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Rezensionen verfasst von
Michael Krautschneider "Filmfan & Musikliebhaber" (Wr. Neustadt, NÖ)

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Django Unchained [Blu-ray]
Django Unchained [Blu-ray]
DVD ~ Jamie Foxx
Preis: EUR 9,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die coolste & abgebrühteste Abrechnung mit amerikanischer Geschichte, die es je gab!, 4. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Django Unchained [Blu-ray] (Blu-ray)
Was gibt es Überflüssigeres, als ein Produkt zu rezensieren, das ohnehin schon über 800 (!) Mal unter die Lupe genommen wurde?
Nun denn, die hier muss ganz einfach sein...

War ich nach dem für meinen Geschmack etwas zu euphorisch hochgejubelten INGLOURIOUS BASTERDS ein wenig schaumgebremst, da mir die teils oberflächliche, zu amerikanische Abhandlung mit Nazigrößen und deren Motiven ein kleiner Dorn im Auge war, bin ich nach dem fulminanten DJANGO UNCHAINED nun mehr als begeistert.
Quentin Tarantino, der ja nicht erst seit gestern als großer Filmemacher Ruhm und Bekanntheit genießt, hat mit hiesigem Leinwandwerk wirkliche Coolness, Lässigkeit und Abgebrühtheit bewiesen.

Schon alleine die Idee, einen ehemaligen Sklaven in einer durch und druch dekadenten weißen Südstaatenoberschicht aufräumen zu lassen, hat's in sich. Ihm dann aber noch als Mentor einen Christoph Waltz, also einen österreichischen Schauspieler, vor die Nase zu setzen, der sich mit Vehemenz gegen allen rassischen Unfug einsetzt, der tatsächlich in nicht wenigen Gehirnen des 19. Jahrhunderts (und das eben nicht nur im bösen Nazideutschland, sondern auch im anglo-amerikansichen Raum) herumspukte, das hat WIRKLICH Klasse!!

So ganz nebenbei bricht Tarantino selbstverständlich mit sämtlichen gängigen Western-Klischees, wobei auch viele Anlehnungen ans berühmt-berüchtigte Italo-Western-Genre vorzufinden sind. Am Ende wird gar den oft missverstandenen und zu unrecht häufig belächelten Drauhauf-Western (alias Bud Spencer & Terence Hill) gehuldigt, als ein Trinity-Song (zynischerweise vor einem Szenario der Verwüstung) eingespielt wird und Django Freeman (Jamie Foxx) einen extravaganten "Willie" mit seinem Pferd zur Schau stellt...

Nun kurz generell zum Plot - allerdings ohne Spoiler-Gefahr (ich verrate wirklich nicht zuviel, versprochen):
Der Sklave Django wird im Jahre 1858 im tiefen Süden der USA mit einigen Leidensgenossen von einem Sklavenhändler quer durchs Land getrieben. Bald darauf begegnen sie einem angeblichen (deutschstämmigen) Zahnarzt namens Dr. Schultz (ein großartiger Christoph Waltz - mit herrlichem Akzent), der sich nach einem ersten Blutbad des jungen Django annimmt. Schultz entpuppt sich bald als ziemlich skrupelloser Kopfgeldjäger, allerdings hat er in der Sklavenfrage (bis zum Bürgerkrieg sollte es ja noch 3 Jahre dauern und bis zur vermeintlichen "Gleichberechtigung" gar noch 8) klare moralische Richtlinien, wobei er höchst energisch und aufbrausend auf typisches Südstaaten-Obermenschen-Getue reagiert.
Jedenfalls treffen Schultz und dessen Schützling im Zuge ihrer abenteuerlichen Kopfgeld-Feldzüge auch auf allerlei Großgrundbesitzer und Django erzählt seinem Mentor von seiner Frau, von der er einfach getrennt worden war (Sklavenehen waren tatsächlich rechtlich höchst eingeschränkt). Also begeben sich die beiden auf Spurensuche (dazwischen gibt's u.a. ein aberwitziges Intermezzo mit dem eben erst erfundenen Ku-Klux-Klan) und stoßen dabei das Ekelpaket Calvin Candie (ein durch und durch unsympathischer und großartiger Leonardo Di Caprio, der sich hierfür allerspätestens einen Oscar verdient gehabt hätte), dem Schultz, der sich an Kampfsklaven interessiert zeigt, ein Geschäft vorschlägt, um näher an Django's Frau hernzukommen. Doch der clevere Candie durchschaut das intrigenhafte Spiel (ein ebenfalls unsympathischer Samuel L. Jackson als schwarzer Herrenhaussklave schürt dabei ständig seine Zweifel) und stellt den beiden eine Falle... In weiterer Folge überschlagen sich die Ereignisse und es kommt zum großen Showdown - in allerbester Tarantino-Manier. Mehr möchte ich aber nun wirklich nicht verraten...

Kurzum: Die Besetzung ist top, die fimische Umsetzung des inhaltlich durchaus brisanten Themas ist es ebenfalls und was den technischen Firlefanz rund um die Bluray etc. angeht, so gibt es meinerseits auch rein gar nichts zu beanstanden (super Bild, gute Tonqualität, ansprechendes Titelmenü etc.). Tatsächlich hätte ich persönlich DJANGO UNCHAINED noch den einen oder anderen Oscar mehr vergönnt (wenngleich diese Art der Auszeichnung ohnehin ein wenig überbewertet wird, aber wurscht). Meines Erachtens ist dies bislang Tarantinos Höhepunkt - und besagter Herr hat ja nun wirklich schon mehrere filmische Kaliber von der Leine gelassen!

Interessant ist, dass einige meiner Freunde, die - im Gegensatz zu mir - sehr von INGLOURIOUS BASTERDS angetan waren, mit DJANGO UNCHAINED nicht ganz grün wurden. Bei mir ist es genau umgekehrt der Fall - ich liebe diesen Film (immer noch)!

Für mich ganz klar der FILM DES JAHRES 2012 bzw. 2013 - gleichzeitig auch ein ganz heißer Anwärter auf den Titel FILM ES JAHRZEHNTS!!!

Großartig, 5 Sterne und basta.


Garage Inc.
Garage Inc.
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Metallica für Nicht-Fans, Part 2!, 4. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Garage Inc. (Audio CD)
Ist doch eine nette Idee - schon das Cover von GARAGE INC. ist vielsagend: Vier ölverschmierte, müde wirkende Metal-Legenden verlassen (metaphorisch gesprochen) eine Garage, in der sie an alten "Karren" herumgewerkelt haben, um ihnen neues Leben einzuhauchen. Und genau das ist auch mit allen Tracks auf den beiden Silberlingen von GARAGE INC. passiert!

Metallica haben sich auf vorliegendem Werk ausschließlich fremdkomponierter Stücke angenommen, um ihnen einen - freilich metallenen - Neuanstrich zu verpassen. Selbstverständlich ist es wieder einmal mehr nur Geschmackssache, ob einem diese Neuinterpretationen im Metallica-Style zusagen oder einem doch die Originalversionen lieber sind. Das aber sind Diskussionen, die es schon lange vor Metallica und noch viel länger vor Veröffentlichung dieses Doppelalbums gab.

Generell ist das Album folgendermaßen unterteilt: Auf CD 1 befinden sich die sogenannten "New Recordings" (also von 1998, dem aktuellen Veröffentlichungsjahr eben rezensierten Tonträgers). Auf CD 2 befinden sich hingegen ältere Coverversionen, die von 1984 bis 1995 aufgenommen wurden. Ich persönlich bevorzuge die erste Disc mit den beiden ausgezeichnet interpretierten Highlights "Turn The Page" und "Whiskey In The Jar". Ohne Zweifel hat aber auch die zweite Disc ihre kleineren und größeren Höhepunkte.

Aufgenommen ist alles (wie immer bei Metallica eigentlich) sehr ordentlich, wobei man natürlich einen Unterschied zwischen den damals aktuellen Covers und den älteren feststellen wird.

Was mich aber am meisten an diesem Werk begeistert, ist die straighte Herangehensweise der Metal-Legenden. Allen neu einsetzenden Trends zum Trotz hat man sich einfach hingesetzt, um den alten Idolen zu huldigen - und das Überraschende daran (auch heute noch): man traf damit offenbar einen Nerv!
Zum einen waren da (wie immer) die ewigen Nörgler, die's natürlich 100mal besser gefunden hätten, wenn man eigenes Material zu einem Album zusammengefügt hätte. Andererseits gab und gibt es da noch Leute wie mich, die sich ganz einfach darüber freuen, wenn auch vermeintliche Metal-Puristen sich einmal mehr oder minder stinknormaler Rock/Pop/Punk-Songs annehmen. Meines Erachtens geht die Rechnung von GARAGE INC. erstaunlich gut auf. Trotz persönlicher Geschmacksdifferenzen, die's so und so immer gibt, und trotz der Gefahr etwas völlig ödes und unangebrachtes unters breite Musikvolk zu mischen bzw. alteingesessene Fans noch weiter zu verärgern, ist GARAGE INC. ein durch durch lässiges, cooles Album, das beweist, dass auch Metallica und eben Heavy Metal keinen anderen Ursprung haben als andere Formen aktuellerer Populärmusik.

