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Rezensionen verfasst von
Andreas Donder (Hamburg)
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The Cut (Spero Lucas 1)
The Cut (Spero Lucas 1)
von George Pelecanos
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,09

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Short-Cut, 5. August 2012
Rezension bezieht sich auf: The Cut (Spero Lucas 1) (Taschenbuch)
Vor allem die guten Dialoge überzeugen. Wie ein Drehbuch geschrieben. Lesen als würde man einen Film sehen.
Die volle Präsentation des amerikanischen Life-Styles wurde mir irgendwann zu viel. Der Held konnte kaum das Haus
verlassen, ohne dass die Markennamen seiner Ausstattung aufgezählt wurde. Wie ein Werbe-Comic. Alle Lebensbrüche
des modernen amerikanischen Lebens werden zwar angesprochen, aber der American Dream bleibt unwidersprochen
und unkritisch bis zum happy end auf allen Ebenen. Die Amis sind und bleiben die Guten. Auch wenn es ein paar
Bösewichte in den eigenen Reihen gibt. Handwerklich gut, aber in der Aussage platt.


Die Straße
Die Straße
von Cormac McCarthy
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bis zum Ende der Straße, 15. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Straße (Taschenbuch)
Bin "Die Straße" bis zum Ende gegangen.
Das wird meine Qualität als Texter für traumatische
Werbung dramatisch steigern.

Etwas störend, dass am Ende das Gute siegt.

Vermutlich war es ein Wunsch des Verlages.
Da saß eine Lektorin, die das Buch gehasst hat.
Und Migräne kriegte von der Lektüre.
Und dann dieses schräge Ende gefordert hat.

Cormarc hätte sie am liebsten mit einem
überdimensionalen Einkaufswagen plattgefahren.

Mußte aber ihrem Wunsch nachgeben.
Weil er das Honorar brauchte.
Für seinen crackabhängigen Sohn?
Für eine teure Scheidungsklage?
Oder was anderes traumatisches.

Ich wurde an Orte in der deutschen Provinz erinnert,
die so traumatisch depressiv waren, dass ich
sie am liebsten sofort einäschern wollte.

Wahrscheinlich hat es Cormarc genauso getan.
Er ist durch die hässlichen amerikanischen
Städte gefahren und hat sie in der Phantasie eingeäschert
und dann daraus das Material für sein Buch
gewonnen.

In seinem Buch "Grenzgänger" sitzt der Held am Ende
heulend auf der Straße.

Und das ist das einzig tröstende des ganzen Buches,
dass der Held am Ende in dieser ganzen Hoffnungslosigkeit
ein Gefühl zulässt. Das habe ich geschätzt.
Dagegen ist das Ende der Straße etwas lau.

Kommt trotzdem auf meine 100er Leseliste.


Kein Land für alte Männer
Kein Land für alte Männer
von Cormac McCarthy
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vollstrecker des Schicksals, 1. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Kein Land für alte Männer (Taschenbuch)
McCarthys Werk "Kein Land für alte Männer" kann man aus vielen Perspektiven lesen.
Und das wurde ja bereits ausführlich getan.

Ich möchte mich auf einen bisher noch nicht behandelten Aspekt konzentrieren.
Dazu fokussiere ich zunächst auf Anton Chigurh als eine der Schlüsselfiguren.
In diesem eiskalten Killer könnte man auch eine Personifikation von Charon sehen,
dem Fährmann, der für eine Münze die Toten zum Totengott Hades begleitet.

Auch Anton Chigurh lässt einige seiner Opfer die Münze werfen. Wie in einem
Halslöserätsel dürfen sie zwischen Kopf oder Zahl wählen. Bevor er sein
Bolzengerät ansetzt und ihnen dann das Lebenslicht bildlich gesprochen mit
einem Hochdruck-Bolzen ausbläst. Dies ist ein Gerät aus den industriellen
Schlachthöfen, das dort den "großen Hammer" ersetzt hat mit dem man die Tiere
früher mit einem Schlag vor den Kopf tötete.

