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Beiträge von Claus Solcher
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Rezensionen verfasst von
Claus Solcher "Lilo Leseratte" (Augsburg)
(REAL NAME)   

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Absolute New York
Absolute New York
von Freddy Langer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 98,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wolkenkratzer-Feeling, 10. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Absolute New York (Gebundene Ausgabe)
War der 1985 verstorbene Schriftsteller E.B. White ein Prophet? Liest man seinen Text aus dem Jahre 1948 könnte man es glauben. Denn hier schreibt White von New York, das sowohl die „perfekte Zielscheibe als auch die perfekte Demonstration der Gewaltlosigkeit“ ist, „dieses hoch aufragende Zielobjekt, das an den Wolken kratzt und den vernichtenden Flugzeugen auf halber Strecke entgegenkommt.“ Whites Text steht statt eines Vorwortes in dem gewichtigen Bildband „Absolute New York“, der mit einer unerhörten Bilderfülle prunkt, einem Bilderschatz aus 40 Jahren Fotografie. Horst Hamann hat „die Stadt, die niemals schläft“ in all ihren Facetten kennen und lieben gelernt und er hat sie porträtiert: Die Wolkenkratzer – ja, auch die Doppeltürme des World Trade Center -, die Parks und die Subways, die Szenekneipen, die Künstler, die Freaks und die Hoffnungslosen. In Schwarzweiß und in Farbe. Ein Bilderreigen, der schwindlig macht. „Jedes Bild ein Spaziergang“, zitiert Freddy Langer im Nachwort den Fotografen, „jedes Bild eine Geschichte“. Und, möchte man hinzufügen: Jedes Bild eine Erinnerung. Ein monumentaler Bildband nicht nur für New-York-Liebhaber.


Die Adria: Wiederentdeckung eines Sehnsuchtsortes
Die Adria: Wiederentdeckung eines Sehnsuchtsortes
von Uwe Rada
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Adria-Nostalgie, 10. Dezember 2014
Die Adria, das war über Jahrzehnte hinweg der Sehnsuchtsort der Deutschen, der Inbegriff von bella Italia, von dolcefarniente. Am „Teutonengrill“ bräunte sich die Wirtschaftswundergeneration und träumte vom Land, wo die Zitronen blüh‘n. Denn ohne sich dessen bewusst zu sein, folgten die Adriareisenden den Spuren von Goethe und seiner Italienreise. Uwe Rada beschreibt in seinem Buch „Die Adria – Die Wiederentdeckung eines Sehnsuchtsortes“ die vielen Klischees, die diese Reisenden im Gepäck hatten und nimmt uns mit in das Provinzstädtchen Adria, das „an seinem Meer ein Schattendasein führt“. Er erzählt aus der Geschichte der Völker rund ums ehemalige griechische Meer, von Eroberern und vom frühen Tourismus und er nimmt seine Leser mit auf eine Reise, die bis nach Albanien führt, dorthin, wo die Adria gerade wieder entdeckt wird. Und natürlich auch nach Kroatien und die Riviera der Adria in Lovran – immer auf der Suche nach dem „kulturellen Gedächtnis des Raums“, dem Genius loci. Man folgt Rada gerne auf seiner Reise durch Zeit und Raum, lässt sich ein auf diese Adria, die viel mehr ist als Kindheitserinnerung.


Wasser: Entdeckung des Blauen Planeten
Wasser: Entdeckung des Blauen Planeten
von Markus Eisl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 59,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wasserwelten, 10. Dezember 2014
Um nichts weniger als um „Die Entdeckung des blauen Planeten“ geht es in diesem bemerkenswerten Bildband. Beeindruckende Satellitenbilder machen deutlich, wie Wasser unsere Welt mit gestaltet hat, wie wichtig Wasser als Element des Lebens ist aber auch wie knapp die Ressource Wasser durch die Eingriffe der Menschen wird. Wir sehen Wasser in der Wüste und im gefrorenen Zustand; wir sehen, wie Wasser zu Energie wird und wie ganze Landstriche durch Bewässerungssysteme ausgetrocknet werden; wir sehen die Kunstwelten der Emirate und das von immer mehr Hochwasser bedrohte Venedig; wir sehen Mega-Liner schwimmenden Städten gleich vor kleinen Inseln und die traditionellen Schilfinseln auf dem Titicacasee. Es ist eine Reise von einem Ende unserer Welt zum anderen, eine Reise entlang des Wassers, ohne das es kein Leben auf unserem Planeten gäbe und das wir doch oft sinnlos vergeuden und verschmutzen. Ganz so als wäre es unerschöpflich. Dass dem nicht so ist, erklären die lesenswerten Essays zwischen den Bildern. Ein Bildband nicht nur zum Blättern sondern auch zum Nachdenken.


