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Rezensionen verfasst von
Michael Krautschneider "Filmfan & Musikliebhaber" (Scheiblingkirchen, Niederösterreich)
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Saved
Saved
Preis: EUR 10,98

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ambitioniertes "Gospelwerk", das auch heute noch teils heftig kritisiert wird!, 7. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Saved (Audio CD)
Obwohl ich mich selbst als eingefleischten Dylan-Verehrer bezeichnen würde, habe auch ich mir längere Zeit schwer getan mit der sogenannten "Bekehrungsphase" Dylans, in der sich der begnadete Songwriter und Poet sehr eindeutig religiös-biblischen Inhalten zuwandte.
Wie schon richtig festgestellt wurde, begann diese Phase im Grunde bereits mit Veröffentlichung des Vorgängeralbums "Slow Train Coming", das kurz nach seiner Veröffentlichung interessanterweise durchwegs positiven Widerhall von Fachpresse und Fans erfuhr, während "Saved" deutlich kritischer beäugt wurde. Ein Teil der dyl'nischen Anhängerschaft fühlte sich (laut eigenen Aussagen) gar betrogen und konnte mit dem Wandel des einstigen Protestsongsingers so gar nichts mehr anfangen...
Was sollte das? Was wollte ihnen das große Idol damit sagen? Hatte er überhaupt noch etwas zu sagen?

Auch die Plattenfirma schüttelte empört den Kopf und lehnte die Platte entschieden ab. Bob Dylan war in mehrerlei Hinsicht an einer Art Scheideweg angelangt...

Aus heutiger Sicht, also im Nachhinein gesehen, ist dieser "Wandel" Dylans vielleicht gar nicht so schwer nachvollziehbar, selbst wenn da einige ewigschmollende Nörgler ihr Veto einlegen werden.
War es denn nicht auch Bob Dylan, der Mitte der 60er mit "Bringing It All Back Home" und "Highway 61 Revisited" nahezu Revolutionäres für die Folk-Pop-Rock-Musik geleistet hatte?
Hatte man - gut 15 Jahre später - schon vergessen, wie er "Judas" geschimpft und von Folkpuristen ausgebuht wurde, als er mit einer elektrischen Gitarre bewaffnet die Bühne betrat?
Und: Hatte man vergessen, dass gerade diese "Haltung" einen Bob Dylan ausmachte, der stets das zu tun schien, was er für richtig hielt?

Langer Rede kurzer Sinn: Eigentlich hätte man zu Beginn der 80er bereits wissen müssen, dass Bob Dylan selten am Geschmack der breiten Masse interessiert war. Wenn er sich denn nun tatsächlich "bekehrt", "erleuchtet" und "erlöst" fühlte, warum sollte er dann nicht das tun, wofür man schwarzhäutige Gospelsinger bewunderte?
Gut, Dylan war (und ist) kein Schwarzer und zugegebenermaßen wirkt es stellenweise tatsächlich ein wenig befremdlich, wenn ein Kaliber wie Bob Dylan auf einmal Bibelstellen zu rezitieren scheint.
Dennoch liegt soviel Herzblut und Begeisterung in diesen Songs, dass man auch heute noch davon ausgehen kann, dass es Mr. Dylan mit "Saved" bestimmt ernst gemeint hatte.
Und: Wenn einem die Texte nicht zusagen, dann gibt es ja immerhin auch noch die Musik - und Dylans Begleitband jener Tage war wirklich gut in Schuss! Musikalisch könnte ich "Saved" jedenfalls selbst beim schlechtesten Willen nichts vorwerfen.
Vor allem der Einstieg mit dem Cover "Satisfied Mind" und dem darauffolgenden Titeltrack ist bombastisch! Es ist, als würde jemand die Tür zu einem lange verschlossenen, geheimnisumwobenen Raum gewaltvoll auftreten - so viel Energie und Leidenschaft steckt hier mitdrinnen!
Freilich ist nicht jeder der insgesamt 9 Tracks auf "Saved" ein absoluter Kracher, dennoch würde ich die Scheibe persönlich insgesamt etwas über das vielgerühmte "Infidels" stellen, das - ähnlich wie "Slow Train Coming" - weitaus besser aufgenommen wurde, obwohl es im Prinzip dieselben Inhalte behandelt.
Ich weiß nicht, wie weit "Saved" - auch heute noch - schlichtweg die bleierne Last der damaligen schlechten Presse anhaftet. Aus heutiger Sicht verstehe ich die Kritik am Menschen Bob Dylan noch viel weniger, weil er sich halt mal eine Zeit lang mit mehr oder minder religiösen Inhalten auseinandergesetzt hat. Vermutlich war es für ihn ganz einfach einmal an der Zeit, genau dies zu tun. Und betrachtet man diese "Phase" Dylans, so muss man fairerweis doch auch feststellen, dass von "Slow Train Coming", "Saved", "Shot Of Love" und "Infidels" doch einige schöne Songs geblieben sind, die nichts an ihrem Reiz, ihrer Aktualität (aber das haben Dylan-Songs sowieso nie, finde ich) eingebüßt haben...

Fazit: "Saved" ist ein in Beton gegossenes Mauerblümchen, an dem sich bis heute die Geister scheiden. Diejenigen, die Begeisterung für den Esprit und die schwungvollen Glücksmomente auf der Platte entwickeln können, verweisen mit Recht darauf, dass es bei Musikalben schon auch um die Musik und nicht (nur) ausschließlich um Texte und Inhalte geht - selbst in Dylans Fall!
Kritiker, die sich nach wie vor darauf versteifen, dass es nicht authentisch und/oder nachvollziehbar wäre, warum sich Mr. Dylan damals plötzlich verstärkt dem Glauben widmete, mögen - vor allem die Lyrics betreffend - schon auch nicht gänzlich unrecht haben, dennoch ist es allemal besser sich mit Leben, Tod, Schuld, Sünde und Auferstehung zu befassen, als mit Anfang 40 (nochmal) zur Nadel zu greifen oder sich voll und ganz der Völlerei (in welche Richtung auch immer) hinzugeben - oder etwa nicht?

Mal ehrlich: Wäre uns ein skandalträchtiges Poeten-Pop-Genie, das vom Weltuntergang und vom kommenden 3. Weltkrieg singt wirklich lieber gewesen? Noch dazu, wo sich Herr Dylan ja schon in früheren Jahren bereits eingängig mit diesen Themen beschäftigt hatte (man höre z.B. "The Times They Are A-Changing").
Meine Meinung dazu: Wenn ein Vierzigjähriger, der schon so ziemlich alles bis dahin probiert hatte, seinen Gefallen an mitreißenden Gospelmelodien plus biblischen Themeninhalten gefunden hat, ohne dabei irgendjemandem in irgendeiner Weise etwas vorzumachen, dann ist das so in Ordnung.
Wie gesagt bin auch ich nicht der Megafan dieser "Bekehrungsphase", dennoch spüre ich (auf die gesamte Phase blickend), wie mir eine Gänsehaut aufläuft, wenn ich Songs wie "I Believe In You" ("Slow Train Coming"), "Satisfied Mind" & "Saved" ("Saved") oder z.B. "Jokerman" ("Infidels") in mich aufsauge - um hier nur einige Beispiele zu nennen. Hier hat sich wirklich jemand etwas dabei gedacht. Das Meiste, was Mr. Dylan in jenen Tagen gemacht hat, hat jedenfalls (auch heute noch) zweifelsfrei Hand und Fuß und viel, viel Herz!

Deshalb halte ich es auch für angebracht, "Saved" - so objektiv wie möglich gesehen - 4 STERNE zu verleihen!

P.S. Die Einsternebewertungen halte ich offengestanden für übertrieben und etwas kindisch. Wenn man seinen Groll über das System "Kirche" loswerden möchte, dann doch bitte auf anderem (friedlichem) Wege.
Hätte der gute Mann besser den Satan besingen sollen??

In diesem Sinne - liebe Dylan-Freunde, gebt "Saved" & Co. eine Chance, komplettiert eure Sammlung (bis auf einige Ausnahmen), vertraut eurem Geschmack und erfreut euch an zeitloser Musik zwischen Gospel, Folk und Blues und Rock!
Unterschätzt nie einen Bob Dylan, schon gar nicht, wenn es euch die anderen vorschreiben wollen ;)

Nicht zu vergessen: Der Sound der Scheibe ist abslolut phantastisch! Er kommt sehr "tight" (an den richtigen Stellen) und gleichzeitig aber mit aller nötigen "Wärme" daher. Vor allem die Piano- und Schlagzeugaufnahmen sind ein Hammer! "Saved" klingt wie ein Live-Album, ohne jegliche Störeinflüsse.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 24, 2012 9:25 PM CET


Futurama Season 5 [2 DVDs]
Futurama Season 5 [2 DVDs]
DVD ~ Matt Groening
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Endlich eine "richtige" Fortsetzung der Kultreihe! Und: Das POSITIVE überwiegt!!, 30. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Futurama Season 5 [2 DVDs] (DVD)
Eigentlich hatte ich mich schon abgefunden damit, dass mit Veröffentlichung der Futurama-Spielfilm-Box endgültig Schluss sei. Als ich dann zufällig eines Abends noch mitansehen musste wie diese Spielfilme, zerstückelt auf Serienlänge, in Fortsetzungsepisoden via TV ausgestrahlt wurden, war mir dann wirklich nicht mehr zum Lachen zumute. Hier wollte man offenbar nur noch irgendwie Geld scheffeln... (Obwohl wenigstens 2 der Spielfilme - im Ganzen gesehen - wirklich gelungen sind!)

Umso erfreuter aber war ich dann, als ich unverhofft Season 5 in einem DVD-Regal liegen sah. Season 6 ist ja auch schon fix und fertig und kommt demnächst auch im deutschen Sprachraum ins Angebot sämtlicher Elektronikfachmärkte.
Mir, als "altem" Fan der Serie, fielen da gleich mehrere Steine vom Herzen!

Und, gleich vorweg: So richtig kann ich die vielen eher negativen Kritiken nicht nachvollziehen!

Erstens: Der Kaufpreis mag zwar im Gegensatz zu den älteren Staffeln doch recht hoch angesetzt sein, dennoch (Hand aufs Herz) muss man sich vor Augen halten, dass man um 25 € (und ich hab's sogar schon wo um 20 € gesehn) immerhin 13 brandneue Episoden angeboten bekommt, die noch dazu in einer sehr stylisch gestalteten Box ihren Platz gefunden haben - und das auf 2 DVDs, die sehr praktisch in die Hülle eingelegt sind, so dass auch ein mehrmaliges Rein- und Rausnehmen, ohne einen der Silberlinge zu beschädigen, problemlos gewährleistet ist.

