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Rezensionen verfasst von
Third Man (Stuttgart, Baden-Württemberg)

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No Line on the Horizon
No Line on the Horizon
Preis: EUR 6,99

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schon irgendwie anders....aber nicht in letzter Konsequenz, 4. September 2009
Rezension bezieht sich auf: No Line on the Horizon (Audio CD)
Ist "No Line" ein "anderes" U2-Album geworden? Nein...eigentlich nicht.

Und doch würde ich diese "Achtung-Baby"-Parallelen durchaus unterschreiben wollen.
Wobei für mein Empfinden mehr "Joshua Tree" durchklingt.

Das Album an sich, in seiner Gesamtheit, überzeugt mich spätestens seit dem 2. Durchlauf.

Denkbar schlecht allerdings, gleich sagen zu müssen:
Der erste Song, der Titeltrack, gefällt mir mit am wenigsten auf der Platte. Irgendein mid-tempo Track, der mich irgendwie gar nicht anspricht. Typisches Bono-"Oh, oh, oh, oh..." - ich weiß nicht. Irgendwie fast langweilig. Zudem in gewisser Weise "sperrig", da er für mich einfach keinerlei Angriffspunkte böte, an die ich mich halten könnte.

Insgesamt gleich vorab: Die Platte beginnt sehr getragen und ruhig, auch im Folgenden. Sobald bei der Vorab-Single "Get On Your Boots" dann aber die treibenden Gitarren ins Spiel kommen, kommt auch der Rock nicht zu kurz.

Mit Magnificent wird's dann aber erstmal, nach dem Opener, übergangslos besser. Allerdings hat dieser Song ein recht langes Intro, sodaß mir beim ersten Hören nach dem mediokren Einstieg ins Album schon Zweifel kamen ob das denn nun so bliebe.... Gott sei Dank entwickelt sich "Magnificent" aber noch zu einer grandiosen Hymne im Stile von, ja, fast "New Year's Day"-eskem Ausmaß.

Moment Of Surrender, mit rund 7 Minuten der längste Song auf dem Album, folgt nach, und ist dieser typische U2-Song. Eine riesige Hymne, viel Klavierparts. Und grade durch die Länge war mein Eindruck: Je länger er dauert, desto besser wird er. Und so fängt er den Hörer bereits beim ersten Mal. Ein moderner U2-Klassiker.

"Unknown Caller" hat eines dieser fantastischen Edge-Soli inne. Spätestens hier fällt auch auf, daß auf dem Album verstärkt mit Edge als Backing-Vocalist gearbeitet wird. Dies verleiht vielen Songs, auf gesanglicher Ebene, ganz neue Aspekte und Tiefen. Das hier ist ein ganz gutes Beispiel.

Der nächste Song, "I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight" ist prinzipiell eigentlich nicht mehr als ein netter Song. Ein beliebiger Mid-Tempo-Rocker. Jedoch für mein Empfinden der erste wirklich durchweg flottere Song, daher als Mittel ganz gut gewählt, eben auch an dieser Stelle der Platte, da jetzt das Tempo etwas angezogen wird. Und ich mag ihn eigentlich sehr sehr gerne. Klingt jedoch sehr danach, als sei er aus den "All That You Can't Leave Behind"-Sessions. Man merkt: Bin hier etwas zwiespältig. Möchte den Song jedoch definitiv nicht missen.

Dann folgt "Get On Your Boots". Als "Einzeltrack" im Vorfeld eher gewöhnungsbedürftig, im Album einfach perfekt. Seit ich ihn zum ersten Mal im Kontext der Platte hörte, liebe ich ihn. Wirkt nach wie vor etwas experimenteller, macht ihn aber nicht minder gut. Ein zündender Refrain fehlt zwar, was, wie ich auch las, viele stößt, grade im Hinblick darauf, daß es eine Vorab-Single ist, aber dieser Song ist wirklich toll.

Und nun folgt für mich der A-tpische U2-Rock-Song. "Stand Up Comedy", heißt er hier. Treibende Gitarren, Bono zieht stimmlich alle Register. Supersuper gut! Einer meiner absoluten Lieblingssongs. Hier befinden wir uns nun in der rockigsten Phase der Platte. Tut richtig gut, einen solchen Song zu hören. Sie haben nichts verlernt und das hier klingt trotz des eigentlich bekannten Musters frisch und neu.

Mit "FEZ-Being Born" folgt nun wohl das experimentellste Stück auf dem Album. Speziell das Intro ist sehr sehr sphärisch. Hier wird viel mit Keyboard-Klangteppichen gearbeitet und die Gitarrenarbeit ist ebenfalls richtig richtig gut. Wird mit jedem Durchlauf besser.

Dann folgt "White As Snow". Hiermit habe ich irgendwie Schwierigkeiten. Prinzipiell sind solcherlei Songs genau meine Tasse Tee. Sparsamt instrumentiert, Bono im Vordergrund, viel Akustikgitarre. Aber auf eine eigenartige Weise mißfällt mir dies hier sehr. Das paßt irgendwie weder ins Album, noch finde ich ihn besonders gut aufgebaut. Und der Text des Songs - naja...da habe ich auch schon weit besseres gehört. Las schon viel von "Gänsehaut"-Song u.ä.. Das kann ich so, zumindest im Moment, noch in keiner Form unterschreiben. Es ist eine weitere neue Facette auf diesem Album. Mehr aber nicht, und es ist die, die mir am wenigsten gefällt. Gegenwärtig der Song, den ich am wenigsten mag.

"Breathe" ist dann wieder eine U2-Hymne. Schwingt sich groß auf und hat Ohrwurm-Charakter. Und es führt gut hin auf den finalen Song "Cedars Of Lebanon".

