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Rezensionen verfasst von
Michael Krautschneider "Filmfan & Musikliebhaber" (Wr. Neustadt, NÖ)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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MTV Unplugged
MTV Unplugged
Preis: EUR 7,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenig authentisches, wenngleich solides "Trendprodukt" mit wenigen echten Highlights!, 4. April 2013
Rezension bezieht sich auf: MTV Unplugged (Audio CD)
Blicken wir kurz zurück: 1989 hatte Bob Dylan mit "Oh Mercy" eine kleine, feine und kaum zu überschätzende Wiederauferstehung gefeiert. Danach wurden die Werke "Under The Red Sky", "Good As I Been To You" und das großartige "World Gone Wrong" nachgeliefert, wobei sich Mr. Dylan hierbei größtenteils fremdkomponierter Stücke annahm, was bei manchem Fan und Kritiker nicht auf Wohlwollen stieß. (Ich für meinen Teil halte diese Alben allesamt für unterschätzt - mittlerweile scheinen diese Meinung aber mehrere Fans zu teilen.)
Das ALBUM, das alle wieder aufhorchen bzw. durchatmen ließ, sollte erst zwei Jahre nach diesem Live-Werk folgen: das zurecht und oftmals hochgelobte "Time Out Of Mind" staubte 1997/1998 sämtliche Preise ab und wurde von Fans sowie Kritikern begeistert aufgenommen...

Dieses "Unplugged"-Album (Erscheinungsjahr 1995) hat also so ein bisschen eine Art "Pufferfunktion". Ich bin mir ja nicht einmal so sicher, ob denn Bob Dylan Mitte der 90er nicht ganz einfach mal schnell Geld absahnen wollte, indem er (natürlich) dem großen Trend der damaligen Zeit folgte und ein MTV-Unplugged-Album auf den Markt brachte...

Obwohl ich schon seit längerem ein großer Bewunderer und Fan Bob Dylans bin, und teils auch durchaus Gefallen an vorliegendem Produkt habe gewinnen können, ist dieser "Geldscheffelcharakter" leider nie ganz aus meinem Hinterkopf verschwunden, sobald ich mir diese Scheibe hier angehört habe.
Zwar sind die Aufnahmen einiger Stücke wirklich hervorragend gelungen - ich spreche hier etwa von "Tombstone Blues", "All Along The Watchtower" oder dem großartig dargebrachten "With God On Our Side" - aber dennoch ist bei mir bis heute das Gefühl zurückgeblieben, dass man noch mehr aus eingespieltem Material hätte herausholen können.
Klar: Mr. Dylan und seine Begleitband sind souverän und spielen gekonnt die Setlist herunter, aber die von vielen beschriebene "Begeisterung" konnte ich ehrlich gesagt so nicht wahrnehmen.
Am besten finde ich an der Scheibe noch, dass einige Songs neuartig (wie man's von His Bobness halt gewohnt ist) interpretiert wurden - das macht diesen Tonträger halt dann in dieser Hinsicht doch besitzenswert. Besser als aber z.B. sämtliche Live-Veröffentlichungen der legendären "Bootleg-Series" ist "Unplugged" aber sicher nicht. Auch das mit THE BAND eingespielte Live-Doppelalbum "Before The Flood" ist hinsichtlich "Spritzigkeit", Spielfreude und Atmosphäre weit besser gelungen (und ja, mir ist schon klar, dass Mr. Dylan da ein paar Jährchen jünger war - aber daran allein liegt's bestimmt nicht).
Vor allem der oft sehr "künstlich" wirkende Applaus des Publikums ist ein Stimmungskiller - wobei ich ebenso wie ein anderer Rezensent beobachtet habe, dass das Bild-Ton-Dokument zu hiesiger Darbietung dabei wesentlich natürlicher und dadurch eben auch authentischer wirkt. Und, tja - authentisch ist "Unplugged" meines Erachtens in keinster Weise geworden und somit widerspricht es eigentlich zugleich seiner Daseinsberechtigung, da man bei Unplugged-Werken ja eigentlich davon ausgehen darf/soll, dass man es mit einer besonders intimen, nahbaren Atmosphäre zu tun bekommt, was ja teils im Zuge der MTV-Unplugged-Veröffentlichungen auch großartig gelungen ist - ich denke da beispielsweise ans legendäre Nirvana-Konzert, das nach wie vor eine Art Meilenstein puncto Unplugged-Alben zu sein scheint...
Und selbst die Stones haben mit "Stripped" (obwohl da teils ordentlich im Studio nachgearbeitet wurde, macht aber nix) ein Jahr später (1996 nämlich) bewiesen, dass auch "dienstältere Musiker" klasse Trendware abliefern können, wenn man halt motiviert und begeistert bei der Sache ist. Und obwohl man sich bei einem Bob Dylan - gerade live - nicht selten schwer tut, um festzustellen, ob ihm nicht gerade alles sonstwo vorbeigeht, muss ich (nochmals) festhalten, dass ich nicht glaube, dass er bei hiesiger Aufzeichnung den Abend seines Lebens hatte...

Für Unplugged-Liebhaber mag diese Scheibe durchaus ihre Existenzberechtigung haben und tatsächlich ist das eine oder andere Highlight hierauf zu finden. Wahre Dylan-Fans werden aber schon beim ersten Hördurchgang feststellen, dass es da durchaus gelungerenes Live-Material zu kaufen gibt...
Anmerkung dazu: Sehnsüchtigst warte ich auf eine aktuelle Live-Veröffentlichung. Was gäbe ich nicht dafür, Songs wie "Not Dark Yet", "Thunder On The Mountain", "Mississippi", "Beyond Here Lies Nothing", "Roll On John" undundund endlich auch mal live (per Tonträger) einsaugen zu dürfen - egal wie kratzig Dylans Stimme mittlerweile klingt... BITTE liebe Plattenbosse tut diesbezüglich endlich was und bringt neues Live-Material irgendwie, alsbald unter!! Das wäre großartig und mir als Fan wirklich ein riesengroßes, aufrichtiges Anliegen!!!

Fazit: Trotz teils großartiger Interpretationen und einer gut aufspielenden Band ist diese Aufzeichnung - verglichen mit anderen Live-Tonträgern - kein überragendes Musthave. Hinsichtlich der Tatsache jedoch, dass "Unplugged" eine Live-Platte nach vielen, vielen Jahren war, in denen es keine aktuellen Aufzeichnungen gab (und es bis heute leider keine aktuelleren gibt! Eigentlich eine Schande!), ist es auch für Fans (mit kleinen Vorbehalten allerdings) zu empfehlen!

Mein Tipp: Kauft euch lieber die DVD!! (Und lasst den Tonträger gänzlich weg!)

Macht 3 Sterne geradeaus. Begeisterung sieht wahrlich anders aus - und hört sich auch anders an! Ebenso hören sich authentische Unplugged-Aufnahmen anders an als vorliegendes Produkt!

Trotz großer Dylan-Sympathien konnte ich mit dieser Scheibe nicht so recht warm werden. Aber hören muss man bekanntlich selbst... Bin gespannt, wie's anderen Dylan-Freunden damit geht. Meldet euch!!

Ich persönlich halte ALLE Dylan-Studioalben der 90er-Jahre für essentieller als diese Unplugged-Scheibe, weshalb ich zunächst auch eher zum Kauf der Studiowerke aus jenen Tagen raten würde!

Kurzum: Solides Mittelmaß. Souverän vorgetragene Songs in wenig authentischer Atmosphäre! Die DVD hat eindeutig Vorrang gegenüber dem Tonträger!!


Shot of Love
Shot of Love
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Und wieder eines dieser schwer zu bewertenden Dylan-Alben..., 4. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Shot of Love (Audio CD)
SHOT OF LOVE ist Teil und Abschluss der sogenannten "christlichen Triologie" Dylans, die 1979 mit "Slow Train Coming" eingeleitet und kurze Zeit später mit "Saved" fortgesetzt wurde. Anmerken dazu möchte ich jedoch, dass ich auch den SOL-Nachfolger, nämlich das für meinen Geschmack etwas hoch gehandelte "Infidels", nicht soooo weit entfernt von seinen Vorgängern halte - auch thematisch gesehen nicht!

Mit der "Bekehrungspphase" Bob Dylans, der damals zum Christentum konvetiert war, ist das immer so eine Sache. Viele Kritiker und Fans warfen dem guten Bob schon damals vor, dass er im Grunde nichts mehr zu sagen habe. Inhaltlich mag das zwar bedingt stimmen (wobei ich ich es nicht als Frevel empfinde, wenn ein Bob Dylan offen und ehrlich über Erlösung, Auferstehung und Nächstenliebe singt - was ist da bitteschön so schlimm daran?), aber musikalisch hat Mr. Dylan mit seiner Triologie etwas hinterlassen, dass man auch heute noch gerne und ohne Scham auflegt. Noch dazu, wo die sehr "natürliche" Produktion (ohne Syntesizer und Co) der Scheibe für eine gewisse Zeitlosigkeit sorgt, anders als bei "Empire Burlesque" etwa, als Dylan versuchte - oder es ihm eingeredet wurde - mit damals aktuellen Trends Schritt zu halten. Aber das ist wiederum eine andere Geschichte...
So viel mal dazu. Genauer über diese Thematik habe ich mich aber ohnehin schon bei meinen Rezensionen zu "Slow Train Coming" und "Saved" ausgelassen, die bei Interesse ebenfalls gerne nachgelesen werden können...

Trotz aller positiver Aspekte, die ich dieser Phase Dylans durchaus abgewinnen will und kann, ist SHOT OF LOVE für mich zunächst der schwächste Silberling der "Bekehrungs-Triologie". "Slow Train..." hört sich für meine Ohren letztendlich experimentierfreudiger und neuartiger an (auch heute noch) und "Saved" ist (vor allem zu Beginn des Albums) erfrischender, einladender, ja fast schon explosiver...