Nicht-Hardcore-Fans (wo ich auch mich dazuzählen würde) werden sich mit diesem Doppelalbum wahrscheinlich sogar leichter und schneller anfreunden können, als Metallica-Fanatiker der ersten Stunde. Dennoch, glaube ich, ist der Band mit diesem ambitionierten Rückblenden bzw. Wiederauferstehenlassen etwas bewusst Lässiges gelungen, das auch heute noch mühelos begeistern kann...

Neben dem ebenfalls vieldiskutierten "Metallica" (also dem "schwarzen Album" von 1991) ist dies eines jener Alben der Band, das sich auch nicht eingefleischte Metal-Fans, ohne groß überlegen zu müssen, zulegen dürfen. Ein insgesamt gelungenes Gesamtwerk, das angenehm frisch und originell klingt, obwohl man das von einem reinen Cover-Song-Album wohl so gar nicht vermuten würde.

Gut gemacht. Und jetzt fahrt die alten "Karren" wieder raus aus der Garage and let's start your engines, Gentlemen!!

Fazit: Tolle und stimmige erste CD, gut konzipierte, aber teils auch etwas "zerfahrene" (was aber logischerweise dem breiten Zeitfenster der Aufnahmesessions (zur Erinnerung 1984-1995) geschuldet ist) zweite CD, wobei man hier die Tracks aber immerhin chronologisch nach Aufnahmesessions sortiert hat. In Summe macht das aus meiner Sicht - und ich sag' an dieser Stelle nochmal gerne, dass ich KEIN glühender Metallica-Verehrer bin - verdiente 4 Sterne!

Es lohnt sich in jedem Fall mal reinzuhören, liebe Musiksammelfreunde!

Aber Vorsicht: Trotz aller (vermeintlichen) kommerziellen Annäherungsannouncen ist GARAGE INC. natürlich kein herkömmliches Mainstream-Pop-Album. Freilich überwiegt (auch bei zarteren Tracks) der Metal-Charakter, was aber wohl auch ganz im Sinne der Schöpfer dieses Werkes gelegen haben dürfte. Wär ja ansonsten auch nicht wirklich authentisch geworden...

Gelungen!


Metallica
Metallica
Preis: EUR 10,49

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Metal für die Massen (oder: Metallica für Nicht-Fans, Part 1)!, 4. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Metallica (Audio CD)
Dass zu vorliegender Scheibe bereits über 200 (!) Rezensionen verfasst wurden spricht für sich schon Bände. Dass speziell Metal-Bands früher oder später mit einer mainstreamtauglichen Platte daherkommen, die alteingesessene Fans der ersten Stunde zunächst argwöhnisch beäugen (oder behören) ist mittlerweile auch nichts Neues mehr und in sämtlichen anderen Rezensionen hierzu schon mehr als genug besprochen worden.

Auch ich bin weder eingefleischter Metal- noch Metallica-Fan und dennoch (oder eben gerade deshalb) der Meinung, dass das "schwarze Album", das insgesamt 5. der Metallica-Chronologie, ein Musthave ist, das man als Musikfreund und/oder Sammler auf jeden Fall sein eigen nennen muss.
Das Album verbindet schöne, harmonische (aber keineswegs geschmalzene) Melodien mit staubtrockener Metalmusik, wobei das Ganze in sehr, sehr guter Dynamik und soundtechnisch perfekt verarbeitet serviert wird. Tatsächlich gibt es bis heute wohl kaum eine Metallica-Platte die derart viele bekannte Kompositionen enthält. Das vielbesprochene (und von alteingesessenen Fans auch durchaus vielgescholtene) "Nothing Else Matters" bildet dabei nicht mehr als die vielzitierte "Spitze des Eisbergs". Freilich haben wir diesen Song inzwischen bereits mehr als oft genug gehört - und spätestens seit mehr oder minder konservative Radiosender den Song für sich entdeckt haben und er auch recht regelmäßig von moderneren Bierzeltbands zum Besten gegeben wird, ist selbst Nicht-Metallica-Fans klar, dass jener Song etwas zu lange auf der (Aus)schlachtbank gelegen hat. Dennoch - und gerade das ist verblüffend - berührt mich dieser Song (wenn ich in Stimmung bin) immer noch!

Das Album besteht aber keineswegs nur aus Balladen. Schon der Opener "Enter Sandman" ist ein Feuerwerk von einem Eröffnungsträck und führt begeisternd und stimmig in dieses Meisterwerk ein. Die darauffolgenden "Sad But True" sowie "Holier Than You" halte ich ebenfalls für recht typische Metal-Nummern, die auch nach mehrmaligem Hören immer noch Spaß machen. Ein weiteres Highlight auf dieser Platte ist für mich das orientalisch angehauchte "Wherever I May Roam", das bezüglich Sound, Harmonien, Komposition und spielerischem Können vielleicht sogar das größte kleinere Aushängeschildchen darstellt - einfach fabelhaft!

Fazit: Dass man Bands immer wieder vorwirft zu komerziell geworden zu sein, ist längst nichts Neues mehr. Man nehme z.B. nur einmal die Red Hot Chili Peppers her, die anno 1991 mit BLOOD SUGAR SEX MAGIK sich doch ein Stück weit von ihrem Funk-Pruisten-Dasein entfernten - und im Nu den Rock-Olymp erreichten. Aber auch weitaus ältere Jahrgänge, wie etwa ein Bob Dylan (der ob seiner Liebelei mit elektrisch verstärkter Gitarrenmusik verhasst "Judas" gerufen wurde) oder aber auch die Rolling Stones (die sich nach anfänglichen Blues-Puristen-Jahren mehr und mehr der Pop/Rock-Welle hingaben, um später allerdings wieder zu ihrem eigenen Stil von Blues zurückzufinden - ist aber eine andere, sehr lange Geschichte) können als Musterbeispiele für vermeintliche Kommerzialisierung herangezogen werden.
Und bitte: Wenn eine derart beflügelnde Platte wie diese hier (um wieder bei Metallica zu landen) herauskommt, dann kann uns "neutralen" Musikinteressierten das doch nur recht sein, wie ich finde...

Kurzum: METALLICA ist trotz vorangegangener Größen wie etwa MASTER OF PUPPETS ein gewaltiges Ausrufezeichen, das Metallica verdient in die höchsten Höhen musikalischer Größen gehievt hat. Komposition(en), Interpretation (des vorhandenen Materials) sowie Produktion sind in einem Wort: TOP!!

Da mag jammern wer will - diesem Meisterwerk kann man schlichtweg nur mit dem Höchstbewertungsmaß gerecht werden!
(Man nehme zum direkten Vergleich bittschön das 2000 erschienene Iron-Maiden-Werk BRAVE NEW WORLD her, das auch Euphorie und Verdammung zugleich hervorrief).

Als allgemein musikinteressierter Mensch ist es fast schon spaßig diese ewigen Diskussionen um Kommerz, Ausverkauf, Originalität usw. mitzuverfolgen - ist doch schön, wenn Musik immer wieder ein solch heißdiskutiertes Thema sein kann!

Prädikat: Besonders wertvoll - unbedingt kaufen!!


Louder Than Love
Louder Than Love
Preis: EUR 5,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hochambitioniertes "Gesellenstück" (mit gutem Klangbild), das das vorhandene Potenzial schnörkellos offenbart(e)!, 4. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Louder Than Love (Audio CD)
Als Nicht-Zeitzeuge (ich war 1989 gerade mal 4 Jahre alt und konnte mit solcher Art Musik deshalb eher wenig anfangen) habe ich womöglich (oder eher ziemlich wahrscheinlich) ein bisschen einen anderen Zugang, als so mancher Soundgarden-Fan der ersten Stunde. Außer Frage steht für mich jedenfalls (um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen), dass Soundgarden eine schlichtweg großartige Band ist, die
1. völlig zurecht als Mitbegründer des Grunge gilt (so wenig ich mit diesem Begriff für ein Musikgenre dennoch anzufangen weiß, aber wurscht, jeder weiß, was gemeint ist),
2. wohl die ausgeklügelsten Kompositionen ihrer Zeit auf Platte gebannt hat und
3. die wahrscheinlich virtuosesten Musiker an Bord hat/te (der 1991 dazustoßende Ben Shepard miteingeschlossen)
Soviel mal dazu.

