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Rezensionen verfasst von
Dr. Edgar Dahl
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Des Teufels General / Edition Deutscher Film
Des Teufels General / Edition Deutscher Film
DVD ~ Curd Jürgens
Preis: EUR 10,49

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einer der besten deutschen Filme der Nachkriegszeit, 28. März 2011
Ausgezeichnetes Drama. Ausgezeichnete Dialoge. Und ausgezeichnete Akteure. Neben "Der Untergang" vermutlich der beste deutsche Spielfilm, der je über den Zweiten Welkrieg gedreht worden ist. Dass das Lexikon des Internationalen Films ihn allen Ernstes als "Rehabilitationsfilm" verunglimpft, mag man entweder als erheiternd oder aber als bedrückend empfinden. Ich selbst finde es befremdlich. Möglicherweise sind die Autoren des Filmlexikons ja ehemalige Stasi-Mitarbeiter, denen Demagogie und Indoktrination so sehr zur zweiten Natur geworden sind, dass sie sich außerstande sehen, ein objektives Urteil zu fällen. Für die, die nicht nur verurteilen, sondern auch verstehen wollen, ist dies auf jeden Fall ein großartiger Film.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 13, 2013 12:38 AM MEST


Jenseits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind
Jenseits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind
von Michael Schmidt-Salomon
  Gebundene Ausgabe

11 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die neue Leichtigkeit des Seins, 13. Februar 2010
In seinen Memoiren schrieb Albert Einstein einmal: Schopenhauers Spruch: ,Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber nicht wollen, was er will', hat mich seit meiner Jugend lebendig erfüllt und ist mir beim Anblick und beim Erleiden der Härten meines Lebens immer ein Trost gewesen und eine unerschöpfliche Quelle der Toleranz."

Michael Schmidt-Salomons neues Buch Jenseits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind" ist eine vorzüglich geschriebene und überaus unterhaltsame Monographie zur Einsteinschen Lebensweisheit.

Mit Hilfe der Argumentation Arthur Schopenhauers zeigt er zunächst, dass wir keine Willensfreiheit haben. Und mit Hilfe der Argumentation Friedrich Nietzsches zeigt er sodann, dass die Willensfreiheit stets als ein Folterinstrument" diente, über dessen Verlust wir uns keineswegs grämen müssen.

Ganz im Gegenteil! Die Einsicht, dass die Menschen gar nicht anders handeln können, als sie tatsächlich handeln, befreit uns von so hässlichen Gefühlen wie Selbstgerechtigkeit, Rache und Grausamkeit und befördert stattdessen so bewundernswerte Gefühle wie Güte, Milde und Nachsichtigkeit. Oder, wie es Michael Schmidt-Salomon ausdrückt: Der Tod der Willensfreiheit ermöglicht uns eine neue Leichtigkeit des Seins.

Ohne Zweifel werden wir es wohl als befreiend erleben, wenn wir uns nicht länger mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen herumplagen müssen. Doch was ist mit den anderen? Was ist mit denen, die vergewaltigen, rauben und morden? Müssen wir sie jetzt von jeder moralischen Schuld und strafrechtlichen Verantwortung freisprechen? Michael Schmidt-Salomons mutige Antwort lautet: Ja!

Ganz im Sinne dessen, was man in der heutigen Debatte um den Determinismus revisionistischen Kompatibilismus" nennt, argumentiert er gegen die Theorie der Vergeltung und für die Theorie der Verhütung. Verantwortung hin, Verantwortung her, der Staat ist zum Schutz der Rechte seiner Bürger verpflichtet: Er wird daher auch in Zukunft Menschen, die elementare Rechtsnormen verletzen, hinter Schloss und Riegel sperren. Allerdings wird er sie ohne jede moralistische Aggression behandeln müssen.

Insofern es sich bei Jenseits von Gut und Böse" nicht um ein Fachbuch, sondern um ein Sachbuch handelt, werden viele Leser von Gehirn & Geist möglicherweise eine philosophische Auseinandersetzung mit den Positionen von Ansgar Beckermann, John Martin Fischer, Jürgen Habermas, Robert Kane, Geert Keil, Michael Pauen, Derk Pereboom, Peter Strawson und Henrik Walter vermissen.

Wer sich mit dem aktuellsten Stand der Diskussion vertraut machen möchte, der sollte daher auch lieber zu dem kürzlich von Paul Russell herausgegebenen Buch Free Will and Reactive Attitudes" greifen.

Wer sich dagegen gerne auf eine kurzweilige Reise durch die Soziobiologie und die Neurobiologie sowie den Buddhismus und Islamismus begeben möchte, dem darf man zuversichtlich Bon Voyage!" wünschen.


