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Rezensionen verfasst von
thogoe

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Die Fahrt
Die Fahrt
von Sibylle Berg
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was Sie schon immer über das Leben wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten., 10. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Fahrt (Taschenbuch)
Ach ja, was soll ich sagen Frau Berg? Sie haben ja so Recht. Leider! "Das Leben ist keine Sammlung kleiner Momente, es ist ein großer Quatsch."

Die Fahrt ist ein Roman, der mittels vieler kleiner Kurzgeschichten (die aber zusammengehören und miteinander verknüpft sind) von Menschen erzählt, die sich auf die Suche begeben. Menschen unterschiedlichen Alters, die Meisten in ihrer Lebensmitte, die ihr Glück finden wollen. Wir, die Leser, begleiten sie beim "verwalten der eigenen schwindenden Lebenszeit". Menschen, die dem Missverständnis unterliegen, Individuen zu sein, dann aber feststellen müssen, doch nur ein austauschbarer Teil einer großen Masse zu sein. Wir begleiten sie an exotische Orte und sehen, beim "Urmodell menschlicher Zivilisation geht es nur ums überleben".

Wir aus den Industriestaaten (also die Reichen), haben eine "Sattheit" erreicht und spüren, dass der Gemütszustand kippt in Langeweile und Unzufriedenheit. Es bleibt nur der Versuch mit sich selbst Freundschaft zu schließen, nachdem man sich eingestanden hat, "nur in einer Idee seiner selbst zu leben", in der man doch nur konfektioniert ist unter Konfektionierten.
Das Reisen hat letztlich nichts gebracht außer dem wiederholen des "Fremdseins und unverbindlich sein". Es war nur eine Verlagerung des Konsums. Konsum fremder Länder, Konsum fremden Lebens, Konsum von Elend.

Wir müssen der "Nichtigkeit also eine Bedeutung geben um der Angst zu entkommen". Kann das gelingen? Vielleicht liegt die Lösung der Misere in der Erfahrung, die Helena in Füssen gemacht hat. Dazu müssen Sie den Roman aber erst einmal lesen und das ist ein großes Vergnügen. Versprochen


Die Glocken von Bicêtre
Die Glocken von Bicêtre
von Georges Simenon
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Psychologischer Roman par excellence, 27. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Glocken von Bicêtre (Taschenbuch)
Ich kann den Rezensenten hier nur zustimmen. Simenons Roman ist große Literatur. Ein wirklich durch und durch gelungenes Psychogramm eines Aufsteigers, der Karriere machte, ohne irgend ein Talent zu haben. Nur mit dem Gespür für Klatsch und Tratschgeschichten, was ihn zu einem erfolgreichen Pariser Zeitungsverleger machte und zu einer gesellschaftlich angesehenen Persönlichkeit.

Durch einen Schlaganfall gelähmt und nicht in der Lage zu sprechen, erwacht der Protagonist in einem Krankenhausbett. Zögerlich nur nimmt er seine Außenwelt wahr. Erinnerungen seiner Kindheit, seiner beiden Ehen, seiner Freundschaften und seiner Karriere dringen in sein Gedächtnis. Lediglich angestoßen durch banale Reize alltäglicher Dinge um ihn herum, so scheint es. Dies geschieht in konzentrischen Kreisen so, wie bei den Klangwellen einer Glocke. Je weiter die Zeit voranschreitet, sich der Gesundheitszustand des Egozentrikers sich stabilisiert, werden sie schwächer und verhallen.

Darüber hinaus ist es aber auch ein sozialkritischer Roman, in dem Simenon die sogenannten gesellschaftlichen Eliten regelrecht vorführt. Dieser Roman ist so aktuell wie damals und wird es wegen seiner psychologischen Komponenten auch immer bleiben.


Empört Euch!
Empört Euch!
von Stéphane Hessel
  Broschiert
Preis: EUR 3,99

234 von 298 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es läuft etwas gewaltig schief, 10. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Empört Euch! (Broschiert)
Das Buch (besser Heft) ist sehr dünn. ABER! Die Botschaft um so größer. Wer sagt da etwas? Wie sagt er es und was ist neu? Er ist eine Persönlichkeit allergrößter Reputation. Er sagt es kurz und deutlich. Es ist ein Aufruf zum Widerstand. Das Mittel ist die Empörung. Er richtet sich gegen den Neoliberalismus (Marktradikalität), der unseren Verstand vergiftet hat (weit hinein in alle Kreise der Gesellschaft).

