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Rezensionen verfasst von
Bernhard Horwatitsch "horwatitsch" (Muenchen)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

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Goethe -  Kunstwerk des Lebens: Biografie
Goethe - Kunstwerk des Lebens: Biografie
von Rüdiger Safranski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 27,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nett aber nichts Neues, 10. März 2014
Safranski hat ein lesbares Buch geschrieben, das im Mainstream liegt und die üblichen Bildungsbedürfnisse über Goethe bedient. Ein wenig ärgerte mich allerdings, dass er die politische Dimension und die ökonomische Dimension von Goethes Leben weitestgehend ignorierte. Das mag aufgrund der Stofffülle verständlich sein, ist aber dennoch schade. So gibt es nicht mal im Ansatz etwas über die verworrene Geldpolitik in den Zeiten von Goethe. Aber das beschäftigt Goethe im ganzen ersten und fünften Akt seines Faust II. Und es ist eigentlich das Spannendste daran, denn es ist gerade ein großes Zeitthema.
Nicht, dass ich das ausführlich behandelt wissen wollte in einer so umfangreichen Biografie, das nicht. Aber erwähnenswert, wäre es doch schon gewesen.
Ansonsten schreibt Safranski eingängig und für jeden Einsteiger in die Materie ist es eine sehr empfehlenswerte Lektüre. Wer sich allerdings schon ein wenig auskennt, der braucht es nicht. Da genügt Friedenthals Biografie, ist sogar besser.


Die griechische Philosophie 1. Von Thales bis zum Tode Platons, Bd. 1
Die griechische Philosophie 1. Von Thales bis zum Tode Platons, Bd. 1
von Wilhelm Capelle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine der stärksten Bücher über die antike Philosophie, 20. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auch wenn Herr Capelle als Deutschnationaler keine so rühmliche Vergangenheit hatte - dieses geschichtsphilosophische Werk ist einmalig und vermittelt einen großartigen Überblick und Einblick in diese Zeit der Entstehung des Denkens. Quellensicherheit und enorme philologische Kenntnisse des Altgriechischen zeichnen die beiden Bände aus. Nach der Lektüre hat man als Leser das schöne Gefühl, in diese Philosophien eingetaucht zu sein. Es ist schade, dass dieses Werk einen so geringen Bekanntheitsgrad hat.


Wen kümmern die Alten?: Auf dem Weg in eine sorgende Gesellschaft
Wen kümmern die Alten?: Auf dem Weg in eine sorgende Gesellschaft
von Thomas Klie
  Broschiert
Preis: EUR 18,00

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas blauäugig, 20. Februar 2014
Herr Klie setzt auf Subsidiarität! Zwar ist er durchaus zu Recht gegenüber dem Staat misstrauisch (was allerdings ein wenig in Widerspruch steht zu seiner Regierungstätigkeit), aber er ist auch blauäugig, was die Hilfbereitschaft der Menschen angeht in einem zunehmend sich radikalisierenden Markt. Die zunehmende Versorgung alter, kranker Menschen durch Familienangehörige ist der Not geschuldet und zumindest in dieser Form nicht wirklich wünschenswert.
Herr Klie vermittelt ein relativ naives, und nicht wirklich realistisches Bild der dementiellen Erkrankung. In einer extrem dynamischen Ökonomie werden schon jüngere und gesunde Menschen abgehängt. Insofern ist dieses sicher lesenwert geschriebene Buch nicht ganz unproblematisch. Es vermittelt einmal mehr die Ansicht, man könne innerhalb dieses Systems eine Lösung finden. Das ist erschreckend vorkritisch! Dass Gesundheit eine Ware ist, lässt sich in der Verfasstheit unserer wirtschaftlichen Verhältnisse nicht mehr ändern. Man muss eher damit rechnen, dass es schlimmer wird. Es wird zu einer Pauperisierung der alten Menschen kommen, zumal auch die familiären Strukturen, die Herr Klie beschwört, gar nicht mehr da sind. Es ist meiner Ansicht nach grenzwertig, Optimismus auszustrahlen. Herr Klie ist einer der Gestalter der zukünftigen sozialen Architektur. Und sein Buch hat meinen Optimismus auf mögliche Veränderungen stark gebremst.


Wall Street - Geld schläft nicht
Wall Street - Geld schläft nicht
DVD ~ Michael Douglas
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Das Auge der Hure Geld, 4. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Wall Street - Geld schläft nicht (DVD)
Das Geld ist eine Hure die nie schläft. Ein Auge ist immer offen und wacht über dich. Und sie ist sehr eifersüchtig. (Gordon Gecko in „Wallstreet – das Geld schläft nicht“)
"Das war die unausbleibliche, periodisch wiederkehrende verheerende Seuche, die alle zehn bis fünfzehn Jahre an den sogenannten schwarzen Freitagen den Markt rein fegt und den Boden mit Schutt bedeckt. Jahre müssen vergehen, ehe das Vertrauen von neuem erwacht und die großen Bankhäuser wieder aufgebaut werden, bis dann die allmählich angefachte Spielleidenschaft wieder hell auflodert, die Geschichte von vorne anfängt und eine neue Krisis herbeiführt, die in einem neuen Krach alles vernichtet. Diesmal aber kündete hinter jenem rötlichen Dunst am Horizont ein dumpfes, gewaltiges Krachen in dem fernen Trubel der Hauptstadt den nahen Untergang einer Welt."

