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Rezensionen verfasst von
Michael Krautschneider "Filmfan & Musikliebhaber" (Wr. Neustadt, NÖ)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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The Big Bang Theory - Die komplette fünfte Staffel [3 DVDs]
The Big Bang Theory - Die komplette fünfte Staffel [3 DVDs]
DVD ~ Johnny Galecki
Preis: EUR 9,97

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen TBBT 5 hat endgültig bewiesen, dass..., 5. November 2013
...auch recht "klassisch" strukturierte Sitcoms (mit Hintergrundlachern und "Slapstickmomenten" etc.) in der Gegenwart sehr, sehr erfolgreich sein können und nicht zuletzt auch, dass Nerds in Wahrheit saucool sind!
Anm.: Ich fand letztens nur "King Of Queens" und das leider schon abgesetzte "My Name Is Earl" auf so durchgehend hohem Unterhaltungs-Level angesiedelt!

Eigentlich wollte ich ja eine "allgemeingültigere" Rezension zur ganzen (bisherigen) Serie verfassen, aber nachdem ich gesehen habe, wie viele sich hier über Inhalt und Entwicklung von TBBT den Kopf zermartern, möchte ich hier gleich quer einsteigen!

Es stimmt schon: TBBT ist nun mittlerweile mehr zu einer Art Beziehungskiste geworden. Wer hätte je gedacht, dass der Möchtegern-Macho Howard jemals eine feste Freundin hat, ja sich gar verlobt?
Wer hätte gedacht, dass Leonard zum Frauenhelden mutieren würde?

Fest steht, dass nun absehbar ist, dass das Serienfinale (zu dem hin es hoffentlich noch viele Staffeln dauern wird) wohl darin gipfeln wird, dass der zuerst eigentlich völlig beziehungsunfähige Sheldon mit seiner Amy eine - mehr oder weniger - "normale" Beziehung eingeht. Dennoch sind die einzelnen Plots der Folgen nach wie vor so witzig und pointiert ausgearbeitet, dass ich keine der "neueren" Folgen missen möchte! (Und überhaupt: Dass z.B. Penny und Leonard irgendwann zusammenkommen würden, hat sich eigentlich schon von Episode 1 weg abgezeichnet - oder etwa nicht??)

Staffel 5 beginnt im Prinzip mitten im Chaos - mit dem Staffel 4 ausgeläutet wurde. Raj und Penny kommen fast nackt bzw. zerzaust aus Leonards Schlafzimmer getaumelt - mit der Anmerkung gegenüber eines verdutzten Leonards, dass es nicht das sei, wonach es aussehe... Einzig Sheldon (aber wie auch) kann sich darauf nicht gleich so recht einen Reim machen...
Leonard fühlt sich daraufhin natürlich bestätigt, abseits von Pennys Bannaura (zu der er sich ja trotz bereits längerer Beziehung zu Pyria, Rajs Schwester, offensichtlich immer noch sehr hingezogen fühlt), nach möglichen Liebeskandidatinnen Ausschau zu halten, was aber nicht lange währt... Wäre nur noch zu erwähnen, dass Howard die Möglichkeit erhält, ins All zu fliegen, wovon Bernadette zunächst jedoch nicht sehr angetan ist...
Soviel einmal zum Haupthandlungsbogen oder mittelfristigen Staffelstrang. Ich halte diese Grundideen, die bei TBBT immer konsequent - Staffel für Staffel - abgearbeitet werden, für sehr schlau. Trotz aller möglichen Verrücktheiten, die sich aufgrund der seltsamen Beziehungsgeflechte fast schon von ganz allein zu ergeben scheinen, verliert das Produktionsteam nie die Gesamthandlung aus den Augen... Für eine typische Sitcom eigentlich ungewöhnlich und gleichermaßen genial, wie ich noch dazu anmerken möchte!

------Achtung, teils SPOILERGEFAHR!!------

Nun zu den Kritiken bezüglich Erweiterung der Haupthandlungsträger: Ich finde es sogar gut, dass man die Charaktere mit schwergewichtigen Rollen stets erweitert. Somit lastet nie nur auf einem Hauptprotagonisten die schwere Last des Alleinunterhalters (was nämlich schlimmstenfalls auch sehr schnell zu Abnützungserscheinungen und Verödung führen könnte)! Die Hinzunahme von anderen Frauen, neben Penny, die mehr und mehr dem Suff zu verfallen scheint (hat die in den ersten Staffeln auch schon so viel Wein in regelmäßigen Abständen konsumiert?), halte ich für konsequent und folgerichtig. Ein Weg, der wie bereits richtigerweise festgestellt wurde, schon ab Staffel 4 eingeschlagen wurde. Sehr amüsant ist dabei die daraus resultierende, komplizierte, zunächst konfliktgeladene Dreiecksbeziehung zwischen Howard, dessen stimmgewaltige Mutter und Bernadette (die witzigerweise auch eine Nervstimme, die in gewisser Hinsicht der Howard's Mutter ähnelt, besitzt).

Leonard beendet - Gott sei Dank - endlich seine Fernbeziehung zur Rays Schwester, die mir offengestanden meiste Zeit nur auf die Nerven gegangen ist, was natürlich zur Folge hat, dass sich er und Penny wieder näher kommen dürfen. Mich hat es vergleichsweise auch in der 3. Staffel nicht gestört, als die beiden zusammen waren. Eher hat es mich genervt, dass er zwischendurch immer wieder wechselnde Partnerinnen hatte, die noch dazu, fast wie "Fremdkörper", hilflos mit den durchwegs genial besetzten Hauptrollenträgern zu interagieren versuchten... Passt also auch!

Die beiden größten Konstanten der Serie bleiben weiterhin Sheldon und der liebenswürdige Raj. Wobei ersterer natürlich die immer noch dankbarste Aufgabe hat, den stetig aneckenden, unangepassten Ultra-Nerd verkörpern zu dürfen, während zweiterer immer verzweifelter ebenfalls sein Glück in der Liebe zu finden sucht (zuerst mit einer Taubstummen, dann gar mit einer sexy Handystimme). Zwar ist Amy stets bemüht, Sheldon "beziehungsfähig" zu machen (obwohl das, und da muss ich schon zustimmen, eigentlich so gar nicht zum ursprünglichen Charakter Amys passt), doch mehr als ein Vertrag mit fest vorgeschriebenen Beziehungs-Verhaltens-Parametern kommt dabei (vorerst) freilich nicht raus. Abgesehen davon vielleicht, dass Sheldon Amy jetzt offiziell "Freundin" nennen muss/darf.
Auch Raj hat - obwohl er als einziger immer noch Single ist - dennoch einige (wennauch vielleicht unscheinbarere) Wandlungen durchgemacht. Er ist auffallend sensibler und weinerlicher geworden und seine homoerotischen Züge nehmen teils ausufernde, unglaubwürdige Züge an. Allerdings wird er im Verlauf dieser Staffel mehr und mehr in den Hintergrund gerückt und kann so seinem alten Image wieder gerechter werden und näher kommen... Einzig mit dem jetzt Vollzeitverlobten Howard kann er nicht mehr ganz so herzerfrischend und köstlich interagieren, wie das vor allem am Beginn der Serie noch der Fall war...

Fazit: Ich verstehe das viele Herumgejammere offengestanden überhaupt nicht! Natürlich hatten - vor allem Staffel 1 und 2 - ihren ganz ureigenen Reiz und Charme, der vor allem darin begründet lag, dass 3 Vollnerds und einer, der sich auch für die "normale" Welt da draußen interessierte, mit "trivialeren", eher dem Konflikt mit dem Normalalltag entsprungenen, Problemen zu kämpfen hatten als mit typischen Beziehungskisten. So ganz 0/8/15-typisch sind die hier ohnehin schon zu ausführlich beschriebenen "Beziehungskisten" aber dennoch nicht. Die Anmerkungen, Gags und spitzfindigen Kommentare (vor allem in den jew. Episoden-Vorspännen) gefallen mir ehrlich gesagt immer besser! Aus Dialogen geht mehr Situationskomik denn je hervor. Einfach fabelhaft!
Und außerdem wäre es ja (jetzt mal Hand aufs Herz) schlichtweg fad, wenn Sheldon & Co. immer noch unverändert mit denselben Problemen zu kämpfen hätten, wie dies eben beispielsweise in jüngeren Episoden den Fall war...
Ich hoffe, man versteht mich richtig. TBBT hat sich zweifelsfrei verändert - meines Erachtens jedoch nicht unbedingt zum Schlechten. Ich finde sogar, dass diese 5. Staffel insgesamt eine kleine Steigerung zur Vorgängerstaffel darstellt, bei der ich - trotz einiger Highlights freilich - auch einige schwächere Folgen ausgemacht habe...

Langer Rede kurzer Sinn: 5 STERNE und basta. Ich sehe die jetzigen Tendenzen positiv und glaube, dass die Macher der Serie noch so einiges aus der Überraschungs-Zauber-Kiste hervorkramen werden, wenn man sie denn lässt!

Immer noch großartig, erheiternd, intelligent, witzig und genial! Die Marotten der einzelnen Charaktere könnten einander großartiger sich nicht im Wege stehen, also sprich: ergänzen.
TBBT ist Unterhaltung für die ganze Familie, für Weiblein und Männlein gleichermaßen und besticht durch fast schon ungeheuerliche Konstanz - womit ich natürlich die stets vorhandene Qualität der Einzelepisoden verstanden wissen will.

SUPER!!


The Who - Maximum Rock: Die Geschichte der verrücktesten Rockband der Welt
The Who - Maximum Rock: Die Geschichte der verrücktesten Rockband der Welt
von Christoph Geisselhart
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Toll recherchierte Rock-Biographie mit vielen liebevollen Details!, 4. November 2013
Es ist in der Tat bemerkenswert, dass ausgerechnet jemand aus dem nicht-anglikanischen Sprachraum eine der vermutlich besten Rock-Biographien aller Zeiten geschrieben hat. Christoph Geisselhart ist Deutscher und Jahrgang '63, beschreibt die Außen- und Innenwelten der frühen bzw. werdenden The Who aber so verblüffend authentisch, als sei er selbst mit dabei gewesen in den Nachkriegswirren und den darauffolgenden aufregenden swingenden 60er-Jahren in London. "Maximum Rock" besticht durch Fachkenntnis, sprachliches Gespür sowie Liebe zum Detail, wie sie wohl nur ein echter Fan der Band zu offenbaren imstande ist.

