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Rezensionen verfasst von
Michael Krautschneider "Filmfan & Musikliebhaber" (Wr. Neustadt, NÖ)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Rotten Apples/Greatest Hits
Rotten Apples/Greatest Hits
Preis: EUR 18,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eines der grandiosesten "Best-ofs" überhaupt!, 9. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Rotten Apples/Greatest Hits (Audio CD)
Mit diesem vorläufigen "Abschiedswerk" (1991-2000) machten die Kürbisse noch einmal klar, wie sehr sie die Neunzigerjahre musikalisch mitgeprägt hatten. Auf diesem Doppel-Best-of-Album findet man vom staubigen Headbang-Rocksong bis hin zum atmosphärischen Soundwunder alles, was Musik schön macht. Es ist schon erstaunlich wie sehr der Stil der Band sich in gewisser Hinsicht mehrmals geändert hat, ohne aber die musikalischen Wurzeln jemals vergessen zu lassen. Kurz formuliert: Man erkennt einen Smashing-Pumpkins-Track eigentlich immer, wenn man ihn wo auch immer zu hören bekommt.
Und diese äußerst stimmig und liebevoll zusammengestellte Best-of-Songsammlung beweist dies noch einmal mit deutlichem Nachdruck!
Wirklich: Jede Nummer geht unter die Haut, trifft Herz und Seele - egal ob man dann dazu tanzen oder weinen möchte...

Zwar besitze ich neben vorliegendem "Greatest-Hits"-Album noch die anderen "wichtigen" (eingefleischte Fans werden darüber natürlich den Kopf schütteln) Alben der Band (für meine Begriffe wären dies "Siamese Dream" und das atmosphärische Doppel-Meisterwerk "Mellon Collie & The Infinite Sadness"), dennoch habe ich im bisherigen Laufe meines Lebens keines öfters aus dem Regal genommen, um es aufzulegen, als "Rotten Apples".
Denn: Obwohl es sich hier um ein sogenanntes "Greatest-Hits"-Album handelt (man weiß ja, dass solche Compilations meist nie jedermanns Geschmack treffen, am allerwenigsten den der treuen Fans) ist es alles in allem verblüffend "harmonisch" und abwechslungsreich zugleich (mal rockt es zügellos den Frust von der Seele, mal ist man - ob der Melancholie oder der Freude wegen - den Tränen nahe!).
Gut, vielleicht bin ich ja auch nicht der allergrößte Fan der Kürbisse weltweit - das gebe ich auch gerne zu! Offengestanden interessiere ich mich für die neueren Werke der Band auch gar nicht so besonders. Gleichzeitig aber ist "Rotten Apples" ein "magisches Etwas" von einem Best-of-Produkt.
Schließlich kommen solche großartigen, überlegt zusammengestellte Hit-Sammlungen (auch von anderen ganz, ganz großen Bands) nicht gerade jährlich auf den Markt...

Meine Empfehlung: Interessierte sollten sich "Rotten Apples" zum Kennenlernen der Band ebenso zulegen wie "erfahrene" Musikfreaks. Mit diesem Doppelalbum kann man eigentlich nichts falsch machen! Deshalb gibt's von mir aus auch 5 STERNE dafür!

P.S. Die zweite Scheibe namens "Judas O" eröffnet (im Gegensatz zum ersten Silberling) einen gänzlich anderen Zugang zur Band. Auch in dieser "Polarisierung" innerhalb eines Werkes (auch, wenn's nur ein Best-of ist) liegt ein nicht bestreitbarer Reiz.
Hören Sie sich an, welch großartige, toll produzierte und gemischte Kompositionen diese Ausnahmemusiker geschaffen haben!

HERVORRAGEND!

Weitere Anmerkung (kleiner Wehmutstropfen): Mit der Tracklist scheint offenbar wirklich etwas nicht zu stimmen. Die Titel sind "verschoben", d.h., die Betitelung ist eigentlich falsch - was vor allem Neueinsteiger sehr verwirren könnte!
An der Qualität der Musik aber ändert dies freilich nichts.

Persönliche Anspieltipps: "Siva", "Rhinoceros", "Disarm", "1979", "Tonight, Tonight",... (undundund)


Los Angeles
Los Angeles
Preis: EUR 8,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Rotzfrecher Punkrock der frühen Achtziger. Erstaunlich "warmherzig-melodiös" & "tight-schlampig" zugleich!, 9. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Los Angeles (Audio CD)
X war - wenigstens rückblickend betrachtet (ich bin kein Zeitzeuge!) - wohl eine der aufregendsten Punkbands der 80er, die aus den USA kam. Und obwohl "Los Angeles" (so heißt vorliegende Scheibe) sogar als eines der einflussreichsten Alben der relativ jungen Punkgeschichte gilt (insofern man einmal mehr den Meinungsmachern des Rolling Stone Magazine glauben möchte/darf), ist es - wie es scheint - hierzulande beinahe unbekannt. (Auch ich kam erst über einen Artikel in besagtem Magazin zufällig auf Band und Album!)

Im Vergleich zu anderen Punkrockern jener Dekade klingen die Riffs und Beats, die die Band von sich gibt, erstaunlich "sauber" (aber nicht glatt oder fad). D.h., dass erstens offenbar die Tracks hervorragend eingespielt wurden und zweitens die Produzenten sehr gute Arbeit geleistet haben müssen. (Der Sound ist absolute Spitzenklasse!)

Die besondere Mischung, die vermutlich (meines Erachtens) auch die "Magie" jener Band ausmacht, ist der "gemischte Gesang" (Duettgesang wäre wohl leicht übertrieben, wie ich finde) von John Doe (der zudem noch Bass spielt) und Exeme (übrigens eine Dame), die einander perfekt ergänzen.

Wenn man's nicht besser wüsste, könnte man tatsächlich meinen, es mit einer Punkband der Mittneunziger zu tun zu haben - so staubtrocken und "clean" zugleich klingt "Los Angeles".
Die Scheibe ist ein Beleg dafür, dass die Studiotechnik der frühen Achtziger (das Album stammt aus dem Jahre 1980) zu weit mehr fähig war, als uns das andere, oft "platt" und "kühl" produzierte Platten jener Zeit glauben machen wollen! (Vermutlich war diese obligatorisch "digitalfossierte" Art des Produzierens aber auch eine Art Modeerscheinung).
Umso besser, dass "X" es genau im Sinne des "Punkgeistes" andersrum versucht haben und mit "Los Angeles" eine eigentlich (für meine Begriffe) recht "warme" Scheibe aufgenommen haben...

Ja, SO kann Punk auch klingen!
"SCHÖN" - fast zumindest, und dabei aber immer noch so "rotzig" und "schräg", dass man sofort weiß, mit welcher Art Musik es man hier zu tun hat!