So schrieb bereits Emile Zola in dem 1891 erschienenen Roman „Das Geld“. Aristide Saccard nannte Zola seinen Helden und Spekulanten. Gordon Gecko nannte Oliver Stone den seinen. In dem 1987 erschienenen Film „Wall Street“ lässt er Gecko sagen: „Gier ist gut“ und erntet für diesen ironisch gemeinten Satz Beifall an der wirklichen Wall Street. Endlich habe es einer ausgesprochen. Wir sind nicht böse, wir sind menschlich.
Nun kam die Fortsetzung von 1987: „Wall Street. Geld schläft nicht.“ Mit einer Stimme aus dem Off leitet Stone den Film ein und mit einer Stimme aus dem Off lässt er den Film ausklingen. Die Story, die jene Stimme aus dem Off erzählt ist die der Spekulation. Die erste spekulative Blase – behauptet die Stimme - habe es im kambrischen Urschlamm gegeben, und daraus entstand der Mensch. Die Stimme sagt nicht, ob der Mensch gut ist oder böse. Und auch der Film arbeitet nicht mit moralischen Stereotypen. Das immerhin ist sympathisch an dem Film, der neben der Finanzkrise von 2008 auch eine Liebesgeschichte und eine Vater-Tochter Geschichte erzählt. Dass die Liebe in den Strudel des Finanzkapitals hineingezogen wird, verwundert dabei nicht. Immerhin entgeht Oliver Stone allzu großer Sentimentalität. Er zeigt nur so viel davon, dass es eben ein Hollywood Film bleibt. Manches was der Film erzählt ist nicht ganz glaubwürdig und suggeriert Möglichkeiten, die in der Realität außerhalb des Films nicht vorhanden sind. Und doch ist der Film eine ehrliche Lüge und bleibt damit als Geschichte logisch.
Aber der Grundton ist doppeldeutig. 1987 kam die Kritik von Oliver Stone nicht an. Im Gegenteil, der Film wurde als Versuch der Legitimation von Finanzspekulation verstanden. Gordon Gecko war zwar fies, hatte ein fieses Grinsen im Gesicht, fast schon eine Fratze, die Charaktermaske des Kapitals sozusagen. Aber er wurde als Prophet des richtigen Handelns gesehen. Auch in der Fortsetzung von Wall Street 2010 besteht diese Gefahr. Gordon Gecko hat nichts von seiner Gewitztheit eingebüßt, im Gegenteil, acht Jahre Gefängnis haben ihn sogar noch smarter, noch erotischer gemacht. Denn nun kommt auch noch Weisheit hinzu. Gecko, der Odysseus im Meer der Finanzwelt, umschifft jede Klippe, trifft zwischen Skylla und Charybdis die richtige Wahl und lässt sich von den Sirenen nicht locken. Diesmal scheint er der Gewinner zu sein. Auch wenn ihm eine ganz andere Blase zur größten Gefahr zu werden droht.
Dennoch: So gelungen die Fortsetzung auch ist, so problematisch ist sie auch diesmal. Und das liegt an der Story der Voice-Off Stimme. Alles begann mit der Blase im kambrischen Urschlamm. Wirklich? Der Mensch kann nichts dafür? So ist er nun mal? Gier ist also gut, weil der Mensch nun mal so ist. Er entstand aus der Spekulation. Und daher ist dies seine Natur. Dieser Zirkelschluss der Naturalisierung ist vorkritisch. Oliver Stone ist ein großartiger Filmemacher. Aber er ist kein Wirtschaftsexperte. So brillant der Film die Mechanismen der Subprime Kredite und der Kreditfinanzierungskredite durch Geckos Durchblick erklärt, so sehr irrt sich eben die Voice-Off und die Voice-Over Stimme des Films, wenn sie diese Methode als Natur des Menschen darstellt. Eine Methode, die weltweit für Hunger und Naturkatastrophen sorgt ist keineswegs die Natur des Menschen. Der Kapitalismus ist nicht so alt wie die Menschheit. Der Finanzkapitalismus mag Ergebnis einer Entwicklung sein, und er mag sogar logisch aussehen. Aber er ist auch das Ergebnis von Gewalt, von absichtlicher Gewalt, um Eigentumsverhältnisse zu reproduzieren. Marx sieht am Grund des Rechts nicht wieder Recht, wie Locke (oder auf andere Weise, Kant), sondern Gewalt, bzw. eine gewaltgestützte interpersonelle Norm. Hinsichtlich der Frage ursprünglicher Aneignung (von Grund und Boden) stellt er fest, dass die Verteidiger des Privateigentums „das ursprüngliche Faktum der Eroberung unter dem Mantel des Naturrechts verbergen. Im Verlauf der Geschichte versuchen dann die Eroberer vermittels der von ihnen selbst erlassenen Gesetze, ihrem ursprünglich der Gewalt entstammenden Besitzrecht eine gewisse gesellschaftliche Bestätigung zu geben. Zum Schluss kommt der Philosoph und erklärt, diese Gesetze besäßen die allgemeine Zustimmung der Gesellschaft.“ (MEW 18, S. 59)
Stone ist also jetzt der Filmemacher, der zum zweiten Mal den Mantel des Naturrechts ausbreitet und die tatsächlichen Hintergründe verbirgt. Aber der Film selbst, seine Bilder zeigen und demonstrieren geradezu diese Hintergründe. Daher ist der Film äußerst sehenswert. Und die Figuren sind dabei nicht wahllos angelegt. Stone dekonstruiert die Hintergründe und zieht dann den falschen Schluss. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Daher empfehle ich den Film wärmsten und warne nur vor der Stimme aus dem Hintergrund.


Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand
Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand
von Harald Welzer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weniger ist immer noch mehr, 4. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein spannendes, ein zudem gut und unterhaltsam geschriebenes Sachbuch zum Thema Wachstums-Wahn und Klimawandel. Was das Buch besonders erfreulich macht ist, dass sich Welzer auch an die "heilige Kuh" des "green growth" kritisch heranwagt. Die Welzersche Aufforderung, statt zu lamentieren und den Kopf in den Sand zu stecken, einfach in Möglichkeiten zu denken und etwas zu tun (Welzer zitiert hierzu den Möglichkeitsmenschen Ulrich von Musils Mann ohne Eigenschaften)leuchtet ein. Wobei sich auch Harald Welzer darüber im klaren ist, dass der Einzelne nur so viel tun kann, als die Strukturen unter denen sein Handeln eingeschränkt ist, hergeben. Wer dafür eine Lösung sucht, hat zum falschen Buch gegriffen.
Das Zauberwort Reduktion statt Wachstum ist zwar eine konsequente Forderung gegenüber einer Welt, die das "all you can eat" zum "state of the Art" gemacht hat. Aber es ist natürlich ein Systemwiderspruch schlechthin. Und dass ein Investmentbanker eigentlich nur geliebt werden will, das glaube ich leider nicht. Sein Ferrari ist keine Bemühung nach Anerkennung, sondern eine Art Panzer, nach dem Motto: Bleib mir bloß vom Leib mit deiner Armut.
Dennoch: Ich lese ein Buch nicht, um mich einfach nur wohlzufühlen. Die Aufforderung zum selbst denken und selbst handeln, die Mahnung vor dem oft allzu großen Gesellschaftsentwurf, ist eine sanfte und zugleich schmerzhafte Utopie. Welzer massiert unseren Intellekt und drückt dabei auf die Punkte, wo wir verspannt sind. Das tut zugleich gut und schmerzt erst mal.
Auf jeden Fall lesen. Allein schon wegen der vielen überaus konkreten Vorschläge, und dem erfrischenden Impetus echter Aufklärung.


Klack: Roman
Klack: Roman
von Klaus Modick
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

4.0 von 5 Sternen Jedes Foto verblasst, 23. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Klack: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wo aber der Mensch aus der Photographie sich zurückzieht, da tritt erstmals der Ausstellungswert dem Kultwert überlegen entgegen. (Walter Benjamin)