Das eigentliche Meisterstück liegt meines Erachtens jedoch noch viel mehr darin begründet, dass es Herrn Geisselhart, der sich auch offen dazu bekennt Who-Fan mit Leib und Seele zu sein, nahezu mühelos gelingt immer wieder auch eine Art Vogelperspektive einzunehmen, die dem Leser - trotz aller Sympathie zu beschriebenem Stoff - einen außergewöhnlich objektiven Zugang zu zwischenmenschlichen Zerwürfnissen, internen Querelein und der unglaublichen, aber auch steinigen Erfolgsgeschichte einer der größten Bands des vergangenen Jahrhunderts ermöglicht.
Der Autor ist stets bemüht - obwohl man das im Lesefluss eigentlich gar nicht so merkt, weil's so selbstverständlich und natürlich geschieht - möglichst viele Aspekte für das Handeln bzw. Nicht-Handeln der hierin beschriebenen Personen darzulegen. Auch Milieus, Gruppierungen (z.B. die legendäre Mod-Bewegung) und soziale sowie politische Gegebenheiten werden nie außer Acht gelassen. Gleichzeitig bleibt trotz aller professionellen Sachlichkeit aber immer der Eindruck bestehen, dass dem Schreibenden diese Veröffentlichung wirklich am Herzen liegt. Ein äußerst gekonnter "Drahtseilakt", wenn man so will, also, der hier mit aller Leichtigkeit bewältigt wurde. Bravo!

Zum Inhalt des Schmökers - es ist der erste Band einer Triologie (den 2. hab ich übrigens auch schon gelesen) - möchte ich eigentlich gar nicht allzu viel sagen. Wie nicht anders zu erwarten beschäftigt sich dieses Buch vor allem mit dem frühen Werdegang von The Who, konkret vor allem mit dem Zeitraum von 1964-1971. Doch um eben diesen Zeitabschnitt mit all seinen eigenartigen, mitunter turbulenten Geschehnissen verstehen zu können, muss natürlich auch über die Zeit vor der Bandgründung ausführlich berichtet werden. Und es muss natürlich auch eine Auseinandersetzung mit den vier Hauptprotagonisten auf leicht psychologisch-philosophischer Ebene stattfinden. Wie konnte es je soweit kommen, dass vier so unterschiedliche Typen (und da kommen ja auch noch Manager, Produzenten etc. dazu!) ernsthaft gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten begannen? Da, Pete Townshend, der scheue, unsichere, in sich gekehrte, intellektuelle, ewig unzufriedene Kunst-Student mit seinem Riesenzinken (ist natürlich nicht bös gemeint, also nichts für ungut) im Gesicht; dort die mehr oder minder geerdete, "einfache" Verkörperung des Arbeitertypen in Form eines Roger Daltrey, der in seiner Jugend auch mal gerne die Fäuste in Konfliktsituationen sprechen ließ. Und dann noch der nach außen hin statische, aber durchaus lebenslustige "Brummbär", John Entwistle, der ob seiner Musikalität und seines unglaublichen Könnens und Gespürs den oftmals herabgewürdigten und belächelten Job des Rock-Bassisten in ganz neue Ebenen hievte. Und dann wäre noch die tragische, manische Figur Keith, alias "Moon The Loon", der trotz (vermutlich) unbeschwerter Kindheit zum Sorgenkind für seine Kollegen werden sollte und dessen Exzesse bereits - wenn auch nur ansatzweise & schemenhaft in diesen ersten Jahren - böse Vorboten in Form von dunklen Wolken am Horizont des strahlenden Rock-Star-Jet-Sets sein sollten; böse Vorboten für sein eigenes verkorkstes und jähes Lebensende.
Eigentlich erstaunlich, wie's die anderen geschafft haben, gerade noch rechtzeitig die Kurve zu kriegen... Aber eigentlich schweife ich da schon viel zu weit ab - darum geht's dann genauer in Band 2...
Natürlich wird auch etlichen Weggefährten (Manager, ausgetauschte Bandmitglieder von Vorgruppierungen etc.) gebührend Platz in dieser Who-Biographie eingeräumt, um das Gesamtbild (und das ist hier wirklich schon erstaunlich vollständig) würdig abzurunden...
Band 1 schließt - wie oben bereits erwähnt - mit dem Jahr 1971, also dem vermutlichen HÖHEPUNKT in der Karriere der Band, als das legendäre "Who's Next" für Furore sorgte...

Fazit: Als einer, der schon sämtliche großartige Dokus und Filme (z.B. "Amazing Journey: The Story Of The Who" oder auch "The Kids Are Alright") über die Band gesehen hat und sich generell gerne mit jüngerer Musikgeschichte auseinandersetzt (ja, ich hab z.B. auch Keith Richards "Life" u.a. gelesen), bleibt mir hier nichts anderes übrig, als eine unbedingte Leseempfehlung auszusprechen. Ein sehr lesenswertes, interessantes, detailreiches, aber kurzweiliges Buch, das man gewiss nicht so schnell und gerne wieder aus der Hand gibt, wenn man mal angefangen hat, darin zu lesen. Man freut sich als Leser wirklich schon immer auf die jeweils kommende Seite und trotz vieler tiefergehender Einblicke, ebbt diese Lesefreude nie ab. Einfach großartig! Sehr gut hat mir auch gefallen, dass Herr Geisselhart auf sämtliche andere Informationsquellen verweist (alte Weggefährten, das WWW etc.) und dass er zu den im Buch beschriebenem Zeitraum entstandenen Alben auch persönliche Verbalbeurteilungen abliefert - sogar zu den einzelnen Songs (inkl. Tipps für rare Aufnahmen)! Das rundet die Sache wunderbar ab und macht diesen ersten Teil (aber auch der darauffolgende ist sehr lesenswert - freuen Sie sich schon drauf!) somit noch authentischer, als er aber eigentlich ohnehin schon ist!

Nicht selten habe ich während des Lesens den Drang verspürt (dem ich teils auch nachgekommen bin), meine (nicht ganz komplette, geb ich zu) Who-Sammlung in chronologisch korrekter Reihenfolge nebenher aufzulegen! Die perfekte Band-Bio für eigentlich jeden, der etwas auf Rockmusik (auch durchaus modernere) und deren Herkunft hält...

Neben dem (allerdings autobiographischen und eigentlich nicht vergleichbaren) Dylan-Prunkstück "Chronicles Vol. 1" war "Maximum Rock" bisher die beste Rock-Biographie, die ich lesen durfte!
Vielleicht kann man die gesamte Triologie (Band 3 hab ich allerdings noch nicht gelesen, bin aber dennoch guter Dinge diesbezüglich) sogar als eine Art "Standardwerk" der Rock-Geschichte sehen. Ein Werk, auf das Christoph Geisselhart jedenfalls mit Fug und Recht stolz sein kann!

Phantastisch - das macht in Summe natürlich wohlverdiente 5 STERNE!!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2015 1:15 AM CET


A Bigger Bang
A Bigger Bang
Preis: EUR 16,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen A BIGGER BANG - 8 Jahre später schon verpufft?, 3. November 2013
Rezension bezieht sich auf: A Bigger Bang (Audio CD)
Obwohl ich mich nach seinem aktuellen Erscheinen (2005 war das genau) recht intensiv mit der letzten offiziellen Studioveröffentlichung der Stones (das Exile- und Some-Girls-Extra lasse ich jetzt einmal unbeachtet) befasst habe, ist die Scheibe seither nicht mehr wirklich oft in meinem CD-Player gelandet. Sogar Stones-Scheiben wie "Bridges To Babylon" oder "Steel Wheels" ("Voodoo Lounge" sowieso) habe ich mir mittlerweile öfter angehört als "A Bigger Bang".
Offenbar scheint dies einmal mehr zu bestätigen, dass der Hype um den damaligen Stones-Neuling eher der Tatsache geschuldet war, dass die Steine überhaupt noch Musik machen, als dass so viele großartige Tracks darauf vorzufinden wären. Klingt gemein, ich weiß. Zur allgemeinen Beruhigung möchte ich jedoch noch beisteuern, dass ich gewiss ein großer Stones-Bewunderer bin, der, bis auf "Undercover", ausnahmslos alle Studioveröffentlichungen der Rolling Stones besitzt, dazu kommen freilich noch etliche Live-Platten und die eine oder andere Bootleg.

"A Bigger Bang" ist im Grunde ähnlich wie sein Vorgänger (das 1997 erschienene "Bridges To Babylon") produziert: üppige Klänge, dichte Soundteppiche, hohe Lautstärkenpegel. Doch während sich all diese technischen Experimente auf dem Vorgänger in gewisser Hinsicht tatsächlich interessant und neu anhören, wirken sie auf vorliegendem Silberling teils deplatziert.
Mal ehrlich: Der Mitsummträllerer "Streets Of Love" etwa - auf den ich übrigens im Zuge der Greatest-Hits-Compilation "GRRR" nochmals richtig aufmerksam geworden bin, und der mir seither richtig gut gefällt - ist ein eher ruhiger, zurückhaltender Beitrag, der beweist, dass Studioaufbesserungsarbeit höchsten wenige Prozente eines wirklich guten, gefühlvollen Songs ausmachen.
Oder umgekehrt betrachtet: Der knackige Opener "Rough Justice" gefällt mir live dargeboten besser - weil da der natürliche, nicht gar so harsch-ruppige, stonestypische Gitarrensound besser zu Geltung kommt. Im Grunde ist das eine sehr gelungene Komposition, sehr Stones-like sogar, nur eben unnötig raufgepegelt und "aufgemascherlt". Selbiges gilt für andere musikalische Beiträge auf "A Bigger Bang", wie etwa "It Won't Take Long", das mit einem Keith-typischen Riff eröffnet wird, aber in weiterer Folge nur noch unangenehm an andere jüngere 0/8/15-Plattenveröffentlichungen erinnert. Kurz gesagt: Guter Sound muss freilich sein und auch die Zeiten und die Studiotechnik ändern sich, ganz klar. Dennoch haftet dem Album eine spürbare, distanzschaffende Kühle an, die während des ganzen Albums fast nie schwindet - mit einigen wenigen Ausnahmen.
Songs, und es sind ja gleich stolze 16 an der Zahl (!) - nur "Exile..." hatte noch mehr, die wirklich Nachhaltigkeit bewiesen haben, kann man eigentlich an einer Hand abzählen. Neben den beiden zuvor erwähnten Tracks wären dies meines Erachtens etwa das bluesige "Back Of My Hand", das etwas ziellose, unausgegorene, aber dennoch sehr stonesmarkante "She Saw Me Coming", mit seinen befeuernden Endlosmelodiebögen oder aber auch "Oh No Not You Again" (das live allerdings im Vgl. zur Studioversion ziemlich flach klingt) sowie Mr. Richards "Infamy", das den Schlusspunkt der Scheibe markiert...
Der Rest? Ziemlich belangloses Mittelmaß, wenn man es nüchtern sieht (und das fällt mir als Stones-Freund gar nicht mal so leicht, um ehrlich zu sein)...

