
Mozart-Opern
Preis: EUR 30,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht lustig, 28. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Mozart-Opern (Audio CD)
Wer Mozart noch immer für das im Grunde debile Genie hält, das uns der Film Amadeus vorgaukelte, der wird mit diesen Einspielungen ebensowenig glücklich werden wie diejenigen, die historisch informierte Aufführungspraxis nicht als interessante Alternative sondern quasi religiös dogmatisch betrachten. Bei Klemperers monumentalen Mozart ist nicht einmal schnell schluss mit Lustig. Es fängt stets gleich todernst an. Die Tempi sind breit, für unser Empfinden fast behäbig. Der Orchesterklang ist trocken, schnörkellos und massiv, dabei aber stets durchhörbar. Da ist nicht viel zu spüren von Rokokotändelei. In diesem Figaro geht es um Gewaltherrschafr und Revolution, das Lachen bleibt im Halse stecken, während das Fallbeil derJacobiner herabfällt, Ein wichtiges Statement neben den unverzichtbaren Aufnamen von Kleiber Senior, Karajan und Currentzis.

Für Don Giovanni ist diese Einschätzung zu übernehmen. Neben den zu Recht gelobten Einspielungen von Guilini, Busch, Gardiner und Krips bietet Klemperers strenger Ernst in einer Zeit, in der uns diese Oper etwa von Jacobs als moralinsaures Tamtam zwischen Christkonservatismus und Gender Mainstream verkauft werden soll, ein hochnotweniges Korrektiv in Richtung Ernsthaftigkeit. Klemperers Giovanni ist vor allem Drama. Auch hier sind die langsamen Tempi nicht Zeichen eines romantisierens, sondern Ausdruck einer illusionsfreien Weltsicht. Nicht starr misantropisch, sondern von jenem Humanismus durchdrungen, der keine Fahnen schwenkt.

Zur Zauberflöte hat der Rezensent Vully, dessen Einschätzung ansonsten widersprochen werden darf, einiges Wichtiges geschrieben. Wir hören hier weniger das Märchen als die Parabel. Theater wird bei Klemperer am allerehrsten aus dem Ursprung der griechischen Tragödie gedacht. Das ist so wenig bequem wie der ganze Mann es war. Und genau hierrin liegt ja eben die Bedeutung für unsere erbärmlich gleichgeschaltete, glattgebügelte Zeit. (In der allerdings bei Schickaneders Märchenoper Jacobs und Östmann zwei sehr hörenswerte Alternativen anbieten, was anzumerken nur fair ist.)

Was Cosi betrifft, greift hier allerdings Klemperes Konzept auch für mich am wenigsten. Die EMi Aufn. von Böhm oder Kuijiken treffen diese lange Zeit als unsittlichste aller Mozartopern angesehene Werk erstaunlich tiefer in ihrem sinnlichen Kontext. Klemperer, der in verschiedenen Phasen seines Lebens der Sinnlichkeit bekanntermaßen nicht abgeneigt war, betont auch hier das Ernsthafte dieses frühen Feldversuches in Promiskualität. Es ist hier ein Spiel mit Gefühlen unter dem Seziermesser. Verloren geht dabei dann das Amoralisch - Subversive, das einen wichtigen Bestandteil von da Pontes Text ausmacht,

Die Sängerleistungen sind in allen Fällen gut bis sehr gut. Hier angesichts des heute teilweise gebotenen (etwa der letzten Mozart Aufn. der DG) zu mecken, halte ich für absurd. Jedes Opernhaus der Welt könnte sich heute über eine solche Besetzung freuen.

Insgesamt wird also hier ein unbequemer, grantiger Mozart geboten, gut gesungen und eher Bestürzung und Nachdenklichkeit erregend als Genuss. Nett ist das nie, aber verdammt beeindruckend.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 20, 2014 2:27 PM CET


Rene Jacobs. Ich will Musik neu erzählen
Rene Jacobs. Ich will Musik neu erzählen
von Silke Leopold
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tatsächlich: für Fans, 26. April 2014
In den Beiheften seiner Platteneinspielungen interviewt Jacobs sich gerne einmal selber. Hier stellt er sich den Fragen einer dritten Person. Einen kritischen Diskurs darf man trotzdem nicht erwarten. Aber das war wahrscheinlich bei einem primär der Selbstdarstellung dienenden Produkt auch nicht beabsichtigt.

Jacobs ist Musiker und als solcher eine Erscheinung von Rang. Wo er sich als Gesellschfatstheoretiker, Historiker oder gar Hobbyphilosoph versucht, scheitert er. Biswelien knapp, manchmal auch deutlich. Dass Jacobs ein Musiker ist,den sich anzuhören lohnt, wissen wir spätestens seit seinen Monterverdi Platten. Wer den Hobbyphillosphen tempramentabhängig belachen oder beweinen will, blättere in seinen Anmerkungen zu Don Giovannii, bestenfalls ein Beispiel unfreiwilliger Komik. Um also herauszufinden wo uns Jacobs etwas und wo nichts zu sagen hat, hätte es dieses schmalen Buches eher nicht bedurft. Für die Devolutionaliensammlung von Fans mag es von Interesse sein, alle anderen sollten Probe lesen, um nicht von den Untiefen des Niveaus überrascht zu werden. Wer Geld in Jacobs investieren will, ist deutlich besser bei seinen Platten etwa mit den grossen Haydn Oratorien oder der überaus spassigen Zauberflöte bedient.


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