Vergleicht man LOUDER THAN LOVE aber nun direkt mit dem großen Durchbruch der Band, nämlich BADMOTOFINGER (von 1991) bzw. dem darauffolgenden, meines Erachtens noch kolossaleren SUPERUNKNOWN (1994), dann wäre es aus heutiger Sicht meines Erachtens ungerecht, der Platte 5 Sterne zu verleihen...

Seinerzeit jedoch muss LTL aber eine Wucht gewesen sein: Schon alleine Matt Cameron's Eröffnung (kurzes Tom-Tom-Intro, gefolgt von einem supergroovigen matt- oder eben soundgardentypischen Schlagzeugbeat, der einem auch heute noch den Mund offen stehen lässt) ist bombastisch. Überhaupt gefallen mir die großartig eingepegelten Drum-Spuren verhältnismäßig besser als jene auf BADMOTORFINGER, das seinerseits in Summe (meines Erachtens halt) aber wiederum die insgesamt stärkeren Kompositionen enthält (für BADMOTORFINGER gab's von meiner Seite nämlich für den Klangcharakter der Scheibe einen Stern Abzug, aber das ist eine andere Geschichte...).

Die zwei besten Songs auf LTL befinden sich meiner Meinung nach gleich am Anfang der Scheibe: "Ugly Truth" und "Hands All Over" sind eigentlich schon zwei Soundgarden-Klassiker, die bereits anno 1989 klargemacht haben müssten, dass da schon sehr bald noch etwas ganz Großes auf die Musikwelt jener Zeit zurollen würde... Die anderen (ebenfalls keineswegs schlechten) Songs passen von der Art und Weise ebenso großartig aufs Album. Es stimmt irgendwie schon, dass meist ein eher schwerwiegender, schleppender (aber durch und durch groovender) Beat die Richtung vorgibt, ehe dann Chris Cornell's verhältnismäßig lebendiger Gesang (was für eine Stimme!) dem Ganzen einen ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter verleiht (typisch Soundgarden halt). Verglichen mit späteren Soundgarden-Werken fällt auf, dass man zwischendurch auch noch ein bisschen Punk (mehr als sonst) zu hören bekommt (wobei Grunge strenggenommen sowieso auch Elemente des Punk enthält, aber lassen wir das jetzt).
Klanglich jedenfalls gefällt mir nur noch das überragende SUPERUNKNOWN besser, das dann großartige Kompositionen mit einer durch und durch großartigen Produktion (Mix, Mastering) vereinte.

Kurzum: LOUDER THAN LOVE dürfte auch seine heutigen Hörer noch (positiv) überraschen. Prädikate wie rauh, ungeschliffen und ambitioniert passen allesamt zur Scheibe, dennoch war der Schritt zum vielgerühmten und kommerziell sehr erfolgreichen BADMOTORFINGER ein aus heutiger Sicht gar nicht mehr so großer, wenn man die beiden Alben nüchtern miteinander vergleicht.
Als angehender Soundgarden-Sammler würde ich LTL jedenfalls schon recht bald in meine Sammlung integrieren!

Macht aus meiner (subjektiven) Sicht 4 Sterne geradeaus * * * *

P.S. Das Cover-Artwork gefällt mir ausgezeichnet - schlicht und dennoch ein Blickfang!


Badmotorfinger
Badmotorfinger
Preis: EUR 6,66

4.0 von 5 Sternen Ein starkes Ausrufezeichen und ein "Grunge"-Klassiker, aber SUPERUNKNOWN ist trotzdem besser!, 4. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Badmotorfinger (Audio CD)
Auch wenn ich hier und jetzt Gefahr laufe Blasphemie gegen sämtliche Götter des Grunge (wieder eine Bezeichnung mehr für Rockmusik) zu betreiben und auch, wenn es freilich außer Frage steht, dass die 4 Ausnahmekönner der Superformation Soundgarden nicht umsonst als Ur-Gesteine des Grunge gelten, muss ich doch festhalten, dass - wenigstens soundtechnisch - das 1994 erschienene SUPERUNKNOWN etwas über das 1991 veröffentlichte BADMOTORFINGER zu stellen ist.

Keine Frage: Die Kompositionen auf der Scheibe sind durchdarcht, ausgetüftelt bis ins Detail, die musikalische Umsetzung dieser sind schlicht weltklasse (der anno dazumal neu hinzugekommene Ben Shepard am Bass fügte sich wunderbar in die Band ein), dennoch werde ich - auch heute, viele Jahre später - beim Hören das Gefühl nicht los, dass irgendetwas am Gesamtklangbild der Scheibe nicht restlos befriedigend ist. Die Vocals sind nicht das Problem - die setzten sich schön und problemlos durch und kommen mit aller nötigen und wuchtigen Atmosphäre angerauscht. Mir gefallen die Drums irgendwie nicht wirklich - vom Sound her wohlbemerkt (über einen Matt Cameron lass ich so und so nichts kommen - was für ein Ausnahmedrummer!). Schon beim fantastsichen Opener "Rusty Cage" (das ein gewisser Johnny Cash Jahre später interessanterweise einmal auf seinen AMERICAN-Recordings covern sollte - unbedingt mal anhören!), dem man kompositorisch ja nun wirklich nichts vorwerfen kann, kommen mir speziell die Drums ein wenig flach vor. Und irgendwie verschwindet dieser eigenartige Charakter das ganze Album hindurch nie. Für die Art der Musik - egal, ob's manche letztendlich Grunge, Rock oder Metal taufen wollen - passt der teils cleane Soundcharakter meines Erachtens überhaupt nicht. Ich gehe sogar so weit und wage zu behaupten, dass mir das Klangbild des Vorgängeralbums (LOUDER THAN LOVE) besser, weil letztlich stimmiger, authentischer klingend, gefällt.
Dass - wie schon vorhin erwähnt - die Songs an sich über so ziemlich jeden Zweifel erhaben sein dürften steht dabei für mich außer Diskussion...

Freilich verstehe ich alle Menschen, die BADMOTORFINGER mit 5 Sternen bewerten, letzten Endes aber, so finde ich zumindest, muss man irgendwo aber auch "objektivierende" Maßstäbe ansetzen, die unentschlossenen Käufern wirklich eine Hilfe bei der Bestellauswahl sein sollen. Und vergleicht man eben diesen Silberling mit seinem Nachfolger (eben dem großartigen SUPERUNKNOWN, das wunderbare Kompositionen und Melodien mit einer ebenso tollen als auch erdigen, knackigen Produktion verbindet), dann ist er für meinen Geschmack insgesamt ganz einfach etwas niedriger einzustufen - ist halt meine Meinung dazu!

Dass BADMOTORFINGER, als es im legendären 91er-Jahr (DAS JAHR des GRUNGE schlechthin) veröffentlicht wurde, die gesamte Musikwelt (die zu jener Zeit ja aufgeregt nach Seattle schielte, von wo immer wieder neue Superbands zu kommen schienen) aufhorchen ließ, steht dabei außer Frage. Natürlich ist es ein bedeutendes Album und womöglich sogar das wichtigste von Soundgarden. Der wahre MEISTERWURF ist den Seattlern meines Erachtens dann aber mit dem überragenden SUPERUNKNOWN gelungen. Vergleicht man BADMOTORFINGER beispielsweise mit NEVERMIND (Nirvana) oder TEN (Pearl Jam), so muss man schon sagen, dass man vielleicht mehr aus den großartigen Songs (vom Sound her) herausholen hätte können. Wäre die Produktion dieser Platte mehr Richtung SUPERUNKNOWN gegangen, dann gäbe es heute 2 "Sgt. Pepper's"- Alben des Grunge-Rock...

Also: BADMOTORFINGER ist ein sehr gutes Album, das verglichen mit den eher "kommerzielleren" Gunge-Annäherungsversuchen (eben z.B. NEVERMIND od. aber auch TEN) aber auch schwerer zugänglich ist. Neben den beiden großartigen Anfangstracks ("Rusty Cage" und "Outshined"), die recht schnell gefallen dürften, enthält das Album auch beinahe schon verstörende Tracks wie etwa "Jesus Christ Pose", das vermutlich einige Anläufe braucht, ehe man sich damit so richtig anfreunden kann...

Kompositiorisch ein kleines Meisterwerk, aber klangtechnisch leider nicht vollends befriedigend. Wer allerdings schon SUPERUNKNOWN besitzten sollte, kann beruhigt auch zu BADMOTORFINGER greifen. Die nächsten beiden Soundgarden-Empfehlungen wären meines Erachtens dann LOUDER THAN LOVE sowie DOWN ON THE UPSIDE.