Was bleibt also - aus heutiger, "objektiverer" - Sicht zurück von "A Bigger Bang"? Größtenteils, so muss man leider sagen, nur heiße Luft, Dunst, Qualm... Wirkliche beständige Hochkaräter hat die Platte tatsächlich kaum aufzubieten. Hätte man den einen oder anderen überflüssigen Song weggelassen und mehr auf Bescheidenheit - auch bezüglich des Soundcharakters - gesetzt, wäre am Ende vermutlich etwas Bleibenderes als diese insgesamt durchschnittliche Platte herausgekommen.
Freilich hört man deutlich heraus, dass es die Stones sind, die an hiesigem Album gearbeitet haben. Freilich habe ich mich dennoch gefreut, als irgendwann im Spätsommer/Herbst 2005 verkündet wurde, dass die Rolling Stones nach langem endlich wieder einmal ein Studioalbum veröffentlichen werden! Dennoch kann das insgesamt über die Durchschnittlichkeit dieses Gesamtwerkes nicht hinwegtäuschen...

Fazit: "Bridges To Babylon" ist besser, obwohl noch "aufgedonnerter" bezüglich Sound, weil es letztendlich interessantere Kompositionen enthält. Das oftmals (mir unverständlicherweise) ungeliebte "Voodoo Lounge" ist sogar fast zwei Klassen besser - 1. aufgrund des viel Stones-typischeren Sounds und 2. weil es ganz einfach viel mehr interessante und gelungene Kompositionen enthält... Mit den echten, alten Klassikern der Band ist dieses Werk sowieso nicht vergleichbar. Vielleicht (um viele Ecken gedacht) könnte man "A Bigger Bang" in etwa auf einem Level mit dem 1989 erschienenen "Steel Wheels" sehen. Ja, das käme meiner Meinung nach so ungefähr als Orientierungshilfe hin!

Macht in Summe - auch heute noch - 3 Sterne geradeaus. Echte Stonologen und Komplettisten kommen an der Scheibe aber ohnehin nicht vorbei...

Gerne damit auseinandergesetzt, aber letztendlich in Summe nicht wirklich befriedigend!

P.S. Das Remaster halte auch ich offengestanden für unnötig. Reine Marketingstrategie, weiter nichts... Aber gut, man muss ja auch nicht alle 3 bis 4 Jahre seine Stonessammlung austauschen. (Ich halte ja die 2003er-Remasters für die letzten wirklich essenziellen, wobei ich auch einige 90er-Jahre-Verschnitte in meiner Sammlung habe, wenn ich mich da jetzt nicht täusche...).

That's it.


Singles
Singles
Preis: EUR 13,96

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen (Grunge-)Schmelztiegel der frühen 90er!, 1. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Singles (Audio CD)
Wie andere meiner Generation (Jahrgang '85) wohl auch bin ich erst über Umwege, sozusagen im Nachhinein, über "Singles", dem Soundtrack zum gleichnamigen Film, gestolpert. Nichtsdestotrotz bin ich (vielleicht auch gerade deshalb) umso mehr von diesem "Soundtrack einer Generation" angetan und schwer begeistert.

Grundsätzlich sind hierauf wirklich alle wichtigen Grungebands (bitte lyncht mich ob meines Unwissens nicht gleich, wenn dennoch einige wichtige hierauf fehlen sollten!) der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre vertreten, wobei Pearl Jam dabei wohl die bis heute bekanntesten Vertreter auf "Singles" sein dürften. Ihre musikalischen Beiträge ("Breath", "State Of Love And Trust") waren mir als großer PJ-Fan natürlich auch schon vor Erwerb dieses Silberlings bekannt (Live-Aufnahmen, Bootlegs), allerdings waren dies die ersten Studiofassungen, die ich je hören durfte (unglaublich, dass dafür auf "Ten" und "Vs" kein Platz war!) - und die sind nochmal "anders" gefällig, gefallen mir in hiesiger Version fast noch besser. Wirklich große Klasse!

Aber auch die allseits bekannten Mannen von Soundgarden ("Birth Ritual") bzw. deren Frontmann Chris Cornell ("Seasons") liefern hierauf glänzende Beiträge ab, wobei vor allem "Seasons" unter die Haut geht und mir bis dato keine anderen Alben bekannt sind, auf denen der Track drauf sein könnte. "Birth Ritual" kennt man als Fan bzw. Interessierter natürlich schon von den Soundgarden-Platten...

Kurzum: Eigentlich sind alle Tracks auf "Singles" echt klasse! Besonders gefällt mir auch, dass man mit "May This Be Love" einen Jimi-Hendrix-Titel mit dazu genommen hat - eine schöne Geste (der Song passt wohl auch ganz gut zum Film, den ich offengestanden aber noch nicht gesehen habe) an einen älteren (heute müsste man ja eigentlich sagen: noch älteren) Seattler Kultmusiker! Auch "Nearly Lost You" von den hierzulande nahezu unbekannten Screaming Trees ist ein Puzzlestein, der die Platte insgesamt stimmig abrunden hilft.
Aber auch die anderen Beiträge wissen zu überzeugen, die da wären: Alice In Chains mit "Would?" (als Opener), The Lovemongers mit "Battle Of Evermore" und Mudhoney (die ja als Grunge-Urgesteine gelten) mit dem fetzigen "Overblown".
Ach ja, einen Nicht-Seattler Beitrag gibt's auf "Singles" ganz am Schluss auch noch, wenn die Smashing Pumpkins (die meines Wissens ja aus Chicago kommen) mit ihrer soften Hymne "Drown" den Schlusspunkt dieser durch und durch geglückten Scheibe markieren dürfen.

Einzig die beiden Paul-Westerberg-Songs finde ich bis heute nicht so toll. Sie wirken irgendwie sogar ein bisschen wie Fremdkörper auf dem ansonsten nahezu perfekt harmonierenden, super abgestimmten "Singles". Mag zwar sein, dass diese beiden Songs ("Dyslexic Herat", "Waiting For Somebody") gut zum Filmfluss passen, rein musikalisch gesehen hauen sie mich ehrlich gesagt aber nicht um. (Dennoch ist das leicht verschmerzbar, betrachtet man den Rest der Platte!)

Also: Diese Scheibe besteht eigentlich ausschließlich und ausnahmslos aus tollen Tracks. Mein persönlicher Überdrüber-Favorit auf "Singles" ist aber mit Sicherheit das unwiderstehliche "Chloe Dancer/Crown Of Thorns", das ich zunächst nur als Live-Version von Pearl Jam kannte. Die Formation Mother Love Bone (der u.a. auch die späteren Pearl Jam entspringen sollten), die 1992, als "Singles" veröffentlicht wurde, bereits der Vergangenheit angehörte (weil Frontmann Andy Wood seinem Leben mit einer Überdosis Heroin ein jähes Ende gesetzt hatte), beweist mit diesem Track, wie vermeintlicher "Schmuddelrock" auch im Kuschelgrenzbereich völlig unproblematisch funktioniert - und das, ohne sich in irgendeiner Form anbiedern zu müssen. Tragischer Weise könnte man (aus heutiger Sicht) in diesem Song freilich auch eine Art Vorab(ab)gesang eines Andy Wood sehen, der hier mit seiner wunderbaren Stimme sämtliche emotionale Bereiche im Hirn auslotet. Brrrrr... richtig gänsehauterregend, aber eben auch unglaublich SCHÖN!!!

Fazit: Zwei austauschbare Solala-Songs + 11 Klassetracks, die mehr als viele andere Alben ihrer Zeit den Soundtrack einer ganzen Generation widerzuspiegeln imstande sind (mit Ausnahme des Hendrix-Beitrages), sind meines Erachtens mehr als genügend Gründe, die eindeutig für den Erwerb dieses Soundtracks sprechen. Ich denke, dass nicht nur Nostalgiker und solche, die auch den dazugehörigen Film gesehen haben mit "Singles" voll auf ihre Kosten kommen werden. Macht's wie ich! Wenn ihr Bands wie Pearl Jam, Soundgarden, Alice In Chains etc. mögt - oder auch nur auszugsweise mögt, dann seid ihr hier genau an der richtigen Adresse! Wer sich als Musikfreund nicht unbedingt sämtliche alte Grunge-Platten um möglicherweise viel Geld nachkaufen will, der kann (vorerst wenigstens) beruhigt zu "Singles" greifen. Ihr werdet's nicht bereuen, Leute!
Als "Ersatz" für die großartigen Alben, die z.B. Soundgarden und/oder Pearl Jam gemacht haben, reicht "Singles" jedoch natürlich nicht - keine Frage. Aber das ist ja sowieso wiederum eine eigene Geschichte...

P.S. Interessant ist, dass kein einziger Nirvana-Song auf "Singles" Platz gefunden hat. Mag auch sein, dass man (oder die Band vielleicht sogar selbst) den damaligen Megahype aber nicht noch zusätzlich anheizen wollte. Jedenfalls hätte der eine oder andere Nirvana-Titel auch ganz gut auf "Singles" gepasst...

Klare 5 Sterne. Für mich der beste Soundtrack-Sampler, den ich bislang in meine CD-Sammlung integrieren durfte - Spitzenklasse!