Einen Stern Abzug gibt's dafür, dass ich nicht jeden Song auf "Los Angeles" (als Komposition) überwältigend finde (was aber wohl einfach nur persönliche Geschmackssache ist). Insgesamt jedoch ist das hier ein ganz tolles "Stückchen Punkrock", das sich Musikinteressierte unbedingt einmal näher anhören sollten!

Übrigens sind auf vorliegender Ausgabe neben den 9 Original-Albumtiteln noch 5 Bonustracks zu hören, die das Gesamtbild alles in allem noch ein wenig "abrunden" helfen.

Resümee: Erstaunlich, wie großartig vermeintlich "schlampige" Punkmusik aus den frühen 80ern klingen kann. "Los Angeles" beweist - eigentlich noch vor der Zeit, als Punk so richtig "kommerzfähig" wurde (wenngleich er bereits ein Massenpublikum bedienen konnte) - dass gut genutzte Studiotechnik und gitarrengeschwängertes "Herumschrammeln" einander nicht gänzlich ausschließen müssen. In dieser Hinsicht war "X" vielen späteren, aufkommenden Punkbands der frühen Neunziger bereits einen Schritt voraus.

Schon der Eröffnungstrack "Your Phone's Off The Hook, But You're Not" (Anspieltipp!) macht kompromisslos klar, dass Punk auch eine der "schönen Künste" sein kann, ohne sich anbiedern zu müssen (es ist und bleibt eindeutig Punkrock, den man zu hören bekommt)...

So gesehen ist "X" mit "Los Angeles" wohl ein sehr wegweisendes, "Fundament legendes" Album gelungen, das sich auch in unseren Gefilden (auch heute noch) etwas mehr Beachtung verdient hätte, wie ich finde.

Hört mal rein! Es lohnt sich.

P.S. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es sich hierbei um das Debütalbum der Band handelt. Das macht Album und Band für meinen Geschmack noch beachtensweter...


The Modern Lovers
The Modern Lovers

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Back to the Roots of Punk. Spät(wieder)entdeckter Klassiker der Rock/Pop-Geschichte!, 8. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Modern Lovers (Audio CD)
Um zu Beginn bei einem meiner Vorrezensenten einzuhaken: Mainstream oder nicht?
Hm. Ich denke, man muss (wie immer eigentlich) selbst entscheiden, ob man "The Modern Lovers" lieb gewinnen kann oder nicht. Ich jedenfalls würde die Scheibe nicht unbedingt als "Anti-Mainstream" kategorisieren. Zumindest aus heutiger Sicht nicht...

Als "The Modern Lovers" veröffentlicht wurde (1975/1976) war es ziemlich sicher nicht unbedingt nach jedermanns Geschmack zurechtgeschneidert. Im Dunstkreis der legendären New-Yorker-Untergrundgruppierung THE VELVET UNDERGROUND wollte Jonathan Richman Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger für Furore Sorgen und mit wenigen Akkorden die New Yorker Musikwelt wachrütteln. Vielleicht auch in der Hoffnung, dort irgendwo auf Lou Reed zu treffen...

Als ihm das schließlich misslungen war, zog er wieder zurück nach Boston (1970), wo er "The Modern Lovers" gründete.
Die kurzlebige Geschichte der Band - es gibt lediglich diese eine Veröffentlichung - ist gekennzeichnet von häufigen Wechseln der Bandmitglieder. Aber das passt irgendwie: Der Band und deren Musik haftet nämlich im Allgemeinen eine Art "Umbruchstimmung" an, wie ich finde.
Punk war noch nicht wirklich salonfähig geworden und steckte noch in seinen Kinderschuhen. Allerdings würde ich diesbezüglich aber punkähnliche Einflüsse, die es bereits vor den Siebzigern in Hülle und Fülle gegeben hat, nicht unbeachtet lassen. Vor allem Bands wie etwa THE SONICS oder THE STOOGES könnte man in diesem Zusammenhang als Punkpioniere oder wenigstens deren Vorläufer gelten lassen... Selbst die Stones hatten (vor allem live) die Energie einer Punkband inne - auch in einigen Studiowerken (z.B. "Live With me" auf dem legendären "Let It Bleed") würde ich meinen Punkelemente heraushören zu können...
Sogar die Glam-Rocker von ROXY MUSIC versuchten sich Anfang der Siebziger in punknahen Experimenten (hören Sie z.B. "The Thrill Of It All", enthalten auf "Country Life").
Kurz: Schon vor den SEX PISTOLS, THE CLASH, den RAMONES u.a. hat es so etwas wie "Punk" bereits gegeben. (Man hatte nur noch keinen Namen dafür gefunden.)

THE MODERN LOVERS zum Beispiel, die "einfach", lustvoll und energetisch ihre Interpretation und Leidenschaft von und für Musik im Umkreis ihrer Heimatstadt Boston zum Besten gaben.
Eigentlich verwunderlich, dass es ganze 5 Jahre dauerte, ehe ihr erster Longplayer auf den Markt kam. Vermutlich war es zu jener Zeit einfach schwierig, diese Art von Musik einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bzw. hatte offenbar niemand wahres Interesse daran... Denn trotz treuer Fangemeinde folgte bald die Auflösung der Band.

Heute, viele Jahre - und noch mehr "neue" Musikgenres - später (im Grunde lässt sich alles unter dem Deckmantel "Populärmusik" zusammenfassen) ist das Interesse am Werk der Modern Lovers, wie es scheint, wieder gestiegen. Vielleicht nicht zuletzt auch wegen der nachfolgenden beachtlichen Solokarrieren ehemaliger Bandmitglieder - Keyboarder Jerry Harrison wurde später Mitglied der TALKING HEADS, Schlagzeuger D. Robinson sollte in den 80ern mit den CARS erfolgreich sein. (Richman war sozusagen die einzige Konstante!) Überdies ist dieses einmalige Pionierpunkwerk (ich will's jetzt mal so nennen) auch in die 500er-Bestenliste des Rolling Stone Magazine aufgenommen worden. Ein spätes, aber wie ich meine verdientes Zeichen der Anerkennung!

Denn: In Anbetracht der Tatsache, dass Punk eben noch nicht regelmäßig die Hallen füllen konnte, war dieses Werk ein mutiger und nicht ungewagter Schritt, der eben diesem (auch damals schon) neu-alten "Genre" eine Art Fundament zur (Wieder)geburt legen sollte.
Klar, aus heutiger Sicht hört sich die Platte stellenweise sogar "niedlich" an. Punk anno 1975 hat halt doch auch anders geklungen als wir es heutzutage gewohnt sind. Dennoch klingt "The Modern Lovers" unverkennbar schmuddelig, dirty und rauh.
Am besten zeigen sich all diese Eigenschaften vielleicht sogar am Eröffnungstrack namens "Roadrunner" - zügig gespielt, eigenwillig (scheinbar etwas lustlos) gesungen, aber insgesamt eine herzerwärmende Angelegenheit.
Dieser Song ist zugleich wohl auch der bekannteste der Band (glaube ich).

