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Beiträge von Michael Krauts...
Top-Rezensenten Rang: 859
Hilfreiche Bewertungen: 3106

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Rezensionen verfasst von
Michael Krautschneider "Filmfan & Musikliebhaber" (Neufeld an der Leitha, Bgld)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Topas
Topas
DVD ~ Frederick Stafford

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hitchcocks Kuba-Krise ist besser als ihr (zumeist bescheidener) Ruf!, 12. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Topas (DVD)
Wenngleich "Topaz" als eines der umstrittensten Hitchcock-Werke gilt und der Film wohl wirklich nicht zu den allerbesten des britischen Meisterregisseurs zählt, halte ich ihn dennoch oftmals für unterbewertet. Der Film kam 1969 in die Kinos und rief, wie schon der (meines Erachtens hochunterschätzte) Vorgänger "Der zerrissene Vorhang", eher gespaltene Meinungen bei Kritik und Publikum hervor. Im Gegensatz zu manch anderem zuerst verkannten Meisterwerk ist "Topaz" bis heute ein oft ungeliebter Spionagefilm, der recht nüchtern und trocken die Doppelmoral des schmutzigen Agentengeschäfts beleuchtet. Gleichzeitig entzaubert Hitchcock die blauäugigen Ideale der kubanischen Revolution und zeigt deutlich die Schattenseiten eines menschenverachtenden Unterdrückungsapparates auf, der auf Folter und Einschüchterung basiert...

--- Kurz zum Plot (Achtung: SPOILERgefahr!) ---
Der Streifen zeigt im Vorspann eine sowjetische Militärparade (ist wohl Archivmaterial) und schwenkt dann um ins idyllische Kopenhagen, wo ein hochrangiger KGB-Beamter namens Kuzenov mit Frau und Tochter zu den Amerikanern überläuft. Dort enthüllt der wortkarge Mann, dass auf Kuba sowjetische Militärtechniker stationiert seien, was bereits bestehende Vermutungen seitens der Amerikaner bestätigt. Als der Befragte auf den Decknamen "Topaz" angesprochen wird, gibt er sich zunächst unwissend, woraufhin ihm und seiner Familie die Auslieferung an die nächste sowjetische Botschaft angedroht wird...
Der US-Agent Michael Nordstrom und sein französischer Freund und Kollege Andre Devereaux schließen sich kurz und tauschen Informationen aus.
Als Andre mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem Schwiegersohn nach New York reist, erwartet ihn Nordstrom überraschenderweise dort bereits im Hotelzimmer. Dieser drängt ihn, Informationen von einem bestechlichen kubanischen Politsekretärs namens Uribe (der dem charismatischen, kubanischen, hochrangigen Militärmann Rico Parra untersteht) zu beschaffen, der sich gerade in Harlem aufhält. Da Uribe Amerikaner hasst und diesen misstraut, sieht Michael in Andre, der ja Franzose ist, den idealen Mittelsmann. Andre willigt ein, begibt sich nach Harlem und schaltet dort einen weiteren Mittelsmann ein, der - in einem hochspannenden und riskanten Einsatz - tatsächlich Erfolg hat. In einer dramatischen Fluchtsequenz stößt er beabsichtigt mit Andre (der das ganze Spektakel von weiterer Entfernung beobachtet hat) zusammen und übergibt ihm dabei unauffällig eine Mini-Kamera, mit der dieser Parras Akten fotografiert hat. Gewonnene Informationen erfordern weitere Nachforschungen in Kuba, weshalb sich Andre dorthin begibt.
In Kuba trifft der Spion auf die ihm bekannte Juanita de Cordoba (gespielt von einer überzeugenden Karin Dor), die im Geheimen gegen die kubanische Regierung arbeitet und mit Andre sogar eine Affäre hat. Ironischerweise ist sie die Witwe eines angesehenen Revolutionskämpfers und wird zugleich heftig von Parra (der übrigens vom charismatischen John Vernon verkörpert wird) umworben. Als Andre bei einer Rede Fidel Castros (wiederum wurde hier echtes Archivmaterial hineingeschnitten) im Publikum steht, wird er von einem Gefolgsmann Parras - der in New York ebenfalls vor Ort war - wiedererkannt. Daraufhin konfrontiert in Parra mit der Wahrheit, Juanita deckt ihren Liebhaber jedoch.
Das Haushälterpaar Mendoza wird von Juanita beauftragt, Raketentransporte zu fotografieren. Diese werden aber entlarvt und unter Folter nennt Frau Mendoza Juanitas Namen. Andre begibt sich inzwischen Richtung USA und verabschiedet sich von seiner Geliebten. Als Parra samt Gefolge ihr Haus stürmt und den kleinen Untergrundring aufdeckt, ist Andre bereits auf dem Flughafen. Parra, der Juanita ein aufreibendes und quälendes Verhör ersparen will, umarmt diese und erschießt sie dabei - vielleicht eine der nachhaltigsten Szenen des Films (vielleicht auch deshalb, weil die zwei besten Darsteller der Streifens daran beteiligt sind).
Zurück in Washington erhält Andre die Möglichkeit, mit dem KGB-Überläufer Kuzenov zu reden, der ihm verrät, was sich hinter "Topaz" verbirgt. Er erklärt ihm, dass es sich dabei um ein Netzwerk von hohen französischen Politikern handle, die insgeheim für die UdSSR arbeiten.
Um "Topaz" auffliegen zu lassen, begibt sich der französische Spion nach Paris, wo er Unterredungen hält und Beweise sucht. Nachdem der Hauptverdächtige bald entlarvt und tot ist, ergeben sich Verbindungen zu einem alten Freund aus der Resistance-Zeit, der - welch Ironie - eine Beziehung zu Andres Frau hat (die sich inzwischen von Andre getrennt hat - nicht zuletzt wegen der Affäre mit Juanita). Nicht viel später fliegt auch dieser auf und begeht Selbstmord...
Am Ende verrät ein Zeitungsbericht der NY-Times, dass die Kuba-Krise ausgestanden sei und der Arc de Triumphe erstrahlt im idyllischen Abspann in hellem Sonnenlicht...

