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Rezensionen verfasst von
Volker M.
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   

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Japan - Golden Globe [Blu-ray]
Japan - Golden Globe [Blu-ray]
DVD ~ keine
Preis: EUR 29,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weckt die Reiselust, 18. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Japan - Golden Globe [Blu-ray] (Blu-ray)
Wir waren schön öfter in Japan und lieben das Land und die Japaner. Die meisten Menschen glauben, dass Reisen in Japan wegen der Sprache kompliziert und überhaupt sehr teuer seien. Stimmt beides nicht. Wie unproblematisch man sich im Land fortbewegt, wie perfekt die Infrastruktur organisiert ist, das sind einige der praktischen Erkenntnisse, die man aus dieser Blu-ray ziehen kann. Wer immer schon mal nach Japan wollte und sich nur nie getraut hat, der sollte sich den Film alleine schon deshalb anschauen, weil er diese Hemmschwelle senkt. Sehr gut strukturiert und mit wunderschönen und scharfen HD-Bildern bekommt man einen hervorragenden Überblick über die Hauptsehenswürdigkeiten von Honshu (der Hauptinsel) und zwei interessanten Städten auf Kyushu (der Südinsel). Das ist genug Reisefutter für eine 3-4-wöchige Rundreise, die man nie vergessen wird.

Der Autor hat die Themen Geschichte, Traditionen, Landschaft und Kultur geschickt miteinander verwoben, sodass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Selbst wir, die wir schon oft da waren, haben immer wieder grinsen müssen, wenn Kuriositäten gezeigt wurden, die in Japan völlig normal sind, auf uns Westler aber sehr fremd wirken. Bewundernswert ist immer wieder die Perfektion im Detail, die von allen Beteiligten hohe Disziplin erfordert, sei es in der Organisation des morgendlichen Berufsverkehrs oder bei der traditionellen Gartengestaltung. Japaner sind ausgesprochen sorgfältig und rücksichtsvoll, was das Reisen so ausgesprochen angenehm und stressfrei macht.

Die vorgestellten Reiseziele gehören ausnahmslos zu den Hotspots des japanischen Tourismus. Außer den schon in der Kurzbeschreibung benannten Städten werden noch Hiroshima, Fukuoka und die Onzenstadt Beppu gezeigt. Bei der Reiseplanung sollte man beachten, dass Schloss Himeji im Moment leider komplett eingerüstet ist. Wir sind kürzlich dran vorbeigefahren und würden sagen, es lohnt sich derzeit nicht. Fertigstellung ist für März 2015 geplant, aber ich würde mich nicht drauf verlassen, denn der Termin wurde bereits um ein Jahr nach hinten verschoben. Eine schöne Alternative ist z. B. Kumamoto Castle.

Die im Film gelieferten Informationen sind qualifiziert, abwechslungsreich und gut strukturiert. Sie geben einen guten ersten Eindruck von Land und Leuten. Nicht nur das urbane, sondern auch das ländliche Japan werden vorgestellt, die herrliche Landschaft und natürlich die wunderschönen Tempel und Klöster. Die geschilderten Erlebnisse sind keine Exklusivitäten, sondern alles Dinge, die man ohne Schwierigkeiten auch selber erleben kann. Angefangen von der Klosterübernachtung bis hin zum Automatenrestaurant.

Kritische Töne darf man nicht erwarten. Übersteigerter Nationalismus, die Wirtschaftskrise, zunehmende Arbeitslosigkeit, der permanente psychische Druck unter dem (fast) die gesamte Gesellschaft steht, all das kommt im Film nicht vor. Man sieht nur Japans Sonnenseite - und die meist bei Sonnenschein. Aber warum soll man ein Land nicht zuerst mal von der Sonnenseite betrachten? Japan ist nun mal wunderschön.


Kaiser Augustus: Neugestalter Roms
Kaiser Augustus: Neugestalter Roms
von Angela Pabst
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Wenn nun das Ganze Euch wohl gefallen, so klatscht Beifall, und entlasst uns alle mit Dank nach Hause.", 16. August 2014
Kaum ein Mensch der Antike, ausgenommen vielleicht Cicero, ist nach 2000 Jahren so greifbar, als Person so real wie Augustus, der erste wirkliche "Kaiser" des Römischen Reiches. Er selber hätte sich allerdings sehr dagegen verwehrt, als Monarch angesprochen zu werden, auch wenn dem faktisch so war. Anders als sein Vorgänger Caesar hatte Augustus ein ausgesprochen sicheres Gespür für die Empfindlichkeiten der Bürgerschaft Roms, die jede Form von Alleinherrschaft vehement ablehnten, er besaß ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und, bei aller Brutalität zu Beginn seiner Herrschaft, zeigte er später große Versöhnungsbereitschaft und Bescheidenheit. Augustus war vielleicht der einzige römische Kaiser, der echte Freunde hatte, die ihm auch unbequeme Dinge sagen durften und er dies auch schätzte. Zieht man Bilanz, so erkennt man einen Menschen, der seine hohen moralischen Ansprüche wirklich gelebt hat, der fast immer maßvoll reagierte und eigentlich nie grausame oder rachsüchtige Züge zeigte. Selbst die Säuberungen im Senat nach seiner Machtübernahme sind letztlich rational begründet und man darf annehmen, dass sie Augustus sicher nicht leicht gefallen sind.