Eine kulinarische Entdeckungsreise Tiroler Oberland und Außerfern (Kulinarische Entdeckungsreisen)
Eine kulinarische Entdeckungsreise Tiroler Oberland und Außerfern (Kulinarische Entdeckungsreisen)
von Barbara Kagerer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 33,95

4.0 von 5 Sternen So schmeckt Tirol, 9. Dezember 2014
Das Tiroler Oberland hat nicht nur landschaftlich viel zu bieten, auch kulinarisch sind die Cafés, Restaurants, Gasthäuser und Hotels eine Entdeckung wert. Der Überzeugung ist zumindest die Food-Journalistin Barbara Kagerer und deshalb lädt sie zu einer kulinarischen Entdeckungsreise in die Gegend zwischen Innsbruck und Tannheim, dem Außerfern und dem Arlberg, der Zugspitzregion und dem Ötztal ein. Der Fotograf Daniel Schwarcz steuerte dazu die einladenden Bilder bei. Sie machen tatsächlich Lust, der Autorin nachzureisen, die Seen zu entdecken, die kleinen Dörfer, die Berge und die Wasserfälle. Und dazwischen immer wieder einzukehren und sich kulinarisch verwöhnen zu lassen. Barbara Kagerer stellt nicht nur die Küchen und Köche vor, sie nimmt die Leser auch mit in die Häuser und lässt sie an den Genüssen teilhaben, indem sie ausgesuchte Rezepte mit ihnen teilt. So kann man sich den Geschmack des Tiroler Oberlands schon mal nach Hause holen. Traditionsreiche Locations sind dabei wie das Romantik-Hotel Spielmann in Ehrwald, ausgefallene wie das Traumhotel Liebes Rot-Flüh in Haldensee/Grän, zeitgeistige wie der Naturwirt in Leutasch und ausgefallene wie die Genussgondel in Fiss, wo man mittags ein exklusives Sechs-Gänge-Menü genießen kann. Und wie die Häuser sind auch die Rezepte höchst unterschiedlich – von der Brennsuppe über den gesulzten Tafelspitz und das Rosa Rinderfilet im Schwarzbrotmantel bis zur Buchweizentorte, die im höchsten Kaffeehaus Österreichs, dem Café 3.440 auf dem Pitztaler Gletscher auf den Tisch kommt. Dazwischen gibt’s noch Klassisches wie einen Käser in Galtür, Obstbrenner in Stanz bei Landeck und eine Traditionsbäckerei ausgerechnet im Party-Skiort Ischgl.