Auf SOL lässt Bob Dylan es generell einmal etwas ruhiger angehen. Die Stilbreite der Platte ist aber dennoch verblüffend. Von Reggae-Elementen, über typischen Blues, bis hin zu funkigen Einflüssen ist hier alles zu finden - und das durchwegs gefällig!
Die Band, die Mr. Dylan damals um sich geschart hatte, war tatsächlich gut in Schuss und das kann man auch heute noch deutlich heraushören.
Auch an Harmonie oder Atmosphäre mangelt es der Scheibe nicht. SOL ist ein flüssiges, kompaktes Album mit ansprechendem Sound - ungekünstelt, dynamisch und authentisch.
Was der Platte aber fehlt - und das ist keineswegs böse gemeint, bin ja trotzdem ein großer Bewunderer des großen BOB - ist schlichtweg ein Hit! Zwar besitzt der Abschlusstrack "Every Grain Of Sand" gewissermaßen Kult-Status bei Fans der Scheibe und auch andere Stücke, wie etwa "Shot Of Love", "Lenny Bruce" oder z.B. "The Groom's Still Waiting At The Altar" (das mein persönlicher Liebling auf der Scheibe ist) haben eingängige Melodien anzubieten, aber dennoch fehlt ein wenig der Überdrüberkracher auf dem Album...
Freilich ist es besser 10 gute Songs auf einem Album vorzufinden, als etwa einen in Kürze totgespielten Hit und 9 Schrott-Songs - auch solche Scheiben gibt es (leider) zur Genüge... Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass ein Titel wie etwa (man möge mir meine Insider-Vergleiche bitte ein wenig nachsehen, aber ich halte sie für "naheliegend") "I Believe In You" ("Slow Train Coming") oder Ž"Saved" (vom gleichnamigen Album) SOL hätte ungemein aufwerten können...

In Summe bleibt so ein gefälliges, aber nicht übermächtiges Werk zurück, das Fans durchaus besitzen sollten. Die beiden direkten Vorgänger würde ich aber zumindest eine halbe Klasse über SOL stellen - ohne mich hier mit Befürwortern und Fans der Scheibe anlegen zu wollen...

Auch, wenn's ein unzulässiger Vgl. sein mag - so würde ich SOL in etwa auf einer "Ebene" mit dem darauffolgenden "Infidels" sehen, nur, dass "Infidels" mit "Jokerman" einen Song enthält, der so ziemlich jeden Track auf SOL in den Schatten stellt...

Fazit: SHOT OF LOVE beendete einst die meines Erachtens zu Unrecht oft verrissene "christliche Phase" Dylans. Wer Dylan wirklich liebgewinnen möchte oder bereits liebgewonnen hat, der wird verstehen, warum man an dieser Triologie dennoch nicht vorbeikommt. Musikalisch hat uns ein Bob Dylan einfach immer etwas zu sagen, über die Inhalte kann man ja geteilter Meinung sein...

Eins noch: Ich persönlich finde die Dylan-Scheiben der 70er-Jahre (ausgenommen "Slow Train...") im Wesentlichen auch nicht viel aufregender als beispielsweise die "Bekehrungstriologie". Vor allem das oftmals sehr hoch gehandelte "Desire" würde ich in keinster Weise über eines der "christl. Werke" stellen - ganz im Ernst!
Freilich: Geschmäcker sind verschieden und das soll so sein! Aber geben sie SOL und - mehr noch - "Slow Train Coming" und dem hochunterschätzten "Saved" eine echte Chance... Diese Alben sind es wert, "entdeckt" zu werden...

SHOT OF LOVE ist insgesamt ein gefälliges Album mit gutem, zeitlos-natürlichem Sound, dem am Ende nur ein echter, wahrer Hit fehlt. Ein bisschen geht mir persönlich auch die Spritzigkeit und/oder Freude (in einem weiteren Sinn), die eben auf "Saved" so schön zu spüren ist, ab.
Aus diesen Gründen halte ich SOL mit 3 STERNEN für (halbwegs) gerecht bewertet. 4 STERNE wären objektiv gesehen wohl auch drinnen... Aber mir fehlt halt das gewisse/bestimmte "Etwas"!

Für Sammler und Fans absolut besitzenswert. Dennoch meines Erachtens die schwächste Scheibe der berühmt-berüchtigten "christlichen Triologie" Dylans - was zwar teils gegen diese Scheibe hier, aber dafür umso mehr für die beiden Vorgängerwerke spricht...

Hört mal rein und entscheidet selbst!


Celebration Day
Celebration Day
Preis: EUR 7,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Live-Perfektionismus, der [trotzdem] Spaß macht!, 4. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Celebration Day (Audio CD)
Viel, viel zu lange hat's gedauert, bis Led Zeppelin endlich, endlich wieder zueinander gefunden haben, um gemeinsam zu musizieren. Immerhin konnten sich die Mannen um Jimmy Page dazu durchringen ein würdiges Abschlussspektakel in der Londoner O2-Arena zu inszenieren... Das Ergebnis: Die Kritiker waren begeistert, die Fans sowieso - lediglich die Kartennachfrage war (erwartungsgemäß) um ein Vielfaches zu hoch.
Nicht weniger lange - immerhin ganze 5 Jahre - hat man dann auf die Aufzeichnung dieses denkwürdigen Abends (vom 10. Dezember 2007) warten müssen. Das Ergebnis: Ein brachiales Doppelalbum mit praktisch perfektem Klangbild - und wiederum begeisterte Kritiker und Fans...

Das Wort "inszenieren" habe ich zu Beginn meiner Rezension tatsächlich wohldurchdacht so gewählt, denn betrachtet bzw. hört man die Setlist, die wie vom Blatt runtergespielten Songs (ähnlich einem Staatsorchester) genauer, so tut sich in einem unweigerlich das Gefühl auf, man hätte es atmosphärisch gesehen/gefühlt eher mit einer perfekt geplanten Operninszenierung (in 2 Akten zu je acht Songs - hier auf 2 Discs verteilt) zu tun als mit einem typischen Rockkonzert, bei dem mitgeschnitten wurde.
Das in vielerlei Hinsicht durch und durch gelungene (angefangen beim Cover-Art, bis hin zur Spielweise und Interpretation der einzelnen Songs etc.) CELEBRATION DAY ist praktisch fehlerlos - was nebst pingeligster Studionacharbeit aber auch auf ein tatsächlich toll vorbereitetes Konzert (sprich Proben, Proben, Proben...) schließen lässt. Denn spielerische Fehler kann selbst ein Spitzentoningenieur nicht mehr in den Maßen nachbearbeiten, als dass sie völlig aus dem Klangbild verschwänden.
Soll heißen: Die Herren John Paul Jones, Jimmy Page, Robert Plant und Jason Bonham waren offensichtlich gut vorbereitet und aber auch in Spiellaune an jenem (denkwürdigen) Abend in der O2-Arena.
Tatsächlich, glaube ich, weichen die Songs von den Studioversionen so gut wie gar nicht ab, lediglich Robert Plants Stimme scheint gereift und/oder in Würde gealtert zu sein - und auch das ist gut so!
Der Rest der Band beweist musikalisches Können und Gespür wie eh und je, vor allem auch Mr. Bonham Jr., der ja hierbei auf den Spuren seines verstorbenen Vaters trommelt, macht einen großartigen Job!

Soweit also alles im grünen Bereich, einzig den Perfektionismus an sich, der CELEBRATION DAY - begonnen bei der sich unwiderstehlich steigernden Setlist - offensichtlich und unüberhörbar anhaftet, könnte man schlechten Willens bekriteln. Wer Live-Aufnahmen vor allem deshalb zu schätzen weiß, weil eben gerade auch die "Unsauberkeit" und die Spontaneität oft gelungene Live-Mitschnitte kennzeichnen, der könnte vielleicht auch das eine oder andere an diesem Produkt auszusetzen haben. "Totgesäubert" - also sprich "cleanish" - hört sich die Produktion aber dennoch nicht an, hier wurde offenbar behutsam und mit großem Bedacht nachbearbeitet. Großes Lob auch hierfür!

Für Musikliebhaber und auch LZ-Fans ist CELRBRATION DAY aber mit Sicherheit eine reulose Pflichtanschaffung. Klangtechnisch ist dieses Doppelalbum sogar womöglich eine Art kleine Revolution, was Livemitschnitte betrifft!
Auch über die Songauswahl könnte ich hier nichts Schlechtes behaupten, vor allem das grandiose Finale auf CD 2 (konkret meine ich hier "Stairway zu Heaven", "The Song Remains The Same", "Kashmir", "Whole Lotta Love" und "Rock And Roll") ist an Atmosphäre, Spannung und Energie kaum überbietbar, wie ich meine. Auf Disc 1 ist der Opener "Good Times Bad Times" derzeit mein Favorit!
Wenn ich aber - trotz allem Lob, das diesem tollen Live-Werk auch absolut gebührt - dennoch den einen oder anderen bescheidenen Mini-Wunsch äußern dürfte, so möchte ich abschließend noch festhalten, dass ich mir "Communication Breakdown", "Houses Of The Holy" und "Babe, I'm Gonna Leave You" noch dazugewünscht hätte...
Aber bei einer solch immensen Auswahl an Spitzentracks wie im Falle der legendären Led Zeppelin, wird wohl jeder den einen oder anderen Song hierauf vermissen. Aber bei welcher Live-Produktion ist denn das schon nicht der Fall??

Fazit: Ein monumentales, meisterhaft inszeniertes, dargebrachtes und überarbeitetes Werk, das einen mehr als würdigen Schlusspunkt zu setzen imstande ist, wenn's denn nun tatsächlich für alle Ewigkeit einer war...
Festgehalten werden kann jedenfalls schon jetzt, dass es sich bei CELEBRATION DAY um eines der größten Live-Ton-Dokumente aller Zeiten handelt!

Aus meiner Sicht indiskutable 5 STERNE!!


Truth
Truth
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn Götter Göttern huldigen... Bluesrock vom Allerfeinsten!, 29. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Truth (Audio CD)
Namen allein sind nicht unbedingt immer ein Garant dafür, dass am Ende auch etwas Großartiges dabei herauskommt. Und selbst, wenn solche Hochkaräter (ja nahezu "Götter") wie Jeff Beck, Rod Stewart und/oder Ron Wood sich auf diesem wundervollen "Jam-Schmelztiegel" (freche Betitelung, ich weiß!) die Ehre geben, so muss das noch lange nicht heißen, dass man automatisch so entzückt - und das auch 45 Jahre später noch - wenn man diese Scheibe zuhause auflegt...