Angela Pabst gelingt es in ihrem Buch, neben den historischen Fakten gerade auch den Menschen Augustus zu erhellen. Zeitweilig liest sich der Text wie ein Psychogramm, was umso erstaunlicher ist, da wir (im Gegensatz zu Cicero) kaum persönliche Zeugnisse kennen. Die Res Gestae Divi Augusti (wörtlich „die Taten des vergöttlichten Augustus“), der Rechenschaftsbericht, den er in Bronze graviert an seinem Mausoleum anbringen ließ, kommt einer persönlichen Bilanz am Nächsten. Augustus' Autobiografie ist dagegen leider verschollen. Andrea Papst greift vor allem auf die Zeugnisse römischer Historiker wie Sueton, Cassius Dio und Tacitus zurück, die zum Teil noch originales Archivmaterial eingesehen haben und für ihre Zeit erstaunlich wissenschaftlich und systematisch vorgingen. So können wir uns in der Gesamtschau aller historiografischen und archäologischen Informationen tatsächlich ein präzises Bild von Augustus und seiner Zeit machen. Pabst schildert sehr detailliert die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse und erklärt vor allem, wie bestimmte Handlungen im römischen Volk bzw. dem Militär wahrgenommen wurden. Was für uns heute banal oder unwichtig erscheint, war oft genug für die Römer himmelschreiend skandalös (wie z. B. die Behandlung von Kleopatra als ebenbürtige Herrscherin durch Antonius). Diese Befindlichkeiten wusste Augustus immer sehr genau einzuschätzen und so wurde er, trotz zeitlebens angeschlagener Gesundheit und militärischer Unerfahrenheit, zum unangefochtenen und respektierten Herrscher.

Ich muss gestehen, dass mich das Kapitel zu den fünf Bürgerkriegen nach Caesars Tod in seiner Komplexität und Sprunghaftigkeit etwas verwirrt hat, allerdings waren es auch verwirrende Zeiten. Die übrigen Abschnitte sind dagegen gut strukturiert und von wirklich beeindruckender Detailfülle. Angela Pabst referenziert sorgfältig die Originalquellen und bewertet auch abweichende Lehrmeinungen, sodass sich insgesamt ein sehr vielschichtiges Bild ergibt.

Die Autorin hat leider eine große Vorliebe für lange Schachtelsätze, oft noch belastet durch Klammereinschübe, die keineswegs die Lesbarkeit fördern. Sätze, die eine Viertelseite und mehr füllen, sind keine Seltenheit. Auch ihr Hang zur Substantivierung von Verben und zu Passivkonstruktionen wirkt auf mich stilistisch unelegant. Das macht dem Leser das Verständnis unnötig schwer und ist auf Dauer ermüdend.

Insgesamt eine fachlich hervorragende, ausgesprochen detaillierte Biografie, die allerdings stilistisch manchmal etwas umständlich wirkt.


Der Circle: 8 CDs
Der Circle: 8 CDs
von Dave Eggers
  Audio CD
Preis: EUR 18,99

92 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltsam, aber etwas zu vorhersehbar, 14. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Circle: 8 CDs (Audio CD)
Die Story handelt von der IT-Spezialistin Mae Holland, die einen neuen Job im beliebtesten Unternehmen der Welt antritt: "Der Circle" ist eine Art Fusion von Google, Facebook und Twitter, die größte Datensammelmaschine der Erde, eine Plattform für alle nutzerrelevanten Informationen, die man sich denken kann. Passworte, Profile, Blogs, GPS- und Handydaten, alles "verwaltet" der Circle. Zum Wohle der Gesellschaft und aus völlig uneigennützigen Gründen. Natürlich nicht. Die völlige Transparenz hat ihren Preis, nur bemerken die Nutzer zunächst nicht, welchen Preis sie dafür zahlen. Sie zahlen am Ende mit ihrer Freiheit.
Die Circle-Firmenzentrale in Kalifornien ist ein paradiesischer Ort, an dem für die Angestellten die denkbar besten Lebensbedingungen geschaffen werden, im Austausch für die völlige Hingabe an die Firma (vor dem inneren Auge sieht man permanent die Google-Zentrale). Ein Hauptaugenmerk liegt auf der perfektionierten Kommunikation. Alle sind mit allen vernetzt, der soziale Austausch, die Entwicklung von Ideen und Visionen ist die übergeordnete Leitidee. Natürlich ist die Teilnahme am völlig transparenten Leben freiwillig, denn der Circle ist eine philanthrope Firma. Nur wer nicht mitmacht, der wird halt ein ganz kleines bisschen bestraft. Auch Philanthropie hat eben ihren Preis.
Mae bringt bald neue Ideen in den Konzern, die letztlich dazu führen, dass die gesamte Bevölkerung der USA unter die Hegemonie des Circle fällt. Sie tut dies im guten Glauben, der Terrorabwehr und dem Erhalt des Friedens in ihrem Land zu dienen. Der Circle ist spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr nur Facebook, sondern auch die NSA. Wer nicht "freiwillig" transparent ist, der ist verdächtig. Und wer verdächtig ist, der wird gejagt. Als Einige das vermeintlich menschenfreundliche Monster durchschauen, ist es bereits zu spät.

"Der Circle" wird gepriesen als der würdige Nachfolger von Orwells "1984", aber wer mit diesem literarischen Schwergewicht in den Ring steigt, der muss sich auch daran messen lassen. Dem Buch fehlt leider einiges, was Orwell ausmacht: Der visionäre Charakter, die sprachliche Brillanz und die dramaturgische Raffinesse. So gigantomanisch die Vision des Circle auf den ersten Blick erscheinen mag, so naheliegend und trivial ist sie letztlich. Es ist einfach die lineare Weiterentwicklung der Gegenwart, ohne Brüche und ohne echte Überraschungen. Eine wahre Vision zeichnet sich aber gerade durch Brüche im konventionellen Denken aus. Im Jahr 1949 war Orwells "1984" eine spektakuläre Vision, etwas, das in der Lebenswelt des Autors nicht vorkam, für die damaligen Leser kaum vorstellbar war und erst 60 Jahre später Realität wurde. Der Circle ist für mich dagegen in etwa so futuristisch wie eine Armbanduhr, die meinen Insulinspiegel misst. Gibt es noch nicht, ist aber nur eine Frage von einigen Jahren. Absolut vorhersehbar und keineswegs visionär.