Letzterer ist sehr interessant. Musikalisch sehr ansprechend umgesetzt, sehr unaufdringlich und sehr "warmer" Klang. Und der Text wird von Bono quasi ausschließlich gesprochen. Zwar rhythmisch, aber er singt hier nicht, was sehr sehr interessant ist. Muß man sicherlich öfter hören, aber ein toller Abschluß für ein tolles Album.

Als Fazit bleibt festzuhalten, daß ich finde, daß sich "No Line On The Horizon" einreiht in die Reihe "Achtung Baby" / "The Joshua Tree".

Es ist ein wirklich schönes Album geworden.
Es ist weniger mutig, als ich mir durch die Vorab-Infos versprochen hatte, durchaus eine (zumindest partielle) Abkehr vom "Atomic Bomb"-Album.

Ich denke, U2 haben im Rahmen der Möglichkeiten alles aus dieser Platte gemacht was möglich war, ohne daß sie zu schwierig oder abstrakt geworden wäre.

Natürlich könnte man mangelnden Mut vorwerfen, aber jedem, der U2 gerne mag, sei dieses Werk drigend ans Herz gelegt, ich habe es wirklich ins Herz geschlossen. Und ich finde daß es definitiv die beiden letzten Alben (wenn wir diese Mal unter dem Gesichtspunkt "Juhu, sie klingen wieder wie die frühen U2", wie es bei Veröffentlichung von "All That You Can't Leave Behind" hieß, als Vergleich heranziehen) aussticht.

Zudem denke ich, daß ein weiteres Album im Stile der letzten beiden einfach super langweilig gewesen wäre. Bei "Atomic Bomb", so gerne ich es inzwischen höre, war ich anfangs doch etwas konsterniert...klang es doch wie ein Aufguß des "Leave Behind" Albums 3 Jahre zuvor.

Meine Favoriten aus diesem Album sind zur Zeit (ohne Reihenfolge):
Magnificent, Moment Of Surrender, Get On Your Boots, Stand Up Comedy, FEZ-Being Born & Cedars Of Lebanon

Nicht gefallen wollen mir "No Line On The Horizon" und "White As Snow".

Als Gesamtwerk fügt sich hier einfach eins zum anderen und macht aus "No Line On The Horizon" eine wirklich, grade für die jüngeren U2, runde Sache.

Extrem abwechslungsreich und gewagter als Vorheriges, wenn auch nicht mit letzter Konsequenz.


Yes
Yes
Preis: EUR 11,28

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Pet Shop Boys melden sich hiermit eindrucksvoll zurück., 24. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Yes (Audio CD)
Vorab:
Ich bin überwältigt von diesem Album!!
Klar. Es ist laut, es ist schrill, es ist grell, es ist pop.
Aber es ist verdammt gut.

Ich hätte nie damit gerechnet, daß die beiden soetwas nochmal hingezimmert bekämen.

Das beste Album seit "Very", easily, wenn nicht noch weiter zurückreichend.

"Bilingual" war noch interessant, "Release" bzgl. der Gitarren gewagter, aber nicht konsequent genug und "Fundamental" war rückblickend zu uniform und düster.

Und jetzt DAS.

"Yes" klingt wie direkt aus den 80ern, aus ihrer Hochzeit.
Und das heißt nichts schlechtes. Keinerlei Aufguß alter Ideen, alles ist neu.
Aber eben in sehr vertrautem Soundgewand.

Jeder Song wäre auf einem der Alben der 80er Jahre einer der besseren gewesen.
"Yes" ist die Rückkehr zur Top-Form.

Endlich auch wieder, grade im Vergleich zur letzten Platte, mehr up-tempo-Songs, speziell in der ersten Hälfte des Albums.

So gefallen mir die Pet Shop Boys eindeutig am Besten.

Startet es bereits mit einem Highlight.

Wobei ich zugeben muß, daß ich mit dieser Vorab-Single (von "Love etc." ist die Rede) anfangs weniger anfangen konnte. Geschuldet sicher auch dem extrem anstrengend anzuschauenden Promo-Video dazu, mit welchem ich mich im Vorfeld konfrontiert sah.

Aber diese Chöre im Refrain hat man so sicher noch niemals von den Pet Shop Boys gehört und nach einer hand voll Durchläufen hatte er mich ("endlich").

Ich liebe diesen Song nun über alles, ist er auch herrlich zynisch geworden, inhaltlich:

"Don't have to buy)
A house in Beverly Hills
(Don't have to have)
Your daddy paying the bills
(Don't have to live)
A life of power and wealth
(Don't have to be)
Beautiful - but it helps

[...]

You need love."

heißt es da u.a.

Find ich einfach, aber brillant.

Mit "All Over The World" geht's dann gleich flott weiter. Einfach ein schöner gute Laune-Song (hier aber mit zugegebenermaßen zu vergessendem Text - Popmusik eben, siehe meine einleitenden Worte), gefolgt von "Beautiful People", einem weiteren Highlight, wie ich finde, nicht zuletzt wegen den Drums, die hier nicht ganz so elektronisch klingen und sich trotzdem perfekt einfügen.

"Did You See Me Coming?" könnte genau SO auf "Very" gewesen sein, wohingegen "Vulnerable" der beste Song auf "Release" gewesen wäre. Hier gibt es unter anderem auch wieder Johnny Marr (Ex-The-Smiths, Ex-Electronic, Modest Mouse...) an der Gitarre (und im Verlauf auch an der Mundharmonika) zu hören.

"More Than A Dream" schlägt dann in die "Fundamental"-Kerbe, wäre aber auch hier ein großer Moment gewesen.

Der nächste Song, "Building A Wall" ist für mich ebenfalls ein richtig toller Song, hier gibt es auch, wie schon in "Paninaro" seinerzeit, wieder einmal Chris Lowe zu hören. Dieser Song, der etwas ruhiger ist, ist auf jeden Fall auch unter meinen Favoriten.