Wie so oft bei großartigen Musikalben treffen bei "Truth" gleich mehrere sehr günstige Umstände aufeinander, um sich vielfach gegenseitig zu potenzieren!
Da wäre erstens einmal die groß aufspielende Kombo, deren Begeisterung man fast schon durch die Boxen hindurch zu spüren glaubt - es gibt jedenfalls nicht wirklich viele Alben, die ein derartiges Feeling inne haben. Musikliebhaber und solche die eventuell selbst Musik machen, werden sofort verstehen, was ich meine...
Zum Zweiten wäre da dieser wunderbare, schlampige, aber gleichzeitig durch und durch authentische Sound. Aufgrund seiner "Kratzbürstigkeit" und (vermeintlichen) "Ungeschliffenheit" ist "Truth" an Originalität meines Erachtens kaum zu übertreffen.
Die Art der Musik, die Interpretation der einzelnen Songs und der Sound fügen sich letztlich zu einem großartigen Gesamtkunstwerk zusammen. Ich muss sogar sagen, dass mir die Scheibe von Mal zu Mal immer besser gefällt, weil immer eine andere Passage im Ohr hängen bleibt oder man etwas plötzlich wahrnimmt, was man so bislang noch nicht bewusst aufgesogen hat... Kurzum: Für Zeitlosigkeit ist bei "Truth" (wie bei wirklich guter Musik aber im Allgemeinen) also auch gesorgt...
Atmosphärisch ist diese Scheibe jedenfalls ein Hammer, wobei so eine Art "jazziger Improvisationscharakter" - im positiven Sinne freilich - nie ganz schwindet und das Gesamtbild sanft und würdevoll und einfach unwiderstehlich abrundet. "Truth" beweist (einmal mehr), dass GEFÜHL und Liebe zur Musik einfach das Um und Auf im Musikbuisiness sind.
Und einmal mehr bewahrheitet sich die Tatsache, dass auch "Götter" ihre Götter haben. In diesem Falle heißt das konkret, dass Mr. Beck & Co offensichtlich (wie viele andere Bands (siehe z.B. The Rolling Stones uva.) freilich auch) von den großen Bluesmeistern alias Muddy Waters etc. beeinflusst waren, womit sich ein weiterer Kreis schließt, der das Gesamtbild von "Truth" gewissermaßen abrunden hilft...

Anmerkenswert wäre vielleicht noch, dass ich mit gerade mal 28 Lenzen wahrscheinlich nicht unbedingt einer vom "Hauptzielpublikum" bin. Aber im Zuge meiner Leidenschaft fürs Musiksammeln bin ich ganz einfach einmal (zwangsläufig) über diese Scheibe hier gestolpert - hab sie dann vorläufig auf meine Wunschliste gesetzt und (unerwartet) von meiner Freundin geschenkt bekommen. Der Rest ist wohl offenkundig...
Mir war schon nach den ersten Akkorden und ungeölten Stimmeinlagen Rod Stewarts klar, dass das hier etwas ganz Besonderes ist - und bei Fans völlig zurecht so hoch gehandelt wird!! (Und dabei mag ich Rod Stewarts Schnulzen eigentlich gar nicht so besonders!)

An dieser Stelle bleibt mir eigentlicn nur noch anzumerken, dass ich es für eine riesengroße Schande halte, dass "Truth" im 500er-Ranking des RS-Magazine fehlt... Subjektivität hin oder her - aber da gibt's meiner Meinung nach einfach keine Diskussion...

Highlights sind auf "Truth" zur Genüge zu finden (eigentlich ist jeder Track hierauf klasse), zum Einhören würde ich von meiner Warte aus zunächst aber vielleicht jedoch "Shapes Of Things", das sich wunderbar steigernde Instumentalstück "Beck's Bolero" sowie "Blues De Luxe" empfehlen.
Übrigens sind auch alle Bonustracks absolut hörenswert und in keinster Weise überflüssig - selbst wenn manchmal "nur" Zweitversionen vom Originalalbum zu hören sind...

Fazit: Top-Scheibe mit unglaublichem Feeling und Tiefgang zum unschlagbaren Preis!
"Truth" ist für Musikliebhaber aller Altersstufen eine Bereicherung und gehört in jedem Fall in jede ordentlich geführte CD- und/oder Plattensammlung!

Ein KLASSIKER, den ich bestimmt in meine persönliche 100er-Best-of-Alben-Liste reihen würde!!

ZUGREIFEN und GENIESSEN!


King of the Guitar Evangelists
King of the Guitar Evangelists

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Music-Milestone. Prädikat: AUSSERIRDISCH!, 10. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: King of the Guitar Evangelists (Audio CD)
Und dieses (in der Überschrift letztgenannte) Wort ist durchwegs ernst zu nehmen. Denn: Blind Willie Johnsons DARK WAS THE NIGHT ist einer von denjenigen (auserlesenen) Tracks, die 1977 mit der Raumsonde "Voyager" ins All geschossen wurden, verewigt auf einer goldüberzogenen Kupferplatte, die zur Begrüßung möglicher außerirdischer Lebensformen gedacht war/ist. Kein Scherz!
Und immerhin sind da neben Johnson keine geringeren Kaliber als u.a. Mozart, Bach oder auch Chuck Berry berücksichtigt worden...

Die Ironie an dem Ganzen: Johnson selbst hatte seine Musik zu Lebzeiten weder wirklich berühmt noch reich gemacht. Eine Tatsache allerdings, die er mit vielen posthum entdeckten Genies teilen muss.
Völlig verarmt starb der von Geburt an blinde Blues-Musiker an den Folgen einer Malariaerkrankung in seinem bescheidenen Heim. Angeblich war kein Krankenhaus bereit, ihn aufzunehmen und zu behandeln!!
Widersprüchlich ranken sich zahllosen Legenden und Mythen um den blinden Bluesman. Eine besagt z.B., Johnson wäre erst in seinem 7. Lebensjahr erblindet, nachdem ihm seine erzürnte Stiefmutter Lauge ins Gesicht geschüttet hätte. Ebenso ist sein Geburtsjahr umstritten, das teils mit 1897, teils mit 1902 beziffert wird. Auch über den Ort seiner Geburt ist man sich scheinbar uneinig. (Mit Sterbedatum und Todesursache sieht's ähnlich aus.)
Fest steht aber, dass er immerhin aus Texas zu stammen scheint und Zeitlebens in engem Kontakt mit der Kirche und Gospelmusik stand. Dies scheint auch glaubwürdig, da sich sämtliche Blues-Aufnahmen ebenfalls stark an der Bibel anlehnen und (wenigstens entfernt) an eine Mischung von Gospelelementen mit Bluesmusik erinnern.

Das Besondere an Mr. Johnson und dessen Musik ist aber mit Sicherheit die brachiale Urgewalt seiner vibrierenden Stimme. Selbst auf den hiesigen Aufnahmen, die immerhin schon gut 80 Jahre (!) zurückliegen, kann man die Kraft und den Willen, eine Botschaft vermitteln zu wollen, spüren. Die Gitarre wird mit einem Metallmesser oder einer Zange (am Hals freilich) bearbeitet, die Rhythmen zirkeln in Endlosschleifen dahin und unterlegt (oder eher ÜBERlegt) ist das Ganze dann noch mit einer der faszinierendsten Stimmen des vergangenen Jahrhunderts! Hier und da wird Johnson von seiner damaligen Ehefrau unterstützt, die "geschmeidig" eine Art Backgroundgesang dazugibt, der sich wunderbar mit Johnsons "vibrierender" (liegt teils vielleicht auch an den Aufnahmen - mag sein) Membran ergänzt.

Eins freilich ist klar: Man hat es bei vorliegendem Werk mit wirklich alter Bluesmusk zu tun. Demenstsprechend sollte dann auch die Erwartungshaltung bezüglich Klangqualität und Soundfeinabstimmung etc. sein. Nichtsdestotrotz kann dieses Songsammelsurium garantiert auch heute noch Erstaunen und Begeisterung hervorrufen, vorausgesetzt, man bringt genügen Interesse und guten Willen entgegen.
Meine erste Begegnung mit Blind Willie Johnson habe ich im Zuge der "The Blues" - Filmreihe (M. Scorsese) gehabt. Da war u.a. ein Film von Wim Wenders namens "The Soul Of A Man" dabei, der mich auf Anhieb begeistert und gefesselt hat. Zwar habe ich das Ganze dann wieder etwas abgetan und mich meinen obligatorischen Hörgewohnheiten hingegeben, dennoch blieb mir Johnsons Lebenswerk immer irgendwie im Hinterkopf haften.
Nun, Jahre später, google ich mich durch Wikipedia-Einträge und recherchiere in Sachen Blues und stoße abermals auf einen (leistbaren) Tonträger mit dem Titel "Blind Willie Johnson - King Of The Guitar Evangelists". Zum aktuellen Kaufpreis von rund 8 Euro eine ziemlich ungefährliche Investition...
Und dann kommt die Scheibe (per Post) angeflogen, ich lege sie auf und - schwebe dahin in gefühlvoll und gleichermaßen urgewaltigen Blues-Songs, die für mich persönlich bislang die besten ihrer Art darstellen.
Einen (bescheidenen) Vergleich kann ich wenigstens zu einem Robert Johnson (der ebenfalls als Bluesveteran gilt und auch die Beachtung des Rolling Stone Magazine gefunden hat, wohl weil er von Keith R. und Eric Clapton des Öfteren positiv erwähnt wurde) anstellen, dessen Aufnahmen freilich anderer Natur sind und deshalb womöglich auch nicht unbedingt für eine objektive Abwägung zulässig. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle festhalten, dass mir der Zugang zu Blind Willie J. erheblich leichter gefallen ist als jener zu Robert J. (den ich aber trotzdem mag).

Fazit: Diese Scheibe beinhaltet 22 Tracks Musikgeschichte, die jeden - der sich für gute, handgemachte Musik und/oder Blues und dessen Wurzeln ein wenig interessiert - mühelos begeistern können.
Zudem ist diese CD sehr preiswert und gut "gegliedert". Das mein ich so: PART I - WITH HIS WIFE (11 Tracks) sind jene Aufnahmen, die Johnson chronologisch gemeinsam mit seiner Gattin aufgenommen hat.
PART II - ALONE WITH GOD (wiederum 11 Tracks) sind dann quasi parallel dazu die Soloaufnahmen, die in etwa aus dem gleichen Zeitraum stammen (1927-1930).
Bei Track 11 (übrigens meinem Favoriten, nämlich "The Soul Of A Man") hat man sich sogar die Mühe gemacht, das Geräusch eines Plattenspielers einzupegeln, was das Umdrehen der Schellack- oder Vinylscheibe imitieren soll - witzige und authentische Idee, noch dazu, wo ja so ein bewusster Bruch zwischen PART I und PART II offenkundig eingeleitet wird...

Kurz: Mit dieser Veröffentlichung kann man als Musikliebhaber keinen Fehler begehen. Eine liebe- und sinnvolle Zusammenstellung eines Ausnahmekünstlers. Ein Mann, der vielleicht das, was er aufgrund seiner Erblindung nicht sehen konnte, mit seiner außergewöhnlichen Stimme doppelt nahegehend an seine Mitmenschen weitergab - und weitergibt!
Ein bibelfester Blues-Wanderprediger mit Gespür und Herz und einer Unmenge Talent für Songinterpretation. Eigentlich kein Wunder, dass man Johnsons "Dark Was The Night" anno 1977 als Grußbotschaft per Raumsonde an außerirdische Lebensformen losschickte. Jede intelligente Lebensform wird an diesem Beispiel sofort erkennen, dass hier unaussprechlich viel Gefühl in verhältnismäßig komprimierter Form dargeboten wird...

Thanks Blind Willie Johnosn - R.I.P.

