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Rezensionen verfasst von
Osnabrück

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Smalltalk: Die Kunst des stilvollen Mitredens
Smalltalk: Die Kunst des stilvollen Mitredens
von Alexander von Schönburg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,00

33 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein weniger gutes Buch von einem interessanten Autor, 28. Dezember 2014
Alexander von Schönburg ist ein interessanter Autor: Ich habe mit Gewinn sein Buch über die englische Königsfamilie gelesen. Auch die Thematik vom "Reichsein ohne Geld" überzeugt als lebensphilosophischer Impuls.
Gerade die Schönburg-Fans sollten jedoch die Finger von diesem Buch lassen: Wer die hier vorgetragenen Regeln beherzigt, kann böse auf die Nase fallen. Zudem existiert heute nicht mehr ein rhetorisches No-go, wie es der Autor an einigen Stellen suggeriert: Beim Gespräch ist, je nach persönlicher Eigenart, mehr erlaubt, als Schönburg zugesteht.
Die Frage nach dem Gesprächseinstieg, eine der wichtigsten Fragen des Smalltalk überhaupt, wird nicht befriedigend beantwortet. Darin besteht vielleicht die eigentliche Krux dieses Buches. - Es entsteht insgesamt der Eindruck, als habe ein guter Autor zum bloßen Geldverdienen auf geschickte Art irgendetwas zusammengeschrieben, was bei einem Talent wie Schönburg freilich immer noch gut ist.


Martin Mosebach.: Der katholische Roman.
Martin Mosebach.: Der katholische Roman.
von Steffen Köhler
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Ein guter Überblick für Fortgeschrittene, 20. Dezember 2014
Das Buch gibt einen Überblick über alle Mosebach-Romane. Köhler zitiert viel und argumentiert schlüssig. Ob man der Schlussfolgerung dann zustimmt, dass Mosebachs Romane tatsächlich durchweg "katholisch" sind, sei dahin gestellt. Immerhin bringt Köhler viele Textstellen, die weit über das Vorhandensein von "katholischen Einzelteilen" hinausgehen und die die Buchthese glaubhaft untermauern.
Für mich neu ist der Vergleich mit Carl Schmitt - der allerdings ein Nazi war -: Mosebach hat dessen katholische Thesen über viele Romane verteilt, wie Köhler schreibt. Er hat Recht, wenn er behauptet, dass Mosebach den Roman als "Kanzel" benutzt: Für meinen Geschmack sind Mosebachs Belehrungen und Moralisierungen nervig: Der "gute" indische König und der "böse" westliche Demokrat im Roman "Das Beben". Das ist billiger Mosebach-Moralismus.
Auch dass Mosebachs Buch "Der Ultramontane" um wichtige Essays gekürzt wurde, habe ich noch nicht gewusst. Warum macht Mosebach so etwas? Was will ich mit einem zensierten Buch?
Gut gelungen sind die "Tabellen": Der dichte Text Köhlers erschwert manchmal das Lesen, so dass die "Übersichten" helfen. Köhler ist als Fachtheologe "überbildet" und setzt ein theologisches Wissen voraus.
Ein Mangel ist, dass so wenig Sekundärliteratur zitiert wird. Außer den beiden Mosebach-Büchern von Rathjen und Lorenz bringt Köhler keine Zeitungsartikel, z.B. Rezensionen.
Das Buch ist technisch super gemacht: Hochwertiges Druckpapier, das an "die andere Bibliothek" von Enzensberger erinnert, und echter Buchdruck, nicht der übliche Copyshop-Mist. Das Cover finde ich witzig. Mosebach deutet viele indische Religionsriten katholisch, daher der Hindugott auf dem Cover.
Gesamturteil: Das Buch kann ich empfehlen. Fünfzig Euro sind allerdings happig. Für mich wären 40 Euro die Grenze.


Vom Sinn und Unsinn aller Allegorie: Das Versteckspiel mit dem Leser im Romanwerk Martin Mosebachs
Vom Sinn und Unsinn aller Allegorie: Das Versteckspiel mit dem Leser im Romanwerk Martin Mosebachs
von Kirsten Rathjen
  Broschiert
Preis: EUR 39,80