Zum Sound: Passend zu den Songstrukturen klingt das Album fast wie eine Live-Aufnahme - authentisch, knackig, frech und mitunter sogar ein wenig "schlampig". Diese "Schlampigkeit" aber stört nicht, sondern rundet das Gesamtbild im Grunde harmonisch (schlechtes Wort bez. Punk, ich weiß) ab. Das Album als Ganzes klingt jedenfalls "echt". Passt also.

Aus oben genannten Gründen ist es für den Musiksammler wohl eine Ehrensache - wie ich meine - diese Platte zu erstehen. Der zunächst vielleicht relativ hoch erscheinende Kaufpreis sollte diesem Entschluss keinen Abbruch tun. Immerhin sind zusätzlich zur Originalversion des Albums (9 Songs) noch 8 Bonustracks abspielbar (und nur 3 davon sind Alternativversionen der bereits am Album enthaltenen Stücke).
Und, wie bereits gesagt: "The Modern Lovers" markiert sicherlich ein Stück weit (Meinungen dazu gibt es unzählige) den Aufstieg des Punk-Rock. Schade natürlich, dass die Band die große (erste und kurze) Blütezeit des Punk nicht voll auskosten konnte. Verdient hätten es sich die Burschen nämlich...

Fazit: 5 STERNE für diesen "kleinen" Music-Milestone. Da die Auflage der Nachpressungen (von 2003) offenbar begrenzt sein dürfte, empfehle ich Ihnen so schnell als möglich zuzuschlagen!

Rebellischer, nicht allzu schwer zugänglicher Rock/Pop für alle Musikliebhaber - Punk aus der Frühzeit!


Scissor Sisters
Scissor Sisters
Wird angeboten von GMFT
Preis: EUR 5,49

4.0 von 5 Sternen POP - na und?, 7. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Scissor Sisters (Audio CD)
Vorausschickend möchte ich erwähnen, dass ich a. weder fanatischer Mainstreampophörer bin und b. auch die SCISSOR SISTERS an sich nicht wirklich liebe! Soll heißen: Ich besitze ausschließlich dieses eine Album (der Band)!

Dieses aber höre ich mir offengestanden gerne an. In gewisser Weise ist es unwiderstehlich. Tanzbare Popmusik erreicht endlich wieder einmal eine Stufe, die man (kritisch gesprochen) als "niveauvoll" bezeichnen könnte.
Einladend beginnt "Scissor Sisters" (übrigens das Debüt der Band) mit tighten Klavierakkorden, die geradlinig durchgegroovt und in weiterer Folge von zusätzlichen Sounds weiter gesteigert werden: "Laura" ist schlichtweg ein perfekter Eröffnungstrack. Eine neue Band mit Ambitionen stellt sich soeben vor!
Nicht minder begeisternd geht es weiter: "Take Your Mama", mein persönlicher Liebling auf der Platte, lädt zum Weitertanzen ein und macht (vor allem im Refrainpart) wunschlos glücklich. Gefällig, aber nicht durchgehend genauso erhebend geht es dann auch weiter...

Weitere dicke Pluspunkte kann das Album in Sachen Sound und Produktion einheimsen. Da ist wirklich solide Arbeit geleistet worden! In jedem Track steckt Energie und der Wunsch, den Hörer mitzureißen und ihn zu berühren.
Einzig was die Kompositionen angeht könnte ich hier ein wenig Kritik äußern. Insgesamt gesehen ist - finde ich wenigstens - nämlich nicht jeder einzelne Song eine Meisterleistung. Freilich: Verglichen mit vielen anderen belanglosen Popplätscherern und Eintagsfliegen kann man selbst darüber noch großzügig hinwegsehen...

Was bleibt da noch zu sagen?

Ein erfrischendes, lebendiges Popwerk - toll gemixt und jederzeit auf Tanzpartys einsetzbar! Womöglich sogar zugleich der "Meilenstein" in der Alben-Chronologie der SCISSOR SISTERS - aber es obliegt wohl eher den Fans und Fachleuten dies objektiv (und/oder auch subjektiv) zu beurteilen.

Hierfür vergebe ich jedenfalls einmal 4 STERNE.
Vielleicht kein Meilenstein der Popkultur im Allgemeinen, aber in jedem Fall eine gefällige, runde und kurzweilige Sache - und das immer wieder aufs Neue!

ZUGREIFEN!


Dookie
Dookie
Preis: EUR 7,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poppunk für die Massen - feingeschliffen oder glattgebügelt?, 7. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Dookie (Audio CD)
DOOKIE - das war schon was! Alle hatten es. Es war eine Art "Statussymbol", wenn man sich für Rockmusik interessierte! Wenn man - eingeladen bei einem Freund - einen kurzen Blick über die CD-Sammlung schweifen ließ und dabei das kunterbunte Cover von DOOKIE erspähte, war der Fall klar: Der Kerl kennt sich aus...

18 Jahre sind nun schon fast durchs Land gezogen, seit DOOKIE veröffentlicht wurde. Vor 18 Jahren wurde auch erstmals die große Popwelt auf die Punkbuben GREEN DAY aufmerksam, die daraufhin im Nu die Charts stürmten.
Zugegeben: Meine erste Begegnung mit GREEN DAY liegt nicht ganz so lange zurück. Zwar besaß auch meine große Schwester besagte Hit-Scheibe, aber anno 1994 war ich wohl noch etwas zu klein, um mich ernsthaft für derartige Musik zu interessieren.
Ändern sollte sich dies als mir der Freund meiner Schwester (ein paar Jährchen später) die ersten beiden CDs von GREEN DAY borgte, die ich begeistert rauf und runter spielte: "39/Smooth" (das eigentliche Debüt von 1990) und das großartige "Kerplunk!" (von 1992), das bereits vorab mit einigen auf DOOKIE enthaltenen Tracks bestückt war. Auch auf eine lässige Coverversion von "2000 Lightyears From Home" (Rolling Stones) kann ich mich noch dunkel erinnern...
Anmerkung hierzu: Auch wenn ich heute ganz bestimmt kein Green-Day-Fan mehr bin, finde ich es schade, dass diese beiden Frühwerke nur schwer bis gar nicht mehr erhältlich zu sein scheinen. Sie zeigen nämlich sehr schön die eigentliche "Punkphase" (sozusagen die Seele also) von GREEN DAY, als sie langhaarig ihre Instrumente ausloteten, um in energetischen 2 bis 3-Minuten-Songs die Alltagssorgen eines durchschnittlichen Teenagers hinwegzufegen. Ja, das waren noch Zeiten...