Das eigentliche Problem des Romans ist aber seine Eindimensionalität. Der Erzählstrang ist vollkommen linear, ohne Parallelstories oder auch nur einen auktorialen Erzähler (also einen, der "alles weiß"). Dadurch bleibt die Dramaturgie ausgesprochen flach. Die Perspektive ist völlig beschränkt auf die direkte Erlebniswelt von Mae Holland, deren Begriffsstutzigkeit über die Folgen ihres Handelns in seltsamem Widerspruch zu ihrer angeblich überragenden Intelligenz steht. Ihre Vorgesetzten und der Firmenchef manipulieren sie permanent mit simplen Psychotricks und sie bemerkt auch hier nicht, dass sie nur ein willfähriges Werkzeug ist, das glaubt, ihre wegweisenden Ideen seien wirklich von ihr. In Wirklichkeit sind sie ihr nur durch offenkundig manipulative Fragen ins Hirn gepflanzt worden. Einmal kommen ihr dann doch Zweifel an der totalen Transparenz, als sie bemerkt, dass es in ihrem Leben Dinge gäbe, die sie ihren Eltern nicht erzählen würde. Sie ist aber so simpel gestrickt, dass sie auf die Frage des Firmenchefs, ob ihre Eltern diese Dinge vielleicht doch wissen wollen, mit "ja" antwortet und gleich zu dem Schluss kommt, dass es nichts gäbe, das zu verheimlichen gerechtfertigt ist. Mir ist letztlich nicht klar geworden, warum sich im Roman der Rest der Menschheit genauso einfältig wie Mae verhält und in einen globalen Rausch der totalen Transparenz verfällt.

Sprachlich ist Dave Eggert ein solider Handwerker. Die Charaktere werden so angelegt, dass sie über Kleidung, Physiognomie und Small Talk so beschrieben sind, dass der Leser schnell weiß, woran er ist. Diese Vorhersehbarkeit ist bei aller Phantasie, die in den raffinierten Gadgets des Circle steckt, und den hübsch ausgedachten Locations die zweite Schwäche des Buches. Wenn der Leser längst den Braten gerochen hat und die nächsten 20 Seiten schon selber schreiben könnte, tappt die Heldin immer noch im Dunkeln. Die Geschichte wird insgesamt etwas zu mundgerecht serviert, sie ist zu glatt, die Figuren sind ein wenig zu flach, wirken manchmal schablonenhaft und haben kaum Ecken und Kanten.

Und genau aus diesen Gründen ist "Der Circle" eben auch "nur" ein solider, spannender Unterhaltungsroman, kein neues "1984". Ein Hype wäre aus meiner Sicht unangebracht.

Torben Kessler liest routiniert und mit angenehmer Stimme. Ihm gelingt es, die Sätze so zu strukturieren, dass man den Inhalt auf Anhieb versteht und in Dialogen die Sprecher gut auseinanderhält. Man hört ihm gerne zu und das ist bei 10 Stunden Laufzeit eine ausgesprochen wichtige Eigenschaft.


Philips HD9326/21 Wasserkocher aus Edelstahl, 2200 Watt, 1,7 Liter, Warmhaltefunktion, Silber/Schwarz
Philips HD9326/21 Wasserkocher aus Edelstahl, 2200 Watt, 1,7 Liter, Warmhaltefunktion, Silber/Schwarz
Preis: EUR 67,96

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Heißes Teil mit Mängeln im Detail, 13. August 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Wir haben jetzt unseren alten Wasserkocher in Rente geschickt und nach einer Testphase kann ich jetzt über den Philips-Kocher berichten. Insgesamt hat mich die Leistung überzeugt, vor allem das Design gefällt mir gut, aber im Detail gibt es dann doch ein paar Verbesserungsvorschläge. Hier meine Beobachtungen:

+ Sehr gute Verarbeitungsqualität. Alles ist passgenau, Schalter und Folientasten arbeiten zuverlässig und haben einen guten Druckpunkt.

+ Klasse Design: Das gebürstete Edelstahlgehäuse sieht edel aus und scheint oberflächenbehandelt zu sein, da sich Fingerabdrücke sehr in Grenzen halten und ggf. leicht abwaschbar sind.

+ Großes Fassungsvermögen (1,7l) und dennoch sieht der Wasserkocher mit einer Höhe von nur 26 cm nicht zu wuchtig aus.

+ Verschiedene Temperaturstufen wählbar: Möglich sind 80, 90, 95 und 100 °C. Für die meisten Anwendungsfälle (z.B. Tee) reichen 80° absolut aus. Sobald das Wasser die gewünschte Temperatur erreicht hat, gibt es einen Piepston, die Temperaturtaste leuchtet durchgehend und der Wasserkocher schaltet sich aus.

+ Abnehmbarer Wasserbehälter. Die Kanne lässt sich in beliebiger Position hochheben und absetzen.

+ Gute Handhabung. Der Deckel öffnet sich auf Knopfdruck am Griff, sodass sich Wasser bequem einfüllen lässt. Beim Ausgießen läuft nichts daneben.

+ Hohe Standfestigkeit: Der breite Gerätesockel mit 15 cm Durchmesser sorgt für einen sicheren Stand.

+/- Das Gerät ist nicht gerade ein Schnellkocher, so sind 1,7 Liter Wasser erst in rd. 5 1/2 Minuten kochend. Keine wirklich schlechte Zeit, aber Mitbewerber sind schneller.