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine Neuauflage von Steffen Köhlers "Martin Mosebach: Die Schönheit des Opfers" (Roell-Verlag, Dettelbach 2007), 23. April 2014
Es ist ein obektives Verdienst der Autorin, dass sie Mosebach interviewt hat und ihre Erkenntnisse auf die Dichteräußerungen stützt. Insofern bietet sie "Neues". Zugleich befremden eine Reihe von Dingen.
1. Rathjen hat die Kernthese von Steffen Köhlers Schrift "Martin Mosebach: Die Schönheit des Opfers" übernommen, ohne diese Übernahme explizit zu kennzeichnen. Köhler behauptet ja, dass drei Mosebach-Romane eine Einheit bilden (Köhler S. 17), Rathjen übernimmt dies (S. 139), grenzt sich jedoch wenige Zeilen später ausschließlich von Köhler ab, dessen Ergebnis "peinlich" sei, so dass der Eindruck ensteht, Rathjen stimme nicht mit Köhler überein - dabei folgt sie seinen Gedanken.
2. Rathjen übernimmt Köhlers These, ein Mosebachroman sei eine Novelle (Köhler S.23ff, Rathjen S. 169ff), ohne diese - wirklich schräge - Köhler-Theorie als solche zu kennzeichnen. Viele Details - der "Manschettenknopf als Dingsymbol" (Rathjen 169, Köhler 30), das vorangestellte erste Kapitel (Rathjen 170, Köhler 27/28), die Analogie von König und Ameise (Rathjen 208, Köhler 86), die Deutung des Fifi-Zitates (Rathjen S. 178, Köhler S. 27), die Deutung der David/Batseba-Geschichte (Rathjen 172, Köhler 27), die Analogie von Monarch und Hostie (Ratjen 219, Köhler 94) usw. - untermauern, dass Rathjen einfach abgekupfert hat, ohne zu belegen, dass sie es von Köhler übernommen hat. Dort, wo sie eigene Gedanken einbringt, etwa dass Mosebach indirekt in seinem Roman zu Blasphemie "anstifte", begeht sie Sachfehler: Das geistige Kommunizieren bei einer Heiligen Messe ist auch Menschen im Stande der Todsünde erlaubt. Auch wenn sie das Ganze später relativiert: Rathjens Kernthese vom "Versteckspiel mit dem Leser" scheitert an solchen simplen, tatsachenwidrigen Behauptungen, selbst als Gedankenexperimente führen sie nicht weiter. Das Weglassen des Nebelfürst-Romans wurde auch von Köhler übernommen, obwohl sich dort religiöse Anspielungen finden lassen.
3. Die Internet-Zitate, die Rathjen einbringt, genügen nicht den wissenschaftlichen Standarts, etwa der Konzilstext eines anonymen Übersetzers (S. 188). Überhaupt gewinnt man den Eindruck, dass übermäßig aus dem Internet zitiert wurde; vielleicht sind die ungekennzeichneten Köhler-Gedanken die Folge der unübersichtlichen Internet-Arbeit, wo schnell kopiert wird ohne Rücksichtnahme auf den geistigen Eigentümer.
Bedenkt man, dass in der Rathjen-Arbeit die Seiten 137-246 mit nur unzureichenden Hinweisen auf Köhler ausgestattet sind, stellt sich die Frage nach dem akademischen Ethos. Besonders das "Vorbeizitieren" fällt auf: Bei unwichtigen Aspekten, die für Rathjens Argumentation keine Bedeutung haben, kommt Köhler ins Spiel, etwa bei der Datierung eines Romans (Rathjen S. 168).
4. Wenn Rathjen vom "Theologen Robert Spaemann" (S.139) - der Mann ist Philosoph - oder vom "Sakrament der Liturgie" (S. 179) - jedes Sakrament hat eine liturgische Form - spricht, gewinnt man den Eindruck der fachlichen Überforderung. Allein dass sie in einer Novelle drei (!) Dingsymbole (S. 252) finden zu meint, zeigt auf, dass sie den Dingsymbolbegriff des neunzehnten Jahrhunderts nicht verstanden hat.
Fazit: Die Teile mit den Mosebach-Interviews sind brauchbar, der Rest sollte besser im Original bei Köhler nachgelesen werden.


Schuh Guide für Männer (Buch + E-Book)
Schuh Guide für Männer (Buch + E-Book)
von Bernhard Roetzel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bleib` bei deinen Leisten!, 24. September 2013
Roetzel kann fraglos als Volkspädagoge gelten: Seine ersten Hilfestellungen sind Orientierungsmarken auf das durch die 1968er Bewegung zerstörte Terrain der Herrenmode. Insofern muss man die Meriten dieses Mannes objektiv anerkennen.
Bei Roetzel steckt das Problem im Detail: Er spricht immer wieder scheinbar souverän über Dinge, die er nur bedingt kennt. Dies beginnt bei seinem offensiven Abraten von der Schutzgummisohle für rahmengenähte Schuhe (wofür er das zweifelhafte Argument der Überbelatung des Schuhaufbaus heranzieht; stattdessen rät er zu albernen Plastiküberziehern); es geht weiter bei seiner Pauschalkritik an indischer Fertigung (die besser ist, als von Roetzel unterstellt, besonders hinsichtlich des Preis-Leistungsverhältnisses - auch wenn moderne Sklaverei im Spiel ist, was aber auf einem anderen Blatt steht; und: kann man pauschal sagen, dass die Rahmengenähten aus England nur auf hochwertiges Leder zurückgreifen?) und endet bei der Preisung seiner persönlichen Lieblingsmarken (ich wette, dass Roetzel persönlich z.B. keine Dinkelacker-Schuhe trägt): Objektiv ist das Ganze nicht.
Um es mit aller Deutlichkeit zu sagen: Anstatt den Band mit Stimmungsbildern der Schuhproduktion aufzublähen (offenbar handelt es sich z.T. um geliehenes Werbematerial), hätte man sich echte und vertiefte Einblicke erwartet, meinetwegen bis hin zur Frage, wo und wie hochwertiges Leder produziert wird.
Roetzels Ausfug in die preiswerteren Schuhregionen fällt mager aus: Er benennt z.B. die Converse-Allstar-Turnschuhe; Qualitätsaussagen (etwa als Abgrenzung zu Billiganbietern) bleiben aus (weil Roetzel vermutlich weder Chucks noch deren Nachahmer trägt).
Das Buch, das als Einstieg für Orientierungslose gelten kann, lässt den "Fortgeschrittenen" enttäuscht zurück. Die 15 Euro sind im Vergleich zum Gentleman-Buch desselben Autors stark überteuert.


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