Aus heutiger Sicht ist diese frühe Phase der Band eher nur schwer nachvollziehbar, wie ich finde. Zu sehr haben Kommerz und Mainstream-Popkultur am eigentlichen, am "wahrhaftigen" Image der Band genagt! Natürlich ist dies für die Mitglieder der Band wohl durchaus mit Annehmlichkeiten verbunden. Geldsorgen dürften das Trio kaummehr plagen...

Nun, worauf ich eigentlich hinaus will: GREEN DAY ist mit Sicherheit mehr als das, was uns heute im kommerziellen Popradio verfolgt! Zwar muss ich zugeben, dass ich mir auch die vorletzte Veröffentlichung, nämlich "American Idiot", zugelegt und diese auch recht gut gefunden habe, dennoch kann ich mit den anderen Machenschaften (eben nach DOOKIE) eher wenig bis gar nichts mehr anfangen.
Mag sein, dass das vielleicht auch am Alter liegt. Mein musikalisches Interessensfeld ist mit Sicherheit "breiter" geworden und vielleicht auch (bitte nicht falsch verstehen - wir sprechen immer "nur" noch von Popmusik) "anspruchsvoller". Teenager liegen GREEN DAY offenbar immer noch zu Füßen - selten habe ich in meiner eigenen Teenie-Phase derart viele Jugendliche mit Green-Day-Buttons, T-Shirts oder dergleichen herumlaufen sehen (der Kommerzialisierung sei Dank!).

So gesehen war DOOKIE auch eine Art Anfang vom Ende - wenigstens für mich. Aber was spricht denn nun für vorliegendes Album?

Nun: Die Songs stecken voller Energie - für eine Mainstreamplatte hört sich DOOKIE eigentlich doch recht rauh und ungeschliffen an. Die Gitarre "rotzt" frech vor sich hin, die Drumparts treiben an und leiten über und ein und aus und der Bass hält alles quasi irgendwie zusammen und verleiht den Stücken oftmals die notwendige Wärme...
Mehr braucht's offenbar nicht, wenn man - so wie GREEN DAY seinerzeit - genügend Klasse-Songs an Bord hat. Entgegengekommen dürfte der Band dabei wohl auch sein, dass man sich zusätzlich bei den zuvor erwähnten Vorgängerwerken bedienen konnte. "Welcome To Paradise" z.B. war ganz bestimmt schon auf "Kerplunk!" zu hören. Da man aber nun erstmals von einem großen Label veröffentlicht wurde, konnte man sich das offenbar erlauben und einfach (und auch legal) auf die Songrechte zurückgreifen. Höhepunkte hat die Platte jedenfalls zu Genüge! "Longview", "Pulling Teeth", "Basket Case", "She", "Sassafras Roots" und "When I Come Around" wären nur einige, die ich hier genannt haben möchte.

Auch der Sound von DOOKIE ist erfrischend und "voll". Man hat mit Sicherheit bewusst DICK aufgetragen, um noch "leichter hörbar" zu klingen, dennoch steht das ganze Album quasi unter Hochspannung (punkig-schlampig), die vom ersten bis zum letzten Track spür- und hörbar (ja fast "greifbar") ist. Energie pur also!

DOOKIE war mit Sicherheit nicht wirklich "neu". Punk war bis 1994 bereits mehrere Male totgesagt worden, um dann wiedererstehen zu können.
Das Besondere an der Scheibe ist (wenigstens für mich) vielmehr die Tatsache, dass Punk ganz bewusst auf die Mainstreamschiene
gestellt wurde. Zwar dürfte selbst das nicht das erste Mal in der Rockgeschichte der Fall gewesen sein (siehe z.B. THE CLASH o.a.), doch DOOKIE war und ist meiner Meinung nach so ein bisschen DER Kompromiss schlechthin zwischen Pop und Punk. Ja, auch brave "Streberkids" oder nadelstreifkostümierte "Saubermänner" konnten nun ernsthaft "Punk" hören - und das ist in gewisser Hinsicht schon eine beachtliche Leistung!

Dass es in weiterer Folge dann fast schon zu einer Art "Verkitschung" und "Zu-Tode-Kommerzialisierung" kam (wenigstens was GREEN DAY als Band betrifft) ist sozusagen die Schattenseite dieses nicht unwesentlichen Musikeckpfeilers, der die Genre-Grenzen des Rock/Pop ein weiteres Mal neu auslotete und steckte.

Ich würde DOOKIE als Gesamtpaket (es ist und bleibt irgendwie "authentisch", das kann ich selbst aus heutiger Sicht nicht verleugnen) demnach auch 5 STERNE verleihen! Es ist ein Stück meiner ersten bewussten musikalischen Erinnerungen und zugleich ein Stück neuerer Musikgeschichte, dem man durchaus Gehör schenken sollte!

Fazit: Ich mag GREEN DAY eigentlich gar nicht so besonders - nicht mehr! DOOKIE aber, das ich nach wie vor für nicht überbewertet halte (immerhin unter den besten 200 des Rolling Stone Best-of-Rankings), markiert einen Wendepunkt, der über die Bandbiographie von GREEN DAY deutlich hinausgeht, wie ich finde...

Für mich persönlich eine von 100 Platten, die man auf jeden Fall in seine Sammlung integrieren sollte!


Best of Roy Orbison,the Very
Best of Roy Orbison,the Very
Preis: EUR 11,48

5.0 von 5 Sternen Cooler Typ macht coole Musik!, 7. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Best of Roy Orbison,the Very (Audio CD)
Wenn man sich auch nur ein bisschen mit der Vergangenheit der Pop/Rock-Musik befasst, kommt man einigen "Meilensteinen" (dieses Wort ist schon zu oft fälschlich verwendet worden, aber hier trifft es zu) einfach nicht vorbei - ganz unweigerlich...

Und ganz unweigerlich habe ich dann auch zu dieser Best-of-Ausgabe eines gewissen ROY ORBISON gegriffen. Ebenso "unweigerlich" hat mich kurz darauf das begeistert, was auf ebendieser zu hören ist!
Unglaublich, wie viele und welch großartige Songs dieser Mann geschrieben und interpretiert hat! Ja, der Name ROY ORBISON ist auch heute noch recht geläufig. Immer wieder werden seine Hits wiederausgegraben, um sie z.B. in Film & Fernsehen zu verwenden. (Bestes Beispiel hierfür ist wohl nach wie vor "Pretty Woman" vom gleichnamigen Film.)
Dennoch ist es allein damit noch nicht getan, wie ich finde. Wahrscheinlich reicht es nicht einmal, wenn man versucht Mr. Orbison mit vorliegender Best-of-Sammlung Tribut zu zollen. Aber als allgemein musikinteressierter Freak, der eben so gerne Grunge-Rock wie leichtbekömmlichen Pop konsumiert (u.a.) ist diese Ausgabe ein MUSTHAVE, das eigentlich unbedingt in jede (halbwegs) vollständige Musiksammlung gehört (die Rede ist hier freilich immer noch von Popmusik, Klassik und dergleichen sind hierbei ausgenommen)!