"King Of Rome" gefällt mir nun weniger. Ist irgendwie eine Pet-Shop-Boys-Trademark-Ballade. Sicherlich nicht übel, mißfällt mir aber ein bißchen grade weil spätestens hier der Bruch im Album ist, weil hier der Schwung fast völlig zum Erliegen kommt, was sich mit "Building A Wall", dem vorgehenden Song, bereits andeutete. Spontan fällt mir als Vergleich "Dreaming Of The Queen" von "Very" ein, welcher jedoch meilenweit besser ist.

Glücklicherweise ziehen die Jungs das Tempo dann ein letztes Mal an und liefern mit "Pandemonium" den tanzbarsten und diskotheken-geeignetsten Song des Albums.

Wie kolportiert wird schrieben sie diesen für Kylie Minogue, die ihn jedoch ablehnte - warum auch immer. Ganz ganz großes Kino. Ein Spitzensong!

Etwas mit der Handbremse folgt dann der nächste Song, der mir persönlich dann ZU elektronisch geraten ist ("The Way It Used To Be"). Tut nicht weh, wie man sagt, aber ist einfach "nur" ein Album-Track. Geht in Ordnung und führt dann auch relativ gut auf "Legacy" hin, den finalen Song der Platte.

Dieser ist mir ein bißchen zu monoton und dafür mit runden 6 Minuten etwas zu lang geraten. Es passiert einfach zu wenig und es ist eine dieser oben bereits genannten Pet-Shop-Boys-Balladen, von denen es inzwischen infach zu viele gibt.

Das war jetzt ein relativ kurzer Abriß zu den einzelnen Songs, es soll nur verdeutlichen:Am besten sind sie, wenn sie (endlich wieder) Songs mit höherem Tempo abliefern.

Diese klingen frischer und besser denn je, die schwächeren Momente sind eindeutig die Balladen.

Insgesamt also ein sehr sehr gelungenes Werk mit zwei kleinen Schwachstellen (eben erwähnte "King Of Rome" und "Legacy", welche ich etwas unspektakulärer finde, als den Rest).

Anspieltipps sind in jedem Fall "Love etc.", "Beautiful People", "Did You See Me Coming?", "Vulnerable", "Building A Wall" und "Pandemonium".

Für Fans speziell der "alten" Pet Shop Boys ein Pflichtkauf.
Nie waren sie so nah an ihrem alten Sound wie hier.
Eine echte Wiederauferstehung.

Sie sind zurück und besser denn je.

Dieses Jahr bislang ganz vorne dabei.


The West Ryder Pauper Lunatic Asylum
The West Ryder Pauper Lunatic Asylum
Preis: EUR 6,99

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen West Ryder Pauper Lunatic Review, 24. August 2009
Nachdem mir persönlich das letzte Werk Empire" überhaupt nicht gefiel, setzte ich alle Hoffnungen in diese neue Platte, daß die Jungs für meinen Geschmack wieder die Kurve kriegen würden.

Das ist durchaus gelungen, worüber ich sehr froh bin.

Steigen wir einfach mal ein:

"Underdog" war ja in einer Sony-Werbekampagne zu hören.
Ich selbst habe diesen Spot nie gesehen, sodaß ich den Track beim ersten Durchlauf auch zum ersten Mal hörte. Typische z.T. "verschleppte" Kasabian-Gitarren hier. Genau DAS, was ich bei einer Kasabian-Platte hören möchte. Guter Rocksong mit eingängigem Refrain. Toller Start.

Bei "Where Did All The Love Go?" war ich sehr überrascht. Und begeistert hat er mich dann auch erst beim zweiten Mal Hören. Jetzt finde ich ihn richtig, richtig toll und kann ihn mir sogar gut als Single vorstellen. Klingt fast tanzbar. Der Refrain, speziell auch die Backing-Vocals sind brillant. Und die Streicher-Passagen tun ihr übriges.

"Swarfiga" ist dann einfach ein eigentlich nicht erwähnenswertes, kurzes Instrumental-Einsprengsel. Sehr atmosphärisch geraten fügt es sich jedoch gut ein.

"Fast Fuse", welches bereits als limitierte Vinyl-EP zu haben war, und somit bekannt ist, besticht durch eine großartige, treibende Basslinie. Insgesamt klingt der Song recht bluesig. Macht Spaß.

Jetzt kommen wir zu den Tracks bei denen Gitarrist Sergio Pizzorno die Lead-Vocals von Tom Meighan übernimmt. "Take Aim" fand ich im ersten Moment recht unspektakulär und langweilig, aber der Track wächst bei jedem Durchlauf. Er bezieht seine Spannung aus dem wunderbar gespannten Bogen und der Steigerung von reiner Gesang/Akustik-Instrumentierung zu einem ausladenen Song mit Bläsern, elektronischen Elementen und Streichern gen Ende. Im Grunde ein Geniestreich, aber der erste ruhigere Moment auf der Platte.

"Thick As Thieves" (schön, diesen Songtitel nach Jahren einmal wieder zu lesen, nachdem "The Jam" ihn vor 30 Jahren bereits verwandten) schlägt dann in eine ähnliche Kerbe. Klingt etwas nach "British Legions" vom "Empire"-Album. Und mit "Hey Ho! Where Did We Go?" finden wir hier mit den catchiesten Refrain des Albums. Und grade in den Refrain-Momenten klingt es hier etwas nach den grandiosen "La's", oder partiell auch die ruhigeren Kula-Shaker-Sachen.

"West Ryder/Silver Bullet" ist dann das vielzitierte Duett mit Rosaria Dawson. Für mein Empfinden ist dies jedoch bereits das einzig bemerkenswerte hier.
Gefällt mir eigentlich nicht allzugut dieser Song.