"Die Etrusker kannten den Gott Charun, eine Art von Würger, von einem
schrecklichen halbtierischen Äußeren und mit einem "großen Hammer" bewaffnet,
bald in der Schlacht mordend, bald die Verstorbenen in die Unterwelt geleitend
oder Wache an der Grabespforte haltend". (Wikipedia)

In dieser Lesart eröffnet sich mir eine mysthische Dimension der Geschichte,
die auf den Seiten 231 bis 237 ihre Schlüsselszene hat. Kurz vorher ist die
rein weltliche Handlung abgeschlossen. Chigurh hatte seinem Auftraggeber das
von Moss entwendete Drogen-Geld zurückgebracht. Und eigentlich ist die
Geschichte jetzt rund und abgeschlossen.

Aber nun geschieht etwas sehr absurdes: Chigurh tötet die unschuldige Freundin
von Moss. Bevor er das tut, führt er mit ihr ein völlig verrücktes
Überzeugungsgespräch an deren Ende sie einverstanden ist zu sterben:
"Ja, sagte sie schluchzend. Das versteh ich. Wirklich. Gut, sagte er.
Das ist gut. Dann erschoss er sie." Seite 237 rororo-Taschenbuchausgabe.

Chigurh deutet sich selbst als Vollstrecker höherer Schicksalsmächte '
er sagt zu Carla Jean "Es lag nicht in meiner Hand. Jeder Augenblick im
Leben bildet eine Abzweigung, und jeder verlangt eine Entscheidung.
Irgendwo haben Sie eine Wahl getroffen. Aus der sich alles bis hierher
ergeben hat. Da wird peinlich genau Buch geführt. Die Form ergibt sich.
Keine Linie lässt sich ausradieren. (....) Der Weg eines Menschen durch
die Welt ändert sich selten, und noch seltener ändert er sich abrupt.
Und die Form Ihres Weges war von Anfang an sichtbar." Seite 236, ebda.

Mit anderen Worten: "Du hast irgendwo die Entscheidung gefällt, die
nun Ursache ist für deinen Tod." Hier macht er aus seinem Opfer einen Täter.
Einen Selbstverursacher.

"Ich hab es kommen sehen, sagte die Mutter (Carla Jeans Mutter) Ich habe es
schon vor drei Jahren gesagt." (Seite 183) Sie bezieht sich dabei auf den
Mann Moss mit dem ihre Tochter seit drei Jahren verheiratet ist. Als sei er
die "Entscheidung" gewesen, die nun zu all den Komplikationen in ihren Leben
führt - nach dem Motto "Mit gegangen, mit gehangen."

Carla Jeans Entscheidung mit Moss zu gehen, ist auch eine Entscheidung
seinen Schicksalsweg zu teilen. Er kam in ihr Leben wie ein Schicksalsbote,
auf den sie gewartet hatte. Zu dem sie damals ja sagte. Muss sie jetzt ihr
"ja" wiederholen? Wer A sagt muss auch B sagen. Wenn man sich die "schicksalshafte
Textstelle" noch mal zu Gemüte führt, liest man auf Seite 122, wo Carla Jean
gerade dem Polizisten Ed Tom Bell erläutert wie sie Moss kennengelernt hat:
"(....) er hat mich angeschaut und gefragt: Wann machen Sie Schluss? Und das
war's auch schon. Ich (Carla Jean) hab nicht den geringsten Zweifel gehabt.
Damals nicht, heute nicht, überhaupt nie."

Kurios, dass Moss gleich zu Beginn die Frage nach dem Schluss stellt.
Aber das ist wohl eine Spitzfindigkeit.

Jedenfalls ist die Frage nach dem geteilten Schicksal eine der
großen unbeantworteten Fragen dieses Buches. Die dem Leser noch
in einem anderen Zusammenhang präsentiert wird. Als Gewissensfrage,
die Ed Tom Bell mit sich herumschleppt wie eine Stahlkugel.