Fazit: Hitchcocks letzter Spionagefilm wirkt stellenweise ein bisschen steif in seiner Inszenierung und vor allem der Schluss ist aufgrund von abrupten Wendungen/Schnitten ein bisschen konfus - allerdings trotzdem in sich logisch. Vermutlich hätte es ein wenig mehr als die vorliegenden 120 Minuten Spielzeit gebraucht, um atmosphärisch und stimmig zu einem runden Ende zu kommen. So gesehen kann ich den so oft geforderten Wunsch nach dem Director's Cut (mit rund 137 Minuten Spielzeit) gut nachvollziehen. Andererseits handelt es sich bei vorliegender Version um den Cut, den der Altmeister auch so in die Kinos gebracht hat -- und wenn man sich die (beiliegenden) Alternativenden anschaut, dann muss man ehrlicherweise sagen, dass Hitchcock tatsächlich den bestmöglichen Schluss gewählt hat... (An den großen Sprüngen im letzten Filmdrittel ändert dies freilich trotzdem nichts.)
In Summe ist "Topaz" für mich aber dennoch eine positive Überraschung, weil mir die nüchterne Inszenierung und die Schauplatzwechsel (Kopenhagen, New York, Havanna, Washington, Paris) sehr gefallen haben und der Beruf des Geheimagenten (der auch nur Mensch sein darf, fast schon eine Art Anti-Bond) hier (wenigstens ein bisschen) entmystifiziert wird, woraus ein angenehmer, wohltuender Gegenpart zum klischeehaften Hollywood-Agenten-Image resultiert (keine Frage: die Wahrheit wird vermutlich dennoch nochmal anders aussehen).
Dass Spionage mitunter ein schmutziges Geschäft ist und Bestechlichkeit sowie persönliche Instinkte manchmal stärker sind als blauäugiger Patriotismus, wird in hiesigem Streifen - wenigstens zum Teil - auch mitvermittelt, wenngleich der kommunistische Osten vergleichsweise schlechter wegkommt, als der kapitalistische Westen. Dass Hitchcock inmitten des Kalten Krieges (der ja auch 1969 noch hochaktuell war) aber schlecht einen pro-sowjetischen Agentenfilm in die Kinos bringen konnte, ist aber gut nachvollziehbar, würde ich meinen.
Insgesamt ist "Topaz" in meinen Augen ein durchwegs spannender und auch kurzweiliger Streifen, der weniger Thriller, als mehr Abenteuerpolitfilm zu sein scheint. Die schauspielerischen Leistungen sind alles in allem in Ordnung, wobei Karin Dor als kubanische Revolutionärswitwe und John Vernon als Hardliner-Militär für mich eindeutig hervorstechen. Hitchcock selbst ist übrigens (wie öfter in seinen Filmen) auch kurz zu sehen -- und zwar in einer Flughafensequenz, die eher am Beginn des Streifens gezeigt wird (aufs Hintergrundgeschehen achten!).
Warum der Film bis heute so streng von vielen Hitchcock-Sympathisanten und Kritikern beäugt wird, kann ich jedenfalls nicht begreifen. Es mag schon sein, dass der Master of Suspense in seiner unvergleichlichen Karriere manch bedeutendere Aushängeschilder geschaffen hat, meines Erachtens gibt es aber auch schlechtere Hitchcock-Werke.
Neben "Saboteure" (von 1942), "Immer Ärger mit Harry" (1955), "Marnie" (1964), "Der zerrissene Vorhang" (1966) und "Familiengrab" (1976) gehört "Topaz" für mich zu den unterschätzten Hitchcock-Leinwandwerken.
Ich finde den Meisterregisseur eigentlich immer gut, wenn er sich an Spionagegeschichten versucht -- nicht nur seine (Spionage-)Klassiker, wie etwa "Der unsichtbare Dritte" (das aber freilich trotzdem fantastisch ist)!

Meine Bewertung deshalb: ++++

Sollte man meiner Meinung nach eigentlich gesehen haben!

Prädikat: (sehr) SEHENSWERT


Topaz
Topaz
DVD ~ Philippe Noiret
Wird angeboten von Celynox
Preis: EUR 6,68

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hitchcocks Kuba-Krise ist besser als ihr (zumeist bescheidener) Ruf!, 12. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Topaz (DVD)
Wenngleich "Topaz" als eines der umstrittensten Hitchcock-Werke gilt und der Film wohl wirklich nicht zu den allerbesten des britischen Meisterregisseurs zählt, halte ich ihn dennoch oftmals für unterbewertet. Der Film kam 1969 in die Kinos und rief, wie schon der (meines Erachtens hochunterschätzte) Vorgänger "Der zerrissene Vorhang", eher gespaltene Meinungen bei Kritik und Publikum hervor. Im Gegensatz zu manch anderem zuerst verkannten Meisterwerk ist "Topaz" bis heute ein oft ungeliebter Spionagefilm, der recht nüchtern und trocken die Doppelmoral des schmutzigen Agentengeschäfts beleuchtet. Gleichzeitig entzaubert Hitchcock die blauäugigen Ideale der kubanischen Revolution und zeigt deutlich die Schattenseiten eines menschenverachtenden Unterdrückungsapparates auf, der auf Folter und Einschüchterung basiert...

--- Kurz zum Plot (Achtung: SPOILERgefahr!) ---
Der Streifen zeigt im Vorspann eine sowjetische Militärparade (ist wohl Archivmaterial) und schwenkt dann um ins idyllische Kopenhagen, wo ein hochrangiger KGB-Beamter namens Kuzenov mit Frau und Tochter zu den Amerikanern überläuft. Dort enthüllt der wortkarge Mann, dass auf Kuba sowjetische Militärtechniker stationiert seien, was bereits bestehende Vermutungen seitens der Amerikaner bestätigt. Als der Befragte auf den Decknamen "Topaz" angesprochen wird, gibt er sich zunächst unwissend, woraufhin ihm und seiner Familie die Auslieferung an die nächste sowjetische Botschaft angedroht wird...
Der US-Agent Michael Nordstrom und sein französischer Freund und Kollege Andre Devereaux schließen sich kurz und tauschen Informationen aus.
Als Andre mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem Schwiegersohn nach New York reist, erwartet ihn Nordstrom überraschenderweise dort bereits im Hotelzimmer. Dieser drängt ihn, Informationen von einem bestechlichen kubanischen Politsekretärs namens Uribe (der dem charismatischen, kubanischen, hochrangigen Militärmann Rico Parra untersteht) zu beschaffen, der sich gerade in Harlem aufhält. Da Uribe Amerikaner hasst und diesen misstraut, sieht Michael in Andre, der ja Franzose ist, den idealen Mittelsmann. Andre willigt ein, begibt sich nach Harlem und schaltet dort einen weiteren Mittelsmann ein, der - in einem hochspannenden und riskanten Einsatz - tatsächlich Erfolg hat. In einer dramatischen Fluchtsequenz stößt er beabsichtigt mit Andre (der das ganze Spektakel von weiterer Entfernung beobachtet hat) zusammen und übergibt ihm dabei unauffällig eine Mini-Kamera, mit der dieser Parras Akten fotografiert hat. Gewonnene Informationen erfordern weitere Nachforschungen in Kuba, weshalb sich Andre dorthin begibt.
In Kuba trifft der Spion auf die ihm bekannte Juanita de Cordoba (gespielt von einer überzeugenden Karin Dor), die im Geheimen gegen die kubanische Regierung arbeitet und mit Andre sogar eine Affäre hat. Ironischerweise ist sie die Witwe eines angesehenen Revolutionskämpfers und wird zugleich heftig von Parra (der übrigens vom charismatischen John Vernon verkörpert wird) umworben. Als Andre bei einer Rede Fidel Castros (wiederum wurde hier echtes Archivmaterial hineingeschnitten) im Publikum steht, wird er von einem Gefolgsmann Parras - der in New York ebenfalls vor Ort war - wiedererkannt. Daraufhin konfrontiert in Parra mit der Wahrheit, Juanita deckt ihren Liebhaber jedoch.
Das Haushälterpaar Mendoza wird von Juanita beauftragt, Raketentransporte zu fotografieren. Diese werden aber entlarvt und unter Folter nennt Frau Mendoza Juanitas Namen. Andre begibt sich inzwischen Richtung USA und verabschiedet sich von seiner Geliebten. Als Parra samt Gefolge ihr Haus stürmt und den kleinen Untergrundring aufdeckt, ist Andre bereits auf dem Flughafen. Parra, der Juanita ein aufreibendes und quälendes Verhör ersparen will, umarmt diese und erschießt sie dabei - vielleicht eine der nachhaltigsten Szenen des Films (vielleicht auch deshalb, weil die zwei besten Darsteller der Streifens daran beteiligt sind).
Zurück in Washington erhält Andre die Möglichkeit, mit dem KGB-Überläufer Kuzenov zu reden, der ihm verrät, was sich hinter "Topaz" verbirgt. Er erklärt ihm, dass es sich dabei um ein Netzwerk von hohen französischen Politikern handle, die insgeheim für die UdSSR arbeiten.
Um "Topaz" auffliegen zu lassen, begibt sich der französische Spion nach Paris, wo er Unterredungen hält und Beweise sucht. Nachdem der Hauptverdächtige bald entlarvt und tot ist, ergeben sich Verbindungen zu einem alten Freund aus der Resistance-Zeit, der - welch Ironie - eine Beziehung zu Andres Frau hat (die sich inzwischen von Andre getrennt hat - nicht zuletzt wegen der Affäre mit Juanita). Nicht viel später fliegt auch dieser auf und begeht Selbstmord...
Am Ende verrät ein Zeitungsbericht der NY-Times, dass die Kuba-Krise ausgestanden sei und der Arc de Triumphe erstrahlt im idyllischen Abspann in hellem Sonnenlicht...