Das Neue und die eigentliche Sprengkraft: Hessel verknüpft den Faschismus des letzten Jahrhunderts mit dem heutigen Neoliberalismus. Also dem System aus Geld, Macht und Einfluss der Eliten zu Lasten und zur Ausbeutung der Allgemeinheit. Die damit verbundene Bedrohung auf das soziale Gefüge. Dieses Gefüge, auf das man in Europa einmal stolz war. Das heute als zu teuer diffamiert wird. Aus Kalkül und mit verheerenden Folgen!

Ich meine, ein Weckruf an die Jüngeren der Gleichgültigkeit endlich Empörung und Widerstand entgegenzusetzen. Vertraut dabei nicht auf die Politiker. Die "Berlusconisierung" ist auch bei uns in Deutschland schon lange im Gange.


Rausch der Verwandlung: Roman aus dem Nachlaß (Stefan Zweig, Gesammelte Werke in Einzelbänden (Taschenbuchausgabe))
Rausch der Verwandlung: Roman aus dem Nachlaß (Stefan Zweig, Gesammelte Werke in Einzelbänden (Taschenbuchausgabe))
von Knut Beck
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Rausch der Sprache, 27. September 2010
Der sozialkritische Roman spielt in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Hauptfigur ist eine junge Postangestellte aus einem österreichischen Dorf, die in ärmlichen Verhältnissen lebt und ihre kranke Mutter pflegt. Eines Tages wird sie von reichen amerikanischen Verwandten, die Urlaub in der Schweiz machen, in ein Hotel nach Pontresina eingeladen. Dort lernt sie eine andere, eine feudale Welt "ohne Arbeit und ohne Armut" kennen. Es beginnt eine märchenhafte, eine rauschhafte Verwandlung der Protagonistin.

Zweig schildert in seinem typischen emotionalen Erzählstil voller einfühlsamer, sezierender Psychologie diese Verwandlung. Er schildert aber auch das abgehobene Leben der Eliten, die mit der "Selbstverständlichkeit des Geldes" keinen Bezug zur Lebenswirklichkeit der Normalbürger haben und sich von ihnen entfremdet haben. Mehr noch, die von Standesdünkel gelenkt sind, sich von der gewöhnlichen Welt abgrenzen und sich sogar jedweder Mühe des Daseins durch Dienstboten entziehen.

Als wegen gesellschaftlicher Intrigen das Märchen für die Protagonistin endet und sie unvermittelt wieder in ihr Dorf zurückgeschickt wird, kann sie sich nicht mehr in ihr altes Leben einfinden. Sie versucht durch regelmäßige Fahrten nach Wien wenigsten für kurze Zeit ihrer Tristesse zu entfliehen. Dort lernt sie dann einen Hilfsarbeiter kennen, einen jungen Kriegsheimkehrer, dem der Staat seine Jugend, seine Gesundheit, sein Erbe genommen hat. Sie verlieben sich ineinander und treffen sich regelmäßig. Dann erfährt der Plot eine überraschende Wendung und ein ungewöhnliches Ende, das ich nicht verraten möchte.

Obwohl vor rund 80 Jahren geschrieben, ist es ein aktueller Roman. Leider! Er beschreibt, was entfremdete Arbeit und das Versagen gesellschaftlicher Gruppen, besonders das fehlen von Solidarität und das Fehlen eines Sozialstaates mit Menschen macht, die nicht von ihrem Lohn auskömmlich und somit anständig leben können. Vor allem keine Perspektive haben. Es ist eine Abrechnung mit einem solchen Staat, der nicht für seine Bürger da ist sonder vielmehr die Bürger für den Staat (diesen übergeordneten Apparat) da sind. Ganz besonders die unteren Schichten, die auf ihre Funktion beschränkt sind und eine Art Inventar darstellen.