Wildflowers
Wildflowers
Preis: EUR 4,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tom Pettys bestes Album?, 1. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wildflowers (Audio CD)
Wer sich auch nur einigermaßen mit den unergründlichen Weiten und Tiefen von Musik, und sei's "nur" Populärmusik, beschäftigt, der wird eines Tages freilich auch an einem Tom Petty nicht vorbeikommen!
Mit seinen HEARTBREAKERS hatte er anno 1994 (als vorliegendes Album erschien) schon zur Genüge für Aufsehen gesorgt. Gerade mal ein Jahr zuvor war eine Greatest-Hits-Scheibe auf den Markt gekommen, die die bisherige Bandgeschichte noch einmal (auszugsweise freilich) Revue passieren ließ...

"Wildflowers", von der Betitelung her ja ausdrücklich ein Tom-Petty-Album (also ohne die Heartbreakers), genießt bis heute eine ganz besondere Stellung bei Kritikern und Fans. Ich habe die Platte sogar in einem Ranking, bei dem es um die besten/bedeutendsten Alben der 90er ging, mal ganz weit oben (Platz 13 od. 14 von 100!) gesehen!
Erstaunlich ist das für mich zumindest insofern, als dass "Wildflowers" eine - mehr oder weniger - "typische" Heartbreakers-Platte ist (eigentlich spielen hierauf so ziemlich dieselben Musiker wie sonst auch) und auch die Kompositionen weder wirklich neu noch innovativ klingen...

Ob der blonde Schlaks denn tatsächlich so viele einflussreiche und bedeutende Freunde und Gönner im obersten Musikbiz hat, wie ihm des Öfteren gerne nachgesagt wird, weiß ich nicht. Fest steht aber, dass er immerhin schon mit Größen wie Bob Dylan ode z.B. Johnny Cash (man höre Teile der großartigen American-Recordings!) zusammengearbeitet hat. Mehr noch: Teilweise waren es sogar ausgerechnet seine Songs, die da von diversen Größen ihres Fachs neuinterpretiert wurden. Von etwaigen Coverversionen, wie etwa einem "I Want Back Down", wie sie etwa die Herren von Pearl Jam beim einen oder anderen Live-Gastspiel mal zum besten gegeben haben, rede ich hier noch gar nicht...

Kurzum: Tom Petty hat sich seinen Bekanntheitsgrad und seine musikalischen Lorbeeren mit Sicherheit verdient! Auch eine Superbowl-Halbzeitshow darf nicht jeder mal eben so nebenbei musikalisch ausfüllen...

Nun aber zum oftmals hochgepriesenen "Wildflowers". Was ist denn das Besondere an der Platte?
Nun, für mich ist da erstens einmal dieser authentische, knackige Sound. Die Scheibe klingt sehr frisch, dynamisch und echt und das, ohne anbiedernd und/oder "aufgedonnert" zu wirken. Die Kompositionen sind schlicht, geradlinig, strotzen teils nicht unbedingt vor Einfallsreichtum - dennoch sind sie in Kombination mit der großartigen Band allesamt sehr gelungen! Wie in Tom Pettys Fall nicht selten findet man auf "Wildflowers" ein gefälliges Songsammelsurium, das sich stilistisch irgendwo in den Bereichen Pop, Rock, Country und der Wurzel aller Populärmusik, dem Blues einordnen lässt. Bemerkenswert ist vielleicht noch, dass die Scheibe mit 15 Tracks recht üppig bestückt ist - vermutlich wären - wenn man böse sein will - 3 Songs weniger auch nicht entscheidend ins Gewicht gefallen...
Aber die Platte hat durchaus ihre Highlights. Schon die Eröffnung mit dem melodiösen Titeltrack ist mehr als gefällig und lädt seine Hörer (spätestens bei Hördurchgang Nr. 2) zum Mitsummen ein! Aber auch "You Don't Know How It Feels" überzeugt mit einem geradlinigen, aber sehr groovigen (thanks Mr. Ferrone on Drums!) Beat, der sich, untermalt von nahezu (Neil) Young'scher Harppassagen und ohne sich unangenehm aufdringlich-penetrant anzubiedern, zum Dauerbrenner entwickelt.
Mein absoluter Favorit auf "Wildflowers" ist aber das knochentrocken hingefetzte "You Wreck Me", das a. wiederum sehr einfach gestrickt ist, b. groovt, dass einem das Herz fast überläuft und c. ein- und nachdrücklich beweist wie gut Rockmusik sein kann, wenn man mit Gespür und Leidenschaft bei der Sache ist. Ein echter Ohrwurm, der aber bis heute nichts von seiner Spritzigkeit und Dynamik eingebüßt hat (vor allem das Gitarrensolo ist superb)... Spitzenklasse!
Mit dem darauffolgenden "It's Good To Be King" sei noch ein weiterer Anspieltipp meinerseits genannt, den Rest lasse ich Sie nun aber guten Gewissens selbstständig erforschen...

Fazit: "Wildflowers" wirkt auf den ersten Blick bzw. beim ersten Mal Hinhören vermutlich viel unscheinbarer, als es denn tatsächlich ist. Der Titel des Albums könnte eigentlich kaum passender gewählt sein - nur "Wallflowers" (also Mauerblümchen) wäre den Songs, deren Klasse man teils womöglich erst entdecken muss und die aber auch entdeckt werden wollen, am Ende womöglich noch gerechter geworden (ohne hier böse klingen zu wollen). Andererseits hat das WILD in den Wildflowers schon auch seine Berechtigung. Denn man hat es hier mit "handgemachter" Musik zu tun, mit angenehmen Ecken und Kanten und einem grandiosen Sound, der trotz aller Natürlichkeit (oder eben gerade deshalb) nie altmodisch, unzeitgemäß oder dergleichen klingt.
Obwohl die zuvor kurz angesprochene hohe Platzierung in einem 100er-Ranking der besten Alben der 90er vielleicht ein bisschen hochgegriffen sein mag (da gab's schließlich so eine Unzahl an Klassealben in dieser Zeit, aber lassen wir das jetzt), ist Tom Petty (UND größtenteils seinen Heartbreakers) mit "Wildflowers" nicht nur eins seiner besten Alben (vielleicht gar sein bestes?) gelungen, sondern vielmehr ein Album, das auch sämtliche andere Hörerschichten und/oder Musikinteressierte ansprechen wird...

"Wildflowers" ist ein schöner Beweis dafür, dass man als Pop/Rockmusiker das Rad nicht ständig neu zu erfinden braucht, sondern ganz einfach auf sein Gespür hören muss, wenn man - wie in Mr. Pettys Fall - ein begnadeter Musiker und Songinterpret ist, der noch dazu auf eine großartig eingespielte Band zurückgreifen kann...

Mich hat die Scheibe - trotz vielerseits ausführlichem Lob (und das schreckt manchmal gewissermaßen ja auch ein wenig ab) - jedenfalls positiv überrascht. Und ich hab sie erst vor wenigen Monaten gekauft, das erste Mal aufgelegt und bewusst gehört!
Musik, die nicht unbedingt innovativ sein möchte, aber mühelos begeistern kann, ohne aber anbiedernd und/oder allzu kommerziell zu klingen. Ein gelungener Drahtseilakt also, der hier völlig "unangestrengt" und natürlich bewältigt worden zu sein scheint... Bravo!

5 Sterne dafür!


VU
VU
Preis: EUR 5,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Besitzenswerte & gefällige "Retro-'Retronachreichung'", ganz im Sinne und Stile ihrer Schöpfer!, 28. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: VU (Audio CD)
Lou Reed ist tot. Vier Worte, dahinter: ganz viel Gefühl und noch mehr Leere. Es wäre vermutlich angebracht nun eine Art Nachruf, ausgeschmückt mit hochtrabenden Worten folgen zu lassen. Das aber obliegt, so würde ich meinen, in aller erster Linie seinen nächsten Verwandten und Freunden. Und vielleicht ehrt man Mr. Reeds Nachlass als Fan seiner Musik am besten damit, indem man sich mit seinen zu Lebzeiten geschaffenen Werken auseinandersetzt, wie in diesem Fall.
Ehrlich gesagt habe ich noch immer ein eigenartiges Gefühl im Bauch, wenn ich darüber nachdenke, was ich da letztens im Teletext lesen musste: "Rocklegende Lou Reed tot". So wenig Worte - so viel(e) an Gedanken, Emotion(en)...

"VU", das einer leider erst viel zu spät erwachsenen Fangemeinde Mitte der Achtziger quasi "nachgereicht" wurde, beinhaltet ausschließlich älteres Songmaterial. Konkret spreche ich hier vom Zeitraum 1969-1970. Es ist ja interessant und eigentlich eine Schande, wenn man bedenkt wie wenig Gegenliebe das New Yorker "Untergrund-Kunst-Projekt", rund um A. Warhol, einst erfuhr und wie lange es dauerte, bis Musikpresse und sogenannte "Fachleute" sich ernsthaft mit TVU und deren Großtaten auseinandersetzten. Trotz seines späten Erscheinens passt "VU" wunderbar in den seltsamen musikhistorischen Kontext, der zu TVU dazugehört. Ich kann mir gut vorstellen (bin Jahrgang `85), dass "VU" Mitte der Achtziger auch nicht gerade überschwänglich und/oder begeistert vom damaligen Massenpublikum aufgenommen wurde. Zu "verstaubt", zu "retro" hören sich Sound und Aufmachung der Scheibe nämlich an, um mit dem damaligen Zeit(un)geist in irgendeiner Form Schritt halten zu können. Ich glaube, dass es kaum einen ungünstigeren Zeitpunkt als die elektronik- und discogeschwängerten Mittachtzigerjahre geben hätte können, um "VU" einer breiteren Hörerschaft zugänglich zu machen...
Aus heutiger Sicht macht das diese Scheibe aber nur noch interessanter, wie ich finde. Und tatsächlich muss ich an dieser Stelle festhalten, dass "VU", gemeinsam mit "The Velvet Underground & Nico" (oder kurz: "Bananenalbum") sowie "Loaded" (der eigentlichen Letztveröffentlichung der Band, die aber bereits über ein Jahrzehnt zuvor veröffentlicht worden war) meine Lieblingsplatten von TVU sind. Und die Tatsache, dass "VU" seinerzeit so ziemlich die "uncoolste" Platte gewesen sein muss, macht sie mir umso sympathischer! "VU" ist mehr oder weniger eine durch und durch "typische" VU-Scheibe, samt Soundcharakter, Klangbild etc. Die Scheibe "kratzt" und "knackst", ist voller Ecken und Kanten und genau das macht sie so unbeschreiblich schön für mich. Zwar haut mich zugegebenermaßen auch nicht jeder Track hierauf vom Hocker, dennoch ist die Scheibe schlicht und einfach unentbehrlich und es wäre eine riesengroße Lücke gewesen, hätte man dieses Album nicht doch noch verspätet auf den Markt geworfen...
Beweise gefällig? Nun gut. Der eindrücklichste befindet sich meines Erachtens gleich am Beginn der Platte und nennt sich "I Can't Stand It" (wovon's übrigens auch eine interessante Live-Veröffentlichung gibt - man höre die beiden Silberlinge "1969", siehe Amazon!). Eine rasselnde, scheppernde, schwungvolle Nummer, voll gewollter Unvollkommenheit und Leichtigkeit und Schwere in einem! Ein typischer VU-Track eben, der wohl mitunter zu den besten seiner Art gehört! Aber auch andere Songs auf "VU" wissen zu überzeugen. Hören Sie selbst...

