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Rezensionen verfasst von
Claus Solcher "Lilo Leseratte" (Augsburg)
(REAL NAME)   

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Mauersegler
Mauersegler
von Christoph Poschenrieder
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Da waren es nur noch zwei, 27. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Mauersegler (Gebundene Ausgabe)
Die Idee ist eigentlich gar nicht so abwegig. Fünf Freunde beschließen – alt geworden – in einer Villa zusammen zu ziehen und gemeinsam das Lebensende zu bewältigen – lässig-nonchalant wie sie bisher gelebt haben. Und, um ganz sicher zu gehen, schließen sie einen Pakt: Jeder von ihnen soll selbstbestimmt sterben können – und einer der anderen hilft ihm dabei. Aber, wie das Leben halt so spielt, so einfach ist die Sache dann doch nicht. Das Zusammenleben auf Dauer ist etwas anderes als Urlaub.
Der Alltag in der Villa bringt auch die negativen Seiten der Bewohner ans Tageslicht: Die Eitelkeit des ehemaligen Intendanten, das Missionarische des Lebensmitteltechnologen, die Pedanterie des Juristen, die Experimentierwut des Programmierers und – nicht zuletzt - den Minderwertigkeitskomplex des Ich-Erzählers Ernst, eines ehemaligen Chefredakteurs. Und immer ist da in Gedanken noch der sechste Freund, der kleine Martin, der als Schüler ins Eis einbrach und ertrank. Leichtsinn? Schuld? Auch die Frage wird noch zu klären sein.
Die fünf wollen keine Greisenkommune, aber dass sie alte Männer sind, lässt sich auf die Dauer nicht leugnen. Als der erste richtig krank wird, aktivieren sie das „Todesengelsprogramm“ des Programmierers und stellen eine Hilfe ein, Katharina, eine resolute Kirgisin, die ihre eigenen Pläne hat. Und so geht es dahin mit den fünf Freunden, einer nach dem anderen folgt dem „kleinen Martin“, bis nur noch zwei übrig sind und am Ende keiner mehr. Bis auf Katharina, die das Totenhaus wieder mit Leben füllt – als Waisenhaus. Eine schöne Idee!
Warum aber hat Christoph Poschenrieder diesen in unserer alternden Gesellschaft so aktuellen Roman „Mauersegler“ genannt? Der Ich-Erzähler hat in Brehms Tierleben geblättert und folgendes zu seinem Lieblingstier gefunden: „Der Mauersegler ist ein herrschsüchtiger, zänkischer, stürmischer und übermütiger Gesell, der streng genommen mit keinem Geschöpfe, nicht einmal mit seinesgleichen in Frieden lebt und unter Umständen anderen Tieren ohne Grund beschwerlich fällt.“ „Einer wie wir“, hat Ernst erkannt. Und einer der sich ins Fliegen rettet, weil er sich auf der Erde nicht wohlfühlt. Am Ende, so sinniert der Erzähler, legt der Mauersegler die Flügel an und will nicht mehr fliegen. „So soll es auch mit mir zu Ende gehen.“
Der Fabulierkünstler Poschenrieder schafft es, dem todernsten Thema die heitersten Seiten abzugewinnen. Manchmal lacht man Tränen über die fünf alten Herren, dann wieder kommen einem die Tränen aus Trauer über das unausweichliche Ende, das uns alle erwartet. Das Buch zur Zeit.


Villa Metaphora
Villa Metaphora
von Andrea De Carlo
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,00

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kleines Welttheater, 26. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Villa Metaphora (Gebundene Ausgabe)
Schon der Titel lässt einiges erwarten: Villa Metaphora heißt der neue Wälzer des italienischen Erfolgsautors Andrea de Carlo. Und der Roman wird dem mehrdeutigen Titel mehr als gerecht. De Carlo inszeniert auf einem Felseninsel im Meer nahe Sizilien, wo der Architekt Gianluca Perusato, ein Luxusresort für Superreiche konzipiert hat, nichts weniger als ein kleines Welttheater.
