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Rezensionen verfasst von
Michael Krautschneider "Filmfan & Musikliebhaber" (Wr. Neustadt, NÖ)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Live at the Hollywood Palladium
Live at the Hollywood Palladium
Preis: EUR 19,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geerdeter Rock 'n' Roll - solide, aber glanzlos!, 6. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live at the Hollywood Palladium (Audio CD)
Ich bin in erster Linie ein Fan der Rolling Stones und habe mich daher erst später mit den diversen Stone-Alone-Soloprojekten beschäftigt. Für mich steht nun soweit folgendes fest: Mr. Richards ist - was die Alleingänge angeht - bislang eindeutig mein Favorit. Die Seele der Steine spielt schmutzig-soliden Gitarrenrock und wird dabei von den X-Pensive-Vinos groovig unterstützt. Seine Stimme muss man wahrscheinlich mögen (geformt von regelmäßigem Zigaretten- und Alkohol- und wer weiß noch was -konsum). Trifft auch das zu, dann wird es einem nicht schwer fallen, Keith Soloprojekt lieb gewinnen zu können.

Bei dieser Live-Ausgabe treffen Songs der beiden Winos-Alben auf einige wenige Stones-Tracks, die da wären: "Too Rude", "Time Is On My Side", "Happy" und "Connection". Insgesamt ist es eine gelungene Live-Aufnahme, die energetisch, bebend und "dirty" klingt (wohl ganz nach Mr. Richards Geschmack). Allerdings ist es meiner Meinung nach gleichzeitig auch keine Offenbarung. Kennt man nämlich sämtliche Live-Versionen, wie sie von den Stones gespielt wurden, so fehlt dieser - meines Erachtens oft "passendere", "authentischere" - Charakter bei diesen Aufnahmen. Und, was die Vinos-Songs betrifft, so mag ich sie zwar, aber ein Fan bin ich definitiv keiner. (Anm.: "Talk Is Cheap", Richards Erstling mit den Vinos, habe ich auch zuhause im Regal stehen).
Mein persönlicher Favorit auf eben rezensierter Scheibe ist die schleppend-groovlastige Version von "Happy", wo - wie ich finde - von vorne bis hinten einfach alles passt: ein gemächlich treibender Beat, fetzige Gitarrenlicks, Keith' Drahtbürstengesang. Aber gut, das ist ja halt auch ein Stones-Song (und zwar ein sehr guter) bei dem man ja eigentlich nicht viel falsch machen kann, wenn man, so wie Herr Richards eben, ihn selbst geschrieben hat!

Der Sound und die Abstimmung der Scheibe geht insgesamt auch in Ordnung. Es fügt sich für meinen Geschmack alles ganz harmonisch zusammen und es klaffen eigentlich nie Lücken auf bzw. machen sich nie störende Einflüsse offensichtlich bemerkbar.
Alles in allem klingt die Aufnahme sehr "basslastig", d.h. in erster Linie ist der Mix auf die (zugegeben gute) Rhythmusgruppe zugeschnitten, lediglich überpegelt von Keith Gitarrenschlägen und dessen Gesang. Dieser Zugang muss einem in gewisser Weise halt auch liegen. Ich persönlich finde das aber ganz gut...

Fazit: Ich denke, dass LIVE AT THE HOLLYWOOD PALLADIUM mit 4 Sternen gerecht bewertet ist und dass Stones-Fans (so wie ich) zumindest einmal reingehört haben sollten. Fest steht, dass Keith Richards in erster Linie Live-Musiker ist - und das bekommt man hier auch durchaus gefällig zu hören!

P.S. Mittlerweile ist ein(e) "Bootleg" mit Keith Richards Live-Stones-Songs aus verschiedensten Perioden erschienen (soll heißen: Stones-Songs, die Herr R. selbst singt. Geschrieben hat er freilich viele mehr!) Sie trägt den Titel "It's Good To Be Anywhere". Diese würde ich Keith- und Stonesfreunden mehr noch als vorliegende Aufnahme ans Herz legen. Da ist übrigens auch eine Vinos-Aufnahme drauf - eine durch und durch lässige Interpretation von "Gimme Shelter", die Keith singt!
Irgendwie hätte gerade dieser Song (in eben beschriebener Form) hervorragend auf diese Scheibe hier gepasst - ein echtes Highlight! (Ich glaube außerdem, dass diese Aufnahme auch von hiesiger Tour stammt.)
Leider ist diese (noch) nicht offiziell verfügbar. Aber da muss man sich halt notfalls selbst schlau machen...

LIVE AT THE HOLLYWOOD PALLADIUM ist sicher ein authentischer Liveblick auf die Seele der Stones: narbig, rauh, groovig, echt. Ein unbedingtes Musthave ist es meines Erachtens trotzdem nicht. Wer Richards Soloalben (mit den Vinos) mag, wird daran sicher seine Freude haben. Stones-Freunde sollten sich zunächst vielleicht ein genaueres Bild darüber machen. Zum Kennenlernen der Vinos ist diese Scheibe aber bestimmt auch gut geeignet, vielleicht sogar besser, als die beiden Studioalben ("Talk Is Cheap" und "Main Offender"). Inzwischen wurde ja sogar eine Best-of-CD herausgebracht - eine Art Cuvee aus den beiden Studiowerken und einigen Liveaufnahmen, die hier entnommen wurden. Jedenfalls würde ich vorliegenden Tonträger jedoch eher empfehlen als die etwas eigenwillig anmutende Best-of-Scheibe!

Mein Tipp also: Reinhören, abwägen und dann ggf. genießen!