Zweitens: Auch ich war speziell vom Beginn dieser (in Wahrheit halben 5. Season) etwas enttäuscht. So richtig bissig, durch und durch schwarz und (mehr oder weniger) gesellschaftskritisch sind einige der neuen Episoden tatsächlich nicht. Dennoch schaffen es die altvertrauten Charaktere um Fry, Bender, Dr. Zoidberg & Co., neben ihren gewohnten Nebenprotagonisten (wie z.B. dem legendären Zapp B.), ein Lächeln beim Zuschauer hervorzuzaubern.
Hinzu kommt noch, dass auch auf dieser 5. Staffel einige echte Perlen vorzufinden sind. Ich denke da beispielsweise an "Der Da-Blöde-Vinci-Code", in dem wir erfahren, dass Jahrtausendgenie Leonardo da Vinci in Wirklichkeit ein Außerirdischer ist, der einst nur deshalb auf die Erde gekommen war, weil er auf seinem Heimatplaneten als der dümmste seiner Spezies galt und ganz einfach auch einmal bewundert werden wollte. Hier entladen sich für meinen Geschmack Pointen am laufenden Band. Und keinesfalls trifft das nur auf diese eine Episode zu...
Außerdem muss man fairerweise dazusagen, dass auch nicht jede Einzelepisode der 4. Staffel ein absoluter Knaller war.

Kurzum: Ich bin froh, dass FUTURAMA endlich, endlich im "würdigen", liebevollen Serien-Format fortgesetzt wurde (und hoffentlich noch länger wird) und bereue auch den Erwerb dieser Box keineswegs.
Staffel 6 (oder besser gesagt der 2. Teil der 5. Season) habe ich jedenfalls schon fix bei einem meiner nächsten Einkäufe eingeplant...

Mein Tipp: "Alteingesessene" Fans sollten nicht den Fehler machen und jede Einzelepisode mit den Highlights der Vorgängerstaffeln vergleichen. Wenn man schon mit der Erwartung Fernseher & DVD-Player einschaltet, dass da ohnehin nichts Neues, Zündendes mehr kommen kann, ja wozu kauf ich mir die neue Staffel dann überhaupt??...

Dennoch seien auch mir zwei kleine Kritikpunkte gestattet: Beim ersten Abspielen von DVD 1 muss man wohl tatsächlich zunächst den zweieinhalbminütigen, rein englischen Vorlauf (samt Raubkopiererwerbung - will man hier ehrliche Käufer strafen??) über sich ergehen lassen, ehe man mittels DVD-Player-Menü (!!) alles auf seine Landessprache umstellen muss. Irgendwie ist da leider wirklich ein bisschen herumgemurkst worden...
Und: Die deutsche Synchronstimme von Zapp B. ist irgendwie eigenartig. Hier dürfte wohl ein neuer Sprecher eingesetzt worden sein. Jedenfalls hat mir die alte Stimme von Zapp besser gefallen, weil der "Unterton meines Erachtens irgendwie besser zu dieser Figur gepasst hat...

Aber ansonsten ist alles gut. Echte Freunde der Serie und Neugierige sollten sich durch die hier teils eher nicht so tollen Kritiken nicht abschrecken lassen. Ein Kauf lohnt sich in jedem Fall, wie ich finde!

Insgesamt: GELUNGEN - chaotisch, charmant, schwarz und bissig wie eh und je!

Wie gesagt hatten auch die ersten 4 Staffeln den einen oder anderen Durchhänger. Das gehört zu einem Gesamtpaket nun mal auch dazu und ist meines Erachtens relativ leicht verschmerzbar, da in Summe auch Season 5 mit ausreichend gelungenem Material bestückt ist...

Bitte nicht wieder aufhören - mehr davon!!


Tempest (Deluxe Edition)
Tempest (Deluxe Edition)
Preis: EUR 9,97

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neues vom Meister..., 13. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Tempest (Deluxe Edition) (Audio CD)
...und die poetisch-musikalische Saat, die er da mittels seines heiß ersehnten 35. (!) Studiowerkes namens "Tempest" angesetzt hat, wächst und gedeiht immer weiter in den Ohren derer, die genug Geduld und Liebe und Leidenschaft dafür mitbringen.
Ehrlich: Es ist offengestanden ziemlich schwierig halbwegs objektiv über dieses Neuwerk von His Bobness zu urteilen, wenn man - so wie zugegebenermaßen auch meine Wenigkeit - schon seit geraumer Zeit mit dem Dylan-Fieber infiziert ist...

Wenn ich genau darüber nachdenke, dann war ich von "Time Out Of Mind", "Love & Theft", "Modern Times" und wohl auch "Together Through Life" beim ersten Mal reinhören wohl mehr angetan, als von vorliegendem Silberling. (Obwohl ich die drei erstgenannten Spätwerke aufgrund meines Alters erst im Nachhinein erworben und für gut bzw. hervorragend befunden habe).
Dennoch schwingt etwas Undefinierbares, Wunderbares in mir seit Hördurchgang Nr. 2 schon mit, wenn ich mir "Tempest" zu Gemüte führe. Vom jetzigen Standpunkt aus - und ich geh jetzt mal davon aus, hierauf noch einiges zu entdecken - würde ich "Tempest" als in sich geschlossenes, kompaktes Gesamtkunstwerk bezeichnen, das mit radiotauglichen Mitsummtracks wie "Soon After Midnight" ebenso punkten kann wie mit kratzig interpretierten Old-School-Blues-Nummern alias Robert Johnson in Neu-Elektrisch (in einem weiteren Sinn freilich) wie z.B. dem Opener "Duquesne Whistle" (das übrigens als einziges hierauf enthaltenes Stück nicht ausschließlich aus Dylans Feder stammt, wenn man den Credits glauben darf) oder etwa "Narrow Way". Der Track "Early Roman Kings", dessen sich stets wiederholende Melodiebögen stark an Muddy Waters "Mannish Boy" erinnern, fällt wohl eher in die Kategorie "Klassik-Blues", zusätzlich ausgeschmückt mit Akkordeon und Mundharmonika.
Dazwischen findet man Sentimentales, Kautziges ("Pay In Blood", z.B., klingt in meinen Ohren wie eine dylaneske Jazz-Blues-Crossover-Version der (tollen) Stones-Nummer "Hand Of Fate" (falls das einer der hiesigen Leser kennen sollte...), Nachdenkliches und einen stolzen 13-Minuten-Song über den Untergang der Titanic, der übrigens auch dem Album seinen Titel verleiht. Will hier ein Bob Dylan gar einem Friedrich Schiller (die Bürgschaft u.ä.) Konkurrenz machen?
Es fällt mir in dieser Frühphase des Hineinhörens offengestanden noch etwas schwer, hier und jetzt schon persönliche Favoriten, sprich Anspieltipps preiszugeben. Aber ich denke, dass das zuvor bereits angesprochene "Soon After Midnight" unschwer Zugang zu sämtlichen Hörerschichten finden dürfte...

Fazit: Ist das nun also das neue beste, unvergleichliche, Überdrübermörder-Bob-Dylan-Alterswerk?? Mitnichten. Stimmlich gefällt mir Bob Dylan fast immer besser. Trotz aller Kratzbürstigkeit wohnt seinem gewohnt genial phrasierten Gesang etwas Herzerfrischendes bei. Man merkt beim Hören - ganz unwillkürlich - dass es wohl recht entspannte Sessions gewesen sein dürften. Nun: Warum auch nicht? Wem müsste Bob Dylan denn auch noch etwas beweisen, außer sich selbst höchstens?? (Man siehe die Unzahl an Titeln und Preisen, mit denen dieser Ausnahmekünstler bereits (zurecht) geehrt wurde. Der Literatur-Nobelpreis folgt ganz sicher bald, lieber Mr. Zimmermann!) Und: Die Band ist schlichtweg großartig. Hier haben Musiker zusammengefunden, die füreinander bestimmt zu sein scheinen. Hier greift - mühelos und selbstverständlich - ein Rädchen ins andere, um sich nahezu perfekt zu ergänzen. Und: Der Sound passt. Erstens ist alles schön herauszuhören und zweitens hört sich gleichzeitig alles authentisch an. Hier klingt wirklich nichts unnötig gekünstelt oder hineingepfercht...

Dass "Tempest" nun, obwohl es zunächst einmal (für meinen Geschmack halt) nicht ganz an "Time Out Of Mind", "Love & Theft" oder auch "Modern Times" heranreicht (aber das kann sich wie gesagt ja auch noch ändern), trotzdem ohne jeden Zweifel ein verdientes 5-Sterne-Album ist, liegt einfach daran, dass eben genannte Platten so verdammt gut waren, dass sie - Hand aufs Herz, liebe Dylan-Freunde - eben schlechtestenfalls mit anderen 7-Sterne-Werken konkurrieren könnten.
Ich übertreibe? Gut. Dann, liebe Leser, zieht Euch schleunigst alles von "Time Out Of Mind" bis (inklusive) "Tempest" rein - und dann sagt doch mal ruhigen Gewissens, ich hätte gelogen...

Nach wie vor bin ich ungebrochen von Bob Dylan und seiner Musik begeistert. Roll on, Bob, roll on...

Für mich bislang eines der HIGHLIGHTS des heurigen Musikjahres. 5 Sterne deshalb auch meinerseits!

P.S. Dass Musik generell nicht zwangsläufig modischen Trends unterliegen muss, wenn sie von Herzen kommt und gut gemacht ist, unterstreicht Bob Dylan mit "Tempest" nur ein weiteres Mal. Die Scheibe klingt zeitlos und charmant wie eh und je...


Columbo - Die komplette achte Staffel [3 DVDs]
Columbo - Die komplette achte Staffel [3 DVDs]
DVD ~ Peter Falk
Wird angeboten von filmrolle
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Starkes COMEBACK ohne (den befürchteten) Retro-Retro-Effekt!, 21. Juli 2012
Seinen berühmt-berüchtigten ewig zerknitterten Trenchcoat hatte Peter Falk alias Columbo angeblich 10 Jahre lang in seinem (oder einem seiner) Kleiderschrank (oder Kleiderschränke) aufbewahrt. Schwieriger hingegen gestaltete sich das Auftreiben seines verbeulten Wagens. Angeblich gab es in den USA noch ganze 3 (!) Stück dieses Exemplars - und dann musste es auch noch halbwegs fahrtüchtig gemacht werden...