Dem nachfolgt das vorab von der Band kostenlos zur Verfügung gestellte "Vlad The Impaler". Auch davon bin ich etwas enttäuscht. Natürlich haben wir hier klassische Kasabian-Elemente mit recht aggressiven Gitarren und treibendem Bass, aber irgendwie kommt mir dieser Song nicht so recht "aus den Puschen". Wenn man denkt, daß er jetzt endlich eine Wut vom Zaun bricht, ist er auch schon wieder vorbei. Er wirkt ein wenig gewollt und unfertig für mich. Keineswegs ein schlechter Song. Aber er reißt mich nicht wirklich vom Hocker, um das mal flappsig darzustellen.

"Ladies & Gentlemen (Roll The Dice)" ist dann erfrischend anders. So hat man Kasabian bislang nicht gehört.Tremolo-Gitarren-Parts und starker Orgel-Einschlag machen diesen Track zu einem weiteren Highlight.

Und grade durch diese Orgel-Passagen führt uns die Band mit dem nächsten Song "Secret Alphabets" zu einem der besten Psychedelic-Rock-Stücke der jüngeren Vergangenheit. Auch hier kommt wieder die Orgel zum Tragen (ein magischer Moment, etwa vergleichbar mit der Atmosphäre die der Synthie-Klangteppich von Portisheads "Machine Gun" an dessen Ende erzeugt) und der Song wächst sich mit orchestralem Finish zu einem wahrlichen Meisterwerk aus. Einer der besten Songs in Kasabians Katalog.

Darauf folgt "Fire" und ist "eigentlich nur" 08/15-Kasabian-Rock. Aber wie. Als erste physische Single des Tonträgers bestens gewählt, alleine des überbordenen zum Mitsingen einladenden Refrains wegen. Sicher ein Live-Favorit der kommenden Tournee.

Den Abschluß bildet dann "Happiness". Wie der Titel schon andeutet ein sehr optimistisches Stück. Die Gospel-Parts erinnern mich teilweise stark an ähnliche Elemente beim Black Rebel Motorcycle Club. Wunderschöner Schlußpunkt eines doch überraschenden, richtig starken Albums.

Insgesamt fällt auf, daß es eine richtig gute Neo-Psychedelic/Rock-Platte geworden ist. Alternative Rock denke ich, ist es inzwischen weniger.

Vielleicht nicht mit aller Konsequenz, aber ich denke, "vom Neuen das Beste" was aus dieser Ecke zu bekommen ist, ist diese Platte fürwahr.

Wenn Oasis von "Dig Out Your Soul" als psychedelischem Album sprechen und man ein solches sucht, ist "West Ryder Pauper Lunatic Asylum" jedoch definitiv die bessere Wahl.

Wer allerdings immer noch auf ein zweites Debüt-Album, respektive eine Neuauflage von "Club Foot" wartet, sollte die Finger von dieser Platte lassen.

Auch wenn Chris Karloff, mit der Hauptsongwriter der Band, noch erheblichen Anteil an "Empire" hatte, doch bereits dies ja eine Abkehr vom Sound des Debüts darstellte, so sollten hier diesbezüglich nun die Alarmglocken klingeln, wenn man eine Rückkehr erwartet hätte, nach seinem Ausstieg...
Kasabian klingen nun definitiv anders.
Frischer.
Und besser.
Ich gebe starke 4/5 Sternen, wenn ich mich festlegen müßte, da ich den Mittelteil doch etwas schwächer finde.

Die Platte beginnt und endet jedoch bärenstark.
Ob es ganz ans Debüt heranreicht, möchte ich hier noch nicht abschließend klären.
Aber es ist nah dran, qualitativ.
Anzumerken ist noch, daß selbst das haptische Erlebnis nicht zu kurz kommt.
Auch diese neue Platte erschien auf Doppel-10"-Vinyl. Somit haben sie es "geschafft", alle 3 Werke in diesem Format zu veröffentlich.
Wunderbar.

Und sowieso ist "West Ryder Pauper Lunatic Asylum" der beste Albumtitel diesen Jahres.
Spielend.


Spinnerette
Spinnerette
Preis: EUR 18,70

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach ein wunderbares Album. Eine riesige Überraschung., 24. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Spinnerette (Audio CD)
Spinnerette ist das "neue" (seit 2007) Projekt von der ehemaligen Distillers-Frontfrau Brody Dalle. Neben ihr gehören Tony Bevilacqua (ebenfalls von den Distillers), Jack Irons (Red Hot Chili Peppers, Pearl Jam, Eleven) und Alain Johannes (Queens of the Stone Age, Eleven) zur Band.

Nach dem (ausschließlichen Online-) Release der "Ghetto Love" EP am 11.12.2008 und dem Nachschub in Form der ersten Single "Sex Bomb", liegt nun seit kurzem das selbstbetitelte Debütalbum vor.

Die fast poppige Schiene (wenn man mal die Distillers als Vergleich heranziehen möchte) die in den ersten beiden Releases angedeutet wurde, setzt sich hier durchgänig fort.

"Ghetto Love", der Opener hat eine sehr treibende Basslinie und gleich wieder diesen typischen Brody-Gesang, den ich bei den Distillers, hier speziell auf dem letzten Album "Coral Fang", so schätzen gelernt habe.

Uptempo geht es dann auch gleich mit "All Babes Are Wolves" weiter. Das hat noch am ehesten Distillers-Charakter.

Mit "Cupid" wird es dann erstmalig etwas ruhiger (im Vergleich zum vorgehenden Song). Die dominierenden Basslinien bleiben aber. Recht hymnischer Refrain: "I want to, I want to leave here / Yeah, I want to leave here".

Insgesamt fällt bis hierher schon auf, daß es alles recht straffe Rocksongs sind. Ihre Stimme trägt diese ganze Platte. Natürlich wird sie hier auch, speziell in den Refrains "lauter" aber es artet nie in "unkontrolliertes" Geschrei oder Gekreische aus.