Rolling Stones - Some Girls: Live In Texas '78 (+Audio-CD) [2 DVDs]
Rolling Stones - Some Girls: Live In Texas '78 (+Audio-CD) [2 DVDs]
DVD ~ The Rolling Stones
Wird angeboten von zoreno-deutschland
Preis: EUR 18,47

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 16 Jahre machen wir das jetzt schon (haha)..., 6. Januar 2012
Dabei wäre laut Aussage Bill Wymans höchstens mit 2 bis 3 Jährchen zu rechnen gewesen. Freilich: Aus heutiger Sicht lässt sich selbst darüber noch herzhaft lachen!
Was hat SOME GIRLS - LIVE IN TEXAS '78 nun für den eingesessenen Stonologen zu bieten? Warum empfiehlt es sich, auch diese Veröffentlichung zu besitzen?

Eigentlich war in Sachen Stones alles schon da: Live-Konzerte aus verschiedenen Band-Perioden auf DVD oder CD, Live-Alben, bandbiographische Zusammenstellungen etc.
Wer meint, man braucht die riesige Vermarktungsmaschinerie der Steine nicht noch weiter zu füttern und endlich wieder ein neues Studioalbum zuhause in seine Sammlung integrieren möchte, der wird es trotzdem bereuen, nicht zu hiesiger Neuheit gegriffen zu haben. Und selbst, wenn man das im vorletzten Jahr erschienene LADIES & GENTLEMAN zuhause im Schrank stehen hat, ist es noch sinnvoll sich LIVE IN TEXAS '78 zuzulegen.

Ungewohnt konzentriert gehen Jagger und Co hier zu Werke. Da man gleich 7 (!) Songs des damals aktuellen SOME GIRLS (das ich als Album nach wie vor für überbewertet halte, obwohl ich Stones-Fan bin) - und das in Folge - zum Besten gab, war es wohl auch notwendig, sich darauf zu konzentrieren, wie man anfängt, wann welche Parts zu spielen sind und wann das (improvisierte) Ende kommt...
Und in gewisser Weise tut dieser "Ernst" gut. Man sieht, dass die Stones - obwohl schon damals zu Legenden geworden und für Rock-Begriffe praktisch Ewigkeiten im Geschäft - ihre Sache gut machen wollten. Eine Einstellung übrigens, die ich auch den heute schon ergrauten Herren hoch anrechne!

Das wirklich Besondere ist aber wohl der "echte", authentische Live-Sound. Die RS spielen hier praktisch in Minimalbesetzung, ohne BackgroundsängerInnen und ohne Bläser. Gerade mal zwei Keyboarder (darunter auch der legendäre, 1985 verstorbene Ian Stuart) hatte man sozusagen "zusätzlich" mit an Bord - und ja, einen Geiger bei "Far Away Eyes", der der texanischen Countryseele das Eis wegschmelzen soll. Aber selbst das spielt eigentlich keine Rolle, da die Keyboards deutlich leiser hineingemischt wurden als der Rest der Band. Und ja, dieser "Rest", lässt's wahrlich KRACHEN!

Keith und Ron harmonieren wunderbar und fungieren stellenweise sogar als Backgroundvocals (Keith singt außerdem bei "Happy" selbstverständlich Lead-Vocs). Ron scheint während des Konzerts mehr und mehr in einen Rausch zu verfallen (woher der auch immer rühren mag ;)) und reagiert selbst auf Micks "Anmachen" und "Provokationen" (einmal nimmt er ihm gar die brennende Zigarette aus der Hand und zerstampft sie am Boden) kaum... Wurscht, er macht seine Sache ordentlich.
Bill zupft währenddessen statisch am Bass herum und verlässt seinen berühmt-berüchtigten Kleinstbewegungsradius so gut wie gar nicht. Charlie drischt - wie auch heute noch - begeistert auf sein Gretsch-Set ein und groovt, dass es eine Freude ist...
Kurz: Die Steine sind (noch) in ihrem Zenit. Und: Sie nehmen ihren Job ernst. (Obwohl ich beispielsweise auch den SHINE-A-LIGHT-KONZERTFILM offengestanden sehr gemocht habe und immer noch mag - soll also nicht heißen, dass die Stones heute schlecht wären oder dergleichen!)

Mick erprobt allmählich seine extravagante (und manchmal auch nervige - aber das ist halt "Mick Jagger") Wirkung aufs Publikum, lässt uns in knallengen Synthetikhosen mehr anschauen als wir wollen und trägt ein Punkshirt mit der Aufschrift "Destroy" und einem grünen Hakenkreuz drauf. Am Ende (beim "Abspann" von JJF) schüttet er mehrere Eimer Wasser ins erhitzte Publikum (angeblich ein wirklich heißer Juli-Tag - man sieht das immerhin auch der Band an; eine nette Geste also!).

Der Sound lässt - wie ich finde - keine Wünsche offen. Obwohl, wie schon erwähnt, die Keyboarder eigentlich so gut wie gar nicht zu hören sind, geht einem nichts ab - weder per DVD noch per CD.
Im Gegenteil: Die CD ist mit 17 Tracks randvoll bestückt (Laufzeit: gut 79 Minuten!) und spiegelt die heiße Atmosphäre des Konzerts sehr gut wider.
Klar: Über die Setlist lässt sich natürlich streiten - aber die war eben so! Auffällig dabei erscheint mir, dass zwar die Chuck-Berry-Oldies "Let It Rock" und "Sweet Little 16" (etwa gar eine Anspielung auf die damalige Bestehenszeit der Stones?) sozusagen als "Root-Tracks" gespielt wurden, ansonsten jedoch kaum wirklich altes Material für die Show herangezogen wurde. "All Down The Line", "Happy" und "Tumbling Dice" vom legendären EXILE... waren damals ja noch gar nicht so alt und etwas älteres als "Jumpin' Jack Flash" (1968) aus dem eigenen Reportire wurde erst gar nicht berücksichtigt. Nun ja, vielleicht hatte man zu jener Zeit ganz einfach auch ein bisschen die Schnauze voll von "Satisfaction" und Co...
Worauf ich eigentlich hinaus möchte: Trotz der eher wenig "breiten" Setlist (die Chuck-Berry-Nr. ausgenommen) kommt nie ein Gefühl von "Unvollkommenheit" auf!

