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Rezensionen verfasst von
A. Gerritzen
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Ubik
Ubik
von Philip K. Dick
  Taschenbuch

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gott aus der Spraydose, 13. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Ubik (Taschenbuch)
Ich habe UBIK zuerst mit grossen Erwartungen gelesen und wunderte mich nach etwa vier Fünfteln des Buches über die mäßig dahinplätschernde Story. Das war so gar nicht der Philip K. Dick, den ich so schätze. Ich musste stutzen, blätterte zurück auf die erste Seite, las den ersten Satz noch einmal und hätte mich schwarz ärgern können: PKD hat mich reingelegt! Ich war fassungslos. Da habe ich nun etliche Dick-Romane gelesen und falle immer noch auf ihn rein. Ganz nach meinem Geschmack!!

Glen Runciter ist der Geschäftsführer von Runciter Associates und befragt in aktuellen Geschäftsfragen seine Frau Ella, die in einer Kaltpackung im Halbleben liegt. Dann und wann reaktiviert er seine keinesfalls tote, sondern in der Zwischenwelt dahindämmernde Gattin, um sie über das Zeitgeschehen zu informieren. Seine Agentur beschäftigt Leute mit vielfältigen Psi-Kräften. So gibt es z.B. Anti-Telepathen, die die Fähigkeiten von Telepathen - die häufer in der Industriespionage eingesetzt werden - ausser Kraft setzen. Runciters grosser Konkurrent ist Ray Hollis, der Runciter mit seiner Crew unter falschen Vorgaben auf den Mond lockt. Durch eine Explosion kommt Runciter ums Leben, die anderen fliehen, scheinbar unverletzt, zurück zur Erde. Wieder auf dem Heimatplaneten, erlebt die kleine Gruppe von Psi-Talenten, darunter der enge Vertraute Runciters Joe Chip, eine merkwürdige Verschachtelung von Realitäts- und Zeitebenen: Autos verwandeln sich in Oldtimer, Fahrstühle in Treppenaufgänge - alles verblaßt zu einer längst veralteten Ausgabe oder Version. Joes Kollegen sterben nacheinander, und Glen Runciter taucht nicht nur auf Münzen und Geldscheinen auf, sondern versucht anscheinend, mit Joe Kontakt aufzunehmen. Langsam erkennt Joe, dass nicht etwa Runciter gestorben ist, sondern er selbst nun im Halbleben dämmert und von Runciter reaktiviert wird. Einzig Ubik, ein von Ella entwickeltes Präparat in einer Spraydose, scheint den langsamen Verfall aufhalten zu können.

In der Welt der Lebenden findet Glen Runciter schlußendlich eine Münze mit dem Bild von Joe Chip, sodass man sich nun fragen kann, ob auch er im Halbleben ist und sein Leben wiederum nur eine Illusion ist ...

Philip K Dick beginnt das Buch mit einem gross angelegten Finte und lockt den Leser auf eine falsche Fährte: Die Explosion, bei der Runciter auf dem Mond ums Leben kommt, ist ein Täuschungsmanöver. Schon vorher gibt es Anzeichen von Verfall und Degeneration sowie die Verschiebung und Verschachtelung von Wirklichkeitsebenen: Wer liegt denn nun eigentlich in einer Kaltpackung, Glen Runciter oder beide oder keiner? Vor dem Einsatz auf dem Mond hatten mehrere Psi-Talente denselben Traum - teilen wir, die Leser, nun denselben Traum mit PKD, Runciter und Chip? Und Ubik - ist das eine Art omnipräsente, göttliche Instanz (schön postmodern und ironisch in einer bunten Spraydose), die als einzige Erlösung gegen den Verfall bringt?

Vielleicht muss ich das Buch nochmal lesen (zum DRITTEN Mal!), um wirklich alle Aspekte von Anfang an mitzubekommen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 14, 2012 7:33 AM CET


Kakerlaken: Harry Holes zweiter Fall (Ein Harry-Hole-Krimi, Band 2)
Kakerlaken: Harry Holes zweiter Fall (Ein Harry-Hole-Krimi, Band 2)
von Jo Nesbø
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Typischer Nesbo, gute Spannung!, 21. Juli 2011
"Kakerlaken" hat alles, was einen guten Thriller von Jo Nesbo ausmacht:

1. Harry Hole wie er leibt und lebt. Ich mag den unkonventionellen Ermittler mit Alkoholproblem, der irgendwie immer von der Vergangenheit und dem Wunsch nach einem Bier geplagt wird. Hole ist den Ermittlungen und dem Leser stets eine Nase voraus, was man nach ein paar Hole-Geschichten ahnt, aber nie genau weiß. Hole weiß immer mehr als Nesbo dem Leser enthüllt bis sich am Ende die kleinen Puzzleteilchen perfekt zusammenfügen.