Danke abschließend auch an die Macher dieser Bluesserie ("sagablues"). Hier steckt gewiss viel Mühe, Liebe und Leidenschaft drinnen - die auch beim Konsumenten - fast ungefiltert - so rüberkommt. Bravo!!

Interessierten rate ich, sich demnächst auch die großartige Filmreihe "The Blues" baldestmöglich mal zu Gemüte zu führen!

MUSIKGESCHICHTE pur - 5 Sterne.


Columbo - Die komplette neunte Staffel [5 DVDs]
Columbo - Die komplette neunte Staffel [5 DVDs]
DVD ~ Peter Falk
Wird angeboten von New*Star*Media
Preis: EUR 19,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zehn "Columbo-Spielfilme", preiswert (und gefällig) zusammengefasst!, 26. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Bei der 9. Staffel (als welche hiesige zumindest im deutschen Sprachraum angepriesen wird) kann man nun eigentlich wirklich nicht mehr von einer echten, zusammenhängenden Staffel im herkömmlichen Sinne sprechen.
Schon alleine der Zeitraum, in dem die Einzelepisoden hierzu entstanden sind, nämlich von 1990-1993, verdeutlicht, dass es sich hierbei mehr um einzelne Spielfilme handelt, die wohl noch mit etlichen Columbo-Kult-Faktoren behaftet sind, aber atmosphärisch (bitte nicht falsch verstehen!) einander kaum ähneln.
Nun gut. Generell ist das ja eigentlich kein Problem, da die Episoden thematisch ohnehin jeweils für sich geschlossen sind, so wie es übrigens auch bei allen Vorgängerfolgen bereits der Fall war. Trotzdem merkt man den neuen Folgen ein bisschen ihren "Stückwerkcharakter" (ist aber nicht böse gemeint) an.
Aber gut, der wahre Columbo-Fan freut sich einfach darüber, dass der ewig zerstreute Zigarrenraucher auch in höherem Alter noch als immerfragender Quälgeist seine Kontrahenten entlarvt. (Darüber hinaus ist es sehr begrüßenswert auf diese Weise die Möglichkeit zu bekommen, wirklich alle Folgen (und das auch noch recht preiswert) zu erstehen - danke dafür!)
Und nachdem Staffel 8 ein furioses Comeback (nach zehnjähriger Pause!) eingeleitet hat, war es beruhigend zu wissen, dass Peter Falk alias Columbo eine Art andauernde Konstante in der Krimifernsehwelt zu sein schien, auf die man sich einfach stets verlassen konnte (und IMMER NOCH KANN!!)...

Auffällig bei dieser Staffel ist, dass sie mit insgesamt 10 Folgen recht üppig ausgefallen ist. Gleichzeitig wird dieser Segen an Fülle aber so ein bisschen zum Dilemma dieser vorletzten "Staffel". Die Qualität der Plots schwankt nämlich von mittelmäßig bis genial (wie freilich bei den Vorgängerstaffeln auch schon), wobei dieses Mal - trotz grandioser Einzelfolgen - insgesamt (für meinen bescheidenden Geschmack halt) die eher durchschnittlichen Episoden nicht so einfach übertüncht werden können...
Konkreter ausgedrückt: Stellt man so einzigartige, sehr gute Episoden wie etwa "Ruhe sanft, Mrs. Columbo" oder "Luzifers Schüler" solch (für Columbo-Verhältnisse freilich) Mitläuferepisoden wie "Mord nach Termin" gegenüber, dann bleibt im Nachhinein so ein bisschen das Weniger-Wäre-Womöglich-Mehr-Gewesen-Gefühl zurück.
Keinesfalls jedoch soll diese zarte Kritik meinerseits in irgendeiner Weise andeuten, dass es nicht lohnen würde, auch diese Box zu erwerben. Wahre Fans kommen daran sowieso nicht vorbei...

Nun aber zu den Episoden im Einzelnen.
Mein Bewertungsschlüssel (wie immer bei mir):
+ mies ++ naja +++ passabel ++++ gelungen/Kultfolge +++++ grandios/Megakultfolge
(!) sollen anzeigen, dass es sich bei der jeweiligen Episode um eine ganz besondere (mit hohem Kultfaktor sozusagen) handelt.

- DVD 1 -

MORD NACH TERMIN
Ein Staranwalt wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Um sich eines unliebsamen Erpressers zu entledigen, tarnt dieser seine Tat als Selbstmord. Allerdings lässt sich Columbo nicht an der Nase herumführen...
Ein Plot voll schmieriger Anwaltsklischees, politischer Unkorrektheit und durchtrieber Machtgier. Also: zeitlos. Generell ist diese Folge auch nicht schlecht gelungen, allerdings gefällt mir der Täter hierbei nur unterdurchschnittlich gut.
Tathergang und Verschleierungsversuche sind hingegen gut durchdacht und auch Columbo selbst spielt (wie aber eigentlich immer) souverän. Größter Lichtblick war für mich die strenge, aber korrekte Sekretärin des Staranwalts, die für kurze Zeit hervorragend mit dem Inspektor interagiert.
Aufgrund der nicht ganz korrekten Veröffentlichungspolitik der "Staffeln" hierzulande, würde diese Folge (aber auch andere) ebenso gut oder schlecht zur Vorgängerbox passen. Trotz insgesamt passabler Schauspielerleistungen und gutem Mordmotiv für mich eher kein echtes Highlight.
Daher: ++/+++

RUHE SANFT, MRS. COLUMBO (!)
Kult, kultiger - Ruhe sanft, Mrs...
Die ewig verhinderte und unpässliche, aber nicht unbekannte - weil von Columbo durchaus detailreich geschilderte - Ehefrau des Kultinspektors ist offenbar Opfer eines Mordanschlags geworden. Die Täterin will Columbo am eigenen Leib spüren lassen, wie es ist einen geliebten Menschen zu verlieren, ist doch ihr Partner im Gefängnis (wohin ihn Columbo gebracht hat) an einem Herzinfarkt verstorben...
Nicht umsonst wird diese Episode nach wie vor sehr hoch gehandelt (vor allem auch in Fankreisen). Zum einen ist da dieser wirklich spannende Plot, gemischt mit melancholischem Mitgefühl für den armen, verwirrten Mann im Trenchcoat. Auch die Motive, die für den Zuseher erst im Laufe der Folge tatsächlich ersichtlich werden, lassen keinerlei Wünsche offen. Am Ende kommt dann sogar alles noch einmal ganz anders, als man gedacht hat (aber ich mag ja nicht zu viel verraten)...
Obwohl diese Folge anders als die meisten anderen aufgerollt und dargeboten wird und es deshalb ein wenig zum Bruch mit typischen Columbo-Kult-Elementen kommt, ist sie nicht totzukriegen, weil Plot und Atmosphäre und Überraschungsmoment einfach zu sehr unter die Haut gehen. Ganz klar ein Klassiker der gesamten Columbo-Chronologie!
Übrigens: Mrs. Columbo bekommt man auch diesmal nicht zu Gesicht - nicht mal per Foto (aber ich will ja nicht zu viel verraten;)).
Meine Bewertung: +++++

- DVD 2 -

SCHLEICHENDES GIFT
Ein Zahnarzt, der die Scheidung seiner Frau aufgrund finanzieller Abhängigkeit nicht akzeptieren kann, will mit einem heimtückischen Giftimplantat deren Liebhaber beseitigen und dafür sorgen, dass seine Noch-Ehefrau zur Hauptverdächtigen wird...
Vom Tötungsvorhaben her eine völlig neue Herangehensweise. Da waren die Drehbuchautoren mal wieder sehr kreativ. Allerdings wird Columbo vielleicht dieses Mal etwas zu schnell klar, an wessen Fersen er sich heften muss, um die Tat aufzuklären.
Auch das Ende, also die Überführung scheint sehr weit hergeholt. Die schauspielerischen Leistungen liegen (wie so oft bei den neueren Folgen) wiederum im Mittelmaß.
Irgendwie letztendlich schade - denn trotz vieler positiver Aspekte und Intentionen (Columbo schlägt sich gar einmal mit einem abnehmbaren Auto-Polizeilicht herum), kann diese Folge nicht so ganz ihr gefühltes Potenzial ausschöpfen. Zumindest ich war (und bin) der Meinung, dass da möglicherweise mehr drinnen gewesen wäre...
Bewertung: +++/++++

NIEMAND STIRBT ZWEIMAL (!)
Ein Gigolo hat ein Verhältnis mit einer erfolgreichen Schriftstellerin. Als diese via Fernsehinterview bekannt gibt, ihn heiraten zu wollen, mischt sich deren Schwester ein. Sie hat einen Privatdetektiven engagiert, um Therese (der Autorin) endlich nachhaltig vor Augen zu führen, dass ihr Lover untreu ist. Kurz darauf wird Theresa tot aufgefunden...
Besonders hervorhebenswert erscheinen mir bei dieser Episode die durchwegs hervorragenden Schauspielerbesetzungen. Vor allem Theresas Schwester, die zum einen eine starke, selbstbewusste Frau, aber zum anderen innerlich schwer gespalten und unsicher ist bleibt längerfristig in Erinnerung. Letztlich tun sich im Verlauf der Story auch einige Überraschungen auf. Obwohl es am Ende zwei Täter gibt, kommt nur einer davon - laut Gesetz - als strafbarer Mörder in Frage.
Insgesamt eine durchwegs gelungene Folge, die zwar atmosphärisch den typischen Neo-Stil (Jet-Set der 90er und Co) innehat, aber dennoch durch eine gut durchdachte Story und großartige Darsteller ein wenig hervorsticht.
Meines Erachtens ein Highlight dieser Staffel.
Meine Bewertung: ++++/+++++

- DVD 3 -

LUZIFERS SCHÜLER (!)
Zwei Studenten werden von ihrem Professor beim Betrügen (sie wollen sich die Lösungen des anstehenden Examens besorgen) erwischt. Um sich ihrer Verantwortung zu entziehen, schmieden die beiden einen kaltblütigen, teuflischen Plan. Ausgerechnet ist in der Mordnacht ein gewisser Inspektor Columbo als Gastredner geladen...
Meiner Meinung nach ist dies der gelungenste Versuch überhaupt, Columbo mit der Generation seiner Kindeskinder auf Tuchfühlung zu bringen. Die beiden durchtriebenen Mörder machen sich gar über den alten Mann und seine Marotten lustig, konfrontieren ihn mit dem mächtigen und einflussreichen Vater. Auf der anderen Seite kommt Columbo bei den Mitstudenten gut an. Sein unkompliziertes Sozialwesen und seine natürliche Art kommt bei den jungen Leuten gut an.
Wollte man hier womöglich zeigen, dass Columbo auch jüngere Fans haben kann? Vielleicht. Jedenfalls hatte er sie auch vor dieser Episode schon und auch heute noch gibt es Leute ab und unter 20, die auf den Kultinspektor schwören (mich als 85er-Baujahr mal großzügig miteingeschlossen;))
Nicht nur die Darsteller sind größtenteils jugendlich, auch die Art des Mordens geht sehr "modern" vonstatten (mittels Mini-Fernsehgerät und Knopfdruck).
Für meinen Geschmack passt hier einfach alles zusammen: Campus-Atmosphäre (erstmals bei Columbo), jugendliche Arroganz, Columbo als zerstreuter Vortragender auf der Uni...
Vor allem aber die Auflösung des Falles ist wirklich überraschend und genial. Ein ausgetauschtes Auto und insbesonders ein Foto, das dort unter der Sonnenschutzklappe verstaut ist, wird den beiden Straftätern letztendlich zum Verhängnis...
TOP!
Daher: +++++