P.S. Fans, seid mir bitte nicht böse, dass ich's wage hierfür "nur" 4 Sterne zu vergeben - aber für meinen Geschmack könnte der Sound noch einen Neuanstrich vertragen!

Trotz allem ein Soundgarden- und Grunge-Klassiker!

Eins noch: Dass man Soundgarden im Gegensatz zu (vermeintlich) poppigeren Kollegen hier teils die "dunke Seite des Grunge" nennt passt wohl ganz gut - dass man BADMOTORFINGER jedoch den Stempel Meatal-Album aufdrücken will, ist meines Erachtens jedoch unangebracht. Wenn ich an Metal (auch was die Spätachtziger und Frühneunziger angeht) denke, dann denke ich - vor Soundgarden - noch eher an Bands wie Iron Maiden oder aber auch Metallica. Ist wohl aber vermutlich einmal mehr wieder nur sehr subjektiv zu sehen und nichts anderes als Geschmackssache... That's it!

Soundgarden-Interessierte kommen an BADMOTORFINGER sowieso nicht vorbei, ebenso wenig wie all diejenigen, die sich für den Rock (also den "Grunge") der frühen 90er-Jahre interessieren!
Für Sammler und Musikinteressierte ist diese Scheibe in jedem Fall eine Pflichtanschaffung!


Rattle and Hum
Rattle and Hum
Preis: EUR 6,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Angenehm unoriginell!, 3. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Rattle and Hum (Audio CD)
Vieles, womöglich zu vieles ist schon über RATTLE & HUM gesagt worden. Wie bei vielen musikalischen Werken großer Bands ist eine gewisse zeitliche Distanz notwenig, um ein halbwegs angemessenes, sub-objektives Urteil darüber fällen zu können.
In meinem Fall kommt noch dazu, dass ich offengestanden nie der ganz, ganz große U2-Fan war. Freilich besitze ich als leidenschaftlicher Musiksammler auch einige U2-Alben, die ich auch immer wieder mal gerne zur Hand nehme, um sie aufzulegen. Dennoch ist mir Bono's aufgesetzte Pseudo-Intellektualität und das ganze Drumherum um The Edge und Co. immer ein bisschen säuerlich aufgestoßen bzw. zu geschmalzen und unglaubwürdig rübergekommen... Egal, genug davon.

RATTLE & HUM ist jedenfalls das Nachfolgewerk vom U2-Album schlechthin, nämlich THE JOSHUA TREE, das aufgrund seiner Superhits ("Where The Streets Have No Name", "I Still Haven't Found What I'm Looking For", "With Or Without You") und seines Konzeptcharakters (tolle Mischung & Produktion - fast wie aus einem Guss) bis heute nichts an seiner Klasse eingebüßt hat. Offengestanden halte ich THE JOSHUA TREE nach wie vor für das bedeutendste aller U2-Werke!
Eineinhalb Jahre später folgte dann also (im Zusammenhang mit einer USA-Reise, die auch als Halbdokumentarfilm aufgezeichnet wurde) RATTLE & HUM, das dann so ganz und gar nicht wie aus einem Guss klingt. Im Gegenteil: Ich finde sogar, dass das durch Stückwerk gekennzeichnete RATTLE & HUM sogar die Bezeichnung Anti-Konzept-Album verdient hätte. Dennoch, glaube ich, passt dieser Charakter sehr, sehr gut zu darauf vorhandenem Material. Es ist, als würden U2 ihre USA-Reiseeindrücke (aus musikalischer Sicht) stückchenweise revue passieren lassen - dazwischen immer mal wieder mit (damals ja recht aktuellen) Live-Songs ausgeschmückt. Die Art und Weise wie sich diese Platte dem Zuhörer präsentiert ist also angenehm authentisch, würde ich meinen. Und auch das schnöde Interpretieren von Fremdkompositionen (etwa "Helter Skelter" von den Beatles od. aber auch "All Along The Watchtower" von einem Bob Dylan bzw. "The Star Spangled Banner" v. Jimi Hendrix) macht schlichtweg Spaß - ganz einfach deshalb, weil U2 hier ganz frei und ungezwungen klingen, einerseits recht nahe am Original bleiben und andererseits dennoch (wie könnte das bei Bono's eindringlichem Gesang und The Edge's ebenso originellem Gitarrenspiel auch anders sein??!) unverkennbar ihren Senf (allerdings auf allerangenehmste Weise) dazugeben. Vor allem das bombastisch eröffnende "Helter Skelter" halte ich für äußerst gelungen - da kann ich die Meinung von so manch anderem Rezensenten leider nicht teilen. Sehr gut gefallen mir außerdem noch "Desire", das in allerschönster (schwarzamerikanischer) Bo-Diddley-Manier dargebracht wird sowie die Live-Versionen von "Pride" oder aber auch von "I Still Haven't Found...", das einen wunderbaren Gospel-Touch verliehen bekommen hat... Soweit so gut!

Die Produktion der Scheibe entspricht den darauf enthaltenen Stücken. Soll heißen: Die Live-Songs klingen nach (den damaligen Verhältnissen entsprechend) soliden Mitschnitten ihrer Zeit, die freilich ein wenig im Studio überarbeitet worden sind. Das neu eingespielte Material klingt lebendig, relativ schlicht und "natürlich" produziert - was dem Ganzen unweigerlich einen gewissen Blues-Charakter verpasst, der wiederum sehr gut zum (eben eigentlich nicht vorhandenen) Gesamtkonzept der Scheibe passt!

Wenn man RATTLE & HUM nun also vorwerfen will unoriginell zu sein, dann kann man das freilich tun - nur sehe ich ironischerweise genau darin den Reiz dieser Platte. U2 hören sich meines Erachtens angenehm unangestrengt, entspannt und lässig an - mit aller nötigen Spannung aber freilich, die's nun mal für gutes Songmaterial braucht. Natürlich ist es schwer vorliegenden Silberling direkt mit seinem Vorgänger zu vergleichen (THE JOSHUA TREE), der ein gewaltiges Ausrufezeichen setzte und U2 im Rockmusik-Olymp einen Platz sicherte. Ebenso wenig kann man RATTLE & HUM eigentlich an anderen Studiowerken der Band messen. ACHTUNG BABY beispielsweise oder aber auch ALL THAT YOU CAN'T LEAVE BEHIND (das ich übrigens auch für großartig halte), sind halt ganz einfach auf ihre Weise typische U2-Studioalben, die schon alleine vom Sound her viel mehr nach Konzeptwerk klingen...

Fazit: Für dieses eine Mal lagen U2 mit der Herangehensweise an ein Album (ein lässig hingerotzter Mischmasch aus Studio-, Cover- und Liveversionen) meines Erachtens punktgenau richtig. Bis heute haftet der Scheibe für meine Begriffe nichts unangenehm Gekünsteltes, Gewolltes oder Aufgezwungenes an - und genau das passt auf sehr angeneheme Weise irgendwie so gar nicht zu U2, so, dass es auf seine Weise schon wieder originell ist! Ich hoffe, man versteht mich hier richtig - schwer ist schließlich leicht etwas (zu sagen) ;)

Also: Auch nicht ganz so arg eingefleischte U2-Fans (bin ja auch keiner) können beruhigt zu diesem Silberling greifen. RATTLE & HUM rüttelt (wirklich!), pocht, schnauft, zischt und poltert und verfügt somit über alle nötigen Ecken und Kanten, die darauf vorhandenes Songmaterial dringend nötig hat. Tatsächlich (auch rückblickend) ein einmaliges U2-Album, das schon aufgrund seiner Eigenheit/Einzigartigkeit aus der U2-Alben-Chronologie heraussticht.
Eine schöne, runde Sache, die ganz einfach Spaß macht - irische Popgötter auf dem Weg zum Rock-Olymp, die gerade Bekanntschaft mit dem schwarzen Blues und amerikanischer Musikkultur machen!

Aus heutiger Sicht eigentlich ein Musthave!!


Ein Toter spielt Klavier
Ein Toter spielt Klavier
DVD ~ Susan Strasberg
Preis: EUR 7,99

4.0 von 5 Sternen Solide aufbereiteter "hitchcock'scher" Thriller mit bombastischem Finish!, 30. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Toter spielt Klavier (DVD)
Vorweg: Dass mit dem DVD-Klappentext hat sich offenbar tatsächlich überholt - bei meiner DVD-Hülle jedenfalls wird auf der Rückseite nicht zu viel verraten! Und um Ihnen - liebe Leser - nicht auch den Spaß an der Freude zu verderben, habe auch ich mir vorgenommen im Zuge meiner Rezension nicht zu viel vom Plot preiszugeben...