Fazit: "VU" ist für VU-Liebhaber sowieso unumgänglich, es ist meines Erachtens sogar eines ihrer besseren Werke (wenngleich hierbei festgestellt werden muss, dass es im Grunde keine schlechten VU-Platten im Allgemeinen gibt)! Klar, die Platte hört sich "retro" an, aus heutiger Sicht allerdings nicht mehr als andere ältere Veröffentlichungen ihrer Art, egal ob sie den 60ern, 70ern oder 80ern entstammen.
Was ich in Bezug auf diese Scheibe in jedem Fall versprechen kann: 1. Da, wo TVU draufsteht, ist auch TVU drin und 2. Leute, die die Band mögen, werden von dieser "Sonderstatusplatte" mit Sicherheit nicht enttäuscht sein!

Zugreifen und daran erfreuen - mehr als nur ein Geheimtipp! Zu hiesigem Preis ist das Album ja ohnehin schon fast ein Geschenk!

"VU" - ein weiteres Stück Unsterblichkeit am langen, steinigen Pfad der neueren Musikhistorie.
In diesem Sinne: R.I.P., Mr. Reed!

In jedem Fall gefällig und besitzenswert!

P.S. Eigentlich ist es ja traurig (und wiederum ein Beweis für die Geringschätzung bzw. Unbekanntheit der Scheibe), dass das hier erst die 5. Rezension zu hiesigem Silberling ist. Das sollte sich schleunigst ändern, liebe Freunde guter Musik...


Lightning Bolt
Lightning Bolt
Preis: EUR 6,99

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pearl Jam trauen sich wieder, "Pearl Jam" zu sein! ****/*****, 17. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Lightning Bolt (Audio CD)
Zugegeben: Ich war zu allererst nicht sonderlich angetan vom PJ-Neuling namens "Lightning Bolt" (LB), sieht man einmal von der vorab preisgegebenen Single "Mind Your Manners" ab. Doch Musik, vor allem gute, braucht bekanntlich ihre Zeit und so möchte ich nun offen und ehrlich und reumütig an alle, die möglicherweise meine Erstrezension hierzu gelesen haben, herantreten und sagen: Ja, ihr habt recht - in diesem Album schlummert viel mehr, als man (möglicherweise) zunächst glauben möchte...

Um konkreter zu werden: Vergleicht man LB mit dem direkten Vorgänger ("Backspacer"), so lässt sich feststellen, dass alles, was auf "Backspacer" gekünstelt "jugendlich"-punkig und unangenehm aufgesetzt gewirkt hat, auf LB verhältnismäßig besonnen, vertraut, echt und authentisch daherkommt! Man könnte fast sagen, PJ trauen sich wieder PJ zu sein!
Denn trotz einiger echter Hochkaräter, die "Backspacer" aufbieten konnte (ich denke da konkret an den Ohrwurm "The Fixer", ans schön dahinplätschernde "Just Breathe", ans monumental anmutende "Unthought Known" sowie an "Amongst The Waves"), wirkte die Scheibe atmosphärisch ein wenig gedrungen, kühl und unglaubwürdig - und dann kam noch dieses aufgedonnerte Front-Cover hinzu, das entfernt an 90er-Jahre-Punkbands alias The Offspring oder Green Day erinnerte... Genaueres hierzu kann bei Interesse aber gerne in dazugehöriger Rezi nachgelesen werden!

Kurz gesagt: LB ist wieder ein Schritt zurück - oder eher vorwärts - zu sich selbst. Zwar würde ich nicht so weit gehen und behaupten, dass das "alte" PJ-Feeling wieder da ist (weil ich da sofort an Alben wie "Ten" oder "Vs" denken muss), aber atmosphärisch ist es ganz ohne Frage wieder ein 100%iges Pearl-Jam-Album, so wie's aber eigentlich alle (bis auf "Backspacer" im Ganzen gesehen) bis dahin waren. Auch "Pearl Jam", "Riot Act", "Binarual" und wie sie alle geheißen haben, waren auf ihre Art authentisch und sehr, sehr gut - auch wenn's hier und da selbstverständlich mal persönliche Geschmacksdifferenzen gegeben hat...
Möglicherweise eignet sich eben genanntes "Riot Act" (das meines Erachtens auch in Fankreisen teils zu wenig geschätzt wird) sehr gut, um Parallelen zum gegenwärtigen LB herzustellen. Die Atmosphäre des Neulings würde ich - ähnlich eben wie bei "Riot Act" - eher als schwermütig und melancholisch bezeichnen. Freudige, unbeschwerte Tanznummern wie "Swallowed Whole" und nahezu "klassische" PJ-Fetzer wie eben "Mind Your Manners" sind eher die Ausnahme. Im Gesamten gesehen bleibt eher Nachdenklichkeit zurück, wenn man sich LB zu Gemüte geführt hat, die bittersüße Schwere von Tracks wie "Sirens" (das zunächst nicht außergewöhnlich klingt, aber unverkennbar ein waschechter PJ-"Softer" ist) oder "Infallible", bei dem ich überhaupt Vedders beste gesangliche Leistung auf diesem Album herauszuhören glaube und das mittlerweile zu meinem Liebling auf LB avanciert ist - neben zuvor schon angesprochenem "Mind Your Manners", auf dem Matt Cameron (vermutlich der beste Drummer der Gegenwart) ein Intro auf seinem Yamaha-Set (Snare-Bassdrum) hinlegt, dass einem das Herz aufgeht...
Aber auch das von Experimentierfreude gekennzeichnete "Pendulum" halte ich jedenfalls für interessant und für einen gelungenen Versuch, dem Album "Tiefe" zu geben. Weiters erwähnenswert finde ich den Opener "Getaway", der trocken und knackig einen gefälligen Einstieg liefert...

Dennoch - und trotz all dieser positiven Aspekte - muss ich noch festhalten, dass hier und da nicht jeder Track auf LB das Zeug zum vermeintlichen PJ-Klassiker hat. Zwar ist da Album insgesamt sehr stimmig, harmonisch geworden und auch am Sound könnte man freilich nichts aussetzen, aber trotzdem werden Songs wie "Sleeping By Myself" und/oder "Future Days", die meiner Meinung nach überhaupt besser auf ein Eddie-Vedder-Soloalbum gepasst hätten, bestenfalls Lückenfüller in einer Live-Show der Seattler Grunge-Rock-Veteranen sein... Bei allem Respekt freilich vor dem einzigartigen Frontmann!
Ein bisschen irritierend kommt mir ehrlich gesagt auch das Cover der Scheibe vor, ebenso der Titel. Wenn in einem Bild (das mir übrigens sehr gut gefällt) derart viele Symbole (Kreuz, Sichelmond, Sendemasten, Blitze, das alles sehende Auge etc.) verarbeitet sind und der Titel dazu auch noch "Lightning Bolt" heißt, dann erwarte ich persönlich wenigstens etwas mehr Punch, Power und Punk. Das soll jetzt nicht heißen, das vorliegender Silberling all diese "Tugenden" vermissen ließe, dennoch ist das für mein Empfinden irgendwie nicht stimmig. Ich bin ja sogar schon wo weit gegangen und haben im Albumtitel eine Referenz auf Jake Buggs (der dem jungen Dylan seinerseits wiederum alle Ehre macht) Megahitsingle des letzten Jahres gesehen... Dies würde aber vermutlich zu weit führen...

Fazit: LB ist ein vielleicht ungewohnt "ruhiges" PJ-Album, das atmosphärisch an Scheiben wie "Riot Act" und - vielleicht sogar noch mehr - "Binarual" erinnert. Musikalisch kann man den Mannen aus Seattle sowieso nie etwas vorwerfen, es kann nur sein, dass man der Scheibe ein bisschen Zeit geben muss, damit sich ihre wahre Schönheit so richtig entfalten kann und erfahren lässt. Am besten klingt die Scheibe meines Erachtens, wenn man sie am Stück hört - dann erfährt/begreift man nämlich auch die wunderbare Atmosphäre, die LB innehat. Und obwohl's bestimmt schon PJ-Platten mit mehr Hitpotenzial gegeben hat, bleibt nur festzustellen (aber gut, ich mag die Band halt auch wirklich), dass LB nur ein weiterer Beweis dafür ist, wie dringend die Welt Pearl Jam immer noch nötig hat... Danke dafür!!

Abschließend noch einmal meine persönlichen Anspieltipps:
- MIND YOUR MANNERS(weil es in zweieinhalb Minuten - energiegeladen und schnörkellos - PJs musikalischen "Background" (Punk, Hardrock) widerspiegelt und für mich jetzt schon ein Klassiker der Band ist)
- INFALLIBLE (weil hier Eddie Vedder seine beste Gesangsleistung abliefert und der Song viel Stimmung, Gefühl und Wärme transportiert - eigentlich mein Liebling auf LB)
- SWALLOWED WHOLE(weil es nach dem schweren "Pendulum" die bisher aufgebaute Stimmung binnen Sekunden fast vernichtet und zeigt, wie vielseitig PJ sein können und wie "einfach" es ihnen offenbar fällt sich in ein Lied hineinzufühlen - großartig!)