DER ERSTE UND DER LETZTE MORD
Dass Rauchen ungesund ist, ist hinlänglich bekannt. Umso mehr, wenn manche der Glimmstängel mit (zusätzlichem) Gift präperiert wurden! Der Moderator einer erfolgreichen Fernsehshow wird erpresst. Wenn er seine Show nicht aufgibt, würde der Erpresser einen alten (horizontalgewerblichen) Film über diesen publik machen...
Alles in allem eine ganz passable Folge mit klaren Motiven und soliden Schauspielern. Irgendwie erinnert das Ganze aber entfernt an bereits Dagewesenes. Im Gegensatz zur kultigen Vorgängerfolge gleicht diese hier eher einer, die sich auf bereits erreichten Erfolgsrezepten auszuruhen scheint. Kurz: Nicht schlecht, aber auch keine besonders nachhaltige Episode.
Meine Bewertung: +++

- DVD 4 -

TÖDLICHE LIEBE
Und wieder mal das häufigste aller Mordmotive: die Liebe. Als ein Rechtsanwalt von der Untreue seiner Frau (einem ehemaligen Rockstar) erfährt, will er die Beziehung beenden. Allerdings weiß diese, dass ihr Mann mehrfach Richter, Zeugen und Geschworene geschmiert hat und droht damit, dies öffentlich zu verlautbaren. Daraufhin erwürgt der Anwalt den unliebsamen Liebhaber und versucht die Tat seiner Gattin in die Schuhe zu schieben...
Wiederum eine sehr 90er-Jahre-lastige Folge (aber meines Erachtens immer noch besser, als zwanghaft einen Retroabklatsch der 70er zu schaffen - siehe bei Interesse diesbezüglich auch meine Rezi zu Staffel 8!), die vom Tathergang zwar sehr geschickt durchdacht scheint, insgesamt aber bestimmt noch Luft nach oben hätte. Der Mann des attraktiven, noch jungen Rockstars wirkt eher wie ein Relikt aus älterer Zeit, ebenso wie Columbo selbst. Hätte man die beiden 15 Jahre zuvor aufeinandertreffen lassen, wäre dies wahrscheinlich glaubwürdiger und authentischer rübergekommen. Zudem tun sich zwischenzeitlich immer wieder einige Überlängen auf. Auch das gegen Ende aus der Not hervorgezauberte Alibi wirkt "unschön" hineingezwängt, ebenso die Auseinandersetzung mit diesem (was den Fall zum Schluss wohl nochmals spannend machen soll - geht aber leider nur zum Teil auf). Und trotz einiger Schmunzelmomente (Columbo möchte unbedingt einen Ghettoblaster für seinen Neffen erstehen und informiert sich bei einem Jugendlichen, der im Besitz eines solchen ist über den Kaufpreis) ist diese Episode für meinen Geschmack insgesamt nicht stimmig, atmosphärisch gesehen wenigstens. Durchschnitt halt.
Meine Bewertung: ++/+++

TÖDLICHER JACKPOT
Freddy B. ist gerade in Scheidung, da gewinnt er doch ausgerechnet im Lotto. Da er seiner Frau aus Gier nichts davon abgeben will, bittet er seinen Onkel darum, für ihn den Gewinn abzuholen. Dummerweise aber ist auch Onkelchen nicht vor Gier gefeit und hat keineswegs vor zu teilen...
Das Interessanteste an diesem Fall ist eindeutig das Motiv. So etwas hat es bei Columbo bis dato noch nicht gegeben. Die Charakterdarsteller sind alles in allem Mittelmaß, am besten kommt meiner Meinung nach noch der Mörder (der Onkel also) weg.
Die Auflösung des Falls an sich und die daraus resultierenden Situationen zwischen Ermittler und Verdächtigen (vor allem natürlich dem Hauptverdächtigen) sind insgesamt nicht wirklich aufregend, sieht man einmal von der überraschenden Tatsache ab, dass Onkel und Fast-Ex-Frau (unerwartet) miteinander verbandelt sind. Am Ende stürzen sie sich letztlich gegenseitig in den Ruin. Dass Gier etwas Unschönes (aber leider zutiefst menschliches) ist, wird hier sehr anschaulich dargeboten.
Meine Bewertung: +++/++++

- DVD 5 -

BLUTHOCHZEIT
Columbos Neffe heiratet, weshalb auch der Onkel vor Ort ist, als des Neffen frisch Angetraute entführt wird...
Nicht umsonst ist dies eine der umstrittensten Columbo-Episoden aller Zeiten. Hauptsächlich dürfte dies am Bruch mit vielen Vertrautheiten (wie man sie von Columbo halt kennt) liegen. Möglicherweise war das auch eine Art Versuch, an die Kultfolge "Ruhe sanft, Mrs. Columbo" anzuschließen, wo der Fall ja auch aus ungewöhnlicher Perspektive aufgerollt wurde.
Auch neu ist, dass es ausnahmsweise mal kein Todesopfer gibt.
Ich persönlich habe diese Folge nun zum ersten Mal gesehen und fand sie offengestanden gar nicht so übel. Abgesehen vom Abweichen typischer Elemente der Marke "Columbo", hat mir vor allem die Rolle des Entführers sehr gut gefallen, der durchwegs glaubwürdig einen Psychopaten verkörpert. Auch die Tatsache, dass Columbo hier im engeren Verwandtenkreis ermittelt (der Neffe ist übrigens auch Polizist), trägt für meinen Geschmack letztendlich dazu bei, dass hier das Positive am Ende überwiegt. Erstmals sieht man außerdem den Inspektor mit einer Schusswaffe in der Hand, der sichtlich erleichtert darüber ist, diese nicht benützt zu haben...
Meines Erachtens jedenfalls nicht so schlecht, wie es so oft gemacht wird. Dieses eine Mal passt das ganz gut. Ein Klassiker ist diese Episode freilich trotzdem nicht.
Bewertung: +++

EIN SPATZ IN DER HAND
...ist besser als die Taube auf dem Dach - wie Columbo am Ende dieser Episode ganz richtig feststellt. Denn eigentlich hat die Mörderin gleich zwei Morde zu verantworten, nachweisen kann er ihr aber lediglich einen davon.
Der erfolglose Glücksspieler Harold will seine Tante um Geld bitten, weiß aber, dass ihr Mann damit nicht einverstanden ist. Deshalb beschließt er, diesen mit einer Autobombe umzubringen. Aber dann kommt alles anders: Der Onkel wird überfahren und jetzt muss die Bombe schnellstens entschärft werden...
Der Gärtner wird dabei zum unschuldigen und bemitleidenswerten Opfer. Harold, der anfangs lediglich darauf fixiert ist (und einem die ganze Zeit über durchwegs unsympathisch bleibt) seine eigene Haut zu retten, wird am Ende selbst zum Mordopfer. Das dauerbetrunkene Tantchen (hervorragend gespielt) ist nämlich gar nicht so harmlos, wie man als Zuseher zunächst glauben möchte!
Insgesamt eine gute Folge, die aber (einmal mehr) lediglich zahlreiche Milieus und Themenbereiche abdeckt, die wir bei Columbo schon öfter gesehen haben: Geldsorgen, Unterdrückung, Erpressung, Football, Affären...
Alles in allem überwiegt dennoch der positive Nachgeschmack, was diese Episode vor allem den abermals durchwegs guten Schauspielern zu verdanken hat. Auch die Idee, einen geplanten Mord ungeschehen machen zu wollen ist ganz gut. Letztlich wäre für meinen Geschmack aber auch hier (wieder) ein bisschen mehr möglich gewesen.
Daher: +++/++++

Fazit: Columbos vorletztes Rennen wird dem Namen "Staffel 9" eigentlich nicht gerecht, da hier unverkennbar "Stückwerkcharakter vorherrscht. Neben vereinzelten genialen Fällen, bekommt es der eingesessene Columbo-Freund diesmal grötenteils mit Durchschnittskrimikultkost zu tun. Positiv anmerken sollte man hierbei jedoch, dass immerhin kein wirklicher Totalausfall in dieser Box vorzufinden war. Das heftig umstrittene "Bluthochzeit" kommt für meinen Geschmack sogar noch besser weg als "Tödliche Liebe" und ist (als einmaliger Versuch gesehen) keineswegs schlechter als andere passable Folgen mit dem Kult-Inspektor.
Freilich lässt sich nicht leugnen, dass Columbo weiter altert. Das macht aber nichts und macht ihn menschlich und authentisch - hab ich aber, glaube ich, auch schon bei Staffel 8 genauer zu erläutern versucht. So ein bisschen fehlen dieser 9. Staffel auch die Überdrüber-Widersacher. Zwar wurden die Charakterrollen durchwegs gut besetzt, aber die ganz, ganz großen Stars sollten erst in der finalen 10. Staffel (vereinzelt) wieder ins Rampenlicht treten (wobei Staffel 10 noch weniger als diese hier als solche bezeichnet werden kann, weil der Drehzeitraum der einzelnen Episoden sich gar über fast ein Jahrzehnt erstreckte).
Insgesamt überwiegt (wie aber bei bis dato allen Staffeln) mit Sicherheit das Positive. Columbo wird seine Marotten nicht und nicht los, es scheinen - im Gegenteil - sogar fast immer neue hinzuzukommen. Die Gegenspieler werden immer jünger, der Kultinspektor immer älter - aber seine Spürnase macht vor nichts halt: egal, ob arm oder reich, alt oder jung, exzentrisch oder introvertiert... Und genau dieser Umstand macht Columbo zum zeitlosesten aller Fernsehdetektive!

Meines Erachtens ist dies nicht unbedingt die stärkste Box. Dennoch kann ich nur zu ihrem Erwerb raten. Fans kommen daran ohnehin nicht vorbei, aber ebenso könnten "Laien" daran gefallen finden.
Die drei oben gennanten "Kultfolgen" (siehe (!) Einzelbewertungen) sollte man sich unter keinen Umständen entgehen lassen. Einfach nur klasse!