Hören Sie sich (wieder) einmal z.B. "You Got It" an - und versuchen Sie nicht begeistert dazuzuwippen. Beinahe ein Ding der Unmöglichkeit! Selbiges gilt natürlich für etliche andere hierauf sehr stimmig zusammengefasste Hits.
Tja, diese Veröffentlichung ist bestimmt eine sehr liebevolle und durchdachte Zusammenstellung, die - so meine ich - im Grunde keine Wünsche offen lässt.

Ein paar Beispiele gefällig (Anspieltipps)?

- Oh, Pretty Woman
- You Got It
- Only The Lonely
- Love Hurts
- Unchained Melody

uvm.

Selbst, wenn man glaubt jene Hits bereits totgehört zu haben, so sind die jew. Originalinterpretationen (einige der Songs hat selbst Roy Orbison gecovert, wie z.B. "Claudette", das von den Everly Brothers stammt) ein Garant für einen überraschend-positiven Neuzugang - oder vielleicht auch einen eher wiederentdeckten Neuzugang, da man mittlerweile des öfteren Coverversionen sämtlicher Roy-Orbison-Songs zu hören bekommt!
Hinzu kommt noch die großartige Aufnahmequalität - der Sound ist wirklich fantastisch!

Trotz - oder gerade - wegen seines manchmal erheiternden Erscheinungsbildes (zumindest was seine Abbildungen anbelangt) liegt die Vermutung nahe, dass diese Roy Orbison ein ganz abgebrühter Fuchs war, durch und durch cool und lässig. Wenn man sich seine Songs angehört hat, besteht darüber eigentlich kein Zweifel mehr!

Fazit: Diese Sammlung umgehend einheimsen, auflegen und SPASS HABEN!!

Lasst die Party beginnen oder die Reise, zurück zu den Idolen und Vorbildern unserer musikalischen Vorbilder. Sehr geehrte Damen und Herren - ganz ehrlich - da gibt es nichts zu bereuen!

Meine Bewertung deshalb: 5 STERNE!


The Everly Brothers
The Everly Brothers
Preis: EUR 17,47

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rauhe Riffs (Keith, du Schlingel!) & Chorknabengesang!, 7. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: The Everly Brothers (Audio CD)
Wer kennt es denn nicht?
Das wohl einfluss- und erfolgreichste Popduo vor "Beatlemania", "Steinlawine" und Co!
Songs, die, wenn man sie auch nur einmal beiläufig gehört hat, im Gedächtnis festsitzen und sein Leben lang vermutlich nicht mehr los wird!

Mit Ohrwürmern wie "Wake Up, Little Susie", "Bye, Bye Love" oder "All I Have To Do Is Dream" sind THE EVERLY BROTHERS aus der jüngeren Musikgeschichte (sprich: Pop/Rock-Geschichte) eben so wenig wegzudenken wie etwa ein Buddy Holly, später ein Elvis Presley oder eben die oben genannten Beatles und Stones.
Trotz (oder wahrscheinlich eher WEIL) ihres - aus heutiger Sicht - mitunter "seichten" Charakters (soll keine Beleidigung sein) sind viele, viele ihrer Songs nach wie vor bekannt und nicht weniger beliebt.

Als leidenschaftlicher Musiksammler bin also auch ich nicht herumgekommen um dieses ewig lächelnde Poppärchen. Überrascht hat mich ehrlich gesagt die "tighte" Spielweise der Rhythmusgitarre. Hören Sie sich bitte mal die ersten Akkorde von "Wake Up, Little Susie" an und legen Sie anschließend "Jumpin' Jack Flash" (Rolling Stones) auf - fällt Ihnen dabei etwas auf?
Die Ähnlichkeit einiger Riffs und Licks (und das bezieht sich keineswegs nur auf die Stones) mit einigen späteren Musikklassikern der Popgeschichte ist wahrlich verblüffend! Nur mit dem Unterschied freilich, dass THE EVERLY BROTHERS ihre Akustikgitarre(n) malträtierten, während ihre Bewunderer später meist elektrisch herumgefuhrwerkt haben bzw. akustisch-elektrisch experimentiert wurde. IHR DIEBE!! ;)
Ja, THE EVERLY BROTHERS sind in Wahrheit Rock 'n' Roll pur! Da stört es dann auch nicht, wenn die eine oder andere "Schnulze" zwischendurch zum Besten gegeben wird. Stimmlich kann man den beiden sowieso nichts vorwerfen, auch wenn der aus heutiger Sicht extrem "harmonische" Gesang vielleicht einer kurzen Eingewöhnungsphase bedarf...

Vorliegende Singles-Collection (ich glaube, so darf man das durchaus nennen) ist eine kleine und feine Sammlung des wohl berühmtesten Popduos vor Simon & Garfunkel! Bestückt ist vorliegender Silberling mit 16 Tracks, wobei es sich hauptsächlich um 2-Minuten-Songs handelt, die schnell verdaut und verarbeitet sind. Nichtsdestotrotz kommt beim Hören nie das Gefühl auf, dass man angeödet den Schnellvorlauf am CD-Player betätigen möchte. Im Gegenteil: Die Riffs machen nachdenklich, lassen einen Vergleiche zu späteren Popsongs (anderer Künstler) anstellen und injizieren Glückshormone in Kopf, Herz und Seele.

Kurz gesagt: Diese EVERLY-BROTHERS-COLLECTION im immer wieder abspielbaren 1-Disc-Format ist eine empfehlenswerte und sinnvolle Ergänzung fürs Musikliebhaber-Platten/CD-Regal!

Deshalb: Kaufen und hören, hören, hören!!

MfG
Ein begeisterter Musikfreak


Live at the Hollywood Palladium
Live at the Hollywood Palladium
Preis: EUR 19,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geerdeter Rock 'n' Roll - solide, aber glanzlos!, 6. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Live at the Hollywood Palladium (Audio CD)
Ich bin in erster Linie ein Fan der Rolling Stones und habe mich daher erst später mit den diversen Stone-Alone-Soloprojekten beschäftigt. Für mich steht nun soweit folgendes fest: Mr. Richards ist - was die Alleingänge angeht - bislang eindeutig mein Favorit. Die Seele der Steine spielt schmutzig-soliden Gitarrenrock und wird dabei von den X-Pensive-Vinos groovig unterstützt. Seine Stimme muss man wahrscheinlich mögen (geformt von regelmäßigem Zigaretten- und Alkohol- und wer weiß noch was -konsum). Trifft auch das zu, dann wird es einem nicht schwer fallen, Keith Soloprojekt lieb gewinnen zu können.