Tipp für Stones-Sammler: Schon allein wegen der CD ist diese Veröffentlichung ein Muss. Die DVD kann man dann ja als "Zuckerl" betrachten (zum hiesigen Kaufpreis überhaupt!).

Sehr interessant sind darüber hinaus auch die Bonus-Features: Ein aktuelles Mick-Jagger-Interview, in dem klar wird, dass SOME GIRLS eine seine Herzensangelegenheiten ist; ein weiteres Interview mit ebendiesem Herrn aus der Show TOMORROW (von 1978), wo er von keinem Geringeren als Dan Aykroyd befragt (und veräppelt - oder umgekehrt) wird; Songs aus SATURDAY NIGHT LIVE ("Beast Of Burden", "Respectable", "Shattered") bei denen Mick offensichtlich mit seiner Heiserkeit zu kämpfen hat (klingt irgendwie sehr reizvoll - offenbar auch live eingespielt bzw. aufgenommen) sowie ein Band-Interview (ABC NEWS 20/20) bei dem allerdings wiederum hauptsächlich der Frontman zur Sprache kommt (Charlie kommt leider gar nicht zu Wort).

Fazit: Dieses Live-Set ist sehr authentisch und reizvoll für den wahren Stones-Freund. Auch weniger eingefleischte Freunde guter, schmutziger Gitarrenrockmusik und allgemein Musikinteressierte kommen mit dieser Ausgabe wohl auf ihre Kosten.
Nachdem auch zum 50er (leider) kein neues Album zu erwarten sein wird, ist diese Veröffentlichung wenigstens ein "Trost", der wirklich trösten kann.
Zwar bin ich nach wie vor kein SOME-GIRLS-FAN - ok, die Deluxe-Edition mit der Bonus-Disc ist wirklich besitzenswert, aber das Original-Album ist für mich kein Stones-Klassiker - nichtsdestotrotz habe ich den Erwerb dieser Live-Ausgabe keineswegs bereut.
Danke diesbezüglich auch an alle Vorrezensenten, die wirklich nicht zuviel versprochen haben!

Eine Empfehlung an alle, die die Rolling Stones mögen! 5 STERNE dafür.


Pearl Jam Twenty
Pearl Jam Twenty
DVD ~ Cameron Crowe
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein breiter und zugleich fokussiert-authentischer Rückblick!, 1. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Pearl Jam Twenty (DVD)
TWENTY (eine wohl nicht zufällige namentliche Anlehnung an das 1991 erschienene Debütalbum TEN) beschreibt (endlich) die Geschichte der vielleicht einflussreichsten Rockband der 90er-Jahre (die immer noch großartige Musik macht) zusammenhängend, authentisch und auf den Punkt bringend.

Der Beginn des Jubiläumsrückblicks befasst sich zunächst mit der Zeit "vor Pearl Jam", mit den Achtzigern also. SOUNDGARDEN formierte sich allmählich und viele andere - mehr oder weniger - kurzlebige Grunge-Projekte, die die Musiknachwelt und PJ im Besonderen nachhaltig beeinflussen sollten.
Den eigentlichen Startschuss, das Fundament sozusagen, wurde dann mit der Veröffentlichung von TEMPLE OF THE DOG gelegt, bei dem sämtliche Mitglieder erstmals in einem Gefüge zusammenarbeiten sollten. Auch Eddie Vedder durfte seinen Beitrag dazu leisten und wurde ermutigt, sein gesangliches und songwriterisches Talent weiterzuverfolgen... Gesagt getan!

Im Sog des legendären Nevermind-Hypes (Nirvana) wurde die West-US-Metropole Seattle in den frühen Neunzigern (beinahe) über Nacht zum Schmelztiegel-Phänomen eines neu (oder eher wieder)entdeckten Genres: GRUNGE. Dies hatte auch den unvermeidbaren, kometenhaften Aufstieg der authentischen Superrockband PJ zur Folge, deren Debütwerk TEN (bis heute) der meistverkaufte Tonträger der Bandgeschichte ist. (Anm.: Ich halte den Einfluss von Pearl Jam für mindestens ebenso wichtig wie den der für meinen Geschmack etwas überstilisierten und -gehypten Nirvana!)
Dann folgten ausverkaufte Konzerte, das ebenfalls sehr erfolgreiche Zweitwerk VS., Lobhudeleien von allen Seiten... bis zu Kurt Cobains Tod (der meiner Meinung nach erheblich zum Mythos Nirvana, ungebrochen bis heute, beigetragen hat - so gut die Band natürlich trotzdem auch immer war!).
Von nun an waren es PJ, die (hauptsächlich) alleine das schwere Erbe des Grunge weiterführen mussten. Und dies taten sie in mehrerlei Hinsicht gewissenhaft! Um sich nicht kommerziell ausschlachten zu lassen und (vor allem Mr. Vedder betreffend) um nicht ebenfalls der allgemeinen Rockstarhype-Hysterie zum Opfer zu fallen, wurden bewusst "leisere" Töne angeschlagen. Nach dem 3. Studiowerk VITALOGY, das - wenn man so will - quasi der Abgesang auf den Grunge-Hype schlechthin ist und von Kritikern (zu Unrecht) als letztes bedeutendes Werk von PJ wahrgenommen wurde/wird (leider bis heute, wie es scheint!), überließ man anderen Sternchen und Genres dem Glanz der Öffentlichkeit...
Der Musik freilich hat dies nicht geschadet! Es sollte noch eine Unzahl an ambitionierten Studiowerken folgen, darunter auch einige meiner persönlichen PJ-Lieblinge...