+/- Es können laut Anleitung auch Kleinstmengen von 0,25l erhitzt werden. Bei meinem alten Kocher mussten es immer mindestens 0,75l sein. Allerdings ist diese Mindestmenge nicht auf der Skala angegeben. Das können wohl nur die Produktdesigner erklären.

+/- Die Warmhaltefunktion mag zwar innovativ und praktisch sein, ist aber aus meiner Sicht Energieverschwendung.

- Das Außengehäuse wird - wie häufig bei "Metall-Wasserkochern" - kochend heiß, sodass Verbrennungsgefahr besteht. Darauf sollte Philips zumindest mit einem auffälligen Warnaufkleber am Neu-Gerät hinweisen, denn die Anleitung für einen Wasserkocher wird wohl kaum jemand vorher lesen.

- Das Sichtfenster mit der Füllskala liegt hinter dem Handgriff und ist somit beim Einfüllen schlecht ablesbar. Das Problem verstärkt sich, wenn von der vorherigen Nutzung noch Kondenstropfen an der Innenseite hängen. Das nervt auf Dauer sehr.

- Der Deckel lässt sich zum Reinigen des Behälters nicht abnehmen. Aber ehrlich gesagt, vermisse ich dies persönlich auch nicht, da wir kalkarmes Wasser haben und eine Innenreinigung auch sonst noch nie notwendig war.

Ein guter Wasserkocher mit ansprechendem Design, großem Volumen aber dennoch Verbesserungspotenzial im Detail.


MITTELAMERIKA - Mexiko - Guatemala - Belize - El Salvador - Honduras - Nicaragua - Costa Rica - Panama - Ein Premium***-Bildband in stabilem ... Abbildungen auf 224 Seiten - STÜRTZ Verlag
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von Christian Heeb (Fotograf + Autor)
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielfalt und Farbigkeit, 12. August 2014
Das erste Mal ist mir Christian Heeb mit seinem Bildband über Südamerika aufgefallen. Das Buch hatte mich regelrecht begeistert und ich habe mich schon auf den angekündigten Band "Mittelamerika" gefreut. Nachdem sich der Erscheinungstermin leider um ein Jahr verschoben hat, kann ich beruhigt feststellen: Das Warten hat sich gelohnt! Christian Heeb hat die Vielfalt und Farbigkeit Mittelamerikas wunderbar eingefangen, die ganze Pracht der üppigen Natur, die barocken Städte und ihre Kathedralen, die modernen Metropolen genauso wie die ländlichen Regionen. Es ist der Spiegel einer unglaublich bunten Kultur, oder sagen wir besser von vielen Kulturen: Hier mischen sich indigene und europäische Elemente wie kaum irgendwo anders auf der Welt. Vor allem hat sich viel Historisches erhalten und so sind die Altstädte oft kleine barocke Perlen mit unvergleichlichem Charme. Es ist zwar über 20 Jahre her, dass ich durch Mittelamerika gereist bin, aber ich habe mich sofort zurückversetzt gefühlt. Diese unglaublichen Farben, die manchmal fast überdreht wirken - genauso sind die Trachten der Einheimischen und die kleinen Häuser auch in meiner Erinnerung.

Christian Heeb dokumentiert die (sub)tropischen Naturlandschaften und zeigt die üppige Flora und Fauna in wunderschönen Bildern (auch wenn einige auf analogem Bildmaterial beruhen). Regen- und Nebelwälder, Vulkankrater und Traumstrände. Anders als in Südamerika lassen sich die Zentralamerikaner weniger gerne fotografieren, was man auch auf Heebs Aufnahmen bemerkt. Unbeobachtete Menschen sind eher die Ausnahme, aber wenn jemand einmal für ein Foto posiert, dann spürt man sofort die Herzlichkeit und menschliche Wärme. Heeb hat auch einige indigene Völker besucht, die noch sehr traditionell im Einklang mit der Natur und fernab der Städte in geschützten Reservaten leben. Dass es die hier überhaupt noch gibt, war mir z. B. nicht bewusst. Einiges hat sich in den 20 Jahren auch grundlegend geändert. Während wir noch im Eiltempo durch Nicaragua gedüst sind (der Bürgerkrieg war gerade vorbei und jeder, der US-Amerikaner hätte sein können, war nicht gerne gesehen), könnte ich mir heute mehr Zeit nehmen und die wunderschönen Städte besuchen. Auch die Altstadt von Panama City war damals noch ein Slum, jetzt ist sie malerisch herausgeputzt. Dass nicht alles nur besser geworden ist, sieht man aber z. B. an der prekären Sicherheitslage in Guatemala. Insgesamt ist Mittelamerika aber damals wie heute eine unglaublich vielfältige und lohnende Reiseregion.

Mittelamerika ist ohne die präkolumbianischen Kulturen natürlich nicht denkbar, und so setzt der Autor auch einen Fokus auf die phantastischen Ausgrabungsstätten und Museen. Maya, Azteken, Olmeken, sie alle haben monumentale Spuren hinterlassen, die selbst die Spanier nicht vollständig tilgen konnten. Vor allem in der Region zwischen Honduras und Mexiko begegnet man ihnen fast auf Schritt und Tritt und wer jemals die riesigen Pyramiden und Ruinen in den Trocken- und Regenwäldern gesehen hat, der wird das nie vergessen. Einige Nachfahren der Maya hängen übrigens immer noch den alten Kulten an und sie sprechen auch noch alte Maya-Dialekte. Heeb hat auch sie besucht und vermittelt in den informativen Texten insgesamt einen guten Überblick über Kultur und Lebensart in den unterschiedlichen Ländern.