Wie auch immer. Jedenfalls ist es irgendwie gelungen Ende der 80er ein furioses Columbo-Comeback einzuleiten. Und trotz der zuvor kurz erwähnten typischen Columbo-Merkmale ist es kein Comeback, das sich vorwerfen müsste nur ein Retro-Abklatsch der erfolgreichen 70er-Jahre-Episoden zu sein. Es ist tatsächlich gelungen Columbo zeitgemäß darzustellen und den Kultinspektor mitsamt all seinen Marotten (und Markenzeichen) in die Jet-Set-Welt der Spätachtziger bzw. Frühneunziger einzuführen, ohne dass der Charme der Serie nachhaltig darunter gelitten hätte. Freilich: Dieser "altbackene" (ist aber nicht böse gemeint) Charme, den die ersten 7 Staffeln einfach auch ihrer Entstehungszeit zu verdanken haben (atmosphärisch gesehen) ist großteils verschwunden. Dennoch hat man es geschafft, die Reihe würdig fortzusetzen, ohne dass dem treuen Columbo-Fan etwas abginge. Ich glaube jedenfalls, dass das immer noch weit besser ist, als wenn man Peter Falk dazu gezwungen hätte, sich sein Haupt pechschwarz zu färben und einen auf "Jugendlich" (obwohl er ja so auch in den älteren Folgen nie war) zu machen. Die Tollpatschigkeit jedenfalls steht dem leicht ergrauten Inspektor nicht schlechter als seinem jüngeren Ebenbild, wie ich finde. Peinlich gewesen wäre es nur, wenn man Herrn Falk und somit auch Columbo nicht würdig hätte altern lassen. Dass die Widersacher nun häufig deutlich jünger sind als Columbo stört mich ebenfalls nicht. Es macht Spaß dem gerissenen alten Fuchs dabei zuzusehen, wie er arrogante Jugendlichkeit und Überheblichkeit aufs Glatteis führt. (Er scheint das phasenweise sogar zu genießen.) Das ist soweit mal meine Meinung hierzu. Kümmern wir uns jetzt um die Einzelepisoden der 8. Staffel...

Eins noch zuvor: Insgesamt setzt sich diese Box (leider wieder ohne Extras, aber die Folgen an sich reichen schon aus, um zu erfreuen) aus 3 DVDs mit 6 Episoden (2 pro Silberling) zu je (ca.) 90 Minuten Spielzeit zusammen. Macht in Summe also ein mehr als ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis würde ich sagen.
Nun aber endlich zu den Folgen im Einzelnen...

Bewertungsschema: + bis +++++ - wie bei der amazon-Skala!
(!) sollen andeuten, dass es sich hierbei um eine Kultfolge handelt, die Columbo-Verehrern keinesfalls entgehen darf!

- DVD 1 -

TÖDLICHE TRICKS
Ein Hellseher namens Elliott Blake beseitigt kaltblütig einen ehemaligen Busenfreund (den Magier Max), mit dem er einst im Gefängnis gesessen hatte. Dieser droht nämlich damit, ihn und seine faulen Tricks auffliegen zu lassen, womit dem skrupellosen "Zauberer" ein millionenschwerer Auftrag seitens der CIA abhanden kommen würde...
Auffällig bei dieser ersten Episode seit über 10 Jahren (!) ist, dass man relativ lange auf Columbos Erscheinen warten muss. Generell ist es bei den neueren Folgen so, dass Columbo immer erst nach 15 bis 20 Minuten in Erscheinung tritt. Und bei dieser Folge zerrt das natürlich besonders an den Nerven, weil man endlich wissen möchte wie sich der Kultinspektor im Rentenalter so macht...
Soviel sei verraten: Er macht sich großartig. Columbo legt dem Täter das Handwerk wie zu seinen besten Zeiten. Natürlich hat er es hierbei mit jeder Menge an faulem Zauber zu tun. Aber der Inspektor lässt sich so leicht nicht täuschen...
Ungewöhnlich bei dieser Folge ist vor allem das Mordwerkzeug, eine Guillotine! Noch besser ist die Art und Weise, wie Columbo die vermeintlich "hellseherischen" Fähigkeiten seines Widersachers entschlüsselt: Am Ende stellt sich ein kompliziert inszenierter Sehertrick als simples Logikspiel heraus. Aber ganz ehrlich: Ich wär da nie draufgekommen...
In Summe eine starke erste Comebackfolge, lediglich die (noch) ungewohnte Achtzigerjahreatmosphäre (wie sie auch in vielen anderen Filmen dieser Zeit zu sehen ist) ist noch etwas gewöhnungsbedürftig.
Meine Bewertung: ++++

DIE VERGESSENE TOTE
Ein aufstrebender und überaus erfolgreicher junger Hollywood-Regisseur bekommt Besuch von einem alten Freund. Als dieser einen dunklen Fleck aus der Vergangenheit öffentlich preiszugeben droht, ist sein Tod beschlossene Sache...
Sehr gut bei dieser Folge gefällt mir die Rolle des Mörders (der durchgehend ein unsympathisches Ekelpaket spielt), der mit seiner ausufernden Arroganz schnell zum Feindbild (nicht nur des Zusehers) wird. Columbo versteht es, sich vom Überdrüber-Star-Sonderling nicht die Schneid abkaufen zu lassen. Sachlich und mit untrüblichem Gespür geht Columbo dem Fall nach. Es dauert auch gar nicht lange, bis er weiß, wie es der Täter angelegt hat...
So gut mir Columbos Gegenspieler in diesem Streifen gefällt, so gut finde ich auch das dargebrachte Ambiente (sprich: Kulissen, Film-Welten, Lichttricks, optische Täuschungen), das mühelos für den notwendigen Flair dieses Traumfabriken-Falles sorgt. Weniger überzeugend hingegen fand ich die Aufdeckung des Falles. Immerhin musste der Täter ein (relativ) auffälliges Beweisstück (eine Schuhsohle) am Tatort vergessen, damit ihm der Inspektor diesmal Einhalt gebieten kann.
Atmosphärisch sehr gelungen (vor allem am Ende, also während der Überführung des Täters); inhaltlich teils mit Luft nach oben. Dennoch alles in allem eine zufriedenstellende Angelegenheit!
Meine Bewetung: +++/++++

- DVD 2 -

BLACK LADY (!)
Ironie pur: Eine erfolgreiche Sextherapeutin und Buchautorin ertappt ihren Liebhaber unbemerkt beim Seitensprung. Da auch ihr - obwohl Profi ihres Fachs - menschliche Gefühle und Regungen nicht fremd sind, packt sie die Eifersucht und schmiedet einen teuflischen Plan...
Die Beschaffung des Alibis ist in dieser Folge das, worum sich fast alles dreht. Die Täterin muss dabei vieles bedenken und trotz vieler möglicher Fehlerquellen scheint ihr Alibi zunächst wasserdicht zu sein. Columbo hat es diesmal mit einer hochintelligenten, wagemutigen (sie muss ihr Alibi am Ende sogar nochmals untermauern) und am Ende fast sympathischen Widersacherin zu tun. Im letzten Gespräch scheinen sich Inspektor und Mörderin fast noch menschlich Nahe zu kommen. Auch als Zuseher empfindet man eher Mitleid mit der Täterin als mit dem Opfer...
Der Plot dieser Episode ist hervorragend. Er ist bis zuletzt logisch, gerissen strukturiert und lässt dennoch genügend Raum für witzige Momente. Einmal darf Columbo sogar kurz Tubaspielen, ein anderes Mal wird er in der Klinik von hochrangigen Experten um Rat in Sachen Liebe gebeten (einige Kollegen der Mörderin machen sich nach dem Ableben ihres jungen Liebhabers Hoffnungen, bei ihr landen zu können und wissen nicht recht, wie sie ihre Gefühle ihr gegenüber zum Ausdruck bringen sollen - der zerstreute Columbo therapiert quasi die Cheftherapeuten; höchst amüsant!).
Für mich ist dies überhaupt einer der bestkonzipiertesten Plots der gesamten Serien-Chronologie. Hinzu kommen noch gute schauspielerische Leistungen und eine nahezu perfekte Mischung aus kalter Killeratmosphäre und ironischen Lachmomenten.
Ein vorzeitiges Highlighgt dieser Staffel, aber es geht noch weiter...
Meine Bewertung: +++++

TÖDLICHE KRIEGSSPIELE (!)
Der Vorsitzende einer privaten militärischen Organisation veruntreut Gelder. Als ihm ein Kamerad auf die Schliche kommt, fordert er einen gerechten Anteil. Doch der kaltblütige Leutnant denkt gar nicht daran, ihm etwas zukommen zu lassen...
Verkompliziert wird die ganze Geschichte dadurch, dass der Besitzer der Org. schon länger Verdacht schöpft und zuvor besagter Kamerad (auch das Mordopfer) deshalb schon länger Ermittlungen wegen Veruntreuung anstellt, was Columbo im Nachhinein wiederum noch zugute kommen wird...
Der Plot ist auch hier 1A! Die wenigen Haupthandlungsträger sind allesamt auf die eine oder andere Weise in diese intrigenhafte Geschichte verwickelt (Geld, Betrug, Affären). Einzig der an den Rollstuhl gefesselte Besitzer der Foundation, ein alter und gutmütiger 4-Sterne-General hält die Fahne der Moral (neben Columbo freilich) aufrecht.
Die planmäßige Durchführung des Mordes samt einkalkuliertem Alibi ist ebenso gänsehauterregend-begeisternd wie die letztliche Aufdeckung des Falles. Columbo kann hier aus dem Vollen schöpfen, was er zum Teil sicher auch wieder einmal den durchwegs überzeugenden Schauspielerkollegen zu verdanken hat. Mörder und Inspektor können einander sichtlich nicht leiden. Das kommt gen Ende des Streifens auch offen zur Sprache (das gab's schon mal so ähnlich bei einer Bistro-Episode, glaub ich). Und Columbo gesteht am Ende sogar, dass sich der Täter sofort bei ihm verdächtig gemacht habe, als er den Boden im Arbeitszimmer seines verstorbenen (von ihm eben getöteten) Kameraden aufgewischt hätte (eine Szene, als Inspektor und Täter gerade einander kennengelernt hatten). "Zu jemandem, der so arrogant ist wie Sie, passt dieses Verhalten einfach nicht!", lässt ihn Columbo, innerlich triumphierend, wissen.
Für mich die einzige Folge, die ich aus dieser Staffel bereits im Vorfeld kannte. Es hat mir aber offengestanden großes Vergnügen bereitet, sie nochmal im (chronologisch korrekten) Gesamtkontext zu sehen. Meines Erachtens die beste Episode dieser Staffel! Zwar gab es das Thema Columbo & Militär schon einmal (DES TEUFELS CORPORAL), dennoch wird hier alles aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet, weshalb sich in keinster Weise eine Art Wiederholungseffekt oder dergleichen ähnliches einzustellen droht.
Meine Bewertung: +++++