Nun freue ich mich schon auf das letzte große Wiedersehen, die 10. Staffel also, die ich übrigens bereits in meinem DVD-Regal zuhause stehen habe! Auch da kenne ich (wie bei hiesiger Box) so manche Folge noch gar nicht.

P.S. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist absolut spitze: 10 Episoden in Spielfilmlänge machen das Fehlen etwaiger Extras (die leider nirgends drauf sind) locker wieder wett. Abgesehen davon, würde ich mir nie eine DVD oder auch eine Sammelbox alleine der Extras wegen kaufen.
Randbemerkung: Schade, dass die praktischen Pappkartons mit den dünnen Plastikhüllen - wie's scheint - nicht mehr hergestellt werden. Mir persönlich haben die besser gefallen, als die dicken Plastikboxen, in denen die DVDs einfach übereinandergestapelt (allerdings Gott sei Dank höchstens zwei) sind. Also: Ich persönlich hab, bis auf Staffel 10, immer die Kartonboxen erworben, weil ich sie vom Herausnehmen her auch praktischer finde. Und das würde ich - bei Möglichkeit - auch angehenden Sammlerfreunden guten Gewissens empfehlen.

Ich hoffe, man hört/sieht einander wieder - bei der Rezi zur Finalstaffel!


James Bond 007 - Im Geheimdienst Ihrer Majestät
James Bond 007 - Im Geheimdienst Ihrer Majestät
DVD ~ George Lazenby
Preis: EUR 6,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Mauerblümchenphänomen": (Vermeintlich) schwacher Bond-Darsteller in toller Bond-Story!, 23. November 2012
Mittlerweile hat sich das oft gescholtene "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" zu einem Dauerbrenner und darüber hinaus zu einer Art "Geheimtipp" (wenigstens in Fankreisen) gemausert.
Das war nicht immer so! Lange Zeit galt das 6. Bond-Film-Abenteuer, das, als es anno 1969 in die Kinos kam, nicht die erhofften (aber auch sehr hoch angesetzten finanziellen) Erwartungen erfüllen konnte, als Mauerblümchen der 007-Chronologie.
Nach den riesigen Kassenerfolgen der Vorgänger, blieb dieses "andersartige" Bond-Abenteuer lange Zeit eine Art Sonderling.
Viele schreiben diesen Umstand (auch teils heute noch) Mr. Lazenby zu, der in seinem einzigen Auftritt als 007 von einer Connery-orientierten Anhängerschaft nur wenig Gegenliebe erfuhr.
Tatsächlich wirkt Mr. Lazenby stellenweise ein bisschen blass und farblos, dennoch glaube ich, dass es für genau diesen Plot keine bessere Wahl als ihn hätte geben können!
Mal ehrlich: Könnte man sich (im Nachhinein) ernsthaft einen Sean Connery oder Roger Moore in "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" vorstellen? Ich hab damit jedenfalls so meine Schwierigkieten, obwohl ich - wohlgemerkt - einen Sir Connery nach wie vor für den besten Bonddarsteller aller Zeiten halte...

Aber erst mal alles der Reihe nach. Wie kommt es, dass "OHMSS" heutzutage keinen Vergleich scheuen muss, ja - mehr noch - er von eingesessenen Bond-Sehern (inklusive mir selbst auch) gar als einer der besten seiner Gattung umjubelt wird?
Zu einem sehr großen Teil liegt das für meine Begriffe erstens einmal an der durch und durch stimmigen Atmosphäre. Wie in keinem anderen Bond-Streifen wechseln idyllisches Wohlgefühl, geballte Action, rauhe Gewalt (als z.B. ein Verfolger Bonds von einer Schneefräse zerstückelt wird) und grenzenlose Traurigkeit einander ab, ohne sich aber dabei gegenseitig die Show zu stehlen, also sich in irgendeiner Form "abzuwürgen".
Zu einem großen Teil dürfte das bestimmt an der großartigen Kameraarbeit liegen, die Schauplätze perfekt einfängt und bis heute - gute 40 Jahre später - die Atmosphäre der Drehorte praktisch nahtlos-ungefiltert ins heimelige Wohnzimmer transportiert.
Aber auch die Besetzungen (lassen wir die Hauptfigur hierbei mal außen vor) sind allesamt sehr glücklich gewählt. Der Superschurke Blofeld (verkörpert durch einen authentischen sowie brillianten T. Savalas alias "Kojak") wurde meines Erachtens nie mehr wieder derart passend besetzt. Ebenso kann Bond-Frau (nicht Bond-Girl!) Teresa oder Tracy (gespielt vom Schirm-Charme-und-Melone-Star Diana Rigg) auf ganzer Linie überzeugen. Sie interagiert glänzend mit dem "neuen" Bondcharakter, ohne diesem aber offensichtlich die Show zu stehlen!
Bliebe eben noch die - nicht unumstrittene - Hauptfigur des Films: George Lazenby alias 007 Nr. 2. Ich selbst habe nie einen Groll gegen ihn verspürt und auch nie etwas gegen OHMSS gehabt - ganz im Gegenteil. Dennoch kann ich es nachvollziehen, dass es einige Menschen gab und (immer noch) gibt, die nichts mit ihm in der Rolle des berühmtesten Geheimagenten der Welt anzufangen wissen.
Ich seh das ja so: Meiner Meinung nach ist Lazenbys "Fluch" (dass es ihm nämlich nur ein einziges Mal vergönnt war, in die Haut von 007 zu schlüpfen) im Nachhinein gesehen zu seinem größten Trumpf im Ärmel geworden! Es ist nämlich so, dass aufgrund der Einmaligkeit seines Auftritts (in eben jeder 007-Beziehung) keine kritischen Vergleiche auf ganzer Bond-Linie angestellt werden können! All seine "Macken" und Eigenheiten, die er auf die eine oder andere Weise in seine Rolle (wenn auch nur behutsam) miteinfließen lassen konnte, werden nie dem Vorwurf standhalten müssen, dass er es ein anderes Mal besser hinbekommen hätte... Anm.: Einen guten indirekten Vergleich hierzu bietet wohl Mr. Dalton, der einerseits bei seinem 007-Debüt "Der Hauch des Todes" (für seine Verhältnisse) brillierte und andererseits im darauffolgenden (und seinem letzten) Bond-Film "Lizenz zum Töten" enttäuschte (was aber bestimmt nicht zuletzt auch am eher schwachen Plot des Films liegen dürfte).
Ich hoffe, es ist einigermaßen nachvollziehbar, was ich mit meinen Ausführungen andeuten möchte...
Zwar mag Lazenby, neben Dalton, in gewisser Hinsicht der "farbloseste" aller Bond-Dasteller bislang gewesen sein, aber in einer unbestimmten, nahezu "magischen" Art kommt ihm dieser "Chamäleon-Charakter" in der Story von OHMSS zugute!
Zudem muss man bedenken, dass bei Sean Connery, dem seit "Goldfinger" (trotz souveräner Auftritte in "Feuerball" und "Man lebt nur zweimal" - keine Frage!) kontinuierlich die Lust am Bondmachen zu vergehen schien, allmählich die Luft raus war. Es war, glaube ich, auch an der Zeit, der Welt ein neues Bond-Gesicht zu präsentieren! (Anm.: Ich persönlich finde "Diamantenfieber" und "Sag niemals nie" aber auch ganz gut. Bin halt auch so ein bisschen Connery-Fan.)
Interessant finde ich ja auch, dass man einen Daniel Craig (den ich offengestanden nicht so sehr mag) Jahrzehnte später dafür hochgejubelt hat, dass er Bond "authentischer", weil verletzlicher und menschlicher, dargeboten hat, während Mr. Lazenby dafür eher gescholten wurde...

Nun aber zum Plot. Auch der ist in mehrerlei Hinsicht einzigartig. Bond rettet am Beginn des Films einer jungen Frau das Leben. Ausgerechnet ist sie die Tochter eines korsischen Mafia-Bosses namens Draco. Aber wie Väter nun mal so sind, bedankt sich dieser sehr artig bei 007 und macht ihm darüber hinaus sogar den Vorschlag, Teresa (seine Tochter) zur Frau zu nehmen (plus einer Mitgift von einer Million Pfund!), da er der Meinung ist, Bond sei genau der Richtige, der Tracys psychische Instabilität wieder ins Lot bringen könne. Bond, der zwar bereits (wie könnte es anders sein) mit Tracy intim geworden war (nachdem er für sie im Casino Kartenspielschulden beglichen hatte) und durchaus wahre Gefühle für diese empfindet, lehnt jedoch dankend ab. Mehr interessiert ihn der momentane Aufenthaltsort des Erzschurken Blofeld, dem Kopf der Verbrecherorganisation SPECTRE. Draco informiert Bond darüber, dass dieser bereits mehrere seiner Männer abgeworben habe und stellt Beziehungen zu einer Anwaltskanzlei in Bern her.
Nachdem 007 der Sache nachgegangen ist, gelangt er incognito zu Blofelds Hauptsitz in den Schweizer Alpen (herrliche, atemberaubende Aufnahmen). Dort betreibt Blofeld offiziell eine Forschungsstation für Allergietherapien. In Wahrheit natürlich schmiedet er jedoch finstere Pläne. Er möchte 10 in Therapie befindliche Mädchen durch Hypnose zu seinen "Werkzeugen" machen, die - wenn sie später wieder nachhause kommen - unwissend tödliche Erreger an 10 verschiedenen Orten (der Welt) gleichzeitig aussähen sollen. Damit sollen in weiterer Folge schließlich sämtliche Staatsoberhäupter erpresst und in die Knie gezwungen werden.
Natürlich wird ihm 007 dabei einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen. Allerdings fliegt dessen Tarnung, als er sich mit einigen der hübschen Frauen auf flüchtige Affären einlässt, zunächst auf und obendrein hat Tracy ihren Schatz in der Schweiz ausfindig gemacht, weshalb es ein überraschendes erneutes Aufeinandertreffen der beiden gibt.
Letztlich vereitelt Bond Blofelds Pläne, indem er sich in Wintersportprofimanier über steile Gletscherhänge stürzt, auf Seilbahngondeln herumturnt und mithilfe Verbünderter letzlich Blofelds erworbenes Quartier in die Luft fliegen lässt.
ABER: Blofeld, der nach einer mörderischen Verfolgungsjagd mit 007 gen Ende des Films aufgrund einer Querschnittlähmung an den Rollstuhl gefesselt ist, rächt sich bitter! 007, der herausgefunden hat, dass seine Liebe zu Tracy stärker ist als die zu König & Vaterland und sich diese unmittelbar vor dem Abspann zur Frau nimmt, gerät unvermutet - mit seiner Angetrauten im Wagen sitzend - durch ein überholendes Motorrad unter Beschuss. Bond, der daraufhin geschockt den Wagen anhält, bleibt zwar unverletzt, doch zu seinem Entsetzen muss er feststellen, dass Tracy tödlich getroffen wurde. Als ein vorbeikommender Polizist schließlich fragt, ob denn auch alles in Ordnung sei, erwidert ein gebrochener James Bond "Es ist alles gut... Wir haben alle Zeit der Welt!" Mit diesen Worten, die im Laufe des Filmes übrigens häufiger genannt werden (stimmig untermalt von Louis Armstrongs "We have all Time in the World"), weil Bond Tracy schon zuvor versprochen hat, sie zu heiraten und den Agentenjob zu quittieren und somit den Kreis quasi schließen, endet der Film dann auch. Ausnahmsweise mal kein Happy-End also!
Das traurigste und rührseligste Bond-Ende aller Zeiten - das aber weder kitschig noch unnatürlich oder überkanditelt rüberkommt... Vermutlich auch deshalb, weil eben ausgerechnet Lazenby dieses eine Mal James Bond verkörpern durfte...