2. Interessante, vielschichtige Nebenfiguren, die, auch wenn sie nur kurz auftauschen, detailliert gestaltet sind, ihren eigenen Lebensweg und somit ihre eigene Agenda haben und so glaubwürdig erscheinen. Manchmal sind sie ein wenig kromuddelig wie Hole selbst, und dann laufen die Ermittlungen von Hole besonders gelungen. Bei "Kakerlaken" sind es die thailändische, glatzköpfige Ermittlerin Liz und der Vietnam-Veteran Ivar, die Hole auf unkonventionelle Art begleiten. Sympathisch sind Holes Weggefährten nicht unbedingt, doch gerade das Konfliktpotential und die Reibereien machen die Angelegenheit interessant.

3. Aus den Nebenfiguren mit Ecken und Kanten ergeben sich immer wieder neue Entwicklungen, Sackgassen, Finten und falsche Fährten - der Leser glaubt, der Schuldige ist gefaßt, dann ergibt sich eine neue Perspektive, um dann doch nochmal (und nochmal) umzuschwenken.

Dazu kommt der exotische Schauplatz Thailand - mir gefällt's!


Die Mars-Chroniken
Die Mars-Chroniken
von Ray Bradbury
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Wir kommen von der Erde!" - "Sie meinen, aus dem Boden?", 19. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Mars-Chroniken (Taschenbuch)
Ich bin ein großer Fan von Bradburys "Fahrenheit 451" und war sehr enttäuscht von den Mars-Chroniken. Ich hatte mir viel mehr versprochen!

In dem Episodenroman beschreibt Bradbury die allmähliche Eroberung des Planeten Mars durch die Menschheit. Lose zusammengehalten werden die einzelnen Geschichten von der übergreifenden Entwicklung der Kolonialisierung. Zunächst begegnen Expeditionen zum fernen Planeten dementsprechend auch den Marsianern und geraten in unfreiwillig komische oder einach nur blamable Situationen. Es werden zahlreiche Parallelen zu den irdischen Kolonialisierungsversuchen gezogen wie die Verdrängung der amerikanischen Ureinwohner durch die Europäer, und die menschliche Rasse steht dabei gar nicht so gut da. Doch mit der fortschreitenden menschlichen Besiedelung schwinden natürlich auch die Begegnungen mit Marsianern, sodaß sich die Episoden immer mehr um gesellschaftlich-soziale Themen (z.B. Familie, Religion, Trauer) handeln als um die Begegnung mit Außerirdischen. Die Marsianer sehen den Menschen übrigens sehr ähnlich, setzen sich wenig durch spezifische Charakteristika von den Menschen ab und scheinen eher Spiegelbilder als fremde Wesen zu sein. Damit werden die "Mars-Chroniken" aber gänzlich zu einem Roman über die Menschheit, eine Gesellschaftsstudie vielleicht. Und das hat mich enttäuscht: Ich habe vielmehr eine Auseinandersetzung zwischen Mensch-Marsianer erwartet. Es geht nicht um den Mars, sondern um die Menschheit.

Der heterogene Eindruck der lose miteinander verbundenen Kapitel hat mich etwas irritiert, denn sowohl Themen als auch die Sprache der einzelnen Einheiten variieren sehr stark - von Slapstick (siehe Überschrift) über surreal-phantastische Sequenzen bis hin zu philosophischen Spekulationen über die Zukunft der Erde einerseits; von blumiger, überbordender Sprache über öde Beschreibungen oder auch mitreißenden Passagen bis urkomischen Dialogen andererseits ist alles dabei.

Für SF-Liebhaber natürlich ein Muss - Science Fiction der 1940er Jahre! Für mich ist es zu sehr Gesellschaftsstudie, und die Form sagt mir nicht zu - daher 3 Sterne.