Ein schon leicht vergilbtes Foto zeigt mich mit Schultüte im Vorgarten stehend. Die Haare ganz glatt mit einem rechten Scheitel, die Beine eng beisammen, nahezu militärisch. Als ich eingeschult wurde, wäre Franz Werfel 80 Jahre alt geworden, weitete sich gerade der Vietnamkrieg auf Kambodscha aus, fiel Willy Brandt auf die Knie, wurde auf den Papst ein Attentat verübt, starb Jimmy Hendrix an einer Überdosis. Davon erzählt das Foto nichts. Es erzählt von einem braven Buben in kurzen Hosen. Es ist so unwirklich. Das war ich mal? Das steckt sogar noch in mir wie in einer Matrjoschka-Puppe. Und doch: Wenn ich das Bild betrachte, sehe ich zugleich die grausamen Bilder Napalm verbrühter Kinder, sehe ich Politiker in schwarz weiß, sehe ich Dutschke und höre die Ho Chi Minh Rufe aufgewühlter Studenten.
Klaus Modick betrachtet nun fünfzehn Bilder, geschossen mit einer Agfa Clack: Kunststoffgehäuse, einlinsiges Objektiv. Der Name Clack ergab sich aus dem Auslösegeräusch. Das Modick auch immer wieder erwähnt. Zum Filmeinlegen musste das Gehäuse, der „Cameramantel“, wie es in der Anleitung hieß, nach unten abgezogen werden. Eine Besonderheit war die gebogene Filmebene, die sich dem Bereich der besten Abbildungsqualität des einfachen Objektivs besonders gut anpasste. Die Linse lag nun vor, anstatt wie bislang hinter der Blende, so dass sich ein kleiner Tubus vorn an der Kamera befand. Dabei entstehen die Bilder der frühen 1960er Jahre. Diese Bilder der frühen 1960er Jahre verpackte Modick in eine unglückliche Liebesgeschichte. Das Wirtschaftswunderdeutschland, der kalte Krieg, alles erzählt aus der Perspektive eines Jungen, dessen Pubertät erwacht, der sich in Clarissa verliebt, eine junge Italienerin, die mit ihrem Vater und kleinen Bruder das Nachbarhaus (den Schandfleck) beziehen. Modick bedient sich an den bekannten Mustern der damaligen Zeit. Er erinnert an das HB Männchen, an die Glorreichen Sieben mit Horst Buchholz, an die herrliche Doo Wop Musik dieser Zeit, wie sie Dion so einmalig beherrschte, Dion and the Belmonts, A Teenager in Love. Dabei natürlich amüsant, dass diese Doo Wop Musik – Vorläufer des Rock ’n Roll und des Soul – durch italienische Zuwanderer in den Straßen New Yorks seine Entstehung hatte. Junge Menschen trafen sich wie zufällig auf der Straße und fingen an A Kapella zu singen. Das hätte die Oma in Modicks Roman bestimmt nicht gutgeheißen. All der Mief dieser Zeit zeigt sich in der „Barfuß-Party“. Dabei aber auch die Aufbruchsstimmung. Dennoch ist es ist ein Wohlfühl-Buch. Die gute alte Zeit in all ihrer Unschuld, verglichen mit den Schrecken des 21. Jahrhunderts. Zugleich zeigt Modick immer wieder - in den Versprechern der Oma zum Beispiel – wie nah das alte Regime noch ist, und wie sehr es sich in den Köpfen noch befindet. Sehr schön auch die Andeutungen die Modick dem Vater des Ich-Erzählers intendiert. Dessen Gerede über die Genügsamkeit des Iwan verläuft sich immer wieder, denn eigentlich will der Vater über die erlebten Schrecken des Krieges reden. Doch das kann er nicht. Die Mutter des Ich-Erzählers ist auf plumpe Art um Appeasement bemüht, indem sie aufkommende Streitgespräche in „Möchte noch wer etwas Schlagsahne“ oder „Pscht der Köpcke spricht jetzt“, erstickt. Politik war damals allen letztlich suspekt. Das hat sich dann mit einem Schlag geändert. Und ich selber, mein zu Anfang geschildertes Einschul-Foto, das noch ganz unschuldig ist und gut in die Erzählungen von Klaus Modick passen würde? Ich wuchs bereits im Terror auf. Im RAF-Terror, aber auch im Terror des Staates. Ich habe nichts oder wenig davon mitbekommen. Aber ich habe es dennoch in mich aufgenommen. Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre hatte dann ich meine Clarissa-Epiphanie und zwar mit einer jungen Türkin, Aysin. Sie endete etwas glücklicher, aber nicht so, wie ich es mir erhoffte. Die diffusen Ängste vor dem Atomkrieg und der alberne karnevaleske Humor (Am 31. Mai ist Weltuntergang), den Modick andeutet, diese Ängste sind nicht nur geblieben, sie sind akkumuliert. Heute haben wir eine ganze Armada an Ängsten. Der kalte Krieg ist vorbei. Aber nicht der Krieg. Er wurde entgrenzt, der moderne Krieg ist so diffus wie die dazu passenden Ängste.
Modick lässt nichts ungesagt. Vom Mauerbau, von der Hochwasserkatastrophe 1962, den ersten Eisdielen, von den Haartollen der ersten Rockerjugend, von den ersten großen Straßenfegern im Fernsehen, der musikalischen Parallelwelt des deutschen Schlagers, vom nachgeplapperten französischen Existenzialismus. Es könnte so die Vorlage für einen Samstagabend-Film im ZDF liefern, eine „Pilcherisierung“ der Bonner Republik-Jugend. Das Buch hat zweifelsfrei Humor. Manchmal leidet die Logik unter dem Humor. So auf Seite 73 der Scherz über den Doppelnamen Lorenzo-Subito. Denn eigentlich hatte der Ich-Erzähler doch Latein und „subito“ sollte er schon gelernt haben. Aber gut. Gefallen hat mir die Idee mit den Fotografien. Auch die vorangestellte reflektierende Stimme, die viel Kluges über die Magie der Fotografie ausspricht.
Ein leichtes Stück Literatur, deren Protagonisten zuweilen – wie beispielsweise Onkel Fritz aus Mallorca, oder der Wendehals Onkel Ernst – ein wenig zu plakativ wirken. Aber manchmal ist ein Werbeplakat wie das mit dem weißen Riesen und der Hausfrau mit karierter Schürze historisch exakter als so mancher komplizierte Essay. Die verzweifelte Hausfrau ruft mit Halleffekt: „Weißer Rieeese“ und da erscheint er und deklamiert: „Der weiße Riese holt mit Riesen Waschkraft den letzten Schmutz aus jeder Faser.“ Da könnte man sich so einiges denken. So erwähnt Modick einmal den berühmten „Persil-Schein“. Das deutsche Wirtschaftswunder als riesige Waschanlage?
Ich habe den Roman also recht gern gelesen. Meine Ambivalenz rührt vielleicht daher, dass Modick zu oft den Bilderbogen aufspannt und man hat dann ein bisschen den Eindruck, sich alte Filmchen auf youtube.com anzuschauen. Der Eindruck des schwarz-weiß ist ihm gut gelungen. Wie schon gesagt: Ein Buch mit dem man sich wohl fühlt, und das mit dem letzten Satz eine düstere Fortsetzung andeutet: Jetzt war alles erstarrt. Die tief stehende Novembersonne glitzerte kalt auf dem stillen Wasser. Klack.
Jetzt käme das zischende Geräusch der Polaroid-Kamera. Denn jetzt will man all seine Wünsche sofort erfüllt bekommen. Wozu warten?