Fazit: Hitchcocks letzter Spionagefilm wirkt stellenweise ein bisschen steif in seiner Inszenierung und vor allem der Schluss ist aufgrund von abrupten Wendungen/Schnitten ein bisschen konfus - allerdings trotzdem in sich logisch. Vermutlich hätte es ein wenig mehr als die vorliegenden 120 Minuten Spielzeit gebraucht, um atmosphärisch und stimmig zu einem runden Ende zu kommen. So gesehen kann ich den so oft geforderten Wunsch nach dem Director's Cut (mit rund 137 Minuten Spielzeit) gut nachvollziehen. Andererseits handelt es sich bei vorliegender Version um den Cut, den der Altmeister auch so in die Kinos gebracht hat -- und wenn man sich die (beiliegenden) Alternativenden anschaut, dann muss man ehrlicherweise sagen, dass Hitchcock tatsächlich den bestmöglichen Schluss gewählt hat... (An den großen Sprüngen im letzten Filmdrittel ändert dies freilich trotzdem nichts.)
In Summe ist "Topaz" für mich aber dennoch eine positive Überraschung, weil mir die nüchterne Inszenierung und die Schauplatzwechsel (Kopenhagen, New York, Havanna, Washington, Paris) sehr gefallen haben und der Beruf des Geheimagenten (der auch nur Mensch sein darf, fast schon eine Art Anti-Bond) hier (wenigstens ein bisschen) entmystifiziert wird, woraus ein angenehmer, wohltuender Gegenpart zum klischeehaften Hollywood-Agenten-Image resultiert (keine Frage: die Wahrheit wird vermutlich dennoch nochmal anders aussehen).
Dass Spionage mitunter ein schmutziges Geschäft ist und Bestechlichkeit sowie persönliche Instinkte manchmal stärker sind als blauäugiger Patriotismus, wird in hiesigem Streifen - wenigstens zum Teil - auch mitvermittelt, wenngleich der kommunistische Osten vergleichsweise schlechter wegkommt, als der kapitalistische Westen. Dass Hitchcock inmitten des Kalten Krieges (der ja auch 1969 noch hochaktuell war) aber schlecht einen pro-sowjetischen Agentenfilm in die Kinos bringen konnte, ist aber gut nachvollziehbar, würde ich meinen.
Insgesamt ist "Topaz" in meinen Augen ein durchwegs spannender und auch kurzweiliger Streifen, der weniger Thriller, als mehr Abenteuerpolitfilm zu sein scheint. Die schauspielerischen Leistungen sind alles in allem in Ordnung, wobei Karin Dor als kubanische Revolutionärswitwe und John Vernon als Hardliner-Militär für mich eindeutig hervorstechen. Hitchcock selbst ist übrigens (wie öfter in seinen Filmen) auch kurz zu sehen -- und zwar in einer Flughafensequenz, die eher am Beginn des Streifens gezeigt wird (aufs Hintergrundgeschehen achten!).
Warum der Film bis heute so streng von vielen Hitchcock-Sympathisanten und Kritikern beäugt wird, kann ich jedenfalls nicht begreifen. Es mag schon sein, dass der Master of Suspense in seiner unvergleichlichen Karriere manch bedeutendere Aushängeschilder geschaffen hat, meines Erachtens gibt es aber auch schlechtere Hitchcock-Werke.
Neben "Saboteure" (von 1942), "Immer Ärger mit Harry" (1955), "Marnie" (1964), "Der zerrissene Vorhang" (1966) und "Familiengrab" (1976) gehört "Topaz" für mich zu den unterschätzten Hitchcock-Leinwandwerken.
Ich finde den Meisterregisseur eigentlich immer gut, wenn er sich an Spionagegeschichten versucht -- nicht nur seine (Spionage-)Klassiker, wie etwa "Der unsichtbare Dritte" (das aber freilich trotzdem fantastisch ist)!

Meine Bewertung deshalb: ++++

Sollte man meiner Meinung nach eigentlich gesehen haben!

Prädikat: (sehr) SEHENSWERT


Ausgeträumt: Roman
Ausgeträumt: Roman
von Charles Bukowski
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bukowskis letzter (aber nicht bester) Roman - ein Flirt mit Lady Death!, 9. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Ausgeträumt: Roman (Taschenbuch)
Das kurzweilige "Ausgeträumt" (engl. Titel: "Pulp") ist eine Art selbstironisches Adieu des wohl größten Undergrounddichters überhaupt. Gewohnt direkt und unverblümt erzählt Charles Bukowski hier die Geschichte eines erfolglosen Privatdetektiven namens Nick Belane in L.A., der nach langer Flaute einer Reihe skurriler Fälle nachgeht. Unter anderem wird er von einer gefährlichen Schönheit namens Lady Death beauftragt, einen gewissen Celine in einer Buchhandlung zu suchen. Das Problem ist nur, dass dieser bereits eigentlich lange tot ist. Zudem soll der Ermittler einem Beerdigungsunternehmer eine Außerirdische vom Hals schaffen und einem eifersüchtigen Ehemann, der befürchtet betrogen zu werden, Auskünfte über dessen Frau beschaffen bzw. diese beim Fremdgehen erwischen. Nick löst die Fälle allesamt mehr schlecht als recht, überhaupt keinen Erfolg hat er allerdings bei einem weiteren Auftrag, der Suche nach dem Red Sparrow, bis dieser schließlich ihn findet...

In Ich-Form schildert der Autor die Eigenheiten der ihm wohl nicht unähnlichen Hauptfigur, wobei die Analyse dieser im eigentlichen Fokus der Story steht und weniger die Fälle an sich. So hält sich besagter Schnüffler selbst für eine große Nummer mit tollem Spürsinn, kann sich gleichzeitig aber kaum im Spiegel betrachten. Zuhause fühlt er sich in seinem Büro, hinterm Schreibtisch, in dessen Laden eine Knarre und eine Flasche Wodka stets griffbereit liegen...

Gewiss lassen sich einige autobiographische Querverbindungen in vorliegendem Roman finden. Der US-amerikanische Ausnahmepoet lässt wie gewohnt sein lässiges, rotziges Vokabular sprechen und sorgt stellenweise für richtig große literarische Momente, wie etwa in aberwitzigen Dialogen oder Alltagsbeobachtungen, die die Hauptfigur des Romans (wie schon gesagt in Ich-Form) schildert. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei folgende Stelle: "Ich trank aus und ging. Auf der Straße war es erträglicher. Ich latschte vor mich hin. Etwas musste nachgeben, und das würde nicht ich sein. Ich zählte die Vollidioten, die mir begegneten. Nach zweieinhalb Minuten war ich bei fünfzig und verzog mich in die nächste Kneipe."
Wenn man einem Außenstehenden in nur wenigen Sätzen Bukowski näherbringen wollte, dann wäre dies wohl die perfekte Stelle bzw. der perfekte Auszug dafür...

Einen Stern Abzug gibt's von meiner Seite aber trotzdem, weil ich "Ausgeträumt" - so kurzweilig und unterhaltsam es (auf rund 180 Seiten) insgesamt auch war - nicht für Bukowskis bedeutendsten Roman halte. (Vor allem das etwas gar skurril-ausufernde Ende ist in meinen Augen ein wenig unausgegoren und hinterlässt - wenigstens in Spuren - einen etwas schalen Nachgeschmack.) "Der Mann mit der Ledertasche" wird diesbezüglich (also in Sachen Bukowski-Roman) wohl für immer mein Favorit bleiben. Ich persönlich bin ja generell eher ein Fan seiner Gedichte und Kurzgeschichten, die in Kombination mit den pointierten Wörtern des Dirty Old Man, oft nahezu perfekte Momentaufnahmen sehr zeitloser Natur darstellen. (Anm.: Eigentlich gibt's keinen Bukowski-Gedichtband, den ich nicht weiterempfehlen würde. Besonders "Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang" oder "Kamikaze-Träume" fallen mir da jetzt ein. Da gibt's aber so viel an wirklich gutem & nachhaltigem Material... -- also: unbedingt selber nachrecherchieren!)