"Ein Toter spielt Klavier" (engl. Originaltitel: "Scream Of Fear") ist eine Produktion der britischen Hammer Studios aus dem Jahre 1961. Als Besitzer eines nachfolgenden Films (nämlich "Haus des Grauens" von 1963) weiß ich nun, dass es sich bei vorliegendem Schwarzweißstreifen um den allerersten Psycho-Thriller aus dem Hause Hammer handelt und dass er bis heute mitunter als bekannteste Produktion dieses Studios gilt. Für das Drehbuch verantwortlich zeigte sich übrigens ein gewisser Jimmy Sangster, der auch die beiden Genre-Nachfolger-Drehbücher (u.a. eben auch "Haus des Grauens") für Hammer lieferte, das sei aber nur am Rande bemerkt...

Technisch gesehen gibt es nicht viel zu sagen. Die DVD ist schlicht verpackt - das Cover allerdings ist meines Erachtens eine kleine Augenweide. Extras bez. Booklet etc. sucht man vergebens, wenn man - so wie ich - allerdings in erster Linie ohnehin nur am Film interessiert ist, spielt das jedoch keine Rolle. Der Film an sich stellt sich ordentlich restauriert dar - das Bild ist durchgehend klar und scharf und auch der Ton ist befriedigend, wenngleich ich die Lautstärke beim Schauen (im Vergleich zu neueren DVDs bzw. Blurays) etwas nach oben drehen musste. Soweit also auch hier alles in bester Ordnung...

Nun zum Film(inhalt) selbst - KEINE Spoilergefahr, ich verrate Ihnen nicht zuviel, keine Angst ;)
"Ein spannender Thriller in bester Hitchcock-Tradition" ist im Anschluss an den Klappentext auf meiner DVD-Hüllen-Rückseite zu lesen. Als bekennender Filmfreund, der freilich schon mehrere Klassiker des Ausnahmeregisseures hat genießen dürfen, nimmt man solche vollmundigen Aussagen äußerst vorsichtig zur Kenntnis. Zwar lassen sich einige Parallelen zum Master of Suspence feststellen, dennoch ist "Ein Toter spielt Klavier" filmisch gesehen doch ein Stück weit vom hitchcock'schen Zenit (ja, der hat auch bessere und schlechtere Filme abgeliefert!) entfernt. Grundsätzlich ist alles solide von der Kamera eingefangen worden und auch die Schauspieler interagieren recht gut miteinander, der eigentliche Knüller ist jedoch die Story an sich (von der ich aber wie versprochen keinesfalls zu viel verraten werde):
Die seit einem Reitunfall im Rollstuhl sitzende Penny Appleby (eine überzeugend spielende Susan Strasberg) will zum ersten Mal seit zehn (!) Jahren ihren Vater an der französischen Riviera besuchen. Als sie der Chaffeur ihres Vaters, namens Bob (Ronald Levis - der besser ist, als man zunächst glaubt), vom Flughafen in Nizza abholt, erfährt sie, dass ihr Vater überraschend eine Geschäftsreise antreten musste. Bei der Luxusvilla des Vaters angekommen, wird Penny herzlich (oder nur so gespielt?) von ihrer Schwiegermutter (Ann Todd) empfangen. Kaum hat sich Penny einigermaßen aklimatisiert, glaubt sie die Leiche ihres Vaters im Gästehaus (einer Rumpelkammer) entdeckt zu haben. Das ruft bald auch einen steifen, unsympathischen Arzt (Christopher Lee), einen guten Freund des Vaters, auf den Plan, der ernsthaft die geistige Gesundheit der jungen Dame in Frage stellt...

Das sollte einmal reichen, um Ihnen - lieber Filmgourmet - den Mund wässrig zu machen. Wie schon gesagt ist der Plot sehr solide, lässt sich zu Beginn jedoch relativ viel Zeit. Wirklich unter die Haut gehen dann aber lediglich die letzten 15-20 Minuten des Films, als sich die Ereignisse zu überschlagen beginnen...
Soviel sei verraten: Die Schauspieler spielen ihre Rollen allesamt gut - erst am Ende werden Sie wissen, warum! Und: Meine Freundin wusste schon am Beginn des Films (der in bester Hitchcock-Manier auf einem idyllisch gelegenen Bergsee bei Tageslicht beginnt), wer da soeben aus dem Wasser gezogen wurde - und im Nachhinein schließt sich dieser Kreis völlig logisch... Irgendwie ist es ja auch eigenartig, dass Tochter und Vater nach 10 (!) Jahren völliger Funkstille wieder in Kontakt treten, aber sehen Sie selbst...

Jedenfalls hinterlässt das tolle Finish einen gänsehauterregenden Nachgeschmack, der möglicherweise in allzu euphorischen Lobgesänge auf eben Gesehenes ausarten könnte (ich verstehe die 5-Sterne-Bewerter also durchaus)... Nüchtern betrachtet - und im direkten Vergleich mit dem Nachnachfolger ("Haus des Grauens") gesehen - offenbart "Ein Toter spielt Klavier" jedoch auch die eine oder andere Überlänge - speziell als sich der Film (die ersten 40-50 Minuten eigentich) mehr oder weniger behutsam aufbaut - ohne großartige filmische Raffinessen. Eigentlich dachte ich bereits nach 30 Minuten alles durchschaut zu haben (aber das bombastische Ende entschädigt dann wirkich ausführlichst)...
Bei "Haus des Grauens" hingegen ist von Beginn weg (was freilich am Plot liegt) eine Art Grundspannung vorhanden, die durch die labilen und zwielichtigen Figuren stets konstant vorangetrieben wird (bis es auch hier zum Äußersten kommt - aber dazu bei jener Rezension gerne mehr!), während die Figuren bei "Ein Toter spielt Klavier" im Grunde stur in ihren Rollen verharren, ehe sie nach Offenbarung aller Fakten (gegenüber des Zuschauers) plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen. Oder anders gesagt: Bei "Haus des Grauens" erwartet man von Beginn an, dass die Filmfiguren etwas zu verbergen haben, wobei man zwischenzeitlich immer wieder geschickt auf falsche Fährten gelockt wird - bei vorliegendem Streifen hingegen hat man gegenüber der darin vorkommenden Charaktere gewisse Erwartungen, die letztlich "nur" (ist in dieser Form aber auch eine meisterhafte Leistung) durch einen großen Bruch völlig zerstört/desillusioniert werden. Oder noch mal (ein letztes Mal) anders gesagt: Bei "Haus des Grauens" wächst man irgendwie mit den Figuren in die Story hinein, macht sich Gedanken über sie, ehe es dann am Ende doch ganz anders kommt, als man zunächst vielleicht glauben mochte, während man bei "Ein Toter spielt Klavier" fixe, scheinbar geradlinige Charaktere vorgesetzt bekommt, die letztlich alleine der Story wegen unerwartete, makabere Züge bekommen... Nun aber genug der Worte.

Mein Fazit: Nicht zu Unrecht gilt "Ein Toter spielt Klavier" als Klassiker der Hammer-Film-Reihe. Zu verdanken hat dies dieser rund 80minütige, ordentlich aufbereitete und inszenierte, Schwarzweiß-Thriller in erster Linie der fantastischen Wende, die so gegen Minute 60 einsetzt! Alles, was man zuvor zu sehen bekommt (mit Ausnahme des Vorpanns) ist recht gemütliche Unterhaltungskost, die mit dem einen oder anderen mulmigen Moment aufgepeppt wurde. Wahren Filmgourmets dürfte wohl einzig das starke Finish in Erinnerung bleiben - das hat's aber dafür umso mehr in sich!
Insgesamt also eine durch und durch solide Angelegenheit, für 5 Sterne reicht's meines Erachtens jedoch nicht ganz. Dafür ist mir die inhaltliche Aufbereitung bishin zur unerwarteten Pointe ganz einfach etwas zu langatmig...

Dennoch ist "Ein Toter spielt Klavier" meiner Meinung nach eine Pflichtanschaffung für Freunde des gepflegten Thrillers!

GELUNGEN!!