Das Personal, das er dazu auf der unwirtlichen Insel versammelt, ist auserlesen reich oder prominent und entsprechend anspruchsvoll: Die Hollywood-Diva Lynn-Lou Shaw, ein durch den Starkult sowie Drogen- und Alkoholmissbrauch durchgeknalltes Gör mit seinem Noch-Ehemann, Brian Neckhart, einem Möchtegern-Psychologe. Das vornehm-zurückhaltende Ehepaar Cobanni. Der mächtige Banker Reiff, der über eine Liebelei mit einem Teenager gestolpert ist, mit seiner ungeliebten Frau. Die bissige Undercover-Journalistin Poulanc. Die nachdenkliche Lara, die Lynn-Lou Shaw eingeladen hat. Dazu kommen der von seiner Kunst überzeugte Koch Ramiro, der virile Bootsmann Carmine, der vergeistigte Schreiner Pablo und Perusatos Geliebte, die bodenständige Lucia. Eine brisante Mischung für ein Resort, das weit weg ist von allem und sich bestens für soziale Experimente à la „Herr der Fliegen“ eignen würde.
Doch es kommt noch schlimmer. Der aufdringliche Politiker Gomi stößt zu den Gästen, Reiffs Adlatus, der beflissene Mathias, folgt seinem Chef ins Exil, ein russischer Magnat mit seiner Gefolgschaft erkauft sich ein Abendessen. Es gärt merklich in der so unpassend zusammengewürfelten Gemeinschaft. Nur die Cobannis scheinen in ihrer Weltentrücktheit gegen die Spannungen immun zu sein. Und Lara und Paolo, die sich – Außenseiter, die sie beide sind – zueinander hingezogen fühlen. De Carlo gibt jeder seiner Personen eine eigene Stimme. Lässt den in die Diva vernarrten Carmine in einem kruden Sprachmix palavern und den Hollywood-Star in einem Gossenjargon. Er lässt die neugierige Journalistin selbstgerecht die Sünden der anderen im Netz recherchieren, den Politiker über die Ungerechtigkeit der Welt lamentieren und den sensiblen Koch am Geschmack der betuchten Gäste verzweifeln. So entlarvt sich jeder selbst. Nicht nur der schöne Schein trügt, auch die Gäste und ihre Gastgeber entdecken in der Grenzsituation ganz neue Seiten an sich.
Doch immer lauert da etwas im Hintergrund, etwas Unheimliches, schlimmer als die Menschen, die im Streit mal mit Worten aber auch mit den Fäusten übereinander herfallen. Es gibt die ersten Toten und dann ist die Villa wirklich von der Welt abgeschnitten. De Carlo entwirft ein apokalyptisches Szenario bis hin zu einer schaurigen Höllenfahrt. Ein abgründiges, witziges, spannendes Buch, das man am Ende nur ungern aus der Hand legt, auch wenn es der italienische Autor mit seiner hochromantischen Liebesgeschichte zwischen Lara und dem Schreiner etwas übertreibt.
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 29, 2015 1:38 PM MEST


Plötzlich Pakistan: Mein Leben im gefährlichsten Land der Welt
Plötzlich Pakistan: Mein Leben im gefährlichsten Land der Welt
von Hasnain Kazim
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Land ohne Hoffnung, 25. August 2015
„Wer die Schönheit dieser Erde erleben will, muss nach Pakistan reisen. Hier wird es so heiß, wie es auf Erden nur heiß werden kann. Hier erheben sich schneebedeckte Berge so hoch in den blauen Himmel, wie sie nur hoch sein können. In dichten Wäldern tun sich Lichtungen auf, Bäche plätschern dahin, Fisch darin. Obstplantagen, so weit das Auge reicht. Wüsten, durch die kein Durchkommen ist. Städte, so brodelnd wie eine Megametropole nur sein kann. Relikte alter Kulturen, die vom Beginn menschlicher Zivilisation zeugen. Es ist ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen.“
Wer diese Sätze von Hasnain Kazim als Aufforderung versteht, nach Pakistan zu reisen, hat die vorhergehenden 266 Seiten nicht gelesen. Denn da schreibt der Spiegel-Korrespondent, selbst Sohn pakistanischer Auswanderer, über diesen „Kosmos aus mehreren Parallelwelten“, der für ihn die pakistanische Gesellschaft ist. Er schreibt über die schreckliche Armut der vielen und den unfassbaren Reichtum der wenigen, über die Arroganz der Mächtigen und die Ohnmacht der Masse, über religiöse Fanatiker und lebensferne Diplomaten. „Plötzlich Pakistan“ hat er den Bericht über sein Leben „im gefährlichsten Land der Welt“ genannt. Denn eigentlich wollte Kazim als Spiegel-Korrespondent nach Indien. Weil er da aber unwillkommen war, zog er mit seiner Frau nach Pakistan. Seine pakistanischen Wurzeln waren immer wieder Türöffner, machten ihm aber auch das Leben schwer, weil er zwar aussieht wie ein Pakistaner und Muslim ist, mit den Gepflogenheiten pakistanischer Muslime jedoch nicht vertraut ist. Doch die Leser dieses Buches bekommen durch ihn eine Innenschau des Landes, das einmal ein beliebtes Hippie-Ziel war. Kazim geht mit offenen Augen durch den Alltag, macht sich über die handwerklichen Unzulänglichkeiten lustig und über die eigene Bequemlichkeit, die das Leben mir Personal mit sich bringt. Der Autor konfrontiert die Leser aber auch mit der blutigen Geschichte seines Geburtslandes, mit dem alltäglichen Terror und dem Irrsinn des Atomstaats. Er spricht mit einem jugendlichen „Gotteskrieger“ und dem Henker Pakistans, mit Politikern und Geheimdienstleuten, mit Künstlern und Wohltätern. So rundet sich das Bild eines tief gespaltenen Landes, das dabei ist, seine Zukunft zu verspielen.