Endresümee: Nicht unbedingt das "alte", aber ein wärmendes, vertrautes und authentisches PJ-Feeling ist wieder da! Ein Album mit großartigem Gesamtkonzept, das atmosphärisch absolut überzeugen kann und auf dem es mit Sicherheit immer wieder auch etwas Neues zu entdecken gibt.
Eigentlich ein ziemlich "krasser" Gegensatz zum Vorgänger "Backspacer", der sich eher "gekünstelt" und kühl angehört hat und dem letztlich "nur" einzelne großartige Songs das Leben gerettet haben (dennoch kein schlechtes Album - aber wir reden hier ja immerhin auch von Pearl Jam, wodurch die Messlatte und das Jammerniveau sehr, sehr hoch angesetzt sind!).
Aus meiner Sicht macht das alles in allem ziemlich genau 4einhalb Sterne, mit Tendenz nach oben (weil ich halt ganz einfach nicht jeden Song hierauf wirklich verzückend bzw. mitreißend finde).
Ob LB tatsächlich an Klassiker wie z.B. "No Code" oder "Yield" heranreichen kann (die ja einst nicht gleich in den Charts nach oben geschossen waren), wage ich einmal vorsichtig und hauchzart anzuzweifeln, dennoch ist meiner Lieblingsband mit LB bestimmt etwas Einzigartiges gelungen, das man sich in dieser Form womöglich gar nicht unbedingt erwarten durfte...

Besitzen sollte man den PJ-Neuling als Musikfreund freilich schon! ****/*****
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 20, 2013 4:09 PM MEST


Mechanical Bull (Deluxe)
Mechanical Bull (Deluxe)
Preis: EUR 16,49

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein zartes Pflänzchen "Back to the roots", das (zu) schüchtern aus den engen Fugen eines Mainstream-Betonfundaments blinzelt!, 15. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Mechanical Bull (Deluxe) (Audio CD)
Zwar wurde es im Vorfeld bereits vorsichtig angesprochen, dennoch kommen mir viele der hiesigen Bewertungen zum 6. KOL-Gesamtwerk gar etwas gekünstelt euphorisch vor. Nein - ich finde, man MUSS es sogar so sagen: Ein Back-To-The-Roots-Album ist MECHANICAL BULL (MB) bestimmt nicht geworden, denn dazu hört es sich (viel) zu sehr nach einem Mainstream-Kompromiss-Produkt an. Richtig frisch, inspirierend und experimentierfreudig ist es andererseits auch nicht geworden, denn dazu hört sich MB zu sehr nach einem... (siehe Ende des vorhergehenden Satzes).

Vorweg: Ich bin zugegebenermaßen verhältnismäßig spät mit KOL so richtig warm geworden, habe einst erst bei ONLY BY THE NIGHT (dem 4. und meines Erachtens zurecht vielgerühmten Album - siehe bei Interesse meine Rezi!) Feuer und Flamme gefangen. Aber dann war's um mich geschehen, habe mir alle Vorgängeralben - chronologisch korrekt - zugelegt und konnte lange nicht begreifen, wie ich diesen authentischen, groovigen, rockend-bebenden Familienbetrieb derart lange ignorieren habe können... (Als Beweis für meine grundsätzlich positive Einstellung gegenüber der Band mögen bitte sämtliche andere Rezis zu KOL - hier bei Amazon - herangezogen werden!)
Kurzum: Ich besitze alle Studioalben von KOL, inkl. der Live-Bluray (von der O2-Halle in London). Mehr noch: Ohne Frage sind KOL für mich zu einem festen, nicht mehr wegzudenkenden Fixbestandteil der neueren Musikhistorie geworden, für mich in etwa auf einer Stufe mit Bands wie z.B. The Strokes, Pearl Jam und/oder Arcade Fire, die ich (um nur einige zu nennen) ebenfalls hoch schätze!

ABER: Nachdem das letzterschienene COME AROUND SUNDOWN (aus für mich logischen Gründen - aber das steht eh woanders geschrieben) nicht mehr so recht an den Überdrübervorgänger (eben ONLY BY THE NIGHT) anknüpfen konnte, ist MB - mehr oder minder - die einzig folgerichtige Fortsetzung der ersten "Mini-Krise" der Bandhistorie. Konnten auf dem Vorgänger wenigstens noch einzelne Tracks begeistern, so bleibt dies - auch nach bereits mehrerer absolvierter Hördurchgänge - leider die Ausnahme. Noch dazu gibt es eigentlich nichts Überraschendes, Neues, Packendes... Kurzum: Für mich ist MB ein technisch den modernen Standards entsprechendes Durchschnittsalbum geworden, das man KOL freilich problemlos zuordnen kann, weil da a. eine altbekannte Stimme zu hören ist und b. zwischendurch, aber (leider) immer nur vorsichtig und schüchtern, ein Hauch der eigentliche KOL-Klasse aufkommt. Letztendlich aber eben zu wenig, um vollends begeistern zu können.
Eigentlich konnte ich im Grunde noch gar keinen echten Hit ausmachen, wobei mir nach wie vor der Eröffnungstrack am besten gefällt. Freilich ist mir als allgemein Musikinteressierter auch bewusst, dass sich so manche Feinheit erst nach intensivem Einhören einstellt - dennoch tut sich da bei mir bislang herzlich wenig.

Ich möchte hier und jetzt ganz bestimmt keine alten KOL-Fans vergraulen und schon gar nicht provozieren oder irgendeine bescheuerte Anti-Haltung einnehmen. Insgesamt war der KOL-Neuling für mich aber eine Enttäuschung, wenngleich mir nach COME AROUND... leider bereits Ähnliches vorgeschwebt war. Insgeheim hofft man halt trotzdem immer wieder darauf, dass so begnadeten Bands, wie es KOL ohne Zweifel sein können, dennoch ein unerwartetes Meisterstück gelingt...
Naja. Bleiben ja wenigstens noch 4 andere großartige und ein gutes Album in der Sammlung zurück. Vom gegenwärtigen Standpunkt her kann ich mir kaum vorstellen, dass MB jemals ähnlich oft aus dem CD-Regal genommen und aufgelegt wird wie seine Brüder. Schade - aber zum Teil eben auch keine echte Überraschung!

Eins noch: Ich wundere mich ehrlich gesagt ein bisschen darüber, dass über COME AROUND... größtenteils deutlich kritischer geurteilt wurde, während man den Neuling offenbar freudig hinzunehmen scheint. Mir ist das jedenfalls unverständlich und ich bin der festen Meinung, dass KOL bestimmt noch bedeutendere Werke als dieses hier abliefern werden...
Zur Zeit jedenfalls hat's den Anschein, als wär so ein bisschen die Luft draußen. Schade. Macht aber nix. Das nächste Mal ggf. eine etwas längere Zwischenpause einlegen (unnötiger Druck führt selten zu wirklich guten Ergebnissen - ein wenig fühlt sich für mich so eben auch MB an) und dann konzentriert, entspannt und LÄSSIG (das hat ja für mich gerade z.B. die ersten beiden Alben so schön gemacht) ans Werk gehen!
Nichts für ungut, aber den (gewohnt) hohen Erwartungen meinerseits (wenn auch schon Ähnliches zu befürchten war) wurde dieser Silberling größtenteils nicht gerecht.

Meiner Meinung nach halte ich sogar die 3 Sterne, die ich dem 6. KOL-Studioalbum hiermit "verleihe", für leicht schmeichelhaft!

Fazit: Solide Rock/Pop-Produktion mit (erwartungsgemäßem) ordentlichem Klangbild. Die Aha- und/oder Oho-Erlebnisse bleiben bei diesem Neuling jedoch die Ausnahme.
Mein (bescheidener) Wunsch (dann geb ich aber eh schon Ruhe): Besinnt euch doch wirklich mal ein bisschen nach zurück - da ginge noch was! Was Experimentierfreude, Verspieltheit und "Soundstrategie" angeht, so ist dem einstigen Meisterstück ONLY BY NIGHT einfach nichts mehr hinzuzufügen...

Punkt und basta.

P.S. Ich bitte darum, hiesige Rezension nicht allein deshalb schlecht zu beurteilen, nur weil es jemand "wagt" nur 3 Sterne für das neueste KOL-Album herzugeben. Konstruktive Kritik und ein offener Gedankenaustausch unter Musikliebhaberfreunden sind mir aber jederzeit willkommen ;)

Grüße, ein Musik- UND KOL-Freund
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 22, 2015 4:12 PM CET


Star Trek: Into Darkness (+ Digital Copy) [Blu-ray]
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DVD ~ Chris Pine
Preis: EUR 9,99

8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen (Leider) schwächer als erwartet..., 18. September 2013
Obwohl ich dem Erstling der neuen (alten) ST-Generation viel Positives abgewinnen konnte (man kann diesbezüglich bei Interesse auch gerne meine Rezi dazu einsehen) und obwohl J. J. Abrams an den Grundpfeilern seines Erfolgsrezeptes festgehalten hat, bin ich von STAR TREK: INTO DARKNESS mehr enttäuscht denn angetan.
Offenbar bin ich auch einer der wenigen, der die Fortsetzung der Neo-(Kino)-Reihe schlechter findet als seinen direkten Vorgänger...

Zunächst jedoch einmal zu den positiven Aspekten dieses Abenteuers:
Die behutsam und wohlüberlegt eingeführten Charaktere machen ihre Sache (sofern es ihr Rollenspielraum halt gewährt) durchwegs gut. Kirk bleibt der wagemutige Draufgänger, wächst aber allmählich (wie es sich gehört) in die Rolle eines echten "Captains" hinein. Spitzohr Spock versucht mit unterkühlter Logik die menschliche Seite seiner Innenwelt in Zaum zu halten, entdeckt aber, wie wichtig ihm James Tiberius als Freund ist. Scotty, der diesmal eine etwas "tragendere" Rolle innehat, liefert sich mit Kirk ein hitziges Wortduell, als er aufgrund moralischer Bedenken seinen Dienst quittiert (um am Ende aber freilich doch als Helferhelfer in höchster Not zur Stelle zu sein). Mr. Zulu und O'Hora müssen sich mit kleineren Nebenrollen begnügen, wobei ersterer sogar für kurze Zeit das Kommando auf der Brücke übernehmen darf, während zweitere einzig als unzufriedene, leidenschaftliche Freundin Spocks und Klingonisch-Übersetzerin zu Tage tritt.
Nicht zu vergessen: "Pille" McCoy darf sich auch regelmäßig (meist mit hohlen, aber stellenweise durchaus trockenen und lustigen Metaphern) zu Wort melden, experimentiert zwischenzeitlich sogar mit einem kuscheligen Tribble (siehe Originalserie!) herum, um mithilfe daraus (zufällig) gewonnener Erkenntnisse seinem Captain am Ende das Leben zu retten.
Und ja: Der vielgelobte Bösewicht macht seine Sache auch durchwegs ordentlich! Aja: Den leicht trottelig angehauchten Chekov darf man hierbei auch nicht vergessen, wenngleich etwas mehr "Tiefe" und Besonnenheit dieser Figur auch nicht schlecht stehen würde...