Different Gear, Still Speeding
Different Gear, Still Speeding
Preis: EUR 6,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles, was dieser Platte schadet ist (schlechtestenfalls der Name) Oasis!, 28. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Different Gear, Still Speeding (Audio CD)
Selten bin ich derart entspannt an das Verfassen einer Rezension herangegangen, denn: Ich bin kein Oasis-Fan, interessierte und interessiere mich für heiße Luft und Geschwafel und Oasis als Band - trotz einiger großartiger Perlen, keine Frage - nicht im geringsten. Bis heute bin ich dem Oasis-Hype, dem ein Teil meiner Generation im Besonderen (ich bin ein 85er-Jahrgang) verfallen zu sein schien, weitgehend entwichen. Ja, klar: Natürlich hab ich "Wonderwall", "The Hindu Times" und Co. etliche Male rauf und wieder runter gespielt. Mit dem Gesamtkonstrukt Oasis konnte ich aber nie so recht etwas anfangen - ob dies mit dem Herumgezanke, dem schnöden Geprahle oder sonst was zu tun hat, kann ich offengestanden nicht so recht beantworten. Jedenfalls sind mir die Gebrüder Gallagher - ganz ehrlich und nicht böse gemeint - herzlich wurscht. Und ihr bis hierhin geschaffener musikalischer Nachlass ist zweifelsohne gut, aber keinesfalls mega-überirdisch-unverzichtbar oder Ähnliches...
Ich, als Musiksammler, habe jedenfalls - und dafür geniere ich mich keineswegs - lediglich das Oasis-Best-Of namens "Time Flies..." zuhause in meinem CD-Regal stehen und das reicht mir völlig...

Soviel mal dazu und so viel zu dem ganzen Herumgejammere um Noel und Liam und "Als-es-Oasis-noch-gab-war-alles-viel-besser"-Gesülze... Alles wurscht.
Aus meiner Warte kann ich das Ganze problemlos auch so sehen: Wäre das Beady-Eye-Debütwerk zugleich ein Liam-Gallagher-Debütwerk, dann wäre es von Musikfreunden und dazugehöriger Fachpresse wohl euphorisch aufgenommen worden. So ist es halt mehr oder weniger das erste Solo-Werk eines ehemaligen Oasis-Mitbegründers (wohlbemerkt mit dem Rest der bisherigen Oasis-Band und abgesehen von Noel Gallaghers High Flying Birds, der ja eigentlich der Erste war, der Solo-Pfade betrat)...

Ich seh das ja so (und als Nicht-Oasis-Fan fällt mir das halt zugegebenermaßen äußerst leicht): DIFFERNT GEAR, STILL SPEEDING ist schlichtwerk ein energetisches, kurzweiliges, gefälliges und lässiges Debütwerk, das im Grunde - neutral betrachtet (also neutral im Oasis-Sinne halt) - keine Wünsche offen lässt. Schon alleine der bombastische Opener "Four Letter Word" schießt einem (gefühlt) literweise Adrenalin ins Blut. Das darauffolgende, bluesige "Millionaire" setzt perfekt und energetisch, und die begeisternde Anfangsstimmung nahtlos haltend, fort. Weitere Highlights (aus meiner Sicht) sind das fetzig-schmissige "Beatles & Stones" sowie das ruhigere, eher besonnene "Kill For A Dream". Aber natürlich haben alle, der insgesamt 13 Songs auf dem Album ihre Daseinsberechtigung!

Wie bin ich als Nicht-Oasis-Fan überhaupt auf diese Platte gestoßen?? Nun denn: Ich hab eines Abends ganz einfach mal (wie so oft) durch dutzende Kanäle gezappt und bin dann bei einem einstündigen Konzertmitschnitt von Beady Eye gelandet - der mich ganz einfach irgendwie gepackt, mitgerissen und verzaubert hat. Die Stimme, die tollen Harmonien, die Energie und Leidenschaft - da hat für mich einfach alles gepasst. (Offenbar ist Beady Eye, äh Oa..., also auch eine großartige Live-Band!)
Nach besagtem TV-Erlebnis hab ich mich dann im Internet schlau gemacht, bin auf dieses Produkt gestoßen und den Rest der Geschichte können Sie ja hier nachlesen...
Warum ich das schreibe? Offenbar haben nur die Wenigsten, die hierzu ihren Senf abgeben, über diesen Weg Bekanntschaft mit diesem Silberling gemacht. Wenn man sich da einige Rezensionen hierzu durchliest, hat man unweigerlich das Gefühl, viele enttäuschte und/oder frustrierte Oasis-Fans anzutreffen, die versuchen sich mittels Miesmachens hier abzureagieren... Ist wirklich nicht bös gemeint - lediglich ein subjektiver Eindruck meinerseits!
Und selbst wenn man der Platte - das mag teilweise schon stimmen - schlechten Willens vorwerfen kann, dass sie relativ schnell totgehört sei, so kann man ihr mit einer 3- oder auch 2-Sterne-Bewertung (oder gar noch weniger) keinesfalls gerecht werden, wie ich finde! Das ist schlichtweg unfair und sagt nichts über die Qualität des Albums aus - nicht im Geringsten!!

Fazit: Auch oder (eher) GERADE diejenigen, die sich nicht so intensiv mit Oasis und/oder Liam (und dessen Bruder) auseinandergesetzt haben, werden Gefallen an dieser Scheibe finden! Es ist ganz einfach klasse Musik, die zum Mittanzen, Summen etc. einlädt und die jede Menge frischen Schwung ins muffige Wohnzimmer bringt (wenn man es möchte jedenfalls). Dass sich das Album sehr nach Oasis anhört, wenn, bis auf Noel Gallagher, noch immer alle Oaisis-Mitglieder darauf herumgewerkelt haben, dürfte Oasis-Fans eigentlich nur noch weniger überraschen als Menschen wie mich, die bis dato mit dieser auf Biegen und Brechen gehypten Band eher nicht so viel anzufangen wussten.
Vielleicht - und da lehne ich mich bewusst sehr weit aus dem Fenster (mit den Oasis-Fans hab ich's mir jetzt ohnehin schon verscherzt) - ist Beady Eye sogar eine großartige, wunderbare Chance für einen glorreichen Neuanfang. Interessanterweise hat mich ein Freund, als ich ihm begeistert die Platte vorspielte, darauf aufmerksam gemacht, dass DIFFERNT GEAR, STILL SPEEDING wie die alten Oasis-Alben klingen würde, woraufhin ich ihm achselzuckend mit einem "Aha" entgegnete... Mehr kann und will ich dazu aber gar nicht mehr sagen.

Nur eins noch: Ich halte dieses "Debüt" (oder nennen wir's lieber Neuanfang) für äußerst geglückt. Die Scheibe lebt, verfügt über alle nötigen Ecken und Kanten und macht schlichtweg Spaß. Deshalb vergebe ich als Musikfreund auch guten Gewissens 5 Sterne dafür... Dass sich nach einiger Zeit gewisse Abnützungserscheinungen (also beim Hören) einstellen, kann ich an dieser Stelle nicht ganz abstreiten. Tatsächlich habe ich die Scheibe, nachdem ich sie nach Neuerwerb einige Male am Laufen hatte, mal für einige Zeit im CD-Regal verstaut. Mittlerweile bin ich jedoch wieder des Öfteren am Hören - und mir gefällt die Platte immer noch!!

P.S. Ich persönlich kann mit Noel Gallaghers Alleingang (nochmal: mir sind BEIDE Brüder herzlich wurscht) deutlich weniger anfangen, als mit vorliegendem Material. Das dürfte allerdings einmal mehr nur Geschmackssache sein...

Allen, die sich von den Miesepetern hier nicht haben vom Kauf abbringen lassen, wünsche ich viel Vergnügen mit vorliegendem Werk. Auch wenn's kein musikgeschichtlicher Meilenstein sein mag - für gute, erquickende, erfreuliche musikalische Entdeckungen ist DIFFERNT GEAR, STILL SPEEDING jedenfalls genau das Richtige!!

Nochmal: Aus meiner Sicht sind alle Unter-4-Sterne-Bewertungen haltlos - aber wie schon gesagt: Das ist lediglich MEINE Meinung!

Viel Spaß beim Hören!!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 20, 2015 7:53 PM CET


Superunknown
Superunknown
Wird angeboten von DVD Overstocks
Preis: EUR 11,98

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Art Sgt. Pepper's des Grunge..., 28. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Superunknown (Audio CD)
Zugegebenermaßen mag die von mir gewählte Überschrift in mehrerlei Hinsicht etwas hochgegriffen sein. Schon alleine aus konzepttechnischen Gründen wird ein Vergleich zum (möglicherweise zu) viel gerühmten Beatles-Meisterwerk hinken.
Dennoch ist SUPERUNKNOWN mehr als nur ganz einfach die bekannteste, am meisten verkaufte und wohl auch beste Veröffentlichung von einer Seattler Supertruppe namens Soundgarden. Aber mal eins nach dem andern...