Und spätestens bei "Geeking" habe ich diesen Shirley-Manson-Vergleich im Kopf. Wenn die nächste Garbage-Platte, sofern es denn eine gäbe, SO klänge (um quasi schon mein Fazit in Teilen darzulegen), wäre ich extrem glücklich.

Man könnte das hier einfach als "irgendeine Rockplatte" abtun, aber das wäre unfair. Die Entwicklung über die Jahre hierher ist einfach nur atemberaubend. Und spätestens mit der Vorab-Single "Baptized By Fire" ist Brody ein waschechter Hit gelungen, den auch nicht nur "Nischenpublikum" gutfinden würde: "Sailing into the sun / I'll be baptized there".
Inklusive Mandoline, dezentem E-Gitarren-Teppich und mehrstimmigem Gesang im Mittelteil.

Ich kann mir nicht helfen (s.o.): Das könnte Garbage sein.
Darauf muß man, wenn man Garbage mag einfach abfahren. Diese Referenz bilde ich mir ein, im Laufe der Platte immer öfter zu hören.

Der Gesang bei "A Spectral Suspension" hat dann, grade zu Beginn durch den Effekt auf der Stimme fast "Delgados"-mäßigen Klang. Bis er im Refrain in einen harten Rocker ausbricht. Mir drängt sich hier als Vergleich Melissa Auf der Maur auf. Richtig starker Song. Aber nach 2:49 Min. schon wieder vorbei.

Brody setzt bis hierher auf dem Album ihre "ätzende" (was hier nicht im eigentlichen Wortsinn negativ gemeint ist) Stimme perfekt ein. Ein Genuß. Grade die Kontraste sind klasse, denn:

Danach folgt "Distorting A Code". Fast "lieblicher" Gesang hier. Sehr melodisch. Noch ein Hit!!
Leider nur bis in das letzte Drittel. Da wird dann Gesang und Gitarre rückwärts gespielt. Daher wahrscheinlich auch der Songtitel. Das hat durchaus etwas, wird mir aber leider zu lange, bis ins Nervtötende ausgewalzt. Ich hatte gehofft, daß sie diesen Song ausklammern würden, oder verändern würden.

Gab es ihn ja bereits auf der "Ghetto Love EP" zu hören (ebenso wie den Opener des Albums, selbstredend). Von dieser hätte ich mir bespielsweise lieber "Valium Knights" auf dem Album gewünscht. Ein brillanter Song.

Jedenfalls kriegen wir danach "Sex Bomb" zu hören. Hier war ich sehr überrascht.
Ich hatte mir ja im Vorfeld die 7" Single mit der so betitelten "Original Version" besorgt.
Diese Albumversion hier nun klingt viel roher, ungeschliffener und besser. Speziell der Gesang klingt nicht halb so "hinproduziert" wie auf der Single. Das ganze Stück klingt viel "experimenteller" und v.a. aggressiver, was speziell auch dem Inhalt ganz zuträglich ist: "Don't want his dirty fingers / Up inside, up inside my tights / Oh won't you be my daddy, love you oh [...] Oh won't you be my daddy, please me daddy / Be my daddy please / I love you madly, sex bomb".

Fand und finde den Song fantastisch. Gerade in dieser für mich unerwarteten Art und Weise.

Und ebenso riesig geht es weiter: "Driving Song", den Brody auch schon mit den Queens Of The Stone Age, der Band ihres Mannes Josh Homme, zusammen gespielt hat.

Ein großartiger Sommer-Song, für mich, speziell auch für Reisen. Hat vom musikalischen fast etwas von den jüngeren Stereophonics (und ihre Stimme ist ja auch gar nicht sooo unähnlich *lach* - nur selbstredend "weiblicher").

Darauf gibt es dann "Rebellious Palpitations" zu hören. Hier wird wieder etwas Gas gegeben.
Herrlicher Uptempo-Rocker mit fast psychedelischem Mittelteil (um die 1:20 Min. herum). Macht Laune.

Nun "The Walking Dead". Im Grunde ist dies mein absoluter Favorit. Ich kann mir jedoch nicht helfen, mit einer Einschränkung: Der Song ist für mich, vom Grund-Riff her 1:1 die "Sex Bomb"-Single...nur daß hier der Bass statt den Gitarren das Hauptriff spielt. Man kann "Sex Bomb" sogar 1:1 bei instrumentalen Passagen nachsingen. Etwas verstörend, diese Erkenntnis. Haben die das "nicht gemerkt"? Ist das Absicht? Täusche ich mich nur??
Falls mir hier jemand Aufschluß geben möchte, ist er/sie herzlich eingeladen diese Rezension dahingehend zu kommentieren. Danke.

Denn ansonsten ist das hier einfach BRILLANT und einer der besten Songs diesen Jahers und dieses Albums sowieso.

Frappierender Garbage-Style wieder. "Dee, dee, deedee"-Gesänge (fast wie in "Queer"), und man glaubt in den Refrains fast Duke Erikson an der Gitarre zu hören, a la "Push It" u.ä.. Einmalig gut. Muß man, speziell als Garbage-Fan LIEBEN, bilde ich mir ein. Weltklasse.

Zumal ja auch nicht klar ist, wie und ob es Garbage überhaupt noch gibt. Sehr erfrischend, wieder einmal diesen Stil zu hören, und dann noch in dieser Qualität.

Zudem ist es auch mit 5:41 der Längste der Platte (wenn wir den Abschlußsong mit seinen 8:07 Min. ausklammern - dort ist nämlich ein Hidden-Track vorhanden) und hat die besten Lyrics.