Soweit, so gut. Hinzu kommt noch, dass all die (alt)bekannten und gleichermaßen großartig besetzten Figuren großartig miteinander interagieren. Zwar ist der Fokus natürlich auf den jungen, rebellischen Kirk gerichtet, allerdings ergänzen sich die Charaktere insgesamt hervorragend. Dass der zwischendurch immer wieder zu Reibereien kommt, ist nur logisch (und durchaus auch reizvoll)... Teamwork ist angesagt.

Und so muss das auch sein, wenn man sich einem scheinbar übermächtigen Gegner wie Khan gegenübersieht, einem Verbleibsel wissenschaftlicher Experimente (Gen-Technik) aus dem vorvorigen Jahrhundert...
Aber mal alles der Reihe nach. ACHTUNG: SPOILERALARM!!

Der Film beginnt damit, dass die Enterprise auf einer Mission die Oberste Direktive der Sternenflotte verletzt. Als man nämlich gerade dabei ist einen Planeten (mit noch nicht so weit entwickelter Bevölkerung) vor seiner Zerstörung durch einen Vulkanausbruch zu retten, gerät Mr. Spock in Lebensgefahr. Und der Vulkanier kann letztlich nur gerettet werden, indem sich die Enterprise den Einheimischen zeigt, wodurch wiederum die "natürliche" Entwicklung dieses Volkes beeinträchtigt ode zumindest signifikant beeinflusst werden könnte.
Wieder auf der Erde (im San Francisco der Zukunft, Hauptsitz der Sternenakademie) bekommt Kirk dafür ordentlich den Kopf gewaschen, wobei der Dickschädel sich freilich nicht einsichtig zeigt. Das Ganze endet mit der Degradierung Kirks und der Versetzung Spocks.
Als dann aber infolge eines Terroranschlages in London die Admiralität der Sternenflotte zusammenkommt, um zu beraten, kommt es dort (es ist eine Falle) zu einem Blutbad, dem nur einige wenige lebend entkommen können. Auch Kirks Mentor wird bei diesem Angriff tödlich verletzt.
Auf seltsame Weise und sehr unspektakulär (fast wie bei einer Adam-West-Batman-Episode) wird schnell festgestellt, wer denn hinter diesem Anschlag steckt, worauf Kirk das Kommando über die Enterprise zurückbekommt, um gemeinsam mit seiner Crew den Übeltäter auf dem klingonischen Heimatplaneten Karon aufzuspüren und (man achte auf den Befehl der Sternenflotte) zu VERNICHTEN. (Das Problem dabei - man könnte mit diesem Unterfangen das Klingonische Imperium provozieren und so einen Krieg vom Zaun brechen!) Dem rachegelüstigen Kirk kommt dieser Befehl gerade Recht, ehe Spock ihn daran erinnert, dass es doch besser sei den Übeltäter gefangen zu nehmen und vor ein ordentliches Gericht zu stellen...
Soweit läuft die Story recht gefällig dahin. Zwar macht es übermäßig (für meinen Geschmack halt) TSCHAK und BUMM und KRACH, aber insgesamt ist das soweit eine alles in allem gefällige, gut durchdachte Story...
Und jetzt wird's immer schneller und hektischer. Böser Mann wird auf Karon gestellt und kommt in eine Arrestzelle. Dieser verrät in weiterer Folge seine wahre Identität. Dann wird die Enterprise gar aus eigenen Reihen bedroht - fliegt sogar fast auseinander...
Schließlich wird diese Bedrohung gebannt, aber dann zeigt Khan (der bis hierhin Mithilfe geleistet hat) sein wahres Gesicht und kann durch einen schlauen Schachzug Spocks (der kurzzeitig das Kommando übernommen hat) zunächst kaltgestellt werden.
Für meinen Geschmack ist hier zuviel Geballtheit an Action und Specialeffects auf einmal verschleudert werden. Manchmal gilt auch bei Neo-Inszenierungen das alte und weise Sprichwort: Weniger ist mehr...
Aber auch das geht nicht ganz so einfach auf, denn das Ende wirkt stellenweise gar langatmig. In einer aufopfernden Rettungsaktion bewahrt Kirk sein Schiff und seine Crew vor dem sicheren Tod - muss sich dafür jedoch selbst opfern. Praktisch eine 1:1-Kopie des berühmten (originalen) zweiten Star-Trek-Kinofilmes "Der Zorn des Khan", nur dass Spock und Kirk diesmal die Rollen tauschen und Spock im (abermals halzbrecherischen, effektheischenden) Finish Khan stellt, um ihm den Garaus zu machen (und gleichzeitig Kirks Leben zu retten)... Am Ende wird Kirk durch Spock gerettet, wodurch sie praktisch quitt sind. Darüber hinaus verbindet sie spätestens jetzt eine tiefgehende Freundschaft, wie wir sie eben von den alten Filmen bzw. der Serie her kennen...

Sehr nüchtern und trocken betrachtet war der erste Teil dieses Reboots nichts anderes als ein Sci-Fi-gefärbter Actionfilm mit der Überschrift STAR TREK für Zwölfjährige. Und ebenso nüchtern betrachtet ist dessen Fortsetzung nichts anderes als ein Actionfilm für hyperaktive Zehnjährige (bei allem Respekt). Wahrscheinlich ist das aber auch gut so, denn würde nicht alle paar Minuten irgendetwas explodieren, dann würde die nicht immer lückenlose (und teils auch unlogische) Story noch mehr in den Vordergrund rücken. Und vergleicht man den inhaltlichen Aspekt dieses Films z.B. mit einigen (fast schon "philosophisch" angehauchten) Schwerkarätern der Serie (sei es das Original, TNG oder DSN... die anderen lasse ich jetzt mal außen vor), dann ist es mitunter schon sehr "platt" was man hier als erwartungshungriger Star-Trek- und Film-Freund vorgesetzt bekommt. Und dabei kann ich besten Gewissens versichern, dass ich bei Gott kein eingefleischter "Trekkie" bin! Zwar mag ich es eine der drei zuvor genannten ST-Generationen via TV manchmal mitverfolgen zu dürfen, ebenso wie ich die Kinofilme eigentlich alle mag (obwohl's da schon auch ziemlich gravierende geschmackliche Schwankungen gab), dennoch bin ich weder leidenschaftlicher ST-Sammler noch Experte in diese Richtung!
Mein Wunsch für den dritten Teil (der ja schon beschlossene Sache sein dürfte): weniger BUMM und KRACH, etwas mehr DIALOG (mit vermeintlichem Tiefgang), etwas weniger Schwarzweißmalerei (sprich: GUT-BÖSE) - aber bitte die Charaktere genauso belassen und vl. den einen oder anderen sogar wieder verstärkter in den Handlungsstrang miteinbauen.

Was auch noch gelungen ist: Sämtliche Armaturen (Ausstattung der Brücke) sind liebevoll in modernem Gewand "gealtert" - ein Hebel da, ein Knöpfchen dort, aber freilich gibt's hier und da auch einen ordentlichen Touchscreen (alles andere wäre ja auch lächerlich, wo wir uns heute bereits solcher Technologien bedienen). Man könnte das Ganze als eine Art Vor-Retro-Effekt bezeichnen - Dinge, die noch gar nicht erfunden sind (und so wohl auch nie erfunden werden) im Detail liebevoll altern lassen - das hat Charme und Klasse!
Einzig der Maschinenraum wirkt ein bisschen kahl und lagerhallenartig...

Fazit: ST:ID ist nicht so gut, wie ich es mir aufgrund seines Vorgängers erhofft hatte. Zwar hält man an eigentlich allen Erfolgszutaten fest, das Gesamtrezept scheitert aber ein bisschen an der doch recht dünnen Story. Da können dann nicht einmal die durchwegs guten Charakterdarsteller alles wieder ins Lot bringen...

In Summe: Lob (für aber bereits Erprobtes) und Tadel (für Unausgegorenheiten, Effekthascherei, 0/8/15-Blockbusterkino und plumper Kopiererei (man sehe eben zum Vgl. bitte "Der Zorn des Khan")).
Aus meiner Sicht macht das 3 STERNE geradeaus - auf weitere Abenteuer, die sich dann hoffentlich tatsächlich auf der 5-Jahres-Mission der Enterprise abspielen werden (wovon man eigentlich nach dem Abspann von Teil I schon ausgehen durfte - wurde dieser hier überhaupt nur kopiert (??)), darf man wenigstens gespannt sein.
So wahre Vorfreude will sich in mir diesbezüglich aber nicht wirklich breit machen. Naja, warten wir's ab...

P.S. Im Nachhinein bin ich nicht traurig darüber, diesen Streifen erst jetzt (auf Bluray) und nicht schon im Kino gesehen zu haben.
Zur Technik (obwohl ich da gewiss kein Fachmann bin): Das Bild ist toll und kann überzeugen, die Dialoge (also de Ton) gehen im Krach-Bumm-Tschak-Soundteppich aber manchmal tatsächlich unschön unter...

Liebenswürdige, leicht unterkühlte Durchschnittskost für ein nicht gerade überanspruchsvolles Kinopublikum. Dass wahre "Trekkies" mit diesem Streifen so ein bisschen ihre liebe Not haben, kann man da schon nachvollziehen, wie ich finde. Dennoch ist zugleich aber auch nicht alles schlecht, was J. J. Abrams da eingeleitet hat. ABER: Wie gesagt - de erste Teil dieser Neuinszenierung hat mir besser gefallen!

Genug geschrieben, seht selbst...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 20, 2013 5:38 PM MEST


A la Carte
A la Carte
Preis: EUR 10,78

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stückwerk mit gekünsteltem "Konzept-Charakter", großartigen Texten & großteils geglückten musikalischen "Ausflügen"., 18. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A la Carte (Audio CD)
Ich hab's leider nicht geschafft für vorliegendes Werk eine pointiertere, kürzere Überschrift zu finden. Es ist tatsächlich recht schwer (selbst heute noch) ein halbwegs "objektives" Bewertungsmaß für das 1984 erschienene 3. (oder eigentlich ja eher 4., wenn man "Verunsicherung" dazuzählt) EAV-Album anzusetzen.