Corsofolio 8: Venedig, Geliebte des Auges: Gastgeberin: Elke Heidenreich
Corsofolio 8: Venedig, Geliebte des Auges: Gastgeberin: Elke Heidenreich
von Elke Heidenreich
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Venedig - eine Entdeckung, 10. August 2015
Joseph Brodsky nannte Venedig „Geliebte des Auges“ und das ist auch der Titel dieses schönen Buches, das trotz aller berechtigten Kritik am Niedergang der Serenissima und an den Auswüchsen des Tourismus Lust macht, Venedig wieder oder neu zu entdecken. Das liegt nicht nur an den teilweise melancholischen Bildern, das liegt auch an den großartigen Texten. Das Buch versammelt Literaten, Journalisten und Wissenschaftler, die ihre Liebe zu der versinkenden Stadt eint. Wie gefährdet Venedig inzwischen ist, klingt schon bei Elke Heidenreich an: „Jetzt macht der Zahn der Zeit, macht die Masse der Touristen, machen die zerstörte Umwelt, die schmutzige Luft, das unsaubere Wasser, das Vordringen der Industrie Venedig langsam wohl wirklich ein Ende“, fürchtet die Venedig-Liebhaberin. Und Eva Reski hat immer mehr das Gefühl, in einem Themenpark zu leben, der noch dazu von Mega-Schiffen heimgesucht wird. Trotzdem will keine der Autorinnen diese von Dichtern und Denkern hoch gerühmte Stadt missen, will kein Wissenschaftler die Hoffnung aufgeben, dass Venedig auch die Probleme unserer Tage übersteht so wie es die Kriege vergangener Zeiten überstanden hat. Und jeder, der dieses Buch durchgeblättert hat, der an den wunderbaren Nebel-Bildern von Alexander Mertsch hängenbleibt oder an Georg Trakls Gedicht „An Venedig“, der sich von Eva Demski raus auf die Lagune locken oder von Herbert Rosendorfer literarisch verzaubern lässt, wird ihnen zustimmen. Was wäre die Welt ohne diese unmögliche Stadt im Wasser? Ohne Venedigs Musik, seine Palazzi, seine Kanäle und ja, auch seine schöne Brüchigkeit? Dies ist kein Buch zum schnell Drüber- und Durchlesen. Es ist ein Buch zum immer wieder in die Hand nehmen, zum Schmökern und Staunen - und ein Buch, von dem man sich inspirieren lassen kann.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 13, 2016 7:30 PM CET


DuMont Reise-Bildband Südengland: Natur, Kultur und Lebensart (DuMont Bildband)
DuMont Reise-Bildband Südengland: Natur, Kultur und Lebensart (DuMont Bildband)
Preis: EUR 24,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einladung in ein Bilderbuchengland, 14. Juli 2015
Schon die ersten Bilder wecken die Reiselust. Südengland hat alles, was man sich nur wünschen kann: wilde Küsten, großartige Burgen, geheimnisvolle Moore, idyllische Gärten und geschichtsträchtige Städte. Dazu prähistorische Steinkreise, Klosterruinen und reetgedeckte Cottages. Acht ehemalige Grafschaften sind in dem beeindruckenden Bildband „Südengland“ versammelt, eine Übersichtskarte zeigt, wo sie liegen, ehe die Bilderbuchreise in Kent & Sussex startet. Hier nimmt der Brighton Pier ein imposantes Panoramaformat ein, und neben Parks, Kreidefelsen, Kirchen und Gärten kommt auch die Street Art zu Ehren. Weiter geht’s über Hampshire und Wiltshire mit Jane Austen in Chawton, dem New Forest National Park, Salisbury