Zur Reisevorbereitung oder als Erinnerungsbildband ist "Mittelamerika" eine echte Verführung für alle Reiseenthusiasten. Rundum gelungen.


WMF 1191916340 Besteck-Set 30-teilig Cromargan Protect Michalsky
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Preis: EUR 189,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wuchtiges Design - Tadellos verarbeitet, 11. August 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Schon auf den ersten Blick wirkte das Besteck auf mich sehr wuchtig. Die Griffe sind deutlich breiter als üblich und für meinen Geschmack dadurch weniger elegant. Ich habe sie neben einen 26 cm Standardteller gelegt und da sieht man, dass dieses Besteck eigentlich nach größeren Tellern (und dementsprechend größeren Platzdeckchen) verlangt. Das Ensemble wirkte auf mich etwas "zugebaut". Ich habe ein Foto angehängt, auf dem man das ganz gut sehen kann. Zum Vergleich liegt eines meiner "normalen Gebrauchsmesser" daneben.

Das Messer ist mit 23,8 cm Länge und 2,2 cm Breite in jeder Dimension größer als alle Messer, die ich aus anderen Serien kenne. Wenn man es dann aber in die Hand nimmt, ist man überrascht, wie leicht es trotz der massigen Griffe ist. Alle Teile, auch Gabel und Löffel, sind ausgesprochen gut austariert und ausgezeichnet verarbeitet.

Hier die genauen Maße und Gewichte für alle Besteckteile:

Messer: 23,8 x 2,2 cm; 98 g (1,1 cm dick!)
Gabel: 21 x 2,5 cm; 60 g
Löffel: 21,1 x 4,2 cm, 75 g
Kaffeelöffel: 13,6 x 2,9 cm; 27 g
Kuchengabel: 15,9 x 1,9 cm; 30 g

Mein Fazit: Man sollte auf jeden Fall prüfen, ob die Dimensionen des Bestecks zum eigenen Geschirr passen. Das Besteck ist erkennbar wuchtiger und auch größer als üblich und es kann daher leicht zu dominant wirken. Verarbeitung und Ausgewogenheit sind ausgezeichnet, aber für kleine Hände, insbesondere für Kinder, erscheinen mir insbesondere die Messergriffe sehr voluminös.
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Der Mann, der zu viel wusste: Kriminalgeschichten
Der Mann, der zu viel wusste: Kriminalgeschichten
von Gilbert Keith Chesterton
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verblüffend aktuell, 10. August 2014
Das Land steht kurz vor dem Bankrott, eine korrupte Regierung betrügt das Volk und tut alles, um die Besitztümer einer kleinen, elitären Oberschicht zu schützen, es droht das völlige Auseinanderbrechen des Staatenbundes, ja möglicherweise ein Krieg. Wovon ich rede? Von Großbritannien kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Die Parallelen zum heutigen Europa sind so deutlich, dass dieses fast 100 Jahre alte Buch eine erschreckende Aktualität bekommt und der heutige Leser kann die dräuende Endzeitstimmung durchaus nachvollziehen. Chesterton bringt 1922 nur das zu Papier, was die Leute damals umtreibt und was wir heute auch ahnen: Die Wahrheit ist so furchtbar, dass sie niemand wissen darf.

Niemand außer Horne Fisher, der Mann, der zu viel weiß. Spross einer überaus einflussreichen Adelsfamilie, geboren mit dem sprichwörtlichen Goldenen Löffel im Mund und aufgewachsen in den Kreisen, die die Welt regieren.
Der blitzgescheite und universell gebildete Fisher ist ein brillanter Detektiv, der mit dem Journalisten Howard March einige aufsehenerregende Fälle löst. Theoretisch aufsehenerregend, denn diese Morde und andere Verbrechen werden nie in die Kenntnis der Öffentlichkeit gelangen. Mal spricht die Staatsraison dagegen, mal die Unantastbarkeit der Täter, mal das britische Prozessrecht. Horne Fisher mag ein detektivisches Mastermind sein, aber ihm sind die Hände gebunden - und wenn nicht, dann bindet er sie sich selbst.

In "Der Mann, der zu viel wusste" tritt ist ein völlig untypischer Chesterton ins Rampenlicht. Ein desillusionierter Pessimist, ein Verschwörungstheoretiker und ahnungsvoller Visionär. Stilistisch wie immer brillant, ist er nie vorher und nie mehr danach so abgeklärt und säkular. Seine christliche Haltung, die vor allem in den ungleich berühmteren Father-Brown Geschichten zutage tritt, die ist hier einer zutiefst rationalen, weltlichen Sicht gewichen. Der humoristische Unterton fehlt weitgehend, wenn man einmal von einigen eleganten Smalltalk-Wortgefechten absieht. Horne Fisher leidet an seiner Unfähigkeit, der Gerechtigkeit genüge zu tun, nicht äußerlich, sondern innerlich. Äußerlich hat er sich eine Schutzwand aus Unnahbarkeit und Gleichgültigkeit zugelegt, ganz anders als die philanthrope Herzensgüte eines Father Brown. Horne Fisher ist ein Protagonist mit vielen Brüchen in seiner Persönlichkeit. Ein sozial eingestellter Großbürger, eine handlungsunfähige Graue Eminenz, ein Alleswisser ohne Ambitionen zur Macht. Und an diesen inneren Konflikten geht er letztlich zugrunde.