Tödliche Oliven: Ein kulinarischer Krimi. Xavier Kieffers vierter Fall (KiWi)
Tödliche Oliven: Ein kulinarischer Krimi. Xavier Kieffers vierter Fall (KiWi)
von Tom Hillenbrand
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf der Ölspur, 13. November 2014
Mögen Sie Olivenöl? Am liebsten extra vergine? Dann sollten Sie vielleicht Tom Hillenbrands Krimi „Tödliche Oliven“ nicht lesen. Sonst könnte Ihnen der Appetit vergehen. Der Journalist und Autor („Drohnenland“) hat sich mit seinen kulinarischen Krimis um den Luxemburger Koch Xavier Kieffer einen Namen gemacht und sich dabei nie gescheut, heikle Themen anzupacken. Skrupellose Lebensmittelkonzerne, korrupte Produzenten, egomanische Sterneköche sind die Ingredienzien dieser nicht immer appetitanregenden Krimis. Und mittendrin wie ein Fels in der Brandung der ehemalige Sternekoch Xavier Kieffer, der sich der ehrlichen regionalen Küche verschrieben hat und ausgerechnet mit der Chefin des renommierten Guide Gabin ein Verhältnis hat. Diesmal gerät Kieffer auf der Suche nach einem verschollenen Freund mit italienischen Wurzeln auf eine Ölspur – und rutscht beinahe aus. Was er auf seinen lebensgefährlichen Recherchereisen herausfindet, bringt nicht nur einen Groß-Produzenten in Italien in Bedrängnis sondern auch einen der größten Lebensmittelkonzerne. Es geht um gepanschtes Olivenöl, das in großem Maßstab mit Wasser verdünnt durchs Mittelmeer geschippert wird, um Tresteröl, das sich mit Chlorophyll aufpeppen lässt, um EU-Gütegrade und natürlich um viel Geld. Was extra vergine ist, erklärt Kieffer seinem Freund, dem finnischen Eurokraten Vatanen: Eine Erfindung der EU-Agrarpolitik, die sich 1960 auf bestimmte Gütegrade einigte. „Olivenöl ist nicht deshalb extra vergine ist, weil es irgendwelche Grenzwerte erfüllt – sondern weil es bestimmte Geschmacksvariablen aufweist“. Es sollte „pfeffrig, bitter, fruchtig“ sein. Und das lässt sich wohl auch durch illegale Zusätze erreichen. Dass hinter dem Milliardenmarkt die Mafia steckt, versteht sich von selbst. Dass Kieffer buchstäblich ins Teufels Küche gerät, auch. Schließlich soll so ein kulinarischer Krimi nicht nur Erkenntnisgewinn für Gourmets liefern, sondern auch spannend sein. Und das ist „Tödliche Oliven“.
I


Amt für Mutmaßungen: Roman
Amt für Mutmaßungen: Roman
von Jenny Offill
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Achterbahn der Gefühle, 11. November 2014
Es ist eigentlich eine ganz banale Geschichte: Eine junge ehrgeizige Schriftstellerin heiratet und wird nach einer Fehlgeburt Mutter. Das Baby scheint ihr das Kostbarste auf der Welt, eine Zeitlang lebt sie nur für die kleine Tochter, die ihr kaum Luft für anderes lässt – auch nicht für den Mann, den sie liebt.
Früher hatten sie sich alles gesagt, da war nichts zwischen ihnen. Trotzdem hatten sie ihre Liebesbriefe mit dem Absender „Amt für Mutmaßungen“ versehen, man kann ja nie wissen. Weil später nichts mehr ausgesprochen wurde, schwanden die Gewißheiten. „Ihr führt eine Ehe mit Samthandschuhen“, urteilt die Schwester. Die Frau ahnt mehr als sie wissen will. Die Wortlosigkeit breitet sich aus, bis sie vor einem Abgrund stehen. Mit fast masochistischer Lust stürzt sich die Frau in eine Woge des Selbstmitleids, die sie am normalen Alltag verzweifeln lässt, fast in den Selbstmord treibt. „Ihr Gehirn ist noch immer verformt“ konstatiert Jenny Offill lapidar. Das wird sich ändern, eine neue Umgebung, neue Herausforderungen, ein Glück für die Tochter, ein neuer Versuch.
Soweit der ganz alltägliche Inhalt. Doch Jenny Offill macht daraus ein Lese-Erlebnis. Manchmal wunderbar poetisch, immer klarsichtig und bis zur Selbstentblößung ehrlich beschreibt sie den Zwiespalt der Mutter zwischen dem eigenen Ehrgeiz, endlich ein zweites erfolgreiches Buch zu schreiben, und der behütenden Liebe zum Kind: „Bei manchen Frauen wirkt es so selbstverständlich, wie sie den Ehrgeiz ablegen, als sei er ein kostspieliger Mantel, der nicht mehr passt.“
Offill konfrontiert ihre Leser direkt, gönnt ihnen keine Distanz, lässt sie teilhaben an der Euphorie und der Wut, an den philosophischen Höhenflügen und den privaten Bauchlandungen. Eine Achterbahn der Gefühle.