und Stonehenge. Das großzügige Panoramaformat ist diesmal Stourhead vorbehalten, einem fantastischen Landschaftsgarten. In Dorset begegnet man dem Riesen von Cerne Abbas, der erstmals 1694 erwähnt wurde und dessen Kontur alle 25 Jahre nachgezogen werden muss, und der Eiche von Wyndham, einem knorrigen Baumriesen. Somerset und Avon beginnen mit dem Cheddar Käse und einer der wichtigsten Pilgerstätten des Christentums, Glastonbury Abbey, wo König Artus und seine Gemahlin Guinevere begraben sein sollen. Exmoor dann mit den Ponys und Bath mit der Abtei und zum Schluss noch englischer Wein vom Sharpham Vineyard - die weiße Traube Madeleine Angevine wird nur hier sowie in Kirgisistan und im US-Bundesstaat Washington angebaut. Es folgt Devon mit seinen Kontrasten zwischen mediterraner Küste, Bauernland und dunklen Mooren, wo Agatha Christie aus dem Vollen schöpfen konnte. Schließlich Cornwall, Romantik pur in Postkartendörfern und Künstlerorten, dazu das legendäre Tintagel, angeblich Sitz von König Arthurs Tafelrunde, St. Michael‘s Mount, eine Felsenburg aus dem Mittelalter, und das Eden Project, das größte Gewächshaus der Welt. Zum Schluss noch Tipps für Städte und Museen und ein Überblick über die Geschichte. Alles zusammen eine bildmächtige Einladung in eine Gegend, in der die liebevoll gepflegt und der Moderne mit Zurückhaltung begegnet wird.


Das Geständnis der Löwin
Das Geständnis der Löwin
von Mia Couto
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4.0 von 5 Sternen Magische Welten, 8. Juli 2015
Es ist eine fremde, exotische Welt, in die Mia Coutos Roman „Das Geständnis der Löwin“ die Leser entführt. Eine Welt der geheimnisvollen Magie, voller Poesie aber auch voller Gewalt. Der Sohn portugiesischer Einwanderer und mosambikanischer Staatsbürger hat sowohl eine europäische Außen- als auch eine afrikanische Innenansicht vom dörflichen Leben in Mozambique. Das macht seine Romane so wichtig, vermitteln sie doch zwischen den Kulturen und den Kontinenten.
Bevor er ein vielfach ausgezeichneter Schriftsteller wurde, war Couto als Journalist tätig. Dieser Erfahrung hat er die sprachliche Disziplin zu verdanken, die er in den Dienst einer einfühlsamen, oft auch poetischen, Beschreibung der afrikanischen Lebenswelten stellt. Im „Geständnis der Löwin“ stellt er zwei Ich-Erzähler einander gegenüber, die alternierend ihre Sicht der Ereignisse schildern, die ein abgelegenes Dorf in Angst und Schrecken versetzt haben: Das Mädchen Mariamar und den Jäger Arcanjo Baleiro.
Mariamar ist die Tochter von „Assimilierten“, also von Schwarzen, die sich den portugiesischen Kolonialherren und deren Lebensweise angepasst haben. Im mittlerweile selbstständigen Mozambik bleiben sie Außenseiter. Als Mariamars Schwestern hungrigen Löwen zum Opfer fallen, gerät das Dorf in Aufruhr. Die Hoffnung der Einwohner richtet sich auf den Jäger Arcanjo Balero, der mit einem Schriftsteller anreist und über seinen Einsatz Tagebuch schreibt. Schon bei einer früheren Jagd hatte Mariamar diesen jungen Mulatten kennen- und lieben gelernt. Doch Baleiro hat sie längst vergessen und schwärmt von seiner neuen Liebe.