24 - Die komplette Serie (inkl. 24: Redemption) [49 DVDs]
24 - Die komplette Serie (inkl. 24: Redemption) [49 DVDs]
DVD ~ Kiefer Sutherland
Preis: EUR 74,99

2 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Helden in Echtzeit, 8. Juli 2013
11520 Minuten: das sind knapp 192 Stunden, 8 Tage. Wohlgemerkt ohne Schlaf! Staffel 1 bis 8.
In Echtzeit. Voller Adrenalin, ohne Pause Bedrohung.
Es wird gefoltert, erpresst, betrogen, hintergangen, permanent die Fronten gewechselt. Die ohnehin schon unsichere Grenze von Recht und Unrecht wird dabei so oft und so schnell überschritten, dass sie komplett zu verwischen scheint.
Twenty Four ist eine so genannte Echtzeitserie mit Kiefer Sutherland als Undercover Agent Jack Bauer der fiktiven CTU (Counter Terrorist Unit), einer amerikanischen Terrorbekämpfungseinheit. Echtzeit bedeutet: Die erzählte Zeit ist identisch mit der Erzählzeit. Leutnant Gustl von Arthur Schnitzler oder Ulysses von Joyce sind Beispiele aus der Literatur, High Noon oder Lola rennt Beispiele aus dem Film.
Bei Twenty Four erinnert der Hintergrundsound an das Ticken einer Uhr. Zwischen den Szenewechseln sind immer wieder mehrere Fenster eingeblendet, ein so genannter Split Screen, der es dem Zuschauer ermöglicht, mehrere Schauplätze der Handlung gleichzeitig zu überblicken. Das ist auch durchaus notwendig, da das Tempo der Handlung von einmalig hoher Geschwindigkeit ist. Manchmal werden bis zu acht Handlungsstränge gleichzeitig erzählt. Ein probates Mittel, um die dramaturgischen Probleme zu lösen, die durch die Echtzeit der Erzählung entstehen.
Der Einsatz der Silent Clock hält den Zuschauer zeitlich auf dem Laufenden. Man weiß, was die Stunde geschlagen hat!
Die Serie wurde in England und USA zum Kult, in der Schweiz verklagt, mit Emmys und Golden Globes vielfach nominiert und mehrfach prämiert. Sie wurde vom Rat der amerikanisch-islamischen Freundschaft mehrfach kritisiert, und wurde vom Magazin Empire auf Platz sechs der besten TV-Shows aller Zeiten gewählt. In Deutschland wurde die Serie zwei Jahre auf Eis gelegt, weil hierzulande Krankenhausserien oder Dieter Bohlens Deutschland sucht den Superstar eher Quote machen.
Worum geht es nun in Twenty Four? Amerika wird angegriffen! Die Bedrohung ist stets apokalyptisch. Vom nuklearen bis zum biologischen Holocaust. In den ersten Staffeln stecken islamistische Terrorgruppen hinter den Anschlägen und Anschlagsversuchen. Schließlich zeigt sich, dass hinter vielen Anschlägen eine Gruppe amerikanischer Verschwörer steckt. Unter den Verschwörern befindet sich auch der Bruder von Undercover Agent Jack Bauer.
Der Präsident und sein Stabschef werden immer wieder vor tragische Entscheidungen gestellt. Und die Hiobsbotschaften kommen in der Regel von der CTU. Man sieht also auf der einen Seite das Oval Office, den Präsidenten (oder wie in Staffel 7 und 8 die Präsidentin) mit dem jeweiligen Stabschef. Sie müssen über Leben und Tod entscheiden. Die Zeit ist immer knapp und sie haben in der Regel nicht genügend Informationen, um ihren Handlungsspielraum voll auszuschöpfen. Gleichzeitig ist das Weiße Haus unterwandert. Dabei ist der Stabschef selbst nicht immer loyal zum Präsidenten der vereinigten Staaten von Amerika. Der Präsident der vereinigten Staaten selbst, ist nicht frei von Korruption (Präsident Logan verbringt in späteren Staffel sein Leben in Hausarrest). Auf der anderen Seite befindet sich die CTU, ein technologisch hochgerüstetes Großraumbüro. Vor ihren DELL Bildschirmen sitzen die besten Systemanalytiker, um zu überwachen, Kontakte zu überprüfen, Informationen zu erlangen und die Einsätze ihrer meist Undercover agierenden Agenten zu koordinieren. Aber auch die CTU hat Sicherheitslecks. Man darf niemandem trauen. Im Klima der Angst und des Misstrauens kämpft ein Mann einen aberwitzigen Kampf. Der Mann heißt Jack Bauer.
Jack Bauer ist die zentrale, tragische Figur um die herum die Kultserie aufgebaut ist. Jack Bauer ist eine Art James Bond. Er ist aber auch eine Art Comicfigur*! Mehr als das, er ist von geradezu antiker Heldenhaftigkeit. Jack Bauer, grandios und überzeugend gespielt von Kiefer Sutherland, ist die tragische Figur des asymmetrischen Krieges. Jack Bauer wird dabei von einer höheren Moral angetrieben, eine Krieger- oder Kämpfermoral. Seine gleichzeitig vorhandene bedingungslose Loyalität zu seinem Land steht dabei ständig im Widerspruch zu seinen Handlungen. Er wird immer wieder zu Handlungen gezwungen, die gegen alle Gesetze des Landes verstoßen, dem eigentlich seine Loyalität gilt. Er wird gezwungen, befreundete Agenten zu töten, um die Aufklärung des Terroraktes voranzutreiben. Er wird zu Verrat und Brutalität gezwungen. Seine Opferbereitschaft ist geradezu biblisch. Denn wie Abraham seinen Sohn opfern soll für Gott, so bedroht die höhere Moral des Jack Bauer seine eigene Tochter mit dem Tod. Jack Bauer tötet oder foltert Menschen1, selbst ihm nahe stehende, um eine größere (abstrakte) Zahl von Opfern zu verhindern2. Es geht um das Leben unschuldiger, amerikanischer Bürger. Twenty Four ist die mythologische Überhöhung von 9/11. Dabei ist die Serie alles andere als einseitig. Es wird keineswegs immer der Islamismus als allein Schuldiger ausgemacht. Fast immer sind höhere Regierungsmitglieder verschwörerisch verstrickt. Und in der siebten Staffel zeigt sich das wahre Gesicht der Hintermänner. Jack Bauer hat, wie in einer klassischen Heldenreise seine Helfer. Helfer, die auch scheitern. Einer von ihnen ist Toni Almaida (überzeugend und mit großem Ernst gespielt von Carlos Bernard Papierski). In der fünften Staffel scheint er zu sterben. Aber in der siebten taucht er wieder auf. Sein Tod war nur vorgetäuscht. Jetzt betreibt er seinen eigenen Rachefeldzug. Er versucht, die wahren Mörder seiner Frau zu finden. Dabei geht er präzise vor, spielt alle aus, instrumentalisiert seine Freunde, gerät immer wieder unter Verdacht, wird wieder freigesprochen, gerät wieder unter Verdacht, bis ans Tageslicht kommt, dass er einzig und allein den bösen Hintermännern einer gewaltigen Verschwörung auf der Spur ist. Es sind in diesem Fall hochrangige amerikanische Bürger, deren wahre Identität nicht verraten wird. Sie sind mächtig und unsichtbar, nicht zu belangen, sie hinterlassen keine Spuren und ziehen doch bei allem die Fäden. Einen von ihnen kann Toni Almaida stellen. Doch bevor er ihn liquidieren kann, hält ihn der inzwischen todkranke Jack Bauer auf. Der Böse darf nicht sterben, denn nur durch ihn kann man das wahre Ausmaß der Verschwörung aufdecken. Also muss Jack Bauer auch seinen besten Freund und Mitagenten Toni Almaida opfern.
Begleitet wird Jack Bauer von wahrhaft loyalen Mitarbeitern. Bill Buchanan, der von Staffel drei bis sechs CTU Chef ist. Und von Chloe O’Brian, einer brillanten Systemanalytikerin. Sie bringen sich selbst immer wieder in größte Gefahr, um Jack zu helfen. In der siebten Staffel opfert Bill Buchanan sein Leben für Jack. Eigentlich rettet er das Leben der Präsidentin. Die Präsidentin ist von einem afrikanischen Diktator im Weißen Haus festgesetzt worden. Jack und Bill sind Geiseln von General Juma von Sangala. Jack hat einen Plan, wie er die Präsidentin befreien kann. Doch würde dies sein Leben gefährden, es wäre ein Selbstmordkommando. Bill ist eingeweiht. Doch bevor Jack den Plan ausführen kann, sprintet Bill los und opfert sich selbst. Jack gelingt es, die Präsidentin zu befreien. Aber Bill stirbt im Kugelhagel.
Kaum ist die eine Gefahr gebannt, kommt es schon zur nächsten. General Juma war nur ein Rädchen im gewaltigen Spiel der Mächte. Es gibt kein Ende. Der Zuschauer ist zum Süchtigen geworden. Stets ist die Zeit knapp, die Entscheidungen müssen schnell, aber präzise getroffen werden. Die Chancen sind immer klein. Der Kampf scheint oft aussichtslos, und immer, wenn man glaubt, jetzt wurde die Welt gerettet, kommt eine erneute Wendung der Geschichte. Ein vermeintlich Guter entpuppt sich als Teil der Verschwörung. Mit dem Zuschauer wird gespielt. Nichts ist, wie es scheint. Die einzige Konstante ist Jack Bauer. Und er ist immerzu gefährdet, moralisch wie existentiell. Und wenn am Ende der vierten Staffel Jack Bauer vom Staat selbst geopfert wird, ist es genau das, wofür Jack Bauer bereit ist. Dass er nicht stirbt, liegt daran, dass es in der Regierung selbst einen Dissens gibt. Und auch darin ist die Serie eine brillante Propaganda, denn immer sind die guten Menschen gefährdet und gleichzeitig besteht die These, die sehr stoische These, dass gut gleich stark. Gut und Stark. Die Römer nannten es „Ehre und Stärke“, gleichzeitig ist der Held der Serie (Jack Bauer) auch ein durchaus weicher Mensch. Der amerikanische Held ist weich und stark. Er hat genau diese zwei Seiten, dass er in der Liebe Gefühle zeigen kann, und im Kampf Bedingungslosigkeit und Härte. Aber dies hat seinen Preis.
Am Ende der dritten Staffel gibt es eine Szene, in der Jack Bauer sich entschuldigt und in sein Auto zurückzieht, um alleine zu sein, und dann beginnt er zu weinen. Alle Anspannung entweicht aus ihm, und zeigt ihn als Mensch. Als er in der siebten Staffel, todkrank, infiziert von biologischem Kampfstoff (Prionen, die eine bösartige Variante von Jakob Kreutzfeld auslösen) seine Tochter wiedersieht, weigert er sich, sich von ihr helfen zu lassen (um sie nicht zu gefährden). Er schickt die Tochter weg. Als er alleine ist, weint er, vergräbt das Gesicht in seinen Händen.
Die Bösen haben diese Seite nicht. Sie zeigen keine Menschlichkeit. Wer Schwäche zeigt von den Antagonisten, wechselt da schon auf die andere Seite. Und genau hier lässt sich die Propaganda ausmachen. Der Terrorist ist der verbitterte Gegner. Und Jack Bauer ist das verratene und in der Not zum Foltern gezwungene Amerika.
Folter wird auf schicksalhafte Weise legitim. In der siebten Staffel wird Folter am stärksten thematisiert. Dies ist wohl der öffentlichen Diskussion und dem „Change“ in den USA geschuldet. Zu Beginn der Staffel muss sich Jack Bauer bei einer offiziellen Anhörung den Foltervorwürfen stellen. Immer wieder wird ihm von verschiedenen Seiten die Frage gestellt, ob er seine Taten bereut. Jack Bauer antwortet zögerlich. Er ist sich jedoch seiner Schuld bewusst*. Und der Zuschauer ist mindestens so ambivalent wie die Protagonisten der Serie.
Terror wird in der Idealität dargestellt. Es gibt die Bösen. Aber sie handeln überzeugt von ihrer Sache. Auch sie wollen das Gute – das vermeintlich Gute. Die Gegner von Jack Bauer haben ihre eigenen Ideale, und sind bereit für diese Opfer zu bringen.
Man würde der Serie nicht gerecht werden, würde sie nicht durchschauen, wenn man ihnen einseitig Folterpropaganda vorwerfen würde.