Verführerisches Zypern: Eine kulinarische Reise
Verführerisches Zypern: Eine kulinarische Reise
von Marianne Salentin-Träger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Genussreich Zypern, 30. September 2014
Als kulinarische Reise kündigt sich der Bildband „Verführerisches Zypern“ an. Doch das dicke Buch ist mehr als das, konfrontiert es doch den Leser nicht nur mit ausgewählte zypriotischen Genüssen, sondern auch mit den Menschen, der Landschaft und der Kultur der „Insel der Aphrodite“, wie Zypern sich gerne nennen lässt. Dass sich zum Redaktionsteam um Herausgeberin Marianne Salentin-Träger und Autorin Rita Henss der Spitzenkoch Franz Keller und renommierte Food- und Porträt-Fotografen gesellten, sieht man schon beim ersten Durchblättern. Die großformatigen Fotos von typischen Insel-Genüssen wie Kaninchen-Eintopf, Halloumi-Strudel oder Rosen-Dessert lassen dem Betrachter das Wasser im Mund zusammenlaufen. Zugleich verlocken die Porträts der Menschen vom gepiercten Jugendlichen und der frommen jungen Frau über den Vollblut-Sänger bis hin zur erfolgreichen Müllerin und dem lachenden Weintrinker dazu, auch die Texte zu lesen und sich kundig zu machen, wo diese Menschen ihre Wurzeln haben und was ihr Lebensglück ausmacht. Dass die Zyprioten gerne feiern, glaubt man nach der Lektüre gerne. Danach weiß man auch, was sich hinter der Rebsorte Maratheftiko verbirgt, laut Sommelière Astrid Zieglmeier „eine kapriziöse dunkle Schönheit“, die nicht leicht zu behandeln ist. Schade, dass sich auch in diesem sorgfältig gestalteten Buch Druckfehler eingeschlichen haben wie Vigonier statt Viognier. Da muss man wohl drüber hinwegsehen. Auf jeden Fall lohnt es sich, die Texte zu lesen, die Teil haben lassen an einer genussreichen Zypern-Reise.


Spiel der Zeit: Roman
Spiel der Zeit: Roman
von Ulla Hahn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