Hiernach wird es dann fast lustig. Mit "Impaler" folgt nämlich ein akustischer, zweieinhalbminütiger Folk-Song. Tut nicht weh, ist allerdings auch sooo übel keineswegs, aber irgendwie ein wenig unpassend.....von der Stilistik klingt die Musik hier etwas wie "Effect & Cause" vom letzten White-Stripes-Album "Icky Thump". Zumindest hat er Drive. Ein guter Track. Und keine Minute zu lang ;-)

"A Presciption For Mankind" schließt das Album dann würdig ab. Etwas schleppender Rhythmus und laaaanggezogener Gesang. Musikalisch sehr schön umgesetzt. Fast schon Noise-rockig. Gefällt spitze.

Der Hiddentrack mutet dann extrem überflüssig an, daher möchte ich ihn hier gar nicht groß berücksichtigen.

Als Fazit läßt sich festhalten, daß es eine beeindruckende Rockplatte geworden ist.

Mit dem letzten Distillers-Album ließ sich ja bereits eine Abkehr vom Punk der beiden vorangegangenen Alben erkennen. Aber daß es derart, ja, fast POPPIG werden würde, überrascht doch sehr. Gerade die hohe Qualität, die hier abgeliefert wird. Mit Punk hat all das hier gar nichts mehr zu tun.

Von treibenden Bässen, "nach vorne gehenden" Songs ganz allgemein, wimmelt es hier nur so und nebenbei haben wir hier noch über einer Hand voll echter Hits. Kein Song fällt wirklich negativ auf. Das Album ist ein einziger Fluß. Toll produziert, sehr runde Sache. Top!

Ganz großer Rock, der, wie ich glaube, leider weitestgehend unbeachtet bleiben wird.

Brody bringt ihre Stimme hier endlich mal "richtig" und in vollem Umfang zur Geltung.
Das bot sich aber natürlich bei der Vorgängergruppe auch nicht wirklich an.

Ganz großes Kino und für mich eine DER Platten des Jahres bis jetzt.

Anspieltipps (in Tracklist-Reihenfolge - d.h. ohne Präferenzen):
Ghetto Love, Cupid, Geeking, Baptized By Fire, Distorting A Code, Sex Bomb, Driving Song, The Walking Dead
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 11, 2009 2:12 PM MEST


Fornika (Premium Edition Digipack)
Fornika (Premium Edition Digipack)
Wird angeboten von musik-markt
Preis: EUR 6,00

38 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hey, mach mal halblang - was paßt Dir denn nicht???, 11. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Fornika (Premium Edition Digipack) (Audio CD)
Ich bin ebenfalls Fanta-4-Fan der ersten Stunde.

Ich GLAUBE (inzwischen), "Fornika" ist ihr allerbestes Album.

Vergleichbar mit der "4. Dimension" von 1993, betrachtet man den Sprung der zwischen "4 gewinnt" und eben der "4. Dimension" lag, bzw. wie die 4. Dimension dann wirkte.

Erster Eindruck:

"Fornika" ist ein total "seltsames" Album.

Kein einziger Song ist in irgendner Form "catchy" (auf den ersten "Blick"), wie mans gewohnt ist, es sind 2 Instrumentale drauf, die zusammen schon über 7 Minuten der Spielzeit (53:53 Min.) ausmachen, und "Ernten Was Wir Säen" ist die einzige Single die ich überhaupt entdecken konnte - nach dem ersten Durchlauf, wie gesagt.

Das ganze Album wirkt recht düster (jetzt weiß ich auch warum das Cover so aussieht wie es aussieht ) und hat seine "ganz eigene" Klangwelt.

Natürlich haben sie hier in keiner Form das Rad neu erfunden, was ich aber sagen will ist, ich glaube "sowas" hab ich (trotzdem) noch nie gehört.

Ziemlich unzugänglich für mein Empfinden, wie gesagt ziemlich dunkel, vielleicht auf den ersten "Blick" ein ziemlicher Einheitsbrei.

Aber hey: "Die 4. Dimension" war immer mein Lieblingsalbum, aus eigentlich EXAKT dieser Begründung heraus. Weil es sich entwickeln muß und kann. Und damals konnte ich mit der Vorabsingle "Zu geil für diese Welt" ebensowenig anfangen wie mit "Ernten Was Wir Säen" heute, der Song packt mich irgendwie gar nicht.

Und ich merke schon jetzt, nachdem ich das Album inzwischen schätzungsweise.....30x gehört hab, über die Osterfeiertage, da ich es schon am Donnerstag in Händen halten durfte, welches Potential "Fornika" für mich haben wird.

Im Vergleich zur letzten Platte "Viel" könnte ich somit nur resümieren: Nicht annähernd so viele "Hits", extrem viel weniger Abwechslung, eigentlich klingen alle "Fornika"-Songs ähnlich.

Schrieb ja schon von diesem speziellen "Klangkosmos" in dem sich alles abspielt. Den verläßt das Album nie.

Soweit mein erster (!) Eindruck. Das ist wichtig. Um es dann wieder zu hören und zu merken:

Für meine Ohren mit deswegen ein Segen. Konsequent geblieben, sich wohl selber ein Stück weit verwirklicht ohne Zwänge Megaseller aufnehmen zu müssen. Respekt.

Aber man muß es eben OFT hören. Beim ersten Hören fand ich keinen einzigen Angriffspunkt für mich, aufgrund dem ich sagen würde: "Wow, großartig."

Deswegen ging es so weiter:

Und ab dem 2. oder 3. Hören empfand ich Potential, fühlte mich vielleicht von der Scheibe "herausgefordert", und dann hatte ich Lust auf die Platte.

Und dann beginnt eigentlich erst die "JETZT HÖR ICHS MAL AN"-Phase. Das davor ist mehr eine Orientierung, ein Zurechtfinden, so wie es bei jeder guten Platte sein muß, meiner Meinung nach. Je schneller man etwas liebt, desto schneller wird es absolut langweilig.