Es ist Propaganda. Aber durchaus nicht grob inszeniert, denn die CTU, diese Antiterroreinheit, zeigt sich keineswegs als geschlossene patriotische Institution, sondern wird stets durch Maulwürfe und Schwächen in der inneren Struktur gefährdet. Partnerschaften innerhalb der CTU – Agent und Agentin, eine schwierige Beziehung - werden hochemotional bearbeitet, gleichzeitig gemahnen sich die Mitarbeiter gegenseitig, keine Emotionen zu zeigen, um jederzeit für die Sache bereit zu sein, den Partner zu opfern. Opferbereitschaft ist das Thema schlechthin für die Agenten. Wenn Jack Bauer zum Beispiel in Staffel vier den Mann opfert, der ihm das Leben rettete (und auch noch der Expartner seiner Freundin ist), um einen Unbekannten zu retten, weil der möglicherweise Informationen hat, die zur Aufklärung des Falls dienen, geht es um nicht weniger als alles.
Jack Bauer ist bereit alles und jeden zu opfern, und kennzeichnet sich durch eine absolute Todesverachtung.
Lange vor Obama hatte Twenty Four schon einen schwarzen Präsidenten, und auch eine Frau als Präsident.
Und ab der dritten Staffel gibt es die „Miss Loyalität“ Mary Lynn Rajskub alias Chloe O’Brian. Sie ist immer im Innendienst eingesetzt, und auch sie ist wie Jack Bauer ein Symbol von Loyalität und Staatstreue, aber auch Arbeitseifer. Chloe drinnen und Jack draußen. Chloe O’Brian und ihr Mann Morris sind übrigens die einzigen Protagonisten bei Twenty Four, die einen Anflug von Humor aufkommen lassen. Ansonsten ist die Serie komplett humorlos. Sie ist so ernst und bitter, wie der Mythos.
In 24 Stunden geschieht so viel, dass man als Zuschauer eigentlich gar nicht glauben kann, dass es nur ein Tag gewesen ist.
Twenty Four ist das summum bonum des modernen Antiterrorkrieges. Die Asymmetrie des modernen Krieges wird hier auf den idealen Punkt gebracht.
Man darf die Serie jedoch nicht mit der Wirklichkeit verwechseln. Twenty Four ist eine Saga. Ihre Helden sind Halbgötter, denn sie sind sterblich. Aber was Helden wie Jack Bauer auszuhalten haben, ist keineswegs mehr menschlich. Folter ist keine Lust, sondern dient nur einem Zweck.
Mit der Realität der Folter hat dies wenig zu tun. Aber es geht stets um Informationen! Das Informationszeitalter wurde in Twenty Four als Mythos erzählt. Für die Information wird alles getan: getötet, gefoltert, entführt, hintergangen.
Nichts Geringeres als die Rettung der Welt steht zur Disposition. Und nur wer die Information hat(wo ist die Bombe, wer hat die Bombe), hat die Macht die Welt zu retten oder in den Abgrund zu stürzen. Die Welt kann aber nur gerettet werden, wenn die moralischen Grundsätze aufgegeben werden.
Es ist eine Schattenwelt zwischen Oval Office, CTU Büro und den geheimen Kammern der Weltverschwörer.
Mit unserer Welt hat diese Serie nichts zu tun. Sie ist so real wie Der Herr der Ringe oder andere Phantasieprodukte.
Und doch hat sie einen fürchterlich realen Hintergrund. Neben den Versatzstücken der realen Welt, den DELL Computern, und den realen Schauplätzen in Washington DC, ist der eigentlich reale Hintergrund die Apokalypse. Die Bedrohung ist da. Von wem die Bedrohung ausgeht, ist nicht klar.
Wer die Bedeutung von Twenty Four ignoriert, der ist auch bereit, die Bedeutung der Ilias von Homer zu ignorieren.
Jack Bauer als moderner Achilles, oder moderner Herakles. Das trojanische Pferd wurde zum Datenkraken. Bereit überall zuzuschlagen, alles zu zerstören oder alles zu retten.
Twenty Four ist eine einzige große Hirnexplosion, erzählt in
192 Stunden. Twenty Four erzählt von uns, unseren Eigeninteressen, die mit den höheren Interessen kollidieren. Twenty Four erzählt von der Moral und davon, dass wir nicht mehr wissen, was eigentlich moralisch ist. Was gilt es eigentlich zu retten.
Die Macher von Twenty Four, Joel Surnow und Robert Cochran haben eine Serie produziert, an der man nicht vorbeikommt. Unter ihrem Hauptregisseur Jon Cassar entstand filmisch wie dramaturgisch Neuland.
Und Kiefer Sutherland hat sich mit seiner Darstellung des CTU-Agenten Jack Bauer ein Denkmal gesetzt.
Am 24. Mai startet auf FOX die achte und letzte Staffel der Serie. Fast ein Jahrzehnt Filmgeschichte ist damit beendet.
*in der Tat erschien 2007 bei IDW Publishing der Comic Twenty Four Nightfall
1 Ein Schweizer Anwalt hat in den ersten fünf Staffeln der Serie 67 Folterszenen gezählt. In viele davon ist Jack Bauer involviert. Er foltert selbst, oder wird gefoltert. Zum Ende der fünften Staffel verschwindet er in den Folterkellern der chinesischen Regierung. In Staffel 6 taucht er wieder auf, gezeichnet, mit Narben übersät.
2In Staffel sieben sagt Jack Bauer: „Rein logisch weiß ich, dass ich nicht über den Gesetzen stehe, aber dann sehe ich die Menschen in dem Bus und ich weiß auch, wenn ich nichts unternehme müssen diese sterben.“ Also ist er gezwungen, zu foltern. Sein Herz, sein Gewissen zwingen ihn dazu, Bundesgesetze zu brechen.
*Zum Ende der Staffel liegt Jack Bauer im Sterben. Er vertraut sich einem moslemischen Prediger an, beichtet, holt sich vom Islam seine Absolution.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 29, 2013 9:42 AM MEST