In seiner Zeit als GI im Kampf gegen die Nazis hatte Bell seine sterbenden
Kameraden in einer tödlichen Situation zurückgelassen. Und für einen
anderen Aspekt dieser gleichen Situation auch noch einen Heldenauszeichnung
erhalten. Auch er war mitgegangen. Aber er ist den Schicksalsweg, der ihn
zusammen mit seinen Kameraden in den sicheren Tod geführt hätte, nicht
mitgegangen. Diese Entscheidung zermürbt sein ganzes Leben. Es ist als
"hätte er sich sein eigenes Leben gestohlen." Seite 255 Und lässt sich
mit dem was dann von einem noch übrig bleibt noch etwas eigenes machen?
Nein, sagt Ed Tom Bell auf Seite 255 Er hat "das beste draus gemacht,
aber es war trotzdem nicht meins. Ist es nie gewesen." Seite 255

Welche Entscheidungen sind die richtigen, welche die falschen? Und vor
allem: wer entscheidet über richtig und falsch, gut und böse? Chigurh,
der wie ein Geist auftaucht und verschwindet, richtet nicht jede Entscheidung.
Ed Tom Bell entgeht ihm nur knapp. Im Film der Coen-Brothers viel knapper
noch als im Buch.

Unterm Strich: was ist gut, was ist böse, was ist Schuld, was die richtige
und was ist die falsche Entscheidung das sind allesamt Fragen, die sich
nicht so einfach beantworten lassen.


Grenzgänger
Grenzgänger
von Cormac McCarthy
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Labyrinth der Einsamkeit, 29. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Grenzgänger (Taschenbuch)
"Grenzgänger" schildert den Überlebenskampf von Mensch und Tier. Und erforscht
dabei die Grenzen zwischen Leben und Tod, Amerika und Mexiko, Gesetz und Gesetzlosigkeit,
Einsamkeit und Gemeinschaft, Sesshaftigkeit und Getriebensein, Reichtum und Armut. Und
den Übergang von archaischer Zeit in die Moderne.

Um die Einsamkeit, das rüde Geworfensein und die Tragik entwurzelter Menschen
kreist die Hauptgeschichte in McCarthys Epos. Mehrere Binnengeschichten bilden ein
ausgeklügeltes Räderwerk existenzieller Themen, philosophischer Betrachtungen
und sogar kulturhistorischer Hintergründe.

Ein unerbittliches Mahlwerk magischer Ereignisse und Zufälle erlauben den Handelnden
kein Entkommen vor dem Schicksal und auch nicht aus dem "Labyrinth ihrer Einsamkeit".
Vergiss es. Rettung ist nicht vorgesehen. Der Protagonist wandert immer weiter in
Richtung Nullpunkt. Dass er am Anfang der Geschichte erst 16 Jahre alt ist und am
Ende der Geschichte auch erst 21 Jahre steigert die Wirkung der geschilderten
Ereignisse auf den Leser.

Wenn es in dieser Geschichte nicht jene Menschen gäbe, die die Welt trotz
allem noch im Lot halten - wie der Arzt, der Sheriff, der Ranchero, der
indianische Gerente, die Zigeuner und die vielen anderen kuriosen Gestalten
am Wegesrand, die unplanbar auftauchen, um die Geschichte vor dem endgültigen
Versinken in den Abgrund zu bewahren. So steckt bei aller Tristesse hier
auch ein Quäntchen Hoffnung. McCarthys zeigt die Welt und die Menschen wie
sie sind und beschönigt nichts.

Ganz trübsinnig könnte man werden, wenn man all die Härten miterlebt,
denen der Protagonist Billy Perham ausgesetzt wird. Man wundert sich,
wie er mit seinem Leben fertig wird ohne zu verzweifeln. Erst auf der
letzten Seite schlägt er die Hände vor das Gesicht und weint. Vielleicht
ist das sein Happy end - "weinen können". Man sagt sich "Gott sei Dank",
er hat es geschafft, irgendwie, irgendwas. Obwohl alles beim Alten bleiben
wird. Die Einsamkeit, die Härte der Welt, die Unentrinnbarkeit des Schicksals.
Vor ihm liegt nun die nackte, regennasse, dunkle Straße. Symbol des modernen
Amerikas. Die Bezwingung der rohen Welt durch ein Netzwerk aus Gas-Stations,
Autobahnen und WalMarts kann beginnen. Doch "Der klimatisierte Alptraum" ist
dann auch nur eine andere Art des Trübsinns. Die man 70 Jahre später nur mit
Hilfe von Prozac und einem Heer von Shrinks im Zaum hält.