Trotzdem ist der Hauptfokus dieser stimmungsvollen und atmosphärish gelungenen PJ-Doku eben auf diese "Early Days" gerichtet. Alles, was nach VITALOGY (1994) folgen sollte, ist (vermutlich bewusst) kürzer gehalten.
Zwar wird natürlich auch kurz über andere chronologisch-biographische Zwischenstationen berichtet (bis hin zur Gegenwart eben), aber gewiss nicht mit selber Intensität als dies eben bei den Anfangsjahren der Band der Fall ist.
Zur Sprache kommen vor allem noch die Zeit um die Jahrtausendwende, als eine Konzerttragödie, die einige Todesopfer zur Folge hatte, Vedder & Co. über ein jähes Ende von PJ nachdenken ließen sowie die gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Ticketmonopol, dem die Band Preiswucher vorwarf. (Freilich zeigt man so etwas gerne, welcher Fan fühlt sich denn dabei nicht geschmeichelt?).

Untermalt bzw. begleitet wird die gesamte Chronologie von Konzertauszügen und Live-Mitschnitten. Auch einige ältere und aktuelle Interviews wurden passend und gekonnt miteingebaut. (Klar: Gesamtmitschnitt ist es logischerweise keiner, aber da kann man sich mit einer Vielzahl anderer Veröffentlichungen der Band abhelfen!).
Kurz: TWENTY ist eine durch und durch geglückte, unterhaltsame, spannende und ebenso informative Banddokumentation, die über die eigentliche Geschichte der Band aber noch hinausreicht, um ein insgesamt runderes, "ganzeres" Gesamtbild des Grunge im Allgemeinen zeichnen/zeigen zu können.
Also: PJ-Fans kommen mit dieser Veröffentlichung ebenso auf ihre Kosten wie allgemein Musikinteressierte!

Fazit: Höchste Zeit, dass endlich die ganze Geschichte der Band filmisch festgehalten und liebevoll aufbereitet unsere heimeligen DVD- und Bluray-Player heimsuchen darf. Abstriche muss der wahre PJ-Fan lediglich bei den neueren Teilen der Band-Bio sowie bei Songausschnitten machen - obwohl da eigentlich einige echte Raritäten dabei sein dürften, die auch keineswegs abrupt zusammengeschnippelt wurden.
Aber, wie gesagt: Eine Banddokumentation ist nun einmal nicht dasselbe wie ein Live-Mitschnitt. Hierfür würde ich zusätzlich das hervorragende "Live At The Garden" empfehlen, das - fast ungeschnitten - 3 Stunden Livearbeit vom Feinsten wiedergibt (aufgenommen im Madison Square Garden, NY - hierzu gibt's eine nicht minder empfehlenswerte "Bootleg" für den CD-Player!).

Für mich, als PJ-Fan, war es ein Genuss, die Hochs und Tiefs einer meiner Lieblingsbands per Mattscheibe revue passieren zu lassen. TWENTY ist wirklich sehr authentisch geworden und zugleich ein breiter, liebevoll zusammengestellter Auszug neuerer Musikgeschichte. Es macht durchaus Sinn, eine zwanzigjährige Geschichte in kurzweiligen 120 und nicht etwa in (möglicherweise) mühsamen 400 Minuten Laufzeit zu erzählen!

Bei Gelegenheit unbedingt einmal ansehen!

5 STERNE. Bravo!


The King's Speech [Blu-ray]
The King's Speech [Blu-ray]
DVD ~ Colin Firth
Preis: EUR 9,97

25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehenswert, aber deutlich überbewertet!, 31. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: The King's Speech [Blu-ray] (Blu-ray)
Bevor ich hier als boshafter Querulant in Erscheinung trete und mich mit sämtlichen Fans des Films verfeinde, möchte ich zunächst auf die meiner Meinung nach positiven Seiten von THE KING'S SPEECH eingehen.

Zum einen sind die schauspielerischen Leistungen allesamt in Ordnung. Die Rollenvergabe scheint wirklich geglückt zu sein - bis hin zu den Nebendarstellern! Am besten in Erinnerung - vielleicht auch deshalb, weil er die "dankbarste" Figur verkörpern durfte, ist mir Geoffrey Rush als pfiffiger Sprachtherapeut. Auch die "Kulissen", Kostüme und Requisiten sind sehr authentisch und verleihen dem Streifen den notwendigen "Flair". Die Atmosphäre passt im Großen und Ganzen also auch...

Als Theaterstück könnte THE KING'S SPEECH nun denn auch wirklich ganz große Klasse sein, vorausgesetzt natürlich, man findet ebenso überzeugende Charakterfiguren. Aber ob diese hiesige filmische Umsetzung sich denn wirklich 4 Oscars verdient hat, wage ich zu bezweifeln!
Der Plot an sich nämlich ist alles andere als fesselnd, wie ich finde. Es mag für "Insider", Patrioten (also echte Briten) und Interessierte zwar durchaus interessant sein, Einblicke in die englische Königsfamilie zu erhalten, alles in allem aber kommt mir der Plot doch recht vorausschaubar (erklärt mir jetzt bitte nicht, dass das historische Stoffe so an sich haben - no na - ich meine innerhalb des "Rahmens") und "flach" vor. Zudem gibt es meines Erachtens auch kaum Pointen, die vollends zünden und somit nachhaltig wirken können.
Es mag sein, dass, wenn der therapierte König am Ende des Films seinen patriotischen Aufruf an die Bevölkerung beendet hat, die englischen Zuschauer mit Tränen zu kämpfen haben, aber ist die Aussicht auf den bevorstehenden 2. Weltkrieg - der Schrecken und Leid ohnegleichen mit sich bringen wird - aus heutiger Sicht so einfach hinnehmbar?
Mag sein, dass die heutigen Nachkommen (und auch Zeitzeugen) der sogenannten "Siegermächte" (zu denen ja auch GB zählt) dem Ausbruch des 2. WK etwas "patriotisch-positives", etwas Zusammenschweißendes also (bitte verstehen Sie mich nicht falsch!), abgewinnen können. Mir als Nachkomme des großen Kriegsverlierers (ich bin Österreicher, also quasi Deutscher und "Nazinachkömmling") stellt es dabei allerdings ein wenig die Haare auf!