Trotz dem Versuch, "A la Carte" von außen quasi eine Art Konzeptstempel aufzudrücken (mitsamt Menü-Cover etc.), geht diese Rechnung höchstens teilweise auf. Vergleicht man vorliegendes Werk z.B. mit dem direkten Vorgänger ("Spitalo Fatalo") oder aber auch mit dem Nachfolger ("Geld oder Leben") so ist "A la Carte" markant von einer Art Stückwerkcharakter geprägt. Spitzer selbst hat ja zu dieser Platte einmal gesagt, dass sie eher als eine Art "Appetithappen für den EAV-Hunger zwischendurch" gesehen werden sollte... Nun, da würde ich dem begnadeten Texter, Gitarristen und "EAV-Kopf" durchaus zustimmen!

Dennoch enthält "A la Carte" überaus interessante und von Experimentierfreude gekennzeichnete Songs, die noch deutlich kritischer klingen als dies bei den kommenden großen Erfolgsalben der Band (eben "Geld oder Leben" sowie "Liebe, Tod & Teufel") der Fall sein sollte. Teilweise schleicht sich aber auch schon so ein bisschen "Nonsenscharakter" in den einen oder anderen Track ein... Ich denke da vor allem an "Schweine-Funk", der ja oft auch im EAV-Live-Programm Berücksichtigung gefunden hat (man höre z.B. die Jubiläums-Platte "Kann denn Schwachsinn Sünde sein?", um sich von den Live-Qualitäten bez. Band und Song überzeugen zu können), dessen Text Eberhartinger und Spitzer angeblich bereits in frühen Jugendjahren miteinander geschrieben haben (und so "bedeutungsvolle" Zeilen wie etwa "die Wurst is rund, der Zwieback eckig - dem an geht's guat, dem aundern dreckig..." enthält)...

Anders formuliert: Für mich ist "A la Carte" gemeinsam mit "Spitalo Fatalo" (das ich insgesamt allerdings etwas höher einschätze, vor allem aufgrund des wohldurchdachten Konzepts) das Bindeglied zwischen der recht kritischen, frühen EAV-Zeit und den eher von Blödsinn (der aber auch sehr lustig sein kann) geprägten späteren Jahren...
Betrachtet man generell die Frühphase der Band, so ist "A la Carte" meines Erachtens das insgesamt schwächste Werk jener Zeit, das aber zugleich (und das ist wirklich irgendwie seltsam) teils sehr starke musikalische Versuche enthält...
Schwachpunkt(e) Nr. 2 neben dem Mischmasch-Charakter des Albums sind für mich die Songs "Oh Bio mio" und "Die Intellektuellen", die bereits sehr schnell nerven können und für mich mitunter zu den allerschwächsten EAV-Songs (zumindest bishin zum letzten "echten" EAV-Album "Nie wieder Kunst" Mitte der 90er) gehören. Irgendwie verpatzen diese zwei "Ausreißer" den Gesamteindruck der Scheibe nachhaltig - wenigstens mir geht es so...

Alle anderen Songs sind zumindest passabel bis sehr gelungen. Die B-Seite des Albums ("Liebelei", "Aloahe", "Guru", "Heavy Metal-Pepi" und "Knieweich") ist für meine Begriffe überhaupt makellos. Aber mal eins nach dem anderen...

"A la Carte" beginnt mit der (Anti)-Saufhymne "Wir jetten", die - musikalisch leicht volkstümlich angehaucht - ziemlich böse über Stammlokalerhalter und "Berufstrinker" herzieht. So "seltsam" und gewöhnungsbedürftig die Nummer musikalisch zunächst auch klingt, so treffsicher ist der Text. Insgesamt ganz passabel also.
Mit "Go Karli Go" folgt die wahrscheinlich bekannteste Nr. des Albums, die's immerhin auch ins Radio geschafft hat. Ein interessanter, vor sich hinrollender Rock n Roll Rhythmus trifft hierbei auf einen lustigen, autobiographischen (bez. Thomas Spitzer) Text, den der zum einzigen Frontmann der Band aufsteigende Eberhartinger mehr spricht, denn singt. Immer noch köstlich, sich diesen Song anzuhören - sehr zeitlos...
Über den "Schweine-Funk" hab ich mich ja schon ausgelassen - insgesamt aber eine sehr witzige und auch melodisch ansprechende Angelegenheit...
Die darauffolgenden "Oh Bio mio" sowie "Die Intellektuellen" sind für mich wie schon gesagt Tiefpunkte, wobei bei ersterem vor allem die eintönige Melodie (mit der zugegebenermaßen witzigen Einstreuung "Melanzane mog i kane") nur allzu schnell allzu sehr anödet und zweiteres zu experimentell, zu ausufernd und langatmig wirkt, obwohl die Texte in beiden Fällen wenigstens auch Mittelmaß sind, wie ich finde.
Die B-Seite der Scheibe (die's ja auf CDs bekanntlich nicht gibt) hat's dafür aber umso mehr in sich...
"Liebelei" ist eine Art Hans-Moser-Parodie (im Vers) zum meistbesungenen Thema der Welt: unerfüllte Liebe, wobei hier der Refrainpart mit der schön "summenden" E-Gitarre Spitzers wirklich zum Dauerbrenner werden kann... Hiervon gibt's übrigens auch auf "Kann denn Schwachsinn Sünde sein?" eine gelungene Remix-Version, wobei der Vers hierbei gesungen und nicht im Hans-Moser-Stil gesprochen wird.
"Aloahe" war als Versuch gedacht, einen Sommerhit anno 1984 zu kreieren, was leider nicht gelingen sollte. Allerdings könnte ich mir das Lied auch heutzutage noch auf diversen Fischmärkten, Kirtagen etc. gespielt, sehr gut vorstellen. Aufgrund des durchgehenden Hochdeutschgebrauchs war dieser Song wohl auch ein Versuch, endgültig in Deutschland zu landen... Was hier noch nicht gelingen sollte, ging aber dafür ein Jährchen später umso eindrucksvoller auf. Irgendwie ein untypisches, aber dafür umso interessanteres EAV-Lied, das die Band mal von einer etwas anderen (aber dennoch lustigen) Seite zeigt. Super!
"Guru" ist ein Abgesang auf selbsternannte Wunderwuzzis, die mit verlockenden seelenheilsbringenden Versprechungen den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen - ein immer noch aktuelles Thema!
"Heavy Metal-Pepi" erzählt satirisch über einen "typischen" (eher klischeehaften) Metal-Fan, der sich dem Bier, schnellen Motorrädern und dezibelgeschwängerter Musik hingibt - hierbei ist wohl die Musik (sehr gut gelungener Ausflug in Hard-Rock bzw. Metal-Gefilde) interessanter als der Text... Insgesamt jedenfalls in Ordnung.
Und der Schluss mit "Knieweich", der bitterböse-kritisch über den Durchschnittsösterreicher herzieht, ist mittlerweile zum Höhepunkt auf "A la Carte" für mich geworden. Ein toller, böser, böser Text (z.B. "...Herr Knieweich ist ein guter Christ, im Zweifelsfalle jedoch auch Faschist"...) trifft hier auf ein tolles musikalisches Gerüst, das phasenweise sogar ein wenig an Rammstein erinnert (obwohl ich Rammstein ironischerweise wiederum nicht mag, aber wurscht)...

Fazit: Obwohl "A la Carte" anno 1984 eigentlich ein Erfolg war und - zumindest in Österreich - Gold-Status erlangte, ist es bis heute eines der unbekanntesten und auch umstrittensten Werke der EAV. Ich persönlich bin der Meinung, dass "Spitalo Fatalo" (1983) insgesamt eine Spur besser konstruiert und durchdacht wirkt und auch das Songmaterial auf "A la Carte" teilweise durchwachsen klingt. Dennoch hat die Scheibe viele Höhepunkte aufzuweisen ("Go Karli Go", "Schweine-Funk", "Liebelei", "Aloahe"), ebenso viele unbekanntere (und eben deshalb interessantere) Songs und strotzt nur so vor bitterbösen Anspielungen und tiefschwarzen Lachmomenten... Wie gesagt wird teils aber auch schon der typische EAV-Blödelcharakter erkennbar, der ja am Nachfolger "Geld oder Leben" endgültig die Oberhand gewinnen (und riesengroßen Erfolg mit sich bringen) sollte.

Für Interessierte und Sammler ist "A la Carte" mit Sicherheit eine Investition, die sie nicht bereuen werden. Im Nachhinein gesehen wirkt die Frühphase der EAV (weg von "Cafe Passe" bishin zu "A la Carte") interessanterweise zeitloser auf mich, als die späteren Erfolgsalben... Das sind Stücke, die man sich immer wieder mal gerne zu Gemüte führt und über die man auch heute noch herzhaft lachen oder aber tiefgründig nachdenken kann, wenn man es will...

Tipp für Sparfüchse: Es gibt eine 3-CD-Sammelbox mit den Alben "Spitalo Fatalo", "A la Carte" und "Geld oder Leben", die man derzeit recht günstig auf Amazon erstehen kann. Interessierten würde ich diese Box wärmstens ans Herz legen. Da hat man dann schon mal die wichtigsten EAV-Alben auf einen Schlag in seine Sammlung integriert! (Freilich gibt's dennoch den einen oder anderen Leckerbissen, den es sich zu besitzen zweifelsfrei lohnt).

"A la Carte", das ich offengestanden seit Kindertagen (bis jetzt) gar nicht mehr gehört habe, hat sich für mich als weit unterschätztes Juwel in der Kategorie "Austropop" entpuppt!

Insgesamt eine gute, gelungene, zeitlose (vor allem die Texte betreffend) Scheibe, die sich aus meiner Sicht 4 Sterne verdient hat! Musikalisch offenbart das Album einige ungewohnte Züge der Ur-EAV (ohne den bereits 1981 verstorbenen Walter Hammerl), die die Scheibe für mich zumindest aber dafür umso interessanter macht.
Zudem ist der Preis derzeit ein Hammer...

Reinhören und ggf. zuschlagen!


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