Fazit:
In Summe ist "Ausgeträumt" mit Sicherheit ein lesenswerter und unterhaltsamer Roman, der in typischer Bukowski-Manier eine Geschichte vom Scheitern und Versagen erzählt - und das inmitten der Weltmetropole L.A., wo Dekadenz und bittere Armut ja bekanntlich fast Tür an Tür leben. Dass einem Bukowskis Art und Weise des Erzählens und Hantieren mit Sprache in gewisser Hinsicht liegen muss, ist inzwischen wohl ein offenes Geheimnis. Als Sympathisant dürfte man von vorliegendem Schmöker aber nicht enttäuscht sein, wie ich meine!

Abschließend noch eine persönliche Bemerkung:
Wenn Bukowski alias Nick Belane in einem Dialog (Telefonat) mit Lady Death sagt, dass er da inzwischen voll durchblicke [sinngemäß übernommenes Zitat] (was den von ihr in Auftrag gegebenen (eigentlich unlösbaren) Fall angeht), dann schwingt da für mich unverkennbar auch ein Stück weit Abschiedsstimmung mit. Ich stelle mir jedenfalls gerne vor, wie der über 70jährige Charles Bukowski diesen Dialog schelmisch grinsend zu Papier gebracht hat. Sein ureigener Humor und seine nicht uncharmante schriftstellerische Unbekümmertheit (wenn ich das jetzt so nennen darf) sind dem guten Mann bis zum Schluss erhalten geblieben!
Danke dafür, lieber Mr. Bukowski und danke für die unzähligen großartigen Storys und Gedichte, die Sie uns hinterlassen haben!

Mein Urteil (für vorliegenden Roman): ++++


Perth Australia February 23rd 2003
Perth Australia February 23rd 2003
Preis: EUR 59,05

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Starkes, dynamisches Set!, 9. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Perth Australia February 23rd 2003 (Audio CD)
Mit ihrem mittlerweile unüberschaubar gewaltigen Bootleg-Archiv beweisen die Mannen von Pearl Jam ein ums andere Mal, warum sie völlig zurecht den Ruf als eine der begnadetsten Live-Bands unserer Tage genießen.
Tatsächlich gibt es unzählige CD-Ausgaben und Downloads (die legal und gegen geringes Entgelt z.B. auf der offiziellen Band-Homepage erhältlich sind) aus verschiedenen Dekaden, wobei da sehr viele Hochkaräter mit dabei sind. Selbst getreue Fans werden kaum einen Bruchteil erhältlichen Live-Materials wirklich kennen...

Vorliegender Doppeltonträger stammt aus dem Jahre 2003 und gibt einen kompletten Konzert-Mitschnitt aus dem australischen Perth wieder.
Energetisch wuselt sich Stimmwunder Eddie Vedder samt Band durch 29 Songs, die allesamt (eigentlich wie gewohnt) leidenschaftlich dargebracht werden.
Dabei beginnt das Set ruhig mit Vedders atmosphärischem Titel "Long Road" (das ursprünglich auf der Soundtrack-CD "Dead Man Walking" veröffentlicht wurde, mittlerweile aber bereits in mehreren Live-Bootleg-Versionen vorliegt) und gipfelt in einem bombastischen Finale mit dem CCR-Cover "Fortunate Son" (das hier in fantastischer Qualität (spielerisch & gesanglich gesehen) vorliegt), das häufig in PJ-Setlisten zu finden ist bzw. war.

Der Sound beider Scheiben ist authentisch und gibt die Dynamik der Band gut wieder. Leute, die auf im Studio nachgebesserte, klangästhetisch höchstwertige Live-Veröffentlichungen stehen, sollten lieber die Finger von vorliegendem Werk lassen. Die Aufnahme- und Wiedergabequalität ist aber dennoch 1A (das trifft aber ohnehin auf die meisten PJ-Bootlegs zu) und ermöglicht zweifelsohne einen spannenden und gleichermaßen entspannten Hörgenuss.

Auffällig bei hiesigem Set ist, dass viele Nummern etwas "getragener" interpretiert werden. So wird z.B. der Dauerbrenner "Alive" - ähnlich der Studioaufnahme (von "Ten") - etwas langsamer (als häufig sonst) gespielt, wodurch der Song aber an Dynamik und Groove gewinnt. Überhaupt gefällt mir die Titelauswahl des Konzerts ausgesprochen gut.

Fazit: Fans können ruhig zu dieser Veröffentlichung greifen und kommen damit bestimmt auf ihre Kosten. Es lohnt sich aber in jedem Fall, sich die Mühe zu machen und den riesigen Bootleg-Katalog der Seattler - wenigstens stichprobenartig - zu durchforsten. So kann man Sets hinsichtlich persönlicher Song-Favoriten überprüfen und dann ggf. zuschlagen.

Für diesen tollen, rundum überzeugenden Live-Mitschnitt kann ich nur 5 Sterne vergeben. +++++

SUPER!

---- Anspieltipps ----

- CD 1 -
> Long Road
> Corduroy
> Given To Fly
> Even Flow
> MFC

- CD 2-
> You Are
> Go
> Do The Evolution
> Betterman
> Alive
> Fortunate Son

P.S. Fans möchte ich abschließend noch die beiden großartigen Bootlegs "NY, July 8th 2003" (das als 3fach-Disc [auch hier bei Amazon] oder Download [auf der PJ-Homepage] vorliegt und dieselben Songs wie die DVD-Veröffentlichung "Live at The Garden" enthält) sowie "Vienna 2014" (das es aber nur als Download gibt, glaub ich und auch einige ausgefallenere Titel enthält) wärmstens ans Herz legen!

Ich wünsche schon jetzt viel Freude beim Hören :)


Siren (Remastered)
Siren (Remastered)
Preis: EUR 9,49

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut, aber (für meinen Geschmack) etwas überbewertet!, 9. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Siren (Remastered) (Audio CD)
Das 5. RM-Album, das 1975 erschien und somit das 5. Werk der Band innerhalb von nur 4 Jahren (!) war (der gute Mr. Ferry war nebenbei bereits auch noch als Solokünstler tätig, was jetzt aber nicht mitgezählt wurde), hat aufgrund der starken Vorgängerscheiben gewiss keinen leichten Stand.
Dennoch gilt "Siren" heute als Klassiker der Pop/Rock-Geschichte und wurde sogar vom RS-Magazine unter die besten 500 Alben aller Zeiten gewählt (als eine von 4 RM-Platten).

Obwohl auch ich vorliegenden Silberling grundsätzlich gut finde, kann ich seinen (sehr) hohen Stellenwert bei Kritikern (und Fans freilich) nicht ganz nachvollziehen. Für mich gehört "Siren" jedenfalls nicht zu den besten Platten der Briten.
Natürlich lotet Mastermind Bryan Ferry einmal mehr das Spektrum seiner einzigartigen Stimme aus und setzt weiterhin auf Soundexperimente und neue Ideen.
Das war meines Erachtens bei den 4 Vorgängerwerken allerdings auch schon der Fall, weshalb die Scheibe in meinen Ohren nicht außergewöhnlich innovativ klingt (was ja sooo oft behauptet wird - aber gut, Geschmäcker sind halt nun mal verschieden).
Etwas stärker als bisher wandte man sich auf "Siren" (damals) modischen Dance- und Discosounds zu, was - im Gegensatz zum eher verunglückten Studionachfolger "Manifesto" - meistens auch recht gut funktioniert (Paradebeispiel hierfür ist sicher der lässig hingerotzte Opener "Love Is The Drug", der auch zum Hit wurde).
Die spannende Ungestümheit und Unberechenbarkeit vorangegangener Platten fehlt mir auf "Siren" hingegen ein bisschen. Stellenweise macht die Scheibe (ist aber nicht böse gemeint) einen zähen, uninspirierten (vielleicht auch übermotivierten [?]) Eindruck auf mich.
Ich persönlich lege "Roxy Music" (das Debüt), "Stranded", "Country Life" sowie die beiden später erschienenen "Flesh & Blood" (das ich für ziemlich unterschätzt halte) und "Avalon" jedenfalls lieber und auch häufiger zuhause auf, als eben vergleichsweise "Siren".