Ja: Darum geht es in THE KING'S SPEECH nun auch eigentlich gar nicht. Es geht darum, dass George VI. seine persönlichen Traumata und in weiterer Folge seine "Sprachbehinderung" in den Griff bekommt. Dass dabei womöglich so manch "Pikantes" aus den königlichen Familienverhältnissen zur Sprache kommt (und auch gezeigt wird) ist für mich - und ich würde mich durchaus als geschichtsinteressiert einstufen - dabei eher unwesentlich, wie ich finde. (Freilich werden mir an dieser Stelle viele widersprechen.)
Das, was diesen Film letztlich sehenswert macht, ist wohl die eigenwillig-väterlich-brüderliche Beziehung der beiden Hauptfiguren (George VI. und dessen Sprachtherapeut). Glücklicherweise wurden - wie eingangs erwähnt - hierfür sehr überzeugende Schauspieler gewählt!

Fazit: THE KING'S SPEECH ist ein wunderbares Beispiel für "Modekino" und "gemachte" Klassiker. So sehr ich Colin Firth für dessen sprachliches Talent auch bewundere, so wenig kam mir der Rest des Films oscarverdächtig vor.
Eine einfache Geschichte, schlicht (aber natürlich mit allem nötigen "Pomp") erzählt, getragen von überzeugenden Charakterdarstellern. Als Nicht-Brite habe auch ich es keineswegs bereut, mir den Film (da ich ihn im Kino verpasst habe) per Bluray zu Gemüte zu führen. Ob ich ihn nun aber jemals wieder aus dem DVD-Schrank nehmen werde, um ihn mir nochmal anzuschauen, wage ich - vom heutigen Standpunkt aus - stark anzuzweifeln.
Kurz: Es hätte genügt, sich den Streifen für einen Abend von der Videothek auszuleihen!

Meine Bewertung: 3 STERNE. Nicht schlecht, aber zugleich alles andere als überwältigend. Kann und will mich der allgemeinen Lobhudelei ganz einfach nicht anschließend. Tut mir leid, nichts für ungut...

(Und nun lasst Kritik über mich hereinbrechen...)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 14, 2012 5:34 PM MEST


American IV:  The Man Comes Around
American IV: The Man Comes Around

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterstück eines Mannes, der vieles gesehen und (mehr noch) gehört hat!, 31. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: American IV: The Man Comes Around (Audio CD)
Es scheint allgemein so zu sein, dass zeitliche Distanz einen "objektivierenden" Charakter mit sich bringt. Sobald die erste Euphorie oder der "Hype" um eine neue Sache verflogen scheint bleibt - mehr oder weniger - das "wahre" Wesen, der innerste Kern oder die "echte" Qualität allein zurück. Und wenn das, was bleibt, dann immer noch ausreicht, um nahezugehen, Emotionen hervorzurufen oder schlichtweg zu begeistern, dann kann man wohl wirklich von einem echten "Klassiker", zeitlos und nicht totzukriegen, sprechen.
Nun, wozu diese Einführung? THE MAN COMES AROUND liegt jetzt bald schon wieder 10 Jahre zurück und wurde 2011 wiederveröffentlicht bzw. neu aufgelegt...

Ich bin bestimmt nicht der größte Johnny-Cash-Fan auf Erden, habe lediglich diese Scheibe hier und den Sampler "Ring Of Fire: The Legend Of Johnny Chash" (vielleicht eine der allerbesten Best-of-Zusammenstellungen überhaupt) zuhause in meinem CD-Schrank stehen und bin - wie viele andere meiner Generation (Jahrgang `85) wohl auch - erstmals durch den im Zuge des "Walk The Line" - Filmes mit Mr. Phoenix (sehr sehenswert, nach wie vor) wiederbelebten Johnny-Cash-Hypes so wirklich mit dessen Musik und Lebenswerkes in Berührung gekommen.
Mittlerweile - so scheint es - hat sich dieser Hype wieder verflüchtigt, und was bleibt ist die Musik.
Und obwohl Mr. Cash in seiner Biographie mit Sicherheit sehr viele sehr interessante und bewundernswerte musikalische Errungenschaften vorzuweisen hat, finde ich gerade diese letzte Phase - um die es auf diesem Werk nun denn auch geht - persönlich am Interessantesten.

Mr. Cash alias The Black Man nimmt sich auf THE MAN COMES AROUND vor allem fremdkomponierter Stücke an. Das zur "Melancholiehymne" gewordene HURT (Nine Inch Nails) ist hierauf ebenso enthalten wie etwa PERSONAL JESUS (Depeche Mode) oder IN MY LIFE (The Beatles).
Das Besondere daran ist, dass Mr. Cash mit seiner Interpretation der Songs nicht bloße Coverversionen geschaffen hat, sondern, dass er den Songs einen ganz neuen Charakter gegeben hat, der auch den Hörern einen gänzlich - bislang unbekannten - Zugang schafft! Es hat den Anschein, als wären es tatsächlich Johnny-Cash-Songs - so viel Gefühl steckt hier mitdrinnen!

Hinzu kommt noch, dass Produzent Rick Rubin wirklich tolle Arbeit geleistet hat. Die Stimmung der Songs wurde hervorragend eingefangen, atmosphärisch passt alles perfekt zusammen: die Songs selbst, die ganze Aufmachung der Scheibe, das Album insgesamt.
Ehrlich: Da bleiben keine Wünsche offen, vorausgesetzt natürlich, man legt THE MAN COMES AROUND nicht als "Partyanheizer" in die Anlage ein! Das Album tendiert eher ins Melancholische denn in unbeschwerte Glücksseligkeit, obwohl ja gerade die bewusste Auseinandersetzung mit schmerzlichen Inhalten und Stimmungen zu zweiterer führen kann!
Und: Es ist ein mehr als würdiges, rundum gelungenes "Alterswerk" (so abgedroschen dieses Wort nun auch schon klingen mag) eines Mannes, der vieles gesehen und mehr noch gehört hat!
Oder anders gesagt: Mr. Cash weiß was er will und wie er die Songs sezieren, zertrümmern und wieder zusammenfügen muss, um ihnen einen authentischen, liebevollen und melancholischen Cash-Charakter verleihen zu können. Ganz im Ernst: Viele der hierauf enthaltenen Songs gefallen mir persönlich besser als die jew. Originale (obwohl auch die schon sehr gut waren).