Wer die Platte mies findet und sie sagen wir...3x gehört hat.....naja......das kann ich dann (noch) nicht ernst nehmen. Es ist ein gutes Album, DA es Zeit braucht, und bei Interesse an den Fantas, bei Interesse an ihrer neuen Platte (pauschal gespreochen, ohne jetzt explizit "Fornika" zu meinen, das gilt prinzipiell) sollte man diese einräumen.

Es ist definitiv "ein Album" (will sagen: Keine lose Song-Sammlung).

Ein extrem RÄTSELHAFTES Album.

Die Stuttgarter Nachrichten schrieben am 05.04. von einem "neuen Genre", nennt das Werk sehr interessant.

Das ist es durchaus. Deswegen sage ich ja es braucht Zeit, weil es etwas völlig Neues ist, das man erst "verstehen lernen" sollte, bevor man groß urteilt, weil es eben nix vergleichbares gibt, deswegen: Wo soll die Kritik hier überhaupt anfangen, ohne unberechtigt zu sein? Daß sie nichtmehr so klingen wie auf Lauschgift? Wohl kaum. Solch Argumentation wäre ja völlig lächerlich. Mir fällt nichts dazu ein - hab ich es ggfs. selbst ja noch gar nicht ganz erschlossen.

Für mich ein Kunst-Album, jedenfalls.

Definitiv jetzt schon MINDESTENS in meinen Album Top-5 für 2007.

Ich geb mal ne erste Prognose (aus 10 Punkten) ab, jetzt nach rund 3 Duzend Durchläufen:

1. Mehr Nehmen 9/10

2. Ernten was wir säen 5/10

3. Einfach Sein 9/10

4. Yeah Yeah Yeah 9/10

5. Nikki war nie weg 8/10

6. Fornika 7/10

7. Du mich auch 9/10

8. Mission Ypsilon - Instrumental 5/10

9. Ichisichisichisich 9/10

10. Einsam und zurückgezogen - Instrumental 7/10

11. Flüchtig 9/10

12. Du und sie und wir 8/10

13. Was bleibt 9/10

Wären 7,9 / 10 auf Trackebene.

(Wobei ich dazusagen muß, eine 10/10 gebe ich NIE. Das wären Klassiker, Welthits, wasimmer - und selbst wenn einer dabei wäre, das könnte kein Mensch nach 1 Woche beurteilen.)

Als ALBUM gebe ich eine 9/10.

Anmerkungen zu den Songs:

"Mehr nehmen"

Dies ist der beste Opener Ihrer Band-Geschichte. Kein anderer erster Song hatte diese Intensität um den Hörer gleich "in die Platte" zu holen. Da waren immer nur bestenfalls Party-Songs ("Populär", "Bring It Back" u.ä.), aber keine Lieder, die die Platte vorangebracht hätten, wie hier.

"Ernten Was Wir Säen"

Textlich mit Sicherheit großes Kino. "Wie geht's weiter hast Du erstmal alles erreicht?". Musikalisch für meine Ohren recht gewöhnungsbedürftig mit viel zu lauten, gesampleten Gitarren, allerdings mit guten Schlagzeug.

"Einfach sein"

Beginnt relativ schwach (vll. auch, weil für mein Empfinden der Übergang von "Ernten..." zu diesem Song nicht wirklich "paßt"), ab dem ersten Refrain aber unbezahlbar gut. Ab der zweiten Strophe auch inhaltlich spitze. Wäre ein Single-Kandidat, wird aber wohl keine Single werden.

"Yeah Yeah Yeah"

Könnte live super abgehen! => "Hey, hier oben ist die Luft dünn - vielleicht ist das der Grund warum wir immer druff sind!"

Ohne Worte! Großartig.

"Nikki War Nie Weg"

Die Synthi-Bläsersätze kann man lieben oder hassen. Ich find sie jetzt (!) große Klasse. Refrain ist allerdings praktisch kaum vorhanden. Hier geht's eh wohl eher um die großartig eingewobenen Referenzen:

Falco, Marcus, Trio etc.pp. - Cooler Song, macht Spaß!

"Fornika"

Unter dem Titelsong hätte ich mir etwas Greifbareres vorgestellt, aber das hier ist ebenso klasse.

Sehr finster, kryptischer Inhalt, schön spooky Refrain. Schwebt irgendwie und hebt die Platte auf ein anderes Level nach all diesen melodischen Songs. Referenz wohl "Thriller" von Michael Jackson. Vgl.: Das Gedicht am Ende - quasi eine 1:1 Übersetzung.

Sehr gut!

"Du Mich Auch"

Smudo pur. Absolut klasse.(Und eigentlich der einzige echte HipHop Song auf der Platte). Inhaltlich vielleicht das Stärkste was das Album zu bieten hat. Ganz stark.

"Mission Ypsilon"

Für mein empfinden ein bißchen zu lang, da zu monoton. Allerdings ggfs. Ein großartiger Opener für die Konzerte der Tour.

"Ichisichisichisich"

Der kleine Bruder von "Troy". Vielleicht DIE zweite Single. Für mich. Da sehr eingängig, und guter Refrain. Könnte daher funktionieren. Schöner Song. Prägnant, kurz, typisch Fanta-4-Style, "endlich mal".

"Einsam Und Zurückgezogen"

Instrumental. Besser als "Mission Ypsilon", da mit Sprachfetzen und einfach viel stimmiger für den Kontext der Platte. Außerdem mit 2:11 Min. für ein Instrumental angemessen. Paßt gut zum Stil der Platte, speziell zum Song "Fornika" und ist eine ebensogute Einleitung bzw. Überleitung zu:

"Flüchtig"

Thomas Ds bester Song. Punkt.