Der Sound des Silberlings (es handelt sich hier um die Remaster-Version von 1999) lässt für meine Begriffe allerdings keine Wünsche offen. Dynamik, Druck, Raum und Klarheit sind gleichermaßen gegeben, womit (wie bei allen remasterten RM-Alben übrigens) einem ungetrübten Hörgenuss nichts im Wege steht bzw. stehen dürfte.

Fazit: Das vielseits gelobte "Siren" ist bestimmt ein gelungenes und hörenswertes Album der britischen Glam-/Art-Rockformation Roxy Music. In Summe gefällt es mir allerdings nicht besser als sämtliche andere Veröffentlichungen der Band (außer "Manifesto", das mir - als einzige RM-Scheibe - wirklich nicht besonders zusagt).
Interessierten würde ich deshalb eher andere Alben der Band zum Hineinschnuppern empfehlen. Als Erstkauf böten sich aus meiner Sicht vor allem das tolle Debüt "Roxy Music", "Country Life" oder "Avalon" an. Auch "Stranded" halte ich für sehr essenziell und besitzenswert.
Eine schlechte Platte ist "Siren" freilich trotzdem nicht, RM haben aber eigentlich nie schlechte Aufnahmen gemacht (einzig das zuvor schon angesprochene "Manifesto" überzeugt mich nicht so wirklich).

Meine Bewertung: ++++

Für Fans wohl unumgänglich, für allg. Musikinteressierte vermutlich hingegen schon, würde ich sagen.

OK!

----Anspieltipps----
- Love Is The Drug
- Whirlwind
- Could It Happen To Me?
- Both Ends Burning

P.S. Das Album-Frontcover (mit obligatorischer Frauenablichtung) zeigt Bryan Ferrys damalige Lebensgefährtin Jerry Hall und gilt deshalb als legendär.


Brief an den Vater
Brief an den Vater
von Franz Kafka
  Taschenbuch
Preis: EUR 3,54

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein "klassischer" Vater-Sohn-Konflikt in literarisch wertvoller Form!, 7. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Brief an den Vater (Taschenbuch)
Kafka ist gewiss nicht jedermanns Sache. Sein Name steht für endlos lange Schachtelsätze, Ausschweifungen und nicht allzu leichte Zugänglichkeit. Inhaltlich jedoch ist es sehr schwer, dem großen Prager Autoren einen Vorwurf zu machen.
Jedenfalls hat der Schriftsteller - trotz seiner kurzen Lebensdauer (1883-1924) - eine beträchtliche Zahl bedeutender Niederschriften hinterlassen und es ist gar nicht so einfach zu sagen, welches seiner Werke das vielleicht beste und bedeutendste ist. Neben seinen großen Romanen "Die Verwandlung", "Das Schloß" oder "Der Prozeß" u.a., sind auch viele seiner Erzählungen (z.B. "Der Heizer" oder "Das Urteil") und Kurzgeschichten wirklich lesens- und empfehlenswert, die inzwischen gesammelt zu moderaten Preisen angeboten werden (muss man halt nachschauen).
Mein persönlicher Favorit ist aber das vorliegende "Brief an den Vater".

Dieses recht kurz gehaltene (hier ist es gerade einmal rund 50 Seiten dick) Werk stellt eine vom Stil her recht sachlich gehaltene Klageschrift dar, die der Mittdreißiger Kafka im Jahr 1919 an seinen Vater richtete. Der Vater bekam diese Niederschrift jedoch nie zu sehen.
Abgesehen davon, dass der Autor punktgenaue und messerscharfe Analysen anstellt und sie mit eingängigen Metaphern versieht (z.B. "Manchmal stelle ich mir die Erdkarte ausgespannt und Dich quer über sie hin ausgestreckt vor."), verrät der Text so einiges über den Menschen Franz Kafka (bzw. dessen Persönlichkeit), der zeitlebens kränklich, schwächlich, sensibel und - im geschäftlichen Sinn - nur wenig zielstrebig war. Der Vater, der offenbar gern ein jüngeres Abbild seiner Persönlichkeit im Sprössling gesehen hätte (wie viele andere Väter wohl auch in ihren Söhnen), war hingegen das genaue Gegenteil: selbstbewusst, zielstrebig, rechthaberisch, stattlich, hart und laut.

Bewundernswert an vorliegendem Schriftstück ist auch, dass der hierin beschriebene Generationenkonflikt (in diesem Falle eben zwischen Vater und Sohn) in gewisser Weise sehr zeitlos auf mich wirkt. Denn welche Elterngeneration behauptete bislang nicht von sich selbst, es schwerer als die Kinder gehabt zu haben? Und welche Eltern werfen ihren erwachsenen Kindern - zumindest indirekt - nicht heute noch so etwas wie Undankbarkeit (in welcher Form auch immer) vor?
Selbst wenn sich die Zeiten mittlerweile freilich merklich geändert haben und Eltern - speziell Väter - nicht mehr so häufig wie früher als strenge Tyrannen wahrgenommen werden bzw. auftreten, wird fast jeder, der das hier liest, ein Stück weit auch sich selbst in den niedergeschriebenen Worten wiederfinden können.
Kafka rechnet mit dem autoritären (aber wohl damals nicht untypischen) Erziehungsstil seines Vaters ab, stellt Methoden der Zurechtweisung kritisch in Frage und prangert an, dass vorgegebene Regeln ihn zu einer Art beschämtem "Sklaven" haben werden lassen, da sie seiner Meinung nach nur für ihn galten, der Vater selbst sich jedoch ihnen offenkundig nicht unterordnen musste (ein gutes Beispiel hierfür sind die von Kafka beschriebenen Tischregeln beim gemeinsamen Essen).
Trotz aller Kritik lässt der Autor zwischen den Zeilen eindeutige Zuneigung und Bewunderung zu seinem Elternteil erkennen. Oft betont er auch, dass seine Anklage keineswegs als plumpe Kritik bzw. "Vernaderei" misszuverstehen sei und er sich selbst durchaus auch in einer Teilschuld sehe (für die er aber, wie er zugleich bemerkt, ebenso wenig könne, wie der Vater).

Obwohl Kafkas "Brief an den Vater" in gewisser Weise deprimierend und desillusionierend wirkt, ist das Werk zugleich ein wohlernüchternder Befreiungsschlag, der erdet und dem Lesenden bewusst macht, dass kein Mensch der Welt frei von Makel sein kann - weder Eltern, noch Kinder. So gesehen hat vorliegender Schmöker eine sehr angenehme und beruhigende Wirkung auf mich und es ist einfach spannend diesen prominenten, literaturgeschichtlich hochwertigen Vater-Sohn-Konflikt zu lesen (und gar nicht sooo mühsam, wie man ev. befürchten müsste)!

Fazit: Wer noch gar keine Erfahrung mit Kafka gemacht hat, kann ruhig zu vorliegendem Buch greifen, wobei "Die Verwandlung" (das vor kurzer Zeit ja sogar als Comic herausgebracht wurde) diesbezüglich vielleicht noch empfehlenswerter sein mag. Für mich ist "Brief an den Vater" jedenfalls das eingängigste, persönlichste und nahbarste Werk, das Franz Kafka je geschrieben hat, weshalb ich an dieser Stelle das Höchstbewertungsmaß durchaus für angebracht halte.

Also: +++++

Kurz: Ein sehr klar formuliertes, persönliches und empathisches Buch, das aus meiner Sicht zudem noch sehr zeitlos auf seine Leser wirkt. Lesen Sie Kafka, liebe Leser -- es lohnt sich!