Fazit: THE MAN COMES AROUND ist "ganz großes Kino" für die Ohren (das Kino dazu spielt sich dann im Kopfe ab). Für Musikgourmets und Sammler ist es meines Erachtens sogar unumgänglich. Johnny-Cash-Fans werden hierauf sowieso nicht verzichten. Und: Auch Leute, die sich Johnny Cash nicht so sehr verbunden fühlen, könnten - ja SOLLTEN - es einmal mit dieser Platte hier versuchen...

Abschließend noch ein einige Anspieltipps meinerseits:

- THE MAN COMES AROUND
- HURT
- PERSONAL JESUS
- IN MY LIFE
- WE'LL MEET AGAIN

Meine Bewertung: TOLL. 5 Sterne!


Home Before Dark
Home Before Dark
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenig spektakulär, aber grundsolide!, 30. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Home Before Dark (Audio CD)
Für mich - als nicht Hardcore-Fan - war HOME BEFORE DARK eines der ersten (und wenigen) Neil-Diamond-Alben, die ich mir zugelegt habe. Lediglich zwei Best-ofs hatte (und habe ich immer noch) daneben in meinem CD-Schrank stehen.

Die Platte klingt musikalisch in etwa so, wie es das Cover vermuten lässt. Ein erfahrener, älterer Herr singt und spielt und blickt dabei selbstreflektierend auf sein bisheriges Leben zurück. Die Zusammenstellung ist grundsätzlich sehr gelungen. HOME BEFORE DARK ist also ein ausgereiftes, künstlerisch ansprechendes und ambitioniertes Gesamtwerk. Auch die eher spärliche Interpretation passt sehr gut zu hiesigem Songmaterial, wie ich finde. Und: Der Sound ist ebenfalls völlig in Ordnung.

Viel mehr kann und will ich gar nicht dazu sagen. Wie gesagt, bin ich ja nicht unbedingt der riesengroße Neil-Diamond-Fan, der genauestens über all seine anderen Veröffentlichungen Bescheid weiß.
Als "allgemein" Musikinteressierter, als den ich mich selber einstufen würde, ist diese Platte aber mit Sicherheit eine lohnende Investition! Auch, wenn man sonst nicht allzu vieles desselben besitzt.

Meine Empfehlung deshalb: Bei Interesse und Gelegenheit reinhören und zugreifen. Zum jetzigen Preis kann man da sowieso nichts falsch machen...

4 STERNE. Gefällt mir!


Greatest Hits 1966-1992
Greatest Hits 1966-1992
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Sehr eigenwillig!, 30. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Greatest Hits 1966-1992 (Audio CD)
Weil ich Neil Diamond vorher nicht wirklich gut kannte, mich aber für seine Musik interessierte und seine Stimme mochte (und immer noch mag), hab ich mir vorerst (wie's halt so ist) diese Greatest-Hits-Ausgabe gekauft.
Heute weiß ich, dass es klüger gewesen wäre zu einer anderen Neil-Diamond-Platte zu greifen, denn ob seiner Qualitätsschwankungen betreffend Aufnahmesound und Harmonie, ist dies möglicherweise gar die schlechteste Veröffentlichung (bei allem Respekt) dieses Herrn.

Zwar sind generell sämtliche Hits des Singer/Songwriters in diesem Doppelalbum enthalten, aber vor allem die Live-Versionen versprühen einen amateurbehafteten Bierzeltcharakter. "I'm A Believer" beispielsweise, das eigentlich ganz gut gespielt und gesungen zu sein scheint, kann nie seine wahre Schönheit entfalten. Zudem ist der häufige Wechsel zwischen Live-Tracks und Studioversionen nahezu destruktiv für einen erfüllten Hörgenuss.

Immerhin weiß ich jetzt, dass diese seltsame Veröffentlichungs- bzw. Zusammenstellungspolitik mit dem häufigen Wechsel der "Labels" zusammenhängt und somit sozusagen entschuldigend aus der "Not heraus" resultiert ist. Danke diesbezüglich an meinen Vorrezensenten!

Fazit: Ich bin kein eingefleischter Neil-Diamond-Fan, mag ihn aber nach wie vor. Bevor man allerdings zu vorliegender Ausgabe greift, sollte man sich ein genaueres Bild über andere Veröffentlichungen machen!

Beim besten Willen kann ich hierfür nicht mehr als 2 STERNE verleihen. Für wahre Fans, ob seiner Einzigartigkeit und Eigenheit, vielleicht empfehlenswert. Für Leute, die sich diese Sammlung aber zum Kennenlernen und Reinhören zulegen möchten, behalte ich es mir jedoch vor, auf andere Werke Mr. Diamonds zu verweisen!

Sehr, sehr eigen.


Darkness On The Edge Of Town
Darkness On The Edge Of Town
Preis: EUR 6,97

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Album & Songs: GUT, Sound: MITTELPRÄCHTIG, 30. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Darkness On The Edge Of Town (Audio CD)
Dass DARKNESS ON THE EDGE OF TOWN in der (ersten) Blütephase des "Boss" entstanden ist, merkt man zweifelsfrei. Insgesamt ist es nämlich wirklich ein hörens- und besitzenswertes Album, ohne großartige interne Schwächen. Der Eröffnungstrack "Badlands" ist - neben "Born In The USA", "Born To Run" u.a. - zur Rockhymne schlechthin geworden. Zudem beweist Springsteens Letztveröffentlichung THE PROMISE, dass sogar die sogenannten "B-Seiten" und Überbleibsel jener Zeit genügend Qualität für eine eigene Albumveröffentlichung in sich bergen.

