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Rezensionen verfasst von
B_Jones

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Renate Hoffmann
Renate Hoffmann
Preis: EUR 4,99

5.0 von 5 Sternen Eine tiefgründige und sehr einfühlsame Geschichte mitten aus dem Leben, 17. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Renate Hoffmann (Kindle Edition)
Schon eine Weile ruhte "Renate Hoffmann" auf meinem Reader und wartete darauf, gelesen zu werden. Da ich im Laufe der Zeit einige wirklich sehr gute Besprechungen zu dem Roman gelesen hatte, beschloss ich, mich endlich dieser Geschichte zu widmen - und ich habe es zu keinem Moment bereut!
Zu Beginn war ich etwas zögerlich aufgrund des speziellen Erzählstils der Autorin, doch das legte sich recht schnell und die besondere Atmosphäre des Romans nahm mich gefangen. Ich lernte Renate Hoffmann, eine Münchnerin Mitte Dreißig, kennen, die mir fortan meistenteils nur als "Frau Hoffmann" begegnete. Kein Renate, keine sonstigen Freundlichkeiten, nein: schlicht und ganz emotionslos Frau Hoffmann. So prägte sie sich mir auch zuerst ein. Eine stille, zurückgezogene graue Maus, die um keinen Preis der Welt auffallen mag. Sie lässt keine unnötigen Gefühle zu, legt keinen Wert auf ihr Äußeres oder Annehmlichkeiten in ihrem Leben. Sauber muss es sein, praktisch und es darf um Himmels Willen nicht ihren geordneten Alltag durcheinanderbringen. So ist sie, die Frau Hofmann. Monotonie pur.
Aber so kalt, wie sie sich gibt, ist es tief in ihrem Inneren doch nicht. Denn sonst würde sie sich nicht auf dem Balkongelände wiederfinden - bereit, dem allem ein Ende zu setzen.

»Denn auch wenn man es nicht sehen konnte, weil sie atmete und sich bewegte, so war Renate an diesem eisigen Novembertag gestorben und Frau Hoffmann wurde geboren. Sie würde leben, jedoch ohne lebendig zu sein.«

Doch beenden kann sie ihr Vorhaben nicht. Ist es Schicksal? Ist es ihr nicht bestimmt, aus diesem tristen Leben zu entfliehen?
Einmal die "Gedankenmaschine" im Kopf in Gang gesetzt, lässt sich diese nun nicht mehr stoppen. Sie lässt, inspiriert durch das Beobachten der Nachbarn, den Gedanken freien Lauf. Vielleicht zum ersten Mal seit über sieben Jahren. Seit jenem tragischen Ereignis, dass sie zu dem Menschen machte, der sie heute ist. Das Ereignis, dass Renate in ein tiefes Loch riss, aus dem Frau Hoffmann schließlich herauskletterte.
Doch der Schutzwall bröckelt. Ihr akribisch kontrollierter Selbstschutz scheint sich aufzulösen. Ihre eigenen Gedanken verändern Frau Hoffmann, Schritt für Schritt...

Anne Freytag ist es wunderbar gelungen, Renate Hoffmanns innere Zerrissenheit darzustellen. Die Rückblicke in die Vergangenheit offenbaren Schritt für Schritt, was aus dem einst lebhaften jungen Mädchen eine so emotionsloses Mauerblümchen machte.
Die Geschichte wirkt dabei zu keiner Zeit überzogen oder gekünstelt. Ganz im Gegenteil: sie ist so nah am Leben, so authentisch. Wenn man sich während des Lesens einmal bewusst in seinem Umfeld (zum Beispiel bei der nächsten Zugfahrt) umschaut, dann wird man feststellen, dass "Frau Hoffmann" in so einigen stecken könnte (und es wohl auch leider des Öfteren tut).
Obwohl die Geschichte tief berührt und nachdenklich stimmt, belastet sie aber keineswegs. Auch hier muss ich der Autorin ein ganz großes Lob aussprechen für den sehr feinfühligen Humor - eingesetzt an genau den richtigen Stellen und der tiefgründigen Thematik angemessen.
Ich ließ mich auf die Geschehnisse ein und wurde Renate eine treue Begleiterin. Es fiel mir regelrecht schwer, das Buch aus der Hand zu legen, da ich mit ihr mitlitt, mitfieberte, trauerte und lachte.

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Nachdem ich das Buch beendet hatte, ärgerte ich mich - und zwar über mich selbst! Da ruhte diese Buchperle so lange auf dem Reader und ich habe sie nun erst für mich entdeckt.
Anne Freytag konnte mich voll und ganz überzeugen und ich habe die Seiten des Romans geradezu inhaliert. Eine tiefgründige und sehr einfühlsame Geschichte mitten aus dem Leben, die ich nur jedem dringend als Herz legen kann. Liebe Anne Freytag, bitte mehr davon!

Eine Lebensweisheit, die ganz wunderbar zu diesem Roman passt und an die ich während des Lesens sehr oft denken musste. Deshalb möchte ich Sie gerne noch anbringen:

»Lebe in der Vergangenheit, wenn du traurig sein willst. Lebe in der Zukunft, wenn du ängstlich sein willst. Und wenn du glücklich sein willst, dann genieße den Moment.«

© Rezension: 2014, Alexandra
buecherkaffee.de


Ein Ort wie dieser
Ein Ort wie dieser
von Marie-Aude Murail
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbar herzergreifend umgesetzt mit einer französisch-leichten Note, 26. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Ein Ort wie dieser (Gebundene Ausgabe)
"Wenn Montag der Mond scheint, donnert`s dann am ... Freitag?" (Kapitel 4)

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:
Endlich ist Cécile Lehrerin! Mit zitternden Knien steht sie nun 18 Erstklässlern gegenüber. Sie muss ihnen einfach nur lesen beibringen.
Einfach? Nicht für die schüchterne Cécile. Die Kinder sind wild, die Eltern fordernd, der kleinen Schule droht die Schließung … und dann verliebt sich Cécile auch noch Hals über Kopf. Da sind mittelschwere Katastrophen vorprogrammiert! Um der Schule, den Kindern und sich selbst zu helfen, muss Cécile ihre Angst besiegen. Und damit beginnt sie genau jetzt!