Sprachlich und gedanklich ist die Geschichte auf höchstem Niveau angesiedelt.
Kein leichtverdauliches Fast food, sondern eher ein zähes angekohltes Steak
in dem man aber noch die Lebenskraft des getöteten Bullen spürt.

Ich lese jetzt gleich anschließend "Kein Land für alte Männer" - den Film
habe ich schon gesehen und weiß: ohne happy end. Aber das ist genau das,
was ich suche und bevorzuge in einer mediengesteuerten Wohlfühlwelt, die uns
dauernd das Happy end vorgaukelt und das Grauen auftischt.


Vorsicht Bürgerkrieg!: Was lange gärt, wird endlich Wut
Vorsicht Bürgerkrieg!: Was lange gärt, wird endlich Wut
von Udo Ulfkotte
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bad moon is rising, 15. Dezember 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es existieren prophetische Voraussagen aus der
indischen Palmblattbibliothek über die
Zukunft der Welt in den nächsten 40 Jahren.

Verblüffend war für mich, dass Ulfkottes Voraussagen
nicht nur deckungsgleich sind, sondern durch Fakten belegt,
was der Palmblatttext vage formuliert.

Das ist beängstigend.

Das Buch ist sehr umfangreich und der Leser gewinnt
den Eindruck der Wiederholung. Was unschön ist.
Eine Begrenzung der Beispiele hätte dem Werk gut getan.
Und etwas mehr Analyse der Fakten und stringentere
Zusammenfassung zu Trends hätte ich als informationsfreundlicher
empfunden.


Einfache Gewitter: Roman
Einfache Gewitter: Roman
von William Boyd
  Gebundene Ausgabe

3 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen GANZ EINFACHES GEWITTER, 25. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Einfache Gewitter: Roman (Gebundene Ausgabe)
Deutschland Radio hatte in einer Buchbesprechung begeistert diesen Titel empfohlen.
Nach der Lektüre muß ich sagen:
Zu glatt, zu brav, zu nichtssagend.
Es wirkt wie nach einem Schema geschrieben.
Mir hat es nichts gegeben. Ein ganz "einfaches Gewitter."

Vor dem Hintergrund der Schweinegrippe hat die Handlung einen
aktuellen Bezug. Der wahrscheinlich sogar realistisch ist.


Schande. SPIEGEL-Edition Band 14
Schande. SPIEGEL-Edition Band 14
von J. M. Coetzee
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DER WILLE UND DAS GEWOLLTE., 15. Oktober 2009
In Coetzees Roman "Schande" geht es um den Willen. Den individuellen, menschlichen Willen,
der haben will: Partner, Anerkennung, Liebe, Stellung, Ansehen, Besitz, Dinge des Konsums,
aber auch Freiheit und Unabhängigkeit. Und es geht um den göttlichen Willen, der vor allem
eins will: Schönheit erschaffen. Dazwischen entstehen die Konflikte um die sich Coetzees Personen drehen.

Der englische Titel "Disgrace" heißt übersetzt "Ungnade" und das ist etwas anderes als
"Schande". Disgrace bedeutet das Gegenteil von Grazie, dem Gradmesser von Schönheit.
Nebenbedeutungen sind "misfortune und deformity",

Falling from Grace.

Dr. Lurie beklagt sich über die Unförmigkeit (deformity) seiner Tochter Lucy und
besingt die Schönheit von Melanie. Sein eigenes Werk gehorcht nicht den Ideal-Maßen
seines Schöpfungs-Willen.

Melanie, seine Studentin, ist vor allem die Schönheit in Person. In deren
Gegenwart er sich als Idealbild des Eros neu erschaffen kann und will.
Was natürlich scheitern muss.