Nur der Tod ist ohne Makel: Fran Varadys erster Fall
Nur der Tod ist ohne Makel: Fran Varadys erster Fall
von Ann Granger
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Kurzweilige Unterhaltung, aber ..., 16. Juli 2011
"Nur der Tod ist ohne Makel" ist mein erstes Buch von Ann Granger. Der Plot ist schnell erzählt: In einem besetzten und vom Abbruch bedrohten Haus wird ein junges Mädchen, Terry, erhangen aufgefunden. Die Hausbesetzer, ohnehin von der Londoner Polizei durch ihre Wohnungslosigkeit bedroht, geraten unter Mordverdacht. So macht sich die 21jährige, ehemalige Schauspielstudentin Francesca Varady, genannt Fran, auf die Suche nach dem Mörder. Sie fährt in den Heimatort der Ermordeten, entdeckt, daß die so ärmlich wirkende Terry aus einer reichen Familie stammt und kommt dem Mörder langsam auf die Schliche ...

Die erste Hälfte des Buches gefiel mir sehr gut: Liebevoll gestaltete, skurille Gestalten, eine interessante und schlagfertige Protagonistin aus der Hausbesetzer-Szene (entgegen evtl. Vorurteile nicht asoziales Pack, sondern interessante Individuen), eine mäandernde, aber angenehme Erzählweise im Plauderton, kurzweilige Unterhaltung - mir gefällt's!

Leider konnte Ann Granger diesen Stil nicht bis zum Ende durchhalten; in der zweiten Hälfte geht es abwärts mit dem Roman: Die nette Erzählweise und Charakterendarstellung wird der manchmal etwas mechanischen Auflösung des am Ende doch recht banalen Plots geopfert. Schade! Daher nur drei Sterne.


Solaris
Solaris
von Stanislaw Lem
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Endlich keine grünen Marsmännchen!, 13. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
Ich habe mich immer gefragt, warum Außerirdische in zahlreichen SF-Filmen oft als kleine grüne Männchen und damit letztendlich humanoid dargestellt werden (also irgendeine Variante von Kopf - Torso - Extremitäten). Lem zeigt in Solaris, daß es auch anders geht, und ich halte diese Lösung für sehr gut: So wirft Lem die Frage auf, was geschieht, wenn wir extraterrestrischem Leben begegnen, das wir gar nicht verstehen und mit dem wir nicht kommunizieren können.

Die Handlung ist einfach erzählt: Der Psychologe Kris Kelvin kommt an Bord einer Raumstation über dem Planeten Solaris, mit dem sich seit langer Zeit die Wissenschaft beschäftigt. So ist auf dem Planeten außerirdirsches Leben in Form eines den Planeten bedeckenden Ozeans entdeckt worden. Nur: Trotz unzähliger Versucher der Kontaktaufnahme kommt es zu keiner Kommunikation. Als Kelvin auf der Station eintrifft, benehmen sich die anderen beiden Wissenschaftler merkwürdig, der dritte Forscher hat sich kurz vor Kelvins Eintreffen umgebracht. Kelvin begegnet bald darauf seiner verstorbenen Frau und beginnt zu ahnen, daß diese Halluzination durch den Ozean hervorgerufen ist und dessen Art der Kommunikation mit den Menschen zu sein scheint.

Gleichzeitig spricht er die philosphische Frage an, warum wir das All erkunden und gibt die Antwort, weswegen wir uns Außeriridische als humanoide Wesen vorstellen: Wir suchen einen Spiegel. Was aber, wenn uns etwas gänzlich anderes begegnet?

Ich kann die Kritik der langweiligen Romanstruktur nicht nachvollziehen: Ich fand "Solaris" sehr spannend. Wer actiongeladene Handlung und Weltraumschlachten erwartet, wird hier allerdings enttäuscht. Vielmehr geht es um wissenschaftliche Spekulationen über die Natur und das Bewußtsein des Ozean und Solaris sowie die zunehmenden psychologischen Konflikte zwischen den Mitgliedern der Raumstation, unter denen gegenseitiges Mißtrauen und Verzweiflung - immerhin wird jeder von einem "Gast" heimgesucht - wachsen. Kelvin gewöhnt sich außerdem an die Halluzination seiner Frau und lebt mit ihr Seite an Seite auf der Raumstation, während seine halluzinierte Gattin wiederum ein eigenes Bewußtsein entwickelt: Dieser Halluzination ist durchaus klar, daß sie nicht "echt" ist und verzweifelt geradezu darüber.