Bei dieser Live-Ausgabe treffen Songs der beiden Winos-Alben auf einige wenige Stones-Tracks, die da wären: "Too Rude", "Time Is On My Side", "Happy" und "Connection". Insgesamt ist es eine gelungene Live-Aufnahme, die energetisch, bebend und "dirty" klingt (wohl ganz nach Mr. Richards Geschmack). Allerdings ist es meiner Meinung nach gleichzeitig auch keine Offenbarung. Kennt man nämlich sämtliche Live-Versionen, wie sie von den Stones gespielt wurden, so fehlt dieser - meines Erachtens oft "passendere", "authentischere" - Charakter bei diesen Aufnahmen. Und, was die Vinos-Songs betrifft, so mag ich sie zwar, aber ein Fan bin ich definitiv keiner. (Anm.: "Talk Is Cheap", Richards Erstling mit den Vinos, habe ich auch zuhause im Regal stehen).
Mein persönlicher Favorit auf eben rezensierter Scheibe ist die schleppend-groovlastige Version von "Happy", wo - wie ich finde - von vorne bis hinten einfach alles passt: ein gemächlich treibender Beat, fetzige Gitarrenlicks, Keith' Drahtbürstengesang. Aber gut, das ist ja halt auch ein Stones-Song (und zwar ein sehr guter) bei dem man ja eigentlich nicht viel falsch machen kann, wenn man, so wie Herr Richards eben, ihn selbst geschrieben hat!

Der Sound und die Abstimmung der Scheibe geht insgesamt auch in Ordnung. Es fügt sich für meinen Geschmack alles ganz harmonisch zusammen und es klaffen eigentlich nie Lücken auf bzw. machen sich nie störende Einflüsse offensichtlich bemerkbar.
Alles in allem klingt die Aufnahme sehr "basslastig", d.h. in erster Linie ist der Mix auf die (zugegeben gute) Rhythmusgruppe zugeschnitten, lediglich überpegelt von Keith Gitarrenschlägen und dessen Gesang. Dieser Zugang muss einem in gewisser Weise halt auch liegen. Ich persönlich finde das aber ganz gut...

Fazit: Ich denke, dass LIVE AT THE HOLLYWOOD PALLADIUM mit 4 Sternen gerecht bewertet ist und dass Stones-Fans (so wie ich) zumindest einmal reingehört haben sollten. Fest steht, dass Keith Richards in erster Linie Live-Musiker ist - und das bekommt man hier auch durchaus gefällig zu hören!

P.S. Mittlerweile ist ein(e) "Bootleg" mit Keith Richards Live-Stones-Songs aus verschiedensten Perioden erschienen (soll heißen: Stones-Songs, die Herr R. selbst singt. Geschrieben hat er freilich viele mehr!) Sie trägt den Titel "It's Good To Be Anywhere". Diese würde ich Keith- und Stonesfreunden mehr noch als vorliegende Aufnahme ans Herz legen. Da ist übrigens auch eine Vinos-Aufnahme drauf - eine durch und durch lässige Interpretation von "Gimme Shelter", die Keith singt!
Irgendwie hätte gerade dieser Song (in eben beschriebener Form) hervorragend auf diese Scheibe hier gepasst - ein echtes Highlight! (Ich glaube außerdem, dass diese Aufnahme auch von hiesiger Tour stammt.)
Leider ist diese (noch) nicht offiziell verfügbar. Aber da muss man sich halt notfalls selbst schlau machen...

LIVE AT THE HOLLYWOOD PALLADIUM ist sicher ein authentischer Liveblick auf die Seele der Stones: narbig, rauh, groovig, echt. Ein unbedingtes Musthave ist es meines Erachtens trotzdem nicht. Wer Richards Soloalben (mit den Vinos) mag, wird daran sicher seine Freude haben. Stones-Freunde sollten sich zunächst vielleicht ein genaueres Bild darüber machen. Zum Kennenlernen der Vinos ist diese Scheibe aber bestimmt auch gut geeignet, vielleicht sogar besser, als die beiden Studioalben ("Talk Is Cheap" und "Main Offender"). Inzwischen wurde ja sogar eine Best-of-CD herausgebracht - eine Art Cuvee aus den beiden Studiowerken und einigen Liveaufnahmen, die hier entnommen wurden. Jedenfalls würde ich vorliegenden Tonträger jedoch eher empfehlen als die etwas eigenwillig anmutende Best-of-Scheibe!

Mein Tipp also: Reinhören, abwägen und dann ggf. genießen!


Rolling Stones - Some Girls: Live In Texas '78 (+Audio-CD) [2 DVDs]
Rolling Stones - Some Girls: Live In Texas '78 (+Audio-CD) [2 DVDs]
DVD ~ The Rolling Stones
Wird angeboten von zoreno-deutschland
Preis: EUR 16,33

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 16 Jahre machen wir das jetzt schon (haha)..., 6. Januar 2012
Dabei wäre laut Aussage Bill Wymans höchstens mit 2 bis 3 Jährchen zu rechnen gewesen. Freilich: Aus heutiger Sicht lässt sich selbst darüber noch herzhaft lachen!
Was hat SOME GIRLS - LIVE IN TEXAS '78 nun für den eingesessenen Stonologen zu bieten? Warum empfiehlt es sich, auch diese Veröffentlichung zu besitzen?

Eigentlich war in Sachen Stones alles schon da: Live-Konzerte aus verschiedenen Band-Perioden auf DVD oder CD, Live-Alben, bandbiographische Zusammenstellungen etc.
Wer meint, man braucht die riesige Vermarktungsmaschinerie der Steine nicht noch weiter zu füttern und endlich wieder ein neues Studioalbum zuhause in seine Sammlung integrieren möchte, der wird es trotzdem bereuen, nicht zu hiesiger Neuheit gegriffen zu haben. Und selbst, wenn man das im vorletzten Jahr erschienene LADIES & GENTLEMAN zuhause im Schrank stehen hat, ist es noch sinnvoll sich LIVE IN TEXAS '78 zuzulegen.