Wie die beiden Protagonisten kommen auch ihre beiden Erzählungen nicht zusammen. Im Gegenteil, es tut sich eine Kluft auf zwischen Mann und Frau, zwischen Glaube und Realität, zwischen dem selbstverständlichen Machismo der Bauern und dem Emanzipationsbestreben der jungen Frauen, zwischen der portugiesischen Firniss und der schwarzen Seele. Mia Couto kennt sie wohl. „Der Streit findet in einer anderen Welt statt“, lässt er den Jäger berichten, „einer Welt, in der die Toten und die Lebenden keine Übersetzung brauchen, um einander zu verstehen.“
Die Leser freilich müssen lernen, zwischen den Zeilen zu lesen wie der Schriftsteller lernen muss, hinter dem scheinbar Folkloristischem die tragische Realität zu erkennen. „Der Löwe“, ahnt der Jäger, „frisst nicht nur Menschen. Er verschlingt auch unser Menschsein.“ Für das Verständnis der rätselhaften Ereignisse ist die „Vorbemerkung“ unerlässlich. Hier schreibt Mia Couto, dass er von einer wahren Begebenheit zu seinem Roman inspiriert wurde. 2008 wurden 26 Menschen im Norden Mozambiks von Löwen getötet. Erst nach zwei Monaten gelang es den angeforderten Jägern die Tiere zu töten – auch weil die Menschen vor Ort ihnen suggerierten, die wahren Täter seien Bewohner der unsichtbaren Welt. „Nach und nach“, so Couto, „wurde den Jägern klar, dass die Rätsel, vor denen sie standen, lediglich Symptome sozialer Konflikte waren, die zu lösen ihre Möglichkeiten weit überstieg.“
Info: Mia Couto, Das Geständnis der Löwin, Unionsverlag, 270 S., 19,95 Euro


Atlas der verlorenen Städte
Atlas der verlorenen Städte
von Karin Doering-Froger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Echo der Vergangenheit, 1. Juni 2015
Die Terrortrupps des IS wüten auch in Stätten, die zum Weltkulturerbe der Menschheit gezählt werden. Gestern Nimrud, heute Palmyra. Unwiederbringliche Zeugnisse menschlichen Schöpfergeists könnten verloren gehen. So wie vor ihnen schon andere. Doch von den meisten blieben wenigstens noch steinerne Zeugnisse. Aude de Tocqueville widmet sich im „Atlas der Verlorenen Städte“ auch den großen Ausgrabungen und Ruinenstätten wie Pompeji und Angkor, Theotihuacan und Leptis Magna. Oder Hattusa, einst Hauptstadt der Hethiter, dann lange vergessen und heute Unesco Weltkulturerbe. Doch unter den 40 Verlorenen Städten, die in dem schön gestalteten Band (leider ohne Fotos) porträtiert werden, befinden sich auch solche, die man hier nicht erwarten würde: Kantubek etwa, früher das Herz eines riesigen Forschungszentrums, in dem biologische Waffen entwickelt und getestet wurden, heute verseuchte Erde im Aralsee, eine Geisterstadt. Sesena im Herzen Spaniens, eine Totgeburt, bis heute eine unvollendete Baustelle. Kolmanskop, die lange vergessene „Perle in der Wüste“ Namibias, als Touristen-Attraktion wieder entdeckt. Jeoffrécourt, die virtuelle Kleinstadt in der Picardie, ein Militärübungsplatz über einer merowingischen Stätte. Oder auch Prypjat, jene Geisterstadt, die die nukleare Katastrophe von Tschernobyl hinterließ. Und dann Calico im „Wilden Westen“ der USA, eine Kulisse, die ganz offiziell zur „Geisterstadt des Silberrauschs“ ernannt wurde. So unterschiedlich diese Verlorenen Städte auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie regen zum Nachdenken an über das, was von dem bleibt, das einst von Menschenhand geschaffen wurde.