Meine Gedanken zu dem Buch:

Die französische Autorin Marie-Aude Murail, die unter anderem für ihren Jugendroman "Simpel" den deutschen Jugendliteraturpreis erhielt, beschäftigt sich mit zeitgenössischer Jugendliteratur und hat nun mit "Ein Ort wie dieser" ihr neuestes Werk vorgelegt. Ich muss gestehen, dass ich erst durch dieses Buch auf die Autorin aufmerksam wurde und ich freue mich wirklich sehr, sie für mich entdeckt zu haben. Schon nach den ersten Seiten dieses Romans war ich ihrem wunderschönen französischen Erzählstil verfallen und konnte das Buch kaum beiseite legen. Es fühlte sich so authentisch, so greifbar an. Murails Charaktere haben Ecken und Kanten, erscheinen nicht perfekt oder haben überzogene Fähigkeiten. Nein, sie sind einfach Menschen wie du und ich, wie man sie überall antrifft. Menschen, die ihre kleinen und größeren Sorgen und Lastern zu bekämpfen haben, die sich ihren Ängsten im Alltag stellen müssen, die sich auf vielfältige Weise darstellen kann. So wie zum Beispiel Cécile ihre Angst vor ihrem neuen Beruf überwinden muss. Schüchtern und zurückhaltend wie sie ist, soll sie nun autoritär als Klassenlehrerin von achtzehn Erstklässlern auftreten. Was sich in der Theorie so einfach anhört, ist in der Praxis doch mit großen Überwindungen verbunden. So ist das im Leben - man muss sich immer wieder den Herausforderungen stellen. Denn gerade an diesen wächst man auch. Mutig sein, sich einfach trauen und seinen Weg verfolgen - auch wenn dieser nicht immer leicht ist. Wenn man es wagt, wird man merken, dass es gar nicht so schwierig ist, sich seinen Ängsten zu stellen...
Ein wunderbares, herzerwärmendes Werk der Autorin Marie-Aude Murail, die es verstanden hat, ihren jungen (und natürlich auch erwachsenen) Lesern Werte wie Solidarität, Freundschaft und Zusammenhalt gekonnt zu vermitteln. Gleichzeitig macht sie aufmerksam auf unser Konsumverhalten, sie stellt den Kapitalismus an den Pranger und - was besonders wichtig ist - appelliert beispielhaft gegen den Rassismus.
Die Familie Baoulé mit seinen vielen, vielen liebenswert-chaotischen Kindern mit den ausgefallenen klingenden Namen wie Donatienne, Prudence oder Toussaint hatte ich schon gleich zu Beginn vollkommen ins Herz geschlossen und ich muss der Autorin ein ganz großes Lob aussprechen, wie gelungen und berührend sie dieses Thema angegangen ist. Rassismus ist immer noch sehr in den Köpfen verankert und es ist so wichtig, aufzuzeigen, wie es auch anders sein könnte. Gegenseitiger Respekt und Achtung, Wärme, Freundschaft und Liebe machen das Leben lebenswert - für jeden Menschen dieser Erde!
Und Hilfsbereitschaft beginnt schon in den kleinen Taten ganz groß zu wirken...

"Viel zu viele Kinder leiden noch viel Not
Haben eine Kindheit ohne Spiel` und Brot
Sag, wie könnt ich sie befreien
Ihnen nehmen ihre Schmerzen?
Einfach ist der Weg: Folge nur deinem Herzen!"
Seite 204 / 282

Kurz & gut - mein persönliches Fazit

Wunderbar herzergreifend umgesetzt mit einer französisch-leichten Note, regt dieses Werk ungemein zum Nachdenken an und beschäftigt nachhaltig. Ich bin begeistert - eine ganz klare Leseempfehlung! ... und dies nicht nur für die jugendliche Zielgruppe, nein: dieses Werk schafft es, das Herz von Jung und Alt zu erwärmen.

© Rezension: 2014, Alexandra
Buecherkaffee.blogspot.de


Die unglaubliche Geschichte von Wenzel, dem Räuber Kawinski, Strupp und dem Suseldrusel
Die unglaubliche Geschichte von Wenzel, dem Räuber Kawinski, Strupp und dem Suseldrusel
von Nikola Huppertz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderbares und abenteuerreiches Kinderbuch voller Atmospäre, 20. Februar 2014
Es begann damit, dass Wenzels Mama unbedingt ein siebenteiliges Schirm-Set gewinnen wollte, von Rot bis Violett, in allen Farben des Regenbogens... [Zitat Seite 7]

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:
Wenzel ist ziemlich sauer: Seine Mutter hat bei einem Preisausschreiben den Hauptpreis gewonnen, eine Reise auf die Malediven – für zwei Personen. Und als seine Eltern beschließen, die Reise gemeinsam anzutreten, wird Wenzel einfach abgeschoben, und das zu allem Übel auch noch zu seinem Onkel Nikolai: einem Schriftsteller! Dort muss Büchermuffel Wenzel bestimmt den ganzen Tag lesen, statt draußen rumzutoben und Abenteuer zu erleben ...
Dass Wenzels Aufenthalt bei Onkel Nikolai spannender wird als erwartet, dafür sorgen unter anderem der sprechende Hund Strupp, Räuber Kawinski, eine Fußball spielende Prinzessin und besonders das Nachbarsmädchen Ricarda! Denn in Nikolais Haus befindet sich eine Ideenkammer, in die sich der Schriftsteller zum Schreiben seines neuen Buchs zurückzieht – und durch die ganz plötzlich die Figuren aus dem Buch in die Wirklichkeit übertreten!

Meine Gedanken zu dem Buch:
Nikola Huppertz ist mit "Die unglaubliche Geschichte von Wenzel, dem Räuber Kawinski, Strupp und dem Suseldrusel" ein unglaublich fantasiereiches und kindgerechtes Werk gelungen, dass durch seinen besonderen Erzählstil begeistert.
Jungen Abenteurern fällt es sicher sehr leicht, sich mit dem kleinen naseweisen und doch sehr liebenswerten Wenzel zu identifizieren, denn die Autorin hat ihm einen sehr altersgerechten und authentischen Charakter zugedacht. Quirlig, aufgedreht und unternehmungslustig kommt er daher, kann keine fünf Minuten still sitzen und möchte ständig etwas erleben - wenn möglich etwas Aufregendes! Das ist es schon eine gewaltige Strafe, dass er zu seinem bücherschreibenden Onkel soll, während seine Eltern auf die Malediven reisen. Bücher! Laaaaaangweilig, denkt sich Wenzel.
Doch was ihn bei seinem Onkel Nikolai tatsächlich erwartet, damit hätte er zu seinen fantasiereichsten Zeiten nicht gerechnet. Und Fantasie hat er, der Wenzel.
So erfindet Wenzel auch gerne neue Wörter wie "überlebenszelten" oder "geschwitzfoltert" und spricht kleinen Leseratten damit sicher gut an. Sie verwendet für Wenzels Part eine Art Kindersprache, was dem Ganzen noch zusätzlich Authentizität verleiht.
Bücher haben einen großen Stellenwert und Kindern wird vermittelt, wieviel Fantasie zwischen den Seiten eines Buches stecken kann. Realität und Fantasie vermischen sich gekonnt und Figuren aus der Feder des Autors Nikolai erwachen zum Leben. Die Ideenkammer ist das Tor für die Figuren in die reale Welt und Wenzel kann sie sehen! Er kann sogar eingreifen in die Geschichten und sein Abenteuergeist ist natürlich umgehend geweckt!