Dr. Lurie "fällt in Ungnade" als er Melanie verführt. Synonyme für diesen
Begriff sind: zu Schaden kommen, sich die Pfoten verbrennen, sich schädigen,
sich den Mund verbrennen, sich in ein Wespennest setzen, ins Fettnäpfchen treten,
sich in den Finger schneiden, sich unbeliebt machen, sich die Finger verbrennen,
sich schaden, sich hineinreiten, sich in die Nesseln setzen.

Der Campus als Ort der geistigen Schönheit und der geistigen Vollkommenheit
kann als Sinnbild des Paradieses gelesen werden. Aus dem er fällt. Der Verführer,
der Einschmeichler, muss gehen. Besonders auch weil er keine Reue zeigt.
Die Verführte darf bleiben. "Falling from Grace" -
eine Adaption des Sündenfalls aus dem Paradies?

Lucy baut ein alternatives Paradies im outback. Es ist eine weltliche
Paradiesversion. Das Liebespaar ist gleichgeschlechtlich. Doch auch das scheitert.

Dafür gelingt ihr etwas anderes: Die Auflösung aller Grenzen und Gegensätze
durch Vergebung. Während David Lurie sich immer weiter in seine geistige
Parallelwelt flüchtet, in der seine Schöpferkraft keine Gestaltungsgrenzen kennt.

Spiel mit dem Feuer.

David Lurie verbrennt sich den Kopf. Beziehungsweise, der wird ihm "abgefackelt"
von den drei schwarzen Vergewaltigern, die die entlegende Farm seiner Tochter überfallen.
"Der größere von beiden ist hübsch, auffallend hübsch, (....) (Seite 120)
Äußere Schönheit macht nicht halt vor hässlichen Taten.

Das "Feuer fangen" von David Lurie ist allegorisch zu verstehen, im Sinne von
"leidenschaftlich begehren". Bei Lurie jedoch ist es nur ein "Feuer fangen des Körpers".
Das erstaunlicherweise kein Strohfeuer ist.

Für das Geistige bringt er nur ein schwaches Feuer zustande.
Als Professor bleibt er mittelmäßig. Rein intellektuell. Geschwafel im
"postreligiösen Zeitalter" (Seite 9) "Weil er keinen Respekt hat für den
Stoff, den er lehrt, kommt er bei seinen Studenten nicht an." (Seite 9)

Auch seine Versuche als schaffender Kreativer bleiben eher stümperhaft und
reproduzierend. Die Eleganz des Geistes, die Grazie des Versmaßes will ihm
nicht gelingen. Auch die Schau des Ganzen. Eine gute Story ist eben auch
ein Satori, die Anschauungshöhe bliebt ihm allerdings verschlossen.

Zwei Männer, eine Frau.

Dr. Lurie "vergewaltigt" Melanie, während ihre Cousine nicht da ist.
Und Ryan ihr Freund, der zweite in der 3er-Konstellation, ist ausgeschlossen.

So wie Dr. Lurie eingeschlossen ist im Bad, während zwei Schwarze seine
Tochter vergewaltigen. Und der schwarze Dritte im Bund, Petrus, ist abwesend.

Return to Grace.

Lucy zieht das Hässliche auf sich, eine Vergewaltigung. Das Hässliche kommt
von außen und bleibt außen. Es erreicht sie nicht innen. Sie macht daraus
das Schöne. Durch Vergebung und Annahme, Geduld und Ausdauer. So schafft
sie das Schöne, das ihr Vater sucht und anbetet.

Auch Lurie durchläuft auch eine Wandlung. Als er beginnt für das Hundeprojekt
zu arbeiten. Er wird zum Sterbebegleiter für Hunde. Und entwickelt dabei einen
Gefühlszugang zum Leben. Überwindet dabei seinen eigenen Jagdinstinkt. Er gibt
ihn auf. "Ja, ich gebe ihn auf." ist der letzte Satz des Buches, den Lurie
ausspricht, als er sich von dem sterbenden Hund verabschiedet. Der als
Allegorie für das instinkthafte Verhalten zu lesen ist.