Leider ist die Übersetzung nicht gut, und in die langsame Sprache muss man sich erst einfinden. Zugegeben: Die wissenschaftliche Abhandlung über Symmetriaden, Asymmetriaden und Mimoiden über 20 Seiten hat auch mich geschlaucht (daher nur 4 Sterne anstatt 5), aber von Hard Science Fiction erwarte ich so etwas und keine spektakuläre Raumschiffballerei.

Vielleicht liegt es eher an unseren Lese- und Sehgewohnheiten, daß Lems "Solaris" als öde empfunden wird: Wir kennen Space Operas wie Star Trek oder Star Wars, in denen es zu Feindschaften und Verbrüderungen zwischen Menschen und Aliens kommt, alles aber ist immer Entweder-Oder. Lem dagegen entwirft eine andere Position, in dem der menschliche Wissenschaftler ratlos dem außerirdischen Wesen gegenüber steht. Als logische Konsequenz gibt es keinen wilden Endkampf à la H.G. Wells - und gerade das hat mir gut gefallen!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 28, 2011 9:28 AM MEST


Zeit aus den Fugen. Roman
Zeit aus den Fugen. Roman
von Philip K. Dick
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Typischer PKD-Roman, 11. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Zeit aus den Fugen. Roman (Taschenbuch)
Meine Vorrezensenten haben den Plotz bereits ausführlich erötert, daher hier ein paar ergänzende Gedanken:

Zeit aus den Fugen enthält typische Elemente eines Philip K Dick Romans wie plötzlich auftauchende Erinnerungsfetzen, von denen man nicht weiss, ob sie real oder eingebildet sind, die Paranoia, die sich als bedrohliche Gewißheit entpuppt, die Unsicherheit gegenüber der äußeren Realität, sprachphilosophische und erkenntnistheoretische Fragestellungen - ist die Wirklichkeit nur eine Inszenierung, und wenn ja, von wem - meine eigene Projektion oder die einer fremden Macht?

Gut gefallen haben mir die krimihaften Züge, durch die sich der Leser mit der Hauptfigur Ragle Gumm, geplagt von Deja-Vus und unguten, aber vertrauten Ahnungen, auf die Suche nach der Lösung seiner Paranoia macht. Nach und nach fügen sich die Puzzleteilchen für Protagonisten und Leser zusammen, und erst auf den letzten Seiten entpuppt sich die umfassende, verstörende Dimension des Plots, die - wie oft bei PKD - die vermeintliche Realität auflöst.

Was mich positiv überrascht hat, sind die gesellschaftskritischen Züge des Romans: Dick entwirft eine Vorstadtidylle mit typischen amerikanischen Themen der 1950er Jahre: Angst vor der Wasserstoffbombe, Mode und Fernsehen, den "großen Zeitvertreib der Nation", dem Eigenheim mit Vorgarten, Ehepaaren, bei denen der Mann arbeiten geht, während die Hausfrau sich brav ums Kochen und die Kinder bemüht. Sogar der kleine Flirt mit der Nachbarin fehlt nicht. Diese Fassade wird im doppelten Sinn nicht hinterfragt: Keine der Figuren fragt sich, was eigentlich jenseits des Tellerrandes von Old Town liegt, im übertragenen Sinn interessiert sich niemand für das System hinter der Fassade oder Illusion. Alle sind bemüht, die Fassade aufrecht zu erhalten - ist es da Zufall, daß sich die schöne Scheinwelt in Luft auflöst, als Ragle Gumm sich daran macht, über den Tellerrand hinaus zu blicken?

Einziger Kritikpunkt sind die bei Dick oft zu flach geratenen Charaktere, die hinter der Plotgestaltung zurück liegen. Trotzdem 5 Punkte, da charakteristischer PKD-Roman!


Der Schatten des Herrn: Thriller
Der Schatten des Herrn: Thriller
von John F. Case
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Spannend!, 29. Juli 2010
Nach "Der achte Tag" ist "Der Schatten des Herrn" mein zweites Buch von John F. Case. Mit dem gebührenden Abstand von fast einem Jahr - "Der achte Tag" habe ich im September 2009 gelesen - macht sich "Der Schatten des Herrn" ganz gut.