Verglichen allerdings mit anderen Alben, die Herr Springsteen bis 1987 (also inklusive TUNNEL OF LOVE, das meist zu gering eingeschätzt wird, wie ich finde) gemacht hat, ist DOTEOT kein außergewöhnlich herausragendes Gesamtwerk, was für mich am eher mittelmäßigen, nüchtern-kühlen Sound liegt. Ja, es fällt mir schwer so richtig "warm" mit vorliegender Scheibe zu werden, vor allem wohl deshalb, weil ich sämtliche hierauf beinhaltete Songs auch als Live-Version kenne, die mir offengestanden mehr am Herzen liegen als in vorliegender Studioqualität.
Freilich: Wir schreiben das Jahr 1978 - da haben auch die Stones mit SOME GIRLS ein eher kühl produziertes (und sehr erfolgreiches und wie ich finde auch sehr überschätztes, aber das ist eine andere Geschichte) Album rausgebracht. Möglicherweise war diese Produktions- und Vorgehensweise gerade "in". Was weiß ich...

Als Album - also von der Songzusammenstellung her - kann DOTEOT aber jedenfalls überzeugen. Meine persönlichen Favoriten (Anspieltipps) wären da z.B. - neben zuvor erwähntem "Badlands" - "Racing In The Street" und vor allem "Factory". (Anm.: Hierzu gibt's eine wunderbare Wiener-Mundartversion namens "Arbeit" von einem gewissen Willi Resetarits alias Kurt Ostbahn!)
Harmonieren tut das Album ausgezeichnet, ob es denn aber tatsächlich so eine außergewöhnliche Ausnahmestellung in der neueren Rock 'n' Roll Historie einnimmt, wage ich einmal frech in Frage zu stellen...

Vom heutigen Standpunkt aus, also als Besitzer von THE PROMISE, muss ich auch noch hinzufügen, dass der eine oder andere vorab unveröffentlichte Track es bestimmt mit einigen der Original-Albumerscheinungen aufnehmen hätte können. Ich denke da im Speziellen z.B. an "Fire" oder "Because The Night", die beide hervorragend auf DOTEOT gepasst hätten!

Sei's wie sei. Für mich bleibt DOTEOT so ein bisschen das "Mauerblümchen" in Springsteens Blütephase, was eben vor allem am kühlen Sound liegt, der mir halt nicht wirklich nahe geht. Dass es insgesamt jedoch trotzdem ein gelungenes und auch hörenswertes Album geworden ist, darüber lässt sich meiner Meinung nach aber keinesfalls streiten.

Fazit: Ein eher melancholisch-ruhiges "Zwischendurchalbum" (ist nicht böse gemeint) zum Luftholen, das natürlich in keiner ordentlich geführten Springsteen-Sammlung fehlen sollte. Besser als "Born To Run", "The River", "Nebraska", "Born In The USA" oder "Tunnel Of Love" (die ich allesamt dieser "Dekade" zuordnen würde) ist es meines Erachtens jedoch nicht.

Meine Bewertung: 4 STERNE
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 3, 2012 3:16 PM CET


Revolver (Remastered)
Revolver (Remastered)
Preis: EUR 14,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und noch ein Meilenstein der Fab Four..., 29. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Revolver (Remastered) (Audio CD)
Im Zuge der Remastered-Veröffentlichungen haben viele wieder Gelegenheit gefunden, sich über neuere Musikgeschichte und Beatles (was könnte denn brüderlicher zusammengehören als das?) auszulassen. So auch meine Wenigkeit.

Ich persönlich sehe die 3 Alben "Rubber Soul" (1965), "Revolver" (1966) und "Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band" (1967) so ein bisschen als Triologie (in einem weiteren Sinn). Klar, aus heutiger Sicht mag es einfach erscheinen, mehrere Alben der Fab Four zusammengefasst als revolutionären Teil der Musikhistorie zu betrachten. Fest steht jedenfalls, dass "Sgt. Peppers" als DAS Konzeptalbum schlechthin gepriesen wird. Das mag schon auch stimmen, dennoch habe ich Schwierigkeiten damit, so zu tun, als ob alles, was davor am Musikmarkt erhältlich war (ich kann hier nicht als Zeitzeuge reden, lediglich vom Hörensagen aus berichten) praktisch Anti-Konzeptplatten gewesen sein sollen. So ganz kann das nicht stimmen, auch wenn der Fokus bei der Suche danach auf die Beatles gerichtet bleibt (gut, manche sagen ja Frank Sinatra hätte das erste eigentliche Konzeptwerk geschaffen, aber lassen wir das jetzt...)
Schon "Rubber Soul" ist für mich ein durchgängiges Konzeptalbum, was die Zusammenstellung, den Sound und die Stimmungsbreite angeht.

Vorliegendes Produkt, das vielgerühmte "Revolver" nämlich, setzte diesen Weg dann mehr oder minder (rückblickend betrachtet wenigstens) logisch fort. Der Klangteppich insgesamt wirkt hierauf noch dichter, die Produktion noch ausgefeilter als bisher. Die Beatles haben es offensichtlich verstanden Alben als Kunstform zu kreieren. "Revolver" ist nämlich gerade als Ganzes gesehen ein harmonisches Etwas (im positiven Sinn). Gerade mal 2 "echte" Superhits sind darauf enthalten - "Elenor Rigby" und "Yellow Submarine", das jedes Kindergartenkind auswendig vorsingen kann...
Die Beatles hatten es also offenbar tatsächlich darauf angelegt mehr als nur Nr.1-Hitsingles zu schreiben. Diese Dekade hatten sie zu jener Zeit schon erfolgreich hinter sich gebracht. Umso erstaunlicher erscheint es mir im Nachhinein gesehen, dass ihnen die Fans so bedingungslos treu geblieben sind. Ein Bob Dylan vergleichsweise hatte ein wenig damit zu kämpfen, als er seinen puristischen Folk-Stil mit Rockmusikklängen ergänzte (obwohl das heutzutage wahrscheinlich auch ein bisschen hochstilisiert wird).