- DVD 3 -

SELBSTBILDNIS EINES MÖRDERS (!)
Max Barsini, ein bekannter Maler, lebt mit quasi drei Lebensgefährtinnen (darunter seine Frau und seine Ex-Frau) unter einem Dach. Als ihm seine Ex-Frau jedoch eröffnet, ihn wegen eines Psychologen verlassen zu wollen, entledigt Barsini sich dieser...
Als Alibi dient dem Mörder - passend zum Thema - das Erschaffen eines Gemäldes. Barsini hat dabei aber leider vieles nicht bedacht und so ist es nur eine Frage der zeit, bis ihn Columbo letztlich überführen kann.
Was Alibibeschaffung und Aufdeckung des Falles angeht, so gibt's wahrscheinlich bessere Columbo-Einzelepisoden. Was ich aber so sehr an dieser hier mag, ist die filmisch-kunstvolle Umsetzung dieser. Columbo gräbt diesmal tief in der Psyche der Verstorbenen mithilfe von Bandaufnahmen, auf denen die Ex-Frau eben erlebte Träume beschrieben hatte. Diese Traum-Sequenzen werden in bedrückendem Schwarzweiß nachgestellt und zwar so gekonnt, dass sie mich unweigerlich an einen Ingmar Bergman erinnert haben. Da ist mir wirklich unbehaglich dabei geworden - Zielsetzung absolut erfüllt also. Das ist das erste Mal seit längerem, dass solche Elemente innerhalb einer Columbo-Folge zu verarbeiten versucht wurden. Und ich steh solchen Versuchen grundsätzlich sehr positiv gegenüber, weil sie den Nachgeschmack in angenehmer Weise verstärken.
Hinzu kommt noch eine tolle schauspielerische Darbietung des Mörder-Charakters (Barsini), der einen völlig unkonventionellen Laune-Macho verkörpert und es dabei schafft aufgrund seines Charismas phasenweise (beinahe) sympathisch zu werden. Tolle Drahtseilaktleistung diesbezüglich - bravo!
Insgesamt ein Leckerbissen, obwohl der geradlinige Handlungsverlauf (ohne Traumszenen usf.) nüchtern betrachtet eigentlich nicht außergewöhnlich hervorhebenswert scheint. Trotzdem top!!
Meine Bewertung: ++++/+++++

WER ZULETZT LACHT
Oje, Columbo wird in dieser Episode ganz schön ausgetrickst. Die zwei Herausgeber (eine Dame und ein Herr) eines Herrenmagazins geraten in Streit, weil sie ihre Anteile verkaufen möchte. Als besagte Dame kurz darauf spurlos verschwindet, kommt Columbo ins Spiel. Schnell haftet er sich auch schon an die Fersen seines Hauptverdächtigen, aber dann kommt alles ganz anders...
Aufgrund der einmaligen Story nimmt diese Folge sicher eine kleine Sonderstellung in der Columbo-Chronologie ein. So blamiert hat sich der Inspektor bis dato noch nie! Und dennoch kommt ihm sein Misstrauen letztlich natüärlich zugute, weil es dann doch noch einen Mord gibt.
Ein bisschen schade finde ich, dass die Aufklärung des eigentlichen Mordfalls gerade mal 10 Minuten (wenn überhaupt) in Anspruch nimmt. Vielleicht wäre es ganz gut (für den Filmfluss) gewesen, wenn man die Laufzeit dieser Episode etwas gestreckt hätte. Aber auch in hiesiger Form ist diese Folge durchwegs gelungen. Der recht junge Mörder wurde sehr gut verkörpert. Insgesamt ist das (vom Gefühl und von der Atmosphäre her) eine sehr "progressive" Folge - sehr bunt, sehr modisch, sehr gegenwartsbezogen (weshalb sie einem aus heutiger Sicht womöglich ein wenig überholt vorkommen kann) und gerade deshalb, wie ich meine, sehr, sehr authentisch.
Interessantes am Rande: Mit dem populären "She Drives Me Crazy" (Fine Young Cannibals) enthält der Vorspann eine ungewöhnliche Begleitmusik, die aber hervorragend zum Beverly-Hills-Thema passt, in dem das Milieu spielt.
Meine Bewertung: ++++

Fazit: Interessant ist - bezüglich der Atmosphäre der 8. Staffel - dass sich kein Retro-Retro-Effekt einstellt, was ich wie folgt verstanden wissen möchte: Diese 80er-Jahre-Episoden haben lediglich den (typischen) Touch ihrer Zeit, ohne aber, dass penetrant-aufdringlich mit Mitteln gearbeitet wurde, die unweigerlich an die Erfolgswelle der 70er erinnert hätten. Ihren (aus heutiger Sicht) vermeintlichen Retro-Style haben die Folgen dieser Staffel lediglich deshalb inne, weil sie offen und unverblümt Kinder ihrer Gegenwart sind. D.h., dass man bemüht war, Columbo dem Zeitgeist entsprechend darzubieten. Und ich finde das gut, obwohl ich natürlich auch die kultigen 70er-Jahre-Staffeln durchwegs mag. (Wer mir nicht glaubt, kann gerne sämtliche Rezensionen hierzu auf amazon nachlesen!). Es war meiner Meinung nach gut, diesen "Zeitsprung" mitzumachen, noch dazu, wo ja der Charme wie anfangs erwähnt in keinerlei Weise darunter leiden musste. Kritiken diesbezüglich verstehe ich offengestanden auch überhaupt nicht!
Insgesamt ist dieses Wiedersehen nach (längst überfälliger) Wartezeit ein durchwegs erfreuliches. Ich hatte im Vorfeld ehrlich gesagt nicht mit derart vielen starken Einzelepisoden gerechnet. Und diesmal kann ich das sogar halbwegs objektiv sagen, da ich nur eine Folge (nämlich TÖDLICHE KRIEGSSPIELE) schon gekannt habe!
Weiters erwähnenswert finde ich die Tatsache, dass Columbo sich in dieser Staffel immer im näheren Umfeld bewegt. Stets ermittelt der kultigste aller Kultinspektoren in "adeligen" Jet-Set-Kreisen innerhalb L.A.s. Es wurden jedenfalls keine Versuche unternommen größere globalpolitische Querbezüge herzustellen, wie das z.B. bei der letzten Folge der 7. Staffel so großartig geglückt ist. Vielleicht auch gut so, denn in den wenigen anderen Folgen bei denen das versucht wurde, ging das nicht wirklich auf.
Aber die "künstlerische" Umsetzung (innerhalb der Möglichkeiten des Medium Films) erscheint mir wieder etwas gewagter (so wie bei den allerersten Folgen der Kult-Reihe, wo man sich teilw. auch darum bemüht hat - mit teils psychedelischen Farbspielen, Verzerrugen etc.). Und auch das ist gut. In der Episode SELBSTBILDNIS EINES MÖRDERS werden Traumsequenzen fast schon im Stile eines Ingmar Bergman (rückblendenartig und in stimmigem Schwarzweiß) filmisch verarbeitet. Man spricht sozusagen in bildlichen Metaphern und kriegt das für meine Begriffe sehr, sehr gut und überzeugend hin. Tolle Arbeit auch diesbezüglich also!

Wieder eine ganz starke Sammelbox mit hohem Kultfaktor zum Verlieben! Fans kommen daran meines Erachtens ebenso wenig vorbei wie durchschnittlich Interessierte Krimi- (und mehr noch) Columbo-Sympathisanten. COLUMBO ist auch in den Spätachtzigern eine Klasse für sich. Er altert in Würde, geht mit der Zeit und bleibt sich selbst dennoch immer treu. PERFEKT!

5 STERNE (und keinen weniger) dafür!! Ehrlich gesagt besser als erwartet!


The Last Waltz
The Last Waltz
Preis: EUR 12,98

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prunkvoller Abschied, der heutzutage (leider) viel zu wenig Beachtung findet!, 20. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: The Last Waltz (Audio CD)
THE BAND, die Band nämlich, die u.a. jahrelang einen Bob Dylan auf dessen Touren begleitet hat und mit Alben wie MUSIC FROM BIG PINK oder THE BAND und STAGEFRIGHT auch als eigenständige Formation Bekanntheit und Ruhm erlangte (allerdings vorwiegend innerhalb der USA), gab 1976 ein großes Abschiedsfest, um sich endgültig von der Bühne zu verabschieden.
Das Ganze Spektakel fand in einem riesigen Ballsaal statt und es waren u.a. auch so prominente Musikergäste wie Neil Young, Eric Clapton, Neil Diamond, Muddy Waters, Van Morrison, Ron Wood und His Bobness Himeslf geladen, um THE BAND beim einen oder anderen Song zu unterstützen...

Dieser denkwürdige Abend wurde übrigens auch auf Film gebannt - wobei kein Geringerer als Martin Scorsese sich hierbei daran zu schaffen machte. Interessanterweise scheint der Film auch heute noch einen recht guten Ruf zu besitzen (wenigstens hört man hier und da einmal davon), wohingegen dieser Live-Mitschnitt nahezu in Vergessenheit geraten zu sein scheint (außer bei Fans natürlich). Für mich einfach unverständlich, denn hiesiges Live-Material kann durchwegs begeistern. Der Start mit THEME FROM LAST WALTZ führt stimmig ins Spektakel ein, dann geht's gemächlich-schwungvoll mit einer energetischen Darbietung von UP ON CRIPPLE CREEK weiter (ist ja mein persönlicher Lieblingssong von THE BAND). Auch die darauffolgenden Tracks kommen nach und nach stimmig daher, wobei meines Erachtens die Schnitte sehr geglückt sind. Man hat genug Raum (aber eben auch nicht zu viel) für Zwischenansagen und Beifall gelassen, so dass die Stimmung dieses Abends sehr authentisch und "nahe" rüberkommt.
Darüber hinaus ist THE BAND wohl wirklich eine starke Live-Truppe. Ich kenne da z.B. auch die Bob-Dylan-Live-Aufzeichnung (ebenfalls sehr zu empfehlen) BEFORE THE FLOOD, wo zum einen ein Bob Dylan hervorragend gepuscht und angetrieben wird und zum anderen auch einige andere Stücke (von THE BAND eben) ebenso gefällig zum Besten gegeben werden.
Auch die Spannungsbreite des Albums ist groß: Das melancholische HELPLESS, das unhörbar ein Neil Young darbietet (ist ja auch sein Song) ist ebenso glaubwürdig und "echt" wie Muddy Waters Klassiker MANNISH BOY. Auch die Bob-Dylan-Songs gefallen mir eigentlich ganz gut (I DON'T BELIEVE IN YOU, FOREVER YOUNG, I SHALL BE RELEASED), wenngleich mir da auch die eine oder andere bessere Live-Version bekannt ist (schlecht sind sie aber jedenfalls nicht.)