1991/1992 war das Grunge-Jahr schlechthin. Nirvanas NEVERMIND erstürmte die Charts und die Herzen sämtlicher Musikfreunde weltweit. Wenig später folgte Pearl Jams TEN (das mir persönlich ja sogar noch lieber ist), das sich ebenfalls ganz weit oben einreihen (und dort auch verweilen) konnte. Kurz: Der GRUNGE (eine Bezeichnung mehr für Rockmusik, wenn man ein bisschen böse sein will) war geboren. Der Hype sollte noch ein paar Jährchen anhalten, wurde so manchem bekanntermaßen zuviel, wobei Eddie Vedder und Co. gerade noch rechtzeitig die Kurve kriegten und ein gewisser Kurt Cobain - und mit ihm Nirvana - ein tragisches Ende fand(en).
Auch Soundgarden profitierten vom aufbrausenden Fahrwasser jener Tage und brachten 1991 mit BADMOTORFINGER ihr bis dato erfolgreichstes Album hervor. Dennoch - so ehrlich muss man auch als Fan sein - konnte die Soundgarden-Platte soundqualitativ und verkaufszahlentechnisch nicht ganz mit den beiden zuvor genannten PJ- bzw. Nirvana-Werken mithalten (was aber auch keine Schande ist - Gott behüte!).

Doch dann kam das Jahr 1994 (Pearl Jam hatten zwischendurch noch ihr Zweitwerk VS auf den Markt gebracht, das sich ebenfalls großartig verkaufte) - Kurt Cobain war tot, Pearl Jam verstörten ihre vom Grunge-Hype infizierte Anhängerschaft (teilweise) mit der Veröffentlichung vom (dennoch großartigen) VITALOGY, das mit bis dato dargebrachtem Material nicht mehr allzu viel gemein zu haben schien... Und was war mit den Grunge-Mitbegründern Soundgarden?? Nun ja: Die legten anno dazumal mit SUPERUNKNOWN (wie schon eingangs erwähnt) eine Grunge-Platte vom Feinsten hin! Zahlreiche Auszeichnungen und Nominierungen folgten und trotz einiger ebenfalls beachtlicher Vorgängerwerke nimmt SUPERUNKNOWN bis heute eine ganz besondere Stellung in der Soundgarden-Albenchronologie ein...

Freilich liegt dies - wie man auch heute noch hören kann - nicht zuletzt an den großartigen Songs, die auf der Scheibe vorzufinden sind. Titel wie "My Wave", "Fell On Black Days", das preisgekrönte (bestes Rock-Video anno 1994) "Black Hole Sun" oder "Spoonman" bzw. "The Day I Tried To Live" verzaubern und begeistern auch heute noch mühelos bzw. reißen sie einen derart unweigerlich/selbstverständlich mit, dass sich die Frage nach Füllmaterial, schwächeren Songs auf der Platte, dem Plattencover (sehr bunt und vielseitig, aber zugleich sehr passend) etc. eigentlich somit gar nicht mehr stellt. Auch die Produktion der Scheibe passt 100%ig zu den darauf vorhandenen Songs. Vergleicht man SUPERUNKNOWN z.B. mit dessen direkten Vorgänger (dem 1991 erschienenen BADMOTORFINGER), so wird einem unschwer auffallen, dass Soundgarden bei jüngerem Gesamtwerk deutlich nahbarer, voller, energetischer und ganz einfach auch authentsicher klingen. Keinesfalls soll das jetzt eines der vorangegangenen Alben schmälern, dennoch hört man, wie ich meine, doch recht deutlich einen Unterschied heraus (der ja beispielsweise bei Live-Darbietungen wieder wegfällt). Oder anders gesagt: Schon auf BADMOTORFINGER waren großartige Songs vorzufinden (ich denke da beispielsweise ans tolle "Rusty Cage" u.a.), dennoch habe ich beim Hören immer noch stets das Gefühl, dass man aus den super Tracks auf BADMOTORFINGER noch viel mehr hätte herausholen können - aus produktionstechnischer Sicht wohlbemerkt. Ist halt aber immer auch ein Stück weit Geldsache, keine Frage...

Also: SUPERUNKNOWN verbindet großartige und ausgeklügelte Kompositionen (die ebenso leidenschaftlich wie gekonnt-professionell inszeniert sind - was würde man bei derart tollen Musikern aber auch anderes erwarten) mit einem vollen, erdigen, warmen und authentischen Klangbild. Schade eigentlich, dass das zuvor angesprochene BADMOTORFINGER nicht auch ein bisschen mehr Richtung SUPERUNKNOWN produziert sein kann - aber man kann halt nicht alles haben...

Um wieder irgendwie den vielzitierten Kreis schließen zu können: Waren Nirvanas NERVERMIND und Pearl Jams TEN sowas wie die SGT. PEPPER-Alben ihrer Zeit bzw. ihrer Bands, dann trifft das mindestens genauso für Soundgardens hervorragendes SUPERUNKNOWN zu. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, da Soundgarden bis dahin die erfahrenste Grunge-Band ihrer Zeit (und in dieser Größenordnung) war und mit ihren Vorgängerwerken (BADMOTORFINGER, LOUDER THAN LOVE, ULTRAMEGA OK) schon mehrere Versuche/Anläufe hinter sich hatten, ehe ihnen mit SUPERUNKNOWN ein fast schon überirdisches Ausrufezeichen gelungen ist! Und auch was Songabläufe, Kompositionen, Schwierigkeitsgrad des zu spielenden Materials etc. betrifft, sind/waren Soundgarden meines Erachtens ein wenig über die beiden anderen Supergrungegroups zu stellen (Fans bitte nicht böse sein - bin übrigens ein riesenriesengroßer Pearl-Jam-Fan!). Schon alleine Matt Camerons technisch versiertes Schlagzeugspiel ist für jeden Musikliebhaber ein Hochgenuss :) (Von Chris Cronells unnachahmlichem Gasang mal abgesehen...)

Fazit: Eigentlich wäre SUPERUNKOWN - auch wenn man an das Veröffentlichungsjahr und das ganze Drumherum denkt (z.B. Kurt Cobains Tod, Verflachung des Mega-Grunge Hypes etc.) - ein klarer Anwärter auf 6 STERNE! In jedem Fall darf diese großartige Scheibe in keiner ordentlich geführten Rock-Audiothek fehlen! Ich persönlich nehme SUPERUNKOWN gerne und regelmäßig zur Hand, um es aufzulegen und durchlaufen zu lassen. Meines Erachtens (aber das mag sehr subjektiv sein) ist dies das AUSHÄNGESCHILD des (perfektionierten) GRUNGE schlechthin!
Im Grunde ein Musthave - wenngleich einem freilich die etwas härtere, rauhere Gangart der Musik (aber das hat Grunge nun mal so an sich) liegen muss.
Auch heute noch - so würde ich meinen - ist SUPERUNKNOWN das kompletteste, größte und herausragendste Gesamtwerk von Soundgarden, vielleicht kann man es sogar - darüber hinaus - als bestkonzipiertes Grunge-Werk einer Dekade bezeichnen... Grunge at it's best!!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 15, 2014 10:20 PM CET


Haus des Grauens
Haus des Grauens
DVD ~ Janette Scott
Preis: EUR 6,97

5.0 von 5 Sternen Auf Hitchcock's Spuren..., 27. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Haus des Grauens (DVD)
Nachdem die britischen Hammer Studios sich bereits in den Genres Science-Fiction und Horror versucht hatten, entdeckte man Anfang der 60er-Jahre auch den Psychothriller für sich. Und nachdem gleich der erste Versuch mit "Ein Toter spielt Klavier" (1960) einer der bis dato größten kommerziellen Studioerfolge geworden war, suchte man verständlicherweise eifrig nach einem Nachfolger.
Jimmy Sangster, der sich für die Drehbücher von zuvor genanntem "Ein Toter spielt Klavier" sowie dessen Nachfolger, nämlich "Die Ausgekochten" (1962), verantwortlich gezeigt hatte, hatte bereits etwas in petto: "Haus des Grauens" (im Engl. PARANOIAC). Die Romanvorlage dafür hatte er in Josephine Teys "Brat Farrar" gefunden, dessen Rechte die Hammer Studios bereits Mitter der 50er erworben haben sollen. Jedenfalls haben das Drehbuch zu vorliegendem Film und der Originalroman angeblich fast nichts gemein. Nur um sich für den Fall des Falles komplett abzusichern, soll man die Rechte des Romanes letztlich dennoch erworben haben...