Im Grunde hatte er es die ganze Zeit gewusst.
Wo ein Junge-der-gewissen-Sorte auftauchte, war nichts mehr sicher. Kein Schlüssel, keine Ideenkammer, keine Geschichte.
Seite 89

Die kleinen, aber feinen s/w-Illustrationen von Regina Kehn zu Beginn eines jeden Kapiteln unterstützen die Fantasie zusätzlich. Figuren wie der Räuber Kawinski und das quirlige, liebenswerte Suseldrusel bekommen ein Gesicht.
Die Autorin fördert nicht nur die Fantasie junger Leser, sie vermittelt mit ihrem Roman auch Werte wie Freundschaft, Familie, Zusammenhalt und Respekt.
Unterschiedliche Schriftarten und Wortspielereien machen auf das "nur-ein klitzekleines-bisschen-eigentümliche" Chaos aufmerksam, dass zusammen mit Wenzel in das kleine Autorenhaus eingezogen ist.
Temporeich geht es zu bei der Jagd auf Kawinski, dem elenden Finsterschurken. Ganz zu schweigen von dem Schlamassel mit der halsstarrigen P. Melinda zwo.
Da schwirren die Worte schon mal gerne unkontrolliert und scheinbar zusammenhanglos übers Papier und wollen auch eingefangen werden. Eine tolle Atmospähre!

Aber kaum hatte er das Haus betreten, hatte er gespürt, dass hier etwas Unerhörtes auf ihn wartete, etwas Abenteuerliches und durch und durch Außergewöhnliches.

Tockerditockerditockerdi...

Kurz & gut - mein persönliches Fazit
Ein wunderbares und abenteuerreiches Kinderbuch voller Atmospäre, dass definitiv auch Erwachsenenherzen höher schlagen lässt. Das Buch bekommt durch seine liebenswert-chaotischen Figuren Leben eingehaucht und öffnet ein Tor in die Welt der Kinder-Fantasie. Eine wahre Lesefreude und ein Buch, dass man definitiv mit einem Lächeln auf dem Gesicht zuschlägt. Eine tolle Geschenkidee für abenteuerliebende Leseratten!

"So will ich heut wuseln
und laut suseldruseln
mit grüßenden Händen
den Anfang vollenden" Seite 231

© Rezension: 2014, Alexandra
buecherkaffee.blogspot.de


Zeitsplitter - Die Jägerin: Roman
Zeitsplitter - Die Jägerin: Roman
von Cristin Terrill
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein gut geplotteter Zeitreiseroman mit viel Gefühl!, 20. Februar 2014
Du kannst die Zukunft retten! Wenn du tötest, was du am meisten liebst ...

Meine Gedanken zu dem Buch:
Mit Zeitsplitter - die Jägerin legt die Autorin Cristin Terrill einen Debütroman vor, der der es in sich hat. Der Zeitreise-Roman war noch nicht veröffentlicht, da wurden die Filmrechte schon verkauft dafür. Wenn das mal kein gelungener Start ist. Ich lese immer wieder gerne Zeitreiseromane im YA-Bereich und ich war dementsprechend gespannt, was mich hier erwarten würde. Schon allein der Text auf der Rückseite des Buches, der aus zwei Sichten geschrieben ist, machte mich sehr neugierig.
Die Covergestaltung selbst sprach mich persönlich dagegen leider überhaupt nicht an. Hier muss ich anmerken, dass ich das amerikanische Originalcover um einiges interessanter und auch passender zum Inhalt finde. Dieses Cover erscheint mir persönlich viel zu lieblich und zu weich.Aber ich könnte mir vorstellen, dass es die Alters-Zielgruppe ganz gut anspricht.
Aber wie gesagt, die Inhaltsangabe überzeugte mich und schon nach ein paar gelesenen Seiten war ich mitten im Geschehen. Ich bin quasi durch die Zeit gereist und flog zwischen Em und Finn in der Zukunft und zwischen James und Marina in der Vergangenheit hin und her, versuchte Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen, was da gerade passierte - und vor allem wie und weshalb. Man kann getrost sagen: mich hatte das Lesefieber gepackt!
Cristin Terrills Schreibstil ist sehr ansprechend und angenehm zu lesen. Erzählt wird die Geschichte in der ich-Perspektive - mal aus Ems Sicht, dann wieder aus Marinas Sicht. So gewann ich als Leser direkten Einblick in die Gedanken und Emotionen der zwei Mädchen, die doch so sehr Eins sind...
Zwar ist dadurch auch das Sichtfeld auf die weiteren Charaktere - vor allem James und Finn - eingeschränkter, aber dennoch empfinde ich diese Wahl der Perspektive als sehr gelungen. Ich erlebte eine Entwicklung der Charaktere mit und wurde Zeuge davon, wie Geschehnisse und Entwicklungen der Zeit sich auf die einzelnen Personen auswirken, sie verändern. Heute ist die große Sorge zum Beispiel noch das Aussehen auf der Party oder was die Freundinnen von einem denken, etwas später ist das nackte Überleben das einzige was zählt. Die Gedanken verändern sich, die Sichtweise auf die Dinge verändert sich. Man sieht, geprägt durch die äußeren Umstände, sein jüngeres Ich und auch seine Freunde aus einem anderen Blickwinkel. Die Autorin hat es auch nicht versäumt, typische Verhaltensklischees, vor allem im Arm-Reich-Konflikt, aufzugreifen und darauf aufmerksam zu machen. Dies erscheint nicht belehrend, aber es regt doch zum Nachdenken an.
Die Zeitreise-Aspekte sind gut dargestellt und erklärt, so habe ich es zumindest empfunden. Ich bin aber auch keine Physikerin und enthalte mich lieber, was die Korrektheit der Angaben betreffen könnte ;-)

"Ich werde herausfinden, wie die Zeit funktioniert, und dann bringe ich alles in Ordnung."
"Alles?"
"Alles. Ich verändere die Welt." [Zitat Seite 328]

Kurz & gut - mein persönliches Fazit
"Zeitsplitter - Die Jägerin" ist ein schön geplotteter Zeitreise-Roman, der es mir wirklich angetan hat. Er zeigt auf gekonnte Weise auf, was Entscheidungen von heute möglicherweise morgen schon bewirken können. Ein echter Pageturner, gespickt mit große Gefühlen, die doch nie zu kitschig wirken. Liebe und Opferbereitschaft sind ein großes Thema, ebenso wie der Sinn für wahre Freundschaft und Zusammenhalt.
Die Autorin schreibt zu diesem Zeitpunkt schon am zweiten Band - ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie es weitergehen wird.

© Rezension: 2014, Alexandra
buecherkaffee.blogspot.de


Phobia: Thriller
Phobia: Thriller
Preis: EUR 8,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sehr lesenswerter Thriller mit einer glaubhaften und interessanten Ausarbeitung der Thematik, 3. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Phobia: Thriller (Kindle Edition)
"Das Schicksal ist ein launischer Weichensteller. Es führt Menschen zusammen, nur um sie wieder zu trennen. Und wenn es ihm gefällt, begegnen sie sich wieder - auf Wegen, die man sich in seiner wildesten Fantasie nicht vorstellen kann." - aus Sarah Bridgewater's Tagebuch

Meine Gedanken zu dem Buch:

Schon ein Blick auf das Cover von Wulf Dorns neuestem Werk "Phobia" verrät einen spannenden Thriller und ich griff mit großen Erwartungen zu dem Buch - und diese wurden auch nicht enttäuscht. Der Autor befasst sich in "Phobia" mit dem Thema Angst und Persönlichkeitsstörung in Form von Identitätsdiebstahl. Eine interessante und doch auch beklemmende Thematik, die mir als Leser aber auf sehr gelungene und authentische Art vermittelt wurde, was unter anderem auch bestimmt daran liegt, dass Wulf Dorn lange Jahre beruflich in einer Psychiatrie tätig war.
Gleich zu Beginn wurde ich von Nervenkitzel gepackt, denn ich befand mich umgehend mitten im Geschehen und dieses ließ mir wahrlich die Nackenhaare hochstehen.
Sarah und ihr Sohn Harvey befinden sich alleine Zuhause, da ihr Mann Stephen auf Geschäftsreise ist. Harvey kämpft mit Alpträumen und Sarah versucht ihn zu beruhigen. Dies fällt ihr nicht sehr leicht, da sie selbst schon einige Zeit lang von unbestimmten Ängsten geplagt wird.