"Nichts macht einen wütender, als wenn man wehrlos ist gegen irgend etwas, das man nicht fassen kann, gegen das, was von den Menschen kommt und doch nicht von einem einzelnen, dem man an die Gurgel kann."

Dennoch, es ist keine linke Kampfschrift. Der Humanist Zweig zeigt vielmehr sehr anschaulich die psychologischen Ursachen und Wirkungen auf die Personen. Auch ist es ein Porträt einer Zeit von gesellschaftlichen Klassen, die wir als vergangen glaubten aber wer weiß...


Warten auf die Barbaren: Roman
Warten auf die Barbaren: Roman
von J.M. Coetzee
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weltliteratur ja! Aber..., 25. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Warten auf die Barbaren: Roman (Taschenbuch)
Es ist natürlich ein sehr gutes Buch und auch das, was der Autor sagen will, kommt auf den Punkt und ist in gewohnter Coetzee- Perfektion. ABER! Auch wenn es in einfacher Sprache gehalten ist, ist es streckenweise doch sehr anstrengend. Man schweift immer wieder gedanklich ab weil seitenweise keine Handlung voranschreitet und nur Gedanken, Projektionen usw. geschildert werden. Diese werden dann durch brutale Folterszenen und Grausamkeiten abgelöst so, dass man immer ein hin und her des Spannungsbogens erlebt. Mag ja sein, dass das Absicht ist aber, es verlockt einen nicht gerade dazu, das Buch, nachdem man es mal zur Seite gelegt hat, wieder mit Freude weiterzulesen. Daher denke ich, ist es nur was für geübte Leser oder wirkliche Coetzee Fans. Deshalb volle 5 Punkte auf die Qualität aber leider nur 3 Punkte auf den Genuss. Die Zeiten, als man dachte, Kunst müsse weh tun, sind schließlich vorbei.


Unschuldige
Unschuldige
von Ian McEwan
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Phantastische Tunnelfahrt in die Psyche, 16. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Unschuldige (Taschenbuch)
Der junge Londoner Vernmeldetechniker Leonhard wird 1955 nach Berlin versetzt. Dort soll er an einem Spionageprojekt der Amerikaner und Engländer mitarbeiten. Ein Tunnel, der vom amerikanischen Sektor in den russischen Sektor verläuft, um dort Nachrichtenleitungen der Russen anzuzapfen. Während dieses Aufenthaltes lernt der naive und steife 25 Jährige eine 5 Jahre ältere Berlinerin kennen, in die er sich verliebt und die die männliche Jungfrau in einen Tunnel von Ereignissen und Erfahrungen zieht. Sie verloben sich und Leonhard verliert dabei nicht nur seine sexuelle Jungfräulichkeit sondern auch seine Integrität.

Ian McEwan versteht es perfekt mehrere Genres miteinander zu verknüpfen. Spionagethriller, Kalter Krieg, Liebesgeschichte, Sexuelle Initiation, Satire usw. doch eigentlich ist es ein Psychothriller. Genauer gesagt eine Charakterstudie. Und darin besteht auch der Sinn dieser Verknüpfung der verschiedenen Genres. All das spiegelt sich in Leonhards Charaktere. Interagiert mit seiner Psyche. Leonhard verliert sich immer wieder in extreme Phantasien so, dass es einem schwer fällt, zwischen Ereignissen und diesen Obsessionen zu unterscheiden.
Das beabsichtigt der Autor und man muss genau wie Leonhard das Übertragungsecho dechiffrieren. Und das ist ein großer Genuss.


Am Strand (detebe)
Am Strand (detebe)
von Ian McEwan
  Broschiert
Preis: EUR 10,00

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Komprimierte Philosophie, 14. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Am Strand (detebe) (Broschiert)
Ian McEwan, ein Meister der Psychologie, hat dieses mal die Philosophie zu seinem Thema gemacht. Streng nach dem Motto "Panta Rhei" (alles fließt) konstruierte er einen Roman, der die "Architektur" der Erzählung mit dem Leitgedanken der Handlung verknüpft.
Der Aufbau des Romans ist dem Motiv von Wellen, die auf den Strand auftreffen nachempfunden ebenso wie dem Motiv des Geschlechtsaktes der Penetration. Vor und zurück. Die Handlung wird in gleichlangen Wellenbewegungen vorangetrieben und mittels Rückblenden zurück. Diese Konzeption zieht sich streng durch den ganzen Plot und wird erst zum Schluss aufgegeben indem die Handlung bis in die Gegenwart gezogen wird bzw. ausfließt.