Letzte Fragen.

Ich als Leser frage mich, warum der Titel des Buches nicht "Grace"
lautet. Grace ist eigentlich das größere Thema.

Fazit:
Schönheit lässt sich nicht besitzen. Nur erschaffen. Der Wille der erschafft,
ist ein anderer als der Wille, der besitzen will. Es ist Ego-Wille des
Menschen versus Schöpfer-Wille des Göttlichen. Der Wille als Schaffenskraft
schafft Schönheit, wenn er das Gewollte entsagt. Mit anderen Worten und auf
einen erleuchteten Satz reduziert: "Handle um der Handlung willen."
Nicht um des Besitzes willen.


Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten
Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten
von Daniel Kehlmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Information, Kommunikation, Manipulation ' wie das Leben so spielt., 30. August 2009
Der neue Kehlmann "Ruhm" thematisiert die Informationsvermittlung
in der digitalen Gesellschaft. Aus Information wird Kommunikation
im Moment ihrer Weitergabe. Und mit den technischen Hilfsmitteln
wie Handy und Computer wird aus Kommunikation schnell Manipulation.

Dadurch entstehen Geschichten. Erfundene Geschichten. Als einzig
wirkliche Geschichten akzeptiert Kehlmann den Tod und die Geburt.
Was sich dazwischen abspielt ist Fiktion. Letzteres allerdings ist
dem natürlichen Umstand geschuldet, dass der Mensch einerseits
vieles sein will. Andererseits ihn alles zur Einheit drängt.
Ein ewiger Konflikt.

Der Spiritus Rector bei Kehlmann ist ein dürres Männchen, das zweimal
in Erscheinung tritt als Chauffeur, der die Protagonisten an ihr
erwähltes Ziel bringt. Einmal ist es der Ort des Sterbens, in
"Rosalie geht sterben" und einmal ist es der Ort der Empfängnis
in "Als ich log und starb." Tod und Geburt, die einzigen Momente
wahrer Geschichten. Dazwischen ist alles tendenziell fiktional.
Also gestaltungsfähig.

Wie steht es da mit der Gestaltungsfreiheit?

Wir kommen zu Kehlmanns Kernaussage:
Geschichten in denen Menschen sich erleben, entstehen
durch die Aufmerksamkeit eines anderen.
"Du bist nichts ohne die Aufmerksamkeit eines anderen", Seite 76
Heißt das im Umkehrschluss: "Aber du bist alles mit deiner
Aufmerksamkeit auf dich selbst gerichtet?"

Ein technischer Fehler manipuliert Ebelings Leben.
Ebeling manipuliert das Leben von Tanner.
Tanner das Idol seiner Fans und manipuliert so deren Leben.
Und sein eigenes Leben, indem er sich selbst imitiert.
Damit wird er sich nicht etwa selbst ähnlicher, sondern
verliert seine Identität ganz. Und wird ein anderer.
Er wird zu Matthias Wagner. Imitiert er damit erneut eine Fiktion?
Ein endloser Geschichten-Loop, der uns alle dreht bis zum Schwindel.
In aller Doppeldeutigkeit.

Mollwitz, der unbedingt Figur in einer fiktionalen Geschichte von Leo
Richter sein will, merkt nicht, dass er längst Figur in der Lügen-Geschichte
seines Bosses ist. Die Aufmerksamkeit eines anderen manipuliert auch ihn.

Elizabeth, die auf keinen Fall Figur in Leo Richters Geschichte sein will,
verschmilzt am Ende ganz mit der fiktiven Hauptperson Lara Gaspard.

Kehlmann sagt, seine Geschichten kommen ohne Hauptperson aus.
"Ein Roman ohne Hauptfigur! Verstehst du? Die Komposition, die Verbindungen,
der Bogen, aber kein Protagonist, kein durchgehender Held." Seite 25

Wer handelt? Wenn die eigene Handlung immer durch einen anderen manipuliert wird,
handelt man dann noch selbst oder wird man gehandelt? Freiheit oder Manipulation?