Warum es die Welt nicht gibt
Warum es die Welt nicht gibt
von Markus Gabriel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

41 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Universum und der ganze Rest, 19. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Erst denkt man: Warum soll ich dieses Buch kaufen? Wenn es die Welt nicht gibt, dann ja wohl auch nicht dieses Buch, und ein Kaufakt macht keinen Sinn mehr. Aber! Dieses Buch von dem jüngsten Philosophie-Professor Deutschlands ist eine Bereicherung. Er schreibt so, dass ich Zusammenhänge begreife, und vor allem mir merken kann. Das ist nicht schlecht. So sehr ich mich erst an seiner allzu lockeren Art störte (nur zum Teil, weil er flott schreibt), so erkannte ich doch, dass er sich dabei etwas überlegt hatte. Er ging ein großes Wagnis ein. Denn er musste in seiner Planung die einzelnen kritisierten Theorien allmählich erklären. Besonders auffallend war das bei seiner Kritik am Konstruktivismus. Zunächst empfand ich Abneigung. Denn er reduzierte diesen Ismus zu sehr. Als sei der Konstruktivismus eine Art Solipsismus. Doch allmählich füllte er ihn auf. Und dann wurde mir auch klar, dass er hier auch eine Parabel andeutet. Dann überraschte mich der Autor zunehmend, indem er seine Ansichten entfaltete. Und was ihn auszeichnet: Er hat Beispiele zur Verfügung. Wie er Wittgensteins "Logicus tractatus philosophicus" erklärt (Die Welt ist alles was der Fall ist) das ist schon aller Ehren wert. Ab da hat er mich dann für sich gewinnen können. Man wird ja skeptisch, wenn man so junge Leute schon zum Professor macht und dann auch noch Philosophie! Das Fach der Alten und Weisen. Aber Gabriel ist erfrischend. Er bereichert durch seine zeitgenössischen Beispiele, seine (auch moderne) kulturelle Enzyklopädie.Sein Sinn für Science Fiction vereinnahmte mich ebenso. Und er führt uns gleichzeitig sehr entspannt durch die Geschichte der Philosophie. Und dass Philosophie am Ende immer eine gewisse Ratlosigkeit zurücklässt, das ist wohl ihr Kerngeschäft. Das kennen wir schon von den fiesen Dialogen, die den Mäautiker Sokrates auszeichneten. Philosophie kann also sehr viel Spaß machen ohne dabei platt zu sein. Vor allem, weil er für sein Fach eine kluge Lanze bricht.
Ein kleiner Kritikpunkt. Imanuell Kant hat er doch allzu leichtfertig entzaubert.
Denn diesem Drama menschlicher Erkenntnis kann auch Gabriel nicht entfliehen. Auch wenn er das Universum zur Provinz erklärt: Unser Blick in die Sterne bleibt.