Das Hauptmotiv des Plots stammt aus Platons Gleichnis über die platonische Liebe: Platon schildert, wie Alkibiades vergeblich versucht, Sokrates zu verführen. Dieser schlägt statt der sexuellen Vereinigung eine "höhere", nichtkörperliche Form der Liebe vor, in der die Seelen zueinander finden.

Dieses Motiv der platonischen Liebe, vertreten durch Florence, verknüpft der Autor mit dem Existenzialismus, repräsentiert durch Edward. Also die Idee der Ideale (von seelischer Verbundenheit, Schönheit u. Wahrheit) verknüpft er mit der Persönlichkeit und ihren Handlungsoptionen.

Ian McEwan etikettiert dabei die handelnden Personen exakt bis ins kleinste Detail mit den typisch Kennzeichen als Vermittler dieser philosophischen Ausrichtung/ Orientierung. Edward der Existenzialist und seine Herkunft aus einem Elternhaus, das diese Attribute spiegelt. Florence aus einer dem hellenistischen, humanistischen Ideal reflektierenden Familie.

Die Bilanz am Ende ist, dass Florence ihre Ziele verwirklicht im Gegensatz zu Edward, der ein Gefangener des Zeitgeistes und seiner Situation bis in die Gegenwart bleibt und im Nachhinein, die damalige Fehlentscheidung, nicht auf den Vorschlag von Florence eingegangen zu sein, bereut. Allgemein gesprochen: Menschen sind nicht frei in ihrem Denken und Handeln, weil jede Lebensgeschichte eine Folge von Normierungsmaßnahmen und Zeitgeistanpassungen ist.

Darüber hinaus lässt sich der Roman auch wunderbar in seiner vordergründigen Handlung als Portrait einer Zeit lesen. Den Konventionen und Zwängen der Ende 50er und Anfang 60ger Jahre. Es fließen auch immer wieder geschichtliche Themen (Zerfall des Britischen Empire, Atomtests, Friedensbewegung, Europa und EU usw.) in die Handlung ein. Dinge, aus der Vergangenheit, die in der Gegenwart nachwirken und wahrscheinlich auch in der Zukunft eine große Rolle spielen werden. Es stellt sich die Frage:
Sind wir heute wirklich so aufgeklärt und "open minded" wie wir denken? Oder hängen auch wir den Denkmustern und der Zeitgeistanpassung nach?
Das werden vermutlich zukünftige Generationen beantworten, wenn sie über unsere Epoche schmunzeln.


Der Trost von Fremden (detebe)
Der Trost von Fremden (detebe)
von Ian McEwan
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Thriller, viel mehr..., 14. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Trost von Fremden (detebe) (Taschenbuch)
Über die Handlung wurde schon in den anderen Rezensionen ausführlich berichtet. Diese (Thriller-) Handlung ist jedoch nur vordergründig und absichtlich(!) nicht schlüssig.

Schlüssig wird sie erst, wenn man den Roman in seiner wirklichen Konzeption nämlich als Psychogramm eines Beziehungsgeflechts liest. Genauer gesagt, Ian McEwan schildert, wie Mary mittels Traumgebilde langsam erkennt, dass ihre Beziehung zu Colin gescheitert ist. Mary wird sich dessen aber erst im Verlauf des Aufenthalts bewusst, indem das Unterbewusstsein diese "Hirn-gespinste" in ihre Tag- und Schlafträume einwebt und sie Colin psychologisch gesehen "tötet" also in der "Realität" die Beziehung beendet. Der Roman ist wie ein Spinnennetz gewebt, in dessen Zentrum diese psychologische Tötung Colins steht also das (Beziehungs-) Netz zerschnitten wird.