Kurzum: Warum wird dieses Mini-Monumentalwerk derart totgeschwiegen? Zwar stößt man, blickt man mal in den Katalog des Rolling Stone Magazin, mit den (angeblich) 500 besten Alben aller Zeiten, auf THE BAND; aber nach THE LAST WALTZ sucht man vergebens. Ich muss ehrlich gestehen (bin übrigens über Bob Dylan zu The Band gestoßen, aber so wird's in Europa wohl mehreren Musikliebhabern gegangen sein, schätze ich), dass ich zwar STAGEFRIGHT und THE BAND (also die beiden Studioalben) besitze, diese aber nicht halb so oft aus der Sammlung hervorkrame und auflege wie THE LAST WALTZ. Dieser Live-Mitschnitt stellt für mich in gewisser Hinsicht einfach mehr dar als die Summe seiner Einzelteile (sprich: Songs). Es ist die geladene und gleichzeitig gelassene Abschiedsstimmung, die dieses Gesamtwerk u.a. zu etwas Besonderem macht. Hinzu kommen wie oben erwähnt die tollen Darbietungen der prominenten Gäste, die offensichtlich auch Spaß daran hatten, diesem Spektakel beiwohnen zu dürfen.

Vermutlich werde ich mir demnächst auch den dazugehörigen Konzertfilm auf DVD (oder Bluray) bestellen. Wenn der nur halb so gut ist wie sein Ruf, dann kann eigentlich nichts schief gehen.
So gesehen finde ich es eben schade oder eigentlich fast schon ein wenig skandalös, dass man dieses monumentale Abschiedswerk in reiner Tonträgerform in diversen Best-of-Alben-Rankings, Klassiker-Listen etc. regelmäßig übersieht.

Eins ist ganz klar: An dieser Doppel-CD kommt an als Musikfreund einfach nicht vorbei. Gleichzeitig wohl einer der authentischsten und gelungensten Live-Mitschnitte überhaupt. Aus den 70er-Jahren ist mir offengestanden überhaupt keine Live-Aufnahme bekannt, die diese hier noch toppen könnte... HALT: Dylans BEFORE THE FLOOD (1974) hätt ich da jetzt beinahe sträflich vergessen! Da spielt übrigens auch THE BAND mit... Zufall??

Meine Bewertung: Klare 5 STERNE mit Ausrufezeichen!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 14, 2012 5:35 PM MEST


All This Dancin' Around
All This Dancin' Around
Preis: EUR 14,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anwärter auf die SINGLE DES JAHRES! Album des Jahres nur zum Teil., 20. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: All This Dancin' Around (Audio CD)
Das ist sie nun also: Die offizielle Zweitversion ihres eigentlich bereits vorab veröffentlichten Longplayers (angeblich der 3. der Band, wenn's wahr ist) ALL THIS DANCIN' AROUND, der nun also zum Kaufanreiz (für eine breitere Käuferschicht) noch zusätzlich mit der Hitsingle I FOLLOW RIVERS sowie 3 weiteren Bonustracks (darunter 2 sehr gelungene Alternative-Takes) bestückt ist.

Ich bin im Grunde ziemlich unvorbelastet, was Triggerfinger angeht, da auch ich erst jetzt zum ersten Mal mit dieser belgischen Band so richtig in Kontakt getreten bin - und ich bin schon einer, der immer ein offenes Ohr für Neuerscheinungen usf. hat (glaube ich halt).
So ein bisschen (nachdem ich die Band nun über dieses Album ein wenig kennenlernen durfte) sehe ich Triggerfinger in der "Tradition" der belgischen Indie-Rockbands, wie etwa dEUS, die ja mit ihren ersten Alben für Furore gesorgt haben und einen gewissen internationalen Bekanntheitsgrad erlangen konnten. Mittlerweile - so scheint es - sind sie aber wieder ein bisschen in der Versenkung verschwunden... Wie auch immer.

Für mich ist ALL THIS... aus mehrerlei Hinsicht ein gelungenes Rock-Album. Zum einen lässt sich über die Produktion (selbst beim schlechtesten Willen) nichts schlechtes sagen und zum anderen besticht die Platte durchwegs mit großartigen Kompositionen.
Dass Fans der Singleauskopplung I FOLLOW RIVERS sich ein bisschen vor den Kopf gestoßen fühlen kann ich dennoch schon nachvollziehen. Natürlich ist ein schlauer Schachzug, eine Single, die im (kommeziellen) Radio rauf- und runtergespielt wird, in die Tracklist zu integrieren. Und vergleicht man eben diese Single mit dem Rest der Scheibe, dann ist schon ein recht gewaltiger stilistischer Unterschied feststellbar. Dennoch ist es völlig unangebracht die Alternativ-Indie-Rock-Band Triggerfinger ernsthaft mit Rammstein oder dergleichen vergleichen zu wollen. Immerhin können Rockbands ja auch mal leisere Töne anschlagen - oder nicht? So viel dazu...

Besonders gelungen und hervorhebenswert erscheint mir (neben der - aus meiner Sicht - SINGLE DES JAHRES) auch der Bonusteil mit SOON, LOVE LOST IN LOVE (das auch am Album in anderer Version zu hören ist) sowie einer Alternativversion von I FOLLOW RIVERS. Die Bonustracks haben (für mein Empfinden halt) einen Counrtytouch, der aber sehr, sehr gut zu den jew. Stücken passt und sie - finde ich sogar - noch etwas besser macht als die ursprünglichen Versionen. Einzig I FOLLOW... gefällt mir auf die erste Art irgendwie eine Spur besser...

Fazit: Die Einsternebewerter, die sich darüber empören, dass Triggerfinger nicht wie Jack Johnson oder Milow klingt bitte ich an dieser Stelle um Vegebung, wenn ich das sage; ABER: Diese Rezis bitte nicht ernst nehmen. ALL THIS DANCIN' AROUND ist nämlich alles in allem ein sehr ambitioniertes Werk geworden, das mit Atmsophäre und toller Produktion besticht. Zuletzt ist auch ein Großteil der darauf enthaltenen Songs Klasse (neben der Hit-Single). Freilich: Jede einzelne Komposition hat mich jetzt auch nicht unbedingt vom Hocker gehauen, dennoch überwiegt letztlich in jedem Fall der Positive Nachgeschmack. (Anm.: Den ersten Teil des Albums mag ich sehr, den zweiten finde ich (ohne die Bonustracks) offengestanden etwas schwächer - ist wohl auch wieder nur Geschmackssache).

Meine Bewertung: 4 STERNE für das Gesamtpaket, wobei sich einzelne Songs hierauf (ja, da gehört auch für mich I FOLLOW RIVERS dazu) sowie die Produktion durchaus auch 5 Sterne verdient hätten!

Insgesamt GELUNGEN und für Freunde guter Musik deshalb in jedem Fall zu empfehlen!

P.S. Verglichen mit anderen musikalischen Neuerscheinungen dieses Jahres hat diese Platte durchaus auch Chancen noch den Titel ALBUM DES JAHRES einzuheimsen. Ich sehe derzeit zumindest keine wirklich große Konkurrenz, die diesen inoffiziellen Titel ernsthaft streitig machen könnte... (Aber warten wir mal den Rest des Jahres noch ab!)


Dr. Fu Man Chu Collection [5 DVDs]
Dr. Fu Man Chu Collection [5 DVDs]
DVD ~ Christopher Lee
Wird angeboten von CD-DVD-Tonträger Berlin
Preis: EUR 24,99

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen 60er-Jahre Unterhaltungskrimis mit ureigenem Charme und (groß)teils schwacher Umsetzung!, 19. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dr. Fu Man Chu Collection [5 DVDs] (DVD)
Puuuuuuuuuuuuuh... Gar nicht so leicht nun, nachdem man alle 5 hierin enthaltenen 60er-Jahre-FuManChu-Filme innerhalb eines kurzen Zeitraums gesehen hat, eine halbwegs authentische, glaubwürdige Rezension hierzu zu verfassen.
Dennoch verspüre ich den Drang, meinen Senf dazu abgeben zu müssen.

Denn: Die häufigen Vergleiche zwischen dieser Reihe und den legendären Mabuse-Verfilmungen sind ein wenig irreführend. So wurde auch ich z.B. neugierig auf den chinesischen Superschurken, weil immer wieder Parallelen zu Fritz Langs Kultfigur hergestellt wurden. Sogar die Kaufempfehlung, die ich einst erhalten hatte, bezog sich auf "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse", das ich vor längerer Zeit schon via amazon erstanden hatte. Tatsächlich aber ist es schwer, direkte Vgl. zwischen Mabuse und Fu Man Chu anzustellen. Für mich ist Erstgenannter in vielerlei Hinsicht überzeugender...