Der leuchtend blaue Faden
Der leuchtend blaue Faden
von Anne Tyler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von wegen Mittelmaß: Ann Tylers Roman über eine Durchschnittsfamilie, 22. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Der leuchtend blaue Faden (Gebundene Ausgabe)
„An den Whitshanks war nichts Bemerkenswertes. Keiner von ihnen war berühmt. Keiner von ihnen konnte außergewöhnliche Intelligenz geltend machen. Und was ihr Äußeres betraf, waren sie nicht mehr als Durchschnitt.“
Es ist aber gerade dieser Durchschnitt, der die amerikanische Autorin und Pulitzerpreisträgerin Anne Tyler interessiert. Die 73-Jährige schreibt gerne über amerikanische Vorstadtfamilien, über ihren Alltag zwischen Neurosen und Routine, über die oft nur notdürftig geflickten Risse im Zusammenleben. Auch „Der leuchtend blaue Faden“ über die nach außen hin so glücklich wirkende Familie Whitshank ist ein Mehrgenerationen-Mittelschichtsroman. Zwischen Gegenwart und Vergangenheit pendelnd erzählt Anne Tyler von Großvater Junior, dessen Lebensinhalt das großzügige Haus in der Feine-Leute-Gegend ist, das er für einen reichen Auftraggeber gebaut hat und später zum Zuhause seiner Familie macht. Von Juniors bravem Sohn Red, der in diesem Haus aufwuchs und es nach dem Unfalltod der Eltern mit seiner Familie bewohnt: Abby, die ein großes Herz für alle Nöte der Nachbarschaft hat, und die vier Kinder, unter denen Denny, Abbys Lieblingssohn, das Problemkind ist.
Mit fast schmerzhafter Genauigkeit aber auch mit viel Feingefühl und großer Zuneigung erzählt Tyler vom oft turbulenten Familienalltag, von schönen und schlimmen Erinnerungen, von Abbys allmählichem Verlöschen in der Demenz und von Familiengeheimnissen, die allzu lange unter der Decke gehalten wurden und gerade deshalb noch lange nachwirken. In manchmal herrlich skurrilen Szenen werden die Leser Zeugen von Intrigen und Kämpfen, von Missverständnissen und Lebenslügen – vom ganz normalen Wahnsinn des Zusammenlebens eben. Dass Tyler ihren Charakteren ins Herz schaut, dass sie nicht urteilt sondern mitfühlt, macht die Dialoge und Monologe herzzerreißend authentisch. Vorsicht: Wiedererkennungseffekt!


Das Grüne Band - Wandern im wilden Deutschland: 1400 km von Tschechien bis zur Ostsee (Erlebnis Wandern)
Das Grüne Band - Wandern im wilden Deutschland: 1400 km von Tschechien bis zur Ostsee (Erlebnis Wandern)
von Reiner Cornelius
  Broschiert
Preis: EUR 22,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grenzerfahrung in 60 Etappen, 28. April 2015
Was einst als Todeszone gefürchtet war, als Sperrgebiet zwischen West- und Ostdeutschland, war für Tiere und Pflanzen ein Paradies. Fuchs und Fischotter, Luchs und Wildkatze eroberten sich den Sperrstreifen, seltene Blumen blühten im Niemandsland. Heute, 25 Jahre nach dem Fall der Mauer und der Sperrzäune, kann man dieses Refugium erwandern. Möglich macht es das Grüne Band, von Dr. Kai Frobel vom BUND Naturschutz initiiert. Dr. Reiner Cornelius hat es erwandert – auch auf eher abenteuerlichen Wegen. Auf 192 Seiten stellt der Autor die einzelnen Etappen detailliert vor und wirbt dafür, sich auf den Weg zu machen, um Deutschland an seiner Nahtstelle zwischen West und Ost kennenzulernen. Dabei, so warnt der erfahrene Wanderer, könne man nicht immer mit gut markierten Wanderwegen rechnen, sondern müsse auch abenteuerliche Naturpfade und Kolonnenwege aus Lochbetonplatten in Kauf nehmen. Und noch etwas gibt Cornelius den Wanderern mit auf den Weg: Sie sollten sich im Voraus um ihre Unterkunft kümmern, da die in seinen Infokästen aufgeführten Pensionen nur über wenige Betten verfügten. Auch auf einen Gepäcktransport, wie auf vielen Wanderwegen inzwischen üblich, könne man am Grünen Band nicht hoffen. Das Abenteuer Grünes Band hat der Autor in drei Schwierigkeitsgrade eingeteilt. Die Etappen beginnen mit blau, also leicht, im sächsischen Bad Elster. Schon die zweite gut fünfstündige Etappe vom tschechischen Hranice aus bewertet Cornelius als mittelschwer (rot) mit langen Anstiegen und keinen Einkehrmöglichkeiten. Eine schwarze, also schwere, Tour führt von Meilschnitz nach Eisfeld im Thüringer Wald. Hier erfordert ein „unglaublich steiler Kolonnenweg“ Trittsicherheit. Nur die wenigsten Etappen sind wirklich schwer, die meisten zwischen blau und rot. Alle Etappen sind mit Wegeprofil und Karte dargestellt, bei manchen gibt es auch noch besondere Tipps, Anekdoten und Wegevarianten. Das alles macht Lust, das Grüne Band zumindest in Etappen auch mal selbst zu erleben.