>> Eine Phobie, die ohne Gestalt und ohne Gesicht war, die jedoch eine Stimme hatte. Eine Stimme, die ihr zuflüsterte: Du wirst versagen.
Irgendwann wirst du versagen, und dann wird dein Kartenhaus zusammenbrechen. Es wird das Ende deiner Welt sein. Deine ganz persönliche Apokalypse. << [Zitat Seite 2]

Doch sie schafft es, dass Harvey wieder einschläft. Als sie ein Auto die Auffahrt hochfahren hört, ist sie erleichtert, denn dies kann nur ihr Mann sein, der früher zurück ist als erwartet. Sie beschließt aufzustehen, um ihn zu begrüßen. Doch der Mann, der in ihrer Küche steht, ist nicht ihr Mann! Allerdings verhält er sich wie er, trägt seine Kleidung und er hat ihr sogar Blumen mitgebracht. Sarah ist geschockt. Sie flüchtet nach oben ins Schlafzimmer zu ihrem Sohn und verbarrikadiert die Türe.
Wer ist dieser Mann? Und wo ist Stephen? Warum trägt er dessen Kleidung, fährt seinen Wagen und weiß Dinge, die nur Stephen wissen kann?
Sarah gelingt die Flucht aus dem Haus und Hilfe naht. Allerdings ist der Fremde plötzlich verschwunden und die Polizei will ihr nicht so recht glauben. Nichts spricht für eine Gewalttat, auch nicht ihrem Mann gegenüber, den die Polizei schlafend in einem Hotelzimmer vermutet. Was geht hier vor? Sarah ist verzweifelt. Von Ängsten geplagt wendet sie sich schließlich an ihren alten Studienfreund Marc, der sich gerade in London aufhält und bittet ihn um Hilfe. Gemeinsam versuchen sie, diesen mysteriösen Umständen auf den Grund zu gehen, doch der Unbekannte scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein...

"Um die richtigen Antworten zu erhalten, muss man die richtigen Fragen stellen, Sarah. Leider stellst du noch immer die falschen Fragen."
[Zitat Seite 17]

Wer schon Wulf Dorns erstes Werk "Trigger" gelesen hat, wird in dem ehemaligen Psychiater Mark Behrendt einen alten Bekannten wieder treffen. Die Bücher sind natürlich unabhängig voneinander zu lesen, und doch weiß der Autor geschickt seine Werke zu verknüpfen.
Die akribisch genau geplante Vorgehensweise des Unbekannten, der in die Identität von Sarahs Ehemann Stephen geschlüpft ist, ist massiv beängstigend und doch auch irgendwie faszinierend. Für den Thriller sorgt es genau für die richtige Portion Nervenkitzel. Was geht vor im Kopf dieses Mannes, was bewegt ihn zu solch einer Tat? Und wie geschickt er sich bei seiner Vorbereitung angestellt hat, wie genau er die Familie beobachtete und sich selbst scheinbar banal wirkende Kleinigkeiten einprägte. Die Vorbereitung bedurfte ein massives Eindringen in das Privatleben der Familie über lange Zeit - unbemerkt, wohlgemerkt! Oder zumindest nicht bewusst wahrgenommen. Was jedoch das Unterbewusstsein aufgenommen hat, ist da eine ganz andere Frage, wenn man an Sarahs Ängste und an Harveys Albträume denkt. Gruselfaktor pur!
Der weitere Verlauf der Geschehnisse zog mich in den Bann und ich war gefesselt davon. Leselangeweile kam zu keiner Zeit auf und aufgrund des leicht zu lesenden Schreibstils (einfache, unverschachtelte, nicht zu lange Sätze, kurze Kapitel) fiel es mir auch nicht schwer, trotz später Stunde weiterzulesen. Ich wollte einfach wissen, was dieser Unbekannte für Beweggründe hatte, wer er war und warum ausgerechnet Sarahs Familie in seinen Fokus geriet.
Etwas ratlos wurde ich persönlich jedoch mit dem Handlungsstrang rund um Marc zurückgelassen. Nachdem ich das Buch mit dem sehr offenen Ende zugeschlagen habe, dachte ich erst: "war es das jetzt echt? nein, oder?" Ich habe sogar das letzte Kapitel zweimal gelesen, da ich dachte, ich hätte aufgrund der späten Lesestunde etwas Wichtiges überlesen. Habe ich nicht. Hier ist in der Tat davon auszugehen, dass ein weiterer Band folgen wird. Mir erschien der Grund, warum Marc überhaupt nach London reiste, wie "reingeworfen" in die eigentliche Geschichte. Der Zusammenhang wurde mir nicht klar und hier bleibe ich immer noch ratlos zurück. Und wie ich im Nachhinein feststellen muss, geht es mir da nicht alleine so. Diente dies als Vorbereitung für einen Folgeband? War ich so gefesselt vom Sarahs Part der Geschichte, dass ich etwas Wesentliches nicht beachtet habe? Ich hoffe und warte immer noch auf Aufklärung.
EDIT: Zu meiner großen Freude durfte ich Wulf Dorn treffen und konnte ihm so meine Fragen zu Marc und dem Ende des Buches stellen. Ich möchte dazu nicht im Speziellen schreiben, denn ich müsste sonst gezwungenermaßen über das Ende spoilern. Aber es sei gesagt, dass ich mir nach dem Gespräch erneut Gedanken zum Gelesenen machte und ich für mich persönlich zufrieden bin. Das Ende bleibt dennoch offen, aber es soll dadurch aus zum Nachdenken anregen. Zum Nachdenken über unsere ureigensten Ängste und wie wir damit umgehen sollen / müssen. Das wir uns unseren Ängsten (egal welcher Art) stellen müssen und dass wir diesen nicht einfach davonlaufen können...

Mein persönliches Fazit

Was macht für mich persönlich einen guten Thriller aus? Er muss mich mit seiner Handlung und Thematik fesseln und begeistern und dabei glaubhaft bleiben. Ich möchte mich dabei auch etwas gruseln und wenn es mir die Nackenhaare hochstellt, dann hat das Buch gewonnen. Dabei bedarf es kein massives Blutvergießen oder irgendwelche Abartigkeiten wie Leichenverstümmelung etc, worauf viele Thrillerautoren leider momentan sehr gerne setzen. Ich habe Phobia Abends begonnen und bis in die Nacht hinein gelesen, weil ich ihn einfach nicht aus der Hand legen konnte. Und was soll ich sagen: Die Nackenhaare standen definitiv hoch! Ich habe tatsächlich auf Geräusche im Haus gelauscht, fühlte mich plötzlich auch beobachtet und habe mich gegruselt. Heißt: der Thriller konnte mich überzeugen!
Mein Fazit: Ein wahrlich sehr lesenswerter Thriller mit einer glaubhaften und interessanten Ausarbeitung der Thematik.Lieber Wulf Dorn, bitte mehr davon!