Es ist in der Tat nicht unkompliziert aus heutiger Sicht ein halbwegs glaubwürdiges Bild über diese (auch kommerziell offenbar nicht wenig erfolgreiche) Thrill-Krimi-Reihe zu konstruieren.
Dr. Fu Man Chu ist ein chinesischer Tyrann, der mit allen unmöglichen Mitteln immer wieder aufs Neue versucht, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Sein größter Widersacher dabei ist Inspektor Nayland Smith von Scotland Yard, der stets darauf bedacht ist dem genialen Verbrechergehirn das Handwerk zu legen.
Die beständigste Konstante ist alle 5 Folgen hindurch tatsächlich Fu Man Chu selbst, der von einem recht steifen, aber auch mehr oder minder tadellosen Christopher Lee verkörpert wird (tolle Makeup-Aufmachung, man nimmt ihm den Chinesen tatsächlich ab). Mit von der Partie ist auch immer dessen durchtriebene Tochter, der es Vergnügen bereitet andere Menschen (vor allem hübsche, junge Frauen) zu quälen.
Die Person des Nayland Smith wird immer wieder von wechselnden Darstellern verkörpert. Im 5. Teil (den ich noch für halbwegs gelungen halte), darf sich sogar ein junger Götz George alias Schimanski in der Rolle eines abgebrühten Dschungelfuchses (ein Freund von Naysmith) als Darsteller versuchen (und er macht seine Sache durchwegs gut.)
Die populärste Besetzung aber hat insgesamt sicher Teil 1 der Reihe zu bieten ("Ich, Dr. Fu Man Chu"): Joachim Fuchsberger, Karin Dor, die vor allem durch die legendären (aber mitunter ebenfalls "seichten") Edgar-Wallace-Verfilmungen zu Ruhm und Bekanntheit gelangt waren.
Vielleicht ist auch das der Grund, warum dieser 1. Teil allgemein als der Beste der ganzen Reihe gesehen wird. Einen anderen könnte ich nämlich offengestanden nicht finden. Die Plots sind sich allesamt sehr ähnlich (von Teil 1 bis 5), atmosphärisch driftet jeder der Einzelfilme - mal kürzer mal länger - in leicht kitschig-seichte Unterhaltungskrimikomödiengefilde ab. Auch Teil 1 bildet hierbei, wie ich finde, (leider) keine Ausnahme.
Ansonsten geht's immer nach demselben Schema: Der totgeglaubte Fu Man Chu macht durch eine große Gräueltat auf sich aufmerksam und bereitet einen neuen, großen Weltherrschaftsplan vor. Dazu lässt er meist einen (oder mehrere) Wissenschaftler entführen, deren Knowhow er für das Erreichen seiner tückischen Ziele unbedingt benötigt. Nachdem die Entführten eine anfängliche Mitarbeit zunächst ablehnen, werden sie durch Erpressung und/oder Folter (meist trifft es ihre hübschen Assistentinnen) gefügig gemacht, notfalls auch durch Hypnose. Schließlich beginnt ein Spiel mit der Zeit, das Nayland Smith am Ende aber natürlich stets für sich entscheiden kann...
Klar: James-Bond-Abenteuer gehen am Ende auch immer (mehr oder weniger) gut aus.
Aber darin alleine liegt meines Erachtens auch noch nicht der Grund, warum ich mich für diese Sammelbox (die übrigens sehr schön und liebevoll gestaltet wurde) nicht so recht erwärmen kann. Vieles an den Filmen wirkt irgendwie zu statisch, zu künstlich. Die Atmosphäre entwickelt sich nie zu der einer bedrückend-düsteren Thrillerwelt, die man sich aber als Zuseher manchmal so sehnlich wünschen würde. Nicht einmal dann, wenn hunderte Arbeiter unschuldig zu Tode kommen oder Passagierschiffe in den Tiefen der Weltmeere verschwinden oder gar ein ganzes Dorf heimtückisch vergiftet wird, verschwindet der farbenfrohe, sich kunterbunt anbiedernde Rosamunde-Pilcher-Style (ist nicht böse gemeint!) völlig von der Bildfläche... Zu schnell wird anschl. wieder gewitzelt (N. Smith und der Pathologe wurden wohl zu einer Art Sherlock H. und dessen Assistent gemacht, was aber nicht gänzlich aufgeht), zu schnell beschäftigen die Hauptprotagonisten neue Fragen, die teils an den Haaren herbeigezogen wirken.
Um nicht gänzlich missverstanden zu werden: Ich kannte all diese Filme im Vorfeld überhaupt nicht, erwartete mir aber aufgrund der häufigen Mabuse-Vergleiche wie gesagt aber dennoch so einiges, auch, wenn mir vollkommen bewusst war, dass ein gewisser 60er-Jahre-Weltaufbruchsstimmungs-Charakter in den Filmen drinnen sein würde. Und: Ich bin vielen anderen "alten" Filmen durchaus wohlgesonnen. Dass Zeit und Technik im ständigen Wandel begriffen sind, ist keine Frage. Aber darum geht's bei meinen Kritiken hierzu ja auch gar nicht...

Was lässt sich Positives zu dieser Sammlung sagen?
1. Wie schon angesprochen ist die Aufmachung der Box sehenswert.
2. Die Extras sind teils interessant und für Interessierte durchwegs aufschlussreich (ein Interview mit Christopher Lee, Texttafeln, Fotos etc.).
3. Der Preis ist mit rund 15 gegenwärtig doch recht tief angesetzt. In Anbetracht dessen, dass man pro DVD je die deutsche Kinoversion sowie das Original (mit dt. Untertiteln) abrufen kann und dass die Menüs authentisch geworden sind, ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis (technisch gesehen wenigstens).
4. Manchmal, aber eben leider nur sehr selten, gelingt es mittels Musik und Großaufnahmen einen Hauch jener mystischen Atmosphäre zu erzeugen, der diesen Filmen so sehr viel besser stehen würde, als die, die sie größtenteils umgibt. Bestes Beispiel hierfür: Der schauerliche Vorspann des 1. Teiles, der eine Hinrichtung zeigt (und man weiß als Zuschauer noch nicht, ob das eine Rückblende, eine Vorwegnahme oder ein gegenwärtiges Geschehen darstellen soll).
5. Die teils (für meinen Geschmack halt) authentische Darstellung (aus Sicht der Oberschicht) der 20er-Jahre in London (jene Zeit, in der die Romanvorlagen ja auch spielen) - mitsamt Oldtimern, Telefonen etc.

Für meinen Geschmack überwiegt aber dennoch das Negative. Mag sein, dass ich mir aufgrund hiesiger Rezensionen auch etwas zu viel erwartet habe. Aber atmosphärisch und auch inhaltlich haben alle 5 Filme bestimmt Luft nach oben, auch verglichen mit gleichaltrigen Leinwandwerken, wie z.B. diverse James-Bond-Filme oder den einen oder anderen Mabuse-Film (obwohl's da in den 60ern auch ein paar schwächere gab).
Am dreistesten finde ich ja den Vorspann des 4. Teiles ("Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu"): Man hat doch tatsächlich ganze Stücke aus Teil 2 herausgeschnitten und wiedereingefügt und mithilfe von (grottenschlechten) Zwischenschnitten auf diese Weise etwas Neues zu konstruieren versucht. Das Schlimme daran ist, dass man das offenbar ernst gemeint hat, da sich keinerlei (beabsichtigte)mögliche zynisch-ironische Andeutungen feststellen lassen. Natürlich gab's damals weder VHS- noch DVD- oder Bluray-Player und es lagen doch immerhin 2 Jahre zwischen Teil 2 und 4. Aber dennoch ist diese geldsparende Vorgehensweise doch sehr verstörend und (mehr noch) aussagekräftig, wie ich meine.
Letztendlich möchte ich aber auch nicht alles schlechtreden. Jedenfalls verstehe ich jetzt, warum diese Filme nicht auch heute noch (im Gegensatz zu Altersgenossen) regelmäßig im Fernsehen ausgestrahlt werden. Sie sind schlicht und einfach nicht mehr zeitgemäß und machen großteils einen sehr müden Eindruck. Der Zahn der Zeit hat dieser 60er-Jahre Fu Man Chu - Auflage jedenfalls in keinerlei Belangen gut getan. Und mir tut das schon auch weh, da meine Erwartungshaltung im Vorfeld doch relativ hoch war... Nun bin ich leider einigermaßen enttäuscht.

Wenn ich abschließend noch meinen persönlichen Favoriten der Reihe preisgeben darf, so würde meine Wahl auf den 3. Teil ("Die Rache des Dr. Fu Man Chu") fallen. Hier ist die Story teils genial gestrickt und verstrickt. Leider ebbt das Ganze aber auch frühzeitig ab, da man (als Zuseher) zu früh zu viel erfährt. Auch den 5. und letzten Teil dieser Reihe könnte man - trotz der einen oder anderen Überlänge - vielleicht noch etwas hervorheben (der verhältnismäßig sehr düster und brutal inszeniert wurde, was aber sehr gut zum Thema passt.).

Abschließend möchte ich noch einem Chr. Lee Respekt zollen, dafür, dass er es - trotz teils grottenschlechter Umsetzung - geschafft hat, ganze 5 Teile hindurch so starr durchzuhalten. Er selbst sagt im Interview (von 2006 oder so, glaub ich) ironischerweise ja auch, dass ein Qualitätsabfall von Teil zu Teil auszumachen war und dass bestimmt nicht alle Fu Man Chu - Filme als Klassiker zu werten seien.
Ich seh das sogar noch ein wenig kritischer: Wahren Klassiker-Status hat für mich kein einziger der hiesigen Filme. Lediglich der zuvor kurz angesprochene 3. Teil ist meines Erachtens als "sehenswert" einzustufen. Ansonsten tun sich für meine Begriffe zu viele unangenehme Wiederholungen und Überlangen auf, die es einem selbst bei gutem Willen schwer machen, durchzuhalten.
Nun denn: Ich habe tapfer durchgehalten und möchte sämtlichen Filmliebhabern, die eben nicht gerade ein Faible für Dr. Fu Man Chu haben, vom Kauf dieser Box abraten! Freilich rechtfertigt der derzeit geringe Kaufpreis den Erwerb dieser Sammlung gewissermaßen und es sind ja auch ein paar positive Punkte nicht außer Acht zu lassen. Dennoch bleibe ich dabei: Eher eine Enttäuschung als eine wahre Genugtuung!

Teils ambitionierte Grundintentionen leider unausgegoren auf Film gebannt. Liebe Leute, da wäre viel mehr möglich gewesen! Schade drum.

Kleine Anmerkung: Es wäre doch toll, wenn sich ein junger (oder auch älterer) Regisseur der heutigen Zeit dazu durchringen könnte, eine Art Mabuse-Fu-Man-Chu-Film zu machen - gegenwartsbezogener freilich! Das wäre doch mal einen Versuch wert!

Fazit: Wahre Fans werden auf diese Box vermutlich nicht verzichten können. Allgemein Filminteressierte jedoch sehr wohl, wie ich meine.
Für mich wäre noch die Hinzunahme der Originalfilme (aus den 30ern, wenn ich mich nicht irre) sehr interessant gewesen. Vielleicht hätte ich dann den ganzen Mythos rund um Dr. Fu Man Chu besser verstanden.
Bei Dr. Mabuse jedenfalls hat's mit diesem Zugang bestens geklappt. Aber der Fritz Lang gilt vermutlich nicht umsonst als einer der größten seines Fachs...

Für mich nicht mehr als 2 STERNE wert (eben auch aufgrund der positiven Punkte, die ich im Mittelteil kurz erwähnt habe)!
Deutlich schwächer als erwartet!!


Mick Jagger: Rebell und Rockstar
Mick Jagger: Rebell und Rockstar
von Marc Spitz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Informative, aber mehr noch spekulative Imagepolitur durch einen Mick-Jagger-Fan namens Marc Spitz!, 19. Juli 2012
Vorweg: Ich, ein bekennender Stones-Fan, der im Vorfeld (wie wohl viele andere auch) bereits Mr. Richards Autobiographie LIFE gelesen hat, kann durchaus guten Gewissens sagen, dass ich weder mit Mick Jagger noch Keith Richards sympathisiere. Zwar würde auch ich (danke für die brilliante Einführung) - müsste ich mich spontan dafür entscheiden - eher mit Keith als mit Mick einen Abend verbringen wollen, um ihn mit Fragen auszuquetschen, dennoch betrachte ich die Stones in erster Linie immer im Gesamtkontext. Und ja: Wenn mir die (utopische) Wahl überhaupt zustände, so würde ich am allerliebsten einen Charlie Watts interviewen und befragen... So gesehen ist mir also weder Keith noch Mick wirklich "näher" (im übertragen gemeinten Sinn freilich). Und somit hat Sympathie o.ä. überhaupt nichts damit zu tun, dass ich diesen Schmöker als schwächer einstufen würde als eben vergleichsweise Keith Autobiographie namens LIFE...