Factotum
Factotum
DVD ~ Matt Dillon
Preis: EUR 9,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unspektakulär und in vielerlei Hinsicht durchschnittlich!, 6. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Factotum (DVD)
Mit "Factotum", das 2005 in die Kinos kam und wie die gleichnamige Romanvorlage des weltbekannten Underground-Dichters Charles Bukowski titelt (und ein sehr typischer Vertreter dieser Sorte ist), wurde versucht, eine authentische, atmosphärisch nüchtern gehaltene, autobiographische Verfilmung in die Welt zu setzen, die - wie viele Bukowskis Storys - auf persönlicher Ebene (aus Sicht der Hauptfigur Henry "Hank" Chinaski) die Schattenseiten des "American Way of Life" zeigen soll. Obwohl ich dem Film gewisse Ambitionen diesbezüglich keineswegs absprechen möchte, scheitert er schon am etwas zu glatt wirkenden Hauptdarsteller Matt Dillon (der sichtlich bemüht spielt, aber so ganz und gar nicht zur glaubwürdigen Dirty-Old-Man-Verkörperung werden will).
Der übermäßige Alkoholkonsum in verrauchten Bars und schäbigen Motelzimmern (wo sich außerdem noch das Beziehungsleben abspielt, vor allem in Form von Dialogen) sowie Henry Chinaskis (Bukowskis alter Ego in vielen Romanen, wie auch diesem) stetiges Scheitern in Hilfsjobs mag einigermaßen authentisch dargestellt sein (über diverse Namensungleichheiten im Vgl. zur Romanvorlage oder dergleichen sehe ich jetzt aber mal großzügig hinweg), bleibt für meinen Geschmack allerdings immer zu oberflächlich. Den Spelunken- bzw. Untergrund-Charme, den so manch anderer Rezensent hierin erkannt haben will, konnte ich jedenfalls nicht ausfindig machen. Bukowskis eindringlichen schriftlichen Schilderungen wird der norwegische Regisseur Bent Hamer hier meines Erachtens jedenfalls nicht wirklich gerecht, wenngleich ich sagen muss, dass die bewusst nüchtern gehaltene Inszenierung (keine Kamerafahrten, fast "teilnahmslos" wirkender, wenig dynamischer Bildfang) einem Charles Bukowski selbst womöglich vielleicht sogar gefallen hätte (das aber ist freilich reine Spekulation meinerseits).
Wie wichtig und essenziell für Bukowski das Schreiben (neben Pferdewetten, Frauen, Nikotin und Alkohol) wirklich war - auch, wenn er davon lange Zeit eben nicht leben konnte (worum's ja in vorliegendem Film geht) - kommt in "Factotum" (das übersetzt so viel wie "Mädchen für alles" bedeutet) kaum nachhaltig oder pointiert zu Geltung, womit der Streifen gegenüber der Bücher (bzw. speziell gegenüber dieses Buchs) des großartigen Schriftstellers und Untergrundpoeten doch deutlich abfällt.
Dass - wider erwarten - keine ausschweifenden Sex-Szenen gezeigt werden und auch die Sprache nie so richtig unangenehm derb wird, ist meines Erachtens eher als positiv zu bewerten. Auf diese Weise hätte man nur zusätzlich mit dem Medium Film Sensationspunkte herausquetschen bzw. erheischen können, worauf cleverer Weise aber Gott sei Dank verzichtet wurde!

Fazit: Ich persönlich glaube, dass selbst eingefleischte Bukowski-Fans ohne diese Verfilmung auskommen werden. So richtig sehenswert scheint offenbar wohl überhaupt nur "Barfly" (mit Mickey Rourke in der Hauptrolle und Bukowski selbst in einer kleinen Statistenrolle) zu sein, das ich allerdings noch nicht gesehen habe. (Werde ich aber bestimmt irgendwann nachholen.)
Wer Bukowski und dessen direkte, unverblümte Art Geschichten zu erzählen mag, sollte lieber bei den schriftlichen Hinterlassenschaften (vor allem bei den Gedichten und Short-Storys) bleiben! (Ist halt meine Meinung dazu.)
So wirklich ätzend schlecht ist "Factotum" (als Film) in Summe sicher nicht - wenigstens einen gewissen Charme und eine Art Herzenszugang kann man dem Streifen nur schwer absprechen. Auch die schauspielerischen Leistungen sind alles in allem wenigstens passabel. Lesen tut sich der Stoff aber um einiges besser!

Macht aus meiner Sicht am Ende 3 Sterne geradeaus: +++

Prädikat: DURCHSCHNITT

P.S. Noch einmal würde ich mir "Factotum" (als Film) nicht mehr kaufen, andererseits bereue ich es aber auch nicht wirklich, ihn gesehen zu haben.


Pulp: Ausgeträumt. Roman (KiWi)
Pulp: Ausgeträumt. Roman (KiWi)
von Charles Bukowski
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bukowskis letzter (aber nicht bester) Roman - ein Flirt mit Lady Death!, 6. März 2016
Das kurzweilige "Ausgeträumt" (engl. Titel: "Pulp") ist eine Art selbstironisches Adieu des wohl größten Undergrounddichters überhaupt. Gewohnt direkt und unverblümt erzählt Charles Bukowski hier die Geschichte eines erfolglosen Privatdetektiven namens Nick Belane in L.A., der nach langer Flaute einer Reihe skurriler Fälle nachgeht. Unter anderem wird er von einer gefährlichen Schönheit namens Lady Death beauftragt, einen gewissen Celine in einer Buchhandlung zu suchen. Das Problem ist nur, dass dieser bereits eigentlich lange tot ist. Zudem soll der Ermittler einem Beerdigungsunternehmer eine Außerirdische vom Hals schaffen und einem eifersüchtigen Ehemann, der befürchtet betrogen zu werden, Auskünfte über dessen Frau beschaffen bzw. diese beim Fremdgehen erwischen. Nick löst die Fälle allesamt mehr schlecht als recht, überhaupt keinen Erfolg hat er allerdings bei einem weiteren Auftrag, der Suche nach dem Red Sparrow, bis dieser schließlich ihn findet...

In Ich-Form schildert der Autor die Eigenheiten der ihm wohl nicht unähnlichen Hauptfigur, wobei die Analyse dieser im eigentlichen Fokus der Story steht und weniger die Fälle an sich. So hält sich besagter Schnüffler selbst für eine große Nummer mit tollem Spürsinn, kann sich gleichzeitig aber kaum im Spiegel betrachten. Zuhause fühlt er sich in seinem Büro, hinterm Schreibtisch, in dessen Laden eine Knarre und eine Flasche Wodka stets griffbereit liegen...

Gewiss lassen sich einige autobiographische Querverbindungen in vorliegendem Roman finden. Der US-amerikanische Ausnahmepoet lässt wie gewohnt sein lässiges, rotziges Vokabular sprechen und sorgt stellenweise für richtig große literarische Momente, wie etwa in aberwitzigen Dialogen oder Alltagsbeobachtungen, die die Hauptfigur des Romans (wie schon gesagt in Ich-Form) schildert. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei folgende Stelle: "Ich trank aus und ging. Auf der Straße war es erträglicher. Ich latschte vor mich hin. Etwas musste nachgeben, und das würde nicht ich sein. Ich zählte die Vollidioten, die mir begegneten. Nach zweieinhalb Minuten war ich bei fünfzig und verzog mich in die nächste Kneipe."
Wenn man einem Außenstehenden in nur wenigen Sätzen Bukowski näherbringen wollte, dann wäre dies wohl die perfekte Stelle bzw. der perfekte Auszug dafür...