Ein englisches Paar verbringt den Sommerurlaub in Venedig. Ihre Beziehung ist nach 7 Jahren nicht mehr frisch und es kriselt. Sie gestalten ihre Tage mit sightseeing, schlafen, Alkohol und dem rauchen von Marihuana. Durch diesen fatalen Mix verlieren sie sich immer wieder in heftige Alpträume und Phantasien, die sie sich anfänglich noch gegenseitig erzählen und mit denen sie in ihrer eingefahrenen Beziehung sogar für kurze Zeit neuen Schwung bringen. Anfänglich ist es noch möglich, den Moment des Wachzustandes und den Übergang in den Traumzustand zu unterscheiden indem der Autor dies benennt. (S23; Sie schlafwandelte von einem Augenblick zum nächsten, und ganze Monate glitten erinnerungslos vorüber, ohne die mindeste Spur ihres bewussten Willens zu tragen.)
Jedoch wird es im Verlauf des Romans immer schwieriger zwischen "Realität" und Traum zu unterscheiden. Dem Leser ergeht es hierbei wie Mary. Genau aus dieser Situation bezieht der Roman dann auch seine Spannung und aus der Psychologie, die sich wie ein roter Faden (Spinnfäden, die Mary webt) durch den ganzen Plot ziehen.

In der Phantasie tauchen die Alter Ego von Mary und Colin auf nämlich Caroline und Robert. Es vermengen sich tatsächlich erlebtes mit dem geträumten und auch zeitliche Abläufe kommen durcheinander. Verknüpfen sich mit Kindheitserinnerungen, Schuldgefühlen, Ängsten, Erwartungen usw. Das ist dann auch die große Stärke des Romans. Jedes Detail spiegelt sich irgendwo im bereits vorigen Kapitel oder danach oder anders gesagt, es werden Spinnfäden vom Traumzustand in den Wachzustand/ Wirklichkeit und umgekehrt gezogen, die das Geschehen des Tages, in einem Traum verarbeiten, dabei allerdings verzerrt und abstrahieren. Z.B. der "reale" Duschvorhang des Hotelzimmers taucht dann als "vergilbter Streifen eines Plastikvorhangs" im Eingang von Roberts Bar auf und der süßliche Geruch des Marihuana-Rauchs als süßliches Parfüm von Robert. Auch die wichtigen Schlüsselszenen S59 ; ein kleines Mädchen, das beim spielen auf der Straße Colin einen Tennisball in die Magengrube wirft, wird umgewandelt in einen Faustschlag, den Robert Colin unvermittelt und grundlos in den Magen drischt. (Hier wird die Unschlüssigkeit der vordergründigen Handlung sehr deutlich)

Die Metaphern sind in gewohnter Ian McEwan Manier treffend und zahlreich eingearbeitet. So z.B. Mary, die Plätze diagonal überquert, die Arme verschränkt, langsam u. stetig (wie eine Spinne, die ihre Fäden zieht;S26). Die Koffer, die am Anfang im Hotelzimmer rumstehen und vom Autor als Belastung definiert werden, sind am Ende nach Colins Tod verschwunden, dennoch packt sie ihr Gepäck in ihre Reisetaschen usw.

Es lohnt sich, den Roman mehrmals zu lesen und es ist ein Vergnügen zu sehen, wie sich der Roman dabei immer wieder in einer neuen Variante interpretieren lässt und wie viele Details der Autor miteinander verwebt. Dadurch wird der Leser angeregt, selbst immer wieder Fährten aufzunehmen, die sich dann aber in dem Komplexitätsgeflecht verlieren. Dem Leser ergeht es hier wie Mary in ihrem Beziehungsgeflecht.


Amerigo: Die Geschichte eines historischen Irrtums
Amerigo: Die Geschichte eines historischen Irrtums
von Stefan Zweig
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Großartiges und spannendes Essay, 25. November 2008
Geschichtliche Daten und Fakten kann man heutzutage auch bei Wikipedia kurz und bündig nachsehen. Somit wäre ein solches Buch, von Stefan Zweig vor über 60 Jahren geschrieben, heute nicht notwendig zu lesen. Aber, es geht ihm nicht nur um ein solches aufzählen der Fakten. Geschickt spielt Zweig mit Emotionen und vermittelt damit sehr spannend die Psychologie der Zeit, die wir ansonsten heute nicht ohne weiteres nachvollziehen könnten.
Es entsteht erst durch seinen unvergleichlichen Stil eine erfahrbare eine beteiligte Zeit- und Geschichtsdarstellung. Genau das ist das Merkmal von Zweigs historischen Erzählungen.