Und darin liegt auch schon der vielzitierte Hund begraben: LIFE ist eben eine Autobiografie, wohingegen vorliegendes Werk aus der Feder eines "Fremdautoren" stammt (ich hoffe, man versteht mich richtig!). Zwar ist - vor allem die Kinder- und Jugendzeit Jaggers betreffend - offensichtlich gut recherchiert worden, dennoch ist mir der gesamte Schmöker (vor allem ab dem vorderen Mittelteil) insgesamt mit zu vielen spekulativen Äußerungen behaftet. Freilich: Es mag mühsam und schwer sein, eine halbwegs interessante und lesefreunldiche Rockstarbio zus schaffen, wenn man den Hauptprotagonisten lediglich zitieren darf und bestenfalls auf 10 Jahre alte Interviews zurückgreifen muss, um Sir Mick Jagger einmal zu Wort kommen lassen zu können. Mir ist schon klar, dass man da die eine oder andere Frage und/oder eben Spekulation miteinbauen muss, um Leser bei der Stange zu halten. Dennoch sind die auffällig häufig verwendeten Antithesen zu Mr. Richards LIFE nach einiger Zeit anödend (obwohl's zunächst einmal prickelnd erscheint sich diesen überhaupt erst zu stellen). Denn: Es ist eben nicht Mick J. höchstpersönlich, der hier Rede und Antwort steht. Und so sehr sich ein Marc Spitz - wohl ein glühender MJ-Verehrer - auch um Authentizität zum einen und (wenigstens geheuchelter) Objektivität zum anderen bemüht - er kann diesen heiklen Drahtseilakt eigentlich nur verlieren...

Kurzum: Die Beleuchtung der Kinder- und Jugendtage ist alles in allem gut gelungen. Insgesamt ist das Buch auch gut und flüssig geschrieben. Dennoch sind speziell die Mick-Keith-Fragen und Theorien über die Person Mick Jagger nur sehr unbefriedigend beantwortet worden; und wenn, dann wirkt alles ziemlich an den Haaren herbeigezogen...

Die Hauptinformationsquelle für vorliegendes Werk dürfte größtenteils wohl tatsächlich LIFE (Anm.: Keith R. Autobiographie) gewesen sein. Denn größtenteils beschäftigt sich Marc Spitz damit, Anspielungen, die darin auf Mick Jagger gemacht wurden, in ein neues Licht zu rücken...

Insgesamt bleibt diese Biographie nicht mehr als eine Art von einem Fan durchfgeführte Imagepolitur. Und ganz ehrlich: Wenn man schon mit nicht handfesten Thesen arbeitet, dann sollte man sich viell. mit interessanteren Dingen befassen, als mit Mick J. Schauspielerkarriere, dessen Techtelmechtel und Beiträge zur Gesallschaftsentwicklung in den letzten 50 Jahren.
Oder um es noch konkreter in Worte zu fassen: Die ständigen Mick-Keith-Vergleiche, das genaue (spekulative) Eingehen auf mögliche Ursachen für das Scheitern sämtlicher Beziehungen sowie das ebenso spekulative Auslegen vom Tun und Nicht-Tun eines M. Jagger in diversen Situationen (z.B. (sinngemäß) Wie wäre Jagger von Fans und Etablishment aufgenommen worden, hätte er auf den Ritterschlag verzichtet?) machen den eingesessenen Stones-Fan eher mürbe denn neugierig. Wenigstens mir selbst ist es teils so ergangen.

Wenn man gemein sein will, könnte man diesbez. Micks Grimasse am Frontcover auch als Gähnen auslegen, das uns so viel verrät wie: Kauft diese öde Biographie nicht, wartet lieber auf die nächste, von mir autorisierte...

Fraglich ist halt, wann und ob es denn überhaupt jemals eine echte Jagger-Autobiographie geben wird. Derzeit sieht es jedenfalls nicht danach aus... Schade natürlich.

Fazit: Marc Spitz ist mit diesem Werk ein ordentlich recherchiertes, gut strukturiertes und durchwegs lesenswertes Beiwerk gelungen, das uns die Welt des Jet-Set und Neuadels teils ein wenig näher führt (dafür kann man allerdings DIE BUNTE ebensogut heranziehen ;)) und das Gesamtbild der Rolling Stones im Allgemeinen ein wenig abrundet.
Letztlich aber überwiegt (leider) der fahle Beigeschmack des bereits Bekannten, für den Fan eher wenig Interessanten Image-Aufbessern-Wollens gegenüber einiger nicht so positiver Bemerkungen Keith' in dessen Biographie (der sich ab und zu aber durchaus auch mal positiv über seinen "Bruder" geäußert hat!).

Ehrlich gesagt weiß ich jetzt nicht wesentlich mehr über Mick Jagger, als zu jenem Zeitpunkt, als ich noch auf Seite 1 des Schmökers war. So gesehen hat diese gut gemeinte Glam-Rock-Biographie ihr Ziel ein wenig verfehlt. Dennoch bereue ich es (trotz ausführlicher Kritik meinerseits) auch nicht wirklich, sie gelesen zu haben. Phasenweise wurden teils interessante Punkte bez. anderer Bands und Musiker angesprochen (z.B. Guns 'n' Roses, The Red Devils u.a.). Auch die Vielfältigkeit der Beleuchtungsversuche des Autors in versch. Fragen sollte man lobend erwähnen.

Gesamtresümee: Gut recherchiert, anschaulich formuliert, mit Herzblut gemacht; aber großteils leider an all dem vorbei, was mich (persönlich) als Stones-Fan näher interessiert hätte. Macht aus meiner Sicht schwache 3 STERNE!

P.S. Ich rechne mal damit, dass uns ein Mick Jagger bestimmt (mindestens) bis zu seinem 80er warten lässt, bis er endlich mit einer Autobiographie rausrückt.

Weitere Anmerkung: Der Untertitel "Rebell & Rockstar" passt letztlich eigentlich gar nicht so schlecht zu diesem Buch. Um den Stones-Frontman & (einfachen) Menschen Jagger geht es hingegen weniger. Fans und Interessierte, die womöglich auch Keith' LIFE gelesen haben, können sich diese Bio ruhig zu Gemüte führen, eine unbedingte Kaufempfehlung möchte ich dafür jedoch nicht aussprechen! Solala...

Oder: Eine mit Liebe gemachte Rockstar-Biographie, die dem Mythos Mick Jagger oberflächlich wohl gerecht wird, für den Fan am Ende aber zu vieles unbeleuchtet und offen lässt!


Bud Spencer: Mein Leben, meine Filme. Die Autobiografie
Bud Spencer: Mein Leben, meine Filme. Die Autobiografie
von Carlo Pedersoli
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr gut & authentisch geschrieben, aber am Ende bleiben einige Fragen (für den Fan) offen..., 10. Juli 2012
...deshalb hat es mich umso mehr gefreut, als ich letztens in einer Buchhandlung herumschmökerte und ich auf die unverhoffte (hatte da im Vorfeld nichts drüber gehört) Fortsetzung der Bud-Spencer-Biographie stieß, die im übrigen den Titel "In 80 Jahren um die Welt" trägt und vom ersten Reinschauen her sehr vielversprechend auf mich wirkt (Rezi hierzu folgt dann vermutlich später).

Jetzt aber vorerst einmal zu diesem Buch hier. Es ist sehr "leserlich" geschrieben, wobei Bud Spencer alias Carlo Pedersoli immer wieder - ganz ungezwungen - ein gewisses schriftstellerisches Talent beweist. Vor allem jene Passagen, als er sich ins Zwiegespräch mit seinem jüngeren Ich begibt, offenbaren Herrn Spencers Gespür für Sprache und Wortwitz. Des weiteren wird man das ganze Lesen hindurch - ich hab, glaub ich, drei Leseanläufe genommen und war durch (und ich bin ein sehr "genauer", eher langsamer Leser) - von einem spürbaren Charme begleitet. Mr. Spencer versteht es pointiert und vor allem in Bezug auf sich selbst sehr augenzwinkernd, offen und ehrlich zu erzählen. Man könnte auch sagen, diese Biographie ist alles in allem wie ein nettes, ungezwungenes Gespräch zwischen Erzähler (Bud Spencer) und Leser. Und da immer wieder (für den Fan wenigstens) interessante Punkte zur Sprache kommen, ist man schon gespannt, was einen auf der jew. nächsten Seite erwartet.

Im Hinblick auf nur diesen einen Band, könnte man noch kritisch hinzufügen, dass es am Ende nicht allzu viel Neues ist, was Herr Spencer/Pedersoli hierin verrät. Denn: Dass er in Jugendtagen ein ausgezeichneter Schwimmer war, ist für Interessierte und Fans ebenso wenig neu wie das Zustandekommen seines Künstlernamens. Auch die Tatsache, dass Spencer verhältnismäßig spät zur Schauspielerei gekommen ist und - im Gegensatz zu Mario Girotti alias Trence Hill - nie eine professionelle Ausbildung in diese Richtung genoss ist kein Novum (und dazu steht Herr Spencer auch, er spricht es mehrmals im Laufe des Buches an und bezeichnet sich selbst immer wieder als "Charakterdarsteller"). Lediglich das eine oder andere Detail von Kollegen an versch. Filmsets wird oberflächlich preisgegeben, auch das eine oder andere Dankeswort ist mit dabei. Dass Spencer sich u.a. auch als Erfinder (mit einigen angemeldeten Patenten) und Sänger versucht hat (und immer noch versucht) ist mir eigentlich auch nicht neu gewesen - aber das gehört zu einer ordentlichen Biographie wohl doch auch irgendwie dazu...
Interessant hingegen ist (für mich halt), dass ein Bud Spencer - für meine bescheidenen Begriffe - sehr genau über das Filmgeschäft Bescheid weiß, auch hinsichtlich filmgeschichtlicher Details, die z.B. dann zur Sprache kommen, als Herr Spencer über italienische Filmregisseure berichtet, die seines Erachtens erheblichen Anteil am Aufstieg der vielberüchtigten "Spaghettiwestern" und der darauffolgenden "Hau-Drauf-Filme" hatten, heute jedoch nahezu unbekannt sind - weil sie (ungerechtfertigter Weise) nicht denselben kommerziellen Erfolg wie berühmtere Kollegen einheimsen konnten...