Dies ist als Koan zu verstehen, eine mystische Frage:
"Dein Handeln, Edelgeborener, wer steckt dahinter?"
Handelt dann das Unpersönliche? Kann es handeln? Steckt dahinter ein Gott, ein
unpersönlicher Gott? Der Weltengeist, der wie im Glasperlenspiel die Akteure
durch die Handlungen führt. Der in der Bhagavad Gita zu Arjuna sagt: "Wenn du
es nicht tust (also handelst). Ich habe es schon getan." Was hat Krishna getan?
Er hat die Feinde der Rechtschaffenheit getötet, die auch Arjunas Verwandte sind.
Und die er aus moralischen Gründen nicht töten darf.

Der Tod wird im Kapitel "Rosalie geht sterben" (ein Zitat auf: "Veronika beschließt zu
sterben" von Paulo Coelho) im Lichte des selbst gewählten Rechts auf Selbstentleibung
verhandelt. Lässt die Moral das zu? Nicht das Schlachtfeld der Ehre wird Todesquelle
sondern eine Sterbehilfeorganisation.

Ist der Tod am Ende nur eine Fiktion? Der Autor Kehlmann, der sich hinter Leo Richter
verbirgt, lässt die Kunstfigur Rosalie der einen Geschichte mit der Kunstfigur Lara
Gaspard aus einer anderen Geschichte kommunizieren. Und was passiert am Ende dieser
Kurzgeschichte? Rosalie wird wieder jung und schön, statt zu sterben. Wenn alles Leben
ohnehin nur Fiktion ist und man selbst gar nicht handelt, sondern ein Schöpfer, ein
Autor einen handeln lässt, dann ist alles möglich. Auch ewiges Leben. Vorausgesetzt,
man kann den Autoren manipulieren!!!

Handlungen sind selbstreverenzielle Kreisläufe. Kehlmann streut Wortkoane ein,
wie z.B. " Disco Looppool". Im Kontext der Geschichte leben wir alle in einem LOOPPOOL,
einem selbstreferentiellen Pool von Loops. Drehen uns gemeinsam
um uns selbst und die anderen. Eingewickelt in Geschichten.

Wo ist nun die Erlösung? Kehlmanns Vorschlag:
Die Verschmelzung mit allem.


Verflixte Erleuchtung: Als Schmetterling unter Raupen
Verflixte Erleuchtung: Als Schmetterling unter Raupen
von Jed McKenna
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Langweilige Eso-Grütze, 14. Juli 2009
Das Buch startet ganz viel versprechend.
Aber der Autor wiederholt im Grunde immer
nur einen einzigen Gedanken:

"Wie toll und allwissend er ist
und wie blöde seine Anhänger sind."

Nach ca. 40 Seiten habe ich aufgegeben.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 8, 2010 10:15 AM MEST


Das Geheimnis der fehlenden Rippe
Das Geheimnis der fehlenden Rippe
von Andreas Donder
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,00

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen MEIN GOTT, DU RIPPENDIEB, 2. Januar 2009
Länge:: 3:03 Minuten

Gott hat im Paradies Adam eine Rippe geklaut. Das war erst der Anfang. Heute klaut er jedem Mann eine Rippe in der Nacht bevor er sich das erste Mal verliebt. Dahinter steckt die Teufelswette. Ein Geheimnis, das vom Vatikan bestens gehütet wird.

Durch Zufall kommen die vier Helden des Buches den Machenschaften des Schöpfers auf die Spur. Da der Teufel, die Wette zu gewinnen droht und damit unwiderruflich "Herr der Welt" wird, beschließen sie mit ihrem Straßenkreuzer durch den Hades bis ins islamische Paradies zu fahren. Um die Welt zu retten.

Auf dem Weg dorthin decken sie weitere Schöpfungs-Geheimnisse auf. Verblüffend: Das Paradies ist nicht anders als die Erde. Wird es bald als Reiseziel vermarktet? Lesen Sie diese spannende Abenteuergeschichte aus dem neuen Genre "Spirit Fiction."


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