"Denn nie entscheidet die Tat allein, sondern erst ihre Erkenntnis und ihre Wirkung. ...im unberechenbaren Kräftespiel der Geschichte vermag oft der kleinste Anstoß die ungeheuersten Wirkungen auszulösen"


Eiserne Zeit: Roman
Eiserne Zeit: Roman
von J.M. Coetzee
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jede Ursache ist eine Mutter, ihre Wirkung das Kind..., 21. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Eiserne Zeit: Roman (Taschenbuch)
Die alte, alleinstehende und in Kapstadt lebende Lehrerin Elizabeth Curren hat Krebs. Ihre Tochter ist bereits vor Jahren nach Amerika ausgewandert. Betreut wird sie von ihrer schwarzen Haushälterin Florence. Am gleichen Tag, als sie von ihrer Krankheit erfährt, entdeckt sie einen Obdachlosen auf ihrem Grundstück. Sie erlaubt ihm, in ihrem Schuppen zu wohnen. Damit beginnt eine Annäherung. Eine Schicksalsgemeinschaft. Sie beginnt einen Brief bzw. Tagebuch als Vermächtnis an ihre Tochter zu schreiben. Der Geist ihrer Seele so schreibt sie, soll über diesen Brief zu ihr gelangen. Der Obdachlose (Mr. Vercueil) soll ihn nachdem Elizabeth gestorben ist, an die Tochter schicken. Weil sie ihm aber nicht vertrauen kann, dass er ihn auch abschickt, ist es für sie: "eine Wette auf Vertrauen" und: "weil ich ihm nicht vertrauen kann, muss ich ihm vertrauen".

Eines Tages bringt die Haushälterin ihren halbwüchsigen Sohn, der im Township aufwächst, mit in das Haus. Dieser wiederum bringt einen Freund mit und eine Waffe, die sie im Haus versteckt halten. Es kommt zu Übergriffen der weißen Ordnungshüter auf die Jungen. Der Freund wird schwer verletzt, kommt ins Krankenhaus und der Sohn kehrt ins Township zurück. Dort wird er bei einem weiteren Übergriff auf die Unterkünfte schwarzer Widerstandskämpfer erschossen. Dies geschieht ausgerechnet, als Elizabeth mit ihrer Haushälterin dort hinfährt, damit diese ihren Sohn zur Besinnung bringen kann. Der Freund des Sohnes flüchtet aus dem Krankenhaus und kehrt in das Haus von Elizabeth zurück. Dort hält er immer noch die Waffe versteckt. Letztlich erschießt die Polizei bei der Erstürmung des Hauses auch ihn.

Die alte Frau mit ihrer Krebskrankheit ist eine Parabel auf den durch Apartheid geprägten Zustand Südafrikas während der Phase des permanenten Ausnahmezustands in den Jahren 1985 bis 1990. Am Ende ihres Lebens glaubt sie, dass im Körper durch die Anhäufung von Schande und Selbstekel dieser bösartig wird und sich selbst auffrisst. Deshalb der Krebs.

Coetzee gelingt es in diesem Roman auf ergreifende Weise den Zustand Südafrikas zu schildern. Zusammenhänge und Ursachen aufzuzeigen, die dieses Land in die Eisenzeit marschieren lässt (eine Zeitrechnung nach der Bronzezeit, in der der Mensch begann, Eisen für Waffen zu verwenden). Es ist auch eine Auseinandersetzung der alten Dame mit ihrem Leben, ihrer Schuld und Einsamkeit. Der Literaturprofessor Coetzee schreibt in einer schnörkellosen und unpathetischen Sprache die trotz vieler Anspielungen und Verweise auf Klassiker immer gut verständlich, spannend und kurzweilig ist. Dieses Buch berührt einen zutiefst und nachhaltig.


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