48 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verortet im Wort, 30. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Spiel der Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Ich schreibe mit den Ohren“, hat sie in einem Interview gesagt. Das gilt vor allem für ihre Gedichte. Denn Ulla Hahn ist in erster Linie Lyrikerin, eine der erfolgreichsten. Doch auch in ihrem Romanen ist die Sprache, sind die Worte von zentraler Bedeutung. Schließlich hat die junge Ulla Hahn über Worte die Welt entdeckt und es waren Bücher, die den Aufstieg des Kellerkinds in die Großbürgerlichkeit möglich machten. Das alles konnte man schon nachlesen in den zwei autobiographisch gefärbten Romanen „Das verborgene Wort“ und „Aufbruch“, in denen die Autorin ihr Alter Ego Hilla Palm durch die harte Schule einer beengten Kindheit und Jugend in einer streng katholischen Arbeiterfamilie gehen ließ.
Jetzt also der dritte Teil mit dem Titel „Spiel der Zeit“. Als Studentin fühlt sich Hilla befreit von den Zwängen des Elternhauses und der Kirche, frei, ihr eigenes Leben zu leben. Die Wörter sind auch da ihre verlässlichen Begleiter. Sie will „in der Stadt sein wie in einem Buch“. Doch die eigene Geschichte steht ihr immer wieder im Weg, verstellt ihr den Blick. Es ist Hugo, der Kommilitone aus großbürgerlicher Familie, der ihr neue Türen öffnet, neue Erkenntnisse ermöglicht. Denn mit ihm, den ein Buckel zum Außenseiter macht, teilt Hilla die Liebe zur Sprache, zur intellektuellen Herausforderung, die auch ihre Liebesspiele würzt. Mit Hugo an ihrer Seite wagt sie sich aus dem Elfenbeinturm der Sprachwissenschaft in die Realität der 68er-Revolte, mit ihm wird sie Zeugin rauschhafter Hippie-Romantik und arroganter Großbürgerlichkeit.
Wie in den beiden Vorgängern dieses autobiographischen Romangefüges erhöht Ulla Hahn auch in diesem dicken Buch das persönliche Erleben zur universellen Erfahrung – und das vor dem Hintergrund eines radikalen gesellschaftlichen Umbruchs. „Man war dabei, ob unterm Sternenhimmel oder unterm Strobo-Light: Die Luft strotzte vor Energie, sprühte Funken, Zukunftsfunken verbrannten das Alte, entzündeten das Neue. Und das Alte war schlecht und das Neue gut, und wir würden das Alte beiseite fegen – diese Gewissheit verband uns alle.“
Der libertäre Zeitgeist spiegelt sich in der anarchischen Lust an Sprachspielereien, der revolutionäre Impetus im strengen Gefüge der bewunderten Cantos des Mussolini-Verehrers Ezra Pound. Der ganze Roman ist eine Hymne an die Sprache - und ein Tableau der eigenen Kunstfertigkeit. Da werden die Wörter erkundet und liebkost „wie unsere Körper“, die Titel der eigenen Romane beim Spiel mit „Wortsteinen“ eingestreut. Da darf die dörfliche Verwandtschaft über einen Extremfall weiblicher Emanzipation klatschen, der sich in dem Hahn-Buch „Ein Mann im Haus“ wieder findet oder Hugo eine inzwischen wohlbekannte Romanhandlung skizzieren. Da belehrt die Germanistin über „Vollendung in der Form“ und Dichtung als eine Möglichkeit, die Welt besser zu verstehen. Da werden Gedichte eingestreut („Ja, die Erde war eine Scheibe/ Wir saßen am Rand/und ließen die Beine/ ins Blaue baumeln“) und da wird in einem langen Absatz die Erzählweise gerechtfertigt. „Erzählen: zu den Farben gehen, den Gerüchen, Berührungen, an den Rhein, in den Wind, ins Vergessene, scheinbar Vergessenes, ins Unbeschriebene, Ungeschriebene, weshalb ich immer noch schreibe, ich, Hilla Palm, meine kleine Schwester, meine große. Mich herausschreiben, heraufschreiben unter die Großvaterweide, die Weide erschreiben, die Pappeln hinter den Weiden, mich suchen, dort, wo ich herkomme, und nie wieder loslassen, sesshaft machen im Wort, nie wieder vergessen, Vergangenheit nur noch in voller Gegenwart. Nichts mehr wird vergessen, was teilhaben kann an meinen Erinnerungen im Wort. Verortet im Wort.“
Solche Exkurse stauen wie ein Damm den Erzählfluss, machen ihn träge. Das muss man mögen wie man die Sprachverliebtheit der Autorin mögen muss. Wer sich aber einlässt auf diese Wortartistik, wird mit funkelnden Sprachschätzen belohnt und mit einem Entwicklungsroman, der über die Person der Hilla Palm hinaus auch eine Entwicklungsgeschichte der Bundesrepublik ist.