Requiem for a Dream
Requiem for a Dream
DVD ~ Ellen Burstyn
Preis: EUR 9,60

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heilige Messe für einen Traum, 14. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Requiem for a Dream (DVD)
Wir haben einen Sieger! So beginnt ein Alptraum. In diesem Fall heißt die Glückliche Sarah Goldfarb. Sie ist fernsehsüchtig und sieht sich immer die Selbsterfüllungsshow namens Tappy Tibbons Show an. Und dann! Welch eine Freude, wird sie eingeladen zu genau dieser Fernsehshow, auserwählt unter vielen Bewerbungen. Herrliche Preise winken. Als die alleinlebende Witwe feststellt, dass sie nicht mehr in ihr schönes rotes Kleid passt, entschließt sie sich zu einer Diät. Doch ein hartgekochtes Ei und eine Scheibe Grapefruit zum Frühstück? Ein Tipp von einer Nachbarin. „Meine Tochter hat 50 Pfund abgenommen mit diesen Pillen, die ihr der Arzt verschrieben hat.“
Ihr Sohn Harry warnt sie. „Das sind Drogen, die machen dich abhängig.“ Sie lacht ihn aus. „Bist du Arzt? Weißt du mehr als ein Arzt?“ Ja, möchte man schreien. Denn der Zuschauer weiß schon, dass der arme Harry an der Nadel hängt und sich ziemlich gut auskennt mit Drogen. Er baut gerade mit seinem Freund Terence einen gut gehenden Drogenhandel auf.
Das ist der Sommer. Das erste Kapitel einer bilderreichen Odyssee die vom hübschen Brighton Beach ins rassistische Kalifornien führt. Noch ist die Welt halbwegs in Ordnung. Harry ist frisch verliebt in die hübsche Marion und sie planen, von dem durch Drogenhandel verdienten Geld ein Designer-Geschäft zu eröffnen. Natürlich kommt es anders. Träume sind kein Spaß.
Fall, heißt dann das zweite Kapitel. Harrys Freund wird verhaftet und die Kaution verschlingt das Kapital der jungen Geschäftsleute. Kein Geld, keine Drogen. Zudem haben die Italiener das Geschäft an sich gerissen und geizen mit Stoff. Harry streitet sich mit seiner Freundin Marion. Die Entzugssymptome sind daran schuld. Während die jungen Leute immer tiefer in den Strudel der Drogensucht gerissen werden, wird Harrys Mutter Sarah von ihrem Kühlschrank terrorisiert. Sie schluckt immer mehr von den Pillen, die ihr der weise Arzt verschreibt. Und sie wartet immer noch auf die endgültige Bestätigung für ihren Fernsehauftritt. Die Mischung aus Uppers und Downers, das ständige Warten auf die Post, ist für die alleinstehende Witwe zu viel. Sie bricht zusammen und landet in der Psychiatrie. Das volle Programm! Zwangsernährung, Fixierung, Elektroschock.
Harry und sein Freund Tyrone machen sich nun auf nach Kalifornien. Dort gibt es Stoff in Hülle und Fülle. Doch die Einstichstelle in Harrys Arm hat sich fürchterlich entzündet und er muss ins Krankenhaus. Dort werden beide verhaftet. Später wird dem armen Harry auch noch der Arm amputiert.
Nebenbei stürzt seine Freundin Marion in die Prostitution ab.
Begleitet wird der Ausnahmefilm von der intensiven Musik von Clint Mansell, die er zusammen mit dem Kronos-Quartett eingespielt hat. Die Mischung aus Klassik und Elektronik ist in diesem filmischen Meisterwerk genau richtig. Im Remake des Films Sunshine wurde diese Musik noch einmal verwendet und wirkt dann nur noch elend pathetisch.
Der Regisseur Darren Aronofsky (The Wrestler, Black Swan) schuf hier zur Jahrtausendwende eine Ballade, die wirklich unter die Haut geht. Grundlage des Films ist der gleichnamige Roman Requiem of a dream von Hubert Selby (Last exit Brooklyn, Der Dämon). Hubert Selby ist ein Spezialist für Alpträume. Und in dieser Ballade hat Selby auch das Drehbuch geschrieben.
Ein Film von – man muss das so sagen, und ich weiß, es ist unendlich verbraucht, aber: ein Film von verstörender Schönheit. Aus dem vergleichsweise schlichten Plot gelingt dem Regisseur ein Reigen von Bildern, die nahezu synästhetisch sind. Die Bilder sind wie Musik und untermalt von dem herzzerreißenden Soundtrack gelang ihm eine Gesamtkomposition. Der ganze Film wirkt wie eine Droge.
Sarah Goldfarb, die einsame, fernsehsüchtige Witwe wird dabei von Ellen Burstyn meisterhaft gespielt. Ellen Burstyn kennen wir noch als Chris Mc Neil, die Mutter von Regan, dem netten 12-jährigen Mädchen aus The Exorzist.
Aber auch Jared Leto (er spielt u.a. Alexander den Großen) als Harry Goldfarb zeigt alles. Auch Jennifer Connelly (sie spielt die Marion) ist bewegend gut. Connelly kennen wir aus dem großartigen Film Beautyful mind. Hier spielte sie die Ehefrau des Mathematik-Genies John Nash.
Ein Film, bei dem alles passt. Was der Film noch braucht? Einen Zuschauer mit genügend Nerven, ihn auszuhalten. Drogen sind schließlich kein Spaß.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 15, 2013 10:38 AM MEST


The Box - Du bist das Experiment.
The Box - Du bist das Experiment.
DVD ~ James Marsden
Wird angeboten von Drehscheibe24
Preis: EUR 9,87