© Rezension: 2014, Alexandra
buecherkaffee.blogspot.de


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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Traum in Dunkelrot, 31. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tamaris 1-1-22408-21 Damen Pumps (Schuhe)
Die Schuhe passen perfekt in meiner normnalen Schuhgröße und sehen sehr elegant aus. Zur engen Jeans ein absoluter Traum, aber auch wunderbar zum Kleid/Rock zu tragen. Die Farbe entspricht sehr genau der Abbildung und die Verarbeitung finde ich im Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut. Hier erwartet einen ein Schuh in gewohnter Tamaris-Qualität mit gutem Fußbett.


Die Kälte in dir
Die Kälte in dir
Preis: EUR 8,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein gelungener Auftakt für eine neue Krimi-Reihe, 31. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Kälte in dir (Kindle Edition)
Er hat vergessen, wie es ist, ein Mensch zu sein. Seine Seele ist erfroren.

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:
In einer abgelegenen Villa in der Nähe von Stuttgart wird die bereits sehr stark verweste Leiche eines Mannes gefunden. Auffällig sind großflächige Wunden am Oberkörper. Der Fall wird Kommissarin Kristina Reitmeier zugeteilt. Ausgerechnet jetzt verliert die notorische Raserin für drei Monate ihren Führerschein. Daniel Wolf, angehender Polizeipsychologe und wegen eines Disziplinarverfahrens eigentlich vom Dienst beurlaubt, wird zum Chauffeur abgeordert. Keine leichte Situation für die beiden. Bald darauf werden weitere Leichen entdeckt, denen eines gemeinsam ist: Sie alle sind stark übergewichtig.

"Alle um mich herum schwitzen ... Ich bin meinen Führerschein los ... Ein Todesfall im Welzheimer Wald ...Der Sommer war noch jung, und sie konnte ihn schon jetzt nicht ausstehen." [Zitat Seite 15]

Meine Gedanken zu dem Buch:
" Die Kälte in Dir" von Autor Oliver Kern ist der erste Fall einer neuen Thriller-Reihe um Kommissarin Kristina Reitmeier, die zusammen mit dem angehenden Polizeipsychologen Daniel Wolf ein neues Ermittler-Duo Bilder.
Kristina ist eigenwillig, engagiert und sehr temperamentvoll. Sie arbeitet zwar bei der Polizeitruppe und sollte es besser wissen, aber dennoch hält sie sich nicht immer strickt an Regeln, sondern biegt sich diese zuweilen gerne mal zurecht. Vor allem den Verkehrspolizisten ist sie mit ihrer ständigen Raserei ein Dorn im Auge und bekommt doch tatsächlich prompt den Führerschein abgenommen! Frei nach dem Motto: Wer nicht hören will, muss fühlen.
Leider ist das Timing alles andere als gut, denn just zu diesem Zeitpunkt wird in einem Garten einer Villa eine Leiche entdeckt und Kristina wird der Fall zugeteilt. Da das Ermitteln ohne Auto jedoch beinahe unmöglich ist, wird ihr kurzerhand der junge Polizeipsychologe Daniel Wolf zur Seite gestellt - quasi als Chauffeur. Dieser ist zwar momentan vom Dienst beurlaubt, aber sein Chef möchte ihm so eine Chance geben, eine 'gute Tat' zu vollbringen.
Daniel hat aber auch seinen ganz eigenen Kopf und ganz wie seine neue Vorgesetzte Kristina sind Regeln für ihn quasi auch eher nur ein Leitfaden. Er erscheint bisweilen sogar eher naiv und unbedacht und stürzt sich immer wieder Hals über Kopf im Alleingang in brenzlige Situationen.Die beiden passen jedoch sehr gut zusammen und da kann schon mal der ein oder andere Funke überspringen...
Obwohl er ausdrücklich nur als Fahrer tätig sein soll, hilft er Kristina, so gut er kann (oder auch nicht kann) und zuletzt freut sie sich auch darüber, denn ihr Stand ist momentan nicht der leichteste. Immer mehr Leichen und kein Vorankommen in den Ermittlungen - das wirft ein schlechtes Licht auf sie und sie wird kurzerhand degradiert und bekommt einen neuen Vorgesetzten in diesem Fall. Das nagt schon sehr an ihr und sie beschließt, mal wieder ein paar Regeln 'zurechtzubiegen' ...
Ein weiterer szenenhafter Handlungsstrang gewährt auf sehr spannende und fesselnde Weise Einblick in die Welt des potentiellen Täters und man grübelt die ganze Zeit über das Weshalb und Warum nach. Was sind seine Motive, was treibt ihn zu solchen Taten an? Rache? Hass? Oder vielleicht doch etwas völlig anderes? Oliver Kern versteht es, diesbezüglich immer wieder für Überraschungen zu sorgen und so seine Leser zu fesseln. Ein

"Er hatte gelernt, das Tier an der Kette zu halten. Hatte gelernt, dass neben der Wut eine weitaus präzisere Waffe existierte: Hass. Davon besaß er ein ganz besonderes Exemplar. Rasiermesserscharf geschliffen von der Kälte in seinem Inneren. Gereift wie ein guter Wein." [Zitat Seite 124]

Der Autor bleibt mit seiner Story in Deutschland, was mir auch mal sehr gut gefallen hat. Handlungsort ist Stuttgart und Umgebung bis ins Remstal und ich finde, die Umgebungsbeschreibungen sind ihm sehr gut gelungen. Wenn einem als Leser diese Orte bekannt sind, erhöht das meines Erachtens noch etwas den Gruselfaktor und den Gänsehauteffekt :)
Sehr gelungen finde ich auch, dass er aktuelles und auch politisches Geschehen aus dem Raum Stuttgart mit hat einfließen lassen. Über die kleinen Spitzen habe ich mich sehr amüsiert. Der Schreibstil selbst ist einfach und leicht zu lesen und man findet schnell ins Geschehen. Der Spannungsaufbau erfolgt subtil, aber beständig und ehe man sich versieht, befindet man sich schon mit dem Duo zusammen inmitten der Spurensuche.

Kurz & gut - mein persönliches Fazit
Der erste Fall der temperamentvollen Kommissarin Kristina und ihrem recht eigenköpfigen Partner Daniel hat mir schon sehr gut gefallen und aufgrund des flüssigen Schreibstils habe ich diesen Thriller am Stück gelesen. Ich bin neugierig geworden und nun sehr gespannt, wie es mit den beiden 'Hitzköpfen' nun weitergehen wird und was für ein Fall uns im nächsten Band erwarten wird.