Total alles über Bayern / The Complete Bavaria
Total alles über Bayern / The Complete Bavaria
von Martin Wittmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im weiß-blauen Universum, 30. September 2014
Ganz ohne Klischees geht so ein Buch natürlich nicht. Die Bayern als Weißwurstesser, Biertrinker und Schuhplattler bedienen schon mal das, was Norddeutsche (und andere Ausländer) im Freistaat erwarten. Und natürlich das Oktoberfest, für die angeblich in ihren Gerstensaft verliebten Bajuwaren die größte Party der Welt. Das „mia san mia“-Gefühl im weiß-blauen Freistaat wird unterstützt durch statistische Angaben wie der höchsten Wirtschaftskraft aller Bundesländer, der besten Förderung des ökologischen Landbaus und auch der höchsten Nachtclubdichte. Dem gegenüber stehen allerdings die höchste Selbstmordrate in Deutschland, die meisten Drogentoten oder auch die wenigsten Frauenhaus-Plätze im CSU-Universum. Die Historie gibt’s in diesem etwas anderen Buch über Bayern ebenso auf einen Blick wie die bayerischen Berge, die bayerischen Autos und den bayerischen Fußball, den Kini und den Kaiser (Beckenbauer). Natürlich darf in so einem Buch auch Ex-Wetten-Dass-Idol Thomas Gottschalk nicht fehlen, ein Franke zwar, aber da drückt man als Oberbayer schon mal ein Auge zu. So wie beim oberfränkischen Bayreuth, das alljährlich mit den Wagner-Festspielen prunkt. Denn mal ehrlich, die weiß-blauen Klischees verkörpert niemand so gut wie der Oberbayer, zur Not noch der Niederbayer. Die prägen denn auch dieses bunte Buch, das nicht nur zum Schauen einlädt, sondern auch zum Rätselraten. Sogar einen Wolpertinger, das bayerische Fabeltier, kann man mithilfe „animalischen Materials“ basteln. Das hat schon was, auch wenn der bayerische Schwabe im Reigen der Infographiken so einiges vermisst. „The complete bavaria“ ist vielleicht eine kleine Hochstapelei. Sei’s drum, unterhaltsam und informativ ist das deutsch-englische Buch, zu dem Martin Wittmann die Texte beigesteuert hat, allemal.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 19, 2015 5:55 PM CET


Über Leben
Über Leben
von Reinhold Messner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Bergsteigerlegende zieht Bilanz, 24. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Über Leben (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist quasi ein Geburtstagsgeschenk, das der Autor sich selbst macht. Reinhold Messner hat nicht nur viele Berge bestiegen - darunter alle Achttausender dieser Erde - er hat auch viele Bücher geschrieben. Nun also wieder ein Messner-Buch, vielleicht das fünfzigste. Der Titel „ÜberLeben“ deutet schon an, dass es hier um Existentielles geht. Die 70 Kapitel sind in drei Themen-Komplexe unterteilt: Üb Erleben, wozu Kindheit, Heimat, Trost aber auch Selbstbespiegelung und Tod gehören. Überleben mit Texten über Gutmenschen, Verantwortung, Genie, Einsamkeit, Tabu und Schicksal. Im letzten Komplex Überleben findet sich neben Gott, Rache, Familie und Loslassen auch der Yeti. Es ist ein ambitioniertes Buch, das weiß auch Reinhold Messner. „Im neuen Buch geht es mir um mehr“, sagte er im persönlichen Gespräch. „Darum, wie tickt der Mensch, wie ticke ich? Ich habe die Frechheit, meine Erkenntnisse – nicht als allgemein gültig – vorzutragen.“ Und das tut er denn auch ausführlich, Überschneidungen nicht ausgeschlossen. Es ist ein Blick zurück in Milde. Der vom deutschen Fernsehen schon zu Lebzeiten zur Legende geadelte Südtiroler lässt sein Leben Revue passieren – die Kindheit im engen Tal, die Klettereien mit Vater und Bruder, den Ausbruch in die Welt der Berge, seine Alleingänge, den Ausflug in die Politik und die Museumsgründungen. Und immer wieder kreisen seine Gedanken um den Tod seines Bruders Günter am Nanga Parbat, das Trauma seines Lebens.
Das alles hat man schon einmal gehört oder gelesen, auch Messners Anspruch, nur sich selbst Rechenschaft schuldig zu sein. Unerwartet sind dagegen Sätze wie: „Seit dreißig Jahren schon bin ich ein Absteigender und mit dem Abstieg einverstanden. Dass es nicht mehr höher geht, ist für einen, der ganz oben stand, kein Problem.“ Man kann dieses Buch von vorne nach hinten lesen, aber auch von hinten nach vorne oder in der Mitte anfangen. Alle Texte, ob erzählend, philosophierend oder plaudernd, stehen für sich selbst. Aus den vielen Facetten kristallisiert sich das Bild eines Mannes heraus, der seine Identität in der Auseinandersetzung mit der Wildnis fand und für den diese Wildnis bis heute überlebenswichtig ist.


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