5.0 von 5 Sternen
Macht der Poesie, 24. Juni 2010
Dr. Küberling will im Provinzort X - wegen mafiöser Strukturen abgeriegelt - einen Mordfall aufklären. Aber was er auch tut, er bekommt nirgends klare Antworten. Nachdem er den früheren Kommissar Baldauf in der Psychiatrie besucht hat, fliegen Steine durch sein Hotelfenster - mit Sprichwörtern, die ihn bedrohen.
Ob im Hotel, im Bordell, in der Psychiatrie, ob beim Polizeichef, im Fischladen, in der Industriellen-Villa oder in sonderbaren karnevalistischen Straßenszenen:
Er wird ausgelacht, belogen und bedroht. Er errötet, er stottert, er betrinkt sich, rastet aus und verhaftet den Falschen, worauf er verprügelt wird. Und die Gegner verschleiern sorgfältig ihre Motive.
In dieser schier ausweglosen Situation hat Dr. Küberling einen Trumpf in der Hand: Seine Gedichte provozieren. Während der Karneval einen bunten Reigen phantastischer Kostüme zeigt: Handys, Einfamilienhäuser, Sammeltässchen oder Atombomben tollen durch die Straßen und spiegeln die verdrehten Wünsche der Bürger (hier wird der Krimi ebenso grotesk wie er spannender und phantasievoller nicht vorstellbar wäre), kann Küberling - selbst als Pappnase dekoriert - endlich den Mörder enttarnen.
Der Konflikt steigert sich bis zum Äußersten, die poesiepanische Hysterie der Honoratioren eskaliert zum Showdown. Poesie, in den Himmel geschrieben, gewinnt gegen Macht. - Mehr wird nicht verraten.
Wolfgang Fehse schreibt in einer lebendigen Sprache mit bewegenden Details und großer Welthaltigkeit. Der Krimi mit der fröhlichen Pappnasenwelt schwankt zwischen Satire und phantastischer Literatur. Er hilft, das Leben anders zu verstehen und Distanz zu gewinnen.