Einen Stern Abzug gibt's von meiner Seite aber trotzdem, weil ich "Ausgeträumt" - so kurzweilig und unterhaltsam es (auf rund 180 Seiten) insgesamt auch war - nicht für Bukowskis bedeutendsten Roman halte. (Vor allem das etwas gar skurril-ausufernde Ende ist in meinen Augen ein wenig unausgegoren und hinterlässt - wenigstens in Spuren - einen etwas schalen Nachgeschmack.) "Der Mann mit der Ledertasche" wird diesbezüglich (also in Sachen Bukowski-Roman) wohl für immer mein Favorit bleiben. Ich persönlich bin ja generell eher ein Fan seiner Gedichte und Kurzgeschichten, die in Kombination mit den pointierten Wörtern des Dirty Old Man, oft nahezu perfekte Momentaufnahmen sehr zeitloser Natur darstellen. (Anm.: Eigentlich gibt's keinen Bukowski-Gedichtband, den ich nicht weiterempfehlen würde. Besonders "Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang" oder "Kamikaze-Träume" fallen mir da jetzt ein. Da gibt's aber so viel an wirklich gutem & nachhaltigem Material... -- also: unbedingt selber nachrecherchieren!)

Fazit:
In Summe ist "Ausgeträumt" mit Sicherheit ein lesenswerter und unterhaltsamer Roman, der in typischer Bukowski-Manier eine Geschichte vom Scheitern und Versagen erzählt - und das inmitten der Weltmetropole L.A., wo Dekadenz und bittere Armut ja bekanntlich fast Tür an Tür leben. Dass einem Bukowskis Art und Weise des Erzählens und Hantieren mit Sprache in gewisser Hinsicht liegen muss, ist inzwischen wohl ein offenes Geheimnis. Als Sympathisant dürfte man von vorliegendem Schmöker aber nicht enttäuscht sein, wie ich meine!

Abschließend noch eine persönliche Bemerkung:
Wenn Bukowski alias Nick Belane in einem Dialog (Telefonat) mit Lady Death sagt, dass er da inzwischen voll durchblicke [sinngemäß übernommenes Zitat] (was den von ihr in Auftrag gegebenen (eigentlich unlösbaren) Fall angeht), dann schwingt da für mich unverkennbar auch ein Stück weit Abschiedsstimmung mit. Ich stelle mir jedenfalls gerne vor, wie der über 70jährige Charles Bukowski diesen Dialog schelmisch grinsend zu Papier gebracht hat. Sein ureigener Humor und seine nicht uncharmante schriftstellerische Unbekümmertheit (wenn ich das jetzt so nennen darf) sind dem guten Mann bis zum Schluss erhalten geblieben!
Danke dafür, lieber Mr. Bukowski und danke für die unzähligen großartigen Storys und Gedichte, die Sie uns hinterlassen haben!

Mein Urteil (für vorliegenden Roman): ++++


1984
1984
von George Orwell
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine zeitlose, spannende & atmosphärische Pflichtlektüre!, 6. März 2016
Rezension bezieht sich auf: 1984 (Taschenbuch)
George Orwells Roman "1984" aus dem Jahr 1948 ist eine beklemmende, negative Zukunftsutopie über die Unterdrückung und Zerstörung des Menschen durch eine perfekte bzw. perfekt organisierte Staatsmaschinerie.
Die Welt ist unter 3 Supermächten - allesamt totalitäre Systeme - aufgeteilt. Ständig liegt die Angst eines bevorstehenden Krieges in der Luft, die von der Innenpolitik zusätzlich geschürt wird, um absolute Kontrolle über ihre Bürger auszuüben, die bis zur Manipulierung von Gedanken reicht.
In Ozeanien, einer der 3 Großmächte, herrscht ein System vor, das auf einer Ideologie der Geschichtsverfälschung beruht, d.h., dass die Vergangenheit so umgeschrieben wird, wie es gerade der gegenwärtigen Parteilinie entspricht (eben noch geltende Bündnisse und außenpolitische Konstellationen werden so schamlos über Bord geworfen, während man der Bevölkerung - einer Gehirnwäsche ähnlich - neu erfundene Fakten als schon lange bestehende Gegebenheiten auftischt). (Anm.: Der Autor arbeitet hier gekonnt Macht und Einfluss der Medien heraus und fordert den Leser indirekt auf, sich stets ein eigenes kritisches Bild über außenpolitische Gegebenheiten zu machen. In heutigen Tagen, wo wir von so viel mehr Medien als anno dazumal "heimgesucht" werden, ist dieser Aspekt wohl aktueller denn je!)
Auch die Sprache ("Neusprech") wird staatskonform gestaltet und verbotene Wörter, wie etwa "Freiheit", werden durch Umschreibungen ersetzt oder gar gestrichen.

Die Figur des Winston Smith, der im sogenannten "Ministerium für Wahrheit" arbeitet, steht im Mittelpunkt des Romans, die als exemplarisches Beispiel für die Darstellung der Nöte und Alltagssorgen des kleinen Mannes in der totalüberwachten Diktatur dient (obwohl er aufgrund seiner Postens vermutlich etwas mehr Einblick in die Willkür des Staates hat, als viele andere Bürger.)
Im Laufe der Geschichte lernt besagter Mann die Romanschreibmaschinentechnikerin Julia kennen, mit der er eine Liebesaffäre beginnt. Die selbstbewusste, "andersdenkende" Frau verstärkt Winstons lange unterdrückten Groll gegen das menschenverachtende System und wird für ihn zum Akt des Widerstands.
Trotz steter Überwachung durch die Gedankenpolizei können sich die beiden heimlich in einem Zimmer eines Londoner Arbeiterviertels (das überwiegend von sogenannten "Prols" bewohnt wird) treffen. Dort lernen sie auch den Widerstandskämpfer O'Brien kennen, der ihnen ein verbotenes Buch gibt.
Im Glauben durch ihre Liebe wenigstens so etwas wie innere Freiheit gewonnen zu haben und durch die Lektüre des "geheimen Buches" das (Un-)Wesen ihrer Gesellschaft verstanden zu haben, fühlen sich die Liebenden - zumindest im Kleinen - als Sieger gegenüber des Systems.
Der allgegenwärtige staatliche Überwachungsapparat ("BIG BROTHER IS WATCHING YOU!") arbeitet jedoch unaufhörlich und subtil und gewinnt so auch Macht über Winston...

Fazit: Orwells letzter Roman und zeitloser Abgesang auf Politik, Medien und Gesellschaft könnte ebenso gut den Titel "2030" tragen. Tatsächlich ist es dem Briten eindrucksvoll gelungen, die Machtlosigkeit des Einzelnen innerhalb eines unterdrückenden, perfekt organisierten Staatswesens darzustellen. Besonders die düsteren, grauen Detailbeschreibungen, die die Alltagswahrnehmungen im Umfeld der Hauptfigur widerspiegeln, sind einprägsam und schaffen eine beklemmende und authentische Atmosphäre des Unbehagens.
Nicht umsonst gilt "1984" als Klassiker neuerer Literaturgeschichte, der bis heute nichts von seiner Spannung und Eindringlichkeit verloren hat. Orwells unheilvolle Zukunftsvision diente zudem - wenigstens indirekt - als Vorlage für sämtliche Neuadaptionen in Buch- und Filmform (z.B. Terry Gilliams "Brazil"). Im Jahr 1984 wurde sogar der Originalroman verfilmt. (Das Buch ist aber freilich - wie so oft - besser!)
Die deutsche Übersetzung von Michael Walter halte ich für geglückt. Meines Erachtens sollte man "1984" unbedingt - wenigstens ein Mal - gelesen haben.

Eine Pflichtlektüre, 5 Sterne +++++

Prädikat: UNVERZICHTBAR

P.S. Orwells "Die Farm der Tiere" (engl. Originaltitel: "Animal Farm"), das sich mit den Tücken des real praktizierten Kommunismus auseinandersetzt, sollte man auch unbedingt gelesen haben!