© Rezension: 2014, Alexandra
buecherkaffee.blogspot.de


Die Welt ist eine Muschel: Roman
Die Welt ist eine Muschel: Roman
von Alessandro D'Avenia
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein wundervoll poetisch angehauchtes und sehr teifgründiges Werk, 30. Januar 2014
Der Geruch des Meeres, ein Sprung ins Ungewisse und der Sommer deines Lebens

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:
Der Geruch des Meeres, die Gischt der Wellen, das gleißende Licht, das sich zwischen Horizont und Himmel sammelt und Margheritas klare grüne Augen tränen lässt: Ihren 14. Geburtstag verbringt sie mit ihrem Vater auf einem Segelboot. Es ist das Ende des Sommers und der Beginn einer neuen Zeit, denn bald fängt für Margherita das Jahr an der Oberschule an. Sie hat Angst, aber der Vater beruhigt sie – alles wird gutgehen. Doch nach diesem Sommer ist für Margherita nichts mehr so, wie es einmal war. Der Vater verlässt die Familie ohne Erklärung und lässt seine Tochter mit dem unaussprechlichen Gefühl der Trauer zurück, das sie in sich einschließt wie die Perle in einer Muschel. Doch sie erfährt auch, wie es ist, wenn einen die Liebe wie ein Blitz trifft. Und sie lernt, dass man manchmal handeln muss, um das Glück festzuhalten …

Meine Gedanken zu dem Buch:

"Für Alte und Kinder dienen Worte nicht der Erklärung, Rechtfertigung, Beurteilung; sie sind wie Knoten in einem Faden, die ihnen versichern, dass die Welt noch in Ordnung ist.
Cu' nun fa lu gruppu a la gugliata, perdi lu cuntu cchiù di na vota, pflegte die Großmutter zu sagen [...]:
Wer keine Knoten macht, verliert den Faden. Auch im Leben." - Seite 19

Nach seinem Erfolgsroman "Weiß wie Milch, rot wie Blut" legt Alessandro D'Avenia nun mit "Die Welt ist eine Muschel" ein Werk nach, das Seinesgleichen sucht.
Ich muss zugeben, dass ich zuerst etwas gehemmt war aufgrund des Covers. Die Gestaltung ist wunderschön, keine Frage, aber auf den ersten Blick würde ich hierzu eine Art leichten, gefühlvollen Liebesroman erwarten. Doch als ich einen Blick auf den Klappentext geworfen hatte, wusste ich, zwischen diesen Seiten steckt mehr. Und so ist es auch! Schon nach den ersten Seite merkte ich, dass ich eine wahre Perle in den Händen halte. Unglaublich einfühlsam und mit einer gewaltigen poetischen Sprache widmet sich der Autor seinen drei Hauptprotagonisten. Er haucht ihnen auf so liebevolle und eindringliche Weise Leben ein, was in mir eine wahre Lesefreude hervorrief.
Für die vierzehnjährigen Margherita, die wie jedes Mädchen in ihrem Alter mit den typischen Problemen und Sorgen zu kämpfen hat, ist ihr Vater ihr ganz persönlicher Held. Ihm vertraut sie und sie weiß, dass sie sich auf ihn verlassen kann. Er ist ihr Fels in der Brandung. Doch plötzlich ist er nicht mehr da. Er verlässt die Familie heimlich. Ohne sich zu verabschieden, ohne Erklärung. Für Margherita bricht eine Welt zusammen. Sie fühlt sich ohnmächtig, fühlt sich, als ob ihr die Haut abgezogen würde und fast augenblicklich verschließt sich sich, verschließt ihr Innerstes, lässt nichts und niemanden an sich heran. Sie, die Perle ...
Sie gibt ihrer Mutter die Schuld und redet nicht mit ihr. Nur ihrer Nonna vertraut sie noch und mit ihr sucht sie gerne das Gespräch. Denn ihre Lebenserfahrung, ihre Weisheiten, ihre beständigen Kochrituale in der Küche beruhigen sie etwas. Sie hört ihr zu, lauscht ihren Geschichten von Sizilien und von ihrem Großvater und in ihr tobt der sehnlichste Wunsch, ihren Vater zu finden.

"Sie lachten, lachten und lachten auf die einfache Weise, die das Leben bereithält, wenn es aufhört, sich allzu ernst zu nehmen." - Seite 75

Die Literatur spielt im allgemeinen eine große Rolle, denn diese wird im wahrsten Sinne des Wortes von Margheritas Lehrer gelebt. Er geht auf in seiner Welt der Bücher, er zieht aus ihnen seine Lebensenergie. Er findet Rat und Weisheit zwischen den Zeilen, er denkt in Zitaten und die Buchstaben scheinen ihn wie einen Kokon zu umgeben. Seine Leidenschaft ist seine Passion. Doch wann wird die Passion zum Zwang? Wenn man die Bücher nicht mehr nur zur Beflügelung des Geistes verwendet, sonder diese eher als Schutzschild dienen? Als Schutzschild vor der Realität, davor, sich Entscheidungen im Leben zu stellen, dem Leben selbst zu stellen? Der Lehrer scheint sich zu verlieren und ich als Leser hätte ihn zu gerne des Öfteren wachgerüttelt. Ich war gespannt, wer diese Aufgabe übernehmen würde und in welcher Form.

"Er glaubte an Bücher wie an eine Religion und entdeckte mehr Wirklichkeit zwischen den gedruckten Zeilen als auf der Straße, oder vielleicht fürchtete er sich, unmittelbar und ohne Schutzschild eines Buches mit ihr in Berührung zu kommen." - Seite 29

Giulio und Margheritas Wege kreuzen sich am ersten Schultag auf dem Gymnasium. Nur ein kurzer Blick, der so viel sagt. Und schon ist der Moment vorüber. Doch dieser Blick ging tief. Es schien, als könnten sich die beiden bis auf die Seele blicken. Da ist etwas, wie ein unsichtbares Band. Ganz zart...
Alle drei Hauptprotagonisten sind auf der Suche. Auf der Suche nach sich selbst, nach ihrem Leben, nach Antworten auf ihre viele Fragen, nach Mut, nach Vertrauen, nach Liebe, nach dem Vater.
Ihre Wege kreuzen sich und ihre Handlungen verknüpfen sich, passen sich ein wie Puzzleteile. Margherita lässt sich vom literarischen Enthusiasmus ihres Lehrers anstecken und sucht Antworten in der aktuellen Schullektüre "Odyssee". Und plötzlich kristallisiert sich eine ganz klare Antwort für sie hervor. Sie weiß, sie muss handeln und daher lässt sie sich auf ein Abenteuer ein, ein Abenteuer ins Ungewisse.

"Und leise senkte sich die Nacht auf diese Leben wie ein Klebstoff, der heimlich alles eint und verbindet. Weit versprengte Puzzleteile bildeten ein einziges großes Bild, das eine Hand bedacht zusammenfügte, bis alles sich mit einer Schönheit füllte, die noch unsichtbar, weil unvollkommen war. Oder verwundet." - Seite 241

Alessandro D'Avenias' Art zu erzählen, begeistert ungemein. Sein poetischer, anmutiger Schreibstil erscheint wunderschön und ich kam nicht umhin, manche Satzgebilde regelrecht zu bestaunen und mein Marker schien nie stillzuliegen. Gedichte, Weisheiten und ganze Textpassagen großer Literatur durchziehen diesen Roman und machen ihn zu etwas ganz Besonderem.
Nicht nur die Hauptprotagonisten Margherita, Giulio und der Lehrer bekamen facettenreiches leben eingehaucht. Der Autor hat es auch. Ihr versäumt, sich um seine Nebenprotagonisten zu kümmern. Andrea, der kleine Bruder, der seine Gefühle und Emotionen in Bildern ausdrückt. Nonna Teresa, die ihr ganz persönliches Schicksal verarbeiten muss und Stella, die dem Leber gerne näher kommen würde als es diesem lieb ist. Und natürlich Margheritas neue Freundin Marta und deren Familie, die mich zum schmunzeln brachte.