Für mich insgesamt eine sehr runde Story, gänzlich ohne nervende Überlängen, logische Fehler oder sonstige nennenswete Schwächen. Wohl überhaupt einer der besten Bond-Plots überhaupt!
Zugute kommen mag OHMSS sicher auch, dass hier viele Szenen erstmalig auf Film gebannt wurden. Angefangen bei der Buggy-Verfolgungsszene vor dem Titelvorspann, wo Lazenby sogar ein zynischer und wirklich unterhaltsamer Kommentar über die Lippen kommt, als er mit den Worten "Das wäre dem anderen nie passiert", feststellt, dass das eben von ihm gerettete Mädchen (Tracy) sich soeben spurlos aus dem Staub gemacht hat, ehe er noch seinen Charme nachhaltig hatte ausspielen können.
Dann gibt es da noch einen spektakulären Kampf auf einer Seilbahngondel, ebenso erstmalige 007-Verfolgunsgjagden über verschneite Abhänge mittels Skiern, Bobs etc. Es fällt doch auf, dass viele dieser gelungenen Elemente in späteren Bond-Abenteuern kopiert werden sollten. Man denke nur an "Moonraker" (Seilbahn), "In tödlicher Mission" (Skiszenen, Bobbahn, Verfolgung durch Strandbuggys etc.). Auch hier wurden neue Maßstäbe gesetzt! Einzig Unterwasseraufnahmen hat man sich dieses Mal gespart - das wäre dann aber vermutlich auch zu viel des Guten gewesen, noch dazu, wo man ja bereits im Vorvorgänger "Feuerball" beinahe schon inflationär mit Aufnahmen dieser Art konfrontiert war.

Fazit: Im Nachhinein ist es verwunderlich, dass OHMSS - trotz vieler spektakulärer Stunts und einer neuartigen, interessanten und fesselnden Story - nicht der GROSSE Riesenmegaerfolg wurde! Dennoch sei hier der Vollständigkeit halber erwähnt, dass dieser Streifen durchaus kein Flop war, wie so oft so gern fälschlicherweise behauptet wird. Seine Produktionskosten hat OHMSS um ein Vielfaches wieder eingespielt. Lediglich verglichen an den boomenden Vorgängern blieb dieser Bond-Film hinter den hohen Erwartungen zurück.
Nochmal in aller Kürze: Tolle Drehschauplätze, hervorragende Einfangatmosphäre, melancholische (wirklich unter die Haut gehende, nicht künstlich aufgesetzte) Momente, großartige Bösewichter, das wohl wichtigste und einflussreichste Bondgirl aller Zeiten und - nicht zuletzt - auch noch ein durchwegs überzeugender Bonddarsteller, von dem ich nach wie vor der Meinung bin, dass er die beste Wahl - zumindest für dieses eine Mal - war.
Wie gesagt: So wenig ich mir (bei aller Sympathie für einen Sean Connery) einen der anderen Bond-Darsteller - anstelle eines Herrn Lazenby - für die Rolle in OHMSS vorstellen könnte, so wenig könnte ich mir - ganz ehrlich - in umgekehrter Weise einen Mr. Lazenby etwa in "Liebesgrüße für Moskau" oder "Octopussy" vorstellen...

Für mich ist "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" nach wie vor einer der atmosphärischsten Bonds, die jemals gedreht wurden!
Unter die Top 5 der besten Bond-Filme aller Zeiten würde ich den Streifen deshalb allemal wählen!!

In vielerlei Hinsicht einmalig - deshalb auch ein wahrer, verdienter und überaus authentischer Klassiker der Marke "007"!

Muss man eigentlich gesehen haben (als Bond-Fan sowieso). Klare 5 STERNE!
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 11, 2012 6:12 PM CET


James Bond 007 - Der Hauch des Todes
James Bond 007 - Der Hauch des Todes
DVD ~ Timothy Dalton
Preis: EUR 4,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Undankbares Erbe souverän gemeistert! Oder: "Willkommen in Österreich, 007!", 22. November 2012
Rezension bezieht sich auf: James Bond 007 - Der Hauch des Todes (DVD)
Wir schreiben das Jahr 1987: Roger Moore hat nach 7 erfolgreichen Bond-Abenteuern seine "Lizenz zum Töten" an den Nagel gehängt und gleichzeitig - während seiner 13jährigen Ära (!) - aus Bond eine Figur gemacht, die wohl ihm selbst näher kam als Ian Flemings Roman-Original.
Nicht selten bewegte sich Mr. Moore auf dünnem Eis, kratzte er an der Grenze des Erträglichen was seine ironische, oftmals (über)witzige Verkörperung Bonds anbelangt.
Nichtsdestotrotz hat er ein Vakuum hinterlassen als er - bereits 60jährig - in den 007-Ruhestand trat. Im Grunde genommen konnte - wer auch immer es sein mochte - Moores Nachfolger nichts anderes als enttäuschen...
An dieser Stelle muss man sagen, dass Timothy Dalton - obwohl er neben George Lazenby der umstrittenste Bond-Darsteller bis dahin war - ein überraschend gefälliges Debüt geglückt ist.
Härte war angesagt! Vielleicht kann man hier durchaus Parallelen zu Daniel Craig ziehen, der heutzutage ebenfalls (wieder) einen härteren und kälteren Bond auf der Leinwand repräsentiert. Vermutlich war der Bruch Moore-Dalton aber verhältnismäßig sanft, im Gegensatz zum radikalen Ärawechsel Brosnan-Craig. (Anm.: Zwischen Dalton und Pierce Brosnan sehe ich persönlich gar keine Bruchstelle. Trotz 6jähriger Unterbrechung hat Brosnan meiner Meinung nach ziemlich genau dort weitergemacht, wo Dalton aufgehört hat...) Denn obwohl Dalton oftmals etwas unterkühlt wirkt und imagemäßig eher einem durchschnittlichen Actionhelden nahekommt als einem Bond-Sir mit allen Facetten, hat er es auf erstaunliche Weise irgendwie geschafft, Bond ein neues Gesicht zu verleihen ohne die (auch damals bereits vorhandene) Tradition der 007-Reihe völlig zu missachten.
Zugute kam Herrn Dalton bestimmt die gute Story von "Der Hauch des Todes": Zunächst soll Bond einen Überläufer vom KGB schützen, ehe sich herausstellt, dass dieser nur ein Spiel spielt, um Ost und West gegeneinander auszuspielen und Verwirrung zu stiften, damit er ungestört mit einem Waffenschmuggler seinen höchstprofitablen Geschäften nachgehen kann. Natürlich wäre alles halb so interessant, gäbe es da nicht eine KGB-Agentin, die 007 gleich zu Beginn des Streifens absichtlich mit seinem Scharfschützengewehr verfehlt und - so wie zunächst auch Bond - nicht ahnt, welches intrigenhafte Spiel hier vonstatten geht... (Sie ist überdies die Geliebte des vermeintlichen Überläufers.)
Was diesen Bond meiner Meinung nach allerdings tatsächlich zu einem der besten seiner Sorte macht, sind die hervorragend gewählten Drehschauplätze! Mal ist man hinter dem Eisernen Vorhang (CSSR), mal in London, mal im verträumten Wien, dann plötzlich im Mittleren Osten und zwischendurch auch in Afrika. Die Mischung ist schlichtweg perfekt!
Und während sich Bond in der (ehemaligen) CSSR durch und über Schnee und Eis schlägt, so kämpft er sich in Asien durch brennend heißen Wüstensand.
Auch die Bösewichte können allesamt überzeugen. Das Bond-Girl ist eher nur mittelmaß, aber - so finde ich - keineswegs so schlecht, wie sie oft gemacht wird! Sie spielt für Bond-Girl-Verhältnisse eine recht ausgedehnte Rolle und meistert diese sehr passabel.

Irgendwie ist es verwunderlich, dass der große Ära-Wechsel nach "Gott" Moore so unspektakulär und reibungslos vonstatten gegangen ist - zumindest aus heutiger Sicht (und das spricht eindeutig für Timothy Dalton!). Da ich 1987 noch zu klein war, habe ich etwaige Diskussionen o. Ä. rund um die Moore-Nachfolge nicht mitbekommen.
Für mich jedenfalls steht fest, dass Dalton hier gezeigt und bewiesen hat, wie man 007 härter machen kann, ohne den Ruf bzw. die Tradition der Bond-Reihe hammerschlagartig zu zertrümmern.

Ja, "Der Hauch des Todes" ist explosiver, schneller und auch etwas spritziger als seine Vorgänger, aber durch M, Q, Moneypenny, Felix sowie ein gutes Drehbuch und letztlich einen überzeugenden Mr. Dalton, bleibt sich die Bond-Reihe hier selbst treu.
Für mich persönlich war "Der Hauch des Todes" lange Zeit einer meiner Favoriten in der Bond-Serie. Zwar hat er mittlerweile (mit ansteigendem Alter meinserseits) etwas gegen Sir Connery und teilweise auch Moore (und Lazenby und sogar Brosnan) eingebüßt, unter die Top-10-Bonds würde ich ihn jedoch auch heute noch reihen.

Kurzum: Ein sehr zufriedenstellendes Gesamtergebnis, das unbestreitbar mit dem "Bond-Siegel" gekennzeichnet ist!


James Bond 007 - Octopussy
James Bond 007 - Octopussy
DVD ~ Sir Roger Moore
Preis: EUR 6,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meines Erachtens eine klare Steigerung zu den beiden Vorgängern!, 20. November 2012
Rezension bezieht sich auf: James Bond 007 - Octopussy (DVD)
Obwohl man Sir Roger Mooren bei seinem vorletzten Einsatz als 007 tatsächlich das Alter stellenweise schon ein wenig anmerkt (allerdings bei weitem noch nicht in dem Maße wie bei "Im Angesicht des Todes"), ist es einer meiner Lieblings-Moore-Bond-Streifen!