Ungewohnt konzentriert gehen Jagger und Co hier zu Werke. Da man gleich 7 (!) Songs des damals aktuellen SOME GIRLS (das ich als Album nach wie vor für überbewertet halte, obwohl ich Stones-Fan bin) - und das in Folge - zum Besten gab, war es wohl auch notwendig, sich darauf zu konzentrieren, wie man anfängt, wann welche Parts zu spielen sind und wann das (improvisierte) Ende kommt...
Und in gewisser Weise tut dieser "Ernst" gut. Man sieht, dass die Stones - obwohl schon damals zu Legenden geworden und für Rock-Begriffe praktisch Ewigkeiten im Geschäft - ihre Sache gut machen wollten. Eine Einstellung übrigens, die ich auch den heute schon ergrauten Herren hoch anrechne!

Das wirklich Besondere ist aber wohl der "echte", authentische Live-Sound. Die RS spielen hier praktisch in Minimalbesetzung, ohne BackgroundsängerInnen und ohne Bläser. Gerade mal zwei Keyboarder (darunter auch der legendäre, 1985 verstorbene Ian Stuart) hatte man sozusagen "zusätzlich" mit an Bord - und ja, einen Geiger bei "Far Away Eyes", der der texanischen Countryseele das Eis wegschmelzen soll. Aber selbst das spielt eigentlich keine Rolle, da die Keyboards deutlich leiser hineingemischt wurden als der Rest der Band. Und ja, dieser "Rest", lässt's wahrlich KRACHEN!

Keith und Ron harmonieren wunderbar und fungieren stellenweise sogar als Backgroundvocals (Keith singt außerdem bei "Happy" selbstverständlich Lead-Vocs). Ron scheint während des Konzerts mehr und mehr in einen Rausch zu verfallen (woher der auch immer rühren mag ;)) und reagiert selbst auf Micks "Anmachen" und "Provokationen" (einmal nimmt er ihm gar die brennende Zigarette aus der Hand und zerstampft sie am Boden) kaum... Wurscht, er macht seine Sache ordentlich.
Bill zupft währenddessen statisch am Bass herum und verlässt seinen berühmt-berüchtigten Kleinstbewegungsradius so gut wie gar nicht. Charlie drischt - wie auch heute noch - begeistert auf sein Gretsch-Set ein und groovt, dass es eine Freude ist...
Kurz: Die Steine sind (noch) in ihrem Zenit. Und: Sie nehmen ihren Job ernst. (Obwohl ich beispielsweise auch den SHINE-A-LIGHT-KONZERTFILM offengestanden sehr gemocht habe und immer noch mag - soll also nicht heißen, dass die Stones heute schlecht wären oder dergleichen!)

Mick erprobt allmählich seine extravagante (und manchmal auch nervige - aber das ist halt "Mick Jagger") Wirkung aufs Publikum, lässt uns in knallengen Synthetikhosen mehr anschauen als wir wollen und trägt ein Punkshirt mit der Aufschrift "Destroy" und einem grünen Hakenkreuz drauf. Am Ende (beim "Abspann" von JJF) schüttet er mehrere Eimer Wasser ins erhitzte Publikum (angeblich ein wirklich heißer Juli-Tag - man sieht das immerhin auch der Band an; eine nette Geste also!).

Der Sound lässt - wie ich finde - keine Wünsche offen. Obwohl, wie schon erwähnt, die Keyboarder eigentlich so gut wie gar nicht zu hören sind, geht einem nichts ab - weder per DVD noch per CD.
Im Gegenteil: Die CD ist mit 17 Tracks randvoll bestückt (Laufzeit: gut 79 Minuten!) und spiegelt die heiße Atmosphäre des Konzerts sehr gut wider.
Klar: Über die Setlist lässt sich natürlich streiten - aber die war eben so! Auffällig dabei erscheint mir, dass zwar die Chuck-Berry-Oldies "Let It Rock" und "Sweet Little 16" (etwa gar eine Anspielung auf die damalige Bestehenszeit der Stones?) sozusagen als "Root-Tracks" gespielt wurden, ansonsten jedoch kaum wirklich altes Material für die Show herangezogen wurde. "All Down The Line", "Happy" und "Tumbling Dice" vom legendären EXILE... waren damals ja noch gar nicht so alt und etwas älteres als "Jumpin' Jack Flash" (1968) aus dem eigenen Reportire wurde erst gar nicht berücksichtigt. Nun ja, vielleicht hatte man zu jener Zeit ganz einfach auch ein bisschen die Schnauze voll von "Satisfaction" und Co...
Worauf ich eigentlich hinaus möchte: Trotz der eher wenig "breiten" Setlist (die Chuck-Berry-Nr. ausgenommen) kommt nie ein Gefühl von "Unvollkommenheit" auf!

Tipp für Stones-Sammler: Schon allein wegen der CD ist diese Veröffentlichung ein Muss. Die DVD kann man dann ja als "Zuckerl" betrachten (zum hiesigen Kaufpreis überhaupt!).

Sehr interessant sind darüber hinaus auch die Bonus-Features: Ein aktuelles Mick-Jagger-Interview, in dem klar wird, dass SOME GIRLS eine seine Herzensangelegenheiten ist; ein weiteres Interview mit ebendiesem Herrn aus der Show TOMORROW (von 1978), wo er von keinem Geringeren als Dan Aykroyd befragt (und veräppelt - oder umgekehrt) wird; Songs aus SATURDAY NIGHT LIVE ("Beast Of Burden", "Respectable", "Shattered") bei denen Mick offensichtlich mit seiner Heiserkeit zu kämpfen hat (klingt irgendwie sehr reizvoll - offenbar auch live eingespielt bzw. aufgenommen) sowie ein Band-Interview (ABC NEWS 20/20) bei dem allerdings wiederum hauptsächlich der Frontman zur Sprache kommt (Charlie kommt leider gar nicht zu Wort).

Fazit: Dieses Live-Set ist sehr authentisch und reizvoll für den wahren Stones-Freund. Auch weniger eingefleischte Freunde guter, schmutziger Gitarrenrockmusik und allgemein Musikinteressierte kommen mit dieser Ausgabe wohl auf ihre Kosten.
Nachdem auch zum 50er (leider) kein neues Album zu erwarten sein wird, ist diese Veröffentlichung wenigstens ein "Trost", der wirklich trösten kann.
Zwar bin ich nach wie vor kein SOME-GIRLS-FAN - ok, die Deluxe-Edition mit der Bonus-Disc ist wirklich besitzenswert, aber das Original-Album ist für mich kein Stones-Klassiker - nichtsdestotrotz habe ich den Erwerb dieser Live-Ausgabe keineswegs bereut.
Danke diesbezüglich auch an alle Vorrezensenten, die wirklich nicht zuviel versprochen haben!

Eine Empfehlung an alle, die die Rolling Stones mögen! 5 STERNE dafür.