Churchill, Hitler und der unnötige Krieg: Wie Großbritannien sein Empire und der Westen die Welt verspielte
Churchill, Hitler und der unnötige Krieg: Wie Großbritannien sein Empire und der Westen die Welt verspielte
von Patrick J Buchanan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,95

22 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen So kann man ein Buch auch der Lächerlichkeit preisgeben, 20. Januar 2009
Ich weiß ja nicht, aus wessen Feder die obige Beschreibung des Buches stammt, aber sie ist vollkommen irreführend. Buchanan behauptet selbstverständlich nicht, dass Winston Churchill, sondern dass das Britische Königreich für die zwei Weltkriege mitverantwortlich sei. Churchill wird, wenn überhaupt, "nur" dafür verantwortlich gemacht, dass er Russland und Amerika in den Konflikt mithineingezogen und ihn so erst zu einem Weltkrieg gemacht habe.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 10, 2014 10:08 AM MEST


Göring - Eine Karriere [2 DVDs]
Göring - Eine Karriere [2 DVDs]
DVD ~ Michel Morales
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 11,99

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vorsicht!, 13. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Göring - Eine Karriere [2 DVDs] (DVD)
Wer, wie ich, die Dokumentationen von Polar Film schätzt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es sich bei dieser Produktion um einen Film aus dem Hause des hochverehrten und sehr geschätzten Herrn Guido Knopp handelt, die nur unter dem Label von Polar Film erscheint. Was Sie von dem Film erwarten dürfen, hat "Polygraph" so detailliert und korrekt geschildert, dass dem nichts mehr hinzuzufügen ist.


Humanity: A Moral History of the Twentieth Century (Yale Nota Bene)
Humanity: A Moral History of the Twentieth Century (Yale Nota Bene)
von Jonathan Glover
  Taschenbuch

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brilliant, 11. Januar 2009
Ausgezeichnetes Buch! Es grenzt schon fast an einer Schande, dass es bislang noch nicht ins Deutsche übersetzt worden ist.


Sophie Scholl - Die letzten Tage (Special Edition, 2 DVDs) [Deluxe Edition]
Sophie Scholl - Die letzten Tage (Special Edition, 2 DVDs) [Deluxe Edition]
DVD ~ Julia Jentsch
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 12,49

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgezeichneter Film, 10. Januar 2009
Ein wirklich ausgezeichneter Film mit hervorragenden Dialogen. Vor allem Alexander Held, der den Vernehmungsbeamten Robert Mohr verkörpert, wirkt überzeugend und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.

Vor allem dank der Bonus-Disk mit zahlreichen Dokumenten und Interviews Überlebender ist der Film davor gefeit, die Geschwister Scholl zu verklären. So wird beispielsweise kein Hehl daraus gemacht, dass Hans Scholl ursprünglich einen Führungsposten im Jungvolk der Hitler-Jugend innehatte und Sophie Scholl zuvor dem Bund Deutscher Mädel angehörte.

Bedauerlich nur, dass sich unter den auf der Bonus-Disk versammelten Dokumenten nicht auch der Brief des Vernehmungsbeamten Robert Mohr and den Vater der Geschwister Scholl befindet, in dem er unter anderem erklärt:

"Was Sophie Scholl anlangt, glaubte ich einen Weg gefunden zu haben, ihr wenigstens das Leben zu retten. Eigens zu diesem Zweck ließ ich sie mir, glaube ich, am 19.2.43 zur Vernehmung vorführen. Ich versuchte mit letzter Beredsamkeit Fräulein Scholl zu einer Erklärung zu veranlassen, die letzten Endes darauf hinaus hätte laufen müssen, daß sie ideologisch mit ihrem Bruder nicht konform war, sich vielmehr auf ihren Bruder verlassen habe, daß das, was sie getan habe richtig sei, ohne sich selbst über die Tragweite der Handlungsweise Gedanken zu machen. Sophie Scholl erkannte sofort, worauf ich hinauswollte, lehnte es jedoch entschieden ab, sich zu einer solchen oder ähnlichen Erklärung bereitzufinden. Es war dies in der Tat vielleicht die einzige Möglichkeit, Sophie Scholl wenigstens das Leben zu retten. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich Sophie Scholl wie eine Verräterin am eigenen Bruder vorgekommen wäre, wenn sie diesen 'Strohhalm' hätte ergreifen sollen. Bei der charakterlichen Haltung der Sophie Scholl im allgemeinen, ist mir ihre Stellungnahme zu dieser Frage verständlich, auch wenn ich damals sehr enttäuscht darüber war, nicht zu dem von mir erstrebten Erfolg gekommen zu sein."