Physical Graffiti - Deluxe CD Edition
Physical Graffiti - Deluxe CD Edition
Wird angeboten von Acfun Store
Preis: EUR 14,96

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die hohe Kunst des "Recycelns"!, 5. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Physical Graffiti", das anno 1975 als 6. Studioveröffentlichung von Led Zeppelin auf den Markt kam, ist ein Doppelalbum, das eigentlich ausschließlich mit älterem Material bestückt wurde. Genauer gesagt stammen die insgesamt 15 Tracks des Originalalbums (6 auf CD 1, 9 auf CD 2) aus dem Zeitraum 1970-1974. Erstaunlich dabei ist, wie homogen das Album dennoch klingt. Zwar würde ich hier nicht unbedingt von einem hochausgeklügelten Konzeptwerk sprechen, aber vom Fluss & Ablauf her funktionieren alle Titel hierauf wunderbar. Auch der Sound überzeugt auf ganzer Linie -- mit Klarheit, Dynamik und Power.
Im Allgemeinen gilt diese Veröffentlichung als letzte wirklich essenzielle Studio-Arbeit von Page, Plant, Jones & Bonham, wenngleich eingefleischte Fans das höchstwahrscheinlich nicht ganz so sehen werden...

Abgesehen davon, findet man auf "Physical Graffiti" wahrlich eine ganze Menge an Klassetracks. Eigentlich war ich fast überrascht, als ich feststellen musste, wie viele tolle Songs bis anno dazumal (also 1975) unveröffentlicht geblieben waren. Der bekannteste Titel dürfte wohl "Kashmir" sein, das atmosphärisch, soundästhetisch und gesanglich auch für mich zu den allerschönsten bzw. beeindruckendsten LZ-Stücken zählt. Auch der Titeltrack des großartigen Vorgängeralbums ("Houses Of The Holy") ist hierauf vorzufinden (der darauf ironischer Weise ausgespart blieb), der mit seinem Magenheber-Riff voll punkten kann. Eigentlich ist es Wahnsinn, dass der nicht schon auf der vorangegangenen Platte drauf war!
Weitere Highlights sind aus meiner Sicht vor allem noch der Opener "Custard Pie" (ein Grunge-Rocker höchster Güte mit typischem, groovendem Bonham-Rhythmus, der mich persönlich ein bisschen an Soundgarden erinnert), der unwiderstehliche Gitarren-Rocker "The Rover" (der für mich ein bisschen nach Urversion eines King-Of-Leon-Songs klingt und wundervolle Gitarrenklänge zu bieten hat) sowie das beschwingt-funkige "Trampled Under Foot". Eben aufgezählte Titel sind übrigens allesamt auf Tonträger 1 zu finden, der mir insgesamt offengestanden etwas besser gefällt, als der 2. Silberling (der aber freilich trotzdem gut bzw. hörenswert ist).

Auf Scheibe 2 finde ich das beschwingte "Boogie With Stu" (der gem. mit Tastenlegende Ian Stewart, der vor allem als 6. Rolling Stone Bekanntheit erlangte, aufgenommen wurde) am interessantesten, aber auch (das darauffolgende) "Black Country Woman" ist wirklich stark und beweist, dass die virtuosen Mannen von Led Zeppelin auch recht klassischen Country-Rock sehr souverän beherrschten.

Generell stellt "Physical Graffiti" in seiner Gesamtheit die beeindruckende Vielseitigkeit der Band (ein weiteres Mal) unter Beweis, ohne aber dabei allzu kunterbunt durchmischt oder chaotisch zu klingen - im Gegenteil. Ich finde, dass der (äußerst hochwertige) "Recyclingcharakter" den Scheiben einen unvergleichbaren Charme verleiht. Kennt man die Vorgängeralben (deren Songs hierin eben teils weiterverwertet wurden) "LZ 3", "LZ 4" und "Houses Of The Holy", dann wird man fast unweigerlich- wenigstens im Hinterkopf - zu überlegen beginnen, wie sich die Physical-Graffiti-Songs teils auf den eben besagten Platten (im Zuge derer Aufnahmesessions sie ja teilweise auch entstanden sind) gemacht hätten, was durchaus spannend sein kann. Wie schon gesagt ist es teilweise - zumindest aus heutiger Sicht - nicht nachvollziehbar, wie Tracks wie z.B. eben "Houses Of The Holy" einst ausgespart bleiben konnten...

Jedenfalls halte auch ich "Physical Graffiti" für ein ganz großes Album, das auch nicht so eingefleischte LZ-Hörer besitzen sollten. Gemeinsam mit "LZ 1", "LZ 2", "LZ 3" und "Houses Of The Holy" ist es meines Erachtens die essenziellste Studioveröffentlichung der britischen Kultband. (Anm.: Das oft so sehr gelobte "LZ 4" ist natürlich auch gut, meiner Meinung nach zugleich aber auch etwas überbewertet - aber nichts für ungut, liebe Fans!)
Ich habe ehrlich gesagt erst verhältnismäßig spät ernsthaft hier hinein gehört und muss sagen, dass ich sehr froh darüber bin, das gemacht zu haben. Auf den frühe(re)n LZ-Alben gibt es immer etwas zu entdecken! Ich persönlich besitze die ersten 6. Studioausgaben sowie das Live-Doppelalbum "Celebration Day", das ich an dieser Stelle ebenfalls herzlich weiterempfehlen möchte! (Die vielgelobte Live-Ausgabe "How The West Was Won" wird sich in absehbarer Zeit wohl auch noch hinzugesellen.)

Fazit: Dass ein Sammelsurium aus (vielseits) vorab aufgenommener Songs derartig einschlagen und begeistern kann, ist wirklich verblüffend und lässt sich nur damit erklären, dass Led Zeppelin sich den Luxus leisten konnten, fantastische Tracks auf den ursprünglich dafür vorhergesehenen Alben einfach wegzulassen, weil diese ohnehin schon mit hochkarätigem Material bestückt waren. Dass "Physical Graffiti" jedoch eine Mischung verschiedener Sessions aus dem Zeitraum 1970-1974 ist, hört man den Scheiben - wie ich finde - nicht wirklich an. Die Titel wurden toll gemischt und aneinandergereiht, wobei ich ja vor allem die 1. Platte liebe (die sich alleine wohl schon 6 Sterne verdient hätte).
Obwohl mich vermutlich viele eingesessene Anhänger dafür hassen werden, muss auch ich sagen, dass ich die drei nachfolgenden LZ-Alben ("Presence", "Through The Out Door" & "Coda") - trotz mehrfachem Hineinhörens - bis heute (noch) nicht in meine CD-Sammlung integriert habe, d.h., dass ich die Meinung derer durchwegs teile, die sagen, dass vorliegendes Doppelalbum die letzte richtig große Studioveröffentlichung der Band sei...

Ich denke, dass "Physical Graffiti" völlig zurecht unter den besten 100 Alben aller Zeiten (500er-Liste vom RS-Magazine) weilt, wobei man über genaue Rangfolgedetails freilich vortrefflich diskutieren könnte (es sind ja gleich 6 LZ-Alben in diesen Heiligen Gral neuerer Musikgeschichte gewählt worden).
Aus meiner Sicht handelt es sich hier um ein Musthave, das auch allgemein interessierte (Rock-)Musiksammler besitzen sollten. Ein Kauf lohnt sich in jedem Fall -- also, ganz in diesem Sinne: zugreifen & daran erfreuen!

Meine Bewertung: +++++

P.S. Die aktuellen Deluxe-Ausgaben mit den Bonus-Discs sind in meinen Augen bzw. Ohren recht nett, aber meines Erachtens nicht unbedingt notwendig. Ich hätte es sehr begrüßt, wenn man die neuen Remasters auch in schlichter Original-Album-Fassung (vielleicht dafür etwas preiswerter) angeboten hätte. Naja...

Interessantes Detail am Rande noch: Laut Wikipedia-Recherche meinerseits ist "Physical Graffiti" mit über 17 Mio. verkauften Exemplaren das am zweitmeisten abgesetzte LZ-Werk überhaupt (und dabei war das eine teure Doppel-LP!). An der Spitze liegt - weit vorne - übrigens "LZ 4" mit unglaublichen 37 Mio. (!) verkauften Platten.

---- Anspieltipps ----

- CD 1 -
> Custard Pie
> The Rover
> Houses Of The Holy
> Trampled Under Foot
> Kashmir

- CD 2 -
> Boogie With Stu
> Black Country Woman

Viel Freude damit :)


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