Kurz & gut - mein persönliches Fazit
Dieses Buch bescherte mir ein wundervolles und tiefgründiges Lesevergnügen. Ich bin sehr glücklich, auf diese wahre Buchperle aufmerksam geworden zu sein und habe jede einzelne Seite mit einem Hochgenuss verschlungen, der mich so und auf diese Weise selten packt. Diese Buch verlangt nach Ruhe und Zeit. Man muss sich auf die Worte einlassen, sich von ihnen treiben lassen und sich ihnen hingeben und verzaubern lassen. Für mich ein ganz klares Lese-Highlight!

© Rezension: 2014, Alexandra
buecherkaffee.blogspot.de


So wirst du stinkreich im boomenden Asien
So wirst du stinkreich im boomenden Asien
von Mohsin Hamid
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

5.0 von 5 Sternen Eine scharfsinnige, grundehrliche und bissige Satire in Ratgeberform, 20. Januar 2014
Am Anfang der Wille, am Ende die Liebe – und dazwischen ein ganzes Leben

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:
›So wirst du stinkreich im boomenden Asien‹ erzählt die erstaunliche und dramatische Geschichte eines Mannes, der sich von einem verdreckten und kränklichen Jungen aus der verarmten Provinz zu einem korrupten Großunternehmer wandelt, und beruft sich dabei auf die Art von Selbsthilfebüchern, wie sie zu Tausenden im heutigen Asien von jungen, hoffnungsvollen Männern gelesen werden.
Der namenlose Held kommt in einer riesigen Millionenstadt zu erstem Geld und baut sich alsbald ein eigenes Imperium auf – mit dem wichtigsten und knappsten Gut, das man sich denken kann: mit Wasser. Doch sein Herz hat er für immer verloren an das hübsche Mädchen, dessen Stern parallel zu seinem aufgeht. Immer wieder kreuzen sich ihre Lebenswege in dieser Liebe zueinander, entzündet und erloschen von den Kräften ihrer jeweiligen Schicksale.
Der Held dieser brillanten Geschichte könnte jeder von uns sein – auf der Suche nach einem besseren Leben. Und nicht nur das: Auch das Schicksal, das ihn erwartet, könnte das unsere sein … Tempogeladen, lebhaft und emotional tiefgehend erzählt dieser Roman von zwei unvergesslichen Menschen zwischen Momenten transzendenter Intimität und aufwühlenden gesellschaftlichen Veränderungen in der Welt von heute.

Meine Gedanken zu dem Buch:

Mohsin Hamid gelingt es auf eine unglaublich gewitze, bissige und unterhaltsame Art und Weise, seine Leser zu fesseln und zu integrieren, indem er seinen Roman als eine Art Ratgeber auftreten lässt. Einen Ratgeber, der mich direkt mit 'Du' anspricht und mich quasi anstupst und auffordert.
Dieser ganz besondere Erzählstil bindet, nein- fesselt den Leser regelrecht ans Geschehen und man vermag es kaum, dieses tiefgründige und absolut facettenreiche Werk aus der Hand zu legen.
Der Autor trifft die wunden Punkte der boomenden asiatischen Welt und nagelt sie fest und zeigt mir gleichzeitig, weil ich es schaffe, hier nicht unterzugehen, sondern mir mein großes Stück dieser immer größer werdenden Torte zu sichern. Natürlich gehört auch eine mal kleine, mal größere Portion Glück dazu, aber ist das nicht immer und überall so?
Eine korrupte, eine erbarmungslose Gesellschaft, in der man unterzugehen droht - außer man öffnet die Augen und sieht sie Chancen, die sich gleichzeitig auftun. Chancen, die zwar auch fragwürdig, aber trotzdem Chancen sind. Willst du stinkreich im boomenden Asien werden, musst du kreativ und einfallsreich sein und deine Chancen ergreifen, egal wie rücksichtslos diese erscheinen mögen.
Eine raue Gesellschaft fordert eine raue Schale um einen weichen Kern.

"Denn es hat einmal einen Augenblick gegeben, in dem alles möglich war. Und es wird einen Augenblick geben, in dem nichts mehr möglich ist.
Aber in der Zwischenzeit können wir gestalten." - Seite 136

Der namenlose Held, der als Paradebeispiel für den außergewöhnlichen Ratgeber herhält, fasziniert auf seine ganz besondere Weise. Sein Ehrgeiz, sein Durchhaltevermögen, seine Ideen - ein Junge, der keine Arbeit scheut, der nach vorne blickt und selten zurück, der zu einem wahren Geschäftsmann heranwächst.
Ein Junge, der aufzeigt, dass man selbst aus der ärmlichsten und ausweglosesten Situation mit dem richtigen Händchen und der richtigen Portion Glück 'stinkreich' werden kann. Denn ist es nicht das, was viele im tiefen innersten wollen? Stinkreich werden?
Doch wann ist man wirklich stinkreich? Wenn der Geldbeutel voll ist? Wenn die Taschen aller korrupten Stellen gefüllt sind, alles bezahlt ist und trotzdem noch genug übrig bleibt? Wenn man es geschafft hat, von der Wellblechhütte ins eigene Haus zu ziehen, vor dem halt dann aus Sicherheitsgründen besser ein Leibwächter stehen sollte?
Wann ist man wirklich stinkreich?
Vielleicht auch erst dann, wenn das schöne Mädchen an der Seite steht und ein Lächeln auf ihren Lippen liegt?
Indem der Autor des vermeidet, seinen Protagonisten als auch den Handlungsorten Namen zu geben, bewahrt er ein Stück Anonymität. Ein jeder von uns könnte damit gemeint sein. Eine Situation, wie sich sich an jedem x-beliebigen Ort im 'boomenden Asien' abspielen könnte.
Was bewirken die Globalisierung, der explosiver Bevölkerungswachstum, die mit fast Lichtgeschwindigkeit voranschreitende Technisierung auf die Menschen selbst und auf den gesamten Weltmarkt. Wie verändert es das Leben selbst? Der Autor legt ein unglaubliches Tempo vor und zeigt es uns anhand dessen wunderbar auf. Gerade mal 224 Seiten umfasst dieser Ratgeber der besonderen Art und doch begleiten wir den Protagonisten schon fast in Zeitraffer von seiner Geburt bis zu seinem Tod. Schnörkels, gradlinig, immer das Ziel vor Augen und doch gibt es da immer wieder eine Abzweigung, ein kleiner Ausbruch, das schon fast wie eine Art Bodenständigkeit, eine Art Wurzel wirkt: das hübsche Mädchen.
Jahrelang aus den Augen verloren, im Herzen aber immer präsent, laufen sie sich doch immer wieder im Leben über den Weg.
Der Ratgeber weißt darauf hin, sich auf das wesentliche im Leben zu konzentrieren. Und meines Erachtens trifft für den Protagonisten, der auch du oder ich sein könnte, nach einem langen Weg genau dies am Ende ein. Kein Geld, keine Statussymbole - nein, er konzentriert sich auf sein persönlich Wesentlichstes: das schöne Mädchen...