Der Löwensucher
Der Löwensucher
von Kenneth Bonert
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 25,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kampf ums Dasein: Ein jüdisches Leben in Südafrika, 7. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Löwensucher (Gebundene Ausgabe)
„Ein Löwe nimmt sich, was er will. Niemand auf der Welt verschenkt etwas. Sei ein Löwe oder eine Stute – es ist deine Entscheidung.“
Isaac, der grobschlächtige Judenbengel, der mit Mutter und Schwester aus Litauen nach Südafrika geflohen war, dorthin, wo der Vater als Uhrmacher ein kleines Handwerk betrieb, will natürlich ein Löwe sein. Schon seiner Mutter Gitelle zuliebe. Mit der Frau, deren Gesicht durch eine grobe Narbe entstellt ist und die verbittert auf ein Quäntchen Glück hinarbeitet, fühlt sich Isaac durch eine schicksalhafte Abhängigkeit verbunden. Wenigstens ihr will er das Leben leichter machen, koste es was es wolle.
Kenneth Bonert, selbst in Südafrika aufgewachsen, erzählt in seinem aufsehenerregenden Debüt „Der Löwensucher“ von einer jüdisch-litauischen Familie, die zwischen den Kriegen in Südafrika Fuß zu fassen versucht. Von enttäuschten Hoffnungen und alltäglichen Kämpfen in einer oft feindlichen Umwelt. Auch wenn Gitelle in dem Buch eine wichtige Rolle zukommt, ist es Isaac, um den sich die Geschichte dreht. Mutter und Sohn sind nicht unbedingt Sympathieträger. Gitelle, die nie die Hoffnung aufgibt, ihre in Litauen zurückgebliebenen Schwestern vor den Nazis retten zu können, scheint es zu genießen, in Südafrika auch mal nach unten treten zu können. Sie seien zwar Juden, schärft sie dem Sohn ein, aber „hier sind wir Weiße“. Für Isaac Grund genug, seine schwarzen Freunde fallen zu lassen.
Während er und Gitelle von einem großen Haus für die ganze jüdische Verwandtschaft träumen, rackert sich der Vater in seiner Werkstatt ab. Er spürt die Verachtung seiner Frau, weil er es mit ehrlicher Arbeit nicht weiter gebracht hat, und er fühlt die Gefahr, die aus der symbiotischen Mutter-Sohn-Bindung erwächst, daraus, dass Gitelle von Isaac erwartet, sie für alle Unbill ihres Lebens zu entschädigen. Das Schicksal hat sie zu einer harten Frau gemacht. Sie hat – aber das erfährt der Leser erst viel später – so Furchtbares erlebt, dass sie nun jenseits aller Angst ist.
Für Isaac freilich sind die Erwartungen, die seine Mutter in ihn setzt, eine fast unerträgliche Bürde. Eine kurze Zeit, in der er sich mit der kapriziösen Tochter eines reichen Unternehmers trifft, lebt er auf, macht sich Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft mit der schönen Yvonne. Doch die Idylle ist nur scheinbar, darunter lauert etwas Gefährliches, die Ahnung künftigen Unheils.
Nach dem Scheitern der Beziehung trifft Isaac eine katastrophale Entscheidung, die letztlich zum Bruch mit der Mutter führt. Der junge Mann will endlich ein Löwe sein und nimmt sich, was ihm nicht zusteht. Das schlechte Gewissen treibt ihn in den Krieg. Als er nach der Heimkehr mühsam zurück ins Leben gefunden hat und sich endlich der heiß ersehnte Erfolg einstellt, holt ihn sein Betrug ein. Isaac hatte die falsche Entscheidung getroffen.
Bonert erzählt diese verstörende Mann-Werdung vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs in Europa und seinen weltweiten Folgen. Das Ende von Isaacs langem Irrwegs ist versöhnlich. Nach der kraftvollen Zeichnung des Underdog-Daseins mit all seinen Demütigungsexzessen, nach tristen Alltagsszenen und den grauenhaften Erinnerungen an Litauen gönnt Bonert seinem Helden überraschend eine fast kitschig anmutende Katharsis.


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