Die Erzählstruktur ist die eines Episodenromans, der allerdings nur mühsam seine Entstehung aus einzelnen Kurzgeschichten verbergen kann, die zwischen 1919 und 1922 erschienen. Die Rahmenhandlung ist die Bekanntschaft von Fisher und March, die sich über einen Zeitraum von etwa 5-10 Jahren erstreckt, während dem die beiden Freunde sich immer wieder begegnen. Mord und mysteriöse Kriminalfälle pflastern ihren Weg und Fisher gelingt es immer wieder durch genaue Beobachtung und sein enzyklopädisches Wissen, die Täter zu überführen. Die Geschichten sind komplex und oft bieten die Erläuterungen im Kommentarteil wichtige Informationen für das heutige Verständnis des Lesers. Man mus sich immer wieder die Situation in Großbritannien der Zeit um 1920 vor Augen führen: Palästina wurde gerade besetzt, der irische Bürgerkrieg tobt und in der britschen Regierung wurde kürzlich ein Korruptionsskandal publik. Großgrundbesitzer leben noch wie die Feudalherren, soziale Unruhen allenhalben und die Presse entwickelt sich zur Vierten Gewalt. In dieser Zeit spielen Chestertons Episoden und wenn ihnen auch die spielerische Leichtigkeit eines Father Brown fehlt, so sind sie stilistisch ebenso brillant und dokumentieren ein Stück vergessene Zeitgeschichte, das verblüffend aktuell wirkt.


Blut will reden: Eine wahre Geschichte von Mord und Maskerade
Blut will reden: Eine wahre Geschichte von Mord und Maskerade
von Walter Kirn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verführungen, 8. August 2014
Walter Kirn sucht Antworten. Wie konnte es sein, dass er, der Princeton Absolvent und Oxford Stipendiat, wie konnte er dem psychopathischen Hochstapler und Mörder Christian Gerhartsreiter, alias Clark Rockefeller auf den Leim gehen? Warum war er blind für die vielen Ungereimtheiten im Leben des angeblichen Rockefeller-Sprösslings? Wie konnte er die vielen Widersprüche einfach ignorieren, die ihm schon während seiner Bekanntschaft (war es jemals Freundschaft?) mit ihm aufgefallen waren?
Walter Kirn sucht Antworten.

Jetzt sitzt Christian Gerhartsreiter auf der Anklagebank und setzt das Spiel von Täuschung und Maskerade mit Hilfe seiner Anwälte fort. Er wird verdächtigt, den Sohn seiner Vermieterin umgebracht und in Stücke geschnitten zu haben. Und das mit einer erschreckenden Kaltschnäuzigkeit.
Walter Kirn hat sich 15 Jahre im Licht der "Freundschaft" mit Clark Rockefeller gesonnt. Er, der soziale Aufsteiger aus kleinen Verhältnissen, der angehende Romanautor und Journalist, schmückte sich mit dieser Freundschaft. Der Vertraute eines Rockefeller. Aber genügt das alleine schon, um sich derart blenden zu lassen? Es muss mehr dahinter stecken und so durchleuchtet Kirn retrospektiv die Geschichte dieser seltsamen Beziehung, während er auf den Besucherrängen des Gerichtssaals den Prozess beobachtet. Ungeheuerliches kommt zu Tage, Gerhartsreiter hatte offenbar eine ganze Reihe von Pseudonymen, die er mit Leben füllte. Einfache Nobodies sind darunter, genauso wie britische Adelige, je nachdem, was die Situation erforderte. Der real gewordene Tom Ripley. Er schlüpft in diese Personen wie in einen maßgeschneiderten Anzug, füllt sie aus mit einem gigantisch aufgeblasenen Ego, das Kirn keinesfalls abstößt, als er Clark Rockefeller kennenlernt. Kirn kennt die Marotten der Oberschicht bereits aus der Zeit seines Studiums und denkt sich nichts dabei. Im Gegenteil, er ist froh, dass Rockefeller ihn überhaupt wahrnimmt, anders als die dünkelhaften und arroganten Kommilitonen in Oxford und Princeton. Und er merkt nicht, dass er damit eine Symbiose mit dem Psychopathen eingeht, der es meisterhaft versteht, sein erfundenes Ich mit Hilfe von Kirns interessierter Anteilnahme immer weiter zu verfeinern. Psychopathen sind großartige Menschenkenner. Kirn ist keiner.

Die Parallelen zu Truman Capotes "Kaltblütig" sind offensichtlich: Dieses Buch ist auch eine Art Seelenbeichte, der Versuch, in die eigene und die Psyche des Mörders vorzudringen, auf der Suche nach Erklärungen. Kirn hat zwar nicht ganz die stringente sprachliche Klarheit eines Truman Capote, aber sein Buch besitzt dennoch eine meisterhafte Dramaturgie, die den Leser von der ersten Seite fesselt. In Vor- und Rückblenden werden die beiden Protagonisten und ihre seltsame Beziehung durchleuchtet und Kirn schreckt auch vor unangenehmen Wahrheiten nicht zurück. Er schont sich nicht. Wenn es denn der Wahrheitsfindung dient. Auch Kirn ist in gewisser Weise Mittäter, denn half er nicht dabei, die leere Hülle Clark Rockefeller mit Leben zu füllen? Selbst im Gerichtssaal spielt Gerhartsreiter noch eine Rolle, um die Geschworenen mit subtilen psychologischen Tricks zu manipulieren.

Am Ende ist Kirn desillusioniert. Wird er zukünftig Blender erkennen und sie meiden? Ich würde keine Wette eingehen.