Wieder gibt es einen sympathischen, vom Schicksal gebeutelten Protagonisten, der so gut ausgestattet ist mit Freizeit, Geld, Kontakten und anderen Ressourcen, daß Weltreisen, Hacken, exzessiven Recherchen in Geheimarchiven, usw. kein Problem darstellen (wäre das nicht auch schön für uns Normalos??). Wieder gibt es internationale Schauplätze von Chicago über Rom bis Prag, spannendes Rätselraten, aufreibende Spurensuche und Puzzleteilchen, die sich nur langsam zusammenfügen, religiösen Fanatismus, Geheimbünde und moderne Wissenschaft sowie eine Hauptfigur, die sich durch ihr eigenes Tun zunehmend in Gefahr bringt.

John F. Case hat ein gutes, wenn auch schnell durchschaubares Erfolgsrezept. Ich kann damit leben, denn die Romane des Autors verheißen Spannung und sehr gute Unterhaltung. Wenn man die Romane zu schnell hintereinander liest, mag es vielleicht zu schnell zu langweilig und schematisch werden - also lasse ich immer so viel Zeit verstreichen, bis ich mich auf das altbewährte Rezept wieder freue!


The Secret - Das Geheimnis
The Secret - Das Geheimnis
von Rhonda Byrne
  Audio CD
Preis: EUR 17,99

67 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Zynisch, 30. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: The Secret - Das Geheimnis (Audio CD)
Mit großen Erwartungen habe ich "The Secret" als Audiobook gehört, und ich bin enttäuscht bis entsetzt. Einige Passagen haben mir gut gefallen, wie die über Dankbarkeit und positive Energien, die wir ausstrahlen. Natürlich ist es richtig, dass gute Gedanken unser Wohlbefinden steigern, dass es unproduktiv und schädlich ist zu grübeln und sich immer wieder um dieselben quälenden Gedanken zu drehen. Natürlich spiegeln die äußeren Umstände unser Inneres wider, natürlich spielt die mentale Gesundheit eine entscheidende Rolle in Beruf, Finanzen, Beziehungen, usw.

Doch Rhonda Byrnes treibt es zu weit. Was ist mit Katastrophenopfern, Traumapatienten, vergewaltigten Frauen und missbrauchten Kindern, Holocaust-Überlebenden, Kriegsversehrten? Laut Byrnes haben sie einfach einfach nur die "falsche Frequenz" und sind deswegen in Katastrophen und schmerzvolle Umstände geraten. Meines Erachtens ist das nicht nur zynisch, sondern gefährlich. Die Sinnsuche in solchen Situationen ist fatal und schlichtweg irrsinnig. NB: Ich meine NICHT, dass man schlechte Erfahrungen nicht ins Ich integrieren und das Beste daraus machen sollte. Durch Traumata werden wir, wer wir sind. ABER: Rhonda Byrnes treibt eine Position voran, die saumseliges Positivdenken und nebulöse Dankbarkeit an die Stelle von schöpferischer - wenn auch schmerzvoller - Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensweg setzt.

Einige Stellen erinnern eher an Scharlatanerie und gezieltes Marketing. Gewöhnliche Steine als "Dankbarkeitssteine" für 10 Dollar das Stück zu verkaufen finde ich schon grenzwertig. Einige Gedanken sind hilfreich, im Großen und Ganzen aber enttäuschend, ja, abschreckend.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2012 4:11 PM CET


New Yorker Geschichten. Starke Stimmen. Brigitte Hörbuch-Edition, 2 CDs
New Yorker Geschichten. Starke Stimmen. Brigitte Hörbuch-Edition, 2 CDs
von Dorothy Parker
  Audio CD

5.0 von 5 Sternen Bissig, witzig, treffend, 8. November 2009
Bisher kannte ich Dorothy Parker nur vom Hörensagen und bin nun vollends
hin und weg von ihrem bissigen, spöttischen und humorvollen Stil, der
treffend Situationen und Charakteren der New Yorker Gesellschaft in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts erfasst. Ihre abwechslungsreichen Geschichten
erzählen von herrlich bizarren Persönlichkeiten der Großstadt und der
Scheinheiligkeit der gehobenen Gesellschaft.

Pointiert und doch sensibel enthüllt Parker die emotionalen und sozialen
Verstrickungen menschlicher Beziehungen. Sie beweist eine hervorragende
Beobachtungsgabe und präzise, aber subtile Betrachtungen. Der Leser bzw.
Hörer folgt den inneren Monologen der Protagonisten und wird immer wieder von
den Wendungen des entsprechenden Charakters überrascht. Denn Parkers
Figuren, scheinbar selbstsicher und leutselig, entlarven sich in ihrer
Scheinheiligkeit - oder gar Verlogenheit - stets selbst.