Kurz & gut - mein persönliches Fazit

Eine scharfsinnige, grundehrliche und bissige Satire, die in Ratgeberform einen etwas anderen Einblick in das 'boomende Asien' gewährt - und doch fehlt es ihr nicht an Warmherzigkeit, Liebe und Würde.
Ein Roman, der einem aufgrund seines hohen Tempos wie eine Achterbahnfahrt vorkommt und mich quasi fast atemlos zurück ließ. Ein 'Ratgeber' der besonderen Art, aus dem sich ein jeder seinen ganz persönlichen Rat herausziehen kann, der aber mit Sicherheit JEDEN erst einmal eine ganze Weile lang nachdenklich zurück lassen wird.
In meinen Augen definitiv ein schriftstellerisch grandioses Werk.

© Rezension: 2013, Alexandra
buecherkaffee.blogspot.de


Der mieseste aller Krieger: Roman
Der mieseste aller Krieger: Roman
Preis: EUR 15,99

5.0 von 5 Sternen ein unglaublich tiefgründiges, offenes und facettenreiches Werk, 15. Januar 2014
Die Geographie von drei Generationen und ein halbes Jahrhundert chilenische Geschichte

Meine Gedanken zu dem Buch:
Rodrigo Díaz Cortez legt mit "Der mieseste aller Krieger" ein unglaublich tiefgründiges, offenes und facettenreiches Werk vor, dass mich mitnahm auf eine Reise ins staubige, heiße Chile. Zu Beginn etwas irritiert vom Erzählstil, findet man doch recht schnell in die Geschichte und begreift die Zusammenhänge. Man sollte sich auf jeden Fall die nötige Ruhe für dieses Werk gönnen, denn der Autor schickt seinen Leser auf Zickzackkurs durch vier Jahrzehnte, erzählt mal hier, mal dort die Familiengeschichte weiter und sichert sich so die nötige Aufmerksamkeit.
Samu, der seinem Enkel Benito auf der Suche nach schriftstellerischer Inspirationen als Geist erscheint, blickt zurück auf seine eigene Geschichte, sein Leben, seine Familie und seine Freunde, ganz besonders seinem langjährigen Kumpel Sofanor, dessen plötzlicher Tod ihm lange nachhing und ihn beschäftigte. Er berichtet Benito von seinen jungen Jahren, seiner ersten Liebe, die er nie vergessen konnte und natürlich von seiner Ehe mit der liebevollen und sehr tierlieben Flor, die immer eine Schar Hunde um sich hatte. Er erzählt über seine hübsche, eigensinnige und selbstbewusste Tochter Tita, wie das junge Mädchen den Weg in die Familie gefunden hat und wie rasant sich die Welt veränderte, während er zusah, wie sie erwachsen wurde.

"Doch dann geschah das Wunder. Die Tita blickte ihr in die Augen und schenkte ihr ein wundervolles zahnloses Lächeln, woraufhin deiner Großmutter die Tränen kamen, Benito." - Seite 17

Und war das Leben schon hart, als das Salpetergeschäft noch florierte, war es doch nichts gegen das, was noch kommen sollte. Korruption, Mord und Totschlag zogen ein in das Städtchen Paitanás und Samu versuchte (ganz im Gegensatz zu seiner Tochter), sich aus allem herauszuhalten. Er bot den Männern die "Arche Noah" - das kleine Bordell, dass für viele doch der letzte Rettungsanker vor dem sicheren psychischen Untergang war. Er war kein Krieger, definitiv nicht. Die Arche Noah war seine Art, den Menschen zu helfen.
Samu liebt seine Familie, wie man es als Mann dieser schweren Zeiten nur tun kann und es ist ihm ein großes Bedürfnis, seinem Enkel dies 'einzuflüstern', ihm aufzuzeigen, wo er hingehört, wo seine Wurzeln liegen. Auch - oder gerade weil - Benito seine wahren Eltern nie kennenlernte.

"Ich kam zu dem Schluss, dass die Liebe wohl die göttlichste aller Absurditäten war oder vielleicht auch das einzige Absurde, dem ein Hauch von Göttlichem anhaftete." - Seite 81

Der chilenische Salpeter war hochbegehrt in der Welt, aber die Arbeit in den Salpeterwerken war unglaublich hart und trieb die Pampinos, die Kumpel, an ihre Grenzen. Arbeiten rund um die Uhr, Glutsonne und Massen an Staub, der sich auf die Lunge setzte und den Mund austrocknete. Der ärmliche Lohn ging für das abendliche Bier und Hurerei drauf, was ein paar Minuten vom erbärmlichen Leben ablenken soll.
Doch nachdem ein Weg gefunden wurde, den Salpeter künstlich herzustellen, ging es bergab mit dem Salpeterabbau, der nun als nicht mehr rentabel angesehen wurde. Die Pampinos reisten von Stadt zu Stadt auf der Suche nach Arbeit und etwas Brot. Aufstände gab es und die Regierung weiß sich nicht anders zu helfen als mit roher Gewalt. Niederschmetternde Ungerechtigkeiten suchen Chile heim, Armut, Massenmorde, Massengräber und das alles im Namen der Regierung, durchgeführt durch die bestechlichen Armee und Polizei...

"Es gefällt mir, wenn du über sie schreibst, über unser turbulentes Leben an einem Fleck auf dieser Erde, an dem es nichts gab außer uns und der Sonnenglut, die alles niedermachte. Es gefällt mir, wenn du über die Kumpel schreibst, die jetzt mit einem Fetzen Stoff unter der Erde ruhen und mit ihrem Schnarchen die Erde erschüttern. Denn Schreiben ist eine Form, die verlorene Zeit zurückzugewinnen. Und das tust du, indem du die Stimme dieses alten Geistes und die Tragikomödien meiner Flor, deiner Mutter Tita und meines Kameraden Sofanor rekonstruierst. Du bist der Enkel des Starrsinns, Benito." - Seite 113

Kurz & gut - mein persönliches Fazit
Rodrigo Díaz Cortez erschafft mit diesem Werk eine unglaublich emotionsgeladene und nachdenklich stimmende Generationssaga, die mich tief berührte und auch stellenweise betroffen zurück ließ. "Der mieseste aller Krieger" ist eine gelungene Gangsterballade, die von wehmütiger Melancholie durchzogen ist, aber auch mit einer ganz besonderen Art sarkastischem Humor aufwarten kann. Ein faszinierender Erzählstil, auf den man sich einlassen muss, der aber dann regelrecht begeistert und ans Buch fesselt.

© Rezension: 2013, Alexandra
buecherkaffee.blogspot.de


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