Pearl Jam Twenty
Pearl Jam Twenty
DVD ~ Cameron Crowe
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein breiter und zugleich fokussiert-authentischer Rückblick!, 1. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Pearl Jam Twenty (DVD)
TWENTY (eine wohl nicht zufällige namentliche Anlehnung an das 1991 erschienene Debütalbum TEN) beschreibt (endlich) die Geschichte der vielleicht einflussreichsten Rockband der 90er-Jahre (die immer noch großartige Musik macht) zusammenhängend, authentisch und auf den Punkt bringend.

Der Beginn des Jubiläumsrückblicks befasst sich zunächst mit der Zeit "vor Pearl Jam", mit den Achtzigern also. SOUNDGARDEN formierte sich allmählich und viele andere - mehr oder weniger - kurzlebige Grunge-Projekte, die die Musiknachwelt und PJ im Besonderen nachhaltig beeinflussen sollten.
Den eigentlichen Startschuss, das Fundament sozusagen, wurde dann mit der Veröffentlichung von TEMPLE OF THE DOG gelegt, bei dem sämtliche Mitglieder erstmals in einem Gefüge zusammenarbeiten sollten. Auch Eddie Vedder durfte seinen Beitrag dazu leisten und wurde ermutigt, sein gesangliches und songwriterisches Talent weiterzuverfolgen... Gesagt getan!

Im Sog des legendären Nevermind-Hypes (Nirvana) wurde die West-US-Metropole Seattle in den frühen Neunzigern (beinahe) über Nacht zum Schmelztiegel-Phänomen eines neu (oder eher wieder)entdeckten Genres: GRUNGE. Dies hatte auch den unvermeidbaren, kometenhaften Aufstieg der authentischen Superrockband PJ zur Folge, deren Debütwerk TEN (bis heute) der meistverkaufte Tonträger der Bandgeschichte ist. (Anm.: Ich halte den Einfluss von Pearl Jam für mindestens ebenso wichtig wie den der für meinen Geschmack etwas überstilisierten und -gehypten Nirvana!)
Dann folgten ausverkaufte Konzerte, das ebenfalls sehr erfolgreiche Zweitwerk VS., Lobhudeleien von allen Seiten... bis zu Kurt Cobains Tod (der meiner Meinung nach erheblich zum Mythos Nirvana, ungebrochen bis heute, beigetragen hat - so gut die Band natürlich trotzdem auch immer war!).
Von nun an waren es PJ, die (hauptsächlich) alleine das schwere Erbe des Grunge weiterführen mussten. Und dies taten sie in mehrerlei Hinsicht gewissenhaft! Um sich nicht kommerziell ausschlachten zu lassen und (vor allem Mr. Vedder betreffend) um nicht ebenfalls der allgemeinen Rockstarhype-Hysterie zum Opfer zu fallen, wurden bewusst "leisere" Töne angeschlagen. Nach dem 3. Studiowerk VITALOGY, das - wenn man so will - quasi der Abgesang auf den Grunge-Hype schlechthin ist und von Kritikern (zu Unrecht) als letztes bedeutendes Werk von PJ wahrgenommen wurde/wird (leider bis heute, wie es scheint!), überließ man anderen Sternchen und Genres dem Glanz der Öffentlichkeit...
Der Musik freilich hat dies nicht geschadet! Es sollte noch eine Unzahl an ambitionierten Studiowerken folgen, darunter auch einige meiner persönlichen PJ-Lieblinge...

Trotzdem ist der Hauptfokus dieser stimmungsvollen und atmosphärish gelungenen PJ-Doku eben auf diese "Early Days" gerichtet. Alles, was nach VITALOGY (1994) folgen sollte, ist (vermutlich bewusst) kürzer gehalten.
Zwar wird natürlich auch kurz über andere chronologisch-biographische Zwischenstationen berichtet (bis hin zur Gegenwart eben), aber gewiss nicht mit selber Intensität als dies eben bei den Anfangsjahren der Band der Fall ist.
Zur Sprache kommen vor allem noch die Zeit um die Jahrtausendwende, als eine Konzerttragödie, die einige Todesopfer zur Folge hatte, Vedder & Co. über ein jähes Ende von PJ nachdenken ließen sowie die gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Ticketmonopol, dem die Band Preiswucher vorwarf. (Freilich zeigt man so etwas gerne, welcher Fan fühlt sich denn dabei nicht geschmeichelt?).

Untermalt bzw. begleitet wird die gesamte Chronologie von Konzertauszügen und Live-Mitschnitten. Auch einige ältere und aktuelle Interviews wurden passend und gekonnt miteingebaut. (Klar: Gesamtmitschnitt ist es logischerweise keiner, aber da kann man sich mit einer Vielzahl anderer Veröffentlichungen der Band abhelfen!).
Kurz: TWENTY ist eine durch und durch geglückte, unterhaltsame, spannende und ebenso informative Banddokumentation, die über die eigentliche Geschichte der Band aber noch hinausreicht, um ein insgesamt runderes, "ganzeres" Gesamtbild des Grunge im Allgemeinen zeichnen/zeigen zu können.
Also: PJ-Fans kommen mit dieser Veröffentlichung ebenso auf ihre Kosten wie allgemein Musikinteressierte!

Fazit: Höchste Zeit, dass endlich die ganze Geschichte der Band filmisch festgehalten und liebevoll aufbereitet unsere heimeligen DVD- und Bluray-Player heimsuchen darf. Abstriche muss der wahre PJ-Fan lediglich bei den neueren Teilen der Band-Bio sowie bei Songausschnitten machen - obwohl da eigentlich einige echte Raritäten dabei sein dürften, die auch keineswegs abrupt zusammengeschnippelt wurden.
Aber, wie gesagt: Eine Banddokumentation ist nun einmal nicht dasselbe wie ein Live-Mitschnitt. Hierfür würde ich zusätzlich das hervorragende "Live At The Garden" empfehlen, das - fast ungeschnitten - 3 Stunden Livearbeit vom Feinsten wiedergibt (aufgenommen im Madison Square Garden, NY - hierzu gibt's eine nicht minder empfehlenswerte "Bootleg" für den CD-Player!).

Für mich, als PJ-Fan, war es ein Genuss, die Hochs und Tiefs einer meiner Lieblingsbands per Mattscheibe revue passieren zu lassen. TWENTY ist wirklich sehr authentisch geworden und zugleich ein breiter, liebevoll zusammengestellter Auszug neuerer Musikgeschichte. Es macht durchaus Sinn, eine zwanzigjährige Geschichte in kurzweiligen 120 und nicht etwa in (möglicherweise) mühsamen 400 Minuten Laufzeit zu erzählen!

Bei Gelegenheit unbedingt einmal ansehen!

5 STERNE. Bravo!


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