Gottorfer Codex: Blütenpracht und Weltanschauung
Gottorfer Codex: Blütenpracht und Weltanschauung
von Kirsten Baumann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Innovation in der Pflanzenillustration, 7. August 2014
Nach fast fünfjähriger Restaurierung erstrahlt der vierbändige Gottorfer Codex in altem Glanz, und mehr noch, bis Oktober 2014 kann man 160 der insgesamt 364 Blätter sogar auf Schloss Gottorf selber in Augenschein nehmen. Das Statens Museum for Kunst in Kopenhagen hat dieses einmalige Dokument barocker Pflanzenmalerei zusammen mit weiteren Exponaten für fünf Monate ausgeliehen.
Die in Gouache auf Pergament ausgeführten Pflanzenportraits zeichnen sich durch eine in der Entstehungszeit außergewöhnliche Naturnähe aus. Hier fehlt alles Formelhafte, das barocke Malerei oft ein wenig stereotyp wirken lässt. Selbst feinste Details werden meist akkurat wiedergegeben, mit wissenschaftlicher Präzision, sodass der Fachmann auf einen Blick auch den Unterschied zwischen Krokus und Herbstzeitlose erkennt. Manchmal ordnet sich diesem veristischen Prinzip sogar die Ästhetik unter. Zur Entstehungszeit des Gottorfer Codex Mitte des 17. Jahrhunderts war dieser Ansatz geradezu revolutionär. Im Gegensatz zu anderen Florilegien der Zeit bildet Holtzbecker in der Regel auch die Wurzeln und Zwiebeln der dargestellten Pflanzen ab, wiederum ein Hinweis auf die wissenschaftliche Ambition, ganz im Sinne des Auftraggebers Herzog Friedrich III von Schleswig-Holstein-Gottorf. Man vermutet, dass der Herzog eine wissenschaftlich begründete Flora beabsichtigte, deren Vollendung er jedoch nicht erlebte. Der Gottorfer Codex enthält keinen Text (obwohl das in Florilegien durchaus üblich war), nicht einmal einen Titel. Ganz anders als in den Kräuterbüchern des 16. bis 18. Jahrhunderts steht hier das Abbild unangefochten im Vordergrund. Ein weiterer Unterschied ist die Fokussierung auf reine Zierpflanzen. Kräuterbücher, wie der Name schon sagt, behandelten fast ausschließlich Nutz- und Arzneipflanzen.

Der Katalog zur Ausstellung zeigt nicht nur exemplarisch viele der Exponate in leicht verkleinertem Format, sondern die beitragenden Autoren beleuchten die Einzigartigkeit des Codex von mehreren Seiten, sowohl kunsthistorisch als auch wissenschaftlich (oder sagen wir besser erkenntnistheoretisch). Das Werk steht exemplarisch für den Übergang des Renaissancedenkens hin zur Wissenschaftlichkeit und dem Kategorisierungszwang, der ab etwa 1650 einsetzt. Eine der großen Umbrüche in der Menschheitsgeschichte, der geradewegs in die Aufklärung führte.

Die Autoren suchen historische Hinweise auf Hans Simon Holtzbecker, jedoch bleibt über ihn wenig bekannt. Sieben Blumenbücher sind von ihm bekannt, einige davon sind allerdings verschollen. Auch seine Arbeitsweise (Plein Air oder nicht?), zwar hinreichend wahrscheinlich belegt anhand von Methoden zeitgenössischer Künstler, bleibt mehr oder weniger hypothetisch.

Besonders interessant war für mich das Kapitel über die Restaurierungsarbeiten. Gouache auf Pergament ist besonders empfindlich, weil manche Farbe dazu neigt, abzuplatzen, wenn das Pergament austrocknet. Außerdem hat die lange Zeit, in der die Blätter nicht gebunden waren (wahrscheinlich über 30 Jahre nach der eigentlichen Herstellung), einige Schäden verursacht. Im Zuge der Restaurierung ließen sich auch wertvolle Erkenntnisse zur Maltechnik Holtzbeckers gewinnen. Letztlich hat man sich aus konservatorischen Gründen entschlossen, zwei der vier Folianten nicht mehr aufzubinden, sondern die Tafeln zukünftig separat zu bewahren.

Einige Kapitel widmen sich dem barocken Garten, der die Quelle für die Pflanzenabbildungen darstellt. Trotz der zeittypischen Begeisterung für Tulpen, die sich im Codex widerspiegelt, ist auf den frühen Plänen eine etwas antiquiert wirkende Gartenarchitektur zu erkennen. Erst später wird sich der Park zu einem typischen Barockgarten wandeln. Sein Begründer Herzog Friedrich III. hatte dagegen andere Zielrichtungen als die reine Repräsentation und Machtdemonstration. Eine enge Verbindung von Garten und naturwissenschaftlich orientierter Kunstkammer ist bei ihm ganz offensichtlich.

Der hervorragend bebilderte Katalog gibt einen umfassenden Einblick in die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Gottorfer Codex, seine "Wiederentdeckung" und wissenschaftliche Neubewertung. Die Abbildungen sind technisch makellos und zeigen die Brillanz und Präzision der Gouachen in klaren Farben. Neben den Gouachen zeigen die Abbildungen ergänzendes Material, das die Personen und ihre Zeit wieder lebendig werden lässt. Eine wunderschöne Dokumentation über ein lange nicht erkanntes, innovatives Schlüsselwerk der Pflanzenillustration.


Sehen und Staunen: Die Dresdner Kunstkammer von 1640
Sehen und Staunen: Die Dresdner Kunstkammer von 1640
von Barbara Marx
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 89,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Virtuelle Kunstkammer, 6. August 2014
17 Jahre dauerte die Arbeit an diesem monumentalen Wälzer, Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen (und Generationen) waren daran beteiligt, eine unglaublich aufwendige kunsthistorische Detektivarbeit steckt dahinter. Denn die Dresdner Kunstkammer von 1640 existiert nicht mehr. Ihre mageren Restbestände flossen 1832 in verschiedene andere Museen ein, darunter das Grüne Gewölbe und den Mathematisch-Physikalischen Salon. Das vorliegende Buch trägt alles verfügbare Wissen über den Bestand des Jahres 1640 zusammen, ein Datum, das exemplarisch für das Konzept einer barocken Kunstkammer steht, aber auch dem Umstand geschuldet ist, dass es den letzten erhaltenen barocken Bestandskatalog Dresdens darstellt. Erst fast 100 Jahre danach wird sich das nächste Inventar (1732) bis in unsere Zeit erhalten, aber da hatte sich der Fokus der Sammlung bereits deutlich verschoben.