Gelesen werden die New Yorker Geschichten von Elke Heidenreich -
großartig! Ich wusste gar nicht, dass sie eine so überzeugende Stimme hat und
eine eindrucksvolle, ironische und mitgehende Sprecherin ist. Kompliment!

Meine Favoriten sind "Vetter Larry" und "Du warst ganz prima":

In "Vetter Larry" lamentiert eine junge Dame über die Ehefrau ihres
heiß geliebten Freundes Larry, welcher sich offenbar ein Vergnügen daraus
macht, von jungen Damen umschwirrt zu werden und sie gegeneinander
auszuspielen. Die Erzählerin echauffiert sich über Larrys dumme Gattin, ohne ihre
eigene Verstrickung in dem absurden Dreiecksverhältnis zu realisieren.

"Du warst ganz prima": Während ein New Yorker Gentleman verkatert
nach einer durchfeierten Nacht aufwacht, erzählt ihm seine Freundin von dem
vorangegangenen Abend. Der arme Kerl realisiert während der fortwährenden
Beteuerungen seiner Begleiterin, er sei "ganz prima" gewesen, die
Peinlichkeiten des Vorabends: Langsam stellt sich heraus, dass er sich
vollkommen daneben benommen hat, sich aber an nichts mehr erinnern kann.

Für Liebhaber des boshaften Humors und der satirischen Gesellschaftsstudien.


Der dunkle Schirm
Der dunkle Schirm
von Philip K. Dick
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lest mehr Philip K. Dick!, 30. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Der dunkle Schirm (Taschenbuch)
Jedes Mal, wenn ich Philip K. Dick lese, werde ich hinweggefegt von seinen visionären Erzählungen. "Der dunkle Schirm" ist kein Science-Fiction-Roman, höchstens ein Drogenroman mit SF-Elementen. Doch der allumfassende, fesselnde und zutiefst verstörende Plot, der sich in seinen groß angelegten Ausmaßen tatsächlich erst auf den letzten Seiten enthüllt, entspricht Dicks charakteristischem Stil. Mich hat die Auflösung schlichtweg umgehauen, und ich bin völlig hin und weg von der institutionellen, gesellschaftlichen Matrix, die Dick enthüllt: In seinen paranoiden Phantasien steckt eine verblüffende und beängstigende Wahrheit.

Bob Arctor, dessen geheime Identität "Fred" ist, sucht als verdeckter Drogenermittler nach dem Produzenten und Vertreiber der Modedroge "Substanz T" (T für Tod). Bob ist durch seine Ermittlungen selbst zum Konsumenten der Droge geworden und lebt mit zwei abgewrackten Drogenfreaks, Barris und Luckmann, in einem verkommenen Haus in Kalifornien. Als verdeckter Ermittler erhält Fred den Auftrag, Bob Arctor zu beobachten - und somit hat er die Aufgabe, sich selbst zu observieren. Durch seine zunehmende Abhängigkeit von Substanz T kann Bob Arctor bald nicht mehr von seinen Identitäten als Ermittler und Zielobjekt unterscheiden und gerät in eine verwirrende Identitätsstörung, in der er die Realitäten seiner Existenz nicht mehr unterscheiden kann. Er verliert den Bezug zu seinem Ich. Erst gegen Ende des Romans enthüllt sich ein größerer Kontext, wird doch Bob / Fred nur benutzt, um an die Drogenbosse im Hintergrund heranzukommen ...

Typisch für Dick ist das Verwischen der Realität: Bob Arctor kann nicht mehr zwischen sich und seiner geheimen Identität unterscheiden und wechselt zwischen den sich daraus ergebenden Zwischenzuständen. Wie sehr Philip K Dick damit Autoren wie Chuck Palahniuk oder Filme wie "Matrix" beeinflusst hat, kann ich gar nicht genug herausstellen.

"Der dunkle Schirm" ist voller herrlicher, urkomischer Dialoge, die bizarr und gleichermaßen erschreckend sind. Denn die Drogenfreunde debattieren stundenlang über die absurdesten Dinge. Allein die Eingangsszene, in der Bobs Drogenfreund meint, er sei von Läusen befallen, ist entsetzlich (da offensichtlich drogeninduziert) und komisch zugleich.

Außerdem hat Christian Gasser ein sehr erleuchtendes und wunderbares Nachwort geschrieben, das ich nur empfehlen kann. Das Buch ist ein absolutes Muss!


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