"Krieger" fand ich immer recht furchtbar, "Millionen Legionen" war genial, "Mein Schwert" war wieder nie "meines", aber das hier ist absolut unfaßbar GROSS! Hätte sich gut auf seinem Meisterwek "Lektionen in Demut" gemacht. Richtig ansprechend und vielleicht musikalisch das beste Stück auf diesem Album. Ein Highlight! => "Ganz egal welche Abfahrt man wählt, wenns von Anfang an immer nur abwärts geht."

"Du Und Sie Und Wir"

Im Internet allerorts verrissen was ich schon so gelesen hab. Vielleicht wegen Max Herres unsäglichem Refrain, leider. (mal wieder Englisch/Deutsch mit Reimen wie "respresent" (offenbar sein Lieblingswort) auf "happy end" oder "Team" auf "lieben" - nunja....). Inhaltlich sicher auch extrem zweischneidig. Ich sehe es wie "Ruf die Polizei" auf der "Viel". Ein Spaßsong, der wie "Nikki War Nie Weg" technisch erste Sahne ist, und deswegen sehr wohl zu Recht seinen Platz auf dem Album inne hat. Lauter Doppelreime. Extrem schwierige Idee, grandios umgesetzt! Wenn wie gesagt der Refrain nicht wär...

"Was Bleibt"

Perfekter Abschluß. Definitiv. Manumatei, wie beim Unplugged-Konzert, wieder beim Refrain zu hören. Superschöne Lyrics, stimmiges Instrumental. Sehr trauriger Song. Ein herausragender Abschluß für ein herausragendes Album.

Einzelwertung in Punkten, siehe oben.

Allgemein: die Texte sind insgesamt wieder über jeden Zweifel erhaben.

Vielleicht ihr inhaltliches Meisterstück.

Definitiv DAS F4-Album für mich, nach wie gesagt knapp 3 Dutzend Durchläufen.

Silwechsel hiermit abgeschlossen. Keine Schublade mehr für diese Gruppe. Danke, Jungs!!

Meine Liste der Studioalben wäre:

01 Fornika

02 Die 4. Dimension

03 Viel

04 Lauschgift

05 4 gewinnt

06 Jetzt geht's ab

07 4:99

Ich hoffe, es ist gelungen zu zeigen, daß man sich nach ein Mal Hören dieses Werks und bei etwaigem Mißfallen nicht sofort davon entfernen sollte.

Wer bereit ist, diesem Album die Zeit zu geben die es verdient, wird belohnt werden.

Eigentlich schreibe ich selten bis NIE Rezensionen. Habe aber befürchtet, daß es, dadurch daß auch mein erster Eindruck nicht 100%ig positiv war, schlechte Kritiken hageln könnte, die es, wenn man sich mit der Platte beschäftigt, einfach nicht geben dürfte. Und dem wollte ich meine 5 Sterne entgegenstellen.

Fanta-4 sind wieder da, bzw. noch da ;-)

Besser und einzigartiger denn je!!


Erkan & Stefan: Der Tod kommt krass
Erkan & Stefan: Der Tod kommt krass
DVD ~ Erkan Maria Moosleitner
Wird angeboten von McThai
Preis: EUR 18,96

17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Oh nein, Erkan & Stefan!"..., 18. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Erkan & Stefan: Der Tod kommt krass (DVD)
...werden hier viele Negativ-Rezensenten denken und lassen deswegen einfach ihre Stardard-Floskeln zu den beiden ab.
Das ist sehr schade. Und nur deswegen melde ich mich hier mal zu Wort, denn DIESEM Film wird nun schon ein Stück weit Unrecht getan.
Ich kann sagen, daß ich sämtliche DVDs der Jungs habe, ich kann aber AUCH sagen, daß ich sie immer in der Hoffnung kaufte, daß die Peinlichkeiten endlich aufhören, denn v.a. der zweite Kinofilm "Mächte der Finsternis" war schon ziemlich übel....
Aber bevor man diesen Film mit den anderen beiden in eine Schublade steckt sollte man ihn wirklich mal angucken.
Natürlich könnte ich mich bzw. jeder sich auch hier daran aufhängen daß ne handvoll Sätze fallen wie "Gibts hier auch korrekt Döner?" oder so einen Blödsinn, aber diese Plattitüden machen diesen Film dieses Mal NICHT.
Und das zu wissen reicht NICHT.
Nicht, daß das hier ein unverzichtbares Meisterwerk wäre, aber es ist finde ich vom "Komik-Niveau" her nicht zu vergleichen. Dieser Film ist vergleichsweise wirklich gelungen. Die Story finde ich wirklich so übel nicht und es sind wirklich ne Menge Szenen zum Lachen drin (mehr als in allem anderen bisher veröffentlichtem Kram der Jungs zusammen). Und ich glaube das liegt mit daran, daß das Drehbuch dieses Mal direkt von den beiden geschrieben wurde. So mußte sich niemand in die beiden reinversetzen und es kommen nunmal keine grotesk anmutenden Peinlichkeiten dabei rüber. Dieses Mal ist WIRKLICH E&S-Humor drin, Humor für den man sie mal super fand!
Natürlich muß man "immer noch" was für diesen speziellen "Humor" übrig haben, aber wenn das der Fall ist, muß man wissen, daß dieser Film in keinster Form "platt" wäre, wie die Vorgänger.
Eine wirklich gelungene Komödie für mich.
Hat mich selbst überrascht, wie sehr ich noch über die beiden lachen kann. Damit haben Sie sich für mich rehabilitiert.
An alle die dieses Duo mal in irgendner Form gut fanden (die die das noch tun sowieso): Bitte dem Film ne Chance geben, für diesen Preis zumal, DER lohnt sich!
Und deswegen gebe ich 4 Sterne (da wie gesagt noch ne handvoll Dialog-Schnitzer drin sind, aber darüber kann man schon hinweg sehen) - denn das Teil geht humoristisch wie inhaltlich dieses Mal voll in Ordnung.


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