Zum einen liegt das an den äußerst gelungenen Schauplatzwechseln (das kunterbunte Indien samt Schlangenbeschwörern wird hierbei ebenso atmosphärisch gekonnt gezeigt wie eine isolierte, von Frauen bewohnte Insel oder die "graue" DDR-Tristesse), zum anderen an der wirklich ansprechenden Spionagestory.
Agent 009 ist zu Beginn des Films einem Geheimnis auf der Spur, als er - schwer verletzt - vor dem Eingang der britischen Botschaft (in der BRD) zusammenbricht und (tragischerweise im Tarn-Clownkostüm) verstirbt.
Nun wird 007 beauftragt dieses Geheimnis zu lüften. Natürlich geht es letztlich um kein geringeres Ziel, als die Vereitelung einer Atombombenexplosion, die sich ein sowjetischer Hardlinergeneral (namens Orolov) als Vorwand für ein Einrücken der Roten Armee in Westeuropa zunutze machen will (nachdem er mit seinen radikalen Einmarschplänen bei ranghohen Sowjetmilitärs abgeblitzt ist, versucht er es mithilfe skrupelloser Bösewichter).
Aber die Story ist behutsam aufgebaut und trotz verhältnismäßig geballter Action und einiger Moore-typischer Zynikersprüche ein richtiger Spannungsakt.
Wer der Meinung ist, vieles wirke uferlos übertrieben und "aufgesetzt", der schaue sich doch bitteschön zum Vergleich "In tödlicher Mission" oder "Moonraker" an, wo Moore mit Alpinskiern über eine Schiprungschanze brettert (und natürlich gekonnt-elegant landet) oder im Weltraum mithilfe eines verliebten und verbrüderten Beißers (wie kitschig ist das denn bitte) eine Star-Wars-Schlacht für sich entscheiden muss...
Kurz: Im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern ist "Octopussy" wieder mal eine (relativ) "nüchterne" typische Spionagegeschichte, die 007 sogar hinter den Eisernen Vorhang führt!
Auch die Gegenspieler sind dabei keineswegs zu verachten. Maud Adams (Octopussy) und Louis Jourdan (Khan) sind intrigenhaft miteinander verbandelt (dazu kommt noch der bereits eingangs erwähnte fanatische Sowjetgeneral Orolov) und scheinbar zu allem bereit, um ihre Ziele zu verwirklichen...
Auch an untergebenen Bösewichtern mit Kult-Charakter fehlt es nicht - selten gab es innerhalb eines Bond-Streifens mehr an der Zahl: zwei messerwerfende Zwillingsbrüder (die einst auch 009 umgebracht hatten), ein böser Inder mit einer mörderischen Jo-Jo-Kreissäge...

Zwar mag so manches an "Octopussy" (inkl. des zugegebenermaßen ziemlich verunglückten Titels) "unecht" wirken, aber Leute, jetzt mal ehrlich: Ist euch das, was euch da gegenwärtig als "James Bond" verkauft wird, wirklich lieber? Ein alkoholkranker Waisenjunge, der nur dann (annähernd) Glück und Zufriedenheit ausstrahlen kann, wenn er jemanden für König(in) & Vaterland ins Jenseits befördet??... Ich denke, dass dieses Bondbild, das da gerade zu kreieren versucht wird, dem bislang zeitlosen Image mittelfristig erheblichen Schaden zufügen könnte. Ich möchte ja nicht einmal ausschließlich Daniel Craig allein die Schuld dafür geben, dass punkto Atmosphäre und "Bond-Stil" seit seinem Amtsantritt die Luft ziemlich draußen zu sein scheint. Aber gut, lassen wir das jetzt...

"Octopussy" ist für mich neben Moores 007-Debüt "Leben und sterben lassen" sowie dem drauffolgenden "Der Mann mit dem goldenen Colt" einer seiner 3 besten (von insgesamt 7) Auftritten als James Bond!
Und immerhin hat sich Moore (trotz teils übetriebener Ironie, die wohl ihm selbst als Charakterdarsteller mehr zugute kam als der Romanfigur Bond und trotz merklicher Überalterung im letzten Einsatz, als er 60jährig ins "Angesicht des Todes" schaute) keinen einzigen wirklichen "Tiefschlag" erlaubt. Zwar halte ich z.B. "Moonraker" (trotz seiner positiven Momente) stellenweise für grenzwertig, dennoch kann Moore insgesamt nur noch ein Sir Sean Connery das Wasser reichen - und der ist und bleibt wohl auf ewig meine Lieblingsverkörperung des berühmtesten Geheimagenten der Welt...
Nur der Vollständigkeit halber: Ich halte auch das allseits hochumjubelte "Der Spion, der mich liebte" (Bond Nr. 3 der Moore-Ära) für gelungen, alledrings ist es nicht mein persönlicher Favorit, da hier Moore der Figur James Bond erstmals unverkennbar seinen Stempel aufdrückte, was meines Erachtens bei den ersten beiden Moore-Streifen eben noch deutlich weniger prägnant der Fall war und meinem Geschmack halt irgendwie näher kommt...

Fazit: "Octopussy" brachte einst neuen Schwung in die zu jener Zeit schon sehr auf Moores Charakter zugeschneiderte Agenten-Serie. Vor allem die Schauplätze (und deren toll eingefangene Atmosphäre) und die Story (also der Plot) können sich sehen lassen und schaffen es auch heute noch - fast 30 Jahre später - Spannung und Begeisterung hervorzurufen, vorausgesetzt freilich, man ist in der richtigen Stimmung für einen chilligen Bondabend ;)

Mein Gesamturteil lautet daher: 5 STERNE.

P.S. Moores ausgeprägter Sinn für Humor wirkt in diesem Streifen nicht albern und ist auch für Moore-Gegner (hinsichtlich der wirklich guten Story) locker verschmerzbar, würde ich meinen.

Gehört mit Sicherheit zu den 10 besten der Bondchronologie!


Desire
Desire
Preis: EUR 5,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Atmosphärisch gutes Album, aber für mich dennoch kein Dylan-Klassiker!, 18. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Desire (Audio CD)
So sehr ich mich hier gleich auf Anhieb mit sämtlichen Dylan-Verehrern verfeinden werde (obwohl ich selber auch einer bin - einfach bei Interesse Rezis nachlesen), muss ich sagen, dass ich "Desire" im Allgemeinen etwas zu hoch eingeschätzt finde.
Offengestanden (um hier gleich aufs Ganze zu gehen) geht's mir beim ebenfalls regelmäßig euphorisch hochgejubelten Vorgänger (Anm.: "Blood On The Tracks") ähnlich.

Trotz einzelner Tracks, die durchaus "symbolisch" für die genialen Fähigkeiten eines Bob Dylan als Paradebeispiele gekonnten Musikschaffens problemlos herangezogen werden könnten, sind diese Alben für meinen Geschmack insgesamt nicht Dylans beste. Klar: Die Auswahl an guten und sehr, sehr guten Scheiben der Marke "Dylan" ist mittlerweile gewaltig. Vor allem auch die neueren Scheiben (also weg von "Time Out Of Mind") halte ich für großartig!
Dennoch würde ich sagen, da ich hier sehr um Objektivität (freilich subjektiv gefärbt) bemüht bin, dass "Desire" nicht zur Spitze des dylnischen Everest-Universums zählt. Da gibt's schon noch ein paar andere Kaliber (Geschmackstoleranz freilich inbegriffen)...

Zuerst aber zum Positiven: Zuvor besagte einzelne Vorzeige-Tracks wären meines Erachtens etwa "Hurricane" (der Eröffnungstitel von "Desire") - eine Art Pop-Folk-Ballade, die lyrisch die (tragische) Geschichte eines schwarzen Boxers aufarbeitet. (Im Falle von "Blood On The Tracks" würde ich da ans geniale "Tangled Up In Blue" denken, das mir sogar noch eine Spur besser gefällt.)
Aber ansonsten halte ich "Desire" nicht für soooooooo genial wie offenbar ein großer (anderer) Teil der Fananhängerschaft. Mag sein, dass die "Zigeuneratmosphäre", die sich als Roter Faden durch alle neuen Tracks zieht, stimmig ist und die Albumatmosphäre somit nachhaltig abrundet. Dennoch gibt's da durchaus einige Dylan-Werke, übrigens ebenfalls stimmig konzipiert, die mit mehreren Einzelkalibern dieser Art aufwarten können.
So gut wie z.B. "Oh Mercy" oder das zuvor schon erwähnte "Time Out Of Mind" oder auch das großartige "Bringing It All Back Home" (um hier stellvertretend ein paar Beispiele zu nennen) gefällt mir hiesige Scheibe einfach nicht.
Natürlich haben die Songs durchaus ihren Reiz, aber ich persönlich habe "Desire" nicht halb so oft aus dem CD-Regal genommen wie andere Scheiben des Großmeisters.
Vermutlich liegt das ganz einfach (einmal mehr) wieder nur am persönlichen Geschmacksempfinden. Denn: "Infdidels" z.B., das hier um Zuge der Rezensionen auch von irgendwem genannt wurde, halte ich ebenfalls für ziemlich stark überbewertet, obgleich es selbstverständlich seine guten Momente hat - keine Frage...
Aber so wirklich schlechte Dylan-Alben gibt's halt in Wirklichkeit kaum!

Fazit: "Desire" ist ein kompaktes, stimmiges Folkalbum im "Zigeunertouch". Der Eröffnungstrack "Hurricane" ist wohl auch solchen Menschen ein Begriff, die nur sehr spärliche Plattensammlungen besitzen.
Jenen Leuten würde ich indes nicht unbedingt raten sofort zu "Desire" zu greifen, wenn sie denn den Entschluss fassen sollten, ihre Dylan-Sammlung ein wenig aufzustocken.
Ja, ich glaube, dass es geeignetere, weil in gewisser Hinsicht "vielschichtigere" Alben gibt, die man zunächst besitzen sollte, um einen Bob Dylan kennen- und lieben lernen zu können!

Macht von mir aus 3-4 Sterne insgesamt (und ich tendiere hier absichtlich ausnahmsweise mal zur schwächeren Bewertung). Freilich werden wahre Dylan-Fans nicht an dieser Scheibe vorbeikommen, ich könnte dennoch (ohne große Mühe) 10 Dylan-Alben aufzählen, die meines Erachtens essenzieller als "Desire" sind.
Nichts für ungut, aber Meisterwerk ist das hier in Summe keines. Es ist gut und solide, das war's dann aber auch schon...

Hört rein und entscheidet selbst! Meines Erachtens jedenfalls kein unbedingtes Must-Have.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 21, 2012 7:24 PM CET


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