Rosenstraße
Rosenstraße
DVD ~ Katja Riemann
Wird angeboten von Eliware
Preis: EUR 7,80

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Geschichtsverfälschung, 10. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Rosenstraße (DVD)
Ein durchaus sehenswerter Film. Anders als viele andere deutsche Streifen vermeidet er zu einem guten Teil die gewöhnliche Schwarz-Weiß-Malerei. Nichtsdestotrotz ist er letztlich ein Ärgernis. Wie viele Historiker bereits kritisiert haben, ist die Aussage des Films höchst irreführend und beruht auf einer bewussten Verdrehung der historischen Tatsachen. Die in der Rosenstraße festgehaltenen jüdischen Männer sind nicht wegen des mutigen Protests ihrer deutschen Ehefrauen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Vielmehr hat das Reichssicherheitshauptamt sie von vornherein nur zum Zweck der Registrierung interniert. Mit anderen Worten: Anders als der Film es suggeriert, waren sie gar nicht zur Deportation "in den Osten" bestimmt und sollten ohnehin wieder freigelassen werden.

Hinzu kommt, wie es die Historikerin Beate Meyer so treffend ausdrückt, dass der Film die Zuschauer mit der Frage zurücklässt, "wie es eigentlich zum Judenmord kommen konnte, wenn es doch nur sieben Tage der Standhaftigkeit bedurfte, ihn zu verhindern?"


Nicht alle waren Mörder
Nicht alle waren Mörder
DVD ~ Nadja Uhl
Wird angeboten von audiovideostar_2
Preis: EUR 34,90

4 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Selten gutes Kino aus Deutschland, 4. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Nicht alle waren Mörder (DVD)
Eine anspruchsvolle Verfilmung eines ausgezeichneten Buches. Vor allem Katharina Thalbach und Axel Prahl hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Unverständlich nur, dass sich der Drehbuchautor und Regisseur Jo Baier "genötigt" sah, die aufopferungsvolle Hilfe des SS-Mannes zu unterschlagen, mit der das Buch beginnt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 9, 2011 6:36 AM MEST


Die Frage nach Gott
Die Frage nach Gott
von Norbert Hoerster
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

38 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schade, dass es keine 6 Sterne gibt!, 28. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Frage nach Gott (Taschenbuch)
Norbert Hoersters "Die Frage nach Gott" ist zweifellos das beste religionskritische Buch, das es gegenwärtig gibt. Es ist kurz, klar, nüchtern und sachlich - ein echter "Hoerster" eben! Aus den rund einhundert Seiten seines Buches kann man mehr Gewinn ziehen als aus den eintausend Seiten der religionskritischen Bücher von Dawkins, Harris und Hitchens zusammen genommen; und dies ist keineswegs als Kritik an Dawkins & Co, sondern einzig und allein als Kompliment an Hoerster gemeint.


Gott: Eine kleine Geschichte des Größten
Gott: Eine kleine Geschichte des Größten
von Manfred Lütz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

183 von 247 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das Elend der Theologie, 7. April 2008
Sigmund Freud hat einmal gesagt: „Wenn es sich um Fragen der Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig.“ Der Bestseller „Gott. Eine kleine Geschichte des Größten“ von dem Theologen und Psychiater Manfred Lütz dürfte ein Paradebeispiel für Freuds Beobachtung sein. In seinem Bemühen, uns von dem Glauben der römisch-katholischen Kirche zu überzeugen, bedient sich Lütz aller unredlichen Tricks, die sich christliche Apologeten über die Jahrhunderte hinweg haben einfallen lassen.

Der erste Kunstgriff besteht bekanntlich darin, sich das Vertrauen seiner Leser zu erschleichen, indem man sich ausdrücklich von dem salbungsvollen Ton und dem frömmelnden Gehabe typischer Kleriker distanziert. Unglücklicherweise geht die Rechnung nicht ganz auf, da der Leser während der Lektüre den vom Autor mit gespielter Jovialität um die Schulter gelegten Arm zu spüren meint und seinen etwas zu kumpelhaften Ton schlicht als zudringlich erlebt. Die Sprache ist da auch nicht sonderlich hilfreich. Vermeintlich „coole“ Interjektionen wie „Wow“, „Woom“ und „Super-GAU“ geben dem Leser das Gefühl, abermals ein mit Pickeln übersäter Halbstarker im Konfirmandenunterricht zu sein. Die einzig werbewirksame Phrase, die dem Buch noch fehlt, ist: „Gott ist geil!“