Nun zu vorliegendem Produkt. Gemacht ist es jedenfalls in vielerlei Hinsicht ordentlich. Ich konnte jedenfalls kein störendes Rauschen, mangelnde Ton- oder Bildübertragungstechnik wahrnehmen - wenngleich ich hier wohl kein Maßstab bin, da ich - wenn mir ein Film inhaltlich gefällt - auf solche Kleinigkeiten nicht wirklich viel Wert lege (es sei denn, die technische Umsetzung einer DVD/Bluray ist wirklich unter aller Kritik). Einen riesengroßen Pluspunkt gibt's meinerseits auch für die liebevolle Verpackung (außen eine Kartonhülle, in die die DVD-Kunststoffhülle eingeschoben ist) samt üpiggem Booklet, das neben ausführlichen Erklärungen auch noch mit einigen Fotografien (sw und farbig) ausgestattet ist... Großes Lob an KOCH-MEDIA dafür. Nach solchen Eye-Catchern bzw. ansprechendem Bonusmaterial sucht man bei anderen ganz großen Klassikern (z.B. Hitchcock, Fritz Lang und Co.) teils vergeblich!
Einzig das Titelmenü der DVD ist recht schlicht gehalten - und außer einiger Setup-Standards (also Spracheinstellungen etc.) sowie einiger abrufbarer Fotografien gibt's eigentlich keine Extras (aber wie schon gesagt bin ich eben auch keiner, der stundenlang nach sowas Ausschau hält)...

Nun zum Film selbst. Es stimmt tatsächlich, dass Hitchcock's PSYCHO von 1960 (ohne Frage ein Meisterwerk der Filmgeschichte) während der gesamten gut 76 Minuten Laufzeit immer wieder merklich hervorzwinkert, vor allem inhaltlich gesehen. Filmisch kommt "Haus des Grauens" (freilich) nie ganz an die Brillianz des Masters of Suspense heran... Dennoch ist das durchgehend in schwarzweiß gehaltene "Haus des Grauens" ein atmosphärisch geglücktes Hitchcock-Experiment, das erstens vom sehr, sehr gut inszenierten Plot (fesselnd, spannend, teils auch gänsehauterregend) und zweitens von einem hervorragenden Oliver Reed (der gerade in seinen Anfangszwanzigern war!) zehren kann. Auch Sheila Burrell in der Rolle der auf Anhieb eher unsympathischen Tante Harriet könnte dem Zuseher ev. länger in Erinnerung bleiben. Alle anderen Schauspieler (u.a. Janette Scott, Alexander Davion, Liliane Brousse) sind wenigstens nicht nerviges Beiwerk und machen allesamt durchwegs einen ordentlichen Job.

Nun zum inhaltlichen (und interessantesten) Teil des Films (ACHTUNG ab jetzt droht SPOILER-Gefahr!): Der Vorspann zu "Haus des Grauens" startet von gut eingefangenen steilen Klippenwänden. Danach befinden wir uns - via Friedhofsschwenk - mitten in einem Gedenkgottesdienst, wobei man erfährt, dass vor über 11 Jahren die Eltern von Eleanor und Simon Ashby unter tragischen Umständen zu Tode gekommen waren. Noch tragischer aber war der Tod des Bruders Tony, der 3 Jahre nach dem Tod der Eltern Suizid (eben bei zuvor eingefangenen Klippen) begangen hatte. Beide Geschwister befinden sich mit Tante und Pflegerin im Gotteshaus, wobei Simon als Organist die kleine Feier mitgestaltet und Eleanor einen kleinen Schwächeanfall erleidet, nachdem sie glaubt, den toten Bruder im Kircheneingang erblickt zu haben...
Jedenfalls möchte Eleanor zunächst niemand glauben - weder die Tante, noch die junge Pflegerin, noch der charakterlich offenbar labile Bruder (ein grandioser Oliver Reed) mit starkem Hang zu alkoholischen Getränken... Bis plötzlich eines Tages (bald darauf) totgeglaubter Tony vor der Türe steht (nachdem er die arg gebeutelte Eleanor vor einem Selbstmordversuch bewahrt hat) - oder zumindest jemand, der sich als Tony ausgibt. Einzig Eleanor, die ihre Depression im Nu überwunden zu haben scheint, freut sich überschwänglich Tony wieder bei sich zu haben. Tante Harriet und Simon trauen dem Neuankömling nicht so recht - und das nicht nur, weil ausgerechnet in wenigen Wochen das beachtliche Erbe der Eltern (immerhin 600 000 Pfund) an die Kinder übergehen soll...
Von Anfang an ist klar, dass zumindest die Hälfte aller auftretenden Figuren etwas zu verbergen haben - allen voran zunächst natürlich der plötzlich auferstandene Tony, auch wenn er allen Befragungen und Tests mühelos standhalten kann. Aber auch Tante Harriet und der immer labiler werdende Simon haben offenbar ein dunkles Geheimnis zu verbergen...
Jedenfalls wird die Story immer dichter, packender und gruseliger. Letztlich scheint niemand der Hauptprotagonisten der zu sein, für den er sich ausgibt - mit Ausnahme der unschuldigen Eleanor, die als eine der wenigen moralischen Konstanten in Eerscheinung tritt/treten darf. Erster Höhepunkt des makaberen "Outings" der Scheinfassaden ist eine gruselige Beobachtung Tonys und Eleanors: Als sie - angezogen von Orgelmusik und einer singenden Knabenstimme - einen Blick in die hauseigene Kapelle werfen, entdecken sie Simon an der Orgel und ein mysteriöses Wesen mit einer gruseligen Maske, das offenbar singt (wobei der Gesang, wie man wenig später erfährt, eigentlich von einem nebenstehenden Plattenspieler kommt)... GÄNSEHAUTFEELING!!!
Kurz darauf stellt sich heraus, dass sich die Tante hinter der seltsamen Maske versteckt hielt und diese bedauert dieses makabere Spielchen nur Simon zuliebe zu inszenieren, weil der offenbar über den Tod des Bruders nicht hinweggekommen sei... Dem nicht genug, gesteht "Tony" seiner angeblichen Schwester (nach einem leidenschaftlichen Kuss - Achtung Inzestgefahr!), dass er nur ein Betrüger sei, um ans Erbe der verstorbenen Eltern zu kommen (als Zuseher wird man darüber schon ein bisschen früher informiert - denn der falsche Tony bekommt gegenüber Eleanor, an der er offensichtlich Gefallen gefunden hat, mehr und mehr Gewissensbisse)...
Und dann kommt es zum eigentlichen Höhepunkt: Als man bereits ahnen kann, dass mit dem Tod des Bruders etwas nicht stimmt, deckt der Doppelgänger-Tony schonungslos alles auf und exhumiert Tony aus der Mauer (hinter der Orgel) der hauseigenen Kapelle (als man die Reste des Toten zu sehen bekommt, muss man allerspätestens unweigerlich an die tote Mutter im Keller in Hitchcock's PSYCO denken!). Dann beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen: In einem tollen Finish geht die Kapelle in Flammen auf (Tante Harriet möchte den gefesselten Doppelgänger-Tony samt der dunklen Familien-Vergangenheit dort verbrennen lassen), verliert Simon völlig den Verstand und möchte den Leichnam seines echten Bruders aus dem flammenden Inferno retten. Letztlich erstickt er bei diesem Versuch - auf der Leiche seines Bruders liegend (den er am Gewissen hat) stirbt Simon. Der anfängliche Betrüger (also Tonys Doppelgänger) kann freilich mit Hilfe Eleanors in letzter Sekunde entkommen...
Übrigens: Mit der gänsehauterregenden Einstellung des Tony-Leichnams und des darüberliegenden (eben gestorbenen) Simons endet "Haus des Grauens"!

Fazit: Neben "Ein toter spielt Klavier" dürfte "Haus des Grauens" wohl der bekannteste Psychothriller aus dem Hause Hammer sein, was der Schwarzweißfilm neben der "hitchcock'schen" Momente (ohne aber jemals dessen Brillianz zu erreichen) und seiner tollen, mulmigen Atmosphäre (immer wieder werden neue Geheimnisse aufgedeckt) vor allem dem hervorstechenden Oliver Reed (in der Rolle des psychisch höchstlabilen Simon) zu verdanken hat. Gemessen an anderen Thriller-Krachern seiner Zeit ist "Haus des Grauens" meines Erachtens in jedem Fall so etwas wie ein Klassiker. Es tun sich niemals Überlängen auf und die Story ist wirklich fesselnd und spannend und noch dazu gekonnt filmsich aufbereitet worden. Ein in vielerlei Hinsicht geglückter Thriller also, der auch heute noch Gänsehautfeeling hervorruft - großartig!!
Freunde solcher Filme sollten sich diese DVD deshalb keinesfalls entgehen lassen! Ich habe mir jedenfalls auch schon "Ein Toter spielt Klavier" auf DVD bestellt...

Meines Erachtens verdiente 5 Sterne für knapp 80 Minuten fesselnde Unterhaltung auf konstant hohem Niveau - TOLL!!


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