Fazit: Diese Autobiographie ist für jeden Fan und jeden, der Spencer&Hill-Filme liebt eigentlich ein Muss. Wie gesagt ist das Ganze sehr ansprechend geschrieben und mühelos seitenweise lesbar, ohne dass sich gähnende Langeweile einstellt. Auch ein gewisses schriftstellerisches Talent (des Schreibers) kommt hierbei immer wieder zum Vorschein.
Dennoch hätte ich mir als Fan noch das eine oder andere Detail mehr gewünscht, vor allem natürlich was seine Beziehung zu seinem jahrelangen Filmpartner Terence Hill betrifft bzw. lustige oder erwähnenswerte Geschichten, die er mit ihm gemeinsam bei so manchem Dreh erlebt hat...
Nun hoffe ich halt darauf, dass in zuvor besagtem zweiten Teil (Anm.: "In 80 Jahren um die Welt") davon mehr zu erfahren sein wird.

Für diesen ersten Teil seiner Biographie vergebe ich erst einmal 4 STERNE an den AUTOR Bud Spencer!

LESENSWERT und kurzweilig!


Life
Life
von Keith Richards
  Gebundene Ausgabe

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Authentisches Dokument des Rock&Roll. This is the Life. Believe it or not..., 10. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Life (Gebundene Ausgabe)
...I haven't forgotten any of it. So lautet der Eintrag auf der vorderen Umschlaginnenseite dieser heiß ersehnten und viel diskutierten Rock-Biographie.

LIFE ist alles in allem sehr umfangreich geworden. Kritiker meinen, weniger Seiten hätten es auch getan, während leidenschaftliche Keith-Anhänger sich noch mehr Details gewünscht hätten...
Ich selbst - übrigens ein großer Stones-Fan - habe Licht und Schatten innerhalb dieses Werkes gefunden und bin letztlich damit zufrieden. Klar: Über das Zustandekommen einzelner Steine-Alben etc. hätte auch ich gerne noch viel mehr gewusst (vor allem eben aus der Sicht eines Bandmitgliedes). Was hingegen seine zweifelhafte "Drogenkarriere" betrifft, so könnte ich gut und gerne auf sämtliche Schilderungen (und Widerlegungen von Gerüchten) verzichten. Aber gut: So etwas gehört zu einer mehr oder weniger "vollständigen" Biographie wohl halt auch dazu. Und wenn so ein (äußerlich-oberflächlich betrachtet) liebenswürdiger, zerknautschter Rock-Hero wie Mr. Richards über sich und seine Mitmenschen erzählt, dann sei es ihm (und gerade und NUR ihm) denn bitteschön auch gestattet hiervon zu berichten...
Auf die einzelnen Kapitel möchte ich jetzt eigentlich nicht genauer eingehen. Im Prinzip ist alles Wesentliche hierzu schon gesagt worden. Zudem kann man bei Interesse ja selbst nachlesen (der Preis erscheint mir sehr fair).

Dennoch möchte ich der Vollständigkeit halber noch einmal ein bisschen aus persönlich-subjektiver Sicht auf LIFE eingehen:
Mr. Richards berichtet zunächst (logischer Weise) von Kindertagen. Er erzählt von bescheidenen Verhältnissen (Armut wäre viell. übertrieben), von anderen Jungs, die ihm in Kindertagen auflauerten, um ihn zu verprügeln. Schließlich geht Keith zur Schule, schließlich hat er genug davon. Dazwischen berichtet der Schreiber von einem Chor, in dem er gesungen hat, von einem faszinierenden London, das vor über 50 Jahren noch ganz anders war und ausgesehen hat als heute.
Dann endlich kommt er (aber auch schon in Kindertagen) mit dem Rock & Roll und dem Blues in Berührung. Er würdigt sämtliche Musiker und Idole (u.a. Howlin' Wolf, Chuck Berry etc.) und deren faszinierenden Sound(s). So ein bisschen spricht Herr Richards sogar über seine Gitarrenabstimmung und wie er sie zu spielen pflegt (ist vermutlich für Gitarristen sehr interessant).
Aber alles der Reihe nach: Er trifft Mick, befreundet sich mit ihm. Sie stehen auf dieselbe Musik. Und ab hier wird Mick Jagger immer wieder auch kritisiert. Man kann recht deutlich herauslesen, dass Keith irgendwann so ein bisschen der Draht zum Steine-Frontman abhanden gekommen ist. Ich selbst glaube ja, dass das vor allem mit Keith Drogensucht zusammenhängt, die gegen Ende der 70er beinahe der ganzen Band zum Verhängnis geworden wäre.
Jedenfalls kommt (für mich halt) recht klar heraus, dass Mick in früheren Tagen ein sehr offenherziger Mensch gewesen sein muss (Keith gegenüber zumindest) und er erst nach und nach immer distanzierter und "kühler" wurde... Vielleicht auch ganz einfach eine Sache des Älterwerdens, würde ich jetzt mal meinen...
Aber nun zu sagen, ein Keith Richards wäre nicht erwachsen geworden, wäre falsch. Im Gegenteil: Durch seine Direktheit in Ausdruck und Sprache und mithilfe seines analytischen Gespürs hat Mr. Richards hier ein Lebenswerk geschaffen, das durchaus als authentisches Zeitdokument einer wichtigen Dekade der Rockgeschichte im Langzeitgedächtnis der Mitwelt haften bleiben dürfte.
Natürlich kommt in weiterer Folge auch die Geschichte der Rolling Stones (no na) ausführlich zur Sprache. Dabei wird offensichtlich, dass Keith offenbar eine Menge mit Saxophonist Bobby Keys (gleicher Geburtstag) verbindet. Auch andere Musiker, Einflüsse etc. kommen immer wieder zur Sprache und werden lobend oder weniger lobend erwähnt...
Ein bisschen schade finde ich persönlich, dass Keith nicht noch ein bisschen mehr über sein Verhältnis zu Charlie Watts erzählt hat. Aus dem 2002/03 erschienenen Schmöker ("According to The RS"), wo ja die 4 Steine in Kurzinterviewform die Geschichte der RS in eigenen Worten nacherzählen (im übrigen ein Musthave für jeden Fan!!), geht nämlich mehrere Male hervor, dass die beiden (zumindest) tiefer Respekt verbindet - man könnte auch schon fast von Freundschaft sprechen.
In LIFE jedoch kommt Mr. Watts - für meinen Geschmack - sehr kurz. Vielleicht ist das aber auch eine Art des Respektzollens gegenüber der Privatsphäre jenes Mannes - wie auch immer. Für meinen Geschmack hätt's diesbezüglich ruhig noch etwas mehr und etwas ausführlicher sein können. (Dann wart' ich halt auf die Charlie-Watts-Bio. Ist eh der Einzige, der noch nicht seinen Senf abgegeben hat - warten wir's ab...).
Am Ende geht es natürlich um gegenwärtige Projekte und Ideen, wie etwa die "Wingless Angels" und deren Musik. Auch diverse Geschichten aus Familie Richards kommen natürlich zur Sprache. Erstaunlich dabei ist, auf welche Details sich der Riffmaster dabei teils noch erinnern kann (und man nimmt sie ihm durchwegs ab, weil eben authentisch geschildert).
Von seinen Kindern gibt Keith verständlicher Weise nicht allzu viel preis, außer (freilich), dass er sehr stolz auf sie ist. Bemerkenswert finde ich in gewisser Hinsicht auch, dass Mr. Richards offenbar nie ein allzu großer Frauenheld war. Er hat es jedenfalls nicht nötig, dies an die große Glocke zu hängen und damit herumzuprahlen - vielleicht aber auch deshalb, weil er mit seinem jetzigen Umfeld nicht in Streit geraten möchte. However.
Letztendlich muss/kann ich im Großen und Ganzen Lob über dieses Mini-Monumentalwerk der Rockgeschichte schütten. Mr. Richards Sprache ist tatsächlich so ein bisschen wie seine Riffs: teils rauh, teils schmeichelnd, teils schlampig, teils "tight" - aber alles in allem fügt sich eben alles zu einem glaubwürdigen Ganzen zusammen.
Und ja, meine Damen und Herren, genau aus diesem Grund ist LIFE meines Erachtens eine gelungene Biographie, die auch nicht so eingefleischte Stones-Fans (wie mich) interessieren könnte...

Ich jedenfalls habe das Buch relativ schnell gelesen. Aktuell befasse ich mich ja mit der Mick-Jagger-Biographie, die ich (bis jetzt zumindest) ebenfalls für sehr informativ und besitzenswert halte...

LIFE = die Geschichte eines Rockveteranen, der Rock&Roll gelebt und mehr noch ÜBERlebt hat. Dies ist die erählte Form einer Lebensphilosophie, die man beim Lesen sofort spüren und erahnen kann. Keith zerknautschtes Gesicht hat selten würdiger ausgesehen (außer im Rampenlicht vielleicht) als am Buchrückenumschlag seiner Biographie - wenn man alles gelesen hat!

Meine Bewertung: LIFE könnte für meinen Geschmack noch eine Spur ausführlicher sein, vor allem was die Beziehung (auch aktuell) zu Bandkollegen betrifft. Ansonsten sind inhaltlich keinerlei Mängel feststellbar. Eine durchgehend authentisch verfasste Biographie, chronologisch korrekt, und dabei immer wieder mit interessanten Details ausgeschmückt.
Sprachlich ist es so, wie man es sich wahrscheinlich erwarten durfte - direkt, offen und immer kommt zum rechten Zeitpunkt ein augenzwinkender Kommentar daher, der die Erzählungen des Keith R. authentisch abrundet. Grammatikalisch gesehen ist es aber in jedem Fall schlüssig und zusammenhängend, sodass der Lesefreude diesbezüglich kein Abbruch getan wird.

GELUNGEN und deshalb auch EMPFEHLENSWERT!!

P.S. LIFE sollte aus oben genannten Gründen auf jeden Fall in jeder ordentlich geführten Rockbibliothek stehen. Mit Bob Dylans "Chronicles Vol. 1" (wann kommt da endlich eine Fortsetzung?) kann dieser Schmöker vergleichsweise jedoch nicht wirklich mithalten. Aber wie (und warum) sollte man denn auch Keith Richards und Bob Dylan an dieser Stelle ernsthaft miteinander vergleichen?? Es passt so, wie es ist - und damit (endlich) Punkt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 14, 2012 4:25 PM MEST


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