Der zweite, ebenfalls hinreichend bekannte Kunstgriff besteht darin, rasch einen frei inszenierten Sieg zu erringen. So „beweist“ Lütz seinen Lesern mit sichtlicher Genugtuung, dass Feuerbach, Marx und Freud die Existenz Gottes nie widerlegt haben. Darin hat er freilich recht. Doch ist dies selbstverständlich kein Grund zum Triumphieren, da die genannten Religionskritiker auch nie den Anspruch erhoben hatten, die Existenz Gottes zu widerlegen. Sie haben sich für die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, noch nicht einmal interessiert. Vielmehr sind sie schon immer von seiner Nichtexistenz ausgegangen und haben sich die wissenschaftlich weit interessantere Frage vorgelegt: „Wie kommt es eigentlich, dass so viele Menschen an einen Gott glauben?“

Der dritte Kunstgriff besteht darin, sich gegen jede Kritik immun zu machen, indem man seinen Gegnern kurzerhand unterstellt, lediglich einen Strohmann zu bekämpfen. Nach Lütz haben Religionskritiker wie Holbach, Voltaire oder Hume nur dem auf der Wolke sitzenden Gott mit dem Rauschebart etwas anhaben können, doch nicht dem Gott der einzig wahren Kirche. Der Gott der römisch-katholischen Kirche sei nämlich ganz anders. Wie jeder weiß, richteten sich die Argumente von Holbach, Voltaire und Hume jedoch keineswegs gegen irgendwelche „selbstgemachten Götter“, sondern durchaus gegen den Gott des Nicäischen Glaubensbekenntnisses, dem sich die Christen aller Konfessionen noch heute verpflichtet fühlen.

Der vierte Kunstgriff besteht darin, seinen Kontrahenten mit einer falschen Alternative zu erpressen. Wer nicht an Gott glaubt, habe sich nach Lütz noch gar keine wirkliche Vorstellung von den verheerenden Konsequenzen seines Unglaubens gemacht. Ohne Gott bleibe uns nämlich nur noch der Nihilismus eines Friedrich Nietzsche: „An Gott glauben oder Nietzsche folgen, das scheint die wirkliche Alternative zu sein. Wenn man aber Nietzsche folgt, dann muss man auch bereit sein, den bitteren Kelch des Atheismus bis zur Neige zu trinken. Dann hat man keine Argumente gegen Hitler, Stalin oder Mao Tse-Tung mehr.“ Es bedarf hoffentlich keiner besonderen Erklärung, dass der Nihilismus keineswegs die logische Konsequenz des Atheismus ist. Der säkulare Humanismus eines Bertrand Russells ist beispielsweise eine durchaus gangbare Alternative zum moralischen Nihilismus.

Der fünfte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner moralisch zu diskreditieren, indem man sein Weltbild diffamiert und für menschenverachtend erklärt. So bezeichnet Lütz den Faschismus und den Kommunismus als „atheistische Freilandversuche“, die womöglich mehr unschuldige Menschen auf dem Gewissen haben „als alle Religionen zusammen“. Dass sowohl der Faschismus als auch der Kommunismus zwei quasi-religiöse Heilslehren waren, die mit dem Atheismus säkularer Humanisten nicht das Geringste zu tun haben, ficht ihn dabei nicht an. Auch scheint er bequemerweise ganz zu vergessen, dass die Soldaten der Wehrmacht „Mit Gott und dem Führer“ in den Krieg gezogen sind und über ein Viertel der SS-Angehörigen treu ergebene Mitglieder seiner katholischen Kirche waren.

Der sechste Kunstgriff besteht darin, ein argumentatives Zugeständnis zu machen, das man bereits im nächsten Satz möglichst unbemerkt wieder zurücknimmt. So gesteht Lütz bereitwillig zu, dass der Vatikan selbstverständlich nicht immer von Engeln regiert wurde. Er nennt die Kirche in seiner erwähnt hemdsärmeligen Art sogar einen „Saustall“, doch selbstverständlich nur, um sogleich hinzuzufügen, dass es ja auch „total frustrierend“ wäre, wenn sie nur von Heiligen geleitet würde. Ich fürchte, man darf mit guten Gründen bezweifeln, dass die Juden „total frustriert“ gewesen wären, wenn der Vatikan zur Zeit des Dritten Reiches wenigstens ein einziges Wort gegen den Holocaust gesagt hätte.