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lasst uns weitermachen, 14. April 2013
Rezension bezieht sich auf: The Box - Du bist das Experiment. (DVD)
Es ist früh am Morgen, Sie liegen mit Ihrer Frau im Bett und schlafen. Nebenan schläft Ihr 11jähriger Junge. Plötzlich wachen Sie auf. Es hat an der Tür geläutet. Es ist viertel vor sechs. So früh? Wer kann das sein? Ihre Frau steht auf, sieht noch einen schwarzen Wagen wegfahren. Sie öffnet die Haustüre. Ein Paket ohne Absender steht vor der Tür.
So beginnt Richard Kellys (Donny Darko) Verfilmung der Kurzgeschichte The Box vom US-amerikanischen Science-Fiction Autor Richard Matheson, geschrieben in den 1970er Jahren.
Dieses unscheinbare Paket ändert alles im Leben der Durchschnittsfamilie von Norma und Arthur Lewis. In dem Paket befindet sich eine schwarze Schachtel mit einem roten Knopf und einer Karte. Ein gewisser Arlington Steward werde Ihnen am Nachmittag seine Aufwartung machen. Ein Scherz? Es ist einen Tag vor Weihnachten. Aber selbst der 11jährige Walter glaubt nicht mehr an den Weihnachtsmann.
Am Nachmittag kommt tatsächlich ein geheimnisvoller Mann mit einem grausam entstellten Gesicht zu Besuch. Er ist freundlich, hat diese Art Freundlichkeit, die älteren Männern aus gutem Hause zu Eigen ist. Norma Lewis und Arlington Steward sitzen sich gegenüber. Auf dem Tisch zwischen Ihnen die schwarze Box mit dem roten Knopf.
„Ich werde Ihnen nun erklären, was es mit der Box auf sich hat.“
Norma ist gespannt, aber auch unsicher. Und was sie nun erfährt, verbessert ihre Laune keineswegs. Wenn sie den roten Knopf drücken würde, dann stirbt irgendwo auf der Welt ein Mensch. Jemanden, den sie nicht kennt. Und zweitens: Wenn Sie den roten Knopf drückt, bekommt sie eine Million Dollar. Steuerfrei, erklärt der freundliche Mr. Steward und lächelt – sofern er dazu in der Lage ist, mit seinem entstellten Gesicht. Drückt sie nicht, dann holt er die Box am nächsten Tag wieder ab und gibt sie einem anderen. Niemand stirbt, aber es gibt auch kein Geld. Soweit so gruselig. Mr. Steward öffnet einen Koffer, zeigt ihr die frischen Dollarnoten, schenkt ihr zum Beweis einen Hundertdollarschein. Pekunia non olet oder? Riechen Sie den Duft des Reichtums? Endlich frei sein, kein Knecht mehr! Sehen Sie auch die vielen schönen Sachen, die man sich nun kaufen kann? Sehen Sie sich verwöhnt, hofiert und bewundert vom dreckigen Rest dieser armen Menschen?
Drei Bedingungen noch: Norma darf niemandem (außer natürlich ihrem Ehemann) davon erzählen. Sie hat 24 Stunden Zeit, muss sich also bis zum nächsten Nachmittag entschieden haben, und sie möge davon absehen, herauszubekommen, wer sein (Mr. Stewards) „Arbeitgeber“ (wie er es betont genau so sagt) sei. Dann verabschiedet er sich höflich. Norma bleibt allein zurück in der plötzlich sehr stillen Wohnung. Vor ihr die schwarze Box mit dem roten – erlösenden – Knopf.
Und? Wie würden Sie sich entscheiden? Eine Million Dollar? Dazu befragte ich einige Bekannte von mir, und erhielt erstaunlich häufig die Antwort: „Ich würde den Knopf drücken.“ Manche sogar schon ab 100.000 Dollar bzw. Euro. Natürlich sind Norma und Arthur Lewis nicht reich. Norma erfährt vom Schuldirektor, dass sie nun das Schulgeld für ihren Jungen Walter, in Zukunft selbst bezahlen muss, und Arthur erfährt, dass die erhoffte Beförderung ausbleibt. Mit einem Schlag, ohne mehr zu tun, als einen Knopf zu drücken, sind Sie alle Ihre existenziellen Nöte los. Eine Versuchung, der kaum jemand widerstehen kann. Und mein Gott, irgendwo stirbt doch immer jemand auf der Welt. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Oder?
Also erleben wir, dass auch Norma den Knopf drückt. Sicher nicht einfach so, sondern durchaus nach einer angemessenen Bedenkzeit. Norma ist kein Monster. Sie ist wie du und ich. Wer wird nun sterben? Ein Kind? Ein alter Mann, der sein Leben schon gelebt hat? Ein Mörder, der es verdient?
Richard Kelly schuf einen suggestiven Film, der noch weit über diese rein moralische Frage hinausging. Cameron Diaz zeigt sich als großartige Charakterdarstellerin und spielt eine junge Frau, die sympathisch, moralisch integer und durchaus angenehm ist. Auch ihr Mann, gespielt von James Marsden (bekannt aus X-Men) ist sympathisch und alles andere als ein unmoralischer Mensch. Beide sind anständige amerikanische Bürger, die ihren bescheidenen Traum von einem guten Leben träumen. Und nun beginnt für sie die Hölle. Aber nicht nur für sie. Denn das ganze Spiel mit der schwarzen Box und dem roten Knopf ist ein Experiment, um den altruistischen Koeffizienten der Menschheit herauszubekommen. Ein heiteres Morden und Sterben beginnt.
Zum Ende des Films voller Anspielungen auf die Religion, auf Spiritualität und auf den Tod als großes Mysterium, kommt es zu einer weiteren spieltheoretisch interessanten Gegenüberstellung. Walter, der 11-jährige Junge wurde von den Mitarbeitern von Mr. Steward entführt und man zerstört bei dem Jungen die Fähigkeit zu sehen und zu hören. Der Junge findet sich wieder, eingeschlossen im Badezimmer der Wohnung seiner Eltern. Er kann nichts sehen und nichts hören. Eingeschlossen in einer dunklen und stillen Welt. Die Eltern sitzen nun dem freundlichen älteren Herrn Steward gegenüber. Nun. Ihr Junge wird nie wieder sehen und nie wieder hören können. Aber die Eltern haben ja jetzt eine Million Dollar. Möge es ein Trost sein! Dann legt der freundliche Mr. Steward eine Pistole auf den Tisch. „Eine Möglichkeit haben Sie noch.“ Mr. Steward erklärt dem bereits restlos verstörten Ehepaar, wie sie aus der Misere mit ihrem armen Jungen wieder herauskommen könnten. Arthur Lewis müsse hierfür nichts weiter tun, als diese Waffe an sich zu nehmen, und seine Frau zu erschießen. Dann könnte ihr Junge, der arme Walter, wieder sehen und hören.
Es ist ein hübsches Märchenmotiv, das hier zu einem psychologischen Horror wird. Norma ist fertig mit der Welt. Sie kann es nicht ertragen, ihren armen Jungen so leiden zu sehen. Arthur kann den Gedanken, seine geliebte Frau erschießen zu müssen, um seinen Sohn wieder gesund zu machen auch nicht ertragen. Verzweifelt fleht er Mr. Steward an, doch alle einfach zu töten. „Das Leben ist die Hölle“, schreit er. Dies ist ein Zitat von Jean Paul Sartre, aus dessen amüsanten Theaterstück Geschlossene Gesellschaft. Mr. Steward bleibt höflich. Er antwortet nicht, dreht sich nur um und geht.
Die Hölle, sind immer die anderen. Und natürlich „machen wir weiter“.
Ob eine Menschheit, die nicht in der Lage ist, ihre eigenen Bedürfnisse zum Wohle der Gemeinschaft zurückzustellen, überlebensfähig ist, das wissen wir nicht. Aber in unserer egomanen Wettbewerbsgesellschaft geradezu dazu herausgefordert, bedingungslos den roten Knopf zu drücken, weil es in unserer Welt bedeuten würde, selbst zu sterben, wenn man diesen Knopf nicht drückt, das ist etwas, was mich zumindest zweifeln lässt, ob das hier alles noch lange gut geht. Der Autor dieser Kurzgeschichte, die Richard Kelly 2009 verfilmte, glaubte wohl auch nicht daran, sonst hätte er den Roman I Am Legend nicht geschrieben. Übrigens – aber das dürfte hinlänglich bekannt sein – ist dieser Roman auch schon mehrfach verfilmt worden, zuletzt von Francis Lawrence mit Will Smith in der Hauptrolle.
Abschließend: Der Film The Box wurde vom Regisseur mit dem Stilmittel des Film Noir gedreht. Das war durchaus angemessen. Daher spielt in dem Film auch der Geheimdienst eine Rolle, was in der Kurzgeschichte nicht vorkommt. Aber das macht ja nichts. Der Geheimdienst stört nicht weiter, er macht auch nur seinen Job.
Also: Lasst uns weitermachen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 14, 2013 11:12 PM MEST


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