Ja, die Fab Four, so scheint es, hatten keine Mühe damit "Everybody's Darlings" zu bleiben. Es scheint so, als hätten sie tatsächlich "Narrenfreiheit" gehabt. Hoch anrechnen muss man den Beatles allemal, dass sie es verstanden haben diese Freiheit kreativ zu nützen. Denn bis zum bitteren Ende, das ja offiziell "Let It Be" (obwohl's eigentlich die vorletzte Aufnahme war) markiert, hat man es verstanden großartige Platten zu machen...
Bis heute sind wir ihnen dafür unendlich dankbar.

Und obwohl ich mir zeitweise ein wenig mit der Musik der Beatles schwer tue, weil sie gar ein wenig mainstreamig und poppig daherkommt (The Who oder die Stones sind mir diesbezüglich offengestanden ein Stück näher), muss auch ich eingestehen, dass die Beatles vieles wohl als Erste gemacht haben. Auch für mich ist die Kunstform "Konzeptalbum" jedenfalls auf ihrem Mist gewachsen. Und: "Revolver" ist - wenigstens indirekt - ein wichtiger Bestandteil dieses "Misthaufens"...

Fazit: Beatles-Fans braucht man nicht zu erklären, wie wichtig und gut und unverzichtbar "Revolver" ist. Und auch Leute wie ich, die keine gänzlich lückenlose Beatles-Chronologie zuhause im Plattenschrank stehen haben, müssen fast zu "Revolver" greifen. Zuvieles daran ist KULT - sei's das Cover-Art, sei's die Produktion, seien's die einzelnen Tracks auf "Revolver"...

Die Remastered-Fassung klingt im Übrigen sehr ordentlich, was aber - soweit ich feststellen konnte - eigentlich auf alle wiederveröffentlichten Alben der Fab Four zutrifft. Als Zuckerl ist außerdem noch eine Mini-Doku draufgepackt...

Kurz: Ein 5-STERNE-Musikmeilenstein und somit ein MUSTHAVE für alle Musikgenießer!


Entwederundoder
Entwederundoder
Preis: EUR 12,49

20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Da brennt der Hut! Wirtschaftskritik in ländlich-sittlicher Manier, untermalt von hochwertiger Rockmusik..., 29. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Entwederundoder (Audio CD)
Nicht gänzlich ohne mulmigem Gefühl im Bauch verfasse ich nun also hierzu eine Rezension. Schließlich muss ich ja nun zugeben, dass ich mir vorliegende CD gekauft habe. Und, ja, mögen tu ich sie auch noch!
Zwar bin ich eigentlich kein von Goisern-Fan (obwohl ich ihn für seine musikalische Bandbreite immer schon ein bisschen bewundert habe), dennoch kann man sich auch ohne intensiven Vorkontakt relativ schnell mit dieser Scheibe anfreunden.

Nr. 1 in Österreich zu sein ist nicht zwangsläufig als Qualitätsmerkmal misszuverstehen. Als Österreicher mag man mir diese kleine Frechheit bitte zugestehen! Und die Verbindung von Volksmusikinstrumenten und -klängen mit staubtrockener Rockmusik ist in Wahrheit auch alles andere als neu.
Aber betrachtet man all das im Zusammenhang mit den Texten, dann ist hier etwas insgesamt wirklich Großartiges dabei herausgekommen!
Vor allem der Eröffnungstrack "Brenna Tuats Guat" (also: "Brennen tut's gut") hat's mir im Speziellen angetan. Das ist Wirtschaftskritik und Anpöbelei von grenzenlosem Kapitalismus PUR! Wenn H. v. Goisern lauthals singt, dass Geld, wenn's sonst schon zu nichts gut ist, wenigstens ein schönes Feuer geben würde (überspitzt formuliert), dann ist das, untermalt mit Riffs, die einen stellenweise wunschlos glücklich machen, tatsächlich ein Anliegen, das unter die Haut geht und das Emotionen (wenigstens bei mir) hervorruft.
Gut, ein Meisterdichter ist Herr v. Goisern vielleicht keiner, aber seine Texte sind (auch in weiterer Folge) besser als die vieler Kollegen, die sich so gerne als Supersongwriter rühmen möchten...
Dass es aufgrund des Mundartgebrauchs ein wenig an internationaler Durchschlagskraft fehlen wird ist der große Wehmutstropfen, wenn ich daran denke, welch anderer unnötiger Schrott oft um (mindestens) ebenso teures Geld verhökert wird. Aber es ist gut so, wie es ist, da Entwederundoder ansonsten nie authentisch geworden wäre.
Über die Musik lässt sich ohnehin nichts Schlechtes sagen. Die Band (und auch v. Goisern selbst) spielt fabelhaft. Zudem hat die Produktion der Scheibe mit Sicherheit internationales Niveau (da brennt die Anlage, wenn man's draufankommen lässt!).

Ehrlich: Entwederundoder erfüllt alle Ansprüche eines gelungenen, achtenswerten Musikalbums. Ich hätte mir ja nie gedacht, dass ich eines Tages noch eine Rezension zu eines Hubert-von-Goisern-CD schreiben würde...

Sei's drum. Es war mir ein Vergnügen!

Lasst es auch euch zu einem werden und legt euch, liebe Freunde guter Musik, Entwederundoder zu!

Weitere Anmerkung: Von Goisern ist generell nur sehr schwer einzuordnen. Begriffe wie "Austropop" oder auch "Weltmusik" sind ebenso treffend wie "Indie Rock" oder "Alternative". "Volksmusik" im herkömmlichen Sinne ist es aber mit Sicherheit keine...
Wie auch immer.

4 STERNE geradeaus, da mich nicht jeder einzelne Track unbedingt vom Sitz reißt, das Positive aber sicherlich überwiegt!

Positive Randbemerkung: Die Covergestaltung ist ganz große Klasse. Gefällt mir ausgesprochen gut!


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