Über 3000 Positionen sind im Inventar von 1640 verzeichnet (ein Dokument, das im Übrigen bisher nicht publiziert war) und selbst bei einer oberflächlichen Lektüre wird der geradezu enzyklopädische Ansatz dieser Sammlung offenbar. Belegstücke finden sich aus allen Reichen der Natur und allen bekannten Weltregionen, feinmechanische Meisterwerke und wissenschaftliche Instrumente, edles Drechsler-Werkzeug zum höfischen Gebrauch (nicht an profanem Holz zu verwenden, sondern an Elfenbein), Gemälde, Skulpturen und Plastik, Goldschmiedearbeiten und Tapisserien. Der Begriff "Wunderkammer" trifft ebenfalls zu, denn hier wurden die Wunder der Welt zusammengetragen, ein Spiegel einer Zeit, in der die Wissenschaften zur neuen Blüte kommen und der Mensch ins Zentrum der Wahrnehmung rückt. Während Rüst- und Waffenkammern zumindest der Nobilität zur Besichtigung frei standen, gehörte die Kunstkammer, zumindest anfangs, nur zum privaten Reich des Kurfürsten. 1640 war sie dann bereits ein europaweit bewundertes Museum mit fortschrittlichem Ausstellungskonzept, das einem auserlesenen Besucherkreis zugänglich war.

Sachsen wurde reich durch den Bergbau und so stellten Mineralien, Erze und die aus ihnen hergestellten kunsthandwerklichen Kostbarkeiten (besonders Pietra Dura-Arbeiten) einen historischen Kernbestandteil der Sammlung dar. Die kurfürstlichen "Handsteine" zeigen repräsentativ die geologische Vielfalt Sachsens und darüber hinaus. Bemerkenswert und ein (zahlenmäßig) absoluter Schwerpunkt sind die vielen handwerklichen und vor allem wissenschaftlichen Gebrauchsgegenstände und Messinstrumente. Die prunkvolle Ausstattung einiger Gerätschaften lässt bereits erkennen, dass sie nicht für gewöhnliche Handwerker hergestellt wurden, aber selbst für dilettierende Kurfürsten sind sie teilweise unpraktisch. Oft sind sie viel zu fragil, um dauerhaft benutzt zu werden. Diese "ästhetische Verfeinerung bis hin zur praktischen Nutzlosigkeit" findet sich bei einigen Kunstkammerstücken, seien es militärtechnische oder medizinisch-chirurgische Instrumente, Waffen oder Feinwerkzeuge der Goldschmiedekunst. In der Kunst der Elfenbeindrechslerei haben sich die Kurfürsten dagegen nachweislich in persona und regelmäßig geübt, wenn auch von fachkundiger Hand unterstützt.

Obwohl der Sammlung ein stark repräsentativer Charakter innewohnte, waren viele der Exponate in Schränken oder hinter Vorhängen den direkten Blicken der Öffentlichkeit entzogen. Durch den Bestandskatalog (und Augenzeugenberichte) ist die Aufstellungspraxis bis ins Detail bekannt und erschließt tatsächlich die systematische Gliederungsstruktur, die der Kämmerer Lucas Brunn verfolgte. Das Museum als mnemotechnischer Gedankenraum, als Instrument, die Welt zu ordnen und zu verstehen. Ein ausgesprochen fortschrittliches Konzept, nicht zuletzt geboren aus der Not, der Überfülle an Exponaten Herr zu werden.

Barbara Marx untersucht in der ausführlichen Einleitung die Entwicklung der privaten hin zur musealen Kunstkammer, stellt wichtige Protagonisten vor, Kunstkämmerer, Künstler und Handwerker im kurfürstlichen Dienst, und lässt so nicht nur die physische Existenz der Exponate in ihrer Umgebung vor dem inneren Auge des Lesers wiederentstehen, sondern analysiert auch die übergeordnete Sammlungsphilosophie, die niemals losgelöst ist vom Gedanken herrschaftlicher Repräsentation, gepaart mit wissenschaftlichem Forscherdrang. Diese Kunstkammer versammelte, was technisch machbar war, wohl am eindrucksvollsten demonstriert in den phantastischen Figurenautomaten und den komplexen astronomischen Uhren. Marx' Stil ist anspruchsvoll, sie richtet sich an Kunsthistoriker, nicht an den Laienleser. Auch die sonstige Ausstattung des Buches zielt auf einen professionellen Nutzerkreis: Nur etwa 200 der insgesamt über 3000 Positionen des originalen Bestandskatalogs sind mit Abbildungen versehen, was nicht nur dem Umstand geschuldet ist, dass sich bei Weitem nicht alles erhalten hat.
Auf die unkommentierte Transkription des Bestandskatalogs von 1640 folgt die sehr umfangreiche und sorgfältig referenzierte Dokumentation. Provenienzen, Sammlungs- und Dokumentationsgeschichte, sowie die Bibliografie sind zu allen Exponaten aufgeführt, die heute noch identifizierbar sind (und das sind verblüffend viele).

Fast 400 Jahre nach ihrer tatsächlichen Existenz entsteht so die Dresdner Kunstkammer virtuell neu. Ein Spiegel der Welt und Zentrum von Wissen, Kunstausübung und Kunstliebhaberei.


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