Der siebte Kunstgriff besteht darin, dass man vermeintliche oder tatsächliche Autoritäten für seine Sache vereinnahmt. Die am häufigsten missbrauchte Autorität dürfte zweifellos Albert Einstein sein, dessen metaphorisches Reden von einem „Schöpfer“ – „Gott würfelt nicht!“ – geradezu wie eine Einladung an die Christen wirken musste. Lütz schreibt denn auch: „Albert Einstein war zuerst natürlich Atheist geworden. Aber je tiefer er in die Wissenschaft eindrang, desto mehr entwickelte er sich zu einem Bewunderer des Göttlichen.“ Lütz weiß natürlich so gut wie jeder andere, dass Ein-stein alles andere als ein Christ war. Wenn Einstein überhaupt an einen Schöpfer glaubte, dann an den von Lütz verlachten „Rentnergott Epikurs“.

Der achte Kunstgriff besteht darin, die ganze Hand zu ergreifen, sobald einem der kleine Finger gegeben wird. Dass Wissenschaftstheoretiker wie Karl Popper offenherzig von der Fehlbarkeit unserer Vernunft und der Vorläufigkeit all unseres Wis-sens sprechen, nutzt Lütz sogleich dazu aus, um einige aus der Vordertür herausbe-förderte Dogmen rasch durch die Hintertür wieder hineinzuholen. So sei etwa die „Himmelfahrt Christi“ zwar „höchst unwahrscheinlich“, doch nicht „prinzipiell unmöglich“. Die Bescheidenheit der Wissenschaft dient jetzt also als intellektueller Freifahrtschein der Theologen.

Der neunte Kunstgriff besteht darin, dass man sich auf die Bildungslücken seiner Leser verlässt und schwer verständlichen naturwissenschaftlichen Theorien kühn einige Implikationen unterstellt, die sie nicht haben. So dürfte es beispielsweise die Physiker überraschen zu hören, dass die Quantentheorie „die Ehe zwischen Atheismus und Wissenschaft argumentativ zerrüttet“ habe. Nach Lütz ist der Zweifel an Gott als „intellektuelle Option zusammengebrochen“, weil die Quantentheorie zum „argumentativen Super-GAU des Atheismus“ geführt habe. Natürlich ist nichts von alledem wahr. Und man fragt sich wie Schopenhauer bei der Lektüre von Hegel: „Ist das nun Dummheit oder Niedertracht?“ Wie jeder Abiturient weiß, hat die Quantenphysik die klassische Physik Newtons erweitert und – zumindest nach einigen ihrer Interpretationen – den Determinismus des mechanistischen Weltbildes in Frage gestellt. Doch der Determinismus der mechanistischen Physik hat nichts mit dem Atheismus der naturalistischen Philosophie zu tun.

Der zehnte und letzte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner, wenn nötig, zu beschämen. So zitiert Lütz bei der Behandlung des Theodizee-Problems sein philosophisches Vorbild Robert Spaemann, der auf die Frage „Wo war Gott in Auschwitz?“, kurz mit „Am Kreuz!“ antwortete. Angesichts dieser entwaffnenden Antwort verbietet sich freilich jede weitere Frage; es sei denn, man nimmt es in Kauf, als herzlos zu gelten. So geschickt dieser moralistische Schachzug auch sein mag, dass Gott ebenfalls gelitten hat, kann selbstverständlich keine Antwort auf die Frage sein, warum Millionen von Juden in den Tod gehen mussten, wenn ihnen ein ällmächtiger und allwissender Gott doch problemlos hätte zu Hilfe eilen können.

Für den Fall, dass ein Leser auf Lützens Kunstgriffe hereingefallen ist, sollte man annehmen, dass er jetzt vor der Wahl stehe und entscheiden müsse, ob er nun Christ, Muslim, Jude, Hinduist, Buddhist, Jainist oder was auch immer werden wolle. Doch Lütz ist derart zuvorkommend, dass er seinen Lesern die Qual der Wahl auch hier gerne abnimmt. Die anderen Religionen seien keine wirkliche Option. Sie seien „religiöser Ramsch“. „Das Wirrwarr des hinduistischen Götterhimmels“ etwa sei schlichtweg „abstoßend“. Der Buddhismus habe zwar einige „tiefe Einsichten“, sei aber letztlich „unbefriedigend“. Und im Islam sei der Mensch einfach „zu weit ent-fernt“ von Gott. Gegen das Judentum sagt Lütz eigentümlicherweise nichts. Wahrscheinlich schweigt er sich aber nur deshalb aus, weil man in einer „Theologie nach Auschwitz“ mit solcher Kritik vorsichtig sein muss.

Die erste Frage, die man sich nach der Lektüre, stellt, ist: Wie kann ein so billiges Buch nur so teuer sein?
Kommentar Kommentare (30) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 8, 2013 4:44 PM MEST


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